Nr.Z72.37.I»chrg. Bezugspreis t B!rlfl|ä[)tl.25,50;0!�,inonatLS,M fflt. frei in? Haus, voraus zahlbar. Boll- dezuz Monatii-h s,— il!ll> ectLftu- ftellungsgedühr. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 1'>,— Mt, für das übrige Ausland bei tägllch einmal. Fuftellimg 20,-- R. Dostdeüellunqen iiedmen an Däne» Marl. Hoacnb. üuremdurg, Schtvadeu. SfJjecho- Sicco alet und die Schmelz. tbingetragen in die Vost-Aeitung»- Preisliste. Der.Bormärls" mit der Sonntaa» beilaze»Volk u. Keir' erschelnt machen- uigüch-weiniat. Sanntaze und Mvn- tags einmal. Teiegranim-Adresle: �Sozlaidcmatrat UerNn". Abend-Ausgabe Devlinev Volksblatt AszeigenprciS: Die achtgespalten» NmcvarelUezeil« laltei s.— M., Tenerungszuschlag S0°/» �Sleina Anzeigen", da» jett- gedrulile Wart 1,— 23t.(zulässig zwei fettgedruckte Worte), jedes weiter« Wort M Pfg. Stellengesuche»na Schlaislellenanz-igen das erste Wort SS Psg» iedes weitere Wort W Psg. Worte über 15 Puchstaben zilhlen sür zwei Worte. Teuerunqszuschlag 50o<» sramilieu-Anreigen für Abonnenten geile 2,— M., politische and zo» wertschastliche Pereius- Anzeigen 3,— Md. die geile ohne Aufschlag. Anzeigen siir die n ii ch st e üiumr.ier müssen bis 6 Ilhr nachmittags im Hauptgelchäit, Ber!üi EW SS. Linden- ftragc 3. abgegeben werden, ibeossnet von S Uhr srüh bis 5 Uhr abends. Zentralorgan der rozlaldcmokratlfchcn Parte» Deutfchlando ReüaMon und Expedition: SV). HS, �indenstr. Z. Fernsprecher: Zlmt Morittpla«. Sir. 1S1V7. Sonnabend, den K9. Mai vorwärts-Verlag G.m.b, H-, EW. vZ» Ändensts. 3. Kerufprecher: Amt Moritzpla«» Nr. 117»Z—."»1. Mlarmnachrichten. Die gegenwärtige Situation wird dadnrch charakteri- sisrt, dah aus allen Teilen des Reiches bei uns Alarmnach- richten über die Vorbereitungen des neuen Rechtsputsch es einlaufen. Wir sind nicht in der Lage. non hier ans sämtliche Meldungen zu kontrollieren, fühlen uns aber doch verpflichtet, sie wiederzugeben, weil aus der (iksanithcit zweifellos hervorgeht, daß irgendein sehr um- fassendes Untenlehmen im Gange ist. Selbst wenn hier oder da eine Einzelheit unrichtig dargestellt sein sollte, was bei der Heimlichkeit, mit der derartige Tinge vorbereitet werben, immer möglich ist, so erscheint es doch ganz a u s g e s ch l o s- s e n, baß eine so große Fülle von Alannmeldungen aus den v e r s ch i e d e ll st e n Teilen des Reiches eingehen konnte, wenn jeder reale Untergrund fehlte. Unter diesem Vorbehalt geben wir zunächst eine Meldung aus Frankfurt a.£>.: Frankfurt o. O., 20. Mai.(Eigener Trahtbericht des „vorwärts".) Wie unserem Parteiblatt, dem„VolkSfrennd" aus sicherer militärischer Quelle mitgeteilt wird, beabsichtige» die Deutschnationclcii und die mit ihnen verbündeten Militärputschistcn amü. oderö. JunieincngroßenSchlagzumSt.urze der Nepnblik und zur Verhinderung der Wahlen zu führen. Das militärische vorgehen ist im Gegensatz zur März- Woche peinlichst organisiert. Der Ausgangspunkt für den Osten liegt unweit Frankfurt a. Q., es sind die Orte K o r n h e i m und <3 t e n t s ch. Die Führung liegt in den Händen von vier Generälen. Die Einnahme von Verlin soll von Borpommern aus erfolgen. AlS OperationSbastS ist G r e i f S w a l d in Aussicht genommen. Die Nicderlnüttclung von Mitteldeutschland wird von Hannover uns in die Wege geleitet. Für de» Bezirk Frankfurt a. O. stehen SZOO Offiziere i n Manns chaftSuniform zur Berfügung, die als Sturmtrupps in hervorragendem Mafie mit Maschinengewehren und Handgranaten ausgerüstet sind. Urber die Teilnahme von Garnisonen bzw. solcher zur Stellung geeigneter Formationen liegen zurzeit noch keine sicheren Meldungen vor. Um Mannschaften in ausreichendem Maße zu ködern, verspricht man ihnen pro Tag .0 0 b i S-l 0 M a r k Löhnung. In Frankfurt a. O. sind Agenten zur Anwerbung von aktiven Unteroffizieren tätig. Für die Aktion, die Frankfurt a. O. in die Hände der Putschisten bringen soll, dient als Generalstab das Gut Lipp enze. Die Güter Lossow und Kunersdorf beherbergen die Stäbe der Nach- richtcnabteilunge«. Di- Listen zur Verhaftung von Ar- beiterführern befinden sich bereits in den Händen der Vor- truppoffiziere. Die Liste für Frankfurt a. O. beginnt mit dem Namen des SiedaktcurS Genossen S ch n l z. Man glaubt durch die Verhaftung der führenden Genossen den Generalstreik ver- hindern zu können. Gleichzeitig verdichten sich die Meldungen über die Sommlung der entlassenen Freischärler in Hinterpommern und Ostpreußen immer mehr. Wir erhalten z. B. folgenden Bericht: Braunschweig, 29. Mai.(Eigener Drrfhfbericht ve».Vor. wärt-".) Braun schwei gische Angehörige des Freikorps L ü tz o w, die im Sermelager entlassen wurden imd nach Anerkennung der Stammrolle und Erledigung aller Entlassungsformalitäten, find nach Stolp in Pommern bestellt worden, angeblich zur Ernpfang- nähme ihrer Entlassungsgelder.(!!) Sie sollen nur in Zivil kmnmen und eS vermeiden, die sie Empfangendr« mit ihren militärischen Titeln anzurrdcu. Vertrauensvotum für MMeranö- Paris, 28. Mai. Tie Kammer hat die Diskussien der Jnterprllationen über die finanziellen Klauseln des Friedensvertrages von Versailles und über die Verhandlungen von Hythe be- endet und eine VertrauenStagesordnung für die Regie- rung mit 535 gegen 68 Stimmen angenommen. verstoß ttittis füz Deutschiano. i en, 29. Mai. Der Korrespondent der„Telegraphen-Union" meldet: Wie in hiesigen maßgebenden Ententekreisen verlautet, kommt der Konferenz in Spa eine sehr hohe Bedeutung zu. Ter italienische Ministerpräsident Nitti wird einen s-hr energischen Borstoß zugunsten Teutschlands unternehmen. Er will beantragen, daß die ersten der internationalen Kre- dite Teutschland und Oe st erreich gewährt werden, da man zuerst die Länder vollkommen beruhigen müsse, in denen der Kommun-suiuS durch die wirtschaftliche Notlage immer wieder aus- brechen könne. ES kann mit Sicherheit gesagt werben, daß Niiti bei seinem Auftreten die volle Unterstützung der Engländer finden wird. Sein Verhalten ist nicht nur durch Gründe der äußeren Politik be- stimmt, sondern auch durch d:e Furcht vor den italienischen Sozial. demokraten. Der Oberkommissar von Palästina. Wie der Londonc: Bericht- erstatter des„Manchester Guardian" mitteilt, wird sich Sir Her- hert Samuel am 20. Juni nach Palästina zur Uebernahme des Amtes des O b e r l o m m i s s a r s begeben. Ueber die Gefahr in Ostpreußen berichtet unser Tilstter Organ„Die Volksstimnie" seit mehreren' Tagen sehr inter- essante Einzelheiten. Wir greifen folgendes heraus: Nach Ostpreußen sind vor einiger Zeit regelmäßig auf dem Seewege aus Pommern Trupps von 50— 100 Mann, aus reaktionären Freischärlern und Baltikumern bestehend, angekommen und auf die Elüter in Beibehaltung der inili- tärischen Organisation verteilt worden. Bis jetzt haben wir fest« stellen können, daß allein auf fünf Gütern im Kreise Jnstervurg Baltikumpferde untergestellt sind. ES gibt noch viele Winkel, in die hineinzuleuchten wäre. Der ganze, großzügig ausgebaute Apparat der Konterrevolutionäre illustriert aufs prächtigste den Ausspruch eines Gutsbesitzers, der auf die Frage:„Haben Sie denn aus dem Kapp-Putsch nichts gelernt?" frech cnitwortete:„Ja, daß wir die Seche nächstes Mal besser vorbereiten müssen." Am 21. Mai trafen in Nortitten drei Kisten„Maschinenteile", angeblich aus der Maschinenfabrik Stallupönen, ein. Adressiert war die Sendung an den Staatsdomänenpächter Girod- Saalau, einem Schwiegersohn de? bekannten konservativen Dreiklassen- haus- Abgeordneten du Maire-Birlenfelde. Die„Maschinen- teile' bestanden aus sieben Maschinengewclzren, einem schweren und sechs leichten. Ebenso sind Freitag in Waldhausen drei solcher K i st e n mit„Maschinenteilen" abgeladen worden- Auch Domänen- Pächter F ä ch s e r- Norkitteu und Gutsbesitzer Reichert- Auer hoben vor einiger Zeit Maschinengewehre erhalten. Viele andere Güter sind uns schon seit langem als Waffcnlager bekannt. Weiter notieren wir, was unser Tilsiter Pcrrteiblatt aus Szillen berichtet: Hier wurde das Jnf.-Regt. 2ZZ, ein ziemlich stark reaktionär durchsetztes Regiment, aufgelöst. Die 1. M.-G.-Kompagnie dieses Regiments bestand z. B. nur aus Baltikum ern, die eigentlich schon längst hätten entlassen sein müssen. Wie es mit deren Stellung zur Regierung stand, bewies der Abzug dieser Kompagnie aus Szillen. Die„Regimentskapelle" mit dem Kom� pagnieführex an der Spitze, zog die Kompagnie mit wehender schwarz-weiß-roter Fahne, begleitet von den Regiments- und Bataillonsadjutanten, zum Dahnhof. Hier wurden große Reden geschwungen, in denen auf die kommende bessere Zeit hingewiesen wurde.„Heil Dir im Siegerkranz" und„Deutschland über alleS' fehlten natürlich auch nicht. Die Fahrt-ging dann nach Grünhetde an der Tilsit— Jnstev burger Streike, wo die Kompagnie, wie in Pommer», geschlossen nach einem Gute marschierte und dort untergebracht wurde. Diese Meldungen sind bei weitem nicht die einzigen Alarm Meldungen, die uns vorliegen. Will man. wie im März, ans Warnungen erst wieder hören, wenn es zu spät ist?! O Der Polizeipräsident von Stettin hat, wie die„B. Z." hört, gestern dreißig schwer bewaffnete Soldaten festnehmen und ent- waffnen lassen, die auf dem Gute Nae-Rossow bei Stettin gelegen haben. Dieses Gut gehört dem Geschäftsführer des Pom- mer scheu Landbundes im Kreis Randow. Das Gut ist von den Soldaten, die vollkommen kriegsmäßig ausge- rüstet waren, in militärischen Verteidigungszustand gesetzt worden. Es waren zwei Maschinengewehre eingebaut, Schießscharten herge- stellt und die Gutsgebäude durch Sandsäcke gegen Geschoßwir- kung gesichert. Die verhasteten Soldaten sind nach Stettin gebracht worden. Ein« genaue Untersuchung des Falles ist eingeleitet. prokkamation des lettischen Volksstaates. Kopenhagen, 29. Mai. Das lettische Prrssebureau meldst aus Riga: Am 27. Mai proklamierte die lettische Nationalversamm- lung einstimmig Lettland als unabhängigen Staat auf demokratischer Grundlage. Für diese feierliche Erklärung stimmten auch sämtliche nationalen Minderheiten, Deutsche, Russen und Juden._ die volenkrawalle m Schkstirn. Vcuthen(Oberschlesien), 29. Mai.(MTB.) Die Kundgebungen bei der Erstürmung d«S polnischen Plebiszit-Kommissariats im Hotel Lomnitz dauerten von 8 Uhr abend? bis »Ozh Uhr nachts. Die Polizei war machtlos. Große Werte sind der Vernichtung zum Opfer gefallen. Die Verwüstung läßt sich nicht beschreiben. Zum Schluß wurde von der Menge in den unteren Räumen noch Feuer angelegt, so daß diese völlig ausbrannten. Wie verlautet, sind drei Personen getötet und zehn ver- w u n d e t worden. Früh um 3 Uhr machten die Polen einen Angriff auf die„O st deutsche Morgenpo st", der die Fensterscheiben zertrümmert und die Türen eingedrückt wurden. Wien, 28. Mai. Die Blätter berichten aus Mährisch- Ostrau: Andauernde Schießereien in: Abstimmungsgebiet, wo in der letzten Nacht w'.oder zahlreiche Personen verletzt wurden, veranlaßt«« endlich italienische Truppen zum Einschreiten und zur Besetzung einiger Karwiner Schächte, welche darauf von den j Polen geräumt wurden, Koutskv und U. S. y. In der„Revolution", einem„Unabhängigen sozicldemo- kratischen Jahrbuch für Politik und proletarische Kunst", das kürzlich im Verlag der„Freiheit" erschienen ist, macht Karl K a u t S k y Ausführungen über die Probleme des Sozialis- mus, die eine klare Bejahung der sozialdemokratischen Grund- sähe und eine ebenso bündige Abweisung der neuesten unab- hängigen Heilslehren darstellen. Kcmtsky schreibt u. a. das folgende: Eni« vollkommene Ittbarwindung der Klassengegensätze... wird nicht erreicht, wenn an Stell- der Kapitalisten nicht die ganze Gesellschaft tritt, sondern bloß die Löhnarbeiterschaft, errttveder gar nur einzelner Betriebe oder selbst ganzer Industriezweige odor der Industrie insgesamt.... Der Sozialismus ist nicht Sache deS Proletariats allein, sondern Sache der gesamten Mensch- heit.... Doch nicht unter allen Ilmständen wird der Sieg de? Pro- letariats zu einem gesellschaftlichen Aufstieg führen, sondern am ehesten dort, wo das Proletariat intellektuell und moralisch so doch entwickelt ist, daß es den Zusammenhang seines Klasscnirrter-sseS mit dem gesellschastlichsn Interesse begreift und jegliches S o n- derintercsse diesem gemein sauien Interesse unterzu- ordnen versteht. Ebenso wenig wie gegen die Masse der Löhnarbeiterschaft ver- mag sich ein Regime heute gegen die Masse der Jntellektu- ellen lange zu be'haupten. Eine wirksame Soziolisiqpmig ohne sie wird ganz unmöglich. So wenig heute auf die Dauer gegen die industriellen Arbeiter regiert w-rdan kann, so wenig vermag nian gegen die Bauern zu regieren... Die Sozialisierung der Industrie... wird nur lamn Bestand haben, wenn sich d>e Bauernschaft mit ihr abfindet... Von ihr(der Förderung der Produktivität. Red. d.„V.") hängt tatsächlich das Schicksal der Soziali sierung ab. Der Bauer wird sich für diejenige Produktionsform entscheiden, die ihm den größeren Vorteil bietet. Kautsky kann von Glück sagen, daß er bem Mitglieds- buch nach kein Mehrheitssozialist ist. Die unklaren Köpfe der U. S. P. erklären jeden, der auf die Notwendigkeit er- giebigerer Produktion hinweist, für einen Arberterverräter, Kapita lsknecht, Reformkapitalisten usw. Die Notwendigkeit erhöhter Produktivität erklärt Kautsky nun mit der Armut der Revolutionsländer: Gin revolutionärer Staat mit einer ganz- oder halbsozialisti- schen Regierung befindet sich heute in der Lage eines armen Erfinders. Die erste praktische Anwendung der großen Er- sindung des Sozialisnrus findet ihre beste Vovhcdingrmg in hinein reichen Staat, dem es nicht schwer fällt, das für die Ansänge der Sozialisi-rung nötige Lehrgeld aufzubringen. Die jüngste Rc- volution vollzog sich in Staaten, die durch den Weltkrieg zu Bettlern geworden sind. Wo wollen sie das Lchrgcld hernehmen? Die Kapitalisten des Westens werden es ihnen für sozialistische Zwecke sicher nicht pumpen. Aber Kautsky geht noch weiter: er wird zum Lob- redner der verpönten Demokratie: Der große Vorteil der Demokratie besteht darin, die gewalttätigen, zerstörenden Methoden überflüssig zu machen, den Fori schritt weniger schmerzlich und opfervoll zu gestalten. Hier vor allem könnte dre sozialisierte Pröduklion der kapitalistischen gegenüber sofort ihre Uederlegenheit beweisen— unter der Voraussetzung, daß die Arbeile r intelligent und diszipliniert genug sind, die Methoden der Demokratie zweckmäßig anzuwenden und so die Waste des Streiks in den sozialisierten und damit demokrati- schen Betrieben überflüssig zu machen. Wenn man an die wütenden Angriffe der meisten U.S.P.- Leute auf die Demokratie denkt, dann kommt man zu dem Schluß, Ktnitsky wolle ihnen sagen, es fehle ihnen an In- telligenz und Disziplin, um sich der Waffen der Demokratie zu bedienen. Das Todesurteil schreibt Kautsky der ganzen unabhängigen Politik in den Schlußsätzen seines Artikels: Hat das Proletariat die Jntellekl-uellen und die Bauern hinter sich, dann braucht es die Kapitalisten nicht zu fürchten. ES wird mit ihnen fertig ohne jegliche Diktatur, durch die Methoden der Demokratie. Die KapitaliftenAasse könnte zu einer dem Prole- tariat gefährlichen Macht im Staate nur wieder werden mit Hilfe der Bauern und Intellektuellen. Von der Haltung dieser Schichten hängt die nächste Zukunft des Sozialismus in allen Ländern ab. in denen das klassenbewußte industrielle Prole- tcrciat nicht die Mehrheit der Bevölkerung ausmacht und der Kleinbauer für die Lebensmittelversorgung der Bevölkerung eine entscheidende Rolle spielt. So spricht der Mann, der stets zu den hervorragendsten geistigen Ftihrern der alten einigen Partei zählte und den gerade die Radikalen früher als ihren geradezu u n s e h l- hören Theoretiker betrachteten. Heute ist Kautsky freilich bei den überradikalen Schwärmern ein erledigter Mann, weil er es nicht versteht und verstehen will, seine wipniichaftliche Erkenntnis nach flüchtigen Stimmungen ein- zurichten, und man muß es schon als ein Zeichen wieder- kehrender Besinnung betrachten, wenn ihm überhaupt noch in einem offiziellen Jahrbuch seiner Partei das Wort ge- gönnt worden ist. Stünde die Partei der Unabhängigen auf dem Boden der Anschauungen, die Karl Kautsky vertrilt, so gäbe es zwischen ihr und der Sozialdemokratischen Partei keinen grund- s ä tz l i ch e n Unterschied: die beiden Parteien könnten sich dann lieber heute als morgen wieder vereinigen, um die noch übrig gebliebenen taktischen Meinungsverschiedenheiten im Innern der wiedervereinigten Partei auszutragen. Die Abkehr des großen oder zum mindesten heute noch) einfluß- reichsten Teils der Unabhängigen von den alten sozialdemo- kratischen Grundsätzen ist das Unglück der Arbeiterbewegung, sie macht es schwer und bis ans weiteres sogar unmöglich, die unselige Spaltung und Zerklüftung zu überwinden. Ueber Fragen der Taktik läßt sich allezeit reden. Den Boden ihrer Grundsätze, jener Grundsätze, die auch Karl Kautsky mit soviel Eifer und so ausgezeichneten Argumenten verficht, kann aber die Sozialdemokratische Partei nicht auf- geben, nur auf ihm ist die Einigung möglich. Tie Schlußfolgerungen, die jeder denkende Arbeiter aus diesem Sachverhalt ziehen muß, ergeben sich ganz von selbst. — durch Emsteüung vW Haltlkumsrn! Ter Republikanische Führer-Bund tellt uns mit: Die„Säuberung" der Reichswehr wird besonder; in Polsdam in großzügiger Weise durchgeführt. Hunderte von Soldaten werden auf Grund der durchzuführenden Heeresverminderung entlassen, was verständlich ist, unverständlich bleibt aber, daß an Stelle der Entlassenen sofort Baltitumsoldatcn eingestellt werden. So sind jetzt bei der 5. Batterrie des leichten Art.-Regts. 3(Hauptmann Gröben- dinkcl) 4 Unteroffiziere und 20 Mann entlassen und durch Balti- kumer ersetzt worden. Charaltcristisch für die militärischen Zustände im allgemeinen und in Potsdam im besonderen ist, daß bei einem ganzen Abtei- lungsstabe(Bataillons stab) 27 Offiziere, darunter 3 Majore und 7 Hauptleute, Dienst tun. Die Republik hat's ja dazu. Im Vestibül des Wirtschaftsgebäudes der Kaserne Nedlitz be- finden sich einige hundert frisch mit Hakenkreuzen versehene Stahlhelme. Bei der 4. Komp. Garde-Schützen-Ball. werden nur noch Jalti- kumer eingestellt. * Reichswehrminister Dr. G e ß l e r sprach gestern im Konzert- haus in Potsdam vor einer nach Tausenden zählenden Menge. Die Rode des Ministers drehte sich hauptsächlich um die Reichswehr. Die Reichswehr— so sagte Herr Geßler nach dem Bericht einer Korre- spondenz die jetzt vielen Anfeindungen ausgesetzt.ist, müßte da sein und der Geist von Potsdam müßte in der Reichswehr sein. Denn der Geist von Potsdam sei die Pünktlichkeit, G e- wissenhastigkeit und Treu«, und ein Staat, der seinen Bürgern nicht Ruhe und Ordnung verschafft, hört auf ein Staat zu sein. Aber ein Teutschland gegen den Willen der Ar- b e i t e r s ch a f t zu führen, wäre vermessen und gefährlich. Daher müssen wir mit der Arbeiterschaft und die Arbeiterschaft mit unz gehen. Jeder müsse sich klar sein, daß wir keinen Krieg führen können. Und wer jetzt dazu ausfordert, der fordert die Katastrophe des deutschen Volkes herauf. Jeder politisch Erfahrene weiß, daß nicht die Militärkamarilla noch einmal herrschen wird, denn mit Handgranaten und Aiaschinengewehren werden die deutschen Ver- fassungen nicht ausgetragen. Niemals darf die Gewalt herrschen. PätSdam und Weimar muß eine Geisteszemeinschaft werden. Wir können aus dieser Rede nur entnehmen, daß der ahnungslose süddeutsche Reichswehrminister den wirklichen„Geist von Potsdam", wie ihn die obige Darstellung erkennen läßt, auch jetzt noch nicht lennengelernt hat! Dw mpftenAfen Putsibpläne in Schlesien. Eine neue alldeutsche Arbeiterprovvkation? Aus Anlaß der in den letzten Tagen in verschiedenen rechts- stehenden Zeitungen veröffentlichten Alarmberichte über „kommunistische Mordpläne" in G r ü n b e r g i. Schl. waren gestern Shaksspearss Julius€afat". Ein Experiment im Großen Schauspielhaus. Die stärksten Wirkungen Hai das Reinhardtsche in ihrer Struktur wie dem Aufbau des Zuschauerraumes an das griechische Theater gemahnende Schauspielhaus in der Wiedergabe altklay'i- scher Tragödien erreicht. So in der Darstellung der Aeschhleischen Orestie und des Sophokleischen Oedipus, des ersten Werkes, das — vor langen Jahren schon— in diesem, von der überlieferten Ge- wohnheit so weit abweichenden Nahmen erschien. Das ist kein Zu- fall. Die Möglichkeiten, welche die gewaltigen Dimensionen boten, waren hier künstlerisch phantasievoll zur Erzeugung jener Stimmung ausgenützt, auf die nach Schillers beredtem Wort das Wesen des antiken Dramas abzielt. Der Chor, heißt es in Schillers Bemer- kungen zur Braut von Messina, repräsentiere sinnlich sichtbar den großen Hintergrund des öffentlichen Lebens, die Refonnanz, die das individuelle Einzelschicksal in der Gemeinschaft auslöst. Erst durch dies Miteinander erhalte das Ganze seine überragende Bedeutsam- keit.„Der Dichter muß die Paläste wieder auftun, er muß die Ge- richte unter freiem Himmel herausführen, das Iliimiitelbare, das durch die künstliche Einrichtung des wirklichen Lebens aufgehoben ist, wieder herstellen", wie der Bildbauer, um die großen einfachen Linien menschlicher Gestalt zu zeigen, alle verhüllenden Gewänder abstreifen. Man braucht die Ansicht Schillers von einer künftigen dramatischen Fortentwicklung nach dieser Richtung hm nicht zu teilen, aber gewiß erscheint es, daß die Wucht und Macht jener alten Werke nur in einer Form der Wiedergabe sich voll entfalten kann, die jenes Miteinander des Einzelnen und Allgemeinen in großem Bild zusammenfaßt, den Chor, der sonst ein ziemlich müßiger Zierrat bleibt, in freier Nachschöpfung zum Instrumente solcher Stimmung macht. Das scheint mir, war die Reinhardtsche Idee. Das Riesenmaß der Linien und die Massen, die den Palast des OediouZ umbrandeten, ordneten, sich solchem künstlerischen Zwecke ein. Jedoch die Schöpfung eines ständigen Theaters, in dem auch für die Werke völlig anderer Prägung. die Mittel dieses Apparate? Verwendung finden sollen, muß zu bedenklichen Experimenten führen. Man wurde die Empfindung von etwas Aeußerlichem, Un- organischem bei der Aufführung des Cäsar nicht los. Die Volks- szenen dieser historischen Haupt- und Staatsaktion, die uns im all- gemeinen heute wenig sagt, waren ungebührlich in den Vordergrund geschoben, als habe der Poet es auf ein Volks- und ein Milieustück abgesehen. Die Haufen römischer Lumpenproletarier, einen Wald von nackten Armen in die Lüste werfend, strömten immer wieder auf der zum Kapital aufsteigenden gewaltigen S'raße hin und her, ja füllten, wenn der Raum zum Szenenwechsel sich verdunkelte mit drei Vertreter der Arbeiterschaft Grünbergs in Berlin, um dem Staatskommissar Dr. Weißmann und dem preußischen Minister des Innern Genossen Severing, welch« die Entsen- dung von 200 Mann Sicherheitswehr nach Grünberg ange- ordnet haben sollten, über die dortigen Zustände Vortrag zu halten. Da die beiden Herren verreist waren, wurden ihren Vertretern von der Kommission folgende Wünsche ihrer Auftraggeber über- mittelt: Die Regierung möchte sofort einen Kommissar zur strengsten Untersuchung der Angelegenheit nach Grünberg entsenden und sich nicht lediglich auf die Angaben des dortigen Polizei- inspektors stützen, da da? bisherige Verhalten dieses Herren in der Angelegenheit der Arbeitcrsckast Grünbergs nicht ver- trauenerweckend erscheine. Die Regierung möchte dies: Untersuchung so beschleunigen, daß sie noch Vörden Wahlen beendigt ist. Die Abordnung hatte den Eindruck, als ob die angerufenen Regierungsstellen durch die zuständige Behörde Grünbergz nicht richtig unterrichtet waren und lediglich durch Pressenach- richten Kenntnis hatten. Deshalb erscheint es seltsam, daß Minister Severing, wie es in diesen Nachrichten heißt, die Entsendung von 200 Mann Sicherheitswehr nach G. angeordnet haben soll. Die Herren von der R c g i e r u n g erklärten sich bereit, den Wünschen der Arbeiterschaft sofort nachzukommen, verhehlten jedoch nicht, daß gerade jetzt viele derartige Wünsche aus allen Gegenden des Reiches geäußert würden. Sie versprachen jedoch alles daran zu setzen, um schnellstens Klarheit in diese mysteriöse Ange legenheit zu bringen. Die Arbeiterschaft GrünbergS erwartet mit Spannung das Resultat der Untersuchung. Ghne öen Kapp-�utsch... Eine Nadauversammlung Helfferichs. Tie Dblrugnungsversuche der Deutschnationalen, mit denen sie krampfhaft ihre Mitschulo an dem Kapp-Putsch zu ver- hüllen suchen, sind ebenso kindisch wie würdelos. So sagte Herr Helfferich, einer der Hauptschuldigen im Welt- kriege, gestern in einer Wahlrede: Ohne den Kapp-Putsch hätte unser Volk noch lange auf die Wahlen warten können. Ta-Z stelle ich hier fest, obwohl unsere Gegner daraus herleiten, daß wir den Kapp-Putsch vertreten." Wie reimt sich hierzu folgender Ausspruch seines Partei- freundes H e r g t, den er unserem Genossen H e i l m a n n am 13. März gegenüber tat(s. Vorw." Nr. 263): „Kapp und Lütttvi'tz sind zum äufftrsten entschlossen und werden vor nichts, aber auch ver gar nichts zurückschrecken. Sie baben vorher gewußt, daß sie e' n sehr(hohes Spiel spielen und werden alles daransetzen, es zu ge- Winnen." Nimmt es hiernach Wunder, daß Herr Helfferich sich mit leidenschaftlicher Wärme für den Hochverräter Traub einsetzte? Wir hätten sehen mögen, mit welchem Triumph die Kappisten von den Reaktionären gefeiert worden wären, wenn ihr Buben- stück nicht durch die Achtsamkeit und die heldenhafte Opfer- bereitschaft der deutschen Arbeiter vereitelt worden wäre. Für das geistige Niveau der Versammlung sprachen die Hochrufe auf das Hohenzollernbaus und die Niederrufe gegen die Republik. Schlimmer aber als diese deutschnationalen Radau- brüder, von denen man schon manches, gewöhnt ist. wirkte das Verhalten eines Pfarrers H a e ck e r, der sich— a l s G e i st- licher gegen die„pazifistischen Tendenzen in Deutschland" aus- sprach. Es scheint, daß uns nicht nur den preußischen Leut- nant, sondern auch den preußischen Pfarrer niemand nachmacht. So sieht„die Partei des wahren Christen- tums" aus. Für Helftsrichs Heldenmut spricht der nette Umstand, daß er„aus Furcht vor D e m o n st r a t i o n e n" nach Schluß seiner Rede durch einen HinterauSgang unbemerkt vom Publikum das Gebäude verlieh. Herr Helfferich sagte, der 6. Juni werde ein Tag deS Ge- r i ch t s werden. Das soll er. Es ist an der Zeit, daß wir endlich dem Nachhall ihres leidenschaftlichen Tosens noch die Zwischen- pausen aus. Das mußte, bei allen malerischen Reizen im einzelnen, auf die Dauer zerstreuen und durch stetes Wiederholen des Aehn- lichen ermüden. Was die Befriedigung der Schaulust anlangt, sollte das Theater die ja doch aussichtslose Konkurrenz mit dem Film erst gar nicht aufnehmen. Wo aber die Massen gestern nicht agierten, zeigte sich die weite Streckung des Podiums als ein schweres Hemm- nis intimerer Wirkung. Die Schauspieler, welche von seitwärts oder von unten der Arena her zum Mittelpunkt der Bühne wollten, mußten, was ihrer Römerwürde wenig anstand, das Tempo ihres Ganges mehr oder weniger dem Laufschritt nähern. Einen impo- santen Anblick bot das große Panoramabild des Schlachtfeldes bei Philippi mit der erst heiter blauen, dann wie von Blut getränkten Himmelskuppel. Aber die Menschen ertranken gleichsam in der Weite; das Pathos der heroischen Reden verwehte in diesem Raum wie ein Sichaufspielen von Gernegroßen. Eine interessant originelle Porträftkizze war der Cäsar von Werner Kranß, dessen stählernes Organ spielend in jede Ferne drang. Freilich sein Cäsar hatte nichts vom Helden, noch ging von ihm ein Hauch der überlegenen Geistesgröße aus. Auf korpulentem Rumpfe wuchs fast ohne Hals ein Haupt mit ungcheu cm Schädel, abschreckend häßlich, aber einprägsam hervor. In den bedächtig ab- gemessenen Bewegungen, die etwas pedantisch Komödienhaftes hatten und der Stimme drückte sich das grenzenlose Selbstbewußt- sein, das ja der Dichter gleichfalls unterstreicht, sehr überzeugend, wenn auch keineswegs sehr sympathisch aus. Die bäuerliche Plump- heit, die CaSca in dem Stücke nachgesagt wird, möchte Herrn Ja- mings als Rechtftrtigungszrund erscheinen, wenn er in brutal grotesker Individualisierung diesem Verschworenen das Aussehen eines halben Trottels gab. Den Brutus spielte Wilhelm Dieterle mit einem Jünglingsantlitz, das zu der Shakespeari- scheu Figur nicht paßte, doch als ein tüchtiger und starker Sprecher. Das sonst so anmutig klangvolle Organ von Else Heims, die die Portia gab, erhielt unter dem Zwang, den Raum zu füllen, ettvas Sprödes. Die Glanzleistung des Abends war M o i s s i s Marc Anton in der großen Rede, deren offensichtliche, aber die ge- dankenlose Masse widerstandslos mit sich fortreißende Sophismen heute mehr noch als sonst zu denken geben. D:e bekannten Worte klangen wie neu auS seinem Munde, prachtvoll verstand er es die Kraft warmblütigen Gefühls, aus dessen Tiefe ihm die Bilder strömen, mit demagogisch rechnender Komödianterei zu mischen: Hier in dieser Szene, die die Massen verlangt, wirkte ihre Bewegung als lebendiger Wiedcrhall. Conrad Schmidt. Karl Kranß, der im überfüllten Dechsteinsaal las und den ganzen Abend lang bejubelt wurde, hat so überaus recht, wenn er behauptet, man müsse Tag für Tag in das vergeßliche Gehirn die Erinnerung an all das Elend, an all die Grausamkeit und Roheit laus der schwülen Atmosphäre herauskommen, die für i Verbrecher die geeignete. L/il zum Atmen und zur Ausführung ihrer Schandtaten ist. Ter 6. Juni soll ein reinigendes Gewitter werden, der alle Sm.vülc beseitigt und unsere �Feinde dahin verseglt, wohin sie g: ee-u: in den Abgrund! Früchte ihrer Pogromhetze. Während. Helfferich im Saal | seine nationalistischen Phrasen schmetterte, benutzten seine P a r- Iteifreunde, die vor der Tür— wie oben mitgeteilt, ver- i geblich— auf ihn warteten, die Zeit zur Veranstaltung eines ! kleinen Pogroms. Jüdisch aussehende P-a s s a n t e n, die an der Hochschule vorübergingen, wurden angehalten und belästigt. ' Einige jüdische Damen gerieten in eine so bedrängte Lage, daß schließlich die Sicherheitspolizei eingreifen 'mußte und die Damen in Schutz nahm. Auch nach Schluß ! der Helfferichschen Rede kam eZ in der Hardcnbergstraße und in der Umgebung des Zoologischen Gartens zu Schlägereien und a n t i s e m i t i s ch e n Z w i s ch e n f ä I l e n. Wenn man die wahnsinnige Juden hetze unserer Nationalisten hierfür verantwortlich macht, so werden diese natürlich mit der nun schon öfters aufgesetzten Miene der Harmlosigkeit jede Schuld von sich abweisen. Und doch muß auch ein Blinder all- mählich einsehen, daß derarilge Pöbeleien dieselbe Konse- guenz der„deutschnationalen Rassenpolitik" sind wie Militär- putsche eine Folge ihrer volksfeindlichenRegierungs- hetze. öspkott gegsn Sas wsz'ßs Ukgaen. Rundschreiben der Gewerkschaftsintcrnationale. Aus Amsterdam wird uns gemeldet: Das Sekretariat des Internationalen GewerkschaftSbundeZ hat auf Grund des kürzlich in London gefaßten Beschlusses, wegen der Verfolgung der Arbeiterbewegung in Ungarn jeden Verkehr mit Ungarn abzubrechen und jenes Land von der Außen- weit abzuschneiden, an die Lande-zentralen der verschiedenen Länder Rundschreiben gerichtet. Das endgültige Datum für den Deginn des Boykotts wird wahrscheinlich im Laufe der nächsten Woche festgesetzt werden. Die gekneb.iie„Nepszada"(sozialdemokraiisch) bringt an der Spitze mit ausfallenden Lettern folgende Mitteilung: Die Parteileitung hat seinerzeit das Rechtsschutzbureau der Sozialdemokratischen Partei ausschließlich zu dem Zweck organi- siert, um den Mitgliedern der Partei Rcchisschutz zu bieten. Bei der Errichtung des Bureaus wurde die Parteileitung drftch das Pflichtbewußtsein geführt, den in Bedrängnis sich befindlichen Mitgliedern den ibircn auch nach dem Gesetze zustehenden Rechts- schütz zu gewährleisten. Die Parteileitung hat nun' in Anbetracht der zwingenden Umstände, die die Tätigkeit des Rechts- schutzbu-reaus zum Teil beeinträchtigen, zum Teil unmöglich machen, beschlossen, die Tätigkeit des Rechtsschutzbureaus vom heutigen Tage angefangen einzustellen und das Bureau a u fzu lös e n. Die Erklärung erteilt kein« näheren Aufschlüsse über die zwingenden Umstände. An der Spitze des Briefkastens ist in der gleichen Nummer folgendes zu lesen: „Wir ersuchen unsere Genossen, ihre in welcher Nedaktious- angelegenheit immer an uns gerichteten Briefe nicht zu unterschreiben und insbesondere nacht mit ihrer Adresse zu versehen, sondern anonyme, mit einer Chiffre versehene Briefe uns zu schreiben." Diese wenigen Andeutungen in dem sozialdemokratischen Organ sprechen Bände von dem weißen Schrecken, der Ungarn beherrscht! die Meinungsfreiheit knebelt und das Volk in den Abgrund drängt. Zeuzcnaufruf. Am 9. November 1918 wurden die beiden Obermatrosen Karl Macherei, St.-Nr. 1ö63, 2. M. G. K. I. M. R. und Franz S ch e y k a. St. 1253 tz. A. K. I. M. R.. sowie der Unteroffizier Neubert auf Befehl der Ad mirale Schröder und Jasper erschossen. Zeugen dieser Vorgänge, die Angehörigen der Getöteten, namentlich auch die Mitglieder des ehemaligen Zentralratcs der Marine und des Scldatennrtes von Antwerpen werden gebeten, ihre Namen und Adressen an die Kommunistische Arbeiterzeitung in Hamburg, Neuer Steinweg 3/3, einzusenden. des Krieges kneten, damit denen, die schon erneut sich anmaßenden Ton gestatten, ihr Treiben vorgehalten ioird. Und es ist ja auch geiviß recht, daß über alle» Wirren des Tages„das Lied der großen Zeit" schon fast au-Z dem Gedächtnis schwand, so daß nur noch ein verblaßtes gutmütiges Rückschauen vorhanden ist. Aber trotzdem Kraust doch auch gewiß derjenige ist, der die Berechtig'�pg hat� Anklage und Spott hinauszu rufen, weck er von Anbeginn die Sinn- losigkeit und das Unsittliche des Krieges verwarf, so wurde der Abend doch nicht zu dem. was man einen ethischen. Verzweiflungs- schrei nennen könnte. Hieran trugen das begeisterte Publikum und Karl Kraus; gleichermaßen die Schuld. Jeder weist, daß Krauß noch im Hohn voll tiefer Ergriffenheit ist, aber wenn man zwei Stunden nur ironische Glossen hört, die den intellektuellen und sehr selbst. bewußten Witz an der Stirn tragen, dann geht die Wirkung in die Breite, statt in die Tiefe, dann entsteht e:nc familiäre Verknüpfung zwischen Vortragendem und Publikum, welches, des sittlichen Willens nicht mehr eingedenk, nur aus geistsprühende Satire wartet. Man kann auf weitem Platze unbesorgt davon sprechen, daß man schon 1914 gewarnt und gehöhnt hat. aber im Dechsteinsaal vor einer noch so großen Gemeinde, die das weiß, klingt es eitel. Und über dies hinaus: die da klatschten, sind ja gar nicht alle Verfechter der traurigen Wahrheit, um die es Krauß zu tun ist, sondern Anhänger seiner brillanten Gestaltungskraft. Dafür kann Krauß nichts, wird man einwenden. Und er kann doch dafür, wenn er Helfershelfer wird, indem er den ganzen Abend aus Negation, und sei sie noch so sittlichen Ursprungs, einstellt. Einmal, nur einmal leuchtete ver. sonnen, gütig, ergreifend und traurig das ganze Elend der großen Zeit auf: dies war, als Krauß einen Brief von Rosa Luxemburg an Sonja Liebknecht aus dem Gefängnis vorlas. Das w�r erschaudernd. So kann Ethik gepredigt werden. Uro. Tie Zukunft der Wiener Staatsthcater soll sich folgendermaßen gestalten: Durch eine Vollzugsanwciiung der Staatsregierung wer- den die Staatstheater(ehemaligen Hofchsater) in die Verwaltung des Unterrichtsamtes übernommen. An die Spitze der Staats- theaterverwaltung wird ein Präsident treten. Alle künstlerischen Fragen entscheiden die Direktoren. Um den setzt schwer empsun» denen Uebelsiand, daß unsere ersten Bühnen infolge der hohen Ein. trittst» eiie nur den zu Vermögen gelangten Kreisen zugänglich sind, abzuschaffen, und auch den breiten Schichten des Mittel- standes,.den Angestellten und der Arbeiterschaft den wahren Kunst- genuß zu ermöglicken, soll neben den bestehenden Staatstheatern eine weitere K u n st st z t t e gewonnen iverden, auf der mit den Kräften und den Betriebseinrichtungen der anderen Staats- theater vollwertige Kunst zu billigem Preise geboten werden kann. Es ist das der Weg, der auch in Berlin beschritten worden ist. Dem Präsidenten der Staatstheaterverwaltung wird als beratende Körper- schaft ein Kuratorium beigegeben werden. Erstauiführungen der Woche. Di.: Kleines ZibauipielbauS: Leib- gardi!:. Theater d-S WeltenS: Schrei nach dem Kind. Tcibiine: Bunbury. Llliicn-Tbcater: Ei» Markrnscherz. Künsilcr-Tbeater: Tie bessere Halste.— Mi.; Kammerspiele: Taifun.— So.; Siaatsoper: Schahrazade. Mißbrauch öe? fimtsgewalt. In H e i n r i ck) s d o r f i. M. hat der Gemettidevorsteher B i! s ch v d in Form einer amtlichen Bek.mutmachung foigeirdes lnilteUen lassen: Bekanntmachung. ?l!n Dienstag, den 1. Juni':Z2g. soll um 8 Uhr abends eine Versammlung der T e u t s ch n a t l o n a l e n Volks- p a rtei im Schleußschen Gasthofe stattfinden. Redner Herr H e i t s. Heinrichsdorf, den 25. Mai 1920. Der Gemeindevorsteher V u s ch o m. lind da faseln die Teu'schnationalen noch von Mihhrnuch der Ztnusgewalt durch die Sozialdemokraten! Dsr Senthsimer Skanöai. Bereits zweimal haben wir im„Vorwärts" auf da? Treiben der kinscken Ueberwachungsoffiziere auf der holländisch- , deutschen Grenzstation Bentheim hingewiesen und die zustän- digen Regierungsstellen aufgefordert, diese Deutschlands Ansehen kompromittierende JCrgane zu entfernen und durck taktvolle, modern denkende Beamte zu ersetzen, welche ostjüdische Auswanderer wie Mens.teu und Hohenzollern-Angehörige nicht wie Halbgötter be- tändeln wurden. Unsere Beschwerden hatten auch in der holländi- schen Presse Widerhall erweckt, z. B. im Amsterdamer„Handels- b l a d". In ihrem Schuldbewustlsein batten die betreffenden Kon- trollosfiziere zwar nicht den Mut gehabt, sich direkt au uuS zu weiiden, aber sie veranlagten— auf Grund loelchcr Gegendienste ist uns nicht bekannt—, holländische Reifende, bei uns zu ihren Gunsten einzutreten. Sie werden indessen wenig Glück damit bab-n. Ein Mitglied der hiesigen norwegischen Gesandt- s ch a f: ist in den letzten Tagen auf der Grenzstation Bentheim von den Ueberwachungs» und Zollorganen derart behandelt worden, dast d.e norwegische Gesandtschaft sich gezwungen sah, in aller Form a n das Auswärtige Amt eine Beschwerde zu richteu. Diese Unannehmlichkeit hätten sich unsere amtlichen Stellen er- sparen können, wenn sie, wie es sich gehört hätte, auf Grund unserer Mitteilungen sofort eingeschritten wären. EOßSerüu Stipfti öibftis Räuöesalbe. stipsti Bibsti ist christlich, teutsch und national, mithin iinsehlhar. Er ist Erosi'aufmann, denn ein solch kleiner, elender Krämer, der selbst hinter dem Ladentisch steht und an den Pöbel verkauft, das ist er nicht. Er handelt en gros mit allen rationierten Lebensmitteln und mit sdcfyen Waren, die ob ihres hohen Preises nur eine kleine Oberschicht der Kriegs- aeminnler sich erlauben kann. Und während Stipsti Bibsti a'l die leckeren Sachen, die ein einfacher Mann nur noch vom Hörensagen kennt, verkaufen läßt, schilt er über die Zwangs- Wirtschaft und die schlappe Regierung, die den Schleich- Handel nicht unterbinden kann. Stipsti Vibstis Sohn stu- diert Iura, denn jedes richtiggehende Geschäft,(es lebe der Kapitalismus, daher wählt deutschnational) ist eine Heber- tretung der Gesetze. Dach Stipsti Bibsti ist volksfreundlich in hohem Maße, er befriedigt alle Bedürfnisse, daher läßt er dieselbe Ware dem einen für Schmierseife und dem andern für Schmierkäse verkaufen. Stipsti Bibsti hat einen Hund und weil in seinem Haus? alles auf Kriegsgötterverehrung zugeschnitten ist, heißt dieser Hund Alexander der Große. Um poetisch sich auszudrücken, liebt er diesen Hund mit allen ftasern seines Herzens, mir der Einstellung seines ganzen Seins auf den Gegenstand seiner Liebe. Wenn diesem Hund mal etwas Menschliches passiert und er in� einem Zimmer deutliche Spuren hinter- läßt, dann zählt Stipsti Bibsti, der für Kriegsgeschichte und I i? große Geste schwärmt, dem Hunde erst alle glorreichen Siege Alexander des Großen auf, bevor er ihn verdrischt. Ter Hund, er hatte es sicher so gemacht wie sein Herr und war reichlich nachgestiegen, bekam eines Tages die Räude. Dieser- l stb schaffte Stipsti Bibsti drei Schachteln Rändesalbe an. Tie war Ersatz und daher nicht viel wert. Beim Hund wenigstens blieb sie wirkungslos. Die zweite Schachtel ließ Stipsti Bibsti einer alten Frau zwecks Vertreibung des SchweißfußeS verkaufen, auch so angewandt blieb sie ohne Wirkung. Die dritte Dose aber verkaufte Stipsti Bibsti eigenhändig dem Grafen von Versprecheviel— als Mittel gegen Abnahme der Manneskraft, Haarausfall und Gedächt- msickwund. Diesmal aber war die Salbe von wunderbarer Wnckung. Denn der Graf erinnerte sich plötzlich und uner- wartet aller früheren Wahlmanöver und verfaßte sofort ein Drbend arbeitet- und frauenfveundlicher deutschnationaler Wahlflugblätter. E. B. Tie Straßenbahn gegen billige Monatskarten. Ter Vorsckfag des Berliner Stadtverordneten Dr. Wcyk auf Auseabe von Monatskarten zu 20 Mk. bei täglich zweimaliger Beimtziinq wird, wie eine Korrespondenz meldet, von der Stras-en- babn abschlägig besch jeden werden,.da sie einmal einen zu aroüen Ausfall befürchtet(die einzelne Fahrt würde in diesem stalle 12 Pfg. etwa kosten,, andererseits die technische Seite zu viel Schwierigkeiten macht, weil neue Monatskarten mit Tageseintei- p-ng und Koup.ieren der Tagesebschnitt« notwendig werden. Die 0'0:ge dieser Weigerung wird ein weiteres Abwenden von Abon- nenten der Vororte zur Siaatsbahn werden, soweit dies möglich ist. Die Eisenbahndirektion rechnet bestimmt mit dieser Tatsache. und wird, wie mitgeteilt, vom 1. Juni ab in den Sailptverkehr-Z. jzeiien neue Züge einlegen. Selbst nach der Erhöbung der Tarife im Berliner Stadt- und Vorortverkehr wird das Abonnement aus ter Eiienbahn gegenüber der Straßenbahn noch 20 bis 30 Mk. billiger sein. � Wenn die Straßenbahn so schnell bei der Hand ist. jeden, der ' gemachten Vorschläge abzulehnen, so könnte der Unbefangene aur den Gedanken kommen, sie hätte ein Ei des Kolumbus in Bereitschaft, um mit einem Schlage aus den Schwierigkeiten her- aukz'ckommen, und den Verkehr wieder volkstümlich zu gestalten. o re Wabrheit ist. daß nichts geschieht und nichts geschehen wird, vis Schließlich die Fartwurstelei mit einem großen Krach schließt. „Es gibt ein Hlutbaö/ Während die„Den!'che Tageszeitung" über Schwindel höhnt, wenn wir von Putsch.: l'sichten ihrer Anhänger nach den Wahlen berichten, liefern ihre Berliner Parveianhänger selber das Be- weismaterial hierzu. In Treptow sand am Donnerstagabend im Gesellschaftshans eine öffentliche Wählerversainmlung statt, in der der Genosse Bräu er und Genosse Wachenheim rcfe- rierteii. In der Diskussion meldete sich ein Herr Hahn, der sich ausdrücklich als Deulschnationaler bezeichnete, und tat nach reich- lichen wüsten Schimpfereien aus die gegenwärtige„KorruptionS- regierung" wörtlich folgenden Ausspruch: Wenn am 6. Jnni die Sv-ialdcmokratcn die Mehrheit der Mandate erreichen, dann gibt es in Teutschland ein Blutbad, wie es noch nicht dagewesen ist. Dieser Ausspruch des Herrn Hahn stt von mehr als 500 Ver- sammlungsteilnehmern gehört worden. Die Versammlung geriet durch diese Provokation in große Erregung und nur dank der großen Selbstbeherrschung unserer Genossen wurde ein Tumult vermieden. Deutstlmatlonale Verwanölungskunstler. In einer neuen komischen Rolle kann man jetzt die Deutsch- n a t i o n a l e n bewundern. Jhve„Parteikorresponöenz" beschäftigt sich in der Nummer vom 25. Mai in einem Artikel mit der Stellung der Sozialdemokratie zur S i c d l u n g s f r a g e. Hier wird— mrn höre und staune!— allen Ernstes gegen die Sozial- demokratcn der Vorwurf erhoben, daß sie zur Verwirklichung jenes Punktes des Erfurter Parteiprogramms, der die Auf- teilung des Großgrundbesitzes verlangt, bisher so gut wie gar nichts getan hätten, und jetzt überhaupt nur aus Gründen der Wahlmache eine gewisse platonische Schwärmerei für die Siedlungs frage an den Tag legten. Aus den Darlegungen der deuzfchnationalen Korrespondenz muß also jeder vernünftig denkende Mensch logischerweisc den Schluß ziehen, daß die D eu t s ch- nationalen jetzt für die Aufteilung der großagra- r i s ch cn Latifundien eintreten. Anders wäre es ja nicht zu oerstehen, wenn sie gerade den Sozialdemokraten zum Vor- wurf machen, nach dieser Richtung hin nichts ErnsthasteS unternommen zu hallen. Man darf nun sehr gespannt sein, was die Großgrundbesitzer in Pommern, Schlesien, Ost- Preußen usw., die ja bekanntlich Kern und Rückgrat der „Deutschnationalen Volksparlei" bll.ecn, zu dieser plötzlichen Wand- lung ihrer Parte! sogen werden. Tie mittleren und kleinen Landwirte aber, soweit sie noch der„Deutschnationalcn Volkspartei" anhangen, werden gut daran tun, nach dem 6. Juni ihre Partei« freunde daran zu erinnern, daß sie nun selber das von den Sozial- demokratcn so schmählich vernachlässigte Werk der Landaus- teilung schleunigst nachholen. Wir werden sehen, ob... I Presse gleicht dem in der Zeit unmittelbar vor dem 13. März wie lein Ei dem anderen. Die„Deutsche Zeitung", die sich da- | mals merkwürdig gut unterrichtet zeigte, überschrieb ihre Morgen- i ausgäbe vom 13. März mit den ihr harmloses Gemüt verratenden ' Worten„Ein angeblicher Militärputsch", und ein weiterer Artikel ! der gleichen Nummer war„Ablenkungsrummel?" überschrieben. Genau so wird es heute getrieben, und die„Post" und die ihr verwandten Blätter schreiben ruhig und naiv von.Putschtaumel", �„Putschtrunkenheit" usw., ohne daß allerdings sich heute noch irgend l jemand findet, der an diese Naivität glaubt. Sie haben die � Nolle des„reinen Toren" endgültig a rsgespielt und gleichen mehr dem verzweifelt leugnenden Verbrecher. Wer rvollts ösn Parlamentarismus! Die Teutschnationalen. Mit großer Heftigkeit richtet sich die Wahlpropaganda der Deutschnattonalen wie der Deutschen Volkspartei gegen die parlamentarische Regierungsform. Mit sittlichem Pathos wird die Einführung von„Fachmini stern" gefordert, was bekanntlich auch ein Ziel des Kapp-Putsches war. Da darf man wohl einmal nachforschen, wem denn die jetzige par- lamentarische Regierungsform mit zu verdanken ist. Für die Wahlen zur Nationalversammlung stellte im Januar 1919 die Deutschnationale Volkspartei ein Nicht- linienprogramm in 16 Punkten auf. Punkt 2 dieser Richtlinien lautete wörtlich: Wir fordern die Rückkehr von der Diktatur einer einzelnen Bevölteruugsklasse zu der nach den letzten Ereignissen allein mög- lichen parlamentarischen RegierungSform. Im Januar 1919 hat danach die Deutschnationale Volks- Partei die parlamentarische Negierungsform nickt nur gefordert, sondern sogar für die„allein mögliche" erklärt. Mit der Einführung der parlamentarischen Regierungsform ist also nur eine dringende Forderung der Deutschnationalen Volkspartei erfüllt worden. Worüber entrüsten sich die Herren eigentlich? Aber die Deutschnationalen erinnern sich ihres Januar- Programms aus guten Gründen nicht gern. Fehlte doch in diesem ganz und gar das jetzt im Brustton vorgetragene Wcnn man aus- dem Verhalten unserer reaktionären Presse aller Schattierungen einen Schluß auf die Ereignisse der nächsten Tage und Wochen ziehen will, so kommt man mit untrüglicher Sicherheit zu dem Ergebnis, daß wir vor einem neuen Militärputsch stehen. Das Verhalten unserer alldeutschen monarchische Bekenntnis. Dagegen hieß es: Wir sind bereit und entschlossen, auf dem Boden jeder TtaatSform mitzuarbeiten, in der Recht und Ordnung herrschen. Heute tun die Herren so, als hätten sie sich niemals in ihrer monarchistischen Treue beirren lassen. Im Januar 1919 dachten sie ganz anders! Wir Denunzianten. Die„Nationalliberale Korrespondenz", da? offizielle Organ der«Deutschen Volkspartei". ist über die fortge- setzten Enthüllungen des„Vorwärts" betreffs der Putschab- sichten ihrer deutsch nationalen Freunde so entrüstet, daß sie zu dem nicht mehr ganz neuen Mittel greift, uns„Denun- ziantentum" vorzuwerfen. Das eröffnet hübsche Perspektiven Wenn jemand erfährt, daß sein lieber Nächster einen Mord beabsichtigt und er hiervon den Behörden Mitteilung macht, dann ist er also ein übler Denunziant. Braucht das Gleichnis, das Wort für Wort auf die Deutsche Volkspartei und die Deut ichnationalen, die Mörder der d e u t s ch.e n Republik paßt, noch besonders übertragen zu werden? •v Hakenkreuz und Gardestern. An schreibt uns zu diesem lieblichen Thema: r /y ry nyy r kl rt CTO Ss. err<... JC" f...., Die neueste Mode für höhere Schüler und Schule-....un iaeint in Bezug auf Abzeichen das so charakteristisch« Hakenkreuz in f-nr; an ti semitischen Bedeutung zu sein. Diese Empiindung hatte kürzlich, als an der Großbeerenstraße eine höhere Schülerin im Alter von ca. 15— 16 Jahren in die Elektrische einstieg. Stolz prangt an ihrer linken Sehe das Hakenkreuz und der preußische Gardestern mit s-fevarzweißrotem Felde drin. Beide Abzeichen waren hübsch sauber in halber Größe der aewöhnlichen OrdenSstern« aearkeitet. so daß mit Sicherheit angenommen werden kann, daß diele.stolzen" Abzeichen maschinell in großen Mengen hergestellt sind. Ucbor Geschmackssachen soll man nicht streiten, und es soll jeder nach seinem Geschmack selig werden. Trotzdem habe ich dag Tragen dieser Abzeichen als eine große Provokation emp- suuden. Daß Eltern das Tragen solcher Abzeichen ihren Söhnen und Töchtern gestatten, vielleicht sogar propagieren, ist bei den augenblicklichen Gegensätzen vielleicht noch zu verstehen. Interessant ist die Angelegenheit nur vom pädagogischen Stand. Punkt. Daß Lehrer und Direktoren der höheren Lehr- an st alten nicht energisch gegen diesen llnfug vorgehen, sondern jedenfalls in vielen Fällen offen mit dergleichen„Nationalen Helden- taten" sympathisieren und sie fördern, ist das traurige Zeichen unserer Zeit. Wie soll die Republik von Bestand sein, wenn der Nach- wuchs in diesem Sinne he»angezogen und herangebildet wird? Man sieht an diesem Beispiel wieder, daß die Bemühungen des Kultus- Ministers, an unseren höheren Lehranstalten und Hochschulen Wau- del zu schaffen, bisher auch nicht den geringsten Erfolg gezeitigt haben. Es darf wohl auch kaum ein nennenswerter Erfolg erwartet werden, wenn in der bisherigen lauen Weise alle diese Vorkomm- nisse als Bagatelle behandelt werden. Alle Eltern, deren Kinder unter diesem Treiben der sogenannten„nationalen Jugend" stark zu leiden haben, sollte» immer wieder in der Oeffentlichkeit diese ungebildeten Zustände geißeln und alle nur möglichen Beschwerde- Wege beschreiten. Wer feige den Kops in den Sand steckt, macht sich mitschuldig an dem Verbrechen gegen die Republik. Einem gut organisierten Fuhrwcrksdicbstahl hat gestern die Krimiiialpolizei ein Ende gemacht. Durch öfsentlicb- Bekaun:- machungen wurden seit einiger Zeit sortgesetzt Privatfuhrweri'e für Fuhren aller Art gesucht. Tie Besitzer, die sich an die Teck- adresse wandten, erhielten in kurzen Worten den Auftrag, sich an einem bezeichneten Tag- zu einer bestimmten Stunde am West- Hafen, am Norduser oder vor einem entlegenen Jndustriegebäude mit ihrem Gespann einzuiinden. Dort empfing sie ein Mann, der sich für einen Beauftragten der Firma auigab, die den Fuhrherrn bestellt batle. Dieser„Beauftragte" erklärte dem Wagenführer, daß ex ikni die Fracht zeigen und Näheres über die Fuhre mit- teilen wolle. Während er ihn dann nach dem Fabrikhos oder sonst wohin abseits führte, wurde dys Fuhrwerk gestohlen.- Ter„Ve- auftragt"" zeigte große Entrüstung und beteiligte sich sehr eitrig an den Nachforchurg.-n, die aber■ininer erfolglos blieben und für ihn nur den Zweck hatten, an einem geeigneten Punkt zu ver- schwinden Eine ganze Reihe solcher Diebstähle veranlaßte das zuständige Dezernat der Kriminalpolizei zu besonderen Beobochtun- gen und Ermittlungen. Diese führten jctzl zum Ziel. Tie Beam- ten stellten fest, daß die meisten d'r gcstollenen Wagen und Pferde in der Gegend von Skolpe� und Oranienburg ver» kauft worden waren. Als Verkäufer ermittelten sie einen Pferde- Händler Thalmann aus der� Müllcrstraße zu Berlin, der die Handelserlaubnis besaß und dessen Geschäfte oeshalb nicht au-- sielen. Die weiteren Nachiorschungen ergaben dann, daß auch Thalmanns Sohn seine Hano'in Spiel hatte. Er und sein Freund namens Nebrow stahlen die Fuhrwerke, während der„Beauftragte", e:n gewisser Kaim aus der Müllerstraße, die Führer weglockte. Tie Diebe fuhren jedesmal gleich nach Oranienburg und Stolp hinaus, wo Thalmann sie schon erwartete, um die Beute in Empfang zu nehmen. Tie ganze Gesellschaft wurde verhaftet und nach Moabit gebracht, e-ne ganze Reihe von Fuhrwerke» und Pferden vo» der Kriminalpolizei wieder herbchgcschasft. Die Not der Berliner Kinder im holliindifchen Licht. In der letzten Nummer der holländischen illustrierte» Zeitung„Het Leved" schreibt ein bekannter holländischer Arzt Do. Römer n wärmster Weise über die Not der Berliner Kinder. Der Aufsatz, dessen Ein- druck durch erschütterutc Bilder, erhöht wird, hat in weiten Kreisen Hollands Aufsehen erregt und der bewährten Hilfsbereitschaft der Holländer neuen Ansporn gegeben. Der Tod beim Baden. Aus dem P I ö tz e n s e e gelandet wur- ■ den gestern nachmittag an der Militärschwimmanstcrlt die Leichen i de? 15 Jahre alten Lehrlings Franz B o r o w s t i aus der Nei- nickendorfer Straße 69 und des 12 Jahre alten Schülers Walter ! B u s ch k e aus der Marstr. 21. Die beiden Knabe» gingen am Mittwochnachmittag hinaus, um gemeinsam zu baden und kamen nicht wieder. Des Schwimmens unkundig, haben sie sich wohl zu weit in das Wasser hineingewagt und sind hilflos ertrunken. Gestern sand mgn zunächst die Leiche des Lehrlings uwd zwei Stunden später auch die des Schülers. Nrania tTaubenstraßc). Prof. Franz Goerke wicderboli leinen vor- trag, D e r M e n I ch und d i e N a t u r. Jtullmbildrr aus Deutlchlands Vciglingnihcit�.md Gcgenwait" am Somilag. Ticnstag, Mittwoch und j Sonnabend. e:onntag„Thüringen" zu tteinen Preisen. berliner Partemachrichten. Heute, 29. Mai: Karlsbvrst. 8 Uhr Zu!ammcn!u»sl bei Postr, Dönhoff-, Ecke de, .lbciitigllratze TageSoidnung:„Neue Männer für das neue Aroß-Berllner Parlanienl?" Ei scheinen aller Mitglieder ersordcrlich. Neukölln. 7 Uhr 4 u. S. Abt. öffeniliche Wäblcrversvmmlung Sl u t a, Kaiser-Friedrich- Str. 210, Realgymnasium. ResereM: Genosse Karl Wcrmulh. Morgen, 30. Mai: Jnngsozialistische Vereinigung(S. B. D). Wahlwanderung OrtSgiist'pe Noiden und Osten. Äbsalnl Sonntag tzüh k.4t Uhr Schlefi- Icher Bahnhof oder 6.67 Uhr Bahnhos Friedrichstrage. Neubabelsberg. Dort Trcffpunlt vor dem Bahnhos. 0! eukölln. 10 Ubr Kindl-Brauerei, Hmnannstr. 214, Beamten- und Angestellten.Versammlung. Tbema: Die Beamten und die kommenden Wahlen. Referent: Genosse Wücke und Nörpel. Frivdrichsdagen. Nachmittags 4 Udr in Münchehofe beim Kaliwirl Eckert össniliche Versammlung. Die Genossen mit ihren Famitien werden gebeten, sich daran zu beteiligen. Trcffpunlt Stemplatz, Abmarsch püntllich 2 Uhr nachmillags. Theater der Woche. Vom 31. Mai biS 6. Juni. Aolisbvhne- Z0, 1., 3., 4., 6. Der Richter von sialamea. 3!. Gqgc» und sein Rin». 5., 3. Kilthchcn von Heilbronn.— Opernhaus: 30. Lohengri»..tt., 2., 6. Iphigenie auf Taueis. l. Rigoletlo. 3. Fledermaus. 4. Licht, Koftümball, Bajazzo. 5. Sch�.hrazage.— Schauspielhaus. 30., 0. Der Kronprinz. 31., 2. De- fpenltee. 1. Maskenschnlster. 3. Der Marquis v Keith. 4. Peer Dynt.— Lesswz» lbcater: LI. Frau Warrens Gewerbe. 2.. 3„ 4., ö., 6. Die Marquife von Arc:a. Theater i. d. KSr.ixgrLtzer Straße: Die große Katharina. Mit dem Feuer spielen.— Deutsches Ouernhaua: 30. Rigoietto. 31. Siegfried. 1. Carmen. 2 Miqr.on. 3. Fidelis. 4. Tiettand. 5 Toscana. 6. Tannhiirner.— Schillea- theatcr: 30., 2., 4. Die Rabensteinerin. 31., t 3. 2 X 2= 5. 5., 6. Ait-Heideiderg. • DS glich. Di- Tribüne: Pnnbury.— Deutsches Künstl-rtheater: 31. M-. nagerie. l. bis 6. Di- bessere Hülste.— KsrnSdienhaus: Die Reiie in die Madchen» zeit.— Berliner Theater: Der legte Waizcr.— Kleines Schauspielhaus: 30., 31. Die Pfarrdaus'omodie. 1 bis 6 Leidgarbift.— Triaaoiitheater: Mqrrha.— Ret denztheatcr: Die Rafchboffs.— Z-ntraltheater: Ein ieilsamer Fall.— Thcaier in der Alten I-kobstr-de: Die verschwundene Pauline.— Friedrich. cu;■ J•S'fii'nrrrr Ti�r CuftrirtA«»* 4, ♦~" ThaUath?ater: Amor auf Neffen.— Theater c.m NoLeudorfpIaS: Eine Nacht im Paradies.- Tcheaie? des Westens: 30, 31. Familie Schimet. 1 bis 6. Schrei nach dem Aind.— Äleiues Theater: 30.. 31. Der Snob. 1 bis 6. Die Pfarrhaus« komödie.— Rofe-Theater: Schwar�walbmädeb— WalhaLatheater: Kaiernenluft. Kosinorheater: Onkel Cohn.- Luisentheater: 30.. 31. O schöne Jugendzeit— 1. bis 6. Em Maskenscherz.- Neues VoUs-Theater: 30., 31,1. Die Sewaltwzen. 2. bis 6. Pension Scholle-. 3T achm ittagsvorstelZungeu. Volksbühne: 30. Syges und sein Rmg. t Gast von Derlichingen.— Schauspielhaus: 30. Minna von Barnhelm. � Journalisten.-. Lessin�theatck?: 6. Pygmalion.— Theater in der Köntggrätzer Gtrage: 30. Erdgelft.— Deutsches Opernhaus: 30. Der Zigeunerbaron. 6. Hoff« manns ErzZhlungm.- Schille-theater: 30 u. 6. Wie es euch g.'fällt.- Deutsche» Künstlertheater: 6 vies irsö.— Komödleuhaus: 30. Sie.— Berliner Theater: 30. � Bummelstudenten.— Theater om Nollendorsplatz: 30. Das Giücksmädel. 2. 3. u. 5. Die Nürnberger Puppe. Lsvaiiena rusticana.— Kleine» Theater: 3a Zettchen Gebert.- Luisentheatsr: 30. 260 Fraueu. Stapelfaser und Kunstseide aus Holz. Die Herstellunsi emeZ„Künstlichen Gespinstes' hat schon seit 17� die iiLissenschafl interessiert, die sich siemüht hat, ein ProduU, wie es die Seidenraupe erzeugt, zu finden. Der Graf Hilaire de Chardounet in B e s a n? o n sDoubs, Frantreich) war der erste, der die sabrikmähige Tarsiellung eines Seidenersatzes lehrte. sD. R. P. V. 20. Dezember 1885). Da der Bedarf an Gespinsten die Produktion bei weitem überschritt, wurden weitere Versuche aus diesem Gebiete gemacht, die auf per- fchiedenen Wegen zum selben Ziele führten. Die einzelnen Wer« fahren, die durch Palente geschützt waren, brachten der Industrie, die sie anwendete, die glänzendsten Liesultaie. Diese Industrie war bis vor wenigen Jahren in Z- r a n k r e i ch und Belgien am meisten entwickelt und graste Mengen Kunstfädcn wurden nach Deutschland importiert. Hier beherrichten die Vereinigten Glanz st off-Fabri!en i» Elberfeld das Feld. Die anderen entstandenen Fabriken konnten dagegen nicht auskommen und sind von keinerlei Bedeniung gewesen. Im Jahre 1892 machte die Erfindung des Engländers Ch. F. C r o st grostcs Lufsehen, dem es gelang, ein Verfahren herauszubringen, mit dem es ermöglicht wurde, die Herstellung des Gespinstes(das stets aus Holzstoff her» gcstellr wird) bedeutend zu vereinfachen und zu verbilligen. Er nannte dies Verfahren„ V i S c o s e'(D. N. P. 70939 v. 13. Januar 1893. Engl. Patent 8700 v. 1892). Der Grostindusirielle Fürst von DonncrSmarck erwarb die Patentrechte von C r o st, konnte aber, trotz feiner Mihcl, das Verfahren nicht im Grostbeirieb so cniwickeln, dast die fabrikatorische Herstellung eines Gespinstes ermöglicht wurde. Erst englische und französische Industrielle sirachten"dies zustande. Die Glanzstoff- fabriken ersahen darin einen gefährlichen Konkurrenten und er- warben nunmehr. die fütstlichen Patcnle und Betriebe, wodurch sie sich daS Monopol auf diesem Gebiete sicherten. Die erste Stapelfaserfabrik für Volksbekleidung A.-G., Eisenach, die sich mit der Herstellung eines künstlichen Ge- fpinsteS befastt, ist daher für die deutsche Industrie pon g r ö f; t e r Bedeutung.?!ach der Eisenindustrie ist die Textilindustrie wohl die loichtigste auf der ganzen Welt und beschäitigl eine große Anzahl Perfonen. Es wäre jetzt Sache der deutschen Ncpublik, sich mit der»staatlichen Ueber nähme' solcher Industrie zu befassen. Hierdurch würde dem volkswirtschaftlichen Juteresse wesentlich gedient sein und der Staat würde sich gute Einnahmen sichern, die bisher nur dem Großkapital zufielen. Die B>- lanzcn der Vereinigten Glanzstoffabriken geben ein gutes Bild bierüber. In den Betrieben könnten T a u s e n d e von Mensche» Beschäftigung finden. Die Beschaffung der Rohstoffe(Zellulose usw.) dürste keine Schlvierigkcit machen, da es in Deutichland genügend Zellulosesabriken gibt, dieihrcFabrikation daraus einstellenwürden, wenn ihnen eine hinreichende Menge dauernd in Auftrag gegeben würde, so daß sie ausschließlich dafür Beschäsligung haben. TaderWelt- bedarf für derartige Gespinste ebenfalls groß ist, dürfte auch diese Industrie für unseren Export große Bedeutung erlangen. Noch Zeitungsberichten soll Amerika versuchen, sich den Weltmarkt für das künstliche Gespinst zu erobern und sollen Einrichtungen von Fabriken bereits in Vorbereitung sein. Deutschland darf auf diesem Gebiete nicht z u r ü ck st e h e n. Die Umstellung der Kölu-Rottweil Nt.-Ecs. Die Gesellschaft, die früher bekanntlich Vereinigte Köln-Rott« Weiler Pulversabritcn firmierte, bat sich nach dem Kriege auf eine andere FabrikalionStätigkeit cingeftclll. In welchem Umfange dies bis jetzt gelungen ist, ist aus dein EeschäftSbericht für 1920 zu ersehen, in dem u. a. folgendes ausgeführt wird: Es hieß, dem Unternehmen, daS in FriedenSzeiten auf einen einzigen Artikel eingestellt war und diese Spczialfabrikalion im Kriege über die Maßen hatte erweitern inüsien, eine ganze neue technische und wirtschaftliche Grundlage zu geben. Die Einrichtung mehrerer Fabrikeil für die Erzeugung von Stapel- safer und Kunstseide ist in Angriff genommen. Der Zeit- Punkt der Inbetriebsetzung dieser Anlagen läßt sich jedoch bei der Unsicherheit aller Faltoren nicht. im voraus festlegen. Die Her- stellung von B e l a g st o ff e n und von Vulkanfiber wurde bereits aufgenommen. Diese Fabrikationen werden wesentlich er- wettert werden._ Grüne und gelbe Erbscn Pfund 95 Pf. Bei einer Versteigerung von 14 707 Kilogramm gelben Erbsen und 15117 Kilogramm grünen Erbsen in Hamburg wurden fiir die gelben Erbsen 1,90 bis 2 M. pro Kilogramm und für grüne Erbsen 1,80 bis 1,00 M. pro Kilogramm bezahlt, wahrend bei einer vorhergehenden Steigerung noch 190— 200 M. pro Zentner erzielt wurden. Diese nahezu katastrophale Preissturz dürfte wohl auf die großen Mengen von Hülsenfrüchten, die in den letzten Wochen zur Versteigerung auf den Markt gebracht wurden, und auf die weit vorgeschrittene Sommerwikterung zurückzu- führen sein. Für den Kleinhandel, der sich mit teuren Hülsenfrüchten eingedeckt hat, werden au.S diesem Preissturz erhebliche Verluste entstehen. Es fragt sich, wer hat die billigen Erbsen auf den Ver- steigerungen gekauft. Kapitalkräftige Händler, die jetzt bei den Versteigerungen billig kaufen, können schweres Geld ver- dienen, sofern sich die Kleinhandelspreise noch einige Zeit halten. Die Preissenkung am Hokzmarkt. Der Preisabbau am Holz- markt ist nicht aufzuhalten, wenn auch die Senkung der Preise sich langsam vollzieht. Ein Wiederaufstieg ist schon deshalb nicht zu erwarten, weil die Besserung der Markwährung eine Ausfuhr zurzeit unmöglich macht. Einige Zahlen mögen es beweisen: Hol- land zahlt heute für polnische Stammkiefer frei Bentheim 80 sl., d. h. je Kubikmeter bei einem Kurse von rund 1300 M. durchschnitt- lich 1040 M. Diesem erzielbaren Preis ist der bisherige deutsche Marktpreis von 1500 M. frei MitteldentstKand gegenüberzustellen, wobei die Aussuhrabgabe und die Fracht zur Grenze mit rund 250 M. je Kubikmeter abzuziehen sind. Es würden demnach dem Exporteur nur etwa 800 M. verbleiben. Dazu ist ein Verkauf heute unmöglich. Konkurs. Ucber das Vermögen der Firma Hans Westpheling in Lübeck, Kupferschmiede und Maschinenbau, ist das Konkurs- verfahren eröffnet worden. Die Firma beschäftigte bis zu 800 Arbeiter. Hinter dem Unternehmen stand indirekt einer der bekanntesten Großindustriellen Deutschlands. Die Passiven werden auf rund 7 Millionen Mark geschätzt. Für die Gläubiger dürfte eine erhebliche Dividende kaum zu erwarten sein. 'öwerkschLftsbewegung Die Bewegung der Bnnkbeainten. Der Allgemeine Verband der deutschen Bankbeamten und der Deutschs Bankbeamtenverein geben folgendes bekannt: Tie Zentralvorstände der beiden Bankbeamtenorganisationen haben Freitag vormittag zu dam Vorschlag deZ Reich-arbeitZ- ministeriums Stellung genommen. Die Beratungen haben zu dem Ergebnis geführt, daß trotz mancherlei Bedenken die Organisationen bereit sind, sich auf den Boden der Vorschläge deS Reichsarbeits- mmifteriums zu stellen. Von dem Reichsverbande der Bank- leitungen wird erwartet, daß er diese Basis ebenfalls akzeptiert. Sollte sich der ReichSverband ablehnend verhalten, s o bleibt den Organisationen nichts anderes übrig, als die Angestelltenschaft zum Streik aufzurufen. Die endgültige Abstimmung über die Einigungsvorschläge nehmen die Bankangestellten in den Betrieben vor. Die Organisation der L?ommuual-3lngcsiellten. Der Zentralverband der Angestellten ichreibt uns: Durch die Vertreterversammlung des GewerkschaftsbundeS der Kommunalbeamten und Angestellten Preußens soll der gewerschaft- liche Zusammenschluß aller preußischen Kommunalbeamten und Daucrangcstcllten erfolgt sein. Demgegenüber ist festzustellen, daß für alle Kommunalnngestellten, soweit Bureauangestelltc in Frage kommen, seit Jahrzehnten die gewerkschaftliche Organisation bereit!! vorhanden ist. Früher war e? der Verband der Bureauangeftellten Deutschlands, der am 1. Oktober 1919 in den Zentralverband der Angestellten anfg-eganzen ist. Eine Scheidung verschiedener Art von Angestellten firidet in dem freigewerkschaftlichen Zentralverband der Angestellten nicht statt; er nimmt die Interessen aller Kommu- nalangestcllten wahr._ Die Angrstcllicn im Buchhandel, Buch- und ZeitunzSgcwerbe hielten dieser Tage einen VerbaudStag ab, der eine Reihe Wieb. tiger organisatoriicher und programmatischer Maßnahmen beschloß. wodurch besonders der frcigcwerkschaftliche Eharakier des Verbandes schärfer als bisher betont wird DaS Beitrags- und UnterstützungS- Wesen wurde neu geregelt und die Errichtung von Geschäftsstellen des Verbandes in den Hauptoctcn de- Buchhandels, des Zeitung--> unp des graphischen Gewerbes beschlossen. Estte besondere Kampf- fasse wurde eingerichtet, der die Ueberschüsse aus dem Etat zugc- wiesen werden und die ferner gespeist wird aus außerordentliäden Beiträgen. Der Vcrbandstag erklärte sich für den Abschluß von Reichstarifen für alle Zweige deS Papierfaches. Aus den Be- Müssen zu schwebenden sozialen Fragen erwähnen wir die Ab- lehnung eines wirtschaftlichen Räte.hstemS außerhalb der Gswerk. schasten, dagegen sollen die V, triebträte innerhalb der Organisa- tion als deren Stützpfeiler wichtige organisatorische Aufgaben zu- gewiesen bekommen._ Gastwirts enge stellte. SPD.- Mitzlleder! Wichlize Besprechung bei Schilling, ltosenthnier Str. 11/12, am Montag, 31. Mai, vorm. 10 Uhr. Verband der Gärtner nnd Giirtncreiarbeiter. Deleziertenscr- s-rmmlung am Montag, LI. Mai, abends 7'/, Uhr, in Schulz' Festsitcn. Am Königs grabe n 2. Deutscher Hutarbciter> Verband. Am Dienstag, den 2. Juni, abends 5 Uhr, im Gewerlschastshaus, Saal 1, Beriammlung aller in der Tamenslrohhutbranche beschäst-gten Arbeiter und Arbeiterinnen. Bund der technischen Angestellten und Beamte». Mitglieder- Versammlung der Orisoerwaltung Tempelhos am Dienstag, den 1. Juni, abends ft,8 Uhr, im Nest. Kurfürst, Tempelhof, Dorjstr. 23. Berantw. für den redaltion. Teil: Erich Sattijer, Tcinpelhof: sllr An?, eisen: Th. Slocki, Berlin. Lcrlag: Borirarls-Berle« G. m. b. L.. Berlin. Druck: Brr- wärts-Budidruckerei u. Verlaasanstalt Vau! Sinaer u. Ca. Berlin. Lindcullr. S. Gewinn-Auszug der 15. Preliff.-Düdd.(241. Preutz) Klassen-Sotterie 5. Klasse. 17. Zi-hengZiag.£8. Mai 1020,. Auf Jede f ueor-ne Nanmer»ins«rel gleich höh*«eiriune x,t»U«-. »d mar je einer«nf die I.oie el«!rd«r Kanunor In des beiden Abtellansen I und U (Cline v-n-Zhi).(Slochbtul bntbotnt.) In der LormUlagszlthung wurden Gewinne über Ztv Marl g-zs««. 2 Gewinne tu 750C0 M 132400 2 Gewinne tu 15000 Sl 8040 6 Gewinne zu 5000 SS 78481 133689 1S10C6 70 Gewinne zu 3000 II 2703 6294 6554 5778«266 12941 13724 14527 18284 34318 61695 64485 65104 03358 105272 108764 109441 111441 113183 131028 181055 175807 182091 134679 183003 183655 203833 210217 2.10228 211461 211709 212602 213453 227347 233020 162 Gewi.ne zu 1000 Jf 914 1582 2172 4383 4395� 11932 14230 17400 18259 25333 26773 23341 32234 32780 34354 38162 41576 42197 45751 46435 C0S78 62235 54644 48189 68334 0*20367235 71447 76324 60181 81171 83623 87655 87803 93140 94545 99591 100295 100552 1010-1 101321 10601g 109707 111213 118608 121499 122.23 123479 131317 147701 153585 156680 180577 163727 184269 186697 186244 188337 1746>3 174043 176675 1793C9 180699 181434 186340 191491 192058 109.�3 109535 109503 212)21 213041 215381 219247 220630 221735 228�95 229199 229008 233219 704 Gewinne tu 600 M 078 2340 2429 2802 6997 7561 8579 903« 11506 12502 13015 23703 26223 26256 28325 37045 S7829 41810 43212 44422 43634 48668 62112 53705 57659 60098 60907 63839 67935 69113 69347 71635 70057 76399 8)943 83684 85336 93002 06513 93? U 59373 102353 102907 102908 105492 1070)3 111033 111804 113633 116833 117220 117309 118740 121893 122139 123272 12(3535 125313 1 29-07 136-83 136833 137142 137362 140331 141030 144771 145140 146778 169901 159259 159762 180753 155460 170355 174683 176751 177917 178819 105543 185e65 187004 192783 190240 198087 201807 202004 205245 2' 1419 215,77 2lTsn5 217879 218023 219533 220224 220193 223305 224418 223238-.25348«40-11 226734 232370 In der Nachiultlagszlehung wurden Gewinne über HO Marl stjojtn. 6 Gewinne«n 10000 II 81424 93180 137771 C Gewinne zu 5090 11 61443 174783 207597 229171 74 Gcw.nnn zn 3000 II 26869 31322 38321 61005 57534 67600 69059 63387 65519 57499 59687 80949 90233 60821 91257 111233 113560 11504» 128539 134357 130014 146237 149320 156291 184370 168432 167787 1825Z9 190837 191351 192311 107265 197Z1« 198056 138233 210911 221119 144 Gewinne zu 1000 3t 9545 12855 18319 21832 28821 27091 3.139 32977 34466 84780 35557 S3334 40350 41578 49917 50762 61.50 664.9 57492 6-890 64800 93047 70550 73885 74063 74411 35837 82303 91645 01593 93312 97703 98074 118171 117672 115450 121768 124320 1259.5 127603 128243 134239 137405 137669 141349 142744 147309 151937 168839 159338 161409 151501 165536 170167 173418 175559 177131 1866. 4 194459 195283 199442 207129 203638 209905 211620 221778 224643 226312 225399 223391 229436 2203S8 212 Gewinne zu 500 Jl 22 36 8531 11419 12395 15275 16971 17693 18785 204-22 24308 27137 27759 30449 31145 32727 33157 S6S63 z°584 44832 45325 45683 48156 49913 60617 53374 65014 66628 57218 6823« 60081 69702 62917 66611 69311 70140 75189 75908 78347 76401 79*85 82037 83126 63345 8557? 86992 89093 94855 104251 100S91 110239 114749 117093 119257 120335 128099 1239)5 129250 129485 129846 330345 13229. 132331 133110 137543 142208 142565 148309 149051 152734 355855 153776 156384 3,59930 130528 381551 165349 168404 171155 176335 1715221 170670 177515 181193 183034 186008 199557 202207 203384 205483 207442 209101 210733 216371 216159 218233 216353 218481 216510 213357 21995» 220033 224176 227558 225238 228314 231188 mm Jeder Eisenbahner liest!! zur Förderung seiner beruflichen Kenntnisse die amtliche, von den höchsten Stellen im Eisenbahnwesen empfohlene Hcchschuizeitung lilEIEMMH Interessante Artikel. Lehrreiche Abhandlungen. Konkurrenzlose Fachzeitung. Aus dem Inhalt: Demokratisierung Im Eisenbahnwesen.— Die Entwicklung der Siemenswerke.— Neuerungen Im Slgiulwcscn.— LokonioHvlcessel mil üebcrliltzer.— Wasserstandsanzeiger.— Elektrisches Schweißen In Eisen- bahnwerkstfiiten.— Der Luttdruck, da.; Barcmetcr. Die Verwendung von flußcisernen Lokoinoiiv-Feucibüchsen.— (ileichtSrmlge Bewegung, Behcrrucgsgcsesz, Ircicr Fall, Kralt, ALassc und Dichte. Bezugspreis direkt vom Verlas unter Kreuzband 4 M. pro Vierteljahr, durch die Host 3 M. zuzügl. 30 Pf, Bestellg. Für Vereine biiliger.— Probenummern kosleuios. Innlannt rmuxlicw. BirkutpoCes taüoiisopp. Inserate in den„Mitteilungen'' haben nachweisbar den pröa;en Erfolg; die Leserschaft setzt sich nachweisbar aus sämtiiehen Eisenbahndlrekilonen, Aemtern, Verbänden und Uber 12 000 Hörern der Fachboch-chulen zusammen, die kaufkräftige Klasse der Eisenbahner verbürgt einen solchen. Von iZ. Solisten ElsenhatestellEn z. Insertion MMss. Verlag Ä.Wesemaim, KB„®Äzse�Ä0e'io9. Telephon: Kurfürst 4015, Drahtanschrift: Diweanwo. IftcBAlfithfe! sowie alle anderen Vclzarten au flaunen- crrenend spottbillia«!, Eom- mccpceifenl Alpalatafcken! Echuiucksachenl Pelawaren- aelcacnhcitsläufe Warschauer- Itras;c 7.______» Waster in sede» Dar'cn und Laus fchafil biHidst nur Mich» fln u. Co.. Lerlin 63, Alte gakobsttaito 20.22. l6ZK Gardinen, isenfter von 63 Mark an, verlauft gricd» Ausstattunasliaus Prinzen» strafte vierundachtaia, awci Treppen, am Morigpfatz.* Gardinen. flUnftlcraarnl» tue, Tieres. SsttlOcdcn, Meterwaro preiswert. Conds» b-rgerstraftz 13._ 102 st- _ iM CnjüB« und Paletots vor oft au lehr Mlliflcn Prci i gentral'Leihhaus. 5Sa°r» afte Th__ IM7®! Seldstp-fe-tlat- bessere An» qe, auch Maft, fpottbillia. lft, Wilhelnistrafte so», Koch. aftcneck«.__ ItzM» stichuiafchinen au verkmien. üsablunn«estattet. Dahn, enifauerstrafte 20. 44JS EchuSbunte, etubenbilub n, junpe ssoxterrier, Pin!» >r, Ediäferhunde verlauft Idfsland. 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