Ur.ÄVÄ. 37.Ia!srs. BezuqSvrei» t B«ttlta�ri. IL— 3lt_ monotl. T,— Sit. frei m«£>aus. voraus jahlbat. Post» vezu» Monatlich 7,— Ml. erll. Zu- ltellungsgedif dr. Unter Kreuzband Mr Deutichland und Oelierreich- Ungarn 10 2> Ml. für das ildrigr Ausland U 50 Ml. bei tar.Itch r nmal. Zustellung 12 50 Ml. Postoeilellungen nehmen an Dänemark, zolland, Luxemburg, Schweden und die Schweiz. Sin- getragen in die Volt- Zeitung»- Vreisliste. Der.Borwärts� mit der Sonntags- betlage»Voll u-Zett* ericheinl wochen- tüglich zweimal. Eonniaz» einmal. Telegramm-Adrelf»: �Sozialdemolrat verltn". Abeitd-Ansgabe Verlinev Volksblatt (�20 Pfennig� AnzeigenvreiS: Die achtgelpaltene Nonnare illrzeile kastei 2.B0-ML, Teuerungszuschlag SO0/,. „flleine Stajeigen", Das|eti- gedruckte Bort 75 Pfg.(zulässig zwei lettgedruckte Wortes, jedes weitere Wort 50 Pfg. Stellengesuche und Schlafsiellenanzeigen das erste Wort 55 Pig, jedes weitere Wort 40 Psq. Worte Uder 15 Buchstaben zählen sür zwei Worte. Teuerungszuschlag 50°/» Kamillen- Anzeigen, oolitische und gewerlichastliche Vereins- Anzeigen 2,— Ml. die Zelle ohne Aufschlag. Anzeigen für die n ä ch st e Nummer müssen bis ü Ahr nachmittags im Hauotgeschält, Berlin SB 63, Linden- ftrosie S, abgegeben werden. Geöffnet »on S Uhr früh bis 5 Uhr abends. Zentralorgan der rozialdcmokratifchen parte» Deutfchlands Redaktion und Expedition: SM. 6$, Linüenstr. 3. »ernivrecher: Amt Morttivlatz. Nr.».'>»!)<»—».'>» l>7. Dienstag, den 20, April 1920. vorwärts-verlag G.m.d. h., SW. 6$, Lindenstr. 3. Fernsprecher: Amt Morihplah, Nr. 117 üS—öl. Ententewamung vor putjchen. Angesichts der jüngst umlaufenden Gerüchte über die Möglichkeit eines neuen militärischen Staats- st r e i ch e S haben die Regierungen von Belgien. Frankreich, Großbritannien und Italien, die gegen jeden antidemokratischen Anschlag sind, ihre Ge- schäftSträger ermächtigt, dem deutschen Minister des Auswar- tigen zu erklären, daß diese Regierungen eine deutsche Nr- gierung, die nicht geneigt sein würde, den Friedensvertrag loyal durchzuführen, iu keiner Weise billigen köuu- ten. Weiter erklären sie, daß jede Erneuerung einer r e v o- lutionären Bewegung, ebenso wie jeglicher Wieder- ausbrnch von Unruhen nur das eine, Ergebnis haben würde, die Maßregeln zur Begünstigung des wirtschaftlichen Wiederausbaucs und der B e r p f l e g u n g Deutsch- l a n d s hinauszuschieben oder sogar u n m o g l i ch zu machen, während jcbt die alliierten Regterungen versprochen haben, derartige Maßregeln ins Auge zu fassen. Das Hetriebsrätegefetz für(dberfchlesien. Reichstagswahlbeteiligung abgelehnt! WTB. In einer Besprechung zwischen General Le R»«d und den Bertretern silmtliiher Parteien erklärte der General, daß die Einführung deS Betriebsrätegesetze« in Ober. schlesien nunmehr von der Ententekommission de- schlössen worden sei, während die Wahlen zum Reich». tage vom Hohen Rat in Pari» abgelehnt wären. Ueber die weitere parlamentarische Tätigkeit der aogendlick» lichen Parlamentarier äußerte sich der General dabin, daß diese Frage von der deutschen Regierung beim Hohen Rat in PariS zu regeln wäre. ES wurde darauf hingewiesen, daß dann das»berschlesische Boll ohne parlamentarische Vertretung sein würde. Der General versprach, sich von den Parteivorständen weiter berate« zu lassen. Zum Schlüsse wurde die Beamte«frage besprochen. Der Ge» neral vertrat den Standpunkt, daß die Beamten den Weisungen der Kommission zu folgen hätten, und mißbilligte den I u st i z b r a m t e n st r e i k. Die Konferenz von San Remo. San R r m o, 19. April. Der Oberste Rat der Frie- denskonserenz beschloß heute vormittag, die Delegation der türkischen Regierung auf den 19. Mai zur Entgegen- nähme de». Vertragstertes zu berufen. Heute nachmittag prüfte der Rat den Entwurf einer Antwortnote auf die Note des Präsidenten Wilson in der türkischen Frage. Dann schritt er zur Prüfung der finanziellen Klauseln des Friedensvertrages, um schließlich noch über dir kurdestanische Frage zu verhandeln. Paris, 19 April. Der Sonderberichterstatter der„Daily Mail" meldet aus San Nemo, Marschall Fach habe einen Bericht ausgearbeitet, nach dem eine Armee von 399909 Mann notwendig sei, um über die Ausführung des türkischen Friedens- vertrage» zu wachen. verhanülungen über Kapp? Kopenhagen, 20. April. Die„BerlingSke Tfdendr" mcl- bei aus Stockholm: Dr. Kapp wird vorläufig in Polizeige. w a h r s a m gehalten. Wie da?„SvenSka Dagbladet" erfährt, ist eS. nicht ausgeschlossen, daß zwischen der schwedischen und der deut- scheu Regierung ein Meinungsaustausch stattfinden wird über die Möglichkeit einer Auslieferung Kopps. Die tschechischen Wahlen. Prag, 19. April. Bis zum Abend waren in IIS Wahl» kreisen, in denen 229 Abgeordnete zu wählen sind, 153 Abge- ordnete gewählt. 67 Mandate blieben unbesetzt. Es erhielten von den deutschen Parteien dir Christlich-Sozialen 4, der Bund der Landwirte 6, Sozialdemokraten 23, deutsch-demokra- tische Freiheitspartei 2 und dir deutsche Wahlgemeinschaft 8, in»- gesamt 43 Stimmen. Bon den tschechischen Parteien er- hielten die Nationaldemokraten 12, Nationalsozialdcmokratm 17, Sozialdemokraten 44, Agrarier 21, Gewerbetreibende 1, BolkSpartei 14 und Modracek-Partei 1, insgesamt 119 Mandate. (Defterrelchs gefährüete Lage. Wien, 20. April. Wie die Blätter melden, hat die jugo-sla- wische Regierung den im Trzember 1919 mit Oesterreich geschlossenen Lebensmittel- und Waren lieferungS» Vertrag gekündigt. « Wien» 29. Apri. In der gestrigen Abendvcrsammlung der Südbahnbedienstetcn erklärte sich der weitaus grösite Teil der Angestellten und Arbeiter zur sofortigen Wiederauf» nähme der Arbeit bereit. In Amstetten und in St. Pol. ten wurde beschlossen, morgen früh die Arbeit wieder aufzunehmen, so daß der gesamte Werke h.r auf der West bahn st recke gesichert erscheint._ Die Kapitulation von Maubeuge. Pari», 29. April. Heute begann vor dem Kriegsgericht die Verhandlung wegen der Kapitulation von Maubeuge am 28. September 1914. Angeklagt sind die Brigadegenerale Fournier und Ville, Oberst Carlier, die Majore Mag N i n und Lerouh sowie die Hauptleute R« n a n d und S a u l- n i er d'A n cha rd. /lbsiimmung in Gft- unü Weftprerßen. Die Abstimmung in Ost- und Wcstpreußen soll, wie die„Teua" erfährt, am 27. Juni stattfinden. Das Stimmrecht hat jede Person, die da? 29. Lebensjahr vollendet hat, im AbstimmungS- gebiet geboren ist, ihren ständigen Wohnsitz dort hat oder sich seit de« Jahre 1995 bort aufhält. Die Löschung von Vorstrafen. Manschreibt uns auS dem R e i ck S j u si i z m i n i.st e r i u m: Die Nationalversammlung wird demnächst den Enlwurs eines Ge- setze» über beschränk!« Auskunft aus dem Strafregister und die Tilgung von S t r a f v e r m e r k e n. der ihr im November 1919 zugegangen und vor kurzem von dem mit seiner Vorbe- ralung betrauten Ausschüsse mit einigen Aenderungen in Einzelheiten einstimmig angenommen worden ist. in zweiter und drilter Lesung behandeln. Der Entwurf beruht auf dem Arundgedan.'en, daß eine Ver- urteilung mit der Zeit an Bedeutung sür die Beurteilung der Per- sönlichkeit der Verurteilten immer mehr verliert und daß schließ. lich einmal ein Tag eintritt, wo diese Strafe bei der Bewertung des Verurteilten mit Fug überhaupt nicht mebrberücksich- t i g t werden kann. Deshalb schreibt der Entwurf für die große Masse der Verurteilungen vor, daß nach Ablauf einer gewissen Frist über die Verurteilung nur noch den Gerichten, der Staatsanwaltschaft und der Ministerien des Reiche» und der Länder Auskunft erteilt werden darf. Nach Ablauf einer weiteren Frist soll der Vermerk über die Verurteilung auS dem Strafregister und den polizeilichen Listen ganz verschwinden. Die letztere Borschrift bedeutet eine einschneidende Aenderung deS jetzigen RechtSzustandeS und eine außerordent- liche Verbesserung der Rechtslage vorbestrafter Personen. Der Erfolg wird sein, daß eine weiter zurückliegende Verurteilung im späteren Leben des Verurteilten kein Hemmnis mehr bilden kann,' Voraussetzung deS Eintritts der beschränkten Auskunft und der Tilgung ist, daß innerhalb der Fristen der Verurteilte nicht er- neut bestraft wird, doch sollen lleinere Strafen außer Betracht bleiben. - Ausgeschlossen von diesen automatisch eintretenden vcrgünsti- gungen bleiben nur Verurteilungen zum Tode und zu Zucht» Haus. Hier soll eS der Landesjustizverwaltung vorbehalten sein. unter Würdigung der Umstände des Einzelfalles die beschränkte Auskunft und die Tilgung durch besondere Anordnung vorzu- schreiben.. Zugleich wird der Landesjustizverwaltung die Ermächtigung erieilt, für die Fälle, wo an sich die automatische Regelung Platz greift, die Frist abzukürzen oder sonst Ausnahmen zugunsten des Verurteilten zu bestimmen. Die Wahl ües Neichsprästüenten. Der Verfassungsausschuß der Nationalversammlung nahm heute am Dienstag endgültig die Reichstags wahlvor lag« an und ebenso den Gesetzentwurf über die Wahl deS Reichs» Präsidenten. Beide Gesetze wurden in allen wesentlichen Punkten einstimmig angenommen. Dec Gesetzenttvurf über den Volksentscheid Und die Vorlage über den Staats» gerichtshof sollen nach übereinstimmender Auffassung deS Aus. schusses dem neuen Reichstage zur Erledigung vorbehalten biet» ben. Die zweite Lesung der Wallvorlag« und des Gesetzes über die Wahl des ReichSpräsidenton findet in der Nationalversammlung am Donnerstag statt. Die Arbeit der Nationalversammlung. Die Deutsche National- Versammlung, für die eine Beendigung des augenblicklich währenden Beratungsabschnitts auf den 23. April vorgesehen war, wird bis zu diesem Tage, wie bereits jetzt zu erkennen ist. mit ihren Ar. beiten noch nicht fertig fem. Es ist jedoch nach Meldung der „D. A. Z." nicht ausgeschlossen, daß sie bei stärkerer Beschleunigung in der Durchberatung des noch vorliegenden Beratunysstoffes die Verlängerung ihrer Tagung nicht so weit wird aus- dehnen müssen, wie vielfach bereits angenommen worden ist. -Man rechnet jetzt damit, daß die Nationalversammlung etwa An- fang der nächsten Woche sich wird vertagen können. Die Gültig- keitsdauer ihres Mandats wird sich unmittelbar bis zum Tage der Einüerusnng des neuen Reichstags, also über die Wahlen selbst hinaus erstrecken. Mehrheitler, Unabhängige und Wahlkampf. Von Eduard Bern st ein. T.vr verstorbene Staatskatholik Karl I e'n t s ch, ein Schriftsteller, den auch der politische Gegner gern las, hat in seiner, 1892 erschienenen Schrift„Gcschichtsphilosophische Gedanken" zwei Kapitel, die sich mit dem Verhältnis der zwei großen christlichen Konfessionen zu einander befassen. Das eine gilt der Frage„Ist eine Wiedervereinigung zu erstreben?", daS andere legt dar„wie die Konfessionen einander brauchen". Aus dem Titel dieses letzteren Kapitels ersieht man schon, daß der Verfasser die im ersten Kapitel gestellte Frage verneinend beantwortet. Nach ihm entspricht jede der beiden Konfessionen mit ihrem Kultus besonderen seelischen Bedirrfnissen und sozialen Gewohnheiten, die bei bestimmten Völkern, oder Volkstcilen überwiegen, so daß alle Versuche, die Konfessionen zu verschmelzen in niemand befriedigende Zwitterbildungen ausmünden und daher not- wendig fehlschlagen würden. Zu erstreben sei nur ein friedliches Nachbarverhältnis, bei dem die beiden Konfessionen einander wohltätig befruchten können. Manche Erscheinungen im derzeitigen Entwickelungs- zustand der Sozialdemokratie legen eine ähnliche Fragestellung nahe. Es wird wohl kaum einen Sozialdemo- traten geben, der nicht wünschte, daß die sozialistische Arbeiter- bewegung wieder durch eine große, im Kampf geschlosscu vorgehende politische Partei vertreten wäre. Aber unter denjenigen Sozialdemokraten, die im gegenwärtigen Fraktion-Z- kämpf aus tieferen, grundsätzlichen Erwägungen heraus Stellung genommen haben, wird eS doch kaum einen geben, der nicht nur eine solche Verschmelzung für erstrebenswert hält, bei der diejenigen politischen Gesichtspunkte, die seine Stellungnahme bestimmten, keine Preisgabe oder gar Verpönung erleiden. Und da es solcher Sozialdemokraten in beiden Lagern eine ansehnliche Zahl gibt, ist die Frage der Wiedervereinigung keine so einfache Sache, als wie mancher sie sich vorstellt.'Denn es sind ja- nicht bloße Personeilsrageii oder Streiterei um Formalitäten, welche die sozialistischen Fraktionen heute getrennt halten. Zwischen ihnen schweben Fragen deS politischen Verhaltens und der sozialistischen M e't h o d e. die für die ganz? politische und wirtschaftliche Eni- Wicklung Deutschlands von großer Tragweite sind, wenn man sich klar darüber werden will, ob und unter welchen Be- dingungen eine Wiedervereinigung möglich urch erstrebenswert ist oder ob wir uns mit der Erzielung des Abstellens der Feindseligkeiten und Gehässigkeiten werden zu begnügen haben, dann muß man zunächst untersuchen, wie tief und von welcher grundsätzlichen Bedeutung die sachlichen Gegen- sätze sind, welche die sozialistischen Fraktionen trennen und was gegebenenfalls die eine oder die andere Richtung preis- zugeben hätte, wenn eine Verschmelzung möglich und wünschenswert sein soll. Die Erörterung dieser Frage ist heute keine Sache bloßer Liebhaberei oder frommen Wollens. Sie wird im W a h l- kämpf, an dessen Eröffnung wir stehen, zu einem unabwendbaren Gebot der politischen Praxis. Die sozialistischen Massen müssen wissen, was sachlicb im sozialistischen Fraktions- kämpf auf dem Spiele steht. Sie müssen, falls ein Zusammengehen der Fraktionen im Kampf nicht zu erzielen ist. darüber im Klaren sein, was sie vom Sieg der einen oder der anderen Richtung zu erwarten haben.- Manches ist dar- über schon geschrieben und gesagt worden. Aber das meiste davon bewegt sich noch zu sehr im Abstrakten, im Uubestimm- ten. Jetzt aber stehen wir vor Eurscheidungen, welche sür das Schicksal unseres Volkes von verhängnisvoller Rückwirkung sein können, und da heißt es, sich die Dinge in größtmög- lichster Greifbarkeit vor Augen zu führen. In der Voraussetzung, daß dies den Lesern des„Vor- wärts" erwünscht sein wird, gedenke ich dieser Aufgabe einige in freier Folge zu oeröfsentlichmde Artikel zu widmen. Als Einleitung mag ein Stück aus einem Artikel dienen, den ich im Februar dieses Jahres für die große Londoner sozial- politische Wochenschrift„The New Staatesman" schrieb und der in deren Nummer vom 13. März erschienen ist. Er war dadurch veranlaßt, daß in einer größeren Zahl sozialpolitischer Blätter des Auslandes die deutsche Mehrheitssdzialdemo- kratie für die Vorgänge in Berlin vom 13. Januar dieses Jahres und die darauf folgenden Maßnahmen derRe- gierungverantwortlich gemacht und von neuem das Geschrei erhoben worden war, mit einer solchen Pckrtei dürfe die sozialistische Internationale nichts zu tun haben. Im Eingang kennzeichnete ich das zweierlei Maß, welches diese Blätter den Handlungen der russischen Bolschewisten und der deutschen Mehrheitssozialisten gegenüber anlegen. Während sie die grausamsten Maßnahmen der ersteren entweder still- schweigend hingehen ließen oder mit den. lahmsten Entschuldigungen verteidigten, beschimpften und brandmarkten sie die deutschen Mehrheitssozialisten, für alles mögliche, was sie tun. auch wenn es in der berechtigtsten Verreidigung einer großen Sache geschieht. Einige scheinen sie sogar für die Ermordung bcm fNrrl Liebknecht«rrb Jtofö Luxemburg vencmtworttich jit machen, utib-der beklagenswerte Zusammenstoß vom 13. Ja- NMar, bei dem 32 Personen getötet wurden, wurde völlig ihnen zur Last gelegt. Dann fährt der Artikel wie folgt fort: „AlS Mitglied dieser Partei fühle ich mich verpflichtet, gegen diese Art der Darstellung von Tat- fachen Protest zu erheben. Vorausschicken darf ich, daß ich, obwohl ein Mitglied der Partei, in meinem Urteil durch- aus unabhängig bin. Ich sitze nicht im Rat ihrer Führer noch bekleide ich irgendeinen Re g i e r u n g s p o st e n. — Und ich gestehe gern zu, daß die Partei mit ihrer der- zeitigen Führung ernsthaste Mängel hat und daß ihre politische Haltung und.Handlungsweise in verschiedener Hin- sieht Kritiken zuläßt. Nichtsdestoweniger kann ich jedoch mir wiederholen, was ich im vorigen Sommer auf der Jnter- nationalen Konferenz in Luzern sagte:„Und wenn sie doppelt und drei nm l soviel Fehler machte, würde ich doch keinen Augenblick zaudern, bei ihr zu stehen." Denn in der großen Frage, auf die es vor allem ankommt, an der das Schicksal Deutschlands als ein republikanisches Gemein- m e s e n hängt, ist sie im Recht und sind die Unabhängigen, von den Bolschewisten und� Kommunisten ganz zu schweigen, durchaus im Unrecht. Die sozial« Struktur und wirtschaftliche Lage Deutsch- lands machen seine Umbildung zu einer rein sozialisti- 'chen Gemeinschaft im gegenwärtigen Zeitpunkt zur Unmöglichkeit. Alle Versuche, solches sofort zu erlangen, würden mit Notwendigkeit zum Bürgerkrieg, zu Blutver- gießen, anarchischen Zuständen und schließlicher Reaktion sichren. Was zurzeit allein möglich ist, ist Deutschland als demokratische Republik mit sozialistischer R e f o r m p o l i t i k auf festen Fuß zw stellen. Um dies durchzuführen, müssen sich alle sozialistischen und demokroti- 'chen Kräfte des Landes verbinden und soviel als möglich ge- ineinsam vorgehen. Und da die Wahlen zur Nationalversammlung und anderen Vertretungskörpern gezeigt haben, daß mit dem demokratischen Stimmrecht die Sozia- listen keine volle Mehrheit erlangen konnten— von 30 Millionen abgegebenen Stimmen erhielten die beiden sozial, sti- "Heu Parteien zusammen nur 13% Millionen—, wurde eine Koalitionsregierung zur unvermeidlichen Notwendigkeit. Die imabhängigen Sozialisten haben sich geweigert, dies an, zuerkennen. Nachdem sie ihren Eintritt in eine ge- meinschastliche Regierung von Bedingungen abhängig ge- macht-hatten, von denen sie wußten, daß sie unannehm- bar ivaren, haben sie in der bequemen Haltung des außen- stehenden Kritikers verharrt. Damit glaubten sie sich von der Vcrantüwtung für die Handlungen der Koalition stei- zuhalten. Sie sahen nicht, daß sie aus diese Weise eine viel größere Verantwortung aus sich luden. Durch ihr Abseits- stehen haben sie in der Koalition das Gewicht der sozialisti- 'chen Sstnrmen und in der sozialistischen Gruppe der Koali- ;ion den Einfluß derjenigen geschwächt, die sie von jeder Nach- ivirkung des Krieges freiMholten streben. �Jn den Fragen der Auslandspolitik nehmen die Unabhängigen im allgemeinen einen freieren Standpunkt ein als die Mehrheitler und würden ihnen überlegen sein, wenn sie nicht dazu neigten, ihr politisches Urteil durch den unkritischen Gebrauch von abstrakten Begriffen wie„kapita- listisch",„imperialistisch" usw., zu trüben.(Wir sehen in det Auslandspolitik der Unabhängigen auch noch andere Schäden! Red. d.„Vorw.".) Die Stärke der Mehrheitler liegt in ihrem Sinn und Geschick für den aufbauen- den Sozialismus. Die besten_ und erfahrensten G e- w e r k s ch a f t s s ü h r e r und Arbeiter auf den Gebieten der Arbeitsgesetzgebung und anderer Zweig« des angewandten Sozialismus stillen ihre Neihen. Sie sind es gewesen, die in den Debatten über den Gesetzentwurf für die Schaffung von Betriebsräten den eigentlichen Kampf geführt und durch ihre unermüdliche und energische Arbeit im.Haus und in den Kommissionen die Vevloirklichung eines Arbeitsgesetzes durchgesetzt haben, das den Angestellten und Arbestern in Richard Wagner als Revolutionär. Wenn wir hellte im revolutionären Kampf der Meinungen die Künstler vielfach auf der äußen'ton Linken finden, so ist die? eine Erscheinung die stets in politischen Sturmestogen hervortrat. Ein rechtes Beispiel für die typische Rcvolutionsstimmung der Künstler l'ietet Richard Wagner im Jahre 1843. Aus einer tiefen Verbitte- runig über die Widerstände gegen seine Kunst heraus wird er Re- volutionär, und einen Erfolg für seine nicht verstandenen Werke erhofft er nur aus einer völligen Umwandlung der Verhältnisse, ans einer Revolution. So schloß er sich denn der zur Republik neigenden Demokratischen Fortschrittspartei an, in der sein intimer Freund August Rockel eine wichtige Rolle spielte, und den stärksten Eindruck machte auf ihn die Persönlichkeit des Russen Bakunin. In einem anonymen Aufsatz des„Dresdner Anzeigers" vom 14. Juni 1848 stellte Werner sein politisches Programm auf, und seine Forderungen erinnern bcreirs in vielem an das, was die heutige Revolution aus ihre Fahne geschrieben hat. Zunächst will der Meister im Reich der Töne die herrschende Klasse völlig besei- rigen.„Das Ziel fest ins Auge gefaßt," sagt er,„wollen wir zu- nächst den Untergang auch d?S letzten ScknmmerS von Aristokratis- inns." Sodann' verlangt er die Zuerteilung des unbcdingren Stinrm- und Wahlrechts an jeden volljährigen'Menschen,� nimmt also auch daS Frauenwahlrecht schon vorweg.„Je ärmer, je bilfs- bedürftiger er ist desto natürlicher ist sein Anspruch auf Beteiligung an der Abfassung der Gesetze, die ihn fortan gegen Armur uns Dürfiigkeit schützen sollen." Der dritte Punkt in seinem Programm ist die Gründung einer allgemeinen großen Volkswchr: Wenn aber „alle b.sher neidisch und-eindlich geschiedenen Stände in den«inen grasten Stand des steien Volkes verrmgr find", dann mutz di« Re- volutiou erst eigentlich anfangen..Dran gilt es, die Fraoe nach bem Grunde alles Elends in unserem zetzigen gesellschaftlichen Zustande fest und tatkräftig in das Auge zu fassen." Der große Be- friaungSkampf der leidenden Menschheit wird ohne einen Tropfen Blut, ja ohne eine Träne und ohne eine Entbehrung vor sich gehen, allein aus der lieber,-eaigung heraus,„daß es daS höchste Glück, das vollendetste Wohlergehen aller herbeiführen muß, wenn soviel tätige Menschen, als nur irgend der Erdboden ernähren kann, auf ihm sich vereinigen, um in wohlgegliederten Vereinen im Austausch ihrer Täiigkeft sich gegenseitig zu bereichern und zu beglücken."„Wie ein böser nächtlicher Albdruck wird der dämonische Begriff des Geldes von unS weüben mit all seinem scheußlichen Gefolge von öfsent- lichem und heimlichem Wucher, Papiergaunereien, Zinsen und Bankiersspekrilationen." Aehnliche Fanfarenrufe ließ der Komponist- in den„Volks- blättern" seines Freundes Rockel erscheinen, und auch_in verschiedenen Gedichten, die bald an die Wiener, bald an einen Staatsanwalt gerichtet waren, sucht er die Bewegung neu zu entflammen. Wie weit er sich tatsächlich an den. eigentlichen Dresdner revolutionären Vorgängen beteiligt bat. ist nicht einwandfrei festgestellt. Seine Flucht nach der Schweiz war aber sckon durch sein begeistertes Ein- treten für den revolutionären Gedanken berechtigt, durch den er Fabrik imb Werkstatt, in Bureau imd Lag?r stattttorische Rechte gibt, die sie noch in keinem anderen Lande genießen— Sowjetrußland nicht ausgenommen." Der Artikel schildert den Kampf der Unabhängigen und Kominunisten gegen das Betriebsrätegesetz, die von jenen veranstaltete Demonstration gegen das Gesetz vom 13. Januar dieses Jahres vor den Toren der Nationalver- sanrmlung, den Versuch von Teilen der Demonstranten, in diese mit Gewalt einzudringen, die dadurch herbeigeführte Schießerei mit ihren Blutopfern und anschließend daran die Vjstkündnng des Ausnah mezn standes und die Verbote revolutionär-oppositioneller Zeitungen— alles Dinge, die den Lesern des„Vorwärts" noch im Gedächtnis sind. Er verschweigt nicht, daß allerhand Mißgriffe vorgekommen sind, und erkennt an, daß die Verhängung des Ausnahmezu- st a n d e s eine arge Maßnahme ist. Er fordert jedoch aus, nicht zu vergessen, daß die Deutsche Republik selbst sich i n dem furchtbarsten Ausnahmezu st and be- findet und daß ihre ungeheuren Schwierigkeiten von den in den Doktrinen des Bolschewismus befangenen Elementen noch durch Agitationen für Streiks in den für den gesunden Gang der Volkswirtschaft notwendigsten Industrien zu stei- gern gesucht Verden, weil diese vorwiegend jungen Leute sich der Wahnvorstellung hingeben, dadurch die neue Revolution mit der wunderwirkenden Diktatur des Proletariats herbei- zuführen. Er stellt fest, daß trotz zeitweilig ernsthafter Be- drohung von Lebensnerven der Republik die Zahl der Ver- hastungen nur eine verhältnismäßig geringe war und die nun sämtlich ausgehobenen Zeitungsverbote großenteils schon nach kurzer Zeit rückgängig gemacht wurden, und schließt mit den Worten: „Alles in allem kann man mit gutem Gewissen sagen und jeder billig Urteilende wird, wenn er die Tatsachen unbe- sangen prüft, darin einstimmen, daß die Regierung der Re- publik unter zehnmal stärkerem Druck der Umstände gehandelt hat, als für die russischen Bolschewisten bei der Unterdrückung der ganzen nichtbolschewistischen Presse ihres Landes vorlag, und hundertmal mehr Geduld imd Achtung vor der Freiheit der Rede und der Preffe an den Tag gelegt bat. Nicht wenige Mitglieder der Unabhängigen Sozialdemokratie verurteilen selbst sehr entschieden die von den Einberusern der verhängnisvollen Demonstration vom 13. Januar bei der Leitung dieser die begangenen Fehler. Ter bebau erns- werte Zwischenfall wird diejenigen, die die Wiedervereini- gung der sozialistischen Parteien anstreben, nicht veranlassen, mutlos von ihrer Arbeit Abstand zu nehmen." * Das war am 22. Februar geschrieben. Der K a p P- L ü t t w i tz- P n t s ch hat für die letzterwähnte Arbeit eine neue und günstigere Lage geschaffen. Indes sind wir noch nicht am Ziel. Wohl aber find wir an einem Punkt ange- langt, der zu einer Station aus dem Wege zum Ziel ausge- staltet we.rden kann. Ueber das Wie ein audermal. Für heute mrr eine Bemerkuno., die uns zum seligen Karl Jentsch zurückführt. Die schlechteste Lösung wäre, wie das die Re- daktion des„Vorwärts" jüngst bei Besprechung des Be- schlusses der Sozialisten Geras ganz zutreffend bemerkt hat, eine Vereinigung, bei der die eine Richtung ihr Wesen völlig preisgibt. Keine ist ohne Mängel, keine verkörpert die letzte Wahrheit in'sich, aber keine ist ohne ihre starken Seiten. Wenn ich vor Vernunft, Logik imd Wissenschaft, die L a s s a l l e mit Recht als die maßgebenden Richter im Streit um die Politik bezeichnet, beweisen zu können fest überzeugt bin, daß das Plus an richtiger Stellungnahme Herste auf der Seite der Mehrheitssozialisten ist. so verkenne ich darum nicht, daß auch für sie der Satz ein Stück Wahrheit birgt, den Karl Jentsch mit Bezug aus die katholische Kirche niedergelegt hat. nämlich, daß diese„nach gänzlicher Austreibung-des Widerspruchsgeistes nicht am Leben bleiben könnte, sondern zur Mumie vortrocknen müßte, wenn dieser Geist nicht fortführe, sie von außen, vom protestantischen Lager aus zur Handhabung der Waffen des Geistes zu zwingen". als Königlicher Kapellmeister für immer kompromittiert war. Sein Aufsatz„Die Revolution" vom 8. April fft«in einziger dichterischer Hymnus an die neue Zeit:„Ja, wir erkennen es, die alte Welt, sie geht m Trümmer, eine neu« wird aus ihr erstehen, denn die er- haben« Göttin Revolution, sie kommt daliergebraust aus den Flügeln der Stürme, das hehre Haupt von Blitzen umstrahlt, sie kommt dahergebraust, die ewig verjüngende Mutter der Menschheit: ver- nichtend und beseeligend fährt sie dahin über die Erde...' „Drt Widerspenstigen Zähmung". Di« Charlotten- burger Oper hat diesem ewigen Stieffind der Bühne wieder einen Platz geschassen. Sie sollt« es nur noch in gutem Deutsch „Bezähmung der Widerspenstigen" nennen, dem leicht ermüdenden Schlußakt eine Tenupo- Beschleunigung geben, im übrigen aber die launige Bufstmerie dieses Premicrenabcnds mit allen Tollheiten, Beschränktheiten und Weichheiten romantischer Humor? beibehalten,— dann ist diese komische Oper mit ihrer sanften Lyrik der Schmiegsamkeit ihrer Lieder, der kormsicheoen Handhabung der Ensembles und der schelmischen wie grotesken Ausnutzung des gallig-liebenswürdigen Textes ein« wirkliche Labsal für Kundige. Und erst recht für alle die, denen endlich einmal die Operetten- suckst durch ein Stück guter. zeitloS-tüchtiger, charmanter Opern- Musik ausgetrieben werden soll. DaS Ensemble des Hartmann- schen Hauses fühlte sich ordentlich freigebig und kniete hinein in diese leicht schwingenden Ton-Wogen. Voller Kraft und Rhein- Würde, auch im Poltern klar sinaeno I. vom Scheidt als Mäd- chenbändiger; Hertha Stolzenberg, die ebenso rührend in der Liebe s-Arte wie sie im Keifen der Widerspenstigkeil die Amnut des Singetons nickt verlor. Reizend im Spiel, schüchtern im Singen die liebliche Editha Fleischer. Ten Buffo Kandl in seiner zitternden Bürgerlichkeii, die Liebhaber Gentner und Heyer nicht zu vergessen. Di« Chöre der HcchzeitSgäste und der Bedien- ten straff und geschlossen. M o r i e hielt alles bestens zusammen. Und wenn nicht alles täuscht, ist hier eine staubfreie Oper der Musikgeschichte und der Literatur wieder einmal für lange ent- rissen. K. S. Zur Reform de? Zeichenunterrichts. Die akademisch gebildeten Zeichenlehrer Preußens verlangen Gleichstellung mit den wissenschaftlichen Lehrern und haben sich deswegen mit einer Ein- gäbe an das Abgeordnetenhaus gewandt, in der sie zugleich eine weitgehende Verwissenschaftlichung des Zeichenunterrichts fordern. Gegen diese Absichten wendet sich der Direktor der Breslauer Kunstakademie, Prof. August Endell, in einem Aufsatz der „Kunstchronik", in dem er einen eigenen Plan für die Ausbildung des Zeichenlehrers entwirft.„Kunst verlangt empfindende An- schauung." sagt Endell.„Zuerst gilt es Anschauung überhaupt ge- Winnen. Das ist in unserem Papier gewordenen Zeitalter besonders nöttg. Dazu ist handwerkliche Arbeit die allerbeste Vorschule für jeden .Künstler.' Darum sollte auch der zukünftige Zeichenstbrer zu- nächst in eine �«'ndwerkSlehre: Tn'cbler, Schlosser. Anstreicher, Rahmenmacher, ganz gleich, was. Er soll nicht Handwerker wer- den, aber er soll den inneren Zusammenhang eines Handwerks kennen lernen, wo von früh bis spät gedacht wird, aber in lauter Politik in üe? Reichswehr. Unerhörte Offizierspropaganda. Wir erhalten folgende Zuschrift, die auf die Art und Weise, in der gewisse Offiziere den Kampf gegen die verfassungsmäßig beschlossenen oder zu beschließenden G e- setze führen, trefflich beleuchtet wird. Das Schreiben ist wieder ein Beweis für die geradezu unglaubliche Unver- schämt heit und das'herausfordernde Benehmen gewisser Offiziere, die noch immer glauben, die Mannschaften durch das alte Berdummungssystem in Schach halten zu können, und denen man endlich klar machen sollte, daß der November 1918 gründlich mit diesem System aufgeräumt hat. Die' Zuschrift lautet: „Vor einigen Tagen wurde den Vertrauensmännern meiner Kompagnie durch unseren Kompagnieführer, Lt. E r n e st i e, ein Protest schreiben gegen die Abschaffung der Mi- litärgerichie, das angeblich von den Vertrauensmän- n e r n der Brigade ausging, zur Unterschrist vorgelegt. Die Belehrung, die den Mannschaften d-urch den Leutnant zuteil wurde, war eine höchst eigentümliche. Zunächst wies er aus das Rundschreiben hin und fügte etwa folgendes hinzu: „Wenn die Militärgerichte abgeschafft werden, so seid Ihr als Soldaten gezwungen. Euch von einem jüdischen Rechtsanwalt aburteilen zu lassen, und wenn Ihr mal klagen wollt, so müßt Ihr noch die Kosten selbst bezahlen. Also das Gesetz ist Euch nur zum Schaden. Wollt Ihr hier nun un- terschrcibrn, oder was meint Ihr dazu?" Die Vertrauensleute, die das Gesetz selbst gar nicht kannten und den Inhalt des Schreibens überhaupt nicht gelesen hatten, unterschrieben natürlich ohne weiteres den ihnen vorgelegten Pro- test gegen die Abschaffung der Militärgericht«. Als ich sie dann über die Gesetzesvorlage belehrte, waren sie gegenteiliger Meinung." Das Söhreiben ist durch eine beigelegte Erklärung beglaubigt. Es besteht Grund zur Annahme, daß dieses Ma- növer bei allen Truppenteilen in ähnlicher Weise gehandhobt wird. Man braucht sich dann nicht zu wundern, wenn eines Tages im Parlament irgend ein real- tionärer Abgeordneter unter Hinweis auf die zahllosen Unterschriften erklärt, die gesamte Reichswehr habe sich für Beibehaltung der Mi- litärgerichie ausgesprochen. Wer gibt den Offizieren das Recht, einseitig auf die Mannschaften einzuivirken? Angeblich ist es ja der Wille der maßgebenden Stellen, die Politik aus der Reichswehr zu enffernen. Wenn aber doch Politik getrieben werden soll— und anders dürfte man wohl das Verhalten dieses Offiziers nicht bezeichnen können— so soll man den Mannschaften die Möglichkeit ge- ben, durch Anhören eines Referenten und eines Korreferenten sich eine eigene Meinung zu bilden. Gegen Daviösohn, Gaumeister unü Riebeling Der Vorstand der Groß-Berliner Parteiorganisation hat sich crm Sonnabend mft der Roll« beschäftigt, die die Parteimitglieder Davidsohn und Baumeister in dem soeben stctttgefuwdenen Prozeß Rhodt n-Scheid« mann gespielt haben. Die zuständigen Kreis- organisattonen Berlin-Stabi und Niederbarnim wurden becnif- tragt, zu prüfen, ob das Ausschlußverfahren gegen die Genannten einzuleiien ist und eventl. entsprechende Anträge zu stellen. Das gleich« Verfahren wurde gegen da? Parteimitglied Nie- heiin g beschlossen, der.für den Austritt aus der S. P. D. uyd für den Beitritt zu anderen Parteien agitiert, und dem ferner eine sehr dunkle Vergangenheit zum Vorwurf gemacht wird, du ihn zum Parteimitglied ungeeignet machen würde. Das württembergische Landtagswahlgesctz. Der württembergische Landtagswahlgesehentwurf sieht die Wahl von 101 Abgeordneten vor. Die Verrechnung der R e st st i M m e n ist derart geplant, daß ein Teil der auf sie entfallenden Abgeordneten auf eine Landesliste übernommen, der andere Teil aber auf die Kreise verteilt werden toll, die die höchsten Zahlen von Reststimmen ckuiweiien. Anschauung, nie in Worten. Das ist ein« ganz neue Welt für ihn, die allen Schulstaub fortspült. Vor der soll er Ehrfurcht be- kommen, die er später seinen Schülern weitergeben kann, die sonst in Anbcwng de? Begrifflichen, der schönen glatten Worte ver- derben." Mit 17 Jahren soll dann der zukünftige Zeichenlehrer zu praktischer Arbeit an irgendeine größere Schul« kommen, wo er als Gehilfe des Zeichenlehrers die Kinde.r beaufstchiigt und unterstützt. Die Jugend soll keinen Hondfertigkeftsunterricht erhalten. „Auf geschickte Hand, die dem Kinde doch nicht erreichbar ist, kommt eS gar nicht an, sondern auf das anschauliche Denken, zu dem alles Basteln zwingt. Darum soll jede Schule— zumal die Unterstufen — ein« Handwerks st übe haben, wo die Jungen in der� freien Zeit auf Papier und Pappe sich Burgen kleben, sich ein Schränkchen bauen, aus Konservenbüchsen eine Dampfmaschine zusammen- stoppeln. Alles ohpe Anleitung und Vorlagen. Die Herstellung eines runden Turms mit spitzem Kegeldach selber finden, eine Zahnradübertragung zusammenbringen, lehrt. Raumanschauung ganz unmittelbar, mag die Ausführung noch so ungeschickt sein. An einer Maschine, die nie�geht,«ewinnt der Junge besser die Grundvorstellungcn von Geometrie. Pbvsik und Technik, als irgend- ein Lehrer sie ibm beibringen kann. Der Handwerkslebrer soll nur Unfug und Unglück verhüten, technische Hilfe geben. Kleben, Leimen, Löten lehren, den©ebnrnch und die Pflege des Werkzeugs zeigen." Hat der junge Werkjiättlehrer so ein paar Jahre zugebracht, dann erst soll er auf Grund der unterdessen erworbenen Ersahrungen sich den Eintritt in die Kunstakademie erringen, denn nur dort, nicht an besonderen Zeichenlehrerseminarcn, sollte seine Ausbildung er- erfolgen. An der Akademie soll er lernen wie jeder andere Künst- ler und dort drei bis vier Jabre arbeiten. Dann macht er die Zeichcnlchrerprüfung. Mit 2b Jahren sollte dann di« Anstellung erfolgen. Mathilde Mallinger, einst«in Stern der Bertiner Oper, ist in Berlin im 74. Lebensjahre gestorben Die Sängerin, gebürtig mus Agram, war von 1869 bis 1882 die Primadonna der Hofoper. Ihre wundervolle, glänzend geschulte Stimme bewährte sich be- sonders in der Verkörperung Wagnerscher Fraucngestalten. In dem Konflikt mit der bekannten Sängerin Lucca blieb sie Siegerin. Seit ihrem Abschied von der Bühne wirkte sie als hervorragende Gesangslehrerin._ Porträgr. Neuere Nntersuchnnaen über die Bildung imd Einteilung der vtrsteinc bcbandclt Pros. BelowSly am Mittwoch 7h, Uhr in der Trcptow-Tternwarte. Engelbert Hiimperdinck gibt sejn Lehramt an der Berliner Hoch« schule für Musik aus. Tie staatlichen?),»seen sind, vom 20. d. MM. ab bis aut weiteres täglich von 10 bis 3 Uhr geöffnet. Das Älte. das Neue, das Kaiier- sirtediich». daS Kunstgewerbe-Muiemn und die Janiminnqen für Deutsche Volkskunde sind der Reinigung wegen Montags. daS Völkerlundc-Museum Dienstags geichlossen. Nnc allgemeine Neuregelung der Oeffnungszeiten der Muieen steht bevor. Es ist dringend zu wünschen, daß sowohl Wochen- wie Sonn- tags die Muieen länger geöffnet bleiben, damit daS arbeitende Volk Gelegenheit zum Besuch hat. Das Netz öer Wir fahren in unserer Veröffentlichung des Briefwechsels der Verschwörer fort: 14. 1. 20. L. B fbcdeutsi: Lieber BerthoÜbl Rod.) Ich verstehe Ihre Gründe vollständig, da der Augenblick nach Ansicht der Führer aber noch nicht sicher zu übersehen ist, so müssen Sie sich schon fügen und zunächst nach P. gehen. Bei der gestrigen Be- sprechung ist von mir die Frage nochmals angeschnitten worden. Bleibt die Sache militärisch organisiert und tun die Offiziere durch Aufklärung, Vorträge. Jugendtpehr, Sport auch unter der Bevölkerung ihre Pflicht, so können Sie die alte treue Provinzbovölkerung wieder auf den rechten Weg bringen und zugleich die Truppe vaterländisch erhalten..Es gibt sicher einen stampf der Geister, in dem wir siegen müssen. Andererseits muß gehorcht werden, auch wenn man anderer Anstcht ist. Kommt die Sache von wo anders her, so soll das ein guter An- st oh sein. Aber das Volk und auch die besseren Kreise scheinen noch nicht überall reif zu sein. Lt. Ps. soll mir seine Adresse, auch möglichst Telephonadresse. hersagen. Westen Gruß G. Vermerk: Briesschreiber ist der General Graf v. d. Goltz. * (Ohne Datum.) er. 25.! Die Lage wird zurzeit ganz, durch die Auslieferungs- svoge beberrscht. Solange die Regierung in ihr die Würde be- wahrt, würde ein Staatsstreich keinen Resonanzboden im Volke und in der Reichswehr finden. Da aber dies auf die Dauer nicht an- zunehmen, so ist dann der Augenblick zum Handeln gekomme«. Solange muß gewartet und das Eisen dafür geschürt werden. — Man ist in maßgebenden Interessentenkreisen der Ansicht, daß ein verfrühtes Zuschlage« von Wittclsbach zum Rückschlag führen muß. Ich habe gewarnt, doch will man mit Rücksicht auf Grund 1 wegen Grund 2 Wittelsbach nicht zuvorkommen. Im übrigen ist die Lage sehr günstig, muß ausgenutzt werden, aber ein Tag zu srüh könnte alles verderben. In der Reichswehr ist alles auf Grund 1 eingestellt. Also ganz einverstanden, aber kein Man- teuffel-Strcich. Sein Mißerfolg als reiner militärischer Leutnants st reich, ohne Mitwirkung der maßgebenden Politiker, gibt zu denken und wäre für uns in Anbetracht der En- rsnte katastrophal. Aber auch alle Politiker sind auf Grund 1 ein- gestellt. Mißtrauen dagegen ist unangebracht. Auflösung muß ver- bindert werden. Denn auch ich harre auf den geeigneten Augen- blick, der m. E. nicht fern ist. Ich arbeite gleichzeitig an einer Volksbewegung, Ihren Brief werde ich morgen an geeigneter Stelle L. zur Sprache bringen. Ich bitte Sie, in Dahern auf nn- bedingte Einheitlichkeit hinzuwirken Besten Gruß allen Kameraben! ' Ihr G. Bitte mich weiter auf dem loufonben zu halten. Vermerk: Brirfichreiber ist General Gras v. d. Goltz, » Tfchirnaiu, den 8. 1. 1920, Hocl>znverehrender Herr Hauptmannl(Berthold I Red.) Ich habe den Brief hon Herrn Hauptmann bei meiner An- kunft hier �vorgefunden. Ich habe daraufhin folgendes veranlaßt: Ohne Namen zu nennen, habe ich den Ord.-Off. und den Führer der Nachr.-Komp., die ich beide als vollkommen zuverlässig und ver- schwiegen kenne, eingeweiht. Heute babe ich nun den Komm an. >eur des 1. Battl., der bisher auf Urlaub war, aufgesucht und uch mit ihm darüber gesprochen. Er hat mir bestätigt, was ich » wartet habe, nämlich, daß wir im allgemeinen auf doS Battl. zählen können. Vorarbeiwng und Beeinflussung der Leute in un- scrcm Sinne sollen stattfinden und haben in gewisser Beziehung bereits stattgefunden. Tie Offiziere sind unbedingt zuverlässig. Das Unteroffizicrkorpz wird für diesen Zweck nochmals peinlichst gesäubert werden. Im übrigen wird den Leuten vorläufig nichts verjchwömng. gesagt, fondern sie werden im Augenblick des Handelns vor die Alternative gestellt.— Der Major ist für die ganze Sache Feuer und Flamme, hat aber selbstverständlich einige Bedenken, die aber m. E. unbegründet sind, da die ganze Angelegenheit viel zu ein- schneidend ist, um nicht vorher nach allen Seiten hin vollkommen überlegt worden zu sein. E�mcint also, daß das Unternehmen so vorbereitet sein muß— bi-�ins Kleinste—, daß sein Gelingen u n b e d i n g t g e w ä h r l e i st e t ist. Er sagte, daß die Ge- währ hierfür eigentlich nur ern Mann geben könnte, dessen Namen ich nicht nennen will. Ich stimmte ihm darin bei, ohne mich weiter zu äußern, sagte aber, daß derartige Vorbereitungen doch selbst- verständlich seien. Ferner hält er den augenblickliche« Zeitpunkt nicht für günstig zum Handeln, weil 1. der Friede noch nicht rati- fiziert ist. und die Entente uns daher mit ziemlicher Gewißheit große Schwierigkeiten bereiten wird, zweitens aber, weil wir vor beträchtlichen Nahrungsmiitelschwievigkeiten stehen, deren Folgen zu uusersm Nutzen die jetzige Regierung noch tragen könnte. Ich iagte ihm daraus, daß dies alles bedacht sei, daß aber gewisse Umstäride eingetreten sind, die ein beschleunigtes Han- dein verlangen. Der Major bat mich aber trotzdem, Herrn Haupt- mann dies mitzuteilen und evtl. um kurze Aufklärung zu bitten.— Ich glaube, im Sinne Herrn Hauptmanus gehandelt zu haben. Weitere Fühler werben anSgestreckt, zunächst auf das 2. Bat!., wo ich 2. Komp. für sicher halte, dann weiter.— Den Brief lasse ich Herrn Hauptmann durch meinen Bruder oder Vater zustellen, die von der ganzen Sache nichts wissen, nur daß sie gegen jedermann 'den Mund zu halten haben. Ich bitte Herrn�Hauptmann, mir aus demselben Wege zu antworten. Indem ich Herrn Hauptmann für das Neue Jahr alles Gute wünsche, bin ich mit vielen Grüßen Herrn Hauptmanns ganz gehorsamster Robert Pape. ~ Mtter von öer Marienburg. -(Zeichnung der Marienburg,) Marienburg. Zeitschrift für kritische Betrachtungen der Vergangenheit und Gegenwart. Verlag: Oberleutnant a. D. Kuhn und Leutnant d. R. S ch ü l l, Würzburg, SartoriuSstr. 4,— Schriftleitung: Oberleutnant a. D. Kuhn, Dozent für Kriegsgeschichte, Würzburg, Würzburg, 12, 2, 20. .Herrn Hauptnmnn B e r t h o l d, Hochwohlgeboren Tracht ersen. Ich bitte hierdurch höflichst, auf jedwede Unterstützung meiner- scits als Verleger und red. Mitarbeiter der Marienburg und Offizier rechnen zu wollen und unterziehe mich gerne heute schon einerAufgabe. Mit treudeutschem Gruß Str. Schüll. Lt. d. R. im ehem. Lauenburgischcn Jäger-Batl. 9 in Natzevurg, ' zuletzt Regis-Adj. im bahr. Kontingent. «, Bewein der nichtoktiven Offiziere Deutschland?, E. B. (Zcntwle Würzburg.) Würzburg, 10, 2. 20. Sartoriusstr. 4. Herrn Hauptmann B e rt ho ld, Hochwohlgeboren. Ich glaube versichern zu dürfen, daß die Mitglieder des Vereins — die bayerischen bestimmt— hinter Herrn Hauptmann stehen. Wo es immer angängig ist, wälzen Herr Hauptmann ein Teil- chen der Riesenlast, di« ich zu begreifen glaube, auf uusere Schultern hier.in Würzburg ab! Wir siud zu tragen bereit. Ich denke an die Prätoricncrs Verein der nichtaktiven Offiziere Deutschlands E. B. (Zentrale Würzburg). A. Schulz(oder Schüll), Lt. d. R., Vorsitzeuder. Der„Vorwärts* als Hilter öes Eiües. Antwort an die„Post". Wir haben jüngst an dieser Stelle mit einem ungenannten Reichswehrhauptmonn abgerechnet, der die Stirn hat, auch heute noch in der„Post" den Eidbruch der Offiziere zu ver- teidigen. Die„Post" schreibt jetzt dazu: Daß der Hauptmann seinen Namen nicht nennt, liegt nicht an ihm, sondern an uns. Wir wünschen einen so entschiedenen und tapferen Verfechter seiner Auffassung der blöden Rachgier des „Vorwärts" und der„Freiheit" nicht preiszugeben. Im übrigen nennt ja auch der Kerl, der da im„Vorwärts" seine Beleidi- gungen ausstößt, seinen Namen nicht. Der Name tut auch hier gar nichts zur Sache. Die Hauptsache ist, daß wir nach solche Männer in der Reichswehr haben. Wäre es nicht der Fall, dann wäre es Matthäi am letzten. Dazu möchten wir bemerken: Wenn der Verfasser des in jedem Wort berechtigten Angriffs auf den anonymen Mit- orbeiter dei'„Post" seinen Namen nicht nennt, so liegt das auch nicht an ihm, sondern an uns. Wir würden diesem Genossen nicht gestatten, sich in irgendeine Art von„E h r e n- a f s ä r e" mit dem„Post"-Hauptmann einzulassen. Wir wollen der„Post" nur soviel verraten, daß der Verfasser ein Mann ist, der bis zu seiner schweren Verwundung, die ihn kriegsuntauglich machte, aus freiem Willen seine Pflicht im Felde erfüllt hat. Ein solcher Mann kann in keiner Weise in Parallele gc- stellt werden zu einem Offizier, der auf dem Standpunkt des Obersten v. Ledebour steht, man müsse bereit sein, jeden Eid, den man zwischen 7 und f? geschworen hat, zwischen 8 und 9 zu brechen. Ein solcher Offizier, der sein freiwillig ge- gebenes Mannes- und Soldatenwort bricht, ist und bleibt eine h r l o s e,r G e s e l l e und der schlimmste Feind seines Standes. Daß sich die„Post" freut, solche Männer in der Reichswphr und unter ihren Mitarbeitern zu haben, ist kennzeichnend für den deutschnationalen Ehrbegriff. Redaktion des„Vorwärts". Folgen des Kappvcrbrcchcns. Infolge des Kapp-Putsches haben bei der B o l! s a b st i m m u n g in der z w e i l e n Zone S ck l e s w i g. H o l st i» i n§ etwa 1ö00 Flensburger Arbeiier für Dänemark gestimmr. Gültigkeit der Wiichcrgcrichtc. Das Münckiener Oberkandes- gericbl bat zur Frage der Recbtsgültigkeit der W u chergerichrc in einer Enli.heidnng dahin Stellimg genommen, daß die Wucher- gerichie auf Grund der Reichsgesetzgebung bestehen und des- halb eine gesetzlich zulässige Einrichtung seien. GroßSerlrn Natur hinter Riegel. Das Thema der verschtosscnen Aärtcn innerhalb(Srosi-ZZerlinS aus das hier vor lmzein bcieils hingewiesen wurde, icheinl un- crschöpslich zu sein. Eine ganze Reibe von Zuschriften der letzten Zeit beklagt es, dag die Behörden die prächtigäcii Partanlagen der alten Feudalsippe noch immer ängstlich verschlossen halten oder sie höchstens ein paar Auserwählten öffnen. So schreibt uns eine Genossin, Mitgl. d, Pr, Landesversammlung; In den Steinwüsten Berlin? gibt es ein wunderschönes grünes Plätzchen, ganz dicht an einer der Hauptverkehrsadern,'und doch atmet au? den grünen Rasenfläche», den stillen blühenden Magnolienbäumen, den unmerklich und dennoch fast sichtbar sich entfaltenden jungen Blättern der alten hohen Bäume tiefster Friede. Zwischen den engen abgrenzenden Mauern haben Früh- ling und Natur, Licht und Leben eine Stätte gefunden. Der ab- gehetzte, ermüdender Berufsarbeit entgegengehende, heute mehr denn je unglückliche Großstädter kann hier einige Atemzüge lang Erquickung trinken. Es ist der G a r t e n des früheren Herren. Hauses an der Leipziger Straße, früher nur Mitgliedern des Herrenhauses zugänglich, dann den Abgeordneten der Preußischen Landcsversammlung geöffnet. Hin und wieder gehen auch 25e- amte und Angestellte des Abgeordnetenhauses, sowie de? in den Räumen des früheren Herrenhauses untergebrachten WohIfahrtS- Ministeriums durch den zwischen den beiden Häusern liegenden Garten. Da schmetterte plötzlich ein Verbot des Herrn Direktor? des Abgeordnetenhauses hinein. Das Betreten des GartenS. Auf- enthalt sowie bloßes Durchgehen ist verboten: allen Beamten und Angestellten sowie allen in den Dienstwohnungen des Abge- ordnetenhauses und des Wöhlfahrtsministeriums wohnenden Be- amten und Angestellten samt ihrer Familienangehörigen! Der Garten ist einzig Abgeordneten vorbehalten. So sehr da? Recht der Abgeordneten auf Ausspannung und Erholung nach anstrengender Tätigkeit anerkannt werden muß, so wenig kann angenommen werden, daß die übrigen genannten Per- sonen die Abgeordneten in ihrer Erholung wesentlich beetnträchti- gen könnten. Eine derart unsoziale Maßnahme ließ« sich schlechthin nicht begreifen. Daß die Bestimmung nicht einmal die Zeiten während der Vertagungen freigegeben hat, zeigt, daß Herr Direktor Plate ohne besondere Ueberlcgung des Problems sein Verbot er- lassen hat, anscheinend nur dem alten Zug einer verbotefrcudigen Zeit folgend. Die Abgeordneten selber aber werden zu dieser Frage Stellung zu nehmen haben und Gelegenheit haben, durch Veranlassung einer Abänderung der Bestimmung eine wirklich soziale Gesinnung zu'zeigen. Wir möchten unsererseits noch weitet gehen und diesen Park, sowie den anschließenden des Kriegsministeriums, sowie überhaupt alle derartigen Gärken, vor allem auch den des Prinz- Albrecht-PalaiS, der allgemeinen Benutzung freigegeben wissen. DaS muß schleunigst, unter Umgehung sämtlicher er- innerungsduseligen Geheimräte, von höherer Stelle aus geschehen. Lieber Berlinerl Du bist unglücklicherweise ein wirklicher Freund der Natur, bleibst nicht im nächsten„Gartenrestaurants am Bahnhof sitzen, meidest die vielen Leierkasten und„Schlößchen"' am Müggelsee, die vielgegangenen Wege von Postkarten stand zu Schokoladenbude, schlägst also einen eigenen Weg ohne„Silvakarte" ein und— verdirbst Dir Deine Sonntagsstnnmung, denn�kaum bist Du vom vorgeschriebenen Wege ab, da hält Dich ein Stachel- drahtzann fest und ein Schild mahnt drohend„Privates Eigentum! Betreten verboten".. Versuche z. B. einmal hin- ter dem Dorfe Müggelheim rechts an das schönste Idyll der Mark an die„Große Krampe" heranzukommen. Hunderte Meter der- selbe Zaun, das gleiche Schild, Fluchend wanderst Du weiter! Zur Abwechslung einmal„Schonung", die Du trotz Deiner bescheidenen botanischen Kenntnisse nicht als solche ancr- kennen kannst. Die Pfähle standen vor dem Kriege nicht. Aber ihr Aussehen zeigt Dir, daß sie im Kriege errichtet wurden. Während Du jahrelang da draußen in Dreck und Schlamm stecktest, hat Dir Deine vaterländische Heimat, die so oft von der„Erdöl- chung der Front" faselt, die freie Natur abgezäunt. Dir die schönsten Stellen geraubt, an denen Du all jene Last vergessen. Dein Leiden mildern hättest können. Keine Seele kannst Du in jenen zehntausendeu Ouadratruten entdecken, keine Planierung ist sichtbar, kein Mauerstein gelagert. Eingezäunt! Totes Volksgut. Wem gehört dieses„Privateigentum"? Welchem Zweck soll es zugeführt werden? und: Ist es dem Parlamente nicht möglich, Gesetze zu schaffen, die diesen„Kriegsgewinn" dem Volke, dem naturdurstigen, langsam genesenen Kriegsteilnehmer wieder- gibt?'_ V. W.« Grostfcuer in einem Nachtlokal. Ein Großfeuer, bei dem die Mannschaften des 3. LöschquHes und zahlreiches Dienstpersonal in großer Lebensgefahr schwebten, kam beute srüh ans unbekannter Ursache in dem Ver- gnügungslokal Berlin-Wien A.-G. in der Iägerstrasse aus. Als der 3. Löschzug an der Brandstell« ankam, stand das erste und zweite Geschoß mit dem Lichtsaal bereits in Flammen, Die Treppen mit allen Aus- und Eingängen waren nicht mehr zu passieren. Ticker Qualm und unerträgliche Hitze erschwerten den Angriff. Das in den oberen Räumen schlafende zahlreiche Per- sonal rief nach Hilfe. Es gelang, zwei Hausmädchen /« Sickerheit zu bringen und alles übrige Personal zu schützen. Wäh- rend der Löschavbeiten stürzte das Dach des Saales unter dem Druck vom mehr als 100 Zentner Eisen, des Kronleuchters, einer viele Zentner schweren Karbidtrommel usw. sowie einer großen eisernen Winde zusammen. Die beiden Giebel wurden in der Mitte über einen Meter eingedrückt, so daß noch weiter? Ein- sturzgefahr für das im Erdgeschoß befindliche Bier das angrenzende Leiha int besteht. Er weis; sich zu helfen. Die Hauswirte klagen über die gestiegenen Kost:::•_ i,■* a b fub r und schimpfen auf die mehr Lohn fordernde: Mut"■ Der Eigentümer des Grundstückes M a r h e i n e k e p l a p 4 te: nicht nötig, denn ihm sind schon seit langem aus der Müllbescilig"; keine nennenswerten Kosten entstanden." Weil auf dem Hos d � Erdboden einer ehemaligen Rasenfläche sich gesenkt hat, benutzt seit etwa einem Jahr die Asche samt der Schlacke aus der Zeniiv Heizungsanlage zur Auffüllung, so daß er die Abfuhr spart, Gonw Berge von diesem.Füllmaterial", die weder zur Verschönerung be- tragen noch der Gesundheit zuträglich sind, lagern, auf dem Hos. Und weil e-s auf ein bißchen mehr oder weniger Unrat nicht an- kam, schüttete man auch die WirtschafiSabfälle aus den Küchen da n, Lange vor dem Müllkntscherstreik unterblieb hier die Ab- fuhr. Manchmal wurden die Hausen umgegraben � und mit Erde bedeckt, aber das half nicht Siel. Seit einigen Wochen sind die WirlschastSabfälle aus dem Hof� de? demselben Eigentümer gehörenden Nachbargrundstückes Marheinickeplay 3 ver--, wiesen. Schon im vorigen Sommer hatten diese Zustände zu ehur argen Fltegcnplage geführt, die namentlich für Kranke uneriräol:' wurde. Eine Wiederholung muß in diesem Jahr beizeiten verbütel werden, ehe die wärmeren Monate kommen. Die Polizei ist längst von den Dingen unterrichtet worden und ein von ihr. entsandt r beamteter Arzt hat sich die Schweizer Landschaft aus dem Hof an- gesehen. Auf durchgreifende Abhilfe wird noch gewartet. Tie Reichsversicherungsanstalt bleibt in Belfln. Uebcr die in letzter Zäit mehrfach erörterte Frage, ob die Neichsversicherungs-, anstalt für Angestellte, die mit ihrem umfangreichen Dienstbctrieb gegenwärtig in 12 Mietsgebäude-n in Wilmersdorf untergebracht ist, hier einen Neubau erhalten oder nach Süddeutschland verlegt werden solle, erfährt man jetzt näheres aus dem amtlichen Bericht über die letzte Sitzung des VerwaltuugSrats der Angestelltenver- srcktcrung. Ter Bau- und HauShaltsausschuß hatte vorgeschlagen, sofort den Neubau der Anstalt in Nürnberg vorzunehmen. Dem- gegenüber wurde von anderer Seite ans die ungeheuren Kosten und die Schwierigkeit der Uebersiedlung hingewiesen; die Rücksicht auf den Dienstbetrieb verlange das Verbleiben in Berlin. Die WohnungSverbältniss« der Beamten könnten auch hier durch eine Siedlung genau so wie anderwärts geregelt werden. Nach weiterer Aussprache würbe vom Verwaltungsrat mit 18 gegen 4 Stimmen beschlosssn, sofort den Bau eines Vierwal- tungsgebäudes in Angriff zu nehmen, und mit 13 gegen 8 Stimmen bei einer Stimmenthaltung die Verlegung von Berlin abgelehnt. Die NiitcrrlchtSkiirfe für Arbeiter((?. N), GcscheftSstcllc Toro- theenitr. 49, beqlinicii am st, Mai. Der Unterricht wird von Studenten er- teilt und erstreckt sich aus Deutsch, Rechnen, Literatur, Erdkunde und Natur- lehre. Für Besucher der Kroh-Beriiiier Voltstochschuie werden besondere Vorbe' eilunqskiirse in Deutsch und Rechben eiugenchict. Der Unterricht findet einmal wöchentlich abend? von �.ß bi?'/jlO Uhr in soigenden Lotalen statt: Niederwallilr. 12, GipSfir. 29a und in Treptow, Neue'Krugallee 6; serncr werden Kurie im Rahmen der Lichlcnberqer VolkShochschute veramialtet. Der KuriuS dauert etwa drei Monate und tostel 4,— M. Anmeldungen werden entgegengenommen am Mittwoch, den 28, April, in der GipSstr.'23a und am Freitag, den 30. April, von 7 bis tv Uhr abends in der Niederwallslr, 12(allgem. Härerverlammlung). Hier, werden auch über die Art deS Unterrichts und über di e Organisation des Vereins nähere Mitteilungen gemacht. StaatStheater Neukölln. Die für heute angesetzte Vorstellung muh w e g e n S t r e i k der in der»Neuen Welt" bcschästiricn Aiigcilclllcn verlegt werden. Der ipälcre Terniin wird baldmöglichst belvm.t- gegeben werden. Die Kaiten behalten Gültigkeit. Berein Arbeiter-Jugend. Iugendsekrelariat Bellenuestrafie 7, NI. Abt. Charlottenburg, Jugendheim Rofinenstr. 4: BolkSbauS. Heute abend 7 Uhr Milglicdervcriammlung. Ohne Mitgliedsbuch kein Zuhitt. Erscheinen allcrmotwendig. Groß-öe?!mer pdttemachdchten. . Heute, 20. Avril: Wahlverein Ttraln». 8 Uhr VotstandSsitzung. Morgen T'/j Uhr Generalversammlung. Erscheinen aller dringend notwendig. Morgen, 21. April: 25. Abt. Fortsetzung der Mitgliederversammlung(Wah! der Ab- tcilnngoleiiung) 7 Uhr in. den Bubi-Säien, Neue Königstr. 2st. Erscheinen aller dringend nolwendig. Obrrschöiicwcidr. 7 Uhr- in den drei Bczirkslokalen: Zahlabcad. Vortrag über poltlijche Tagesjragcu und Aussprache. �rauenabendc, morgen 21. April: 30. u. 32. Abt. bei Blessin, Slargarder Str 3. Ken. Rüdger: Var- trag: �.Wie wrr's schaffen".— Tempclhof. Realgymnasium. Kaiserin- tzlugusta-Straffe: Gen. Wachenbeim.— Bersamuilung erwerbstätiger Frauen, st Uhr Sophiensäle, Sophicnstr. 17(18. Vortrag der Gen. Rynech M. d. N.-»Ter Kampj der erwerbstätigen Frau gegen die Reaktion". Wirtschaft Nene Eisenprciscrhiihung. Der Ro�heisenverband hat mit'Zu- stimniuna des NeichswutschartZministeriumS eine Erhöhung seiner Preise beschlossen, die sich für Hämatitroheisen auf 50 M.. für Gtehereiroheisen I und III auf LI M. je Tonne stellt. Die heutigen Preise sind ab Werk für die einzelnen Sorten 2388,50 M., 1776 M., 1375 M. Diese Preiserhöhungen sind, trne es in der Meldung heißt, schließlich durch die Hcraufsctzung des KokSpreiseS und der Preise der inländischen Erze bedingt. Eine ähnliche Forderung der Eisenindustriellen hatte das Reichswirtschaftsministerium Ende vorigen MonätS� als die Valuta noch schlechter stand als beute, �ab- gelehnt, weil die Besserung der Valuta die ausländischen Erz- bezüge erheblich verbilligt hatte. Die jetzige Preiserhöhung steht mit der damaligen Entscheidung in einem Widerspruch, der einer Aufklärung bedarf. 70 Zuckerfabriken in einer Hand. Herr L. Haas aus Magdeburg bittet uns, unsere unter diesem Titel erschienene Notiz vom 8. April dahingehend zu bevichtigen, daß er die 70 Zuckerfabriken nicht.betreibt", sondern daß er im Läufe der Fahre eine größere Anzahl stillgelegter Betriebe oder deren maschinell« Einrichtung auf gelaust hat, um sie für andere Zwecke auszubauen oder sie im Alteisenhandel zu verwerten. Die Zsitschrift.Die deutsche Zucker- industrie" bemerkt dazu sehr geistreich:„Van den 70 Fabriken, die ihren Betrieb als Zuckerfabriken haben aufrechterhalten können, find sine sehr große Anzahl infolge der heutigen„Gomeinwirt- schaft", die vom„Vorwärts" so lebhaft als Vorfrucht seiner sozia. listischen Vertrustung befürwortet und vortcidigt wird, zum Still- stand gekommen." Di« Zeitschrift meint, wir hätten nicht den min- besten Anlaß, über den Kapitalismus zu wettern.„Umgekehrt wäre ,ein Schuh daraus geworden."— j Wir gratulieren der„deutschen Zuckerindustrie" zu ihrer Wirtschaftskenultnis, die noch nicht ein- mal ausreicht, um zu wissen, daß die Sliltegung unwirtschaftlich arbeitender Betrdcibe und dor Ausbau wirtschaftlich arbeitender zum Wesen des Trusts geHöven! Wir empfehlen ihren Bearbeitern den Besuch eines Anfängerkursus in einer Volkshochschule und gelegent» liche Lektüve einer beliebigen Tageszeitung. Junktlonärkonferenz üer S. p. d. Mittwoch K Uhr für alle zur S. P. D. gehörenden Partei- fouktionäre, Betriebsvertraucnsleute, Angestellten- und Beamten» Vertreter: Allgemeine Funktionärkonferenz im Deutschen Hof, Lnckaner Straße 15. Tagesordnung: Unsere nächsten politischen Anfgabeu und die Einigung der Arbeiterschaft. Referent: Genosse Dr. K o e l i tz. Mit- gliedsbnch und Ausweiskarte vorzciaen. � Der Bezirksvorstand. OeWerMastsbewegung Reichskonferenz öer Versicherungsangestellten. Vor einigen Tagen tagte in Weimar die ReichSkonferenz der im Zentralverbaud der Angestellten organisierten Versicherung?- angestellten. Tie Hauptaufgabe der Konferenz bestand in der Stellungnahme zu der verflossenen Reichstarifbewegung und zu den von einigen Renegaten ins Leben gerufenen Absplitte- rungSbe strebungen. Dem Verbrindsvorstand gelang eS, die schweren Vorwürfe, die nach dem Streikabbruch gegen ihn erhöben wurden/ zu entkräk- t«n. Wie unberechtigt diese Anschuldigungen— und es fehlte selbst an solchen ehrenrühriger Natur nicht— waren, zeigt die nach- stehend wiedergegebcne Entschließung, die von der Konserenz i n namentlicher Abstimmung einstimmig angenom- men'wurde. Die Entschließung hat folgenden Wortlaut: „Die' ReichSkonferenz der im Zentralveuband der Angestellten organisierten Versicherungsangestellten hat nach eingehender Erörterung des vorgebrachten Tatsachenmaterials und detl Gründe deS Verbvlck>Svorstandes festgestellt, daß, nachdem die Verhandlungsbereitschaft dek ArbeitgeberverbandeS erzwungen war, der Abbruch des Streiks vom Verbandsvorstande erklärt werden mußte, und zwar von sich aus, weil der ReichSfachaus- schuß nicht zufanimenbe rufen war. Für diese Kränkung und Verletzung des Rechtes der Versicherungsangestellten ist indes nicht der VevbandSvorständ, sondern wie in den gemeinsamen «Ätzungen mit dem Reichsfachousschuß ausdrücklich festgestellt und von Dr. Vollbrecht, dem inzwischen entlassenen Leiter der Reichsfachgruppe im Zenlralverlband, dorbehalten anerkannt werden mußte, letzterer allein verantwortlich. Dabei betont die Reichsfachkonferenz, daß die Aufnahme der Arbeit in den einzelnen Streikorten einheitlich und erst nach Zustimmung der Mitglieder erfolgen dqrf. Die ReichSkonferenz hat nach alledem die Gewißheit er- langt, daß für den ungünstigen Verlauf der letzten Tarifbewe- gung den i etzigen Mitgliedern des VcrbandSborstandeS keine Schuld zugeschoben, werden kann.", Gelegentlich lier Besprechung der AbsplitterungSbe- stre Hungen zeigte es sich mit aller Deutlichkeft, daß eS sich um ein von langer Hand vorbereitetes Unternehmen handelte. D'e Urheber deS Putsche? glaubten ihre eigensüchtigen Interessen in einem besonderen Verbände besser befriedigen zu können als im Rahmen einer straffen, festgefügten Zentralorganisatton. In einer gleichfalls einstimmig angenommenen Entschließung heißt es: „Die im Weimar tagende Reichskonferenz der im Zentra'- verbänd der Angestellten organisierten Versicherungsangestell- ten hat sich aus dem vorliegenden einwandfreien Material und den eigenen Beobachtungen in den Ortsgruppen überzeugt, daß die Absplitterung eines Teiles der Versicherungsangestellten in keinem ursächlichen Zusammenhang mit der letzten Tarifbewe- gung steht. Vor der gesamten Kollegenschaft stellt die Reichskonferenz die Tatsache fest, daß die Macher der neuen Organisation schon seit Oktober ISIS die Absplttterung vom Zentralverband betrei- ben. Vom früheren Verband der VersicherungSbecrmten zum Zentralverbaud übernommene Beamte haben nach eigenen Aus- sprüchen von Anfang an darauf hingearbeitet, daß die Tarif- bewegung für die Versicherungsangestöllten ungünstig verlausen müßte, um so die Absplitteruygsbestrebungen zu begünstigen. Die Konferenz ist empört über das die Interessen der Per- sicherungsangestellten schädigende Treiben der Ma- cher deS neuen Verbandes. Sie spricht ihnen, den Voll brecht, Beume, Sperling, Schneider, Stempfi«, Heimann, Schädel unid Genossen, die in ihrer Verlogenheit um ernsthafte Gründe mit den niedrigsten und lächerlichsten-Mitteln arbeiten, ihre tiefste Verachtung aus und erwartet von den Berufskollegen, daß sie diesen Renegaten die Gefolgschaft verweigern und ihr äußerstes daransetzen, da- mit den selbstsüchtigen Plänen einzelner nicht das Wohl und Wehe der. Berufskollegen geopfert wird. Der Zentralver- band der Angestellten gewährleistet auch die wirksame Stärkung des Kampfes der Dersicherungsangestellten durch die organisatorische Verbindung mit den freien Arbeitergewert- schaften, dem Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbund. Jede abgesplitterte Branchenorganisation ist in der heutigen Zeft überlebt und machtlos."_ Ein Appell an Sie Arbeiter' unö �ngesielltensihast. Die Organisation der GastwtrtKgchilfen ersucht die Ar- heiter und Angestellten, dem gegenwärtigen Streik der Kell- ner die ernsteste Beachtung zuzuwenden und den Streikenden die weitgehendste moralische Unterstützung zu sichern. Es wird gebeten, nur diejenigen Lokalitäten zu besuchen, in denen die Forderungen der Angestellten bechilligt sind. Die Streikleitung hat dieselben durch grüne Plakate kenntlich ge- macht. Beachte also jeder diese dringende Mahnung. Lohnvereinbarungen im Putzeinzelhandel. Der Deutsche Hutarbeiderverband hat mit dem Arbeitgeber- verband eine Vereinbarung abgeflossen, wonach die in den Groß- Berliner Putzeinzelhandelsgeschäften beschäftigten Lehrlinge und Putzarbeiterin-nen vom 1. Februar ab erhöhte Tau rungZzu lagen eohalton, die im ersten bis dritten Veschäfttgungs fahre 20 bis 63 M. monatlich ausmachen. Demnach betragsn die MonatSlöbne ein- schließlich der Teuerungszulage im ersten Halbjahr der Besckä'ti- gung 60 M., im zweiten Halbjahr SO M., im zweiten Jahr 135 M., im dritten Jahr 1S5 M. Diese Sätze gelten für die Monate Fe- bruar bis einschließlich Mai.— Für die Zeit vom 4. bis 15. Berufs» jähr sind 7 mit den Jahren steigend« Labnst,rfen vorgesehen. Der Monatslohn einschließlich der Teuerungszulage beträgt im 4. Be- rufsjahr für den Monat Februar 304 M. und steigt zunäb't von Jahr zu Jahr, dann von zwei zu zwei und schließlich von fünf zu fünf Jahren, so daß er nach einer BerufSdauer von 15 Jahren den Sätz von 520 M. erreicht. Für März erhöhen sich diese Sätze auf 317 bis 542 M.. für April und Mai auf 332,50 bis 569 M.— Dann folgen noch 5 Lofnstusen für Putzmacherinnen mit besonderen Leistungen und Funktionen. In diesen Stufen belaufen sich die Löbne einschließlich Teuerungszulagen für Februar auf 560 bis 800 M., für März auf 583 bis 833 M., für April und Mai auf 612 bis 875 M.— Tie Generalstreiktage werden bezahlt. Ter Zentralverband der Angestellten hielt am Montag eine Delegiertenberfammlung in den Sophien- sälen ab. Es lagen zwei Entwürfe zum Ortsstatut vor, wodurch das gegenwärtig geltende provisorische Statut ersetzt werden scll. Den einen Entwurf hat die Statutenbcratungskommission, den anderen tat die Geschäftsleitung ausgearbeitet. Beide Entwürfe 'weichen in einigen Punkten der inneren Organisation voneinander ab. Nachdem die Entwürfe begründet waren, wurde die weitere Beratung vertagt. Beantragt wurde, eine Kommission einzusetzen, welche die Fra- gen der Jndustrieverbände, der Betriehsorganisation, der Fachver- bände, der Arbeitsgemeinschaft, der technischen Nothiife und der Einwohnerwehr prüft.— In der Diskussion ertlärie sich'Fritz Schmidt gegen die Schaffung von Jrldustrreverbändea, weiche Arbeiter und Angestellte gemeinsam umfassen. Eine derart'ge Or- panisation sei zurzeit unmöglich. Die Jnuressen der Angestellten könnten nur durch eine einheitliche Angestelltenorganisaiion ver- treten werden. Eine gemeinsame Organisation mit den Arbeitern würde viele Angestellte aus der Organisation hinaus ins reaktiv- näre Fahrwasser treiben. Die Aktionen der Arbeiter könnten durch eine besondere Organisation der Angestellten am wirksamsten unterstützt werden. Auch eine besondere Organisation der Be- triebsräte, sowohl der revolutionären wie der gesetzlichen, sei zu verwerfen.— Hirsch trat dafür ein, daß die Arbeitsgemeinschaft freier Angestelltenverbände dem Allgemeinen Deutschen Gewerk- schastsbund beitreten und so mit den Arbeitern organisatorisch zu- sammengeführt werden solle.— Es wurde beschlossen, die in dem Antrage erwähnten Fragen in der nächsten Delegiertenversammlung durch einen Referenten und einen Korreferenten besprochen zu lassen._ Tarifernenerung in der Alaschenindustrie. Kürzlich fanden in Berlin zentrale Verbandlungen zwisöben dem Zentralverband der Glasarbeiier und der Vereinigung deutscher Flaschenfabriken statt. Es bandelte sich um die Erneuerung des ReudstarifeS. der am 15. März abgelaufen war. Durch den General- streik hatten sich die ursprunglich auf den 16. März festgeseyleir Verhandlungen verzögert, jedoch war zwischen den Parteien ver- einbart worden, daß der neue Tarif mit rückwirkender Kraft bis zum 16. März ausgestattet werden sollte. Die Unternehmer- Vertreter erkannten die schwierige Lage an, in der die deutschen Flaschenmacher und die anderen in den Fabriken beschäftigten Arbeiter durch die sprunghafte Verteuerung des Lebensunterhalts gekommen waren. Es wurden nach längeren Verhandlungen Lohn- erhöbungen in folgender Höhe bewilligt: Für die Flaschenmacher, die eine völlige Umgestaltung de« AkkotdtarifS vorlangten und erreichten, beträgt die Zulage etwa 80 Proz. auf die bis jetzt gezahlten Löhne, für die Demijohn- und Ballonmacher 60 Proz., iür Pfleger und Schürer 80 Proz. und für alle Hilssarbeiter 70 Proz. auf die bestehenden Löhne. Urlaub wurde in folgender Form gewährt: Alle drei Viertel Jahre im Betriebe tätigen Arbeiter und Arbeilerinnen erhalten acht Tage, für sedcS weitere Jahr der Beschäftigung einen Tag mehr bis zur Höchstdauer von 6 Tagen. Da die übergroße Zahl der Flaschenmacher seil langem in den Bettieben beschäftigt sind, treten sie in den Höchstsatz des Urlaub? ein. Dadurch ist auch für diese Jndusiriegruppe endlich eine Erholungspause geschaffen worden. Der Stundenlohn für Facharbeiter, wenn sie mit anderer ge- ring« entlohnter Arbeit beschäftigt werden, beträgt 5 M. Der Manteltaris wurde gleichfalls durchberalen und eine ganze Reihe berechtigter Wünsche der Arbeiter zum Teil oder ganz erfüllt. Der Tarif wurde entsprechend den unsicheren wirtschaftlichen Verhältnissen unbeiristet mit monatlicher Kündigung abgeschlossen. Durch diesen Abschluß sind zum ersten Male sämtliche in den Flüscheniabriken beichäftigten Hilfsarbeiter in de» Vertrag aufge« nommen worden. Bisher halten die Industriellen sich dagegen ge- wehrt, weit sie für die ungelernten Arbeiter örtliche«! Arbeitgeberorganisationen angeschlossen waren, durch die die Lobn- und Arbeitsverhältniffe der Hilfsarbeiter geregelt wurden. Dadurch er- gaben sich viele Mißhelligkeiten, die nun beseitigt sein werden. Bund der technischen Nngrstellten«nd Beamten. Vertrauens- männerveisammlung der Fachgruppe 1» sEiienboch- und Brückenbau) am Mittwoch, den 21. April, abends 6 Uhr, in der GeschäslSstelle des Bundes Bus aller weit. Tie letzten Hölzianer. Wie daS„Prager Tagblatt" aus Ma-rienbad meldet, wurden dort zwei Personen verhaftet, bei denen große Bar- betröge vorgefunden wurden. Wahrscheinlich handelt es sich um versprengte Angehörige der Hölzschen Bande. Zuchthaus für einen Mörder.(TU.) Das Schwurgericht in Saarbrücken verurteilte gestern den Bergarbeiter Karl S ch r a t h aus Neunkirchen a. d. Saar, der während deS Krieges als Deserteur natz Holland geflüchtet war und dort einen Raubmordversuch auf seinen Arbeitgeber machte, zu einer Zuchthausstrafe von 10 Jahren. Berantw. für drn redaktion. Zell: Artnr gickter, Tliarlottenbura: für Anzeiaen: Th. Glocke, Derlin. Vertag: Vorwärts-Verlaa E. m. b.£.. Berlin. Druck: Vor» wörto-Buchdruckerei u. Derlaasanftalt Danl Einaer u. Co. Berlin Lindenkir. 3. Stoffe für elegante ♦ Herren-Anzüge, Damen-Kostiinie Tuchlager Koch& Seeland G.m.b.H., Gertraudtenttraüe 20-21. Elektro-Motore Lcitungo-Dnnamo-Drähte In- stallat.-Materiat tauf» laufend Eleltromech.. Zentrum,(«lex. —- Etr. 18(AI-r-PI.). 4782). Kurze( iAIex-Pt. J.H.Garich Ttalllchreiberftr. 50 emps. alle Arten Büsten, auch oerstelldare u. Maß ».ffabrikpr. 9-6 geöffnet Mir oder Mich? vorzügliche» Lehrbuch der Deutsche» Sprache.. M. 3,-� ......... IUI«.... 2,- 2,— 3,- Schüaschreibschu Rundschrift. thruna....... per Nachnahm« Buchfilh Dücherversand M.»o«c,ol. «er»» SV«8. slStZb» Schellack, Leim, Wach». Sarz. Lacke und Karben kaufen KSchstzahlend Gebrüder Roack. Srohe Franksurtersirake 23/26. InriiifiiCcfF QQ— vl»-a*vl» der Markthalle— ftUllIXfliätr. ü j, zablt die böclisten Tagespreise für Kupfer, Messing, Blei, Zink usw. _ T eilzahlttng;. WllronenI8ht. Plomben 1.80. Zahnziehen mit Elnspr. hdchsi nehmen lind. Umarb.rchlechts.Geolsse.Kep Zahnarzt Wolf sol. Potsdamer Str. 55, Hochb. Sprechz.7-7.* ZaSine.teüi Salt 1872 KUHLA- PIAUOS Verktuf direkt ab Fabrik- Magazin: HJl.WUr.lMB Kaemorrboiden schwind, schnell u. schmerzt. durch Myrobalanum, sicher bewn äulicrl. Anw. 7,S0M. Otto Reichel,Berlin43, Eisenbahns.4 Wersertepplclie bis 3X4 aus Privathand gesucht. John Rosenthal, BerllnW. S,Taubenstr. 10. Fernsprecher Zentrum<791. Kaninfelle, Solen-, Ziegen- u.»ehselle. TDilhmnce Tauft zu höchsten Tage»pre!sen jede» Quantum Robert ftnnbt.Kürfchnenr.sir. Berlin, Mohstr. 6«. i* 8 0 d) c r von denen man sprich«. Verlangen Sie toffeniose Prosp. v. Verlag Aurora, Dresden-Weinböhla. im'mrm Anzüge und Paletot» ver- laust zu sehr billigen Prei- sen Zentral-Leibbau». Jäger- straffe 71._ 1557g« Banbli», nahe Bahnhof, Ouadratrut« 2« Mark. 100 Mark Anzahlung. Sülsen, Stcfllih, Viouvilleslraffe 11, irernsprecher Stegliff 2894, Sardinenverkauf, Fenster 50 Mark. Tüllbettdccken, Sto- res, Divand ecken, Bettwäsche. Admiralftrahe 4 I. elegante Iacketsanzüae so- ie Covercoat», erstllasstge neden-ware, verkaust zu l>r billigen Preisen Cha- jch. Luitpoldstraffe 8, eine :eppe, Nähe Nollendors- ah._ 81«« Beffere Anzüge fertig und tch Maff spottbillig, in eige- r Werkstatt gearbeitet. Nuff, ilhelni straffe 40», Koch. affenecke._ 160« Sermannalad 6. Massen- owahll Pelzsachen I Scrren» rberodel Goldsachen. Set- metkauf. trcuzsSchsel sowie alle an- en Pelzartcn zu staunen- egend spottbilligen Eom- rpreisenl Blpakataschenl imucksachenl Pel, waren» egenheitskäufe Warschauer- lffe 7. Nckettanzügc, Cutaways, lelots, Hosen,«ostäme, Män- s-Ibstangciertigt aus vrima >ffen, envrm billig. Groffer >len Pelzwaren zu billigen inmerpretsen im Leihhaus rchplatz 58a. dedcrbcitcn, allerbeste fftte- ttdott, neu. gebraucht. dörr. All, Jakobltr. 84. Linienfttaff« 20Z/4. Ecke Rosenthalerstrasie 1 Treppe. «rcuzfilchse, Alaskafllchse, Rotfüchse und alle anderen Pel, arten. Taichenuhrcn, Brillanten, Schmucksachen. Silberwarcn. enorm billig.« Bettwäsche, Deckbettbezug von 150,—, Kissen von 40,—, Bettlaken von 82,50 Mark an. Inletts, Leibwäsdie und Handtücher' ebenfalls preis- wert vorrätig. Wäschefabrik Gräsesttaffe 80, an der Lasen» beide. 1611D« Sie sparen 200 M. und noch mehr bei Ankauf eines Anzuges bei Burgher. Briffer- straffe 20, varn II, Hochbahn «otttmCer Tor.{feinste Maff. anzüge, gestreifte Hofen. Tu» taways, stets groffe Aus» wähl. 1194b« Nähmaschinen zu verkaufen, auch Teilzahlung gestattet. Lahn, Prenzlauerstraffe 20.« 2 Milchziegen wege» Sfut» lermanqcl billig verkäuftich. Münchebera i. M., Hauvt» straffe SS. 47/9 Chaiselongne», 150—600. Meiallhettcn 250—2000, weiffe Schlafzimmer,«leiderschränke. Meicke, Auguststr. 32», Quer- gebiiude. Mibel.Groff. Groffe{frank- wrterftraff« 141, Invaliden. straffe 5. Aus dar und Kredit finden Sie in groffer Auswahl 1» und 2.Stubcn» einrichtungen, Herren», Speise», Schlaftlmmer. auch einzelne Möbel zu wirklich billigen Preisen. Leichte 3ah. lungsbedinaungen. Liefere auch auswärts,____ 125«« Mäbel»tloba, im Osten: Dr. {frankfurterstraffe 58 /fünf Minuten v. Alerandervlaff), im Norden: Padstraffe 47/43 fsünf Minuten vom Bahnhof Grsundbrunnen). liefert argen bar und Teilzahlung ganze Wohnungseinrichtungen. Schlafzimmer, Speisezimmer. Herrenzimmer, farbig««llchen. einzelne Möbel in bester Ausführung. Gekaufte Möbel können kostenlos lagern. Lieferung frei Haus. Liefere auch nach auswärt».« Möbel-Boedel, Moriffvlah sOranienstraffe) 58. ifabrik» gebäude. Denkbar niedrigste Preise in üd-rstchilich aufgestellten. einfachen und besseren, Schlafzimmern. Speise» zimmern, Herrenzimmern, Küchen, Polstermöbeln. Ge» diegene Ausführung. Rlrfen» auswahl. Laaeruna. Liese» run» frei. Besichtigung erbeten* Möbclangrbot. komplett» Wohnung»» Sinrichtungen, Schlafzimmer, Speisezimmer, Herrenzimmer, farbige«ü- dien, einzelne Möbelstücke liefert preiswert Möbelhaus Luisenstadt,«äpenickerstraffe 77/78, Ecke Brllckensttabe. nahe Iannowlhdrück». US«« Umiattplüschfosa», Chaise» longues. englische Bettstellen, Patentmattaffen, Auslage- matraffen. Tapezierer Walter. Stargarderstraffe 18. 136«» Piano, 2000� mar, Groffe straffe 44. emsmsma Piano 5000,—, Taselklavier nuffbaum 1500,—, schwarz 1800,— Preiswert« neue und guterhaltene Piano, verkaust Pianohaus Mar Becker, An, dreasstraffe 47. IZIK Singefpielte Mauboliaen, Biolinen Gitarren, Lauten, äufferft billig. fUnierrichi 20.— Monaishonotar, Drei» monatskurfe zur verfetten Ausbildung.) Mund- und Handharmonika» usw.. ge> braucht««laviere. Larmo» nium»»erkaust Beraer u. Co., Oranienstr. 166. 156« Piano», Siuffflllgel, Lar» monien jeder Solz- und Stil» ort.«unstspirlapparate Ro- ienrollen. Gebrauchte Instru- ment« in eiaener Reparatur« wrrkstatt wir neu beraestelll. unter voller Garantie. Ber» kauf nur aegen«aste, daher billigste Preisberechnung. Annahme von Aiiiarbeitun- gen. Revoraiuren und Elim- mungen. Mar Adam. Miinz. straffe 16.» Piano», aroffe» Laacr neuer und gebrauchter Instrument«. Eckerer. Chausseestraffe 105. Pianos,«an, neu auige» arbeitet,{friedensware, 4800, verkauft Thunrrt. Beiffensee, Langhansstraff« 30. 93/8 nmr-n {fahrräher, gebrauchte, Riesenauswahl. Schlawe. Wein» m c i fterstraffe 4._« {fahrradgummi! Riefen» auswahl. Echlaw«, Wein- meist-rstraffi 4._« Nabrcparaweenl allerbil» ligst. Schlawe, Welnmeister- ftraffe 4.'* Käufgesuche «upftrl Messing! Sinn! Stannloll sämtliche Alt» metallel Ouecksttberl Platin», Gold». Eilber-Absälle! Sahn» gebisse kauft zu Schmelzvrei» sen in unseren 3 Cinkauss» stellen„Metall- Seniraie* 1.) Bahnhofstraffe 2 sCcke Echöneber-erstraffe. am An- Halter Bahnhof): 2.) Weiden. weg 72