« Ur.Z70.37.Ialfrg. Abend-Ansgake fiÖPfennigJ Be�uqSvrsiS; V ertetiähn. 25.59 jir�monotl. 850 Mt. frei ins Haus, voraus'.cchlbar. Post- vemg Monatlick 8.— Mk� exkt. Zu- ilellungsyedühr. Unrer Kreuzband für Deutichland und Oesterreich- Ungarn 1?�-— Ält.. für das übrige Ausland oei täglich emmal. Zustelluno 29,— M. Vostoestellunqen nehmen an Dänemark Sollend. � urem bürg, Schweden, Tfchecho- Slowakei und die Schweiz« Eingetragen m die Post-Zeitungs» Preisliste. Der„Vorwärts" mit der Sonntagsbeilage„Volk u. Zeit" ericheint wachen- mglich zwelm�i Sonntags und Mon- tags emmat Teiegrarnm-Adrefse- .Sozialdemokrat Berlin- ** m% berliner VolKsbleiti NnzeigenpreiS- Die slchtaespaltene Zionvareille�eile loftelS— M., Teuerlingszuschlag Sg»/» Kleine Anzeigen-, illl- gedruckte Wort 1,— M.(jnlälflg zwei fettgednickte Worte), jedes weitere Wort 60 Pfg. Stellengesuche und EchlafsteUenanzeigen das erste Wort 65 Pfg., jedes weitere Wort 40 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen'iir :wei Worte. Teuerunaszufchlag 50»/» slaniilien-Anzeigen für Monnenten Zeile 2,— M., politische und y' werijchaftliche Vereins- An' eigen 3,~ MI. die Zeile ohne Aufschlag. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis S Ahr nachmittags im Hauptgeschäft, Berlin SW 63, Linden» ftrahe 3, abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr früh bis 5 Uhr abends. Zentralorgan der Coslaldemokratl Toben parte! Deutfcblanda Redoftion und Expedition: SW. 68, üindenftr.?. rtcrnturerticr; Jim« Morispia«. Nr. 13190—15197. vorwörts-verlog G.m.b.H., SV« öS, Lindenstr.Z. a-erufprrcker- Amt Moriüplatt. Nr. 117 55—51. Selbstmobilmachung des GMierkorps Der Nationalverband Deutscher Offi- ziere hielt am gestrigen Nachmittag in seinen Geschäfts- räumen, Kurfürstenstr. 125, eine Versammlung ab, zu der ehemalige Offiziere die nachstehende Einladung erhalten hatten. Es waren ungefähr 30l) Herren anwesend, darunter auch Oberste und Generäle in Zivil. Ferner war zugegen ein Herr vom Reichswehrministerium. Die Versammlung wurde gelestet von Oberleutnant Molken- t h i n. Der Versammlungsleiter wies in seiner Ansprache darauf hin, dast jetzt der Zeitpunkt gekommen wäre, wo die Li o m m u ni st e n alles daran setzen würden, um die poli- rische Macht in ihre Hände zu bekommen. Ein für die Rechtsparteien günstiges Wahlergebnis würde einen Putsch der Kommunisten zur Folge haben. Es gelte alles daran zu setzen, um einem derartigen Putchs mit Waffengewalt zu begegnen. Hierzu sei vor allem notwendig, daß sich säml- liche ehemaligen Offiziere zur Verfügung stellten. Die Herren würden zu Offizierskompagnien ver- einigt, einem Schutzregiment Berlin angeschlossen werden. Sobald von einer amtlichen Stelle die Aufforderung ergehe oder dieUmständees geboten erscheinen ließen(!), hätten sich die Herren in Uniform ohne Achsel- stücke nach der Oberfeuerwerkerschule in der Jnvalidenstraße zu begeben. Hier würde dann die weitere Verteilung vor- genommen werden. Weiter wurde darauf hingewiesen, daß in der Nacht vom 2. zum 3. Juni von radikaler Seite Offi- zierpogrome beabsichtigt seien und zwar kämen hierfür Offi- ziere in Frage, die sich während des Krieges cm prominenter Stelle befunden hätten. Nach Schluß der Versammlung hatten sich die Teilnehmer in bereitgelegte' Listen einzutragen, die von anwesenden hochadligen Damen geführt wurden. In den Listen mußte angegeben wenden, als was sich der Be- treffende zur Verfügung stellte. Die Einladung hat folgenden Wortlaut: NationalderbanÄ Deutscher Offiziere. Berlin W. 62, Kurfüiftenstr. 126. Nollcndorf 30�3. Berlin, den 25. Mai 1020. Ihre persönlichen Interessen stehen auf dem Spiel. Wir bitten Sie daher dringend zu einer persönlichen Ruckspruche am Donnerstag, den 27. Mai, 5,30 Uhr nachm., in unseren Ge- schäftsräumen, Kurfürstenstr. 125, unbedingt erscheinen zu wollen. Mit trcudeutschem Gruß Nationalverband Deutscher Offiziere. Der Geschäftsführer i. V. Graf v. Görtz, Major a. D. Der Herr vom Reichswehrministerium hat wohl in seinem eigenen Austrag gehaibdelt, seine Persönlichkeit wäre sofort festzustellen. Es ist eine dreiste Anmaßung, wenn sich die Herren unterfangen, aus eigenem Antrieb eine Mobilmachung gegen einen angeblich drohenden Linksputsch ins Werk zu setzen. Käme es zu einem solchen Putsch— aber alle Anzeichen sprechen dafür, daß er von niemandem gewollt ist als von den Ofsiziersverschwörern selbst—, so wäre es Sache der Regierung, den Zeitpunkt der Gegenaktion zu bestim- men und die für sie in Betracht kommenden Kräfte in Be wegung zu setzen. Die Absicht ist vollkommen klar: Man will unter dem Verwand«usS LinksputscheL den neuen militaristischen Rechts putsch ins Werk setzen. Die Urheber dieses schänd lichen Planes müssen dingfest gemacht werden, bevor es zu spät ist! Wolfen als Putschisten. Unser Parteiblntt in Hannover, d�r„Bolkswille", beginnt so- eben mit der Bcröffentlichung von Dokumenten über die Tätig. keit der Welfischen Legion, die i« Hannover an der Wicdcrhcrstellung des LiönigtumS unter dem Herzog von Cumber- land arbeitet. D»nach besteht die Welfifche Legion aus 12 Kompagnien, zu denen noch eine Nachrichten- und eine Swrmkompagnie hinzukom- nicn. An der Spitze des Stabes stand der Nittmeister von Hinüber, der Waffen und Munition beschaffte, und zwar in solchen Mengen, daß Schwieriglkciten entstanden, sie unterzubringen. Die Absicht, für jeden Mann ein Gewehr zu verabfolgen, mußte ge- ändert werden,, und es bekam jeder Mann so viele Gewehre, wie er glaubte sicher unterbringen zu können. Manche nahmen 25 bis30GewehremitinihreWohnung. In gleicher Weise wurde das Land mit Waffen versehen, so daß schätzungs weise etwa 3 0 0 0 0 Gewehre von der Welfenlegion ausgegeben worden sind. Für de» Dienst in der„Legion" wurden Erinnerungsmedaillen verliehen. Die Medaille trägt daS Bildnis des Herzog? von Cnmberland und seiner Frau und ist zur Erinnerung an die Feiep der silbernen Hochzeit als Agitationsmaterial für die Welsen im Auftroge des Herzogs geprägt worden. Das „Besitz-ZeugniS" über die Medaille wurde mit dem Stempel der hannoverschcn Legion verschen und unterschrieben„von Hinüber, Rittmeister und Führer der hannoverscheu Legion." Besonders lebhast war die Legion in dcnTagen des Kapp-Putsches. Da glaubte man wahrlich die Zeit für Eumbrrland gekommen. Der folgende„Stabsbefchl" spricht Bände: Am 15. 3., 2 Uhr nachmittags: Situation für uns günstig; denn die blaue Polizei steht auf unserer Seite, rbenso die Sicherheitspolizei. Die Reichswehr steht zum großen Teil auf unserem Boden, der Rest mit Gewehr bei F u ß. Bcrhaadlungen bei der auswärtigen Reichswehr schweben, stehen für uns äußerst günstig. Rohstoffe sind genügend vor� banden, um die Fndustric aufrechtzuerhalten, und die Berpflegung ist eine vorzügliche; Garantien sind für beides gegeben. Mithin ist ein günstiger Moment zur Selbständig- m a ch u n g. Die Haltung im Lande ist vorzüglich. Alles wartet mit Spannung auf Hannover. Mecklenburg, Bayern und die Reichswehr in Sachsen halten zu Kapp. Preußen hat genug mit sich zu tun und wird hier keine große Trnppen macht verwenden können. Den Ar- beitern werben die bisherigen Errungenschaften gewahrt. Darum auf, freudig ans Werk, jedep tue seine Pflicht, dann muß das Werk gelingen.... Sie fühlten sich also ganz sicher. Und nur die sozialdemokra- tische Arbeiterschaft machte ihnen noch Kopfschmerzen. Deshalb schämte man sich nicht, dem Oberbürgermeister von Hannover, unserem Genosse» Le inert, einen„Gesellschaftsoertrag" auf folgender Grundlage anzubieten: „Herr Leinert, wenn wir, beide Parteien, zusam- mengkhen, dann habe» wir die Mehrheit in Hannover, und dieser kann sich niemand widersetzen. Sie könne« dann Ministerpräsident in Hannover werden." Bei der Sozialdemokratie sind die Partikularisten abgeblitzt und werden sie immer abblitzen. Im übrigen aber sind sie eifrig am Werk, um die d�utschr Einheit zu zerreißen und die deutsche Freiheit zu zertrümmern. Ob sie Bayern oder Preußen, Hannove ranrr ober„Ziheinländcr" heißen— cS ist immer die Reaktion, die hinter dem Parttkularismuß steckt.— Gute Aussichten in �esien-Nasiau. Frankfurt a. M., 27. Mai.(Eigener Dvahtbericht des«Vor- wärts".) Die Sozialdemokratische Partei im Agitationsbezirk Hessen-Nassau hat während der beiden Pfrngstfeiertage nicht weniger als 300 Wählerversammlungen abgehalten, die trotz des herrlichen Wetters und der ungünstigen Zeitverhältnisse einen starken Besuch aufwiesen und einen geradezu glänzenden Verlauf nahmen. Die Stimmung war für unsere Parte, ausgezeichnet, so daß zu hoffen ist, daß der Wahlausgang ein günstiges Ergebnis für die Sozialdemo- kratifch« Partei zeitigen wird. Kanaüas Zorüerungen—?S71 Millionen Dollar! O t a w a, 27. Mai.(Reuter.) Kanada fordert von Deutsch- land ein« Entschädigungssumme von 1871 Millionen Dollar einschließlich 31 Millionen Dollar wegen Kriegführung mit ungesetzliche« Mitteln. Keine Opposition gegen Milleranö! Paris, 27. Mai. Die KammerauSfchüfse für auswär- tvge Angelegenheiten und für Finanzen haben heute vormittag Be- richte ihrer Mitglieder über die Erklärungen entgegengenommen. die Mimsterpräsident Millerand über di« Beratungen von H Y t H e am letzten Sonnabend gemocht hat. Nach langer Ans- spräche ist trotz zahlreicher Meinungsverschiedenheiten bei der Mehrheit der beiden Ausschüsse beschlossen-»norden, der R e- ssie r ung die schwierigen Verhandlungen, die sie jetzt führt, nicht zu erschweren. Daher hat kein Ausschußmitglied Auf- trag erhalten, in die morgige Kammerverhandlung über die aus- wärtige Politik der Regierung einzugreifen. Buch Italien, Serbien unö Rumänien wehren sich. London, 27. Mai.(Reuter.)„Eoening Standard" meldet: Italien, Serbien und Rumänien haben darum ersucht, bezüglich der Bezahlung ihrer Schulden an England die gleiche Behandlung zu erfahren, wie sie Frankreich und Bei- gif« in Hythe zugesagt wurde, daß die Bezahlung ihrer Schulden von der Zahlung der Eutschädlguugeu durch Deutsch- land abhängig sei» würde. die verfehlte kriegspolitif. Akten und Dokumente. Tie Lohnabzüge für die Steuererhebung werden, wie wir er- fahren, in den einzelnen Betrieben durch die Arbeitgeber ab 2 5. Juni einsetzen. Immer wieder muß in diesem Wahlrampf darauf hin- gewiesen werden, daß die Niederlage und der Zusammenbruch allein eine Folge der blödsinnigen Kriegspolitik der alldeutschen Militärs waren. Sie verab- säumten den rechtzeitigen Verstäudigungsfrieden, der möglich � war, solange Deutschland noch nicht am Ende seiner Kräfte stand, und trieben ein militärisches Vabanguespiel, in dem die Kräfte des deutschen Volkes restlos ausgepumpt wurden, so daß es schließlich völlig ermattet zusammenbrechen mußte. �. Die Deutschnationalen versuchen immer wieder, diese ge- schichtlichen Zusammenhänge zu vertuschen. Sie werden jetzr in klarer Weise an der Hand urkundlichen Materials zusammengestellt in einer kleinen Schrift,„Vier Jahne verfehlte Kriegspolitik", die der Zentralverlag G. m. b. H., Berlin, Luisenstr. 31, herausgibt. Aus dem unwiderleglichen doku- mentarischen Material dieser Schrift greifen wir einen Absatz heraus, der zeigt, mit welcher Leichtfertigkeit der uneingeschränkte U-Boot-Krieg begonnen wurde, der den Ein» tritt Amerikas in den Krieg nach sich zog. An Warnun» gen hat es damals nicht gefehlt. So schrieb der damals in Amerika weilende deutsche Unterstaatssekretär Albert in seiner Denkschrift vom 6. November 1916: Hiernach würde ich eine Wiederaufnahme deS uneingeschränkten U-Boot-Krieges als ein nationales Unglück ansehen, daS letzten Endes zum Unterliegen Deutschlands führen könnte. Wenige Tage später, am 16. November 1916 berichtet der Botschaftsrat von Ha nie! aus Washington u. a. fol- gmoes: Offenbar schätzt man in England die Gefahr des rücksicht?- losen U-Boot-KriegeS bedeutend geringer ein, als die Borteile, Amerika auf Seiten der Alliierten zu ziehen. Dieses Schriftstück hat, wie ein handschrsstlicher Vermerk Ludendorffs beweist, diesem vorgelegen. Er Hai aber die Warnung in den Wind geschlagen. Der ganz im Sinne Ludendorffs arbeitende Chef der Nachrichtenabteilung Major Nicolai aber ver hin- d e r t e, daß solche Warnungen in die deutsche Presse ge- langten. Durch den U-Boot-Krieg wurde die von Wilson eingeleitete Friedensaktion durch kreuzt. Noch in letzter Minute suchte Graf Bernstorff, der deutsche Botschaf- der in Washington, das Unheil zu verhindern. Am 27. Ja- nuar 1917 noch telegraphierte er an Bethmann: Krieg unvermeidlich bei beabsichtigtem Vorgehen. Wilson• wird diese Erklärung als Schlag ins Gesicht empfinden. Am 28. Januar 1917 bat Bernstorff in einem Telegramm, man möge trotz aller Skepsis den U Boot-Krieg aufschieben, da Wilson jetzt den Frieden vermitteln wolle und ihn erhoffe. Auf die erste Depesche ließ der Kaiser an Zimmermann telegraphieren: S. M. bemerkt, daß Allerh och stdi eselben gar keinen Wert auf Wilsons Friedensaktion legen. Falls der Bruch mit Amerika un- vermeidbar ist, so ist daS eben nicht zu ändern. „Falls der Bruch mit Amerika unvermeidlich ist, so ist das eben nicht zu ändern!" Mit dieser leichtsinnigen Hand- bewegung wurde von dem allmächtigen, niemand verantlvo.t- lichen Deutschen Kaiser das deutsche Volk aus der Reihe der großen Völker der Erde— man weiß nickst für wie lange � ausgelöscht. In den späteren Verhandlungen vor dem Untersuchungs- ausschnß erklärt B e r n st o r f f: In allen meinen Berichten habe ich mich auf den Standpunkt gestellt, daß der U-Boot-Krieg die Amerikaner in den Krieg ziehen würde. Ich bin auch heute noch der Ansicht, daß aus der Wilsonschen FriedenSvermittlung ein Friede hervorgegangen wäre. Für mich handelte es sich nicht um die Person Wilson?, sondern um die Tatsache, daß die Entente uni ohne die amerikanische Hilfe hätte niemals besiegen können. Vor demselben Untersuchungsausschuß berichtet Graf B e r n st o r f f am 23. Oktober 1919 über eine Unterredung. die er mit L u d e n d o r f f am 4. Mai 1917 hotte: General Ludendorff empfing mich mit den Warten:„Nuu Sie wollen ja in Amerika Frieden machen! Sie dachten wohl, wir wären zu Ende?" Darauf habe ich erwidert:„Nein, ich glaubte nicht, daß wir zu Ende wären, aber ich wollte den Frieden machen, ehe wir zu Ende wären." Darauf Ludendorff:„Ja, aber wir wollten nicht, und außerdem werden wir jetzt durch de« U-Boot- Krieg die Sache in drei. Monaten beendigen." Wie Ludendorff die Sache. beendet hat, wissen wir. Sein Kriegspresseamt gab freilich eine Schrift heraus, die mit den Worten schließt, daß Entstand„in der Erkenntnis feines u n- e n t r i n n b a r e n Schicksals auf den Frieden werde ein- gehen müssen, dem wir ihm vorschreibe n". DaS war zu einer Zeit, als alle Einsichtigen längst erkannt hatten, daß der U-Boot-Krieg ein F e h l s ch l a g war. Aber noch am 16. Ja- nuar 181L verkündete von der Tribüne Preußischen Landtages der preußische Finanzminister Hergt in seiner Rede dem aufhorchenden Volke: „Wir merken, wie groß unser Feind ist, wenn wir merken, wie die Engländer nach der großen Armee über dem Wasser rufen; dir grosse Armee über dem Wasser kann nicht schwimmen, sie kann nicht fliegen, sie wird nicht kommen." Dieser Mann ist heute Vorfitzender der Deutschnationalen Volkspartei! Kein Wunder, diese Partei ist sa die moralische Mitschuldige der verfehlten Kriegspolitik! Doch Herr Hergt ist schließlich nur ein kleiner Sünder im Vergleich zn seinem Parteigenossen Helfferich, der jetzt bei den Wahlen die Rolle des Hauptzugpferdes der Deutschnationalen spielt. Herr Helfferich ist der Mann, ddr erst vor dem U-Boot-Krieg gewarnt und dann zu ihm getrieben bat. In der Verschwörerfitzung zu P l eß am Z. Januar 1917(vergl.„Vorwärts" Nr. 265 vom 26. Mai), wo von den höchsten Militärs der entscheidende Schlag be- schlössen wurde, um den Widerstand der Zivilrecfierung gegen den U-Boot-Krieg m brechen, hat laut Protokoll Ädmiral v. Holtzendorff über Helfferich folgendes verraten: Staatssekretär Helfferich sagte zu mir: ,Lhr Wcz führt ?ur Katastrophe". Ich erwiderte ihm:„Sie lassen uns in die Katastrophe treiben." Wenige Tage darauf beschritt der Vizekanzler Helfferich die von ihm als„Weg zur Katastrophe" ge- kennzeichnete Bahn des uneingeschränkten U-Boot-Krieges. Plötzlich hatten ihn sogenannte„Sachverständigengutachten" überzeugt, daß der U-Boot-Krieg in wenigen Monaten Eng- 'and auf die Knie zwingen würde. Wahrscheinlicher ist aller- dings, daß angesichts des Ultimatums der Militärs diesen „starken Mann" seine Zivilcourage verlassen hat. Herr Helfferich, jetzt unbestrittener Führer der Deutsch- nationalen, hat den Weg zur Katastrophe als solchen er- kannt— und er ist ihn gegangen! die kneifenöe Jlreuz-Aeitimg�. Sie nimmt die Dolchstoßlegende zurück. In der„Kreuzzeitung" hatte vor kurzein ein Herr Kapitän zur See v. Walde her-Hartz behauptet, die Marine fei im No- vember 1813 durch eine von fremdem Geld angestiftete Pro- paganda veranlaßt worden, der Armee in den Rücken zu fallen, und der„Vorwärts" kenne diese Dinqe sehr genau, weil er politisch diesem lichtscheuen Getriebe nahe gestanden habe. Um der.Kreuzzeitung" Gelegenheit zu geben, diese ihre Be- bauptung öffentlich zu beweisen, erhob ein Mitglied unserer Re- daktion Klage wegen Beleidigung, weil in diesen Ausführungen der Vorwurf zu erkennen war, der„Vorwärts" habe sich an einer ro» feindlichem Geld gespeisten Propaganda zur Zermürbung des Heeres beteiligt. Wir hatten nun erwartet, daß die„Kreuzzeitung" mit Freude die Gelegenheit ergreifen würde, der Oeffentlichkeit an der Hand gerichtlicher Zeugenaussagen und nachprüfbarer Doku- mente die Beweise für die alldeuffche AgitationSbchauptung zu erbringen, daß die Sozialdemokratie die Front von hinten erdolcht labe. Aber weit gefehlt! In einem langatmigen Schriftsatz zog sich die„Kreuzzeitung" darauf zurück, daß es ihr ganz fern ge- legen habe, dem.Vorwärts" derartige Vorwürfe zu machen und daß ihre Ausführungen von uns total mißverstanden worden feien! lind da die Objektivität preußischer Richter, sofern dies überhaupt noch möglich war, sich seit dem 8. November 1818 noch erheblich gesteigert hat. so lehnte das Amtsgericht Berlm-Mitte die Er- öffnung des Verfahrens ab, indem es sich den Ausführungen der Beklagten anschloß, daß der Artikel der„Kreuzzeitung" eine Teil- nähme, Förderung oder auch mir Billigung hochverräterischer Umtriebe zur Zermürbung der Front seitens des„Vorwärts" nicht behauptet habe. Die„Kreuzzeitung" veröffentlicht daS Resultat mit allen Zeichen der Freude. Wir verstehen'? l Denn die„Kreuzzeitung" weiß sehr wohl, welche Riesenblamage ihr bevorgestanden hätte, wenn sie die Dolchswßlegende vor Gericht hätte beweisen sollen. Ist es aber wirklich ein erhebendes Resultat für die Reaktion, daß sie bei der ersten Gelegenheit, wo sie öffentlich den Beweis für ihre Agitationslegende hätte antreten können, der Tapferkeit besse- ren Teil erwählt und mit der Ausrede, es so nicht gemeint zu haben,— gekniffen hat?! Semen freunden ins Stammbuch. Ein Deutfchnatioualer über Antisemitismus. In seiner Schrift„Antisemitismus" beschäftigt sich Herr v. Oppeln-BronikowSki, der voller Stolz feine konservativ- deuffchnationale Weltanschauung und seine Wlehnung jeder demo- k rapschen oder gar sozialistischen Tendenz betont, in einer Weise mit dem jüdischen Problem, die seinen deutschnatio- nalen Freunden nicht angenehm in den Ohren klingen dürfte. Der Antisemitismus rechtfertigt sich bekanntlich mit der Behaup- tung, daß die Juden„nur" ein..Gastvolk" seien und deshalb alle Schmähungen geduldig ertragen müßten. Zu dem umgekehrten Er« gebnis gelangt der deutschnabionale Politiker: ..Die Juden sind nach dem antisemitischen Ausdruck ein „Gastvolk"; das Gastrecht aber verpflichtet den Wirt wie den Gast. Benimmt der Wirt sich ruppig, so wird es auch der Gast tim. Benimmt er sich gastfrei, so ist es Ehrensache des Gastes, gleiches mit gleichem zu vergelten. Er wird sich dann bald so wohl fühlen, daß er vergißt, ein Gast zu sein, daß er bleiben will und aus omem Gaste zum Volksgenossen wird." Von psychologisch zutreffe uder Beobachtung zeugen folgende Worte des Verfassers: „Das Wüten gegen den„jüdischen Geschäftsgeist" kommt mir nicht selten vor, wie das Zetern einer unterlege- nen Firma gegen den„bösen", siegreichen Kon- kurrenten. Es ist nicht immer reiner Idealismus, der dies Geschrei erhebt, sondern häufig anch der Aerger des schlechteren Gcschäftsmanes.... Nach alledem glaube ich, daß man gegen die jüdischen„Schädlinge" auch die tatsächlichen jüdischen Leistungen aufvechnen muß und daß der Saldo scf>r zugunsten der letzteren ausfällt." lieber die Betätigung der Juden m Kunst und Wissen- schaft, in der sie nach antisemitischer Legende gcmz besonders ihr „zersetzendes" Wesen zeigen sollen, schreibt v. BronikowSki: „Wäre der deutsche Dichter, Künstler und Schriftsteller auf die staatserhaltenden rechtsstehenden Kreise angewi efen gewesen, er hätte glatt verhungern können!" Die Charakterisierung, die er seinen deutschnationalen cmti- semitischen Parteifreunden zuteil werden läßt, wird ihm nicht gerade das Wohlwollen dieser Leute eintragen. Was wird wohl Herr Kuüppel-Kunz« sagen, wenn er folgende Chcrvak- teristik liest: „Eine gewisse Abart der Antisemiten zeigt einen er- schreckenden Tiefstand geistiger Bildung." Einer besondcren Würdigung werden schließlich noch die Junker unterzogen. Der Verfasser schreibt: „Es fft mir stets unbegreiflich erschienen, wie gerade der Antisemitismus seine zahlreichsten Anhänger in einer christlich betonten Partei haben kann. Ein konsequenter Antisemit müßte mit dem Judentum doch nicht nur das alt«, sondern auch das neue Testament verwerfen, wie es der amisemitische Philosoph Eugen D ü h r i n g auch tatsäch- lich getan hat. Aus der gleichen Perspektive heraus empfand der Moralist Nietzsche den Christlichen Junker" als„unreinlichen" Begriff." Die Schlußworte des Verfassers, die er seinen deutschnatio- nalen Parteifreunden zuruft, nämlich einen Strich unter die Vergangenheit zu machen und den Juden nicht mehr ihre Schuld vorzuwerfen, da dann auch sie mit Schuldrechnungen kämen, wird ungebört verhallen. Nicht so die Schrift des fvoi- mutigen Verfassers. Die Deutsch nati on ale Volks- Partei und die ihr geistig eng verwandte Deutsche Volkspartei find heute zu einem Sumpf jener Halb- b i l d u n g geworden, aus der kcin Mahnruf sie herausführt. Die Deutschnationale Volkspavtei, arm an Gedanken und reich an Schlagworten, wind weiter ihre zersetzende und die Volkseinheit untergrabende Sumpfpolitik fortsetzen, bis sie eines Tages, wenn die große Mehrzahl ihrer Anhänger sich an- geekelt von ihrem widrigen Treiben, von ihr abwenden wird, an ihrer eigenen Wühlarb« t zugrunde geht. Jaule Retourkutsche. Münchener Schauermärchen der„Deutschen Tageszeitung". Vom„Vorwärts" wurde vor einigen Tagen festgestellt, daß die sogenannte„kommunistische" Putschbewegung in Mitteldeutschland von rechtsbolfchewistischen Draht- ziehern geleitet und planmäßig angestiftet wird. In der rechtsstehenden Presse wurden unsere Angaben bezweifelt, aber der Fall Schröder-Mahnke erbrachte sofort den unwiderleglichen Beweis für unsere Behauptung. Die „Deutsche Tageszeitung", in tödlicher Verlegenheit, sucht jetzt die Geschichte einfach umzudrehen und es ihrerseits so dar- zustellen, als würde die reaktionär-gegenrevolutionäre Be- wegung von Linksrvdikalen ins Werk gesetzt. Vom„Mün- chener Bürgerrat", dem Zentrum der süddeutschen Gegen- revolution, läßt sich berichten: Um aus den Gebieten, von welchen der gemeinsame Umsturz ausgeht, die Reichswehr möglichst wegzuziehen, sollen in größeren Städten des Nordens, wie Hamburg und Berlin, kleinere Links- putsche stattfinden, dann aber soll«in neuer Rechtsputsch in<�ene gesetzt werden, ähnlich dem Kapp-Putsch. Dieser von linksradikaler Seite mit Hilfe von politisch unreifen Heiß- spornen de» Rcchtsprotestler unter der Decke geführte Rechtsputsch verfolgt lediglich den Zweck, dadurch für eine allgemeine Erhebung des Proletariats in allen sozialistischen Parteien die einigende Parole der„Gefahr der Republik und dem Recht der Arbeiter" zu schaffen. Ganz Bayern wird zurzeit bou den Drahtziehern des großen Umsturzes als besonders günstiger Boden be- trachtet, um van hier aus diesen„markierten" Rechtsputsch loszulassen. Eine außerordentlich gewandte Person- l i ch k e i t, welche früher in Amerika, dann in England al? Spion tätig war und mit längeren Zuchthausstrafen vorbestraft ist, hat seit kurzem auf einem Reichsmin ifterium einen Vertrau cns- Posten als-Agent provocateur inne und verfügt über große Geld- mittel. Er tritt als Monarchist und Reaktionär auf und sucht un- überlegte Elemente in den Putsch zu treiben. Wenn auch die„Deuffche Tageszeitung" vorfichtigerweise mit dieser faulen Retourkutsche am Freitag kommt, so durfte sie doch wissen, daß selbst an diesem Tage solche Rümpel- chaisen nur von 11 Uhr 66 bis Mittag gestattet sind. Diese räuberro-manttsch zurechtgemachte Sache wäre an sich viel zu albern, um sich damit zu befassen, wenn sie nicht doch ein wertvolles Zugeständnis enthielte: zum erstenmal gesteht die „Deutsche Tageszeitung" ein, daß es auf der Rechten Elemente gibt, die auf einen neuen Putsch hinarbeiten und den Kapp-Putsch wiederholen möchten. Bisher ist das von ihr st e ts geleugnet worden. Die Sicherheitswehr im Ruhrrevier. Wie die P. P. N erfahren, sind Remscheid und Lennep gestern wieder mit Sichcrheitswehr belegt worden. DaS Beziehen der Kasernen verlief ohne jeden Zwischenfall. Seit dem 17. Mai wurden durch Beschlagnahme und freiwillige Abgabe an Waffen eingebracht: 1661 Gewehre, 142 andere Hand- feuerwaffen, 26 Maschinengewehre mit Ersatz- und Zubehörteilen, 1 Mrnentverfer, 17 Minen, 118 000 Schuß Jnfanteriemunition,. 566 Handgranaten, 68 Seitengewehre, sowie eine Menge anderer militärischer Kampfmittel. 776 neue Beamtenstelleu. Im Zusammenbang mit der bayerischen Besoldungsreform hat die bayerische Regierung dem Landtag einen Stellcnauswei» vorgelegt, der für die der- schiedenen bayerischen Ministerien 770 neue Beamtensteven fordert. Sozialistischer Gemeindetag in Sachse«. In Dresden trat gestern der sozialistische Gemeindetag zusammen. Be- merkenswert war der Bericht über die finanzielle Notlage der Gemeinden, die eine Staatshilfe dringend notwendig mache. Es wurden unverzinsliche Vorschüsse für die Gemeinden gefordert Der Gemeindetag verlangte«inen Anteil an der Grundsteuer, sowie Einführung einer Gemeinde- st euer, deren sämtliche Erträgnisse den Gemeinden zugute kommen müssen. Zum Schluß wurde die dringende Forderung ausgesprochen, den Gemeinden ein Zuschlagsrecht zur Reichseinko mmensteuer zu gewähren. tum erklärt sich des Lübecker Patriziersohnes leidenschaftliche Ab- rechnung mit der wilhelminischen Epoche. Ihre Helden und Lieb' singe, ihre Politiker und intellektuellen Wortführer werden als das gezeigt, was sie waren: anmaßende und die Welt mit ihrem Lärm beunrubigende Anbeter der Macht, ungeistige Götzendiener brutalsten Erfolges. Von innen heraus wird dies c ganze Kultur- schiebt durchleuchtet. Und wie in seinen Romanen ist aucb hier zur Kunst geworden: gleichsam durch einen Spalt in die Seele hinein- scbauen zu lqssen, in die Seele jener Zeit, ihre erschreckende Soelen- losigkeit. Das ist der Sieger von 1871. Der zweite Teil schildert den Besiegten. Die Niederlage trug für Heinrich Mann das Reich- wie es angelegt und sittlich begründet war. von jeher in sich. Und be- siegt war dieses Deutschland schon, als es mörderischen Wahnwitz alle Tore öffnet«, mit Unrecbt, Verwüstung, Raub und jeglichem widermensiblichcn Mittel der Zerstörung arbeitete, indes es„Sieg" schrie. So kam der Abtanz ohne gleichen. So eine Revolution ohne Idee: das„Ausstöhnen und Sichschütteln des Besiegten". Was sie vorfand, waren verfallene Kraft, entwerteter Besitz. Und er spricht von den Verirrungen. der asiatischen Epidemie des Bolschewismus, Fieberwahn eines kranken Körpers, auf der einen Seite der rohen Uebung der Gewalt, aus der anderen Seite mit gleicher Abwehr. In jedem Worte bekennt er sich, ohne Lieb- äugeln nacb links und rechts, als der Demokrat echten G«blü:S, der die Notwendigkeit neuer sozialistischer Fundamentierung der Welt der Wirtschaft ersaßt hat, aber im rein Wirtschaftlichen die erst erwachsende Idee der Revolution und der aus ihr entstandenen Republik nickt ersticken sehen möchte. Die Geistigen ruft er darum zu? Mitarbeit auf. Sie müssen endlich erkennen, an welcher Seite ihr Platz ist. In diesen harten Uebergängen zur Republik — denn noch ist sie nur dem Namen, nicht der Erfüllung Nack da— gehören sie ohne Frage und Zaudern an die Seite der kämpfenden. neu sich gebärenden, revublikaniscken Volkseinheit. Heinrich Mann gehörte seit langem zu den Vorhersagern und Vorläufern. Er stand und steht zum kommenden Deutsch- l a n d. Und das ist eine wahrhaft demokratische, von Geist und Gerechtigkeit erfüllte Welt. Sie kann nur aufgehalten, nicht mehr gestürzt werden.__ nicoter. Die Premiere turn Oskar Wild-Z.Bunburh» w der.Tribüne' i!t aus den 1. tziuni, abends'/jfi Uhr. festgesetzt. In den Hauptrollen KurtJSötz. Paul Otto, Ernst Gronau und die Damen Sand- rock, Angerstein. L-Iaub, Wollan. Tie'Ausstellung„Neues Bönen- im Kabtnett Neumann, Kur- sürstendamm 232. wird morgen geschlossen. Am 1. Juni Eröffnung der Plasttk-AuSftcllung von Johannes S ch i sfn er. Tie Slevogt-Ausstellnng bei Paul Caisirer wird am 28. Mai ge- lchlossen. Vom 3. Juni ab Werke von Martin Bloch, Willi Nowack und Augusta v. Zitzewitz. Bruno Wille spricht über Faust, zweiterTeil, an vier Mon- tagen. 7 Ubr. Dorotheenstr. 12(Beginn 31. Mal). Eine neue internationale Alpenbaftn. Der Stadtrat von Niz,a beabstchiigt, wie im.Promelheus" mitgeteilt wird, Niz,a mit dem Gcnser See durch eine eWtriiche Bahn direkt zu verbinden. Die Strecke ioll durch die französischen Seealpen gehe» und quer durch die Gebirge SaooyenS führen. Heinrich Mann: Macht unö Mensth. Von Dr. Joachim Friedeuthal. Di« deutsche Revolution war im bürgerlichen Volke der wilhel- ntinischen Epoche geistig wenig vorbereitet. Die dort die Erde lockern wollten, darin die Saat reif«, fanden den härtesten, sprödesten Boden, der je für Freiheit gewachsen. Demokratie galt der Mehr- te'iit des Bürgertums als eine Verfa-llserschein.ung wcstlichcr Nach- tarn. Die einzige Freiheit, die dieses kläglicke Zwittergescköpf tms Macht und Besitzgier, diese Karikatur des Geistes von Achtund- vierzig, und des stolzen Begrifft? vom Bürger eines freien Staates bejphrte, war die Freiheit, Millionen zu verdienen. Und es war die einziye- die ihm wirklich gern gewährt wurde. Diese Epoche hatte auf der Höhe ihrer Machten tfaltung«inen Schriftsteller, der ein Dichter ist. Aber was er, in Empörung und mutigem Stolz, politisch seinem Volke zu sa�cn kxrtte, galt als dichterische Utopie. Sein Name sst Heinrich Mann. Von allen seinen dichterischen Taten abgesehen: er galt lang« Jahre ' einem getreuen Fähnlein vorwärts drängender Jugend als Kampf- ruf und Panier auf dem Wege zu menschenwürdiger Freiheit. indessen sst sein Name(durch die Kraft seiner Werke) weithin be- kannt geworden. Und politisch gilt und darf er vielen gelten: als der erste bürgerliche Demokrat echten Geblüts im neu aufdämmern» de» Deutschland. Er stand abseits und wenig beachtet. Und da er sein Volk und dessen Zukunft mehr liebte als das Kaiserreich in� seiner herrsch schimmernden Wehr, riß er aus der Leidenschaft seines Herzens die aufrührerischen Rufe nach Freibeit und sozialer Gerechtigkeit, nach Menschenwürde und stolzer Selbstbesinnung. Begriffe, geboren in Blut und aufei standen au» tausendfachen Leiden, ewig in ihrer Wahrbaftigkeit. Diese Rufe einer in Deutschland seltenen politischen und geisti- aen Leidenschaft find unlängst gesammelt im Kurt-Wolfs-Verlag erschienen, und da? Buch heißt:„Macht und Mensch". Der Kampf zwischen einer Macht,. die in todeswürdiger Verachtung den Menschen ganz ausschaltet, und seinem Aufbäumen. Ringen, Verzweifeln, seiner gehetzten Sehnsucht und heroischen Zielsetzung, ist in diesen Essays unvergleichlich gespiegelt. Nicht etwa nur wegen des meister- lichen Stils, unvergleichlich wegen der gemeisterten Grundide«: an» der Götzendämmerung Imperialist� s hen Machtrtaates und der Vergottung des Nationalismus den Menschen zu retten, ihn witder als Sinn und Ziel allen politischen Geschehens hinzustellen. So beginnt das Buch 1810 mit dem Ausruf de? Geiste? zur Tat So schließt«S, das ganze entscheidende Jahrzehnt um- spannend, im Mai 1818: Mit der ungeheuren sittlichen Verant- wortuna deS geistigen Menschen bor der geschehenen Tat. der kaum b'-aonn-nen Entwicklung zu Neitent. In jener aufrüttelnden Bilanz, dte„Kaiserreich und Republik" überschrieben ist. Dazwischen stehen die kleinen Geißelungen und die großen Be. keontntsse. Die hinweisenden Parallelen und die alles glanzvolle «nid ausweisenden! R-pndgeichMMgen zu bau DrößeuwcchnKu� der Hohlheit und Kulturöde des wilhelminischen Zeitalters. Das blutige Rot des Jahres 1814 überflammt die ersten Monde schon: Die Internationale der Nationalisten, die einzig«, die siegreichen Bestand hatte, sucht mit Augurenlächeln Verständigung und ssndet Verständnis hüben wie drüben. In Frankreich entdeckt Alfred Capus, ein literarischer Boulevardier, als neuer Cheftedakteur de» „Figaro", den Patriotismus chauvinistischer Observanz als Welt- anschauung; indessen ein I a u r e S, ein Anatol« France in düsterem Bangen sich abguälen, das Negertum der Balkanffiege der zivilifierten Welt ftrnzu halten. Mit diesen geht Heinrich Mann, jenen wehrt er schneidend ab. Aber er weih wohl, wovon sich jene bedroht und„patriotisch" berauscht fühlen: von der Dik- tatur der organisierten Brutalität, dem preußischen Militarisnius, dem die Affäre Zabern zu einer nönnischen Machtprobe wurde. Dazwischen stehen die Aufsätze der Kriegsjahre. Unendliche Klage schamlos vergossenen Blutes dröhnt gegen den_ Himmel. Würgen preßt an der Kehle. Menschemnund muß �schweigen. Allenthalben. Nur die Tiger und gelehrigen Assen dürfen nach Kommando an die Käfiggitter springen und Haß und Vernichtung brüllen. Ein« herrliche, eine große Zettl Ein paar Tapfere in Presse und Literatur tasten der Vernunft vorsichtig einen Weg. Sebr vorsichtig muß man, wie der weiße Trapper unter Indianern, diesen Weg suchen. Vernunft konnte einen ins Irrenhaus oder ins Gefängnis bringen. Und Heinrich Mann findet einen Weg: er schreibt(1815) seinen großen, indessen berübmt gewordenen Essay über Emile Zola. Irgendein Liieratur-Essah? Beileibe nicht. Sine aufpeitschende Parallele mit dem Frankreich de? Kaiserreiches und dem Frankreich jener militarstifthen Kulmination, die zur großen, explosiven Reinigung in der sogenannten Dreyfuß- Affäre ftibrte. Zola ist der Held in diesem errcgenden politischen Drama. Und der anscheinend barmloS-literarische Aussatz ist die hlänzend hinweisende Verherrlichung einer wahrhaftigen Demo- kratie, der Zola dek Lehrer geworden. Auf den aus Schmerzen ge- glübten Erzguadern erhebt sich das vou einem deutschen Dichter geschaffen« Monument des französischen. Und er ruft in die Ver- nichtung: Hat sich diese arme zerquälte Menschheit nicht nach all dem Leiden endlich ihr bißcken Menschenglück verdtentl Von der Art sind die Aussätze des Krieges, deren eine ganze Reihe entstanden und gesammelt ist. Bei der Revolution steht er mehr den als notwendiq begrüßten Tatsachen geistigen Boden. Und dann zieht er in dem schon erwähnten letzten, größten Aufsatz das Fazit des Kaiserreichs und der ersten revolutionären Bewegung. Das ist nach den Erschütterungen der Münchener Räterepublik, im Mai 1813. Und die Veröffentlichung wird bedachtsam bis nach Friedensschluß hinausgeschoben. Denn herin wird unerbittliches und, nach Mens che nrnaß, gerechtes Gericht gehalten über ein Reich, in dem die Deutschen nie aanz wohnten:„ein wichtiger Teil ibres WeftnS blieb draußen". Darin ganz zu Haufe waren nur die Herrschenden und der„Unter- tan", wie Heinrich Mann schon seinen Roman von 1814 nannte, dem er jetzt die volitische und kulturelle Dokumentierung gibt. Der Sturz dieses Kaiserreichs begräbt wahrhaftig nur eine frag. würdige Abart des Deutschen, niemals da? Deutschtum. Und nur cypS unzwetjelhafter irud teidsuschaftlicher Liebe zu dejem Deutsch- Die tzeimsenüung üer öeutschen Kriegs- gefangenen. Kopenhagen, 28. Mai. Die„Berlinyske Tidende" moldet aus Stockholm: Professor Frithjof Nansen, der sich gegenwärtig in Stockholm aufhält, hatte eine lange Besprechung mit dem Prinzen Karl, dem Chef des schwedischen Roten Kreuzes, über die Heimsendung der deutschen Kriegsgefange- n e n in Rußland und Sibirien. Aus dem Bericht Nansens geht lwrvor, daß sich die K o st e n der Heimsendungsarbeit auf t Vi Millionen Mar? belaufen werden. Er hofft, daß die Hälfte der 200 000 deutschen Kriegsgefangenen in Sibirien hsimbefördert werden kann, ehe der Winter kommt. Ter Zsrontbund in Berlin. Wir werden um folgende Fest- 1 ellung gebeten: Der in diesem Artikel erwähnte„Bankbeamte Von- reilich* ist der Prokurist der Landwirtschaftlichen Bank in Stettin Willy Vonneilich und nicht der Obmann des Betriebsrates der Direktion der Disconto-Gcsellschaft Alfred Vonneilich in Berlin. Brvh klagt. Justizrat Dr. Broh, der bekanntlich wegen der Eich- born-Afkäre aus der U. S. P. ausgetreten ist, hat den Ersten Vor- sitzenden der U. S. P. C r i s p i e n wegen berleumderischer Be- leidigung verklagt In der Klage will Justizrat Broh den Beweis für absichtliche Fälschungen Crispiens antreten. Irland. Wie„Allgemeen Handelsblad" aus London meldet, erhielt ein Bataillon Hochländer in Aldershot Befehl, gestern nach Irland abzugehen. Drei weitere Bataillone werden angewiesen, sich zum sofortigen Abtransport bereitzuhalten. In Irland hat eine neue Brand st iftungskampagne eingesetzt. Die englische Regierung ist entschlossen, die Waffen- und Heeresguttransporte nach Irland durch Truppen und Teesoldaten ausführen zu lassen. Die Führerder Eisen- b a h n e r sollen sich enschlossen haben, in dieser Frage die Meinung der Gruben» und Transportarbeiter zu hören. Wilsons Kampf gegen daS Parlament. Präsident Wilson bat gegen die kürzlich auch bom Repräsentantenhaus angenommene republikanische Entschließung zugunsten eines Sonderfriedens mit Deutschland und Oesterreich sein Veto eingelegt. Wilsons Vorschlag, wonach Amerika das Mandat über Armenien übernehmen soll, wurde vom Senatsausschuß für auswärtige Angelegenheiten mit 11 gegen 1 Stimmen abgelehnt. Wirtschaft Beschlagnahme der Getreideernte. Auf Grund des Artikels 4 der Reichsgetreideordnung für die Ernte 1920 wird das im Reiche angebaute Getreide(Brot- gctreide, Gerste und Hafer), allein oder mit anderen Bodenerzeug? nissen gemengt, mit der Trennung vom Boden für den Kommu- nalverband beschlagnahmt, in dessen Bezirk es gewachsen ist. Die Beschlagnahme erstreckt iicB auch ans den Holm und die aus d'sm beschlagnahmten Getreide hergestellten Erzeugnisse, wie Mehl, Schrot. Grieß, Graupen, Grütze, Flocken, Malz. Vor der Trennung vom Boden dürfen Kaufverträge über Getreide oder andere auf Veräußerung oder Erwerb von Getreide gerichtete Verträge nicht abgeschlossen werden, wenn nicht der Kommunalverband schriftlich seine Zustimmung erklärt hat. Verträge, die vor In- Irafttreien dieser Verordnung abgeschlossen worden sind, sind nichtig. Trotz der Beschlagnahme dürfen Unternehmeer landwirt- schaftlicher Betriebe von ihrem selbstgebauten Getreide in der Zeit vom 16. August 1920 bis zum 15. August 1921 zur Ernährung der Selbstversorger auf den Kopf an Brotgetreide monatlich 12 Kilo- gramm, an Gerste und Hafer monatlich je 5 Kilograinm verbrauchen, ierner zur Bestellung der zum Betriebe gehörenden Grundstücke bestimmte Mengen, die sich aus durchschnittlich 150 Kilogramm auf das Hektar� belaufen. De Beschlagnahme endet mit dem ftei- bändcgen Eigeatumscrwcrb durch die Reichsgetreidestelle oder den Kommunalverband, für den die Vorräte beschlagnahmt sind. II Übertretungen dieser Verordnungen werden mit Ge- sängnis bis zu einem Jahre und mit Geldstrafe bis zu 50 000 Mark geahndet. I_ Der Hiberniaabschlust. Die Generalversammlung der Hiber- nia Akt.-Ges., in welcber durch den Fiskus fast das ganze Kapital von 60 Millionen Mark vertreten war, setzte die Dividende für die V o r z u g s a k t i e n auf 4 Proz. fest, währxiw die Stammaktien zum ersien Male dividendenlos blieben. Die Ver. fammlung beschloß, die Verwaltung zu ermächtigen, eine Anleihe bis zu 20 Millionen Mark aufzunehmen. Die Modalitäten der Ausgabe bleiben der Verwaltung überlassen. Teutschlands Klavierausfuhr nach Dänemark. Im letzten Jahre find ungefähr 8000 Klaviere von Deutschland nach Dänemark eingeführt worden, während die normale Einfuhr früher nur 2500 Stück war. Dies hat bewirkt, daß die aufblühende dänische Piano- industrie, die früher eoenso viele Piano? herstellte wie eingeführt wurden, nunmehr fast zum Stillstand gebracht ist. Gilnflige Entwicklimg im SpeditionSgewerbe. Von der Gene- ralverfammlung des Berliner Spediteurvereins A.-G. in Berlin. Während sich in den Kttegsjahren das Geschäft in mäßigen Grenzen hielt und auch zu Beginn des abgelaufenen Jahres noch keine Ren- tabilität erzielt werden konnte, setzte nach Inkrafttreten des Frie- densvsrtrages ein le b h a f t e r Geschäftsgang �ein. Besonders be- sriedigend gestaltete sich bei dem Unternehmen das Lager- und Auslandsgeschäft. Das günstige Ergebnis kommt in der Dividende zum Ausdruck, die mit 20 Proz. für die Vorzugsaktien und 21 Proz. für die Stammaktien von der Versammlung ge- nebmigt wurde. Im laufenden Geschäftsjahre war die Befchäfti- ptnrg gleichfalls außerordentlich groß, so daß ein günstiges Ergebnis in Aussicht gestellt werden kann. GroßSerün Die gekränkte Lokomotive. Immer schmunzeln wir wieder, wenn uns«in Sekundärbahn- Witz begegnet. Wir schmunzeln, aber wir zweifeln.... Und den- noch, die meisten dieser humoristischen Schilderungen sind wahr, buchstäblich wahr!— Auch auf der Hauptbahn entwickeln sich solche Szenen, und das sogar in der Nähe deS nüchternen Berlin. Strebe ich da neulich um die friedliche Mittagszeit vom nörd- lichsten Babnhof aus in die nördlichsten Vororte, in der hirnauS- dörrenden Hitze erfrifchungsdurstig. Aber so kühl der Nord, so mollig der Mittag, und— so falsch meine Rechnung. Einsam glaubte ich zu sein um diese Schlummerstund«, und traf am Zug ein Gewimmel wie nie zuvor im lebhaftesten Festtagsverkehr.... Längst blieb das Steinmeer der Großstadt zurück. Da, wieder ein Nest. Einige Leutchen sind am Ziel. Einige Leutchen und wir halten so lange? Neugierig recken wir die Hälse zum Fenster hinaus: Dort ein Mensch enknäuel. Ein Rotbemützter schleift einen Fahrgast heran. Ihnen entgegen tritt ein zweiter Beamter: Unser Lokomotivführer! Schweiß und Ruß bedecken das erregte Gefickw Schief zugeknöpft ist die eiligst geordnete Uniform. „Sie haben niir einen Vogel gezeigt." schreit der Hüter unserer Lokomotive.—„Ich?"—„Jawohl, auf Bahnhof X, nachdem Sie im Fahren auf das Trittbrett gesprungen waren."— Der Ange- Der Qk! Srocköorff-Rantzaus Berufung. Vom Gesandten Gen. Dr. Landsberg in Brüssel geht unS folgende Mitteilung zu: Ebert, Schetdemann und ich hatten kein Interesse, Brockdorffs programmatisches Schreiben Haase, Dittmann und Barth vorzu- enthalten. Nicht wir, sondern Haase drängte auf Ersetzung Solss durch einen anderen Mann, namentlich, seit Solf es abgelehnt hatte, Haase die Hand zu geben. Ich weiß, daß nach dem Eingang seines Schreibens Graf Brockdorff zu Ebert und Scheidemann sagte, er sei neugierig, was Haase und Dttmann dazu sagen würden. Das Schreiben ist im Rat der Vo l k s b e a u ft ra g t e n verlesen worden. De Kandidatur Brockdorffs wurde daraufhin aber nur von Barth bekämpft. Knüppel-Kunzes Kriegshelöentaten. Das„Berl. Tgbl." erhielt die nachstehende Zuschrift: Kürzlich las ich wieder im„Deutschen Wochenblatt", wie Knüppel-Kunze auf jüdische„Drückebergerei" und„Hanffterei" schimpft. Bielleicht interessieren Ihre Leser folgende Fragen und Antworten: 1. Wo hat Herr Richard Kunze vom Dezember 1915 bis zum Kriegsende für sein Baterland geblutet? In Gardelegen i. Altmark, beschäftigt beim dortigen G e- fangenenlager. 2. Als was? Teils als Dolmetscher, teils als K r i e g s p r o p a- gandaredner. 3. In welchem Unter st and hauste und vegetierte der Knüppelheld? In der Villa des Herrn Scholz in Gardelegen. 4. AuS welcher Feldküche mußte Herr Helden-Kunze— natürlich durch dichtesten Kugelregen— sein Essen holen? Er war, obwohl ortsfremder Soldat, als Selb st- versorger eingetragen in Gardelegen. 5. Wer hatte in Gardelegen Acker gepachtet und denselben durck russische Gefangene bestellen lassen? Herr„H e i m a t s e t a p p e n- Ku n z e". 6. Wer hat während der ganzen Zeit im„Schützengraben" in klagte ist verdutzt. Langsam erholt er sich von der Schwere der Beschuldigung.... Dann— leugnet er! Man sieht's ihm.cm, er leugnet I—„Was wollen Sie von meinem Mann?" kreischt unter- stützend die Gattin und sucht den Geschnappten aus der Affäre zu zerren.—„Sie haben mir einen Vogel gezeigt," beharrt der Führer unserer braven Lokomotive. U«d richtig, unter der Wucht der zwei- mal wiederholten Behauptung knickt der Angeschuldigte zusammen, aber nur halb:„Ich habe einen anderen gemeint."—„Einen anderen? Dann ist es gut," entscheidet der Gekränkte klug,„-dann können Sie gehen." Damit ist sie gerettet, die Ehre unserer Lokomotive, die es eilig hatte uns zuliebe auf Kosten vielleicht des einen, der säumig war. ... Und weiter fahren wir mit sieben Minuten Verspätung.— Einige schimpfen. Ueber Kleinlichkeit und Anmaßung. Ich aber lache und werde wieder ernst und denke: Der Mann gefällt mir. Er vertritt die Republik, ist ihr Be- amter und läßt sich ungerügt nicht kränken. M. Schützt die mlirkische Landschaft! Wieder droht in der Näh« von Berlin eine rücksichtslose Land- schaftsverschandelung. Wieder sollen die für Natnrschön- hcit empfänglichen Bewohner Berlins und der östlichen Vororte um eine Freude ärmer wenden. Zwischen Friedrichshagen und Hirsch garten liegt eine Wiesenniederung, das sogenannte E r p e t a l. Das reizvolle LandscfraftSbild war schon früher durch Wholzungen beeinträchtigt worden. Jetzt aber wird nicht weit vom Bahnhof Hirschgarten auf einem etwa 20 Morgen großen Wiesenstück ein Torfstich angelegt. Begreiflicherweise erregt dieses Unternehmen bei den Bcwoh- nern Friedrichshagens und Hirschgartens großen Verdruß. Die Torflöcher, die>dort entstehen, werden dem Erpetal wahrlich nicht zur Zierde gereichen. Befürchte-t wird auch, daß sie mit dem sich darin sammelnden Sumpfwasser eine Brutstätte für Mücken ab- geben und durch aufsteigende Dünste die Umgebung belästigen wer- den. Richtig ist, daß jede Möglichkeit, die Brenn st off knapp- h e i t zu mildern, ausgenutzt werden muß. Auch den ejnst so ge- schätzten Tors soll man heute nicht unperwertet lassen, wenn auch sein Heizwert hinter dem der Kohle zurückbleibt. Aber neben dem zweifellos sehr wichtigen Gemsininteresse an der Mehrung der Brennstoffe soll man doch die Notwendigkeit der Erhaltung eines schönen LandschaftS-bildes nicht außer acht lassen. Auch hierbei bandelt es sich um ein Gemeininteresse, dessen Wichtigkeit nicht unterschätzt werden darf. Fraglich kann scheinen, ob im Erpetal die Ansbeitte an Torf so erheblich sein wird, daß sie in Anbetracht der Not dieser Zeit die Verschan-delung der Land- schaft aufwiegen könnte. Das Landcatsamt hat die Genehmigung zum Totsabbau bereits erteilt. De Gemeindeverwaltung von Friedrichshagen hat sich so- fort mit einer Beschwerde an den Regierungspräsidenten gewendet. Aufs sorgtSliigste wird geprüft werden müssen, ob wirklich eine nenueusworte Mehrung deS Brennstoffs zu erwarten ist. Wir glauben das nicht. Dann muß aber mit allen Mitteln versucht werden, die Genehmigung rückgängig zu machen. Höher als das Einzelinteresse eines Unternehmers, der nur vorteil- haftere Verwertung seines Eigentums bezweckt, steht das Recht und die Pflicht des Volksganzen, unS die Schönheit der Landschaft zu erhalten._ Paketunterschlagungen im Grossen. Als Verführer von ungetreuen Po st ausHelfern wurde ein Kaufmann Felix Malz von der Kriminalpolizei entlarvt und festgenommen. Malz lernte im Kriegs einen jungen Mann kennen, der später als Aushelfer bei einem hiesigen Postamt eingestellt wurde. Mü diesem setzte er sich in Verbindung, um ihn zu hörige- setzten Fälschungen zu verleiten. Er fertigte in großen Mengen Paketadressen und Begleitscheins aus und steckte sie dem Ausheiser zu. Die Adressen enthielten Namen und Wohnungen von Ange- stellten und Statisten einer großen Filmgesellschaft, bei der Malz früher beschäftigt war. Mit diesen Leuten knüpfte er frühere Ver- bindungen wieder an unter der Vorspiegelung, daß er jetzt ein reicher Mann sei und noch immer sehr lohnende Schiebergeschäfte mache. Unangenehm dabei sei ihm, daß der Empfang außerordent- lich vieler Pakete auffallen könnte. Er bat deshalb die Leute, für ihn_ die Sendungen anzunehmen. In Wirklichkeit stammten alle diese Pakete von einem Postamt, auf dem sie von verführten Aus- Helfern unterschlagen wurden. Durch den-einen jungen Mann, den er von der Kriegszeit her kanmc, hatte Malz auch Ver- bindung mit anderen gewonnen, die ebenfalls auf sein« Vorschläge eingingen. Einer der Ungetreuen holt« von ihm ständig die ge- icilschten Adreß-ettel und Begleitkarten ab und verteilte sie unter die anderen. Alle beklebten nun nicht nur von außerhalb ein» Gardelegen engros gehamstert, so daß sogar der Lager- kommandant, Oberst G r u e n e r, mit Einsperren drohte? Familie„Helden-Kunze". 7. Wer hat versucht, zusammen mit„Möbeln" ein Engros- Hamsterlager nach Berlin zu bringen, so daß eine Beschlag- nähme seitens der Gemeindebehörden erfolgte? Herr„H a m st e r- K u n z e". 8. Wer hat nach der Revolution noch, den 3-Uhr-Frühzug/nach Berlin benutzend, etwa einen Zentner Fleisch- und Wurst waren nach Berlin gebracht, trotz des Verbotes in Gardelegen, Fleischware auszuführen?- M Familie„Hamster-Kunze". Wir möchten diesem Frage-und Antwortspiel noch fol- gende Frage hinzufügen: Warum ist Knüppel-Kunze Stadt- verordneter der Deutschnationalen Volkspartei? — Weil diese das Sammelbecken aller kriegsbegeisterten H i n t e r f r o n t l e r und E t a p p e n h e l d e n ist, die vor dem Feind nicht zu sehen waren, aber gerne mit Knüppeln und Messern bewaffnet an friedlichen Bürgern ihr Mütchen kühlen— natürlich nur, wenn sie selber in der großen Mehrzahl sind. Mein Zell am See! Der sozialdemokratische Landtagsabge- ordnete für Bayern, Genosse Witternigg, wurde nach Bericht der„Vossischen Zeitung" in Zell am See bei einer Schlägerei in einer Wahlversammlung der..D e u t s ch s o z i a I i sie n" derartig mißhandelt, daß er ein Krankenhaus aufsuchen mußte. Aus der„liberalen" Volkspartei. Ein Kaufmann in Chemnitz wandte sich, wie die„Vossische Zeitung" berichtet, am 23. März im Auftrage einiger Bekannten, ,,die mit dem Programm der Deutschen Volkspartei sympathisieren", an deren Ortsleitung mit der Bitte um Auskunft,„ob sie Deutsche jüdischen Glau- b e n s als Mitglieder aufnehmen". Am 30. März erfolgte eine ausweichende Antwort. Aus eine neue Anfrage erklärte der Vorsitzende der Deutschen Volkspartci in Chemnitz am 3. April. „daß infolge der augenblicklichen Ueberflutung Deutschlands mit ostjüdischen und fremdstämmigen Elementen und in Anbetracht der in dieser Beziehung ganz besonders gearteten örtlichen Ver- hältuisse die Mehrzahl unserer Mitglieder sich zur- zeit gegen eine Aufnahme von jüdischen Mitgliedern auSge- fprochen hat". gehende, sonidern auch in Berlin nach außerhalb aufgegebene Pakete mit den neuen Adressen und gaben sie mit den neuen zugehörigen Begleitkarten in den Verkebr, während sie die richtigen Adressen und Karten vernichteten. Durch diese umfangreichen Fälschungen und Unterschlagungen erhielt Malz soviel Waren aller Art, daß er in der Schönhauser Straße ein offenes Ges chä ft aufmachen konnte, um sie zu vertreiben. Obwohl die ungetreuen Aushelfer sehr vorsichtig und in aller Heimlichkeit vorgingen, gelang es der Ueberwachnng des Postamtes dock, ibnen hinter die Schliche zu kommen. Ein Aushelfer wurde beim Bekleben eines Paketes überrascht und der Kriminalpolizei übergeben. Dieser legte der Ertappte ei'ü umfassendes G e st ä n d n i s ab, und so kam jetzt das ganze Treiben ans Licht. Malz und die ungetreuen A-ushelfer wurden verhaftet, ebenso noch andere, die von den Unterschlo- gungen wußten. „Volk und Zeit", unsere illustrierte Wochenschrift, liegt der heutigen Pnstauflage bei. Auch die Charit« erhöht ihre KoftensShe. Nachdem für die Der- liner städtischen Krankenhäuser eine Erhöhung der Kur- und Ver- pflegungskosten vom 1. Juni d. I. beschlossen ist, sind nunmehr auch staatlicherseitS- für das Eharite-Krankenhaus und die übrigen diesigen UniversitätS-Kliniken vom gleichen Tage ab die Kosten in der III. Verpflcgungsklasse auf 9 M. für Erwachsene und 6 M. für Kinder bis zum vollendeten 14. Lebensjahre erhöht worden. Die Kostensätze gelten bei den obigen Universitätsanstalten in gleicher Weise für Berliner wie Nichtberliner. Unbekannte Ertrunkene. An der Insel Daumwerder im Tegeler See wurde die nackte Leiche eines unbekannten Mannes gelandet, der nur einige Tage im Wasser gelegen hat und anscheinend beim Baden ertrunken ist. Der nach der Holle des Tegeler Friedbofes gebrachte Tote ist etwa 20—25 Jahre alt, mittel- groß, schlank, hat mittelblondes Haar und am rechten Unterarm ein« Narbe, bekleidet ist er mit einer weißen schwarzgestreiften Trikot- badehose.— An der Charlottenburger Brücke wurde ferner au? dem chohenzollernkanal die Leiche eines unbekannten Mannes gelandet. Der nach der Leichenhalle des Friedhofes Gutsbezirk�Plötzensee ge- brachte Tote ist etwa 50— 55 Jahre alt, mittelgroß, schwächlich, hat hellblondes kurz geschnittenes Haar, ebensolchen langen Schnurrbart, und ist bekleidet mit dunkelgrauer Weste, blauer Hose und alten Jnsanteriestiefclm Erkenncr wollen sich bei der Tegeler Kriminal- Polizei melden.. Wahlbeteiligung und Fürsorge für Heeresentlassene. Die große Zahl der Reichsioehrangehörigen, die auf Grund der Bestimmungen über die tzeeresverminderung am 15. d. M. entlassen wurden, aber nicht in die bereits am 16. Mai abgeschlossenen Wäblerlisten nament- lich aufgenommen sind, konnten bestimmungsgemäß an den bevorstehenden Reichstagswahlen nicht mehr teilnehmen. Nach einer Mitteilung der Sammelstelle für Arbeitsuchende Au- mann(Wirtschastsstab des Wehrkreises 3), Berlin NW. 52, Sehd- litzstr. 1, wird demnächst vom Ministerium des Innern eine Ver- fügung ergehen, die die nachträgliche Aufnahme der Heeresentlasse- ncn in die Wählerlisten gestattet.— Bei der Sammelstelle für Ar- beitsuchende besinden sich gegenwärtig etwa 30 0 Entlassene, die in Zivilberufen unterzubringen sind. � Da sich diese Zahl in nächster Zeit bis auf rund 1000 Mann erhöhen dürfte, ist die Frage der Bereitstellung einer hinreichend großen Anzahl Arbeitsstätten dringend. Arbeitgeber, die bereit sind, Leute in größerer oder ge- ringerer Anzabl in ihren Betrieben, besonders auch außerhalb Der- lins, einzustellen, werden gebeten, Angebote an obige Adresse zu richten. Frelreligiöse Gemeinde. Sonntag vorm. 11 Nbr in derStadthalle. Klosterür. c0, Vortrag des Herrn Dr. M. Brie: Die Frau in den Dramen Aug. Strindbergs.— Harmonium: Litanei(Schubert). Groß-Serlwer yarteknachrichtea. Heute, S8. Mai: Wahlkreis Prenzlauer Tor. 7 Uhr Miigllederverfammlung in der Brauerei Konigstadt. Schönhauser Allee. Ref.: Stadtrat Koblenzer Ausstellung der Kandidaten zur Stadtverordnetenversammlung. � �t bclmshagcn. 7-/, Uhr bei Kolwig, Vortrag der Genossin Spliedt- Wcrbeousschusi für Post und Telegravhie. Versammlung in Kellers Festsalen. Bergstr. 69, der Acmter O. P. D., El,£ 3, N 3, N 4, N 24 und Postsuhraml Oranienburger Straße. Referent: Gen. Max Echter- oecker. Morgen, SS. Mai: a**' h tthr Funktionär-Sitzung bei Krofi, Blumenstr. 88. „s'. 7 Uhr Sitzung(3n*.t lichte Funktionäre. Betriebsvertrauen«. leute uno Wahlheljer bei Goldschmidt, Stolpische Str. 36. Bergfelde. 8 Uhr große öffentliche Wählcrvcrlammlung. Thema: .Aus zur Reichstagswahl!" Rcserent: Parteisekretär Wicke.• Rahnsdorf. 71/, Uhr bei Schäle, Vortrag der Genossin Gertrud Hann« GeWerMastsbowLZung Untornehmerfrechhelt. Ginan eiger.crtigan Verlauf und ein vorzeitiges Ende fan� die Eitzung des Tarifamt Z für das deutsche Holz- g e w e r b e, die am LS. DZai zusammentrat. Das Tarifamt sollte nach vorheriger Verständigung zwischen den Vorständen des Deut- scheu Holzarbeiterverbandes und des Arbeitgeberschutz- Verbandes für das deutsche Holzgewerbe in örtlichen Differenzen entscheiden, über welche es bereits ergebnislos ver- handelt hatte. Satzungsgemäß findet eine solche zweite Beratung unter der Leitung eines Unparteiischen statt. Außerdem sollte in dieser Sitzung des Tarisamts der erneute Versuch gemacht werden, eine zentrale Verständigung über die von den Arbeitern .geforderten Teuerungszulagen herbeizuführen. Frühere Verhand- lungen über diesen Gegenstand hatten zu keinem Resultat geiührt. In zahlreichen Orten und für größere Bezirke ist inzwischen e.ne Verständigung erfolgt. Zurzeit schweben aber dieser Frage wegen eine Reihe von Streiks, und an mehreren Orten haben die Unternehmer ihre Arbeiter ausgesperrt. Von der Tätigkeit des Tarisamts erwartete man eine Verständigung, die eine Beendigung aller dieser Lobnkämpfe herbei- gesübrl hätte. Es ist aber anders gekommen. Im beiderseitigen Einverständnis war das Amt des U n p a r- teii scheu dem Vorsitzenden der Gesellschaft für Soziale Reform, Professor Dr. Francke, übertragen worden. Dieser hat den Ruf angenommen, und er ist zu diesem Zweck aus Bayern, wo er sich aufhielt, nach Berlin zurückgeeilt. Seine Bereitwillig- Zeit, dem gewerblichen Frieden zu dienen, ist aber schleckt gelohnt worden. Als das Tarifamt am LS. Mai verabredungsgemäß um Uhr zusammentreten sollte, warteten der Vorsitzende und die Arbcitervertretcr vergeblich aus die Unternehmer. Nach geraumer Weile erst teilten diese telephonisck mit, daß sie um 3 Uhr kommen würden. Das war eine Rücksichtslosigkeit, die man ifjnen jedoch schließlich nachgesehen hätte. Aber es kam noch viel st ä r k c r. Vor der Eröffnung der Sitzung war Herr Prof. Dr. Francke genötigt abzutreten, denn die Unternehmer hatteri plötzlich Bedenken gegen den in ihrem Einverständnis be- rufenen Vorsitzenden, ohne allerdings diese Bedenken näher zu begründen. Der Eklat wurde schließlich vermieden, indem man sich dahin einigte, daß zunächst über die allgemeine Lohnforderung verhandelt werden soll, wobei das Tarisamt als Einigungsamt fungieren und der unparteiische Vorsitzende nur Vorschläge zu machen hätte. Bei den folgenden Punkten aber sollte das Tarifamt Entscheidungen fällen, wobei die Stimme des Vorsitzenden gegebenenfalls ausschlaggebend wäre. Nach diesem Vorspiel übernahm Professor Francke das recht un- dankbare Amt als Vorsitzender. Seine Bemühungen, in der L o h n f r a g e eine Verständigung herbeizuführen,' waren vergeblich. Die Unternehmer machten als äußerstes Zugeständnis ein Angebot, das noch weit hinter vem unzulänglichen Angebot zurückblieb, das sie bei den Verhandlungen im April gemacht hatten. Am Schluß der Beratungen, die am L7. Mai fortgesetzt wurden, mußte Professor Francke feststellen, daß die Verständigungsversuche gescheitert seien. Nun sollte zur Erledigung der anderen Fragen geschritten werden. Da kam«s zu einer dramatischen Szene, bei der vran allerdings im Zweifel sein kann, ob die Schuld daran mehr dem Ungeschick oder der Bosheit der Unternebmer- Vertreter beizumessen ist. Obwohl vor Beginn der Tätigkeit deZ Professors Francke dessen Aufgabe in allseitigem Sinverständ- nis umschrieben und diesem der Beschluß der Körperschaft offiziell mitgeteilt war, kamen die Unternehmer wieder mit Einwendungen, die sie in ausgesucht verletzender Form zur Sprache brachten� Einem Beschluß der Unternehmer folgend, erklärte Herr K o n i e tz n p- Breslau, der Vorsitzende des Arbeit- geberschutzverbandes, daß die Arbeitgeber kein Ver- trauen zu Herrn Professor Francke hätten. Ja, er führte direkt euS, daß sie ihn, der mit ihrem ausdrücklichen Einverständnis als Unparton scher berufen worden war, mit Mißtrauen betrachten. Es ist begreiflich, daß Professor Francke durch diese Erklärung erstaunt und verletzt war. Erstaunt um so mehr, als seine vor- ausgegangene Geschästssührung zu einem solchen Urteil nicht den geringsten Anlaß gegeben hatte. War dach sogar sein letzter Vec- mittlungsvorschlag den Unternehmern so günstig gewesen, daß die Arbeitervertreter erklären mußten, daß er für sie nicht dis- kutabel sei. Der Unternehmersekretär Knöllinger- Nürnberg meinte, die Unternehmer stützten ihr Mißtrauen darauf, daß Prof. Dr. Francke nicht genügend Einblick in die wirtschaftlichen Verhält- nisse besitze, um die Interessen der Unternehmer ge» bührend zu berücksichtigen. Herr Professor Francke bat die gebührende Antwort q u f diese Unverschämtheit aus der Stelle gegeben. Er sagte den Herren, daß er allerdings nicht der richtige Mann sei, wenn die Unternehmer als Unparteiischen einen Schiedsrichter verlangen, der einseitig Unternehmerinteressen vertrete. Mit Recht konnte Professor Francke auf seine K8 Lebensjahre und auf die Stellung hinweisen, die er im ösfent- liehen Leben einnimmt und die ihn eigentlich vor solchen Rücksichts- lostgkeiten schützen sollten. Selbstverständlich gaben auch die Arbeitervertreter. die von dem Vorfall überrascht und aus das peinlichste berührt waren, ihrer Ansicht rückhaltlos Ausdruck. Aber die Sitzung des Tarifamts war verkracht, von einer Weitertagung konnte keine Rede sein. Ob nach diesem Vorgang ein Wiederzusammentriit in absehbarer Zeit möglich sein wird, steht dahin. Es verdient fest- gehalten zu werden, daß die Unternehmervertreter ihre Unver- s ch ä m t h e i t e n gegen den verdienten Sozialpolitiker auf aus» drückliche Verabredung vorgebracht haben. Die einge- tretcne Geschäftskrise hat sie übermütig gemacht, sie halten ihre Position für so stark, daß sie glauben, das tarifliche Zusammen- arbeiten mit den Gewerkschaften ungestraft sabotieren z u kö n n e n. Ob sie sich nicht verrechnet haben? Oas KssUtionsrecht bei öer StaötspnoKe. Eine vcm Deutschen Beamtcnbund, von der Arbeitsgemein. schaft freier Angestelltenverbände und vom Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbund einberufene öffentliche Protest ver samm- l u n g von Beamten, Augestellten und Arbeitern der Berliner Stadt- shnode, die im großen Saal des„Deutschen Hofes"(Luckauer Str.) tagte und sehr gut besucht war, richtete sich gegen das Verhalten der evangelischen Kirchenbehörde zum Koali- tionsrecht. Zech vom Deutschen Beamtenbund schilderte den Widerstand, den nach der Revolution die Organisationsbestre- düngen der Beamten bei der Stadtsynode fanden, obwohl auch ihnen jetzt das Koalitions recht gewährleistet war. Tie Seele des Widerstands war der(inzwischen ausgeschiedene) Bureaudirektor Oehmke, der 30 Jahre hindurch unumschränkte Macht gegenüber den Beamten gehabt hatte und sie sich nicht schmälern lassen wollte. Infolge Zuspitzung der Verhältnisse kam es zu offenem Kampf zwischen den Beamten und dem Direktor. Gegen den expedieren- den Sekretär G e h r t unh den Bureauassistenten Schmidt wurde mit einem Disziplinarverfahren vorgegangen, bei dem ihnen der Eröffnungsbeschluß ausgerechnet am Weihnachtstag zu- gestellt wurde.(Entrüstete Zurufe.) Gemaßregelt wurde auch ein Maschinenmeister des Friedhofs Stahnsdorf. Verhandlungen mit dem Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbund und mit dem Deut. schau Beamtenbund wurden abgelehnt; erst auf gemeinsames Vor- gehen der Arbeitsgemeinschaft freier Angestelltcnverbände und der Berliner Gewerkschaftskommission bequemte man sich, zu verhandeln. Referent betonte, daß nach einem soebrn aus dem Deutschen Be- amtentag gefaßten Beschluß künftig Beamte, Angestellte und Arbeiter solidarisch handeln werden.(Bei- fall.) Diese Prokestdersammlung sollte die Kirchenbehörde darüber belehren, daß auch für sie die Zeiten autokratischen Regiments vor- über sind.(Lebhafte Zustimmung.) Zech beleuchtete dann im ein- zelnen die dem Sekretär Gehrt gemachten Vorwürfe, die in der Versammlung zum Teil Heiterkeit, zum Teil Entrüstung hervor- riefen. Er spielte auch aus die gegen Direktor Oehmke er- hobenen Beschuldigungen unsittlicher Verfehlungen an (über die im„Vorwärts" schon berichtet wurde) und erklärte, man könne darüber stark im Zweifel sein, wer sich mehr„des Vertrauens unwürdig" gezeigt habe, Sekretär Gehrt in der Wahrnehmung der Rechte feiner Kollegen oder der Direktor Oehmke. Gegenüber dieser Maßregeln ngGehrtS müsse gefordert werden, daß Solidari. tät geübt wird und geschlossen alle für einen eintre- te n.(Stürmischer Beifall.) Bauer von der ArbeitSgemein'chaft freier Angestclltenper- bände gob einen Rückblick aus den Streik bei der Stadtsynode. Daß er in so kurzer Zeit beendet werden konnte, sei der Soli- dar i tät zu danken, die Eindruck gemacht babe. Beamte, Auge- stellte und Arbeiter müssen zusammenhalten auch zu weiterem Kamps um ihre Existenz der unausbleiblich ist.(Lebhafter Beifall.) In der Diskussion beleuchteten noch mehrere Redner die bis- herige Rechtlosigkeit der Beamten und Angestellten der Stadt- syuo-de. Ein Vertreter des Vereins der Kirchenbeämten Berlins gab die lächerliche Erklärung ab, über solche Fragen dürfe diese Ver- sammlung gar nicht verhandeln, weil die Mehrzahl ihrer Teilneh- mer unkirchlich sei. Ter jetzige Beamtenausschuß der Stadtshnade erklärte durch einen Vertreter, eine auch von Nichlbcamten besuchte Versammlung dürfe nicht über Beamtenfragen mitsprechen, und mit ihm verließen dann seine Gesinnungsgenossen den Saal. Einstimmig wurde eine Resolution angenommen, die hauptsächlich folgendes sagt: Tie organisierten Arbeiter, Angestell- ten und Beamten halten die völlige Mißachtung des Koalittonsrechts durch die evangelischen Ktrchengemeinden für verfassungswidrig und der evangelischen Kirche unwürdig. Bei der jetzigen Teuerung ist die Gehaltskürzung gegenüber den Gemaßregeltcn, die durch sie in Not kommen, unverantwortlich. Die Versammlung sieht darin einen offenen Angriff auf das Koalitionsrecht. Sie fordert, daß künftig jede Maßregelung und Schikane wegen gewerkschaftlicher Betätigung unterbleibt. Für die erwähnten Gemaßregelten wird Zurücknahme der Kündigung und Einstellung des Disziplinarverfahrens verlangt. Beigelegter Streik im Kinogewerbe. We uns eine Trahtmeldung aus F r a n k f u r t a. M. berichtet, ist dort gestern uacki achttägiger Dauer der Streik der Kinoange- stellten durch Vergleich beigelegt worden. Die Arbeit wurde sofort aufgenommen, so daß die Kinotheater am Donnerstagabend wieder geöffnet waren. Bctricbsrätekurse der Afa! Aus die neuliche Aufforderung zur Anmeldung für die von der Aia einzurichtenden Belriebsrätekurie sind so zahlreiche Meldungen eingegangen, das jetzt schon die Möglichkeit der Einrichtung von Parallelkurscn tn Aussicht genommen werden muß. Bei weiteren Meldungen ist neben den Namen der Betriebs-»nd Wobnadreise auch die Branchenzugehörigkeit anzufügen, damit eventuell für einzelne Branchen für die Teilnahme an den Kurien eine besondere Zusammenfassung erfolgen kann. Die Themata der zuerst in Au?« ficht genommenen Kurse sind:„Weltwirtschaft"— Auf- bau" �„Geld- und Börsentechnik"—„Bilanz"— „Betriebstechnik". Die Hörgebübr für jeden Kursus, der sich über fünf Abende erstrecken wird, ist aus 3 M. festgesetzt worden, ein Betrag, der natürlich nicht einmal die reinen Selbstkosten decken kann. Die Kurse sollen, um Unterbrechungen zu vermeiden und eine ruhige Folge zu ermöglichen, erst nach den Reichstagswahlen beginnen, wahrscheinlich am 8. oder 9. Junl, Nähere Mitteilungen über die demnächst abznbaltende Gruppenveriaininlung werden rechtzeitig be- kannlgegeben werden._ Achtung, Glasbläser! Aus Norwegen wird uns die Mitteilung, daß dortige Firmen sich an Berliner Tageszeitungen mit Inseraten wandten, um Arbeitskräste aus Deutschland zu erhalten. Zahllos sind die Bewerbungen, die bei den Firmen einlaufen. Die billigsten Kräfte werden bevorzugt, und die ansässigen Kollegen dadurch geschädigt. Unter 99—.100 Kronen Wochenlohn ist nicht auszukommen. Wohnungen sind überhaupt nicht v o r h a md e n. Die Arbeitszeit beträgt 8 Stunden, ob in Akkord- oder Stundenlohn gearbeitet wird. Man wende sich vor Arbeitsannahme an die einzelnen Organi- saiioncn der betreffenden Länder und fordere Klarstellung der dortigen Verhältnisse._ Gcldschrankfabriken und Bauschlossereien. Nach Annabme des letzten Angebots der Unternehmer durch die Aiigestellien waren vorübergehend Differenzen entstanden über die Auffassung einer Mitteilung, die ein Vertreter der Arbeitnehmer aus einer anderen Tariiverhandluug aemacfct hatte. Vorübergehend schien a. als würden hieraus neue Konflikte cntstcben. Diese sind jedoch vermieden worden. Die Vertreter der Arbeitgeber in der Tarlikommission ballen sich nach wie vor an das von ibnen gc- machte finanzielle Angebot. Soweit in den Betrieben der oben be- zeichneten Blanche die Auszahlung der Tarifnachzablungcn iür die Aiigestcllien mu Rückwirkung vom 1. April 1920 an noch nicht er- folgr ist, müßten die Betriebsvertremiigen der Angestellten darauf hinwirken, daß dies nunmehr geschieht." Die Uiuernebmer schlugen weiter vor. am Rahmenvertrag vor« läufig nichts zu ändern, so daß, falls dieser Voischlag die Billigung der Änceiiellien findet, mit dem Abschluß des Tarifvertrages in der nächsten Sitzung der Tanikommiision, Mitiwocb, den 2. Juni, zu rechnen ist. Von den allgemeinen Bestimmungen sind die Eni- ichädigungen für Lehrlinge ausgenommen. Dieie tollen gegenüber den bisbeiigen Feslictzungen um je 50 M. erböbt werden. A'ä-Ortskartell Groß-Berlin. Flatau. Liebeslind. Reinsb.rg. Bcrantw. filc den redaktion. Teil: Erich ttuttner, Tcmvelbof: wr Anzeigen: Tb. Elncke, Berlin. Bcrlag: Vorwiirts-Verlag G.m.b.H.. Berlin. Druck: Ler» würis-Buchdruckerei u. Verlaasanltalt Paul Sinaer u. Co. Berlin Lindenlir. 3. Gewin!tr?«.uszug der 15. Preuss-Süi-b.(241. Preuss.) Klassen-L� rie 6.»lohe. 16. Zichunztwg. 27. Mal 1S2Ö, inf jede neiogene Jintcnicr sind iwel nleieh hohe(Seninne xek-Uen, und iw» Je einer nnf die l.os» gleicher\ammer in den beiden Ahteliniiaen 1 und U (Lhne Gewähr).(Rachdruck t> erbaten.) In der Vormittagszlchung wurden Gewinne über 246 Mar! gezogen 2 Cewinnc m 39000 II 182349 4 Gewinne iu 1:000 M 15013 15207« 4 Gewinne iu lOiOO M 58373 221035 6 Gewinne ru 5000 M 102244 10.657 161937 92 Gewinns iu 3000 M 137 5443 92.7 1643 14082 19231 28535 35201 32430 4:944 45409 45720 47133 ü 510 99318 EO 38 70515 777 9 100343 108401 118779 113721 121490 123351 14! 361 143301 152364 155133 156777 100312 161465 123729 172033 174517 189143 188131 190272 231403 105104 20'313 220531 143 Gewinne zu 1000 II 9430 12423 15863 170 0 17746 23510 23590 24212 26422 23.303 27441 27850 41933 42334 47433 62009 58764 59013 6'333 64304 63963 63963 72740 76934 77932 83085 34463 030,6 101915 107.72 110377 113 ,71 HC ,93 123743 133 63 1350 43 137663 13:855 157044 137512 137673 163202 168218 163053 173'33 179384 132350 133781 136797 1W377 192430 132733 134328 137133 205432 227781 228323 215:4) 215937 217757 224274 22328 225963 223601 229313 1 4 Gewinne zu' 03 M 1443 2753 7315 5235 8727 123 s 2'4.7 26023 23163 23345 22'3) 32735»5623 40333 41338 43635 404 6 63164 60024 60113 60720 60387 63800 6'315 67233 67901 72443 78171 77163 87507 92193 03047 101903 103393 10 3-0 110308 112523 113855 114113 112607 lr°31Z'121537 137877 141216 142214 142752 143219 147974 147936 143305 153432 158372 156350 157430 159852 132047 1630=0 169373 172845 177307 130393 182661 165913 186575 193215 133043 2.34158 205731 202003 211440 212284 212432 221:22 221333 222147 224454 225691 222221 222558 20377 231129 233747 23309 63113 140787 184351 233587 13418 5022.1 3.235 1Z'S37 1 5353 187350 214598 231176 20105 44353 710 40 104633 12727« 153001 170831 201524 222117 In der Rachmlttagszlchung Wurden Gewinne über 140 Marl gezogen. 14 Gewinne za EOOO U 13952 17612 45113 110382 199011 215232 227164 64 Gewinne zu 3000 M 8107 11570 11952 13291 54270 54370 65733 63772 67511 70700 70=43 76'71 37842 95122 109370 112073 124703 1?9~93 131734 137233 150753 160026 171152 172037 178137 173235 150005 1 82403 194144 210593 210784 221393 153 Gewinne zu 1000 35 1717 5490 1 2330 16219 1 6346 16834 17025 19223 27783 23234 23200 31785 32894 37756 39029 43936 44454 45453 45705 43.82 43375 55415 62508 64126 67230 72187 73053 76223 79791 827.r, 89334 33821 98537 97874 101424 109623 113553 114133 117. 01 120879 122056 123223 123256 12364 131563 132,03 134059 13:827 1Z"04 13 037 133613 142038 145394 153353 155233 182983 163519 172206 174452 168014 105e34 197282 191830 222325 202939 203944 205943 203153 213523 214013 215400 215561 213543 222025 222951 220053 230342 232363 233892 212 Gewinn? zu 500 M 1139 1601 6504 5937 10037 15868 19375 21932 22325 27048 33407 40402 41044 42964 43299 44974 61334 52360 65037 55153 65337 59963 50903 62194 63734 63592 70253 70347 74934 80513 81095 63108 87783 91932 02335 32-67 93353 93315 93829 94124 95143 96519 97712 07924 93693 93340 99355 102103 103127 10�510 105-47 109793 112105 112704 114108 116140 119584 121863 122747 123762 125623 127634 130971 132393 137934 140330 142143 146429 147617 1=0353 159633 159340 180124 163322 153558 138142 163-42 170553 173037 136317 187223 137623 183934 130940 199370 199307 207327 207412 208102 212361 215003 215113 216574 2ini61 ai"4'>4 21=450 220763 221618 221720 222630 223580 223992 228033 22=691 231271 233022 Prenß, üEtuincaftt. 70.* erhält erqraut.Haar die früher. 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