Nr. 209. tthr�u Bezugspreis: 9-rtrljährl. IV- 2R L. monotL T,— M. fta in» Haus. ooTou» zahldar. Poit- deznq: Monatlich 1,— Air. nfL?.u- iiillungsgebllhr. UnterKreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn IK-Zs M!� für da« übrige Ausland ltSV M, bei täglich einrial. Zustellung 12,50 Mt. Postbestellungen nehmen an Dänemark, Holland, Luxemburg, Schweden und die Schweiz. Ein- getragen w die Post- Zeitung»- Preislist». Der.Vorwärts� mit der Sonntag», deilage.Boll a. Zett* ericheint wochentäglich zweimal. Sonntag« einmal. Tetegranmi-Adrefie: Sozialdemokrat verttn". Morgen-Ansgabe ** f. Devlinev Volksblslt ( 2v pfannig) Anzeigenpreis: Die achtaeipalteue Nonpareillezeile lostsi 2,50 M., Teuerungsznschlagdl)«/». „kleine Anzeigen-, das teti- gedruckte War: 75 Psg. lzulälfig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 50 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellcnanzeigen dos erste Wort K5 Pfg. jede« weitere Wort 40 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Tenermtgezuschlag 50»/» Familien- Anzeigen, politische und gewerkschaftliche Verein«- Anzeigen 2,— Ml. die Zeile ohne Aufschlag. Anzeigen für die nächste Nummer Müssen bis S Ahr nachmittag« im Sauptgeschält. Derlw SW68, Linden- strahe 3, abgegeben werden, cheöffnet von 3 Uhr früh bis 5 Uhr abend». Zentralorgan der fozialdemokratl fchen parte» Deutfchlands Reöa?tion unü Cxpeöttion: SW. Liaüenstr. 3. ikernfprecher! Amt Morinvlatz, Nr. TS»SV— liSIS7. Sonnabend, den Ä4. April 1NÄO. vorwärts-verlag G.m.b. h., Ew. SS, Linüenstr. 3. Fernsprecher: Amt Moriüplati, Nr. 117 53— 51. Das Urteil gegen Caillaux. Politik statt Recht! Paris, 23. April. Der Oberste Gerichtshof hat gestern abend in Prozeß Caillaux mit 150 gegen 91 Stimmen de« Artikel 78 als anwendbar erklärt, in de« es sich um eine Verbindung mit Angehörigen einer feindlichen Diacht ohne Absicht drS Verrats»der des Einverständnisfes mit dem F e i n d r handelt, um eine Verbindung, durch die die militärische oder politische Lage Frankreichs oder seiner Alliierte» ge- schädigt werden kann. Als Strafe ist Festungshaft vorgesehen. Auf Grund von Artikel 403 hat der Oberste Gerichtshof mit 128 gegen 110 Stimmen bei Z Stimmenthaltungen Caillanx mildernde Umstände zuerkannt. Paris, 23. April. Caillanx ist zu drei Jahren Ge« f ä u g o i s verurteilt worden. Die von ihm verbüstte Unter» suchuugShaft wird für etwa auf einen Teil der Strafe angerechnet, s» daß er im ganzen nrch ungefähr zwei Monate Gefängnis zn verbüße» hat. Caillaux ist auch zur Zahlung der Kosten verurtrilt worden, deren Betrag auf 52 090 Fr. beschränkt wurde. Pari?, 23. April.(HavaS.) Um 7 Uhr abends war die g e« hetmeSitznng dcS Obersten Gerichtshofes beendet. Mit einer Stimme Mehrheit ist die Höchststrafe, die Caillaux auf- erlegt werde« kann, nämlich 5 Jahre Haft, abgelehnt worden. ES wnrde alsdann, wie bereits gemeldet, m,f 3 Jahr« Gefängnis rrkannt, unter Abrechnung eines Teiles der Untersuchungshaft so- fernrr aufS Jahre Aufenthaltsverbot und auf de« B c r- lust der politischen Rechte auf die Dauer von 19 Jahren. Der Senet hat damit ein politisches Urteil in einem politischen Prozeß gefällt. Das geht allein aus dorn Abstimmungsergebnis hervor. Nach der ausgiebigen Beweisaufnahme war von dem Ursprung- Der Gegensay in San Nemo. Millerand gegen direkte Verhaudlungen mit Teutschland. Paris, 23. April. H a v a S meldet auS San R e m o, man fei in der Lage, Aufklärung zu geben über die Ursache« der Uneinigkeit, die sich in den ersten Privatunterhaltungen vom Sonntag zwischen den Ministerpräsidenten gezeigt habe. Am Bor mittag bei der ersten Begegwung Millerauds mit Lloyd Gevrge habe dieser erklärt, die rationellste Lösung, die Fragen betreffend den Friedensvertrag von Versailles zu erörtern, wäre,»"ach Paris eine Konferenz einzuberufen, auf der Deutschland vertrete» sei. Millerand, ohne sich die Nngclegenheiten dieses neuen Verfahrens zu verheimlichen, habe er. klärt, er könne ihm nnr unter gewissen Bedingungen zu- stimme». Nachmittags bei der Beratung der drei Ministerpräsidenten Hab« Lloyd George de» Borschlag wieder aufgenommen und sei von N i t t i unterstützt worden. Tie beiden Ministerpräsi- deuten hätten den Vorteil direkter Verhandlungen mit den Deutschen unterstrichen nnd aas das- Interesse hingewiesen, daS für Frankreich bestehe, die Entschädigung, die von Deutsch- land verlangt werden könne, sofort festzusetzen, ohne bis 1S21 zu warten, namentlich deshalb, weil man dadurch die Mitarbeit des deutschen Volkes bei der Ausführung des Vertrages und die Versöhnung der beiden Völker erlange. Millerand habe sich alsdann formell dieser Forderung widersetzt und es sei ihr keine Folge gegeben worden. Es scheine nicht, daß sie nochmals gestellt worden sei. Dies sei die Meinungsverschiedenheit, die auf de» ersten Beratungen der Konferenz gelastet hätte. Tie Lage scheine jetzt aufgeklärt und wirklich gebessert. Sa» Rem», 22. April.(Havas.) Die deutsche Rote, welche die Forderung von einer Armee von zwcihunderttausend Mann stellt, hat in Konfrrenzkrrisen lebhaften Eindruck her- vorgerufen. ES scheint, daß sie ohne Uebcrraschung und sogar mit gewissem Wohlwollen auf italienischer und englischer Seite wufgenommen wurde. Auf franzS>sischer Seite behält man sich die Bildung einer Meinung vor bis zur Prüfung dieser Frage durch die Konferenz. Es ist möglich, baß die bolschewistische G e. fahr eine Vermehrung des deutsche» Heeres erheischt. Nach dem militaristischen Staatsstreich Kopps kann Frankreich gegen eine Verstärkung der deutschen Armee Bedenken hegen. Wenn der Bolschewismus zu fürchten ist, so ist es der Militarismus nicht weniger. Dcun der Friedensvertrag die von Deutschland gewünschte Abänderung erfährt, scheint es gerechtfertigt zu sein, daß Frankreich genügende Garantien erhält gegenüber jedem Versuch einer militaristischen Revanche. * Rom, 23. April. Nach Blätterine ldungen soll sich der hiesige dautsche G�chäftSträger nach San Nemo begeben haben. Ein Towjetvcrtreter in San Rcmo. Amsterdam, 23. April. Wie ein besonderer Berichterstatter deS„Daily New S" meldet, befindet sich ein Delegierter der russischen Sowjetregieruug in San R e m o. Er hatte bereits mit den leitenden StaatSmäo-ner» der Alliierten ein« lange Besprechung» I i ch e n Nnklagernaterial nichts übrig geblieben. Aber ein Freispruch Caillaux' wäre für Clernenceau, der den ein- stigen Ministerpräsidenten wegen Hochverrats hotte einsper- ren und über zwei Jahre in Untersuchungshast sitzerr� lassen, eine Ohrfeige und für den Senat selbst, der diese Schmach geduldet hatte, eine Selbstohrseigung gewesen. Deshalb hat man Caillaux, genau wie vor Uvei Jahren seinen Freund M a l v h, bei einigen Nebensächlichkeiten(Unvor- sichtigkeiten nu Verkehr und bei Gcsprächeu) zu fassen gesucht — und das ist auch, wenn auch niit Müh und Not, schließlich gelungen. Aus der Anklage, die nach dein Wunsche seiner Verfolger Clernenceau, Herv�, Capus und Konsorten Cail- laux nach dem Hinrichtungsplatz von Vincennes bringen sollte, ist nur noch ein kümmerlicher Rest von Halb h e i t e n und kleinlichen Vorwürfen übrig geblie ben: genug jedoch, um Caillaux in den Augen des nationalistischen Teiles des französischen Volkes zu entehren, das beißt, um die eigene Ehre zu retten. Gefängnis strafe— zum größten Teil bereits verbüßt— A u fen t Haltsverbot— die Strafe der Zuhälter und Einbrecher — und vor allem langjährige Entziehung der poli tischen Rechte: darauf hauptsächlich kam es den Herrschaften an. Caillaux ist 69 Jahre alt, er ist im Gefängnis Arteriosklerotiker geworden. Vor Ablauf der zehn Jahre wird er, nach Rechnung der politischen Richter des Senats, wobll stbon sterben und nicht wieder als Abgcord neter und Minister im politischen Leben austreten können — als lebendige Anklage gegen diese Neuauflage des Drelstus�Prozesses, gegen diese» Sinnbild der n a t i o- n a l i st i s ch c n V e rw i r l�n n g und Verrohung des offiziellen Frankreich während der Kriegsjahre. Vernünftige Worte. London, 23. April.„M e st m i n st e r Gazette' schreibt: Wir würden dem französischen Lolke keinen Dienst erweisen, tvenn wir es in der Ueberzeugung bestärkten, das englische Volk stehe unbedingt hinter Millerand und Fach. Die Eng- länder und Italiener glauben, daß bei der Anwendung d?S Ver- träges der gesunde Verstand zur Geltung kommen muß. Im Grunde wollen wir dasselbe wie das französische Volk: die Entwaffnung Dcutsckilands in solchem Maße, daß es keine Bedrohung für seine Nachbarn bildet, die Bezahlung einer ansehnlichen Summe und erträgliche Be- Ziehungen mit Deutschland, damit wir alle in Frieden obn« übergroße Lasten leben können.„Westminster Gazette' kann nicht annehmen, daß über ein so einfaches Programm eine Einigung nicht erreichbar sein sollte. Hätte man die Bedingungen von Versa illcZ nach diesen durchaus vernünftigen Grundsätzen ausge- arbeitet, dann stände es viel besser um lurn wirklichen Weltfrieden. Jedenfalls enthält das von dem englischen Blatte skizzierte Programm nichts, womit sich die übergroße Mebrhei tdes deutschen Volkes nicht ohne weiteres einverstanden erklärte._ �apanisch-ruMcher Krieg? Nachdem bereits in den letzten Tagen schwere Kämpfe zwischen Japanern und Bolschewisten in Ostsibirien gemeldet waren, berichtet nun der sozialistischeLondoner„DailyKerald". Japan habe Sowjetrußland den Krieg erklärt und Amerika lasse ihm freie Hand. Das letztere klingt nicht so unwahr- scheinlich, denn einmal ist Amerika den Bolschewiki gar nicht grün und dann mag ihm eine Ablenkung Japans nach Westen ganz erwünscht sein. Weitere Amsterdamer Meldungen be.- sagen: .Associated Preß' meldet aus Tokio: Nach Mitteilung des japanischen Kriegsamts haben die japanischen Truppem bei Ehilnowski in Ostsibirien 6599 Bolschewisten ein« Vernich- tende Niederlage zugefügt,— Aus Cbarbin wird berichtet. die japanischen Behörden in der Mandschurei hätten die Entwaff- nung aller dort befindlichen tschechischen Truppen verlangt. Die letzte Nachricht ist nicht recht verständlich, da doch die Tschechen zumeist auf der antibolschewistischen Seite standen; hier wird es sich Wohl uni Rote Tschechen handeln. Sowjet-Spielerei. Italien als Versuchskarnickel. Rom, 22. April. Die sozialistische Landesveriamm- ung in Mailand bat mit über 94 009 gegen 21990 Stimmen be- schlössen, daß Sowjets versuchsweise in allen Großstädten errichtet werden sollen, wo das Proletariat gut organisiert ist. Der Vorschlag, im ganzen Lande solche zu errichten, wurde mit 80909 gegen 5000 Stimmen abgelehnt. Zormale uns reale Demokratie. Von Edijard Bernstein. Ich weiß nicht, welcher Pfiffikus zuerst die geniale Eni- dcckung gemacht hat, daß die demokratische deutsche Republik „nur die formale Demokratie" sei. Jedenfalls kann er sich rühmen, massenhaft Nachbeter gefunden zu hoben. Die ganzen, halben und viertel Schüler der bolschowisfischen Doktrin haben sie sofort mit Wonne aufgegriffen. In allen ihren Zeitungen und Versammlungen wird sie Gläubigen gc- predigt. Und es fehlt selbst in der S oziald en> okra t i scheu Partei Teutschlands nicht an Leuten, die sich von ihr blenden lassen. Man sollte meinen, wenn man diese Leirte hört. unsere ganze politische Auffiärungsliteratur der Jahrzehnte vor deni Kriege, von Lassalles Arbeiterprogramm an, sei„für die Katz" geschrieben, unsere Erfahrungen in der Praxis des politischen Lebens, die uns inimer stärker von dem Wert und der Bedeutung der Demokratie für den Sozialismus über- zeugten, seien nur Phantasiegespinste, und die seinerzeit von den Vertretern der Sozialdemokratie— die Mehrzahl davon jetzige Unabhängige— im Verfassungsausichuß des Reichs- tags ausgestellten Forderimgeu aus Demokratisierung der Verfassung aus bloße Formalitäten gerichtet gewesen. So wird es denn Zeit, einmal ernsthaft der Phraseologie zu Leibe zu geben, die in dieser Weise selbst Leuten die Köpfe benebelt, von denen man Besseres erwartet hätte. Was hat der Ausdruck formale Demokratie für einen Sinn, was kann er besagen? Wenn hinter ihm überhaupt ein Begriff steckt, doch mir eine Demokratie, die lediglich in der Form besteht, sich aber, weil ihr die Macht fehlt, ihren Beschlüssen Geltung zu verschaffen, nicht oder nur emsnahms- weise und in Kleinigkeiten in Werke umsetzen kann. So waren z. B. in Frankreich die Volksabstimmungen unter den Bona- partes mir formale Deiuokräkse. weil' sie unter Beolnai mgen erfolgten, die den Abstimmenden nicht einmal die Freiheit der Formulierung der zu beantwortenden Frage ließen, diese vielmehr jeder Möglichfeit entbehrten, einer gegen die Re- gierung gerichteten. Abstimmung Wirkungskraft zu gehen. Auch als Louis Bonaparte(der spätere Napoleon III.) beim Staatsstreich vom 2. Dezember 1851 das von der National- Versammlung verkürzte allgemeine Wahlrecht wiederherstellte. gab er Frankreich nur eine, formale Demokratie, denn er ließ Presse und Versammlungsrecht unter sie einschnürenden Zuxrngsgesetzen, und das Wahlrecht galt für eine Kammer, die nicht einmal das Recht hatte, von sich aus Gesetze zu be- antragen. Ebenso Nrnr die Einführung des allgemeinen Wahlrechts für den Z.'orddeutscheu und später Deutschen Reichstag seinerzeit nnr Verwirklichung eines Stücks for- inaler Demokratie, denn auch die Rechte des Reichstags waren beschränkt, seine Beschlüsse über Anträge aus seinen eigenen Reihen lvaren Material für den Papierkorb, wenn sie die Zu- stinnnung des Bundesrats nicht fanden. Auch konnte die Rc- gierung ihn jederzeit auslösen und Neuwahlen ausschreiben, »venu sie die Gelegenheit dafür günstig erachtete, die Minister waren nicht ihm vcrantlvortlich, und viele weittragende Per- siigungen konnte der Kaiser treffen, ohne sie erst zu befragen. U eberall mm, wo ähnliche Verhältnisse bestellen, wo überhaupt bei demokratischem Wahlrecht die Rechte der Volksver- tretung durch über ihn stehende politische Gewalten beschränkt sind, hat das Wort formale Demokratie einen Sin«. Von alledem ist aber in der Republik Deutsch- land nickst die Rede. Hier ist das Volk durch die von ihm auf Grund des demokratischsten Wahlrechts, da» die Welt kennt.' gewählten Volksvertroier und gegebenenfalls durch sein direkt abgegebenes Votum der Träger der obersten Ge- Walt. Gegen die Beschlüsse der Volksvertretung haben der vom Volk gewählte Präsident und der aus Vertreter«' der selbst wieder demokraiisch konstituierten Landykotgwrunigen gebildete Reichsrat höchstens ein aufschiebendes Votum oder das Reckt der Anrufung des Volksen ticksides, aber keine Möglichkeit, sie kraft eigener Machtvollkommenheit zu verneinen. Hier ruht die reale gesetzgeberische Macht ausschließlich beim Volkeamd seinen ge- wählten Vertretern. Kein Gesetz kann zustande koinnicn ohne ihre Zustimmung, kein Gesetz oder in Gesetzesform ansge- drückte Verfügung, die sie beschlossen haben, durch Beschlüsse anderer politischer Jlistanzen ihrer Rechtskraft beraubt werden. Die Demokratie ist auf diese Weise so real wie nur irgend möglich. . Freilich ist sie damit noch nicht schlechthin allmächtig. Eine ganze Reihe sozialer Faktoren ziehen ihrer Macht, sei es zeitweilig oder aber anck dauernd, gewisse Grenzen. Um ein drastisches Gleichnis Lassalles heranzuziehen, wenn es der Nationalversammlung beikommen sollte, ein Gesetz zn be- schließen, wonach vom Sommer 1921 ab alle Apfelbäume Feigen zu tragen haben, so würde dos natürlich toter Buch- stabe bleiben. Und nicht viel anderes würde erzielt werden, wenn ein Gesetz etwa verfügte, daß alle akademisch gebildeten Lehrer höherer Schulen von diesem Termin ab demokratisch- republikanische Gesinnung anzunehmen haben. So wenig ein gehörig ausgewachsener Apfelbaum durch gärtnerisch? Künste dahin zu bringen ist, Feigen zu tragen, so wenig kann der Gesetzgeber in gestimmter Denkart herangebildeten erwach t jenen Leuten eine andere DezMrt aufzwingen. Ebenso tnenig kann die Demokratie auf Wirtschaft- ltchem Gebiet nach völlig freiem Belieben Verfahren. Sie ist auch da durch die gegebenen Verhältnisse materieller und geistiger Natur, durch die Entwicklungshohe und Glied«- rung der Volkswirtschaft in ihrer Verfügungsmacht eingeschränkt will sie nicht sehr trübe Ersahrungen machen. Sie kann nickst nach Eingebungen der bloßen Laune, nach Gunst oder Ungunst sozialisieren und konfiszieren, ohne ge- wärtigcn zu müssen, daß die Produktion, von der der Wohl- stand der Nation abhangt, schweren Schaden leidet. Sie kann nicht einmal nach Belieben Steuern ausschreiben, ohne der Gefahr ausgesetzt zn sein, durch Nichtbeachtung bestimm- tcr Erfahrung und Wirtschaft sgesctze sich in das eigene Fleisch zu schneiden. Meint man das. meint man diele Begrenzung der Macht durch gegebene geistige und materielle Fakroren des sozialen Organismus, wenn man von„nur.formaler" Demokratie spricht, dann gibt es überhaupt kein politisches System, da? nicht„nur formal" wäre. Unsere neumodi- schen Verächter der von der Sozialdemokratie auf Grund reicher Erfahrungen bisher durchgehaltenen Ideen und Grundsätze folgen der Parole der Bolschewisten, wenn sie die Demokratie in den Augen der Arbeiter heruntersetzen. Aber gerade die Erfahrungen der Bolschewisten find ein Schülbei- spiel dafür, daß selbst die mit den größten Vollmachten ans- gestattete und mit der rücksichtslosesten despotischen Gewalt vorgehende politische Herrschaft elend versagt, lvenn fie sich über die Grenzen hinwegsetzen zu können glaubt, welche die Tatsachen des sozialen Lebens dem Eingreisen in dessen funktionellen Entwicklungsgang ziehen. Sie, die Meister, sind in allen Kniffen der Politik der alten reaktionären Re- gierungen, haben sich, durch den Aberglauben an die Allmacht der politischen Gewalt verleitet, als wahre Stümper auf dein Gebiet der Volkswirtschaft und Sozialpolitik erwiesen. Trotz Einstellung sebr tüchtiger Fachleute baben sie eine ihrer vermeintlich den Sozialismus unmittelbar zur Verwirk- lichung bringenden Maßnalnnen nach der anderen zurückneh- men müssen, weil sie teils das Gegenteil der Ergebnisse zur Folge hatten, die sie bewirken sollten, teils sich überhaupt nicht durchführen ließen und mit dem. was sie die Diktatur des Proletariats nennen, waS aber tatsächlich immer nur und zwar mit Naturnotwendigkeit— die Diktatur einer Minderheit über der Mehrheit deS Proletariats war, sind sie jetzt bei der Einführung eines Arbeitszwangs. gesetzeS gelandet, da? mit feinen drakonischen Bestimmun- gen in bezug auf Beschränkung der Bewegungsfreiheit der Arbeiter und Vorschrift„eiserner DisziMn" daS weiland deutsche Hilssdienstgesetz weit hinter sich läßt. In bezug auf wirKichen Arbeiterschutz sini» die Arbeiter Rußlands heute da, wo sie zu Anfang der neunziger Jahre des vorigen Jahr- Hunderts waren. Von dem Achtstundentag, den die „nur formale Demokratie" in Deutschland als Höchstarbeits- tag zur Verwirklicknmg gebracht hat, ist in Rußland nicht mehr die Rede. Nicht infolge mangelnden guten Willens der Bolschewisten, es liegt mir fern, ebnen den abstreiten zu wollen. Ader infolge ihrer täppischen Gewaltpol i- ti k, die sie für marxistisch hielten und die tatsächlich im Rückfall ein vormarxistischer Nevolutionsutopismus war, be- ziehungsweise ist. So wenig wie irgendein anderes Regierungssystem kann die demokratische Republik auf dem schwierigen und durch die Rückwirkungen des Krieges noch hundertmal steiniger gemachten Felde der Volkswirtschaft Wunder verrichten. Sie muß hier schrittweise vorwärts geben, wenn sie nicht die Politik treiben soll, die in ihren Wirkungen das zur Folge bat. was der VolkSmund mit dem Vergleich des Treibens der Kuh im Porzellanladen andeutete. Ohne alles gutzuheißen, was geschehen ist, was schon hätte geschehen können und sollen, muß ich es doch als niedrigenVolksbetrugbe- zeichnen, wenn man ihr vorwirft, baß sie den Kopitalismus auf Kosten oder zum Schaden der Arbeiter schützt und schont. De? dichter öes Glprnpistben Zcühlings. Z u Karl SpittelerS 75. Geburtstage. Wird diesem tiefen und herrlichen Dichter, den die Schweiz ge- boren, heute aus Deutschland der la-ute Gruß zutönen, den sein poetisches Lebenswerk verdient? Durch fünfzig Jahre hin, von Gottfried Keller früh in seinem Wert erkannt, ist eS Bau um Bau zu hoher Vollendung aufgestiegen, ein Werk oeS LebenSdenkcnS und LebenSdeutenS, voll echten Ernstes und lichtwerfender Schön- hait, und die Kreise seiner Geltung sind, zwar nur allmählich, aber doch sicher sich weitend, von Jahrzehnt zu Jahrzehnt gewachsen. Er war ein Siegender seit dem Beginn unsere» Jahrhunderts, und wenn sein Widerspruch gegen den Weltkrieg, der da» wilhelmmlsche Deutschland vor sechs Jahren gegen ihn erregte, diesen Siegeslauf damals gehemmt haben mag, so wird der Gong der Ereignisse Kraft genug gehabt haben, daß von dieser Unterbrechung nicht» ick«! bli«b. »«l NpWfcler» Wer? gehört zu den großen geistigen Kultur- weMen, die Deutschland im dichterischen Schaffen letzter sietten zu- gmnhsen find. In unseren Boden gesät, wollen sie keime., und h»ch aufgehen.«:« sind von der Art, die der Zukunft gehört. Durchronm»»«« Wirlichkeit, mit allem Saft ihrer Besonderheiten erfüllt, bewegen ste sich in den Höhen, die dem einzelnen das Wesen des Allgemeingültigen einhauchen, daS an keine enge Zeit gebunden scheint. Wir heut« hoffen,«inen Weg der Entwicklung begonnen zu haben, der uns zu einem befreit tieferen und ergiebigeren Er- fassen und Ausschöpfen des Lebens hinführt. Schwer hat der Weg sich uns gebaut, aber um so mehr bedeutet die Hilfe, die aus den harrenden Gütern geistiger Kultur uns zuströmen kann. Und. hier wird Zkvrl SpittelerS Schöpsenverk mitzählen. Wie sehr, da» hängt von dem Willen ab, der auf dem Wege deS ErstarkenS zu neuem Kulturbaven in unS reifen wird! * versucht man. da» Besondere und zunächst Auffallende des Spittelerschen Schaffens zu ergründen, so stoßt man auf_ ein« «iißerordentlieb- Schärf«, Deutlichkeit und Farbigkeit der Eriime- rungSbikder, die bi? in? erst« Jahr seines Lebens zurückreichen, wie sein wunderschönes Kinderbuch„Steine frühesten Erlebnisse" zeigt. D,c unwirklichsten und fabelhaftesten Dinge erhalten durch diese Lebendigkeit des inneren SchauenS eine hohe Realität,«ine köstliche Unmittelbarkeit, ohne baß deshalb der Glanz des Unwirk- liche» und Wunderbaren, der seine Gestalten und Szenen um- schließt, gestört wird. Spitteler besitzt nämlich zugleich die Gabe, „Märchen noch so wunderbar" durch seine Dichterkünste wahrzn- machen. Ihm ist eine Lrigincksttat der Erfindung eigen, wie sie nur ganz selten ein Poet besitzt. So hat er die Dichmng um eine Fülle neuer Mottve bereichert, hat mit seiner„kosmischen Pban. taste' nie geschaute Landschaften aus Himmel und Hölle so klar Ich Weiß von keinem Lani», wo heute den k a p i t a l i st i schen Ausbeutungstendenzen engere Schranken gezogen sind als in Deutschland. In ihren jahrzehntelangen Kämpfen hat die deutsche Sozialdemokratie nicht zu bestreitende Beweise von der schöpferischen Kraft rationell angewandter Demokratie geliefert. Ihrem zähen Ringen ist es gelungen, dem Stück formaler Demokratie, das die Verfassung des Kaiserreichs enthielt, die politische Kraft realer Demokratie zu erkämpfen. Jedes Recht, hinter dem keine Kraft steht, es wirksam aus- zuüben, ist in der Tat nur formal. Zu sagen, daß die Demo- kratie in Deutschland nur formale Demokratie sei, heißt be- haupten, daß die deutsche Arbeiterschaft unfähig ist, die Waffen zu gebrauchen, welche das uneingeschränkte demokra- tische Recht der Republik ihr darbietet. Die umfangreiche Liste der gesetzgeberischen und administrativen Taten, welche die deutsche Republik in den kaum anderthalb Jahren ihres Bestehens unter Antrieb und Führung der Partei der Ar- heiter unter den so schwierigen Umständen zur Ausführung gebracht hat, straft die Behauptung Lügen. Z u keiner Zeit war dieDe.mokratie realer, hat sie sich, wennnichtalsAllmacht.sodochschöPferischer erwiesen, als im heutigen Republik gewor- denen Deutschlcknd. Die Seeckt-Kapsel um Geßier. Warum mustte Gilsa gehen V Vor kurzem verösfentl'icksten wfr den Seecki schen Erlaß vom st. April 1920, der den Aemtern und Abteilungen des Reichs- wehrministeriums untersagt, Vorträge beim Minister ohne vorherige Beteiligung des Herrn vonSeeck! anzumelden oder zu halten. Vorträge hätten nur z u n ä ch st bei i h ni stattzufinden, er würde dos weitere entscheiden. Auf unsere Anfrage, ob drese Verfügung mit E i n v e r- st ä n d n i s und W i ssen des Reichswehr- niinisters ergangen sei, erschien in verschiedenen Blättern ein Verlegenheitsgestannnel, wonach es sich um ein„Versehen" handeln soll. Die Verfügimg wäre nicht für das Reichswehr- Ministerium, sondern für die der Heeresleitung unterstellten Aemter und Abteilungen be- stimmt gewesen. Hier liegt wieder einmal ein typische? Beispiel für die militärischen Berichtig nngSfinessen vor, die auf die Sachnnkenntms des Publikum? spekulieren, denn daS zweite besagt praktisch g e n a u d a s g l e i ch e wie das erste. Zu RoSkes Zeiten unterstanden dem Reichswehrminister die Heeresleitung, die Fürsorgcabteilung, die Nachrichtenabteilung und die Admiralität, deren Leiter direkt mit dem Reichswehrminister verkehren konnten. General von Seeckt hat nun während seines 48stün. digen Interregnums wider alle Befugnisse die Organisation im Ministerium durch eine Verfügung umgestoßen, wonach die Fürsorgeabteilung sowie Nacbrichtenabtei- lung d e m Truvpenamtunddamitder Heeres- leitung unter st ellt wurden. Mit dieser Verfügung war erreicht, daß sämtliche Abteilungen des Reichswehr- Ministeriums, bis auf die Admiralität. der'H e e r e s l e i t u n g unterstanden. Die ganze Berichtigung ist alst), gelinde gesagt, eine Wort- k l a u b e r e i. Da die Heeresleitung jetzt sämtliche Ab- teilungen des R.-W.-M. umfaßt, so ist der Erlaß, wie auch buch- stäblich auf der Ansckwift angegeben wurde,„an alle Ab- teilunaen des R.-W.-M." bestimmt gewesen. Die Tat- fache bleibt bestehen, daß außer der Admiralität und T 1 niemand ohne vorherige Beteiligung des Generals von Seeckt an den Reickswehrminister heran- kommt. Die sicher aus der Umgegend des General von Seeckt stammende Berichtigung ist eine Verschleierung dieser Tatsache, denn sie verschweigt, daß infolge der Secckt'schcn Verfügung alle geschildert, daß man danach einen Atlas dieser neu entdeckten Welten herstellen könnte, hat aus sich heraus eine tiessinnige Mytho- .ogie geschaffen. Und diese Phantasie entfaltet sich von Anbeginn an in rein epischen Formen. Als der Ztveiunidzwcmzigjährige sein Dichtertalent in sich entdeckt, stehen ihm bereits Bilder vor der Seele, die er 4k) Jahre später in seinem Hauptwerk, dem„Olvm- psschcn Frühling", gestaltet! al? er, ein Dreißigjähriger, sein Erst- lingSwerk„Prometheus und Epimatheus" nach schwerem Ringen vollendet, schreitet er im biblisch schweren Donüill einer geheimnisvoll dunklen Erzählung vom Schicksal deS heroischen Menschen und deS Durchschnittsmenschen einher. Dieser grandiose, wenn auch noch unvolllommene Erstling, der in einer Zeit materialistischer SchönheitSsärberei vor Nietzsche» „Zarathustra" den Hvmnenton einer Weltendichtung anschlug, ist rn seiner tiefsinnigen Phantasiefiille noch schwer und unsicher, am Boden haftend und wolkenumhüllt. Die in ihm lebende Sehnsucht nach Höhenluft und leichtem Schweben findet dann ihren ersten Ausdruck in den vielleicht allzu lustigen„kosmischen Mythen" „Ertramnndana". Der Dichter mußte sich erst im VerS da» anmutige und glückliche Werkzeug schaffen, um mit leuchtenden Schwingen sich in den reinen Aettstr zu erheben. DaS geschah in seinen Gedichten, in den entzückenden„Schmetterlingen", die als ,. Augenlyrik" Licht- und Farbenwonne sind, in den vieltönig melo- dii'chen„Glockenliedern". die man hübsch als„Ohrcnlyrik" bezeichnet Hot, in den geistvoll graziösen.Ltterarischen Gleichnissen" und in der Ihrisch-epsschen Krönung dieser kleineren Versdichtungen, den großartigen„Balladen". Wie der Dichter in diesen VerSbüchern Form und Phantasie immer reicher entfaltet, so Übt er sein« Plastik der Charakterdarstellung und seine Beobachtungsgabe m seinen Prosawerken, von den Stilübnngen im„Friedli dem Kolderi" über die-Jdyllik der«Mädchenfeinde" und des innerlich leuchtenden, stimniungSgesättigten„Gustav" bis zu der gesammelten Wucht von „Konrad der Leutnant" und dem Prosaineisterwerk deS RomanS „Jmago". All« diese Wer?« erscheinen aber in de? Gesamtleistung trotz ihrer hohen Schönheit und teilweiien Vollendung doch nur als Vorstufen und Vorbereitungen für fein Hauptwerk, mit dem Spit- tcler» Name stets verknüpft blrben wird: für den„Olympischen Frühsing". In der endgültigen Fassung diese? Eva? in fünf Teilen ist ein erschütternde» Weltbild gestaltet und in ganz eigener Neuschöpfung die Tonart der großen Weltepen aufgenommen. Der erst« Teil zeigt im Chaos und Dumpshevt, im Aufsteigen aus Nacht.zu Licht, im Auf und Ab höllischer und himmlischer Wege, im erschütternden Zusammenstoß zweier Götterwelten eiwaS ton Dantes monumentaler Größe. Tic leidenschaftliche HandlungSssille des zweiten Teiles mit seinen Kämpfen und Leiden dem kriegerischen Wechsel von Sieg und Verrat, der reichen Charakteristik der einzelnen Götter- gestalten gemahnt an Homer» Szenenfülle. Der lichte Uebcrmut, der bunte Bildertanz, die in Glanz und Farbe getauchte, bald an» mutig helle, bald phantastisch dunkle Stimmung übersprudelnder Erfindung gemahnt im dritten Teil an AriostS üvpige Fabeleien. Im vierten und fünften Teil ist dann in der Götterdämmerung und im Ausstieg des Herakles etwas von dem erfüllt, waS Schiller als höchstes Ideal der Dichtung ersehnt: eine Bereinigung von Aemter und Abteilungen bis au? jckne einzige Ausnahme der Heeresleitung unterstehen. Der Reicf'swe'hrminister ist in der Tat eingekapselt, noch viel mehr als Noske cingckappselt war. Zu derEinschnürungvon den Wteilungon kommt die Entfernung der Person- I i ch zuverlässigen Offiziere seiner Umgebung. Von einer sonst gut informierten Seite wird uns geschrieben, daß wir über Herrn v. Gilsa falsch unterrichtet seien. Gilsa habe nach seiner Rückkehr von Stuttgart nickt den Noskeschen Kurs fortsetzen wollen, sondern sei entschlossen gewesen, mit Entschiedenheit für ein schnelles Tempo in der auch von. ihm als notwendig erkannten radikalen Demokrati» s i e r u n g der Reichswehr einzutreten. Der scheinbare Wider- sprnch erklärt sich wohl dadurch, daß v. Gilsa von dem Noske- schen Kurse glaubte, dieser führe auf eine Demokratisierung der Reübslvehr zu, und daß v. Gilsa in diesem Sinne nach seiner Rückkehr aus Stuttgart äußerte, der NoSkescke Kurs müßte fortgesetzt werden, aber verschärft und beschleunigt. Wir erkennen an. daß Gilsa das Nichtige wollte, sich aber ebenso wie Noske in der Wahl seiner Mittel total v e r- griff. Ein Artikel Gilsas im ,.8-Uhr-Abendblatt" beweist, daß unsere Anschauung über seinen sachlichen Kurs vollauf berechtigt ist. Auch hier träumt Gilsa noch davon, die Masse der stockreaktionären alten Offiziere langsam zu Demo- kraten und Republikanern erziehen zu können. Um so far.akteristischer ist es für die jetzigen Zustände im Reickswehrministerimn, daß ein Mann mit so überaus ge- mäßigten Ansichten Herrn v. Seeckt weichen mußte. Der Reichswehrminister hat inzwischen ans Ansuchen des Unterstaatssekretärs Genossen Stock die Rückberufung des Zivilreferenten Genossen Berhard Rausch verfügt. ßranzosen gegen Clsaß-Lochrmger. Arbeiterlampf um die Heimatsrcchte. Frankfurt a. M.. 23. April.(Eigener Drahtbericht br» „Vorwärts".) Ter„Frankfurter Zeiwng" wird aus Straßbnrg ge- meldet: Der Streik der Hütten- und Grubenarbeiter hat ssch auf ganz Elfaß-Lothringen ausgedehnt. Zwar meldet HavaS, in Lothringen scheine der Generalstreik nicht allge. mein durchgeführt zu sein, aber eS ist für dir Beurteilung der Tat- fache durchaus nebensächlich, wenn ssch an einzelne« Orten die Niederlegung der Arbeit verzögert. Den eigentlichen Anlaß dem Streik im Industriegebiet ergaben nicht die Lehnstreitigkeiten, sondern die in letzter Zeit von den neuen französischen Di- rektoren systematisch betriebene Unterdrückung von Arbeiter« und Beamten elsässsscher und lothringischer Abkunft. Die Di- rektoren begründeten zwar diese Maßnahme mit dem herrschenden Kohlen- und Koksmangel. Aber eS muhte tief verstimmend auf die Einheimischen wirken, daß die notwendig gewordene» Entlassungen zumeist die Arbeiter rlsah-lothringifcher Abstammung treffen, während die aus dem Innern Frankreich» Kom- Menden in ihren Stellungen verbleiben. Die Entlassung von 254 größtenteils rlsSsssschen und lothringischen Beamte» und Ar- heitern aus dem Hagendinger Werk ließ die Gegensätze, die ssch seit langem herausgebildet hatten, zum offenrn Lusbrnch kommen. Tie bei dem Präfektrn angebahnten Berhandlungcn verliefen ergebuis- loS, da die Industriellen ssch weigerten, mit den Gewerk- schaftcn zu verhandeln nnd nur einzeln mit der Arbeiterschatt jedeS Werkes verhandeln wollten. Tie Gewerkschaft der Eifeubah- n e r fichrrtr den lothringischen Arbeitern ihre Unterstützung für de« äußersten Fall zu, ebenso dir Landesunion der Gewerkschaftc«. Mit de» Arbeitern ssnd auch dir Beamten der Berkehrsanstaltr« in den Streik getreten. Jedenfalls ist sicher, daß die einheimische Bevölkerung der Bewegung mit Sympathie gegenübersteht, da es ssch diesmal darum handelt, eine grundsätzliche Entscheidung herbeizuführen, die der bitter empfundenen Zurücksetzung elsaß- lothringischer Arbeiter ein Ende machen sollte. Die Sttaßburgrr „Republik" schreibt:„Was in Lothringen ausgefochte« wird, ist ein Kampf um Prinzipien lind vor allem e>n Kampf um die H e> m a tS- rechte der elfaß-lothringischrn Bevölkerung, der früher oder spüter einmal auSgefochten werden mußte." Tragödie und Komödie. Vom Hintergrund einer erlv.rmungsloS düstern Weltanschauung hebt sich die strahlende Fülle des reichsten LebenS ab. Die Werke SpittelerS, in würdigen Ausgaben gedrnck:, in Deutschland rege verbreitet zu haben, gehört zu den schönsten 33er- diemten, die Eugen DiederichS' Verlag in Jana sich um unser Geistesleben erworben bat. Alles, bis auf die„Balladen", die zu» erst lSv6 bei Albert Müller in Zürich herauskamen, ist dort ver- sammelt. AuS den Balladen geben. wir, damit Tausenden heute der Dichter mft eigenem Wort nahe sein kann, das Stück»Der McchaneuS", das SpittelerS soziales Denken beleuchte« inog: Dem reichen KrösuS Ziegenmilch zu spenden, Beeilte ehrerbcettg sich Arkadien. Nnd als nun nach empfangenem Gastgeschenk s Die Abgesandten in deS König» Sänften Durchschaükelten die Stadl und Burg von SardeS, Die Bauten musternd, den Gewerbefleiß Und all' die Wunderwerke der Gesittung, „Großmütiger König," riefen sie begeistert, „Wer ist der MechaneuS, der dies erschaffen?" An ein« Straßenmauer führte sie Der König.„Pocht an diese Wand I" Sie taten"». „Nun horchet!" Sie gehorchten.„WaS vernehmt Ihr?" -„Wimmern und Seuizen von Myriaden Stimmen." »Begreift Ihr?"„Wehe, wir begreifen nicht." »DaS war der MechaneuS," erklärte Krösus. Gewerkschaftlich» NniversstätSvorlcsungen. Die Naatswissen» schaftliche Fakultät in M ü n st e r hat vor einigen Wochen den An- trag an das Ministerium für Kunst, Wissenschaft und Bildung gerichtet. auf Grund von Vorlesungen, die Genosse Abgeordneter Richard W o l d t im dortigen StaatSwissenfehastlichen Institut gehalten hat, diesem einen Lehrauftrag für„Saziale Betriebslehre" zu erteilen. Wie uns mitgeteilt wurde, hat Minister Harnisch toese Ernennung WoldtS zum Dozenten bestätigt. Dis geplante Lehrtättgkcit von Woldt wird nun zugleich die Möglich- keit bieten, gemeinsam urit anderen Fachleuten au dem von Professor Pleuge geleiteten Staatswissenschaftlichen Institut emt systematische Ausbildung für Gewerkschaftsführer ßni Industriegebiet Rheinland-Westfnle» z» schalen. Eine Biolozische Versuchsanstalt ssir Eemüsesnwrnbav. Seit langer Zeit betreiben Erfurt. Aschersleben und Quedlinburg umd ihre Umgebung eine bedeutende Zucht von Gemüses amen. Dttse Kultur bat sich allmählich als �besonderer Zweig de? G««nisea«'b«les entwickelt. So gibt eS i« der urcolten Kasierstodt Qnedlinb» rg gegen 45 Kunst- und HandelSgärtnereiem» darunter«ine Reihe Äe. schaste von Weltruf, die auf der 3l!GX> Morgen großen Feldttur der Stadl Blumen-. Gemüse- und Zuckerrübeniamen anbauen. Daneben bestehen noch' gegen 2« besondere Samengroßhandlungen, Ter Blumen, amen von Erfurt ist eine Berühmtheit geworden, nebenher wird auch hier die Ge-nüsestrmenkultur betrieb«. Da» Nr. ♦ 37. Johtgatig Seilage öes vorwärts Sottnabenö, 24. �prN 142� Keine Krankenversicherungspflicht bis 20000 tN. Die Nationalversammlung erledigte am Freitag zu- nächst Klein: Anfragen. ?l!:Z den Antivorlen der Regierung ergibt sich das Folgende: Sie Fonds für laufende, nnderrufliche Familienunterstützungen on Kriegerwitwen nnd zum Teil aufgebraust. Da allgemeine Reichsmittel nicht für alle Bedürfnisie ausreichen, sollen andere UnterstützungSzweigs herangezogen werden.— Die Notreserven an � Gemüsekonserven werden nicht einseilig an die Konsumgenosien- schaften verteilt.— Für den Schutz der deutschen Minderheiten in Polen wird die Regierung nach Möglichkeit Sorge tragen.— Das ReichsnedlungSgeietz soll in den nächsten Tagen der Nationalversamm- lung zugehen.— Wegen der Berpachtung deS grcßen Ritterguts des Grafen Gneisenau, das damit der gemeinnützigen Siedelung des Hauptmanns«chmude entzogen ist, wird sich die Reichs- ragierung mir der preußischen Regierung ins Einvernehmen setzen. Abg. Löfflcr(Soz.) fragt die Beichsregierung, was sie zu tun gedenkt, um die Bcrschachcrung der Westfälischen Kohlengewerkjchaft Hcmnl!» 1—3 an eine französische Firma hiutanzubalten, da sonst 87,5 Millionen Quadratmeter Kohlengebiete dem deutschen Interesie entzogen Ivürden, was um so gefährlicher ist, als in Aussicht ge- nommen ist. daß der künftige liranzösische) Besitzer außerdem das Vorrecht besonderer Kohlenzuwcisung aus der Förderung erhalten toll. Die Regierung erwidert, daß der Wert der Felder zweiselhaft sei. DaS Kohlen'yndikat wird kaum die Erlaubnis zu einem Vor« kauf-recht der Kohlenförderung geben; sollte dies wider Erwarten doch geschehen, so wird der Reichskoblcnkommisiar die Ausfuhr dieser bevorrechteten Kohlenförderung nicht zulasien. Auf Anlrage Hoch(Soz.) über die Holzknappheit erwidert die Regierung. Bau- und Möbelbolz sei genügend vorhanden, werde aber von der verarbeitenden Industrie zurückgehalten. Die Anfrage Simon sSoz.) über die ungenügende Zuweisung von Zucker an die Bienenzüchter wird dahin beantwortet, daß eine Erhöhung nur unter Kürzung der Grundration eintreten könnte. Es folgt die dritte Lesung des Gesetzes über den Schutz der Parlamentsgcbäude. Abg. Brodaufmd ZukunstSstagen der Kesangenen. vir» «rnstalier: Reich«? und der Kriegsbeschädigten,»au verlin. BoltSbachscknle Neukllln. Lnfolg« ,n geringer Mel- düngen zu den Reiben S Ftesson, 4 Dr. Av-I, 19 iviumdh, 22 Dr. Werner, 24 Dr. Jacobiobn können dies« Kurse nicht weiter abgebalten werden. Die hiernach»uviel gezahlten Hörgebübren werden im Rathau«, Zimmer 218, in der Zeit von IC— 1 Uhr zurilckgezahtt Allgem. Kranken,»nd Tterbekaffe der Metallarbeiter, Filiale verlin 1. Mitgliederversammlung: heute abend 8 Uhr im Restaurant „Zur Schneeloppe-, Arndtstrotzen- Ecke. DaS GemeindebildnngSamt Lankwitz läßt am Sonntag, TW lkhr, in der Eemeindehalle, DillgcS. Ecke Barbara'traße, durch die„Ge- nossenschaft Deutscher Bühnenangehörigen" die Komödie von Otto Ernst.Flachsmann a I S Erzieher" aufführen. Wieder- Holimg am Donnerstag, den 2S. April. Eintritt einheitlich 3,50 M. Karten an der Abendkasse. Tegel. Gcmcindcvertrctersitzung. An Stelle des verstorbenen Ge- nossen Witzle wurde Genosse Meinke als Gemeindcvsrtreter eingeführt. Zur Hunde st cuerordnung wurde ein Nachtrag �ange« nommen, nach dem die Steuer für den ersten Hund 100 M., für den zweiten 150 M. und für jeden weiteren 50 M. mehr beträgt. Die Arbeitgebcrbeiträge bezw. das Schulgeld für die Fortbildungsschule für die männliche Jugend werden erhöht auf 8 M. und 24 M. für den kaufmännischen Unlerricht. Für die Beerdigungskosten der in Hennigsdorf gefallenen Tegeler Einwohner werden die Kosten in Höhe von 1800 M. bewilligt. Zu einem Antrag der Polizeiwachtmeister auf lebenslängliche Anstellung ist durch Anfrage bei den Vorortgemeinden festgestellt worden, daß in allen Vororten die Polizeiwachtnieister lebenslänglich angestellt sind. Die Unabhängigen lehnten aus prinzipiellen Gründen ab, während bei unserer Fraktion die Meinung geteilt war. In der Abstimmung wurden sämtliche vorliegenden Anträge abgelehnt. Die Entschädigung der Gemeinde- Vertreter für Sitzungen wurde neu festgesetzt und zwar von 3—6 M.. je nach dem entgangenen Verdienst. Die Unabhängigen hatten zwei DringlichkeitZatiträge gestellt und zwar ersten« bei der Regierung den Antrag zu stellen, den Belagerungszustand aufzuheben und zweitens am 1. Mai die Bureaus und Betrieb« der Gemeinde zu schließen und für die Schließung der Schulen an diesem Tage Sorge zu tragen. Beide Anträge wurden angenommen. ES folgte eine vertrauliche Sitzung. Oranienburg. Eine Veriammkung. die vom Gewerkschaft?- kartell. der S. P. D. und U. S. P. D. einberufen war und sich mit der„Wahrheit über den Bürgermeister" beschäftigte. protestierte entschieden gegen das weitete Verbleiben des Bürger- Meisters Dr. H e i n n im Amte und fordert« seine sofortige Amt?» entheburrg, weil er dringend verdächtig sei, sich der Kapp-Lüttwitz- Regierung zur Verfügung gestellt zu haben. Di« Arbeitervertreter im Etadtparlament und Magistrat werden aufgefordert, jelde» weiter« Zusammenarbeiten mit dem Bürgermeister entschieden ab- zulehnen. Rowawes. Gcmeinbenertretung. Die Gemeindevertreter Gem. bill(Dnatl.) und Kulbe lU. S. P.) haben ihr« Aemter als Vertreter niedergelegt: am Stelle des erster«» wird der Landwirt Kuhns vom Vorsitzenden durch Handsch'ag verpflichter.— Für die Gemeinde- atbeitec fand«in« Neufestsetzung der Tariflöhne für März statt, während über die vom 1. April ab zu zahlenden Tarif- sätze noch vertändelt wird.— Em Erlaß eines Ortssta r uts über die Müllabfuhr wi-rd mit der Denderung. daß die Be- rechnung der Gebühren nach dem MietSertrage erfolgen soll, ge- nehmigt.— Ebenfalls wird in Zukunft die Gebühr für die G e- brau chSwasser- Kanalisation anstatt nach dem Ge. bäudesteuernutzungSweri nach dem MietSevtrag berechnet.— Die Grundsätze für Gewährung von Freistellen an den höhere« Lehramstalten werden dahin geändert, daß die Einkommen- grenze auf 8000 M. erhöht wird, wahrend der Umfang der Frei- stellen 10 Proz. der Gesamtschülerzabl betragen soll.— Der To- riterhöÄung für die ckiirifchc Straßenbahn wird zugestimmt. —-Erfiöht werden die Armenpklegegelder auf 40 bis 60 M. für eine einzclstehend- Person, 60 bis 120 M. für zwei erwachsen« Personen. 30 bis 50 M. für jedes erwerbsunfähige Kind.— Di« Küsterwiesen werden an den Laubenverein„Freie Scholle" zu einem Preis« von 3 Pf. pro Ouadrstmeier vechachiet.— Zum Schluß wird noch ein weiterer Kredit von 1 Million Mar? bewilligt zur Beschaf- jung von Lebensmitteln. Grost-Verliner Lebensmittel« Verlin. Mil-tzbelirfer»»,. S», heute-i tritt für die ä..A.ZNIIch. karten bi« auf nietimet die SdifffningStiit« Ikl in Kraft, d. h. die 4.-1- Karten werden mit 1 Liter, die 4.-I7.) Ortsgruppe Süden: Wanderung Erkuer— SirauSberg. Treffpunkt 7 Uhr Schiefischer Bahnhoi. Ortsgruppe Norden: Wanderung Blumenlbal— Fredccs- darf— Tiesensee. Treff Punkt 7 Ubr Schlefischcr Bahnhof. Ortsgruppe LIÄ terfelde: Wanderung Potsdam. Treffpunkt 6,15 Bahnhof West. Ortsgruppe T e m pe I h o s: Wanderung Blankenfelde— RangSdorf— W ünsdorf. Musikinstrumente mitbringen! Oberschöncweide. Elternbeiratswahlen der S. Gemeindeschule. Alle Eltern, die aus dem Boden der S. P. D. stehen, wählen die Liste Unter- burger. Wahlzeit 9—5 Uhr in der 5. Gemeindeschule. Stlüungsveronftaltungen. Heute abend pünktlich S Uhr in der Neuen Welt, Hasenheide 108(414, .Bunte Bühne-. Zur Aufführung gelangt di« romantisch. mythologische Oper.Die schöne Galathee* oon Suppö, Dirigent Herr Kapellmeister Dr. Ernst Sockl Rokokoszenen und Moritaten von Frau Resi Langer. Eintrittskarten a 3,30 M. inkl. Tanz und Steuer find noch an der Kasse zu haben._ Jugenöveranstaltungen. Ebarlottenburg. Sonntag 5 Uhr im BoikShaus. Roflnenffr. 4: Frühling«! eier, anschließend Tan,. Di« Einlatzkarten vom 28. Mörz IS20 haben Gültigkeit.— Achtung l Wanderleiter. Heute Sonnabend und Sonntag: Musterwandernng durch die Dubrowsorft. Treffpunkt 7 Uhr Görlitzer Bahnhos._ Sport. SreiteostrSter, deutscher Schwergewichtsmeister. Vor volkbe- setztem Haufe, in da? Hunderte keinen Einlaß fanden, ging Freitag abend der fünfte Großkampftag im Z i r'ssu S B u s ch vor sich. Da? .Hauptinteresse richtete sich auf daS Zusammentreten des deutschen. Leichtgewichtmeisters Richard N a ü j o k S mit seinem italienischen Ranpgenossen M a r i o t t i. Die beiiden Kämpfer zeigten einen sportlich außerordentlich interessanten Kampf. Leider mußte Oer Italiener in der neunten Runde den Kampf aufgeben, da er sich in der ackiten durch einen durch die Nässe im Ring verursachten Sturz eine Sebnenverzerrung und einen Knochenbruch im linken Hand- gelenk zuzog. ES ist sehr bedauerliche daß dieser Kampf zwischen zwei Boxern hoher Klasse nicht zur Entscheidung gekommen ist. In dem nächsten, über zwanzig Runden führenden Kampf stände» sich der deutsch« Schwergewichtsmeister F l i n t«nd der fiinns Magdeburger Breiten st räter gegenüber. Flint zeigte gleich zu Beginn, daß er sich in den letzten Monaten sehr verbessert bat, aber schon in der dritten Runde trat die Nest erbe genbeit des Maade- burgers zu Tage. Hageldicht sausten seine stahlharten Schläge auf Flint hernieder, der bereits in der fünften Runde den Ztzampf aufgeben und unter ungeheurem Jubel der Zuschauer den Titel eines deutschen Schwergewichtsmeisters an Brettensträter abtreten mußte. Der einleitende Kampf zeigte auf der einen Seite den außerordentlich korrekt«nd muttg kämpfenden H u b e r und auf der anderen den sich geradezu feige benehmenden M i e r s, der feinen Mangel an Technik durch fein« roh« Gewalt«niSzu- gleichen versuchte, fortgesetzt wegen Festbaltens und Nierenschläge verwarnt und schließlich disqualifiziert werden mußte. Nach Punktwertung blieb Huber in dem über zehn Ztzunden gehenden Kampf Sieger. fflrajjet Fortunapreis rntb Biererkampf find die Haoptereigniss«, mit denen am Sonntag, den 25. April, nachmittags 8'/, vhr, die Olympiabahn aufwartet. Mt großer Spannung steht man der Begegnung der zurzeit vier besten Flieger— Walter Rfitt, Willi Lorenz, Eugen Stabe mid Willi Bader— entgegen, die stch in vier Läusen nach Punktwertung begegnen werden. Außer den vorgenonten Rennen kommen nock ein Prämien«, Vorgabe- und EntschädigungStourenfahren zum Austrag, zu denen 30 Meldungen eingegangen sind, darunter: Rudel, Abraham, Schwab, Wegener, KopS. Kudela, Häusler. Habn, Gebr. Tietz sowie der Ungar Franz llherecky, der zum ersten Male in Deutschland startet. Keiue Berlezunz deS Gestüts Weinberg. Graf Spreti, der Schwiegersohn des Gebeimrats von Weinberg, bat das Gut Parishof bei Werben a. tz. Elbe gekauft, wo Haler usw. für den Wein- bergschen Betrieb gebaut werden soll. Diese Tatsache hatte zu dem Gerückt Anlaß gegeben, daß das Weinbergsche Gestüt, da? übrigens fein Heim auf eigener Scholle hat, verlegt werden sollte. 3 705 400 Mark betrug der Totalisatorumsatz am letzten Karls« horster Renntag._ Nus aller Welt. Die Iuüeu. In den guten alten Stöckerversammlungen tat stch hinten stets ein Neiner Mann mit einer piepsigen Stimme als Zwrschenrufer im Streite hervor. Die Sacke ging so vor stckK Wer hat die Moral unseres Volkes zerstört? — Die Juden! Wer ist schuld an all dem Elend des ehrlichen dentichcn Gewerbes? — Die Juden I Wer b-droht unser geliebte? deirtscheSVaterland mi t dem Untergang? — Die Juden! Aber eines Tage» erpiepste eS im Zwange der Gewohnheit bei der Scklußfrage: .Wer aber wird uns herausführen aus dieftm Jammer und herrlichen Zeiten entgegen?"— Die Juden! Worauf die Karriere deS wohlbestallten Rufers für diesen Abend einen plötzlichen Abschluß fand. Man fühlte sich gepackt, gehoben und in hohem Bogen in den Hof bewegt. Verhinderte Golboerschiebung. Gold- und Silhervarre» im Werte von drei Millionen Mark, die von zw«: Herren und«ner Dame von verkin nach Kiel geschafft und in einem Motorboot zur Verschiffung nach Dänemark verladen worden waren, sind von Berliner Krimmalbeamten beschlagnahmt worden. Alle drei Personen wurden verhaftet. Gefängnisse olk Wohnräume. AngesscbtS der ständig wackssen. den Zahl der Obdachlosen sah sich die Kopenhagener Stadtverwaltung gezwungen, 40 wohnungslose Familien in einem Gefängnis ein- zuguarticren. SüdoftikaS Fleischpr«d»»ktiou ist»n letzter Zeit bedeutend ge« stiegen. In der Südafrikanischen Union befinden sich zur- zeit ungefähr 85 000 000 Schafe, welche teil? zur Wollerzeugnng dlenen, teil« als Schlachtvieh aufgezogen werden: bierdurch ist Neu- Seeland, da? früher mit feiner Schafzucht zahlenmäßig an der Spitze stand, mit seinen 24 000 000 an die zweite Stelle gerückt. Wie es heißt, soll die frühere deutsche Kolonie Deutsch-Südweft- afrika in bedeutend stärkerem Umfang als vorher zur Stzehzucht herangezogen werden.__ Sriefkaften der ReSaktion. Zeder mt de»»nftiaffen d-ftimml-ii«nfr-«« fit«« man eine» vuchfiab«» un»«in« Nummer tei. Brieklich« Au-kiini! wir» nicht»rtetlt. Win? A»> kengea Itofic»an in der ZuriMlchcn Tvratistund«. Ltndenftr. t. L.$•(»er. terre link-,»ar. S»rikt«üel, loh. Grete Oiercks, Dora Schlüter, Volksbühne Theater am BOlqwplatz. 7U.:Rät!lChE Lesslng-Tli tater. 7 Uhr, zum 1. Mate: Fran Warrens Gewerbs. Sonntag und Montag 7Vi Öhr: Frau Warrea« Gcwerbce Bsütschts löisfiff-Hieiter Menagerie (Adalbert, Götz, Ha�ck.) APOLLO J 71/, Theater T'/.S [Direkt. James Klein| Das Wslt-Rätsel (Maria Orska, Ludw. Hanau, Alfred Abel''— Riemann, Leonhard HaskeL Richard Leopold, Rose veidtkirch, Jenny Marba, Paul Rehkopf.) Komüdieilians ÄJfc Minister (Kax. l'uilenberjg) Berliner Theater 7 Ubr: Der letzte Walzer. Fritzl Massary, Otto Ston», _ Hans W.sssiami usw. Ifen tral-Theatcr "/.u.: Fräulein Puch. l>CRtftch«ft Opernkaas 7 Uhr: Tiellail Die TrihOne � u.: Franziska. ■ Eden-Theater. 7-/.U.: Die Cöllappriiizessin Stg\ Uhr:„ü. A. w. g,** *• rietlr.-T4 llhelnmt.Th. I'/zßiir: Evchen Humbrecht Kleinen Theater. 7"/. Uhr.„1913" mit Alben Bassennand. Kl. MclianNpielhaan. L'hrJie Piarpiiayskoniöiüe. K.oml»rhe Oper Jhf. Wenn PFacsc iräsmen Stg. 3'/«: Schwarzwaldmidel. hustapiclhans Arnold Rleck in 7»,." Uhr Hetiop«!... 7 übt: Sjbill. Sonntag naclim. 3 Uhr: Charleys lante m. Thielscher Aleaea Operettenhnas Mia Werber als Gast in 7",u.:DieBai]iBicmMDS St�. S1/,. Dlo Dame vom Zirkus JKenoa VolkNtheater T-/.- Die DM? Raramasow SchlUer-Theat. Ch&rl. 3 Uhr: Der Mclncldbaucr. nuhr: Die DahsDslelnerliL Thalla-Th rarer uh*; Amor aal" Reisen Th. am ATo llenfiorfulati; y/i Uhr: Narzisa. 77* Uhr: JOcr-Tivr�ctTe-Rih Theater des Westens Letzte Vorstellungen T'/.u.JieFrsniialierniellB Stg. iV.Uhr: Die lustige Witwe Wailner-Theater Arnold Rleck in tepinjoLlicPüiig. etroBol-Tkeater. uh" filie BaUnacht Stg y., Geisha m Mla Werber Walhalla-Theater. uh? DerRastelbinder Trlaaoa-flicater. Bahnhof PrltsrichstraBe. TigHch V* Uhn Myrrha Sonntag*(kleine Preise): Herrschaftl. Diener ges. Residenz-Theater. Stadtbahn Jannowltzbrücke. TSgllch V�Uhr: Die RascIMs von Hermann Sudcrmann. Sonntag! Ubr, klewe Preise: Der ynte Rose-Tb( Rot. leater. 3 Uhr: Die Mäher. 7Vj Uhr: Das liea der Liehe. . Casinö-Thestc? Loth rlugin ir. 37. Tlgl.'/�U.: Nor aoeh bis Dienstag. 27.: LW Atter Sä'R�3f Ab Mittwoch, 21. April: Der Schltrer»U.volksstücke: Oakei Cohn. Sonntfg ä1/! Uhr; Moritz« Die einz. Gedanken- leserln der Welt. Vorsiehilie! Gespräehen Telephonfreuden mit Valy Arnlielm KlarcQ Eindt H Arkonis Sensations- Akrobat und weitere April- Tarlett-SeDsatlonl Sonntag 31/, Uhr| [.Erwachs. I Kind frei I �Felles Caprice. Eck. Friedrich- u. Linienstraße - TJgllch 7'/»:— Die ahaetretens Fran Zwangselneanrtierun j. Oh dlnaer Kawack! mit Ferdinand arflnecker In den Hauptrollen. CircuiBnsik Tgl.?>/» Stg. Ji/i P. Vh U. Eai-Jüng,0cÄ, sowie das übrige Progr.! » Ubr t Die erfolgr. Pantomime „OerWdieb" Zum Sch'uS: Die Wqnöerfontäne. Schall tLFaueh im Groden Schauspielhaus, Karlstr.- Schiffbauerdamm Telephon: Norden 86*3. Wie der an f treten I*anS Graetz Oscar Sah» Anita Berber Wady Ohristians IS. v. Wolzojgen Kart Tl olowskl u. o. Musik-Leitc Friedr. Holländer. Beginn 8'/� Konzertbeg.?>/, I). iieicDsDall.-T!!Ealer Allab. TV, u. Sonnlag,> jat nachm. 8 Uhr: JäF Ttettincr Sänger. fcmttt« 'ÜMirab-Piigst.1 j Flirt in St. Moritz i [Morg.Plirt laSt.Moritz J teuewa?'/, Adi-Haus Taubenstr. 34— Ztr.1052 Kilte lltnnk Enccn JlacU €1111 Fronio Heins llertwlf Elp n. Edita Henry Wollt Eleeel Eve Punl RttcUmann> UKtcheu Esteu 4 Pohleys Adt Elehans Meisterguartett Ackolj Lteks» I XpRQfty fUfSAREir/ » 6EMREnn.S3-5K�O ♦ Atiabendlich 7 Uhr: 4 -3 Schwestern LQckt Lieselotte i Tom Jersey | Trude u. ilse 5 Annie Wilkens 1 Schulhoff | Walter Steiner «Der zerbrochene Spiegel" (Gebr. Schwarz) Paul Stelnitz Kapelle Mund) Neumann.. | Am Flügel: E. Hentsche).| n. t 0 RIEM? StraüsöerpfPlatz 5 Min. vom Alexanderplatz. C*r5s«tes u. schönstes I�A � Kabarett in Berlin Grazelia Fried Erl Smcraldina 2 Pohleys 2 Hugo Just Hans Elliot Lea Florenz Victor Ritter Variett-Calll Oranienstr. 83—88 Dir. R. Knrant> Künsil.Lelt. Hellmuth Bemdsen. 0 rch est. 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Ueberraschungen, K si usseli, Scaelnwerler usw. Anf. 7 Uhr. i Jedea Sonntag; BlJt«>B»lL Anfang 5 Uhr.» •l!Ä«Saa» I Slralktthändlar Jür den Vorwärfs American Continental Fabrikat, tsloltachntx 63/3 hat abzugeben insgesamt oder auch einzeln Wermaim, Berlin, Chariotteiistr. 79. werden sofort eingestellt.— Prozentvergütung und Entlohnung. Meldungen von 9 Uhr vormittags bis 5 Uhr nachmittags. Von»ärts-Verlag, y.«. d. Jt.» Ssvli», SlwimhraJlB 3, Kol Unkt 1». Bekanntmachung. 1. ff» entfallen auf den«dschnIN R dar BetHnat 8«' jngsfacfc 200 Gramm ausländische Mühlenfabrikate zum Preise von Z4 Pf.(je Pfund S4 Pf.) auf die Abschnitte ZI und 22 der allgemeinen Leben». mlflelfatle der Stadt Berlin je 125 Gramm zusammen 250 Gramm lose Haferflocken zum Preise von 70 Pf.(je Pfund l,40 M.) 2. Unter Ausschluß nachtrilglicher Annahme sind die An. meldeabschniNe vom Sonnabend, den 24. bis Mittwoch, den 28. April, bei den Älcinhiindlern abzugeben. S. Die Kleinhändler haben die Anmeldcabfchnitte zu den oben aufgerufenen Nummern bei den Großhändlern am vonneestag, den 29. April, abzuliefern. 4. Nicht abgeholte Ware«erfMt mit dem 2». Mai im Berlin, den«. April 1920. Magistrat. Abteilung für Nährmittel. Tgb.'Nr.«940 Nä.____ MWkeWe für m öeroeiöeTetliMlfr und Biauofortflirdeifet zu Betfin. Bekanntmachung. Auf(hrunb des z z der Verordnung der Rcichsregierung iiber Heraussehung der Grundlöhne und Ausdehnung der Per» ncherringspflicht in der Krankenversicherung vom 1. April 1920 (Reichsgefehblatt Nr. 55 Seite 4ZZ ff.) wird der Grundlohn wie folgt lestgesetzt: fsir Stufe � auf..... 1 M. .. 1�.,»». 2 y m m 2�»ee.o 4�» '' l...... I- '•*...... ,5» .. 5...... 10- * m 7#,,,..15# . s...... 18, ." 9..,,,.21w -.. 10...... 24, .. U...... 27. „.12...... 30, Die Mitglieder werden hiernach in 13 Stufen eingeteilt. Zn Stufe A gehören alle ohne Entgelt beschäftigten Lehrlinge „„ 1„ Kassenmitgl. mit einem Entgelt bis 2 M. .. 2... von 2,01-4, , ,3,..... 4,01-6. .. j...... O-"}-?«- .. 5...... 8,0-10, ... 6..,... ,10,01-12, .. 7.,....12,01-15, „. 8„ ,,,, 15,01-18, .. 9......18.01-21. ..10.......1�)1—24, .. 11..... ,24,01-27 ,.12,, ,,,. 27,01 und mehr für den Arbeitstag. Der Beitrag beträgt wie bisher 6 vom Hundert des Grundlohns. 283/15 Bvrstchende Bekanntmachung tritt am 26. April 1920 in Kraft, von diesem Tage an sind die Beiträg« noch der vor» stehenden Lohnswseneinteilung zu zahlen. Der Vorstand. Emil Böske, Porschender. Fr. ginte, Schriftführer. Allg. Ortskrankenkafs e Berlin-Pankow. Aus Grund des z 3 der Verordnung über Herausfestung der Grundlöhne und Ausdehnung der Versicherungsvsitcht in der Krankenversicherung vom 1. April 1920 hat der Brrltand zur Festsetzung des Gnmdlobne« die Mitglieder eingeteilt in solche, deren Arbeitsverdienst für den Arbeitetag beträgt: T a g e l o h n: Stufe A für Lehrlinge obne Entgelt , l bis M. 2,— , 2 M. 2,01,„ 4,- . 3. 4,01,, 6,- . 4, 6,01., 8,- , 5, 8,01,, 10,- .«. 10.61,, 12,- , 7, 12,01,, 15,— , 8, 15,01,, 18- , 8, 18,01,, 21,- , 16, 21,01., 24,- . 11, 24,01,, 27,- . 12„ 27,01,, 30,- u mehr. Hiernach wird der Grundlohn bis auf weiteres festgesetzt: Für Stufe 1....... auf 2,-31 .. 2,,».,,,, 4,—, .. 3,, 6,—. .. 4,...».., 8,—, .. 5•••••«•, 10,—, .. 6»»»»»».. 12,—. .. 7,,,,,,.„ 15,—. .. 8 � 18,—. ,, 9........ 21,-, .. 10,»»».«.„ 24,—. .. 11»»»»»,»„ 27 ,— ,, ..12........ 30,-. Die Beiträge werden mit sechs vom Hundert diese» Grund» lohne» berechnet, st« betragen: In Stufe A für jeden Arbeitstag 5 Pf. . 12. .. 2... 24. .. 3„„. 36„ .. 4.., 48. ..»...»0. ** �*» Itz* .. 7... 90. .. 8... 108, .. 9„. 126. ., 10.„„ 144, .. 11.,„ 162. .. 12,,. 180. Fllr die Dienstboten«erden fünf vom Hundert des Grund» lohnes berechnet, die Beiträge beiragen daher: Zn Stufe 1 für jeden Tag 10 Pf. .. 2..» �- ' i il i'"v - Z 12''.150„ Diese Grundlöhne und Beitragssätze treten vorbehaltlich der Beschlußfassung de» Ausschusse» und der Geuehmigung durch da» Oberversicherunasamt am 26. April 1920 in Kraft. Sie treten an die Stille der in den ZK 33 und 47 der Satzung vorgesehenen Sätze. 283/13 Der Vorstand. Otto Zitßmann. MÖBEL Herren», Speise», Schlafzimmer, bunte KCcben, einzelne MShel Teltzhig. gestattet Liefere«uoh auswärt» Gekaufte Möbel können kostenlos lagern Mobol- Gross GrESEffmaktarterStr. 141 5 Min. v. Schles. Bahnh. InvalMaH*. t, lli|a«f AekerstraOe 5 MI*, v. Stettiner Bahnh. Krlegsanl. nehme mit SS'/, in Zahlung MlilMMM WlMMklll usttge mit 5-- 10 000 _ Ausü, Lagepläne tosten. iOtkctt'AozQgfi moderne Formen............................. 456.- 4B0.- 500.- 555.» M. Jaekett-Änzüge mit Gurt n. 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Die Mitgliedrr»Verden nach einem durchschnittlichen Tagcscntgelt in zwölf Lohn- stufen eingeteilt. st 16, Krankengeld wird in Höhe des halben' Grundlohnes gewährt. In Stuf« 1.. 1,— M. „. 2.. 2,-. „. 3.. 3,-, '" 5 5-" l' 6.. 6,-, .. 7.. 7ch0, :: 9;: iw: ,. 10.. 12,-, ..11.. 13,50. ., 12..15,-, § 28, Ais Sterbegeld wird da. Vierzigfache des Grund- iohucs gezahlt. In Slchs- st 43. Die Beiträge werden auf 6 Proz des Grundlohnes bemessen. Sie betragen für den Arbeitstag: IN Slufc Parstehend« Satzungsände- rung tritt durch Vorstands» bcfchluß(st 3 des Gesetzes) mit Montag, den 26. April 1920. in Kraft. 283 14 Ferner weilen wir daran l hin, dag die Vcrsicherungspflicht auf 20 000 SIL ausgedehnt ist. Drustegemplare des vierten Nachtrages werden den Arbeit» gibern mit der Past zugesandt und sind außerdem ab 26, 4. 20 im Kassenlokal erhältlich. Der Borsland: .lasei Hartmann, Vorsitzender. Heinrich Kunitz, Schriftführer. 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Allein an Brotgetrcid e sind Kansverhandlungen über LTVlXX) Tonnen abgeschlossen, während über weitere löOlXX) Tonnen noch verhandelt wird. Tic Finanzierung ist sichergestellt. Konrmt auch der zweite Kauf zustande, so bringt uns dieses Kreditabkommen allein den dringendsten Einfuhr- bedarf für etwa IV, Monate. Außerdem werden geliefert: 45 000 Tonnen ausländisches Fleisch, 50 000 lebende Schweine, 20000 lebende Rinder. 25 000 Tonnen Speck, 25 000 Tonnen Schmalz, 3 000 Tonnen Käse, ■100 000 Kisten zu je 48 Dosen Milch, O e I s r ü ch t c zur Herstellung von etwa 50 000 Tonnen Margarine, 10000 Tonnen Reis und l 200 M0 Zentner Kartoffeln. Tie Einfuhr von größeren Mengen Heringen aus Eng- taiid und den ikandinavischen Ländern ist ebenfalls gesichert. Wie die„Vossische Zeitung" zu melden iveisi, stehen auch die Verhandlungen mit Dänemark über Vieh- l i e f c r u n ge n gegen deutsche Waren günstig. §ü? Zurückziehung der farbigen Truppen. Amsterdam, SS. April. Laut„Algemcen HaudelSblad" hat der �ollzugSauSschilh der englischen Arbeiterpartei einen trog angenommen, daß gegen die Verwendung von far- bigcn Truppen im besetzten Gebiet Deutschlands l:' den alliierten Regierungen und beim Völkerbund Pro- I e st erhoben und Zurückziehung der Truppen verlangt werden soll. Weft-GrMches. Aachen, 23. April. Nachdem der sozialdemokratische„Volks- freund" berciis drei Tage verboten war, ist er auf Anordnung der Rheinlandkominission wiederum auf drei Tage verbalen ivorden. Oppeln, 23. April. Die streikenden Richter und Beamten Ober- schlcsiens ersuchte» General Le Rond um Verhandlungen über ihre Forderungen, da der Enlente-Justizdirekior dies abgelehnt hat. �esebwerderecht gegen Zeitungsverbote. Noch ß 4 der Verordnung des Reichspräsidenten vom 11. April IQZi) ist gegen das Verbot periodischer Dnuckschriftcn Beschwerde an einen ÄuSschusi zulässig. Als Mitglieder sind vom ReichSrat c.ui seiner Mitle gewählt: Preußischer Ministerialdirektor Dr. NobiS, Preußischer Geh. Ober-RegierungSrat Roedenbeck, Bayer. Gesandter Dr. von Frcger, Sachs. Gesandter Dr. Koch, Württemb. ! Gesandter Hiltnmbraud, Thüring. Maristerialdireltor Dr. Münze!, Senator Dr. Nebelthau-Brcmen. sowie als Stellvertreter: Preuß. Ministerialdirektor Dr. Meister, Preuß. Geh. Ober-?ustizrat Huber. Bayer. Ministerialdirektor Dr. von Hüßlein, Sachs. Geh. LegationS- rat Poetzsch, Würriemb. Ministerialdireiwr Sch-stfer, Mecklenburg- S'bwerinscher Ministerialdirektor Dr. Tischbein, Bürgermeister Stoltcn-Hamburg. Neubildung der SozmlisierungskommWon. Immer noch keine endgültige Zusammensetzung. Wie wir bereits beriäiteten, ist die Neubildung der So- zralisieriingskommiision seit einiger Zeit im©ange. Wie nun verlautet, hat die Kommission selbst noch keine Ent- s ck) e i d n n g über ihre endgültige Zusammensetzung getroffen. Das klingt einigermaßen befremdlich, nachdem die Vorbesprechungen zu dieser Frage schon seit Wochen im Gange sind. Offenbar spielen die Forderungen der Unter- nehmer, ebenso wie die Gewerkschaften ihre Vertreter für die Sozialisierungskonimission selbst zu benennen, dabei eine gc- wisse Rolle. Davon kann natürlich keine Rede sein, denn es ist einer Kommission, die praktische Vorschläge zur Soziali- sierung zu mad,cn hat, nicht zuzumuten, grundsätzliche Gegner der Sozialisierung gleichberechtigt aufzunehmen, die ihrer ganzen Ucbcrzengung nach nicht anders können, als den So- zialisierungSgedanken zu sabotieren. Andererseits ist es auch möglich, daß die Zusammensetzung der Sozialisierungskommission von der Frage abhängen wird, welche Rechte man ihr zugesteht. Durch die Anerkennung der allst Punkte, die den Wiederzusamnientritt dieser Kom- Mission fordert, ist die Reaicruna selbstverständlich verpflillstet, die Hindernisse, die sich der Arbeit der früheren Soziali- sierungskommission entgegengestellt haben, aus dem Wege zu räumen. Dazu gehört vor allem, daß man der Kommission genügend Rechte und Vollmachten gibt, um ihre Arbeit für oie Sozia liste rungs Politik nutzbringend machen zu können. Da bisher darüber noch nichts bekannt geworden ist, scheint diese Frage ebenfalls noch nicht geklärt zu sein. DaS Volk hat aber ein Recht zu der Forderung, daß die Kommission sobald als möglich in den Stand gesetzt wird, ihre Arbeiten unverzüglich auszunehmen. Das um so mehr, als die Einberufung der neuen Kommission durch den Reichs- Präsidenten bereits in den nächsten Tagen erfolgen soll. Z.'ntrum deS deutschen GenrüsesaenrnbaueS ist Aschersleben. Hier wurde mit dem 1. April eine Iweigorrstalt der Biologischen ReichSanstait für Land, und Forstwirtschaft(Benlin-Tahlem) er- riwtet. die die pflanzlichen und iwusch?«» Schädlinge der Gemüse- pflanze» zu erforschen und Gegrnw-aßnahanen zu erproben hat. ?luS dem Archiv der So-laldemokratischcn Pnrtci kP a r t e i- Archiv) Berlin SW. 68, Lindenstr. 3 IV wird nnS geschrieben: Raummangel verbietet, ein ausführliches Auloreu-Aerr'eickmis der Sckiristen anfzuführen, die im vergangenen Onartal kür das Archiv rreuerworben wurden. So bringen lvir im nachfolgenden ein- summarische Uebersicht: Von den insgesamt 203 Neu- er Werbungen entfallen auf: Volkswirtschaft iSozialisieiung) 16, Sozialwissenschgfr 29, Sozialismus und Sozialdemokratie 23, Geschichte 28, SlaatSivissenichaften 4l, RechtSwiffenschast 3, Kriegs- mid Heerwesen 11, BildungS- und ErziehiingSweieir 4, Religron und Pbilosophie 3, Geographie, Naturwissenschaften. Medizin 6. Sprach- und Literat, irwisienschast, Belletristck 7, Lexika, Biblis- pravhie, Biograpkiien. Memoiren 13 und Periodien 21 Schriften, 42 Personen erstatteten öt Besuche und benutzten 124 Werke. IVB, Einsendungen von Partei-Dokumenten und-Schritten, FUigblZttern und Plakaten von politisch wichtigen Ereignissen, historischen Erinnerungen, Photographien usw. an obige Adresse erbeten. Der bekannte Plakatmaler Albert Knab, der auch auf kunst- püdrgogtschem Gebiet große Verdienste hat, wird am 26. April SO Jahre alt. Knab hat erfolgreich«gen die übertriebene Orna- menti? der Vorkriegszeit gekämpft.?esondcrS eifrig setzte er sich für eine zeichnerische Reform der Schulfibel wie überhaupt deS Zeichenunterrichts ein. Zu HaaS BalnichekS sünszigstem Geburtstage vcranirallct das KLnltlerhauS eine Ausstellung dca GesomtwerkeS dieses an sozialem Schauen starken Malerd, Runte Biibne.?!m?4, April, abends pünktlich 6 Uhr, sin'oct in der „Aeuen Dell", Halenheide, der vom BezirkibtldUNgSauSschuh Gcost.Berlin veranstaltete Heitere Übend statt, e s i L a n p e r lrägt beiterc Szenen aus dem Rskvko und.Marilateii' vor, H.nmitlen des Programms wird KuPpSs komische Oper„Die l lb ö n e i�alatbee- aufrrsübrt. Diese Oper— der Stoff dazu stammt aus der griechischen Mbythologic— niiwnt unter den Einaltern SuPpsS die erste Stelle ein und hat lich einst im Sturm alle Bühnen erobert. Die Vd-ale der grietiiche» Mythologie werden in geradezu frivoler Weis« oer- Wettet und ins Moderne überseht. Dadurch entstehen wunderbar komische Kontraste, Rustk: Berliner 5onIü»slIer-Orchester, An d«S Prograinm fchiicjjt sich? a ii- an, Eintrittskarten loste» einschließlich To»» und e-oll-r SM M. Richard Etranst wird nach der ZtLckk-hr»on einer giöxerev Aut- landSrelse tlntaug nächsten Jadret in der GtaatSoper eine Reihe eigener Werke«ckd einige von der Staatsoper zu veranstaltende Konzerle leiten. ZZn eine» Schreiben an Map Schillings dankt Strauß in beglückten Worten für die küvstlerach vollendete Aufsührun» seine» neuen Wertes, Sie sei eine„stolze Krönong alles dessen", waS in den letzten zwanzig Jahren an schönen Aufführungen seiner Weike im Opernhaus geleistet worden sei. Der tlngeklaato inar sreigesprochm worden,„Halten Sie sich künitig von schlechter Gesellschast serm,- gab ihm der Richter alt wohlm-inendcn � Rai mit aut de» Weg,—„Gennch Ählord, Sic werde» mich sobald nicht wiedersehen.�(.AntwerS.)» das Reichshemistättengesetz. Man schreibt u»S: Der Einwurf zu einem Reichsheim st ättengesetz liegt der Nationalversammlung vor. Sie soll nicht scheiden, ohne diese dringlichste Ausgabe erfüllt zu haben. Denn die Beschaffung von Heimen für Hunderttausende Familien, die in fremden Wohnungen, Baracken, unwürdigen Notwohnungen hausen, muß ebenso als drin glich st e Aufgabe angesehen werden, wie die Ausgabe, die daniederliegende Bauwirtschast arbeilSsähig zumachen, staatliche Forsten dem Bauholzinarlt zu öffnen, die Baukosten zu senken, die UcberleuerungSfrage ehrlich zu lösen. In dieser verzweifelten, erwartungsvollen Stunde beschränkt sich die Regierung daraus,„die neue Rechts form der Heimstätten rechtlich zu gestalten", fühlt sie sich bemüßigt, zum Gesetze zu sagen:„Maßnahmen zur Bereitstellung von Land und Geld. um Heimstätten zu schassen, gehören nicht zu seiner Ausgab t.' Was soll dieke gesetzlicheVerbrämung de« Willens zur lln Produktivität? WaS soll sie angesichts der zu- sammenbrechenden WohnungSwirtschast und in der Stunde des AuSeinandergehenZ der Nationalversammlung? Tie Begründung antwortet, da» Geietz solle„oem nachdrücklichen Verlangen der Oefsentlichkeit nachkommen". Es sei deutlich gesagt: Das Verlangen der Oeffenilichkeir sieht nicht nach „nejjfn Rechtsformen" und nicht nach leeren Zugeständniffen. Räch drücNich verlangen Tauiende Familien, die zwischen dünnen Bretterwänden in aufgeteilten Tanzsälen verkommen, nach Woh nungen, verlangt die Wirtschaft nach Arbeitsmöglich- keil, Millionen Bauhandwerker nach Brot. Sie wollen keine leere R c ch t s f o r m, die auszufüllen die Regierung sich nicht anschickt, sie wollen nicht Paragraphen, sondern Pro- d u k t> o n. Der Produktion den Boden zu ebnen, ist die dringlichste Auigabe der Nationalversammlung, auch noch in ihrer Scheiceftunde._ Streik in Srauereien und Sierniederlagen. Am Freitagabend beschloß ein« Versammlung der Betriebs- räte und Vet trauensmänner nach dein Bericht der Lohnkommiffion über das AbstimmungSengebnis, daß am heutigen Sonn- abend in allen in Frage kommenden Betrieben die Arbeit niederzulegen ist, und daß an den gestellten und eingereich- ten Forderungen festgeiralten wivd. Ter Streiibeschlirß gilt auch für die Niederlagen in Bernau, Oranienburg, Zossen, Velten, Nauen, Teltow, Erkner, KaKberge-RüderSto.'f und Friedrichshagen, die in da? Tarifgcbiet mit einbezogen werden sollen. Dort, tvo außer Bier auch notwendige Lebensmittel hergestellt werden, soll die Lage von Fall zu Fall geprüft und n u r auf Anordnung der Lohnkommission die Arbeit niedergelegt werden. Alle stähcwen Informationen sind vom Bureau de? Brauerei. und MüblenarboiterverbandeS, Berlin C., Mulackstr. 16, Fern- spreche x Norden 4518, einzuholen. Unzulänslichkeiten des neuen verforgungs- gesetzes. Der ReiSSbund der Kriegsbeschädigten schreibt unS: Kurz vor der zweiten Lesung deS neuen ReickiSversorgunga- gesetzeS fand auf Ersuchen der Organisation eine Besprechung der Vertreter der Kriegsbeschädigten und Kriegshinterbliebenen mit dem interfraktionellen Ausschuß statt. Tie Vertreter deS Reichs- bundeS und der anderen Organisationen legten noch einmal kurz aber mit aller Nachdrücklichkeit die Forderungen der KriegSbeschä- diglen und Kriegshinterbliebenen zu dem vorliegenden Gesetzentwurf dar. Scharf kriüsiert wurde, daß da? neue Versorgungsgesetz für die Hinterbliebenen einen Rechtsanspruch auf Heilbehandlung und Berufsausbildung nicht biingen soll. Die Gestaltung der Renten konnte ebenfalls nicht die Zu- stimmung der Kriegsbeschädigten finden. Nach Z 28 de» Gesetz« entwurfS soll eine sogenamite AuSgleichSzulage dann gegeben werden, wenn der Beschädigte einen Beruf ausgeübt hat oder voraussichtlich erlangi hätte, der erhebliche Kennluisie und Fertigkeiten erfordert. Der ReichSbund vertritt den Standpunkt, daß dieser Paragraph unbedingt fallen muß, da er die Ge- Währung ungleicher Bollrenten zur Folge haben würde und auch zu einer ungleichen Versorgung der Hinter- bliebenen führen müßte. Der Reichsbund mit seinen rund 760 806 Mitgliedern verlangt gleiche R e n t e il für alle Kriegshinterbliebenen und für alle Vallerwerbsbeschränkten. Bei der Festsetzung der Teilrente muß jedoch auf den Beruf Rücksicht genommen werden. Der Mechaniker, der einen Arm verloren hat, muß ent- schieden mcbr Rente erhalten als der LandgerichtSdirektor oder Regierungspräsident, die ihren Beruf noch ausüben können. Der berüchtigte§ 36 de» MannschaftsversorgungSgesetze» 1666 ist zwar gefalle«, hat ab« et»« a»dere» Bestimmung Platz gemacht. Nach Z 63 deS Gesetzentwurfs soll von den Rente« est» Zehntel des Betrages nicht ausgezahlt werden, wenn der Beschädigte neben seinen Rcnienbezügen ein steuerbares ReichSeinkonnaen von 4666—5666 M. hat. Bei einem Einkommen von 14666 M. sollen alle Rentenbezüge ruhen. Der§ 63 bedeutet eine große Härte für die Einpfäng« klein« Renten. Wir beschränken uns darauf, heute nur auf diese Nachtetie deS Gesetzentwurfs hinzuweisen und erwarten von der Nationalver- sammlung, daß sie noch im letzten Augenblick diese nackzteiligen Bestimmungen dek Gesetzes zugunsten der Versorgungsberechtigte« ändert. » Am Sonntag, den 25, April, vormittags 10 Uhr, findet in der „Neuen Welt", Hasenheide, eine öffentliche Versammlung aller Kriegsbeschädigten, ehemaliger KriegSgeiangenen � und der Kriegshinterbliebenen statt, die noch einmal zu dem- Gosetzeutwuq Stellung nehme» wird._ Hefahr im Ruhrgebiet! Die Ruhrflüchilinge sind zum größten Teil heimbefllrdert.— Wenn die rechtsstehende Preffe so große Angst vor einem neuen Aufstand zeigt, so sollte sie auch erkennen, welch ungeheure Vrr- biticrung die außerordentlichen Kriegsgerichte jetzt wieder erzeugen. Sie verurteilen Anqehörige der Roten Armee, sogar solche, die hineingepreßt wurden, zu jahrelangen Ge» sängnis- und Zuchthausstrafen ffür bloßen Wachdienst, der schließlich der Allgemeinheit diente und für Teilnahme am Kampf, der doch lediglich ouS dem vollauf begründeten Mißtrauen gegen die Absichten der Truppen entstand. Den Staatsanwälten ist vom Jnftizminister befohlen, gegen solche Kämpfer nnbt vorzugehen und etwa ergangene Verurteilungen an« zufechicn. Aber gegen die außerordenilichen Kriegsgerichte gibt e« ja überhaupt kein Rechtsmittel. Die Nationalversammlung sollte wirklich noch vor ihrem Ende diese skandalöse Erbschaft aus dem alten Regime beseitigen. Gerade das schleunige Verfahre« dieser Gerichte erfordert die Möglichkeit der Nachprüfung. Wir wiederholen übrigens nachdrücklich, daß all das Gcschrpi über neue Kommunistengesahr und Rote-Armecbildung keine Berechtigung hat und wir warnen entschieden davor, etwa durch weiteres militärisches Einschreiten die mühsam,h«g»pellto Ruhe wieder z» gefährden. Daß diese Hetze mich mit S>6 w i n d e l arbeitet, beweist folgende Wolff-Reldang: Berlin, 26. April. DaS»8-llhr-Abend- blatt" teilt mit. daß am Donnerstag in der Reichskanzlei ein Telegramm des OverpräKdenten in Düffsldorf eingegangen sei, betreffend einen von linkSradikaler Seite bevorstehenden Umsturz im Gebiet südlich der Ruhr. Demgegenüber ist festzustellen, daß in der Reichskanzlei ein solches Telegramm des Oberpräfidenteu iu Düsseldorf nicht eingegangen ist. Broh, nicht Keoh, heißt der ll.-S.-P.-Redner, der am Donners- tag abend si'iehe den gestrigen Bericht) in einer K.-P.-D.-Versamm- lung iür die K, A. P. D. geredet hat. Es ist der dsiannte Justiz«. und Konsusionsrat JarneZ Brot». Wirtschaft Zkettgründungen und KapitalSerhvßungen. lieher die Kapitalaufnahme der deutschen A?tie«g«fsI1- schaffen und Gesellschaften mit beschränkter Hastung in den letzt»« Jahren gibt nachstehcnide Tabelle Auskunft: ES erfolgten im Jahre NeugrL«dungc» KapitalerhZhungen zusenmne« in Millionen Mark 1915... 215,7 287,4 563.1 1916... 8�8.2 364.8 642,5 1917... 463.8 866.6 1364.4 1918... 576,7 953.4 15S0.1 1919... 1671,3 1138,8 2269,6 AuS der Tabelle pebt hervor, daß die Kapitalaufnahm« im Jahre 1916, dessen letzter Teil beveitZ im Zeichen starken Kapital- bedarfS stand, bedeutend größer war als in scn Vorjahren. Berück- ficht igt man jedoch die bedeutenden Anforderungen,, die die Umstellung der Wirtschaft auf die Fr i eden Sprodu ktion nstt sich brachte, und daZ Sinken de? Geldwertes, so erscheint die Kapitakvikdung ber den industriellen Gefell ichafien ganz außerordentlich ge» r i n a im Verhältnis zu den Vorjahren, Diese Tabelle ist ein neuer Beweis für d e v?m ReichSwirtschastSnrinisterruin in der bekannten Denkscknift he« UnterstcmtSsekretärS Hirsch aufgestellte Behaup- tung, daß die volkswirtschaftliche Kapitalbildung hinter der privatwirtsckiaktlichen außerordentlich zurückbleibt und daß die Industrie ihr Betriebskapital nach Möglichkeit aus den Waren- preisen zu decken sucht, anstatt an den Kapitalmarkt zu gehen. DaS ist ein durchaus ungesunder Zustand, der zu einer unerträglichen Belastung deS Verbraucher? und zu einer ungeheuren Stärkung der Macht de» Kapital? führt. Wenn die Allgemeinheit durch die Pretse da» Betriebskapital aufbringt, so muß sie auch«inen Anteil an dem Besitz der Unternehmungen bekommen. Sonst tvevden auch die SelbitverlvaltungSkörper und daS � gemeinwirtschaftliche Aushängeschild nur zu einem Deckmantel für die Entfaltung de» bru- talsten Kapit AiSmuS._ Keine Aufbebun» der Weinversteigerungen. Der verstärkte Handels- und GewerbeauSfchuß der Preußische« LandsSversumm« lung lehnte einen Antrag der Deutschen VolkSpartei,� nach welche«» die Neinversteigerungen mindesten? auf ein Jahr ver- boten werden sollen, ab. da eine Preissenkung zunächst nicht erzielt werden würbe. Die Domänenweine, die zur �Versteigerung kämen, seien lediglich Kreszenzweine. Andererseits gefährde der Antrag die kleinen Ninzer, die schon infolge der schweren Frieden»- bedingirngen einer sorgenvollen Zukunft entgegengingen aus dag schwerste. Die AuSfuhrabgaben werden nach einer amtlichen Ankündigung nunmehr am 1. Mai 1920 in Kraft gesetzt. Eine Bekam, tmachung, die. den Adgabotarif sowie weitere Bestimmungen über die Er- bebung der Abgabe enthält, ist im„ReichSemzeiger" erschienen. Der Ertrag der ÄuSfuhrgb-mben wird, wie seinerzeit berichtet, z» wirtschaftlichen Zwecken verwendet, vor alle« zur Be- schafsung ausländischer Rohstoffe für die deutsche Industrie. Zur Steirerorklilning zur Abgabe«mn Per«IiOe«Szt»«»«chS wirb darauf hingewiesen, daß nach � 22 Abs. 1 de» Gesetze? über eine KriegSabgabe vom VermögenZzMnachS jeder Abgabepflichtige, dessen End vermögen sein AnfaugSvernrögen um irnndestenS 0000 Mark übersteigt, verpflichtet ist, eine Steuererklärung abzugeben» und Mar enrch dairo, wenn ihm vor» ßmbaSfwuiBjöatt kern Steue» ertlärung»tor«u lac zugeschickt wurde. VvlkSttirtichaftliih« Mittelschule«. Im Handel», und Gewerbe« au'schnß der Preußischen Lavdebdersammlung begründete der Tbg. Lüdemaun lTvz.) seinen Antrag über die Errichtung Volkswirt- ickaftlicher Mittelschulen. Regierung Svertueter wie Pertreter der Parteien sprachen sich für den Antrag au», t>«r davmtf Ammhm» fand und dem Haufe empfohlen»erden soll. Eine lebhafte Schiffbautiltigkeff eistfalstt England. Nach LlondS Schiffsregister waren dort End- März 865 Sandel»- dampfer mit 8 364 666 Tonnen im Bau, d. h. 466 660 Tonne» mehr als Endo De*mb«r. 1140 000 Tonnen mebe M End« Mörz 1916. EswerMostsbswsgung Die volkshochsihule Groß-ö erlin deranstaltet an den Winterabenden von 1— 8 Uhr einen Kursus von 10 Borträqen über: Gewer!schaftS- lehre. Vortragender: Genosse Hermann Müller vom Zentral- Arbeitersekretariat. Beginn: 28. April im Real- gymnasium. Verlin 3., Mittenwalder Str. 34. Vorgesehen sind auch noch einige andere Kurse, die für die g e w e r k- schaftlich tätigen Arbeiter von Bedeutung sind. So sprechen Prof. Nußbaum über: Betriebslehre I, Dr. Dersch und Prof. K a s k e l über: Das Arbeiter- und Angestelltenrecht, Dr. Geiger und Landrichter Rüben über: Rechtsfragen des täglichen Lebens. Der Arbeitsplan der Volkshochschule, der nähere Angaben über diese und andere wichtige Kurse enthält, ist an folgenden Stellen zu haben: Gewerkschafts- baus, Engekufer 13 sZimmer 13), Buchhandlung„Freiheit", Breitestr. 8—9, Buchhandlung„Vorwärts". Lindenstr. 2. Tie Berliner Transportarbeiter im Jahre ISIS. Der Mitgliederbestand deS Bezirks Berlins vom Deutslben Transportarbeiterverband ist nach Angabe deS eben erschienenen Jahresberichts von 46 873 Ende 1318 auf 123 263 am Schluß deS Jahres 1313 angewachsen. DaS ist eine Zunahme von 78 326 Mit- gliedern. Im Laufe deS Jahres 1313 wurden 87 483 Neuauf« nahmen gemacht, denen ein Abgang von 13 631 wegen rückständiger Beiträge gestrichener Mitglieder gegenübersteht. DaS ist gegenüber früheren Jahren ein recht günstiges Verhältnis. Im Jahre 1313 standen 36 633 Neuaufnahmen 24 323 Streichungen von Restanten gegenüber. Die Fluktuation ist also im Berichtsjahre sehr erheblich zurückgegangen, der Mitgliederbestand ist stabiler geworden. Die mißliche Wirtschaftslage gab Anlaß zu einer Reihe von Lohnbewegungen. ES wurden 47 Streiks in 836 Betrieben mit 52 634 Beteiligten geführt. Zu Lohnaufbesserungen ohne Streik kam eS in 483 Fällen in 8714 Betrieben mit 214 558 Beteiligten. Erreicht wurde durch die Streiks in 823 Betrieben mit 43 648 Be- teiligten eine Lohnerhöhung von insgesamt 337373 M. pro Woche und bei einer Firma mit 83 Beteiligten eine Arbeitszeitverkürzung. Im Verhandlungswege, ohne Streik, erreichten 136538 Beteiligte bei 3314 Firmen Lohnerhöhungen von insgesamt 3243133 M. pro Woche und 16313 Beteiligte bei 33 Firmen eine Verkürzung der Arbeitszeit. Die Ausgestaltung des Tarifwesens hat erfreuliche Fortschritte gemacht. In allen nennenswerten Betrieben und Branchen sind Tarife durchgeführt. Dabei ist besonders Gewicht gelegt worden auf das Mitbestimmungsrecht der Arbeiterausschüsse bei Einstellungen und Entlassungen. Arbeitsordnung und Betriebsrätegesetz. Nach Z 80, Abs. 3 des BetriebSrätegesetzeS ist binnen 3 Monaten nach dem Inkrafttreten dieses Gesetze? eine neue Arbeitsordnung zu erlassen, wenn die geltende Arbeitsordnung vor dem 1. Januar 1313 erlassen worden ist. Donach müßte also in allen diesen Fällen ein« neue Arbeitsordnung bis zum 3. Mai 1323 erlassen werden. Nun beabsichtigt aber das Reichsarbeitsmini st erium, ein Muster für eine Arbeitsordnung zu entwerfen und zur allgemeinen Anwendung zu empfehlen. Dazu sind eingehende Vorarbeiten notwendig, insbesondere müssen die Verbände der Arbeitgeber und Arbeitnehmer gehört werden. ES besteht deshalb die Abficht, durch eine Acnderung des§ 80 die Frist bis zum 1. September 1320 hinauszuschieben. Ein entsprechender Gesetz- entwurf soll, wenn irgend möglich, noch von der Rationalversainm- lung erledigt werden. Es würde dann also erst bis zum 1. Sep- tembcr 1320 eine neue Arbeitsordnung erlassen werden müssen. Die Einigung im Friseurgewerbe. Die Friseurgehilfen haben in ihrer von über 2003 Mitgliedein besuchten Versammlung am Donnerstag abend in der Bötzow- Bra. erei die Annahme des Schiedsspruchs be- schlössen. Zunächst wurde beschlossen, davon abzusehen, den Montag als freien Tag ausschließlich in Anspruch zu nehmen, da der Schiedsspruch wohl die Freigabe eine? vollen Wochentages vor- sieht, die Wahl deS betreffenden Tages jedoch der Verständigung zwischen den einzelnen Meistern und Gehilfen überläßt. Die Kon- trolle über den Umfang der bereits aus freien Stücken eingeführten Sonntagsruhe soll auch an diesem Sonntage an den bekannten Stellen wieder vorgenommen werden. Am 1. Mai soll wie sonst an Sonntagen gearbeitet werden, dafür aber am Sonntag, den 2. Mai die vollständige Arbeitsruhe eintreten. Ein Antrag der Oppofition, einen Korreferenten zu bestellen, ergab deren verschwindende Minderheit. Der Referent Matuschke teilte den Wortlaut des Schiedsspruches mit/ der eine Reihe strittiger Fragen einer zu bildenden Arbeitsgemeinschaft der Parteien zuweist, weiter aber einen fertigen Tarifvertrag unter Anlehnung an den bisher bisher geltenden enthält. Zum Vertragsgebiet kommen C ö p e n i ck und Spandau mit hinzu, da die hier bestehenden Arbeitgcbervereinigungen dem Interessen- verband beigetreten sind. Die irrtümliche Auffassung, daß der Montag als Ruhetag gelten soll, habe auch bei den Arbeitgeber- Vertretern bestanden. Reiner erörtert dann die Aussichten auf Rechtsverbindlichkeit des Schiedsspruchs und empfahl den von den Vertrauensmännern mit 36 gegen 6 Stimmen bei 2 Enthaltungen beschlossenen Antrag, dem Schiedsspruch zuzustimmen. In der ein« gehenden Aussprache iral nur Gerling diesem Antrage entgegen. Dock nur einige wenige Stimmen wurden dagegen abgegeben. Eine Entschließung, die Durchftth rnng der S-n�taglrnh« w jeder Weise zu betreiben, fand einstimmige Annahme. ReichSkonferrnz der verficherungsangestellten. Von Dr. W. V o ll, brecht erhalten wir eine Zuschrift, worin derselbe die in Nr. 202 deS „Vorwärts" unter obiger Ueberschrift wiedergegebene Behauptung: Für die Unterlassung der Einberufung deS ReichsfachauSschufleS zur Entscheidung über den Streikabbruch„ist indes nicht der Verbands. vorstand, sondern, wie von Dr. Vollbrecht vorbehalten anerkannt werden mußte, letzterer allein verantwortlich", als unrichtig be- zeichnet. Er habe vielmehr anerkannt, daß der RsichsfachauSschuß vor der Streikabstimmung hätte einberufen werden können und daß in erster Linie er. Dr. Vollbrecht, als Vorstands- Mitglied dafür hätte eintreten müssen, wenn nicht überhaupt Ge« samtvorstand und Weimarer Konferenz verhindert hätten, daß die Rechte und Befugnisse des NeichSfachauSschusseS festgelegt worden wären. Wahr sei ferner, daß er betont habe, die Verbandsvor- sitzenden, die gemäß ihrer nachträgli-ben Behauptungen wohl die Slreikabstimmung, keinesfalls aber den Streikausbruch gewollt haben, hätten zu solchen Exverimenten unbedingt die VersicherungS» angestellten und ihren Reichsfachausschuß befragen müssen. Tatsache sei schließlich, daß mit ihm in einer gemeinsamen Sitzung von Bor- stand und ReichsfachauSsckmß die Frage der Einberufung des Reichs- fachausschusses zum Streikabbruch nicht diskutiert worden sei. Bei der Plötzlichkeit der Entschließung über den Abbruch wäre da« auch sachlich unmöglich gewesen. Unzutreffend sei ferner die Behauptung, daß er. Vollbrecht,„entlassen" worden sei. Er sei vielmehr von seinem Amte als Vorstandsmitglied und Leiter der Reichs- fachgruppe zurückgetreten. Vom Vorstand des Zentralverbande« der An- gestellten wird uns hierzu mitgeteilt, daß die in der an- genommenen Entschließung der Reichskonferenz aufgestellten Be- bauptungen den Tatsachen entsprechen. Dr. Vollbrecht sei als Reichsfachgruppenleiter mit den nötigen Vollmachten ausgestattet gewesen und eS sei daher völlig widersinnig, wenn derselbe für seine Fehler den Vorstand verantwortlich machen wolle. Auch sei seine Entlassung unter AuSbezahlung deS Gehalts bis zum Ablauf der in Frage kommenden Frist erfolgt. Kassenboten-Elend. Zu der unter obiger Ueberschrift in Nr. 138 d«S„vorwärts" veröffentlichten Notiz erhalten wir vom Angestelltenausschuß der Firnra P. Brüninghaus Nachf. eine Berichtigung, die inhaltlich eigentlich nichts anderes besagt, als was die Firma dem Transport- arbeiterverband auf sein vermittelndes Eingreifen im Interesse der schlecht entlohnten Kassenboten betont. Der Angestelltenausschuß bemerkt: „Der erwähnte Angestellte findet fest Jahren nicht mehr als Kassenbote, sondern als Registrator Verwendung. Trotz aller Nach- ficht, die von allen Seiten geübt wird, eignet sich der Mann hierfür absolut gar nicht. Es wurde ihm daher von feiten der Firma schon seit Jahren anheimgestellt, sich nach einer anderen passenden Stellung umzusehen, die er ckhne Zweifel während d«S Krieges bei dem Mangel an männlichem Personal auch erhalten hätte. Ter dann zwischen dem Deutschen Transportarbeiterverband und der Ortsgruppe Berlin des ArbeitgeberverbandeS deS Eisen-, Eisenwaren- pp. Handels abgeschlossene Tarifvertrag regelte ab 1. Oftober 1318 die Lohn- und ArbeitSverbältniss« der Kassenboten und Bureaudiener, welcher aber im§ 2 Absatz 2 folgende Bestim» mung enthält: „Auf Angestellte mit beschränkter Arbeitsfähigkeit finden diese Sätze keine Anwendung. Die beschränkte Arbeitsfähigkeit muß im Einvernehmen mit dem AngeftelltenauSschuß"festgestellt werden." Er erhob nun Anspruch auf den Tariflohn von 880 M. Nach der einstimmigen Ansicht deS Angestellte uallsschusscZ kommt dieser Absatz für den betreffenden Angestellten leider in Frag«, da derselbe nicht in der Lage ist, seinen Obliegenheiten nachzukommen. Die Firma lehnte deshalb die Forderung ab. Gegen diese Entscheidung stand ihm die Anrufung der im Tarif- Vertrag vorgesehenen Schiedsstelle frei, und verstehen wir nicht, warum derselbe diesen einfachen Weg nicht gewählt hat. Nach diesen Ausführungen müssen wir den im letzten Absatz obiger Notiz gemachten Borwurf energisch zurückweisen, denn wir haben den Beschluß nach bestem Wissen und Gewissen gefaßt und keine Veranlassung, nicht brauchbares Personal unter allen Um- ständen zu halten." Wir haben der Entgegnung weitgehende Aufnahme gewäbrt, um zu zeigen, daß die Organisation der Transportarbeiter allen Anlaß hatte, den AngestelltenauSfchutz als einen Ausschuß zur Wahrnehmung der Arbeitgeberinteressrn zu kennzeichnen. Daß die Firma auS Mitleid 24 Jahre einen völlig unfähigen Menschen be- schäftigt bas, wird auch der Angestelltenausschuß dem unbefangenen Leser nickst glaubhast machen können. GeworkschaftSkommisfion und SicherheitSpolize-i. Di« AuS- führungen deS Genossen Meier in der Versammlung der Ge- werkschaftskonlmisision am Donnerstag sind dahin zu berichtigen, daß der Spandauer Magistrat seine Zustimmung zur Errichtung der OrtSwehr nicht versagt hat, fondern daß er sie bisher nicht geben konnte, weil di« Regierung d«n Gewerkschaften gegen» über noch nicht erklärt hat, daß OrtSwehren errichtet werden dürfen und die Llrbeiterschaft deshalb im Augenblick in dieser Hinficht nichts unternehmen kann. Zentralverband der Maschinisten und Heizer, GeschöktSstelle g&rch-Berlin. Sonntag, den 25. April, vormittag« 9 Udr, in den Zentral- seslsälen. Alte Jakobstr. 32, außerordentliche Gencralverfammlung. Achtung, Friseurgehilfeu: Die Sonntagskontrolle findet in solgcn- den Lokalen statt: Slisabethslr. 30, Georg enllr. 24, Belle-Alliance-PIatz 6, Martin-Lutber-Str. 78, Savignyplatz 1 vormittag« 9—1 Uhr. Typograpb. G. m. b. H. Sonnabend nachm.' 4 Uhr: Verfammlnng im bekannten Lokal G. Wedemann. Charlottenburg, DilmerSdorscr Straße 156, III. partelnachrlchten. Ei» vezrrksparteitag für Oldeuburg-OftfrieSland-OSnabrück fand fand am Sonntag in Oldenburg statt. Die zahlreich beschickte Tagung hatte neben einer allgemeinen Aussprache über die politische Lage sich mit einer Reihe organisatorischer Fragen zu beschäftigen. Das Wichtigst« davon ist, daß beschlossen wurde, Elstrabeiträge"für die Wahlen auszuschreiben. Auch über die Frage, ob eine Reichs- konferenz oder ein Gesamtparteitag zu berufen fei. wurde lebhaft gesprocheu. Die Mehrheit.der Delegierten entschied sich für einen Parteitag. Zum Ausdruck kam, daß die Genossen ein- mütig forderten, daß künftig gegen Rechts und besonders gegen die Militärfteise rücksichtslos durchgegriffen werden müsse. Das kam auch in einer entsvrechenden Entschließung zum Ausdruck, die ein- mütig zur Annadnie gelangte. Gegen die Tätigkeit des Genossen Noske wurden die schwersten Vorwürfe erhoben und auf Grund der letzten Mitteilungen aus dem Hauptausschutz dann die bereits veröffentlichte Kundgebung an die Fraktion der Nationalversamm- lung gerichtet. Da für den Freistaat Oldenburg die Landtags- wählen am gleichen Tage staltfinden, wie für den Reichstag, be- schästigte sich die Konserenz auch mit der Aufftellung der Kandi- datenliste für �iese Wahlen. Eine Generalversammlung der Landkreise Breslau uud Nennt ork stellte den Genoffen S r o w i g als Reubstagskandidaten auf. Die ordentlichen Beiträge für die Parteiorganisation wurden von 80 Pf. auf 1 M. erböht. Außerdem soll jedes männ- liche Mitglied 3 M.. jede« weibliche Mitglied 2 M. zum Wahlionds steuern.— Die Ortsgruppe Nordhausen, die sich erireulicher« weise sehr gut entwickelt, beschloß zur Bestreitung der Wahlunkostcn einen Pflichtbeitrag von 3 M. pro Mitglied zu erheben mit der Matzgabe, daß die Beschränkung nach oben unbegrenzter Natur sei. Soziales. Ausbau der Invalidenversicherung. Wie uns mitgeteilt wird, ist nn ReichsarbeitSmrnisterium dcr Entwurf eines Gesetzes über Abänderung des die Invaliden- und Hinterbliebenenverficherung behandelnden IV. Buches der ReicbS- versicherungsordnung fertiggestellt. Während bisher fünf Lohnklassen bestanden, deren höchste einen JahreSarbeitSverdienst von 1130 M und mebr umfaßte, find jetzt 8 Lohnklaffen vorgesehen, und zwar bis 350 M., von mehr als 530 bis 830 M., von mehr als 850 bis 1150 M., von mehr als 1130 biS 2000 M., von mehr als 2000 bis 3000 M., von mehr als 3000 bis 4000 M., van mehr als 4000 bis 3000 M. und von mehr als 5000 M. Die Wochenbeiträge für diese Lob n klaffen werden vor- auesichtlich bc. ragen 100, 110, 120, 140. 160. 180, 200, 240 Pf. Entsprechend den erhöhten Beiträgen sind wesentlich er- bähte Leistungen vorgesehen. So würde z. B. ein Vcr- sicherter, der 2000 Beiträge in derjenigen Lohnklasse entrichtet ha., welche einem Jahresarbeitsverdienst von 1150 bis 2000 M. entspricht, im Falle der Invalidität eine jährliche Rente von 710.40 M. erhalten. Die invalide Witwe eines solchen Versicherten erhielte 314,40 M. an jährlicher Rente und jede Waise 137,20 M. Nach dem oiSher geltenden Gesetze hätte nur eine Invalidenrente von 330,00 Mark, eine Witwenrente von 132,40 M„ eine Waisenrente von 76,20 M. gewährt werden können. Die früheren Renten sind dadutch erhöht worden, daß die bis- herigen Zulagen dauernd belassen werden. Neue Zulagen von monatlich 4 M. find für die bisher gewährten Waisenrenten ein- gefübrt. Der Aufibau neuer Lohnklafsen führte notwendig zur Prüfung der Frage, ob die Angestellten, die bisher bei einem Einronrmen bis zu 2000 M. auch von der Invalidenversicherung erfaßt werden, Wetter injhr verbleiben sollen. Der Entwurf hat diese Frage da- durch gelöst, daß er die Angestellten künstig nicht mehr zwang?- weis« der Invalidenversicherung unterwirft. Damit soll jedoch der endgültigen Entscheidung der Frage nicht vorgegriffen werden, o b überhaupt die Angestelltenversicherung als be- sondererVersiche»!, ngszweigaufrechtzuerhalten i st. Neu einbezogen sind in die Invalidenversicherung die Hausgewerbetreibenden, von denen bisber nur die der Tabak- induftrie und einiger Zweige der Textilindustrie versichert waren. Die Durchführung ihrer Versicherung ist im Hinblick aus die Ver- schiedenheit der Verbältnisse den Landesversicherungsanstalten über- lassen. Bon sonstigen Neuerungen seien folgende hervorgehoben: Die nur gegen freien Unterhalt Beschäftigten werden der Pslichtleersichc- rung unterworfen. DaS Ruhen von Renten neben höheren Renten der Unfallversicherung wird beseitigt. Ferner werden der Bezug der Witwenrente neben der Rente der Witwe auS eigener Versicherung und die Gewährung doppelter Renten an Doppelwaisen, wenn Vater und Mutter versichert waren, zugelassen. Bei Doppelleistungen soll aber der Reichszuschuß nur einmal gewährt werden. Da? Witwengeld und WaisenauSstcuer, die nur einem kleinen Teil der Versicherten geringe einmalige Leistungen zugcfübri haben, sowie die nur ganz geringfügig beanspruchte fteiwillige Zusatzversichc- rung sollen beseitigt»er, den. Ter Entwurf siebt ferner vor, daß die Instanzen der J«validenversickeriing an Entscheidungen der Instanzen der Unfallversicherung und Militärversorgung, die Ren- ten von über 66 v. H. zugesprochen baben. gebunden sind und mildert besonders die Vorschriften über den Verlust der Anwart- schalt. Eine grundsätzliche Aenderung in dem Aufbau der Invaliden- Versicherung und die Frage ihrer Zusammenlegung mit anderen Versicherungszweigen überläßt der Entwurf der kommenden Um- gestaltung der gesamten Rcichsversicherung, Berantw. Kr de» rcdaition. Teil: Art»r gickler. Tdarlottenburz: für Anzeigen: Td. Slocke, Berlin. Bcrlaii: Borwärts-Verlaq