Nr.Sl3.37.Ialfrg. BezunövretS; B irtel!0l)ti.2l.— iJIUmonatl.7,—®t. ftsi ms»aus noraus ahidar. Poft- ouuq ffianatlidi 7,— illt- ertL Zu- ftellunqsflfbütit. Unter SteujbonD für öeittldilano unO Oeitemt*■ Ungarn 103'' DU, für aas übrtgi Ausland 1430>!!« bei täglich emmat. Zustellung 1330 Mi. Post�esieUungen nebmen an Sanemari äbllano..uremburg. Schweben und bie Schwert. Sin» getragen in die Post- 3eiiungs- Vreisliste. Der..Vorwdr!?' mü der Sonntags- beiiage.Boii u-Seif ericheint wochen- 'ägiia) tmeimaL Sonntags etntnaL Zetenrainm-Abreste j5o}lall>smo(cal Berlin" Abend Ansgare BcHluct Nolksblatt ( 20 Pfennig� DnzetaenpreiS, Sie afbtgeibalteni SloncareiHegene koste. 2.50 Ul., Teuerungszuschlag 50"/j. »Sieine Anzeigen", Das teil- gebrückte Wort 75 Psg.(zulässig zwei sengebruckte Worte), sedes weitere Wort 50 Pfg. Stellengesuche und Schiafstellenanzeigen das erste Wort 65 Pfg. ,ebes weitere Wort«0 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zäsiien für «oei Worte. Teuerungszuschlag 50°/». Somilien■ 7tn, eigen, politische und gewertichastiiche Vereins» Anteigen 2,— Ml. die Seile odne Aufschlag. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis 5 Ahr nachmittags UU SauptgeschSli. Berlin SW 63. Linden- fttosie 3. abgegeben werben. Seijffnrt oon 9 Uhr Itiih bis 3 Uhr abends. Zentralorgan der rozialdemokratirchen Partei Deutfchlands Ncüaktion und Expedition: 623.6$, Lindenstr. Z. acrn'drerttcr; ilmi Morinvinii. Nr. 15190— 1»! 97. Dienstag, den Ä7. April vorwärts-verlag G. m. b. y., SW. 6$, Lindenstr. Z. Kernivrecher: Amt'Moritivia«,'Ztr. 117 5a— 54. Wahlen in Dänemark. Niederlage der Radikalen. Kopenhagen, 27. April. Gestern fanden die Wahlen zum Folleihing statt. Nach dem vorläufigen Ergebnis wird sich das Folkcthing wie folgt zusammensetzen: Konservative Partei 28 Bi'andate, Gewinn 6 Mandate? Partei der Linken 48 Mandate, Gewinn 4 Mandate; Radikale Partei 17 Mandate, Verlust 16 Mandate; Sozialdemokraten 42 Mandate, Gewinn 3 Mandate; ErwerbSpartei erhält 4 Mandate, Gewinn 3 Mandate. Die Wahlen bedeuten' eine Niederlage der radikalen Partei, die daS Ministerium Zahle gebildet hatte. Kopenhagen, 27. April. Auf Grund des Wahlergebnisses erwartet man die Bildung einer Negierung der sog.„LinkS- M o d e r a t e n". Die Erklärung üer Entente. Die Erklärutig der Entente, die den Nisderschlog der De- sprechungen von San Nemo über das deutsche Problem zu» sammcnfajzt, liegt nunmehr im Wortlaut vor. Sie stimmt im allgeinoinen mit den bereits veröffentlichten Auszügen über- ein. Hinzuzufügen ist mir noch, daß die Entente ausdrücklich vermerkt, Deutschland habe„weder Genugtuung ge- feben, noch sich entschuldigt für die An- chläge, die wiederholt auf Mitglieder alliierter Missionen oerübt wurden". Also auch hier zeigt sich wieder, wie sehr uns die Nadauhelden und frommen Dulder von Adlon, die ein gar nicht Königlicher Ge- richtSlierr mit Kgl. Hoheit und Durchlaucht anzureden sich verpflichtet fühlt, geschadet haben und weiter schaden. Im übrigen muß man anerkennen, daß sich die Erklärung in loyalen Formen bewegt, und, wenn wir mit Verheißungen und Versprechungen auch bereits genug gefüttert worden sind, erfüllt es doch mit Genugtuung, wenn es üi der Erklärung heißt: .Wenn man zu einer nach jeder Hinsicht befriedigenden Re- gelung gelangt, werden die alliierten lllegierungen geneigt sein, mü den deutschen Vertretern alle Fragen zu diskutieren, die sich auf die innere Ordnung und das wirtschaftliche Wohlergehen Deutschlands beziehen." Damit drückt die Entente u. a. auch ihre Bereitwilligkeit aus, über die endgültige Kontinentierung der Reichswehr in Verhandlungen einzutreten. In dieser Hinsicht ist es von Jnterefse. daß die französische Presse noch immer unter dem Abdruck eines sich heimlich zu neuen Kriegen rüstenden Deutschland le�et. Man erkennt jetzt an, daß die Gesamtziffer bei m Rtihrgebiet liegenden Truppen auf das erlaubte Ma' �.irabgesetzt wurde, glaubt jetzt aber die Gefahr darin sehe-, zu müssen, daß trotz Ver- Minderung des inneren Bestandes der Einheiten, die Zahl der einzelnen Einheiten über das Zuge- ständnis hinausgehen...Die Deutschen wollen Cadres be- halten, in die man beim ersten Signal eine Menge Frei- willige einstellen kann." Das mag mit einer der Gründe gewesen sein, aus dem man in Frankreich auf die Drohung mit militärischen Maßnahmen nicht verzichten wollte. Lloyd George machte in dieser Frage Millerand Konzessionen, und Japan nebst Belgien schlössen sich an: nur Nitti beharrte mit dankenswerter Energie auf seiner Opposition. öetnebsrätewahlen im Ruhrgebiet. Aus dem Ruhrgebiet wird uns gemeldet: vis Montag lagen beim Bergarbeiterband die Resultate der Betriebsräiewahlen von 93 Zecken vor. Danach haben erdalten: Der Berg- arbeiterverband 31 K4l3 Stimmen und 482 Mandate, der christliche Gewerbederein 15222 Stimmen und 134 Mandate, die polnische Berufsvereinigung 6512 Stimmen und 51 Mandate, der Hirsch- Dunckerschc Geweriverein 440 Stimmen, kein Mandat, die Unio» nisten, Freie Vereinigung. Syndikalisten usw. 24 651 Stimmen und 243 Mandate. Zu ver letzten Eiulpc ist zu sagen, daß die Zahl ihrer Stimmen und Mandate durchaus nicht der absoluten und relativen Organisvtionsstärke dieser Gruppe entspricht. Auf eine erhebliche Zahl von Gruben haben BelegschasiSversammlungen entgegen den Anweisungen der Verbandsleitungen ausgesprochen parteipolitische Kandidatenlisten aufgestellt, wobei lokale Führer der U. S, P. D. die Treiber waren.»Von da bi« zu.ge- m einsamen Listen" der U. S. P. D. und der K. P. D. war nur ein Schritt. Aus diese Müchmaichlisten ließen sich auch nicht wenige Mitglieder des BergaibeiterverbandeS als»genleitischattliche Kandidaten" nennen; man nomieite sogar Unorganisierte und BelegschastSmitglieder. die sich als Gelbe einen.Namen" gemacht haben. Es führt also durchaus irre, wenn man die 24651 Stimmen und 243 Mandate den.Unionisten" zurechnet. Die Krise in Jugoslawien.. Zu den Vorgängen in Jugoslawien gibt uns ein in Ver- lin weilender jugoslawischer Parteigenosse sol- gende Aufklärungen: Verläßliche Nachrichten besagen, daß in Subotica(Sza- badka), bekanntlich eine der größten Städte des ehemalig un- garischen Kornlandes Banat-Bacska-Baranya jetzt Vojvodina, unter den Magyaren ein» Auf st and ausge» b r o ch e n i st. 3 Polizeibeamte smd getötet und viele Per- sonen schwer verwundet: die Führer der Revolte sind bereits von den Behörden-ergriffen und beträchtliche Waffendepots entdeckt und beschlagnahmt worden. Gleichzeitig währt ein Eisenbahncrstreik. welcher poltitiickzen Charakter trägt, weiter fort. Aus diesen Nachrichten kann man bisher noch nicht schließen, ob man von einem General streik ans den Eisen- bahnen spreckzen darf, oder, was wahrscheinlicher ist. nur von großen Teil streiks auf jenen Linien(Vojvodina. Krv- atien-SIawonien), wo zum großen Prozentsatz Magyaren in Ermangelung jugoslawischen Personals den Verkehr auf- recht erhalten. Dagegen ist mit ziemlicher Sicherheit an zu- nehmen, daß es sich hier um notionalpolitische Be- strebungen der magyarischen Elemente zwecks Rückverleibung Slldnngarns an das Mutterland handelt— bloß unter kommunistischer Maske, was um so paradoxer ist, da in Unzarn der weiße Schrecken wütet. Wie bekannt, verlangen die Magyaren, bevor sie den ihnen von der Entente präsentierten Friedensvertrag unter- schreiben, daß in den durch die Surcessionsstaaten und R»- mänen okkuperlen Gebietsteilen durch Volksabstim- mung die Staatszugehörigkeit entschieden wird. Der Ans- stand ist als Demonstration für Ungarn auszu- fassen. Im gegenwärtigen Kabinett, aus Mitglieizern der ser- bischen Altradikalen, des kroatischen Notionalklubs und der slovenischen Klerikalen zusammengesetzt, kriselt es ickzon seit zwei Monaten, d. i. seit der Ernennunq. und da bediirrte es nur einer äußeren Veranlassung, um es zum Falle z» brin- gen:»in breitere? Koalitionsministerium im Verein mit dem Demokratisch- sozial! st i scheu Block diime folgen. Die NuSruknng der Republik in diesem Augenblick kann ich aber— trotz der unleugbaren Fehler, die der Hos in den letzten Johren beging— kaum glauben; noch weniger an «inen kommunistischen Staatsstreich. Er hat's nicht nötig. Ter stolze Admiral v. Leveyow. Der.Lokal-Anzeiger" bringt eine Darstellung der Kieker Vir- gänge in der Zeit des Kapp-PulscheS, die in der deutlichen Tendenz veriatzt ist. die abgesetzten Oifitiere zu rechtfertigen und die regie« rungStreuen Mannschaften inS Unrecht zu setzen. Dabei mutz daS reaktionäre Blatt aber doch folgendes in seine Schilderung ein- flechten: Um 5 Uhr 8V Min. dorrnitiagS baben Mitglieder der Sozial- demokratischen Partei, unter ihnen Dr. Heller, den StalionSckes telephoniieb gefragt, wie er sich zu dem Staatsstreich in Berlin stelle; Admiral V. Levetzow hat eine Antwort ans diese Frage veriveigert, da er sich nicht verpflichtet und berechtig» fühlte, einzelnen ihm versöniich unbekannten Mitgliedern einer Partei Auskunft über sei« Verhalten als Militärbefehlshaber zu geben, Ein Admiral. der im lrittichen Moment aus die Frage, zu wem er stehe, stolz die Antwort verweigert, ist allerdings eine überaus vertraueneinflötzend« Erscheinung. 0 Inzwischen trifft au» Kiel die Meldung ein, daß der stolze Admiral v, Levetzow in Swutzhaft genommen worden ist und sich zurzeit aus dem Wege nach Leipzig befindet, wo er sich vor dem Reich«ge riebt zu verantworten haben wird falls er sich nicht auch zu dieser Verantwortung„nicht veipflichlet fühlen" sollte. • Ein eigener Bericht meldet uns auS Kiel noch: Die bürgerliche Presse, besonders die„Vossische Zeitung" und per„Lokalanzeigcr", haben Nachrichten verbreitet, die auf den gl«!- chen Ton gestimmt sind, wie die Auslassungen de? früheren Reichs» weHrministerS N o S k e im HauSkaltSauSschuß der Nationalver- sammlung. AuS den bürgerlichen Pressemeldungen kann die Be- völkerung im Reiche herauslesen, daß bei der Marine in Kiel alle? drunte.r und drüber geht und daß der ausgesprochenste BolschewiS- muS dort herrsche. Ties« falschen Meldungen werden offensichtlich von den beurlaubten Offizieren in die Presse lanciert zu dem Zwecke, ihr« Ilne.ntbehrlichteit zu beweisen. In Wirklichkeit sind die gegenwärtig W Kiel herrschenden Zustände die denkbar besten. Die Disziplin ist unter Leitung der jetzigen! Offiziere besser als unter der früteren Admiralität. Tie Marine fetzt auS bog reist ick«„ Gtünden jetzt alles daran, um zu beweisen, daß die Angelegenheit der Admiralitä: absolut keine Lebens- frage für eine republikanische Marine bedeutot. In der„Berliner VolkSzeilrmg" ist iestgestellt. daß sich die Arbeit«. le i st u n g gegen früher verdoppelt hat. Die Schiff« wer« den früher seesahrbor als die» vorher der Fall gcivesen ist.' Das Schreckgespenst. Von Friedrich Wilhelm I., dem wirnderMfen Tyrannen Preußens, geht die Geschichte, daß er einst einen seiner Unter- tonen, der ihm auf der Straße auszirweichen sucht«, mit seinem Krückstock braun und blau schlug und dazu brüllte:„Ihr sollt mich nickst fürchten, Ihr sollt mich lieben I" Di« Deutschnationalen rühmen sich, daß noch heute der altpreußische Geist in ihnen fortlebe, und wenn sie die mit Stockschlägen einzubläuende Liebe meinen, so haben sie nicht unrecht. Der Putsch der Kapp und Lütkwitz war ja ein groß- angelegter Versuch, dem altpreußischen Militarismus die Liebe des Volkes durch stand rechtliche Erschießung aller nicht Mitliebcnden zurückzuerobern. Nachdem diese bei Todesstrafe anbefohlene Liebe sich als untauglicher Versuch erwiesen hat, müssen die Deutschnatio- nalen bedacht sein, sich mit anderen Mitteln die Liebe der Menge zurückzugewinnen. Da aber nach ihrer Auffassung die Liebe nur immer ein« Folge der Furcht sein kann, so be- ginnen sie einstweilen mit der A n g stei n f l ö ß u ng. Ist die Angst erst da, so wird sich nach ihrer Meinung die Liebe ganz von selber daraus ergeben. Aber diesmal hat die Angst nicht von ihnen selber aus- zugehen, sondern die Gefahr muß so beschaffen sein, daß aus dem Höhepunkt des Schreckens die Deutschnationale Volks- Partei, umgeben von meineidigen Generälen und Beamten, als r e t t e n d c r Engel auf der Bildfläche erscheint, wor- aus ihr das Publikum gerührt an den Hals sinkt. Kurz und gut: die deutschnationale Presse zieht alle Register des Bol- s ch e w i st e n s ch r« ck e n s in der Hoffnung, damit doch noch in letzter Stunde vor der Wahl auf den furchtsamen Philister Eindruck zu machen. Enthüllung jagt Enthüllimg. Note Armeen werden mit einem Federstrich in allen Teilen Deutschlands aus dem Boden gestampft. Man nennt Zahlen: 40 000, 80 000, 100 000. Man sieht rote Gcneralstäbe, und auf wen das alles noch keinen Eindruck macht, für den taucht noch— huhul— die „Schwarz« Hand" unter Eichhorn im Hintergrunds auf! Nun wissen wir ganz genau, daß der Putschisnms der äußersten Linken nock, keineswegs ganz ausgestorben ist, wenn er auch infolge seiner Niederlagen von Januar bis Juni 1019 ganz erheblich abgeflaut war. Etwa von diesem Zeitpunkt ab konnte man sehr deutlich eine Abkehr der links- radikalen Arbeitermassen von'derartigen Unternehmungen bemerken. Auch bei den Parteien der äußersten Linken war in ihrer Stellungnahme zu Putschversuchen eine offensichtliche Schwenkung eingetreten. Wenn irgend etwas dem in den letzten Zügen liegenden Linksputschismus in Deutsch- land neuen Lebensodem eingeflößt hat, so waren es die P u t sch i st« n von rechts. Die„Deutsche Zeitung", � die seit drei Tagen ihr gesamtes Papier mit Tartarennach- richten über spartakistische Kampfpläne und spartakistischen Terror füllt, dürft« sich beruhigt zugestehen, daß sie. wenn auch nur ein Zehntel ihrer Angaben zuträfe, vor den F r ü ch- ten ihres eigenen Tuns stände, sie, die den Putsch von rechts so lange g ep red i gt und glorifiziert hat. bis er da war. Aber nehmen wir selbst einmal an, daß kleine fparta- kistische Konventikel an militärischen Aufstandsplänen ar- beiten, wobei sich wunderschön auf dem Papier 10 000 Bewaff- nete angeben lassen, wo nachher in Wirklichkeit keine hundert sind, so wissen wir eins sicher: auch der bestorganisierte sparta- kistische Aufstand kann militärisch noch nicht ein Zehn- t e l so gut vorbereitet sein, als es der Kawi-Lüttwitz- Putsch war. Das war doch militärisch betrachtet, eine ganz andere Geschichte, wie am Schnürchen aufgezogen, von ersten Fachleuten dirigiert, nicht mit schnell zusammengerafften Haufen, sondern mit erstklassigen einexerzierten Truppen und geschulten Verbänden arbeitend. Wo soll Spartakus etwas Aehnliches hernehmen? Nun verweist die Rechtspresse auf das Nuhrgebiet, wo allerdings militärisch« Formationen, die Freikorps Licht- schlag und L ü tz o w von einem Arbeiter Heer besiegt worden sind. Aber gerade damals war es nicht das militärische Mo- ment, da? siegte, sondern gerade daS psychologische. Dieser Sieg wäre niemals denkbar gewesen, wenn nicht die ganze Bevölkerung in dem Gefühl, vom Militär ver- raten und betrogen zu sein, sich einmütig und ohne Unterschied de? Partei hinter die Bewaffneten gegen das Militär gestellt hätte. Die Rechlfertiger des Kapp-Lllttwitz- PntscheS rühmen diesem jetzt nach, daß er die„Eiterbeule" des sorgsam vorbereiteten SpartakistenaufftandeS im Rubrgebiet rechtzeitig aufgestochen habe. O nein, der Kapp-Lüttwitz- Putsch hat höchstens bewirkt, um im Bild« zu bleiben, daß ein kleiner Pickel zu einer Eiteibenle anschwoll. Mochte selbst im Rnhrgebiet von spartakistischer Seite für daS Frühjahr ein Putsch vorbereitet sein, wosi'ir Beweise übrigens bis heute noch nicht erbracht sind, so wäre dieser Putsch ohne das Verbrechen der Lüttwitzianer w i r k u n g s- los verpufft. Neun Zehntel der Arbeiter, die im März ihr Loben in die Schanze schlugen, um die bedrohte Volksfreiheit zu retten wären ohne die„Kappesköppe", wie der rheinische Arbeiter die Rechtsbolschewisten humorvoll nrrrmte, zu Hause gcchlieben, weil sie gar keineu Grund für ein bewaffneies Losschlagen gesehen hätten. Und genau so steht es mit den angeblichen Putschvorberei- tnngen in Mitteldeutschland, über die jetzt von der Rechts- Presse Wunderdinge erzählt werden. Sollten wirklich in Kon- ventikeln irgendwelche Pläne ausgeheckt werden, so gibt es doch nur eine Seite, die diesen Plänen Bedeutung und Aus- ficht verschaffen kann, Und das ist, so tobsüchtig sie sich ge- bärdet, die N e ch t e I Sie ist sckwn auf dem besten Wege dazu. Wenn die „Deutsche Tageszeitung" die Berliner Sicherheitspolizei als „vor dem Zusammenbruch stehend"-verleumdet, weil sie seit den Märztagen republikanisch zuverlässiger gestaltet worden ist, so spricht aus solchem Gezeter ganz deutlich die W u t der enttäuschten R e ch t s b o l s ch e w i st e n, die von einem zweiten kampflosen Einzug in Berlin ge- lrärnnt hatten. Und daß mit dem Gedmrken eines zweiten Lüttwitz.PutfcheS immer noch gespielt wird, das beweist die Kapp-Schwester des Agrarierblattes, die„Deutsche Zeitung", die ihren neuerlichen Alarmartikel, der für den 1. Mai die Räterepublik in Berlin prophezeit, mit den Worten schließt: Di« Negierung, die di« Gefahr nicht ecken neu will, hat ab- gudanken. Wir verlangen eine Reeierung der Tat. „Regierung der Tot", das war bekanntlich der Titel, unter dem sich die Kapp, Bredereck und T r a n b in der Wilhelmstraße niederließen. Diese Worte zeigen jedem Sehen- den, auf welche Regierung der Borfasser des Artikels, der Rechtsbolschetvist Wulle, hinsteuert. Und darum: nur hier, allein hier bei den Rechtsbolfchewisten liegt die Zukunft und Aussicht des L i n k s b o l s ch e w i s m u s. Herr Wulle, der angebliche Warner, er ist es, der daS Wasser auf die Müh- len der L inksb ol schowi sten leitet. Er mag in noch so düsteren Farben die Gefahr eines Räte-Berlins noch dem Muster Räte-Münchens malen, es bleibt deswegen doch wahr: wer sich aus Angst vor solchem Schreckensbild unter die Fittichs der Rechtsbolfchewisten flüchtet, gerade der hilft es her- beiführen I « Vom Staatskommissar für die öffeutkiche Ordnung wird zu den„Enthüllungen" der„Deutschen Zeitung" mitgeteilt: Der sogenannte Kampfplan stellt sich als das Phniitoste- volle Produkt eines reichlich verschrobenen KommunistcnkopfeS dar. Für die Beurteilung der wirklichen Sachlage, die, wie wioderholt seh dem Staatskommissar wohl bekannt ist. kann er nicht maßgebend sein. Di« an ihn geknüpften Befürchtungen find daher, wie schon gestern gesagt wurde, maßlos übertrieben. tzaenisch für öZe Maifeier. Unter der Ueberschrist„Harnisch gegen die Maifeier" brachte die„Freiheit" einen Angriff auf den Unterrichtsminister. Dieser erwidert darauf: Schon vor einigen Wochen habe ich veranlaßt, daß im Preuß. Staatsministerium die Erklärung des 1. Mai zum allgemeinen Staatsseiertag erörtert wurde. Außer mir waren auch die übrigen sozialistischen Minister selbstverständlich dafür, daß der 1. Mai in diesem Jahre ebenso von Staats wegen gefeiert werde, wie im vorigen Jahre. Wir verschlossen uns aber schließlich nicht dem Einwände, daß eine solche Regelung nicht für Preußen allein getroffen werden könne, sondern daß es dazu einer ein- heitlichen Anordnung für das ganze Reich bedürfe. Der Ministerpräsident Genosse Braun hat sich in diesem Sinne denn auch sofort mit den Reichisnstanzen in Verbindung gesetzt. Ich selbst habe, da füt mich der Schulmaifeiern wegen die Sache von ganz besonderer Bedeutung war, das Gleiche getan, insbesondere habe ich mündlich und schriftlich bei den maßgebenden Stellen im Reichsamt des Innern und bei dem Bureau der National- Versammlung immer wieder darauf hinzuwirken gesucht, daß der mehrheitssozialfftische Antrag, den 1. Mai 1920 zum allgemeinen Feiertag zu erklären, unverzüglich verabschiedet werde. Leider sind meine immer«rneuten Bemühungen, das durchzusetzen, ver. (jeblich gewesen. So habe ich mich denn, da die Zeit außer- ordentlich drängte, entschließen müssen, wenigsten» für Preußen Deutsthlanös höchstes Observatorium. Die Wetterwarte auf der Zugspitze. Das meteorologische Observatorium auf der bei Garmisch- Partenkirchen gelegnen Zugspitze, Deutschlands höchstem Gipfel, kann in diesem Jahre, worauf der„Prometheus" hinweist, ein Jubiläum begehen. Am 29. Juli 1900 wurde die Wetterwarte er- öffnet, zwei Jahrzehnte ihrer Tätigkeit werden sich also bis zum Sommer erfüllen. Das Observatorium wurde von dem Erbauer dsS München er Hauses, Kommerzi enrat Wen,;, in mustergültiger Weise errichtet. Der Bau erforderte 20 000 M. Der Turm auf der Zugspitze ist daS einzige Observatorium Bayerns erster Klasse und mft vorzüglichen Wissenschaftlirben Instrumenten ausgerüstet, seit 1911 auch mit einer drahtlosen Starion, die neuerdings zur Messung elektrischer Wellen dient. Das Klima auf der Zugspitze ist dem arktischer Zonen zu der- gleichen. Der Gipfel ist infolge der Zirkulationsveckältnisse der Luft kälter als die freie Atmosphäre. Die Zugspitze hat 230 Win- ter- und 320 Frosttage. Die Kälte, besonders empfindlich bei den hauptsächlich aus Nord und Nordwest, oft 00 Sekundenmeter stocken Stürmen, beträgt zuweilen bis 35 Grad Celsius, DaS sind aber Ausnahmefälle, das JahreSminimum liegt bei 25 Grad Minus. Selbst im Hochsommer, im August, sind einige Grade unter Null keine Seltenheit. Behaglich toarm wird es oben nicht oft. 10 Grad über Null ist schon die durchschnittlich höchste Tagestemperatur. Tor Wonnemonat Mai ist auf der Zugspitze dem Januar des Tales gleich, der August etwa dem November. Die Zugspitze hat nn Juni nur 27 Prvz. des astronomisch möglichen Sonnenscheins, im Januar dagegen 47 Proz., was eine auffallende Bevorzugung der Hoch- station zur Winterszeit darstellt. Nebeltage hat Packenkirchen durchschnittlich nur 23, die Zugspitze dagegen 245. Die Sommer- monat« find sehr häufig neblig, der Juni hat sogar 26 Ncbcltage. Die Bewölkung, die mit 77 Proz. am stärksten im Juni ist, ist mit 30 Proz. am geringsten im Januar, der schon so wolkenlose Tage zeigte, daß man glauben konnte, italienischen Himmel vor sich zu haben. Selbst der Föhn, der im Tal bis zu 35 Grad Wärme bringen kann, erhöht oben die Temperatur nicht, er macht sich im Gegenteil als feuchter, böiger Wind sehr unangenehm bemerkbar. . Der Winter erschwert die wissenschaftliche Tätigkeit oft sehr, Eis und Schwee überziehen die Instrumente, die immer wieder ge- reinigt werden müssen.' Leider sind die ZukunftsauSsichten des Observatoriums sehr trübe. Wenn nicht Hilfe kommt, so wird eS wohl sein 25 sährig es Jubiläum nich, erloben, sondern in einem Jahre schon geschlossen werden wüssen. Die Teuerung aller Verhältnisse ist daran schuld; kostet doch heute ein Zentner Kohlsn, der vor dom Kriege für 1 M. zu habe« war, daS Zchw erne vorläufige Regelung auf dom Verordnungswege vorzunehmen. Daß dies« Regelung oie berechtigten Wünsche der sozialistischen Arbeiterschaft nicht befriedigt, weiß ich natürlich selbst. In Ermangelung, eines Beschlusses der verfassungsmäßigen In- stanzen im Reich und in Preußen konnte ich aber nicht mehr tun, als die Regelung in die Hand der einzelnen Ge- m e i n d e n zu legen, anzuordnen,, daß die staatlichen Schulen sich nach den Beschlüssen der Gemeinden, in denen sie biegen, zu richten haben, und darüber hinaus zu verfügen, daß auch-dort, wo Ge- meindsbeschlüsse für den Schulansfall am 1. Mai nicht vorliegen, keinem Lehrer und keinem Schüler aus seinem Fernbleibe» am 1. Mai irgendein Nachteil erwachse» darf. • In der Preußischen Landesvsrfammlung wurde heute der An- trag G r ä f- Frankfurt lSoz.), den 1. Mai als gesetzlichen Feiertag zu erklären, und in Verbindung damit ein Antrag Adolf H a f f m a n n tU. Soz.) auf Annahme eines Gesetzes über den 1. Mai als allgemeinen Volksfeierlag beraten. Abg. K r ü g e r- Merseburg(Soz.): Es ist traurig,� daß man der deutschen Arbeiterschaft noch nickt das Zugeständnis ge- macht hat, das ihr zukonrmt.(Unrube recht?.) Krüger spricht bei Schluß der Redaktion sock. Die Untersuchung öe? Knegsschulö. �nr Amtsniedcrlegunq Tr. O.uarcks. Genosse M e e r f e l d t schreibt uns: Die in der Sonntagsausgabe des„Vorwärts" veröffent- llichte Erklärimg Dr. Oimrcks, die seine Amtsniederleguna als Vorsitzender des ersten Unterausschusses des parlamentarischen Untersuchungsausschusses zu begründen versucht, veranlaßt mich zu folgenden Feststellungen: Unter den sozialdemokratischen Mitgliedern des Aus- schusses bestand keine Meinungsverschiedenheit darüber, daß es dringend erwünscht sei, die bereits vor- liegende, recht umfangreiche schriftliche Beweisaufnahme (siehe erste Beilage des„Vorwärts" vom Sonntaa) noch vor Schluß der Nationalversg'vmhing durch die mündliche Ver- nehmung einiger hcrvortg�end beteiligter Personen zu er- gänzen. Die Geschäftsla�'�r Nationolversammlung machte es jedoch ganz unmöglich, solche öffentlichen Sitzungen des Unterausschusses anzuberaumen, solange das Plenum tagte. Gegen den Vorschlag Dr. Quarcks, die Vernehmungen nach Abschluß der eigentlichen Tagung zu veranstalten, also Ende dieser sowie Anfang nächster Woche, wurden aber von allen Seiten sehr schwerwiegende Bedenken gel- tend gemacht. Die Abgeordneten drängen nach«mifc, sie wollen in ihre Wahlkreise. Unser ganzes politisches Leben ist schon aus den Wahlkampf eingestellt. Die Anteil- nähme der Oeffentlichkeit an den Vernehmungen des Untersuchungsausschusses war schon vor zwei Wochen, als Graf Bernstorff wieder vernommen wurde, mehr als beschei- den, sie würde sich inzwischen todsicher noch weiter re- du ziert haben. Den Aufgaben des Ausschusses ist aber selbstverständlich nicht damit gedient, wenn er vor gähnend leerem Saal und ohne das vielstimmige Echo der Presse ver- handelt. Ohne die intensive Anteilnahme weiter Volkskreise droht seine Tätigkeit zur Karikatur zu entarten. Diese Erwägungen vor allem, die übrigens auch im Seniorenkon- vent vorherrschend waren und von dessen sozialdemokratischen Mitgliedern durchaus als richtig anerkannt wurden, bestimm- hm mich, dem Genossen Quarck nicht zu folgen. Die Fort- setzung und Beendigung der Kriegsschuld-Untersuchung muß Sache des neuen Reichstags sein, dem das unter Dr. Quarcks mustergültiger Leitung gesammelte und ver- arbeitete Material eine sehr wertvolle Vorarbeit bilden wird. llettow-v�rbeck, öer reine' Tor. Kriegsschauplatz Mecklenburg. Die Ereignisse in beiden Mecklenburg tvährend der Kapp-Woche, sowie insbesondere daS Verholten des Generals von Lettow-Vorbeck und seiner Reichswehrtruppen dürfte fache, die Transportkosten sind für den Zentner von 12 auf 50 M. gestiegen, so daß der Verbrauch an Kokken allein den Etat ve» schlingen würde, der für die Hochwarte zur Verfügung steht, deren Schließung für die noch junge metoorologrsche Wissenschaft allerdings einen schweren Verlust bedeuten müßte. » Die ArbeitsleUtungen der KriegSbeschSdigten. Ein wichtiges Problem der sozialen Hygiene wird, wie in der„Münchener Medi- zwischen Wochenschrift" mitgeteilt wird, in einer Umfrage be- handelt, die das deutschöstcrreichische Volksgesundheitsamt veran- staltet. Es handelt sich um die Frage, welche Arbeitsleistungen und welche Beschäftigung überhaupt einem Kriegsbeschädigten mit Rücksicht auf seinen Gesundheitszustand zugemutet werden können. Eine Reihe von namhaften Fachleuten hat bereits die Arbeits» fähigkcit verschiedener Arten von Kriegsverletzten, der Lungen-, Herz-, Nieren-, Magen-, Darm-, Nervenkranken usw. behandelt, und ihre Referate werden demnächst veröffentlicht werden. Um aber ein« möglichst große Menge von Erfahrungen zu vereinigen, werden auch Arzte deS Auslandes, besonders Krankenkassen- �und Unfallversiche- rungs-Aerzte, zur Teilnahme an der Enquete eingeladen. Eine Erweiterung der Gocthc-Gefcllschast, die in Weimar ihren Sitz hat, schlägt Fritz Lienhard vor. Er ist der AnsiM, daS „Goethe- und Schiller-Archiv" sei augenblicklich ge- fährdet. Laut Stiftungswillen soll eS immer mit dem Wohnsitz des Grotzherzogs von Weimar verbunden sein. Das hatte doch wohl den Sinn, daß eS eben mit Weimar verbunden bleiben sollte; die Sck>wlerigkeit, die durch die Vertreibung des Grotzherzogs aus Weimar entstanden ist, kann nur formelle Bedentung haben. Lien- Harb schlägt nun vor, daß die Goethe-Gesellschaft vermittelnd ein- greife. Stiftungsgemäß soll das Archiv auch weiter im Besitz de? Grotzherzogs bleiben, die Goethe-Gesellsckaft aber seine Verwaltung übernehmen und eS mit Unterstützung der Reichsregterung und be» güterter Stifter ausbauen. Die Goctbe-Ges-llsckaft soll zu einer „Goethe-Schiller-Gesellschaft" erweitert werden, die von einem Ehrenrat von 70 führenden Vertretern de? geistigen Deutschlands geführt wird. Lienhard. der fett zwanzig Jahren mit glühendem Ernst daran arbeitet. Weimar zu einem Vorock de? Schutzes der großen Tradirione» deutschen Kulturgeistes zu machen, hofft, daß auf diesem Wege„ein heiliger Hain mitten in der äuße- ren Zerrissenheit und Zuchtlosigkeir der Gegenwack" und damit„die oft schon vorgeschlagen«, doch niemals durchgeführte Deutsche Akademie geschaffen" werde. Diese Akademie soll nach Lienhard« Wort als ein„fteilebendiges Otebilde mit mancherlei sebr ernsthaften Aufgaben" ins Leben treten. Wir glaube», daß er darunter gute Ziele vsrstehl. erinnern unS aber immerhin in diesem Augenblick, Saß er im vorigen Jahr die Verlegung der Nationalversammlung nacb Weimar nur mit schwerem Grämen ansehen konnte. Und sie war doch auch ein frei- lebendiges Gebilde mit sehr ernsthaften Aufgaben. Der„FühZer durch das Schrifttum des deutschen SazialiSmu»", den Ernst Drahn vor Jahresfrist im Verlag für Sozialwissen. schaft herausgab, ist schnell in einer zwelteu Auflage(Preis 4�5 M.) durfte in der Oeffentlichkeit noch nicht genügend bekannt sein. Wir geben deshalb im folgenden eine kurze Dar- stellung der Vorgänge. In Schwerin wurde die verfassungsmäßige Regierung gestürzt; in N e u st r e Ii tz versuchte man dasselbe, und als dies mißlang, setzte man wenigstens den Chef des Sicherheitswesens, den Major M ü I l e r- Brandenburg, in Schuhhaft. Kein Wunder, daß chaotische Zustände in Mecklenburg Platz griffen: Die beiden Barone Lefort-Bock bombardierten mit einem Feldgeschütz, das ihnen Hauptmann F r e y t a g, Res.-Art.» Regt. 9, zur Verfügung gestellt hatte die Stadt Waren; um Gut Kruckow wurde ein Feuergefecht geführt, in das Leu:- nan: Finzenhagen von der gleichen Batterie eingriff, indem er eine Schützenkette von Penzliner Arbeitern, die längst das Feuer eingestellt hatten, mit Schrapnells belegte, angeblich um „moralisch" auf sie zu wirken. Wie verlauteh soll der am 13. März aus der Schutzhaft entlassene Chef des Sicherheitswesens für Mecklenburg- S t r e l i tz den zuständigen Anklageb«Hörden Material gegen folgende Personen zugesandt haben: General von Le ttow- Vor deck. Major Matthias, Major Grun, Hauptmann Freytag, Hauptmann von Frantzius, Oberleutnani Schulz, Leutnant Baron Lefort und die Gutsbesitzer von Oertzen-Salow, von Michael- Voigtsdorf, Baron Malzahn- Kruckow, Lemcke-Ave, MaaS- MollenStorf. Obe rb ah nhof Sv o rst eh e r Döge, RegierungSbaumenfter E g er � Dr. F i p e r und Dr. W.i I d e. Das Heitere an der Geschichte ist, daß L e t t o w- V o r b e ck sich jetzt mit seiner politischen Ahnungs- l o s i g k e i t zu entschuldigen sucht. Diese Ahtiungslosicileit ist den beiden Mecklenburg teuer zu stehen gekpmmen. Öffentlich greift die Justiz mit der alten Schneidigkeit ein, mit der sie einst gegen den Mecklenburger Dichter und„Landes» Verräter" Fritz Reuter und seine Korporativ� vorge- gangen ist. Etwas staatsgefährlicher als die Umtriebe Reuters dürften die jetzigen wohl doch sein! Meuterer'!n Potsdam. Wegen Verfassungstreue verhaftet! Der Offizierstellvertreter Alberti vom Brigadestab der Reichswehrbrigade 3 in Potsdam hat den Regierungsstellen Material über das Verhalten verschiedener Potsdamer Offiziere während des Kapp-Putsches übergehen. Taraufhi-n ist Alberti von der Reichswchrbrigade 2 verhaftet und In. die Potsdamer Garni» son-Arrcstanstalt eingeliefert worden, wo er auch noch heute in- hafticrt ist. In der gleichen Arrestanstalt befinden sich noch mehrere Angehörige des Reichswehr-Jnf.-Reg. 5, die deshalb wegen „M e u t e r e i" angeklagt sind, weil sie während des Putsche? ihren kapptreuen Führern den Dienst verweigert und ihre Käme- raden zum Halten des Treueide? ausgefordert haben!I Beim Retterregiment 4 in Potsdam befindet sich der Rittmeister N e w i g e r, der vor einiger Zeit 14 Angehörige seiner Schwadron wegen ihrer Zugehörigkeit zum Republikanischen Führer. b u n d ohne Gebührnisse entlassen hat, immer noch im Dienst, obwohl der Reichspräsident seine Entlassung vom Reichswehrmini st erium gefordert hat. Dagegen liegen die gemaßregelten Soldaten größtenteils ohne jede Unter» st ü tz u n g auf der Straße. Es muß verlangt werden, daß die Arrestanstalten in Potsdam, Wilnsdorf, Döbevitz und Spandau schnellstens durch eine ZivklregierungSkommission untersucht wer- den, denn es steht fest, doß in diesen Anstalten noch viele Reiche- wehvangehörige fe st gehalten werden, die wegen Ver- fassungstreue unter Anklage der„Meuterei" gestellt worden sind. Zn de» RcichStagSkanbibatiircn. Mir möchten darauf hinweisen, daß eS sich bei der von uns erwähnten Kandidatur des Genossen Hermann Müller in Niederbarnim nicht um den Noichskanzler Müller handelt. �..................' erschienen. Er bat mancherlei Besserungen und wesentliche Aende- rungen erfahren: das Programm, ein Spiegel des Schrifttums der deutschen Sozialdemokratie zu sein, ist über seine Grenzen hinaus erweitert worden. Ais ist, bei dem Herauswachsen deS Büches auS der jüngsten Gegenwart und ihrem mäcktigen Verlangen nach soz:a- Itstischer Literatur, ein ganz natürlisteS Ergebnis. Aus den Kreisen der Politiker, die auf dem wogenden Meere sozialistischer Kamps- bewegung dem Wesen der vielerlei Strömungen nachgehen wollen, wird dem Führer sicherlich Beifall zukommen. Alle sozialistischen, Parteien und Richlungen sind berücksichtigt worden, auch das kam- munistisch-anarchistlscke Sondcrfekd und auch die Literatur der Gegenschriften, und Drahn, als ein spürtüchtiger Flugschriftensammler. der den lebendigen Tag zu beachten weiß, hat in dieser Hinsicht etwas zu bieten,»as als eine Besonderheit gelten darf. Als ein wetterer Vorzug des Führers ist hervorzuheben, daß die Ver- öffentlichungen über die Geschichte der Revolution von 1918 so gut wie lückenlos und recht übersichtlich aufgezählt sind. DaS Echo, daS die bolschewistische Bewegung in Deutschland in lebhaftem Für und Wider � fand, zeigt sich au? breitem Raum. Bereicherungen sind eine kurze Skizze.- der sozialdemokratischen Presse, ein Verfasser- Verzeichnis und die Angaben über den Umfang der genannten Schriften. Es ist darauf gesehen, das zu nennen, was noch im Handel zu haben ist. Das Buch zeigt also in jeder Hinsicht den Willen, ein aktuelles Buch zu sein. ge. Der Film al» Stütze der Kunst. In Christiana, wo die Kino- theater ver stadtlicht sind, haben sie sich als ein gutes Geschäft für die Stadt erwiesen und man wendet den Ueberschuß auch auf verdienstliche Weise an. Das geht aus folgender Veröffentlichung über die Verteilung der Gewinne im zweiten Halbiahr 1919 hervor. Für daS Volkstheater sind ausgeworfen 400 000 Kr., für Auffüh- rung eines Ateliergebäudes für den Bildhauer Pigeland 150 000 Kr., ftix ein neues Konzertbaus 100000 Kr., für Schulfilme 50 000 Kronen. Schließlich sind 200 000 Kronen für einen Fonds zurück- gelegt worden, der den Namen„Städtischer Kinematographenfond» für Pensionierung der Künstler des Nationaltheaters erhalten hat. „Neues Bauen-. Des Mravhische Kabinott I. P. Neumann schlicht morgen die M e i d» e r- AuZstellung und eröffnet am 3. Mai. mittag« 12 Übr. die vom'Urbeiterrat jür Kunst hergcrichlcte Beranslattung„Neues Bauen". Eintritt srci. m r m Theater. Im Walhalla-Theater wird am Z. Mai als Kabe zur Mai- seier, nachmittags 3'/, Uhr, Paul Baders Sozialisten-Drama„Das Ge- sc»'" atlieesührr. Erinqhiqte Preise.— Hermann Balle ntin wlid im Kleinen Theater in SlernhcimS„Snob" neben Baffcrmann den„Theo- bald Maske" spielen. Das Feld.?n dem in gestriger Morgennummer veröffentlichlen De- richt über die K"nstailsllcllung„DaS Feld" ist ein Name veuuickl, Es muh heißen Ecka O e l S n e r. <»':n MutterschaftS-Trania, betitelt Angeles Sobn, von Alice Stein-LandeSmann, fand un Residenztheatcr üi Hannooer beisällige Aus- nähme. SInSstrNuna der Berliner Decession in Holland. Die Berlin« Sccelsion ist von der«alerie KIcykamv im Haag zu einer Kollektiv- Aus- ilelluna eingeladen worden, die am I.Mai eröffnet wird. Es iit ieit langer Zeit die erst« Ausstellung, die Werle deutscher Künstler in Holland zeigen wird.— Dsr Prozeß filier. Am kommenden Donnerstag findet vor dem Gericht des srüteren 3. Armeekorps die Berufungsverhandlung im Prozeß gegen den Oberleutnant Hitler statt, der, wie noch erinnerlich sich im Dezember vorigen Fabres vor dem Berliner Kom- mandanturgericht wegen Mißhandlung Untergebener, insbesondere wegen Mißhandlung mir tödlichem Aus- gang im Falle drs GardefüfilierS Helm hake, zu verantworten halle. Das'Urteil lautete in erster Instanz auf sieben Wochen F e st u n g s h a f t wegen Mißhandlung Untsrege bener in zwei Fällen, während im Falle Helmbake aus Freisprechung er- iannt wurde! Gegen diese Entscheidung bat der damalige Kom- mandanr von Berlin Berufung eingelegt. Die Berumng er- streckt sich aber nicht, wie erinnerlich sein dürste auf die Mißtand- lnng mir tödlickem Ausgang im Fall Helmhake, sondern ledig- lich auf vorschriftswiorige Behandlung des H. Zu der Berufungsverhandlung sind außer den in erster Instanz ver- nommenen Zeugen noch eine große Zahl weiterer Zeugen geladen, die sich entweder selbst gemeldet oder von den Angehörigen benannt worden find. Da mehr als 4g Zeugen zu hören sind, wird die Ver- Handlung voraussichtlich zwei Tage in Anspruch nehmen. Den Vorsitz in der Verhandlung wird Geheimer Oberlriegsizerichtsrat Dr. Boeder fükren. Die Anklage vertrtt der aus dem M a r l o H- und Kessel- Prozeß bekannte Kriegsgerichtsrat Dsl. Meyer. Tie Verteidigung des Angeklagten Hiller liegt in den Händen des Rechtsanwalts Dr. Georg Hirfchse''' Der Stanö öu SoziaUsisrungsardeiten. Wie wir hören, beabsichtigt die Deutsche National- Versammlung am kommenden Dienstag ihre letzte Sitzung vor den Wahlen abzuhalten. Gleichzeitig soll auch der V 0 l k s- wirtschaftliche A u s s ch u h seine Arbeit einstellen; jedoch wird nach der Vertagung der Nationalversammlung der Volkswirt- schastliche Ausschuß zu einer neuen Tagung Mitte M a i zusammen- treten. Wir halten eS für selbstverständlich, daß unabhängig von dem jeweiligen Stande der parlamentarischen Beratung in dem Ausschuß eine Reihe sehr wichtiger Verordnungen schleunigst zur Beratung kommen, so über die Verstaatlichung des Kohlen- und Kalisyndikats, aus die die Koalitionsparteien sich nach dem Abkommen mit den G e w c r k s ch/a f t e n verpflichtet haben. Es darf nicht in der Bevölkerung der Eindruck entstehen, als sei durch Nichtberatung des wichtigsten Gewerkschaftspunktes ihr gegen- über ein Vertragsbruch beabsichtigt. „HeftHeiöeüe* Seamtenforüerungen. Wo sitzen die Begehrlichen? Aus der sozialdemokratischen Fraktion geht uns folgendes Schreiben;,», das ein bezeiämendes Licht auf diejenigen wirit, die sich über die»Begehrlickkett" der Arbeiter und der unteren Beamten nichl genug aufregen können. Das Schreiben lautet: „Anläßlich der Beratking des BeamtenbeioldungS- g e s e y e s sind von der Höberen Beamtenschaft lcilweise Forde- runcen gestellt, die über die Leistungsfähigkeit des Reiches hinausgehen. Den Vogel aber schießt„Der Ausschuß der hödeien Beamten von Duisburg" ab. Tie„begründete" Eingabe ist unterschrieben von Professor Dr. Bii'choff; Eichter, Postvirektor; Fischer. RegierungSbaumeister; Dr. Fudichar, Staarsanwaltschaftsrat: Hesse. Regierungs- und Baurai; Lwonski, Bergrat; Michaelis, Oberlehrer; Scholz, AmtS- gerlchtsrat. Verlangt wird zunächst: 1. Grundgehalt....... M. 20 000,— bis M. 80 000,— 2. Ortszulage........ 4 000,—,, 4 000,— 3. 50 Proz. Teuerungszulage... 12 000,—,, 17 000.— 4. Westmarlenzulage..... 6 000,— 8 500,— M. 42 000,- bis M. SO SOO,- Außerdem eine Zulage von 2S00,— M. für jedes Kind. Hinzugefügt wird, daß diese Summe das mindeste darstellt, was eine höhere Beamtenfamilie gegenwärtig im In» dustriebezirk zum Leben bedarf. Aus den weiter aufgestellten Forderungen greifen wir noch heraus: 1. Die Zahlung von OrtS-Teusrungs-Kinderzulagen nnd Hinter- blicbsncnbezügcn ist, ebenso wie Gebalt und Pension, unabhängig von der wirtichaflUchen Lage der Beamten und Hinterbliebenen, Die Bejüge sind keine durch Bedürftigkeit bedingte Unier- stützung. sondern ein für geletstele Dienste rechtlich zustehender Entgelt. 2. Zu allen Rub egebalts- und Hinterblieb enew- b e z ü g e il sind dieselben TeuerungS« und Kinderzulagen zu ge- währen wie zu den zahlenmäßig gleich hohen Gehältern. 3. Das Steuerprivileg der Beamten bleibt er« halten, oder es findet eine enliprechende Erhöhung des Grund- cehaliei statt. Die Teuerungs-, Kinder« und Westmarkenzulage ist st e u e r f r e i. Es fehlt nur noch, daß die„höheren" Beamten von Duisburg mit Sabotage und Streik drohen, wenn ihre Forderungen nicht erfüllt werden oder daß sie bis zur Bewilligung ihrer Forderungen die Einnahmen der Eisenbahnen im Ruhrgebiet mit Beschlag belegen!"_ Der 1. Mai Feiertag in Bade». Amtlich wird darauf hin- gewiesen, daß durch eine Verordnung des S r a a t s m i n i st e r i»> m s vom April 1020 der 1. Mai in B a d e n dauernd in die Reihe der allge»einen Feiertage austzenommen wurde. Es bleiben somit auch am 1. Mai die Diensträume amtlicher Behörden und die Schulen geschlossen. Lowjctruhland und wir. Die Frage über die Annäherungs- möglichkeiien zwischen Rußland und Deutschland, die in letzter Zeit wüder besonders akut geworden ist, wird in einer neuen Weise von Dr. Ungern-Siernberg in seiner gleichlautenden Schrift bekandelt. Während bisher die Befürworter einer Annäherung meist auch politische Freunde Rußlands und die Gegner einer An- Näherung meist auch pvlttische Gegner waren, gelangt Ungern- Sternberg trotz seiner Ablehnung des gegenwärtigen russischen Räteshstems zu dem Ergebnis, daß die Annäherung dennoch auf Wirts ch a f t l i ch e m Boden erfolgen könne. Er sieht in Ruß- land, insbesondere in W'e st s i b i v i e n, das für deutsche A u s- wan derer der Zukunft besonders geeignete Land. Etwas naiv mutet die Beurteilung der englischen Politik Rätcrußlanp gegen- über seitens des Dersassers an. Die Schrift ist im„Verlag für Sazialwiffenschaft" erschienen. Deutsche Notionaioersammlung. Der Marburgcr Mord.— Katzps Auslieferung. In der Naiionlversammlung standen am Dienstag zunächst kleine Anfragen aus der Tagesordnung. Auf eine Anfrage wegen der Untaten Marburger Studenten bei Ruhlau wurde erwidert, daß eine Untersuchung wegen unberechtigten Waffengebrauchz in Verbindung mit Totschlag eingeleitet sei. Aus Anfrage von sozialdemokratischer Seite wegen etwaiger Auslieferung Kopps erklärt Justizminister B l u n k, er halte es nicht für angebracht, deutscherseits das politische Asyl recht Schwedens auzutästen, Hochverrat sei ein politi- s ch e s Verbrechen. Er halte es n i ch t für angezeWt. dem Kabinett ewaige Verhandlungen mit Schweden zu empfehlen. Soweit er die schwedischen Gesetze kenne, würde Kapp auch nicht nach Deutsch. l a n o auSgeliizsert werden, weil er dorr einem Strafverfahren ent- gegeniehe. Noch Erledigung der Anfragen wurde die zweite Be- ratung des Notetats jortgseetzt, NisLsehLlO Freie Einfuhr von Bodenleder. In der Presse wird ein Schreiben erwähnt, das der Reichswirtschaftsmini st er vor kurzem an den Wirt- schastsrat beim ReichSwirtschastsminifterium gerichtet hat und in dem er daraus hinwies, daß infolge der Besserung der Valuta Unterleder im Auslände jetzt für 40 bis 60 M. zu haben sei, während eS im Jnlande noch 110 bis 135 M. kostet. Weiter erwähnte dieses Schreiben den Standpunkt der Leder- industrie, die sich erklärlicherweise gegen eine freie Einfuhr erklärte, führte dann aber weiter aus, daß es die Regierung trotz- dem nicht verantworten könne, im Interesse der Leder- industrie die Einfuhr billigen Leders zu hindern. Dieses Schreiben ist nun so ausgelegt worden, als hätte sich die Regierung den Standpunkt der Industrie zu eigen gemacht und sich geweigert, die Einfuhr des ausländischen Leders zu begünstigen. Das Gegenteil ist richtig. Vom Ministerium war bereits angeordnet, einen größeren Posten Leder hereinzu- nehmen, längst ehe die Angelegenheit auf Veranlassung eines berufsmäßigen Gegners jeder gebundenen Wirtschaft(!) zur Sprache kam. In der letzten Sitzung des Reichswirtschastsrates kam die Angelegenheit zur Sprache, wobei ein Vertreter des. Ministeriums eine eingehende Schilderung der Entwicklung des Ledcrmarktes gab. Die Preise sind seinerzeit sprunghaft in die Höhe gegangen wie nirgend? anders in der Wirtschaft. Infolge dieser Preisentwicklung wurde der Absatz gehemmt, da das Publikum nicht kauf- kräftig genug war, um seinen Bedarf zu decken. Ein Beweis dafür sind die Anträge der Industrie, Gebranchsschnhe in größerem Umfange ausführen zu dürfen, da die Lagerbestände fortwährend zunehmen. Wenn gegen diese Entwicklung vom Reichswirtschafts- Ministerium Widerspruch erhoben wurde, wies die Industrie stets auf die niedrige Valuta hin; das hörte aber sofort aus, als die Valuta stieg. Die Industrie fürchtete- nun die teuren Schuhe nicht mehr absetzen zu können. Jetzt verlangt die Industrie in ihrer be- drängten Lage Hilfe von der Regierung. Nach eingehender Be- ratung sprach sich jedoch der WirtschaftSrat einstimmig für eine freie Einfuhr van Bodenleder ans. Der R ei ch s w i r t schaft s- m i n i st e r wird eine dahingehende Anordnung treffen. Vom Berliner Produktenmarkt. Amtlich festgestellte PMse am 2S. April: Hafer per 1000 Kilogramm loko 2880 M. ab Bahn, auf Abladung 2760—2800 M. ab Station. Tendenz befestigt. Nichtamtlich sind folgende Preise ermittelt, alles für 50 Kilo- gramm ab Station: Erbsen, Viktoriaerbsen 330—375 M., gelbe und grüne Erbsen 200— 280 M., Peluschken 180— 140 M., Pferd ebobnen 130— 140 M., Wicken 125— 136 M., Lupisten 70—82 M., Seradella 65— 75 M.. W i e s e n h e u, lose 35 bis 40 M„ Stroh, drahtgepreßt 19—22 M.. gebündelt 18— 18 M., Trockenschnitzel 68— 70 M., Patent Steffen 100— 1()3 M. Der Geschäftsgang m der Möbelindustrie Westdeutschlands läßt, wie der Berein der HolzbearbeitungSfabri- -kanten im Jndustriebezirk mitteilt, augenblicklich nicht nur viel zu wünschen übrig, sondern hat beinah« ganz aufgehört. Die Möbelfabriken arbeiten bereits auf Lager. Feierschichten sind teilweise schon eingelegt, teilweise in kurzer Zeit zu erwarten. Weitere Lohnerhöhungen werden unbedingt abgelehnt. Aus dieser Mitteilung ergibt sich, daß die Preise der Fertigwaren so hoch liegen, daß die Kaufkraft nicht ausreicht, um sie bezahlen zu können, denn der Bedarf an Möbeln ist außerordentlich groß, Hunderttausende von Jungverheirateten haben noch keine eigenen Möbel. Inhaber» oder Namenaktien? K 179 deS H.G.B, sagt, daß„Aktien auf den Inhaber oder auf N a m e'n lauten könnKi". Steht auf der Aktie kein Personen- name, dann kann jeder, der sie gerade rechtmäßig besitzt(In- fiaber), die, Ansvrüche aus der Aktie geltend machen, also das Stimmrecht ausüben oder die Dividende einziehen. Nach§ 183 kann im Gesellschaftsvertraq bestimmt werden, daß Namenaktien in Inhaberaktien und umgekehrt umgewandelt werden können. Nach Z 222 sind auf Namen lautende Aktien mit genauer Bezeicknung des Inhabers nach Namen, Wohnort und Stand in das A k t i'e n b u ch der Gesellschaft einzutragen. Di« Aktien können ans andere übertragen werden, und zwar durch I n d o s sa- m e n t. Der Uebergang ist nach§ 223 der Gesellschaft anzumelden und im A t t i e n b u ch zu vermerken. Bei der Ausstellung von Namenaktien weiß also jede Gs> sellschaft, wer ihre Aktien besitzt und auch dem StcuerftSkus kann die Liste eingereicht werden. Unsere Aktiengesellschaften, die fast alle Inhaberaktien ausgeben, kennen ihre Aktionäre, die täglich wechseln, gar nickü. Und so weiß auck der Arbeiter nicht, an wen er seinen Tribut in Form von Dividenden ekgent- lich zu steuern hat. In Italien soll die Abschaffung von Inhaberaktien erfolgen. Zunächst müssen alle B'a n k a k t i e n auf den Namen lauten. Die anderen Inhaberaktien werden einer 15prozentigen Di- vi d enden st euer unterworfen, damit die Besitzer sie auS eigenem Antriebe m Namenaktien umwandeln. Silvio Gesell, der Finanzminister der bayerischen Räterepublik, hielt kürzlich in engerem Kreise in Berlin einen Vortrag über das von ihm empfohlene„S ch w u n d g e I d", die F r e i g e I d- und Freilandbewegung. Er beabsichtigt im kommenden Monat vor einem größeren Kreise zu sprechen. JnformationSmaterial versendet H. Petersen, NW. 23, FlenSbuvger Str. 24. GroßSerün Z?ür die Rechte der Jugend. Wiederum rüstet allerorts die Grotz-Berliner Arbeiterjugend, um ihren diesjährigen M a i j u g e n d t ag. festlich zu begehen. In Kaulsdorf-Süd will unsere Jugend'sich treffen, um unter freieni Himmel Stunden deS Spiels, der Erholung und Freude, aber auch Stunden ernsten Gedenkens, innerer Erhebung und frohen Jugcndbewußtseins, stolzer SiegeSgewißbeit zu verlbin. Der Maijrgendtag soll aber auch eine machtvolle De- monstration für die Li echte unserer Jugend sein! Denn niemand muß tiefer den freien Nacken vor den Königen de» Kapitals beugen, niemand wird auch heute noch mehr von ihnen geknechtet und ausgebeutet, als unsere Jugend, auf deren Schul- lern sich dereinst der Bau einer neuen Welt erheben soll. Wenn also am 2. Mai unsere jungen Burschen und Mädel au? allen Gegenden Berlins dem gemeinsamen Ziel: Kaulsdorf-Süd zu- streben.- dann werden uns die- roten Fahnen künden, daß unsere Arbeiterjugend als junge Garde in den Reihen ihrer Väter kämpft, daß sie das Werk fortsetzen will, daß in Jahr» zehnten, im Verlaufe von Menschenaltern entstand. Die vielen Abteilungen des„Vereins Arbeiterjugend Groß- Berlin" werden sich am 2. Mai an verschiedenen Stellen der Stadt treffen, um gegen 8 Uhr geschlossen abzumarschieren. Für Ordnung sorgen fteiwillige Ordner auS den Reihen ver Jugend. Die Abmarschplätze der einzelnen Abteilungen werden am Freitag, den 30 April,-m„Vorwärts" bekanntgegeben. Zum Maijugendtag ist jeder Gast herzlich willkommen; die Arbeiter e l t e r n feien an dieser Stolle besonders einge» laden. Verhaftung zweier Kirchsnräuber. In der Nacht zum 13. April wurde der Hildesheimer Dom von Einbrechern heimgesucht, die einen großen Teil des Domschatzes raubten. Die aus dem frühesten Mittelalter stammenden Kirchcngeräte. die mit Edelsteinen reichlich geschmückt waren, waren schon allein durch ihren hohen Gold- und S i l b e r w e r t außerordentlich kostbar. Die Annahme der Hildes- heimer Polizei, saß die Einbrecher sich nach Berlin wenden würden, erwies sich als richtig. Kriminalkommissar Trettin hat hier den 24 Jahre alten Wilhelm Gentermann und den ein Jahr jüngeren Willi Wirbitzky verhaftet, alle gestohlenen Sachen, die allerdings zerfchlasen und verbogen waren, w j oder herbeigeschafft und den Einbruch vollständig aufgeklärt. Gentermann stammt aus Hildesheim und war längere Zeit im dortigen Dom Messediener. Seine Lokaltenntnisse nützte er aus und fuhr nnt Wirbitzky nach Hildesheim, um den Einbruch zu bewerkstelligen. Nach langer und„schwerer Arbeit" war endlich der Einbruch geglückt, der aber eine Stunde später schon entdeckt wurde. Den beiden Räubern war es daher nicht möglich, die Stadt sofort zu verlassen. So vergruben sie ihre Beute auf einem Gelände, auf dem GentermannS Mutter eine Laube besitzt. Wir- bitzky fuhr nach Verlin, während Gcntermann in Hildesheim blieb. Als sich die Aufregung in Hildesheim gelegt hatte, fuhr auch er mit seinem Schatz nach Berlin und vergrub� in Gemeinschaft mit seinem Komplizen die geraubten Gegenstände von neuem in H a l en s ee. Nach und nach versuchten sie die hostbaren Stücke an den Mann zu bringen, wobei sie dann in die Hände der Polizei ge- rieten. Nach anfänglichem Leugnen haben sie ein Geständnis abgelegt.__ Jort mit allen Symbolen der Monarchie! Am 15. April beschloß die Berliner S t a d t v e r o r d n e- tenversammlung, daß der Magistrat die Bilder und Büsten der Mitglieder des Hohenzollernhauses aus den städtischen Gebäuden entfernen sollte. Oberbürgermeister Mermuth erklärte dazu: „In den öffentlich zugängigen städtischen Gebäuden und Räumen, sowie in den Schulen können als Symbole de: Herrsch- und Staatsgewalt nur solche der gegenwärtigen Staatsform Platz finden, nicht Bildnisse, welche als Wahrzeichen� der vorangegange- nen Staatsgewalt den Herrscher oder seine- nächsten Angehörigen darstellen. Bildnisse,-die nicht die Bedeutung eines Wahrzeichens haben, die namentlich einen eigenen historischen oder Kunstwert besitzen, darunter auch solche von Monarchen früherer Epochen, unterliegen anderer Beurteilung. Der Magistrat ist zur Durch- führung. dieser Grundsätze bereit und bittet, ihm das zweckent- sprechende und taktvolle Vorgehen mit Vertrauen zu überlassen." Ungeachtet jenes Beschlusses und der vom Oberbürgermeister gegebenen Zusage befindet sich noch heute in der Aula des G e- meindeschulhauses an der Naglet- und Ehren- bergstraße ein großes Bildnis des weggelaufenen Kaisers Wilhelm II. Es läßt sich allerdings nicht durch� einfaches Ab- nehmen beseitigen, weil es auf die Wand gemalt ist. J!lber das kann doch kein Grund sein, dieses an hervorragender Stelle des SaaleS über dem Rednerpult prangende„Wahrzeichen der vergangenen Staatsgewalt" zu konservieren. Zur Be- seitigung des Bildes, daS auch ohne jeden„Kunstwert" ist, würde ein Töpfchen Farbe genügen. Als«, bitte, fort damit! Die Schule als Wahlschleppcrin. Vor den Berliner Elternbeirats wählen meldeten wir(in Nr. 86), daß Lehrer der 16. Realschule durch unter den Schülern verteilte Zettel„diejenigen Väter und Mütter, die für ihre Kinder eine religiöse, deutsche Erziehung und damit die Beibehaltung des ReligionSunterricbis in der Sckiule fordern", zu einer Vorbe'prechung über die Kandidaten- aufstellung eingeladen hatten. Unser, an die Wiedergabe des Ein- ladungszettels geknüpfter Wunich, der Minister Haeniich möge die Lehrer einmal darüber anfklären, wie weit ihre Befugnisse reichen, ist nicht unbeachtet geblieben. Wir erhalten jetzt, nenn Wochen nach der Veröffentlichung jener Beschwerde, aus dem Ministerium die Nachricht, daß die Angelegenheit untersucht und dem Direktor„das Erforderliche eröffnet" worden ist. Ans dem Amts- deutsch übersetzt beißt das: die Untersuchung bat die Nichtigkeit unserer Mitteilungen ergeben und dem Direktor samt den schuldige» Lehrern eine rügende Zurechtweisung eingetragen._ Alle Elternbeiräte von Groß-Berlin werden zu einer Aussprache über den Aufgabenkreis und die Praxis der gewählten Elternbeiräte auf Mittwoch, 28. April, 7 Uhr in die Aula deS Friedrich-Wilhelm-Gmnasiums, Kochstraße 13, eingeladen. Es sprechen Professor Paul Oestreich„Das Ausgabengebiet der Eltern- beiräte", Dr. Hildegard Wegscheidcr über„Was tut die Mutter im Elternbeirat?" Sanitätsrat Dr. Pölchau über„Schul- und Jugend- Hygiene und Elternschaft". Freie Aussprache, Fragenstellung. Jeder Interessierte ist willkommen. Eine religiöse Maifeier veranstaltet der„Bund religiöser Sozialisten" am 1. Mai, nachm. ö Udr. in der Sl n d r e a s k t r ch e am Stralauer Platz beim Schlesischen Bahnhos(Südseite). Die Predigt hält Genosse Pastor Francke. Neukölln. Eine unerträgliche Klassenüberfüllnng wird au» der katholischen Z9./40. Gmeindeschule in der Knesebeck- st ra ß e gemeldet. Die Aufnahmeklasse VI IG begann das Sommer- Halbjahr mit 40 Knaben und 23 Mädchen, zusammen 6 8 Kindern. Es war beabsichtigt worden, diesmal dort zwei Aufnahmeklassen einzurichten, doch wurde dann angenommen, daß man mit einer einzigen auskommen werde. Ter unerwartet große Zustrom von Schulkindern hat jetzt einen Zustand geschaffen, der schleunigst durch Teilung der Klasse beseitigt werden muß. GroF-Verliner Lebensmittel. Pankow. 250 Gramm Haferflocken(16 und 17). Groß-Serliner Parteinachrichten. Hente, S7. April: 24. Abt. 7 Uhr: Mitgliederverjamuilunz, Christburger Straße 14, Schulaula. Biesdorf, Kaulsdorf und Mahlsdorf. VI, Ubr: Gemeinsame Frauen o eriammlung Turnhalle Kaulsdors, Adolsstr. 25. Vortrag des Genossen Weiß. Morgen, ÄS. April: 12. Slbt. 7 Ubr: Zahlabend bei llröhlich, Muskaner Straße 1, Krause, Mariannenvlatz 22; Litiche, Waldemaiftr. 52. 21. Abt..gahlabend in den bekannten Bezirkslokalcn. L8. Av». 7i/i,Uhr: Diskuisionsabeiide. Für Hansavicrtel bei Trümper, FlrnSburger Straße 3; Bellevuevierlcl bei Fahnig, Spencrstt. 20; Friedrich- Wilhelmstadt bei Schäfer, Hindersinstr. 1. 44. Slbt. 7 Ubr: Zahlabend in den bckannlen Lokalen. 45. Slbt. 7'/, Uhr: Zahlabende. Bezirk 1 bei Pose, Kolonlestr. IS; Bezirk 2 im Patzenboier, Schwedenstr. IIa. Friedenau. 6 Uhr: Flugblaitverbreilung. Treffpunkt: Restaurant Kühn. Beckcrstr. 3. Rledcrsciiönbauken. 71/, Ubr im Restaurant„Wilhelmsbof", Kaiser» Wilhelm- Straße 64: Milgliederoersammlung. Tagesordnung: Die kommen- den Wahlen. Referent: Genosse Wissell. HermSdorf. 8 Ubr bei Böttcher, Waldleestrahe: Mitgl! ederversamm- lung. Berichte von der Konferenz im Landratsamt und der Kreis- gencralversammlung. S..B..D.-SlltionsauSsch«s? der A. G. G.- Betriebe. 5'/, Ubr: Aula Sophien-Gymnasium, Wtmmeislerstr. 15: Versammlung sämtlicher vbleute und Verlrauensleute.-�_ Jugenüveranftaltungen. Morgen'/g? Uhr: Konferenz sämtlicher Ableilungsvorsitzenden, Kassierer, Ordner zum Mai-Jugendtag im Jugendheim, Lindcnstr. 3, 2. Hos l. III. OewerMoftsbswsgung �lußerorSentlicher verbanSstag öer Zimmerer. In den Tagen vom 23. bis inkl. 25. April d. I. hat in H a m» bürg ein autzerordenilicher Verbandstag des ZenUalverbandcs der Zimmerer und vecw. Berufsgenossen Deutschlands getagt, um sich mit der Tarifbewegung im Zimmergewerbe sowie mit der Beitrags. leiswng und den Unwrstützungscinrichtungen innerhalb des Ver- bandes zu beschäftigen. Den Bericht über den Stand der Tarifbewegung erstattete der Zentralvorsitzende S ch ra d e r» Hamburg, wobei er besonders die Schwierigkeit der vorjährigen Lohnbewegung erörterte. Das Unter- nchmertum im Zimmergewerbe hat trotz der fortschreitenden� Teue. ung jegliche Verbesserung der Lohn- und Arbeitsbedingungen durch seine Organisation, den„Deutschen Arbcitgeberbund für das Bau- gewerbe" abgelehnt und immer wieder seinen örtlichen bzw. bezirk- lichen Verbänden verboten, irgendeine Lohnregelung mit den Ar- bcitern zu treffen, und solche Regelung durch zentrale Verhand- lungen zu verschleppen versucht. Die am 14. April und den. nach- folgenden Tagen in Berlin zwecks Schaffung eines neuen Reichs- tarifvertrages gepflogenen Verhandlungen haben bisher in keinem Punkt zu einer Verständigung geführt. Insbesondere weigern sich die Vertreter des Arbeilgeberbundes, irgendwelche Zugeständnisse in der LehrlingSfrage und Ferienangelegenheit zu machen. Auch ver- lange der Bund die VerbindlichkcitSerklärung des Reichstarifver- träges, womit unzweifelhaft eine weitere Einschränkung der Be- tvegungsfreibeit der Arbeiterorganisationen bezweckt sei, selbst in denjenigen Orten und Gebieten, wo der Bund keinerlei Mit. glieder hat. In der zu diesem Bericht einsetzenden Diskussion wurde mit grosier Einstimmigkeit betont und in einer angenommenen Eni- schliestuna auch zum Ausdruck gebracht, daß die abweisende Haltung des Deutschen Arbeitgeberbundes für das Baugewerbe zu den von den Arbeitern gestellten Anträgen auf? schärfste zu ver» urteilen sei. Der Verbandstag erwartet auch, daß die bezirk- lichen bzw. örtlichen Verhandlungen allerorts aufaenommen und von allen Vcrdrndsvertretern mit Nachdruck und Energie geführt w�den. Die Zentralinstanzcn des Verbandes erbielten die Er- mächtigung, zur Verabschiedung des eventuellen Verhandlungsergeb- nisseS bzw. zur weiteren Stellungnahme nötigenfalls den Verbands- tag von neuem einzuberufen. In einer besonderen Entschließung hat der Verbandstag zu der Verbindlichkeitserklärung Stellung genommen und hierin zum Ausdruck gebracht, daß das jetzige Rcichsarbeits. Ministerium den Wert der allgemeinen Verbindlichkeitserklärung der örtlichen Lohn- und Arbeitstarife durch den Zusatz:„die allge- meine Verbindlichkeit erfaßt nicht die Arbeitsverbältnisie von Ar- beitern, die in einem Betriebe, der nickt Baubetrieb ist, dauernd mit AuSbeslerungsarbeiten beschäftigt sind", herabsetzt und damit seine eigene Verordnung über die Tarifverträge vom 23. Dezember l918 durchbrochen hat. Hiergegen erhob der VcrbandStag den schärfsten Protest und fordert die uneingeschränkte Verbindlich- keit der Tarifverträge. Er fordert ferner alle in berufsfremden Betrieben beschäftigten Zimmerer auf, mit allen zulässigen Mitteln darauf hinzuwirken, daß ihnen mindestens die Tariflöhne für das Zimm-rgewcrb: gezahlt werden. Auch dagegen, das- die Verbandsleitungen der Metall-, Fabrik. arbeiter und anderer Verbände in mebreren Orten sich anmaßten, bei dem Abschluß von Lohn- und Arbeitstarifen die Lohn- Und Ar- beitsbedingungen für die Zimnwrer unter Ausschluß ibrer Ver- dandSvertreter zu regeln, wurde Einspruch erhoben, da solche Maß- nahmen gegen die Beicklüsse des Nürnberger Gewerkschaftskongresses und des Bundesvorstandes dcS Allgemeinen Deutschen Gewerk- schaftsbundes verstoßen. Die Unternebmer des Baugewerbes laufen Sturm gegen eine Verordnung des Ministeriums für VolkSwohl- fahrt vom S. November 1919, damit keine Einschränkung betr. deS Ileberbandmauerns erfolgt. Wegen der damit verbundenen Unfallgefahr und Krankheitsbelastung fordert der Ver- j bandstag keinerlei Einschränkung dieser Verordnung, sondern hält. eine weitere Förderung des Bauarbeiterschutzes für unumgänglich notwendig. Die weiteren Verhandlungen über die Neuregelung der Bei- tragsleistung und der Unterstützungseinrichtungen, die eingeleitet wurden durch ein sehr wirkungsvoll instruktives Referat des Ver- bandsvertreters SckönfelderS, waren ebenfalls von dem Geiste getragen, daß unbedingt eine weitere finanzielle Kräftigung des Verbandes zu erfolgen babe. Nach ausgiebiger Diskussion und Kommissionsberatung beschloß der Verbandstag mit ziemlicher Ein. mütigkeit. daß die Beiträge je nach dem Arbeitsverdienst 2.19 M. i bis 4,30 M. pro Wecke zu betragen haben. Die Streikunterstützung wurde entsprechend der Beitragsleistung und der Dauer der Mit- � gliedschaft auf 5 M. bis 15,60 M pro Tag festgesetzt, wozu noch besondere Kinderunterstützung gezahlt wird. Alle übrigen Unter- stützungen, wie Erwerbslosen-, Kranken-, Gemaßregeltenunter- stützung usw. wurden gegenüber den bisherigen Sätzen verdoppelt. Die erhöhte Streikunterstützung tritt am 3. Mai. die erhöhte Bei- tragsleistung ab 27. Juni, alle übrigen erhöhten Unterstützungssätze am 27. September d. I in Kraft. Um den Ausfall für d'c erhöhte Streikunterstützung bei der Zentralkasie zu decken, bat jedes Mit- glied im Monat Mai d. I. einen einmaligen seiner Untcrstützungs- klaffe entsprechenden Extrabeitrag von 2 bis 8 M. zu zahlen. Tie Tarifverhandlunsien in der chemischen Industrie gescheitert. Die begonnenen Tarifverhandlungen für die kaufmännischen und kecknischen Angestellten der chemischen Industrie find an der Gchaltsfrage gescheitert.* In einer öffentlichen Versammlung wurde zu der dadurch ge- schasfenen Lage Stellung genommen und nach zftner eingehe wen Berichterstattung der Organisationsvertreter der Wille der Ange- � stellten in folgender, einstimmig angenommenen Rssolulion zum Ausdruck gebracht: „Die in„Kliems Festsälen" versammelten kaufmännischen und technischen Angestellten der chemischen Industrie Groß-Ber- lins nehmen von dem Gehaltsangebot des Arbeftaebervcrvandes Kenntnis. In voller Einmütigkeit mit ibren Orzanftationen lehnen sie dieses als durchaus unzulänglich ab nnd bedauern, daß die Arbeitgeber so wenig Verständnis für die wirtichiftliche Notlage der Angestellten bekunden. Sie fordern, daß für alle Angestellte ohne Unterschied des Geschlechts zeitgemäße Min- destffrundgehäller festgesetzt werden und lehnen eine un- terschiodliche Behandlung der verheirateten und ledigen Auge- stellten grundsätzlich ab. Sie beauftragen ihre Organisationen, sofort wirksame Maßnahmen zu ergreifen, ihre durchaus gerech- ten Forderungen durchzusetzen und bringen ckren geschlossenen Willen zum Ausdruck, bis zu deren Verwirtftchung alle gewerk- schaftlichen Mittel anzuwenden." Zunächst soll die Vermittlung der SchlichtungS'nstauzen anae- rufen werden. Da auch die Arbeiterschaft, durch die Verhältnisse gezwungen, wieder neue Forderungen stellen mugre,:st d!- Ange- stelltenschaft geschloffen bereit, zur Durchsetzung ihrer Forderungen solidarisch mit der Arbeiterschaft zu handeln. Gerade die chemische Industrie, die ungeheure Konjunkturgc- Winne gemacht hat, müßte den Forderungen der Arbeitnehmerschaft etwas mehr Verständnis entgegenbringen, als eS In den bisherigen Verhandlungen geschehen ist._ Tie Lage der Hilfslchrkrüfte. Man schreibt uns: Seit lanaer Zeit erhalten die Hilislchr- kräfte des Magistrats der Siadr Berlin Gebäller, die jeder Be- schreitzung ipoiten.- Die Hilfslehrkräfte, denen ein Zutänimensch»ß in einer freien Gewerkschaft fehlt, gerieten in die Hände einer Or- ganiiation. die unseres Erachtens gar nicht in der Lage ist. irgend- etwas bei den maßgebenden Stellen für sie z» tun. Die Ergeb- niste der bisherigen Verbandlungen liegen wie folgt vor: Es ent- bält ein verheirateter Hilfsledrcr für wiilenschastlichc» Unterricht bei 24 Pflichistilnden jetzt einschließlich Teuertingsziilaaen 516 M., den weiblichen Hilfskräften wird dagegen nur eine Vergütlina von 416 M. I einschließlich TenerungSzukogen bei 20 Pflichtstunden gewäbrt. Wir ' können den Hilfslehrkräiicn nur empfeblen, sich einer Organisaiioi, anzuschließen, die laisächlich rn der Lage ist, für ihre Mitglieder menichenwihdige AnnellungS- und Gevalrsbedinguiigen zu erz tämpien. Darum Hilfslehrer und Hilfslehrerinnen: Heraus aus den H a r m o n t e v e r b ä n d e n I Hinein in den Zentralverband der Angestellten! Die Maß- und Reparaturschuhmacher Groß-Bcrlins hielten am Montagabend in den Zentralfestsälen eine Branchenversammlung ab. Der Referent Schüler erstattete den'Bericht der Lohnkom- Mission über den Neuabschluß des Minimallohntarifes mit den Schuhmacherinnungen Groß-Bcrlins. Auf den bestehenden Tarif wurden für Ncuarbeiten 60 Proz. und für Reparaturen 40 Proz. Aufschlag zugebilligt. Der Mindeststundenlohn wurde mit 4,30 Ä. festgesetzt. Wo höhere Löhne bezahlt werden, dürfen keine Abzüge gemacht werden. DaZ Kontrollrecht wurde erneut festgesetzt. In der lebhaften Debatte wurde zum Ausdruck gebracht, daß da? Ergebnis der Verhandlungen nicht befriedigen könne. Andere Redner und auch der Referent empfahlen dagegen die Annahme des Tarifvertrages, der bis zum 30. Juni läuft, und, wenn er nicht von einem Kontrahenten gekündigt wird, zwei Monate weiter Gültigkeit hat. In der Abstimmung stimmten die Kollegen einmütig dem neuen Tarife zu, der somit am l. Mai in Kraft tritt. Zur Maifeier wurde beschlossen, den 1. Mai durch strikte Ar- beitsruhe zu feiern und sich an den Demonstrationsverfammlungen der politischen Parteien zu beteiligen. Zum Schluß wies der Vor- sitzende Lundmöcker noch auf die von Kollegen gegründete Schuh- Produktionsgenossenschaft hin, die den Zweck verfolgt, die Pro- duktion selbst in die Hand zu nehmen und den Unternehmcrprokit der Allgemeinheit zugute kommen zu lassen, und so die Be» völkerung mit guten, preiswerten Schuhwaren zu versorgen. Geplant ist auch die Errichtung einer Reparaturwerkstatt. Die Versammlungen der Genossenschaft finden am letzten Montag eines jeden Monats in Haberlands Festsälen, Neue Friedrichstr. 35, statt. Lichtung, Schiffszimmerer! Die Schiffszimmerer der Zahlstelle Potsdam sind wegen Lohnforderungen in den Streik getreten. Zuzug ist streng fern» zuhalten._ Die Streikleitung. Soziales. Protest gegen Eingriffe in das Sclbstvcrwaltungsrecht. Der Vorstand der Arbeitsgemeinschaft von ReichSversicherunoS- trägern Groß-Berlins, in welcher die Landesversicherungsanstalten Berlin und Brandenburg, die Reichsversicherungsanstalt für Ange- stellte und die großen Hsuptverbände der NeichS-Unfallversicherung und der Krankenversicherung in Groß-Bcrlin, d. h. die Vereinigung berufsgenossewschaftlicher Verwaltungen für Groß-Berlin und Provinz Brandenburg und der Verband der Krankenkassen Groß- Berlins, vertreten sind, bat sich am 24. April 1920 mit einem Gc. setzentwurf über den Zusammenschluß von Trägern der Reichsver. sicherung zum Zwecks gemeinsamer Wohlfahrtspflege und über Regelung des.Heilverfahrens beschäftigt und ist zu dem ein- stimmigen Ergebnis gekommen, daß das Gesetz Bestimmungen enthält, die als unberechtigte, und unzweckmäßiger Eingriff in das Selb st verwaltungsrecht der Versicherungsträger zu verwerfen sind. Dies« Bestimmungen sind geeignet, die Arbeitsfreudigkeit der VersicherungSträzer zu ertöten. In gleicher Weise sind eine Reihe von anderen Gesetzen auf dem Gebiete der Sozialversicherung vorgelegt und sollen möglichst noch von der Nationalversantmlung verabschiedet werden, ohne daß die Organe der Versicherungsträger und vor allem die Versicherten wie ihre Organisationen in irgend auSre«.,.nder Farm gehör: worden wären. Veranlw. kür dcn rcdattion. Teil: Brtur glikler,<5l>arloi!enk>ur«: fflr Anweisen: 51).©lecke, Berlin. Verlan: Vorwiietz.Verlaa©. m. l>. K.. Berlin. Druck: Bor- wiiriS'Buchdruckrre! u. Verlaasanstall Baul Cinaee u.e t, otn Kattbuser Dann». Mittwoch, den W. April, abend» 7' z Uhr: Gortrag von Paul I-e Setir: Die Wie Betoiintcti neu die Seele des MW WeMets. u». ?rele Aussprache. Junqe Männer aller Llände her,!, willkommen. intriu ireii Christlicher Verein Iunr.er Männer Süd. VberlgüliKSgLrletoät undB�asVandCzhi%errech� Po:sdamer Str. IIS(Lützowstraße). Langjährige Erfahrunacn. Strat-, Zivilproresse— Ehe-, Alimenten, Verttsuens- sachen. Gesuche, Verträge. 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