Nr.STl. S7.Zah-s. Bez»qSp»i» t frsi ins Hau», voraus zahlbar. Polt- bmg: Monatlich Mk. ex». In- slellungsgebühr. Unter Krruz band für Deutschland und Oesterreich• Ungarn lö,— Mb. für das übrig c Ausland bei täglich einmal. Zustellung so.— M. Poftbeftellungen nehmen an Däne» wart'bolland. tiutemdurg. Echtveden, Tschecho-SIoroalei und die Schweiz. ibüigerragen in die Post-Zritlmg»- Preisliste. Der„Porwärts� mit der Sonnt»«». deilage»Boll u. Zeit' erscheint wachen- täglich zweimal. Sonntage und Mo»- tags einmal. Telegramm-Adreffw Soziaidemotral Bertte". Morgen Ausgabe Derlinev VolKsblstt (ZBpksnnig) Anzeigenpreis: Die achtgespaltene Ronpareillezeile koste. Z.— M., Teuerungszuschlag S0',» «»leine Anzeigen", das lcli- gedruckte Wort l,— M. lZuläsflg zwe� settgedruckte Worte),>edes weitere Wort SV Pfg. Stellengesuche und Kchlafstellenanz eigen das erste War SS Pfg» jedes weitere Wort 40 Pso Worte über 15 Buchstaben zählen siu zwei Worte. Teuerunaszulchlag 50%. Familien-Anzeigen für Abonnenten Zeile 2,— M, politische und z«- wertschastliche Pereins■ Anzeigen S,— Ml. die Zeile ohne Aufschlag Anzeigen für die nächste Nummei müsien bis 6 Ahr nachmittags im Hauptgeschäft, Berlin TW 63, Linden- Brahe 3, abgegeben werden. Deöffne: von 3 Uhr srüh bis 5 Uhr abends. Zcntralorgan der rozialdcmokratirchen parte» Deutfchlands Nsöaktion und Expedition: Ew. dS, Lindenstr. 3. Fernsprecher: Amt Morinpla«, Nr. 1S1S7. Sonnabend, den Ä9. Mai 1VZV vorwärts-verlag G.m.b.H., SV). öS, Linöenstr. 3. Fernsprecher: Amt MorrNPlan, Nr. I.17ä:i— St. Der„Irontbunö" unö seine Verber. Es gehen uns weitere Mitteilungen Sber die Organisation beS „FrontbundeS" zu, der in Berlin augenscheinlich eine luftige Werbearbeit entfaltet. Sein» Berliner Zentrale ist vorlSufig im S'cstaurant Nuhland am Savignyplatz in Charlottenbnrg, dessien Inhaber mit den Bestrebungen des Bundes stark sympathisieren soll. Die Berbreitung der Flugblätter findet ebenfalls von Ehar- lottcnburg auS statt, und zwar vom Hause Snarezstr. 57, wo der Bruder des Hausverwalters die Ausgabe leitet. Außer der schwerindustrielleu Geldquelle kommen noch Spender aus den Reihen der Hamburger und Bremer Großkauf- leute. Auch das Unternehmen des Hauptmanns Schrmde ß.t Bölpke soll helfend einspringen. Ein Frennd unseres Blattes hatte Gelegenheit, mit dem schon erwähnten Werber, dem Sergeanten Stollberg, zu sprechen. Stoll- berg, der als Sergeant zur 4. Schwadron der Husaren in Münster gehörte, ist ein Angehöriger der Marinebrigade Ehr» Hardt. Sein Hauptquartier hat er in Paderborn in Lohmanns Hotel. Wep ihn dort unter seinem Namen sucht, findet ihn nicht; seine Briefe aber erreichen ihn. Er hält sich bei seiner Anwesenheit in Paderborn in demselben Hotel swahrschcinlich mit gefälschten Papieren) als Unteroffizier Max Brückner auf. Er ist vor dem 27. d. M. mit mehreren großen Paketen, die 12 ovst Flug- blättcr enthielten, in Berlin eingetroffen, die am Donnerstagnach- mittag in dem Restaurant Nuhland in Charlottenburg an Front- biindler verteilt wurden. Stollberg bestätigt rückhaltlos, baß die über ihn veröffentlichten Artikel vollkommen stimme»; die Regierung wird ganz bestimnit gestürzt werden, spätestens in der Zeit vom r\ b i s Ist. Juli. Tie Regierung würde sich vorher noch bittend an den Frontbund wenden, da nach der Ansicht der Drahtzieher des Frontbundes sie der Gefahr nicht trotzen könne. Nichtige und gefälschte, mit der Unterschrift deS Hauptmanns v. Pfeffer versehene Ausweise für alle möglichen Zwecke hat Stollberg in Hülle und Fülle bei sich, ebenso die anderen Werber und Kuriere. Man glaubt gar nicht, mit welcher Bereitwilligkeit von verschiedenen Führern von Reichswehrtruppcn- teilen, dir zur Führung eines Dienstsiegels berechtigt sind, die Frontbundmänner unterstützt werden. Stollberg, der sonst den Eindruck eines nicht sehr intelligenten Mannes macht, scheint ent- weder ein Schwätzer oder aber ein ganz gefährlicher Bursche zu sein. Er trägt zwei geladene Revolver und in allen Taschen Eier- Handgranaten bei sich, die er, wenn er sich genügend Alkohol zugc- führt hat, anch jedem zeigt, damit man nicht die Richtigkeit seinör Worte bezweifelt. Er rühmte sich, in Libau bereits einmal als Bizefcldwebcl zum Tode verurteilt z« sein, aber sich der Strafe durch Flucht entzogen z« haben. Auch sein Komplice, der Offizie-sstellvertrcter Esser, reist mit falschen Ausweisen in Deutschland herum. Um den Häschern zu entgehen, hat dieser sogar Ausweise der sozia- l i st i s ch e n Parteien bei sich, um, wie gesagt wurde,„nicht in eine Falle zu geraten". Neberhaupt miisien diese Leute sehr viel Geld verdienen, denn, wie sie selbst zugeben, wird ihnen allein ein Aufwandsgcld von 100 M. pro Tag und Kopf gezahlt. Der„Bertranensmann" des Frontbundes für Berlin ist der anch als Werber tätige Gefreite Arnold, der in der Gubener Str. 34 bei Mann wohnt. Die ganze Organisation des Bundes macht augenscheinlich den Eindruck beö Unfertigen und in der Hast Zusammengestöppelten. In einem der Flugblätter heißt es ganz treuherzig:„Seid unbe- sorgt. Programm und wirtschaftliche Machtstellung unseres Verbandes kommt ganz von selber, wen» nur Ubcrbaupt ein Zusammenschluß zwecks gegenseitiger gemeinsamer Hilfeleistung erfolgt." Man hofft also, sich ein Programm geben zu können, wenn man erst alle Soldaten in der Organisation, hat, die, wie nicht oft genug betont werden kann, von der Schwer- indnstrie finanziert wird. Um keinerlei Mißverständnis aufkommen zu lassen, sei aus- drücklich betont, daß gerade der Sozialdemokratie nichts ferner liegen kann, als eine wirtschaftliche Sicherheit der Reichstruppcn zu unter- binden. Ter Gedanke der Organisation ist uns zu sehr in Fleisch und Blut übergegangen, als daß wir ihn irgendeinem Berufe vor- enthalten möchten. Aber die Affäre Kapp-Ehrhardt und die Tat- fache, daß gerade Ehrhardt-Offiziere die Führer des neuen„Front- Hundes" sind, begründet jegliches Mißtranen. Wenn sich die Pfeffer und Genossen über„ehr- und charakterlose Zeitungs- berichtrrstattrr" entrüste», so müssen wir immer darauf verweisen, daß die Kappisten das letzte Vertrauen zu solchen„Bünden" unter- graben haben, und die gefälschten Urlaubs- usw. Zettel tragen nicht dazu bei, dieS Vertrauen zu bcgiindcn. Das Reichswehrministerium steht übrigens, wie es in der) Pressekonferenz am Freitag mitteilen ließ, auf dem Standpunkt, daß die Verfassung auch den Soldaten das Vereinsrecht gewähre. Deshalb könne gegen den„Frontbnnd" nicht eingeschritten werden. Später solle dem Reichstag ein Gesetz vorgelegt werden, das dieses Vereinsrecht einschränken soll. Es bestehen jedoch Zweifel, ob ein solches Gesetz eine Mehrheit findet. Hroße Kammerüebatte über tzpthe in Paris. Ein �Sozialist" als Scharfmacher.— Millerands Er- klärungen. Pari», 28. Mai. In der heutigen Kamnierschung begründete der dissidente Sozialist Paul A u b r i o t die Interpellation über die Festsetzung der von Deutschland zu zahlenden Wieder- gutmachung. Man müsse die Deutschen daran erinnern, daß sie eine Verpflichtung aus dem Friedensvertrag von Versailles hätten, die sie erfüllen mutzten. Ter Teil des Vertrages, der die Franzosen am meisten interessiere, betreffe die Wiedergutmachung. Wie immer auch die Gesamtsumme der deutschen Schuld sein möge und auf welche Weise man sie auch festsetzen werde, diese Aufgabe käme der Wiedergutmachungskommission zu. Tie Frage sei nun, ob die alliierten Regierungen berechtigt seien, sich, ohne die Parlamente zu befragen, an die Stelle des Wieder- gutmachungSausschusseS zu? setzen. Der Vertrag von Versailles sei für viele Deputierte das Minimum der Rechte Frankreichs gewesen. Wolle man also nun sich dem schrecklichen Abenteuer aussetzen und einen Teil dieser Rechte verlieren, indem man ein neues Minimum annehme? Der Anteil der Wiedergutmachung, der Frankreich zufalle, hätte vier- biS fünfmal großer sein müssen als derjenige, der England zugesprochen werde. Eine Politik der Großinn tgegenüber Teutschland werde ein- zig und allein auf Kosten Frankreichs gehen. Der Interpellant warnte deshalb und ersuchte die Regierung, der Armuts-Maskcrade Deutschlands zu mißtrauen. Er hoffe, datz die Regierung noch sagen könne, datz sie sich nicht verpflichtet und für Spa freie Hand habe. Der konservative Abgeordnete Baudry b'Asson per- suchte zu Beginn über die Interessen Frankreichs im Orient zu sprechen, wurde aber vom Mini st erpräsiden- ten unterbrochen, der erklärt«, datz die Regierung nicht in der Lage sei, irgend etwas über den türkischen Friedensvertrag zu sagen. Baudry schließt sich deshalb den Ausführungen Aubriots an und behauptete, datz Deutschland zahlen könne. Millerand erklärte, in den bisherigen Unterhandlungen sei noch keine Verpflichtung übernommen worden, die Alliierten gingen nach Spa als Fordernde, aber »ich t� als Verteidiger, mit vollkommen freien Händen, um Ausführung do» Friedensvertrages, aber nicht dessen Revision zu erzielen. Die Entwaffnung Deutschlands sei die erste Bedingung des Weltfriedens. Es wäre eine Ungerechtigkeit und ein Skandal, wenn die Urheber des Kriege? nicht die Schuld, die sie sich verpflichtet hätten zu zahlen, vollkommen entrichten'würden. iBeifall.) Selbst der Bankerott Deutschlands würde das französische Volk nicht davon befreien, den Opfern des Krieges diese Summen zu bezahlen. Elsatz-Lothringen und ganz Frankreich seien dafür Bürgen. Er habe sich bis jetzt niemals erlaubt, auch nur den Schatten einer Kritik gegen irgend- einen Urheber des Vertrages auszusprechen. Die letzten vier Monate, seitdem er sein schweres N m t ausführe, hätten ihn davon überzeugt, gegenüber welch ungeheueren Schwierigkeiten die Urheber des Vertrags sich befunden bcitten. E: nehme deshalb den Vertrag wie er sei. Nachdem er die Artikel über die Wiedergutmachung vevlesen hatte, sagte Millerand, er lege den größten Wert darauf, datz die W i e d e r g u t- machungskommission in Funktion bleibe, denn sie sei das Organ, das die Jnrisdiktion und die Verwaltung souverän bestimmen könne und über die Ausführung der Klauseln wachen müsse. Die Kommission müsse vollkommene Freiheit und ein« absolute Autonomie haben. Die Konimission habe am 12. Mai eine befriedigende Antwort in bezug auf die Bons, erbalten. die i Deutschland als Anerkennung seiner Schuld geben müsse. Diese Bons würden aber erst wertvoll an dem Tag, an dem man sie diskontieren könne. Das sei eine Tatsache, die mehrere fvanzö- : fische Freunde mit einer gewissen Lebhaftigkeit hervorgehoben bät- ten. datz es nämlich ein besonderes Interesse sei. sobald wie mög- lich den Betrag der deutschen Schuld zu finanzieren. Und deshalb habe man die Möglichkeit ins Auge gefaßt, schon jetzt den Betrag dieser Schuld festzusetzen, Die, die damit nicht übereinstimmten, behaupteten nun, damit käme man z-u einer Revision des Ver- tragS, die nur mit Zustimmung der Parlamente möglich sei. Dieser These trete er forniell entgegen. Durch!wn Vertrag sei bestimmt, daß die Wiedergutmachungskommission am 1. Mai 1921 diese Schuld festgesetzt baben müsse, aber nichts im V-ertrage verbiete, daß das jetzt schon geschehe. Er gebe zu, daß es gewisse Ungelcgenheiten habe, nicht bis zum nächsten Ma« zu warten, weil man dann wertvolle Aufklärungen hätte. Aber die Kunst eines Staatsmannes sei, zwischen den gretz'u UN- gelegenheiten zu wählen. Tie wirtschaftlichen Folgen des Krieges lasteten auf allen wirtschaftlichen Unternehmungen, namentlich aber auf denen Frankreichs. Dieser wirtschaftlichen Lage müsse «in Ende bereitet werben. Keine Ziffer sei festgehalten worden. putsch und Wahlen. Die neuen Putschvorbereitungen militärischer Despera- dos sind durch unsere Enthüllungen so offenkundig geworden. daß alles Ableugnen vergeblich ist. Durch rechtzeitige Auf- deckung der Pläne ist die Gefahr vermindert, nicht be- seitigt. Ihre Größe wird durch unsere Mitteilungen im gestrigen Abendblatt Über die Tagung des Natianalverban- des Deutscher Offiziere in ein Helles Licht gestellt. Leute, die sich aus Berechnung naiv stellen, mögen fragen, lvas denn weiter daran sei, wenn sich Offiziere zur Bekätnp- sung umstürzlerischer Umtriebe bereithielten. In Wirklich- keit wird der Umsturz nicht hirrtertriebeu, sondern du rchge- führt, wenn irgendwelche Bevölkernngskreiße sich die Frei- heit herausnehmen, ans eigenem Entschluß mit den Waffen in der Hand vorzugehen. Das ist aber hier der Fall. Die Bildung von Offizierskompagnien soll vollzogen werden, wenn„von einer amtlichen Stelle die Aufforderung dazu er- geht oder die Um st ände es geboten erscheinen lasse n." Wer ist die amtliche Stelle, deren Aufforderung abge- wartet werden soll? Ist es die verfassungsmäßige Regierung oder ist es irgendein Hanswurst, der sich Unter den Linden von einem Trompeter zum Reichskanzler ausrufen läßt? Man hat mit der Meinung darüber, was die Herren Offiziere für eine„amtliche Stelle" halten, so eigenartige Erfahrungen gemacht, daß sich diese Frage nicht unterdrücken läßt. Aber noch mehr, man will ja die Aufforderung der„amt- lichen Stelle" nicht einmal abwarten, fondern einfach mit der Bildung einer bewaffneten Macht vorgehen,„wenn die Um- stände es geboten erscheinen" lassen. Der Nationalverband Deutscher Offiziere oder die hinter ihm stehende Stelle maßt sich den wichtigsten Teil der Staatsgewalt an, wenn sie sich vermißt, selbständig eine Entscheidung darüber zu treffen, wann, wie, von wem und mit welchen Mitteln ein angeblich?'! Putschversuch von links niedergeschlagen werden soll. In einem geordneten Staatswesen führt die Obrigkeit das Schwert und niemand sonst. Wer in ihrem Auftrag Waffen trägt und sie nach ihren Befehlen gebraucht, ist ein Soldat. Wer aber Waffen trägt und braucht ohne den Auf- trag der Regierung— es fei denn zu Zwecken gesetzlich«r- laubter Notwehr— ist kein Soldat, sondern ein Bandit. Solange dieser Grundsatz nicht unser ganzes öffentliches Leben durchdringt, solange er nicht ganz besonders allen Offi- ziersköpfen eingepaukt ist, solange"werden wir zu einem ge- ordneten Staatsleben nicht gelangen,.ind die Republik wird von dem Pulverfaß, auf dem sie noch immer sitzt, nickt her- unterkommen. Ein Verein, der sich, wie der Nationalvcrbnnd Deutscher Offiziere, mit der Bildung bewaffneter Haut e n beschäftigt— das und. nichts anderes sind die geplanten Oifi- zierkompagnien— verstößt durch seine Tätigkeit gegen das Strafgesetz und muß dementsprechend belxindelt iverden. Daß dies nicht sofort geschehen ist, daß er vielmehr seine gesetzwidrigen Pläne verfalgen konnte, während„ein Herr aus dem Neichswehrministerium" seine Tagung verschönte, gehört jedenfalls zu dein Allerseltsamsten, was man in dieser seltsamen Zeit erlebt hat. ES zeigt sich, daß noch immer eine Offiziersorgani'ation besteht, die einen Staat im Staate bildet, die ihre eigene Po- litik verfolgt, ihren eigenen Knndschafterdieiist und ihre Lockspitzel hat. Es mag sein, daß ein Teil der politisch völlig unwissenden Offiziere sich gutgläubig einreden läßt, eine Putschgefabr von links sei in diesem Augenblick wirklich vorhanden. Es ist aber ebenso gewiß, daß die Drahtzieher der neuen Putschbeivegung den Vorwand der kommunistischen Gefahr zu ihren eigenen politischen Zwecken aufgebracht hoben und daß sie durch ihre Lockspitzel den ersehnten Auf- rühr nicht nur erfinden, sondern direkt herbeiführen lassen, wie der Fall Schröder-Mahnke gezeigt lwt. Daß sich die Rechtspresse.bis zu der blödsinnigen Lüge versteigt, die Sozialdemokraten planten einen gc- waltsamcn Angriff auf die Verfassung, läßt nur auf die Ao- ficht schließen, das»ächstemal auch unter den SoziaZdemokra- ten nach der berüchtigten Methode„Fluchtversuch" gründlich aufzuräumen. Heute haben sogar die Unabhängigen und die Kommu- nisten begriffen, daß jeder Versuch von Gewaltanwendung ein Verbrechen an der Arbeiterklasse wäre, und man braucht dem Unterrichteten nicht erst versickern, daß die Sozialdemo- kratie, die diese Erkenntnis zuerst gepredigt lmt, an politischem Einsichl hinter jenen beiden Gruppen nicht zurücksteht. Die früheren Putschisten von links haben offenbar der- standen, was dem Scharfblick der Rechtsputschisten anscheinend bisher entgangen ist. daß die gewaltsame Verhinderung der Wahlen kein verfassungsrechtliches Vakuum schaffen, sondern nur die Lebensdauer der N a t i o n a l v e r s a m rn- l» n g v e r l ä.n ge r n würde. Solang? d?r neue Reicks- tag nicht zusammentritt, bleibt die Nationalveriamnilung die entscheidende Körperschaft. Ein neuer Versuch, sie gewalt- sam unter Bruch der Reichsverfassung„aufzulösen", würde ebenso vergeblich bleiben, wie der erste, der von Kopp und Genossen unternommen wurde. Daß die d e u t s ch n a t! o n a l e und d e u t s ch- v o l k s- parteiliche Presse das Spiel der Militärputschistsn mitspielt und die Oeffentlichkeit in ihrem Sinne zu beein- flussen versucht, nimmt nach allem Vorhergegangenen nichl mehr Wunder. Dazu bedarf es nicht einmal eines besonderen G e h e i m v e r t r a g s, der bestehende genügt schon, um ein reibungsloses Hand-in-Hand-Arbeiten zu sichern. Den Organen aber, die dazu berufen sind, die republika- nische Staatsordnung zu schützen, sei wieder und wieder ge- sagt, daß man gegen die Treibereien, die sie bedrohen, mit Schwächlichkeit nicht durchkommt. Solange man die gewissen- losen Spieler nicht merken und fühlen läßt, daß die Autorität der demokratischen Republik durch den Willen des Volkes fest aufgerichtet steht, und daß ihre Gesetze dazu da sind, Um von jedermann beachtet zu Vierden, jolanae wird es nicht mög- lich sein, die innere Ruhe, die wir zum Wiederaufbau drin- gend brauchen, sicherzustellen. Möge das Volk am 6. Juni die Voraussetzungen schaffen für die unentbehrliche starke RegierungderDemokratie. Es liegt in der Hand des Volkes, durch eine gründliche Abrechnung mit allen Fein- den der Republik allen Putschgefahren ein für allemal das Lebenslicht auszublasen. paasches Ermordung. „Wie ein gehetztes Wild." Von einem genauen Kenner der persönlichen und ort- lichen Verhältnisse, der nach der Ermordung Paasches die Gegend bereist und alle in Betracht kommenden Personen gesprochen hat, wird der„Vossischen Zeitung" ein Bericht ge- geben, dem wir folgendes entnehmen: Danach kann eS keinem Zweifel unterliegen, daß der Akt militäeisAerscitS so vorgenommen worden ist, daß er eigentlich gar nicht ander? enden konnte, wie er geendet hat. Als HanS Paasche von dem Gendarmen in möglichst harmloser unauffälliger Weise von dem acht Minuten vom Wohnhaus entfernten See im Badeanzug herbeigeführt war, und nun etwa hundert Meter vor dem Hause plötzlich die Situation erkannte, war er seinen Ver- folgern bereits ausgeliefert. Der befehligende Offizier, dessen Name immer noch nicht ermittelt ist, hatte den strikten Befehl gegeben, jeden niederzuschießen, der laufend bzw. rennend auf dem Grundstück betroffen werde. Die aufgestellte Postenkette hatte HanS Paasche noch n i cht überschritten. Offenbar hatte er aber in diesem Moment die Tatsache, daß er von allen Seiten bedroht war, mit einem Blick erfaßt. Er sah Stahlhelme, sah auf sich gerichtete Gewehrläuse, und es soll der Ruf ausgestoßen worden sein:„Da ist er, schießen!" Und so hat der Verfolgte das getan, was gleichsam als Reflexbewegung jeder in solcher Loge Befindliche tun würde: er hat Deckung gesucht und ist, da er von allen Seiten die Posten sah, den Waldabhang her- untergesprungen, wo er einstweilen keinen Verfolger wähnte; nicht um zu fliehen, das wäre ja heller Wahnsinn gewesen, sondern um vor den Kugeln sicher zu sein. Er hatte sich getäuscht; denn ge- rade an der Stelle, auf die er heruntersprang, standen auch Posten, die er in den kurzen Sekunden nicht gesehen hatte. Es war e i n gehetztes Wild', das Rettung vor seinen Jägern sucht. Alles das ist durch das Zeugnis des Hausperfonals und der Hausdame unschwer zu erweisen. Als das Hauspersonsl die Umstellung des Hauses und das große militärische Aufgebot bemerkte, wollte es Paasche am See benachrichtigen. Die Leute wurden aber schwer bedroht, wenn sie es wagen würden, dir Postenkette zu über- schreiten. Der Einsender stellt weiter fest, daß zurzeit der Ermor- irnng der Belagerungszustand bereits aufgehoben, das ganze militärisch� Aufgebot daher ungesetzlich war.(Im übrigen muß jetzt selbst der„Lokalanzeiger" feststellen, daß' gegen Paasch? ein Hastbefehl gar nicht vorlag, also von „Fluchtversuch" keine Rede sein kann.) Ueber die Inszenierung der ganzen Hetzjagd auf Paasche schreibt der Gewährsmann der„Vossischen Zeitung" fol- gendes: Es wurde gegen Hans Paasche, dessen„Aktion", wie sich her- ausgestellt hat, eine rein pazifistische und an ti militaristische, aber im Grund durchaus unpolitische war, und gegen den nicht das ge- vingste Material vorlag und heute vorliegt, bei dem auch nicht das mindeste Belastende vorgefunden wurde, ein richtiges großes mili- tärisches Gefecht mit allen dazu gehörigen Maßnahmen inszeniert, um dadurch auch die Teilnehmer, die Soldaten, in die richtige „S t i m m u n g" zu versetzen und auf die ungeheure„G e s ä h r- l i ch k e i t" des zu jagenden Wildes hinzuweisen. Das n ä ch t- liche Heranschleichen der Truppenmacht, das A b s ch n e i- den der Telephone bei den umliegenden Dörfern, das ja natürlich völlig sinnlos war und nur die Wichtigkeit des Vorhabens unterstreichen sollte, die Mitführung eines Maschinengewehres, die ganze Ausrüstung der Mannschaften, das alles wäre ja nur grotesk komisch, wenn es nicht so fürchtcr- lich wäre. Wann wird die Oeffentlicbkeit endlich die Namen derer erfahren, die für das ganze Vorgehen verantwortlich sind? Nache-Schutz in Giüenburg. Ersetzung verfassungstreuer Truppen durch Kappisten. Oldenburg, 28. Mai.(Eig. Drahtbericht des„Vorwärts".) Das Oldenourger Reichswehr-Regimenr Nr. 110, das sich bei dem Kapp- Putich sofort auf den Boden der Verfassung stellte und gemeinsani mir der hiesigen Bevölkerung für Ruhe und Ordnung sorgte, soll von Oldenburg nach Celle verlegt werden. Da- für ist gestern»acht das Schützenregiment 207, das sog. Freikorps Schulz, in Oldenburg eingerückt. Die gesamte Bevölkerung, be- sonders die Arbeiterschaft ist a u f s äußerste erregt über den Einmarsch dieser Truppen. Die sozialdemokratische Parteileitung und der Landesarbciterrat haben durch Telegramm an den Reichs- wehrmintster und den Reichspräsidenten E b e r t die sofortige Zurückziehung dieser Truppen gefordert, da dem Freikorps Schulz ein sehr zweifelhafter Ras vorausgeht. Das Freikorps ist aus dem Ruhrgebiet hier eingerückt. Sein Verbleiben würde in Oldenburg den G e n e r a l st r e i k zur Folge haben. Aufreizung zum Ungehorsam. Wie der„Landbund" Kappisten schützt. Au? der Neumark wird uns geschrieben: Gegen den Landrat Scheck, des Kreises Friedeberg(Nenmarr) ist beim Unier- suchungsausschuß ein Verfahren wegen seines herausfordernden VeriSaltens in den Kopp-Tagen anhängig. Landrat Scheck hat bc- reits einen vierzehntägigen Urlaub angetreten, und es ist zu er- warten, daß das Verfahren mit seiner völligen Absetzung enden wird, da sehr belastendes Material gegen ihn vorliegt. Nun aber ist Herrn Scheck ein Schützer erstanden, der L a n d b u n d. Die „Driesener Zeitung"(Nr. 122) berichtet über eine Versammlung des Kreisverbandes Friedcberg des Brandenbur- zischen Landbundes, die am DienStag vor acht Tagen in Friede borg stattfand, um zu der zu erwartenden Absetzung des Landrats Scheck Stellung zu nehmen. Der Bericht sagt wörtlich: Die versammelten Abgesandten aller Gemeinden waren ein- stimmig der. Ansicht, daß man dieser Herausforderung der land- wirtschaftlichen Bevölkerung seitens der jetzigen Partciregierung unter allen llmstitndcn entgegentreten müsse. Ties solle sich die Regierung gesagt sein lassen, wenn sie wirklich ihre Absicht nuS. führen und Landrat Scheck absetzen würde. Die Amts-, G e- m e i n d e- und Gutsvorsteher des Kreises Friedeberg wür- den, wie die des Kreises Wcstprignitz, einfach den neuen Landrat nicht anerkennen, infolgedessen jeglichen amtlichen Schriftverkehr mit ihm und die Ausführung seiner Verfügungen �ablehnen. An dieser Erklärung ist ein Doppeltes interessant: Einmal, daß der Landbund ganz offen Kappisten deckt und sodann, daß er zu diesem Zweck auch vor der strafbaren Aufreizung zum Ungehorsam und zur Verletzung der Beamten- pflichten nicht zurückschreckt. Was meint der Herr Staatsanwalt zu diesem Vorgehen? Kein vereinigungsrecht für Se?ufsfo!öaten5 Eine zweischneidige Maßnahme. Wie ein Spätabendblait meldet, planen„maßgebende Stellen" eine Einschränkung des Vereinigungsrechtes für Berufssoldaten, und zwar soll die Gründung des„Front- b u n d e s" die Ursache hierzu sein. Wir stehen dieser Maßregel äußerst skeptisch gegenüber. Der Frontbund läßt sich schon jetzt auf Grund einfacher straf- gesetzlicher Bestimmungen verbieten, da er verbrecherischer Ziele verdächtig ist, wie Meuterei, Hochverrat uiw. Eine Einschränkung des Vereinigungsrechtes der Berusssoldaten aber würde sicher nicht ein Vorgehen gegen den Fronlbund zur Folge haben, sondern in erster Linie dazu dienen, die treu auf dem Boden der Verfassung stehenden Organisationen, wie den Reichs- wirtschaftsverband deutscher Berufssoldaten, den Republikanischen Führerbund, die Osfiziersvereinigung der Republik usw. r e st l o s aus der Reichswehr auszurotten. Dabei gestatten wir uns eine Anfrage. Wenn nach Ansicht der maßgebenden Stellen heute keine rechtliche Möglichkeit besieht, gegen den Fronlbund einzuschreiten, wie kouiitc rS da geschehen, daß bei unzähligen Truppenteilen die Mitglicdschast bei dem Republilanischen Führerbundc verboten wurde? Für eine Beantwortung dieser Frage wären-wir dem Reichs- w e h r in i n i st e r i u m außerordentlich dankbar. Preissturz unö GemeinKewirtschast. Eine Resolution des frankfurter Gewerkschaftskartells. Frankfurt a. M.. 28. Mai.(Eigener Drahtbericht des„Vor- wärts".) Ter Preissturz in allen Waren hält unvermindert an. Bohnen, die vor einer Woche noch 4 M das Pfund kosteten, sind heute schon für 1,85 M. erhältlich. Dem Frankfurter Konsum- verein wurden, wie Direktor Gen. Liebmcmn im Gewerkschafts- kartell ausführte, größere Mengen Schmalz mit 10 M. das Pfund angeboten. Fische, die am Mittwoch noch 3,70 M. das Pfund im Kleinhandel kosteten, wurden mit 2,50 M. angeboten. Auch die Preise für Stiefel haben eine nicht unbeträchtliche Senkung erfahren. Kritisch für die Kommunen wird nun aber die Lage auf dem Fettmarkt. Die Städte haben ihre Fett- und Margarinclager mit großen Warenmengen gefüllt; die Preise jedoch, die für Margarine und Fett beim Einkauf bezahlt wurden, sind heute teilweise 30— 40 Proz. unter den Einkaufspreis zurück- gegangen. Mit einem schnellen Absatz der Fette durch die Stadt- Verwaltungen kann bei diesen Preisstürzen, die sich förmlich über- bieten, nicht mehr gerechnet werden. Es wird gegenwärtig an den maßgebenden Stellen die sofortige Freigabe des Fett- und Mar- garinehandels erwogen. Gleichlaufend mit dem Preissturz ist eine beträchtliche Kaufunlust. die lähmend auf den ganzen Handel wirkt. Tie rationierten Lebensmittel werden kaum noch abge- nommen. Der' Schleichhandel, der besonders im Frankfurter Wirtschaftsgebiet seine üppigsten Blüten trieb, ist so gut wie tot im Augenblick wenigstens, da das Publikum jede Gelegenheit zum Kauf strikt ablehnt. Das Gewerkschaftskartell nahm �rm Donnerstag abend eine Entschließung an, in der es heißt: Das Kartell kommt nach eingehender Aussprache zu dem dringen» den Verlangen, daß Reich und Städte enWich den Preis» i abbau beginnen, statt ihn zu behindern. Zu dieser Forderung kommt es trotz der Klarheit darüber, daß ein derartiger schritt 1 oen ohnehin überlastenden Gemeinden sehr schwere N-ulasten bringt, cS glaubt aber, daß diese Neulasten auch vom Standpunkt | der Gemeinde aus getragen werden müssen und können, weil diese Verluste Ersparnisse auf der anderen Seite ermöglichen und weil ohne Preisabbau schlimmste Störungen des Wirtschaftsleben» drohen. Das Gewerkschaftskartcll beantragt den Kartellvorstand, vom Magistrat Frankfurt a. M. zu verlangen, unverzüglich beim Reich und dem zurzeit hier tagenden Nassauischen Städtetag auf einen sofortigen Abbau der Preise zu dringen und selbst mit gutem Beispiel voranzugehen. Anmeldung von AuSlandsforderungen. Der Dermin ist vom 1. Juni bis zum 30. Juni verlängert worden. Das Erbe des Großherzogs. Von Walter Teich. Seine königliche Hoheit der Herr Großherzog Wilhelm Ernst von Sachsen-Weimar hat geerbt. Großhprzöge erben immer. Er erbte ganz nebenbei auch ein Archiv. Dieses Archiv ist laut der Stiftungsurkunde der Großherzogin Sophie„unveräußerliches Fa. milieneigenhim des großherzoglichcn, Hauses Sachsen-Weimar". Es heißt: Goethe- und Schiller-Archiv. Ein Mffarbeiter der.�Schlesischen Zeitung" meint:„Der letzte regierende Groß- herzog von Sachsen-Weimar hat gegenüber den Bestrebungen der Goethe-Gesellschaft nicht ganz jene Teilnahm« gezeigt, wie seine Vorfahren." In Wahrheit hat seine königliche Hoheit außer durch fem Erbe nämlich keinerlei Beziehungen zu Goethe und Schiller. Wenn' aber seine königliche Hoheit gestorben ist, wird man ihn neben Goethe beisetzen müssen, damit sein Name nicht vergessen wird. Man hätte Großherzog Wilhelm Ernst längst verßeffen, wenn eben das Archiv nicht wäre. Das Goethe-Schiller-Archiv war uns immer etwas. Wir bekennen uns zu jenem Geist, der ringt und sich losreißt und frei emporschwebt. Wir überschätzen den in Ar- chive gepreßten Geist nicht.. Wir freuen uns aoer über alle Doku- menie Goctheschen und Schillerschen Geistes. Deshalb wollen wir das Goethe- und Schiller-Archiv denen erhalten wissen, zu denen die Dichter sprechen: dem Volk und der Menschheit. Prof. Friedrich Lienhard, den der Artikelschreiber dec „Schlesischen Zeitung" einen„geschätzten nationalen Dichter" nennt, will das Archiv auch dem Volk erhalten wissen. Er will mit Hilfe des Goethebundes zu einer Einigung in der Archivfrage mit dem Grohherzog. kommen, der immer noch das formale Rech: hat, das Archiv aus Weimar zu entfernen. Also: der Großherzag bleibt Eigentümer des Archivs. Aber: er soll es der Goethe-Ge- sellschaft zur Verfügung stellen. Außerdem soll er die Weimarer Kunststätten unterstützen. Dafür erhält er: Ehrenvvvsitz der Goethe-Gesellschaft, Ehrentage im Nationaltheater, Erlaubnis, se'.t Weimarer Schloß wieder bewohnen zu dürfen. Lienhards Vorschlag bedeutete die Weimarer bekommen ihren Großherzog wieder. Die Weimarer haben kürzlich gegen die mo- derne Richtung im Direktorium des staatlichen Bauhauses pro- testiert. Die Weimarer sind Idealisten. Sie glauben, daß die alten Zeiten wiederkehren. Vielleicht mit Hilfe von Handgranaren und Maschinengewehren. Vielleicht aber auch auf dem Umwege über die Kunst. Man erklärt öffetitlich, daß es eben ohne die Fürsten nicht mehr ginge. Sie müssen wieder-die Hoftheaier unter- stützen und ihre alte Residenz bewohnen. Sie machen in Kunst, sie betreiben Kunst-Pslitik und schließlich Po!rtik-,Funst". Sie schie- ben und werden geschoben und dann—(Siehe Kapp-Lütiwitz.) In Deutschland haben die Toten mehr Macht als die Lebenden. Die Großherzogin Sophie ist schon lange tot. Sie schrieb ihr Testa- ment zu einer Zeit, da unter den Regierenden noch Kunstverstä.'- dige waren. Es ist fraglich, ob sie heute noch ihr Testament auf- -echt'erhalten würde. Aber daS Gesetz und die Behörden tun eS. Tun es auch dann, wenn die Lohenden dadurch geschädigt.wexderu Man soll die Toten ehren! Schön. Aber wollen wir unS unseren Weg vorschreiben lassen von einem Sarg, der lange vermodert ist oder von einem Geist, der ewig über allen Sternen kreist? Umgestaltung des Theaterbctricbes. Die Klagen über die Un° zulänglichkeiten des Theaterbetriebes von heute sind allgemein. Die Theater erfordern Riesenzuschüsse der Städte und der Länder, und trotzdem werden sie immer mehr Luxusbetriebe und bedeuten kulturell unter dem Einfluß gewandter Menager auch künstlerisch immer weniger. Paul Belker, der diesem Problem in all seiner Kcnn- pliziertheit in der„Fvankf. Ztg." nachgeht(Nr. 384), weist mit der Einsicht des Berufenen auf Wege hin, die zur Besserung führen können. Zunächst:„Auf diese Art geht es nicht weiter. Mau kann nicht wirtschaftlich reformieren und sozial im alten Stil weiterarbeiten. Man darf sich auch nicht einbilden, einige Votksvorstellungen seien das rechte Mittel, die soziale Ungerechtig- kcit des Gesamtbetriebes auszugleichen und zu rechtfertigen.... Es ist nötig wirtschaftliche und soziale Struktur in einem um zu- gestalten, eines im Hinblick auf das andere innerlich aus dem Be- wußtsein des kulturellen Zieles zu erneuern." Als praktische Matznahmen schlägt Belker die Beseitigung des bisherigen Verkaufs- und AbonnementSsystems und seine Er. sctzung durch Theatergemeinden vor. Einheitspreise(mit Ausnahme allenfalls der Stehplätze) sollen für alle Plätze gelten und jede Bevorrcchtung ausschließen. Die Plätze sind am besten durck Verlosung zu verteilen. Einzelnen Organisationen soll die Möglichkeit gegeben werden, Karten in größerer Zahl zu be- stellen; im übrigen wird sich die Theatergemeinde aus sich heraus vilden oift all denen, die den Drang zum Theater fühlen. Der Spielplan brauchte dann nicht bunt zu wechseln, es könnten Sevienvorstcllung.'n ciutreien. Auf fester finanzieller Basis, kann ihnen oorbchalNo? das zu geben, was zu fordern sie berechtigt sind, sie aber rücksichtslos von allem auszuschließen, wozu ihre fach- kichen Kompetenzen nicht ausreichen." Von dieser sozialen und kulturellen Umgestaltung aus wird da? wirtschaftliche Problem zu lösen sein: die Allgemeinheit wird die Zuschüsse leisten(das Kulturthcater kostet Geld), aber für ihre eigenen Interessen.„Ter Spekulation, dem Amüsementsbedürfnis und dem snobiSmu» verbleiben die Privaibühnen. Staatliche und städtische Theater aber gehören der Allgemeinheit, die nicht nur für sie steuern, sondern sie auch mit Bewußtsein als die ihrigen er. kennen will." Die Porschläge Belkers werden in Berlin, der Stadt der großen Volksbühnenbewegung, besonderes Interesse finden.— Die Volksbühne ist ja die organisierte Theatergemcmde. Mit dem Flugzeuge zum Südpol heißt die Losung eines eng. lischen Unternehmens, das im Juni Europa verlassen wird. Im Dezember 1980 soll von der Bah os ffitjalcs am Raade teg A-ß, Barriere-Eises bei günstiger Witterung der Flug nach dem Sud- pol versucht werden. Das Flugzeug kann nach den Angaben von Prof. Baschik im„Luftweg" drei Personen, einen Schlitten, Pro, viant für einen Monat und«ine photographische Ausrüstung tragen, Tie Entfernung bis zum Südpol beträgt 1300 Kilometer. Etwa in 85 Grad südlicher Breite soll eine Zwischenstat'on errichtet wer- den, wo der überflüssige Benzinvorrat deponiert wird. Von diesem Depo:platz dürste der OOO Kilometer entfernte Südpol in uuunter- brochener Fahrt erreicht werden können. Das Flugzeug legt in einem Tage dieselbe Entfernung zurück, zu deren Bewältigung man mit Hundeschlitten 53 Tage gebraucht. Die Einrichtungen des Flugzeuges müssen das Fliegen in stürmisch bewegter, von Schnee- treiben erfüllter Luft bei Temperaturen von 30 bis 40 Grad Kälte ermöglichen. Besondere Schwierigkeiten wird die richtige Orien- tierung bei bewölktem Himmel oder Nebet bereiten, weil die Nicht- kraft der Magnetnadel nachläßt, so daß die Kompasse eine fünfmal größere Empfindlichkeit aufweisen müssen als bei uns. Da die vereisten Berge am Südpol in ihren höchsten Äuppen bis 4500 Meter und vielleicht nock) höher emporsteigen, muß der Flieger bei un- sichtigem Wetter bis 5000 Meter aufsteigen. Das Schicksal des Professors Pawlow. Der berühmte PeterS. burger Physiologe Pawlow, der äußerst wertvolle Untersuchungen über den Einfluß der Sinncseindrücke auf die Sekretion der Per- dauungSorgane angestellt hat, sollte während deS Krieges gestorben sein. Es lag aber eine Verwechslung mit einem gleichnamigen Chirurgen vor. Wie die„Umschau" jetzt berichtet, wurde in der „Science" ein Brief aus Südrußland veröffentlicht, wonach Prof. Pawlow im August noch in Petersburg lebte. Er bat seine Freunde in Kiew, ihm Lebensmittel zu senden, da er am Verhungern sei. Am Schluß deS Briefes schreibt er:„Statt Wissenschaft zu treiben, bin ich eifrig am Schälen von Kartoffeln." Seit Januar 1920 ist nicht» mehr über Pawlow bekannt geworden. Es wäre Icicbt, Kapital gegen die Bolschewisten aus diesen Nachrichten zu'chlagen. Aber ist das Verbrechen der von der Entente beherrschten Welt nicht wahrhaft ungeheuerlich, das ganz Petersburg und damit auch einen berühmten Mann der Wissen- schaft dem Hunger preisgibt?__ Das erste städtische Zioltskonzert des Pvilbarmonischei» Orchesters unter Leitung oon Richard Hagel findet am Monmg. 31 Mai in der Brauerei Happoldt. Hasenheid« 32—33. statt. Doroertmis in der Zentralstelle für Bolkswohlkahrt. Augsburger Str. 31. in der Bertlner Ge- wcrlschaitskomminwn, im Zigarrcngcjchäjl von Horsch und im Konzertsaal. Emtvitispms IM. t£>0?®ktere deutsche Kunst, das in dem Neubau aus der Museumsmsel einen Flügel einnehmen wird, hat e.ne erste grotze Schenkung erbauen. Dr. James Simon hat den staatliche« Museen seine �angleiche Sammlung-mi Skulpturen,»orzüglich deutsche und nieder- kvobislhe Arbeiten der �patzeit und Renaissance, geschenkt. Die wichtigsten gestcV Zurzeit im Erdgeschotz des Kaiser- Frtedrich-Museums aus» Gerstung. Pfarrer in Osmannftedt, wurde von der philosophischen Fakultat der Unioersiiät Jena wegen ietner gros« Ber- di-nfte um die Erjorjchuug des Leben» der Biene» zum Eyreiwottor«- !Tc. 271» 37. Jahrgang Heilage öes vorwärts SonnabenS, 2�. Mai 192� GeoßSerlm Wahlpropaganöa für ök Summen. Tas alte Schiff. Horrido— horrido— Wellenberge. Tie See tobt schrecklich und schmeih! das arme Schiff hin und her. Die Taue sind gekappt ua» die Segelfctzen flattern an den Raaen. Horrido— horrido— da hilft kein Schreien. Das arme Schiff treibt rettungslos auf den Felsen vor ihm. wo es zerschellen muß, weil Schiffe, die aus Felsen laufen, immer zerschellen. Also, da ist diesmal ein Plakat der Deutschnationalen.(Die Reaktion bat was los mit ihren Schiffs-, Leuchtturm- und branoen- den Seeplakaten.) Das alte klapprige Schiff soll Teutschland dar- stehen, nachdem es die feudale Cligue bis zum Wrack hinunter- gewirtschaftet hat Und der Felsen ist rot. Er könnte auch blau oder grün sein; aber ein roter Felsen ist eben ein sozialdemo- kratischer Felsen, das paßt so und das begreift jeder. Nun schliddert das arme Schiff„Deutschland" so in sein Elend. Das heißt, es würde schliddern, wenn wir nicht so, der Himmel sei gepriesen!) eine Deutschnationale Volkspartei hätten, wo bekannt- lich in Not und Tod immer letzter Rettungsanker gewesen ist. Die Deutschnationale Volkspartei, wo der gute Kaiser Wilhelm im Herzen ein gutes Plätzchen hat und noch so viele andere Leute um Kappen rum. Doch das Plakat ist alt und überholt, denn der alte Schiffs- kästen Deutschland, den es darstellt, ist an seinen eigenen Unmög- lichkeiten zusammengebrochen. Für das neue Deutschland steht wohl auch ein Felsen im Hintergrund, den es mit günstigem Wind umschiffen wird. Aber der ist schwarz und heißt deutschnatio- nale, volksparteilich frisierte Reaktion. Das Sprüchlein. An den Zäunen der beträchtlich ms Breite gehenden Holzplätze im Norden der Stadt klebt die bekannte Leuchtturmrcklame der Deutschen Volkspartei. In tausend Meter Front prangen Dutzende von Reproduktionen des auf Handtellergröße verkleinerten Symbols. Lichtbringer wollen sie sein, die ,.Volks"parteiler.. Blender find's, nichts weiter! lind damit es auch der Blinde fühlt, wie wenig diese Leutchen mit Demokratie, mit Volksherr- schaff zu tun haben wollen, hefteten sie neben jeden der kleinen Leuchttürme einen zweiten Zettel. Ein Sprüchlein steht darauf, das einem bekannt vorkommt, bekannt vom neunzehnten Januar... Große Worte, kleine Taten, wer das will, wählt Demokraten. Zuerst ärgerte ich mich über das Ding. So eine Frechheit, die weise Vorsicht unserer Minister zu notorischer Schwache zu stempeln!— Dann aber dachte ich nach: Was tun denn diese . Vslks'parteiler? Sie warnen vor Demokraten! Sie warnen davor, wirkliche Volksvertreter zu wählen...! Tann sind sie doch antidemokratisch, ja. geradezu volksfeindlich!! Und das sagen sie noch, die Dummköpfe? Dann verfolgte ich ihr Sündeirr egister rückwärts von StinneS zu Kapp-Lüttwitz, von dem Pazifistenmord zu den Erzberger- attentatcn, vom Totschicßerlaß zu Helfferich, dem flotten Ord- mingsstrafenzahler, von der Inschutznahme der Kriegsgerichte bis zum Zeitungs- und Meinungskauf, von der Handgranateuzeufur bis zur Annexion belgischer Industrieanlagen und schlimmere» % Dingen... da unwillkürlich formte sich auch mir ein Spruch, daß " er sich dem ersten kampfesfroh geselle: „Dunkle Taten, falsche Worte, .„Volks"pairtei heißt diese Sorte"."... Ter Althändler. Die Teutschnationale Volksparter betreibt jetzt neben anderen Kuriositäten eine eigenartige Wahlpropaganda, wozu allerding? eine nicht geringe Ausdauer gehört. Scheinbar besteht bei der Zentrale ihrer Wahlpropaganda eine Abteilung, die sich besonders mit dem Itudium des Inseratenteils der Berliner Tageszeitungen belaßt Nachdem daS Adreßbuch Aufschluß über die Persönlichkeit des Betreffenden, der inseriert, gegeben bat und er für eine Be- arbeitung in deutschnationalem Sinne in Frage kommt, begibt sich ein Propagandist in die Wohnung der Privatleute, die Möbel, Kleidungsstücke usw. zu verkaufen haben. Dieser HcilSbote spiegelt ein lebhaftes Interesse für die zu verkaufenden Gegenstände vor und erklärt den Verkäufern, daß die Gegenstände einen bedeutend höheren Wert darstellen, als der geforderte Preis beträgt. Er er- klärt dann, mit irgendeinem seiner Verwandten Rücksprache zwecks Kaufs nehmen zu müssen. Dadurch ebnet er sich den Weg und be- Wähler! Wählerinnen! Besucht die Geffentl. Wählerversammlungen am Sonntag, den 30. Mai 1920, vormittags 10 Uhr: Patzenhofer Brauerei, Turm-, Ecke Stromstrahe. Pharussäle, Müllerstr. 142. Brauerei Königstadt, Schönhauser Allee 10/11. Schulaula, Grünthaler Strohe 5. Patzenhofer Brauerei, Fidicinstr. 2/3. (yetverkschaftshaus, Engelufer 13. Böhmisches Brauhaus, Landsberger Allee 11/18. Konkordia, Andreasstr. 64. Lehrervereinshaus, Alexanderstr. 41. Tagesordnung in allen Versammlungen: Jit MSlWMW W dieSNlMMkl«" Referenten: Bohm-Schnch, R. Fischer, Heinig, Heimann, Hetzschold, Dittmer, Koblenzer, Niedger, Schlegel, Toden- Hägen, Ritter, Wachenheim. * Ferner am Sonntag: Bcena». Oeffentliche Volksversammlung, nachmittags",2 Uhr, im Elysium. Tagesordnung:„Die wirtschaftliche Lage Deutsch- lands. Warum müssen wir sozialdemokratisch wählen." Refc- rent: Reichswirtschaffsminister a. D. Genosse Rudolf Wissel!. Eggersdorf kRiederbaniim). Oeffentliche Volksversammlung im „Lindenbof", nachmittags 4 Uhr. Tagesordnung:„Die Reichs- tagSwahlen und die Sozialdemokratie". Referent: Dr. Hifserich. ginnt mit der Propaganda. Zuerst schildert er die vergangenen herrlichen Zeiten in den schönsten Farben und drückt dem nicht selten erstaunten Privatmann mehrere Flugblätter und Beitritts- formulare zur Deutschnationalen Volkspartei in die Hand mit dem Ersuchen, für die Verteilung in der Bekanntschaft zu sorgen, damit wir durch die dcutfchnationale Vaterlandsliebe besseren Zeiten ent- gegengcführt werden. • Wer in Erinnerung an die verbrecherische Schuld dieser ganzen Gesellschaft ihren krampfhasten Anstrengungen mehr als ein Lächeln schenkt.... Wer ist der Tumme? 24 Stadtbahnzüge in der Stunde. In Anbetracht der außergewöhnlich starken Abwanderung der Fahrgäste der Straßenbahnen auf die Stadtbahn ist noch in letzter Stunde vor der Einführung des Sommersahiplancs im Eiienbahndirekiionsbezirk Berlin eine wichtige Aendernng des Stadlbahnsahrplans vorgenommen worden. In den Hauptverkebrs- stunden, das beißt in der Zeit von 6.43 bis etwa 3.30 vorm. werden zur Bewältigung des außerordeutlichen Andranges auf der Stadtbahn nicht weniger alö 24 Züge in der Stunde ver- kehren; damit ist die Leistungsgrenze der Stadtbahn erreicht. Auch vor dem Kriege war eine Zugfolge von L'/i Minuten die äußerste Grenze. In der Richtung Schlesischer Bhf.— Charlottenburg werden die Verstärkungszllge der Erkner Strecke, die bisher aus dem Schlesischen Bahnhof endeten und die Lichtenberyer strecke nach Cbarlottenburg. Westend bezw. Grunewald durchgeführt, deren Gegenzüge in der Richtung Cbarlottenburg— Schlesischer Babnbof danu einige Zeit späcer wie der über die Stadtbahn lauten. Da sich der Stand der Zahl betriebsfähiger Lokomotiven gebessert hat, so ist die Durchiühiung dieser Maßregel gesichert: leider aber niangelt es an Wagen, doch soll, wie wir hören, diesem Mangel dadurch abgebolreu werden, daß Personenwagen des Fernverkehrs in die Stadlbahnzüge eingestellt werden. Als eine weitere Neuerung bringt der neue Fahrplan Aufenthalte auf den größeren Vor- ortsiationen der über die Stadtbahn gehenden Strecken von einer Minute zum erleichterten Personenwechsel. -\ Tie Arbeiter-Samariter am Wahltage. Am Tage der Reichstagswahl, sowie der Stadtverordnetenwahl in Groß- Berlin werden die Arbeiter- Samariter eine Reibe von Samariter- S t a t i o n e n einrichten. Kranken, Greisen, Kriegs- beschädigten, sowie schwangeren Frauen soll die Möglichkeit zur Stimmabgabe gegeben resp. erleichtert werden, indem diese von den noch bekanntzugebenden Stationen je nach Wunsch w e i b- liche oder männliche. Samariter anfordern. Von diesen werden dann die betreffenden Wahlberechtigten z u m W a h l- lokal geleitet, oder, falls erforderlich, transportiert und deren vorzugsweise Abfertigung erzielt. Da die Anzahl zur Verfügung siebenden Transportgeräte beschränkt ist, ist die vor- berige Bestellung von Transporten an die Geschäftsstelle E. Doß, W. 57, Dennewitzstraße 8, zur Vermeidung von Störungen dringend erwünscht. Bemerkt sei, daß sämtliche Dienstleistungen der Samariter kostenlos geschehen. • Wahlscheine für Kriegsverletzte. Einen Wahlschein erhält nach der Reichswahlordnung auch ein eingetragener Wähler, der inkolae eines körperlichen Leidens oder Gebrechens in seiner Bewegunas- iähigkeit behindert ist. Er kann damit seine Stimme in einem be- liebigen Wahlbezirk ohne Eintraaung in die dortige Wäblerliste oder Wahlk«tt?i abgeben. Diese Vergünstigung kommt nach einer Mitteilung des Reichsarbeitsministeriums auch den Kriegsversehrten zu, die in ihrer Bewegungsfähigkeit gehemmt sind. Zur Ausstellung des Wahlscheines ist die Gemeindebehörde des bis- herigen Wohnortes zuständig. Sie kann verlangen, daß der Grund zur Ausstellung des Wahlscheines glaubhaft gemacht wird._ Die Berschandelung der Löcknitz. Wohl keine Gegend in der Nähe Berlins, so schreibt man un?, ist von so romantischem Reiz, wie die Löcknitz und die daran an- schließenden Seen. Taufende von Ausfliiglern. Wanderern und Ruderern finden an ihren Ufern und in den nahen Wäldern Er- holung vom Alltagsleben. Diese Naturffeude wird den Berlinern jetzt auch genommen. Das schmale Wiesenland an der Löcknitz wird parzelliert, die einzelnen Grundstücke mit Stacheldrahr eingezäunr. Ein Besitzer hat bereits aus Baumstämmen seine Blockhütte errichtet und baut dort seinen Kohl. Die übliche Warnungstafel:„Das Betreten dieses Grundstückes ist verboten", verbietet dem Ruderer das Anlegen, und der Wanderer liegt hinterm Drahtverhau und träumt von dem nahen Gestade der lieblichen Löcknitz. ÄZir haben gewiß nichts gegen die Ansiedelung kleiner Besitzer in der Umgegend Berlins, aber muß das ausgerechnet in einer so reizvollen, dem allgemeinen Verkehr geradezu unenibehrlichen Gegend an den schmalen Usern der Löcknitz sein? Bietet das weite Hinterland dafür nicht bessere Gelegenbeil? Es erscheint uns hohe Zeit, diesem schändlichen Unfug durch Ein- greifen der Behörden sofort ein Halt zu gebieten. Bcamtendemoiistration im Berliner Rathaus. Gestern mittag fand im Berliner Rathaus eine kleine Demonstration von Unter- beamten statt. Es waren in der Hauptsache Bureauhilfskröste, die in einer Anzahl von etwa 200 Personen erschienen, um wäh- rend der Magistratssitzung sich sofort Gehör zu verschaffen. Sie wurden schließlich nach dem Sitzungssaal der Berliner Stadtver- ordnelenversamnilung geleitet, wo sie ihre Wünsche dem Stadtrat Weg« vortrugen. In der Hauptsache drehten diese Wünsche sich darum, möglichst iosort einen Beschluß des Magistrats herbeizu- führen, der eine Gehaltsregelung nach dem Beispiel von Cbar- lottenburg, im Anschluß an' die im Staate erfolgte Reform, unver- znglich in die Wege leitet. Die Demonstration verlief ohne jeden Zwischenfall, nachdem seitens des Stadtrats Wege eine wohl- wollende Prüfung in Aussicht gestellt worden war. 4!) Segen öer Eröe. Roman von Knut Hamsun. Als Olin« wieder einmal auf Sellanraa ankam, brachte sie eine andere Frau mit, und die beiden Frauen und Inger baffen nun einen guten Tag zusammen. Je mehr Menschen Inger um sich herumsitzen hatte, desto besser und desto schneller hantierte sie mit der Schere und nähte sie auf der Maschine: sie tat groß, schwang ihre Schere oder das Plätl- eisen. Das erinnerte sie an die Zeitffn der Anstalt, wo sie so viele gewesen waren. Inger verbarg durchaus nicht, wo sie ihre.Kunst und ihr Wissen her hatte, von Trondheim hatte sie's. Es war, als habe sie nicht aus gewöhnliche Weiie dort eine Strafe abgesessen, sondern als sei sie in der Lehre geioesen: Schneidern, Weben, Färben und Schreiben, in all dem hatte sie Unterricht in Trondheim gehabt. Von der An- statt redete sie mit einem gewissen Heimatgefähl. es lvaren io viele Leute da gewesen: Vorsteher und Aufsichtsbeamte und Wächter; als sie damals wieder heimgekommen war, sei es sebr einsam für sie gewesen, und es sei ihr überaus hart ge- fallen, sich von dem Gesellschaftsleben, an das sie nun gc- wohnt gewesen, zurückzuziehen. Sie tat sogar, als Hab? sie sich erkältet, weil sie in der rauhen Luft draußen gewesen war, ja. noch jahrelang nach ihrer Rückkehr sei es ihr nicht gut bekommen, in Wind und Wetter draußen zu sein. Zu der Arbeit außer dem Hause müßte sie eigentlich eine Magd haben.— ,Aa. aber Herrgott im Himmel," sagte Oline,„du mit deiner Gelehrsamkeit und mit deinem großen Haus, du müßtest doch eine Magd halten können!" Es war recht angenehm, auf Verständnis zu stoßen, und Inger widersprach Oline nicht. Sie rasselte mit ihrer Ma- schine, daß es dröhnte, und ließ den Ring an ihrem Finger funkeln. „Nun siehst du selbst," sagte Oline zu der andern Frau. „ist es nicht wahr, daß Inger einen goldenen Ring bekommen hat?"„Wollt ihr ihn sehen?" fragte Inger und zog ihn ab. Cffine griff danach, sie schien nicht ganz sicher zu sein und untersuchte den Ring wie ein Affe ein? Haselnuß, iah auch nach dem Stempel und sagte dann:„Ja. es ist. wie ich sagte. diese Inger mit all ihrem Reichtum und all ihren Mitteln." Die andere Frau nahm den Ring mit Ehrfurcht in die Hand und lächelte demütig.—„Du darfst ihn eine Weile anbehalten," sagte Inger.„Steck ihn nur an, er geht nicht entzwei!" Und Inger war freundlich und gutherzig. Sie erzählte von der Tomkirche in Trondheim und begann:„Ihr habt wohl die Tomkirche in Trondheim nicht gesehen? Nein, ihr seid ja nicht in Trondheim gewesen!" Diese Domkirche war gleichsam Ingers eigene Kirche; sie verteidigte sie, prahlte mit ihr, gab Höhe und Breite an, sie sei wie ein Märchen! Sieben Pfarrer predigten gleichzeitig in ihr und hörten doch nichts voneinander.„Dann habt ihr wohl den Brunnen des Heiligen Olaf auch nicht gesehen? Er liegt mitten in der Tomkirche auf der einen Seite, und dieser Brunnen ist grundlos. Als wir da hingingen, hatten wir einen Stein mitgenommen, und den ließen wir hineinfallen, aber er er- reichte den Grund nicht."—„Er erreichte den Grund nicht!" i flüsterten die Frauen und schüttelten die Köpfe.—„Aber außerdem sind noch tausend andere Dinge in der Domkirche!" rief Inger entzückt aus.„Da ist nun der silberne Schrein, das ist der Schrein von Sankt Olaf dem Heiligen, ihm gehört er. Aber die Marmorkirche, die eine kleine Kirche aus einem einzigen Marmorstein war, aber diese Kirche, die haben uns die Dänen im Krieg genommen..." Tie Frauen mußten ausbrechen. Oline zog Inger aus die Seite und mit sich in die Vorratskammer hinein, wo. wie sie wußte, die Käse lagen, sind machte die Tür hinter sich zu. 7�„Was willst du von mir?" fragte Inger.— Oline flüsterte:„Der Os-Anders wagt nicht mehr hierherzurom- wen."—„Ach so," sagte Inger.— ,/Fch Hab ihm gesagt, er solle es nur wagen, nach dem, was er dir angetan hat."— .Ja, ja," sagte Inger._„Aber er ist seither mehrere Male hier gewesen, und im übrigen kann er gerne kommen, icp fürchte mich nicht vor ihm!"—„Nein," sagte Oline,„aber ich weiß, was ich weiß, und wenn du eK willst, werde ich ihn anzeigen."—„So," sagte Inger,„nein, das ist nicht nötig." � Aber es war ihr nicht widerwärtig, daß Oline auf ihrer Seite stand; es kostete sie zwar einen kleinen Ziegenkäse, aber Oline bedankte sich großartig dafür.„Es ist, wie ich tage und immer gesagt habe. Inger besinnt sich nicht lange, wenn sie gibt, dann gebraucht sie beide Hände. Nein, du hast kein: Angst vor Os-Anders, aber ich Hab ihm nun verboten, dir je wieder unter die Augen zu kommen. Das war das mm- deste, was ich für dich tun konnte."— Da sagte Inger:„Was t kann es mir ausmachen, wenn er kommt, mir kann er nicht mehr sckwden."— Oline spitzte die Ohren:„So hast du ein Mittel dagegen erfahren?"— ,�jch bekomme keine Kinder mehr." sagte Inger. Da standen sie ja auf gleichem Fuß und hatten beide. gleich gute Trümpfe. Oline wußte ja, daß der Lappe Os- Anders vorgestern gestorben war... Warum sollte Inger keine Kinder mehr bekommen? Sie lebte nicht in Feindschaft mit ihrem Mann, sie waren nicht � wie Hund und Katze, weit entfernt! Alle beide hatten ihr:® Eigenheiten, aber sie stritten sich selten und nie lange, nach-� her war alles wieder gut. Ostmals konnte auch Inger wieder wie in den alten Taoen sein und im Stall und auf den Fel- dern große Arbeit leisten, es war, als ginge sie da in sich und bekomme gesunde Rückfälle. Dann sah Jsak seine Frau mit dankbaren Augen an, und wenn er zu denen gehört hätte, die sich gleich aussprechen, würde er wohl gesagt haben:„Was? Hm! Was machst du für einen Spaß!" oder etwas anderes Anerkennendes. Aber er schwieg zu lange, und sein Lob kam zu spät. Sie hätte über fünfzig Jähre alt sein und noch Kinder bekommen können, aber so wie sie aussah, sich drehte und wendete, war sie vielleicht nicht einmal vierzig. Alles hatte sie in der Anstalt gelernt— hatte sie wohl auch einige Kunst- griffe für ihre Person gelernt? Außerordentlich wohlüber- legt und wohlunterrichtet kehrte sie von dem Umgang mit den anderen Kindsmörderinnen heim, vielleicht hatte sie auch dies und jenes von den Herrn gehört, von den Aufsehern,. den Aerzten? Einmal erzählte sie Jsak. ein junger Medi- i ziner habe über ihr ganzes Verbrechen gesagt:„Warum sollte. man einen strafen, wenn man Kinder umbringt, ja sogar ge- sunde Kinder, sogar wohlgestaltete? Die sind doch nichts an- deres als Fleischklumpen."— Jsak erwiderte:„War er denn ein Untier?"—„Er!" rief Inger, und dann erzählte sie, wie gut er gegen sie gewesen sei, gegen sie, Inger, selbst, er gerade habe ja einen andern Arzt veranlaßt, ihren Mund zu i operieren und sie zu einem Menschen zu machen. Ja, setzt hatt«. sie nur eine Narbe/und sie war eine recht hübsch?� Frau geworden, groß, ohne Fettansatz, mit bräun- sicher Haut und dichtem Haarwuchs. Im Sommer ging sie' meist barfuß und hoch ausgeschürzt mit freimütigen Beinen. Jsak sah sie, wer sah sie nicht! (Forts, folgt.) Mr die Mehlzuteilung nach der Gesellenzahl. Eine vom Bäckerverband einberufene, sehr stark besuchte Versammlung beschäftigte sich gestern mit der Frage, o b d i e Mehlkontingentierung aufgehoben werden soll. H e tz s ch o l d führte in seinem Referat auS, daß es bei KriegS- schluß darauf ankam. Arbeit für die zurückkehrenden Gehilfen zu schaffen. Groß-BcrlinS Bäckereien beschäftigten vor dem Krieg 721X1 Gesellen, bei Kriegsschluß nur 1S00. Mit Hilfe der Kontin- gentierung, dem System der Zuteilung deS Mehls an die Betriebe nach der Zahl der beschäftigten Gesellen, konnten immerhin 5000 untergebracht werden. Anfangs waren die großen Brotfabri- kanten mit diesem System ganz einverstanden, weil sie pro Ge- selle und Woche damals 14 Sack zur Verarbeitung erhielten, gegen- über nur 1 1 Sack für Kleinbetriebe. Die Konsumgenossen- s ch a f t aber erklärte vom ersten Tage an, daß sie die Kontingen. tierung zu Fall bringen wolle. Dabei wurde gerade ihr stets ge- stattet, noch mehr Sack als die großen Fabrikanten xu verarbeiten, bis 20 Sack.(Zuruf: DaS ist der Dank jeßtl) Später stellte sich auch bei den Fabrikanten die Unzufriedenheit ein, weil mit der Kontingentierung ihr Unternehmergewinn beschränkt wurde. Bei unserer bankerotten Wirtsckwft sollte man cs überall so machen, daß man möglichst viel Arbeiter beschäftigt und den Unternehmergewinn möglichst beschränkt. Zusammen mit der Kon- sumgenossenschaft bearbeiteten dann die Fabrikanten die Regierung, und leider nahmen Reichsarbeitsamt und ReichswirtschrstSimt für sie Partei, ohne die Arbeiterorganisation anzuhören. Die Konsum- genossenschaft, fuhr Heßschold fort, behauptet, ohne Kontingentierung würde das Brot um 1b Pf. billiger sein können.(Gelächter.) Räch unserer Berechnung würden dann an 4,S0 Mk. Brotpreis höchstens S Pfennig zu sparen sein. Aber auch bei Aufhebung der Kon- tingentijrung würde dem Konsumenten gewiß kein billigerer Preis gemacht werden, weil dann die Kontrolle erschwert wäre. Mirus hat gesagt, bei der Kontingentierung würden die Gesellen durchgefüttert, und der Kommunist Lange hat ihnen vorgeworfen, sie plünderten die Allgemeinheit aus.(Entrüstete Zurufe.) Die Gesellenlöhne waren in Berlin 1917 5,7 Proz., 1913 7,9 Proz. deS Brotprciscs, nach der Kontingentierung aber waren es 1920 wieder 5,8 Proz. Bei ihrer Aufhebung würde in Berlin mindestens die Hälfte der Gesellen arbeitslos. Gegen die unwahrhastige dema- gogifche Art, die Gesellen als Brotverteuerer hinzu- stellen, muß auf das allerentschiedenste protestiert werden. (Stürmischer Beifall.) In der Diskussion sprachen alle Redner im Sinne dieser Aus- führungen. Auck ein Vertreter des Zweckverbandes der Bäcker- meister erklärte sich für Beibehaltung der Kontingentierung, die er als ein Stück Planwirtschaft bezeichnete. Aus der vor einigen Wochen von der' Konsumgenossenschaft zum Protest gegen„Brot- Verteuerung" einberufenen Versammlung wurde berichtet, daß die Resolution gegen die Mehlkontingentierung keineswegs„einstimmig" angenommen wurde. Eine von Hetzschold vorgelegte Resolution sagt im wesent- lichen folgendes:„Die Versammlung protestiert mit größter Entschiedenheit gegen den Versuch einiger Brotfvbrikanten und der Konsumgenossenschaft, die Mehlkontingentierung im Bäckergewerbe zu beseitigen. Sie bedauert, daß auch amtliche Stellen im .Reichswirtschaftsamt und Reichsarbeitsministerium den heimlichen Einflüsterungen der Gwßbäckereiunternehmcr Gehör geschenkt und Bieinungsäußerungen und sogar Verfügungen erließen, ohne die am meisten interessierte Arbeiterorganisation, deren Mitglieder die Leidtragenden bei solchen schnellen Entschlüssen sirch, auch nur be- fragt zu haben. Sie drückt tiefste Empörung und Abscheu auS gegenüber der unwahrhaftigen Behauptung, daß die Kontingen- tierung das Brot um 15— 20 Pf. verteuert, womit man nach berüch- tigtem Muster den Unwillen des Volkes von den Agrariern ablenken und gegen arme Arbeiter gerichtet wissen will. Die Mehlkontingen- tierung ist geschaffen zugunsten der Beschäftigung der KriegSteil- nehmer im Geiste der Tcmobilmachungsbestimmungen und in der gleichen sozialen Absicht. Die natürliche Nebenwirkung der Kon- tingentierung ist die im Volksinteresse liegende genaue Berechnung des Unternehmergewinnes. Krasser kapitalistischer Egoismus, nicht aber Volksfreundlichkeit, ist die Trielücder der Großbrötfabrikinhaber gegen die Kontingentierung. Der Brotpreis ist in Städten obne Mchlkontinaenfterung höher als in Berlin Aus diesen und anderen sozialen Gründen ersucht die Versammlung den Reichsernährungsminister und die sonstigen zu- üändigen Behörden dringend, die Mehlkontmgentierung während der Gemeinwirtschaft des Getreides und Mehles aufrechtzu- erhalten.— Diese Resolution wurde einstimmig ange- nommen. Die neue Antopostkntsche. Die ReichSpost hat den Kraflwagen-Personenverkehr on P o t S d a m nach B r a n d e n b ur g eröffnet. Man muß. c Post lassen. Die Einrichtung klappt tadellos. Die mörli t Dörfer und Rittergüter lagen von jeglichem Verkehr abgefcbivncn da. Gegen 9 Uhr früh, 2 Uhr mittags und 6 Uhr abends zum Anschluß an die Berliner Züge steht auf dem Bahnhof Pars- dam die gelbe Autokutsche bereit. Schmuck sieht im Innern die Kalesche aus. Gediegene Ledersitze laden ein. Ueber jeden Platz ein Gepäcknetz, die Wände von Mahagoniholz und an der Ecke ge- schmackvolle Beleuchtungskörper. Die Berliner werden gut tun. sich Berechtigungsscheine i 1 M. telephonisch vorder beim Post- amt 2 zu Potsdam zu bestellen. Der Berechtigungsschein ist das, was für den D-Zug die Platzkarte ist. Wo bleibt die Gehaltserhöhung für die Beamten? AuS Be- amtenkreiseu geht unS folgender Klageruf zu: Große Unzufrieden- .fiit herrscht in Beamtenkreisen darüber, daß den Beamten die ihnen Entwicklung oöer Sürgerkrieg! Das ist die Frage, die am 6. Juni das deutsche Boll zu eut- scheiden hat. Ein Reichstag mit allzuviel Nurkritikern, die jede Verantwortung für das BolkSwohl fürchten und fliehen, mit starken Radau- und Putsch Parteien— der wäre arbeitsunfähig, und nicht friedliche demokratische Entwicklung zum Sozia- lismuS, sondern Krisen über Krisen, Aufstände, Blutbäder, Terror wären unsere Zukunft. Schafft Euch das Material, um den BolkSverderbern überall entgegentreten zn können— verbreitet den„L o r w ä r t 8", steigert feine Leser- und Abonnentenzahl, stärkt das Zentralorgan der Partei, die die Kraft, den ehrlichen Willen und das Berant- wortungsgefühl hat, um der sozialistischen Zukunft auf dem geraden Weg der Demokratie entgegenzustreben! Folgender Zettel ist ausgefüllt an die Erpedition des„Bor- wärts", Berlin SW. 68, Lindcnslraße 3, zu senden: Ich abonniere ab!. Juni den„Vorwärts" mit der illustrierten Sonntagsbeilage„Volk und Zeit" in Groß-Berlin täglich zweimal frei ins»aus für 10,— Mk. monatlich. Außerhalb Grvß-Berlins Wohnende wollen beim Postamt ihres Wohnortes bestellen. Name->-» iw-""»-- WohNUNg-.■..i.i.iw.—.........■! i- ___ �.......— Straße Nr__ zustehenden Gehaltserhöhungen noch immer nicht gezahki werden. Angeblich soll die Verzögerung dadurch veranlaßt worden sein, daß das preußische Gesetz über die Besoldungsreform der Staatsbeamten noch immer nicht veröffentlicht worden ist, trotz- dem es seitens der Landesversammlung schon anfangs Mai verab- schiedet worden ist. Vielen Beamten wird eS durch diese Verzögerung unmöglich, ihren Urlaub schon in den noch nicht zu teuren Monaten anzutreten. Erhöhte Entschädigung der HondwerkSlehrttnge. Der Vorstand der Handwerkskammer zu Berlin bat an alle Innungen. Gewerbe- vereine und selbständigen Handwerker seine« Kammerbezirks ein Rundschreiben ergehen lassen, worin er darauf hinweist, daß infolg« der dauernd gestiegenen Preise für alle Lebensbedürfnisse die den Lebrlingen im Handwerk bisher im allgemeinen gezahlten Eni- schädigungen nicht mehr ausreichend sind. Um ihnen die Möglichkeit zu geben, die Lehrzeit ordnungsmäßig zu Ende zu führen, ist eine Erhöhung der Vergütungen unbedingt erforderlich. Der Vorstand der Handwerkskammer empfiehlt daher, die wöchentliche Entschädigung für Lehrlinge, die vom Lehr- Herrn Kost und Logis nicht erHaften, im ersten Jahr auf min- d e si e n s 16 M. festzusetzen und für die folgenden Jahre um wenigsten? 5 M. zu erhöben. Die Vorstände der Innungen und Gewerbevereine sind ersucht worden, ihrerseits in diesem Sinne auf ihre Mitglieder einzuwirken. Auch diese 15 M. sind nach dem Stand der augenblicklichen Verhältnisse noch immer beschämend wenig. Allerhand„Terorr". Di«„Vossische Zeitung" ist«mkrüstet über einen Fall von„Terror"(wie sie ihn auffaßt), der sich in M a r i e n- darf zugetragen hat. Der Betriebsrat der Gemeindeverwaltung Mariendorf halte nämlich die Entlassung mehrerer Hilfsangestellten beschlossen, die während der Kapp-Tage im dort'gen Lebensmittel- amt erschienen waren, um den Dienst zu versehen. Die Nachricht ist in dieser Form sehr mystisch. Wurden die Leute wegen ihrer Arbeit oder wegen ihrer gegenpoliiischen Tat entlassen? Lag nicht mit diesem Entlässungsbeschlusse dem Betriebsrat auch eine Streik- resolution vor? Die schönen Menschlichkeitsphrasen, die der Mel- dung nachgesetzt werden, sind etwas sehr plump. Gerade in jenen Tagen erledigten die Versorgungsbehörden ordnungsgemäß, bevor sie in den Streik traten, ihre Eindeckungasrbeiten. Warum konnten sie das in Mariendorf nickst tun? Entweder so oder so, liebe Voß, aber nicht vorne gegen Kapp und hinten für seine Unterstützer. Rückgang im Pfingftfernverkehr. lieber den Umfang de? die?- jährigen PfingstvcrkehrS auf den von Berlin ausgehenden Fern- strecken sind nunmehr einige zuverlässige Angaben möglich Von den Berliner Bahnhöfen verkaufte der Stettiner Bahnhof die meisten Fahrkarten und zivar in dem Tagen vom 19. bis 22 Mai rund 60 000 Stück; die meisten am Freitag vor dem Fest, wo allein über 20 000 Fahrkarten zur AmSgcche gelangten. Dann folgen in der Reihe der Anhalter Bahnhof mit zusammen 43 864, der Schlesische Bahnhof mit 41 077 Karten, wobei der Anhalter Bahnhof am Frei- tag mit 13 814 und der Schlesische Bahnhof am Sonnabend mit 16 701 die meisten Fahrkarten während der Reisetage verkauften. Ein auffälliger Rückgang im Fahrkcrrtenverkauf ist auf dem Bahn- hos Gesundbrunnen eingetreten, too an allen Tagen zusammen nur etiva der zehnte Teil der Fahrkarten verkaust wurde als auf dem Stettiner Bahnhof, nämlich 6691 Fahrkarten. Nach diesem Bahn- Hof weisen noch die Stadtbahnsernstattonen Zoologischer Garten mit rund 11 000 Fahrkarten, Friedrichstraße mit 12 400 imd Alexander- Platz mit 11 606 verkauften Fahrkarten einen erheblichen Rückgang auf. Tagegen haben die Reisebureaus mit zusammen 31 062 Stück mehr Fahrkarten verlauft als im Vorjahre. Trotzdem ist die Zahl der verkauften Karten während der diesjährigen Pffngstrcisezeit u m rund 35 000 Stück zurückgegangen; es wurden nur 265 665 Fahrkarten verkaust. Die VerkehrSabnahme beträgt also llvomHundert. Bei den Eisbären. Ein alte? Wiener Mütterchen, dessen Enkel aus Norwegen, wohin er mit einem Kinderzuge geschickt worden war, wohl guch von Seerobben berichtet hatte, meinte mit ge- falteten Händen:„Dös hötr i mir net denkt, daß i döSKind no zu d ö Eisbären schicken muaß." In der Proteftversammlnng gegen den AnSschlust der im Reiche lebenden Tentschösterreicher vom Wahlrechte werden sprechen: Stefan Erotzmann, Chesrcdakteur S t a m p s e r, Kehetmrat von Eynern, Abg. H a r t m a n n. Der Beginn dieser im Lehrervereinshaufe, Alexanderplatz, Sonntag, den 30. d. MtS. stattfin dendeu Versammlung wurde auf 11 Uhr 30 miltagS festgesetzt. LebenSmitteldebatte in Potsdam. In der gestrigen Potsdamer Stadtverordnetensitzung wurde ein Dringlichkeitsantrag eingebracht, dahingehend, den Magistrat zu ersuchen, sofort bekannt« zugeben, wieviel Mengen Lebensmittel zur Verteilung noch lagern und durch sofortigen verbilligten Verkauf diese abzustoßen und die etwa noch zu hohen Preisen bestellten Waren sofcrt abzubestellen. Ferner wurde der Magistrat angefragt, ob er wisse, daß große Mengen R i n d e r p ö k e I f l e i sch auf dem Potsdamer Schlacht- Hof ungenießbar geworden seien und die Schlächter sich heute geweigert haben, da« verdorbene Fleisch ihren Kunden anzubieten. Der Magistrat versprach, sofort eine Aufstellung über die Lebens- mittelvorräte zu machen und den KreiS Zauch-Belzig anzuhalten, sofort frisches Fleisch für Potsdam zu liesern. Stolpe. In unserem Ort. so schreibt man«S auS Stolper Parteikreisen, ist der langjährige Genosse Bergemann, verschon in den schweren Zeiten des wilhelminischen Regiments seine Gast- Wirtschaft für Versammlungen der Arbeiterschaft zur Verfügung stellte, vor längerer Zeit von der Gemeindevertretung mit Einschluß der U. S. P. zum Gemeindevorsteher gewählt worden. Er enthält für die daraus entstehend« Mühewaltung M. 750,— jährlich. Es ist nun die merkwürdige Feststellung gemacht worden, daß das Lokal unseres altbewährten Genossen vom Publikum gemieden wird. So- wie die Arbeiterschaft das amtliche, für Gemeindevorsteher vorge» sehene Schild am Hause siehl, glaubt sie, an die„falsche Adresse" gelangt zu sein und verläßt das Lokal. Wir bringen dem Genossen Bergemann nach wie vor unser Vertrauen entgegen und müssen es als einen großen Verlust betrachten, wenn er sein Amt als Ge. meindevorsteher infolge Rückganges seines Geschäfts niederlegen würde, undsbitten die organisierte Arbeiterschaft, nach wie vor da« Parteilokal zu benutzen, wenn sie unseren Ort besucht. Schmöckwitz. In der letzten Gemeindevertrctcrsstzung wurde der Sommerfahrpla» für die Ufer bahn festgestellt, die Anzahl der Züge ist bedeutend vermehrt, so daß vielfachen Wünschen damit Rechnung getragen wird.—' Ter Gemeindevorsteher gibt Kenntnis von einem Schreiben der Bcchndirektion, worin mitgeteilt ivird, daß die Klage gegen die Gemeinde bezüglich Aufhebung des Vertrages fertiggestellt ist, vor Weftergabe ersucht die Direktion um Stellungnahme der Gemeinde, ob sie gewillt ist, das rollende Material zu einem angemessenen Preise zu erwerben, um die B e- triebSführung in eigene Regie zu übernehmen. Da Schmöckwitz in Groß-Berlin einbezogen wird, wurd« beschlossen, dies Schreiben dem Berliner Magistrat zur weiteren Entscheidung vorzulegen.— Die vorgelegte Rechnungsübersicht der Bahnverwal- tung pro 1919 weist einen Fehlbetrag"von 9218 M. aus.— Der von den Beamten beantragte Vor schuh auf die zu bewilligende Teuerungszulage wurde bewilligt.— Für die hohe Schule Eichwalde wurden 6000 M. als Zuschuß genehmigt unter der Be- dingung, daß die Gemeinde die Rechte der meistbegünstigten Ge- meinde genießt.— Schmöckwitz wurde dem Bezirk 16 Groß-Berlins (Cöpenick) zugeteilt. 56 000 Einwohner.— Hinsichtlich der Kar- tofselbersorgxng sind bereits Verbanolungen gepflogen, so daß in erster Linie für die ärmere Bevölkerung, die sich nicht für den kommenden Winter im voraus eindecken kann, Vorsorge ge. troffen wird.— Auf eine Anfrage unseres Genossen Schulze, was der Gemeradetwrfieher zur Erlanguwg der QnSkerfpeksung der bedürftigen Kader unserer Gemeinde zu tun gedenkt, wird be- schlössen, daß sich der Gemeindevorsteher unverzüglich mit de« zu. ständigen Stellen in Beibindung zu fetzen hat, um auch der Bei- elendung der Kinder vorzubeugen. Volksabstimmung in Ostpreußen k Heute abeud 6 Uhr im Stadt- theo f er Moabit, Alt-Moabit 48: Arotze Heimatfeier. »Deutsche, die nicht wählen dürfen". Sonntag, 30. Mai, um 11'/, Uhr mittag«, findet im LehrervereinShauS.«lexanderplatz. eine Proiestveriammlung gegen den von der Entente erzwungenen Ausschluß der Deuiichöilerr eicher vom Wahlrecht statt. SS werden namhafte Redner aller Parieirichwngen sprechen. Die Versammlung ist jedermann zu- gänglich. Stoatstheaier Reukölln. Am Montag, den 81. Mal, findet die letzte Ailssührunz in dieser Spielzeit und zwar„Wilhelm Teil" in erstklasllger Besetzung statt. Die Titelrolle spielt Theodor Becker. Karten zum Eintrittspreise von 2,50 M. sind in den bekannten GeschästSstellen er- häillich. Sroß-Serliner parteknachrichten« Heute, 2S. Mai: 15. Abt. 8 Uhr Funttionär-Sitzung bei Groß, BImnenstr. 88. 184. Abt. 7 Uhr Konjerenz oller Partei- und BetriedSverttauenS- Männer bei RöSner, Jmmanueikirchsir. 25. Jeder muß erscheinen. 31. Abt. 7 Uhr Sitzung sämtlicher Funktionäre, BetriebSvertrauenS- lenie und Wahlhelier bei Goldschmidt, Stolplsche Str. 86. Jnngsozialisttsche Bereinigung(S. P. D.) Wahlwande- ru n g e n: Ortsgruppe Lichtenberg: Liedenwalde— Wandlitz. Treffpunkt: 4,45 Bahnhof Frankfurter Allee.— Ortsgruppe Süden: Treffpunkt: 5'/, Uhr Stettiner Borortbahnhof. Nachzügler Sonntag früh 7'/, da'elbst.— Wanderung: Klandork— Zerpenfchleufe.— Ortsgruppe Neukölln: AhrenSselde— Alt-Landsberg. Treffpunkt: 5'/« Uhr Wriezener Bahnhos.— Ortsgruppe Norden und Osten: Drewitz— StahnS- doff: Treffpunkt Sonntag früh 6,47 Bahnhos Friedrichstraße.— Jungsozialisten heraus I Eharlotteuburq. Achtung! Nochmals ElternbeiratSwahlen an der 80.(Mödchcn.)GemeindeschuIe. In letzter Stunde ist die S.P.D.- Liste noch für gültig erklärt worden. ES findet daher entgegen gestriger Notiz die Wahl am 30. Mai statt. Wählt daher die Liste der S.P.D., be- ginnend mit dem Namen Rennecke- Frau Brübmllller. Für Wahlheiser Treffvnnki Sonntag 8 Uhr vormittags bei Lux, Usnaustr. 1. Wilmersdorf. Sormaibenb abend 8 Uhr außerordent- licher Zahl abend der Abteilungen 1, 2, 5, 6, 9 unb 11. Sehr wichtige TageSortmungl Wahlvorbereitwngen. Keiner darf den Zeihfabend versäum-n. Abt. 11(Michel) tagt im„Tübinger Hof", Kaiserplatz 19. A b t. 2 Halensee(Uhde) im Lokal von Sandmann. Westfälische Str. 42. Genosse Kempfer referiert. A b i. 1 Halen see (Mcndelsohn), Joachim-Friedrich-Str. 21 bei Bartuschewitz. Pankow. Sämtliche Funktionäre 7 Uhr bei Engel, Mühlenstr. 47. Bergfeld«. 8 Uhr große öffentliche Wählerversammlung. Thema: „Auf zur ReichStagSwahl!* Referent: Parteisekretär Wicke. Rahnsdorf. 7'/, Uhr bei Schake, Vortrag der Genosfi» Gertrud Hanna. « Achtung: Postwerbeausschuff. Vertrauensleute der Post haben sojoit Flugblätter abzuholen. Jugenöveranstaltungen. Achtung, Abteilungsspediteure! Heute abend'/,7 Uhr im'Zenttol- jugendhelm: Abieiiungstaisierer-Konserenz.— Schönhauser Vorstadt II. Wanderung nach dem Störitzsee. Treffpunkt:'/,3 Uhr Bahnhof Schön- hauser Allee._ vortrage, vereine und Versammlungen. »W. A. d. K." Am Sonntag, den 30. d. MtS.. vormittags 10 Uhr: Versammlung der ehemaligen Angehörigen der W. A. d. K. in KliemS Fesl- sälen, Hasenheide. Wichtige Beipreipung, da Angelegenheit mit der Regierung ersolgreich erledigt. I.A.: Lcppin.— Reichsbund derKriegsbeschödigtr», Bezirk 3, Slld-Ost. Außerordentliche BezirlSoersammlung am Sonn- tag, vorm.'/,l0 Uhr, in Schubmachers Festsälen, Skalitzer Str. 126. Bericht vom Bundestag.— Zlllg. Famtliensterbetasse. Sonntag, den 30. Mai: Zahl- und Ausnabmctag von 3— 6 Uhr in den Restaurants, Gerichtstr. 12/13 � und Adatberlstr. 24. Soziales. Der Aerztestreit. In dem Streit zwischen den Organisationen der Aerzte und der Krankenkassen ist das vom ReichsarbeiiSministerium angeregte Einigungsamt nunmehr gebildet. Es besteht aus dem früheren Unlerstaatssekretär Dr. Caspar als Vorsitzenden, den Ministerialräten Dr. Hamel und Dr. Sitzler als amtlichen Bei- sitzern. sowie je jünf Beisitzern der Arzt- und der Kassenverbände. Die Verhandlungen beginnen am Montag, 31. Mai, im Reichs- arbeitSministerium. Mus aller Welt. Der Kanaltunnrl wird Wirklichkeit. Der Leiter des englischen UnterhauSausschusseS für den Bau deS Kanaltunnels, Sir Arthur Fell, erklärte in einer Unterredung, daß der Tunnel ungefähr 30 englische Meilen lang, 4 bis 5 Meilen westlich von Dover be- ginnen und in gerader Linie nach Marquffe, zwischen Calais und Boulogn«, führen wird. �Er soll miS zwei nebeneinander liegenden Rohren und einem darunter befindlichen Ablauf von 2,7 Meter Durchmesser bestehen- Bei einer Arbeiterstärke von 2400 Mann (1200 auf jeder Seite) wird die Bauzeit auf 5 Jahre berechnet, die Baukosten auf 30—32 Millionen Pfund Sterling. Bei gleich. zeitiger Jnangrisfnahme der Arbeiten aus beiden Seiten, hofft man täglich 3000— 4000 Tonnen Erdmassen, die größtenteils aus Kreide bestehen, ausschachten zu können. Letztere soll zur Herstellung von Mauersteinen verwendet werden. Die Züge sollen bis zu den Tunneleingängen mit Dampf und durch den Tunnel elektrisch ge- trieben werden. Zwei an den Mündungen zu errichtende Kraft- stertionen liefern den erforderlichen Strom. Die Durchfahrt wird % Stunden dauern. Der Flieger als„Gott". Seltsame Erlebnisse konnten die beiden Flieger van Rynevcld und Brand, die von England nach Kapstadt geflogen sind, bei ihrer Rückkehr aus Südafrika berichten. „Wir haben auf der Reise großes Glück gehabt," sagte Rhneveld, „wir brauchten nur ein einziges Mal eine Ztvangslandimg zu machen, und nur zweimal mußten wir längeren Ausenthalt nehmen, das ein« Mal 10 Tage in Kairo und dann 12 Tage im Bcschuanenlande. Wir hatten wundervolle Eindrücke. Zuerst flogen wir Stunden auf Stunden über den endlosen Meeresspiegel dabin. Dann kreuzten wir tagelang über weiten Wüsten, und schließlich kamen wir Meilen auf Meilen über dichten Urwald hin. Besonders seltsam berührte es un>7-, daß wir im Herzen Afrikas Landungsftellen fanden, die für unS vorbereitet waren. Die Ein- geborenen betrachteten unS zumeist mit Angst und Schrecken. Da? eine Mal hielten sie uns für Götter, die auf einem Wagen aus dem Himmel herniedergestiegen seien; sie brachten uns Opsergaben an Früchten und anderer Nahrung und wollten uns anbeten. AIS wir in Kapstadt ankamen, waren wir auf unserer Reffe im aanzen 109j4 Stunde geflogen." Flug Rom— Tokio. Die Leutnants Ferrara und Masters sind auf ihrem Flug Rom— Tokio in Söul in Korea eingetroffen. Holländisches Hilfswerk. In Amsterdam ist unter de» Ramen »Hilf« für das deutsche Kind" eine Se-vmgung gegründet worden. welche bezweckt, an erster Stelle Lebensmittel nach Deutsch- land zu senden und erst an zweiter Stelle Geld. Die Lebensmittel werden unter Mitwirkung der niederländischen Konsuln in Deutsch- land zur Verfügung der Bürgermeister gestellt, mit genau umscbnebeuen Vorschriften über die Verteilung. Ehrenvorsitzender des Komitees ist der ehemalige Generalgouverneur von Niederländisch« Indien, General Heutß, Whisrhschmuggel durch Torpedo?. Wie aus New Dork ge- tneldet wird, erklärte der Kommissar für da» Lefftntliche Wohl« ergehen, Coler, dast die besten Bürger sich rühmen, das Ami» alkobolgesetz zu umgehen, und daß Spirituosen infolge der Lasch- bei; der Behörden überall erhältlich find. Wie weit sich das Schmuggeln bereits entwickelt hat, zeigt ein Bericht aus Detroit. Er beschreibt, wie elektrisch betriebene, mit Alkohol belchdene Tor- pedo« täglich tm der kanadischen Seite nach dem amerikanischen Hier des Detroitflusses gesandt werden. Die Torpedos tauchen 100 Fuß und brauchen nur 5 Minuten, um den Mutz zu durch- kreuzen. Auf der amerikanischen Seite werden sie geleert, mit Wasser als Ballast neu gefüllt und zurückgesandt. Sport. Pictro-Zcholz gegen Weltmeister Hein. Der durch seine unver- gleichlichen Erfolge in letzter Zeit mehr und mehr in den Vorder- gruni» getretene Pietro-Scholz Hai erneut eine Herausforderung an Hein gerichtet, sich mit ihm in einen Kampf einzulassen, desien Re- suliat ergeben soll, wer zurzeit der beste Ringer der Mittelgewicht- lex ist. sBekanntlich hat Pietro-Scholz die Ueberlegenheit Heins noch im vorigen Jahre zweimal anerkennen müssen.) Hein hat die Herausforderung sofort angenommen und wird der Kampf am Sonntag, nachmittags 4 Uhr, auf der Radrennbahn Treptow statt- finden. Arbeiter-Madfahrer-Bund»Solidarität«'. Ortsgruppe Berlin. II. Abt. Sonntag früh K Uhr Badetour nach dem Lehnitzsce, nachm. 1 Uhr nach Hermsdors Starts: Fontanepromenade 18. Mittwoch, 2. Juni, abends T Uhr, Abt-Sitzung im Startlokal.— Berliner Arbciter-Rad- fahrerverei«. l. Abt. 30. Mai, früh 4 Uhr Teupitz, mittag? 1 Uhr Schmöckwitz. Große Propaganda-WasierbaNwettiPiele veram'ialtet der Arbeiter- Dasserfport-Derband(KreiS 1) durch den Monat Juni(Spiellage Montags und Donnerstag?, abend« 7 Uhr) im Engelbecken, Luisenufer.— Slm Montag, den 31. Mai, spielen folgende Mannschalten:«.-V. Vorwärts, Rummclsburg, gegen A.-S.-V. Reukölln, lkreie Schwimmer,� Charlotten- bürg, gegen Neptun, Lichtenberg, B. S. Union gegen B.� S.-V. Welle; om Donnerstag, den 3. Juni: A. S.-B. Neukölln gegen Vorwärts, Norden I, Neptun, Weitzensee gegen Vorwärts, Neukölln, Vorwärts, Norden II gegen A. S.-V. Nord. Eintrittspreis? werden nicht erhoben. WetterauSstchte« für das mittlere Norddeutfchlaud bis Tonntag mittag. Etwa» lühler, zeitweise heiter, aber veränderlich, meist trecken, bei schwachen, vorwiegend nördlichen Winden. Briefkasten üer Reüakt!oa. Jede» sllr den Brieftakten bestimmten Ankrag« füg« man»inen Buchstabe» und eine Nummer bei. Briefliche Auslunft wird nicht erteilt. Eilige An- sragen trage man in der Juristischen Sprechstunde. Lindcnstr. 3, L Sos parterre links, vor. Schriftstücke und Verträge sind mitzubringen. G.?t. 4,7. Nein. Sie können aber aus Grund§ 20 Eink.-Steuerges. Ermätzigung des Steuersätze» fordern.— M. Z. 140. An sich mutz An. zeige erfolgen. Der Mietvertrag bedarf aber der Genehmigung des Miet- einigungSamttz.— O. P. 11. 1. Da» Amtsgericht Wittenberg. 2. Zwei Exemplare. 3. Ja.— T. 31. 98. Wenden Sie sich an Ihre srühere Be- Hörde. Im Falle der Bedürftigkeit kann Ihnen eine besondere Beihilse gewährt werden.— T. P. Z. 19, 1. Ja. 2. Nein.— Ost» prensze« 05. Beantragen Sic die Gewährung von jährlich ISO M. aus Grund des Gesetzes vom 22. 5. 1895 und 19. 5. 1913. Den Antrag können Sie an den dortigen Gemeindevorstand richten. Außerdem wollen Sie sich an die Kaiser-Wilbelm-Stiftung sür deutsche Invaliden, Berlin« Wilmersdorf, Nassauische Str. 52/53, und den König-Wllhelm-Verein, Berlin, Uorckstr. 84b. wenden.— O. M. 100. Unseres Wissens ja.— Auto 88. Ihr Sozius dürfte im Recht sein. Eine Verteilung des Ver- lustes kann erst nach Sluslösung der Gesellschaft stattfinden.— W.•&. 1. Ja, wenn jedesmal der nnmitleibare Besitz übertragen wird. 2. Ja, eine doppelte Versteuerung liegt nicht vor.— Gertrud Steglitz. deS Dieusteiniommens.— P. T. 8. Sie Kasten nur nach Matzgabe der ge- setzlichen Bestimmungen über die Unterhaltspflicht. Darüber hinaus können Sie nicht in Anspruch genommen werden— Zieme. Wenden Sie sich an die dortige Gemeindebehörde. Die Grundstücke dürsen nur zu den von der unteren Verwaltungsbehörde festgesetzten Preisen verpachtet werden.— P. 90. Nach unserer Anficht hat der Geistliche die Amtshandlung vor« zunehmen. Wenden«ie sich an ihn direkt.— 91. F. 618. Sie können die Privatllage erheben, find aber beweispflichtig.— O. W. 60. Rein. verein«l. Stmotypeure und Galvanoplastüur Berlins u. llmgegend. Dm Mitgliedern die trau- rige Nachricht, dah unser lieber Kollege Acgust Franz nach langem, schwerem Leiden am 20. Mai ver- starben ist. 229/1? Ehr« seinem Andenke«! Die Einäscherung findet heute, Eonnabend, vor- mittag» ll'/i Uhr, im Krematorium(Berichtstraße 37/39 statt. zahlreiche Beteiligung er- wartet Ver Vorstand. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Einäscherung meines unvergeßlichen Mannes, Vaters, Bruders, Schwa- zer- und Kroßvater». Säst- ioirt Xetolt Hundt, sage allen unseren innigsten Dank. 59/20 Frau Therese livnilt nebstKindern u.Bcrwandten Mendelssohnstr. 13. M-kMieiiWe m«miler. Ita Wß» n.vcrwandtcn WMl Gewerbe zu Berlin. Zu der am vioolag, den 7. 3nni. abend» 6 Ahr. im K-ssenloial. Münzstr. 21, 2 Tr., stattfindenden Ausschuftsistung werde» WeVertreier der Arbeitgeber und Kassenmitglieder er- gcbenst eingeladen. Tagesordnung: 1. Abnahme der Jahres- rechmma tür 1919. 2. Abänderung der§§ 2, 18, 19, 29, 30 Abs. 1 und 44 der der Saxung. 3. Berschiebenes. Berlin. 26. Mai 1220. Ver Vorstand. Hl.©uifche. Vorswender. Anfragen und Beschwerden, welche die Einsicht in die Ästen der Kaste erforderlich machen. sind spätestens bis zum 3. Juni >m Kastenlokal schriftlich einzureichen. 140/7 E Spezialarzt Dr. med. WockenftiB Frietlriclistr.l2§ Sonnt. 11—1. Syphilis, Harn-, Frauenleiden, Blutuntersuch. Schnelle, sichere.fchmerzloleHeilg. »hue Berufsstörung. Teilzahig.« cUamuui�£till Zur Ausscheidung aller scharten und kranken Stoffe aus Blut und Säften, gegen Blutandrang, rotes Gesicht, Haut- unreinif keilen ist mein Blut« reinignng/spulverSaHncin seit über 25 Jahren wirksam erprobt. Sch. 4.00. Uebl. 3 Schacht 11.50, Otto Reichel, Berlin 43. 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Tagesordnung in allen Versammlungen: „M WAWlillW Ad Hit SSZMMSllM". Referenten: Bohm»Schnch, Dittmer, Rich. Fischer, Heutig, Heimon«, Hctzschold, Koblenzer, Riedger, Ritter, Schlegel, Todenhagen, Wochenheim. üchtuvg zm friscurflcbllfen-Strclkü Partei- und Gewerkschaftsgenossen! Unterstützt die streikenden Friseurgehilsen und Gehilfinnen in ihrem K-mpfe, indem Ihr nur die fliegenden Ztaster- und Ariflerstnben für Herren und Onmen besucht. E-nosten, Eure UnieritUtzung sichert unseren Siez im Kampfe um unsere gerechten Forderungen. wir wollen urbeUen. damit wir den Kampf gewinnen. Laßt Euch nur da bedienen, wo die gelben Plakate der Zeutralstreikleitung oashllagen. Alle anderen vetrlebe können als n'.ch! geregelt detrrchtel werden. Da in den Betrieben sttlndiz S— iso Kollegen beschäftigt flnd, ist eine schnelle Rb. ferliguog garantiert. Die Bedienung wird oon nnr«rsttlasflgen Arbeitern hygienisch und sauder auegeführt Zentrum. Rlederwallstr. 11. 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Schönstießer Str.«. Schwelbetner Str. 40. Gleim str. 70. Swinemünder Str. 51. Nhtnawer Dtr. 4. Prinzrnallee 10. Badiir 44. Miiller-, Ecke Transnaatstraße. Müller». Eck« Ofener Straße. Stargarder Str. 3031. Zmmunclkirchstr. 19. Brunnenftr. IM. Sussiti-ustr. 45. Schwedenstr. 13. Stargarder Str. 3.. »audystr. S. Brunnenftr. 18. lÄcr05' . orfer Str. BS. Trtftftr. 4L. Mnlplaguetstr. 14/35. Schönhauser., Ecke Poppelalle. Westen. »-nerischer Platz 3. «fchaffenbnrger«tr. t?. «öthener Str. 14. «uaebnrgrr Str. 43. Marbnraer Str. 10. Knrfstrstendamm 94. Bardaraffastr. 40. Bleibireii., Ecke Kontftraße. Illsianditraße." P-t«d»«er Platz, Eaftl„. Nordwesten. Lübecker Str. 3. »redowstr. 13. «rücke nastee 14. Rathenower Str. 24. Kuttenftr. 21. Stromstr. 23. Oberschöneweide« vtlhelmlnenhofstr. 33. SldlerShof. »tsmarckstr. 49. Pankow. Beritner Str. 73. Wollanytr. 81. Brehmestr. 54. Florgstr. 78. Spandan. Ohmftr. 9. Brette«tr. 40. Hamburger Str. 96. «aldstr. t. «chö-uvalder Straße. Steglitz. »othenburgstr. 41. Düppelftr. 7. Weitzensee. Tastostr. 1. Eharkottenburg. Lndwigktrchstr. 10,. Neukölln. Berg-, Eck« Labnstraße. 'ermann-. Ecke Karisgartenstr. Sergstr. 127. kteinmezsir. holtei-. Ecke 20. «eserftraße. »l H-lt-i- Wilmersdorf. »asteiner Str. 6. Eck« Holstei. ntsche Straße. Laaenbnrg-.Eck« Sigmaringen- straße. Göpenick. Rosenstr. 10. B-hnhosttraß«. SiemenSftadt. »uptUbcrf« Str. 41. Renendorfer Str. 87. Kriedenon. »tthelMshöher-. Ecke Stuten- rauchstraße. «aiserallee 103.__ Schein-, Eck. Stönnedergstraß«. Schönhanser-. Eck« Sachsen- walbftraße. Treptow. Harzer«tr. 33. WilhelmSberg. Hohenschönhausrner«tr.53.59. VV" Weitere Betriebe werden«och bekanntgegeben. Unterstützt uns! Uebt Solidarität! Tie Zentralstrcikleitung: Zobel. Schuler. Motuschke. Schwanz. Vräschke. Di-. Beritt, d. Frevtag, Wiesbaden. Nettelbcckstr. 24. Gratts- Prospekt: 87/11 bei ivtagenleiden�l Ein bewährtes Mittel Magenschmerzen, Magenkrampf, Seitenstechen, Sodbrennen. 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Vorvk. 11-1'/,, 4-6 U. mwpoi Mk&sareti# *"8£HRÜ1IT.53-S4l� « Allabendlich 7 Uhr: ch 1 Liese! Siegen j Bolgaroff-Truppe t Grete Ruß »Karl Edler t Lore Meißner ? Fritz Brand | Rosl Dehny 1 Hans Elliot Harry Allister 2 Lanzigs. Am Flügel: E. Ilentschel. Kapelle Mundl Neumann. 0 RIEWT StrSäS�S 5 Min. vom Alexanderplatz. rirosstesu. schönstes ITA Kabarett in Berlin iJu Paula Bertoni Ogersel Mia Bergemaniü Hugo Just Christel u. Kate Winter Hermann Webling Hugo Haneid. Winter- Garten TägliclA 7,is ihr: Varlete-Spieiplaii Rauchen gestaltet! lAdi-Hausl Taubensfr. 34— Ztr. 1052| ReiEltsiiall-TljEater «llabendlich Vn Uhr; Stettiner Sänger. Dönhoif-Brettl. Aufang 6l/a Uhr. Marga Rosen Peter Mann J Toni v. Bukovics |DuettMack Bachmannj Harrlett Imme 1 Tom Black Karl Steinlnjgcr J Julius Josephl ! Gre u. Karl Heinz Fermar. «Ad! Liebans Meisterquan. Ädoif Lieljan ff. Weine, ff. Küche Mocca, Tee, Schokolade ISB Anfang: � Uhr 43» J iflenferwaldS j E!tE!tt.SlÜlil.GiEEiiät!SEt' ! Bekanntmachung. 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April 1920 und der Verordnung über die erftmaiigen Wahlen Sur Eiadtverotd- nelenrersanimlnng und«t den Be,irksversammwngen der neuen Eiadigemeinde Piriin vom 7. Mai 1920. fordere ich die Wahlberechtigten der Wahltreise I bis VI hiermit auf a) Kreiswahlvorfchläge, b) Bezirtsverordnetenwahivorfchläge in den Wahifreifen I bis Vi, und zwar für jeden Wahlkreis besonders, zu den am 20. Juni 1920 erstmalig stattfindenden Bahlen Sur Etadlverordnetenversammlung und zu den Be> zirfsversammlungen der neuen Eiadigemeinde Berlin bis spätesiens den ß. Zun! 1920 bei mir. Stralauer Etr. 44/45 (Wahlbureau des Magistrats), einzureichen. Sie müssen von mindestens 100 im Wahlfreise zur Ausübung der Wahl berechtigten Personen unterzeichnet werden. Die Unterzeichner der WahivorschlSge sollen ihren Unter- fchrisien die Angabe ihres Benijes oder Eiandes und ihrer Wohnung beifüge». Die Kreiswahlvorschiäge müssen die Erklärung enthalten. welchem Etadiwahlvorschiage die bei Zuteilung der Stadt- verordneiensitze nicht berücksichiigten Eiimmen zugerechnet werden sollen. Die in einem Kreiswahivorschkitge benannten Bewerber dürsen auch in dem angeschioffenen Etadtwahlvorschiage benannt werden. Die Benrnnung in einem Stadt» oder Kreis- wahlvorfchiage schließt die Benennung in einem Bezirksverord» neienwahloorschlage nicht aus. Bon jedem vorgeschlagenen Bewerber ist eine Erklärung über seine Zustinimung zur Ausnahme in den Kreis- bzw. Be- zirksverordnitenwahlvorschiag anmschließen. In Wahlkreisen dllrsen die Bewerber in denselben Kreis- wahloorfiblägen bzw. in den Bezirksverordnetenwahlvorschlägen nur einmal vorgeschlagen werden. Die Verbindung mehrerer Bezirks verordnetenwahl- vorschlage muß von den Unterzeichnern der belreffenden Wahlvorschläge oder ihren Bevollmächtigten übereinstimmend Ipäte» ftens am 10. Juni 1920 bei mir— stehe oben— erklärt werden. Die Anzeige über den Anschluß eines K r e i S wahivorschlages an einen Sladtwadlvorschtag muß von den Unterzeidmern der betreffenden.918). Gleichzeitig mit dem Dabivorschlage find Bescheinigungen von den Kemeindebehörden sWahlbnreau des Magistrats, L 2, Stralaner Str. 44/i5) vorzulegen, daß die Unlerzeichner in die Wählerlifte aufgenommen worden sind. In sedem Bahlvorsdilage soll ein Vertrauensmann bzw. deffen Stellvertreter bezrid/net werben, der für die Berhand» Inngen mit dem Kreiswahltomniiffar und dem Kreiswahlaus- fa/nß zur Rücknahme des ftreis- bzw. Bezirksverordnetenwahl- roridiiages sowie zur Abgabe und Rücknahme von Per- bindiings- und Anschlußerkliigunaen beoollmächligt ist. Fehlt die Bezeichnung des Berlrauensmannes oder dessen Sfeuvetlrelers, so gilt der erste Unterzeichner als solcher. Gleichzeitig bring? ich hiermit zur öffentlichen Kenntnis. doß ich für den zu bildenden Kreiswahlausschuß berufen habe: a) zu Beisitzern: 1. den Sladioetordneten Otto Frank, Berlin N 4, Nord- nser 14, 2. den Stadtrat August Hink». Berlin N 20, Vankstr. 57, 3. den Stadtverordneten Fortbildungesd/uidirektor Otto Rietlen, Berlin N 4, stesselstr. 14. 4. den Stadlverordneten Pfarrer Julius Koch. Berlin 0 112, Samariterjtr. 27; b) zu Beisitzer-Stellvertreternt 5. den Stadlrat Bithelm Benecke, Berlin NW 21.Tnrmstr. 38. 6. den stodlverordneten Fritz Brolal, Berlin N 05, Lllderitzstr. 4. Berlin, den 26. Mai 1920. Ter strmcinsnme Wdkilkreiskommissar für die Wahlkreise 3— VI für die ersunaligen PÄahir« zur Ztndlvcrordnetenvcrsammluiist lind zu den Bezirksversdiniiiiuiige» der neuen Siadtgemeinde , Berlin. L o c h n i n g. Stadtrat. (Tgb. Nr. 775 Wahl 1920.)_____ Di!l!!l!!!s|il!»IW|WII«i!iI»!I!IIIIIIl!>IIIM!l!!i!!ll!II>li!WIII>!älllllI>s>sIs!isilII>ll!iIils!P (3roPe, fehenowertR. 'fftmßeäiing | Speifezimmzr, Tjerren- 1 | zimmer, Schlafzimmer J j Wohnzimmer, Wohn- 1 | fatons, Vielen, Küchen| u[w. ufw. | Vefidjtigung fo/)nend u. erwünfeßt| W r— 3 Vertäu f zu fe/jr fotiben Greifen. echte Fcrler und deutichc W Ceopiche. echte Kriltalle, Porzellane, Kronen, Klubfeliel u. Sofas in Ceder und Gobelin. :: Kunftmöbel aller flrt.:: | WPdj&wmkf&db. 1 'Serfin C. Virdtfinjlreße 31 j im daQaQol HCuienberptalj,£cte Xönigsgratea, W Dil'" lIIII!MIIIII>»!>!"lilll>>IIIII>niWIWW7>lhM!IIIhMWIsj,IIMsjWIIiWsB LiMMMlsiöen heiibärml�B: kulose, Asthma, Schwindsuchi, Lur.genspitzenkatarrh, Nachtschweiß, Stiche im Rücken, Brustschmerzen, Apreiitloslg- keit. Verschleimung, veraltetem Husten, lange anhaltender Heiserkeit leiden, lassen sich meine ausführliche belehrende Broschüre kostenlos portofrei senden. 28/13» Spezialarzt Dr. med. Dammann, Berlin W 202, Am Karlsbad 33h. Sprechzelt 9— II. 2—4 Sonntags 10—11 Lille ausselmeitlen! 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Die Unteizeichner der Wahlvorschläge sollen ihren Unterschrislen die Angabe ihres Berufes oder Standes und ihrer Wohnung beifügen. Die in einem Kreiswahlvorschlag« benannten Bewerber dürfen auch in dem angeschlossenen Etadtwahlvorschiage benannt werden. Die Benennung in einem Stadt» oder Kreiswahivorschlage schließt die Benennung in einem Bezrrksverordnelenwahlvor- sa>lage nicht aus. Bon jedem vorgeschlagenen Bewerber ist eine Erllärung über seine Zustimmung zur Aufnahme ln den Stadtwahlvorschlag anzuschließen. In dem Sladlwahlvorschiage darf ein Bewerber nur einmal vorgeschlagen werden. Die Berdindung mehrerer Stodtwahlvorschläge und der Anschluß eines Kreiswahlvorschlages an einen Stodtwahivor- fchiag muß von den Unterzeidmern der betreffenden Wahlvorschläge oder ihrer Bevollmächtigten übereinstimmend spätestens am 10. Inn! 1920 bei mir— siehe oben— ertiäri werden. Bcrbundcne Stadtwahlvorschläge und Anschiußerklärungen können nur gemeinschaitlid) zurückgenommen werden. In dem Wahlvorschlage sind die Bewerber in erkennbarer Reihenfolge auszuführen tß 14 1 der W. O. vom 30. 11. 1918.) Gleichzeitig mit dem Wahlvorschlage sind außer den vorgeschriebenen gustimmungserilärungen der vorgeschlagenen Be- werier Belchemmungen der Gemeindebehörden(Wahlbureau des Magistrats, L 2, Stralauer Sir. 44/45) vorzulegen, daß die Unterzeichner in die Wähicrlistc aufgenommen worden sind. In jedem Wahlvorjchlage soll ein Bertrauensmann bzw. dessen Stellvertreter bezeichnet werden der für die Verhandlungen mit dem Leitenden Wahlkommiflar und dem Sladt- wahlaussd>usse, zur Rücknahme des Stadtwahlvorschlages sowie zur Abgabe und Rücknahme von Verbindungs- und Anschluß- erklärungen zu dcvollmächligen ist. Fehlt die Bezeid)nung eines Pertraucnsmanncs, so gilt der erste Unterzeichner als solchcr. Gleichzeitig bringe ich hiermit zur öffentlichen Kenntnis, daß ich liir den zu btidcndcn stadlwahlausfchuß berufen habet a) zu Beisitzern: 1. den Etadloerordneten- Porsteher Dr. Hermann Weyl, Berlin N. 54, Lothringer Str. 54, 2. den Stadtrat Adolf Ritter, Berlin SO. 16, Mtchaelfirch» piatz 10, 3. den Sladlverordncien Isaac Jastrow, Eharlottcnburg, Schiiiterstr. 42, 4. den Postdireitor Heinrich Wollmann, Berliu-Zfchten» berg, Möllendorffstr. 10, d) zu Beisitzer-Stellvertretern: 5. den Stadtverordneten Rektor Frleckricb Scbllllng, Neukölln, Donauftr. 24, 6. den Oberlehrer Paul Prlederlszlck, Berlin-Schöneberg, Lande-huler Str. 8. Berlin, den 27. Mai 1920. Der Leitende Wahlkommissar für die erstmalizen Wahlen zur Stadtverordneten« versamvilniig und zu de» Bezirk-vcrsnmmluugen der neue» Stadlstemeinde Berlin. �Vermn.h, Oberbürgermeister. (Dgb. Nr. 778 Wahl 1920). Ankauf 'Juwelen Margraf&Go. G.m. b. H. 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Mai in Berlin von den Delegierten Lettlands und Deutschlands unterzeichnet wurde und das nach Aus- tausch der Ratifikationen in Kraft treten soll, veröffentlicht. Die Hauptbedingungen sind: Deutschland erkennt Lettland als selb- ständigen Staat an, und zwar sofort, nachdem von den alliierten Mächten diese Anerkennung ausgesprochen ist. Sowohl Deutsch- land wie Lettland verpflichten sich, keine Be st rebungen zu unterstützen, die sich gegen eines der beiden Länder richten, und keine feindliche Truppenbildung auf ihrem Gebiet zu dulden. Deutschland verpflichtet sich zum Ersatz aller Schäden, die deutsche oder die dem deutschen Oberkommando unterstellten Trup- ven. in Lettland angerichtet haben. In Riga wird eine gemischte Ko- Mission die Höhe des Schadenersatzes feststellen. Lettland er- h'.t alles Kriegsmaterial, das den Truppen Bermonds gehört ./adle, ausgeliefert. Teutschland verpflichtet sich, Lettland Waren auf Kredit zu liefern. Wie WTB. hierzu von zuständiger Stelle hört, sind nach fol- gende Punkt« des Vertrages bemerkenswert: 1. Die oben erwähnte gemischte Kommission wird auch den Wert der von Lettland zu ersetzenden Aufwendungen feststellen, welche mit deutschen Mitteln für öffentliche Anlagen auf lettländischem Gebiet gemacht worden sind. 2. Beide Vertragsteile sichern sich für den gegenseitigen HavuelSverkehr, für industrielle Unternehmungen sowie für die Sch fahrt das Recht der Meistbegünstigung zu. 3. Lettland ver- pflichtet sich, den Transitverkehr aus Deutschland durch Lettland oder aus anderen Ländern durch Lettland nach Deutsch- land nicht zu erschweren und keine besonderen Transitab- gaben zu erheocn. Frankreich soll Polen retten l Kein litauisch-russisches Bündnis. Laut dem Pariser„Petit Journal" richtete die polnische Regierung an Frankreich ein Telegramm, das den E r n st der Lage mitteilt und um Entsendung namhafter franzS- fifth et HilfStruvpen ersucht. Nach dem„Journal deS TebatS" hat General Petain den französischen Kriegsrat ein- berufen, um über die militärische Lage der Polen zu berichten und über etwaige Truppcnsrndungen nach Polen Beschluß zu soffen. Millerand hatte bereits am Mittwoch eine längere Be- sprcckung mit dem Polnischen Botschafter in Paris. Odessa ist laut„TimcS" wieder von der Roten Armee besetzt werden. Tie Flotte der Alliierten hat die Häfen von Odcffa und Sebastopol verlaffen. » Di« litauische Gesandtschaft in Barlin schreibt uns: Nebcr ein Abkommen zwischen Litauen und Moskau, von dem die Presse nach einer TU.-Meldung aus Kowno berichtet und nach welcher Lilauen ein militärisches Vorgehen gegen Polen und einen eventuellen Angriff gegen Ostpreussen zugesagt lÄtie. liegen hier keine Nachrichten vor. Die Pressemel- dung entbehrt schon deshalb jeder Wahrscheinlichkeit, veil in K o w n o selbst keine Verhandlungen zwischen irgend. welchen Kommissaren Sowjetrusslands und der litauischen Re. -ierung gepflogen wurden Die einleitenden Verhandlungen über einen Friedensschluß sind auf telcgraphifchem Wege �esührt worden, während dann die weiteren Verhandlungen aus- schließlich in Moskau stattgefunden haben. In unserer Bemerkung zu der hier dementierten TU-Meldung stand, Litauen könnte einer Volksabstimmung in Kowno und Grodno um so ruhiger entgegensehen, als dort bisher Moskau regiert habe. Es mußte natürlich heißen: Polen. Mtipolenöemonftratlon in Reuthen. Ein Deutscher von einem Franzosen erstochen. Beutben lOberschleffenf, 28. Mai. Gegen ll Uhr obendS fanden polenfeindliche Demonstrationen vor dem Hotel Lomnitz, dem Sitze der Plebiszitkommission, statt. Fast sämtliche Fensterscheiben der unteren Geschosse sind z e r- t r ü m m e r t und die Türen eingeschlagen worden. Der„Grenz- zeiiung", dem Organ der nationalen Polen, sind die Fensterscheiben zertrümmert. Grund zu dieser Demonstration war, daß ein Deutscher von einem französischen Soldaten erstochen wurde. Der Franzose hatte sich on einem deutschen Mädchen vergriffen, das on den Deutschen befreit werden sollte. �bzug der Senegalesen bevorstehend. Weil man in Klein-Asicn Verstärkung braucht. Paris, 28. Mai.„Journal" erklärt, man habe jüngst behauptet, die senegalesischen Truppen seien aus den Rheinlanden wegen der deutschen Protestbewegung gegen die schwarzen Truppen abberufen worden. In Wirklichkeit seien diele Regimenter für die Arme» drr Levante bestimmt, wohin sie vom 10. Juni ab als Verstärkung gesendet würden. Hosländischcr Protest gegen die Schwarzen im Rheinland. Amersfort, 28. Mai.(HN.) Tie Vereinigung des„Vereins der Vernunft" hat eine Resolution angenommen, in der sie ihren lebhaften Abscheu gegtn die Perwendung von Kaffern und anderen Farbigen in dem Lande von Kant und Hegel, di« eine Beleidigung für das deutsche Volk darstelle, ausspricht. « Die Reichsregierung laßt durch die„P. P. N." ein« länger« Erklärung als Antwort auf die jüngst von uns gebrandmarkten amtz- lichen französischen Rechtfertigungen der schwarzen Truppen ver- öffentlichen. Diese Entgegnung läßt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. Sie führt zuerst eine ganze Anzahl von S i t t- lichkeitSverbrechcn an und bezeichnet den französischen Ver- such, in der Frage de: Verbreitung von GeschlechtSkrm:kheiten den Spieß umzudrehen, als„dreisten Z h n i S m u s". ES sei sta- tisrisch seit der Besetzung eine Vermehrung der Geschlechtskrank- heitcn um 737 Prozent festgestellt worden. Keine weitere Verschiebung von Spa. Die Allliorten gegen Italiens Wunsch. Paris, 23. Mai. Der„M a t i n" erklärt, die alliierte» Re- giernnge» hätten sich schon mit der Frag« beschäftigt, ob die Kou» fercnz von S p a, wie die italienisch« Regierung eS wünsche, verschoben werde» könne. Die allgemeine Meinung sei, daß man unmöglich auf eine Bertagung eingehen könne. meU man bann nicht imstande wäre, die internationale Finanz- konfercnz vor dem Herbst nach Brüssel zusammenzuberufen, die nur dann nützlich arbeiten könne, wenn die Alliierte» Entscheidungen getroste» und ße Deutschland mitgeteilt hätte». Parteifunktionäre und ReichsLagswahl. In einer am Freitagabend abgehaltenen, stark besuchten Versammlung unserer Berliner Partcifunltionäre sprach Genosse Eduard Bernstein über die bevorstehenden Reichstagswahlen. Einleüend führte der Redner aus, daß unsere Partei jetzt in einer schwierigeren Situation ist als bei den Wahlen zur Nationalversammlung. Die Anhänger der reaktionä- ren Parteien, die sich nach der Revolution vor uns verkrochen hat- ten, machen sich jetzt als die schwerste» Feinde der Republik be- merkbar. Tie Grundsätze unserer Partei sind die alten geblieben. Die Politik, die sie ihren Grundsätzen gemäß betreibt, ist die rich- t?ge. Wir haben erkannt, daß es unter den gegenwärtigen Ver- Hältnissen unmöglich ist. sofort die sozialdemokratische Republik zu errichten. Das geben auch solche Anhänger der U. S. P. zu, die von politischen und wirtschaftlichen Dingen etwas verstehen. Wenn aber die Errichtung der sozialdemokratischen Re- publik seither nicht möglich war und auch jetzt noch nicht möglich st, so muß eS als die nächste und wichtigste Aufgabe betrachtet werden, die demokratische Republik auf sicheren Loden zu stellen. Auch die Arbeiterklasse hat ein hervorragendes Interesse an der Sicherung der demokratischen Republik. Der Bestand der Republik wird durch die putschlüsternen Reakiionäre und die rechts- stehenden Parteien bedroht. Deshalb gilt für den Wahlkampf die Parole:„Der Feind steht rechts!"— Aber wir dürfen nicht ver- gessen. daß wir auch Gegner aufder linken Seite haben. Alle Versuche, mit der U. S. P. eine gemeinsame Front herzustel- len, sind fehlgeschlagen. Im Kampfe können wir unseren Geg- nern von links nicht um den Hals fallen. Erneute Eint- gungsver suche werden der Zeit nach dem Kampf vor- behalten bleiben müssen. Jetzt müssen wir scharf betonen, was uns von den Gegnern von links trennt. So schwer auch der Wahlkampf für uns sein mag, so haben wir doch keine Veranlassung, zu verzagen. Wir haben eine große Aufgabe zu erfüllen, nicht nur für die Partei, sondern für das §anze deutsche Volk. Das Schicksal der deutschen demokratischen iepublik hängt in der Hauptsache von unserer Partei ab. Das Bewußtsein, für eine große Aufgabe zu kämpfen. erfüllt uns mit der Kraft, die wir brauchen, um den Wahlkampf siegreich zu bestehen. Ter Redner besprach die wichtigsten Aufgaben, die der neue Reichstag zunächst zu erfüllen hat und kennzeichnete die Haltung der einzelnen Parteien. Scharf und rücksichtslos müssen wir den Kampf nach rechts führen. Nach links wollen wir so sachlich wie möglich kämpfen, wenn es uns auch von den linksstehenden Geg- nern schwer gemacht wird. Di« Kommunisten wollen in den Reichstag eintreten, um ihn zu stören, wenn möglich zu sprengen. Was für eine Politik die Unabhängigen befolgen werden, weiß man nicht. Aber auch sie wollen im Reichstag« nicht positiv mit- arbeiten. Das ist ein Standpunkt, auf den sich eine starke Partei nicht stellen darf. Macht gibt Verantwortung, und je stärker die Macht, desto größer ist die Verantwortung. Heut, wo die Eni- scheidnng in allen wichtigen politischen Fragen beim Volke liegt, hat die Wahlstimme ein viel größeres Gewicht, wie sie unter dem alten Regime hatte. ES wird unseren Gegnern von links nicht gelingen, uns zu schädigen. Stärker als wir in der Nationalver- sammlung waren, müssen wir in den Reichstag zurückkehren. Nur unter dieser Voraussetzung ist die Gewähr gegeben für die Durch- führung der sozialen Reformen und die Gesundung unseres Wirt- schaftSl»bens. Auch auf eine Verständigung mit unteren Gegnern von links itt nur zu rechnen, wenn wir stärker in den Reichstag kommen. Wenn wir unser« Anhänger mit dem Bewußtsein er- füllen, daß wir für eine große Aufgabe kämpfen, dann werden wir aus der Wahl so stark hervorgehen, wie sich vielleicht keiner von uns träumen läßt. lLebhaftcr Beifall.) Victor Schiff führte aus: wir müssen in dieser Situation ernste Worte an unsere Parteigenossen in der Regierung richten. ES du. sie n»ch! ge'chetcn, d'.ß der ReichSprälioenr auch nur ein» zelue von den vielen Todesi'.ncilen, die im Ruhegebict gefäll! wur- den, bestätigt hat. Auch we auhenordcntlichen KrrsgZger'cht: und der Belagerungszustand hätten viel früher aufgehoben werden müssen.(Beifall.) Johannsen teilte mit. daß unsere Agitation in Ostpreußen große Erfolge erreicht hat. Wenn wir überall mit Vertrauen auf unsere Kraft in den Kampf gehen, ist uns der Erfolg sicher. Bernhard Krüger trat ebenso wie der Vorredner für den entschiedensten Kampf nach rechts ein. Eduard Bern st ein erklärte ebenfalls, daß die Bestäti- gung der Todesurteile nicht zu billigen ist. Franz Krüger verwies darauf, daß auch der Parteivor- stand sich gegen die Bestätigung der Todesurteile erklärt und ge- meinsam mit dem Bezirksvorstand Schritte unternommen hat, um eine baldige Aufhebung der außerordentlichen Kriegsgerichte und des Belagerungszustandes durchzusetzen. Die Versammlung erklärte sich mit diekem Vorgehen des Bartcivorstandes einverstanden und erwartet, daß die Bemühungen fortgesetzt werden, bis die Forderungen: Keine Todesstrafe, keine Kriegsgerichte,.kein Belagerungszustand, erfüllt sind. Wilson begründet fem Veto. „Ein unau-löfchlicher FlcS ans der Ehre der Union." A m st e r d o m. 28. Mai. Wie aus Washington gemeldet wird, erklärte Präsident Wilson bei der Abgabe deS B-tos gegen die Friedrnsentschließung der Rcpnblikoucr, eine solche Art de? Frie- densschlusses würde ei» unauslöschlicher Fleck auf der Ehredcr Nnion sein. D-r Friedensvertrag von Versailles enthalte wichtige Bestimmungen, auf die die Entschließung keine Rücksicht genommen habe. Eine Verwerfung des Friedens- vertrage? durch die Union würde bedeuten, daß man sich zurückziehe und selbstsüchtige Interessen zu verfolgen wünsche. Die Entschließung habe sich um viele wichtige Ziele, für deren Verwirk- lichung dir Union in den Krieg gezogen sei, nicht gekümmert. Prozeß gegen belgisthe Sozialiften. Haag, 28. Mai.(Eigener Drahtbericht des„Vorwärts".) Vor den Antwerpener Geschworenen wurde wochenlang gegen den„So- cialiste belge" wegen seiner antichauvinistischen Propaganda im Krieg« verhandelt. All« Angeklagten wurden freigesprochen bis auf den Abg. I a m a r. Er wurde zu 6 Monaten Gefängnis, 500 Fr. Geldstrafe und fünfjährigem Ehrverlust verurteilt. Damit will man ihn um's Mandat bringen. Die Antwerpener Arbeiter sind darüber erregt._ Pomcards Mitfthuld am Kriege. Bricht sich die Wahrheit doch Bahn? Paris, 27. Mai. Wie jetzt nachträglich bekannt wird, bekundete t Friedrich, Tischler. Berlin: Grün�el, Hermann. Gla?albener- Berlin: S a ck, Heinrich, Fabrikarbeiter, Hannover: Bube. Paul' Maschinist, Berlin; Wieb er, Franz. Metallacbeiier, Duisburg! S t ü h m e r, Heinrich, Schneider, Berlin; B ackert, Cduard. Brauer, Berlin; Schräder, Fritz, Zimmerer, Hamburg; I ä ck e l. Hermann, Textilarbeiter, Berlin; Berg, Christian, Fabrikarbeiter, Hannover; Tornow, Fritz, Holzarbeiter, Berlin; St übler, Gustav, Fabrikarbeiicr, Hannover; M a h l e r, Heinrich, Lederarbeiter, Berlin; Bruns, Conrad, Fabrikarbeiter, Berlin; Schweitzer, Otto, techn. Angestellter, Berlin; Werner, Georg, teebn, Angestellter, Berlin; Klingen, Franz, teckn. Angestellter, Berlin; Brauer, Theodor, Verbandösekretär, Cöln a, Rh. 16 Arbeitnehinervertretcr des Handwerks. Kreil, Heinrich, Metallarbeiter, Berlin O 27; Simon, Josef, Schubmachcr. Nürnberg; Diermeyer, Joses, Bäcker, Hamburg; Knoll, Alexander, Steinsetzer, Berlin; Horter, Richard, Bauarbeiter, Karlsruhe; Schuhmacher, Mathias, Holz- arbeiter, Berlin; U m b r e i t, Paul, Drechsler, Berlin; A n d c rs ch, Richard, Lithograph, Königsberg i. Pr,; Spiegel, Karl, Metall- arbeiter, Düsseldorf; Wiedeberg, Josef, Maurer. Be? lin-Llchten- berg; Kurtscheid, Heinrich, Tischler. Köln a. Rh.; C a m m a n, Gerhard, Zigarrenarbeiler, Düsseldorf; Neustedt, Franz, Mecha- niker, Berlin; Görner, Guido, Textilarbeiter, Chemnitz: Kohl, Xaver, Tischler, Breslau; Hemminger, Karl, Buchbinder, Stuttgart. 10 Arbeitnchmcr-Icrtrctcr der Industrie nach räumlicher Gliederung. Thomas, W„ Metallarbeiter, Mainz; Lins. Bernhard, Fabrikarbeiter, Berlin; Czieslik, Alfred, Schlosser, Berlin; Combecker, W., Dr., technischer Angestellter, Magdeburg; Auf- h ä u i e r, Siegfried, technischer Angestellter, Berlin; Leonhard. August, Werkmeister, Düsseldorf; ll ck o, Georg, Verbandssekretär, Berlin-Lankwitz; Effert. Johann, Bergmann, Betzdorf- Sieg, Otte, Bernhard, Textilarbeiter, Düsseldorf; Breddemann; Johann, Techniker. Berlin. Eine Aufstellung der durch die Zentralarbeitsgemeinschaft zu benennenden Arbeitgebervertreter liegt noch nicht vor. wirb nun von den Aicheitgebern zu zeigen sein, ob auch fie bereit sind, den Schiedsspruch anzuerkennen. Zum Streik der Binnenschiffahrt. Neuerdings hat der Binnenschifferverband beim ReichsarbeitS- Ministerium beantragt, zur Entscheidung über seine Forderungen ein Schiedsgericht einzusetzen, dessen Spruch er sich unter- werken werde. Der Arbeitgeberverbond bat jedoch erklärt, dah er sich mit Rücksicht auf den mit dem TranSvottarbeiterverband»nd dem Zcntralverband der Maschinisten und Heizer sowie Beriiss« genossen Deutschlands abgeschlossenen noch laufenden Tarifvertrag an einem solchen Schiedsverfahren nicht beteiligen könne, Auch die beiden letztgenannten Arbeitnehmerverbände lehnen es nach wie vor ab, sich an einem Schiedsgerichtsverfahren mit dem Per- band der Binnenschiffer zu beteiligen. Bei dieser Sachlage läht sich ein Erfolg von der Einsetzung eines Schiedsgerichts nicht erwarten. Es ist aber auch ohnedies mit einer baldigen Bc- endignng des Streiks zu rechnen, nachdem an verschiedenen Stellen die Schiffahrt bereits wieder im Gange und der Streik fichtlich im Abflauen ist. Chemische Industrie, Der Schiedsspruch über den neuen Tarifvertrag für die Angestellten der chemischen Industrie ist durch das Reichsarbeitsministerium gefällt worden und mit groster Mehr- beit von den'Angestellten, als auch vom Arbeitgeberverband der chemischen Industrie angenommen worden. Die letzte Sitzung der Tarifkommission hat jedoch noch nicht stattfinden können, da die Korreklurnbzüae des Vertrages noch nicht vor- liegen, um die endgültige Fassung deZ Vertrages sestzu- legen und die Unterschriften zu vollziehen. Trotzdem soll die er st malige Gehaltszahlung auf Grund des neuen Vertrage? schon zum 31. Mai erfolgen. Der Gewerkschafts- bund der Angestellten kündigt nun an, dast der neue Tarifvertrag bereit? bei ihm käuflich zu erhalten sei, ES kann dieser Vertrag aiis den oben angegebenen Gründen jedoch nur u nvollständig lein. Sobald die letzte Lesung stattgesunden hat, wird der voll- ständige Vertrag für die chemische Industrie bei uns zu erkalten sein. Arbeitsgemeinschaft freier Angestelltenverbände Ortskartell Grost-Berlin, Berlin 61, Belle-Alliance-Str. 7/10. Ter Streik im Frisenrgcwerbe. Die Schuld der Arbeitgeber. Die Leitung des Jnteressenverbandes der Arbeitgeber versucht alles andere, als den Streik zu beenden. Ha: man vorher die Gehilfenschaft mit wochenlangen Verhandlungen hingezogen, so will man diese Verschleppungstaktik auch jetzt befolgen, in dem Glauben, die Gehilfenschaft durch einen langen Streik zu schwächen und wankelmütig zu machen. Auf der anderen Seite hat man die Gehilfen vom ersten Tage an bei Ausübung ihres Koalitionsrechts provoziert. Hat doch sogar der Arbeit- geber E h l e r t aus der Dircksenstraste sich in einer Meistervevsammlung damit gebrüstet, den Gehilfen mit dem Revolver entgegengetreten zu sein. Dann läuft man zum Polizeipräsidenten und führt Klage über den Terror der Gehilfen. Die Zentralstreikleitung, die einem Rufe des Polizeipräsidenten gefolgl war, lehnte ganz entschieden ab. Veranlassung zu irgend- Wshchn Ausschreitungen gegeben zu haben, alles war vielinchr auf das Konto der provozierenden Arbeitgeber zu buchen. Die Gehilfen- schast war am Donnerstag nach einem Bericht der Zentral- streikleitung erbittert über die Verschleppungstaktik der Arbeit- geber. Die Arbeitgeber sollen nicht denken, dast sie eine Friseurgehilfen- schaft der Vor kriegszeit vor sich haben. Es loird abzuwarten sein, was für eine Stellung die Arbeitgeber in den nächsten Tagen ein- nehmen werden. Die Streikleitung hat vom ersten Tage betont, dast sie zu Verhandlungen bereit ist. aber man soll die Leitung ihrer Kollegenschaft nicht allzu schwer machen, da man dann letzten Endes für nichts mehr garantieren kann. » Es wurde irrtümlich ein fliegender Rasierbetrieb Habsburger Hof, Askanischer Platz 1, angegeben. Wir widerrufen dieses. Die Zentralstreikleitung. Zobel. • Auf Ansuchen des A r b ei t n e h m e r» Verbandes der Friseure und deS Haargewerbes hat sich der ReichSarbeitSminister zur Einsetzung eineS besonderen Schlichtungsaus- s ch u s s e s im Reichsarbeitsministerium bereit erklärt, falls beide Parteien sich dem zu fällenden Schiedsspruch im voraus unterwerfen. Der Jnteressenverband der Friseure Grost-Berlins bat seine Zustimmung' bisher noch n i cht erteilt. Tie Löline de: Angestellten beider Schmöckwilzer U ferbahn. Wir erhalten von einem«VorwärtS'-Leser folgende Zuschrift: Allen, die des Sonntags Erholung in unserem herrlichen Schmöckwitz suchen, ist bekannt, dast der Fahrpreis auf der Schmöck- witz-Grünauer llferbahn von 50 Pk. auf 1 M. oestiea-n ist, Be- gründet wurde dieser enorme Ausschlag zum grosten Teil mit den Lohnforderungen der Angestellten, und manches bittere Wort müssen diele von nnwisienden Fahrgästen, die über den hoben Fahrvreis empört sind, einstecken. Darum ist e? wohl angebracht, die Löhne einmal der Oeffentlichkeit bekanntzugeben. Noch in diesem Jahre bezogen die Angestellten ein Monatsgehalt von 880 M Am 1. März brachten sie es mit Hilie des TransportarbeiterverbandeS auf 540 M, bei achtjähriger Dienstzeit, Als vor ein paar Tagen eine erneute Verhandlung vor dem SlblichtungSausschuh stattfand, bot die Gesellschaft 100 M, Zunhust monatlich. Darauf brachen die Vertrauensleute die Verhandlung ob. Ihre Forderung geht dabin, mit den Berliner Kollegen gleichgestellt zu werden. Denn die Ver- hältnisie sind hier teilweise noch ungünstiger als in Berlin. Nach- dem die Verhandlungen gescheitert find, bat der Betriebsleiter eine Ausstellung anaekertigt. worin er nachzuweisen sucht, dast eine vier- kövfiae Familie sehr gui mit 450 M, im Monat auskommen könne. JedeS weitere Wort dazu ist wobl überflüssig. Bemerken möchte ich nur noch, dast dieser Herr fSalzmann ist sein Name) ja bald ein Krösus sein must, da er ja dann, weil kinderlos, nur 225 M. im Monat verbraucht._ Mohrleqer und Helfer der S.P.D. Am Montag, den 31, Mai, abends 6 Uhr, ündct im Mewerkschaltshaus, Saal 4, eine Branchcnvcr- lammlung ftatt, in welcher Bericht von den Verbandlungen über den Neu- abschlulz des Tarifvertrages erstattet werden soll. Nuherdem steht ans der Tagesordnung ein Referat über die NeichZtagswahlen. Der Re- serent hierzu— eine unabhänalge Partcigröhe— ist aus der von der Orts- Verwaltung unterzeichneten Bersammlungseinladung nicht benannt. Die Rohrleger und Heller der S.V.D. wollen sich trotz des Migbranchs dieser Veriammlunq im Interesse einer gewisien politischen Richtung möglichst voll- zählig einfinden, Branche de? technische» Bühnenpersonals. Sonntag, den 30. Mai, vormittags g Uhr, GewerkichastsbauS, Engelufcr 15, Saal I, Branchenversammlung, Tagesordnung: Die Antwort vom Verband Berliner Bühnen- leitcr ans unsere eingereichte Forderung. Pförtner, Wächter»»d Ersatzleute in d en Brauereien. Sonntag, den 30, Mai, vormittags g Uhr, Versammlung bei Schulz, KönigSgraben 2. Branche Einzelhandel! Montag, den 31. Mai, 7'/, Uhr, in der Unionsbrauerei, Haienheide 22—31: Branchenversammümg. 1. Soll der Lobntaris gekündigt werden? Welche Forderungen gedenken wir den Ar- beitgebern einzureichen? 2. Diskussion und Beschlugiasiung, 3, Verfchie- dencs und Bc anch enangelegenheiten. Mitgliedsbuch ist mitzubringen und dient gl? Legitimation. Der Schiedsspruch für die Angestellten der Leberwirtschaft, Die Unternehmer der deutschen Lederwirtschaft haben es seit Ausbruch des Kriege» 1914 musterhaft verstanden, ihre Kapitalprofite auf Kosten des werktätigen Volkes auf das Unerhörteste zu erhöhen. Trotz glänzendster Konjunkturgewinne kam im letzten Tarifvertrag Januar 1920 für die Angestellten nur eine Lohnerhöhung von 50 Proz, als tarifliche Vereinbarung zustande. Inzwischen sind die Lebensmittelpreise und die Preise für sonstige wichtige Bedarfs- anikel weiterhin auherovdentlich gestiegen und verlangten die An- gestellten der Lederwirtschaft entsprechend den heutigen Lebensver- Hältnissen einen Lohnzuschlag von 100 Proz, auf die alten Tarif- sätze. Die Forderung wurde von den Arheitgebern glatt abgewiesen, sie wollten nur eine 20prozentige Erhöhung einräumen. Daraufhin rief der Zentralverband der Angestellten die Entscheidung des Schlichtungsaus schusses Grost-Berlin an. Die Per- Handlungen über die Lohnfrage wurden dieser Tage zu Ende geführt. Der SchlichtungSausschust, in dem sogar Arbeitgeber der Lederwirt- schaft saßen, fällte folgenden Schiedsspruch: Für Lehrlinge, Jugend- liche tmd für Angestellte der Gruppe I wird ein Zuschlag von 60 Proz., für Angestellte der Gruppe II ein solcher ijon 50 Proz., für Angestellte der Gruppe III ein solcher von 40 Prozi zu den alten Sätzen hinzugescblagen. Die Angestellten haben in einer öffentlichen Versammlung am 27, Mai sich dem Schiedsspruch schweren Herzens unterworfen. Es WirtseHafi Die Not der Kleinbetriebe. Wir erhielten folgende Einsendung: „Ich war 41$ Jahre im Felde und mußte im Februar d. I., um mein erspartes Geld zu retten, einen kleinen Tischlereibetrieb (6 Gesellen) von meinem Bruder übernehmen.— Der Betrieb ist mit Schulden überlastet, so daß ich bis heute, nach 4 Monaten, noch nicht imstande war, der Steuerbehörde die Auflaflungskosten zu bezahlen. In letzter Zeit nun wird aber nichts mehr gekauft bzw. bestellt. Tie fertigen Sachen, die Material und Arbeitslohn gefressen haben, stehen hier, es wird aber allwöchentlich Lohn verlangt. Bis Mitre April hatte ich zirka 1100 M. Lohn wöchentlich, jetzt habe ich für dieselbe Arbeitsleistung 1500 M. aufzubringen. Jetzt möchte ich gern wissen, wie Sie sich die Weiterbeschästi- gung von 6 Gesellen bei diesen Löhnen ohne Absatz denken. Die Regierung, die ich wiederholt um Auskunft bat, gibt mir meine diesbezügl. Schreiben ohne Kommentar zurück. Ich selbst arbeite mit meiner Frau nicht 8, sondern 12 und noch mehr Stunden. Wenn nun der Geselle die Woche 250 M. verdient, so hätte ick doch ebenfalls ein Recht, mit meiner Frau den doppelten Betrag zu beanspruchen. Wer garantiert mir nun diesen Ver- dienst, und wie denken Sie sich Zahlung der Zinsen und Amorti- sation der Schulden, Wenn sie nun die he m m u n g s l o s e Entfaltung dc§ Profit- gierigen Unternehmertums geißeln, so möchte ich Ihnen mal aui einige Zeit mein Unternehmen überlassen, vielleicht finden Sie auch Rat, eine zweite Hypothek von 40 000 M., die zum 10. Oktober d. I. gekündigt ist, zu schaffen, oder Sie veranlassen gütigst, dast der Be» trieb voll aufrecht erhalten wird. Es ist ganz leicht, zu r ä s o- nieren, aber unter der heutigen Wirtschaft besser machen und dai Erworbene halten, dai ist etwas anderes, Noch eins, wer garantiert denn dem Unternehmer ein sorgenfreies Alter? Angenommen, Sie wissen mir auch keinen Rat zu geben und ich bin im nächsten halben Jahr meine Bude los, würden Sie evtl. so freundlich sein und mir aus Dank des Vater- landes für treue 41$jährige Felddienstzeit so viel geben, daß meine Familie und ich leben können? Sorgen Sic doch dafür, daß den Millionären und den Banken die Reserve- fondszur U nter st ützungderkleinen Unternehmen gekürzt werden.— Ich bin nicht mehr imstande, mehr Lohn, als ich jetzt zahle, aufzubringen und muß, wenn kein Ausweg ge- funden wird, aufhören, zu fabrizieren.— Jetzt haben Sie das Wort. Max P., Dobrilugk, N.-L." Der Einsender war früher Lohnarbeiter. Um sein Spar« geld zu rette», übernimmt er in einer Zeit der Hochkonjunktur und glänzenden Gewinne eine Werkstatt und wird Unter« n e h m e r. Obgleich bei der Uebernahme des Geschäftes die H o l z p r e i s e phantastische Höhen bereits erreicht hatten, die Gefahr des Rückschlages also schon in sehr hohem Maße bestand, hat er dennoch da? Risiko der Produktion und Speku« lation auf eigene Rechnung übernommen. Der Rückschlag ist eingetreten, die zu teuren Möbel sind unverkäuflich, sein Unternehmen ist in Gefahr, und nun fordert er naiverweise, dast ihm als Unternehmer ein sorgenfreies Alter garantiert werden soll. Welche grenzenlose Verwirrung. Wenn jemand Aktien oder Wertpapiere zum höchsten Kursstand kauft und durch Umschlag der Konjunktur Verluste erleidet, hat er dann ein Recht, irgend jemand aus seinem Spielverlust einen Vor- Wurf zu machen? Doch nur sich selbst! Für den Einsender, dem ausreichendes Kapital nicht zur Verfügung stand, war ein Betrieb mit 6 Gesellen offenbar viel zu groß. Weil der kapitalschwache Unternehmer Absatzstockungen nicht er« tragen kann und zusammenbricht, weil bei einer grosten Zahl von Kleinunternehmern, die nicht auf f e st e Bestellung, sondern für den grosten Markt arbeiten, die Anpassung der Produltion an den wirklichen Bedarf nnmöglich ist, da ja der eine vom anderen nicht weist, was und wieviel er auf den Markt Wersen wird, weil die Existenz der Lohnarbeiter, aber auch der Klei»Unternehmer unter solchen Bedingungen ständig gc- sährdct ist, fordert ja gerade der Sozialismus die Be- seitigung der freien Älrtschaft, d. h. die Einschaltung aller Kleinbetriebe in eine große ProduktionSgcmrinschaft ihres Wirtschafls- Zweiges, die sie mit Rohstoffen und Material versorgt, die ihnen Anweisung gibt, was sie zu produzieren haben, die für die Abnahme der Fertigwaren sorgt. Jnnnerbalb einer solchen„Möbelgildc", die alle Möbeltischlereien des Reiches umfaßt, findet auch der heutige Kleinunternehmer die ihm fehlende Existcnzsicherheil. Er bleibt nicht mehr.Unternehmer*, sondern wird. B e« triebsführer* seines Betriebes und sollte soviel Spielraum behalren, dast für seine Tüchtigkeit sich entsprechende weite Arbeitsgebiete schaffen lassen. Nur auf diesem Wege wird der jetzigen anarchischen Wirtschaft ein Ende gemacht, die Pro- d u k t i v i t ä t aufs höchste gesteigert, werden die deutschen Pro« duktionsmittcl vor dem Ausverkauf an die Ausländer geschützt. Also, alle Ihr Kleinunternchmer, entscheidet Euch, die jetzige Wirt- schaftslrisis mahnt Euch ernstlich, an die Zukunft zu denken. Nur der Sozialismus kann helfen.—aetr. Eiscnexportpreise und Valuta. Infolge des starken Rückgangs der ausländischen Devisen an den deniichen Börsen sind die E x p o r t n o t i e r u n g e n ficr deutsches N u tz e i s e n, die sich vor sechs Wochen noch um rund 8000 M, pro Tonne höher stellten als die Jnlandsnotierungen, nun« mehr ganz in die Näbe der letzteren gerückt. Der„Berliner Börsen-Courier" bringt solgcude Umrechnung der am 27. April 1920 bekanntgewordenen Exporlnolierungen für deutsches Stabeiien usw. in deutscher Währung aus Grund der Berliner Devisennotierungen vom 25. Mai und verglichen mit den durch Um- rechnung gewonnenen entsprechenden Notierungen vom 27. April 1920: Stabeisen: Inlandspreis des Eisenwirtschaftsbundes für Mai 1920 pro Tonne 3650 M. Auslandspreis pro Tonne a 1016 Kilogramm geliefert nach: am 25, 5. 20 am 27. 4. 20 Holland 300 Gulden a 13,84 M.. 4002,— M. 6336 M. Schweiz 650 Fr. a 6,19 M.... 4023,50, 6715, Dänemark 625 Kronen a 6,84 M.. 3650,—, 6213, Norwegen 550 Kronen a 6,49 M.. 8569,50, 6149, Schweden 500 Kronen a 7,84 M.. 3920,—, 6190, Bandeisen und Universaleisen. Inlandspreis des Eisenwirtschaftsbundes für Mai 1920 pro Tonne 4050 M. Auslandspreis pro Tonne k 1016 Kilogr. geliefert nach: am 25. 5. 20 am 27. 4, 20 Holland 350 Gulden a 13,34 M.. 4669,— M. 7392 M. Schlveiz 730 Frs. a 6,19 M.... 4518,70, 7541. Dänemark 700 Kronen a 5,84 M.. 4088,—, 6958, Norwegen 625 Kronen a 6,49 M.. 4056,25, 693c, Schweden 575 Kronen a 7,84 M., 4508,—. 7180. Die vorstehenden Exportnotierungen stehen somit beute schon wesentlich unter den vom Reichswirlschaflsministerium Milte Mai festgesetzten Preisen jür Saai- zc. Material, die sür Stabeisen 5500 M, Und für Bandeisen 5860 M, pro Tonne betrugen. Es enistcht die Frage, welche Einwirkung die vier geschilderte Entwicklung namenilich bei weiterer Besserung deS Marklurses und Unterschreitung der Inlandspreise durch die Exportpreise auf die elfteren haben wird.__ Neue Kupfervorkommen im Harz. Zwischen Blankenburg (Harz) und Altenbrak wurden neuer Kupferlager von einer u n- g'e wohnlichen Ausdehnung erbohrt. Die Verhüttung der Erze ergab eine Hochwertigkeit von 15 bis 24 Proz. Der„Saale- zeitung" zufolge versichern die Fachleute, dast nach sorglicher Be- rechnung bei dem neuen Kupfervorlommen die Erzeugungsziffer der PJanssel bischen Gewerkschaft erreicht, ja über» troffen werden könne. Bcrantw. für den tetafhon. Teil: Erich ftnttnec, Sempctfiof: für Anzeigen: Th. Glocke, Berlin. Verlag! Vorwärts-Verlaa®. rn. b. ß.. Verlin. Druck: Ver- wärts-Buckdruckerel u. Verlaasanstalt Banl Singer u. Co. Berlin. Linirnlir 3. __ ßittju 1 Beilage. - prrvwTFCErajr-iar—--------~ I Die neue llufiane des Kommentar Zum istrlsbsriteaÄseti von Dr. Georg Flatow umgearbeitet u, ergänzt auf den Stand vom 11, Mai d. I.. mit der Wahlordnung u. den AnssührungSbestimmungen der dcntschen Staaten, Preis geb. 11 M, Broich. 9 M. u. 20% Tcuenmgszuschl. erscheint am Sonnabend« den 29. Mai. Buchhandlung Vorwärts, Berlin SW 68, Lindenstr. Ä.