Hr. 274/275, 37. Jahrg. BeznqSpreiS; 83 erteljäTirLSO.— 8R{,nionatI.l(V�Srt. frei ins Saus, voraus, ahlbar. Polt- dezug� Monatlich 3»,— SJIt, frfL �u- srellungsgebühr. Unter Kreuzband mr Deutichlanü und Oesterreich- Ungarn IS,'« Mst. für das übrige Ausland bei laglich einmal. Zustellung 21 50 Zi. Poitbestellungen nehmen an Dane» Marl. 5olland. rnremburg, Schweden. Tscheche»Slowalei und die Schweiz. Singerragen>n die Vost-Zeimng»- Preisliste. Der.Vorwärts'" mit der Sonntags- beUage»Voll». fielt* erscheint wochen- «äglich zweimal. Sonntage und Mai»- tags«inmal. Telegramm-Adrrlfw �Zozialdemotral BetU«". Abend Ausgabe Nevliner Volksblatt (zdpksnnlo) Anzeigenpreis: Die achtgespalteue Nonvareillezei!« kosteiZ.— M., Teuerungszuschlag 50°/�. �tleine Anzeigen*, das fett- gedruckte Wort I.— M.(zuläfstg zwei lettgedruckte Wortes, iedes weitere Wort M Pfg. Stellengesuche und Schlafstelleuanzeigen das erste Wort 65 Pfg» jedes weitere Wart-r? Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Teuerunqszuichlag 50»/» ssamilien-Anzeigen für Monnente» geile 2.— M. politische unv ge- wertschastllche Berels- Anzeigen S/— Ml. die geile ohne Aufschlag. Anzeige» für die nächste rliuurmer müssen bis 6 Ahr nachmittags im Hauptgeschäft, Berlin Sffl 68, Linden- straste 3. abgegeben werden. Geöffnet von S Uhr früh bis 5 llhr'abends. Z<>r>tralorgan der rozialdctnokratirchcn Parte» Deutfchlands Ueöartion und Expedition: SA). 6$, Ändenstr. 3. nernivrecher: Amt Morinplat», Str. stäA SN— 13X37. Montag, den»1. Mai ll»!t« vorwärts-verlag G.m.b. y., SM. es, LiuSsnstr. Z. Fernsprecher: Amt Morit-plat», Str. 11733—34. Schützt öie deutsche Republik! Gegen öie Umstürzler von rechts. Berlin, 30. Mai.(MTB.) In letzter Zeit habe» sich Bestre- bungen bemerkbar gemacht, die entlasseneu oder zur Entlassung be- stimmten Angehörigen der Freikorps oder ähnlicher Formatio- neu zusammenzuschließen, um der Auflösung Wider. stand zu leisten oder aufgelöste Verbände wieder zw vereinigen. Um diesen Vorgängen, welche nicht nur die Ausführung der von Deutschland im Friedeusvertrag übernommene» Berpflich- tungen gefährden, sondern auch zur Beunruhigung der Bevölkerung führen, tatkräftig begegne»»« können, hat der R e i ch S p r L s i- d e u t auf Grund des Artikels 48 Absatz 2 der Reichsversassung in einer Verordnung vom 30. Mai besondere Mahnahme« ange. ordnet. Durch diese Verordnung wird die Auffordernng an frühere oder derzeitige Angehörige der Freikorps zu vereintem Nugwhorfam oder gewaltsamem Widerstand gegen Anordnungen über Bus» lösung, Berstellen, insbesondere gegen Anordnungen über Auflösung, Verringerung und Umgliederung der bestehenden Verbände, oder der Widerstand gegen solche Bnordnvngen mit Z u ch t h a u S bis z« zu fünf Jahren, bei vorliegen mildernder Umstände mit Ge. fänguis bestraft. Die gleiche Strafe trifft denjenigen, der eS unternimmt, ohne Genehmigung der zuständigen Stelle Personen zu Berbändea militärischer oder polizeilicher Art zusammen- zuschließen, oder wer an solchen Berbändn» teilnimmt. Der Reichswehrminister ist ermächtigt, zur Aburteilung solcher Straftaten nach Bedarf außerordentliche Gerichte ein- zusetzen. Die Verordnitiig des Reichspräfidenten laim natürlich auch nichts anderes sein als ein Machtmittel, dessen Wirkung davon abhängt, von wem, wie, in welchem Sinn es angewendet wird. Die Absicht ist aber vollkommen klar und durchaus zu billigen, nur durch ihre entschlossene Durch- setzung kann Ordnung und Beruhigung geschaffen werden. Die Verordnung ist weiter nichts, als eine Ausdrucksformel des selbstverständlichen Grundsatzes, dast niemand sonst zur Aufstellung und Aufrechterhaltung bewaffneter Formationen berechtigt ist, als die verfassungsmäßige Regierung. Die deuffchnationale Presse verrät ihre eigentlichen Ab- sichten, wenn sie gegen diese Verordnung Sturm läuft und die Freikorps auch weiter gegen die Regierung aufzuhetzen versucht. Wir sind der Meinung, daß es im Sinne der in Angriff genommenen Politik liegt, allen Versuchen, zum Un- gehorsam gegen die Verordnung des Reichspräsidenten auf- zufordein, mit den schärfsten Mitteln zu begegnen. Der Nationalverband Deutscher Offi- z i e r e hat in der rechtsstehenden Presse eine Kundgebung er- lasten, in der er seine Unschuld beteuert, aber mit keinem Worte leugnet, daß er die Aufstellung vön Offizierskompa- gnien für den Fall, daß„die Umstände es gebieten", ins Auge gefaßt hat. Es ist selbstverständlich, daß auch derarffge Be- strebungen unter die Verordnung des Reichspräsidenten fallen.„. Die Ausdeckung der neuen Puischgefahren hat wester dre Folge gehabt, daß sich die Befehlshaber der Berliner Reichs- Wehrformationen an den Reichspräsidenten mst einer Kund- gebung gewendet haben, in der sie ihre u n b e d i n g t e V e r- fassungstreue betonen. Hoffentlich wird diese Kund- gebung auf die putschistischen Hitzköpfe eine geWiste abküh- lende Wirkung ausüben. Daß die deuffchnationale Presse sowohl die Verordnung deS Reichspräsidenten wie auch die Erklärung der Truppen- führer nicht gerade mit Freuden begrüßt, ist nur selbstver- ständlich. Geradezu blödsinnig ist aber ihre Behauptung, man steuere auf diese Weise in den Bolschewismus. Denn die Der- ordnung des Reichspräsidenten trifft den Versuch zur eig:n- mächtigen Aufstellung bewaffneter Formationen nicht nur wenn er von reaktionärer, sondern auch wenn er von l i n k S- radikaler Seite unternommen wird, und die Erklärung der Truppenführer richtet sich gegen Puffchabsichten von links ebenso wie gegen solche von rechts. Die Republik soll weder deuffchnational-milftaristisch noch bolschewistisch werden und in ihrem Innern kein« andere Gew lt zulasten als die verfassungsmäßige. Die Durchsetzung dieses Grundsatzes, der von der Sozialdemokratischen Partei gebilligt wird,»st eine Macht frage, die nicht zuletzt auch am 6. I u n i entschieden werden wird. Lopalitätserklärung der Serliner Garnison» kommanüeure. Berlin, 30. Mai. Das R�HSwebrministerivm teilt mit: Aus Anlaß der zahlr-ch e-- P.ztschg?fficht? erschienen heute die Kommandeure der Gannsonen von Groß-Berlin beim Reichswehrminister und le�.n ihm folgende Erklärung vor:, „Wir Mtfttnmetf'"*}»««« unbenr e d-r Garnisonen von Groß-Berlin»eben hie».''« dem Herrn Reichswehrminister die feierliche Erklärung ab, daß wir und die uns»nter- stellte». Truppenteile bedingnnsSloS- hinter de, ver. fasfungSmäßise« Regierung stehen und baß wir mit mtsrre» Truppe« bereit find, dir Verfassung gegen jeden grwalt. fame« Umsturz, komme er von r r ch t S oder links, wen» es fei» mutz auch mit de» Waffe» zu schütze». Wir bitte», diese , �SrNäruag auch de« Herr» ReichSpräfideute» zu unter- breiten." Der R«ichZwehrminister«widerte darauf: Mit Befriedi- gung nehme ich die feierliche Erklärung Ihrer Loyalität entgegen. Sie gibt mir die Gewißheit, daß wir den nächsten Wochen mit unbedingter Ruhe und Zuversicht entgegen- sehen können. Meine Herren, ich danke Ihnen. Uebermstteln Sie bitte allen Uhren Offizieren, Unteroffizieren und Mann- schaften meine kameradschaftlichen Grüße. Meine Herren, ich vertraue Ihnen. Ich baue auf Ihr Mannes- wort mid danke Ihnen von ganzem Herzen. Ich werde heute noch dem Herrn Reichspräsidenten Meldung ei. i.i-.. cruarren. Der Herr Reichspräsident nahm diese Erklärung mit Dank und Befriedigung entgegen. Neue Tagung öes ßrontbunöes! Ein uns vorliegendes Flugblatt des Frontbundes, datiert vom 27. Mai 1320, lädt zu einer dritten Tagung des Frontbundes am Mittwoch, den 2. Juni, ein. Sie findet be- zeichnenderweffe in Potsdam statt, wo die Herren dank dem„Geist von Potsdam" wohl ganz unter sich zu sein glauben. Das Lokal wird nicht angegeben, es heißt in dem Flugblatt„Auskunft am Bahnhof". Auf der Tagesordnung steht außer Bericht. Aussprache, Neuwahl des Zentralvor- stcmdes, Herausgabe einer eigenen Zeitschrift, dringende Anfragen und Anträge auch ein Punkt 4, der lautet:„Sollen noch heute Forderungen vorgelegt werden? Welche? Die Mittel, sie durchzusetzen." Im Gegensatz zu den offiziösen Verlautbarungen über die Nichtbeteiligung der Reichswehr an den Bestrebungen des Frontbundes stehen folgende Absätze des Flugblattes: Die Gedanke.' des Frontbundes habe» überall in der Reichs- wehr derartig lebhaften Widerhall gefunden, daß wegen der überaus zahlreichen Formationen, die neu hinzugetreten sind bzw. ihren 'Beitrist für diese Tage angekündigt haben, eine abermalige Aussprache anberaumt ist.-Die Vorstandswahl soll den Neuen Gelegenheit geben, ihre eigenen Vertreter in die Leitung des Front- Hundes zu bringen. Barstand, sowie alle Truppeuvertretnngen sollen in dem Verhältnis: 1 Offizier, 1 Unteroffizier, 2 Mann zusammen- gesetzt sein bzw 2 Offiziere. 2 Unteroffiziere, 4 Mann usw. Für grundlegende Beschlüsse und Entscheidungen ist nur die Vollver- sammlung— wie diese 3. Tagung— zuständig. Sie besteht bisher aus den gewählten BerusSvertretungen der beigetretenen Bataillone (od« ewffprschender Formationen). Kopszahl bleibt freigestellt. Stimmen werden pro Kompagnie 1 berechnet. Di« erscheinende» Vertreter müssen daher genau unterrichtet sein, welche Kom� pagnin usw. sie mitvertreten dürfen. Bei Viesen Behörden, so für den ganzen Bereich der 7. R.-W.-Brigade, konnte dorchgefetzt wer- den, daß Reise» zu Frvntbunbtaguugen als Dienstreffe» verrechnet werden. Wir stelle» nochmals ousdvüMch fest, baß durch beson- deren Erlaß des Reichswehrministers die Der- Wendung von dienstlichem Material. Truppengeldern usw. zur Unterstützung privater Organisationen ausdrüFlichver- boten ist. Wir fragen den Reichswehrnrinister, was er da- Otzgsn zu tun gedenkt, daß dieses Verbot von der 7. Reichs- vwhrbrigade ganz ung-e scheut übertreten wird? Wenn die Reisen fiir den Frontbund, als Dienstreisen der- rechnet werden, so heißt das, daß die Organis ation- kosten des Frontbundes aus den Geldern der Steuerzahler gedeckt werden. Das fehlte noch gerade! Wir verlangen. daß gegen alle Stellen, die sich einer derartigen V e r u n- t r e u u n g öffentlicher Gelder� schuldig machen, d i s z i< Plinarisch und str<' wird. :afrechtlich eingeschritten Gin Rücktritt im Reichswehrminifterium. Genosse Bernhard Rausch, 8ivilrefere»t im Reichswehr- Ministerium, ist auf eigenen Wunsch von. seinem Posten zurück g etreten. Auf die Gründe dieses Mcktritts, der mit den Zuständen im Reichswehrministerim, wie sie sich unter Herrn G e ß l e r und General v. S e e ck t herausgebildet haben, engstens zu- sammenhängt, werden wir noch ausführlich zu sprechen konimcu. Der Student und die Relchstagswah!. Bon Otto Strasser. Unnütz und urmötig ist es, die Bedeutung der bevor- stehenden Reichstagswahl noch einmal darzulegen. Jeder weiß, daß sie entscheidet über das Antlitz, das unser Politisches, wirtschaftliches und kulturelles Leben in den nächsten Jahren tragen soll, daß sie entscheidet, ob die Bahn der freiheit- lichen Eni Wickelung, die durch die Revolution er- öffnet wurde, betreten werden soll mit all den unendlichen Fortschrittsmöglichkeiten, die sie gewährt, oder' ob sie ver- schüttet werden soll in' seldstgewählter Einkerkerung, in dumpfer Konservierung ohne den belebenden Hauch neuen Wollens. Wenn so die Gegenüberstellung des iFungen, Neuen, AZorwärtswollenden gegenüber dem Alten, Beharrenden, Rück- wärtsgewandten sich klar herausgeschält hat, gibt es dann eine Frage, wo die Jugend ist, sein muß? Mst ihren größten Teilen, mit den begeisterten Scharen der Arbeiter- fugend, mit der Jugend unserer Künstlerschaft ist sie da. wo sie hingehört, bei der Fahne des neuen Geistes. Wie aber kommt es, daß die studierende Jugend im Gegensatz hierzu in anderen Lagern steht? Daß dem so ist, wird kein Mensch bestreiten, der nur einigermaßen den Geist unserer Hochschulen kennt, den Geist, der in zahlreichen Meldungen von. fortschrittsvernemendem Auftreten der Studenten durchklingt, der ganz besonders auf dem jüngsten Studententag in Dresden wieder zum Ausdruck kam. Wie ist es möglich, daß die Jugend aus den gleichen Hörsälen, ans denen sie einst anSzog für Freiheit und Menschenrechte zu- kämpfen, deren beste Geister jahrelang schmachteten in Kerkerhaft um dieser Ideale willen, heute auszieht im Dienste der Mächte des Rückschritts, des klaffen- mäßigen Egoismus? Mannigfach sind der Gründe, sind der Gründe namantlich wirtschaftlicher Art— der Hauptgrund liegt tiefer. Er liegt einseitig darin, daß jene Mächte es verstanden haben, ihre Machenschaften unter dem Mantel der nationalen Idee zu verhängen, wohl wiffend, daß für diese Machenschaften selbst die übergroße Mehrzahl der studierenden Jugend keinen Finger rühren würde, aber in aller wirtschaftlichen Not noch zu packen ist bei ihrem Idealismus. Falsch geleiteter Idealismus also ist es, der diese Stellungnahme der studierenden Jugend hervorruft und hier gilt es den Hebel anzusetzen. Hat denn die Jugend kein Urteilsvermögen mehr, daß sie gläubig hinnimmt, was jene Mächte ihr sagen, daß der neue Geist antinational sei? Hat es ihr nicht die Haltung aller Volksgenossen in unendlich schweren Jahren bewiesen, trotzdem die meisten es> schlimmer hatten als die Mehrzahl der aus ihren Schichten unter der Fahne Gestandenen, daß Liebe zum eigenen Volke und Pflicht- erfüllung auch in den Herzen jener wohnt, denen noch heute vaterlandslose Gesinnung vorgeworfen wird? Hat die Jugend kem Gefühl dafür, daß Inte rnationakismus nicht A n t i- Nationalismus ist. sondern national ist im Bewußtsein, daß der Einzelmensch ein Glied seiner Familie, seines Stammes. seiner Nation ist, darüber hinaus aber Mensch, Weltbürger, wie gerade unsere größten Geister es waren? Hat der Student kein Gefühl dafür, welche Tiefe urgewaltiger Kräfte in den breiten Massen der Nation, die gerade er doch besonders zu lieben vermeint, wirken, Kräfte, die nur ganz verführte Blinde als— Verhetzung, Irreleitung be- zeichnen können? Fühlt er denn nicht, was im einmütigen Zusammenstehen des ganzen Volkes, im Generalstreik so machtvollen sichtbaren Ausdruck fand, daß der größte T'otl der stud-ievenden Jugend gemeinsam mit einer Handvoll Militär und den von ihren Interessen sich leiten lassenden Machtpolitikern abseits steht von der lebendigen Fülle des Volles? Und woher die U e b e r h e b u n g, die so häüfig.zu finden ist, daß diese kleine Schicht besser weiß, was dem Volte und dem Vaterlande frommt, als die große, überwältigende Masie der andern? Erkennt und fühll der deutsche Student denn nicht, daß tief im Herzen der breiten Maffeu de» Volk«» das Verlangen nach Gerechtigkeit, nach Gleichberechtigung und Freih-ett lebt— ein Verlangen, das gerade der junge, ringendeA Mensch mit aller Kraft seines Idealismus sich zu eigen machen möchte. Soviel hört man gerade in studentischen Kreisen von Führerseinwollen und Führerwerdcnwollen für das Volk—; glauben diese Kreise, daß dies möglich ist, wenn sie Stellung nehmen gegen alle Freiheiten, die die drei- ten Massen endlich, endlich sich errungen haben? Glauben sie, daß dies möglich ist, wem sie zu Felde ziehen im Dienste jener, die altes Klassenregunent. alte Klaffenherrschast, alte Klasseugerechtigkeit wieder einführen wollen? Wissen sie nichts daß dies nur dann möglich ist, wenn sie Bahnbrecher sind neuer Ideen, einer neuen, gerechten, besseren Zeit — neuer Ideen, wie sie, unklar vielleicht manchmal«och, doch tief eingegraben sind in das Hoffen und Sehnen und Wollen trerofie der drcften, mrberßtmicTitcn unseren Schichten unseres Volkes!? Der deutsche Student, der Wahlurne geht, möge diese Gedanken in seinem Kopf und seinem Herzen Widerhall finden lassen, möge versuchen, sich freizumachen von einge- impften Vorurteilen, freizumachen von betörenden Schlag- worten, freizumachen auch vom Egoismus des Bevorrechteten. Er möge versuchen, die Gefühle, Gedanken und das Wollen aller jener, mit denen er so wellig Gemeinsames mehr hat, der Arbeiterklasse im besonderen mit ihrem zähen, starken Ringen, ihrem hohen Ziel zu verstehen und dann erst den Stimmzettel abgeben— und wenn er es wirklich mit dem deutschen Volk gut meint, dann kann der nicht im Gegensatz sein zu den breitesten Schichten unseres Volkes! Der Student, der zur. Wahlurne geht, möge an Stelle des ideenlosen, rein auf wirtschaftlichen Fragen— und des falsch — phrafierenden Wahlaufrufs in der.Deutschen Tageszeitung": .An die Studierenden der Berliner Hochschulen" einen anderen setzen: .Theologen!' Ihr wißt, daß der Mensch klassenlos ist wie das Gute l" .Mediziner! Ihr wißt aus eigener Anschauung vom entsetzlichen Elend, daß in großen Schichten der unteren Volks- Nassen herrscht, durch die Mitschuld aller, die auf ihre Vor- rechte nicht verzichten wollen und jenen Volksgenossen menschen- würdiges Leben unmöglich gemacht haben, unmöglich machen wollen. .Juristen! Ihr kennt das Wort von der Gleichheit aller Menschen vor dem Gesetz— und wißt, daß diese Gleich- heit solange ein Wort bleibt, als.nicht für alle das gleiche Aufftiegsrecht, die gleiche Aufstiegsmöglichkeit gilt. Gibt es eine gerechtere Forderung als diese? Philosophen? Die Ihr aus den Werken aller Denker wißt, daß Geist und hoher Wille nicht an Geburt geknüpft, die Ihr kennt der Menschheit große Gedanken von Menschenrecht und Freiheit und Gleichheit und Gerechtig- keit— könnt Ihr anders als im Dienst dieser Gedanken Euch betätigen? Studierende aller Fakultäten und Hoch- schulen! Betrachtet die Kluft, die Euch von der Masse Euerer Volksgenossen trennt und denkt über die Ursachen nach und zieht die Konsequenzen, die doch nur darin bestehen können, allen Standes- und Kastengeist, der Sonderrechte er- halten will, auszumerzen und Euch eins zu fühlen, eins zu werden mit den breitesten Schichten unseres Volkes und es führen wollen, nicht als seine bevorrechtigten Herrscher, sondern als seine bevorpfuchteten Diener. Unser Ziel kann nur heißen: Fort mit dem Klassen- und>> Kastenwesen, fort mit dem ausbeuterischen Egoismus der Stärkeren— Gemeinsamkeitsfühlen, Gemeinsamkeitswollen, Gemeinsamkeitsarbeiten! Sozialismus! Kopflofigkeit in üer deutschen Volkspartei'. Stresemann gegen„Nationalliberale Korrespoitdeuz". In der Deutschen Volkspartei scheint alles drunter und 'drüber zu gehen. Die Rechte weiß nicht, was die Linke tut, irnd die Mtte nicht, was beide tun. Zu unserem äußersten Erstaunen sendet uns Herr Stresemann persönlich fol- gende Berichtigung: »In Nr. 265 des.Vorwärts" ist unter der Ueberschrrst»Hergt— Stresemann. Ein innerpolitischer Geheimvertrag" behauptet wor- den, daß zwischen der Deutschen Volkspartei und der Deutsch- nationalen Panci ein. Geheimvertrag abgeschlossen worden sei, durch den eine gegenseitige Vereinbarung für den Wahlkamps geschlossen worden wäre, sowie daß zur Durch- führung des Vertrages ein besonderer Ausschuß eingesetzt worden sei, der aus je zwei Waeordneten beider Parteien und den beiderseitigen Geschäftsführern bestehe, um die Ausfühung dieses Wkommens zu überwachen. Wir ersuchen Sie. demgegenüber der Wahrheit gemäß festzu- stellen, daß weder ei« derartiges Abkommen zwischen den beiden Parteien, noch irgendein derartiger AuS- schuß bestes. Hochachtungsvoll Deutsche Volkspartei.'Stresemann, Vorfitzender.' Herrn Stresemann ist es in seiner Wahlüberbürdnng gnnz entgangen, baß die„Na tio na l l.i b era l e Kor- reipondenz", das offizielle Organ der Deutschen Volkspartei, unsere Meldung vor einigen Tagen bereits triumphierend b e st ä t i g t hat. In der„Nationalliberalen Korrespondenz" hieß es: »Tatsächlich haben die Deutsche Volkspartei und die Deutsch. nationale Volkspartei in bezug onf ihr taktsscheS Zusammengehen beide Parteien geht die Wablpovale:»Der Feind steht links. Unter beide PZarteien geht die Wahlparole: Der Feind steht links. Unter dieser Wahlparole wird der Wahlrampf ausgefochten, und es ist ganz sclbstvrrständliib, daß diese beiden Parteien alles vermeiden, was ihren Aufmarsch irgendwie stören könnte.... Es mag der Linken unangenebm sein, daß sie sich einer geschlossenen Front gegenübcrsieht. Sie wird aber auch fernerhin damit rechnen müssen, daß die Deutsche Volkspartei und die Deutschnaiionale Volkspartei dafür Sarge trage», während des Wahlkampscs auS ihren gegenseitigen Beziehungen alles Störende fernzuhalten. Wem soll man nun glembsn: Herrn Stresemonn, dem Vorsitzenden der Deutschen Volkspartei, oder der„Na- tionalliberalen Korrespondenz", dem offiziellen Or- g an der Deutschen Volkspartei?! die verhasttmgen im Ruhrrevier. B e r l i n, 30. Mai.(W. T. B.) Nach den von den Kommiffa- reu der NeichSregierung im Ruhrgebret vor einigen Tage« getroffewen Feststrllmrge« ist die Zahl der wegen Beteili- gung an den März«»ruhen verhaftete» Personen beträchtlich zurückgegangen. So hat sich i» Wesel die Gesamtzahl der llntersuchungSgefaageuen von etwa 700 auf 248, i« der Gefangenen. sammrlstelle Dortmund von etwa 200 auf 50 verringert. Die Nachprüfung, inwieweit in ErmittlungSsache« preitere Haftentlassungen gerechtfertigt sind, schreitet fort; danach ist mit einer weiterenBerriugerungd« Zahl der i» Hast befindlichen Personen zu rechnen. Sowett VerurteHuuge» varllegeu, hat der Reichs- Präsident in einer beträchtlichen Zahl von Fällen von sewcm Begnadigungsrecht Gebrauch gemacht. Im übrige« wird .die Bearbeitung der Gnadeufachen von den beteiligten Dienststelleu mit der größten Beschleunigung durchgeführt. Zu den Pariser WkrtschaftSberetuugen ist Huyo StöwneS«och nicht gereist, und wenm er reift, fährt auch Genosse H u e. 'Reichstagswahlen unö Sozialüemokratie. Der Bczirksverband Groh-Berlin>'S. P. D.) hatte zum Sonn- tag vormittag für die sozialdemokratischen Wähler 8 öffentliche Vcr. iamm langen einberufen, deren Tagesordnung das Thema„Die Reichstagswahlen und die Sozialdemokratie" bildete. Die Der- sammlungen waren durchweg gut besucht. Im Gegensatz den Versammlungen der anderen Parteien kam es nirgends zu Störungen. In der Brauerei Königstadt i» der Schönhauser Mee referierte unser Spitzenkandidat, Stadtverordneienvorsteher Genosse Hei- mann. Der Redner führte u. a. ernS: Der frühere Reichstag sei der bedeutungsloseste Faktor für die Gesetzgebung gewesen, während er fetzt deren auSseblaggehende Körperschaft ist. Zwei- fellos sei das deutsche Volk in einer furchtbaren Lage. Die traft- losen Verhältnisse seien - durch de»>-rloreueu Krieg. den grausam s» langen Wasb''istanb und den nnwenschllch barten Friedensvertrag gesebasiieu, woran die Alldeutschen allein die Schuld tragen. OpposttwnSparteien �versuchen immer wieder darzutun, daß die s.sijzialdemolwHe die Schuld an den trostlosen Verhältnissen trage/ Vor allem sind die ReMsvarteien bemüht, ihre Schuld von sich abzuwälzen. In ihrer lüg,...iften Agitation spielt das Schlagwort von der»erdolchten Fronj'"eine große Rolle. ES fei zum Teil gelungen, die bürgerliche Jugend mit dieser demago- glichen unwahrhaftigen Agitation zu gewinnen. Gerade die. Pro-' paganda der gebildeten Kreii'c sei um so verwerflicher, als ihnen alle Mittel zur Verfügung stehen, um sich über die unstreitigen Tatsachen zu informieren. Gerade die Memoirenw e rke der durchweg konservativen ehemaligen Staatsmänner und Heer- führ er beweisen, da? Nnwahrhaftige der dcotschnationalen Agitation. Zum Beweise hiersür zitierte der Redner eine Stelle auS den Aus, zeichnungen des ehemaligen Chefs der Heeresleitung, General Falkenhahn. Wenn dieser General bereits 1915 wußte, daß der Krieg verloren war, wußten es die anderen Militärs auch. Und trotzdem haben sie den Krieg weitergeführt bis zur Katastrophe. Dieses größte Verbrechen werde letzt von der Teutschnaiionalen. und der Deutschen Volks- parte: durch Dick und Dünn verteidigt. Diese Parteien hätten auch mit dem Kapp-Putsck sympathisiert. Ein großes politisches 11 n- glück sei die Spaltung der Sozialdemokratie. Seit die aus Rußland importierten kommunistischen Rezepte hier Eingang gesunden haben, habe das Getobe gegen die alte Sozialdemokratie einen hysterischen Charakter angenommen. Daß eine Einigkeit der Arbeiterschaft möglich sei, habe der Kapp- Pu t sch bewiesen. Der schwächlichste Punkt der Rsvoluftonsregie- run�f sei die Koalition mit Zentrum und Demokraten. Es sei grundfalsch, die Beschlüsse der Nationalversammlung und die Taten der Regierung aus das Konto der Sozialdemokratie zu setzen. Sie seien ein Produkt der Koalition, in der die Sozialdemokratie das vorwärtsdrängende Element gewesen sei. Das Ziel der Sozialdemokratie sei die Einigung der Arbeiterklasse, die aber nur auf dem Boden der Demokratie erfolgen könne. An das Referat schloß sich eine rege Debatte, di«-indessen ohne Zwischenfälle verlief._ Stürmische Versammlungen. Der gestrige Sonnrag stand ganz und gar im Zeichen des Wahlkampfes. Fast alle Parteien hatten Versammlungen ein- berufen. Während die Versammlungen der Sozial de mokra- tischen Partei einen guten und ungestörten Verlauf nobmen, kam es in' Versammlungen-anderer Parteien zu stür- mischen Tumulten, die teilweise in Schlägereien und Ver- sammlungssprengungen ausartete». Herr Reichswehrmrnister G e tz ler, der im Demokratischen Jugendverein Groß-Berlin, Unter den Zelten, sprach mutzte den Sturmangrift einer deutschnationalen Studenten- gruppc abwehren. Die deutschnationalen Radauhelden hatten jedoch kein Glüff. Ihr Sprengvetsuch wurde von der Mebrheit der Versammlung abgewiesen und bei der sich entwickelnden Schlägers- mußten die deutschnationalen Recken unter Einbuße mehrerer Hakenkreuze den Rückzug antreten. Die Versammlung nahm dann einen ungestörten Fortgang. Gesprengt dagegen wirrde eine deutschnationale Ver- sammlung in der Schöncberger Schloßbrauerei, in der Gras Westarp und Fräulein Lehmann reden sollten. Um die Stimmung zu beleben, hatten die Deuftchnattonalen eine Musikkapelle kommen lassen, deren Darbietungen auch gerne angehört wurden, nicht aber so die Worte des Grafen Westarp, der sofort «nit Schmähungen gegen die Republik einsetzte. Zwischen' Deutsch- nattonalen und Anhängern der verschiedenen Linksparteien kam es zu heftigen Auseinandersetzungen, die auch dadurch nicht behoben wurden, daß der findige Versamimlungslsiter wieder die friedliche Musik spielen ließ. Die Versammlung endete in Tumult; die Dcutschnatiönalen.zogen ab, indem sie»Deutschland über alles" sangen, worauf die Arbeiter mit der Arbeftermarseillafte antwor- teten. Schließlich kam es zu einer stürmischen Auseinandersetzung zwischen ZentrumSkat holiken und öeutfchnatio- nalen Katholiken in einer öftentlichen Katholikenoersamm- lung, die von deutschnattcmalpn Katholiken nach der Aula des Werner-�emens-Realgymnaftmns berufen worden war. Die AuS- einandersetzungen zwischen blauen und schwarzen Katholiken nahmen so heftige Formen daß schließlich die Sicherheitspolizei mit Gewalt den Saal räumen mußte. Die blauen Katholiken hielten dann unter sich eine Versammlung ab, die ein Herr Loffau nrft-einem dreifachen Hoch auf Papst Benedikt X. und de» Ezkaiser Wilhelm begann! Wir bemerken auch an dieser Stelle, daß wir BersammlungS- sprengungen, ganz gleich von wem sie ausgehen, prinzipiell für ein ungeeignetes und minderwertiges Kampfmittel halten._ Agrarreform in Litauen. Kopenhagen, 20. Mai.»Berlingske Tidende" meldet auS Kau. no: Die Nationalversammlung nahm heute ein Gesetz aas, durch das den Besitzern von Majoraten, Krongütern und privilegierten Gütern verboten wird, diese ohne Genih- urigung zu verkaufen. Dies dürfte der erste Schritt auf dem Wege zur Uebernahm« dieser Güter durch den Staat fem. die kleine Residenz. Bon P aller Bewohner erworben, die mit ihr in Berührung ge- kommen seien. Der gehässige Febdzug Fegen alle?, was französisch sei, könne sie nicht berühren: die Senegalesen könnten mit Stolz ihre S i t t e n r e i n h e i t und ihr Hohes Pflichtgefühl als. Menschen und Soldaten'.ns Feld führen gegenüber den per- fiden Anklagen von Leuten, die so leicht die Schrecken vergäßen, deren sie sich in Afrika wie in Frankreich und Belgien schuldig gemacht hätten. Das„Echo du Rhin"", das diesen TagesbefeA veröffentlicht, betont aus diesem Anlaß, daß die Abberufung der Senegal-Brigade vom Rhein keine Folge der deutschen Kampagne gegen die schwarzen Truppen fei. WirtsiHcj# Warcnprcisbewegung. Aus Bremen wird der„Deutschen Mg. Ztg." geschrieben: Rohstofspreis« und Fertigfabrikatpreise haben den logischen Zusammenhang verloren. Während die Preise für R o h st o f f e, für deren Absatz Deutschland dem Ausland offen steht, täglich sich der Bewegung des Morkpreises anpassen bzw. in den letzten Wochen täglich entsprechend gefallen sind, gehen die auS dielen Rohstoffen hergestellten Waren in der Preisbewegung ein- fach nicht mit, weil hier etwaige Auslandökonkurrenzeinfuhr vor- läufig an dem Walle der Einfuhrerlaub iiisnotwendig. k e i t sich stößt. Aehnliches gilt auch für die Ganz- und Halbroh- stoffe Kaffee, Tee. Kakao, Schokolade, für die die Ein- fuhr vom Reichsminister nicht freigegeben wird. 5luf Grund des derzeitigen Standes der deutschen Valuta kostet heute Kaffee roh rü Holland etwa 9,50 M. per Pfund. Dieser Kaffee würde sich beute verzollt m T-eütschland auf etwa 12 M. stellen. Der deutsch« Großhandelspreis hält sich jedoch unter dem Schutz vor neuer Einfuhr noch auf 17 bis 18 M. Geschäfte kommen zu diesem gegen Anfang Mai um etwa 30 Proz. herabgesetzten Preise so gut wie gar nicht zustande. Die Kleinhandelspreise sind aber auch dieser Preisherabsetzung des Großhandels nicht annähernd ge» folgt. Sie stehen mit ZV M. für gebrannten Kaffee nur etwa IV Proz. niedriger als zu Anfang Mai. Kakao wurde vom Groß- Handel vor etwa? Wochen mit 48 M. notiert und kostet heute etwa 28 M. per K i I o._ Die noch auf teuer eingekauften Vorräten sitzenden Ladengeschäfte haben sich auch für Kakao den Preisherab. setzungen des Großhandels nur wenig angepaßt. Aehnliches gilt auch für R e i s�. der noch immer mit 8 M. per Pfund in den Schaufenstern steht. Noch kritischer klafft der Widerspruch zwischen der Bewegung der Großhandelsrohstoffpreise und den Kleinhandels- Warenpreisen in der Textilindustrie. Während im Rohstoff- Handel die Preise für Baumwolle und Wolle in den letzten sechs Wochen um mehrals die Hälfte, in den letzten drei Wochen noch um etwa SV Proz. für Wolle, um etwa 53 Proz. für Daum- wolle gefallen sind, versuchen die Ladengeschäfte mit Iv- bis Zvprozentigen Herabsetzungen der doch hauptsächlich durch die Roh- nosfpreisstei gerungen und unter Hinweis auf diese aufgebauten Fertigwaronpreise die.Kauflust der Verbraucher wieder anzuregen. Das Publikum aber sieht, daß daZ tägliche Fallen der Preise für die Rohstoffe nahezu ohne Einwirkung auf die ihm gebotenen -Fertigwaren bleibt und. kauft nicht. Auch für viele andere Waren, Bildcr, Hüte u. a., die erst im letzten halben Jahre ihre Preise vervielfacht haben, scheint die Dalutabewegung und Mäg- lichkeit uberscküvemmender Auslandskonkurrenz nicht zu existieren. ES stehen noch immer Strohhüte fiir"0 M. und Bilder au» Massenherstellung für 40 M. in den Schaufenstern, die man vor einem Jahr« für den zehnten Teil dieses Preises kaufen konnte. Auch der geringfügige Preisrückgang für Schuhwaren ücht in keinem Verhältnis zu den füx Häute cingetreteben Preis. stürzen. Wenn auch die Löhne und sonstigen Unkosten in der In. dustrie nicht zurückgegangen sind, so macht doch der Rohmaterial- wert in den meisten Warenpreisen einen so hohen Prozentsatz au», daß dem Rückgang der Rohmaterialpreise in den Fertigwaren- preisen nicht annähernd Rechnung getragen ist. Das Möboleinfuhrverbot der Schweiz soll, wie der feiten» des Volkswirtschaftsdepartements erstattete Bericht bestätigt, nicht auch auf andere Zweige der nationalen Produktion ausgedehnt werden. GroßSerlm papierner Zauber. lieber enie-Woche... 5/" Das Wahlfieb er kreist in Berlin. Die Lberflächs bisser , beweglichen Stadt zeigt zurzeit nur ein leichtes Kräuseln. Die wirklichen Kämpfe spielen sich im Innern ob, in Äcn Versammlungen, wo um den Willen zur Wahrheit heiß gerungen wirb. Auf den Straßen macht sich das von der Rechtsschwärze bedruckte Papier breit, tanzen vor den Augen der Passanten die herrlichen Bilder, wo der Teufel und olle böseste Bosheit knallrot ist, von Karintn bis Purpur. Die Schuldigen von ehedem und gestern haben das Maul voll Stinnespapier. das unaufhörlich und unversieglich hervorsprudelt. Aller Engel Seligkeit prudelt barin zwischen deutschnational und der völkisch begnadeten Volkspartei, schwindelt und verspricht das Blaue vom Himmel herunter, salbadert Quatsch und noch einiges und weiß, daß es mit frommem Lächeln gedruckt lügt und Lügen druckt. Fhre Frechheit steht in dem noch unbc- sangcnen deutschen Wähler eine Puppe ohne Gedächtnis und Erinnerung. Würden sie ihn ernst nehmen, so müßten sie bescheidener sein. Und wie nimmt man eS auf? Man nimmt es auf, wie es gemeint ist. DaS Jüngelchen, das einem das Zettelchen gibt, hat seine Erfahrungen und reicht das Papier verdeckt ober zusammengefaltet. Ein lächelnder Blick..... natioanl.— Wieder— aus--" ein Riß. Soviel Wind ist immer in den Berliner Straßen, und dann sind die Gullys tief und die Kanäle endigen auf den Rieselfeldern. Eins? hat's auf der Straßenbahn, ein anderer nimmt's ihnen aus der Hand.—„Schufte."— Einige Spar- same wissen besseren Gebrauch davon zu machen und heben es fein säuberlich gefaltet für„vorkommenbe Zwecke" in der Rocktasche auf. Si» kommen niemals in Verlegenheit. O, schönes Wiederaufbaupapier. K. Aue Seachtung für Gemeinüewähler. Da» Wahlrecht für die Stadlverordnetenverscmini lung und die Bezirksversammkungen der neuen Stadtgemeinde Berlin stehi nur denjenigen Bürgern zu, die bei Beginn der Auslegung der Wähler- Der Wahlkampf. Kommunisten, wählt öeutschnational! In einer sehr gut besuchten Versammlung im Köpeaicker Stadttheater referierte Genosse Eduard Bernstein über die bevorstehenden ReichZingSwahIen. Seine trefflichen Ausführungen machten bald die.Zwischenrufe der U. S. P. ünd der K. P. D. ver- stummen. In der Diskussion sprachen u. a- je zwei Anhänger der U. S. P. und der K P. D. Es hatte den Anschein, als ob diesen Wald- und Wiesenpseifern die Schlagwortroll«.„Noske" gegen die „formale Demokratie" eingetauscht worden ist. Doch diese Materie wird wegen ihrer Neuheit von ibnen noch nicht beherrscht. So erklärte ein Herr Kette, Mitglied des AitionianSschusseS der Köpenicker N. S. P. D-, daß das allgemeine Wahlrecht sogar den Jugendlichen und den Dienstmädchen einen Einfluß auf die Gestaltung der Republik gäbe.. Das sei nicht gut, denn alle Macht gehöre den Arbeiterräten, die sie sich durch die Diktatur de? Proletariats erringen müssen. Den Vogel schoß aber der Vorsitzende des Erwerbslosen- ratS der K. P. D., G a f ch k a, ab, der die Beriommlung mehrere- mal aufforderte, nicht U. S. P., nickt S. P. T., sondern deutschnational zu wählen! Die Ausführungen dieser beiden Redner brachten eine Stimmung hervor, wie es sich die Brüder von links nicht träumen ließen. An Stelle de» durch andere Anforderungen in Anspruch genommenen Genossen Bern- st e i n war e» dem Genossen W e i n s ch i l d ein Leichtes, die Reden der Herren Kette und G a s ch k a als da? zu bezeichnen, was sie sind. Entweder sind es Ausflüsse gedankenloser Hetze oder von der Reaktion bezahlter Subjekte. Wir sind stolz darauf, auch den Dienstmädchen das Mitbestimmungsrecht erwirtt zu haben, hoffentlich benützen sie eS im Sinne, wie tS dem nicht unwesentlichen Teil des Proletariat» entspricht. Wenn es mit ihrer Hilfe gelingt,--« i n e sozialistische Mehrheit im Reichstage zu erringen, dann bekommen wir die fest begrün- dete Diktatur der Mehrheit. Gelingt es diesmal noch nicht, dann werden wir mit dem alten erprobten Kampfesmut auf- klärend und erzieherisch weiter arbeiten. Diesmal, am 8. Juni, hat das Volk zu entscheiden, ob. Monarchie oder Republik, ob Reaktion oder Demokratie, ob kapitalistische Vo lks a u» b e u t u ng oder Sozialismus. Wer die wahren Rechte des Proletariats, der Frauen und Mädchen, der Beamten, Angestellten und Arbeiter verwirklicht haben will, der wähle am 6. Juni die Liste Eduard Bcrnsteiu.'/ Richtig ist... Richtig ist, so schreibt die reaktionäre„Kreuzzeiwng", daß wir kein Hehl daraus machen, wie ungeeignet das r« p u b l i- k a n i s ch e und das parlamentarische System für unser Va. terland.ist. Wir können diese interessante„Enthüllung" noch um folgende Mitteilungen erweitern: richtig ist, daß die Deutschnationalen versuchen. dieses verhaßte republikanische und parlamentarische System auf dem Wege der Konterrevolution zu stürzen, richtig i st, daß die Deutschnationalen und die ihnen venfippten Deutschen Volksparteiler die unfreiwilligen Schöpfer dieses ihnen verhaßten Systems sind, indem sie durch Verweigerung jeder freiheitlichen Maßnahme das Volk dazu zwangen, eS sich zu erkämp f e n, richtig i st, daß bis in die letzte» Monat« de» Weltkriege» hinein den Ahnen unserer Deutschnationale», den Konserda» t i v e n nämlich, jedes Verständnis für die Seele de» Volke» ab» ging. richtig ist, daß der Mut der Leute, die vom Bock die Hin- gäbe des letzten Tropfen Blute»„auf dem Altar he» Vaterlandes" verlangten, mit dem Quadrat der�E ntfernung vom Schützengraben wuchs(siehe Westarp, Reventlow, Helffe». rich, Kuntze und zahllose andere), richtig i st, daß dieselben schwerindustriellen Deutschnatio- nalen und Deutschen Bock»parteiler, die heute die Phrase von der erdolchten Front bis zum Ueberdruß mißbrauchen, den Soldaten im Schützengraben de» zu ihrer Deckung erforder- lichen Stacheldraht verweigerten, indem sie ungezähltes Ma» terial an Eisen und Draht in» neutrale Ausland ad- s cho b e u und damit unseren Feinden de» Kampf gegen die eigenen Volksgenossen erleichterte», richtig ist, daß die einzig treffende Autwort auf die ungezählten und unsühnbareu Ver- brechen unserer alldeutschen Reaktionäre, die gleichmäßig in der D e n t sch n a ti o n a le» wie deq D e u i sch« n Volkspartei vertrete» sind, die Abgabe eines sozialdemokratische» Stimmzettel» a» 6. Juni ist! Es war einmal! Es war einmal«in Geheimrat. der veröffentlichte einen geharnischten Schreibsbrief gegen Ergberger anno 1906, dazumal zu lese» in den Zeitungen vom 8. Juli. Was von Korrnp- tion in der Kolonialabteilung de» Auswärtigen Amts vorgebracht werde, sei längst abgetan«„Klatsch"; aber unerhört sei e» in Deutschland und aller politische» Moral hohnsprechend, daß ein Volksvertreter sich bei Angriffe« auf eine Behörde der Ver- Mittelung vo» Beamten bedient, die in der Behörde angestellt sind und„in deren Mauern als Dsnunzianden und Spitzel unter Verletzung des Diensteides ihr Wesen treiben". Wer schrieb das? Wer war der Geheimrat?. Herr Karl Helfferich. Derselbe, dessen Haupttrumpf gegen Erzberger die gestohlene» Steuererkläruugen wurden! Scheidemann i» Hamburg. Hamburg, 51. Mai.(Gige-. ner Drahtbericht d«».Vorwärts".) Die gestrige Scheid«. mann-Berfammlung fand unter ungeheurem Andrang statt. Dia aroße Halle des Zoologischen Garten» mußte schon eine Symde vor Beginn- wegen Ueberfüllung abgesperrt wevden. Für die noch immer anströmenden Scharen wurde auf d« Straße eine zwette Versämm. lung veranstaltet, in der uns« Kandidat Genosse Lehrer Hell- mann unt« großem Beifall sprach. Im Saale rechtfertigte S ch e i d'e m a n n unt« lautloser Stille, wiederholt von starkem Beifall unterbrochen, die Haltung der Partei im Krieg« und in- der Revolution, er wie» die Verantwortung der Luden- dorff. Partei für das ganze Elend nach, ging ab« auch scharf mit den Unabhängige» in» Gericht. Vereinzette Zwischen« rufe wurden sofort durch die Versammlung selber zum Schweige» gebracht. Nach Schluß der m.* fürmischem Beifall aufgenommenen Rede wurde mit großer M idrnt beschlossen, ton ein« Diskussion Abstand zu nehi. me Zum Wort gemeldet war nur ein Kommunist. Mit einem begeisterten Hoch auf die Sozial- demokratie ging die Versammlung auseinander. listen i h r en W o hnsi tz seit mindesten» einem Jahr« im Gebiet der neuen Stadtgemeinde Berlin, d. h' in Groß-Berlin hoben. Weil nun die bezüglichen Fest« stellungen für die einzelnen Gemeinden nicht immer leicht sind, hilft man sich mit der schriftlichen Aufforderung an die betreffMden Wähler, selber die B e w e i s st ü ck e für ihre mindesten» einjährige Zugehörigkeit zu Grotz-Berlin beizubringen. Ein Einwohner Eharlottenburg» äußert hierzu in einer Zuschrift an uns die Besorgnis, daß bei der Kürze der den Wählern gestellten Frist mancher um sein Wohlrecht kommen könnte. Die von ihm beigefügte schriftliche Aufforderung de« Charlottenburger Magistrats ist am 26. Mai nachmittags zur Post gegeben, so daß sie erst am 27. Mai vormittags bestellt werden konnte und gewiß den meisten der erwcrblätigen Wähler zeitigsten» erst am Abend des 27. Mai vor Augen gekommen sein wird. Der Magistrat verlangt aber, daß der Nachweis unter Vorlegung amtlicher Papiere bi» zum 29. Mai, mittag» 2 Uhr, mündlich oder schriftlich im Bureau de» Wahlamteö erbracht wird. Die Zuschrift schließt:.Wird der Nach- weis bi« einschließlich 29. Mai nicht erbracht, so können Sie n die Wählerlist«für die Stadtverordneten- Versammlung und die Bezirktversammlung nicht aufgenommen werden." Da müssen wir leider fürchten, daß diese? Schicksal der Nicht« ausnähme einer großen Zahl von Wählern widerfahren sein wird. Die betreffenden Wähler verlieren aber hiermit keineSweg» schon ihr Wahlrecht überhaupt,, sondern sie lönnen noch während der WählerlistenauSlegung gegen ihre Richtauf» nähme sofortigen Einspruch erheben und unter Vorlegung der Beweis st ücke nachträgliche Auf- nähme fordern. Alle Wahlberechtigten sollten die jetzt zur Auslegung kommenden Liften sorgfältig prüfen, besonder» aber sollten das diejenigen tun, die den vom Magisttat gesorderteu Räch- wei» nicht rechtzeitig erbringen konnten. Mutter und Kinder ermordet. Ein Leichenfund, der auf eine Familientragödi« schließen läßt, wurde am gestrigen Sonntag in der S t a a t» f o r st von Birkenwerder gemacht. Berliner Ausflügler fanden in der Nähe de» Lazaretts die Leichen einer etwa 33 Jahre alten Frau und zweier Kinder, einen Knaben von etwa acht und ein Mädchen von eiwa 14 Jahren. Alle drei waren durch Schüsse. über den Augen in den Kopf getötet worden.' Die Leiche der Frau lag rnehrere Schritte abseit» von denen der Kinder. Eine Schußwaffe wurde nicht vorgefunden. Anhaltspunkte zur Feststellung der Persönlichkeiten der Toten fand man nickt bei den Leichen. Die bisherigen Nachforschungen der Ortspolizer und der sofort benachrichtigten Berliner Kriminalpolizei waren bisher obne Erfolg. Allem Anschein nach handelt es sich um Berliner. Nach den bisherigen Feststellungen scheint eS sich um eine Familien» tragödie zu handeln. Man nimmt an. � daß der Man n zunächst die Frau und dann die beiden Kinder erichossen hat, um mir ihnen gemeinsam aus dem Leben zu scheiden. Ob er schließlich davon abgesehen hat. auch seinem Leben ein Ende zu bereiten, oder ob er sich an einer anderen Stelle erschossen hat, bedarf noch der Nach- Prüfung._ Ei» Raubüberfall wurde heute früh im Westen der Stadt in der AlvenSlebenstraß« verübt.$» dem Hause Rr. 19 wurde die 23 Jahre alte Schneiderin Gerdi Ritzen von zwei unbekannten Männern, die an der Tür klingelten, überfallen.' Di« Männer fesselten und knebelten das jung« Mädchen, stopften ihm einen Knebel in den Mund und verbanden ihm die Augen. Sie stahlen Wäsche und Kleidungsstücke sowie 200 3B. bare» Geld und außerdem noch Kleidungsstücke von Kundinnen des jungen Mädchen». Ein Hausbewohner fand die Ueberfallene bewußtlos und ohne Lebenszeichen auf dem Fußboden liegen. Ein Arzt, der sofort gerufen wurde, stellte Wiederbelebungsversuche an. die auch von Erfolg waren. Die Nachforschungen noch den Räubern find sofort eingeleitet. Proteftversammlung weiblicher MaglftratSh i l fSkräfte. Nach- dem der Magistrat den SchiedSIpruch der nicht ständig Angestellten ab- gelehnt hat, findet morgen Dienstag, den 1. Juni, nachmittag» 4 Uhr, in der Bötzoio-Brauerei ein» große Pralestversammlung sämtlicher weidlicheu HUsSkräste de» Magistrats statt. ReichSbund de» Kriegsbeschädigte». Bezirk 12 Dstenf. Di-nStag. 1. Juni, abend« 7 Uhr, Mtgllederoersammlimg w der Liehhossbärse Eldenaer Str. 37._ Groß-Serliner parteinachrichtea. Heute, St. Mai: t. tlit. 7fl, Uhr im Jugendheim, Lindeustr. 3. Sämtlich« ÄtzukS- führ«, Funktionäre und jugendliche Wahlhelfer. Tempelhof. 7'/, Udr, in der Aula der Gemewdeschule, ist entliche Wähleraersammlung für Staat«-, Gemetudebeamt«, Kaufleute, Angestellte. Referenten: Lehrer Heyn und PrwatanaeNellter N ö rp«l. Niodcrschönewetde. 6 Uhr: Zlugblatto erbreitung vom Restanrant Räthel, Grünauer Str. 8. Bnchdolz. 8 Uhr. im Restaurant Haeckel, Pafewalker Straße 67, öffentliche Wählervenammlung zur SladWerordnetenwahl. Referent: Ge«. Paul Voigt. BerwaltungSbeamte. VI, Uhr tn den Kermantasäle», Chaussee. straße 110: Versammlung, aller Beamten und Angestellten vom Reich««. -rbelt«mintstertum, von der Charits, der Landwirtschaftliche» Hochschule, vom Zentralnachiveisbureau und Staat»theatern und Museen. TageSord- nung:.Die Beamtenschaft und die lommunalen Wahlen". Referent: Ge- nasse Riesstahl vom R. ff. S. verein Arbeiterjugend. Lankwitz.'/,8 Uhr. bei Mehlttz. Kaiser- Silhelm-Straße 45, Mitgliederversammlung. GaftwtrtSangcstellte. Abend« 11'/, Uhr im Cast Stern, Oranien. burger Tor: Oessentliche Versammlung. TageSordnima: Wen wähle» wir zum.Reichstag> RoserentM: grau Clara Bohm-Schuch, W.d. R. Morgen 1. Juni:. 19. Abt. 7 Uhr. bei Harwari. Mirbachltr. 24. Versammlung sämtNch« Barteisunltionäre sowie Beznlssllhrer, Betriebsräte und Vertrauensleute. Tagesordnung:.Die bevorstehenden ZlelchstagSwahlen". 33. Abt. 7 Uhr. Svung sämtlicher Funkiionäre und Betrieb«- Vertrauensleute bei Schenk. Gwinemünder Straße 58. «chöneberg. TU Uhr, in der Schule Feuriaftraße, Sitzung be» erweiterten Vorstände«, der Bezirkssührer und Kassierer, der BttriebSver- trauenSIeute, Elternbeiräte sowie sämtlicher Parteifunktionäre. Dempelhof. TU Uhr. in der Aula de« Realgymnasiums in d« Kaiferin-Augusw-Straße, öffentliche Versammlung. Referent: Genosse Dr. Alsred Striemer über.Die Retchstagswahk». Achtung, verwoltungSbeamte! Nachmittag« VL Uhr tet Restou. rant.Wilhelmshoft,»yiegelsaal. Anhalistr. 12, Versammlung aller Beamte» und Angestellten d-S RcichsmwifteriumS de» Innern, de» R-ichSoerlchrS. mmisiermm«, des ReichSauSgleichsamt«. de« Landwktschalt«-, Handel«, und WohlsahrtSministeriums. der Generalki iegSIas!- und der Generclmi.'itär lasse. de« HaupikraukenbuchlagerS, der Rachsdruckerei und der RetchSbalist Tagesordnung: Die Beamtenschaft und die kommenden ReichStagSwahIe». Reserent: Genosse Stadtrat Ritter. Achtung,«iseubohner! Nachmittag« 5 Uhr im Luisenstädttsche» Gymnasium, Oranienftr. 180, Versammlung der Beamte», Hilf«- und AuS- hilisbeamten der Ueberwachungsabteilung. Tagesordnung: Sozialismus und Beamtenschaft. Referent Genosse R i e I st a b l vom R. ff. v. Achtung. Beamte: TI, Uhr w Oberschöneweide. Zeppelinftr. Ig. Realgtzmnosium, Versammlung sämtlich« Beamten, Lehrer und Angestellte» von Lberlchöneweide, Niederschöneweide, Johannisthal, Adlershof, Treptow und ällt-Cäliemcke. Tagesordnung: Die BeauUsnschalt und die tHUMeuden «-chlt». Resereut Genosse Lehrer Hetz» OelverMofisbewegung Konflikt im EisenbahnerveebanÜ. Eiai Konflikt, der seit Monate« zwischen den? Haupt>�>rsmn> dcS Teiltfchen Eisenbahnerveribandes und den Mitgliedern der Orts- verwa-Imng Berlin sdswebt, wurde am Sonntag in einer außer- ordentlichen Generalverscnnmlung sehr eingehend erörtert. In der Hauptsache handelt es sich darum: Geschke ist seinerzeit als zweiter Bevollmächtigter in die Ortsverwaltung gewäblt, vom Hauptvorstand aber nicht bestätigt worden. Als Grund für sein Ver- halten gab der Haupworstand an, Geschke habe erklärt, die Eisen- bahner müßten revolutioniert wetden, der Tarif sei zu verwerfen, wenn die Eisenbahner einen Stundenlohn von 3,40 M. hätten, wären sie beruhigt, und es wäre rnchts mehr mit ihnen anzufangen. Geschke sei nicht auf das Wohl der Eisenbahner, sondert, nur auf die Verwirklichung seiner eigenen Pläne bedacht, er sei deshalb zum BerbandSangcstellten nicht geeignet. Nachdem dieser Sachverhalt in der Versammlung vorgetragen war, erhielt der Verbandsvorsitzende B r u n n e r das Wort. Sach- lich erklärte er sich mit der Haltung des HaupivorstandeZ durchaus einverstanden, da die gesamte Tätigkeit Geschkes erkennen lasse, daß er ein Gegner der Verbandspriitik und deshalb kein geeigneter Vertreter der Verbandsrnteressen sei. Die Form, in der der Haupt- vorstand seinen Standpunkt begründete, kann der Radner' nicht in allen Punkten billigen. Geschke verteidigte sich-n einer reichlich ander! halbstündigen Rede. Er bestritt, die ihm zur Last gelegte Aeußcrung getan zu haben nnd meinte, selbst wenn er sie getan hätte, so würde er damit seinen persönlichen Standpunkt vertreten haben, was sein gutetf Recht sei, auch wenn«r Verbandsangestcllter wäre. Als die auf der Tagesordnung' stehende Neuwahl der Orts- Verwaltung vorgenommen werden sollte und Geschke gefragt wurde, ob er eine Wiederwahl annehmen würde, erklärte er, er könne diese Frage erst beantworten, ipenn der Haupworstand zugebe, daß er seinen die Nicktbestätigung Geschkes betreffenden Be° schluß auf Grund falscher Informationen leichtfertig gefaßt habe. Da die Diskussion� über den Fall Geschke nicht beendet wer- den konnte, weil der �-aal geräumt werde« mußte, wurde die Neu- wabl der Ortsverwaltung vertagt und eme provisorische Lrtsver- waltung gewählt, bestehend aus den besoldeten Mitgliedern G e s ch l e serster Bevollmächtigter), Hermann Schulz. zweiter Bevollmächtigter), P i e t s ch(Kassierer], K l i e b e r(Schristsührcr). Die von der alten Verwaltung vorgeschlagenen unbesoldeten Mit- glicder.wurden ebenfalls gewählt. Schließlich nahm die Berfammlung einstimmig eine dem Eisen- babnministeriuni einzusendende Resolution an, welche dagegen pro- testiert, daß die aus Anlaß der/ Schließung der Eisenbalmwerk- stätten Gemaßrcgcllen noch nicht wieder cmgestellt sind. Tie sofortige Wiedereinidellung wird verlangt und erklärt, wenn sie nicht ball) erfolgt, sehen sich die Arbeiter der Eisenbahnbetriebe gezwun» gen, ohne ihre Führer die äußersten Mittel anzuwenden. Tie Lage im Friseurgehilfenstrcik.» Die Verhandlungsbasis beschritten. Am Freitagabend fand zwischen den Arbeitgebern deS Jnleressenverbandes und der Zentral si reikleituug der Fris eurgehilfen eine unverbindliche Besprechung statt, die von 8 bis 1IA'2 Uhr nachts dauerte und durch eine Mittelsperson zustande gekommen war. Es soll nicht besonders hervorgehoben werden, wie sich die Besprechung zugetragen hat. Die VerhandlungS- basis wurde in dieser Besprechung ebenfalls nicht berührt und man wurde sich am Schluß dahingehend �einig, zu Verhandiungen überzugehen, die am Diersutagmitiag 1 Uhr beginnen sollen. jjz Es wird von der Zentralstreles�ung darauf hingewiesen, daß entgegen ben Ansichten eines Teiles der Arbeitgeber, der Streik nicht abgebrochen ist, sondern nach wie vor weiter geht. Es kommt darauf an, was am Diensiag bei den Verhandlungen heraus kommt. An olle Genossen und Genossinnen richten wir das Ersuchen, uns moralisch nach wie vor zu unterstützen, die fliegenden Rasier- und Frisierstuben in Anspruch zu nehmen. da-S Solidarstäts- gefühl zu wahren, damit wir den Kampf zum Siege führen. Arbeituebmervcrband des Friseur- und Haargctverbcs, Zweig- � r f rl, Niederlassung Groß-Berlin. Zobel..E. Matuschke. stwWM» Ueber die �ordervnge« der Augestellten im Holzhandel. fanden vor dem Schlichiungsausschutz unter dem unparteiischen Vorsitz de? LandgerichtsratS Dr. Schmölders Verhandlungen statt. Die Arbeitgeber hatten seinerzeit das Angebot einer 2Sprozenligen Zu- läge gemacht. Sie behäupicten.in der Verhandlung, daß der be- treffende Arbeitgeber dieses Angebot nur für Gruppe I gemacht bälte, im übrigen aber keinen Auftrag der Verbände dazu gehabt hätte. Sie hielten sich an den Beschluß der Bereinigten Arbeitgeber- Verbände vom 22. Mai, nach welchem Lohn« und Gehaltserhöhungen in jedem Falle unbedingt abzulehnen seien. Vom Zentralverband der Angestellten wurde darauf hingewiesen, daß die Angestellten wegen der überaus günstigen Konjunktur von den Riesengewinnen der Arbeitgeber in Form von Lohnerhöhungen nichts gemerkt haben, wohl aber von der täglich steigenden Ver- teuerung der Lebenshaltung. Es wurde weiter darauf hingewiesen, daß nunmehr die Herren Arbeitgeber den Konjunkturrückschlag in allererster Linie auf ihre Angestellten abwälzen wollen, indem sie den berechtigten Forderungen der Angestellten jegliches Gehör ver- sagen. Der Schlichtungsausschuß källte bezüglich der Gehaltssätze einen Schiedsspruch, der wesentlich über die Forderungen des G. K. A. hinausging. Es waren gefordert: Bom B°m D. H.B. 150,- M. 200,—. 250,—. 200,—. 260,-. 300,—. 875,-, 425,—. 500,—. , 618,75. 709,50, 821,50, 1232,50, Der Cchlichtungs- Au-fchuij billigte zu 150,- M, 180,—. 250—. 180—, 250,—. 325,—, m-. 500,—. 560,—. 660,—. 710,—, 860,—. 1175,-. Fentral» verbanb für Lehrlinge in, 1. Lehrjahr.. 850.— M. . 2.... 400.-. »,, 8.. 450,—, für jugcndl.Angestellte im lö.Zahr 850,—. im 16. Lebensjahr..... 400,—, . 17....... 450,-. . 18....... 600,—, , 19....... 650,—, . 20.,...... 700—. für die Angestellten der Gruppe la 1000,—, ..... Id 1100,-. ..... II 1300,-. ..... 1111500,-. Außerdem wurden Berufsalierszulagen gefordert: Vom Zcmralverband der Angestellten: Für die Gruppe la und Ib 8 BerufsalterSzulagen k 50 M. ... IX 10, ä 50, ...in 8, ä 50, Der D- H. B. hat wieder die gleichen Berufsalterszulagen ge» fordert. Der SchlichtungSauSschuß bewilligte: Für die Gruppe la und ld 3 Berufiolterszulogen k 30 M. .11 10, ä 30. .UI 8. a 30. Die Gehaltssätze galten für die Monate Mai und Juni, Auch den Angeslellren deS Holzhandels müßte endlich klar werden, auf welcher Seile die wirkliwe Jmeressenvemetung der kaufmännischen Angestellten liegt. Sie mögen sich beim G. 5H. A. dafür bedanken, daß infolge der widersinnig niedrigen Forderungen des G. K. A. der Schiedsspruch nicht nach unseren Wünschen ausge- fallen ist._ Tarifvertrag für die Angestellten des Reichs und Preustcn. Vom Zentralverband der Angestellten erhalten wir folgenden Bericht: In einer kürzlich abgehalrenen Sitzung war Einigung über einen Teiltarisvertrag. enthaltend die Gehaltsfestsetzung und Gruppeiwinteilung. erzielt und eine Kommission für die Rcdigierung dieses Vertrages eingesetzt worden. In der Sitzung der Redaknons- und Taristommisfion machten Ressortvertreter erneut Schwierig« ketten und verlangten weitgehende sachliche Aenderungen. Der Vertreter des Reichsfinanzministeriums hatte sich in der Sitzung am 22. Mai vorbehalten, ie,nem Minister Vortrag zu halten. gleichzeitig aber die ErllSrung abgegeben, sich für den Bcrtragsabschlnß einzusetzen. Der Reichsfinanzminister und der preußische Finanzminister battcn Anfang Mai zugesagt, daß der Lertragsobschluß bis Milte Mai unbedingt er- folgen"werde. Die Vertreter der Regierung sollten dementsprechende Anweisung erhalten. Eine Kabinetlssitzung Halle am 21. Mai zu dem Tarifvertrag Stellung genommen und den Regierungsvertcetern Dir«it.oen für den Abschluß gegeben. Demgegenüber steht das Verhalten der Regierungsvertreter. die nach Meinung aller anderen Verhandlungsteilnebmer die Angelegenheit nicht beschleunigen, um so mehr als nach Meinung bei VerhondlungSfllhrerS des Reichs- arbeitsministsriums die Einigung am 2K. Mai d. I. tatsächlich er« reicht war. Die Geduld der Angestellten bei Behörden ist zu Ende, so daß die Regierung nun gewarnt werden mutz, die erregte Spannung nicht auf die Spitze zu treiben. Tarifliche Regelung von Lehrlingsfragen. Wie wir von zuständiger Seite hören, entspricht' die in der Presse verbreitete Mitteilung, das Reichsarbeitsministerium habe neuerdings entschieden, daß Tarifverträge sich der Regelung des Lehrlingswesens zu enthalten hätten, nicht den Tatsachen. Das Reichsarbeitsministerium hält nach wie vor die tarifvertragliche Regelung der Arbeitsbedingungen der Lehrlinge für zulässig, soweit nickt im' einzelnen besondere gesetzliche Bestimmungen dem entgegen- stehen. Verband der GaftwirtSgehilsen und Verband der Köche, ge. meinfamc Köcherers arnmlung m HaverlandS-Festsälen, Neue Friedrichstr. 35, am Dienstag, den 1. Juni, nachm. 4 Uhr. Sport. Renne» zu Grunewald, Sonntag, SO. Mal. 1. Preis«an Sonnenhausen, 16000 Marl, 1400 Meter, t Oberon(Derschnv), 2. Zarin(H. Schmidt), 3, Granit(Frevtag). Tot,: Siez 23: 10, Pl. 16, 63. 73. Ferner liefen; Götz von Bnlichingen, Osipaanica, Wachtel, Glanz, Irene, Tanz, Medardus, Tetta, Gewerle, Offensive. 2. H a d s ch a r- Nennen. 16 000 Mark, 2000 Meter. 1. Lorbeer(O. Schmidt), 2. Bann- wart(Janel), 3. Florett(Danek). Tot.: Sieg 16: 10, PL 12, 13. Ferner liefen: Berliner, 3. Aspirant-Rennen. 16000 Mark. 1600 Meter. 1. Jodler(Hellebrandt), 2. Plchea(Derschnh), 3. Sterna(Rupvrechl), Tot.: Sieg 73: 10, Pl. 23, 13, 28. Fenier liefen: Capitalist(4), Moritz, Merlur. Reeder, Talfahrt, Letzter Heller. 4. Jubiläums-PreiS. Ehrenpreis und 55 000 Mark. 2200 Meter. 1. Einsiedler(Janel), 2. Fnedensfürft (Rastcnberger), 3. Wallenstein(Zimmermann). Tot.: 14: 10, PL 11, 23. Ferner liefen: Rofenritter(4), Vergleich(5). 5. Gebeimrat-Rennen. 16 000 Mark, 1200 Meter, 1, Orlag(Jentzich), 2, Pandur(Bleuler!, 3. En ver (Korb). Tot: Sieg 44:10. Pl, 42. 13, 58, Ferner liefen: Faida(6). Ma- travirag(5), Dichterin. Olympia(4), Marietta, Schlefierin. Sultane. 6. Früb- j a h r s- P r e i s, 27000 Marl. 1600 Meter. 1. Meinhard(Janek), 2. Dunst (Bleuler). 3. Saint Ahl(Bosch). Tot.: Sieg 34: 10. PL 16. 17„ Ferner liefen: Komponist. Provinzler. 7. Brtggow-Ausgleich. 16000 Mark. 2000 Meter, 1. Heribert(Hugnenini, 2. Parther(O, Schmidt), 3. Finn« mark lDanek), Tot,: Sieg 118:10, PL 86. 28. 36, Ferner liefen: Madar (4), Segantmi(5), Glanzig, Korrby, Wind, Markgraf, Hutten, Ptrfe»S Jndling, Internationales Fußballspiel. Am Mittwoch, den 2. Juni, abends 6 Uhr. wird auf dem Hertbaplatz am Bahnhof Gefundbrminen, den Ber» tiner Fugballfreunden ein Fugballfviel allererster Güte gezeigt werden. Alan ist noch begeistert vom Slädlclampf Budapefl-Berlm, dieses mal ist es eme berühmte ungarische Bereinsmannschaft mit Namen T ö- r e k e o S. Genannte Mannschaft unternimmt zurzeit eine Reise durch Deutsch- lands Gefilde. Ein sehr guter Ruf geht den Gästen voraus. Gegen die brillant fpiclenden Leipziger Sportsreimde erzielten die Ungarn ein 0: 0 Resultat, da- gegen wurde eine Chemnitzer Städtemannschast hoch mit 7: 0 geschlagen, gegen Dresden wurde mtt 1:0 gewonnen. Am Sonntag spielte Törekevs in Hamburg gegen Eimsbüttel und Pikioria lombiniert. Ein Resultat lag biS RedaklionSschluß noch nicht vor. Der Berliner Hertha ist es gelungen. diese Mannschaft nach Berlin zu verpsiichten. Die Ungarn werden mit ihrer stärlsten Mannschasi antreten, darunter nicht weniger als 8 Internationale. Lholka, Csapkay, Urick sowie Viola wirkten in der Budapester Städte- mannschait gegen Süddeutschland und Berlin mit und sind als erstllassige Spieler bekannt. Hertha tritt mit oerstärtter Mannschaft an. Boxkampf Jacobseu— Naujoks. Den Bemühungen der Nationalen Vereinigung zur Förderung de» Boxsports ist es gelungen, den dänischen Meister Emanuel Jacobsen. welcher momentan in England eine durch leine Niederlage getrübte ununterbrochene Serie von Siegen über die beste eng- iische Klasse feiert, direkt von dort für einen Ncoonche'amps gegen unfern Meister Richard Naujoks zu verpflichten. Die Veranstattung findet Mitte Juni ü» asten Heim der Vereinigung, dem Zirkus Busch, statt. Mus aller Welt. Die erste» 500 deutsche« Ferienlinder sind Sonntag in C h r i st i a n i a wohlbehalten angekommen. Sie wurden am Bahn- hos von Damen und Herren des norwegischen Komitees, den norwegischen Pflegeeltern und zahlreichen Mitgliedern der deutschen Kolonie mir. der Gattin des deutschen Gesandten, Frau von Mutius, an der Spitze, empfangen. Vcrontw, fflf den redaktion. Teil:«rich«uttner, Tempelbvf: für Anzeigen: Th. Berlin. Verlag: Vorwärts-Verla» ffi. m. b. 6.. Berlin. Druck: Bor- ioarts»Buckdruckerei u. Berlaasanlialt Paul Singer u. Co. Berlin, Lindeniir. 3. iPOLLOü Theater i.Direkt. jair.es Klein. fflat 1820 ! Altabendlich 7'/2U.: Gastspiel ülanvsiet ÄßiniFals-Paiast1 St. Moritz 1 IV.org.P11rtlnSt.MoritZj >?'/- j■ Sommertheater „proß-Beriin" = Hasenheide 15. tVa Uhr: Operette„Sjreezaober" vorher ab 50, Uhr: Konzert, sr. bunt. Proer. I llstisch-phantastlsch. f „Der Venushers" OA Tänzer L»U Tänzerinnen 4 Franklin ägoil Jungte! Bonhalr-Trnppe | u. weitere Attraktion. ErhSHte Preise. 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