Nr.T26.37.I«chrg. Abend Ausgabe BeMgspreiS t B etteljaficL 25,50 N moncrtL 8�0 Ml. frei ins Haus,.uiraus-ah. bar. Post» bezug. Monatlich 8,— e�kUAu» itellungsoedübr. Um?, lireuzband Kr Dent'chiand und Oesterreich- Unqarn 11,75 il!t, für das übrige Ausland 16.— ÜU, bei täglich einmal. Zuüeilung lt.— Ml. Aostoestellungen ncdmen an Dänemari, Holland, �uremdurz, Schweden und die Schwedt. Sin» getragen w die Vost- Zeltungs- Vre--liste. Der.Vorwärts" mit der SonMags- bellage.Doli n-�eit" ericheiut wochen- räglich tweimal Eonmags einmal Telegr-mm-Adresse, �Sozlaldsrnoirat Berlin". m P. Bcultiicr Oolksblati ("29 Pfennig") Anzeigenpreis s Sie achtgefpaNrne Nonparsistezejle loste 1 2.S0 M. Teuerungszuschlag 60»/» »Sleins Anzeigon", das fett- gedruckte Wort 7Z Pfg.(»uläsfig gwei fettgedruckte Worte), jede» weitere Wort 50 Pfg. Stellengesuche und Schlafstelleuauzeigen das erste Wort 65 Pig. jedes weitere Wort ch) Pfg. Worte über 15 P.tchstaben zählen für lwei Worte. Teuerirng�njchlaz 50»/» Famil.en- Anzeigen, polnische und gewerkichastliche Vereins- Anzeigen DU. die Seile ohne Aufschlag, Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis ö Uhr nachmittags im Hauptgeschäft, Berlin S2B 68, Linden- straße 3, abgegeben werden.(Beöffnet aon S Uhr früh bis Sllhr abends. Zentralorgan der Ibzialdeniokratircben Partei Oeutfchlands Ueöaktiou und Cxpeüition: SW. SS. Linöenstr. Z. .vernivrecher: Amt Morinöla«, Nr.'I5»t S«—»S» i>7. Der 1. Mai in Paris. Paris, 2. Mai. Die Polizeipräfektur vcm Paris teilt mit, daß bei den gestrigen Kundgebungen 102 Palizeibeamte der- w u n d e t und 103 Personen verhastet worden seien. Sechs verwundete Zivilpersonen seien in den Spitälern in Be- Handlung. Nach dem gemäßigt sozialistischen„Bon Soir" sollen gestern 4 Personen getötet worden sein. Gegen die Abge-- ordneten B I a n c und Vaillant-Couturier werde eine Strafverfolgung wegen Widerstandes gegen die bewaffnete Gewalt eingeleitet werden. De? mißglückte Eisenbahnerstreik. Millerand appelliert. Paris, 2. Mai. Havas berichtet über den Eisenbahner. streik, aus den Linien der Nord- und Ostbahn sowie auf der Südbahn sei der Dienst normal. Auf der Orleansbahn seien zahl» reich- Züge heute abgelassen worden. Auch auf den Strecken der Paris— Lyon— Mittelmeerbahn sei der Dienst der Personenzüge vollständig sichergestellt. Auf den Staatsbahnen sei die Lage un- verändert. Ministerpräsident M i l l e r a n d verhandelte heute vor- mittag mit den Ministern der Justiz, des Innern, der Marine und der öffentlichen Arbeiten. Nach Schluß der Sitzung empfing er die Vertreter der Pariser Presse und erklärte u. a.: Wenn die Arbeiter der Eisenbahnen, der Bergwerke und der Häfen' die Hände in den Schoß legten, dann würde sich die Lebensmittelkrise ver- schärfen und die Arbeiter wären deren erste? Opfer. Die Regie- rung werde nach dem Wiederzusammentritt der Kammer einen Gesetzentwurf über die Reorganisierung der Eisenbahnlinien einbringen. Mllerand appellierte an den gesunden Menschenverstand und die Vaterlandsliebe der Arbeiter. Wie.Jntransigeont" meldet, hat der Direktor der- Staatseisen- bahnen drei der Führer der Eisenbahnerg e werk- s ch a f t e n aus dem Dieust entlassen. Montag, den 3. Mai W20 p0icnfek?n in Schlesien. Zusammenstöße. Beothen, 2. Mai. Heute fanden in ganz Oberschlesien anläßlich des polnischen Nationalfeiertages große polnische De- monstrationsumzügc mit polnischen Fahnen und Abzeichen statt. Auch Haller-Soldaten in Uniform nahmen m größerer Anzahl an den Umzügen teil. In Ratibor zogen einige tausend Polen, fast durchweg vom Laude, darunter auch Haller-Soldaten in Uniform, mit polnischen Fahnen und Abzeichen durch die Straßen. Die deutsche Bevölke- rung. durch das provozierende Verhalten der Polen in ihren Ge- fühlen aufs tiefste verletzt, verlangte die Entfernung der polnischen Hoheitsabzeichen, gestützt ans die Verord- nung der interalliierten Kommission in Oppeln, die das Tragen von Hoheitsabzeichen der beiden beteiligten Staaten in Ober- schlesien verbietet. Die Polen widersetzten sich diesem Verlangen mit Gewalt. Es kam zu heftigen blutigen Zusammen- st ö ß e n, auf beiden Seiten gab es eine größere Anzahl von Schwer- und Leichtverletzten, insbesondere wurden auch mehrere Angehörige der Sicherheitswehr von den Polen schwer mißhandelt. Die Polen veranstalteten vor dem Sitz der Kommission eine Kundgebung, die damit endete, daß die Polen die verbotenerweise mitgeführten Fahnen und Abzeichen abliesern mußten. Die gesamte Bevölke- rung Ratibors, insbesondere auch die Arbeiterschaft fühlt sich durch das anmaßende Verhalten der Polen in ihrer Sicherheit schwer be- droht. In der Stadt herrscht außerordentliche Erregung. In Oppeln, wo die Polen ebenfalls"einen Umzug geplant hatten, besetzte die Oppelner Bevölkerung die Zugangsstraßen zur Stadt, um diesen Umzug zu verhindern. Als die Polen in den Nachmittags stunden anrückten, kam es am Londgerichtsgebäude zu bestigen Zusammen st ößen. Die Polen wurden hierbei in die Flucht geschlagen. Bis jetzt wurde ein Toter und zahl- reiche Verwundete gemeldet. Mehrere Verhaftungen sind vorgenommen. Deutstblanü und po!en. Paris, 2 Mai. Der Botschafterrat hat gestern nach- mittag unter dem Vorsitz von Jules Cambon die Grenzen zwischen Polen und Deutschland besprochen. Nach den Erfltbrungen bei Festsetzung der Grenze zwischen Oesterreich und Ungarn sollen die Grenzfestsetzungskommissionen die Befugnis er- ha'ten, den wirtschaftlichen Schwierigkeiten Rechnung zu tragen »nd Streitfälle rm Interesse der Bevölkerung zu. entscheiden pilMMMJjgP listen, die einen mächtigen politischen Einfluß haben und ein neues Elsaß-Lothringen schaffen möchten..TempS' sagt, wenn es eine solche Gruppe in Frankreich gäbe, dann würde er keinen Grund haben, sie zu verteidigen, denn die von ihm unter- stützte Auslandspolitik habe nie«ine Annexion deutschen Gebiets heimlich odsr offen beabsichtigt, aber man müsse zur Ehre Frankreichs betonen, daß keine Gruppe bestehe, auf die Lloyd Georges Worte angewandt werden könnten.(2 Anm. d. Red.) Lloyd George scheine sich verhört und Annexionen verstanden zu haben, als die Franzosen einfach Wiedergutmachung und die versprochenen Bürg- schatten verlangten. Lloyd George werde sicher verstehen, daß es für das sranzösisch-englische Bündnis besser wäre, wenn keine englische oder gälische Stimme ein« Anklage wegen Im- perialiSmys gegen einen Franzosen, selbst einen Journalisten, er- höbe, denn solche Anklagen würden auf ihren Urheber zu- rückfallen. Trotz der ungeheuren Vergrößerung des britischen Reiches werde man sich hüten, zu behaupten. England werde von einer mächtigen Gruppe von Imperialisten regiert.„Tcmps" will nickt einmal argwöhnen, daß, wie eine französische Zeitung Eng- lands Ausdehnung rechtfertige, dieses die Notwendigkeit von Land- Verbindungen zwischen den verschiedenen Teilen seines Reiches er- kenne und deshalb z. B. die Hand aus Persien legen wolle. Diese Forderung von Landwegen, die das Verlangen Deutschlands nach dem belgischen Kongo und selbst den österreichisch-deutschen Angriff auf Serbien habe rechtfertigen sollen, sei in England zu gefürchtet, um etwa dort erfunden zu sein; ebensowenig sollten die englischen Alliierten einen Franzosen beschuldigen, ein»eues Elsaß- Lothringen schassen zu wollen. Neue wüffenfunöe auf Rügen. Das harmlose Borpommern. Zu der Aufhebung gegenrevolutionärer Waffrnwger auf Rilgrn, die wir am Donnerstag meldeten, erfahren wir von zuständiger Seite, daß die Zahl der beschlagnahmten Waffen sich durch neue Funde inzwischen erheblich vergrößert hat. Die Zahl der ein- gelieferte» Gewehre und Karabiner ist von 1000 auf ISVO, die der Maschinengewehre von 120 auf 200 angewachsen. Die rechtsstehende Presse schweigt zu den Rügen-Waffen- fttndem nach wie vor hartnäckig. Sie ist zu beschäftigt, die Nicht- Verhaftung des secksjährigen Bischoft-Kindes zu einem großen sentimentalen Wahlschwindel umzulügen. als daß sie sich mit Kleinigkeiten wie 1500 Gewehren und 200 Maschinengewehren allem auf der Insel Rügen beschäftigen könnte. vorwärts- JJertog G.in. b.£>., Sw. 6$, Äaöenstr. 3. Ferufprecher: Amt Morikplav, Nr. 117 LT— ZI. Peesien und Rhem!anö. Eine Auseinandersetzung. Paris, 30. April.„Tb m p s" schreibt, Lloyd George habe in fJiti« Rede gesagt, die ungeheure Mehrheit von Volk und Par- lamcnt'.n Frankreich fei jedem Annexionsgehanken so abhold, wie Lloyd George selbst, aber nach dem„New Aark Herald"' habe er hinzugefügt: Unsere Bemerkungen sind veranlaßt durch eine Gruppe französischer Publizisten und Journa- Naifeiern!m Reich. Unserem Bericht in der Morgenausgabe über den Verlauf der Maifeiern im Reich ist nur wenig nachzutragen. Zu- sammensassend kann nur nochmals festgestellt werden, daß sie überall einen überaus würdigen Verlaus nahmen und ein er- sreuliches Bild von der Stimmung der Arbeiterschaft abgaben. In Dresden fanden am Vormittag des Rlaitages in verschiedenen Stadtteilen Festversammlungen statt, die gut besucht, zum Teil überfüllt waren. An dem Demonstrationszug beteilig- ten sich etwa 10 000 Personen, auf dem Festplatz, wo Minister- Präsident Genosse Buck die Festrede hielt, mochte die doppelte Zahl anwesend' sein. In Neudamm nahmen an dem VormittagSzug durch die Stadt etwa 1100 Personen teil. Die Nachmittagsversammlungen waren stark besucht. Das pöbelhaste Benehmen einiger Magistrats- angestellter war nicht imstande, die Festsftmmung der Arbeiterschaft zu beeinträchtigen. In Bielefeld traten morgens 8 Uhr Parteien und Ge- werkschaften zum Domonstrationszuge durch die Stadt zusammen, an dem zirka SSvg Personen sich beteiligten. Aus dem Festplatz waren über 20 000 Männer, Frauen und Kinder zur Feter an- wesend. Die Feier wurde durch Lieder des Arbeiter-Sängerbundes eingeteitet und geschiossen. Getrosse S e v e r i n g hielt"die Fest- rede, die in einer Aufforderung zur regen Werbearbeit für den SozialtsnmS und ei-iiem begeistert aufgenommenen Hoch auf den 1. Mai. dem Symbol der Völkerverbrüderung, schloß. Nachmittags fanden in 28 Lokalen des sl r c i s e s Bielefeld Maisctern mit Festreden statt, die alle stark besucht waren. In D e s s a unbewegt« sich der Fesiyug der Maidemonstranten etwa eine balbe. Stunde lang. Die Teilnehmerzahl bezifferte sich auf etwa 10 000. In Coswig, einem Städtchen von 9000 Einwohnern, be- teiligt« sich etwa die Hälfte an der Maifeier. In den beiden Festzügen der sozialdemokratischen Partei in Köln waren 50 000 Genossen unä Genossinnen vereinigt. Auf dem Festpiah wogte eine Menge von 100 000 Menfchen, die Stimmung ivar vorzüglich, sie läßt auf ein sehr gutes Wahl r e s u l t a r Kossen De Unabhärgigen konnter in ihrem Festzug nicht mehr als 0000 Menschen zusammenführen. Unsere Versammlungen in Nürnberg waren erheblich besser besucht als die der Unabhängigen Bei dem Feste am Nachmittag waren mehr Tcilnebmer als bei irgendeiner vorangeganoenen Mai- fei er. Der Verlauf läßi das beste für den Ausfall der Wahl er- Haffen. In Essen hatten sich S. P. D. und U. S. P. zum gemein- sa m en Begehen der Maifeier vcre nigt. Sie sollte auf einem Platze stattfinden, der für 40 000 Pcrwnen Raum hatte. Aber er erwies i'ick als viel zu k l e i n.� Im Festzuge bewegten sich 60 000 bis 70 000 Genossen und Genossinnen durch ein dichtes Spalier von Zuschauern. Das �eichswahlgesetz. Das Reichswahlgesetz ist im Reichsgssetzblatt veröffentlicht imd ist auch mit der Ausschreibung der Wahlen zum Reichs- tage in Kraft getreten. Das Gesetz enthält 42 Paragraphen, aus deren Inhalt wir nur die wiedergeben, die vor dem Wahl- tage von ausschlaggebender Wichtigkeit sind. Wer ist wahlberechtigt? Jeder Deutsche und jede Deutsche, gegen deren Reichs- angehörigkeit kein Zweifel erhoben werden kann, die am Wahl- tage das 2V. Jahr vollendet haben, außerdem in der Wähler- liste oder in der Wahlkartei eingetragen sind, oder einen Wahl- schein besitzen, sind berechtigt und in der Lage zu wählen. Wer kann nicht wählen? Deutsche, die die Reichsangehörigkeft nicht haben, also die, obgleich Deutsche, einem fremden StaatZverbemde, auch Deutichösterreich, angehören. Die Deutschen, die noch nicht das 20. Lebensjahr vollendet haben. Die Deutschen, die nicht in der W ä h l e r fist c stehen, weshalb jeder Wähler und jede Wählerin sich persönlich oder durch ihre politische Organisation vergewissern müssen, daß sie mit richtigem Namen und genauer Adresse rnft Geburtstag und Geburtsjahr in die Wählerliste eingetragen find. Ausgesch-lossen vom Wahlrecht sind: 1. Wer e n t m ü n d ig t ist oder unter vorläufiger N v 7- mundschaft oder wegen geistige« Gebrechens mrter Pflegschaft steht: � 2. wer rechtskräftig durch Nlchterspruch die bürgerlichen Ehrenrechte verloren hat. Die Ausübung des Wahlrechts ruht für die Soldaten während der Dauer der Zugehörigkeit zur Wehrmacht. Behindert in der Ausübung ihres Wahlrechts sind Pev» sonen, die wegen Geisteskrankheit oder Geistes- schwäche in einer Heil- oder Pftegeanstalt untergebracht find, ferner Straf- und U nt e rs u chu n gs g efa n g e n e so- wie Personen, die infolge gerichtlicher oder polizeilicher Anord- nung in Verwahrung gehalten werden. Ausgenommen sind Personen, die sich aus polftischen Gründen in Schutz- h a f t befinden. Wahlbar ist jeder Wahlberechtigte, der am Wahltag 25 Jahre alt imd seit mindestens einem Jahre Reichsangehöriger ist. Wahltag. Der Wahltag ist der 6. Juni. Es trennen uns nur noch 5 Wochen von ihm. Jede Stunde dieser Zeit muß für die Sozialdemokratische Partei Deutschlands durch organisatorische Arbeiten, wie durch Aufklärung der Massen über unsere Partei ausgenützt werden. Die Wählerliste«. Spätestens 4 Wochen vor dem Wahltage, also späte- stens am 8. Mai, müssen die Wählerlisten oder Wahl- karteten öffentlich ausgelegt werden. Jedermann kann sie em- sehen, jeder soll sie einsehen, um festzustellen, ob sein Wahlrecht gesichert ist oder ob es erst durch Reklamütion festgestellt wer- den muß. Möglichst schnell ist die Kontrolle der Wählerlisten vorzu- nehmen, denn sie liegen nur 8 Tage aus. Die Einsprüche gegen Lücken und falsche Angaben in den Wählerlisten sind bei den Gemeindebehörden anzubringen. Innerhalb der darauf- folgenden 14 Tage, also spätestens am 22. Mai, sind sie zu erledigen. Dann steht die Wählerliste fest und niemand kann eine Aenderung mehr erreichen. Wo wird gewählt? Man kann nur in dem Wahlbezirk wählen, in dessen Wählerliste oder Wahlkartei man eingetragen ist. Aufstellung der Kandidaten. Beim Kreiswahlleiter jeden Wahlkreises find spätestens am 2t» Tage vor dem Wahltage, somit am 16. Mai, womög- lich schon früher, die von 50 Wählern zu unterzeich- nenden Kreiswahlvorschläge in genau sichtbarer Reihenfolge einzureichen. Da jeder Kandidat spätestens am 21. Tage vor der Wahl seine Z u st i m m u n g erklärt haben muß, und wegen Reisen oder sonstiger Abhaltung der Kandidaten diese Zustimnumg oft nicht rechtzeitig zu erreichen ist. sollte man die Kandidaten- listen nicht erst im letzten vom Gesetz vorgeseheneu Termin einreichen. Tie geheime Wahl. Gewählt wird mit Stimmzettel in amtlich gestempelten Umschlägen, damit das Wahlgeheimnis gesichert fit. Die Wahl muß persönlich vorgenommen werden. Der Vorteil der starken Wahlbeteiligung. Nicht mehr wie früher entfällt eine bestimmte Anzahl von ' Abgeordnetensitzen auf jeden Wahlkreis. Nun werden j e 6 0000 Wähler und Wählerinnen, die den gleichen - Stimmzettel abgeben, einen Vertreter oder eine Verttetettn Tm er5aff«f. Deshalb wirb' eins flntfe WahlbeteiN. •TitiMi der Arbeiter und Arbeiterinnen, der Angestellten und Äaomten, aller an der Erhaltung der rrpitblikanischen Er- rMMnschafte» Jntereffierten der Sozialdemokratischen Parter Deutsck)lands einen sesteigeNe» Wahlerfolg bringen. Fallen ORrf die sozio ldemokrotische« Wahlliste« z. B. nur 9 Millionen Ttimmen, K> erhält rmser-e Partei nrsr 150 Vertreter und Per- '.reterinnen im Reichstage. Erzielt aber eine unermüdliche Aufklärnng der breiten Nassen über die Leistungen und die Ad füllten unserar Partei, daß 15 Millionen Stimmen für u«sor? Kandidaten«rd Kandidatinnen abgegcke« werde«, so erreichen wir 250 Pertieter im Reichstage und eine feste«nd aiderlässige Mehrheit unserer Partei, die in allen Frage« poli- lischer Freiheit, wirtschaftlichen Aufstiegs, wie kulturelle« Fortschrittes den entscheidenden Ausschlag gibt. � Darum, Arbeiter u»d Arbeiterinnen, Angestellte, Beamte, alle wahren Republikaner, werbet für die sozialdemokratische Liste, klärt das Volk auf über den Sozialismus, wirkt für ei»« starke Wahlbeteiligung l Putschist Mulle. Herr Mulle, der dem den Deutsch nationalen im WuMnis Votsdam 2«tri der Spitze der Kandidatenliste aufgestellt worden ist. fühlt sich dadurch getroffen, daß er als einer der geistigen Haupt- wacher de» Staatsstreiches gekennzeichnet wurde. Seine At'oehr ist ibtz derartig, daß fie nur auf eine Verstärkung des Vorwurfs 'inauSläuft. Herr Wulle erklärt, er habe gar nicht daran gedacht, am 16. März fchloarz-weitz-rot zu flaggen, und fährt fort: Mei«e schwarz-weif�rvte Klayge hebe ich mir für den Tag «Nif,«i dem die Nevembseleutc endgültig San der Bildflkche der- schwinden. Nun wird sedermann überzeugt fein, �dast Herr Walle kein Putschist ist! Den Aushang der Kappfchen Sch-Ivindelnachrichten i» chwarz-weitz-roten Rahmen in den Schaukästen der . Deutschen Zeitung' während deZ Putsche? scheint Herr Mulle gan, vergessen zu haben. � Den' Gipfelpunkt erreicht feine Vergeh- üchfest allerdings, wenn er glaubt, datz die von ihm geleitete .Deutsche Zeitung' wiederholt die Reichswehr zum Staats- itrxich aufgerufen hebe. Wir halben mehr als einmrck diest "irtrkrl hier abgedruckt, und wurden Herrn Mulles Gedächtnis auch f.cht wieder schärfen, wenn wir nicht genau wüßten, dah feine Ge- .-ächtniSschwäche in diesem Punkte nur ein« markierte ist. Christus und öer Kultusminister. Eine höchst rührsame Schul, ieschichte. In der S-Klasse der Stroh len d or ffschen Handelsschule Berlin, Benthstraße, wurde den Schülerinnen, lösährrzen Mechchen, folgendes Uebüngsdiktat als Aufgabe gestellt: Am kühle« FrühlingSregen schritt Christus die Marmor- treppe hinauf ins Arbeitszimmer des Her«» KuliuSmi- nisterS. Der Hrilaud war barfuß; im Armenmantel kam er daher. Der Portier im Kultusministerium, sauber in seiner i'ntform, wollte ihm den Weg verstellen, aber als er in die«uge» d?.S Fremde« sah. da war'S ihm» als ob«r die E« i g k e i t darinnen ' rblickt«. Er konnte bis hinunter iu den Grund der Augen Üfjeu; da leuchtete etwas, da blühte etwas Seltsames. Der Por- . rr erschrak und liest den Heiland gehen. Herr H a e n i sch säst be- drillt hinter dicken Aktenwerken. Er schwitzte Schulord- - u ng en. baute E r lasse, und eS war, als ob sein Amtszimmer noch benebelt wäre von den vielen Besprechungen, die darin ' attgcfunden hatten. Christus l e h n t e a a d e r T ü r. H e r r ' aenisch erhob sich erstaun» und verbeugte sich. Der Heiland erwiderte die Verbeugung erschrocken und ungeschickt und reichte dem Kultusminister die Hand. Her« !öae»rsch lächelte unsichtbar und sprach:»Ach Du, Du bist der ü ä rä>e ne rzähle r, den ich auS der Schule gewiesen habe!' Herr '»enisch wurde etwa? verlegen i« semer aktendicke« Mi- oisterherr lichte it. nachdem Christus mit tr»«rigen ri uge«.den Kopf geschüttelt halte, llla» Du bist ja altmodisch 'ür unsere modernen Schulen, und nun war es Herrn Kultus» minister, als ob er um den Kopf de» Heilands die siegende Der SüikKgÄnger. Erin«eru«gen eines KriegSg«fange»e». Von Karl Löwe. ES ist noch dämmrige Morgenfrühe, viekhundertköpfig steht >-15 graue Masse det deutschen Kriegsgefangenen auf dem Platze !n Sr. Ouentin. wamste jeden Morgen in Itciiieren oder größere« trbeitSableilungen an die Zivilaussehet und Arbeitgeber abgegeben '.verde«. Auf«llen G-sichrera liegt Erwartung imd gespanntes .iuslngen. Jeder denktz:.Wo werde ich heute beschäftigt sein?' Zo wart«, sie der Dinge, die da kommen sollen, und der große Dchse auf dem landwirtschaftlichen Denkmal schaut erstaun, und m itleidig auf das Gewimmel zu seinen Füßen, als wollte er sagen: Mißt ,6t den««icht, eS ist ja längst Frieden. Seid ihr denn immer noch da?' «der Baifc zeigt sich eine gewisse Bewegung in der Kolonne. Aufgepaßt! Sie kommen. Der d« mit der ÄutomobilmStze und •er tfttbm Jacke ist der Seelenverkäuier..Mit ihm kommen einige ••.aniiften.� Es sind die Anfseber und«rbengeber, die.Potrone". Einsc von ihnen beaurht dreißig Vi Mm. Schon sind sie«bgezähtt, die ersten beste«, hie ihm«m nächsten stehen..Weiß denn keiner. N>, eo hingeht?"'» raunt die Frage durch die«bgezählte« Dreißig. �Zu« Sägewerk»«mwm wir. D». d« find wir schön angcschmierti D« gibt es elende Arbeit. Automobile abl«de«. Zementsäcke schlepve». Jeder treibt da. Komm, wir wollen uns verdrücken. Er sieht •emde weg." Rie der Zivilist vom Sägewerk wieder hinsieht, d-, vat er«mi«och eben die Hälfte. Die anderen haben sich sachie und»»«ufsälig wieder im große« Houfen verkrümelt und be- obachoc« vo« dort«us verstohlen i«d'chadenfreudig, wie der Säge- ivirknum« die«etrenon zählt, die ih«, verbliebe», wie er zornig die Stirne r«nzclt und den SeelenverkS«f«r ruft, den Chef vom Ga»z«r. Der zählt ihm andere Leute ab und gibt ihm einen Posten mit Stahlhelm»nd Bajonett zum Aufpassen. Und nun schnoll ab- gerfickt. Denn ouch auf die Posten ist kein rechter Verlaß. Aver nicht bei alle« Patronen ist es so. Der gemütlich« Alte da brambt»i-btS z« sogen. Kam« ist er da«nd schon hat er acht vis zehn Mansi«m sich versammelt, die er schmunzelnd begrüßt mit .Gntcii Morgen, meine Herre«!" Er braucht eigentlich nur sechs, aber gestern hat er scdem Weißbrot und Käle gegebe«»nd ist bei ter Arbeit genrütlich geblieben, da sind gleich einige mehr ge- kommen. Es konmrt ja wohl auf einen«ich, a«. So wirkten in diesem Trubel wellenförmig pofitive«rnb noga- tive, anziehende«rd abstoßende Kräfte. Mit Widerwille« gingen die kv-mtoeider«nd HmKeremoeißor an ihre«rbxit. wie fast all« � ie, die skr die Stadt»der eine militärische Behörde arbeiteten. -ee bekamen ihr« Löbnung. besteniallS ihre Prämie, sonst nicht». Die Arbeil war langweilig und öde. Keine Förderung im Beruf. vün eigenes Schaffen. Man zählte verdrießlich die Stunde« und daazte:»Wie lange mag dies Elend noch dauern.' Aber der tchffshor. Vor froh ist.»ine Anstellung z» habe« und bei feinor votgeHton©«Hörde atS tüchtiger B»amter auffallen möchte, donkt Flugbahn der Vögel erblickte. Christus hiolt« unter feinem Mantel ein Kinderherz hervor und sprach:„Es ist schön, in so einem Herzen zu lesen und blaue Himmelsfunken hin- einzustellen. Deine Lugen werden bald elend erblinden von allen diesen Verordnungen und Verfügungen, die Du zusammen- schreibst und ertüftelst. Hast Du denn gar keine beseelten Au- gen? Gib mir die Kinderherzen wieder, datz ich fie war» halte und datz Gott wieder Sterne in ihnen ersinnt.„Du bist nicht von meiner Partei,' entgegnete ärgerlich der Kultusminister. „S)« hast Recht, ich gehöre zu keiner Partei, bin ich Dir denn darum unbequem, wenn ich auf Grund der Kinder die Säulen ausbaue- zu einem Vaterland?' Herr Harnisch wutzte nicht, was er antworten sollte. Er sah aufmerksam auf das zuckende Kinderherz, das in des. Heilands Hand lag. Ihm war eS, a!» ob das Herz friere und wimmere. Da barg es der Heiland wieder unter seinem Mantel und nun sang das Herz, golden-, selige Strophen sang es. In den. Augen des K u l t u S m i- nisterS lag ein seltsamer Ausdruck. Mit stummer, herz- sicher Mit« streckte Christus die Hand nach ihm aus.„Du wirst Dir Vorwürfe macheu, wenn Du mich verjagst. Nehme ich denn den Kindern die Zeit, verlange ich Dank von Dir?' Harnisch ant- wartete aber in einem Ton strengen Vorwurfs:„Du mußt gehen, mein Entschluß ist gesatzt- Mir sind zwei verschiedene Welten.' Dann ging der Heiland einsam, das singend« Kinder- herz unter dem Mantel wieder die prächtige breite Treppe hin- unter, In den Linden klopf ig. sang und blühte der junge Früh- lsikg mit zärtlicher Gewalt. Haenisch saß wieder hoch und mächtig an sein«« Tische:„Hütte ich ihn behalten: aber es geht ja nicht, ich bin ja Partei mann— soll ich ihn zurückrufen? Nein und abormals»ein. Meine Genossen würden mich steinigen und da««einem Ministersessel reißen; ja, wenn ich nicht ein Parte lmar.n wiwe'— und tiefe Wehmut brritote sich über sein Gsstcht. � Jeder Kommentar würde die Wrkuny dieses wunder- schönen Märchens abschwächen. Ob die Geschichte nun als G o t t e s l äst e r ii n g zu bezeichnen oder ob sie nur eine be- keinnttich vom Christentum streng verurteilte Derhöhnüng der Obrigkeit darstellt, ist gleichgültig. Jedenfalls sind wir der Ansicht, daß Ki n d e r y e r z e n, auf die in dieser Weise Gift geträufelt wird, später nicht gerade lachen und singen werden. Daran ist dann aber weder Christus noch der Kultusminister, sondern die Strahlendorf f- sche Schulleitung schuld, mit der man schnellstens so verfahren sollte,'wie Jesus einst mit den Wechslern im Tempel._ Spiritus unö deutsche voikspartei. ISO OOS M. für eine Kandidatur! Die„Frankfurt» Zeitung' est in der Lage, ein Nundschrriven zu deröffentlühen, rn welchem Dr. N e u m a n n, der Syndikus des „Verbandes deutscher Spiritusinteressenten Berlins', den seinem Verband angeschlossenen Bereine» mit- teilt, er hohe gute Aussichten, für die Deutsche Volkspartei an erster Stelle zu kandidieren. In dem Schreiben heißt eS unter anderem:„Die Frage der Kandidatur ist mit iu erster Linie eine Geldfres�. Wenn ich meinerseits 130 VOO Mark aufbringen kann, ist«ir die Kandidatur an erster Stelle so gut wie sicher." Uns überraschen diese Zusammenhänge nicht. ES ist derselbe Vorgang wie vor etwa zehn Jahren, als der Syndikus des Zentral- Verbandes deutscher Industrieller, Dr. Rocke, nach einem Protokoll, das der„Vorwärts' m-itzu teilen in der Lage war, den Ausspruch kch, die Abgeordneten müßten nach der Pfeife der In- dustriellen tanzen, bowa dazu würden sie ja von ihnen be- zahlt. Ob sich min die Judufriiesiderafen.uatianalliberal' oder „Deutsche Voikspartei" nemien, der Name ändert am Wesen der ErschcinMiig nichts. Sie sind und bleiben die von Jndustriegelderm »lÄzehacheae Partei, die nach der Pfeife ihrer Geldgeber tanzt. �rme Regierung Kühr. Der Staatskommissar für München-Stadt und Land � hat das Erscheinen des„Völkischen Beobachters', eines antisemitschen Hetz- anders. Er will was geleistet haben. Er gibt gute Worte. Er wird energi'ch. Die Gefangenen schäum fich an. In jedem Gehirn derselbe Gedanke. Nun gerade nicht. Was Wunder, wenn da mancher zur Selbsthilfe griff. Dem Posten oder Aufseher wird die Sacke auch oft langweilig. Er kuckt im nahen Caiä eine alkoholische Sensation. Oder er steigt irgend- wo herum aus Brautsckau. Schon macht sich bald hier, bald da ein Gefangener aus dem Staube. Der eine weiß hier, dor andere dort etwas. Dieser geht zu einem Zimmermann, jener zu einem Schlosser. Ein Lehrer arbeilet als Möbeltischler. Ein anderer sucht sich eine Stelle als Hausknecht. Ganz gleich. Nur selbständig arbeiten und etwa» verdiene», etwas sehen und hören. Heraus aus dem Stumpfsinn. Herzlich willkommen ist der deutsche Arbeiter bei manchem Unter- nehmer mit seiner frischiröhlicken Arbeitskraft. Ist zwar ein Bosch, leistet aber was, und ist immer noch billiger als ein Landsmann, der oft anch noch nicht einmal zu haben ist. Er gibt ihm zu effm und ein paar Frank für den Tag. So ist beiden geholfen. Rnr auspaffen muß man, es werden beide bestraft, denn das Blindgängertum. so nennt man dieses ArbeitöverhältniS. war ausdrücklich verboten. Ununterbrochen fausten der Seelenhändler und seine Azenten in der Stadt herum, um Blindgänger zu fangen. Aber der richtige Blindgänger war listig. Scheinbar marschierte er treu und brav mit zu der vorgeschriebenen Arbeit, spran» plötzlich in eine Seitengasse und wartete, wenn es nötig war. in einem verlassenen Hause, bis die Luft fich genügend gereinigt hatte, um seine PrivatarbeitSstelle aufsuchen zu können. Wenn das Bündgängernim nickt auSH»iroiten war, mutzte man es schon leben lassen, denn es war ja nur der Ausbruch der in den befangenen gewalisam unterdrückten Lebenskräfte, die so ewig sind, wie die Menschheit selbst. Es war die brutal niedergehaltene Riesen- menge von geistiger und körperlicher Arbeitsenergie, von Wissen- schaft und beruflicher Erfahrung, von überschäumender und nach Luft«nd Sonne verlangender jugendlräftiger DaseinSfreude. die allen Hindernisien zum Trotz immer wieder hervorbrach mit der gleichen Raturlraft, rnu der keimende Samenlörner Felsen sprengen. Amnndse«>ibt die Polfahrt nicht intf? Von Amundsen ist die erste direkte Nacbrrcht in 5?ristiania eingetroffen. TaS Telegramm ist vom 23. April und drahtlos von Anadyr in Nordost- stzbirien über Nome in Alaska befördert., Der Bericht gibt kurz Auf- Mutz über die Erlebnisse seit dem 12. April 1919. wo daS Winter- q mariter am Kap TscheljuStin verlassen wurde. Durch die Morden- skjöldsoe nnd zwischen den neusibirischen Inseln hindurch ging die Fahrt östlich. Auf dem 77. Grad geriet daS Schiff in Packeis, das rnde» Nock Süden(statt der erhofften Nordwestrichtung) trieb. Man mußte fich loSeison und Winterquartieoe auf der Ajon-Jnsel auf- schießen.(Tichaunbai.) Verbindung mit dem Festlande wurde bcrgrstellt. Dr. Sverdrup begab sich zu Studienzwecken unter die Rennt' ernomnden. Versuche, über Nischnij-Kvlymfl Nachrichten »«eh Europa zu schicken, glückten nicht. lDie Verbindung nach dem Osten»der Snadfcr ist dagegon. wie diese Nachricht bezeugt, ge- lungon.) Im Frühjahr hofft Amundsen, seine Reise noriwirlich svrizufetz»!!«nd im Juli- August in Nome(Alaska) einzutreffon. blatte?, für zehn Tage verboten, weil dieses Blatt am Jahrestag des Münchener Geiselmordes ziemlich unverhüllt zu einem Juden. Pogrom aufgefordert hatte. Der Müncheuer Korrespondent der„Deutschen Zeitung" be- gleitet dieses Verbot mit dem Ausruf:„Von unseren Regierung�» männern sind achtzig vom Hundert Juden!'— In München sitzt bekanntlich die reaktionäre'Regierung Kahr(in ! Wirklichkeit Dr. Heim), die sich fast ausschließlich auf rechts« stehende Kreise stützt. Aber wenn- diese Regierung notge- drungen einmal gegen die äußersten Auswüchse der antisemitischen Hetze einschreiten muß. dann besteht sie a tempo zu achtzig Prozent aus Juden! die Taktik»er U. S. p. Die zwm zweiten Male fortgesetzte Generalversirmmkung des BezirksverbandÄ Berlin-Brandenburg der ll. S. P. führte am Sonntag die Diskussion über prinzipielle und taktische Fragen zu Ende. Von S t ö ck e r und Könen wurden sehr heftige Angriffe gegen die Schreibweise der„Freiheit' gerichtet, die sich nicht an die Beschlüsse des Leipziger Parteitages halte und Verbeugungen vor dem Parlamentarismus mache. Der „Freibeit'-Redatteur Hertz erhob Einspruch gegen die Behaup- tung, datz die.Freiheit' nicht aus dem Boden der Leipziger Beschlüsse stehe, und auch Hilserding betonte in einem Zwischen- ruf gegen Könen, datz er sein prinzipielles Einverständriiis mit der Entscheidung des Leipziger Parteitages dadurch bewiesen habe, dah er seine eigene Resolution zugunsten der Resolution Ledebour zurückgezogen bitte.(Damals hat allerdings wiemand geglaubt, daß der zurückgezogene Hilserdrug später einmal aus der Not eine Tugend machen würde.) Besonderes Mißfallen bei den Radikalen eovegte auch ein Artikel Dr. Breitscheids, des Kandidaten für Niederbarnim, in der„Ffveihett'. Die Referenten Dänin ia und Crispien erhielten nach Annahme eines SchlutzantrageS das Schlußwort. Däumrig polemisierte noch einemal sehr radikal gegen die..Freiheit", während Crspien einen Partei taktischem_ Eiertanz zwischen den verschiedenen Richtunge» aufführte. Er sprach von beweglicher Taktik, die sich den gegebenen Verhältnissen anpassem müsse. Schließlich wurde gegen wenige Stimrmen eine Resolution -Hertz anyenomm en, welche die Gründe anerkennt, die für das Verhalten der Partei- und Streikleitung während des General- streiks maßgebend waren. Ausgabe der 11. S. P. sei eS. die S-ituati-on im revoluttonärem Sinne auszunutzen und die Diktatur des Proletariats vorzubereiten. Zur Du-rchfithruny des Wahlkampfes wird die Einigkeit der Partei verlangt. Mit der knappem Mehrheit von 225 gegen 170 Stimmen wurde daraus beschlossen, datz durch Annahme dieser Resolution alle an- deren prinzipiellem Resolutionen erledigt sein sollten, auch die über die Haltung der„Freihstt". Ein MiWlligungSantrag gegen B roh wurde durch die Mitteilung erledigt, daß gegen Bvoh ein A«S schlußverfahre« schwebt. * Zr* kommenden R eich S tag»« ah! hat die Gcneralde» faonmlumg Berlin der 11. S. P. eine Kandidatenlist« aufge» stellt, an deren Spitze Luise Z i e tz(mit 425 Stimmen) steht; ihr folgen Eichborn, Ledebour, Crispien. Dr. Moses und Adolf Hoff- mann. Wchard Müller steht bemerkenswerterwe-ise erst am zehnter Stelle. Der„SiegerkrotiZ* im Lazarett. In der Frritag-Abendausgabe hatten wir auf die Taktlosigkeit einiger Insassen de' Lazaretts in Trebnitz j. Schl. hinge- wiesen, die ohne Rücksicht aus die Gefühle ihrer anders denkenden kranken Kameraden diese dauernd durch das Absingen des Liedes „Heil Dir im-Siegerkramz' verletzten. Da sich nun, wie jene Radaubrüder unter spät tisch- kaltschnäuzigem Hinweis auf die frei- heitliche Reichsverfafsung bemerkt hatten, nichts hiergegen einwenden läßt, erinnert ein Freund unseres Blattes unsere kranken Genossen daran, nach dem schönen Grund'~tz„Wurst wider Wurst' folgendes Lied anzusttmmen: Unser Kaiser floh gen Holland, denn er hat ein zartt Gemüt, das ihn nicht zu seinem Volke, noch zu Klara Zetkin zieht. Dieses Lied, von einem kräftigen Männerchor dongetragen. wäre zwar künstlerisch nicht ganz einwandsrei, dürste aber in dem Von dort soll dann die Polfahrt über die Wrangelinsel angetreten werden. Si« wird wahrscheinlich 5 Jahr« dauern. Amundsen gibt also seine Pläne nicht auf. obwohl die bis- herigen Erfahrungen nicht zu ihren Gunsten sprachen. Vielleicht hat er bei einem neuen Vorstoß mehr Glück und erreicht die Eis- dvist, die über den Pol oder doch in unerforschte Gebiet« führt. Hans Baluschck, dem Schilderer des Berliner VoistadttebeaZ, ist«ine Ausstellung gewidmet, die Sonntag im Künstlerhaus, Bellevueftr. 3, eröffnet wurde. Sie gibt einen Ueberblick über das gesamte Werk des.Künstlers, der in diesen Tagen seinen 50. Geburtstag hat. Wir sehen die Blätter wieder, mit denen Baluschek «inst seinen Ruf begründete, als er st« unter dem Titel„Zwischen O.«nd W. Ein Berliner Bilderbuch" im Januar 1897 bei Gurlitt zum erstenmal ausstellte. Sie erschlossen damals den Berlinern den Sinn für die Eigenart der Weltttadtperipherie. Die AusflugSgegen. den des Grunewalds, die Hasenheide, die Rummelplätze und Tanz- lokale der Außenbezirke, die Jdvllen Klein-Kamerum, die Paradiese der Grnndstücksp-kulanten cm den Weichbildgrenzen, wo zwischen Sandwüsten und Oedflächen sck>on asphaltierte Weg» laufen und hie und da eine Straßenbahn fährt, werden auf diesen Blättern in charakteristischen Ausnihrungen festgehalten, die von Gruppen- arrangements und Einzelfiguren belebt sind. Kein Schönheit suchender Poet und kein rührseliger bürgerlicher„Freund der Armen", sondern ein bitterer Satiriker hat in ihm seine Eindrücke gestaltet. Und diese Herbheit undl Uncrbittlichkeit der Auflassung blieb bezeichnend für das ganze Lebensweerk Baluscheks. Stumpfe Oede und nüchterne Häßlichkeit geben den Motiven die beherrschende Note. Selbst wo hie und da die Sonne auf den Bildern erstrahlt, scheint ihr Liebt nur die Trostlosigkeit der Gegend und ihrer Be- wohner zu verspotten. In anspruchslosen, leichigetönten Zeichnungen kleinen Formats zeigt Baluschek sein beste? und eigenartiges Können. Wo er sich a» größere Aufgaben wagt und namentlich da, wo er kompliziectere Licht- und Farbenwirkungen zu erfassen versucht, wie in den„Soiri. tisten', dem..Sommerfest in der Laubenkolonie' und der..Gießerei" versagt die Kraft, die auch dem seriösen Pathos(vergl. die Serie „Opfer" und das symbolische Gemälde„Zukunft") nicht gewachsen ist. Alle? m allem liegt Baluicheks Bedeutung in der stofflichen Eroberung eine? wichtigen künstlerischen Neulandes und in der schöpferischen Ausprägung eine? Menschentypu', dessen Eigenart vor ihm niemandem zum Bewußtsein gekommen �war. I. S. Preisausschreiben der Akademie der Künste. Die Akademie der Künste hat wieder eine größere Zahl von Wettbewerben für bil- dende Künstler ausgeschrieben. Die Zulassungsbedinanngen sind wesentlich erlei chlort, insbesondere sind für ehemalige Kriegsteilnehmer die für die Bewerbung ausgeschriebenen Altersgrenzen anderweit festgesetzt- Die näheren Bestimmungen g'bt dos Bureau der Akademie, Pariser Platz 4. aus. Twardawski spricht am letzten Vortragsabend im Meistersaal aa 8. Mai Rille. örz reaktionären Trebnitz sehr heilsam wirken. EZ schmeckt nichr jede Medizin, mch geHen Gift Hilst schließlich mir Gegengift._ Schreckschüsse öes Majors v. Sommerfelö. Nachdem wir uns mit den Vorgängen im Reichswehr- Pionier-Bataillon 13 und mit dem Verhalten des Majors d. Sommerfeld während der Putschtage mehrfach beschäftigt hatten, erhielten wir am 29. April das nachfolgende inter- essante Schreiben: „Namens und im Auftrage des Majors v. Sommerfeld sowie des Hauptmanns Weber,. beide vom Reichswehr-Pionier- Bataillon 15, teile ich Ihnen mit, daß ich wegen des in Ihrer Abendausgabe vom 28. April 1920 enthaltenen Artikels„Noch ein Kleber" Strafantrag wegen öffentlicher und der- leumdcrischer Beleidigung bei der Staatsanwaltschaft I gestellt habe. Bei dieser Gelegenheit wollen Sie auch davon Kenntnis nehmen, daß in der vorigen Woche von dem Offizier- korps des Reichswehr-Pionier-BataillonS 15 Strafantrag wegen Beleidigung, enthalten in Ihren Artikeln„Reichs- wehr und Kapp-Putsch" in der Morgenausgabe vom 2. d. M. und „Unheilbarer Öpiimismus" in der Morgenausgabe vom 3. d. M. bei der Staatsanwaltschaft I eingereicht ist. Da sich somit das Ge- rncht mit den Vorgängen innerhalb des Pionier-Bataillons in den März tagen demnächst beschäftigen wird, so dürfte eS sich emp- fehlen, bis zur gerichtlichen Feststellung auch jede fachliche Be- schäftigung in Ihrem Blatte mit dem Verhalten des Offizierkorps des Bataillons in jenen Tagen z» unterlassen." Hochachtungsvoll Dr. E i s w a l d t, Rechtsanwalt. Herr v. Sommerfeld und sein Rech-tsbeistand halten uns ftir reichlich naiv. Die letzten Zeilen des Schreibens lassen gar zu deutlich erkennen, daß sich hinter den bedrohlichen Schreckschüssen der Klageandrohung alles andere als Kampfeslust verbirgt. Die Sache wird noch origineller dadurch, daß in drn Artikel„Reichswehr und Kapp.Alutsch" vom 2. April(der Rechtfertigung Noskes) und in dem Artikel „Unheilbarer Optimismus" vom 3. April(Erwiderung auf Noske) das Pionrer-Bataillan 16 überhaupt nicht er- wähnt war. .was heißt Eiö!' Erbauliches von den Hirschberger Jägern. Der Hamburger Oberst v. Ledebour, der von 8 bis 9 Uhr alle Erde brichl, die er von 7 bis 8 geschworen, erhält ein Gegenstück in Gestalt des Konstnandeurs des Reichswehr-Jägerbataillons 5 in Hirschberg.. des Major« v. Bülow. In den Tagen des PutscheS stand Herr v. Bülow mit dem gesamten Offizierkorps seines Bataillons geschlossen aufSeite derKapp-Skegierung. Den Sol- baten wurde jede Möglichkeit genommen, sich sachlich aufzuklären, es wurden ihnen nur die Befehle der Kapp-Regierung verlesen, im übrigen war ihnen das Verlassen der Kaserne� verboten. Trotzdem fehlte es nicht an einsichtigen Leuten, die bei Major v. Bülow vor- stellig wurden und auf ihre GewissenSbedenken wegen des geleisteten Eide« auf die Verfassung hinwiesen. Sie wurden von dem Major angeherrscht:„WaS heitzt Eid! Sie habe» die Befehle des Borgesetzten durchzuführen!" Das sind die Herren, die sich wundern, wenn sie nun jedes moralische Ansehen bei den Mannschaften verloren haben. Bei dem Bataillon wurden auch einige Offiziere und Unter- ofsiziere von den Baltikumtruppen eingestellt. Sie befinden sich noch heute da, obwohl einer. von ihnen bis jetzt noch immer keine Militärpapiere herbeischaffen konnte. Dafür aber stützt er sich auf ein Zeugnis, wonach er„ein treu monarchisch gesinnter Mann" ist I Ein anderer, der Osfizierstellvertreter Herpel erklärte vor einigen Tagen, daß in kurzer Zeit ein neuer Putsch kommco würde, aber stärker als der erste. Dieser Mann ist vor ganz kurzer Zeit zur Beförderung zum Offizier vorgeschlagen worden. Ein Hauptmann Hochbaum übt den stärksten Druck auf alle verfassungstreuen Elemente an«, so daß zehn Oberjäger und eine Menge Jäger sich entlassen ließen. Dafür führt er jetzt das Bataillon. Die 3. Kompagnie, bei der sich viele republikanisch ge- finnte Leute befanden, wurde plötzlich aufgelöst und durch eine geschlossene Kompagnie des realtionären Freikorps Faupel ersetzt. Di« Mannschaften sind demgegenüber wehrlos. Selbsthilfe ist ihnen verboten und daSReichswehrministerium ist weit. Die Quelle der Ehrabschneiderei. Zu dieser Notiz sendet unS Alex Schweizer ein« Berichtigung, in der er seinen Brief an die Dessauer Parteigenossen zwar nicht bestreitet, aber in der Werse zu rechtfertigen sucht, daß er nicht die Anschuldigung des Mordes, sondern des Totschlages gegen den Genossen Kuttner erhoben hat, daß er nicht andere Bor- würfe auf ähnlichem Niveau, sondern den Vorwurf der journa- list i sche n Korruption erhoben habe us>w. Schweizer be- streitet auch, daß er etwas mit der Notiz iu der unabhängigen Presse zu tun habe, wobei allerdings zu erklären bleibt, wieso sich i-n Schweizers Brief genau dieselben frei erfundenen Details bis ins kleinste finden, wie in der Nofiz der un- abhängigen Presse. Der Brief Schweizers befindet sich in unserer Hand, wir verzichten aber einstweilen auf jedes nähere Eingehen auf seinen Inhalt, da Schweiber durch Genossen Kuttner Gelegen- heit gegeben werden wird, seine Anschuldigungen vor Gericht zu vertreten. Wivtfcfyaji Zwangsanleihe! In Nr. 47 des„Vorwärts" vom 20. Januar„Zwangs- « u l e i h e oder Notendruck erei" schrieben wir: „Die Banken, Sparkassen und Börsen schwimmen im Geld, die Hamsterer auf dem Land wie m der Stadt füllen die Wasch- körbe damit, ab« r das Reich muß mangels Geld Noten drucken. Das ist doch ein ganz verrückter Zu- stand!" Der neu« Renhöfimanzminister Dr. Wirth hat jn sein>t letzten Rede vor der Nationaldersammlung davon gesprochen, daß im Interesse unserer Wirtschaf! und der sozialen Gesetzgebung ein Abbau.unsener schwehcndeu Schuld und der Papier» g- l d w! r t s ch a f t ein dringendes Erfordernis sei. Die Tat- sack»? dag in unseren Sparkassen und Banken mehr als 80 Milliarden Einlagen vorhanden seien, beweis« die Möglichkeit, unser« schwebenden Schulden in starkem Umfange zu binden. In diesem Znsammenhange hieß eS dann weiter: „Darum muß unter allen Umständen die Anleihvpolitik großzügig in Angriff genommen werden, und wenn es dabei nicht ganz ohne Zwang ausgehen kann, so müssen wir uch dqzu den M u t finden, im Interesse unseres inneren Wirt- 'chaftSlebetr? und unsere? ausländischen Kredites." Zu der Rede des Refisssf' Nanzministers bemerkt nun der .Berliner BSrsen-Tourier" folgendes: .Dr._ Wirtbs Bekenntnis zur Zwang San leihe wirkt an sich nicht unsympathisch Eine ZwangSanleihe dürfte in ihre? Wirkung dem ReichSnotopfer zumindest gleichkommen, weaw nicht darüber hinausgehen. Zu tragen wäre sie von der Volkswirtschaft ungleich leichter. Während bei dem ReichSnotopfer dem Besitzenden ein bedeutender Teil seines Vermögens endgültig genommen wird, handelt es sich bei der Zwangsanleihe nur um e ine vorübergehende Entziehung. Das ist be- sonders in Krisenzeiten, wie wir sie erleben, von größter B�deu- tung. Angenommen selbst, die Zwangsanleihe würde nicht mit Zinsen ansgcstattcft(was für das Reich beiläufig wenn die Anleihe zue Abdeckung der Kriegsschulden benutzt wird, eine Zins- ersparnis von 9 Milliarden pro Jahr ausmachen würde) so wäre sie doch noch immer leichter als das Reichsnotopfer zu ttagen, weil die Vermögensieile zwar dem Reich zu bestiminten Zwecken zur Verfügung gestellt würden, dafür aber Besitztitel in der Hand der Einzelwirtschaften verblieben. Diese könnten, selbst wenn wir mit einem niedrigen Kurs vechnen, immerhin lombardiert werden." Die Aufnahme einer Zwangsanleihe könnte deravt erfolgen, daß von einer bestimmten Vermögensstufe ab etwa ein Drittel des Vermögens in Zwangsanleihe anzulegen sei, wobei der Besitz an Kriegsanleihen und niedrig verzinsten Staats- papieren in Abzug gebracht werden könnte.'Wir wissen, daß nur ein Teil der Zahlungsmittel den Banken und Sparkassen zuge- führt, dagegen ein erheblicher Teil gehamstert wird. Aus diesem Grunde dürfte eine Abstempelung aller Noten zum Zweck der. Besitz fest, stell ung uinmngänglich sein. Wenn wir bedenken, daß die deutschen Steuerzahler, und zu diesen zählen die Arbeiter, deren Einkommen am schärfsten erfaßt wird, in erster Linie, heute 12lh Milliarden Zinsen für die Reichs schulden aufbringen müssen, auf der anderen Seite die besitzenden Klassen, vor allem die Schieber, einen geradezu widerlichen Luxus und Verschwendung treiben, dann müssen wir die Fotiberung, eine zinslose Zwangs- anleihe aufzulegen, immer wiederholen und vom Reichsfirnrnz-- minister eine baldige Vorlage für den neuen Reichstag erwarten, damit der Papiergeldvermehrung ein Ende gemacht wird. Die Reichs ssickstoff werke nls A.-G. Mitteldeutsche Stickst o f f lv e r l e A k t.« G e s. in Berlin. Der Gründungsbericht über die der von der Berliner Handelskammer eingeletzten Revisoren liegt nunmebr vor. Danach ist das Kapital von 00 Mill. M. folgendermaßen übernommen worden: durch den ReichZfiskus 59 900 000 M., durch die E l e k t r o w e r k e Berlin 1000 durch die Gesellschaft für Kraftübertragung G. m. b. H. in Berlin 1000 M., durch die Vereinigten Aluminiumwerke Akt.-Ges. 1000 M., durch die ReichSkredit« und Kontroll« stelle G. m. b. H. 1000 M. Das Kapital ist zunächst mit 23 Proz. eingezahlt worden. Der Aufsichtsrat besteht au« den Herren Unter- staatssekretär Goldkuhle, Geh. Regierungsrat Caro, Felix Heimann, Geh. Regierungsrat Lenzmann, Berlin. Gegenstand des Unter- nebmens ist die Herstellung von Kalk st ick st offen, anderen stick- stoffhaltigen Düngemitteln und sonstigen chemischen Erzeugnissen, insbelondere in den in Piesteritz vorhandenen Anlagen, der VaUrieb dieser Erzeugnisse und ihre sonstige Verwertung. GroßSerlw Segegaung. Wie mer ging in Abendröten— Einige DemokrAen töten.— Damit hat er's furchtbar eilich,— Weil er jetzt doch volksparteilich.— Grade will er sich verschnaufen,— Kommt der Rektor Kopsch gelaufen. „Wiemer, du?!"„Kopsch, seh ich recht? k"— Ach, wer denkt noch an Gefecht,— Mord und Totschlag, Blutverguß? — Nein, Umarmimg folgt u-nd Kuß!— Ob solch glücklichem Begegnen— Sieht man Freudentränen regnen. Droben ist der Mond mit Prangen— lieber Wolken aufgegangen.— Drin als Mann im Monde sitzt— B ü l o w. Schaut Er lacht verschmitzt! Kaspar. MaZMmmung bei Scherl- Der �Lokalanzeiger" berichtet über den 1. Mai. Der„Lokal- anzeiger" ist unzufrieden über feinen Verlauf. Es war nämlich lachender Sonnenschein, sagt der �Lokalanzeiger", aber das Straßen- brld hatte ein trübes Gepräge. Ein trübes Gepräge hatte das Straßenbild, weil die Straßenbahnen nicht fuhren. Infolgedessen war bei den Feiernden„gedrückte Stimmung", sagt« der„Lokal- anzeiger"-Reporter, was aus seiner gedrückten Stimmung herzu- leiten wäre, weil er zu Fuß laufen mußte. Der„Lokalanzeiger" gibt auch ein Stimmungsbild". Wer wären geeigneter, über den 1. Mai ein Stimmungsbild zu dichten als der.Lokalanzeiger", der alle Gefühle bei den Wurzeln zu fassen versteht. Der Sonnentag, sagt er, war ein Sonntag nach Machtgebot der Proletarier. Siehst d», Proletarier, da hast du es, dafür wirft du auch zwischen Anführungsstrichen gestellt, denn du bist eigentlich kein Proletarier, sondern ein Spießbürger. Also entdeckt der.Lostalanzeiger" Verwaridtschaslsge fühle zwischen dir und ihm, was ihm viel Spaß macht. Sehr ärgerlich ist danu das neckische Lokalblattchen Wer das Fehlen der roten Schlipse.„Selbst die roten Mainelken wurden nicht mehr gekaust." Damit weiß jetzt die ganze Welt, daß, wie der„Lokalanzeiger" sagt,„ine Wogen der roten Begeiste- rung nirgends mehr sehr hoch zu gehen scheinen". Wir möchten unsererseits den Wogen der roten Begeisterung, wenn sie sich„wieder erhoben", empfehlen, den„Lokalanzeiger" mit seiner ganzen Gesellschaft an jene einsamen Gestade zu entführen, wo er hemmungslos den„ewigen Mai" bedichten kann. Protest der Schuhmacher. Montagvormiltag wurde im Friedrichshain eine von der Jen» trale der Vereine selbständiger Schuhmacher einbs-' rufene Versammlung abgehalten. Sie nahm eine Resolution an» deren wesentlicher Inhalt ist: Die Versammlung protestiert gegen die im Publikum verbreitete Anschauung, als ob der Schuhmacher der Wucbere? sei. Nicht der Schuhmacher, sondern die Kapital. Wirtschaft in allen Zweigen der Jnvustrie ist schuld an den hohen Preisen für Schuhmacherarbeiten, Die selbständigen Schuh- macher leiden ebenso wie die Masse der Bevölkerung unter den Teuerungsverhältnissen. Hierdurcy sowie durch die gesteigerten Löhne und Geschäftsunkosten werden die Preise für Schuhmacher- arbeit bestimmt. « Die Schuhmacher zogen darauf nach dem Vorwärts- ebäude und fühlten sich bemüßigt, gegen angeblich ihnen durch ie Presse zugefügtes Unrecht vor den Fenstern unserer Redaktion zu demonstrieren. Es wurde viel und laut geredet und dabei die Tatsache nicht aus der Welt geschafft daß die Stieselsohlen nicht zu bezahlen sind._ .In der Notwehr erschossen wurden am 1. Mai zwei Personen. Der' Wächter August S ch w a b a ch aus der Graudenzer Str. 14, der im Dienste des Vereins der Grundbesitzer steht, bemerkte auf feinem Rundgange in einem Häuft in der Mehner Straße«inen Mann, der«in Haus verließ, ohu« es wieder zu verschließen. Weil •Bbrn der Vorgang verdächtig vorkam, fragte er den ibm Unbekannten, weshalb er die Haustür offenstehen lasse. Dieser gab ihm zur Ant- wort, daß eS ihm gar nichts angehe, und versuchte gleich, dem Wächter ins Geficht zu schlagen. ES entspann sich jetzt ein Wort- Wechsel, dem der Wächter dadurch tm Ende bereitete, daß« fei«» Rundgang fortsetzte. In der Weinstraße fiel der Mann plötzlich über den Wachte� her und schlug ihn zu Boden. Auf der Erde liegend zog dieser jetzt seine Schußwaffe und feuerte auf den Angreifer. Dieser wurde so schwer verletzt, daß er aus der Stelle zusammenbrach und verstarb. Die Leiche wurde nach dem Schauhause gebracht. Nach bei dem Toten vorgefundenen Papieren handelt es sich um«inen Bureauvorsteher Alfons Marks. — In der K a t h a r i n e n st r a ß e 4 erschien der 22 Jahre alte Galvaniseur Adolf N o a k aus der Bernauer Straß« 103 im an- getrunkenem Zustande in einem Schanklokal. Er lärmte dort und griff den 39, Jahre alten Telegraphenanwärter August König ans der Soldiner Str. 71/74, der den Wirt vertrat, schließlich tätlich an. Ilm sich seiner zu erwehren, schoß dieser auf Noak und veletzte ihn tödlich. Unglücksfälle beim Motorradrennen auf der Olympiabahn. Bei den Motorradrennen, die gestern der Motorradklub Berlin auf der Olympiabahn veranstaltete, hat sich ein Massen stutz zugetragen, der einen tragischen Ausgang nahm. Im vierten Nennen kam in der ersten Kurve der an der Spitze liegende Fahrer zu Fall und wuroe beim Hcrabrutschen von der Höhe zum Jnnenraum von zwei ihm dicht folgenden Konkurrenten, von denen einer der Düsseldorfer Birkhahn war, überfahren, ohne aber dabei großen Schaden zu nehmen. Der Unfall wäre damit beendet gewesen, wenn die nach außen an die Balustrade gedrängte Maschine Birk- hahns nicht einen dort liegenden Fuchspelz mitgerissen hätte, der den Fahrer verwirrte. Das Rad schlug gegen die Barriere, Birkhahn wurde auf die Bahn geschleudert, wo der ihm dicht folgende andere Fahrer über ihn stürzte. Birkhahn war, als man ihn aufhob, tot. Die anderen Fahrer hatten nur leichtere Verletzungen erlitten. Einige Zuschauer, die sich zu weit vergebeugt hatten, erlitten leichtere Verletzungen. Zum Protest gegen die Brotverteuerung rief die Konsum- genossenschaft auf, als sie in der Unionsbrauerei, Hasenheide, eine Versammlung abhielt, in der das Vorstandsmitglieo MiruS in einem Vortrage das Thema der Brotverteuerung behandelte. MiruS glaubt, daß der gegenwärtige Preis von 4,50 M. noch nicht der Höchstpreis fei, sondern in der Folge noch überholt werden würde. Lebhaft wandte er sich gegen die Niehlkontingentierung und berechnete, daß ohne diese das Brot 15 Pf. billiger sein könne, weil es dann möglich sei, den Arbeitslohn pro Brot von 29 Pf. aus 14 Pf, herabzudrücken. Er sagle wörtlich: das MehlkonUngent ist einge führt, um die arbeitslosen Bäcker unterzubringen und sie auf Kosten der Allgemeinheit durchzufüttern. Daß die Bäckermeister dafür eintreten, geschehe deshalb, weil diese Zünftler nnt dem Kontingent dft Großbetriebe bekämpfen wollen. Heut müsse eS heißen: Nickst kontingentieren, sondern sozialisieren. Redner rech- nete sehr scharf mit den Bäckermeistern ab und kam dann zu dem Schluß: die Zwangswirtschaft müsse a uf r ech te r h a l- teu werden, bis das Angebot der Waren die Nachfrage übersteige. In der Diskussion trat der Vertreter der Bäckergesellen L i v l a n d e r dem Referenten entgegen und bezeichnete das ganze Referat wieder» holt als Spiegelfechterei, Die Versammlung solle nur gebraucht werden, um gegen das Mehlkontingent Sturm zu laufen. Gegen diese Ausführungen wandte sich das Vorstandsmitglied Lange. Er warf den Bäckern vor, daß sie durch die Kontingentierung Ine Allgemeinheit ausplünderten. Der Forschrift beruhe mckdetztech- nischen Entwicklung, nicht darin, daß man an den alten zunstlerischen Dingen festhält. Der Redner gab schließlich zu., daß die Brot- preise rhöhun-g am wenigsten auf das Konto der Bäcker, sonid-ern auf das der Agrarier komme. Nach einem Schlußwort des Neferenlen wurde eine im Sinne seiner Ausführungen versaßt« Resolutio» an- genommen. Kommunnlisiernng des VestettungSwesenS in Reinickendorf. Der Beschlutz der Gemeindevertrehing, das Bestattungswesen zu kommunalisieren, ist nunmehr in die Tat umgesetzt worden. Vom 1. Mai ab beginnt die Bestattungsabteilung ihre Tätig- keit. Von der Meldung des Todesfalls bis zur Bestattung oder Einäscherung übernimm! das Gemeindebureau alle Formalitäten. Es soll damit verhindert werden, daß die Kopflosigkeit, die ja oft eine nur zu natürliche Folgeerscheinung trauriger Famikienereig- nisse ist, zum Schaden der Betroffenen wucherisch ausgebeutet werden kann. Das Sarglager der Gemeinde kann allen Ansprüchen gerecht werden. Ebenso steht eigenes Beerdigungsfuhrwert zur Ver- fügung. Im Berich« über die Maifeiern in der heutigen Morgenausgabe muß es heißen: Jn Hohenneuenhorf und Stolpe sprach Genosse Wissell und statt Herzselde Bergfelde. Sroß-Serliner Parteinachrichken« Heute, 5*. Mai: O. Abt. Sftmig der Funktionäre und vetricbSverwmenSleutc Kottbuser Ufer SO. Kantine Erdmannsbof 71/, llhr. 15. Abt. 71/, Uhr Sitzung iämtlicher Funktionäre und polltllchen Sc trsebsvertrauensleute bei Schwarz, Blankensetder Str. 10. Pünktliches Er scheinen dringend ersorderlich. 24. Abt. 7 Ubr bei Rösner, Fminanuelklrchstr. 25, Konseren, de Partei- und Betriebsjunktionäre. Friedenau. 7V, Uhr Frauenabend, Luisenschule, Goßlerstratzk Klasse 1 O. Reserentw Oderlehrerin Genossin Kanten. Thema: Hislortichc RellgionSunterricht oder Moralunterricht? Morgen, 4. Mai: 18. Abt. 7 Ubr Sitzung der gmittwnäre und DetriebsvertrauenSIeut, bei Meiten, Brandenburger. 82. 27. Abt. 7»/, Uhr Sitzung der BezirkSsüHrer und Betriebsvertranens lente bei Dimbrolaw, Swlnemünder Str. 11. 44. Abt. 7-/� Uhr Sitzung der BezirkSsüHrer bei Miels ch, Chriftianta stratze 115. Verein sozialdemokratischer Polizeibeamten Groß- Berlin. Nachmittags 5 Uhr im großen Saal der. Happoldbrauerei, Hasenheide 32/38. öffentliche Versammlung aller Polizeiöeamten! der blauen, grünen nnt Kriminalpolizei. Thema: Die Polizeibeamte« und die kommenden Wahlen Mus aller Welt. Schweres Grubenunglück. Auf dem Wilhelmsschacht II in Zwickau brach infolge explodierender Glase ein Brand in einem Flöz aus, der übe? zwei Tage wütete. Der 300 Mann starken Belegschaft gelang es bis aus neun Mann, rechtzeitig auszufahren. Diese neun Mann sind vermutlich erstickt. Leider war es bisher wicht möglich. Ver- bindung mit ihnen Herzustelleu. Die Maifeier der obere« Zehutauseud. Aus New Nor! wird gemeldet, daß der 1. Mai in den Ver- einigten Staaten ohne ernste Störungen verlaufen ist. Beamte de? Bundesbehördest, Privatdetektive und. Polizisten bewachten den ganzen Tag über die öffentlichen Gebäude sonst« die Wohnungen und Geschäftsräume der Millionäre. Die Jagd nach de« Millionen. Wien, 2. Mai. Dem hier weilenden ukrainische» d-ipl» mattschen Kurier in Griechenland Glaußmarin wurden gestern nacht von seinem Kvlhxgen, dem ukrainischen diplomatischen Kurier in Griechenlatid, Gronowsky, ftl eintm Wiener Hotet mehrere Pakeit« B a n k n o te n verschiedene? Länder im Wert« von mehreren Millionen Kronen entwendet. Gw» nowSky, der von Beruf Arzt ist, ist flüchtig. Geschädigt ist der ukrainische Staat. Eins der entwendeten Paket« stammt«nff der aklain stehen Gesandtschaft in Berlin, GeVerMastsbeweguns Die Schlußtagung öer Schuhmacher. Nürnberg, 30. April 1320. Ueber die Verschmelzungsfrage in den lederner- arbeitenden Berufen referierte Verbandsvorsitzender Simon. Er'führte aus, daß de� zuerst propagierte(Äedanke auf Schaffung eines BekleidungSindustrieverbandes fallen gelassen worden sei, dafür aber ein Zusammenschluß aller ledererzeugenden und lederverarbeitenden Berufe angestrebt werde. Sckwn die neuerdings stark in Erscheinung getretene Verschmelzung der Lcder- und Schuhfabriken zwinge zu einer Konzentration der in diesen In- dustrien arbeitenden Berufe. Auch für die Sozialisierung würde der Zusammenschluß vorteilhaft sein. Es wurde einstimmig eine Resolution angenommen, die allen Arbeitern der lederherstelleuden und lederverarbeitenden Industrie empfiehlt,, sich zu einem großen und starken Jndustrieverband aller Lederarbeiter zu verschmelzen, und beauftragt den Vorstand, mit den übrigen Verbänden sofort in Verbindung zu treten. Der Vorsitzende der Lederarbeiter, Möhler, sagte, daß auch sein Verband im Prinzip damit einverstanden sei und einen dies- bezüglichen Beschluß auf seinem letzten VerbandZtag gefaßt habe. Zu Punkt 7 der Tagesordnung: die Lehrlingsfrage im Scboßge werbe wird eine Entschließung angenommen, die sich aus den Boden der Beschlüsse des 10. Gewerkschaftskongresses von Nürnberg 1919 stellt und neben anderem in der Hauptsache eine gründliche fachgemäße Ausbildung fordert. Weiter soll bis auf 2 Arbeiter ein Lehrling kommen, auf 3 bis 5 Arbeiter ein weiterer Lehrling. Einstimmig angenommen wurde eine Entschließung, die den Kollegen untersagt, daß sie nach Leistung ihrer achtstündigen Ar» beitszeit noch Nebenarbeit ansführen, da dadurch eine große Schä- diguna der Kollegen' im Handwerk erfolgt. Weiter wurde eine Regelung der Gebälter der Angestellten entsprechend den gegenwärtigen Zeitverhältnissen vorgenommen. Die Gebälder wurden den Mindestlöhnen der Kollegen angepaßt. Nach ausgedehnter Debatte wurden nach Vorschlägen der Sta- tutenberafungskommission folgende Beitragssätze angenommen: Klasse 1: 8.S0 M., Klasse 2: 2,75 M., Klasse 3: 2 M.. Klasse 4: 1 M. Von den zu zahlenden Unterstützungen wird besonders die Streik» Unterstützung bedeutend erhöbt. Diese beträgt je nach Klasse "und Mitglicdschaftsdaucr 24 bis 105 M. pro Woche, die Arbeits- losenunterstützung 6 bis 21 M., die Krankenunterstützung 3 bis 19,50 M. pro Woche. Als Wöchnerinnenunterstützung wurde eine einmalige Unterstützung von 20 M. festgesetzt. Arbeitslosen-, Reise-, UnMugunterstützung und Sterbegeld wurden ebenfalls entsprechend erhobt. Ein Antrag auf Bewilligung von 10 090 M. für Wahlpropa- gcnda wurde mit großer Mehrheit abgelehnt. Bei der Wahl wurde Simon-Nürnberg einstimmig als Ver- bandsvorsitzender wiedergewählt, ebenso einstimmig der 1. Kassierer Reun und der 2. Kassierer König. Für den ausscheidenden Redat- teur Bock wurde Tresflich-Nürnberg gewählt. Ms 2. Vorsitzender wurde Lex-Stuttgart mit 09 Stimmen gegen 57 Stimmen, die auf eil?en anderen Kandidaten fielen, gewählt. Ausschuß-Vorsitzender Haupt- Magdeburg wurde ebenfalls ein« stimmig gewählt. Am Schlüsse der Tagung nahm Redakteur Bock, der 45 Jahre an der Spitze de? Redaktion stand, mit bewegten Worten Abschied von seiner Lebensarbeit. Damit waren die Arbeiten des Verbands- tags«vledigt._ Gastwirtsgehilfenstreik in Hamburg. Hamburg, 3. Mai.(Eigener Drahtbericht des„Vorwärts".) Ssit Sonnabend 9 Uhr sind die Hamburger Gastro irtsgehilsen im den Ausstand getreten. Lohn-forderunaen, die vom Gostwirtschasts- verband nicht bewilligt worden sind, haben den Anlaß dazu ge- Mdim. Die große Mehrzahl der Gastwirtschaftsstätten ist geschlossen. Die neue Tarifbewegung der kaufmännischen Zlngestellten und Werkmeister in der Textilindustrie, den Färbereien Und Waschanstalten ist an einem entscheidenden Wendepunkt angelangt. Die ersten Verhandlungen verliefen durchaus ergebnislos. Die Organiiationsvertreler sahen sich gezwungen, die Verhandlungen abzubrechen und den Arbeitgebers anheimzugeben, entweder eine Revision ibrer Vorschläge borzvnebmen oder die Tarifverträge an anderer Stelle mit anderen Mitteln als denen der Verständigung weiterzuifihren. In einer erneuten, von den Arbeitgebern an- beraumten Sitzung erklärten diese sich bereit, den Angestellten ab 1. April folgende Gehälter zu zahlen: Jugendliche Angestellte 200 bis 525 M., Fakluristen usw. 675 M., Filialleiterinnen 660 M., Kontokor�entbuckhalter usw. 950 M., I. Buchhalter uiw. 1100 M., Hauptkassierer usw. 1200 M. Die Vertreter der Afa konnten angesichts dieser Gehaltssätze nicht erklären, daß sie den Angestellten die Annahme dieser Sätze empfehlen werden. In einer in den Residenzfestiälen stattgefun denen stark besuchten Versammlung wurde eine Resolution einstimmig angenommen, in der es heißt: „Die versammelten Angestellten der Textilindustrie stellen mit Entrüstung fest, daß die Unternehmer sowohl in der Beratung des Manteltaiiies als auch in der GehaltZiraae io wenig soziales Ver- ständniS für die Notlage der Angestellten gezeigt haben, daß sie gezwungen sind, das Arbeitgeberangsbot rundweg abzulehnen. Die Angestellten sind sich der Verantwortung bewußt, daß ein eventueller Streik für die berechtigten Forderungen der Angestellten dem Wirtschaftsleben unermeßlichen Schaden zufügen würde. Sie fordern die Vertreter der Afa auf, um keinen Weg unbeschritten zu lassen, noch einmal sofort mit den Arbeitgebern auf Grund unserer Forderungen in Verhandlung zu treten. Lehnen sie ab. so fällt ihnen allein die Verantwortung für den entbrennenden Kampf in de: Textilindustrie zu." Es wird sich in den nächsten Tagen zeigen, ob ein Kampf in der Textilindustrie zu vermelden rst. Tsuerungszula�en für den Pntz-Einzclhandel. Zwilchen den Arbcilgeberverbänden für den Putz-E:nzelhandel und dem Zentralverband der Angestellten ist folgendes verernbarr worden: Auf die ab 1. November 1919 geltenden Tariflöhne werden nachstehende Teuerungszulagen gewährt: Lehrlinge und Angestellte bis zum einschließlich 2. Berufsjahr erhalten im 1. Halbjahr ihrer Tätigkeit 25 M., im 2. Halbjahr 35 M., im 2. Jabr 50 M. Für die Monate Februar, März, April. Mai gleichbleibend. Die drei Monate Probezeit bei den Lehrlingen kommt nicht in Anrechnung. Kaufmännische Angestellte(Lageristen. Verkäufer usw.) erhalten für Monat Februar 60 Proz., für März 662/3 Proz. und für April- Mai 75 Proz. Teuerungszulage auf die Tarifsätze. Die Zahlung der Teuerungszulagen für Februar und März hat ohne jeglichen Abzug zu erfolgen._ Neuregelung der Löhne für die Kellerarbeiter. Die im Deutschen Transportarbeiter- Verband organisierten Kellerarbeiter,-arbeiterinnen und Kutscher nahmen in einer be« sonders stark besuchten Versammlung im Englischen Garten den Bericht über die erneuten Verhandlungen der Arbeitgeber aus den Weingroßhandluugen und Litörsabriken entgegen. Liebenow er- stauele Bericht über die Verhandlungen vor dem Schlichlungsaus- schuß. Es wurden folgende Lohnsätze, güllig vom 1. April 1920 ab, durch Vergleich festgelegt: Der Wochenlohn beträgt für männliche Arbeiter dom vollendeten 20. Lebensjahr 195 M., nach>/., jähriger Berufstärigkeil 200 M., nach 1 jähriger Berafstängkeit 205 M.r für Arbeiterinnen vom voll- endeten 18. Lebensjahr beträgt der Wochenlohn 130 M., nach'/»jähriger Berufsläligkeit 135 M., nach 1 jähriger Berufstätigkeit 140 M., Flaschen« spülerinnen erhalten 10 Proz. mehr. Kutscher vom vollendeten 20. Lebensjahr erhalten 10 M. mehr. Die Lohnregelung für jugendliche männliche Arbeitnehmer bleibt der freien Vereinbarung innerhalb der einzelnen Betriebe überlassen, jedoch sollen die bisherigen Löhne im Verhältnis zu den neuen Lohnsätzen aufgebesiert werden. Aushilfskrätle, soweit sie ausschließlich in Wein- und Spirituosen- betrieben beschäftigt sind, erhalten einen Zuschlag von 19 M. wöchentlich. In den Weingroßhandlungen gelten die vorstehenden Lohnsätze mit der Maßgabe, daß die �Steigerung der erhöhten Löhne erst nach einjähriger bezw. zweijähriger Beruislätigkeit erreicht werden, auch werden für Flaschenspülerinnen 10 Proz. nrcht gewährt. Diese Lohn- sätze gel'.en vom 1. 4. bis 30. 6. 1920. In der sehr eingehenden Diskuinon wurde allseitig bemängelt, daß eine generelle Regelung der Lohnsätze für Jugendliche nicbl erreicht worden ist. Weiler wurde moniert, daß es trotz Bemühens nicht gelungen ist, für das Handelsgewerbe mit den zum Teil ver- bundencn Fabrikaliouen einheitliche Lohnsatze festzulegen. Lebhast bedauert wurde ferner, daß nicht die gleichen Lobnvereinbarunge» wie in den Brauereien erzielt worden sind. Zum Schluß stimmte die Versammlung dem Vergleich mit überwälugender Majoriiät zu. Ferner wurde beschlossen, den 1. Mai durch Arbeilsruhe festlich zu begehen, unbekümmert darum, daß bereirS verschiedene Arbeit- gebe? verlangt haben, an diesem Tage zu arbeiten. Abschlits; der Lohnbewe-iung der Handelshilfsarveiter im Papier- und Pappen-Engroshandel. In einer gut besuchten Versammlung berichtete Haerling vom Transportarbeiter-Verband über die Verhandlungen mit dem Arbeitgeberverband. Nach einer lebhasten Diskussion wurde de» nachstehenden Sätzen zugestimmt: Hausdiener. Lagerarbeiter Stapler, M. M. M. Fertigmacher über 20 Jahre.. 200,— 205,— 210,— pro Woche Kuiscker.......... 210,- 215,— 220,-., Weibliche über 20 Jahre... 135- 140.— 145,—.. Jugendliche von 14— 10 Jahren 70,— M. pro Woche . 16— 18„ 100,—., , 18-20. 140,-.. ab t. April bis 31. Mai 1920. Für SonntagS-Nachmittogsfüttern erhalten die diensthabenden Kuu'cher 6 M. Exiraentschädigung. Als Delegierte für die Generalversammlung Groß-Verlin wurden K o l l o f, Gleue, Lettow gewählt. Dem Maiseier- bejchluß der Gewerkschaflskommission wurde zugestimmt, obwobl der Arbeitgeberverband durch Zirkulare an die Unternehmer zur Auf- rechter Haltung der Arbeit in den Betrieben für den 1. Mai auf- forderte._ Eine LertrauenSmännersitzung aller in den Damen-Stroh- und Filzhutbetrieben Beschäftigten nahm u. a. auch zur Urlaubsfrage Stellung. Da die Unternehmer sich bisher auf den Grundlohn ver- steifen, soll dt« bisherige Kommission nochmals mit den Unter« nshmern in Verhandlung treten, um evtl. vorhandene Differenzen zu beseitigen. Des weiteren übte die Versammlung an dem Ver- halten einzelner selbständiger Kollegen, die aber der Organisation noch als Mitglied angehören, scharfe Kritik. Die während des Streiks ohne Einwilligung der Streikleitung in den Umpreßan- stalten stehen gebliebenen Mitglieder sollen zur Verantwortung ge- zogen werden. Des weiteren wurde zur Kenntnis gebracht, daß die Inhaber des Hutbetriebs Mülleritr. 165 ausnahmslos angelernte Frauen zu niedrigen Löhnen beschäftigten. Das sei um so verwerflicher, a:s bei den heutigen Preisen für Umpreßhüre der Unternehmer wohl vollwertige Arbeitskräfte beschäftigen und die Tariflöhne bezahlen könne. Eine gute Arbeit könne in diesem Betriebe nicht geleistet werden, da erfahrungsgemäß der männliche Arbeiter drei Jahre zur sachgemäßen Ausbildung in diesem Beruf braucht, um etwas Ordentliches leisten zu können. Die in den Buchdruckcreicn, Buchbindereien und ZeituttgSbitriebe« beschäftigte» Mitglieder des Transportarbeiterverbandes nahmen ,n einer Versammlung zu ihrer Lohnbewegung Stellung. P o d u b r i n teilte mit, daß die Arbeitgeber trotz aller Bemühungen eS ab« gelehnt haben, einen Tarif abzuschließen, die Geduld der Arbeiter« schast sei nun zu Ende. Um zur Eriüllung der besckeidenen Forderungen zu gelangen, sei der SchlicktungSausschuß angerufen worden. In der Diskussion wurde besonders hervorgehoben, daß die ge« lernten Arbeiter die Transportarbeiter nicht so unterstützen, wie das bisher im umgekehrten Falle geschehen iei. Sollte es zum Kampfe kommen, so erwarten die Versammelten die vollste Soli- darität aller Hand- und Kopfarbeiter im graphischen Gewerbe. Eine eingebrachte Resolution, die die Anrufung des Schlichtungs- ausschusies gutheißt, den Arbeitgebern aber den Kampf ansagt. wenn sie den Schiedsspruch ablehnen, wurde einstimmig angenommen. Die Buchbinderei-Werkmeister nahmen in einer gutbesucbten Ver- sammlung den Bericht der Tarifkommission entgegen und faßten nach kurzer Debatte folgende Entschließung: Die am 29. April tagende Buchbinderei- Werkmeister- Versammlung nimmt die von dem Verband der Berliner Bucbbindereibesitzer in Vorschlag ge- brachten Gehaltssätze von 1400 M. für Obermeister, 1300 M. für Werkmeist�:, 1200 M. für Untermeister zur Kenntnis. Die Ver- sammelten erklären sich mit den vorgenannten Summen einver- standen, erwarten jedock, daß bei weiteren durch die Verteuerung der Lebenshaltung notwendig werdenden Lohnverbesserungen im Berufe den Werlmeistent seitens der Prinzipale Entgegenkommen gezeigt wird. Für daS gewerbliche Personal im chemischen und Mineral- großhandel sowie in der BerbandSstoffdranrhe ist eine Neu« regelung der Löhne erfolgt. Nach gegenseitiger Verständigung mit den in Betracht kommenden Arbeilgeberverbänden und dem Deutschen Transportarbeiterverband, Bezirk Groß-Beilin, chemische Branche, betragen die Wochenlöhue: Für männliche Jugendliche 65—136,50 M., iür männliche Erwachsene 185—240 M.. für weib- liche Jugendliche 52—123,50 M... für weibliche Erwachsene 138 bis 150 M. Diese Regelung bat Gültigkeit bis zum 30. Juni 1920. Alles Nähere ist im Verbandsbureau, Engelufer 14/15, Zimmer 33, zu erfahren._ Ter Verband der Optikergehilfen Deutschlands und der Schweiz gegen den 1. Mai. Während die klassenbewußte Arbeiterschaft den 1. Mai trotz aller Anfeindungen und Hindernisse als Feiertag der Arbeit sich zu erhalten gewußt hat, scheint es der Verband der Optikergelülftn Deutschlands und der Schweiz(Ortsgruppe Berlin) mit der Mehr- heit der Deutschen Nationalversammlung gehalten zu halben, für die es sine Maifeier nicht geben sollte. Zur großen Freud« der Arbeitgeber hatte diese Organisation den Beschlutz gefaßt, am 1. Mai zu arbeiten. Mit Recht fordert eine Zuschrift die in dieser Organisation noch befindlichen Sozialdemokraten auf, sich doch ein- mal genau zu orientieren über ihre nächste Umgebung. Soziales. Krüppelfürsorge. Der bevölkerungspolitische Ausicbuß der Landesversemmlung verabschiedete da« Gesetz über die Krüppelsürsorge. das, auf Neuzeit- licher Grundlage ausnebaut, nicht nur für die der Anstaltspflege bedürftigen Krüppel sorgt, sondern auch für solche, die deren nicht bedürfen, berücksichtig: und vor allem die Gefahr der Verkrüvpelung beseitigen will. Erstmalig ist hier de» Stadt- und Landkreisen die Pflicht soziale Fürsorge zu treiben, durch das Gesetz aukerlegt. Der Gesetzenlwucf fand in der veränderten Fasiung einstimmig An« nabme und wird noch vor der längeren Vertagung zur Verab- schiedung kommen. Darauf trat der Ausschuß in die Beratung der Schutzmaß- nabmen für Kellnerinnen ein. Die Beratung hierüber wird kortge« setzt werden. Endlich wurde einer Anregung des Abg. Zimmer (Soz.) folgend, die Schweigepflicht aufgehoben, die die Aerzte btsher auch den Versicherungskörperschaslen gegenüber hatten. Verantw. für den redaftion. Teil:«rw, glckler, Tliarlotlenbur«: für Anzeigen: Th. Ewctc, Berlin. Bering: Borwäris-Berlag G. m. b. K. Berlin. Druck: Bor« wäris-Buckdruckerei u. Berlagganstalt Baut Singer u. Co. Berlin Lindenür. 8. /»SciM.moäer&a werden Damenhilte; umgepreßt Ecksteins Hütfabrik; InvalldenstroBe 33 Ecke CbausseestraÜe. b—» Kein Laden, i Werserteppjclia bis 3X4 ans Privathand gesucht. 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