Nr.SK8.37.I»!,rs. Bezugspreis: B-rteljlihr!. 25.50 Jjil.monatl.8,50 3J!', frei ins»aus, voraus zahlbar. Postbezug Monatlich S,— M�. exkl-flu- steUungsgebützr. Unier Kreuzband für Deutschland und Oesterreich»Unzarn 1',— Ml» für das übrige Ausland bei täglich einmal. Zustellung 20— M. Postdestellungen nehmen an Düne- mir'>ollnnd,"urtmburg, Schweden, Tfchecho- Slowakei und sie Schweiz. Sinzelragen in die Post-Zeitungs- Preisliste. De:»Vorwärts� mit der Eanntaa»- bciiage»Pol! u-Zcir" erschein» wochentaglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm-Adresfei .SojialOemotcat Berlin**. Abend Ausgabe f Beritnet Volksblstk (20 Pfennig) «byelsesprejs: Die/zMtggifpaltrn« KauparelÜ�'eile lostZlP,-. M»Teuermtg«,uschlag SO0/» »Hicine Anzeiger,**, das fettgedruckte Wort 1.— SÄ. fzulässig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort KS Pfg. Etellengefucheji und Echlafftellenanzeizen das erste Wort S5 Pfg. jedes weitere Wort 40 Pfg» Worte übet 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Teuerunnszuschlag SCV Kamilien-Anlieigen für Abonnenten Zeile 2,— M. politische und ge- werkschaftliche Vereins- Anzeigen L.— Mk. die Zeil« ohne Aufschlag. Anzeigen für die nächste Rummer müssen bis S Uhr nachmittag» i« SauvtgeschSft, Berlin EW 68, Linden- ftratze S, abgegeben werden, cheoffnet oon 9 Uhr früh bis 5 Uhr abend». Zcntralorgan der rozialdemokratifchcn Partei Deutfcblands Neöaktion und Expedition: SW. 68» Lindenstr. 3. »ernfprecher:?lmt Moristplatz, Nr. 1SISO— LSli»?. Donnerstag, den 27, Mai 1920 vorwärts-verlag G.m.b. h., SW. b8, Lindenstr.Z« Fernsprecher: Amt Morjüplnu, Nr. 117 äZ— ZI. Die putfthgelüste öer Freikorps. Staatskommissar Weissmann sprach vor lden Berliner Pressever- tretern übez die P u t schy c fa h re n von rechts und links. Er betonte gleich eingangs, dah die Gefahren durch die Nervosität der Press« stark übertrieben werden. Solwhl van der unabhängigen Sozialdemokratie wie �uch von feiten der kommu» n i st i s ch e n Partei ist unter keinen Umständen ein Putschversuch zu erwarten, und die einzige linksradikale Partei, die auf dem Boden der unbedingten Gewaltanwendung steht, die K. A. P. D., ist viel zu schwach, als datz ein Versuch von ihrer Seite irgendwie ernst zu nehmen wäre. Sehnlich stecht es mit den Rechts- Parteien, deren Führer genau wissen, wie gefährlich und katastrophal heute ein Putsch wäre. Nur muss man ihnen zum Vorwurf machen, datz sie nicht deutlich genug von revolutionierenden Elementen ab- rücken. Wesentlich ernster ist die Gefahr durch die ausgelöste« und aufzulösenden Freikorps. Es ist ein unhaltbarer Zustand, dass„aufgelöste" Truppen in geschlossenen Formationen von Westfalen nach. Berlin kommen und unter Führung ihrer Offiziere wie legole Truppen bewaffnet durch die Stadt ziehen— wie wir es vor lurzem erlebt haben. Der Reichskommissar ist bereits wegen schnellerer Durchführung der Entwaffnung und Durchführung an den Reichswehr» m i n-i st e r herangetreten, lieber die Ziele des sogenannten „Frontbundes" ist man noch nicht im klaren(? Red.), es steht aber fest, datz er autzcrordentlich gefährlich ist und dass mit voller Schärfe dafür gesorgt wird, dah die wirtschaftlichen Sorgen der der Auflösung verfallenden Truppen von politischen Hetzern und Verbrechern mißbraucht werden. Bei Schluss des Blattes dauern die AuSeiriand ersetz«*. gen mit dem Staatskommissar und einem Vertreter de? Reichswehrmini st erium» noch an. » Von militärischer Seite wird die Angabe, daß Frau Schrö- der-Mahnke, die Anstifterin des Pufches von Sangerhausen, im Dienst militärischer Stellen gestanden habe, dementiert. Zuge- geben wird, dass sie sich militärischen Stellen wiederholt angeboten hat. Ein Spitzel war sie also auf jeden Fall. General watter unü öer§rontbunö. Ein seltsames Bureau. Aus Münster wird uns geschrieben: Bei der Unter- suchung über den Frontbund würde Herr General Seeckt gut tun, auch einmal seinen ehemaligen Kollegen General v. W a t t e r zu besuchen, der. obwohl des Dienstes enthoben, immer noch die militärischen Fäden in Westfalen in der Hand hat. Er residiert nach wie vor im Schloß in Münster, benutzt Dienstautos und hat ein ganzes Privatbureau eingerichtet, in dem vier Offiziere Tag und Nacht arbeiten, dazu das nötige andere Personal, sowie drei staatliche Schreibmaschinen. Bezahlt der Staat diese Leute, damit sie bei Exzellenz Watter Privat Politik treiben? Ter Leiter des Bureaus ist Haupt mannvonBockund Polach. Er wohnt auch im Schloß und ist, wie der„Vorwärts" bereits berichtete, in den Ver sammlungen des Frontbundes als Redner aufgetreten. Hier besteht also eine ganz deutliche Verbindimg zwischen Watt er und dein Frontbund, der nachzugehen sich vielleicht lohnen würde. « Unser Parteiblatt in Münster, der.Volkswille", belichtet über eine Unterredung m:t dem Unteroffizier S t o l Ä e r g vsm 2. Ma- rineregimen: der Brigade Ehrhardt, Sturmabteilung Hoffmann: Stolberg, der als Agitator für den Frontbund auftritt, war mit zahlreichen Ausweisen und Urlaubsscheinen versehen. Die Ausweise ermächtigten ihn, für den Frontbund zu werben und Geldspenden einzuziehen; sie waren namens deS Arbeitsausschusses des Frontbimdes, Zentralstelle Paderborn, mit„Schmidt- Häuser" oder„fc. Pfeffer" unterzeichnet. Die durchweg nicht ausgefüllten Urlaubsscheine stammen von der Brigade Ehr� Hardt, einem Reichs wehr-Jnfanterie�liegt. und dem Jaget bataillon 16; sie waren zum Teil von Leutnant Graf v. Schwe> r i n unterzeichnet. Stolberg erklärte, er bekomme in Münster sein Geld von Hauptmann v. Bock(siehe oben!), Batterieführer in der ReichNvehrbridage 7, sowie von anderen militärischen Dienststellen und auch von Rittergutsbesitzern. Der Frontbund sei an sich völlig unpolitisch(!!), aber nach den Wahlen gebe es nur zwei Möglichkeiten: entweder eine Regierung, in der die Äeutschnationale Volkspartei überwiege, oder wenn das nicht zustande kommen sollte, ein« Mili» tävdiktatur. Eine Regierung aus den jetzigen Mehrheitsparteien werde der Frontbund unter keinen Umständen dulden. In acht Wochen würden wir allerlei Dinge erleben. Vom Osten käme dos Zeichen zum Losschlagen. Die Offiziere ständen selbst- verständlich hinter der Sache, die Mannschaften noch nicht durch- weg, sie würden aber hoffentlich auch noch gewonnen werden; ebenso wie es schon alle Freiwilligenformationen seien. Neue Note öer Entente. P axiS, 26. Mai. Der B o t f ch a ft e r r a t hat hente de schlössen, in einer Note die deutsche Regierung an den Artikel 2VS des Friedensvertrags zu erinnern mit dem Ersuchen, sich an die darin enthaltenen Vorschriften zu halten. Ter einschlägige Wschmtt des Artikels 209 besagt: Di« deutsche Regierung hat dem interalliieeten Marineüberwachungsausschuss alle Auskünfte und Schriftstücke zu liefern, die es für nötig erachtet, um sich über die vollständige Durchführung der Be- stnnmungen über die Seemacht zu vergewissern, namentlich die Pläne der Kriegsschiffe, die Zusammensetzung ihrer Be stückung, die Einzelheiten und di« Modelle von Kanonen,, Muni. tion, Torpedos, Minen, Sprengstoffe« und von Material für draht lose Telegraphie, überhaupt von allem, was auf das Ma- tcrial für Seekriegführ ung Bezug hat, ebenso alle Unterlagen, deren Inhalt gesetzliche, Verwaltungsbe- ftimmungen oder innere Dienstvorschriften bilden. Milleranö stellt öie Vertrauensfrage. Bolle Bewegungsfreiheit und Vollmacht. P a r i S, 26. Mai.(Havas.) M i l l e r a n d erklärte sich da. mit einverstanden, datz die Kammer Freitag nachmittag die Jnter- pcllation betreffend die Festsetzung der deutschen Entschädi- g u n g bespricht. Er werde in der Kammer darüber Erklärungen abgeben»nd die Vertrauensfrage stelle« hinsichtlich der Methode, die zu befolgen fei,»m die Durchführung des FriedenSver- tregeS zu sichern. Der Ministerpräsident lietz die Kammer auf- fordern, sich in einer allgemeinen Bertrauenstagesordnung dahin auszusprechen, datz ihm volle Bewegungsfreiheit gelassen und die nötige Vollmacht gegeben werde, um die schwebenden diplomatischen Berhandlungen mit den Alliierten, sowie mit den deutschen Vertretern in Spa zu führen. * Millerand wird im Parlament wahrscheinlich keinen allzu leichten Stand haben. Die O v p o s i t i o n, die sich um P o i n. rare versammelt hat und in der Versailler Frage unter keinen Umständen eine Konzession gestatten möchte, wird alles daran setzen, ihren Standpunkt in Spa durchzusetzen. Dass aber eine Unter- reduug in Spa vollständig zwecklos ist, wenn Millerand dort be- reitS mit gebundener Marschroute erscheint, ist zu offensichtlich, um nicht auch vom französischen Ministerpräsidenten erkannt zu werden, dem ja seinerseits von England in dieser Hinsicht das Nötige bereits mitgeteilt worden ist. Man darf der Kammersitzung mit Spannung entgegensehen.__ das Ende ües polnischen Abenteuers. Nach einigen, vorläufig noch nicht offiziell bestätigten Nach- richten scheint die Niederlage des polnischen Ostflü- g e l S vollständig zu sein. Der russische Vormarsch wäre danach bis vor die Tore von Minsk vorgetragen worden, das Gebist von Wilna soll von der polnischen Heeresleitung als Kriegs- zone erklärt worden sein. Auch im Westen ist der russische Vor- marsch nach diesen Meldungen noch nicht zum Stehen gekommen. Kiew soll silb tatsächlich wieder in den Händen der Bolschewisten befinden, westlich von Kiew dringen die Sowjetheere weiter vor. Wie in Europa so ist auch auf dem kleinafiatischen Krieg?- schauplatz die Lage Sowjetrusslands vorläufig weiter günstig. Der Einbruch in persisches Gebiet hat die Entente(vor allem die Engländer) veranlasst, Teheran, die persische Hauptstadt. zu räumen. Zwischen Persien und Ruhland schweben Verhand- lungen über die Anknüpfung diplomatischer und die Wiederaus- nähme der Handelsbeziehungen. Tie Bedrohung Arme- nienS durch Sowjetrussland ist nach Eroberung von Alexandropol, der wichtigen Stadt an der den Kaukasus durchschneidenden Karsbahn, brennend geworden. In England sieht man dieser Entwicklung der Dinge nicht ohne Sorge entgegen. Die Untersuchung über Paasche? Erschießung. Da» Preussffche Ministerium des Innern hat, wie die P. P. N. erfahren, in Verfolg seiner Untersuchungen über die Erscknessung des Kapitänleuwants P a a! ch e einen sehr erfahrenen Kriminalbeamten nach Hochzeit entsandt, um dort nochmals durch eigenen Augenschein alle Angaben und Aussagen genau nachzuprüfen. Die Präsidentenwahl in der Tschecho-Slowakei. Die Deutsch» sozialistischen Abgeordneten der beiden Kammern werden bei der Präsidentenwahl leere Stimmzettel abgeben, da sie in der durch die aufoktroyierte Verfassung dem Präfidenten in die Hand gegebene Gewalt eine wesentliche Einschränkung der Demokretie und ein« Vergewaltigung de? SelbstbestimmungSrechts erblicken. Der Deutsche parlamentarische Verband lehnt eS überhaupt grundsätzlich ab, die Verfassung anzuerkennen. Vir Frauen am 6. Juni. Von Klara Bohm-Schuch. Wir Frauen wählen am 6. Juni die Partei, die ufts durch die Taten der Vergangenheit die Gewähr bietet, datz wir ihren Versprechungen für die Zukunft trauen dürfen. Das ist d i e Sozialdemokratie. Zukünftiges wollen wir schaffen helfen mit unserer Stimmzettel abgäbe zum Segen für uns und unsere Kinder, unseres Volkes, der gesamten Menschheit. Groß ist die Verantwortung, die auf uns lastet, jede Wählerin soll sich ihrer voll bewußt sein. Wir, als die Mehrzahl der Wahlberechtigten, entscheiden letzten Endes. durch die Ausübung unseres Staatsbürgerrechts über die Ent- Wicklung Deutschlands in den kommenden vier Jahren. Unsere Gegner hegen die Hoffnung, daß durch die Frauen Stimmungswahlen erzielt werden könnten, daß wir das ruhige, klare Denken in politischen Fragen nicht den: Augenblicksempfinden überordnen möchten. Auf diese Hoff- nupg gründet sich die ganze unwahre Agitation der Deutschnationalen und der Deutschen Volks- partei: diesen Parteien, die stets Feinde jedes Fraueg- rechtes waren, die uns bekämpft haben, wo und tvie sie nur konnten; die vorgaben, das Vaterland zu liebm und die eS dennoch in den Weltkrieg trieben,— denen das„Volk" nie mehr gegolten hat, wie eine Sache, die für ihren ivahu sinnigen Landerooernngstranm, für ihre Ruhm- und Ehrsucht Leben und Gesundheit von Millionen Männern, das Glück und die Zukunft von Abermillionen Frauen und Kindern opferten. Gingen diese Parteien als Sieger aus den Wahlen her- vor, dann wäre es vorbei mit unserer staatsbürgerlichen Gleichberechtigung. Sie würden die Verfassung der deutschen Republik umzustoßen versuchen. Unser in der Verfassung fest- gelegtes Staatsbürgerrecht� ist aber der einzige Boden, von dem aus wir unsere wirtschaftliche, gesellschaft- liche und kulturelle Gleichberechtigung, d. h. unser M e n- s ch e n r e ch t, erringen können. Nur einer Partei, die fest entschloffen ist, diesen ver- faffungsmäßigen Kampf mit uns zu führen, können wir unsere Stimme geben. Tun wir das, so dienen wir dem Sozialismus— dieser Idee des Schaffens aller für alle, der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit— m i t d e r T a t, nicht nur mit Worten. So nur find. wir einer glücklichen Zu- kunft Wegbereiter. Und dies erhoffen alle freiheitlich gesinnten Menschen in der ganzen Welt, die mft erwartungs- voller Spannung nach Deutschland schauen. Bahnen wir der sozialistischen Entwicklung am 6. Juni eine Gasse, dann muß und wird der kommende Reichstag sie zu ei nein breiten Weg ausbauen, der weithin' sichtbar ist, den alle Völker beschreiten können. Keine bürgerliche Partei kann uns hinaufführen zu den Höhen der versöhnenden Menschlichkeit, weil sie alle im Kapitalismus, der Herrschaft des Besitzes, wurzeln. Um des Besitzes, des Kapitalismus willen, sind alle Kriege der Weltgeschichte geführt worden. Wollen wir keinen Krieg wieder, dann dürfen wir am 6. Juni auch keine der Purte�u wählen, deren Weltanschauung in diesem Boden wurzelt. Durch die Revolution wurde die Herrschaft der Minder- heit in Deutschland gebrochen. Wollen wir die errungenen Freiheiten behalten, sie ausbauen zu der ßj�samtheit Segen, dann müssen wir uns klar gegen jede neue Gewalt- Herrschaft entscheiden. Der Kommunismus� aus dem Wege der Diktatur führt nicht zum Ziele der Menschen- befreiung, sondern nur der Sozialismus auf dem Wege der Demokratie. Die Parteien von äußerst rechts und äußerst links wollen in blindem Haß niederreißen, was noch steht; wir wollen in versöhnender' Liebe wiederaufbauen, was niedergebrochen ist. Und viel Aufbauarbeit gibt.es zu leisten, besonders für uns Frauen. Die Reichsversicherungsordnung muß um- und neugestaltet werden. Wir gebrauchen drin* gend eine Vereinheitlichung unserer gesamten Sozial- Versicherung. Wir müssen aber auch in diesem Rahmen in den kommenden 4 Jahren das Mütter- und Kinder- f ü r s o r g e w e s e n in eine organische Entwicklung leiten.- Die H e b e a m m e n h i l f e muß obligatorisch sein. Heime für werdende und junge Mütter, Säuglingsheime, Krippen. Horte, Jugendheims nnb Jugendherbergen müssen geschaf- fen werden. Das Siedelungs-, Wohn- und E r- n ä h r u n g s w e s e n bedarf weiterer gesetzlicher Regelung. Arbeitsverdienst und Kosten>er Lebenshaltung müssen in Einklang gebracht werden,.wobei der größere Einfluß der Gewerkschaften zur Geltung kommen soll. Wenn wir im Wirtschaftsleben unseren Platz eräugen und behaupten wollen, müssen wir für eine Gesetzgebung sorgen, die uns auch hier die in der Verfaffuiig zugesicherten gleichen Rechte gibt. Es klaffen noch große Lücken; bei den Gewerbe- und Kaufmannsgerichten können noch immer nicht Frauen als Beisitzerinnen gewählt werden. Um in der Entlohnung der Arbeit den Männern gleich- zukommen, ist vor allem notwendig, daß den Mädchen unh Frauen die gleichen geistigen wie beruflichen A u s b i l» dungsmöglichkeiten gegeben sind. Deshalb haben tivir mitzuarbeiten auf dem Gebiete der Kulturpolitik, an der Ausgestaltung unseres Erziehung*.� und B i l d u n g s- wesens. Der Weg ist auch hier durch die Artikel 141 bis 150 der Verfassung gewiesen und das Grundschulgesetz ist der erste Schritt zur Einheitsschule und damit zur geistigen Einheit und Freiheit des deutschen Volkes. In der Wirtschafts- volitir sowohl wie in der Kulturpolitik sind die bürgerlichen Parteien Hemmungen für den freiheitlichen Fortschritt. Wenn wir eine Vorwärtsentwicklung wollen, können wir nur sozial- demokratisch wählen. Das Bürgerliche Gesetzbuch ebenso wie das Strafgesetzbuch bedürfen einer gründlichen Reform, um sie mit der Verfassung in Einklang zu bringen und die Frauen auch gesellschaftlich frei zu machen. Diese gewaltige Arbeit ist nur zu leisten, wenn endlich Ruhe in unserem Lande wird, wenn die Putsche von rechts und links aufhören, wenn wir in ein geordnetes Finanzwesen kommen und wenn die Mehrheit des kommen- den Reichstages den festen Willen hat, die Umgestaltung der kapitalistischen Staats- und Wirtschaftsordnung zur sozia- listischen auf demokratischem Wege zu erreichen. Wenn wir Frauen diesen Weg der harten Arbeit aber des sicheren Ausbaues einer glücklichen Zukunft mitgehen wollen, dann wählen wir am 6. Juni die Liste der S o z i a l- demokratischen Partei Deutschlands. VedegenheiSsgeftammel. Ter unerreichbare Herr Hergt. Zwei Tage lang hat die alldeutsche Presse zu dem von uns veröffentlichten Gespräch Heilmann-Hergt in töd- sicher- Verlegenheit geschwiegen. Jetzt endlich rückt die„Korre- fpondenz der Deutschnationalen Volkspartei" mit einem kläg- lichen Gestammel heraus. Herr Hergt sei momentan in West- dcutschland auf Wahlagitation, und daher sei es bisher nicht ni ö g l i ck gewesen, eine Aeußerung von ihm herbeizu- führen.(Tie Herren verstehen sich doch sonst so gut aufs Telegraphieren! Ob Herr HerZt wohl noch vor deni 6. Juni aus seiner westfälischen Unauffindbarkeit zurückkehren wird?!) Obwohl nun die„Korrespondenz der Deutschnationalen Volkspartei" selber gesteht, von. der Sache nichts zu wissen, so behauptet sie doch dreist und keck, daß das Protokoll„den Stempel absichtlicher oder versehentlicher Verdrehungen an der Stirn trage". Ohne den Schatten eines Beweises wird diese-Behauptung aufgestellt. Herr Hergt scheint aber hierin anderer Ansicht zu sein, als seine Parteikorrespondenz. Als er noch an den Sieg von Kapp und Lüttlvitz glaubte, da legte er auf die Vertrau- lici'eit tcr Unterredung keinen Wert. Nachdem jedoch der Kapp-Putsch gescheitert war/da beschwor er den Genossen Heilmann, die Unterredung als streng vertraulich zu -'behandeln, was Heilmann freilich, nicht mchr konnte, da er gleich nach der Unterredung verschiedenen Instanzen über deren Verlauf Bericht erstattet hatte. Wir erinnern die „Deutschnationale Parteikorrespondenz" auch an einen kleinen Zwischenfall in der Pr e u ß i s ch e n L a n d e s v e r s a m m- l u n g. Während einer Rede Heilmanns spielte ein Frak- tionskollege des Herrn Hergt mit einem Zwischenruf aus das Gespräch vom 13. März an. Darauf kam Herr Hergt auf den Zwischenrufer zugestürzt, drückte ihn auf seinen Platz nieder und suchte ihn mit allen Mitteln zum Schweigen zu bringen.— Herr Hergt muß Wohl danach doch ein Gefühl dafür gehabt haben, fvje sehr ein Eingehen auf die Unterredung ihn und seine Partei k o m p r o m i t- t i e r eil würde. Toöesanzeigen oüer Politik? Tie teaktionäre Press« mimt große Entrüstung darüber, daß der „Vorwärts" nach der Beendigung der Kämpfe im Ruhrgebiet die Todesanzeige eines TturmbataillonS für seine gefallenen Käme- raden abgelehnt hat. Hierzu bemerken wir: Vach den Märzkämpfen sind uns eine ganze Anzahl sogenannicr„Todesanzeigen" von verschiedenen Truppenteilen zugegangen. Diese Todesanzeigen waren du:„.: in einem Stil gehalten, der sonst bei Todesanzeigen nicht üblich, Anstatt sich auf die Trauer um die Gefallenen zu beschränken, er- gingen sich diese Anzeigen in heftigen Beschimpfungen des Gegners und in allerhand politischen Betrachtungen. So hieß es in der Todesanzeige eines Freikorps, daß die Verstorbenen im Kampf gegen„Räuber und Mörder" gefallen seien, in der von der Rechtspresse namentlich aufgeführten Todesanzeige des Sturmbataillons der 3. Marinebrigade steht u. a. der Satz:„Ihr (der Toten) Andenken wird uns stärken und lyrt machen." Wir sind der Ansicht, daß Todesanzeigen nicht der Ort sind, um Haß- und Rachegefühle auszutoben, und daß insbesondere der „Vorwärts" nicht der Ort ist, um Leute, die auch für ihre Ideale gefallen sind, mit gemeinen Schimpsworten zu belegen. Todes- anzeigen, deren Tcgst sich auf das natürliche Gefühl der Achtung vor den Toten beschränkt, werden wir jederzeit aufnehmen, von welcher Seite sie auch kommen. In Haß- und Rachegesängcn aber erblicken wir eine Verletzung der den Toten gebührenden Achtung. Offenherziges Geständnis, Deutschnationale und Deutschs Volkspartei sind eins! In einem Leitartikel der„Voß" über staatsbrhaltende Wahlen finden wir folgende freimütige Erklärung, die voll bestätigt, was wir über das geheime Wahlabkommen zwischen den beiden Rechtsparteien geschrieben haben: Was die beiden Rechtsparteien, die Deulfcbnationale und die Deuiicbe Volkspartei, von einander trennt, ist völlig belanglos gegenüber dem, was beiden Parteien gemeiiijam isr. Niemand dürfte sich heute einfallen lassen, zu behanvten, daß sie sich bekämpfen. Sie gehen Schulter an Schulter, ja fast Hand in Hand in den Wahlkampf. Der Generalsekretär der D e u t sch e n V o l k s p a r t e i Kroschel wurde in dem Augenblick ausgemerzt, als er diesem Einvernehmen durch die Veröffentlichung seiner Broschüre Abbruch zu tun im Begriffe stand. Niemals wäre eine für die Rechtsparteien so selbstverständliche Schlußfolgerung bei den Linksparteien denkbar. Sie stehen nicht nur im Kampf gegen die anderen, sondern auch untereinander. Dep letzts Satz sollte namentlich den Linksradikalen zu denken geben, die auch jetzt in diesem Wahlkampf anstatt Kampf gegen rechts nur Vr.iderkampf und Selbstzerfleischung zu üben wissen.__ die Lehrersthaft bei üen Reichstagewahlen. In einer öffentlichen Lehrer- und Lehrerinnenver- s a m m l u n g, die gestern von der Gruppe Berlin der Arbeits- gemein schaft sozialdemokratischer Lehrer und Lehrerinnen Deutschlands nach den Sophiensälen einberufen worden war, sprach vor einer zahlreichen Zuhörerschaft der Staats- sebretär Genosse Heinrich Schulz über die Bedeuiung der ReichStagswahlen für Schule und Lehrerschaft. Die„Schicksals stunde dex deutschen Schule" nannte er die Reichstagswahlen, bei denen idas jetzt politisch frei- gewordene deutsche Volk über sein Geschick entscheiden wird. Da- von,.was für eine Volksvertretung in den Reichstag entsandt wird, hängt auch ab, was für eine Schule wir durch ihn bekommen sollen. DaS Grundschulgcseb der Nationalvcrsammlung ist erst ein bescheidener Anfang, aber mit ihm haben wir die Bahn für die Reichs schulgesetzgebung eröffnet, die der Reichs- tag fortsetzen muß. Fortan werden die wichtigsten Ent- scheidungen über die Schule im Reichstag fallen, und seine nächste Aufgabe wird das Lehrerbesoldungsgcsetz lein. Die zuverlässigste Gewähr für einsn sicheren Fortgang der Schulreform im Sinne innerer und äußerer Freiheit der Schule hat das deutsche Volk bei der Sozialdemokratie.(Beifall.) Hätten die rechtsstehenden Parteien für die Schule tun wollen, was sie jetzt vor den Wahlen versprechen, so hätten sie früher unendlich viel Zeit dazu gehabt.(Lebh. Zustimmung> Die Sozialdemokratie re erst seit November 1318 die Möglichkeit, etwas für die Schule tun, und sie hat bereits manches fü? sie getan. Wenn sie nicht schon ihr Schultdeal im weitesten llmfana verwirklichen konnte und sich leider mit dem Sch ulkompromiß abfinden mußte, so trifft die schuld das Kalsthe Ierksprechverbmölmgen. Von Karl Amman. An anderer Stelle find in der letzten Nummer unseres BlaNeS Einwände gegen die neue Zahlenaus svrqche erhoben worden, die sich aus Urteile der das Telephon Be- dienenden stützen. Es wird interessieren, die K r Ii n d e näher leimen zu lernen, welche die Reform unterstützen. Falsche Fernsprechverbindungen sind ärgerlich, und manche Teilnehmer fahren immer gleich aus der Haut, wenn jhneij dieses große Unglück einmal passiert, obwohl es bekanntlich schwer ist, wieder hineinzuschlupfen. Aber abgesehen davon sollten sie auch bedenken, daß es z. B. Anfängerinnen gibt, bei denen man ein kleines Versehen wohl einmal entschuldigen kann, und daß ein modernes Fernsprechamt eben eine sehr verwickelte Einrichtung ist. Wenn man den ganzen Tag gegen 10 000 oder noch mehr Stöpsel- löcher zu stieren gezwungen ist, so kann es vorkommen, daß man sich einmal vergreift, selbst wenn der beste Willen vorhanden ist. Und der ist vorhanden. Das ist meine feste Ueberzeugung(ich bin nicht bei der Post!), denn wenn er nicht vorhanden wäre, so sunkti» nierte unser Fcrnsprechbetrieb überhaupt nicht mehr, da infolge Rohstoffmangels die Acmter alle überlastet sind. Und er funktio- niert doch nochl Aber nur dank der Gewissenhaftigkeit der Be- amtinnen. Immerhin kann man die falschen Verbindungen einschränken, und daran wird dauernd gearbeitet, wenn das auch der Teilnehmer nicht so merkt. Aber von einer dieser Arbeiten hat er doch vielleicht Kenntnis bekommen, und es wäre sogar gut, wenn er dazu etwas mithelfen wollte, daß sie gelingt, denn er dient sich ja am meisten selbst damit, wenn er nicht mehr falsch verbunden wird. Es ist die neue Zahlen ausspräche, um die es sich handelt: Die meisten Falschverbwdungen entstehen ja. dadurch, daß Nummern falsch verstanden werden.") Di« deutsche Sprache ist dazu wie ge- schaffen, die Verwechslung von Zahlen zu begünstigen. Da gibt es z. B. zahlreiche Zahlen mit„ei", und da ein Ei dem andern be- kanntlich so ähnlich sütht wie das andere, so ist dann das Unglück da. Die Verwechslung ist deshalb ganz besonders naheliegend, weil wohl Bas„ei" durch den Draht ziemlich unverändert hindurchgeht — aber nicht das Drum und Dran: � die Konsonanten, die Mitlaute. So klingt z. B. S genau wie 3, besonders über Kabel, desto *) Wie indes in den Kreisen der Beamten geurtcilt wird, ist die Weitaus größte Zahl der falschen Verbindungen eben nicht auf falsches Verstehen bei der gewöhnlichen Zahlenaussprache des Teil- nehmers zurückzuführen, sondern auf einen menschlich erklärlichen Irrtum des Telephonfräiilcius in den Stundender stärksten Telephon- Belastung: das Fräulein„stöpselt" irrtümlich in ein falsches Nummernfeld ihres Schvankes. Red. mehr natürlich, je länger sie sind.' Deshalb ist die Aussprache „zwo" für 2 eingeführt worden, so daß dieser Uebelstand nun-- mehr endgültig behoben ist— soweit die Sprechenden eben„zwo" sagen. Aber 1 ist auch eine Eierzahl und wird namentlich mit 0 verwechselt, besonders bei 21, 31 usw., wo 1 ohne s gesprochen wird: ein-und-zwanzig klingt schon in gewöhnlicher Sprache bei- nahe wie neun-und-zwanzig. Man muß also das s recht scharf sprechen und auch in diesen Zusammensetzungen sagen: e:nß-und- zwanzich, einß-und-dreißich usw. Um die 9 noch deut- licher davon zu unterscheiden, muß man etwa wie„noihn" aussprechen(mit kurzem o und lau- gem i). Gedruckt sieht das ganz gefährlich aus; beim Sprechen ist es lange nicht so schlimm. Bei 3 muß man zum Unterschied das r recht deutlich hervortreten lassen, denn es hält sich ganz be- sonders gern in Kabeln aus und kommt dann am andern Ende nicht zum an kann deshalb das d ganz weglassen und rrei sagen. Das d koölmt nämlich durch Kabel überhaupt nicht durch, es ist also ganz gleichgültig, ob man es spricht oder nicht. 11 verwechselt man sehr leicht mit 12. ES ist deshalb gut, die 12 zweisilbig zu sprechen, etwa wie zewolf(nicht zewölff!), und sich bei den Zahlen 4, 3 und 7 ebenso zu helfen, wobei man beide Silben gleich stark betont: vieärr, funnef(nicht fünnef!), ßiebänn. Wie bei 7 spricht man auch das erste s von ßechs scharf. An dem Beispiel von 4 und 7 sehen wir, daß man für e besser ä sagt. So verfährt man auch bei zähn, älfs und huhndärrt. Seitdem die Ämter so sprechen, haben sie bei der Zahlenüber- mittlung weit weniger Fehler. Der Fortschritt ist in die Augen springend. Er wäre es noch mehr, wenn die Teilnehme: auch so sprächen, und wenn sie wenigstens die Regeln beherrschten, die schon seit Jahr und Tag vorn im" Teilnehmerverzeichnis empfohlen find: zum Beispiel zu? Vermeidung der Verwechslung von 13 bis 19 mit 30 bis 90 statt der vollen Zehnerzahlen 3-null, 4-null zu sagen, aber 13, 14 nach dem allgemeinen Brauch zu sprechen. Merkwürdig ist auch, daß man beim Sprechen der vollen Hunderter wj� eins- null-null fast mit Sicherheit eins-null-neun versteht. Es ist deshalb besser: null wie nuhl(wie beim Worte Stuhl) auszusprechen, noch besser aber, einfach zu sagen: hundert, 2100— eiuß-un-zwanzich- huhndärrt. Ebenso soll man„tausend" sagen, nicht einß-nulk-null- null oder lO-null-null. Ganz besonders vorsichtig muß man aber bei den Zahlen 100 01 bis 100 99 sein. Verlangt man hierbei in der üblichen Gruppcneinteilung hundert-27, so bekommt man notür- lich nicht 100 27, sondern 127. Man verlange TO'diesem Fall 10-tausend-27. Freilich nicht jeder Teilnehmer hat Zeit und Lust, sich- in alle diese Regeln zu vertiefen; man sollte daher durch entsprechenden Druck der Zahlen im Teilnehmerverzeichnis wenigstens diese Fuß- angeln besemgen, über die eigentlich jeder stolpert, der nicht gerade deutsche 7O das ihr nicht zu einer stärkeren Vertretung in der Nationale.:' eilung verholfen hatte.(Sehr richtig!) D i e S ch u l e bat ihre"sind rechis, von dort her hat- sie Gefahren zu fürchten. eno: Das Grundschulgesetz kann nicht zurückgeschraubt werden!) Gewiß nicht, und eben deshalb haben wir uns bemüht, es unter Tech zu bringen. Jetzt muß die Wählerschaft dafür sorgen, daß;n neuen Reichstag die deutsche Schule gut aufgehoben ist. Es darf yu der Schulreform kein Rückwärts, sondern nur ein Vorwärts geben. Wer das will, der muß a nr 6. Junrflirdie Sozialdemokratie stimmen.(Lebh. Beif.) Tln Stelle-des erkrankten Ministers Genossen Haenisch, der neben Schulz als Redner angekündigt worden war, sprach der Ham- burger Schulreformer Genosse I o h. Schult über die Schvlforderungcu der Sozialdemokratie. Jeder Lehrer müsse zum Agitator für diese Forderungen werden, von'deren Verwirklichung die Zukunft der Schule und- die Höher- entwicklung unseres Volkes abhängt. Es handelt sich darum, das deutsche Volk als Kulturvolk wieder aus die Beine zu bringen.(Lebhafter Beifall.) Unter den Versammlungsteilnehmern war auch die O p p o- sition von rechts vertreten. Während der Referate machte sie sich mehrfach durch Unruhe bemerkbar. In der Diskussion zeigten tlire Redner, daß sie von �hom Sozialismus, den sie bekämpfen, eine kläglich unklare Vorstellung haben. Eine stattliele Reihe anderer Redner bekannte sich freudig zum Sozialismus, der so manchem Lehrer erst wieder seinen Beruf liebenswert und das Leben lebenSwert machen wird. Ein Deutschdemokrat glaubie einwenden zu sollen, die Schulforderungen der Sozial- demokratie seien ja alte Forderungen der Lehrerschaft. Nun, so möge daZ ein Grund mehr für die Lehrerschaft und für alle Freunde der Schule sein, am 6. Juni sozialdemokra- tisch zu wählen._ Tagung Ses Deutschen SeamtenbunAes. Auf dem außerordentlichen Vertretertag des Deutschen Be- amtenbundes vom 28. bis 23. Mai gelangten drei Entschließungen mit übergroßer Mehrheit zur Annahme, in denen die Billigung der zur schnellen Niederwerfung des Kapv-Putsches getroste- neu Matznahmen sowie die Verpflichtung der Beamienschaft auS- gesprochen wird, die Verfassung auch künftighin vor jedem.Angriff zu schützen. Der geschäftsführende Vorstand deS Deutschen Be- amtenbundes wurde beauftragt, mit den Gewerkschaften der Arbeit- nehmer unverzüglich in Verbindung zu treten, um die Durchführung der Verwaltungsreform auf demokratischer Grundlage, und anderer, nir die Beamtenschaft in den Vordergrund stehenden Punkt« in die Wege zu leiten. Im Laufe der beutigsn Tagung beschäftigte sich der Beamten- tag mit dem gewerkschaftlichen Ausbau seiner Organisationen. Ferner wurde vom Gewerkschaftsbund der deutschen Eisenbahn- Beamten die Annabme einer Entschließung beantragt, in der dem Deutschen Beamtenbund das Vertrauen der Vertretertagung ausgesprochen wind._ t>k tiot öer Lazarettinsaffen. Noch immer befinden sich in den Lazaretten Verwundete und Kranke aus der Kriegszeit, deren Beschädigungen nichi behoben werden konnten und die daher mit Fug und Recht als die Schwerst- beschädigten deS Weltkrieges bezeichnet werden können. Leider ent-" sprechen die Gcbührnisse. die diese Verwundeten und Kranken bc- ziehen, in keiner Weise der herrschenden Teuerung. Mit Hu- mut müssen diese Kriegsopfer sehen, wie die in gleichen Lazareicen behandelten Angehörigen, der Reichswehr und Freikorps bedeutend besser gestellt sind als sie, die doch im Kriege unter noch viel schwierigeren Verhältnissen ihr Leben eingesetzt haben. Um ihren Forderungen auf-Besserung ihrer Bezüge mehr Nachdruck zu ver- leihen, wollen die kriegSbcschädigten Lazarettinsassen in ein,*' großen Kundgebung an die Oeffentlichkeit appellieren. Diese findet am Sonnabend, den 29. Mai, nachmittags 2 Uhr, im Lehrer- Vereinshaus(Llexanderplatz) statt. In dem Beleidigungsprozeß des früheren Reichsfinanzministers Erzberger gegen den veramwortlichen SSriftleirer der„Deulicben Zeilnng*. Dr. Ernst B ü l ck, der am 20. November V.J. verhandelt und vertagt wurde, ist neuer Verhandlungsiermin auf den S. Juli vor der 7. Strafkammer des Landgerichts I Berlin anbdraumt. Für die Verhandlung find zehn Tage in Aussicht genommen. regelmäßig mit Fernsprecherei zu tun und der sich nicht mit diesen Fragen befaßt hat. Aber eine gute Zahlenaussprache darf wohl vom Teilnehmer erwartet werden— es handelt sich Schließlich nur um die wenigen Zahlen von 0 bis 12 und um die Fahl 100, die .er sich einprägen muß, und dabei ändert sich die Zahl 3 gegen den Sprachgebrauch gar nicht, andere, wie z. B. 8, kaum Jeder stutzt freilich �zuerst, wenn ihm das zugemutet wird und hält es für un- möglich. Aber wer eS einmal ordentlich probiert hat, der bleibt dabei, denn die Sache ist gut. Und wer es nicht sich selbst zuliebe tut. der sollte daran denken, daß er durck eine sachgemäße Aus- spräche den Fernsprecherinnen ihren wirklich anstrengenden und nevvenvcrbrauchenden Dienst erleichtert. Ein junger Schweizer Dichter fügte gestern im dämmerigen Raum der Kammerspiele in den glühenden Nachmittag eine lyrische Stunde, die nicht verloren war. Sein Name ist S. D. Stein- b e r g. Er ist nickt ein Suchender, bewegt sich bereits ausgeglichen sicher. Zu der Art der jungen aufgewühlten Gegenwartsstürmer gehört er nicht, doch er hat Kraft. Die künstlerische, geistige Kultur der letzten großen Schweizer, �Konrad Ferdinand Mover und Karl Spitteler, spinnt in seiner episch-lcbenden, fest., klar, tönend, in ge- weiteten Bildmaßen gestaltenden Lyrik, und in den anders, ver- schwimmender geformten Prosaskizzen, die er selbst las, webt ein leöenskiug durchfühlendes Naturschauen, wie es etwa Hermann Hesse eigen ist. Doch er geht seinen Weg in Form und Klang und Geist sehr selbständig, schreitet als ein wach Aufnehmender durch die Fülle der Dinge, hebt alles— dies ist wesentlich— ins mftlbst nn- mittelbar Gegenwärtige, auch die alttestanrentlich balladischen Stoffe, die glutvoll durchmenschl:cht den energischen Kunstwillen F r ä n z e R o l o f f s reizten, und hat in feinem empfänglich we'ten Welt- erfassen ein Be'cheiden, das kein« Ucberhebung des Wissens leidet und so ein Mittel wird, die unendliche Größe der Natur um so deutlicher zu � versinnlichen. Ein schönes Gedicht„Anbetung", von Fränze Roloff als letztes gesprochen, war eine Entfaltung weit- strömenden Füblens und schloß dersöhnungsstark: Die Welt, von Haß und Oualen ausgesogen, Rings bindet sie ein ausgespannter Bogen, Um dich und mich und alle hingezogen.' zd. Ter Dent'che Werkt und bat den Vorfitzenden seiner Geichästsstelle, Prof. Dr. Er-sit 9! ä ck b. zum Vertreter im vorläufigen R e i ch s>o i r t- I ch a i t s r a t beilimmt. Theater, lim Jriedrich-Wilhelmfiädtischen Theater wird vom t. Juni ab„Eochen Humbrecht- in der Besetzung des Refidenz-TbcalerS negcben.— MarPallenbera fbielt bis Ende Mai im Theater deS VeficnS den Zawad'.l in„Famiiie Tchimel-, vom 1. Juni ab im Deutschen Theater die Seupirolle im Schwank„Auch ich war ein Jüngling..— In„schall and Rauch- wird Maria O r S k a im Juni eine szene von Theobald Tiaer«piclen. Gegen den lltotitand der Wifienschaft hat die deutfchöiterrcichische Staatsregierung drei Millionen Kronen zur Verfügung gestellt, um den diimzcndsten Bedarf an Jnstrumenien und Materiaiicn tür den Rest des lausenden Sommerscmesters sicherzustellen. Demokratisches �ohngelachter.\ öffentliche Wählerverfammlung in Sonnsberg. Von oen Demokraten einberufen. Frl. Tr. Gertr. B ä u m e r spricht über die innere Erneuerung Deutschlands. In der Diskusston weist einer un- serer Genossen auf dis kommende Arbeitslosigkeit hin und fordert die Anwesenden, fast ausschliesslich Bürgerliche, auf, die Arbeitslosen in der schweren Zeit der Not tatkräftig zu unterstützen. Die Antwort der Versammlung war ein— schallendes Gelächter. Vergebens versuchten der Versammlungsleiter und die Rcferentin, diese Tatsache abzuschwächen. Lauter als alle demokrarischen Phrasen von einer„Vchksgemeinschaft", von der Sinn- und Ztrecklostgkeit des Klassenkampfes,„da es doch gar keinen schroffen Gegensatz zivtschen den Klassen gibt"— l a wt e r a l s alle die Phrasen kündet jenes Hohngelächter den Abgrund, der zwischen dem Proletariat und der vürgerlichen Klasse, zw i s che;n dem Besitzlosen r n d dem Besitzenden besteht. Volkgemeinschaft? Tatkräftige Unterstützung des armen Bru- ders? Nächstenliebe und Nächstenhilfe, wie sie die christliche Kirche lehrt und fordert�— Die Antwort ist— ein Hohnlachen! Arbeiter, Arbeiterinnen! Vergesst diese Antwort nicht am 6. Juni! Sorgt dafür, daß nicht jene, sondern wir am Tage der Wahl die Lachenden sind! Wer zuletzt lacht, lacht ja bekanntlich am besten! Gebt'den Demokraten die ihnen gebührende Q u i t- t u n g für diese Verhöhnung eurer Menschenrechte! Dann ist alles aus! Unter der Ueberschrift„Der Bolschewismus auf dem Lande" bringt die„Deutsche Tageszeitung" eine Zusammenstellung von Schauernachrichten, die sich als ganz grober Schwindel entpuppt, denn es handelt sich um Kämpfe zwischen Verfas- s n n g S t r e u e n und R e ch t s b o l s ch e w i st e n, die sich aus An- laß des 5kapp-PutscheS unmittelbar nach dem 13. März abgespielt be�'n. Zu was für Mitteln im übrigen die„Deutsche Tageszei- tnng" greift, um das Vorhandensein einer gefährlichen bolschewisti- fchen Bewegung zu konstruieren, das zeigt eine Meldung aus dem Kreise Nummelsburg(Hinterpommern), die lautet: „Einbrüche und Diebstähle nehmen überhand, um so mehr, als Gerichtsbehörden, wenn Strafanzeigen erfolgen, nicht ge- nügend durchgreifen. So wurde z. B. ein Einbruch, bei dem SO Liter Spiritus erbeutet wurden, dieser als Mundraub bestraft." � Ja, wenn die preußischen Amtsrichter Hinterpommerns bereits im Dienste des Bolschewismus stehen, dann ist freilich alles der. lorsn!*_ Selbftbilünis. Im Augustheft 1919 der k o n s e r v a t ist> e n„P r e u st i- schon Jahrbücher" lesen wir in einem Aufsatz über Rudolf Huch von Dr. Werner Mahrholz: „Die Heuchelei ist ja eine spezifisch dikflerliche Aeufiernngsweisc der menschlichen Natur und zwar aus dem Grunde, weil der Mensch immer da heuchelt und heucheln muß. wo er seine Naivität ver- . Itert, sich schämt und von der Natur sich entfernt. In keiner Gesell« ichaflsordnung ist diese Entfernung von der Natur ausgeiprockener als in der bürgerlichen, und so ist die Heuchelei geradezu ein Haupt- lasier der bürgerlichen Menschen." Eine Gesellschaftsklasse, die sich selbst derart charakterisiert, richtet sich damit auch selbst. Also bleibt dem Aufrechten und Wahrhasten kein anderer Ausweg, als herauszutreten aus der bürgerlichen Gesellschaft und sich denen anzuschließen, die aus diesem bürgerlichen Sumpf herausführen. Der Tag der Wahl wird der Tag des Gerichts und des sich Wieder- findens sein. Die Dolchstoßlegende. Deutsche Offiziere in der Türkei. Zu der Frage, wer das Heer erdolcht hat und wodurch es erdolcht moröen ist. liefert der nachstehende Befehl, den wir im Wortlaut bringen, einen beachtenswerten Beitrag: Deutsch- Etappen-Jnspektion Fildihim Damaskus, den 22. 5. 1918. IIa Nr. 34 persönlich. An den deutschen Etappenkommandanten in Aleppo. Es ist mir bekann-t, daß der längst bestehende Befehl, daß die Bordellstrassen in Aleppo von deuffchen Heeresangehörigen nicht be- treten werden dürfen, in keiner Weise befolgt wird. Ich weiss, daß irichi nur Mannschaften, sondern sogar deutsche Offiziere in Uniform die dort befindlichen Bordellhäuser besuchen und dadurch nicht nur den Mannschaften ein überaus schlechtes Bei- spiel geben, sondern euch ein Benrhr.icn an den Tag legen, das weder den Verhältnissen des Deutschen Reiches als Kultursiaat, noch i'.ufern Anschauungen über das Ansehen des Offizicrstandcs ent- spricht. Ich bitte, unter Zuhilfenahme der türkischen Polizei, durch Anordnung mit genügender Mannschaft unternommener Streifen diesem UMvesen unter allen Umständen zu steuern. Gegen Heber.reter de»• obenerwähnten Verbots, gleichgültig welchen Ranges sie sind, aber mit den stp-engjten Strafen vorzu- gehen. Dort bckroffcne Offiziere des deutschen Reichsheeres, ebenso solche deutsche Offiziere, welche sich durch Zuziehung von Geschteä: A-kra nrhdi ten für die Ausübung deS Dienstes untauglich machen, sind mir sofort zur Bestrafung zu melden. Ich wiederhole meine dringende Bitte, mir in Aufrechterhal- tung der Disziplin Ihre weitgehendste und energischsbe Unter- stützung zuteil werden zu lassen. Für die Nichtigkeit: Der deutsche Etappen-Inspekteur Merkel, Hauptmann. gez. v. Kiesling, k. o. Oberstleutnant. Wenn man nun glaubt— so schreibt uns der Einsender dieses Schriftstücks, der als Patrouillenführer oft persönlich solche Bordellorgien überrascht hat—, daß durch diesen Erlast die Ausschtoeifungen der Offiziere nachgelassen hätten, so irrt man sich gründlich. Im Gegenteil, in den Bordells wurden die tollsten Orgien weiter gefeiert, Wein und Sekt ftost dort in Strömen, während die deutschen Truppen an der Palästinafront bei über 7 5 Grad Hitze und noch mehr, mitunter tagelang nicht einen Schluck Wasser über ihre Lippen bringen konnten. UnbKnAiges Ous Reinickenöorf. In-bekannter„unbändiger" Weise benahmen sich wieder einmal eine Anzahl linksradikaler Bersammlungsbesucher am Mittwoch in einer Reinickendorfer Versammlung, in der Genosse H e tz s chw I d referierte, ischon während des Referat«, als.Genosse Hetzschold den Unabhängigen Aeusserungen von Hilferding, Kaütsky usw. entgegenhielt, suchten sie die ihnen unangenehme Wahrheit durch wüsten Lärm zu ersticken, was ihnen jedoch nicht gelang. In der Diskussion steigerte sich der Tumult. Ein Diskussionsredner aus Reinickendorf erwiderte- auf den Zwischenruf, daß die Regierung am 13. März ausgerissen ist, schlagfertig, dann hätte die Regierung sedenfalls nichts anderes gemacht als gewisse Reinickendorfer Unab- hängige. Darauf stürmte eine Horde wutentbrannt das Podium und suchte den unbequemen Sprecher mit Gewalt herunterzuholen. Der Besonnenheit und Energie unserer Genossen gelang es jedoch, die Versammlung wieder herzustellen. Als nun der Referent das Schlusswort erhielt, Wlgle sich der Heldenmut dieser Versammlungs- störer im hellen Lichte: sie ergriffen das Hasenpanier, um die Abrechnung mit ihrem Verhalten nicht mit anhören zu müssen. Ver- schiedene unabhängige Führer am Orte drückten der Versammlung�- leitung ihr Bedauern und Mißfallen über das Verhalten ihrer eigenen Parteigenossen aus, ohne freilich den Mut zu finden, Resen selber den Standpunkt klar zu machen.— Tie Rcakiion lacht sich über solche Vorkommnisse ins Fäustchen. Solches Auftreten be- deutet nur HelfersdienstefürWestarpundGenossen. Herr Stinnes überall. Die ersten Vorschläge zum Rcichswirt- schaftsrat sind eingelaufen. Vom Reichskohlenrat wurde als Spitzen- kandidat Herr Hugo©iinnes, Mitglied der Deutschen Volkspartei und Auskäufer der öffentlichen- Meinung, genannt Die Deutsche Volkpartei nennt sich bekanntlich die Partei des Wiederaufbaus. Tie Arbeiter werden wissen, was sie von einem solchen Arbeit- gebervertrettti zu erwarten haben, nämlich Aufbau der kavita- listischen Wirischast in einem Umfange, wie'wir sie selbst in Wil- Helms Zeiten nicht erlebt haben. * Die Sünden der Schwerindustrie. In unserem Bericht in der heurigen Morgenausgabe über die Krieg smeiallverichie« b u n g e n der S ch w e r i n d u st r i e ist ern Druckfehler enthalten. Der Herr, der das wertvolle Eingeständnis von der Kriegs- spekulation der Auslands st ellen machte, beint Dr. F. W. M e i ch e r t. Wertvolles Material enthält über diese Fragen die Schrift des Genossen Ariur S a ternus:„Die Schwer- industrie in und nach dem Kriege", auf die wir- noch zurückkommen werden. Sie rücke» ab. Aus den Kreisen der Bayerischen Volkspartei wird erklärt, daß dieie Partei mit der Veröffentlichung des bohe- rilchen Bürgerblocks über eine angebliche Einheitsfront der bürgerlichen Parteien tm Wahlkampfe nichts zu tun hat. Aehnliche Erklärungen sind von den Demokraten und- von der Mitielspartei abgegeben worden. Sozialüemokratische Lehrer. Die Sitzung des H a u p t a u s s ch u s s e s der Arbeitsgemein- lchaft sozialdemokratischer Lehrer wurde am 26. Mai fortgesetzt. Den Hauptteil der Beratungen des zweiten Tä�es nahm die Auf- stellung von Richtlinien(Mindestforderungen) für die sozial- demokratischen Vertreter auf der Reichsschulkonferenz ein. Für den Schulaufbau einigte man sich auf den eigentlichen Schulbeginn mit dem siebenten Lebensjahre, vorbergehenden obligatorischen Kindergarten vom fünften Lebensjahrs an, eine mindestens seckis jährige Grundschule und drei darauf aufbauende sechsstufige Oberschulen. In der Frage der Lebrerbildung soll grundsätzlich an der einheitlichen Aurbildung aller Lehrer auf der Universität festgehalten werden. Die Teilnehmer der Hauptausschußsitzung hatten Gelegenheit, am Abend an einer öffentlichen Lehrerversammlung in den Sophiensälen teilzunehmen, in der die Genossen Heinrich Schulz- Berlin und S ch u l t- Hamburg sprachen. Diese bis aus den letzten Platz gefüllte Versammlung gestaltete sich zu einer machtvollen Kundgebung der Berliner Lebrcrschaft f ü r d-e Sozialdemokratie als die Trägerin ihrer Ideale und Forderungen. Sie kaufen weite?... Wie verlautet, hat der Konzern der Firma Otto Wulff, der von Thyssen gestützt wird, in Köln das bekannte Korrespondenzbureau Dr. Dämmert angekauft bzw. unter seinen Einfluß zu bringen getvußt. Das Unternehmen soll großzügig ausgebaut und rn eine Aktiengesellschaft umgewandelt werden.£ Unerhörte Postkorruption. Kein Mittel ist den Deutsch. nationalen niedrig genug, um es zu ihrer skrupellosen Wahl- qgüatioh zu mißbrauchen. So wird uns von der- Redaktion unseres mecklenburgischen Parteiblaties„Das freie Wort" mitgeteilt, daß in unsere dortige Parieipressc d e u t s ch n a t i o n a l e Flugblätter, während die Zeitungen gum Versand bei der Post lagen, b'iieingeschmuggelt worden sind. Es ist Aufgabe der zuständigen Stellen, sofort dieler unerhörten Beeinflussung durch unlautere qe'lischnatianale Elemente von Amts wegen ein Ende zu machen. ..-i-we Parteigenossen verbitten es sich, die' d e u t s ch n a t i o- nalen Wische m ihrer Zeitung vorzufinden. GroMerllu §-!aueaWal)!. Ich traf sie nach langer Zeit wieder, Lottchen, die Freundin meiner Jugend.„Wie geht's denn?" fragte ich freudestrah- lend.„Noch immer glücklich in der Ehe? Was machen die Kinderchen i?" Sie sah mich halb erzürnt, halb kumniervoll an. „Weißt du denn nicht? Er hat mich und die Kinder der- lassen. Er ist ein schlechter Mann. � Ich habe mich in seiner Wahl gründlich geirrt."„Siehst du, Lottchen," sagte ich und Nahm sie bei der Hand.„Du hast auf guten Rat damals nicht gehört. Du läpptest wahllos in dein Verderben." „Ich war halt jung," erwiderte sie.„Bei zunehmendem Alter wird man klüger." Wir redeten über dies und das und kamen auch auf die Wahlen zu sprechen. „Welche Partei gedenkst du am 6. Juni zu wählen?" .„Darüber habe ich, offen gestanden, noch nicht nach- gedacht. Wahrscheinlich wähle ich die Deutsche Volkspartei." „Warum?" „Weil sie, wie überall zu lesen steht, die Partei des Wiederausbaus ist." J „So?!" erwiderte ick.„Als du dich vorhin über die schlechte Wahl in deiner Ehe beklagtest, meintest du, niir zu- nehmendem. Alter klüger geworden zu sein. Das bestreite ich. Die Wahl, die du jetzt zu treffen hast, wird über deine und deiner Kinder Zukunft entscheiden. Wiederum aber bist du leichtsinnig und traust leeren Versprechungen, genau ft>, wie damals bei der Wahl deines Gatten. Tu sagst, die Deutsche ÄolkLpartci ist die Partei des Wiederaufbaus. Wessen? Des schädlichen Alten! Die Sozialdemokratie aber ist die Partei deS Aujbaus: Tos lebenskräftigen Neuen!" Lucia». Projektierte Frisierzelte m Berlin. Durch den Streik der Friseurgehilfen traten die fliegende Barbierstuben als besondere Streikart in Erscheinung. Von feiten des Publikums erfreuten sich diese Einrichtungen einer Irv- basten Sympathie, was auch durch die Einnahmen für die Streik- lasse bestätigt wird. In einigen belebten Stadtteilen, wo Restau- rationsn in fliegenide Stuben umgewandelt worden sind, erreichten die Tageseinnahmen bei vier Arbeitskräften die Höhe von 30« M. Davon fließt die Hälfte in die Verbandsftreikkasse, während der übrige Teil unter die Arbeitskräfte verteilt wird. Obgleich keiner der Kunden verpflichtet ist, die Streikkasse zu unterstützen-, zeugen die hohen Tageseinnahmen von der freiwilligen Opserfreudigkeit des Publikums, da es letzten Endes den Vorteil in Form einer Prsisverminderung hat. Die Verbandsleitung plant, die Ernrich- tung der fliegenden Barbier st üben dauernd in Er- scheinung treten zu lassen, was einer Art Sozialisierung des Friseurgewerbes gleichkäme. Vorläufig weist die Verbandskasse nicht die erforderlichen Mittel auf, um die nötigen Anschaffungen vornehmen zu können. Es besteht aber die Aussicht, daß namentlich auf belebten Plätzen, wie z. B. dem Witt enbergplatz und dem Potsdamer Platz, Frisierzelte errichtet werden, wo das Publikum Gelegenheit hat, sich für verhältnismässig geringe Preise der Verschönerung zu unterziehen. Die Preise für Haarschneiden und Rasieren würden dann 125— 150 bzw. 75 Pfenmg betragen. Banknotenzauber. Ein Banknotendervielfältiger, der, mit einer besonderen M a- s ch i n e ausgerüstet, erklärte, aus je zwei Tausend mark- scheinen drei machen zu können, wurde von der Reichs- bank-Falschgeldobleilung in einem Kaufmann Moritz K a m l u t aus Lodz, der zuletzt in Chemnitz wohnte, fefigenonrinen. Kamlut„arbeitete" mit einer Maschine, die die vervielfältigten Tausendmark- scheine gleich in ganzen Paketen lieferte. In Wirklichkeit war es ihm nur darum zu tun, von seinen Opfern echte Tausendmarkscheine zu bekommen. Die Pakete, die dafür aus seiner Maschine heraus- kamen, hatte er vorher schon zurecht gemacht. Sie enthielten n-.cht Banknoten, sondern wertlose Schnitz,el. Ein Ingen cur, der gleich 200 Tausendmarkscheine besorgen sollte, schöpfte Verdachh und machte die Reichsbank-Falschgeldabteilung auf den„Vervklfält.iger" aufmerksam. Auf den Schwindel sind jedoch schon seit Jahren ohne Zweifel viele harmlose Leute hineingefallen. Bis jetzt haben sich vier Personen gemeldet, denen allein schon 26 3000 M. abgenommen wurden. Drei von ihnen sind Pferdehändler. Der eine gab 85 600 i. Mark her, in der Hoffnung, das anderthalbfache wieder zu btlanTS tuen, und ließ die Maschine in seiner eigenen Wohnung„arbeiten". Er erhielt auS dem Kasten der Maschine ein dickes, noch feuchtes Paket mit der Weisung-, es nicht vor Ablauf von 12 Stunden zu öffnen. Diese Zeit müsse genau innegehalten werden. Denn sonst, betonte der Vervielfältiger, verwischten sich'die Farben und die Scheine seien unbrauchbar. Dem Manne wurden die 12 Stunden sehr lang. Vorschriftswidrig öffnete er die Hülle sehr behuts-".n, fand aber darin nicht einmal verwischte Banknoten, wie er halb gefürchtet hatte, sondern nurPapierschnitzel.an denen niclüs zu verderben war. Da? einzige, was der Pferdehändler für sc ne echten 85 000 Mark erhiÄt, war die VervielfältigungSm-aschine. mit der er allerdings nichts anzufangen wußte. Sine ganze Reihe! weiterer Fälle, die Beweis von den Dummen ablegen, die nbb- alle\ werden, spielten sich ähnlich ab. O-nartiernot der Wanderer. Einstmals war die obige Frag« eine Kleinigkeit und der Berliner Tourist in näherer und weiterer Umgebung Berlins ein gern ae- sehener Geselle. Für wenige Pfennige stellte man ihm Bett oder Scheune zur Verfügung. Aber heute, so schreibt man uns aus Wandererkreisen, bekommt man selbst für Geld und gute Worte kein Ouartier. Wie ein Bettler muß man von Haus zu Haus un.d oft aus dem Ort ziehen, um im Walde sein Zelt auszuschlagen. Bei tagelang sonnigem Wetter ist das Zelt das vornehmste Quartier, denn es bindet den Touristen nicht an die Lebensgewohnl ten seines Ouartiergebers. Wie oft kam mir das Lied„Wer recht in Freuden wandern will, der geh der Sonn entgegen" so recht zum Bewußtsein. Meine Zeilen sollen ein Mahnruf an alle Arbcilertouristcn und- Wandervereine sein, nicht in der Herstellung von VereinSzeitüngen ihre Kassen aufzureiben,.sondern eine Verständigung in pratti- s ch e n Zielen der Touristenorganisierüng zu suchen. Di« Schaffung von Hütten und Notauartieren muß an erster S-clle stehen und nicht die Herausgabe von Touristenzeitungen.-an d-.'"-.-n finanziellen Schwierigkeiten die Vereine verbluten. Wählcrversammlungen in Lichtenberg heute abend 70. Uhr im Feslsaal des Rcform-Gymnasiums, Parkaue. Referent Genosse W i s s c l l, und im Jahn-Realgymnasium, Marktstr., Referent Genosse Bernhard Rausch. Mordtaten während der Pfingsttagc. Nachträglich ivcrden aus der A l t m a r k zwei Mordtaten gemeldet, die in der Nähe von Stendal verübt worden sind. In der Nacht zum zw-ilen Fe-.crtag wurde an der Tür des Gehöftes des Bauernguisbesttzers Nagel- Velkau geklopft. Der Guisbesitzer,- welcher glaubte, daß sein Ge. finde, welches einem Tanzvergnügen beigewohnt hatte, zurückkehrte, öffnete die Haustür und erhielt sofort mehrere Schüsse in den Kopf, die sofort den Tod des St. herbeiführten. Die Täter, üvei Burschen im Alter von 18 bis 20 Jahren, entwendeten daS Fahrrad des Erschossenen und gaben dann noch von der Straße ans mehrere Schüsse ab. Die Mörder wurden sofort verfolgt und es entspann sich nun am Ausgang des Dorfes ein Feuergeftcht, das jedoch resultatlos verlief. Den Verbrechern gelang es, zu entkommen, um-bald darauf allem Anschein nach eine zweite Mordtat zu begehen.— Am zweiten Pfingstfeiertag morgens begab sich der Gutsbesitzer Albert Schütte aus Uenglingen auf den Rehbock-Anstandl Als er am Mittag noch nicht zurückgekehrt war, wurde nacl, ihm gesuck r und abends fand mari die Leiche des Sch. in einem Kornselb mit einem Schuß. durch den Kopf aus. Das Gewehr, das Fern» glas, das Portemonnaie und die Schlüssel fehlten. Es wird ange. nommen, daß die beiden Verbrecher, die den Mord in Velkau be» gangen haben, auch hier als Täter in Frage kommen. An der Höheren Gärtnerlehranftalt Verliy-Dahlcm findet in der Woche vom 14. bis 19. Juni d. I. ein Lehrgang für Obst- und Gemüseverwertung statt. Außerdem ist für die Zeit vom 12. bis 24. Juli d. I. ein Lehrgang für Obst- und Gemüsever- Wertung für Haushaltungslehrerinnen eingerichtet, an dem in be- schränkter Anzahl auch Privatpersonen teilnehmen' können. Von besonderer Bedeutung in diesen Lehrgängen ist da? Einmachen ohne Zucker. Anmeldungen sind umgehend an den Direktor der Höheren Gärtnerlehranstalt Berlin-Dahlem einzureichen. Sroß-Sedme? parteinachcichfen. Heute, 27. Mai: Frirdrichshagen. 7'/- Uhr, in Conrads FeftsSlen, Friedrichlrahe s Oefjcntlichc Voitsversammlnna. Lehrer Emil K n i e j spricht über.Warum wählen wir sozialdemotralisch?• � Morgen, 28. Mai: Achtung, Polizeibeamte! Alle Ob- und veilrnukn-m-liiner der blauen, grünen und Krim.-Polizei werden zu wichtigen Besprechungen, 7 Uhr, Haverlands Festsäle. Reue Friedrichstr.», Limmer S, ein geladen. Erscheinen ist Pflicht! Sonst�Vertreler senden. � Gaftwirtschaftliche Angestellte aller Branche». Oeffentliche Wählcrveriammlungcn. vorm. 10 Uhr; ausserdem auch Montag, Zt. Mai, abends Ith-, Uhr, im Cass Stern, Oranienburger Tor. Tagesordnung: Wen wählen wir- zum Reichstag? Referenten: Stadtrat Ritter- Berlin: Frau Klara Bohm-Schuch, M. d. St; Kollege Fritz Saar- Berlin. WLrtsthQft Deutsche Arbeit mit französischem Geld für Rumänien. Ein französisches Finanztonsortium soll sn Verhandlungen stehen, um an deutsche Mühlenbauanstaltcn Aufträge im Betrage von rund 60 Mill. M. zu begeben. In der Hauptsache handelt es sich um Aufträge mit kurzen Lieferungsterminen zwecks Aufbaues der rumänischen Mühlenbetriebe. Dieser Aufbau soll zwar von französischer Seite finanziert, aber in Deutschland ausgeführt werden. Tatsächliche Abschlüsse fanden noch nicht statt, in der Haupt- fache Wohl weg�n der zurzeit ungewissen Balutagestaltung; anderer- seiiS auch, weil infolge der grohen Schwierigkeiten in der Material« und Kohlenbeschaffung es bisher sehr schwer hielt, die vorliegenden grosien Aufträge auszuführen. So trat zum Beispiel die Mühle nbauan st alt Seck in Dresden seinerzeit mit einem Auftragsbestände von 16,87 Millionen Mark, gegenüber nur 8,69 Millionen Mark im Jahre vorher, in das neue Geschäfts- jähr ein. Die drei großen deutschen Mühlenbauanstaltcn Seck- Dresden, Luther und Amme, Giesecke u. Konegenin Braunschweig sind vor dem Kriege hervorragend an der Ausfuhr beteiligt ge- Wesen, sicher mit(50 Prvz. und mehr. Die schönsten und größten automatischen Mühlen in allen Weltgegenden sind von den Deutschen erbaut worden. Leider haben sich diese großen deutschen Jndustriefirmen früher in unverantwortlicher Weise Kon- kurrenz gemacht und sich durch llnterbietungen nicht nur die Preise verdorbe«, sondern sich auch so schwere Garantie- bedingungen aufgeladen, daß oft s ch w e r e L e r l u st e das End- ergebnis solcher Aufträge waren. ES bestand zwar seit langem ein Unternehmerverband, aber der Ehrgeiz der leitenden Persönlichkeiten ließ ein der- ständiges und einheitliches Zusammenarbeiten insbesondere den Ausländern gegenüber nicht aufkommen, so daß selbst bei Ver- gebung der kleinsten rumänischen Mühle die drei Vertreter der drei deutschen Firmen sich um Izen Austrag stritten und einer den anderen vor dem schlauen Orientalen an tiefen Bücklingen zu übertreffen suchte. DaS war eine sehr betrübliche Erscheinung des freien Wettbewerbes. Hoffentlich sind die Herren Leiter dieser großen Unternehmungen heute in der Erkenntnis so weit fort- .-geschritten, daß sie sich für daS Ausfuhrgeschäft wenigstens eine gemeinschaftliche Verkaufsorganisation schaffen, um die Interessen der deutschen Volkswirtschaft besser zu wahren, als eS früher geschah- DaS Trennende lag nicht bei der Angestellten» und Arbeiterschaft, sondern bei den Führern der Unternehmer, von denen jeder Alleinkommandierender sein wollte. Hoffen wir, daß der G e m e i»- schaftSgedanke auch bei diesen für unsere Wirtschaft so un» gemein wichtigen Unternehmungen siegen wird.— sstr. öerliner Wähler, Sie verreisen, müssen sich, um die Berechtigung zur Wahl euch in ihrem Reiseaufeuthalt zu besitzen, in Berlin, Stralauer Stratze 44, einenwahlschein ausstellen lasten Herstellung von Teigwaren. Durch die Press« ging die Nach- richt, die Teigwaren fabriken müßten auf Veranlassung der Reichs» getrcidestelle ihren Betrieb einstellen und würden erst i n zwei Jahren wieder eröffnen können. Diese Mitteilung ist in dieser Form unrichtig. Das Reichsminifterium ist im Einvcr- nehmen mit der R e i ch s g e t r e i d e st e l l« bsinüht, eine Beliefe K rang der Betriebe so schnell wie möglich wieder hevbeMführen. Eick« Einstellung ist nu? vorüiberge'hend erfolgt. Nicht nur di waren», sondern auch die anderen Nährmittelbetriebe sind alöba. wieder mit Mehl oder Getreide zu beliefern, sobald die Lage der � Brotgetreideversorgung es einigermaßen gestattet. Nach i Eingang der vom Ausland gekauften Gctreidemengen, deren Her- Iran Sport namentlich infolge des iiiolterdamer Hajenavbeiterstreiks i verzögert worden ist, erfolgt ein« Belieferung der Teigwaren- favriken sobald wi« irgend möglich. GewerMQstsbsDLgung Sevorftehenöx Einigung im Sankgewerbe. In einer Sitzung im Reichsarbeitsministeriuni unter dem Vor- sitz des Geheimrats S i tz l e r ist am gestrigen Mitbwochnachmittag noch mehrstündiger Beratung eine Basis gefunden worden, die ge- eignet erscheint, den am 1. Juni drohenden Ausbruch des General- striks im Bankgewerbe in letzter Minute hintanzuhalten. An den Beratungen nahmen teil Vertreter des Allgemeinen Verbandes der deutschen Bankbeamten, des Dsuischen BanrbeamtenvereinS und Vertreter des ReichSverbandes der Bankleitungen. DaS Ergebnis der Verhandlungen wurde seitens des ReichsarbeitsministeriumS in folgende Punkte zusamemngefaßt:» 1. Sämtliche Angestellte erhalten zu dem nach der Neuregelung bewilligten Sätzen vom 1. Februar 1320 ab monatlich im voraus ein« besondere Teuerungszulage, und Hwar in Orts- klaffe 1 für Verheiratete 836 ME-., für Ledige 200 ME-, für Lehrlinge und Burschen 75 Mk.; in Ortsklasse 2 285, 190 und 70 ME.; in Ortsklasse 8 270, 180 und 63 Mk.; in. Ortsklasse 4 250, 170 und 60 Mk. und in Ortsklasse 5 240, 160 und 55 Mk. Die auf Probe An- gestellten erhalten die besonder« Teuerungszulage, sobald sie min- bestens 3 Monat« in der Bank beschäftigt sind. Auf die besondere Teuerungszulage kommen in Anrechnung die seit dem 1. Fe- bruar 1920 bereits örtlich bewilligten oder durch Schiedsspruch schon festgesetzten über die Neuregelung hinausgehenden Zulagen. Die Teuerungszulagen werden bei der endgültigen tariflichen Regelung auf die darin bewilligten Sätze angerechnet. 2. Die Verhandlungen über einen endgültigen Reichstarifver- trag beginnen spätestens am 15. Juni 1920 auf Einladung des ReichsarbeitsministeriumS. Die Verhandlungen finden vor dem gleichen unparteiischen Kollegium statt wie die letzten Schlichtungs- Verhandlungen. In den besetzten Gebieten ist zu den Tarifsätzen ein der Höhe nach zu bestimmender prozentualer Zuschlag zu ge- währen. 3. Nach Annahme dieser vorläufigen Regelung sind örtliche Arbeitskämpfe unverzüglich einzustellen. Maß- regelungen dürfen nicht stattfinden, es sei denn, daß eine strafge. richtlich geahndete Verfehlung vorliegt. Bis zum Erlaß eines Urteils erster Instanz kann Enthebung vom Dienst unter Fortzah- lung der Bezüge stattfinden. Eine Bezahlung der Streiktage findet nicht statt. ES wird empfohlen, wegen des Verdienstausfalls V o r- f ch ü f f e zu gewähren. 4. Die vorläufige Regelung gilt bis zum Zustandekommen eines Reichstarifvertrags, längstens jedoch bis zum 31. August 1320. 5. Die Annahme der vorläufigen Vereinbarung teilen die Ver. bände dem ReichSarbeitSminifterium und sich g-genseitig bis spätestens Sonntag, 80. Mai einschließlich, mit. Tarifverhandlungen der Maler. Die auf Grund des ReichstarisZ über gewisse Punkte der Ar- beitsbcdingungen zu führenden örtlichen Verhandlungen fanden am Pfingstsonnabend mit den Berliner Arbeitgebern vor einem vom ReichSarbeitSminifterium eingesetzten Schiedsgericht statt. Wie am Mittwoch in einer Mitgliederversammlung des Malerverbandes be- richtet wurde, ist für Berlin die 47stündige Arbeitszeit festgesetzt worden, während die Arbeiter 46 Stunden gefordert hatten. In allen anderen Punkten, konnten die Arbeiter keine über den Reichs» tarif Hinausgehenden Werbe sseru�en erreichen. Da auch Hinsicht- lich der Zulage bei Landarbeit keine Verständigung erzielt werden konnte, hat der Schiedsspruch festgesetzt, daß die Zulage in jedem Falle der freien Vereinbarung unterliegt. Es ist nun Sache der Kollegen, Landarbeit nur dann anzunehmen, wenn ihnen die geforderte, den Zeitverhältnissen entsprechende Zulage gewährt wird. Delegkertenversammlnng der Afa. Dieser Tage fand„ach der erfolgten Reorganisation der Afa die erste Delegiertenversamnilung statt. Die Reorganisation war nötig geworden durch das sich mehr und mehr erweiternde Tätig- keitsgebiet der Afa. Das bisherige Ortssekretariat, entstanden als Geschäftsstelle des früheren Zcntralausschusses der Angestelltenaus- fchüsse Groß-Berlin, existiert als solches nun nicht mehr. Es ist ersetzt worden durch die Geschäftsstelle des OrtskartsllS Groß-Berlin der Afa. Die Leitung liegt in den Händen der nach früheren Be- fchlüssen von den drei Hauptverbanden delegiertem Geschäfts- führ« Flatau vom Zentralverband der Angestellten, Liebes- k i n d vom Bund technischer Angestellten und Beamten, R e i n s- derg vom Deutschen Werkmeisterverband. Tie Delegiertenversammlung genehmigte den vorgelegten Kostenvoranschlag und beschloß eine Erhöhung des UmkagebeitragS. Sie wählte gleichzeitig aus den Reihen der Delogierten einen Ar» beitsauSschuß, der fetzt nur noch auS ehrenamtlichen Kollegen be- steht und in dem neben den drei Hauptverbändcn noch vertreten sind der Angestelltenverband des Buchhandels, Buch, und ZeitungSge- Werves und für das Bühnengowerbe die Genossenschaft deutscher Bühnenangehörigen. Die Organisation des OrtskartellS ist nun- mehr aufgebaut wie die der Berliner Gewerkschaftskommission, mit der sie in Zukunft in engster Fühlungnahme zusammenarbeiten wird, insbesondere bei der Erfassung der Betriebsräte. Weiter wurden in d« Delegiertenversammlung die Gehälter der Angestellten deS Ortskartells neu geregelt und zum Schluß fcü- gende Entschließungen als Extrakt der vorausgegangenen Debatten angenommen: 1. Die Afa-Delegiertenversammlung stellt fest, daß eine Pro- paganda«in« anderen Art der Organisation der Betriebsräte jedem Mitglied« innerhalb seines Verbandes unbenommen bleibt. Die Mitwirkung an einer anderen dem Afa-Beschluß widersprechenden Organisixtion oder die Bildung einer solchen ist dagegen u n. zulässig. 2. Tie Afa-Delegiertendersammlung beauftragt den ArbeitSauS. fchuß des Ortskartells, den Zusammenschluß der Betriebs- und An- gestclltenräte nach dem Beschluß der Ansammlung vom 26. April 1320 so sehr wie irgend möglich zu beschleunigen. Der Gcwerbeinspektor und das Betriebsrätegrsek;. Einzeln« Paragraphen des BctriebSrötegesctzes versuchen die Unternehmer so auszulegen,„wie sie sie auffassen". Ricküsinien enthalten ja hierfür die letzten Nummern der„Arbcitgeberzeitung" und die Rundschreiben einzelner Unternehmerverbände, z. B. die des Verbandes Berliner Metallindustrieller. Wir freuen uns nun einmal, ein« Entscheidung deS Gewerbeinspektors veröffentlichen zu können, die nicht völlig den Spuren der Unternehmer folgt. Bei der Differenz, die vorläufig vom Gewerbeinspektor entschieden wurde, handelte es sich darum, ob Firmen die Kosten not- wendig werdender Betrieb sversammlungen zu tragen hätten. Die Entscheidung vom 14. Mai d. I. lautet: Ter Zusammenhang zwischen Geschäftsführung von Ange- stellten Versammlung und Angestellten rat ist im vorliegenden Falle ein solch enger, das; letztere ohne die erster« nicht möglich ist. Die Lasten für die Geschäft-sführung des AngestelltenratZ sind nach dem Gesetz dem Arbeitgeb er auferlegt. Sie darf dadurch nicht unmöglich gemacht werden, dak der geeignete Raum für die Ange» stelltenversammlung nicht zur Verfügung steht, bzw. di« Kosten für dessen Miete nicht gedeckt werden können. D« Arbeitgeber hat daber im vorliegenden Falle, sofern er einen geeigneten Raum nicht zur Verfügung gestellt hat, die Kosten der Miete zu tragen, aller weit. Tie sterbende Stadt. Kopenhagen, 26. Mal. Laut„Berlingske Tidende" berichten die rüfsischen Zeitungen von ein« förmlichen Massenflucht aus demhungernden Petersburg, durchschnittlich 1500 Menschen verlassen täglich die Stadt. Dadurch� ist ein bedeutender Mangel an Arbeitskräften entstanden. Die Sowjetbehörden haben ein.Abreis ev e rbot für Männer von 18 bis 50 Jahren und Frauen zwischen 15 und 40 Jahren angekündigt. Rebellischer Agrarier. Das Breslau« Oberpräsidium teilt mit: Ein Rittergutsbesitzer mußte in eine Ordnungsstrafe von 1000 M. genommen werden, weil er grundlos der mit einem ordnunaS- chäßigen Ausweise der zuständigen Behörde versehenen Kommission die Auswahl von Schafen aus seiner Herde zum Zwecke durch den Friedensvertrag geforderten Ablieferung verweigerte. Daneben hat er noch die Einteilung eines Strafverfahrens wegen Vergehens gegen die zur Aussübrung des Friedensvertrages erlassenen Gesetze zu ge- Wärligen.— Die Schafe bekäme er noch gut bezahlt! Berantw. sllr den«daklnrn. Seil: Erich Ncftncr, Scrnpcdiof; für Anzeigen: Tb. blöd«, Berlin. Verlag: Barwärle-Berlag<8. m. b. s.. Berlin. Druck: Brr- Wärto-Buchdruckerei u. Bcrlogsanftalt Paul Singer u. Co. Berlin. Linden iir. 3. (öewinn-AAszug der 15. Preuss-Südd.(241. Preuß.) Massen-Lott-rie 5. Klasse. 15. Ziehungstag. L6. Mai 1920» Auf Jede gezogene Xnmiuer lind tirel gleich hohe Üeirli und mar Je einer auf die Lo«e gleicher Kammer i- Abteünugea 1 nnd 11 irlmne gefallen, I in den beiden 1 (Ohne Gewähr).(Nachdruck derd-teu.) In der Bormittagiziehung wurden Gewinne über 2<0 R-ri gezogen. 4 Gewinne ru 10000 M 30919 151593 4 Gewinne zu£000 il 181192 194248 78 Gewinne zu ÖOOO M 1807 1892 2737 6934 23938 42479 43137 44018 56771 63051 63001 72772 76735 77269 85493 88433 89857 94005 104717 108833 110705 112851 117206 124357 128124 128838 133919 141535 149002 155379 162513 171356 177445 192191 212231 210908 22X469 224078 229785..... 160 Gewinne zu 1000 II 1486 8010 6253 13485 16664 18400 18819 19585 22244 23788 27778 33405 36531 36798 44419 63995 54219 57666 64370 63231 70781 73890 78057 78242 84471 83832 86976 87162 87621 68441 89003 63635 54845 96901 99129 110349 116372 116358 119766 123341 125567 134992 140837 140842 145511 148627 150871 152457 152759 153332 159343 160268 180580 162397 186876 166979 174153 177763 177332 178247 181195 139856 103407 194536 199818 200488 202633 207151 208155 214224 214354 222138 226553 230285 230293 234 Gewinne zu 500 M 615 6945 11538 12938 13160 14338 14668 18556 18717 16859 19891'23119 23578 23694 23936 24209 26359 30607 30725 30850 33723 30818 39529 42247 42284 43100 43249 46732 43943 50100 60397 51873 52033 62915 64339 57013 68763 69664 60471 63834 84281 66149 67017 70047 71678 73444 74955 76200 76273 81810 81874 83831 83219 87977 92094 93942 95433 99334 105791 105928 100248 107143 109803 110372 110325 114237 115327 115743 117780 119264 120067 122328 123941 131513 135622 136290 142935 148197 151134 152905 163227 156233 157015 187259 158040 160078 168685 168383 171082 171295 177750 181159 181576 185569 186610 186663 188285 138300 189838 192917 194778 199990 200090 203035 203074 200224 208308 212012 213183 216028 220761 223613 224718 227778 228791 220390 232735 In der Rachmiliagszlehung wurden Gewinne über 240 Marl gezogen. 4 Gewinne zu 40000 31 47511 203358 4 Gewinne zu 10000 M 102760 220125 6 Gewinne zu 5000 31 70751 173503 194821 80 Gewinne zu 3000 31 9308 12016 21238 23232 34025 34088 37531 38360 40138 46384 63242 54223 68842 82328 92440 100794 107325 110409 111030 111555 112008 115988 123217 129768 131713 148044 149602 159145 168730 170363 170956 173049 187268 191336 195245 200250 212195 213985 223594 226448 188 Gewinne zu 1000 M 486 888 1250 13263 17620 17540 22330 23404 34439 41593 42443 44202 47334 47390 47658 60542 60897 62738 64468 68458 69810 61605 64335 67350 67463 70126 70271 76333 77073 76395 78438 80X25 8X491 82530 92401 100300 101771 105022 108191 114802 115131 122114 122343 124721 120530 127316 12ISS1 139744 1336S8 138144 138396 130039 140688 151563 162853 154322 156342 161783 164753 169541 170706 170647 171820 17285« 173438 178018 178575 134178 186619 185245 188312 189430 191816 194658 196128 211738 214647 218295 221868 190 Gewinne zu 600 M 2108 3878 5101 7668 8595 9872 11210 17680 20224 28424 33851 39662 39870 45241 48975 63225 56384 58836 64525 65000 67014 67342 67453 63825 72944 79921 81685 84369 84436 84863 85355 85360 88099 92743 95085 98078 100736 102337 103936 104516 104539 105116 107185 109368 109887 111370 114136 115169 124234 127145 128163 133733 140110 143390 152980 153640 159953 182164 167087 167341 167770 188341 17408» 177040 178248 173381 131035 181171 190589 194573 197370 198478 199258 201411 202977 203674 204021 214776' 214956 216223 218725 217082 217888 222682 223904 224821 228779 227662 228244 228468 220797 230428 231029 232278 232777 im Haufhafy Qufj\£i'fan u&olsren be!"T�e�ioenduns oon Kaffesmwfaln iÜbei�ali e/t-h oiltfich Iackettanzüge, Cutawans. 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