Der letzte Tag öer Nationalverfammlu Sotsihaft öes Reichspräjlöenten. Die verfassunggebende Nationalversammlung der Deut- schen Republik hat heute ihre letzte Sitzung abgehalten. Die Zeit ihrer Entstehung und Taguktg füllt einen Abschnitt der deutschen Geschichte, der an Stürmen reicher ist als irgendein anderer. Die Nationalversammlung hat den Leidenskelch dieser Zeit bis zum letzten Tag auskosten müssen, noch ihre heutige letzte Sitzung war eine Unerfreulichkeit. Jetzt, da sie von der politischen Bühne abtritt, hat sie nicht einmal allenthalben auf ein gerechtes Urteil zu rechnen, denn der Wahlkampf der Parteien von der äußersten Rechten bis zur äußersten Linken läßt wenig Raum für ruhig abwägende Betrachtungen über Wert oder Unwert der vollbrachten Ar- beit. Aber allen„ttizelurteü vorweg genommen werden kann doch die Tatsache, daß die Nationalversammlung aus den Trümmern der tausendjährigen Monarchien eine d e m o- kratische Republik errichtet hat. Sie hat das getan, obwohl die Januarwahlen des vorigen Jahres eine Mehrheit von grundsatztreuen Republikanern nicht gebracht hatten. Die Mehrheit mußte aus Elementen gebildet werden, von denen die einen bewußt und freudig dem neuen Ziel zustrebten, während die anderen nur zögernd und bedenklich. der Not gehorchend, nicht dem eigenen Triebe, dem unwider- stchlichen Zug der geschichtlichen Entwicklung folgten. Es darf ausgesprochen werden, daß die zielbewußten Elemente auf das von ihnen vollbrachte Werk nicht ganz ohne Befriedi- gung zurückblicken dürfen. Die Sozialdemokratische Partei hat dabei. unter Ueberwindung zahlloser Schwierigkeiten, von denen sich der Fernstehende kaum eine rechte Vorstellung macht, gewaltig� Arbeit geleistet. Sie batte nicht nur das Kunst- stück fertig zu bringen, aus treibenden Planken ein neues tragfähiges Schiff zu zimmern und mit gestern noch stramm monarchistischen Parteien eine Verfassung der Deutschen Re- publik zu schaffen— ihre sozialistische Ueberzeugung zwang sie auch, über die Gebote der unmittelbaren Gegenwart hin- weg die Notwendigkeiten der Zukunft im Auge zu behalten und das Verfassungsleben der Republik in Bahnen zu brin- gen. von denen aus eine freie Entwicklung zu den letzten Zielen des Sozialismus möglich ist. Auch dies mußte getan werden, so gut es ging, mit einer Mehrheit, die als Ganzes von SausMaus noch viel weniger sozialistisch als republi- kanisch uw.— Tie Sozialdemokratische Partei hat auf diesem steinigen Wege viele Kritik gefunden, aber niemals eine Antwort auf die Frage erhalten, wie es anders besser hätte gemachr werden können. Legale Opposition bedeutete den Verzicht auf jeden Anteil an der Macht, nicht nur für die Partei, sondern für die Arbeiterklasse, die sich eben erst die Republik erkämpft hatte, Auslieferung der Republik an ihre Todfeinde, Auslieferung der sozialen und finanziellen Gesetzgebung an die Feinde der Arbeiterbewegung— und das alles in eineni Augen- blick, der für die äußere wie die innere Politik von unendlicher Bedeutung war. Illegale Opposition bedeutete nach dem Völkerkricg den Bürgerkrieg, die blutige Zerfleischung im Innern angesichts eines imperialistischen Gegners, der� sein Vernichtungswerk auch nach Waffenstillstand und Frieden fortzusetzen entschlossen war, den Schrecken ohne Ende, die rettungslose Verarmung, die Zerstückelung Deutschlands. Und wer vermag zu sagen, ob das verelendete Proletariat aus diesem inneren Krieg als Sieger hervorgegangen wäre, od es diesen Sieg unter Umständen erringen konnte, unter denen es ihn ausnutzen und sich seiner überhaupt noch freuen konnte? Wer den verhängnisvollen Zusammsnprall der Gewalten von rechts und links, die Wiederauferstehung des Faust- rechts nicht wollte, für den blieb kein anderer Weg als jener der Demokratie, der Nationalversammlung und der Koalition. Auf diesem Wege ist es gelungen, das Staats- schiff nach vielen heftigen Stößen und Schwankungen so weit vorwärts zu bringen, daß von heute in sechzehn'Tagen die ersten verfassungsmäßigen Wahlen der Deutschen Republik auf Grund des freiesten Wahlrechts der Welt vorgenommen werden können. Durch Verstaatlichungen und Berstadt- lichungen ist ein wenn auch erst schmaler Grund zur Sozia- l i s i e r u n g gelegt, mit dem Selbstbestimmungsrecht der Arbeiter und Angestellten im Produktionsprozeß ist durch das Betriebsrätegesetz ein Anfang gemacht. der trotz aller berechtigten Kritik in der ganzen Welt— Ruß- land. wo dieses Selbstbestimmungsrelbt wieder beseitigt ist, nicht ausgenommen— vereinzelt dasteht. Die Steuer- gesetzgebung Hot den großen Besitz mit Lasten belegt. die größer sind als in irgendeinem anderen Lande der Welt. Für ein Volk, das unter den Leiden eines verlorenen � Krieges ächzt und qualvoll, nicht immer mit rechter Ueber- > legung, Linderung für sie sucht, ist das begreiflicherweise � nicht genug. Aber nur gehässige Ungerechtigkeit kann sagen, daß es nichts ist. Der Anfang eines großen Werkes i st ge- macht, und den bedeutenden Anteil herabsetzen, den die Arbeiterklasse durch ihre sozialdemokratischen Vertreter an ihm genommen hat, hieße nicht im Interesse der Arbeiter- klasse handeln. Die Abeiterklasse hat sich die Republik erkämpft, sie hat sie verteidigt und sie als Notwohnung ausgebaut, so gut es unter den entsetzlich schwierigen Verhältnissen eben ging. Jetzt heißt es für sie, das Begonnen« nicht zerstören, sondern es zielbewußt fortsetzen, und das erste, was dazu zu leisten ist, hat sie am 6. Juni zu tun. * Die letzte Sitzung der Nationalversammlung stand wie die meisten ihrer Vorgänger im Zeichen schwerer innerer Kämpfe. Gestern hatte sie mit einer sozialistischen Zufallsmchrheit von 120 Stimmen beschlossen, die Regierung um die A u f h e b u n g des Allsnahmsz»st~ndeZ zu ersuchen. Heute erklärte die Koalitionsregierung durch den Reichsminister Koch, diesem Ersuchen in weitem Umfange, aber noch nicht vollständig nach- kommen zu können. Die Unabhängigen vertraten durch Henke die Aufassung, daß durch den gestrigen Beschluß für die Regierung zwingendes Recht im Sinne des Art. 48 geschaffen sei, daß jede Beibehaltung von Maßnahmen auf Grund des Art. 48 nach diesem Beschluß einen Verfassungsbruch darstelle und daß deshalb der Regierung das Mißtrauen auszusprechen sei. Für einen Antrag, der diese Auffassung zum Ausdruck brachte, fanden die Unabhängigen aber nicht einmal die zur Unterstützung notwendigen fünfzehn Unterschriften. So ernst es der Sozialdemokratischen Partei auch mit ihrem Wunsche ist, den Ausnahmeznstand so rasch wie möglich restlos zu beseitigen, so konnte sie sich doch niebt dazu entschließen, einen Schritt mit- zumachen, der zwei Wochen vor den Wahlen das Chaos herbei- geführt hätte. Die Unabhängigen haben sich aber durch ihren hitzigen und unbedachten Vorstoß'elber die Waffe der Behaup- tung aus der Hand gewu.nden, daß das Verhalten der Regierung einen Verfassungsbruch darstelle. Denn die Nationaß Versammlung hat durch ihre schweiaende Ablehnung des unabhängigen Antrags ihren gestrigen Beschluß derart interpretiert daß jetzt nur noch formaljuristische Spitzfindigkeit von einem Verfassungsbruch svrechen kann. Aufgabe der Sozialdemokratischen Partei aber ist es. hinter ihren Wunsch nach rascher restloser Beseitigung des Belagerungszustandes den nötigen Druck zu setzen. Die Partei denkt nicht daran, von dieser Fordenmg zurückzugehen, und sie wird ihre Erfüllung desto rascher durchsetzen, je sorgfältiger Tor heilen von rechts und links vermieden werden. Nach Erledigung dieses Zwischenfalls wollte das Haus die Gesetzentwürfe über die Abschaffung der M i l i- tärgerichte zu Ende beraten. � Der Obstruktion der Rech- ten gelang es jedoch, die Beschlußfähigkeit zu vereiteln und dieses militärische Privileg über die Wahlen hinaus zu ret- ten. Eine namentliche Abstimmung über einen deutsch- nationalen Antrag, den Gesetzentwurf abzusetzen, ergab, daß zur Beschlußfähigkeit eine Stimme fehltet Um dieses Er- gebnis zu erreichen, hatten sich Deutschnationale und Deutsche Volkspartei bis auf drei Mann aus dem Saale ent- fernt! So wurde ein letzter gesetzgeberischer Fortschritt, den die Nationalversammlung vor ihrem Auseinandergehen zu- stände bringen wollte, durch einen Buben st reich der Rechtsparteien verhindert. Es war ein schneidender Mißklang, der bei den Wahlen einen Widerhall finden wird in dem millionenfachen Ruf:„Nieder mit den Fein- den der Republik! Nidder mit der Reaktion! Als die Sitzung gegen �12 Uhr von neuem eröffnet wurde, hatten sich, nachdem ihr Obstruktionsmanöver geglückt war, wieder einige Volksparteiler und Teutschnationale auf ihren Bänken eingefunden. Aber das Bild des Hauses blieb im allgemeinen das gleiche: Die Bänke der sozialistischen Parteien waren sehr stark besetzt, je mehr man aber nach rechts sah, desto breiter gähnten die Lücken in den Reihen der Abgeordneten. Präsident F e h r c n b a ch las nun eine Abschieds- kundgebung des Reichspräsidenten Ebert vor. Während dieser Vorlesung wurde die noch kurz vorher lebhafte und erregte Stimmung des.Hauses ruhig und ernst, fast andachtsvoll. Nur bei den letzten Sätzen ertönten Zwischenrufe auf der äußersten Linken. Aber das Haus begleitete die Botschaft des Nci�w'b'i deuten mit stürmischem Beifall und übertönte damit das Zischen des unabhängigen Häufleins. Sodann erschien Reichskanzler Genosse Hermann Mül- l e r am Rednerpult und trug namens der Reichsregierung ebenfalls eine Abschieds- und Dankeserklärung vor. Ob die sich mit jeder Minute steigernde Abschieds- stimmung auch die äußerste Linke übermannte? jedenfalls war nunmehr von einem Widerspruch fast nichts mehr zu »rerken. Nach dem Reichskanzler erstattete der greise Herr Von P a y e r den Dank des Hauses an den Präsidenten. Als ein trefflicher Präsident erwies sich wiederum Eon- stantin Fehrenbach in seiner Schlnßansprache. Es ge- lang ihm, mit seiner Wärme den an sich rein formellen Schlußakt der gegenseitigen Dänkeskungdebnngen zu einem lebendigen und natürlichen zu gestalten, und in beinahe froh- sicher Stimmung ging um 12 Uhr die Deutsche Nationaloer- sammlung auseinander � * 178. Sitzung, Freitag, den 2t. Mai 4920. Am RegierungStisch: Müller, K o ch. Präsident Fehrenbach eröffnet die Sitzung um 9 Uhr 40 Minuten. Das HauS ist sehr schwach besetzt. Auf der Tagesordnung stehen zunächst Anfragen. ll. a. führt Abg. Fisthrr-Berlin(Soz.) Beschwerde über lie Mißhandlung des Schlossers Fischervnrde, in welchen Bezirker; er beseitigt lverden können, so bat die.Regierung mit Rück- ficht auf den Beschluß der Nationalversammlung eine vorläufige Prüfung dieser Frage noch im Laufe des gestrigen Tages vorgenommen. Danach bleiben in gewissen Bezirken Deutschlands Bedenken gegen die Aufhebung des ÄusnabmeznstnndeS bestehen. Zunächst hat die Rsgiernng gerade in den letzten Tagen wieder Kenntnis erhalten von Bestrebungeii reaktionärer Kreise auf Frontsoldateii, namentlich im Westen im-Sinne geivalttätigen Vorgehens einzuwirken.(Hört, lörtk) lieber diese Dinge wird die Oeffentlichkeit bereits in den nächsten Tagen näher« Aufklärung bekommen.(Wir haben rieer diese Treibereien bereits an der Spitze unserer heutigen Morgenausgabe ausführlich berichtet. Red. d. V.) Sodann kann die Gefahr kommunistischer Putz' che namentlich im Hinblick auf den Umfang der neck» vorhandenen Waffenansammlunaen noch nick't überall' als behoben gelten. Das gilt besonders für das Ruhr- gebiet. Außerdem schweben dort leider, noch zahlreiche uner- ledigte Verfahren, und eS befinden sich noch viele Personen in Hast. Tie Anklagevertreter sind setzt auf Anweisung der Regie- rüng, die dafür besondere Richtlinien erlassen hat, angestrengt da- mit beschäftigt, das Verfahren gegen die Verführer und gemeinen Verbrecher beschleunigt burchzusührei, und die Unschuldigen zu enthaften. Wenn gerade in dieslnn A.Uge. blick das Verfahren unterbrochen unp aä hoc auf die ordentlichen Gerichte überkührt würde, so würde eine starke Verzögerung der EntHaftung Unschuldiger entstehen, zumal gerade diese Verfahren meist vor die Schwurgerichte kommen würden. Aus diesem Grunde wird auch im eigenen Interesse der Verhafteten im Ruhrgebiet der Ausnahmezustand noch nicht beseisigt werden können. Fnr übrigen verweist die Regierung weden der Milderung der Bestim- mu ngen im RuHrgebiet auf die in den letzten Tagen in der Presse veröffentlichten Erklärungen. Weiter ist in Gotha nahmeziistand tvegen des verfassungswidrigen BcrHal'chn Gothaischen Regierung erst in den letzten Wachen verhängt mutz betbehalten werden, bis die für den 30. Mai auf Veranlann der Reichsregierung au'sgeschrielenen Wahlen die Mötzlichkpc Bezugspreis: B ert°Ii!iHrc.2S.50 JJN.monatl.S SO Ml. frei ins vaus. voraus zahlbar. Post- oezug- Monatlich 8,— Ml., exkl. Zu- -tsllungsgröühr. Unrer Kreuzband Mi Deutschland und Oesterreich»Ungarn 1ä,»» Ml„ llir da» Übrige Ausland bei täglich einmal. Zustellung 20.— M. Posiaestellungen nehmen au Däne- mar?-olland. ruremburg, Schrveden, Tschecha- Slowakei und die Schweiz. ringetrazeu m die Dost»?,eiMng»- Preislifte. 0er.Vorwärts-- mit der Sonntagsbeilage.Volk u. Zeit-- erlcheinl wachen- -äglich zweimal. Sonntags einmal. Telegramm-Adreftei .Sozialderuolral Ssrlitt--. Anzeigenpreis: Die achtgeipaltene Nonoarcillezelle taste 3.— M., Teuerungszuschlag W°/e. „Slettte Anzeigen--, das feit- gedruckte War! 1,— M. lzuläfsig zwei settqcdruckie Worte), jebea weitere Wori CO Vsg. Stellengesuche und Schtaiitellenanzeigen das erste Wart Sä Pig. jedes weitere Wort 40 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zahlen für zwei Worte. Teueruuaszuschlag 50%, s?amilien-An-"tgen für Vboimenien geile 2,— M., pasttiiche und ge- wertjchastliche Vereins-Anzeigen 3,— Ml. die geile ohne Aufschlag. Anzeigen für die n ä ch st e Rummer müssen bis 5 Ahr nachmittags im Hauptgeschäft, Berstn TW(53. Linden- ftrahe 3, abgegeben werd-nu Geöffnet von 3 Uhr srüh bis 5 Uhr abends. berliner DolksblAtt Zentralorgan der rozialdetnokratifchen Partei Ocutfchlands Vorwärts-verlag G. m. b. h., Sw. HL, Linöenstr. o< Fernsprecher: Amt Woritzplau. Nr. 117 53— 51. Neöaktion und Expeüition: SW. 6$, Linöenstr. 3. Fernsprecher: Amt Mortoplav, Nr. lölSO— 151S7. Freitag, den 2h Mai 1920 Zt-.sZ9.37.Iahr«. AdeNd'AnSgllbe("20 Pfennig ergeben, bert Volksivillen festzustellen unS eine ver. fassungsmäßige Regierung zu bilden. Endlich hat die Landesregierung in Bayern mit Rücksicht auf die nach ihren Anschauungen besonders gesahr- drohenden Verhältnisse sich mit aller Entschiedenheit gegen die Aus- Hebung des Ausnahmezustandes in Bayern erklärt. Die bayerische Regierung hat inzwischen aber zugesagt, daß sie die Wahlbe- wegung nicht beschränken und insbesondere bestehende Zeitungsverbote aufheben wird. Darüber, ob in Bayern noch wei- tere Erleichterungen möglich sind, wird die Reichsregierung mit der bayerischen Regierung, die die Verhältnisse in erster Linie zu beurteilen hat, in Erörterungen eintreten. Die endgültige Prüfung im Lause dieser Woche wird ergeben, ob zu den aufge- zählten Gebieten noch irgendwelche andere hinzutreten. Da- gegen kann aus Grund der von mir gestern bereits zugesagten vor- läufig vorgenommenen Prüfung im grösiten Teile des Reiches der Ausnahmezustand, soweit er noch besteht, aufgehoben werden. In allen Teilen des Reiches aber verbürgt sich die Reichsrsgierung entsprechend der gestern abgegebenen Erklärung dafür, das; während der Wahlbewcgung die Versammlungs- und PreßfreiheU gewährt werden wird. Abg. Henke(U.Soz.): Es ist zunächst festzustellen, wie der Antrag gemeint war. Ich habe in meiner Begründung darüber keinen Zweifel gelassen, daß wir einen Beschluß auf Aufhebung des Belagerungszustandes im Auge haben. Wenn die Regierung sich heute auf den Vorwand zurückzieht, daß es sich nur um ein Ersuchen handelt, dann er- blickt meine Vartei darin nichts anderes als einen Bruch der Per- fassung.(Sehr richtig! bei den U. Soz.) Und demgegenüber müssen wir uns vorbehalten, einen entsprechenden Antrag einzu- bringen. Die Bedenken der Rsgierung über drohende Putschab- sichten links und rechts können wir nicht anerkennen. Bisher ist der Belagerungszustand stets nur gegen links angewendet »rorden, gegen rechts noch nie, wie der skandalöse Fall Ehrhardt deutlich genug beweist. lSehr richtig! bei den U. Soz.) Die Re- gierung kann die Macht haben, tatkräftig und energisch aufzuireben, wenn sie sich auf das Vertrauen der organisierten Arbeitermasfen stützt. Unerhört ist die Begründung und die Aufrechterhaltung des Belagerungszustandes in Gotba, daß der Volkswille dort geschützt werden soll— unter dem Ausnahmezustand ist der Volkswille noch nie zum Ausdruck gekommen! da wird er nur geknebelt und unter- drückt.(Sehr richtig I bei den U. Soz.) Mit keinem Wort hat der Minister erzählt, daß in Gotha mit allen Stimmen, einschließlich der Demokraten, die Abberufung des Reichskom- missars verlangt wurde.(.Hört, bört!> Der Minister des Innern vertritt hier, wie alle fime Fraktionskollegen, die Interessen der Reaktion. Darum sind r in Verfolgung der Konsequenzen des gestrigen Beschlusses gezwungen, folgenden Antrag einzubringen: »Die Nationalversammlung erblickt in der Weigerung der Regie- rung, den gestrigen Beschlutz auf Aufbebung des Ausnahmezustandes durchzuführen, einen Bruch der Verfassung; die National. Versammlung entzieht daher der Reichsregierung das Vertrauen." (Lebhafter Beifall bei den U. Soz.) V � Reichsmmister Koch: Von einem Verfassungsbruch ist keine Rede. In Gotha haben alle Parteien mit Ausnahme der Unabhängigen um Hilte gegen den Tcrrorismus der unabhängige» Regierung gebeten. Die Reichsre- gierung ist bemüht, dort verfassungsmä ige Zustände herzustellen. In Bayern ist die Bevölkerung durch die Kommunisten- Herrschaft verängstigt. Die Reichsregierung kann n i cht gegen den Willen der Landesregierung vorgehen. Durchaus unrichtig ist die Behauptung, daß der Belagerungszustand gegen rechts nicht in Anwendung gebracht wird. Es kommen Beschwerden von rechts 'und links. Abg. Henke(U. Soz.)'. Ich wiederhole, daß nach meinen Worten zur Begründung nicbt der geringste Zweifel über die Tragweite des Antrages sein konnte. Wenn sich heute der' Minister dahinter versteckt, man müsse angeben, welche Maßnahmen ge- meint seien, so zeigt das nur den Willen der Reichsregierung, den gestrigen Beschluß der Nationalversirmmlung nicht anzuerkennen. Meine Ausführungen über Gotha hat-der thüringische Staatsrat Bauer vollkommen bestätigt. Wenn Sie(zu der Mehr- heit) sagen, es war gestern nur eine Zufallsmehrbeit, so sage ich, daß wir sozialistischen Abgeordneten eben mehr Pslichthewußtsein fiattem da die Herren der bürgerlichen Parteien zu einem großen Teile feblten. Leider gelang es mir nur, für meinen Antrag auf das Mißtrauensvotum gegen die Regierung nur dreizehn Unters ch r i f t e n zu vereinigen, da sich die MehrheitSsozialisiec- ten weigern, ihn zu unterzeichnen. Ich bitte den Herrn Präsidenten, die Anfrage an das Haus zu richten, ob der Antrag von irgend jemand unterzeichnet wird.(Gelächter.) Präsident Fehrenbach: Alle Anträge müssen von lö Abgeordneten Unterzeichner sein. Da diese Zahl nicht erreicht ist, ist die Sache damit erledigt.(Heiterkeit.) Aushebung der Militärgerichtsbarkeit. Auf der Tagesordnung steht dann die dritte Lesung des Gesetz- entwurfs zur Aufhebung der Militärgerichtsbarkeit und die Vor- läge über die Stellung der Heeresanwälte. Abg. v. Graefe(Tnat. Vp.): Wir beantragen, diese Punkte von der Tagesordnung abzusetzen. Es ist zweifelhaft, ob das Haus beschlußfähig ist; die wichtige Frage darf aber nur von einem be- schlußfähigen Hause entschieden werden.(Lärm links und Ruf: Obstruktion!) Abg. Löbe(Soz.) beantragt namentliche Abstimmung über diesen Antrag. Obstruktion der Rechten. An her Zlbstimmung beteiligten sich von der Rechten nur die Wgg. Schultz- Brvmberg, v. G r a f e, S ch i e l e. Es stimmen mit Ja drei Abgeordnete, mit Nein 208, insgesamt haben also an der Abstimmung 211 Abgeordnete teilgenommen. Zur Beschluß- fähiakeit gehören 212. Präsident Fehrenbach stellt fest, daß also eine Stimme an der Beschlußfähigkeit fehlt.(Bewegung.) Das Haus ist also beschluß- unfähig. Er hebt die Sitzung aus. Nächste Sitzung: eine halbe Stunde später: UM Uhr: Entgegennahme einer Kundgebung des Reichspräsidenten. Schluß: 11 Uhr. Bei Eröffnung der Schlußsitzung der Nationalversammlung per- las Präsident Fehrenbach folgende kunögebung öes ReichspeäsiSenten: Meine sehr geehrten Damen und Herren! Mit dem heutigen Tage schließt einer der bedeutungsvollsten Mschnitte im parlamentarischen Leben Deutschlands. Seit dem 6. Februar ISIS waren Sie die Träger einer politischen Entwick- lung, die so überreich an Geschehen, Arbeiten und Leiden wie wenige gewesen ist. Sie waren berufen, unter den schwersten Um- ständen die schwersten Entschließungen zu fassen und Ihre Arbeit dann Dag für Tag, Stunde für Swnde, unter den inneren Er- schütterungen der Nachkriegszeit und unier den Drohungen der Gegner von außen zu Leisten. Wenn es Ihnen trotzdem gelungen ist, die Grundmauern für eine neue politische und wirtschaftliche Wiedererhebung des deutschen Volkes zu errichten, so ist es mir Ehre und Pflicht, Ihnen für alles Geleistete zu danken. Tie Fülle der Arbeit, die hinter ihnen liegt, zeigt sich am deutlichsten, wenn wir an das Trümmerfeld denken, das am Tage des Waffen st ill st andes vor uns lag. Es galt nicht nur ein Volk aus den Blutopfern des Krieges, aus der dumpfen Verzweif- lung der endgültigen Niederlage zurückzuführen, ihm Arbeit und Brot zu schaffen und es an Freiheit und Selbstzucht zu gewöhnen, sondern vor allem die ganze Volkswirtschaft, das ganze Denken und Fühlen, die Anschauungen eines ganzen Volkes den neuen Ver- h ä l t n i s s« n anzupassen. Es galt, dem deutschen Volke im Wege der Selbstbestimmung neue Formen seines Daseins, die neue Verfassung zu geben und damit das Fundament zu schaffen, auf dem sich die gegenwärtige und kommende Geschichte des deutschen Volkes ausbaut. Die Rückwirkungen des Krieges auf die Welt- Wirtschaft, die Entwertung unseres Geldes und unseres Geldkrediis mit allen ihren. Folgen zwangen, in unserem Wirtschaftsleben eine grundlegende Umgestaltung der Stellung des Arbeit- nehmers in Industrie und Handel eintrcien zu lassen im Sinne der Mitwirkung aller schafsenden Volkskreise bei allen Wirtschaft- lachen Unternehmu lagen. Der Zusammenbruch des alten Heeres machte die Schaffung einer neuen Wehr notwendig, die kein Instrument einer irgendwie gearteten Kriegspolitik sein konnte. Alle diese Um- und Neugestaltungen sind noch im Fluß. Das Ergebnis der deutschen Revolution ist noch auf keinem Gebiet abge- schlössen. Da und dort haben wir bittere Rückschläge erlitten, ich erinnere nur an den Kapp-Putsch mit seinen k a ta st r o- p h a l e n Folgen. Sie aber haben das Verdienst, neue Grundfesten in das Chaos hineingebaut zu haben, und wenn nun das Richtfest der neuen Republik Die Kunstausstellung im Lanöes- ausstellungsgedävöe. Die heute mittag eröffnete Ausstellung läßt die beiden äußer- sien Flügel der Berliner Kunstphalanx nebeneinander aufmar- schieren: den Verein Berliner Künstler und die No- vembergruppe, die Organisation der Alten und der Jüng- steii. Es fehlen diesmal die beiden Sezessionen, abr ihr Ausblei- ben hat an dem Gesamtcharakier der Ausstellung nichts geänderi, denn auch innerhalb ihrer Kreise stehen sich die zwei Richtungen unvermittelt gegenüber, und die trennende Grenzlinie würde nicht minder kraß erscheinen, wenn die um Corinth und die um Lieber- mann ebenfalls vertreten wären. Man glaubt tatsächlich eine-andere Welt zu betreten, wenn man aus den Sälen der Berliner Künstler in die der Novembr- leute hinüberwechselt: dort die vertraute Sphäre des irdischen Sinnenreichs, hier ein Land phantastischer Wunder und Märchen. Dort beschauliche Ruhe und ein sicheres, wenn auch oft etwas niüdes Weiterschreiten auf gebahnten Wegen, hier ungehemmte: Sturm und Drang, leidenschaftliches Suchen nach neuen Zielen und kraftvolles Vorwärtsstreben durch das geheimnisvolle Dickicht unerschlossener Urwälder, wo mancherlei störendes G.estrüpp be- seitigt und altehrwürdige Stämme umgehauen werden müssen, wo gelegentliches Entgleisen, Stolpern und Fallen unvermeidlich ist. Trotz zahlloser Mängel und Mißgriffe aus feiten der Jüng- sten kann kein Zweifel bestehen, welcher von beiden Richtungen die Zukunft gehört. Und man hat das Gefühl, daß auch die Alten von dem neuen Geist nicht unberührt geblieben sind. Das Bewußtsein, daß die künstlerische Eroberung der Wirklichkeit durch die Kam- pagnen des Impressionismus endgültig vollendet ist, hat in den Kreisen aller Ehrlichen und Urteilsfähigen Platz gegriffen. Die diesjährige Ausstellung des Vereins Berliner Künstler beweist es. Das deutliche Bestreben, von der vollendeten Wiedergabe der äußern Natureindrücke zur eigentlichen Bildgestaltung fortzuschrei- ten, tritt unverkennbar hervor. Teils wird der reine Stimmungs- geholt, namentlich der Farben, stärker betont, teils werden deko- rative Wirkungen angestrebt, teils macht man in der stilisierenden Umgestaltung der Formen bem expressionistischen Geist direkte Zugeständnisse. Alle Ueberreste aber, die sich aus der vorimpressio- nistischen Epoche bis in unsere Zeit erhalten hatten, sind durch die neue Kunstrevolufion definitiv beseitigt worden: der Kitsch der literarischen, erzählenden, unterhaltenden und belehrenden Ria- f-' nie. süßlichen Genrebilder und pathetischen Historienschinken, »och die vorjährige Ausstellung verunzierten, find diesmal bis .s verschwindende Reste ausgemerzt. Das Schaffen der in der Novembergruppe vereinigten Jungen erhält sein kennzeichnendes Gepräge durch die Tendenz zur söge- nannten„absoluten" Kunst. In der Malerei und auch schon in der Plastik verschwindenden die Andeutungen des Gegenständlichen mehr und mehr hinter den direkten Wirkungen der reinen Kunst- mittel. Es scheint, als ob diese extremste Richtung für die nächste Zeit in der modernest Kunst zur Herrschaft gelangen wird. J. S. Puccini:„ToSca". Im Charlottenburg-er Opern- Haus hört man— unter Ausnutzung der Voraufführung— die ganze„Tosea" des Maestro Puccini. Das Werk ist wohl unver- wüstlich; aber es bleibt immer wieder schauderhaft, aus dieser blut- rünstigen Luft, angehaucht von einem perversen Gemisch von Lüsternheit, Mordsucht, Lüge und Sinnlichkeit, erfüllt vom Nach- klang leidenschaftlicher Räusche, heimzukommen. Eine fierische An- gelegenheft, schlecht, hämisch und niederträchtig ausgedacht. Sardou, vergröbert durch Kino-Efsekte. Unmöglich, trotz Krieg und Massen- mord diese Brutalität geschmackvoll zu finden. Die Musik Puccinis: rot aus rotem Grund, grell im Sonnenschein einer melodisch-srei- giäbigen Phamtasie. mit dem Nerv der Technik erklügelt, und trotz der ersten Hälfte des prachtvollen Kirchenakts, trotz eines Liebes- duetts, einer italienischen Arie, trotz der farbigen Soli und dem in Stimmung gebadeten Orchester ein Nichts gegen„Boheme", gegen„Butterflh". Dennoch: unverwüstlich und Kreaturen packend; weil in uns allen das Tier stärker ist als der Gott. In Charlottenburg beherrscht nicht Tosca die Szene. Frau Salortini ist mehr vom Glanz ihrer Erscheinung und dem Aeußeren des Geschehens gefesselt, als von ihrer seelischen Rolle; sie hat nicht die geladene Hitze dieses Edelweibs, nicht die Glieder- beherrschung und volle Ausnutzung eines seltsam bewegten Minen- spiels. Ihr Schauern ist Lachen, ihr Zittern Starre. Erst im letzten Akt ein ganzer Mensch, gesanglich aufblühend, hingegeben dem Gefühl der Angst und der Liebe, hocbgewachsen— Tos ca. Vorzüglich der Cavaradossa Laubenthals, in der Oual künst- lerisch gedämpft, dann wieder erplosiv losbrechend, glänzend bei Stimme, spielerisch in bester Form. Ueberlegen fübrt der Scarpia H o f b a u e r s, kalt zum Erschauern, in seiner starren Henkers- moral die personifizierte Mordlaune des sexuell Entarteten. Das ganze Spiel unter Lagenpuschs Regie angefeuert, hinrasend, Instinkte erregend, fast romanisch. Wag halt er unterstrich mit heißem, in Blut getauchtem Stab die Raserei dieses Werks und machte für Minuten irre an dem Urteil, daß die„Tosea" wirklich ein mißratenes Stück ist. Für Charlottenburg und Direktor Hartman n war die einheitliche und charaktervolle Aufführung ein ganzer Erfolg. Die Menge jubelte in seltener Erhitzung. Kurt Singer. Ballett in der Staatsoper. Aus Mangel an guten und schlag- kräftigen Opern greift das Staatstbeater zum zweiten Mal zu dem geschickten Mittel, seiu großes Ballet vorzuiühren und dabei alte Danz-Rhythmen aufspielen zu lassen. Das ist unterhaltsam, bleibt gefeiert wird, dann wird man Ihrer als dem ersten Bau- m e i st e r der Republik in Treue gedenken. Sie gehen nun hinaus, um den Kampf um den neuen Reichs- tag zu führen. Erlauben Sie mir in dieser nächsten Stunde der verfassunggebenden deutschen Nationalversammlung an die erste zu erinnern, als ich die Ehre hatte, Sie im Namen der Reichsregie- rung zu begrüßen. Damals habe ich unter Ihrer Zustimmung ge- sagt:„Erst mit dem Selbstbestimmungsrecht wird das deutsche Volk zurückkehren zu gesetzmäßigen Zuständen. Nur aus der breiten Heerstraße der parlamentarischen Beratung und Beschlußfassung lassen sich die unaufschiebbaren Ver- änderungen auf wirtschaftlichem und sozialem Gebiete vorwärts- bringen, ohne das Reich in seinen Grundlagen zu erschüttern." Ich möchte diese Worte, die am Beginn der Nationalversammlung gesprochen wurden, heute an der Schwelle des neuen Reichstages wiederholen. Nur die geistigen Waffen sind die einzig erlaubte» für Sie alle, welcher Partei Sie auch immer angehören, und für welche Sie in den nächsten Wochen werben wollen. Des Namens und der Existenz des deutschen Volkes wegen ergeht an Sie alle die inständige Bitte: Zeigen Sie in dem erbitterten Wcchlkampf Ihren Anhängern den Weg der Gesetzmäßigkeit als den einzigen, der aufwärts führt.(Zurufe bei den U. Soz.: Ausnahme- zustand!— Lebhafter Beifall bei der Mehrheit.) Nur wenn Sie den Gedanken der Verschwörung abschwören, kann Deutschland wieder erstehen. Das ist mein heiligster Wunsch an den ersten Reichstag der Republik, daß er eine gewaltige Mehrheit für den geistigen Kampf und gegen die Gewaltpolitik bringen wird. Gezeichnet: E b e r t, Reichspräsident. Gegengezeichnet: Reichskanzler Müller. (Lebhafter Beifall bei der Mehrheit.— Zischen bei den ll. Soz.) Reichskanzler Müller: Die verfassunggebende Nationalversammlung, das erste Paria- ment der Deutschen Republik, steht am Ende ihrer Tagung. Sw werden es verstehen, wenn ich als der aus Ihrer Mitte hervor-- gegangene Reichskanzler diesen Augenblick nicht vorübergehen lasse, ohne unserer gemeinsamen fünfvierteljährigen Tätigkeit zu geden- ken. Den feierlichen Auftakt, mit dem die Nationatversammlung in Weimar begann, steht kein Ausklang von gleicher Feierlichkeit gegen- über. Der Wahlkampf ist im vollen Gange. Wir alle sind iett Tagen und Wochen mit Herz und Hirn bei der Wahlarbeit für unsere politischen Ziele und Ideale. Während die Tagung?- zeit der Nationalversammlung zu Ende geht, ist der neue erste Reichstag im Entstehen begriffen. Damit ist unsere bauptsäS- lichste Rolle, dem deutschen Volke eine Verfassung Ausgeben, erst recht eigentlich in das Leben und Bewußtsein des deuffchen Volkes gekommen und wird zu einen: tragenden Bestandteil seines staat- lichen Lebens.(Zurns bei den U. Soz.: Belagerungszustand!) Wie immer der neue Reick-stag zusammengesetzt sein wird, seine Mehr- heit und seine Arbeit wird abhängig sein von den hauptsächlichsten Entschließungen der Nationalversammlung, vor allen Dingen von dem Friedensschluß, dem die Mehrheit dieses Hauses in der er- schüttcrndsten Sitzung, die ein deutsches Parlament je erlebte, zu- gestimmt bat, um die schlimmsten Bedrohungen vom Reiche abzu- wehren. Der Friedensvertrag wird die Ziele und Grenzen des politischen Arbeitens jedes Deutschen Reichstags bestimmen. Er wird für jeden einzelnen Deutschen Bürde und Schicksal bedeuten. (Sehr richtig I) Wir haben fünfviertel Jahre in guten und bösen, in schier unerträglicbem Ringen um des deutschen Volkes Leben arbeiten müssen.. Erst die Verfassung hat das Haus aufgerichtet, zu dem das deutsche Volk, einig in seinen Stämmen, von dem Willen beseelt, Frcibeit und Gerechtigkeit zu befestigen, sein neues politisches Leben führen soll. Damit war die Grundlage gegeben, auf der Deutschland seinen Arbeiten und seinen geistigen Kämpfen nachgehen konnte. Wir haben auch den finanziellen und politischen Wieder- ausbau in Angriff genommen. Wir haben den Gedanken der unauflöslichen Zusammengehörigkeit und der Vereinheitlichung ge- meinsamer Besitztümer wie der Steuerquellen und der Verkehrs- mittel zum Ausdruck gebracht. Wir haben daneben die Liquidie- rung des verlorenen Krieges durchgeführt. Möge das deutsche Volk aber auch im Sommer Opern-Ersatz.„Licht" und„Kostüm- ball" hießen diesmal die Tanz-Compilatumen. � Tie Rubin- steirrsche Musik(die ich hörte) kam mit ihren exotisch gedämpften schwülen Farben und dem szenischen Wurf ihres Instrumental- gewandes unter Urals Fingern glänzend heraus. Das Bild aus der Bühne entsprach den melodischen Folgen des Orchesters, am schwungvollste» im Walzertakt. Keine Impressionen und keine expressionistische Verzückung, aber lebendige, flotte, bAnte Bewegt- heit schön geschmückter Leiber.— Aufgefrischt auch Leo Blechs reizend hingesprühtes Singsp'el„Versiegelt", das außerordentlich in seinen dicken Humoren und seiner sinnsällligen. vornehmen Musiklinie gefiel. Da die Aufführung dieses Abends unglücklicherweise mit der Tosca-Premtere in Charlottenburg zu- sammensiel war es nicht möglich, auch noch das„Licht" in Gluckschen Farben schillern zu sehen. K, S. Gottfried Keller und die Berliner Literaten. Carl Ludwig Schleich, der Berliner Chirurg, setzt in der Wochenschrift„Das Tage- buch" seine Lebenserinnerungen fort und erzählt dabei von den Zusammenkünften, die eö als junger Student in Zürich mit Gott- fried Keller batte. Emmal sprach ihm Keller von seinem Ausent- halte in Berlin. Er sei im Dunckerschen Hause zum Tee geladen gewesen. Lindau, Spielhagen, Heyse und die ganze„kritzelnde" Dichtcrjugend sei beisammen gewesen. Ta habe ihn jemand ganz „plump" gefragt, was er. Keller, von der jungen Berliner Literatur halte.„Weischt, was ich gemacht bob? I bin usstgo. sab ausf'm Flur alli di Zylinderhüet von selle Poeten und hob sie aufgetrieben! Damit bin i furt— aus Nimmawiedersehn!" Die Geschickte hat Paul Lindau später Schleich als buchstäblich geschehen bestätigt. Rückgang des Besuches im Berliner Staatsthcatcr.� Auch im Berliner Staatstheater macht sich ein sehr fühlbarer Rückgang der Besucherzahl geltend. Da in beiden Staatsbübnen keine Lustbar- keitssieuer erhoben wird, ist die Tatsache ein Zeugnis danir, daß diefe Steuer nicht allein die Ursache des Rückgangs des Theater- geschältes ist, an dem auch die allgemeine Wirtschaftsstockung ihren starken Anteil bat. Für das Staatstheater kommt noch die be- sondere Schichtung seines Publikums dazu. Vom Romandickter zum Welthistoriker. Der englische Roman. schriftsteller H. G. Wells, dessen utopistisch-phantastische Romane in .Deutschland viel gelesen wurden ist unter die Historiker gegangen. Es erscheint von ihm eine Weltgeschichte in Umrissen, deren Dar- stellnng bereits in fernen vorgeschichtlichen Zeiten anhebt. Dem Werk ist als Motto ein Ausspruch des deutschen Geographen Frie. brich Ratzel vorangestellt._ Zn Richard Wagners Geburtstag am Pfingstsonnabend. 22. Mai, findet in der.Pbitbarmonie' ein Festabend statt. Das aus IM Künstler verstärkte Philharmonisch« Orchester wird von Call Giestel dirigiert. Dem Konwt geht am Porabend eine öffentliche Eeneraiprobe voraus Das Frankfurter Overnyausorchester drobt mit Streit, salls bis Sonnabend mittag die zugesagte tNehaitserhöhung nicht ersolgt. Eine zweite Galerie in Kassel wird geplant. Sie ioll der modernen. vor allem der ilasn'chcn Kunst gewidmet sein. Man hofft, das Residenz- schloff dafür zu bekommen. Der Wä Sozial, darum öeutschnati'ona!! Endlich haben unsere deutschnationalen Volksfreunde die er- lösende Formel gefunden, mit der sie in den Wahlkainpf ziehen und den sieg davontragen werden. Sie lautet: Sozial, darum dcutschnationcl! Was das bezweckt, ist recht durchsichtig, und höchstens Mitglieder der Tsutschnationalen Volkspartei können noch auf diesen Rummel hineinfallen� denn auf diesen Leim wird kein Arbeiter gehen. Die„Deutsche Tageszeitung" teilte kürzlich triumphierend mit, daß sich endlich der heihersehnte, der wirk- liche Arbeiter in ihren Reihen eingefunden habe. Stolz über diesen Erfolg, sollen nun offenbar noch einige Arbeiter für die deutschnationale Sache gewonnen werden, die damit doch so schön den Charakter einer Volkssache erhieltel Der nationale und der soziale Gedanke seien keine Gegensätze, sondern der soziale Gedanke sei der tiefste Ausfluß des nationalen Gedankens, so führte in einer deutschnatio- nalen Versammlung ein Redner aus. Wir stimmen ihm gern zu, doch muß der nationale Gedanke anders aussehen, als bei unseren Alldeutschen, wenn der soziale Geist aus ihm hör- vorgehen soll. Solange das nicht der Fall ist, gleicht der soziale Geist der Teutschnationalen„Vollks"partei dem Geist, den sie begreift, mit dem aber die Arbeiterschaft nichts zu : u n haben will. Trauriger Unfall in der Redaktion der�ost�« Durch die Aufregung' des Wahlkampfes ist«in Redakteur der „Post" leider in geistige Umnachtung verfallen. Nachdem der Mann schon neulich hintereinander zwei Artikel schrieb, von denen der eine behauptete, die Beamten würden in ausgiebigster Weise bezahlt, der andere, davon sei nie die Ne d e gewesen, sucht er jetzt in einem neuen Artikel den„Beweis" zu erbringen, daß die Sozialdemokratie vor dem Kriege Gegnerin des Frauenwahlrechts gewesen sei. Wenn wir es hier nicht mit einem offensichtlich Geisteskranken zu tun hätten, so würden wir antworten: Gewiß, die Sozialdemokratie war immer dagegen und die Konservativen waren dafür, und da von 1370 bis 1914 in Deutschland ununterbrochen die Sozialdemokratie regiert bat, während die frauenfreundlichen Reaktionäre ständig von der Negierung ausgeschlossen blieben, so mußte das heiße Bemithen der Konservativen für das Frauenwahlrecht vergeblich bleiben. Aus Verzweiflung darüber, daß er das Frauenwahlrecht nicht durch- setzen konnte, weil ihn die Sozialdemokratie daran verhinderte, hat bekanntlich Bismarck seinen Abschied eingereicht, usw. usw. So würden wir gegen einen zurechnungsfähigen Gegner schreiben. Bei der gegenwärtigen traurigen Situation aber mußten wir annehmen, daß der arme Geisteskranke solche Satire für bare Münze nimmt und unsere Sätze am nächsten Tage als„Beweismaterial" in.der„Post" abdruckt. Und diese äußerste im Guten und Bösen unverbrüchlich zusammenhalten in der Schick- salsgemeinschaft, die wir nicht selber gestalten konnten, sondern :n dem militärischen Zusammenbruch im November 1918 übernehmen mußten. Selten hat ein Parka- ment einer versunkenen Epoche sich wie die Nationalversammlung gezwungen gesehen, seinem Volke so bittere Arznei zu reichen, um es über die schlimmste Krisis hinwegzubringen. Niemand von uns wird in solcher Zeit der Wirrnis vielen Dank erwarten. Der Tag, der der Nationalversammlung Gerechtigkeit widerfahren läßt, wird aber kommen. Wir haben nach Pflicht und Gewissen gc- arbeitet, für ein ganzes schwergepfrüftes Volk. Wenn wir nicht alles erreichten ,so lag nicht zuletzt die Schuld daran, daß der Geist des wahren Friedens in Europa noch lange nicht seinen Einzut gehalten hat.(Beifall.) Bessere Tage für uns und für die Met' Heft werden erst dann kommen, wenn die Ueberzeugung, daß Eu- ropa ohne ein gesundes Deutschland nicht dauernd ge- sunden kann, Gemeingut der europäische Staatsweisheit geworden sein wird.(Sehr richtig.) Dazu ist es höchste Zeit, wenn nickit Europas Kultur dauernd sckiweren Gefahren ausgesetzt sein soll. Diese Gefahren richtig und rechtzeitig erkannt zu haben, und dem- gemäß unter den allerschwierigstkn Verhältnissen gearbeitet zu haben, wird die objektive Geschichtsforschung einst der scheidenden Nationalversammlung als ihr größtes Verdienst buchen.(Lebhafter Beifall bei der Mehrheit.) Abg. v. Paqer(Dem.) spricht dem Präsidenten Fehrenbach den Dank des Hauses aus. Präsident Fehrenbach: Ich bin außerordentlich gerührt durch die freundlichen Worte, die der Abg. v. Payer mir gewidmet hat. Ich habe mich stets von dem Bestreben leiten lassen, in Gercchtig- keit und Parität ohne Ansehen der Partei alle Mitglieder des Hause» zu behandeln. Ich hoffe, daß keine Ereignisse uns zwin- gen werden, die Nationalversammlung noch einmal einzuberufen. Wir waren bestrebt, zum Besten des deut- schen Volkes zu arbeiten. Die Nationalversammlung hat dem deut- 'chen Volke das Beispiel eines zielbewußten Aufbaues gegeben. Die Geschichte wird dies anerkennen. Unsere Stammesbrü- der in Oe st erreich sind gewillt, ihre Geschicke m't uns zu ver- binden.(Beifall.) In der Diplvmatenloge nimmt der deutsch- österreichische Gesandte Prof. Dr. Ludo M. Hartmann an den Ver- Handlungen teil.) Wir hoffen, daß das S e l b st b e st' m m u n g s- rech: der Völker eines Tages die Vereinigung der getrenn- : en Stammesbrüder herbeiführt. In dieser Hoffnung, mn den herzlichsten Abschiedswünschen für die, die nicht mehr im nach- sten Reichstag zugegen fem werden, und mit den besten Wünschen für alle unsere Kollegen schließe ich die Nationalversammlung. /Lebhafter Beifall.) Schluß: 12 Uhr 30 Minuten. Ende des Hamburger Werftkonsiikts. Hamburg. 21. Mai.(Eigener Drahtbericht des„Bor- oaris"). Unter dem Borsitz des Kommissars des Rcichserbeits- minlsteriums ist heute nacht ein Schiedsspruch gefällt worden, den beide Parteien angenommen haben. Die Arbeit auf den Werften ist heute bereit? wieder aufgenommen worden. Aonar Law über Spa. Amsterdam, 21. Mai. Laut„Telegraaf" erklärte vonar Law in seiner Rede über die bevorstehende Kon-- terenz in Jpa: Sowohl die französische als auch die englische Negierung leg- -eh den größten Wert auf die E n t w a f f n u n g s s r a g e, die in erster Linie in Spa besprochen werde» solle, womit ein erster Schritt in der Richtung auf den allgemeinen Frieden getan sein würde. Was die P r i o r i t ä t s f r a g e bei der Wiedergutmachung petreff«, so meine die englische Regierung, daß cS bei aller Rücksichtnahme auf Frankreich nicht billig gegenüber der britischen Rat-vu imd besonders gegenüber de» Dominions sei, die so viele S'W» � Blamage wollen wir selbst unseren Gegnern ersparen. Wir appel- lieren aber hier an die schwerreichen Großindustriellen, daß sie sich endlich des Mannes annehmen, der in ihrem Dienst sein bißchen Gehirn abgenutzt hat, und die Kosten dazu hergeben, daß der Brave m einem gut geleiteten Sanatorium untergebracht wird Er hat es für sie verdient. Dr. Koclitz sendet uns zu der Notiz„Die Flucht aus der S. P. T." eine Berichtigung, in der er bestreitet, daß ihm vom Orts- verein Zehlendorf ein Mißtrauensvotum ausgestellt worden sei. Auf der ersten Mitgliederversammlung sei ihn, gegen sechs Stimmen ein Vertrauensvotum ausgestellt worden, auf der zweiten, am 14. d. M., sei ein gegen ihn beantragtes Mißtrauensvotum ab. gelehnt worden.— Hierzu ist zu bemerken: die Abstimmung der ersten Versammlung erfolgte zu später Stunde, nachdem die meisten Teilnehmer sich entfernt hatten; in der zweiten Versammlung wurde zunächst mit großer Mehrheit ein Antrag abgelehnt, Koelitz die Leitung zu übertragen, die ihm an sich als Vorsitzender zugestanden hätte. Ferner wurde mit großer Mehrheit der von Koelitz bekämpfte Antrag angenommen, mit aller Macht in die Wahl- a g i t a t i o n einzutreten, und es wurde zu diesem Zweck ein be- sonderes Wahlkomitee gewählt, in dem der alte Koelitzsche Vorstand nicht vertreten war. Koelitz selbst hat dies als ein Mißtrauensvotum aufgefaßt, denn er legte daraufhin sein Amt als Vorsitzender nieder. Die RcichSliste der Demokraten. Wir hatten bereits kürzlich einige Angaben aus der demokratischen Reichsliste gemacht. Von der nunmehr im Wortlaut vorliegenden Liste geben wir die ersten 12 Namen wieder: Petersen, Dr., Senator, M. d. N., Hamburg; Frau Dr. Gertrud Bäumer, M. d. N., Hamburg; Geßler, Reickswehrminister, Berlin; Dr. Hermann Fischer(Köln), Ber- lin-Grunewald; Otto Keinath(Stuttgart), zurzeit Berlin; Otto Schuld t, Vorsitzender des Geiverkschaftsbundes Deutscher Eisen- bahnbeamter, Berlin; Friedrich Fick, Würzburg; Liese, Haber- land bei Wilsnack; Wilbelm K n i e st, Kassel-WilhclmshShe; Dr. Jo- Hannes v. Hieber, Staatsminister, Stuttgart; Frl. Dr. Marie Elisabeth L ü d e r s, Düsseldorf; Dr. Richard Frankfurter, Berlin. Der Rcichswahlvarschlag der Deutschen Bolkspartei lautet: Dr. Gustav Stresemann. Frau Klara M e n d e. Dr. Prof. Wilhelm K a b l. Wilhelm Dusche. Otto Thiel. Hugo S t i n n e s, Mühlheim a. d. Ruhr. Bergmann August Winne- f e l d. Dr. Reinhold Georg Q u a a tz, Essen. Heinrich R i p p l e r, Chefredakteur. Berlin. Karl v. Schach, Generalleutnant z. D., München. Albrecht Morath, Karlshorst. Georg Streiter, Gewerkschcftsvorsitzender, Berlin. Die deutschnationale Reichsliste beginnt mit dem Namen des Parteivorsitzenden H e r g t. Ihm folgen Paula Müller, Han- uover; Dr. v. Delbrück, Staatsminister, M. d. N., Jena; L a m- bach, Hamburg; Dr. Roesicke, Guisbefitzer, M. d. N., GörS- dorf; Dietrich, Prenzlau; Schultz, Bromberg; van den K e r k h o f f, Velbert(Rhld.); Dr. H o e tz sch, Univcrsitätsprofessor, M. d. L� Berlin; v. Gallwitz, Freiburg(Baden); Dr. med. Wiedel, Leipzig; Vogel, Berlin. Opfer gebracht hätten, daß einer der Alliierten den Vorrang er- halten soll. Die Besprechungen in Spa würden einen Markstein auf dem Wege zu normalen Beziehungen mit den vormaligen Feinden bedeuten. In Spa solle ein offenherziger Gedanken- anStaufch stattfinden, und wenn die deutsche Regierung dort- hin mit der aufrichtigen Absicht komme, den Friedensvertrag aus- zuführen, so werde die Konferenz gute Früchte tragen. Unmittelbar nach dem Waffenstillstand sei Unmögliches von Deutschland verlangt worden, aber die Stimmung schlage jetzt in das andere Extrem um. Die englisch« Regierung werde niemals damit einverstanden fein, daß Länder, denen der Krieg aufgedrungen worden fei, finanziell schlechter daständen, als öie Anstifter. Mm ö.?um gilt es Freiheit zu halten. Genossinnen und Genossen! Kämpft für Republik- Demokratie � Sozialismus! Werbt unablässig f ü r unsere Partei und ihre Presse, denkt an den Wahlfonds waammsamMMumtiMum— lieber Polen sagte Bonar Law, die englisckie Regierung habe dieses Land in keiner Weise zum Krieo" angestiftet, vielmehr habe Lloyd George im Januar dem polnischen Minister des Aeußern in London erklärt, die briti'che Re- gierung könne die polnische unmöglich zum Kriege ermutigen._ Die Konferenz von Paris. Deutschland und Ffnmkrcich verhandeln. Paris, 20. Mai. Heute nachmittag haben im franzö- sischen Handelsministerium in Paris die d e u t s ch- f r a n- zösi schen Wirtschaftsbesprechungen begonnen. Nach einleitenden Worten des Handelsministers I s a a c und des deutschen Geschäftsträgers Minister Dr. M a p c r wurde kurz die allgemeine Wirtschaftslage besprochen. Ein Mei- nnngsaustausch über den Gegenstand der Beratungen und die Geschäftslage ergab völlige Uebercinstimmung. Sodann traten die beiderseitigen Sachverständigen zu Einzelbe- sprechungen zusammen.__ internationaler Kredit für Oesterreich. Wien, 21. Mai. Die„Wiener Allgemein« Zeitung" veröf- fcntlicht ein Gespräch mit dem Wiener Korrespondenten des „Temps". Danach steht eine Kreditgewährung für Oesterreich unmittelbar bevor. Diese Kredite, die von Amerika, England, Frankreich, der Schweiz, Holland, Schweden, Norwegen, Dänemark und Argentinien zur Verfügung gestellt werden, werden teils Geldkredite sein, teils werden Roh- stoffe auf Kredit geliefert, teils Nahrungsmittel. Sie sollen auf eine lange Frist gewährt und gegen mäßige Zinsen ge- geben werden. Die Berpfäirdnng einer besonderen Einnahme- quelle oder eines Besitzes werde nicht verlengt. Eine Garantie werde lediglich in der wachsenden, gedeihlichen ökonomischen Cnt- Wicklung des österreichischen Staates erblickt. Die Kredite sollen ausschließlich dem Wiederaufbau Oesterreichs gewidmet sein. » Wien, 20. Mai. Wie die Blätter erfahren, hat der englische Geschäftsträger L i n d l e Y den hiesisigsn zuständigen Stellen amtlich mitteilen lassen, daß, obwohl der Friedenszustond zwischen England und Oesterreich noch nicht in Kraft getreten sei, der so- fortigen Wiederaufnahme der diplomatischen Be- ziehungen zwischen den beiden Staaten keinerlei Hin- d e r n i s s e im Wege ständen. Der russische Gegenstoß. London, 2V. Mai. Reuter vernimmt, daß die B o l f ch e- wisten im Verlauf ihrer Operationen gegen die Pole« auf einer Front von 49 bis 59 Kilometern etwa 39 Meilen vorgerückt seien und L e p e l und P o l o z k genommen hätten. (Polozk liegt an der Dwina, Lepel an der Grenze deS Gou- vernements Minsk. Die Red.) Warschau, 21. Mai. Nach dem polnischen Generalstabs- bericht wurden im Abschnitt der obtren Bercsina russische Angriffe abgewiesen._ Groß'-Derün Kalifornien für das notleidende Berlin. Im Auftrage des iüdkaliforniichen Hflfsausschunes für die not- leidenden Frauen und Kinder von Demickland und Oesterreick stallele heute Herr Siegfried Götze aus Kalifornien� der selbst geborener Berliner ist, dem Oberbürgermeister Mermuth im Rar- bauie einen Besuch ab. Er überbrachie die treuen Grüße der Deuisck- Amerikaner in Südkalifornien, die ein großes Hilfswerk zur Abwendung der deutschen Not errichtet haben. Große Mengen von Lebensmitteln sind bereits unterwegs und zum Teil schon in Deutschland und Berlin angelangt und verteilt. Dije hauprsächliche Hilfe soll geleistet werden vor allem auch durch Milch. die der Hilfsausschuß aus Holland und Dänemark nach Deutichland schaffen lassen will. Besonders wegen dieser Frage hat Herr Götze bererls mir den zuständigen städtischen Grellen verhandelt. Ober- bürgermeister Mermuth drückte dem Abgesandten der Deutsch- Amerikaner von Südkalifornien seinen wärmsten Dank aus und bar ihn den kalifornischen Spendern übermitteln zu wollen. Einen Mordversuch an einem Siebenjährigen unternahm gestern in Pankow der 21jährige Sohn des Gastwirts S z u d y. Er lockte den Knaben in einen Keller des Hauses Nordbahnstr. 11, schloß den Raum ab und bearbeitete sein Opfer dann in rohester Weise m i t einem Messer. Trotz des Hilfegeschrer des Kleinen ließ der Rohling nicht von ihm ab, sondern fesselt« in an Händen und Füßen und steckte ihm einen Knebel in den Mund. Schließlich ergriff er die Flucht, konnte aber noch am selben Abend festgenommen werden. Der Täter, der schon oft, angeblich infolge einer Kriegsbeschädigung, sadi- stische Neigungen zeigte, legte ein umfassenoe? Ge- st ä n d n i s ab. „Volk und Zeit", unsere illustrierte Wochenschrift, lieg' der heutigen Pastauflage bei. Die Ausgestaltung des Spiel- und Sportplatzes Am Urban durch käufliche Uebernahme der darauf vorhandenen Gebäude, durch Instandsetzung und durch Anstellung eines Spielplatzleiters wird in kurzem erfolgen, da der bezügliche Antrag der S o z i a l d e m o- traten in der gestrigen Sitzung'der Stadtverordneten e i n st i m. m i g zur Annahme gelangte und auch die Zustimmung deS Ma° gistrats fand. Britz. Aushebung einer Geheimschlgchterei. In der Nacht zum 29. h. Mts. wurde durch Beamte der Landespolizei eine schon seit längerer Zeit bestehende G e h ei m s ch l ä ch t e r e i un- schädlich gemacht. Es war der Landespolizei zur Kenntnis gekom- men. daß ein in Britz wohnender Viehhändler und Schlächtermeister dieses gewinnbringende Geschäft betreibt. Nachdem durch nächtlich? Beobachtungen festgestellt worden war, daß die gemachten Ver- mutungen sich bestätigten, fielen die Beamten in aller Frühe dort ein und machten dem unsauberen Geschäft ein Ende. Das beschlag- nahmte Fleisch von mehreren Zentnern wurde zur besseren Verpflegung der Kranken dem Britzer Kreiskrankenhause zugeführt. Dem Publikum wird empfohlen, bei� Bekanntwerden ahnlicher Fälle unvorzüglich der Lcn-deSpolizsibehörde in Schön» berg, Gothaer Straße 19, Mitteilung zu machen, um derartigen Volksschädlingen den Garaus machen zu können. Vermißt wird seit dem 12.Okwber 1917 der Schütze Johann Km ie zeck von der Maschinengewehr-Scharfschützcn-Abteilung 12. 2. Komp., die am ftaglichen Tage bei Poelkapelle(Flanderni lag. Wer über seinen Verbleib oder die Umstände seines Todes etwas weiß, wird gebeten, dies dem Vater Joseph K miezeck, Senfteu- berg, Achenstr. 6, mitzuteilen. Zum Schutze der Säuglinge heißt ein Flugblatt, welche? i-n Kaiserin-Auguste-Viktoria-Haus zur Bekämpfung der Säuglingssterblichkeit im Deutschen Reiche bearbeitet und durck den Vater- ländischen Frauenverein, Abteilung Säuglingspflege, Berlin W. S7 Frobenstraße 1 unentgeltlich an die bedürftige Bevölkerung abgegeben wird. Die Speisung der Britzer Kinder durch die Ouäker hat am 19. d. Mts. begonnen. Es ist zu erwarten, daß mit dem Ausba' der Organisation die Teilnehmerzahl sich nach und nach ver größern wird. Besonders wird daraus hingewiesen, daß d' Speisekarten nicht übertragbar sind und das Essen, entsprechenden Anweisungen der Quäkcr restlos in der Speise stelle zi verzehren ist. Für erkrankte Kinder darf von anderen Familie---. angehörigen das Essen nicht abgeholt werden. Ebenso ist es nick. statthakt. Gesckwister, Bekannte usw. zur Speisung mitzubringen Das Essen ist nur für die ärztlich untersuchten unterernährten Kinder bestimmt. Die Eltern werden gut daran tun, ihre Mahlzeiten entsprechend so einzurichten und zu verteilen, daß die Kinder regelmäßig in der Lage sind, auch zu Hause ihre gewobnten Mahlzeiten einzunehmen; denn die Spci- sungen durch die Ouäker sollen eine Zugabe zu den üblichen Mahlzeiten sein. Es liegt durchaus nicht im Interesse der hock- herzigen Spender, durch Außerachtlassung dieser Anordnungen de, Erfolg der Speisung in Frage zu stellen. Tie Geschäftsstelle der estnischen Gesandtschaft Wwie die de» estnilchen Generatkolisulats sind nach Berlin W, H-ldcbrandslr. 5, veriegl worden. Fretre'igiöse Gemeinde. Sonntag vormittag 11 Nbr in der Stadt- balle. Klostei irr. bv. Festvoitraa de» He-nn Ernst Däumm- Kirche und Nevolutio».— Harmonium und Violine: Benedictus(Rost).— Gäste willkommen. Was ist dem Deutschen Kärnt-'n? Fm Rabmen de? Reiibsverband- der Deutschen aus dem ebemaligen Oesterrelch-IInaarn findet Sonnabend Tl, Uhr im Srbnhertlale, BMowslr. 104, eine Versammlung statt, die di bevorstehende Voiksabstimmuna in jenem Teile Kärntens, der in Zutuns- die Südmart des Deutscl'tums bilden wll. zum Gegenstände hat. Nnt einem von Hermann T b i e m i a ge'P- ochenen Prolog werden Dr. Berta aus Graz und Gehcimrat Pros. P e n ck sprechen. Gross-Berliner Lebensmittel. Steglitz. Als Er ad für Zucker 12ä Gramm Kunsthonig(94 250 Gramm Welzenküchemnehl(24). Grsß-Derliner parteinachrichten. Heute, 21. Mai: L2. Abt. Konserenz aller Partei- und Betriebs!- 7 Uhr, Handwerkcrschuie, Aula, Andreasstr. 1. Mitgkie Nruenhagen- Ostbalm. Flugbtaltverbreitrmg. Nossen Hübscher abholen. GewerkschLstsbsVegung Sie Grtsausfthüffe öes fillgemetnen Deutschen GewerLschaftsbunöes! An die Ortskartelle der Arbeitsgemeknschaft freier ( Angcstelltcnverdäiide l Die Wahlen zu den Betriebs-, Arbeiter- und Angestelltenräten stehen vor ihrem Abschluß. Die neugewählten Betriebsvertretungen haben in erster Linie Arbeitnehmerinteressen zu vertreten; sie sollen gleichzeitig dafür sorgen, daß künftig in der Warenerzeugung und Warenverteilung nicht lediglich private Gewinnrücksichten maß- gebend bleiben, sondern den allgemeinen Volkswirtschaft- lichen Bedürfnissen der gesamten Bevölkerung Rechnung getragen wird. Die Handlungen der Betriebsräte dürfen jedoch nicht vom Betriebsegoismus einzelner Belegschaften ge- tragen sein. DaS solidarische Empfinden der gesamten werktätigen Bevölkerung und daS Streben nach Verwirklichung gemeinwirt- fchastlicher Gedanken sind die unbedingten VomuSsetzungen für eine erfolgreiche Arbeit der Betriebsräte. Diese großen Aufgaben können die Betriebsräte nur in G e- Meinschaft mit den Gewerkschaften erfüllen. Da- bei müssen Hand- und Kopfarbeiter zusammenwirken. Die Schtvie- rigleiten, die durch die getrennte Organisation von Arbeitern und Angestellten hierbei entstehen» können und müssen überwunden werden. Die unterzeichneten Zentralstellen der gewerkschaftlichen Or- ganisationen der Arbeiter und Angestellten sind dahin überein- gekommen, alle Maßnahmen zur Durchführung der Aufgaben der Betriebsräte gemeinsam zu treffen und zu diesem Zwecke eine ge. meinsame Gewerkschaftlich� Zentrale der Betriebsräte einzurichten. Diese wird bis auf weiteres im Bureau des Allgemeinen Deutschen G e w e r k sch a f t s b u n d e S, Berlin SO. IS, Engelufer 15 IV, ihren Sitz haben. Die Gewerkschaftliche Zentrale der Betriebsräte wird die Nicht- Enten für die Betriebsräte in kürzester Frist den Ortsausschüssen des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes und den Orts- kartellen der Afa übersenden. Ortsausschüsse und Ortskartelle müssen in gleicher Weise wie die Zentralstellen gemeinsam arbeiten, um die Tätigkeit der Betriebsräte in den Dienst der Allgemeinheit zu stellen Zu diesem Zwecke sind die Betriebsräte in die Gefamtorgantsation der Gewerkschaften einzu- gliedern. Eine örtliche Zusammenfassung nach Industrie- gruppen, wie sie durch die Ortsausschüsse des Allgemeinen Deut- schen GewerkschaftSbundez in Berlin und Hamburg bereits vor- gesehen ist, wird sich als zweckmäßig erweisen. Hierbei darf eine Trennung zwischen den Mitgliedern der Betriebsräte, die auS Ar- beiter- und aus Angestelltenkreisen gewählt sind, nicht eintreten. Die Ortsausschüsse deS Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes und die OrMartelle der Afa müssen gemeinsam eine örtliche Jen- tralftelle für die Betriebsräte einsetzen. Mitte Juni wird die nach Beschluß des Ausschusses des All- gemeinen Deutschen Gelverkschaftsbundes herauszugebende Be- triebrätez.eitung erscheinen. Die von der Asa bereits her- ausgegebene Zeitung«Der Betriebsrat" wird fortbestehen. Ob eine Verschmelzung der beiden Organe möglich und zweckmäßig ist, wird später entschieden werden. Durch diese Zusammenarbeit der Betriebsräte mit den ge» werkschafllichen Organisationen muß ein gewaltiger wirtschaftlicher Faktor entstehen, der nicht nur zur Gesundung unseres Wirtschafts- lebens von den Folgen deS Krieges, sondern zu seiner Uiugestaltung zum Segen aller Arbeitenden entscheidend beitragen wird. Jede Organisation der Betriebsräte, die einer bestimmten Po- iitischen Partei dienen soll, muß diesen naturgemäßen EntwicklungS- gang stören. Wer aus parteipolitisch«» Gründen eine Sonderorganisation der Betriebsräte erstrebt, schwächt die wirtschaftliche Macht der Arbeiter- klaffe. Diese kann und darf sich für die nächste Zeit und für absehbare Zeit nur in den Gewerkschaften konzentrieren und muß eins mit ihnen sein. Nähere Anweisungen über die Durchführung dieser Organisation werden-den Ortsausschüssen des Allgemeinen Deutschen Gewerks chaf töbundes und den OrtSkartellen der Afa durch die unter- zeichneten- Zentralstellen direkt übermittelt werden. Ter Vorstand d. Allgemeinen Deutschen Eewerkschastsbunded. C. Legion. Die Arbeitsgemeinschaft Freier Angestelltcnverbände. Aushäuser. Urban. Klingen. Konferenz der Afa-Vertrcter des mitteldeutschen Berg- baues zu Halle a.<3. Kürzlich fand in Halle a. S. eine Konferenz der Vertrauens- leut« des mitteldeutschen Bergbaues der Asa(Arbeitsgemeinschaft freier Angestelltenverbände) statt. Beitreten waren die Braun- kohl onb ergbau rev! ere Halle, Ditterfeld, Niederlausitz, Oberlamsitz, Ostdeutschland, Kassel und Wtagdeburg, ferner die Kalibergtxi-u- revtere Halle Hannover, Magdeburg, Eisenach und das Kali- syndikat zu Berlin. Aus dem Erzbergbau waren Angestellte von der Mansfelder Kupferschiefer bauenden Gewerkschaft anwesend. Das am 1 Verhandlungstage von Holzapfel iiber das Thema „Aufgaben der Organisation im Bergbau" gehaltene Referat löste rege Diskussion aus und schuf den Boden für die Verhandlungen des nachfolgenden Tages. Am 2. Verhandlungstage wurden fol- gende Punkte behandelt: Angestelltenbewegung in Gegenwart und Zukunft, Betriebsräte und ihre Eingliederung in die Organisation, Aufgaben der Betriebsräte, Technische Nothilse und Notstands- arbeiten, Berichte aus den Revieren. Pfingststreik bei der Sterngesellschaft? Das technische Personal der Spree-Havel-Dampfschiffahrts-Gesellschaft„Stern" verlangt eine Erhöhung der Löhne, und zwar auf wöchentlich 250 Mk. für Schiffsführer und Maschinisten und auf wöchentlich 225 Mk. für Deckpersonal und Heizer. Der Stern-Gesellschaft glaubt die ge- forderte Lohnerhöhung nicht bewilligen zu können, da sie eine aber- malige Erhöhung der schon ziemlich hohen Fahrpreise zur Folge haben müßte und diese wieder zu einer Verminderung der Be- Nutzung der Dampfer führen würde. Da die Arbeitnehmer bei Nichtzustandekommen einer Verständigujig die Arbeit niederlegen wollen, so ist mit einem Streik bei der Stern-Gesellschaft zu den Psingslseiertagen zu rechnen. In Zlka- Bcrsammluna am 19. Mai ist ein Palelot liegen ge- blieben. Terselbe ist genen Vorzeigung einer geeigneten Legitimation im Bureau des Deutschen Werkmeiiier-Verbaudes, Stralauer Str. bö, gegen Erstattung der Jnserlionsgebühren in Empfang zu nehmen. Wirtschaft Die Verbilligung der. LebenZuuterhaltsmittcl. Mit Demonstrationsumzügen und stundenlangen Reden in den Stadtparlamenten usw. losen wir das schwierige Problem der V e r b i l l i g u n g der Lebenkuntcrhaltskosten nicht. Wir brauchen allem voran die einwandfreie Feststellung der Ursachen dieser bösartigen Erscheinung. Unbestreit- bar liegt eine natürliche, in allen Ländern fest- stellbare Verteuerung durch die Geldentwertung vor, Zu dieser Verteuerung teilt eine andere Erscheinung hinzw die Ucbcrtcuerung. Sie entsteht auZ der natürlichen oder ! ü n st l i ch aus Spekulotionsgrlluden, d. h. durch Zurückhaltung vom Markt erzeugten Warenknappheit. Während beim Waren- Überfluß die Verteilung keim Problem ist, sie erfolgt unter dem Druck, den der Ueberfluß erzeugt, ohne weiteres(für Schieber und Wucherer fehlen die Gewinnchancen) ist bei W a r e n k n a p p- heit die Verteilung ein Problem, auf der einen Seile für den spekulativen Kaufmann, auf der anderen Seite für den gemein- wirtschaftlich tätigen Verwältungsbeamten und Volkswirt. Sie sind für eine soziale Verteilung zur Deckung deS nolwendr- gen Lebensbedarfs verantwortlich, sie haben die Wirtschaft- lich Schwachen gegen die Kaufkraft der Wohlhabenden zu schützen. In der Not hat man, weil die Produltion sich ohne weiteres im Handumdrehen nicht regeln ließ, zur Zwangswirtschaft, die hauptsächlich nur Zwangsverteilung war, gegriffen, die aber. und das muß so laut als möglich ausgesprochen werden, mir sozialistischer Wirtschaft keineswegs identisch ist, wie das von frei- händlcrischer Seite immer wieder behauptet wird. Sozialistische Bedarfsdeckungswirtschaft ist keine Konsumenten« sondern Produktionspolilik. Geregelte, planmäßige ProdulnonSpolitik ist auch gleichzenig soziale Konsumentenpolitik Dagegen ist die sogenannte Zwangswirtschaft nur ein notdürftiger Behelf zum Schutz der Konsumenten. Tie Ueiertcuerung bei Warenknappheit ergibt sich aus drei Nr- fachen. Elstens weil die Zahl der an der Warciivcrteilung beteilig- ien Personen infolge der Freiheit desGcwerbebetriebe z sich weit über Bedarf erhöht und den sogenannten K c t t e n b a n d e« erzeugt, zweitens, weil die spekulative Zurückhaltung der Ware vom Markt infolge ihrer Knappheit sehr lohnend ist, und drittens, weil auf jeden der Warenhändlcr, zuletzt der Klein- Händler, infolge ihrer zu großen Zahl zu geringe Waren- mengen entfällt, auf die zu h o h e A u f s ch I ä g e gemacht werden müssen, um daS Existenzminimum der Händler sicherzustellen. Alle diese Erscheinungen haben ihre Ursache in der Warenknappheit. Dieser Zustand wird aber infolge deS unglückseligen Friedensvertrages für die nächsten Jahrzehnte der normale sein, tveil jeg- lichcr Ueberschuß zur Deckung der Kriegsverpflichtungen herangezogen werden muß. Selbst,'wenn es uns gelingen wird, die G ü t e r e r z e u g u n g ganz erheblich zu steigern, werden wir Von diesen Erträgnissen zur Schuldentilgung soviel abgeben müssen, daß uns nur das Allernotwendizste zum Leben verbleiben wird. So ergibt sich für uns ganz klar die Aufgabe, eine neue Wirtschaftssorm zu finden, die bei den völlig veränderten Verhältnissen uns ein erträgliches Dasein schaffen kann. Von ihr müssen wir verlangen, daß die Erzeugiliig auf Höchsterträge gebracht und die Verteilung mit den gering st en Opfern an Arbeit und Kosten bewerkstelligt wird. Da bleibt nun kein anderer Weg als der, planmäßig alle entbehrlichen Mitesser, Mitläufer, Mitverdiener, gleich- güllig, wie wir sie nennen, durch ein Auskämmen der Wirtschaft aus ihren Stellen herauszuholen und an anderen Stellen in produktiver Arbeit unterzubringen. Das mag für die Betroffenen schmerzlich sein. Wenn es sich aber um die Existenz des Volksganzen handelt, müssen die Volksgeuosien, die als Zwischenhändler usw. enibehrlich werden, sich zur guter- erzeugenden Arbeil zurückfinden. Dieser unerläßlidbe Um- stellungsprozeß, der zu einer übersichtlichen und klaren WinicbaUS- weite führen muß. die sich durch den höchsten Grad an Wirt«. ichafllichkeit auszeichnen soll, muß eingeleitet werden. Welche Betrieb jformcn für die h ö ch st verschiedenartigen Wirtsckiaitszweige die bestgeeigncien sein werden, muß von den besten Sachverständigen, frei von Parteidogmen, sestgestelkt und praktisch erwiesen werden. Auch die Wirtschaft unterliegt den Naturgesetzen, die sich nicht vergewaltigen lassen, die kühne Erfindungen, auch wenn sie noch so bestechend wirken, ohne Gnade zerrrümmern. Tie Naturgesetze müssen wir erkennen, wenn sie uns helfen sollen und wenn wir uns vor ihren gewalt« samen Auswirkungen schützen wollen. Tie Gesetze der Wirischast sagen uns, daß im Zustand der Warenknappheit, der Wirtschaftsegoismus, den die Gewerbefreiheit sich zügellos entfalten läßt, gebändigt werden muß. Die Form bierzu ist die planmäßig beteiebene, organinerte Wirlschast, die vom Nrprvdukt, vom Rohstoff bis zum Fenigfabrikat und seinen Ucber« gang an den Verbraucher die Wege und die Güter überwacht, damit nicht notwendige Verteuerungen vermieden werden. Auf diesem Wege allein werden wir zur Verbilligung aller Lebens- unterhalismittel gelangen, ein anderer Weg steht unS armem, tiefverschuldete in Volk nicht mehr offen. Die Gewerbefrei he it hat naturgcsctzlich von seihst wieder zur gcbundeiien Wirtschaft gesübrt auf allen Gebieten, die zur großkapitalistischen Wirtschaft ssich ausgewachsen haben. Mehr als 100 Jahre hat die G e w e r b e s r e i h e i t bestanden, ihre Zeil nähert sich sichtbar ihrem Ende. Neue„Gilden", wie Walter Rathenau sie nennt, sollen entstehen, Organisationen, die der Niesenentwicklung von Technik, Verkehr und Proletariat eine neue Grundlage sichern sollen. Dr. A. Slriemer. Berantw. für den redaktion. Teil: Seich Nuttner, Tempelftof: lilr Anweisen: Th. Sincke, Berlin. Verlag: Vorwärts-Verlaa M. B1 größte Auswahl, besonders preiswert TeilBühluiig gestatteti [ Baiser, Mrlnoer Sir. S7.i Abesfinier-Pumven, Ersaß. teile Wasseroiilggen billigst. Kachlin u. Co., Berlin 68, Alte Zakobftrsste 23/22. 165« (Sie sparen 200 Mark und noch mehr bei Ankauf eines Anzugs bei Burgher. Briher» straüe 20, vorn II. Aochbahn Kottbuscr Tor. Reiuwallene Kammgarnanzllge. 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