Nr.S0S.37.Ichr,. Bezugspreis: SS»rteli ährl. 2 l,— Mi., monatl. 7.— Ml. frei ins Saue, vorau, zahlbar. Post- bezug! Monatlich 7,— M!» erkl. Ru- stellungsyedühr. Unter Kreuzband Mr Deutschland und Oesterreich- Ungarn 10 2> Mt» für das übrige Ausland lt SO Nk« bei tag lich einmal. Zustellung 12 SO Mt. Postoestellungen nehmen an Dänemari. öolland. �u>i«mburg, Schweben und die Schweiz. Ein- getragen in die Poll- ZeitlMgs- Preisliste. Der.Vorwärts� mit der Sonntags- beilage.Volt u.Zeit� erscheint Wochen- täglich zweimal. Sonnlag» einmal. Teiegramm-Adresft jSojiaidcmotcat Berlin". Abend-Ansgabe Derlinev Volksblatt c ) Anzeigenpreis: Die achtgespaltene Nonpaeeillezeil« kostei 2.S0 M.,TeueruttgszuschlagSO°/» »kleine Anzeige«»", das fett- gedruckte Wo« 7ö Pfg.(zulässig zwei fettgedruckte W»rt»>, ledeo weitere Wort SO Psg. Stellengesuche und Schtafstellenanzeigen da» erste Wort Ob Psg. jedes weitere Wort<0 Psg. Worte über IS Buchstaben zählen für zwei Worte. Teuerungszufchiag 50% Familien- Anzeigen, politische und grwerkjchastliche Vereins- Anzeigen 2,— MI. die geile ohne Aufschlag. Anzeigen für die nächste Ztummer müssen bis S Ahr nachmittags im Sauptgeschäft. Berlin SW 68, Linden- strahe 3, abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr früh bis S Uhr abends. Zentralorgan der rozialdemokratlfcben parte» Deutfchlands Neöaktion und Expedition: SM.»8, Lindenstc. Z. zhernivrettier: Amt Morivplat«, Nr. tZ» Lv— tSI it7. Donnerstag, den ÄÄ. April t&m* Vonvärts-Verlag G.m.b. h., SM. öS, Lindenstr. 5, Fernsprecher: Amt Morittplat!, Nr. 1.17 33— 51. Einladung des Internationalen BureanS. Der 1l>. Internationale Soziali st en» und Arbeiterkongreß wird am 31. Juli 1920 und den darauffolgenden Tagen stattfinden zu Genf, im Gemeindehaus von Plainpalais, Rue de Carouge SV. Wir laden dazu alle sozialistischen und Arbeiterparteien oder Organisationen ein, die den folgenden wesentlichen Grundsätzen zustimmen: 1. Die politische und wirtschaftliche Organisation der Ar- bciterklasse� zwecks Abschaffung der kapitalistifchen Geselllschaftsform und Sicherung der völligen Be- fteiung der Menschheit durch die Eroberung der politischen Macht und der Sozialisierung der Produktions- und Austausch mittel. Dies bedeutet die Umwandlung des kapitalistischen Systems in ein sozialistisches oder kommuni- stisches. 2. Die internationale Einheit und Aktion für die Organisation des wahren Völkerbundes, der der Bund der Völker sein wird, die ihrer Geschicke Herr sein werden, durch den Kampf gegen Chauvinismus und Jmperia- lismus, und für die allgemeine und gleichzeitige Abschaffung des Militarismus und des Regimes der Rüstungen, um den Weltftieden zu sichern. s. Die Internationale vertritt und verteidigt die Jnter- essen der unterdrückten Völker und Nassen. Die Tagesordnung wird die folgenden Punkte enthalten: '�.)Die Anna hme der Statuten der Jnter- nationale. L)Die Frage der internationalen Einig- keit. C)Die Frage der Verantwortlichkeit. V) Die allgemeine internationale Politik: a) Der Friede und der Völkerbund, b) Demokratie und Diktatur, c) Sozialisierung. d) Das politische System des Sozialismus.«) Arbeitergesetzgebung. k) Kolonialpolitik. g) Einwanderung und Aus- � Wanderung, h) Die Teuerung. L) Die Organisation der Arbeiterpresse. Wir haben es für richtig gehalten, die Frage der E i n i g- keit der Internationale an die Spitze-der Tagesord- nung zu setzen. Unserer Ansicht nach gibt es im gegenwärtigen Augenblicke kein wichtigeres Problem vom Gesichtspunkt der Entwicklung und des Erfolges der Arbeiterbewegung. Es war der große Gedanke der Einigkeit, der die Männer der Internationale von Marx bis zu Ja urds und Bebel beseelte, als sie den Arbeitern aller Länder zuriefen: ver- einigt euchl Er bildete eine der ernstesten Sorgen der internationalen Kongresie vor dem Kriege. Der Krieg hat dfm Sozialismus in semer Organisa- ttonsarbeit überrascht und unterbrochen. Er hat die Diffe- renzen aufrechterhalten und sogar vermehrt, und am Tage der Revolution haben wir Parteien, die Sektionen der Jnternatio- nale bilden, sich zerfleischen sehen, um die Macht zu ergreifen oder zu behaupten. Nach dem Waffenstillstand, und sobald die materiellen Möglichkeiten der Vereinigung wieder vorhanden waren, ver- sammelten sich die Parteien der Internationale, die schon wäh- rend des Krieges vonderNotwendigkeitderWieder- Vereinigung durchdrungen waren, in Bern fvom 2. bis 10. Februar 1919). Die Aufgabe der Vorbereitung der Wieder- Vereinigung wurde einer„Permanenten Kommission' anver- traut, die mit Zustimmung aller an jener Konferenz vertrete- neu Parteien eingesetzt wurde. «. � Kommission begann ihre Arbeiten, beseelt einzig von dem Wunsche, den Interessen der internationalen Arbeiter- bewegung zu dienen. Sie war besttebt. der von ihr über- nommenen Verpflichtung nachzukommen, indem sie die Settio- Nkw>v zwei Konferenzen versammelte, die in Amsterdam 120—29. April) und in Luzern(1.— 10. August 1919) statt- fanden. In Luzern wurde die Einberufung eines allgemeinen Kon- grelles nach Genf beschlossen, und zwar mit Zustimmung aller Sektionen, einschließlich jener, die sich seither von unse- rer Organisation abgetrennt haben. Der Kon- greß war ursvrünolich für Februar 1920 geplant. Auf den An- trag der österreichischen sozialdemokratischen Partei und im Jnterelle des verfoloten Zieles selbst wurde der Zeitpunkt des Kongrelles auf den 31. Juli m�d die folgenden Tage verschoben. An diesem Zeitpunkt hielt die Rotterdamer Konferenz (23. März 1920) endgültig fest. Der Krieg, der die Menschen. Parteien und Dinge in Verwirrung brachte, bat zugleich auch allen Arbeiterbewegungen die Notwendigkeit einesbelser organisierte» ♦«r* gemeinschaftlichen Vorgehens drastisch nahegelegt. Er hat ihnen die Gefahren uneiniger und zeriplitterter Aktio- neu vor Augen geführt. Die Lage noch dem Kriege erfordert gemeinsame Tätigkeit, und jede Abweichung davon bringt mit sich die Gefahr, daß Grundsätze und Verbindlichkeiten, die auf den großen Tagungen der internationalen Bewegung festgesetzt, wurden, beiseite geschoben werden. Und doch muß es eine der wesentlichen Aufgab«» der Internationale sein, ihre Aktion zu disziplinieren.» Je mehr aber die Internationale von ihren Tillorgamsa- tionen eine Verständigung über zu unternehmende Aktionen auf der Grundlage der von ihr festgelegten allgemeinen Prinzipien verlangen wird, um so mehr wird es auch ihre Pflicht sein, den Lebensverhältnissen und der politi- scheu Entwicklungsstufe ihrer Sektionen Rech- nungzutragen. Um so mehr muß es auch den Sektionen icherlassen blechen, die täglichen Aktionsmethoden anzuwenden, die ihrer Ansicht nach am besten geeignet sind, die gesellschaft- liche Umwälzung, das kollektivistische oder kommunistische Sy- stem, das sie gleich der ganzen Internationale anstrebt, herbei- zuführen. Diese breite Zusammenfassung, die von aller Politik der Isolierung, des Ausschlusses und der Spaltung ent- fernt sein muß, scheint uns gegenwärtig westntlich für den Be- stand der Internationale. Sie muß recht eigentlich die Grund- läge des gewünschten Wiederaufbaus und der Vereinigung aller sozialistischen und proletarischen Elemente der Welt bilden. Ist diesem Geiste wird der Genfer Kongreß an die sozia- lisftschen, politischen und wirtsckxiftlichen Probleme heranzu- tteten haben, die sich ihm aufdrängen werden.. Auf welchem Wege soll der Sozialismus die Erobe- rnngsn der Revolution und die gesellschaftliche Umwälzung selber sichern und festtgen? Soll es durch die Methode der Mehrheitsparteien geschehen, durch die Umwandlung der evolu- tionärsn politischen Demokratie in die soziale Demo- kratte, worin die Hegemonie des Proletariats zum Siege ge- langt? Oder soll es durch dix Methode der Diktatur einer Minderheit erreicht werden? Wie wird die kon- sttuktive soziale Organisation geregelt werden in ihrer Anwen- dung auf die Erzeugung und die Verteilung des Reichtums? Wie ist die S o z i a l i s i e r u n g, die den kapitalistischen Ge- winn ausschalten muß, durchzuführen unter der demokratischen Kontrolle und Leitung der Gewerkschaften, Genossenschaften, Arbeiterräte, Betriebsräte? Dies sind einige der Fragen, deren Diskussion auf einem allgemeinen Kongreß wir unternommen haben, auf dem unser Standpunkt zur Frage des polittschen Systems des Sozialismus festgelegt werden soll. Ferner wird der Genfer- Kongreß die positive Politik zu prüfen haben, die die Internationale in bezuH auf die inter- nationalen auswärtigen Beziehungen zu befolgen hat. Er wird sich darüber äußern müssen, wie die Arbeiter- klaffe dem Völker bu nd e, den die Regierungen und die Bourgeoisie weder Kraft noch Leben zu geben vermögen, Le- ben einflößen soll, sowohl um den Weltfrieden und damit die Freiheit aller Völker, groß und klein, zu sichern, und um den Güteraustausch zu organisieren, der den Völkern die Mög- lichkeit bieten wirH, das Unglück und Elend des Krieges wie- der gut zu machen. Indem die Internationale diese großen Problem« unter- sucht, will sie zugleich auch das Problem der Einig- keit der Arbeiterbewegung in Gs»f der Lösung entgegenftihren. Ueberzeugt von der NotwendiGkeit»iier großen An- strengung, und auf der Basis der traditionellen Grundsätze des proletarischen Klassenkampfes und im Hinblick auf die internationale Aktion, die Einigkeit zu sichern, entschlossen, jeden Ausschluß, jede Spaltung oder Zersplitterung zu vermei- den, wodurch mehrere Internationalen, und somit in Wirk- lichkeit keine Internationale aufgerichtet wüvde, und so eine Quelle der'Kraft in«ine Quelle der Schwäck)« verwandelt«, laden wir Sie ein. dem Genfer Kongreß beizuwohnen. W i r laden zu diesem Kongreß nicht nur die ange- chlossenen Sekt.ionen ein, sondern auch alle anderen Organisationen, die von diesem Willen zur Einigkeit beseelt sind. Um die Anwesenheit dieser letzteren OrganUationen zu erleichtern, hat die Rotterdamer Konferenz beschlossen, auch n i ch t angeschlossene Organisationen, die es wünschen, in bo- ratender Eigenschaft zur Teilnahme an den Debatten zuzu- lassen, und ihnen so zu gestatten, sich ihre spätere Entschluß. freibeit vorzubehalten. Wir sind überzeugt, mit diesen Maßnahmen in einer Weise zu handeln, die am besten geeignet ist. alle sozialisti- scheu, gewerkschaftlichen und genossenschaftlichen Organisa- $ i» W. tionen der Arbefterklafle der ganzen Welt, die unlsere all- gsmeinen Grundsätze anerkennen, wieder zusammenzu- bringen. Unter diesen Umständen dürste für keine Sektion Anlaß vorliegen, sich von den Auseinandersetzungen und von der Klärung, die der Genfer Kongreß bringen wird, fern- zuhalten. Wenn diese Bemühungen die erstrebte Einigkeit nicht erreichen sollten, so wird wenigstens ein jeder seine Verantwortung am hellen Tage vor den Arbeitern der gan- zen Webt auf sich genommen haben. Wir lenken Ihre Aufmerksamkeit aus die folgenden Be- stimmungen des Kongreß-ReglementS: a) Jeder nationalen Sektion steht das Recht z«, den Kongreß mit mindestens 6 Delegierten zu beschicken, aber mit höchstens so vielen, als der doppelten Zahl der ihr vom Internationalen Rat ftir das laufende Jahr zugesprochenen Stimmen entspricht. Wir erinnern daran, daß die Stimmen der Sektionen nach der folgenden Skala, die von der Berner Konserenz provisorisch festgesetzt worden ist, verteilt werden: 30 Stimmen: Deutschland, Vereinigte Staaten, Frank- reich, Großbritannien, Rußland; 24 Stimmen: Italien; 15 St'mmen: Australien, Oesterreich, Belgien, Schweden, Tschechoslovakei, Ukraine; 12 Stimmen: Argentinien; 10 Stimmen: Dänemark, Holland, Ungarn, Polen, Schweiz; 8 Stimmen: Finnland, Nottvcgen, Südslavien; 6 Stimmen: Südafrika, Bulgarien, Spanien; 4 Stimmen: Armenien, Kanada, Georgien. Lftauen, Pa- lästina; 3 Stimmen: Griechenland; 2 Stimmen: Bolivien, Chile, Esthland, Irland, Lettland, Peru, Portugal, Rumänien; t Stimme: Luxemburg. Die Namen der Delegierten für den Genfer Kongreß und der Betrag ihrer Kvngreßtaxe müssen mindestens einen Monat vor Abhaltung des Kongrefles im Besitz des Jnter- nationalen Sekretärs fein, also vor dem 1. Juli 1920. Ihre Mandate werden vom Internationalen Rat überprüft, der sich zu diesem Zweck am Vorabend des. Kongresses oersam- mell und darüber Bericht erstattet. Die nationalen Sektionen können sich auf dem Kongreß nicht durch Mitglieder anderer Sektionen vertreten lasten. Eine angeschlossene nationale Sektion, die mit ihren Beträgen für die dem Kongreß vorangehenden Jahre im Rückstand ist, wirb nicht zum Kongreß zugelasten. Gleichzeitig mit dem allgsmeinen Kongreß wird or- ganisiert:, a) eine Konferenz von parlamen ta rischen Sozialistenvertretungen wni» parlamentarische Ar- beftergruppen z« dem Zwecke, eine permanente Kom- Mission von parlamentarischen Sozialisten- und Arbei- tergruppen zu dilden. Diese Kommission wird die Frage studieren, wie sich gemeinschaftliches Handeln Mischen den parlamentarischen Gruppen der verschiedenen Länder durch den Austausch von Nachrichten und durch das Stu- dium gemeinsames Interesse beanspruchender Fragen am besten erzielen ließe? Endlich wird sie Richtlinien für d»e allgemeinen Maßnahmen zu geben haben, die geeignet find, einen Ausgleich Herbeizuführen; b) eine P r e s s e- K o n f e r e n z, deren Ausgabe es na- mentlich sein wird, die Frage der Schaffung einer inter- nationalen Telegraphenagentur zu untersuchen. Wir bitten die sozialistische und Arbeiterpresse, dem vor- siegenden Rundschreiben die größtmögliche Verbreittmg zu sichern. Brüstel, Volkshaus, 10. April 1920. Mit brüderlichen Grüßen Eamille HnySmans, Sekretär der Arbeiter- und Sozialisten-Jnternvtianale. Manifest öer enfllistisen Arbeiterpartei. Stnbiin, 22.«pril. sHA.s D« Ausschuß per Ar- briterpartei verSff-utllch»»in Ma n i f e st für die Grstuduug einer internationalen Organisation, in welcher nicht nnr die Alliirrtsn, sondern auch die ehemaligen Gegner vertreten sei» dürfen. Diese Organisation bezweckt die Konsolidir rnng der internationale« wirtschaftlichen Lage und wird sich weitor mit der Befeitignng der wirtschaftlichen Schwierigkeiten befasse». Diese Organisation soll unter den Schutz dcö Bötterbundes gestellt werde«. SreÜereck verhaftetk Der NliteNttna I a des P o l i z e i. P r I s i> m S ist cS ge- lunge», den früheren Rechtsanwalt Bredereck, der we«en Teil- nähme an dem K a p p- P u t s ch verfolgt»mrde, zu ermitteln und fe st zunehmen. Die Abteilung I», der die Verfolgung der Putschisten obliegt, erfuhr gestern, daß stch Brcberrck in der Ge- gend von Potsdam aufhalten solle. Sie ftnrdtc dorthin sofert Beamte aus. Diese ermittelten nun gestern Abend, daß sich Äre. dereck unter falschem Name» in Geltow bei Potsdam auf der Bergmeierei aufhielt. Sie trafen ihn dort auch an und v e r- hasteten ihn. Der Verhaftete wurde MnSchst nach Potsdam gebracht. Gleich beim ersten VerhSr gab er-zu, daß er der Gr- suchte sei. Nach dem Verhör wurde Bredereck sofort nach Berlin gebracht. Dir Abteilung I& benachrichtigte von der Verhaftung nnverzllglich den Untersnchungsrichter des Weichs» g e r t ch t S und fragte an, was mit Bredereck geschehe» solle. In Vrebereck hat man sich zwar nicht deS politischen oder militärischen Hauptes der Märzverschwöruns bemächtigt, war er doch mir ein ausführendes und bereitwilliges Organ der Kapp und Lüttwitz, immerhin aber ist seine Ver- baftung austerordentlich zu begrühen. Durch die Bereitwil- ichkeit, mit der der Verbrecher, dessen Vergangenheit bekannt- lich zahllose Delikte mrfweist, die vom Strafgesetzbuch als gemeine Verbrechen gebrandmarkt werden—, fich als„Pressechef" der„neuen Regierung" zur Verfügung itellte, ist hinreichend geeignet, den Tatbestand des Hoch- verrats zu erfüllen. Wir hoffen, daß es dieses Mal für Bredereck keine Lücke gibt, durch die er— gewissen militärischen Vorbildern folgend— den Maschen des'Ge- setzes entkommt. Es gibt keine Strafe, die schwer genug ist, als gerechte Sühne für das ungeheure Elend, das Bredereck und Genossen über das deutsche Volk heraufbe- schworen haben, zu gelten. Deslalb mifß die Handhabe, das Gesetz gewährt, frei von jeder Sentimentalität benutzt werden. Tie Angelegenheit kommt vor das Reichsgericht, wo Herr Bredereck hoffentlich keinen Geistesverwandten des Herrn Landgerichtsdiroltors Baum- b a ch als Richter finden wird. «> Piro Berklner Lokalkorrespondenz meldet hierzu«och folgendes Wie wir weiter erfahren, hatte Brede reck sich in Geltow seit etwa 3 Wochen einquartiert. Bredereck zeigte bet der Amiteldimy bei dem dortigen AmtSüorsteher einen Reisepaß vor, der auf den Namen eine? Ingenieurs Schuldig(! Die Red.) IrntMe und der die genauen Personalien des B. aufwies. Offenbar ist dieser Paß gefälscht irorden. Seinen Wirtsleuten erzählte er, daß er nervenkrank sei und sich in dem Dorf erholen wolle. Die sehr lebhafte Korrespondenz suchte er damit zu begründen, daß er gegen- wärtig Stellung suche und sich an Behörden usw. gewendet habe, um ArbeMniöglichkeit zu erhakten. Heeder eck machte häufig Ausflüge nach Potsdam, wie er sagte, doch hat er sich wahr- scheinlich turn dort, um die Spuren zu verwischen, nach Berlin begeben. Bei seiner Festnahme war Bredereck rat Besitz von mehreren Tausend Mark. Boeder«! versuchte den Beamte» gegenüber anfangs zu leagnea und berief sich auf feine Legitlmatio. neu. Seeckts umgekehrte Säuberung. Zu der Beurlaubung des M a j o r V. G i l s a erfahren wir von unterrichteter Seite: Schon nach seiner Rückkehr aus Stuttgart wurde Herr v. Gilsa vom General v. Seeckt so schroff und verletzend behandelt, daß er stch beim Minister hierüber beschwerte. Die Animosität deS Generals v. Seeckt gegen Major v. Gilsa dürfte nicht ohne Zusammenhang mit der Tatsache sein, daß Herr v. Gilsa Augen- und Ohrenzeuge eines wenig rühmlichen Verhaltens des Generals v. Seeckt gewesen ist. Es handelt sich um jene denkwürdige Besprechung Noskes mit den Generalen seines Stabes seiner Umgebung in der Nacht vom 12. zum 13. März, als Noske die Generale dringend aufforderte, gegen die Meuterer mit Waffengewalt vorzugehen. Bekanntlich erklärten fich hierzu nur der General Gimmel und von Paul Kornfelö. Deutsch«» XQeaiez. Wrt firnyer Dichte» erfindet einten Krinrtnaffall, d« zu den Ereignissen der Kolportage geh int, ton neuem. Er senkt seine Jmriy» feit in bc? Ave, Er stattet die Ereignisse, die ihn fest, ehi, mit dem Reichtum scklner starken Bilder und Reden euS..&r_ ist überladen tujü Moral und Aeiberlie sernnge», die rückwärts führen zu Er- Weckern und Erhaltern eines g�chmeidiigM Talents. Die Wiener von 1900, die Prager von 1910, fie alle Gefährten zum Ausbau des deutschen SiprachgetbättdeS, sofern es ein romanisck, heiterer Lustbau 'NN soll, stnÄ feine Lehrer. Kornfeld trat»n die Reibe«in als ein Gelehriger und als ein' erfreulich Versprechender. Drei Frauen sollen den Anhalt fernes Gefühls tragen. Er hatte da? Glück, daß bewnmdommgSwürdige Künstlerimren ihm halfen, feinen Wortreichtum» der häufig nur eine Kargheit der Gestaltungskraft verschleiert, an den Tag zu homgen. Graf Ungeheuer— selbst der G-roschenhinie rtreppenromvn hätte sich vor solchem Namen gefihchki— Graf Ungeheuer geht zu zwei Fr<**ot, zu Beaten, der Gräfin, zu Marie, der Dirne. Set« Stellung zu Leben und Frau ist von dem jungen fichmden Talent in? Strinddergsche eingerenkt. Er liebt Beaten, die Reine, er kniet vor Marien, der vielfach Unlauteren. Während Ekel und Ämb-timg nicht gelöst werden können, woii er der Angebeteten und der Verachteten gleichmäßig verfallen ist, geschehen drei Tragödien. Graf Ungeheuer— dieser gräßliche Kotportayename I— will sich ans seiner Anbetung gewaltsam fortreißen. Denn er gefcmrt j* keinem Mick bei der Gräfin. Er knbt. aber er sWfit sich fiter zurück, er will selber zurückgestoßen fem. Er will Mavien. die Dirn«, in sein HamS führe«, damit sie di« Reinheit Beaten» zer- stört. Der Enischtuß mißlingt, wie er im Groscheneoman, in der s�rn'arktSbnde und im Vo-rstaditheater mißlinge« mns� Beate und Marita gestehen sich ihr Leid, ihr« Bergangenheti. Noch nie- rnals haben zwei erhaben« Schauspielerinnen, Ana Lossen, Beate, Fron Straub, die Dirne Maria,«n dilettanifiches Juyemdstück so»eikkommen in de» Bezirk der hoch bützendem Tragilk kinatrsgsschnellt. Der Dichter beuge sich m Zerkn«4»si»ag vor ihnen! Beate lieit!, haßt gehosnnis voll den Gatten, den«••«fall. S«e weiß eben w cht, wohin ihr Gefühl steuert. Ste»e«ß MtzEch n«r, d»ß eine, ihrer Leben-»pfiichten, die Treue zw« llngMck Vfa,»,»ns ist. llud alS sie die Tochter nächtens findet, d»e«be» choe JW»Wfr«»en- schaff v«-fichfa»chert hat. regt fich d» Peri«W�W»«iM«>chi,sii«i der Enttäuschte«, die ffammewd slfatzemde Hämd« fm»»»snllfi»,,«ts- streckt. Leider zersltö«« diese zu«negfa» Hände d«S Lebe» der Tochter. Der UmtersuchungSrichter tviiit«f. Die Bechuchims wütet weiter, sie wütet wie«in Gehirn deS geaxnnen» spek»li«'rei>den Kolpor tageschmie verS, sie wütet mit der voibtldlichen und sinnbild lich«-! Jnbruufft deS Jünglings, der im zitternder Weichbeit alle Quellen der Menschenqual aufschließen will. Kornfeld schwankt zwischen diese« Reigtingen und Seiden. Ktw». Maria wUl die Schuld des MoroeS awf fich wban.«aide hNeewe Wf* mm diese Tat. Sehr schöv,«tt mm* Bovttrlchtum, ku mmt»»«chiit Reinhard und Major b. Gilsa betest, während alle übrigen, darunter a u ch G e n e r a l v. S e e ck t ein bcwaff- netes Vorgehen verweigerten. General v. Seeckt kann es Major v. Gilsa scheinbar nicht verzeihen, daß dieser sich treuer bewährt hat, aber das ist schließlich nicht die Schuld van M«jor v. Gilsa. Dem ersten Auftritt zwischen Seeckt nud Grlia folgten wertere Reibereien, die nun zur Beurlaubung Gilsas geführt hoben.(An der per- sönlichen Treue Gilsas sind nach unserer Ansicht auf Grund seines Verhaltens in der kritischen Stunde Zweifel schlechterdings unstatthaft. Den sachlichen Kurs, zu dem er Noske mitgedrängt hat und den er auch jetzt fortsetzen wollte, hoben wir stets als u n he i I v o l l bekämpft. Aber «da die Verabschiedung Gilsas von der rechten, nicht von der linken Seite erfolgt, können wir sie nicht begrühen. llied.) Gilsa ist nicht der einzige seines Schicksals. Die menigen Offiziere- im Reichswehrministerium, die sich am 13. März als unbedingt zuverläffig erwiesen haben, sind restlos kalt- g e st e l l t. außer Major v. Gilsa sind der Hauptmann Hahn und der Hauptmann Friedrich sowie der Zivilreferent Rausch in Urlaub geschickt worden. Im Reichswehr- ministeriimi befinden sich jetzt mir die Leute, die zwar nach ihren Erklärungen auf dem Boden der alten Regierung ge- standen haben, aber praktisch bestrebt waren, den.Kapp und Lüttwitz aoldene Brücken zu bauen nud keines- falls Ger Minderheft zur Erkenntnis beitragen, daß es nicht an irgendeinem „Unterdrückngsshstem" liegt, wenn ihre Ansichten nicht zur Geltung gelangten, sondern vielleicht doch an ihren Ansichten selbst, Die Debatte hat gezeigt, dgß die Parteigenossen der Minderheit und der Mehrheit in vielen politischen Fragen und insbesondere in ihren Empfindungen durchaus ei nig sind. Man hat keine Freude an der Koalition, man hegt das lobhaste Verlangen, durch die Wahlen aus ihr herauszukommen, man möchte die zahlreichen Hemmimgen, die sich einer Volks- tümlichen Arheiterpolitik entgegenstellen, beseitigt sehen, man wünscht einen zielklaren, entschlossenen Kurs. Zu diestn Zweck und um den Kampf gegen rechts mit aller Kraft führen zu können, möchte man gerne die ewigen Reibungen mit den Unabhängigen durch eine verständnisvolle gegenseitige Unterstützung ersetzt sehen. Das sind die Dinge, über die man sich durchaus einig ist. Die Meinungen gehen auseinander in der Frage, wie man dazu kommt und wie man das macht. Und da Hai sich die Situation, in der gestrigen Versammlung so gestaltet, daß mehr verhüllt, der nock, nicht GesttgteS felheristh.mihüllt. Die Spur i Hochbegabten wird sichtdar, Richter, Schergen, Volk. Henker »tauben«her der Dirne als der Gräfin. Maria wird an den Galgen kommen. Noch niemals hat ein« Heldin so schön, so wahr, so zer- schlagen den Richtern, den Schergen und dem Pöbel zugeschrien: �Rutscht miir den Buckel runter!" wie cS Frau Straub, die-Dirne. tgt. Sich, wenn der Dichter bei der erschütternden, einfachen Tragik dieses Aufrufes hätte bleiben können! Er ist ein gelehriger, manch» mal«its dam Himmlischen schlafwandelnd schöpfender Jungmnnn der Wte-rarüchsn Brüdevschatt von 1910. Daß er seiner Dirne eine zweite.gesellt, eine Entartete, ein« männlich Liehende, dei fähig ist, «inen Mord zu begehen, damit sie mit der angebeteten Standes- genoffi« eines geniemsamon HeukeiModoö stirbt, ist die Erfindung eines schulerfahre«« n Literaten. Äuguite Punkösdh war die männlich strauchelnde Dirne. Welche Kraft! Alle drei Frauen feien hoch gsloibt. ES bleibt tausenderlei in dieser Tragödie unbcanttrortet, es ist hunderterlei in ihr entlehnt. Warum Gatte, Gattin und Tochter sich liehen, Haffen, trennen, morden und wieder lyrisch zusammen- ketten, ist nur mit Worten gesagt. Paul Kornfeld darf trotzdem nicht belächelt werden. Tie Byzantiner, die ihn noch vor den eisernen Vorhang locken wollten, hatten«benfo unrecht, w-ie das Ge- schtoader der HtkitLschlüyel- und Vogelp feisemm usikan te n, das mit den «lln: hitzigen, allzu tobsüchtigsn ErfolgSkrakeelern am VqxhangS- loch einen viertelstündigen Kampf und Skandal anzettelt«. Pöbel auf der Galerie, Pöbel im Parkett, sie taten alle beide einem Dichtet unrecht, dessen schöne Treue zu stärkere» Gefährten wert- voll ist. dessen krause Gefprächigfeit noch keineswegs der Genialität gte«ftk«nmt. Max Hochdorf. Das Zahlenespcranto. Da? richtige Esperanto ist eine immer. hin nicht leicht zu erlernende Sprache, und fi> bleibt für Reisende, die die Schöpfung des Dr. Zamenhof nicht verstehen und deren Kenntnis auch nicht bei den anderen voraussetzen können, auch weiterhin die Schwierigkeit der Verständigimg. Um dem abzuhelfen. macht«in Mitglied des„Tour mg Club de France" in der Zeitschrift diese? Vereins'einen neuartigen Vorschlag,„Warum sollten Nur N'chi in Ermangelung einer künstlichen internationalen Sprache", so schreibt er,»uns der Zahlen bedienen? Es würde' ein« etwas primitive Art fein, aber durchaus vorzuziehen der Unmöglichkeit der Verständigung, die heute für den der LandeSspracke Unkundigen besteht. Warum sollte in allen Ländern, in denen die arabischen Zahlen gebraucht werden, z. 93. dte Zahl 1 nicht Brot bedeuten? Die Zahl 2 Waffer. die Zahl Z Milch die Zahl 4 Ei? Eine Fest- faw»«, Mn 500 Zahle» 3*t BezeicbminU der wichtigst«» Ausdrücke würde gemuHgt, um die Mehrzahl der notwendige« Fragen und Antworten im gewöhnlichen Leiben auiMndrücken. So könnte z. B. 98 bedeuten:„Ich bitte um einen Arzt" und 86:„Bitte, putzen Sie mir mein« Schuhe," Natürlich müßten die wichtigsten Länder sich in dieser Beziehung einigen, und die Angestellten der großen Ver- kehrSzentren müßtev in diesem Zahlenesvcranto besÄagen sein. ES ließe sich auch so machen, daß jedes Land die Bedeutung der be» rtefftniden Zahl in feiner Sprache feststellt»np dann Liste« in den HafalZ» an de» Eis«nb«chr»n, fit de« RaiseM««« astfc vetöffent» sich die Minderheft bereit zeigte, ein Zuscmrmeu gehen mit den Unabhängigen auch zu ermöglichen aus Kosten des d e m o- kratischen Prinzips. Die Mehrlzeit verhielt sich je- dock gegenüber dieser Anregung entschieden ablehnend. In der angenommenen Resolution sprechen die Berliner Partei- genossen ihre Bereitschaft aus, sich mit den Unabhängigen zu einigen zur Durchsetzung einer reinen demokratischen und sozialistischen Politik unter Ablehnung jeder Diktatur. In der Debatte fand Genosse Krüger die klare Formel, die Sozialdemokratie erstrebe nicht die Diktatur der Arbeiter- klasse, sondern ihre Mehrheitsherrschaft. Es wäre auch nicht einzusehen, wozu wir uns noch um die Wahlen bemühten, wenn wir nicht das Ziel oerfolgten, die Mehrheit zu gewinnen und dadurch die Hemmungen, die sich unserer Politik entgegenstellen, auszuschalten. Die Funktionärveriamnzlung hat klare Bahn geschaffen. Wir werden im Wahlkampf für unsere Grundsätze wirken und durch sie für die Einigung der Arbeiterklasse. » In der gestrigen Funcktionärkonferenz wurden, wie schon in der vorletzten Funktionärssitzung von den Genossen K'ä l i tz und M a- mulla gegen unser RedaktionsmitAlied Cen. Kuttner fchuldigungen des Inhalts erhoben, daß er fich in den Tagen des' Kapp-Lirttwitz-Putsches gedrückt Und gefährliche Arbeit gescheut habe. In«iner persönlichen Erwiderung wies Gen. Kuttner diese Behauptung als haltlose Verleumdung zurück. Kölitz rich- tete darauf einen weiteren Angriff gegen Gen. Kuttner, der jetzt in der Korrespondenz Sochaczewski folgendermaßen dargestellt und verbreitet wird: Dr. Kölitz berichtete über ein Erlebnis im Nepublikaniscken Führecbnnd und gab bekannt, daß während der Tag« des Lump- PuischeS Herr Kuttner zu einer Zufaminentunff des Republila- -ntschen Führerbundes gekommen, eine Anzahl Hundertmarkscheine vorgezeigt und dabei erklärt habe:„Hier haben wir Geld; das habe ich von S kl a rz bekommen," Di« Anwesenden hätten hier- auf«Märt, daß sie mit Alarz schein Gelbe nichts zu tun daben wollten und lieber dem ReMblikamschcn Fükrerbund den Rücken kehren wollten. Sie seien nickt gesonnen, sich aus diese Weise korrumpieren zu lagen. Redakteur Kuttner konnte sich anfangs auf diese Angelegenheit überhaupt nicht besinnen nM behauptete, Dr. Külitz müsse diesen Vorfall geträumt haben. Schließlich stellten sich im Verlauf dieseS persönlichen Wortgcffechies Dr. Kölitz Zeugen zur Verfügung, welche bei dieser Sitzung des Republikanischen Führ erbim des zugegen waren, und so wurde die Tafftellung Dr. Kölitz' einwandfrei festgestellt. Diese Darstellung ist wahrheitswidrig. Sofort nach den Worten des Dr. Kölitz kam der von Kölitz. als Zeuge benannte Genosse Witte zu Kuttner und«Märte ihm aus freiem Antriebe, daß die Behauptung von Kölitz u nwahr sei. Kutiiner rief den neben ihm stehenden Genossen Wu schick als Zeugen herbei, demgegcnübex Witte seine Aussage wiederholte. Auf die Aufforderung Kuitners tat er dies auch noch einmal vom Podium der Berscunm-- lung aus. Weitere Zeugen wurden von Kölitz nicht namhaft ge» macht. Unterbringung ausgewiesener Seamten. Unter der Ueberschrift„Was die Republik den Beamten zu bieten wagt" beschwert sich die„Deutsche Tageszeitung" darüber, daß di« 26 000 aus den abgetretenen Gebieten abberufenen 93eamten mit ihren Familien von der Regievung in Konzen trations- lager eingepfercht würden und daß die Regierung sich nicht um ihre Unterbringung kümmere. Mr können der„Deutschen Tageszeitung" zu ihrer BeruDgung mitteilen, daß die Regierung sehr ernsthaft darum bemüht ist. diesen Beamten ein menschenwürdiges Quartier zu schaffen. Sie ist entschlossen, zur Erreichung diese? Zweckes nötigenfalls dos Mittel der ZwangScingnartierung anzuwenden und hat dabei na- mentlich die Unterbringung der Beamten auf den Herrensitzen der großen Püiter im Auge, wo ja heute noch trotz der Wohnungsnot ein kolossaler Wohnungsluxus getrieben wird und große stattliche Wobngebäude der Unterbringung einer e i n z i g e n, oft sehr kleinen Familie dienen. Wir nehmen an, daß diese Mahnahme den ungeteilten Beifall der„Deutschen Tageszeitung" und ihres Leserkreises finden wird. licht. Die Durchführung dieser Maßnahme würde weder sehr schwierig, noch sehr kostspielig sein, und welchen Nutzen, welche De- quemlichkeit würde diese neue Form der Verständigung den Reisenden gewähren? Eine Möglichkeit der internationalen Per- ständignng wäre dadurch gewährleistet— wenigstens für die Rei- senden!" So bestechend dtllstr Vorschlag mich klingt, so dürfte er doch auch manche Möglichkeiten deS Mißverständnisses enthalten. Wenn mau z. B. 44 auf einen Zelte! schreibt und ihn dem Kellner übergibt, wodurch vier Eier bestellt werden sollen, so wäre es doch nickt auS- geschlossen, daß man statt dessen den TageSertrag einer kleinen Hühnerfarm erhält. Prsfessvr Sckmmhn, der Direktor der Gesellschaft Urania, ist am 19. d. M. nack langem schweren Leiden verschieden. Der Ver- sterben« gehört seit Gründung dem Institut an und hat durch sein gediegenes Wissen, namentlich auf astronomischem und geologischem Gebiet, und durch seine Gabe, diese schmierigen Wissenschaften weiten Kreisen in gemcinverftändlichcr populärer Darstellung nahe- zubringen, in weit« Kreise Belehrung und Anregung getragen. Filwschliisscr. Eine Berliner Filmgesellschaft macht die Mit- teilnng. daß sie ein Schloß im Stil dcS 13. Jahrhunderts in der Nähe Berlins zu Filmaufnahmen hat errichten lassen. ,Es ist nicht bloß e n Fassadenbau, sondern es sind auch benutzbare Jnnenräuma darin.— Bei der herrschenden Baustoffnot ist wirklich nicht ersicht- lich, warum die vielen unbenutzten ehemals königlichen Schköster für solch« Zwecke nickt bergegeben werden. Das wäre doch ein« Mögl chkcit, sie irgendwie nutzbar zu machen. Oder gebietet der Respekt vor den Gemesenheiten, daß auch ihre allerhöchsten Räume nie wieder von gewöhnlichen Sterblichen benutzt werden? Marssiguale? Ein Berffich, dem Mars Signale zukommen zu lassen und zugleich festzustellen, ob Tonwellen oder irgendwelche anderen Zeichen von einem anderen Planeten bei uns au-ge- nommen n-erden können, ist von dem a!nerikanis:ken Professor Dave Todd ausgeführt worden. Todd bediente sich eine? Frei- ballonS, der bis zu einer Höhe von 50 000 Fuß emporsteigen soll. Der Aufst eg erfolgt von dem Fort Omaha in Nebraska auS. Ter Gelehrte bat in der mühevollen Arbeit mehrerer Jabre einen be- sonderen Registrierappitrat konstruiert, durch dew Einflüsse der atmosphärischen Welten fwdiert werden können, wenn der Ballon zur Erde zurückkehrt. Aber bisher hat weder er noch jemand anders MarSsignale feststellen können. Im Lefsing-Ützeater sällt die beutige Vorstellimg wegen der Vor bcreitung zu der Aeuaustübrung von„Frau WarrenS Gewerbe' aus. Ans dem Berliner Mnsenm für Zlölkerkniide. ltm Mn'eum für Völkerlunde ist neben den bisberlcien renional gegliedeiten Abteilungen ein« eigene entwicklimgsgcschichtliche Abteilung und ein etbnologitcbe« Fortckiinns- und Lehrinslliut errichtet worden. Beide leitet Professor H. Cunow.* Kunsichrontk. Olm Grapbilchen Kabinett I. B. Neumann. Berlin, Kur sin st en dämm 262, findet im Mai eine Ausiiellung deS ArbeitSratS für Kinstt„Neues Bauen* ftnit Zu gleicher Zeit erscheint die zweite Bi"�- verößentlichung deS- Arbeitsrates für Kunst„Ruf zum Baue»'. Wpp-- Kpd. Tas bolschewistische 5?aleiÄoskop. Tie neugegründete Partei liaks vom Spartakusbund hat keinen guten Slern. Ihr Gesuch um Aufnahme in die In» rernationale dritter Güte ist— wie die„Rote Fahne" froh- lockend mitteilt— abschlägig beschieden worden. Aus folgenden Gründen: Das Westeuropäische Sekretariat der Kommunistischen Jnter» nationale stellt fest: Die Haltung der„Kommunistischen Arbeiterpartei" in den vergangenen Wochen mar folgende: 1 Sie hat die�Verbindung mit den Kappoffizieren hergestellt und dadurch die Gefahr von Lockspitzeln provozier- ter Putsche hervorgerufen. 2. Sie hat in Verbindung mit diesen Kappoffizieren wieder- um Konzessionen an den NationalbolschewiSmu» ge- macht und hat diesem Nationalbolschewismus auch weiter dadurch Vorschub geleistet, daß sie die durch ihren Nationalibolschewismus bekannten Gruppen in ihre Reihen aufgenommen hat. 3.� Sie vertritt den individuellen Terror und die individuelleSabotage. 4. Sie sieht ihre vermeintliche Aufgabe in der Bekämpfung der der Kommunistischen Internationale angeschlossenen Kommu- nistischen Partei Hputschlands(Spartakusbund) mit allen, auch terroristischen Mitteln. Jetzt wird den Kapdisten nichts anderes übrig bleiben, als das Westeuropäische Sekretariat für eine von der Bour- geoisie bestochene Einrichtung zu erklären, die mit den Kape- ditern unter Zuhilfenahme von Kappisten in die glelche ter- roristische Pfanne zu hauen ist. Redensarten statt Heweise. Kommunistische Lösungsvorschläge zur Schuldentilgung. In einem sehr„geistreich" mit„Wirtschaft überschrieben en Leitartikel setzt sich die„Note Fahne", Zentralorgan der K. P. D., mit Deutschlands gegenwärtiger schwieriger Wirtschaftslage aus- einander. Wenn sie dem kapitalistischen System als solchem die Schuld für unfern Zusammenbruch zuschiebt, so können wir ihr hierin nur vollkommen zustimmen. Auch die Konsequenz, daß nur eine sozialistische Wirtschaftsordnung im- stände sei, die Fehler und Unzulänglichkeiten der kapitalistischen Oekonomie zu beseitigen, können wir nur unterschreiben. Gänzlich irrig dagegen ist die Behauptung, daß ein nach b o l s ch e w i st i- schem Muster gehaltenes Rätesystem imstcAe wäre, unsere Lage zu verbessern. Von einer scheinbaren Einsicht zeugen folgende Worte des.kommunistischen Blattes: Wieweit' die ko?nmunistische Wirtschaft die Schuldansprüche de: Entente wird abschütteln könnech das wird abhängen von der Entwicklung der Machtverhältnisse. Ganz recht! Aber wir brauchen ja gar nicht der kommunisti- schen Empfehlung, in dieser an Krisen ohnehin reichen Zeit Experimente anzustellen, nachzukommen. Di« Mach tv er- Hältnisse nämlich.und ihre Entwicklung lassen sich zu'jeder Zeit einwandfrei feststellen: mit Hilfe der Demokratie nämlich! Sie gibt ein getreues Spiegelbild von den Machtverhältnissen und erleichtert hierdurch die Feststellung, wie sich unseve Stellung der Entente gegenüber gestalten wird. ES ist nicht einzusehen, wie ein Sowjetsystem die Schuldansprüche der Entente abschütteln soll, ein System, dessen Machtder- hältmsse auch heute noch, wie die„Rote Fahne" zugeben muß, nicht im entferntesten geklärt ist und istfolge Ablehnung der d e m o k r a. tischen F e st st e l I u r�g Sm e t h od e n auch gar nicht geklärt werden kann. Doch hierüber setzt sich die„Rote Fahne" leichtfertig mit den Worten hinweg: Aber wie dem auch sei, die innere Schuld einmal abgeschüttelt und die Wirtschaft befreit von den Fesseln des Kapitalismus, so wirb der Fortschritt der Revolution t» deu Ententrländern den Wechsel der Entente auf die Ar» beitskraft Deutschlands Schritt für Schritt ab- tragen. Bewei-loser und leichtfertiger dürfte Wohl selten eine Be- hauprung misgestellt worden sein. Mit der Redensart„wie dem auch fei" löst man keine ökonomischen Probleme. Und die apodiktische Behauptung, die innere Schuld abgeschüttelt und die Wirtschaft von den kapitalistischen Fesseln be- freit zu haben, ist nicht gleichbedeutend mit der Erfüllung dieser Forderung. Was endlich den Z u k u n f t Z w ech s e l auf die Weltrevolution, den die„Rote Fahne" großmütig aus- stellt, betrifft, so dürfte sie hiermit praktisch wohl nicht eine einzige Mark erlangen, um auch nur den geringsten Bruchteil unserer Schuld an die Entente abzutragen. Ein Kleber. Ein reaktionärer Major lästt sich nicht entlasse«. Während des Kapp-PutscheS war ein Major Steuer m Görlitz Leiter der AbwicklungZstelle Grenabier-RegimemtS Nr. S. Nachdem er S1 Angestellte wegen Teilnalhm« am Generalstreik entlassen Haide, gab er ein Frtsevat auf: Angestellte und Arbeiter werden gesucht. Bedingung: Treue zur neuen Negierung. Die Sache wurde nach Berlin berichtst, und das HeeveS- abtvicklungSami verfügte, was lobend hervorgehoben werden muß, in kürzester Zeit die Entlassung deS dappistischen MajorS. War aber nun glaubte, daß der mutige Major, der sich so offen zur Kapp-Regierung bekannt hatte, erhobenen HcnrpteS seinen Posten verlassen hätte, der wurde schwer getäuscht.'Nein, er blieb einfach Nebe» und erklärte ganz frech und dreist, er sei wohl nur noch Major a. D., aber seine Funktion als Leiter der Abwicklern gS- stelle führe er deshalb weiter auS. Als dies wiederum wach Berlin an die zuständige Stelle berichtet wurde, wurde van dort mitgeteilt, daß es unmöglich, fei, diese Angaben zu glauben. Aber eS war doch Tarsache. Denn nunmehr erst, nachdem erneut wohl zum dritten Malx der Entlafsungsbefehl wahrscheinlich in verstärktem Tone kam, packte der Major seine sieben Sachen und ging von feiner Stelle, auf der er trotz der Sntla ss ungsb efchle noch 14 Tage weiter verblieben war. Tie Frechheit der Reaktionäre kann treffender kaum beleuchtet werden. Und diese Leute, die sich nicht von ihrer Futterkrippe trennen können, zetern über»Futterkrippenwirtschaft". Sieg öer Unvernunft. Von dem Konflikt in der Hamburger U. S. P. hatten wir bereits wiederholt ausführliche Mitteilungen gebracht. Wie nun. mehr aus Hamburg gem.cldet wird, haben die elf gemäßigten Mit- glieder der Unabhängigen Sozialistischen Fraktion der Bürgerschaft dem Vorstand der Bürgerschaft ihren Rücktritt angezeigt. Diese Mitglieder der U. S. P. hatten zusammen mit unseren Genossen und d?n Bertreter» der Bürgerschaft eine SinheitS« s r o n k gegen Kapp gebildet, die sich jedoch ausdrücklich gegen jede Diktatur wendete. Der nunmehr erfolgte Austritt ist eine Folge der Mißbilligung ihres Verhaltens, das den gemäßigten U-Sozialtsten auf dsm Hamburger Bezirkstage ausgesprochen wurde. polnische Truppen in Gberschleften. Beuthen, 22. April.(TU.) Zwischen Josephsthal und B i s i a find polnische Tr Uppen, wie einwandfrei festgestellt wurde, eingetroffen. Die Truppen, die 3000 Mann stark sein sollen, tragen nicht die Hechtblaus, sondern eine neue grünblaue Uniform. Soviel zu erfahren war, sollen die Truppen, die zum größten Teil auS Galiziern und Posenerrr bestehen, vom 17. April bis 3. Mai in dieser Gogeicd bleiben. EnglanSs Zinanzpolitik. London. 21. April.(Reuter) Unterhaus. Im Verlauf der Budgetdebatte betonte Chamberlain die Stärke der Finanzlage Englands und hob ferner hervor, daß für das folgende Jahr eine weitere Verminderung der Schulden um 300 Millionen Pfund zu erwarten sei. England sei hierzu imstande, ohne zu außerordentlichen Maßnahmen, wie z. B. einer Kapitalsabgabe, seine Zuflucht zu nehmen. Chamberlain sagte, daß möglicherweise später«ine Abgabe auf die durch den Krieg erworbenen großen Vermögen gelegt würde und wendete sich gegen die von der Arbeiterpartei borgeschlagene allgemeine Ka- pitalsabgabe, die er als ungerecht bezeichne' Die Wahlen in Bayern. Der Ausschuß des bayerischen Land- t a g e S hat beschlossen, daß genau so, wie eS in der R e i ch S- Verfassung festgelegt ist, die Wahlen zum bayerischen Landtag jeweils an einem Sonntag, oder an einem öffentlichen Ruhe» t a g stattfinden sollen. Die Ausgabe von Freifahrscheinen für die Reise zur Volks- abstimmung in Ost- und W c st p r e u ß e n erfolgt durch den „Deutschen Schutzbund für die Grenz- und. Ausländsdeutschen". Diese Fahrscheine gelten aber nur 21 Tage vor und 21 Tage nach der Abstimmung. Alle stimmberechtigten Ost- und Westpreußen, die zu längerem Aufenthalt im Abstimmungsgebiet die Einreise früher antreten wollen, erhalten das Reisegeld dritter Klaffe für Hin- und Rückreise erstattet, wenn sie vor Antritt der Reise einen entsprechenden Antrag bei ihrem Heimatsbunde oder einer Zweigstelle Itts Deutschen Schutzbundes stellen und nach Rückkehr nachweisen, oaß sie am Tage der Abstimmung in ihr em G e b u r t s- orte anwesend waren. preußische Lanöesversammiung. 13b. Sitzung. 22. April. Präsident L e i n e r t eröffnet die Sitzung 124» kühr. Das Haus ist sehr schwach besetzt. Die heute auf der Tagesordnung stehende Beratung der Höchst Mietenverordnung wird wegen Teilnahme des Minister? an den Verhandlurigen über die Reichsmietssteuer ab- gefetzt. Das Haus berat zunächst den Gesetzentwurf über die öffentliche Krüppelfürsorge. Bei den Beratungen der Teuerungszulagen werden die Mehrheitspar- teien heute nachmittag einen Antrag einbringen, in welchem der- langt wird, daß den Beamten ein Borsch u h auf die auf Grund der Besoldungsordnung in Ausficht stehenden Mehr- lbegüge gewährt wird. Ueber die Form der Vorschußzählung und die Frage, ob der Lovschutz später angerechnet werden soll, stehen die Verhandlungen noch aus. Der Morü in See GleSitschftraße. Ein Reffe unter Mordverdacht verhastet. Der Mord m der Gledvifichftraße steht kurz vor serner Auf. klärung: Unter dem dringenden Verdacht, den Kaufmann Otto Eitner, G le d i t schstr a ß e 30, ermordet zu haben, ist ein Neffe deS Ermordeten, der 20 Jähre alte Schreiber beim ReichSarlbeitSministerimn Hans Günther G ö d e vom Luisen- platz 13 verhaftet worden. Wettere Zeugenvernehmungen im Hause ergaben, daß der Täter ein Bekannter Eitners gewesen sein mußte. Man hatte vor dem Verbrechen gehört, daß bei Eitner geklingelt wurde und daß jemand empfangen wurde. Ter sehr vorsichtige Eitner ließ aber niemanden ein, der ihm nicht bekannt war. Tie Vernehmung der Angehörigen lenkte nun den Verdacht auf Göde, der stets in Geld- vertsgenheiren war. Der junge Mann verließ mit Iv Jahren die höhere Schule, nachdem er das Einjährigen-ZeugniZ erwarben hatte. Im Kriege zog er sich eine Verwundung am Hinterkopf zu. Aus dem Fekde zurückgekehrt, nahm er die Schreiberftelliung an. Er Mite es, den Lebemann zu spielen, und kam mit seinem Gelds nie aus, obwohl er von seiner Mutter, die im Posenschan lebt, zu seinem Gehalt noch einen monatlichen Zuschuß von 400 bis 000 M. erhielt. In feinen Verlegenheiten wandte er sich auch öfter an seinen Onkel Eitner. Ter Verdacht gegen den jungen Mann wurde noch dadurch derstäwtt, daß er einen hellgSlben Hut trug und daß er die Zigarette so zu halten pflegte, wie die Zeugen es bei dem mut- maßlichen Täter gesehen haben wollen. Kriminalbeamte begaben sich sofort nach der Wohnung Gödes und fanden diesen im Bette liegend. Er wollte zunächst von nichts wissen. Dabei blieb er auch bei seinen: Verhör auf den: Palizeipräsidrum. Erst fpäter gab er zu, bei seinem Onkel in der Wohnung gewesen zu lein. Endlich gab er an, daß EitnerS Tod auf ein Unglück zurückzuführen fei. Wegen seiner Heimkehr nach Polen fei er mit seinem Onkel in emen Wortwechsel gvoaten, der ihn veranlaßte, aus ihn einzu» schlagen, als et gerade auf einem Stuhl gestanden habe, um oen Brenner der Gaslampe nachzusehen. So sei Eitner mit dem Stuhl umgefallen und habe sich auf dem Fußboden den Schädel eingeschlagen. Tie verschwindenden Parks»nd die Arbeiter. Der Arbeiters uSschuß der Parkderwaltung bittet unS um Veröffentlichung folgender Zeilen: Die Beschäftigten der Berliner Parkve'.waltung stellen möt Bc- friedigung fest, daß der„Vorwärts" das einzige Berliner Blatt war, oas cm der Bekanntmachung der Parkdeputmlon Kritik übte. Wir unsererseits möchten auf diesem Wege gegen die von der Parkdepu- tatwn angeführten Gründe /siehe Artikel vom 17. April Abenausg.) Stellung nehmen. Wenn die Parkdeputation sagt, sie müßt, um die vorhandenen Anlagen instandzukwlten, noch 200 Arbeiter zu den 1120 beschäftigten einstellen, so müssen wir das zurückweisen und zwar aus dem Grunde: Ist der Parkdeputation bekannt, daß von dem 1120 zurzeit Beschäftigten schon zum 1. Mai mehrere hun- dert Leute gekündigt sind? Inwieweit von der Entlassung Ge- brauch gemacht wird, ist wohl noch unbestimmt. Fest steht, daß man die Zahl der Beschäftigten in den Sommermonaicn um einen erheblichen Prozemsatz herabsetzen will. Das könnte nicht zutreffend sein, wenn man versuchte, die zurzeit bestehenden Plätze zu erhalten und zu pflegen mit den vorhandenen Arbeits- kräften;«S würden sich da die von der Packdeputation angeführten 200 Neueucstellunge» erübrigen. Zu den von der Parkdeputasto» genaimten Platzen, die zur Kassierung kommen sollen, wäre zu be» merken, daß es jedem aufmerksamen Leser aufgefallen sein muß, daß ikan dabei die von den Proletariern bewohnten Stadtviertel am empfindlichsten trifft(SenefeLder Garten, Andreasplatz, Weber- wiese u.«.). Dagegen ist im Westen der Potsdamer Platz genannt, wo, nebenbei gesagt, gar keine Rasenflächen bestehen; ähnlich ist es an der Potsdamer Brücke und den anderen genannten Orken. Wir fragen, weshalb nimmt man dem arbeitenden Volke das wenige Grün in den Straßen des Nordens und Ostens? Maat sollte wissen, daß eS bcute einem Arbeiter mit seiner Familbe unmöglich ist, durch die lleberfüllung und die Teuerung der Verkehrs- mittel oft in die freie Natur zu gelangen. Darum bitten auch wir als Ausschuümitglieder auf diesem Wege die Stadtverordnetenversammlung, derParkdeputaticm die genügen- den Mittel zur Verfügung zu stellen, damit das Vorhandene er» halten bleibe. Voll anschließen möchten wir uns dem, was die Depu» tatton über das Stehlen der Pflanzen und Zerstören der Anlagen angeführt hat. Das Publikum möchten wir besonders darum er- suchen, die Parkwächter zu unterstützen und nicht, wie es häufig vorkommt, für die Plünderer Partei zu nehmen. Wo gab es die billige» Fische? Die Berliner Fischkleinba ndel-Genossenschäft macht uns zu der im„Borwän.s" lÄr. 201) aufgeworfenen Frage, wo die von ihr verheißene billige Ware geblieben ist, die tröstliche Mitteilung:„Die in Betracht kommenden Kleinhandelseeschäfts haben nachweislich in der fraglichen Zeit Fische zu folgenden Preisen per Pfund verkaust: Flundern von 0,ö0 M. an, Plötzen von 1,30 M. an, Darse von 2 M. cm, Kabliau ausgeschnitien von 3 M. an, Hechte und Bücklinge von 6 M. an." An dieser Erklärung mögen sich jetzt diejenigen satt lesen, die von den besagten, nach dem beuttgcn Geldwert schon„billig" zu nennenden Fischen nichts abgekriegt haben. Der Ausdruck.die in Betracht kommenden Kleinhandelsgeschäste" läßt darauf schließen, daß die billigen Fische nur in dazu ausgewählten Ge- sch ästen feilgehalten wurden. Die Geiwssenschcrft schreibt mich, man könne Fische, weil sie nasch verderben, nicht so gleichmäßig wie andere Lebensmitteil auf ganz Berlin verteilen._ Uns ist nicht be- känn tgeworden, daß die Genossenschaft sich bemüht hätte, die aus- gewählten Geschäfte zur Kenntnis der Bevölkerung zu bringen. Auch in ihrer Zuschrift sagt sie nicht, daß dies geschehen«->:« ver- spricht, künftig bei Zufuhren reichlicher Fänge die danach bemessenen billigeren Preise zu veröffentlichen. Hoffentlich werden dann auch die Berkaufs stellen möglichst auffällig bekannt- gemach t. �_ Autofahrten zu Wucherpreisen. AuS der Nattonalversammluug ist der Regierung folgende Anfrage-vorgelegt worden: Auf eine Anfrage betreffend die Miß- stände rm Berliner K ra ftd ro s chkenw e sc n hatte die Regierung erklärt, daß durch die damals abgeschlossenen Dartsver- bandlungcn eine Einigung zwischen NeichSverkebrsministcrttim und Fuhrunternehmern erzielt worden sei, die die Beseitigung der ge- rügten Mßstände verbürge, und weiter, daß eine schärfere Polizeiaufsicht ausgeübt werden solle. Wie die häufig eingehenden Klayen aus dem Publikum beweisen, haben sich aber die Uebelstäifte mchi nur nicht gebessert, sondern sie sind im Gegenteil noch grötzer� ge- worden. Zu den vereinbarten Taxon ist weder eine Kraft- noch eine Pferdedroschke zu haben. Sind der Reichsregierung diese andauernden Uebefftände bekannt und was gedenkt sie zu deren Beseitigung zu tun? Es ist in der Tat an der Zeil, daß hier gründlich durchgegriffen wird. Die Verhältnisse im Berliner Droschkenwesen häbei: heut« Möglichletten erreicht, die schlechterdings nicht mehr steigern ngs fähig sind. Da der Fahrgast'den schamlosen Forderungen der Droschken- führet hilflos gegenübersteht, so können sich Autofahrten nur noch Leute leisten, denen eS auf ein paar blaue Lappen mehr oder weniger nicht ankommt._ Der Kampf gegen den DarlehnSschtnlndel, den die Kriminalpolizei nach dem Kriegs sofort wieder ausnahm, wird mit gutem Erfolge trotz aller Schwierigkeiten fortgesetzt. Sehr wirksame Kampfgenossen hat sie an der Erwin-Bernhardt-Stiftung in Berlin und an der Zentrale zur Bekämpfung de? Darlehnsschwindols iu Hamburg gefunden. Während des Krieges war der DarlehnSschwindel lahmgelegt. Dann aber blühte er sofort wieder auf, um so mehr, als viele Leute in Not und Perlegenheit geraten waren und sich irgendwie, wenn auch mit großen Kosten, herauszuhelfen versuchten Es sst oft nicht leicht, den Unternehmern nachzuweisen, dar, eS ihnen nur auf das Einstreicken der Vorschüsse auf die Ver- mittlungkgebühr ankommt, und daß sie sich nicht die geringste Muhe geben, auch wirklich ein Darlehen zustande zu bringen. H'.er gnften nun die beiden Pribatorgan««in, die sich aus sozialen, gemein- nützigen Gründen den Kamvf gegen den so gememschädlichen Schwindel zur Aufgabe gemacht haben. Sie unterstützten damit die Kriminalpolizei sdljr wesentlich, und so gelang es den vereinien Bemühungen, eine ganze Reihe von großen Sckwindelfirmen un- schädlich zu machen. In Hamburg, der Zentrale des ganzen Sch'vindelS, wurden die„Darlehnsvermiitler" Hans, Gustav und Paul Blum«, A. Franke, Lamm, Kalderarew. Theodor Albert und Winkel verhastet, in Berlin zunächst der bekannte Leopold L a m i n g e r. Weitere Verhaftungen stehen auf Anordnung des Untersuchungsrichters bevor. Um ganz gründlich durchgreifen und aufräumen zu können, ersucht die Kriminalpolizei alle Betrogenen, die noch keine Anzeige gemacht haben, sich bei ihr im Zimmer 391 oder bei der Erwin-Berrihardt-Stiftung m der Potsdamer Str. 116a zu melden. Friebrichshagen. Meldungen zur Sicherhslts- unti OrtStvehr werden Wochentag? abends von 6— 7 Uhr im Lokal von Tinttis, Friedrichstr. 121, entgegengenommen. Verbandsbücher sind vor- zulegen. Gewerkschaftskartell Frtedrtchshagen. Ii bfi im mnngSkragen. Am Sonnabend, den 24. Abril, 7 Nbr findet In der Aula der Eemewdeschule, ffiilrntftrasje. Ecke Bärwaldslratze, eine Oftvrenßenversammlung statt, die über die Bvllsabslimmung Ausllärmig gibt.__ Hroft-Serliner parteinachrichtea. Metnickendorf-Oft. Die Beisetzung ber Asche des verstorbenen Ge- nassen Schönberg findet morgen Freitag, nachmittags 3% Uhr, aul dem Allen Friedhos, Gras-Rödern-Allee, statt. Heute, 22. April: I*. Abteilung. 7 Uhr: Konserenz der Funktion Zre, Betriebs- Vertrauensleute und Elternbeiräte bei Frölslich, MuStauer Straße 1. Morgen, 523. April: Wilmersdorf.'/,8 Ndr- Aufierordentliche Generalverfammlimg in der Aula der Hindenburg-Oberrealschule, Am Seepark 36. TageZordnipig: 1. Wahl von 2 Beisitzern; 2. Wahl der Delegierten zur KretSgeneralver- sammlung.„„„._„ Pankow. 7 Ubr: Oeffenkliche Versammlung im„Kurfürsten-, Berliner Straße 102. Ref.: Hans Krüger. Zahlreiches Erscheinen Beduigmig. Vorträge, vereine iinü Versammlungen. Arbeiter Radkahrerverein„Grost-Berlin-. Sonntag, den 26. April, früh 6 Uhr: Streiszüge durch den B'lumentol. Nachmittags 1 Ubr: Werneuchen,.Schwarzer Adler".— Touristenvoret».Die Natur« freunde". Sonntag, den 25. April: Finkenkrug. Brieslang. Nauen. ?Ib Lehrter Bahnhof 6.26 Uhr.— Freier Wanderbund. Neudrück— Hoher Golm— Kunersdors. Abfahrt: Sonnabend, abepds 6.42 Uhr, Anhalter Bahnhol Kindersabrt: Friedrichshagen— ZIÜWeljee— Eöpenick. Adjahrt 7 Uhr fiüfj Schtesischer Bahnhof. Berliner Douristenverern von 1887. Am Sonntag, den 25. April: Wandwung Fmkenkrng. Moosbrnchheide. Brieselang. Abfahrt: Lehrter Hauotbahnhof 7.15 Uhr. Auslunjt durch G. Bierrath, Augsburger Straße 46. Wirtschast Hatldel und Gemeinwirtschaft. Zur Eröffnung der Rohprsduktenwoche sprach am DienStsg da» �chäst-Zfiihrende Präsidialmitglied des Zentralverbandes des Deut- )en Großhandels und Vertreter deS Handels im WirtschastZ- rat Kei n ath vor dem Fachausschuß des deutschen Rohprodukten- Handels über„Handel und Gemeinveirtschast". Bemerkenswert ist, daß Keinath, der während des Krieges zu den eifrigsten Verfechtern der freien Wirtschast gehörte, setzt für«ine gebundene Wirtschaft mntritt. In seinem Referat ging er von dem Ge- danken aus, daß der Handel gehofft habe, sofort nach dem Kriege aller Beschränkungen ledig zu werden. Aber die Verhältnisse hätten sich jetzt so entwickelt, daß die Bevölkerung die Beibehaltung einer geschlossenen Wirtschaft verlange. Keinath gab dann einen Heber- blick über die verschiedenen System«, nach denen die Planwirtschaft getrieben werden soll. Die Sozialisierung lehnt er entschieden ab. Es müsse festgestellt werden, dag der jetzige Reichswirtschaftsminister auf das Wirtschaitssystem Wissells zurückkomme. Der Handel wird sich, den neuen W i r tschaf tsve rh älhri ssen anpassen müssen, aber er sei toneswegS überflüssig. In der jetzigen Zeit der Rohstoffnot sei die Steigerung der Produktion die Hauptsache und ohne den Handel kaum durchführbor. Der deutsche Handel hat da- her die Pflicht, jede G e me i n w i rt f cha f t zu unter- stützen, welche eine Hebung der Produktion zum Ziel hat. Keinath legte dann«in sehr warmes Bekcnnwiz für Arbeitsgemeinschaften ab, die auch im deutschen Handel eingeführt werden müssen. Der Handel müsse sich von den alten Vorstellungen frei machen. Auf der anderen Seite könne man dann erwarten, daß die verantwortlichen Führer der Arbeiterorganr- satwnen ein wachsendes Verständnis für die Aufgaben des Handels und der Industrie entwickelt werden. Die Ausführungen des Herrn Keinath über die Unentbehrlich- ksit des Handels in der Gemeinwirtschaft treffen nur insoweit zu, als er den volkswirtschaftlich wichtigen Handel im Auge hat, der tatsächlich bei der Verteilung der Waren nicht eckt- behrt werden kann, solange die Marktwirtschaft nicht von der organi- sierten Bedarfsdeckungsw i rtschaft abgelöst ist. Daß sich Herr Keinath schützend vor die zum Teil recht fragwürdigen Existenzen stellt, die, wie z. B. im Teerhandel, während des Krieges und der Revo- lution ihr„kaufmännnisches Talent" entdeckt haben und ihre Haupt- aufgäbe darin sehen, die Ware recht lange festzuhalten und dann recht hohe Preise erzielen, ist nicht anzunehmen. Das Bekenntnis eines führenden Vertreters des deutstben Großhandels zum GemeinwirtschaftHgedanken, das übvigens nicht mehr vereinzelt dasteht, wird auch in denjenigen Handeskreisen, die bisher hinter jeder Form der Gemeinwirtschaft ein Stückchen„Bol. schewiSmus" wmertsn, Eindruck machen. GsDeeWoftsboipeguRg Klavierarbeiter l Di« streikenden Klavierarbeiter waren am Dienstag noch ein- mal in KliemS Fesälen zusammengekommen, um über die Auf- Hebung oder Weiterführung des Kampfes zu beschließen. Nach mehrmaligen und langen, aber auch w't Zähigkeit geführten Verhandlungen ist endlich ein« Vereinbarung zustande gekommen, bei der nur noch ein Punkt strittig blieb. Beide Par- teien glaubten, an der Grenz« der Zugeständnisse angekommen zu sein. Di« Frage des Mitbestimmungsrechts war«S, worüber«ine Verständigung nicht zu erzielen war. Während die Unternehmer diese Frage nur durch das BetriebSrätegesetz geregelt wissen wollten, standen die Arbeiter auf dem Standpunkt, daß alz Mindestforde- rung das zu gelten habe, was im Reichstarif für da? ganze übrige Holzgewerbe Geltung habe. Gs war deshalb vorgeschlagen worden, über diesen Punkt ein Schiedsgericht entscheiden zu lassen. Dieser Borschlag war umsomehr gerechtfertigt, alS bei den voraufgegange- n«n zentralen Verhandlungen di« Unternehmer der tariflichen Regelung zugestimmt hatten. Der Dorschlag der Arbeitervertreter rief bei den Unternehmern Widerspruch hervor und zu der Auf- forderung, für unparteiische Beisitzer Vorschläge zu machen und den Zusammentritt zu beschleunigen, konnten sie«ine zusagende Er- klärung nicht abgeben. Bei der Arbeitszeit hatten sie sich ebenfalls f-"äuvt. Entgegenkommen zu zeigen und in einer Flugschrift der- kündeten sie den streikenden Arbeitern:„Der Bezirksvcrband ist sich der großen Verantwortung voll bewußt, die er an dem Wieder- aufbau trägt." Mithelfen will er, um„die schwere Lebenshaltung des Volkes" zu bessern. Die„Verkürzung der Arbeitszeit" schade aber nur der Allgemeinheit, darum müsse solange und soviel wie möglich gearbeitet werden, um den Untergang des Deutschen Wirt- schaftslebens und den Untergang des deutschen Arbeiters zu ver- hindern. Sie schlugen zu dieser Frage eine Schiedsstelle vor, um die Wiederaufnahme der Arbeit nicht zu verschleppen. Wenn der Reichsverband sich seiner Verantwortung voll bewußt gewesen wäre, hätte er den„Wiederaufbau" nicht ein Vierteljahr lang durch starr- köpsiges Verhalten verschleppt. Die Maßregelung eines Fabrik- auSschusses stand ihm höher als das deutsche-Wirtschaftsleben. Es muß noch einmal ganz besonders betont werden, daß die Arbeiter «»nicht zum Kampfe kommen lassen wollten. Daß sie jederzeit bereit waren zu verhandeln und noch kurz vor dem Streikbeschlutz auf eine nochmalige Anftage eine ausweichende Antwort erhielten. Auch nachdem sie sich im Streift befand, ist die Arbeiterschaft von diesem Standpunkt nicht abgewichen, wie es der Gang der wieder- holt stattgefundenen Verhandlungen erweist. Es ist hier wohl die Frage berechtigt, warum den Berliner Kollegen vorenthalten wurde, was anderwärts ohne Kampf zur Durchführung gelangt ist. Während in Südwest-Deutschland, in Leipzig, Dresden, Zwickau, Stuttgart, Düsseldorf, Krefeld, Liegnttz u. a. Orten durch die Ver- Hinderung des ZuftondekommsnS des Tarifs beide Parteien dazu gekommen sind, besondere Verträge abzuschließen, ward eS hier unmöglich. Bei Festsetzung der Lohnsätze wurde z. B. erklärt, daß die Unternehmer nicht daran denken könnten, die Forderungen zu be- willigen, da die Provinz niemals einer solchen Erhöhung zu- stimmen würde. Jetzt dagegen steht fest, daß dort Lohnsätze be- willigt sind, die über die Berliner hinausgehen. Nach dem Referat über das Resultat der bisherigen VerHand- lungen und dem Ergebnis des Schiedsspruches kam die Ver- sammlung zu dem Beschluß, de« Schiedsspruch anzuerkennen und auf Grund der Vereinbarungen mit den Fabrikanten in Ver- brndung zu treten, zwecks Regelung der Arbeitsaufnahme. Als nun die Fabrikausschüsse dem Beschluß der Vcrfamm�nig folgend, .in die Beigebe kamen, wurde ihnen erklärt, daß die Arbeit noch nicht aufgenommen werden könne, sie sollten in einigen Tagen wieder kommen. Einige erklärten sogar, keine Verpflichtung zu haben die Arbeiter wieder einzustellen, da sie ja entlassen seien, ihre Papiere geholt hätten u. dgl. mehr. Ander-, wieder sangen dys alte Spiel vom Januar an, indem sie Mißliemge überhaupt nicht wieder einstellen wollen. Auch diese Haltung würde den gemachten Vereinbarungen widersprechen, wonach Maßregelungen und Be- lästigungen nicht stattfinden sollten. Ebenso widerspricht es einer Resolution de? Reichsverbandes, wonach der Bezirksvcrband bereit ist, darüber zu wachen,„daß beiderseitige Verstöße und Böswillig- leiten in schärfster Weis« geahndet werden". Hier könnte der Be- zirksverband einen Teil von seinen Beschlüssen und Versprechen verwirklichen, wenn er den ernsten Willen dazu hätte. Sine stark besuchte Versammlung der Angestellten im Einzelhandel nahm am Mittwoch abend im LchrervereinSbauS zu der durch die abgebrochenen Tarifvcrhandlungcn geschaffenen Lage Stellung. Bublitz erstattete zunächst Bericht und führte aus: Die Arbeit- nebmerverbände hätten den Vorschlag gemacht, männlichen Angestellten über 20 Jahre 675 M. und weiblichen 640 M. zu zahlen. Dies lehnten die Arbeitgeber rundweg ab. Der Zentralverband wäre so weit gegangen, die Forderung auf 660 bzw. V2ö M. herab- zusetzen, wobei er das Risiko übernahm, bei seinen Mitgliedern auf heftigen Widerstund z»i stoßen. Die Arbeitgeber erklärten jedoch, im Höchstfall 630 bzw. 570 M. zahlen zu wollen.__ Der Zentralverband beschloß, da dieses Angebot unannehmltar sei, die Verhandlungen abzubrechen und sich an das Reichsarbeits- Ministerium zu wenden und sich einem Schiedsspruch zu unter- werfen, wenn auf anderem Wege keine Einigung erjselt werden könne. Die Gehälter werden, trotz des Ablaufs des Tarifs mit dem 30. Ppril weitergegahlt. Bublitz mahnte die Angestellten fchaft, sich mit aller Energie und zu Gebote stehenden Mitteln für einen Ausbau der Betriebsräte einzusetzen. Ferner wurde beschlossen, am 1. Mai sämtliche Betriebe stillzulegen. Folgende Resolution wurde einstimmig angenommen: Die Angestellten erwarten bei den Verhandlungen vor den weiteren Instanzen von den Arbeitgebern auf das Bestimmteste, daß auf die gerechten Forderungen der Angestellten das soziale Verständnis in die Tat umgesetzt wird. O Die Angestellten erklären ferner, wenn durch den Schiedsspruch auf die herrschende Not unserer Kreise keine Rücksicht genommen wird, daß sie allen Ernstes gewillt sind, den ihnen dann aufge- zwungenen Kampf um Lebens, und Existenzmöglichkeit aufzunehmen und restlos durchzuführen; dann ober nicht eher den Kampf abzu» brechen, bevor nicht ihre letzten Forderungen erfüllt find. Bankbeamtenstreik in Düsseldorf. Die Angestellten der Düsseldorfer Banken beschlösse« am Mitt- woch den Aus stc n d bis zum Tarifabschluß. Warum der Herr Generalvertreter e?ne Gehalts- erhühun.q erhält. In der Danziger Filiale der Versicherungsgesellschaft„Friedrich Wilhelm" fungiert ein Herr W. Siemens als Leiter des Innen- � und Außendienstes. Unzufrieden mit seinen Gehaltsbezügen, er-' sucht er seine Direktion um Erböhung seiner Einkünfte u. a. mit folgender Begründung:„... Daß ich andauernd und mit Erfolg be- müht bin, die Verwaltungskostcn herabzu drücken, möchte ich an dieser Stelle nicht unerwähnt lassen Ich bin Leiter des Innen- und Außendienstes, arbeite mit billigem Per- sonal— Tarifklasse II gibt es bei mir überhaupt nicht—.nur 2 Beamte sind verheiratet, außerdem beschäftig« ich viel Jugendliche, 15 Lehrlinge." Bemerken wollen wir, daß von den 87 Angestellten 26 im Alter bis zu 20 Jahren. 6 bis zu 30 Jahren und 5 bis zu 40 Jahren stehen. Wer soviel Geschäftsinteresse auf Kosten der Angestellten an den Tag legt, muß belohnt werden— sagt die Direktion der „Friedrich Wilhelm". Schon nach 10 Tagen erhielt der Herr Generalvertreter W. Siemens ein Schreiben der Direktion, worin eS u. a. heißt: „Wir haben das Ergebnis der dortigen Geschäftsstelle für das Jahr 1019 einer genauen Prüfung unterzogen und sieben nicht an, Ihnen Au dem Resultat unsere volle An- erkennung auszusprechen. Wir freuen uns, Ihnen mit- teilen zu können, daß die Ausgaben der dortigen Geschäfts« stelle eine Erhöhung Ihrer Bezüge zulassen und setzen diese mit Wirkung vom 1. Januar 1930 wie folgt fest; 1. Gehalt monatlich 1000 M. statt 750 M. 2. SuperProvision von 2 Proz. für alle perfekten bezahlte» Lebensversicherungen, die die dortigen Organe vermitteln. 3. 3 Proz. vom Jnkassozuwachs in der Sterbekassc und Ar- beiterversicherung. Auf die unter 2 und 3 festgesetzten Bezüge werten Ihnen jährlich 12 000 M. garantier, die Sie in monat» lichen Beträgen von 1000 M. erheben können. Dagegen kommt der Anteil am Reingewinn in Wegfall. Um Ihnen unser ganz besonderes Entgegenkommen zu be- weisen, haben wir uns«ntsch'ossem Ihnen für da? Jahr 1919 eine Nachzahlung in Höhe von 3000 M. zu zahlen und ermächtigen Sie, diesen Betrag ver dortigen Kasse zu entnehmen. Hochachtungsvoll Gez. Die Direktion." Direktion wie Generalvertreter lassen, in den beiden Briefen jedes soziale Empfinden für die schlechtbezahlten Angestellten ver- missen._ Rohrleger und Helfer. Sonnabend, den 24. April, nachm. 4 Uhr, im KcwcrischastShaus: Äranchenveriammlung. ■Cnantr». für den rednktion. Teil: Artur RiäUt. c!l>arlottenbura: für An�ciaen: Tb. 6I(i4c, Berlin. Verlan: Borwärts.Vcrlaa T. m. b. S.. Berlin. Druck: Vor- wiir!s.Buchdruckcrei u. Berlaaoanllalt Paul SInaer u. Co. Berlin. Lindenlir. 8. Biicbdrcekerei Gesebäftsbücber Kartenregrater BerlinSQf, LiiiteMij. Fernspr.: Moriupi. 2341.* Die Bettung m MmMul-WenSen ist „Hüdensa", von Autoritäten glänzend begutachtet, absolut wir- — Tube M. 5.00—, überall zu haben Berlin-tledlei». kungSvolll■ ÜMa-Geseilsciiaft in. b. L n 1 »ev alten Sie in kurzer Zeit durch meine Spezialmathode. 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