Nr. 279■» 37. Jahrgang Msgabe E Nr. 2 Bezugspreis: V?rteI!Shr>.R>— M!»monatt.p>.--Ml. frei in» S>au«, ooton» lahldar. Tost» dszua Monalii» 10.— Mt. exkl- Zu» siellungsgeollhi. Unier Kreuzband für Deurschiand und Oeüerrcich- Unzarn Ik.cv Mü, kür da» librigc Ausiand bei läglich einmal. ZuMutic 21 50'A. �joftoefteHunzen nehmen an Däne» mar!, öoBanö. än-embutz, Schweden, Tschecha» Slowakei i-.nb sie Schweiz. Eingelragen in die Pofr-Zeilunz»-. Preinüfte. Der.VorwäNs" mit der Sonntagsbeilage ,3!olt u.3rif" eclcheint Wochen. taglich zweimal Sonniaq- und Man- tag» einmal. Telegramm-Adrefle: �Sozlalvemokrak Berlin". Abend Ausgabe Vevliner Volksblstt �20p?snnl0� Anzeigenpreis: Die achtgelpaliene Nonpareillezeile koste Z— M., Teuerungszuschlag 50�» «Sleine Anzeigen-, da» irtt- gedruckte War! 1,— M.(zulässig zwei fettgedruckte©orte), iedr» weitere Wori 00 Psg. Siellengeiuche und Echlasstellenauzeigen da» erste Wort 55 Psg. sehe» weitere Wort 40 Pig. Worte über 15 Buchstaden zähle» für zwei Worte. Teuerunaszuschlag HCl» ffamilien-Anzeigen für Abonnente» geile ä— M., politische und ge» werkschastliäie Verein»■ Anzeigen 8,— Mk. die geile ohne Aufschlag. Anzeigen sür die n ä ch st e Zlumme« müssen dl» S Ahr»achmiiiags im Sauptgeschäft. Berlin EW SS, Linden- straße 8, abgegeben werden. Geöffnet von S Uhr früh die 5 Uhr abend» Zcntralorgan der rozialdemokratifcben partd Dcutrchlands Redaktion und Expedition: SW. öS, Lindcnstr. Z. izernsprecher: Amt Morinplap. Str. IZI SN— 1.31.37. Mittwoch, den 2, Juni 1920 vorwarts-verlag G.m.b. k., Ew. öS. Linüenstr. 3« Fernsprecher: Amt Moripplnp. Nr. 117 33— St. Niederlage öer Kopenhagen, 2. Juni. Einem Telegramm auS Warschau zufolge wird von der bolschewistischen Front gemeldet: Die Nie- d erläge, die die Bolschcwisten in Weißrußland erlitten� brachte die Offensive zum Stehen. Alle Versuche des Feindes! weiter gegen Slldwcstcit vorzurücken, sind gescheitert. An der Bercsina hat der Feind eine neue große Niederlage erlitten, diesmal nördlich von Bobrnschk, wo die polnische Kavallerie ein ganzes russisches Kavallerieregiment»umringte und gefangen nahm und dabei eine große Menge Kriegs'.naterial erbeutete. ES bestätigt sich, daß die Bolschcwisten die Friedensverhandlungen mit Lettland zum Anlaß nahmen, um an der lettischen Front östlich von TSnaburg einen Neberrumpclungsvcrsuch zu mache«; sie wurden jedoch von den Letten zurückgeworfen und erlitten große Bcrluste. 25 Millionen �funü Sterling für Palästina. N o t t e r d a � 2. Juni. Einer Londoner Meldung zufolge bat die zionistische Organisation beschlossen, 23 M i l- lioncn Pfund Sterling aufzubringen, um die organisato- rischc Arbeit in Palästina aus breiter Grundlage in Angriff nehmen zu tönnen. Krastms Erklärungen. Amsterdam, 2. Juni. Dem Londoner.Star" zufolge erklärte Ärafsin bei seiner Unterredung mit Lloyd George, daß die Ge. SolMewisten. treidcbc stände in Rußland nicht übermäßig hoch seien, daß Rußland aber eine große Menge Torf, Flachs, Häute und verschiedene andere Rohstoffe liefern kann. Dem„Star" zufolge sprach Lloyd George Krassin gegenüber seine Bereitwilligkeit aus� Rußland aus seinen gegenwärtigen Schwierigleiten zu helfen. Der Kampf gegen öie C. G. T. Paris, 1. Juni. Gegen den Allgemeinen Arbeiter- verband(Q. G. T.) ist eine neue Untersuchung einge- leitet worden, weil er amtlich nicht anerkannte Gewerkschaften unter Umgehung des Gesetzes aufgenommen hat. Gemeint sind die Gewerkschaften der verschiedenen Beamtenvercinigungen, die vor einigen Wochen ihren Anschluß an die C. G. T. beschlossen haben. Die öänischen Sozialisten für öie Republik. Kopenhagen, 2. Juni.(TU.) Im Namen der sozialisti, schen Gruppe legt« in der gestrigen Sitzung des VerfassungS. ausschusses dcS dänischen Reichstages Stauntng die Abände- rungsvorschlägc zur Vcrfassungsrevision vor. Die Sozia- listen fordern danach die Einführung des Einkammersystems, die Einführung der Republik und die Herabsetzimg des Wahlrechtalters aus 21 Jahre. In den nächsten Tagen wird die zweite Lesung des dänischen Verfassungsentwurfes stattfinden. .ii 1 1'i' i"..... i...... i■ i u. S. p. und Internationale. Was die..Freiheit" nicht bringt. Das Internationale Sozialistische Bureau sendet uns folgende Zuschrift, die Ende April an die„Freiheit" abging, von dieser aber nicht veröffentlicht wurde: Brüssel, 26. April 1S20. Werte Genossen! Tic in der Morgenausgabe der„Freiheit" vom 23. April er- fchienene Notiz über dso Genfer Kongreß oeranlaßt uns, Sie um die Veröffentlichung der folgenden Richtigstellung zu bitten. Ihre Angabe, die Einladung zur Beschickung des internatio- nalew sozialistischen Kongresses in Genf sei nur an alle a n g e- schlossenen Parteien und Arbeilcrorganisationen versendet worden, entspVicht nicht, den Tatfachen. Wir betrachten das Problem der Wicderaufrichtung der Jntcr- nationale als im wesentlichen gleichbedeutend mit dem Problem der Wiederherstellung der Einigkeit der internatio- nalen Arbeiterbewegung. Deshalb ist auch die Frage der internationalen Einigkeit an die Spitze der Tagesordnung des Genfer Kongresses gesetzt worden. Tie Einladungen zu diesem Kongreß sind, wie es in dem Einladungsschreiben ausdrücklich heißt, ergangen in der lleberzeugung von der Notwendigkeit einer großen Anstrengung, um auf der Basis der traditionellen Grundsätze des proletarischen Klassenkampfes und im Hinblick auf die internationale Aktion die Einigkeit zu sichern. Ferner heißt es in der Einladung wörtlich: Wir laden zu diesem Kongreß nicht nur die angeschlossenen Sektionen ein, sondern auch alle andern Organisationen, die von diesem Willen zur Einigkeit beseelt sind. tl:n die Anwesenheit dieser lealeren Organisationen zu er- leichtern, bat die Rotterdamer KoniMnz beschlossen, a u lb nicht angeschlossene Organisationen, die es wünschen, in beratender Eigenschaft zur Teilnahme an den Debatten zsszu- lassen und ibnen so zu gestatten, sich ihre spätere Entschlußfreiheit vorzvbehalien. Wir sind überzeugt, mit diesen Maßnahmen in einer Weis« -a Hank>. die am besten geeignet ist, alle sozialistischen, gewerkschaftlichen und genossenschaftlichen Organisationen der Arbeiterklasse der gan- >en Weld, die unsere allgemeinen Grundsätze anerkennen, wieder zusammenbringen. Unter diesen Umständen dürfte sür keine Sektion ein Anlaß veriicaen, sich von den Auscinandcrsetzungen und von der Klä- rune, d d.- Genfer Konareß bringen wird, fernzuhalten. Wenn d /i' vnü' uri n dir erstrebte Einigkeit nicht erreichen sollten, -io wird wenigstens ein j-'der seine Verantwortung am bellen Tage vo den Arbeitern der ganzen Welt auf sich ge» nommen haben" In diesem Snne ist die Einladung u. a. auch an die U. S. P. Deutschlands, dir Franzosen, d'i Schweizer, die Italiener, sowie an die rnisiichen und anderen Kommunisten ergangen. Dadurch soll insbesondere a ich der II. S. P. Teutschlands! deren Vertreter auf der Luzcrner Konferenz mit die Einberufung des Genfer Kongresses beschlossen baben. Gelegenbeit gegeben werden, trotz und unbescha. det der Leipziger Resolution ihren Standpunkt namentlich zur Frage der Einigkeit vor dem Forum der internationalen Arbeiter. klaffe darzulegen. »Auch die Behauptung, die Mehrzahl der Engländer. Skandinavier und Russen würden in Genf nicht vertreten sein, wird die, Freiheit" bei etwas sorgfältigerer Betrachtung der Tatsachen nicht au>pchlerZalten könne», Ueber den Standpunk: der Engländer unterrichtet der Brief Arthur HendersonS an Ca- inille HuySmans, den wir in deutscher l�ebersetzung beilegen und der die Genossen der U. S. P. Deutschlands und die Leser der „Areiheit" gewiß interessieren wird. Wohl hat sich die zahlen» mäßig ganz unbedeutende British Socialist Party(etwa 16 666 Mir- glieder) schon vor einiger Zeit der Kommunistischen Internationale angeschlossen und die zahlenmäßig gleichfalls schwache englische Un- abhängige Arbeiterpartei(etwa 43 666 Mitglieder) vor kurzem von der Zweiten Internationale losgesagt. Tatsächlich bleiben aber beide genannten Organisationen Bestandteile der britischen Ar- beiterpartei(etwa 6 Millionen Mitglieder) und dadurch der Jnter- national« angeschlossen und an allen ihren Körperschaften hervor- ragend vertreten. t In Skandinavien gehören nur die norwegische Partei und kleine Minderheiten nicht der Zweiten Internationale an, und selbst in Norwegen sind, wie der kürz'ich in Kopenhagen abgehaltene skan» dinavische Arbeiterkongreß gezeigt hat, fast alle Gewerkschaften und zahlreiche Parteiorganisationen für die Zweite Internationale. Was schließlich Rußland anbetrifft, sind alle sozialistischen Parte. en des alten Rußland und der neuerstandenen Grenzstaaten mit ein- ziger Ausnahme der Bolschewiki der Zweiten Internationale ange» schloffen. � Mit sozialistischem Gruß (gez.) Camille HuysmanS. Di« Unabhängigen haben sich mit kindischem Eifer darauf versteift, die Zweite Internationale ka�ut zu machen und da- mit die Wiederherstellung einer sozialistischen Arbeiterinter- nationale zu verhindern. � Zu diesem Zweck verweigert die „Freiheit" dem I. S. B. in Brüssel sogar die Vressefreiheit ilnd wirft seine Zuschriften einfach in den Papierkorb. Zur Entschuldigung dieses unguolifizierbaren Verhaltens kann nur gesogt werden, daß wahrscheinlich die Verlegenheit der „Freiheit", auf die durchschlagenden Gründe des I. S. B. zu antworten größer mar als ihr Wille zur internationalen Ungezogenheit._ Keine Pntlcbgefah? in pommern? Der Oberpräsident der Provinz Pommern und der Befehls- Haber des Wehrkreiskommandos II erlassen gemeinsam folgenden Aufruf an die Bevölkerung der Provinz Pommern: „Gerüchte über die von links oder rechts in Pommern be- absichtigtcn Putsche haben in der Bevölkerung Boden gefaßt und auf allen Seiten große Erregung hervorgerufen. In dem hierdurch entstandenen Mißtrauen liegt bei der auch sonst vor- balidenen Erregung der Gemüter eine erheblich« Gefahr für die Rübe und Ordnung in der Provinz Pommern. Die von uns gemeinsam niit Vertrauensleuten der Bevölkerung vorgenom- menen Erhebungen haben Anlaß zu Befürchtungen nicht ergeben. Wir bitten daher alle, zur Ruhe und Besinnung zu- rückzukehren, nicht haltlose Gerüchte weiter zu tragen, sondern zu uns das V e r t r a u e n zu haben, daß wir die Verfassung und verfassungsmäßige Regierung gegen jeden Angriff, mag er woher auch immer kommen, z u schützen bereit und im- stand erfind. Die nötigen Machtmittel dazu sind in unserer Hand. Sie werden unnachsichtllch angewendet werden, wenn eS 'ich um A u f r ü h r e r oder Räuber bandelt. Auch sind wir ieft entschlosien, den Wahloerlauf am Wahltag« vor jeder Störung zu schützen und danir zu sorgen, daß der unverfälschte Wille des Volkes an diesem Tage zum Ausdruck komme." Wir hoffen, daß Oberpräsident und Befehlshaber bei'ihren „Erhebungen" sich nicht Haben täuschen und in falsche Sicherheit haben wiegen lasse«. das Christentum öer deutsch- nationalen. Von Pastor HanS Francke. Zu den Jnvmtarstücken, die die Deutschnationale Partei von 5er weiland konservariven übernommen hat, gehört auch ihr spezifisch„christlicher" Charakter. In ihrem Wahlaufrui heißt es:„Die deutschnationale Volkspartei erstrebt die Wiedergeburt des deutschen Vollsgeistes durch die lebendigen Kräfte des Christentums". Derselbe Wahlaufruf schließt: „Wer christliche und deutsche Art und Gesittung... vcr- teidigen will,... bekenne sich zur Deutschnationalen Volks- Partei!"— Die Deutschnationale Voskspartei hat also in besonderem Sinne das Christentuni in Erbpacht genommen. Gegen diesen Anspruch hätte schon zu Lebzeiten der alten konscr- vatiden Partei Einspruch erhoben werden müssen: und die- ser Einspruch muß mit größter Schärfe jetzt aufgenommen werden nach den Tatsachen, die die Umwandlung der konservativen Partei in die deutschnationalv begleitet haben. Es ist eine der größten Ironien der Weltgeschichte, daß Jahrzehnte hindurch eine politische Partei sich den Nimbus der Christlichkeit umgehängt hat, die ihren Grundsätzen naci) im schärfsten Gegensatz zum Christentum stand. Und es gehört zu den größten Unbegreiflichkeiten, daß man ihr das solange geglaubt hat, daß man es ihr hat hingehen lassen. Ihr Name an sich schon bringt die Deutschnationale Partei in einen Gegensatz zum Christentum. Dem neutcsta- mentlichen Christentum wohnt die Tendenz zur Ucberwin- dung alles Nationalen deutlich inne. Es sieht in dem Zerfall des Menschengeschlechts nach Nationen durchaus keinen hei» ligen Gotteswillen, sondern etwas geschichtlich Gewordenes. Und das geschichtlich Gewordene ist vom Standpunkt..es Christentums etwas sehr Anfechtbares. Denn es ist das Produkt menschlich-allzumcnschlicher Faktoren, das man keines- Wegs anzuerkennen braucht, sondern das man allezeit nach der Norm unverrückbarer ewiger Ideale zu beurteilen und unter Umständen zu verurteilen und umzustürzen bat. Zu diesen Idealen gebört die Einbeit des Mensch enge- schlecht s, die„Gotteskindschaft" aller Menschen, die nn- terschiedslos alle Völker, Rassen und Geschlechter umfassen soll. Ein noch viel schlimmeres Gesicht gewinnt die Sache, wenn wir bedenken, daß mit der Betonung des nationalen Standpunktes das, was man..Staatenpolitik" genannt hat, und was in ihrem Gefolge schreitet, der Krieg, gutge- heißen wird. Das war ein»Holm aufs Christentum schon vor 1914. Nach allem aber, was wir seitdem erlebt haben, ist e- geradezu unfaßlich, wie eine Partei, die sich aufs Christentum beruft, von der Vergangcnbeitspolitik der deutschen Ge- schichte und von den Blutfrllchtcn, die sie uns eingetragen hat, anders sprechen kann, als mit Verwerfung und Verdikt. Mit dem Christentum fttzt sich die Tcutschnationale Par- tei auch insofern in Widerspruch, als sie von ihrer Vorgängerin das konservative Prinzip, die-Tendenz übernommen hat. die gegenwärtige Gesellschaftsordnung möglichst im Anschluß an das Ueberliefcrte und Ueberkommene ge- stalten zu wollen. Ist denn da? Christentum die Religion der „historischen Entwicklnng"? Fordert seine Lehre rrgendwo den möglichst engen Anschluß dessen, was werden soll, ans bereits Gewordene? Im Gegenteil, das Christentum ist von jeher die Religion des radikalen Bruches gewesen. Mit dein Anspruch, die Welt zu erneuern, nicht sie zu reformieren, ist es einst in die Welt eingetreten. Vielleicht bat nie eine radikalere Macht ans der Erde gewaltet als das Christentum, Und die Konservativen wollen es zu einer Schntzmocht des Ueberlieferten mochen? Oder ist etwa die Welternenernng in den Tagen Christi so sieghaft g-'» wesen, ist sie so abschließend durchgedrungen, daß wir uns beute die Bekehrung der Welt nur noch in Fortführung der angebahnten Linien denken könnten? Es mag schon sein, daß es Konservative gibt, die io optimistisch denken. Sie be- nifen sich vielleicht ans die„Christlichkeit" der vor 2090 Jahren begonnenen Weltära und wissen Sckwptome dafür anzugeben. daß wir in einem„christlichen Zeitalter" leben. Ihr Okti- mismus ist ruchlos. Die bittere Wahrheit ist. daß die Jabr- hunderte der christlichen Zeitrechnung init beinahe ebensoviel Greueln angefüllt waren, lvie die vorangeaangene Zeit und daß unsere beutiae Gesellschaftsordnung knapp eine Stufe höher stebt, wie die der römischen Kaiserzeit, m Im Zusammenbang mit dem unchristlichen Wahlwollen gegenüber mner schuldbeladenen Vergangenbeit steht de: A n t o r i t ä t s g I a n b e, mit dem die Teutschnationalen die Massen zu den Hochmüssenden dieser Welt, zu den Gesürste- ten und Gekrönten, zu den Erfolareichen und hervorragenden anfbl'cken� lehren. Es ist Parteilrigina ans dieser Seite, daß die Vorzüge einer adligen Geburt, die Privilrgien einer sozial gehobenen Gescllschaftssphärc, die Ueberliese- rungen eines bevorrechtigten Standes die Menschen Urteils- fähiger machen, daß sie ihnen einen weiteren Gefichtsfrei? verleihen, vielleicht sogar ein feineres sittliches Empfinden, daß sie sie somit zu Führerstellen, zu Herscherwürden qua- lifizieren. Das Christentum basiert aber geradezu auf der Auf- fassung, daß man nach menschlichem Ermessen das Heil der Well wohl hatte von den Mächtigen erwarten können, daß aber in Wirklichkeit„es Gott gefallen hat", die Welten- rettung durch das Medium der Niederen zu bewirken. Dem „Zimmermannssohn" ist es gegeben gewesen, die Mühseligen und Belade ren aufzurichten, nicht den Königen oder Hohen- Priestern. Geben unsere eigenen Erfahrungen dieser„Nivellie- rungstend!j" des Neuen Testaments etwa unrecht?— Wer hat denn in all den Jahrzehnten, die unsere Gegenwartsge- staltung h raufgeführt haben, die Führung gehabt? Wer hat Weitbl.ck bewiesen? Wer hat rechtzeitig die Ideale er- faßt, denen die Zukunft gehört? Wer hat der Menschheit Not begrisien? Wer hat Vorschläge zu ihrer Ueberwindung gljtoagt, die einem unbestechlichen Gerechtigkeitsgefühl ent- sprachen?— Etwa die Könige? etwa die Staatsmänner? etwa die Heerführer und Strategen? etwa die Universitätspro- fessoren?— Es ist eine Tatsache, stärksten Verwunderns wert. aber es ist eben doch Tatsache: der Mann in der Ihr- b e i t s b l u se, der Mann am Schraubstock und an der Hobelbank Hai mehr wahres Verständnis gehabt fürs große Weltgeschehen, als der von Amis wegen dazu Berufene. Der Mann inmitten der Masse hat größeren Fernblick bewiesen. als der auf hoher Warte stand. Ter einfache Proletarier i't hellsichtiger, er ist vor allem unbestechlicher gewesen, als die Koryphäen der Akademie. Die Notwendigkeit i n t e r- nationaler Verständigung hat sich dem Blick des Volkes eher erschlossen, als dem seiner Leiter. Die Uner- iräglichkeit überlieferter Besitzverhältnisse ist dem Heer, der Sozialisten klar gewesen, ehe die fachkundigen Na- tionalökonomen ein Wort der Anklage dazu zu sagen wagten. Die alte Lehre des Christentums ist neu bestätigt wor- den: das Wohl der Welt ist n i ch t am besten in d e n Händen aufgehoben, die sich der Weltleitung am leichtesten bemäch- tigen. Das Christentum ist nicht aristokratisch, sondern demo- kratisch? es kennt keinen Respekt vor den Autoritäten und Kapazitäten der Welt. Wer diesen Respekt neu einzuführen unternimmt, nachdem er neuerdings so gründlich Schiffbruch gelitten hat, der handelst zum mindesten wider das Evan- gelium. D ie Deutschnationale Partei weiß nicht, was sie tut, wenn sie sich für ihre nationalen, konservativen und autoritären Tendenzen aufs Christentum beruft. Sie kennt das Christentum nicht, wenig st ens nicht das der unentstellten, unverdunkelten und unmiß- bräuchlichen Neuen Testaments. Geßler unü sein Gkehrl» Ein mißglücktes Ablenkungsmanöver. Heber den Anlaß des Rücktrittes von Bernhard Rausch aus dem Reichstvehrministerium veröffentlicht die Nachrichten- st e l l e des Reichswehrministeriums.— zuerst natürlich in einigen rechtsstehenden regierungsfeindlichen Blättern— eine Tarstellung, die den Anschein zu erwecken versucht, als ob lediglich die versagte Genehmigung zur Verbreitung einer von Rausch ver- faßten Broschüre„Soldat und Verfassungstreue" diesen zu seinem Schritt bewogen habe. Dazu wird uns vom Genossen Rausch geschrieben: Diese Darstellung hat offensichtlich den Zweck, von den allgemeinen politischen Gründen, die ich in meinem Schreiben an Staatssekretär Stock dargelegt habe, abzulenken. Allerdings war eine Unterredung mit dem Reichswehrminister am 30. Mai über jene Schrift der äußere Anlaßt ihm meinen Entschluß mitzuteilen, den ich jedoch bereits früher' in mehreren Gefprächen mit dem Staatssekretär ins Auge gefaßt hatte. Das Reichswehrministerium hat aber mit seinem AblenZungsverfuch kein Glück, denn auch die Broschürenangelezenheil wirft ein grelles Licht auf jenen verhängnisvollen Kurs, den ich als für die Repu- blik verderblich nicht länger mitmachen kann. Die Broschüre ist auf Grund einer Anregung des Reichs- Ministers Dr. David unmittelbar nach dem Kapp-Putsch geschrieben worden. Sie sollte den Wert der neuen Reichsverfassung sowie die Pflicht des Soldaten zur unbedingten Ver- fassungstreüe darlegen und durch Vermittlung der Z. f. H. in der Reichswehr verbreitet tr-erden. Das Manuskript wurde von Minister Dr. David dem Bertrauensausfchutz der Nationalversammlung vorgelegt und hat somit eine koalitionspoli- tische Sanktion erhalten. Gleichwohl erbat ich die Ge- nehmigung des Reichswebrministers zur Verbreitung der Schrift in der Reichswehr, weil ich weiß, daß gewisse Dienststellen Auf- klärungsliteratur von nicht sichtbar reaktionärem Gepräge abzu- lehnen belieben. Die Genehmigung selbst hielt ich nach den dem Reichswehrminister mitgeteilten Vorgängen nur noch für eine Formsache. Zunächst wurde die Angelegenheit unglaublich verschleppt. Am 26. April habe ich das Manuskript eingereicht, es aber erst am 30. Mai nach mehrmaligem Erinnern mit dem Bescheid zurück- erhalten, daß der Minister die Genehmigung zur Verbreitung in der Reichswehr ablehne. Er selbst hat sich— weil er nicht Offizier i st_ wie er mir sagte— eines eigenen Urteils begeben und dar Meinung feines Nachrichtenoffiziers, Major G i e h r l, gegenüber der Meinung der Koalitionsparteien den Borzug ge- geben. Zur Kennzeichnung des Geistes, aus dem heraus die Benr- teilung meiner Schrift erfolgte, genügt es, den gegen die klare Verurteilung des Kapp-Putsches als Verbrechen ge- richteten Satz Giehrls anzuführen:„Nur eine versöhnende Tendenz könne hier gum Ziele führen". Eine kaum glaubliche Ungeheuerlichkeit ist es ferner, daß von Giehrl„a u ch d i e Aus- führungen über die Verfassung beanstandet wurde n". Ganz besonderen Anstoß hat bei dem militärischen Zensor fol- gender Passus erregt, der„weil er im Heere mit Recht d i e allergrößte Entrüstung hervorrufen würde", hier im Wortlaut wiedergegeben sei: „Während noch das kaiserliche Heer der allgemeinen Wehr. Pflicht allein aus die Person des Monarchen vereidigt wurde, leistet jeder Angehörige der Reichswehr den Eid auf die Verfassung. In der Eidesleistung auf die Verfassung fin- det das höhere Prinzip, das der Reichswehr gegenüber den Heeresorganisationen früherer Zeiten zugrunde liegt, seinen ficht- barsten Ausdruck. Trotz der sorgfältigen Pflege soldatischer Tu» «genden im Heer des kaiserlichen Deutschlands konnte früher bei dem Gefühl persönlicher Abhängigkeit und Dienstbarkeit nicht jene charaktervolle Männlichkeit emporwachsen, die in einem demokratischen Heere von selbst entsteht, in dem sich jeder einzelne bei freiwilliger Unterordnung und strammer Disziplin als ein gleichberecbtigtes Glied des Volksganzen fühlt. Je.schneller der Geist der Demokratie die gesamte Reichswehr durchdringt um so mehr wird jeder einzelne in ihr eine freie, rückgratfeste, charaktervolle Persönlichkeit und für seine Pflichten im Dienste der De- mokratte gefestigt werden." Diese Auffassung ist nach der Meinung des Majors Giehrl und— des demokratischen Reichswehrministers„unbedingt abzu- lehnen". Major Giehrl verkündet den Grundsatz:„Die Reichswehr über das Thema„Soldat und Verfassungstreue" zu belehren, könne nur eine Persönlichkeit aus dem Offizierkorps selbst gewählt werden." Hierinit ist eine prinzipielle Frage aus- gerollt, die, ganz abgesehen von dem vorliegenden Eingelfall, für die dringend notwendige Organisierung eines Aufklärungsdienstes in der Reichswehr von der größten. Bedeutung ist... Der Offizier steht mm einmal infolge feiner Vergangenheit, auch wenn er sich auf den Boden der Datsachen stellt, dem moidcrnen demokratischen Äaatsgedanken in der Regel verständnislos gegenüber. Es ist aber nicht ausreichend, in der Truppe nur ganz allgemein„Vaterlandsliebe und soldatische Trigerkden" zu pflegen, wie das Truppenamt es will. Das schafft eine unklare Bcwußtssin- lage, die den bedenklichsten Einflüssen Tür und Tor öffnet. Recht- fertigt doch Oberst Bauer sich und die Männer vom 13. März mit ihrer angeblich„heißen Vaterlandsliebe". Die„versöhnliche Ten- denz" des Majors Giehrl führt hier zu einer geradezu verhängnisvollen Verschwommenheit der Begriffe. Vaterlandsliebe und soldalische Tugenden müssen erst einen p o- sitiven Inhalt bekommen in der Liebe und Treue zur Re- publik und ihrer Verfassung, über die der Berufsoffizier aber nicht aufklären kann, weil er meist noch selber der Aufklärung bedarf. Mit dem staatsbürgerlichen Unterricht in der Reichswehr werden in erster Linie politische Persönlichkeiten aller Koalitionsparteien betraut werden müssen, die hinter der Verfassung stehen. Die Nachrichtenstelle des Reichsmehrmtnisteriums hat sich immerhin das Verdienst erworben, durch ihre Veröffentlichungen diese dringend der Klärung bedürftige Frage aufgerollt zu haben.— Strefemann, üer Tintenfisch. Wenn man in klarem Wasser Herrn Slresemanns wirkliche Ge- stalt erkennt, so spritzt er eine dunkle Fiüisigkeit aus. die das Wasser undurchsichtig mackl wie der Tintenfisch, wenn er verfolgt wird. So hat er es nachträglich mit seiner erfien Partei- erllärung unter Kapps Herrschaft getan, und die Bereit- Willigkeit, mit Kapp und L ü t I w i tz unter gewissen Voraus- setzungen mitzuarbeiten, mit Tinte so beipritzt, daß man sie nicht mehr erkennen soll. Aehulich mit seinem republikanischen Bekenntnis. Jetzt will er es niemals ausgesprochen haben. Es ist zweckmäßig, daran zu erinnern, daß Anfang Februar d. Js. Dr. Pachnicke festgestellt hat, daß in einer Besprechung im November 1918 zwischen Herren der fortschrittlichen Volkspartei und der nationalliberalen Partei zwecks Aufstellung eines Einigungsprogrammes unter Zustimmung auch von Herrn Slreiemann über die Frage„Monarchie oder Republik" fol- gende Einigung erzielt worden ist: „Die Monarchie hat den Weltkrieg nicht zu überstehen vermocht. Ein Versuch ihrer Wiedererrichtung würde schwerste inner e Kämpfe zur Folge haben müssen. So treten wir auf de» Bode» der republikanischen Staatsform". Gegenüber den Verdunkelungsversuchen Streiemanns hat der Demokral Freiherr v. R i ch t h o f e n ausdrücklich die Richtig- keit der Pachnickeschen Darstellung bestätigt. Der Tintenfisch Strefemann ist aber immer noch Führer der Deutschen Volks- Partei. Ein alteS Sprichwort sagt: Wie der Herr, so das Gescherrl Sie haben einanüer so lieb! Deutschnationale Volkspartei und Deutsche Volkspartei sind seelenverwandt. Um das festzustellen, bedurfte es nicht erst der Entdeckung des zwischen ihnen bestehenden Geheimvertrages. Die Deutsche Volkspartei selbst gesteht es in einem Aufruf ein, der in Nr. 120 des Liebenwerdaer Kreisblattes veröffentlicht war. Dort lesen wir: In seinem Wahlhandbuch für 1920, Seite 36, erklärt der Bund der Landwirte, daß ihm die Deutsche Bolkspartei so nahe steht wie die Dcutschnationale Bolkspartei. Der Bund der Landwirte schreib!: Abgeordnete des Bundes sind in beiden Parteien. Beide Parteien haben auch Interessen der Landwirtschaft im Parlamente wahrgenommen. Beide Parteien treten für schleu- nige Aushebung der Zwangswirtschaft und Auflösung der Kriegsgesellschaften ein, verlangen auch vernünftige Sien- lungspolitik und gesunde Mischung von Groß-, Mittel- una Kleinbesitz. Beide Parteien haben Betriebsräte- gesetz als schwere Schädigung des gesamten Wirt- schaftlichen LebenS abgelehnt. Bei Umsatzsteuer beide für Freilassung der kleinen Umsätze und des Eigenverbrauchs der Landwirte bis zu 3000 Mark eingetreten...... Wo vereinigte Landwirte nicht eigene Kandidaten für die Wahlen aufstellen, ist jedenfalls Unterstützung der beiden rechts stehen- den Parteien durch Landwirte zu eunp fehlen. Keine, landwirtschaftliche Stimme darf vor allem der Sozial- demokratie und der Demokratie zugeführt werden. Deutlicher und klarer kann es doch gar nicht ausgesprochen werden, wie innig die beiden„Volks"parteien miteinander stehen. Nicht einmal das Schicksal der beiden Königskinder teilen'ste, die nicht zueinander kommen konnten, denn sie sind längst sammengekommen! Mapence. Von Alwin Rudolph. Aus den deutschen Landkarten steht allerdings noch Mainz und der deutsche Bürger nennt es mit Stolz: das goldene Mainz. Aber richtiger wäre heute schon: das goldene Mayence. ■ Nicht etwa bloß, weil es von französischen Truppen wimmelt, weißen, gelben und schwarzen. Jawohl: auch schwarzen. Denn trotz der französischen Erklärung sind auch schwarze Truppen in Mainz. An den Sonntagen und abends nach sechs Uhr kann man sie trupp- weise durch die Straßen ziehen sehn, besonders nach einem stillen, aber berüchtigten Winkel. Doch Mainz war ja immer ein großes Heerlager. Mayence aber ist die Stätte des Großhandels, der Brennpunkt des Loches im Westen- Wer von diesem Loch profitieren wollte, siedelte sich hier an, und immer mehr deutsche Bankhäuser errichteten hier eine Niederlassung. ES hat sich gelohnt. Die Volksbank hatte einen Umsatz von fast zwei Milliarden, gegen nur 587 Millionen im Vor- jähre. Kein Wunder, daß man sich in jeder Straße von einem früher bankrotten Krämer erzählt, der in einem Jahre zu einem im Auto fahrenden Millionär geworden ist. Bis vor kurzem wurden Märchen- hast» Reichtümer geboten für Häuser und Läden, und überall sieht man die Firmenschilder fvanzösischer Exporthäuser. Und die deutsche Geschäftswelt Paßt sich der Entwicklung an. In den Auslagen hängen Ankündigungen in französischer Sprache und man gibt bekannt, daß man französisch spricht. Warum auch nicht? Die Wiesbadener Kurverwaltung gibt ja das beste Beispiel. Ihre Plakate tragen— wenigstens in ihrem Hauptteil— neben dem deutschen auch den französischen Text. Der französtsche Franken mit seiner immer noch weit höheren Kauftraft bestimmt den Preis Was der Mark unerschwinglich, ist fiir den Franken kaum mehr als ein Bettel. In Mayence kostet elf Mark, was in Frankfurt für acht zu haben ist. Die französischen Kaufleute und die Angehörigen der Offiziere beherrschen den Markt und da? öffentlich» Leben. Eine laute Unterhaltung in der Straßen- bahn wird französisch geführt und so unbekümmert, als sei man ganz unter sich. Gassenbuben singen und pfeifen französische Märsche, und in Kvsfeehtuscrn hört man französische Musik. Unsere Modedamen aber äffen die französische Kleidung nach. Was die Franzosen können, das können sie auch. Und darum schneiden sie sich den Rock ab bis zum Knie. Es macht ihnen gar nicht» aus, daß die stramme altgermanische Wade oder dal rachitisch verkrümmte Bein ein wphres Schreckbild ist. Macht nichts! Dafür geht der Lederschaft deS Stiefels bis in die Kniekehle und der Witwenschleier bis zur Ferse. Ticke Stempel sind auch was wert., Jetzt ist endlich das Loch im Westen verstopft. Was wir recht deutlich, wenn auch volkstümlich, als„schieben" bezeichnen, das fft unehrerbietig gegen die französischen Kauflente von Mayence. Unter dem Schutze ihrer Afrikaner machen sie ihr Schieberrecht geltend und protestieren in flammenden Ausrufen an den Straßenecken gegen die„drakonischen Maßnahmen der Regierung", die„von der Bevölkerung auf das schärfste mißbilligt werden", und reden von den Machenschaften der Berliner Staatsleiter, welche, nm einen unbegreiflichen Haß gegen die Franzosen und Belgier zu befrie- digen, sich nicht scheuen, das Rheinland zu ruinieren". Sie„ver- langen" die Aushebung der„willkürlichen" Maßnahmen und einen ständigen bevollmächtigten Vertreter der Reichsregierung in Mayence, der alle strittigen Fragen mit den französischen Kaufleuten schnellstens löse. So geschehen in Mayence, das offiziell Mainz heißt. Sommertheater. „Bunbury" in der„T r i b ü n e". Am Schluß dieser trivalen Komödie für ernsthafte Leute(von Oskar Wilde) sagt Jobn Worthing, daß es furchtbar für einen Mann sei, wenn sich vlötzlich herausstellt, daß er sein gtrnzcs Leben lang nichts als die Wahrheit gesagt hat. Durch Zufall wird ofsenhellig, daß ein Scheinbruder, durch dessen fingierte Existenz John sich ausleben und herausreden konnte, wirklich lebt und kein anderer als sein Freund Montford ist. Auch der lebt in der Philosophie des„als ob" und erfindet seinen Bunbury; und beide, durchs Wirkungen immer mehr auf einander eingespielt, finden ihre ernsthaften und planvoll verliebten Frauen. Dieses Stück ist� sprühendste Konversation, auf Flaschen gezogene Lebensweisheit in kleinen und klein- sten dialektischen Einfällen, ist ein. Kompendium des W'.ffens über Mann und Frau, ist geifkvoll-witzigstcs Spiel schillernder Seifen- blasen. Starke Farben, zarte Linien und dünner Gebalt aber unterhaltend und pointenreich bis zur Weisheit. In der Kürzung des Originals perschärst sich das Amüsement, und das Behagen des zustimmenden Hörers wächst. Um so mehr als Curt G o e tz und Paul Otto ganz charmante Typen englischer Weltmänner hin- stellten, denen weder die Ehrhastigkeit der Lady Brancaiter(Sand- rock) noch die reizende Zungenheftigkeit der idealen Naturkinder Anger st ein und Staub lange widerstehen konnten. IC 8. I in Deutschen Künstler-Theater wurde unter der Sommerdirektion Max Adalbert ein Schwank von Franz Arnold und Ernst Bach..D i e b e s s e r e H ä l f t e" zum erstenmal aufge- führt. Es ist eine sebr sommerliche Episode, die sich Um eine r-mal geschiedene Frau— die in dem Stück selbst nur eine Gott sei Dank passive Rolle spielt— herumranrt. Die Sache kommt so, daß drei Freunde, die geschiedenen Gatten derselben Frau, sich mit drei Schwestern verheiraten wollen, deren Stiefmutter diese eben zum viertenmal wiederverheiratete unbesiegliche Geschiedene ist. Die Witze, die dabei gemacht, und die Unterhaltungen, die zur Kompli- kation dieser Katastrophe führen, sind weder sehr geistreich, noch be- sonders unterhaltend. Die ganze Geschichte hängt lediglich an dem Lpiritus rector: einem für A d alb e r t geschriebenen und von ihm vorzüglich dargestellten Berliner Justizrat. Zu nennen wäre noch in der Roll« eines Botschaftsattaches voll wienerisch übertriebener Lebendigkeit und Galanterie Fritz Spiva. Was sonst noch herum- wirbelt, ist ohne Gnade verurteilt, Lustspielkonversation von gerade- zu klassischer Harmlosigkeit zu führen. Das Publikum amüsierte sich sehr. K. I m„Kleinen Schauspielhaus" eröffnete die Di- rektion Eysoldt-Sladek mit Molnars Komödie„Der Leib- g ardist". Molnar gibt als Dranrenversorger eines litsrarffch jungen Volkes— des ungarischen— einen Auszug aus älteren Literaturen. In diesem bereits vor Jahren in Berlin gespielten Stück mischt er Strindbergs Frouenpsychologie mit Sardous oder Sudermanns Effekten. Die Vorbereitung des gewaltsamen Themas, daß ein Schauspieler, um die Liebe seiner Frau wiederzugewinnen, ihr in der Gestakt ihres Lieblingstypus— eines Soldaten— den Hos macht, ist gar zu breit geraten. Hier müßte noch resolut gc- kürzt werden, dann würde das von Ironie und Spott durchsetzte spannende Spiel noch erheMch gewinnen. Um so mehr, da die Darstellung kein Sommerersatz ist. Käthe Dorsch ist entzückend anmutig in ihrer sich frei gebenden Liebessehnsncht und ein echtes Strindbergweibchen in ihrem Ehekampf. Alfred Abel spielt mit Ueberlegenheit die Doppelrolle des witzig karikierten Schauspielers und des unerkannten Eroberers. Als Theatormutter schuf Paula E b- r t y einen brillanten Typ. DaS Publikum unterhielt sich vortrefflich— r. Für das literarische Erbrecht des Staates sprach sich der Mihi- cheuer Journalisten- und Schriftstellerverein in seiner letzten Sitzung �aus. Er forderte, daß nach Ablauf der dreißigjährigen Schubfrist für die Werke verstorbener Autoren das Urbeberrecht an den Staat übergehen und von diesem zur Förderung des deutschen Schrifttums verwertet werden soll. Ein„Deutscher pazifistischer Studentenbund-' hat sich an der Berliner Universität gebildet, der den Zweck hat, auch die finden- tische Engend für- die Ideale der VölkerverföHnunz und des Völkerfriedens zu begeiflein und alle äbnlicheli itudentifcheii Organisationen zu einem ein- heitlichen deutschen pazifistischen Studentcnbund zufammenzufchliezen. Aus- fünft erteilt Alfred Schneider, Friedenau, Cranachfir. 36. Tie Wiener Akademie der Wissenschaften wählte zu Ehrenmit- gliedern Pros. Röntgen in München und F. E. Schulze in Berlin, zu lor. reipondicrcnden Mitgliedern in Deutschland Willstätter und Berneker in München, Liebifch-Berlin und HoopS-Heidctberg. K0. Deutsches Donkünfilerfest in Weimar. Das diesjährige Ton. künsllerscst des von List gegründeten Allgemeinen Deutschen MusikvereinS findet nach mehrjähriger Pause vom 8. bis 12. Juni 1920 in Weimar im Deutschen Rntionaltbealer statt. Es sind drei Orchesterkonzerte und zwei Kammerkonzerte oorgesehe». s Der Wal das Getrdöe aber fressen die Mäuse... Aus Landarbeiterkreisen wird uns geschrieben: „Was nützt cs> dafi ich BüriebSobmann bin, ich bin ja doch inachtlos gegen meinen Herrn, um den Betrieb anders zu gestalten. Sehen Sie, wir find auf unserem Gut schon seit 14 Tagen mit der Landarbeit fertig. Nun nahm ich ohne weiteres an, dag der Herr den Iioggen weiter dreschen wird, um Brot- getreide für die hungernden Städte zu schaffen. Was macht mein Herr? Der läßt mit den ganzen Leuten die kleinsten Steine vom Feld sammeln, und des Getreide frefien die Mäuse lustig weiter. Die werden fett, die Menschen aber müssen hungern, und das teure Getreide aus dem Ausland muh gekauft werden. Und so ist es auf vielen Gütern hier in Pommern. Man kann überall ungcdroschcue Roggenmietcn auf den Feldern stehen sehen. Was ist da zu tun? Tie Antwort ist sehr einfach. Man sorge dafür, daß am 6. Juni ein Parlament zustande kommt, das die Macht hat, der Skandalwirtschaft dieser Herren ein Ende zu machen. Der Mert öeutschnationaler Versicherungen. Am Montag, den 31. Mai, schreibt der Chefredakteur der „Kreuzzeitung" in seinem Blatt: „Es ist richtig, daß wir kein Hehl daraus machen, wie u n- geeignet das republikanische und das parlamen- t a r i s ch e System für unser Vaterland ist." Hört, hört! Dann hat also, weil das republikanische System ungeeignet ist, die„Kreuzzeitung" unmittelbar nach der November- revolution ihr monarchisches Motto„Mit Gott sür König und Bater- land" aus dem Kopf ihrer Zeitung entfernt. Oder war es Angst? Angst darf man doch aber bei Teutschnationalen nicht voraussetzen?! Auch das parlamentarische Shstem ist plötzlich ungeeignet! Als die Wahlen zur Ztationalversammlung bevorstanden, hat die Deutschnationale Volkspartei lK Richtlinien aufgestellt, und gleich am Anfang als Punkt 2 wurde dekretiert: „Wir fordern die Rückkehr von Diktatur einer einzelnen Bevölkerungsklasse zu der nach den letzten Ereignissen allein möglichen parlamentarischen RcgierungSform." Die Partei hat also die parlamentarische Regierungsform nicht nur als allein möglich bezoichnet, sondern sie offiziell ge- fordert! Das Hauptblatt der Deutschnationalen verrät mit seiner Bemerkung vom 31. Mai, welcher Wert freiheitlichen For- derungen der Deutschnationalen beizumessen ist, selbst wenn sie o f- fiziesl verkündet werden. Sie sind Köder und Wahl- mache. Alle volksfreundlichen und freiheitlichen Versicherungen ihrer Presse, ihrer Parteiredner, ihrer Wahlagitatoren stnd nichts als eitel Dunst. Sobald die Saat reif wäre, würden diese lockenden Blüten geköpft, und das Volk würde den nagelbeschla- genen Stiefel der deutschnationalen Volks- und„Arbeiter- freunde" auf dem Nacken spüren. Die Defeitigung öe? Unzufriedenheit. Unsere Nationalisten operieren im Wahlkampf hauptsächlich mit Argumenten, die lediglich an das Gefühl appellieren, einer verstandcsmätzigen Prüfung aber nicht standhalten. Früher koster« das Ei 6 Pf., heute tostet es l,8l1 M-, also war es unter W i I- Helm besser; das ist der immer gleiche Gedankengang, den sie bis zum Ueberdruß vorbringen. Daß in der Zwischenzetr 4� Jahre Weltkrieg liegen daß die Verteuerung einmal eine Folge der feindlichen Blockad»� sodann eine Folge der geringer werdenden .Produktion, schließlich über— und nicht zuletzt!— eine Folge der schamlosen Aushungerungs. und Wucherpoli- tik der Agrarier gegen die eigenen Volksgenoisen war, sich: diese edlen Brüder wenig an. Die„Täglickh- Rundschau" schreibt: „Käme auf Grund der Wahlen eine mehr nach �rechts ge- richtete Regierung zustande, dann würde ein großer Teil der im Volke vorhandenen Unzufriedenheit ausgeschaltet werden." Es ist höchst charakteristisch für die innere Zerfahrenheit der Deutschen Volkspartei, dieses Sammelbeckens des unzufrie- denen Bürgertums, daß immer eine Aeußerung der anderen wider- spricht. So konnten wir neulich den Widerspruch„Strcsemann contrs Nationalliberale Korrespondenz" feststellen, und auch gegen den oben zitierten Satz der„Täglichen Rundschau" können wir aus einer Wahlrede des volksparteilichen Kandidaten V. Rhein» haben folgendes anführen: „Heute ist die Not des Vaterlandes so groß, daß a u ck> kein Kaiser, in welcher Form auch immer er an der Spitze des Reiches stehen würde, uns aus dieser Not herausführen könnte!" Obwohl man sich also der Erkenntnis, daß auch eine andere Staatsform bei der heutigen Notloge nicht in der Lage wäre, die Politische und wirtschaftliche Gesundung des Reiches herbeizuführen, aus feiten der VolkSportei in lichten Augenblicken nicht verschließt, operiert man doch ,n bewußter Unehrlichkeit immer wieder mit dem Argument, daß die eigene Partei, die Deutsche Volkspartei nämlich imstande sein werde, das Paradies auf Erden hervorzuzaubern. Ein klägliches Wohlmanöver I Ocffentliche Wahlversammlung in Tcmpelhof. Im Gymnasium in Tempelhos veranstalteten unsere Tempelhofer Genossen gestern eine gut besuchte Versammlung, die der Chor unserer Partei- genossen mit drei schön borgetragenen Liedern einleitete. Genosse Dr. S t r i e m e r sprach über den Weg aus der Not, legte die Gründe dar, die zum Zusammenbruch geführt haben, und zeigte den Weg, um im übervölkerten Deutschland durch eine O r g a n i» s a t i o n der Wirtschaft jedem Volksgenossen ein erträgliches Da- sein zu sichern. Genossin Hanna wandte sich an die Frauen. Die Ausführungen der Referenten fanden lebhaften Beifall. Geg- ner fanden keinen Anlaß, an den rein sachlichen Ausführungen Kritik zu üben. Was Deutschland alles bezahlen soll. Jüngst sind die Sätze für die Verpflegungsgeider der Mitglieder der alliierten Missionen in Deutschland b e- trächtlich erhöht worden. Wie man aus der nachstehen- den Tabelle ersehen wird, war dies auch sehr notwendig. Der General Nollet erhielt nämlich bisher„nur" 228 000 M. jährlich, womit sich ein siegreicher französischer General natürlich unmöglich standesgemäß ernähren kann. Und ein französischer Hauptmann bekam„nur" 78 000, ein Unterossizier„nur" 89 600 M., ein Gemeiner„nur" 24 000 M. Verpslegungs- gelder. Von jetzt ab wird es aber diesen armen Teufeln, die einen so schweren und wichtigen Dienst verrichten, besser Mitglieder lediglich Verpflcgungsgcldcr darstellen, und daß die Kommissionsmitglieder außerdem noch Ouartier und Gehalt emp- fangen. Das Quartier z. B. für General Nollet allein kostet uns jährlich ca. 144 000 M. für Zimmerrechnung im Hotel Kaiserhos. So müssen wir lediglich für Hotelunterkunft der ttonimissionsmitglieder nur in Berlin jährlich ca. 14� Millionen Mark zahlen. Und unterdessen warten die Einwohner der zerstörten Gebiete Nordfrankreichs darauf, daß man ihnen Vorschüsse für die Linderung ihrer Not bewilligt. �wie eine reaktionäre Lüge entsteht/ In dem so überschriebenen Artikel des„Vorwärts" war Ober- lcu:nant Gras von der Goltz des„Schwindelns" geziehen worden m.l der Begründung, daß der von ihm zitierte Satz des„Vorwärts": „Deutschland soll— das ist unser fester Wille— seine Kriegs- flagge für immer streichen, ohne sie das letztemal siegreich heim- gebracht zu haben" nicht etwa gleichzeitig mit der Amerikanerschlacht an der Maas ver- össentlicht morden sei, sondern erst nach dem Waffenstillstand. Da sich der erwähnte Satz im„Vorwärts" vom 20. Oktober 1018 befindet, also 3 Wochen vor dem Waffenstillstand, und während der Schlacht an der Maas geschrieben ist, so ist diese Beschuldigung unzutreffend. Herr Oberleutnant Graf von der Goltz haben also nicht„zu schwindeln geruht"! GrofrBerün Seim Flugblattverteilen. Teppichbekegte Treppen der Vovberhäuser steiM du hin- auf, über knarrende Stufen in Hinterhäusern eilt d»kn Schritt. Auf dein Klingelzeichen öffnen Dienstmädchen, die dir mit gleichgültigem„Danke" das Blatt aus der Hand nehmen, Hausfrauen mit niüden Gesichtern, Kinder, die mit hastigem Händchen und schüchternem Ausblick nach dem Zettel greifen. Manch freundlicher Blick auS Jungmädchenrnigen trifft dich, manch mißtrauischer— unter der Brille hinweg— bärtiger Hausväter. Fast immer malt sich Gleichgültigkeit auf den Gesichtern, manchmal auch Geringschätzung; achselzuckend wird die Tür wieder zugeschlagen. Eine Dame tritt aus dem dämmerigen Korridor auf den helleren Vorraum; ihr Blick fällt auf die Unterschrift:„So- zmldemokratische Parier Deutschlands". Sie reißt das Blatt in Fetzen und wirft sie auf die Treppe. Auf den ruhigen Einwand, daß sie ja noch gar nicht gelesen habe, antwortet sie empört:„Tie Unterschrift sagt schon genug." Eine Ent- gegnung wird nicht abgewartet, die Tür fällt dröhnend ins Schloß. Im nächsten Haus an einer Korridortür wird das Blatt m:t spöttischem Gesicht zurückgegeben:„Bitte, bemühen Sie sich nicht, Fräulein, wir wissen, was wir zu wählen haben." Hier, wie auch in den öffentlichen Versammlungen, immer das gleiche: Wir melden uns in denen der Rechtsparteien zum Wort— nach der ersten Silbe hindern uns Zischen und Trampeln am Weitersprechen. Wir bitten in den von uns einberufenen a l l e jllnwesendeii, zu den Ausfübrungen un- seres Referenten Stellung zu nehmen, das Resultat— Schweigen auf der ganzen Linie. Und warum all das? Weil nian— um auf letzteres einzugehen— den zwingenden Vermlnstgründen unserer Redner nichts Stichhaltiges ent- grgenhalten kann. Und dann fürchtet man, daß bei den klaren Darlegungen unserer Parteignossen ein Teil der verführten Anhänger der sogenannten„Volks"parteien zur Einsicht kommen könnte.--- 'Denn sie haben ja ein so verdammt schlechtes Gewissen. * Kirche und Wahlagitatron. In der Zwölf.Vpostelkirche wurden am Sonntag dcn Besucher« des Gottesdienstes beim Verlassen der Kirche durch de» Kirchendiener ein kräftiger Wahlaufruf der� Teutschnationalen Volkspartei nebst Programm ihrer Wahl- Versammlungen in die Hand gedrückt. Angenommen wir würden uns an die Kirchenbehörden wenden, so Hütt« baS Geschrei der Rechtser über die schreckliche Prosanation eines Gotteshauses prompt eingesetzt Abcr lassen wir ihnen das Vergnügen an den paar alten Deischwestern. Unsere Kandidaten für die Stadtvcrordnetcnwahlcn. In Berlin-Mitde sind aufgestellt: Sradtrat Adolf Riiter, Frl. Dr. med. Wygoozinski. Rechtsanwalt Siegbert L o w y, Dr. S t r i e m e r und Fritz Wille. Im Bezirk Tier- garten: Hugo Seimann. Schulz, Bethke. Frl. Dr. Falkenthal. Paul Noack u. Gen. Aus dem Wedding: Stadtv. Otto Frank, Lehrerin L. R i e d g e r, F. B r o l a t, Sekretär Aug. Pattloch, Oberpostschafsner M Echtcrbccker u. Gen. Im Prenzlauer- Tor-Bezirk: Stadtrat K ob- ;__-er, Frau Helene Schmitz Stadtrat Poetzsch. Stadtrat � roh l ich. Tischler Jul. Meyer u. Gen. Im H a l l e s ch e n- Tor-Bezirk: Bernhard Bruns. Frau Martha Schroeder, Wilh. Pfannkuch, Redakteur Emil Dittmer, Dr. phil. Witte und Th. Glocke. Im Wahlbezirk Friedrichshain: Eugen Brückner, Fritz Munt ner, Frau Martha Hoppe, Alfred W i l d e g a n z und P o h l i n g. « Die Generalversammlung des Sozialdemokratischen BereinZ Verlin beschäftigte sich mit den Stadtverordnetenwahle n. Genosse Ritter referierte über di« technische und praktische Aus- sührung der Wahlen und empfahl einen Antrag, die Aufstellung der Stadtwahllisten dem Bezirksvorstand im Verein mit den Wahl- leitern, den Vorständen der'Stadtverordneten und Gemeindever- treter zu überlassen, der angenommen wurde. Die von den einzel- nen Wahlkreisen vorgeschlagenen.Kandidaten wurden bestätigt. Außerdem nahm die Generalversammlung Stellung zu dem parteischädigenden Verhalten der Genossen D a v i d s o h n und Riebeling und billigte den Beschluß des Vorstandes und der Abteilungsleitungen, beim Bezirksvorstand den Ausschluß zu bean- tragen wegen Schädigung von Parteiinteressen. Im Falle Riebe- ling einstimmig, beim Genossen Davidsohn gegen 3 Stimmen. In seinem Schlußwort zollte der Vorsitzende, Gen. S ck�l«gel, Anerkennung der Tätigkeit unserer Genossen für ihre schwierige und aufopfernde Wahlagitation und verwies darauf, daß, wo so gearbeitet werde, am 6. Juni der Erfolg nicht ausbleiben wr Wie das Mieteinigungsamt die Wohnungsnot bekämpft. Für Wohnungssuchende die nötige Unterkunft zu beschaffen und erforderlichenfalls Zwangseinquartierung anzuordnen ist Aumabe der Wohnungsämter. In Berlin bat vor kurzem ein aus diesem Gebiet sich gleichfalls betätigen wollendes MieteinigungS- amt eine Entscheidung gefällt, die uns einer Ergänzung durch das Wohnungsgmt sehr zu bedürfen scheint. Man teilt unS darüber folgendes mit: "Das HauS Friedrich st raße 248, das einer Frau Major gehört und durch einen Baumeister verwaltet wird, hatte etwa zwei Jahre hindurch keinen Portier gebabt. Nachdem in der ganzen Zeit hier der Portier des Nebenhauses die notwendigen Arbeiten mit- verrichtet hatte, sollte jetzt auch für Nr. 2-48 wieder ein eigener Portier angestellt werden. Als Unterkunft für diesen wünschte der Verwalter die aus drei Zimmern bestehende Wohnung einer Fa- milre. die schon seit zwei Jahren in ihr wohnte. Vor dem M i e t- einigungsamt, das angerufen werden mußte, wendete der Mieter ein. daß eine über ihm liegende genau so große Wohnung unbewohnt ist und zur Ausbewahrung von Ueber- bleib sein eines ehemaligen Theatergarderoben- geschästes benutzt wird. Der Vorsitzende antwortete, daß Mieteinigungsamt habe nur über die vorgelegie Streitsache zu ent- scheiden, also über die Verwendung der bisher schon bewobnten und jetzt für den Portier beanspruchten Wohnung. Ter Mieter er- klärte, höchstens ein Zimmer hergeben zu wollen, und das Eini» gungsamt entschied dann so. Hoffentlich hat das Mienteinigungsamt sich beeilt, danach wenigstens dem Wohnungsamt zu melden, daß dort oben eine Wohnung nicht als Wohnung benutzt wird. Sollte es aber auch d-efe Einmischung als nicht zu den Rechten und Pflichten eines Mieteinigungsamtes gehörend ansehen und sie daher unterlassen haben, so sei hiermit durch uns an das Wohnungsamt di« Aus- forderung gerichtet, sofort einzuschreiten und die als Rümpel- kammer sür alte Theatsrgarderobe benutzte Woh- nung ihrem Zweck zurückzugeben. �-rühobst-Konjunktur. In einer von der Deulschcn Obstbaugesellschaft in Erfurt ab- gehaltenen Versammlung, an der die bedeutendsten ErwsrbSvhst- züchter und Landwirtschaftskammern� Deutschlands teilnahmen. wurde über die Ernteaussichten für Früh- und Beerenobst folgendes festgestellt: Johannisbeeren: mittel bis gut; Stachelbeeren: gut, aber diese sind durch das starke Auftreten der Stachelbeermilbe gefährdet: Himbeeren: gut; Erdbeeren: mittel bis gut; Tchattenmorellen: teilweise gut; die Bäume leiden an viele» Stellen unter starkem Moniliabefall; Süßkirschen: gut bis sehr gut; in den Provinzen Sachsen und Schlesien sind die Kirschen teilweise erfroren. Es wurden dann Erzeuger-Mindest- reise festgesetzt. Diese gelten für gute, mittlere Ware am Platze. ach gründlicher Erwägung aller in Betracht kommenden llmstände, die die Ernteaussichten und den Absatz im freien Hcmdel beeiu». flussen können, sowie der hohen Arbeitslöhne und Betriebsstoff- kosten wurden die folgenden Erzeugermindestpreise für 1 Pfund festgesetzt: Johannisbeeren, rote, weiße und schwarz« 1,7ö Mk., Stachelbeeren, unreife 1,50 Mk., Stachelbeeren, reife 1,50 Mk., Himbeeren 2,75 Mk.. Erdbeeren 3 Mk., Brombeeren 3 M?., Schatten». morellen und edle Sauerkirschen 3 Mk., gewöhnliche Sauerkirschen 1.50 M?., Süßkirschen 1,20 Mk., Mirabellen 1,50 Mk., Frühzwetschen 1.50 Mk., Reineclauden 1,50 Mk., Spätziwetschen 1 Mk., Pflaumen, edle Sorten 1,50 Mk., Pfirsiche 3.50 Mk., Aprikosen 3 Mk. Der Raubüberfall in der Alvcnslebenstraße auf die Schneidern» R i tz e r t hat sich als fingiert herausgestellt. Ter Uebersall war von der Schneiderin selbst erfunden worden, da sie sich ihrem Bräutigam gegenüber als vermögend dargestellt hatte und nun ihre wirkliche Besitzlosigkeit mit dem Ueberfall begründen konnte. Sie war dabei so ungeschickt verfahren, daß sie an dem Florstrumpf- knebel, den sie sich in den Mund gesteckt hatte, fast tatsächlich erstickt Wäre.— Es ist die Tragikomödie eines jungen alleinstehenden Mädchens, das nach vielen Fehlschlägen auf diese Weise versuchte. unter allen Umständen die ersehnte Ehe einzugehen. Gro�-Serliner parteinachrlchten« wahlhilfe am 6. �irni. Ter Erfolg unserer Partei am 6. Juni hängt wesenttich davon ab, daß alle Parteigenossen und-Genossinnen sich an diesem Tage zur Mitarbeit zur Verfügung stellen. Meldungen zur Wahlhilfe sind sofort zu richten in Berlin an die Abteilnngslcitung, in den Vor- orten an die Ortsvorsitzenden rrsp. BezirkSsührer. Genossen, denen die zuständigen Adressen nicht bekannt sind, melden sich im Bezirks» sekrriariat, In den Zelten 23. �eöe Kraft wird gebraucht. _ Der Bezirksvorstand. Heute, 2. Juni: Achtung, /lngeftellte I Oeffentliche Versammlung aller niännlichen und weiblichen An- gestellten in Handel und Industrie, 8 Uhr, in Haverlands Aestsgle», Nene Friedrichstr. 35. Tagesordnung:„Die Angestellten und der neue Reichstag". Referenten: Finanzminister Genosse Lüdemann, Karl Bauer und Grete Weinberg vom Zcntralverdand der Angestellten. Neukölln. 7. Abt. Extra-Bezirksversammlung deS 65. Bezirks, 7 Uhr bei Stubel. Lehkc'tr. 3. Schmöck'.vitz-Eichwalde. Oeff-ntltche Wählerner�awmlung 7'/, Ubr im Lolal Storchnesr. Tliema: Sozialdemokratie und die Rcichstagswahl. Res.: Genosse Dr. Z e ch I i n. Morgen, S. Juni: 29. Abt. 7 Nhr bei W. Burg Prenzlauer Allee 18g, wichtige ve. sprcchung aller BezirkSsührer und Wahllietjer. 07. Abt. 5 Ubr bei Hübner, Witsnacker Str. 34. Genossen, heraus zur Flugbtattverbreituug! JohanuiSthai. 6 Uhr Flugblattverbreiwna von den Lokalen Arkiter und föofiiii aus. Um 8 Uhr Veriammluug aller Parteimitglieder im Lokale von Gobm. Roonslraße, zur Besprechung der vorzunehmenden Arbeiten am Wadtlage 0 Chartoltenburg. 13. Gruppe. Donnerstag, den 3. Juni. 7 Ubr. Zablabend m der Schulauta 13. Gemelndeschute, Peslatozzistr. 40. Wichtig. Bespicchung. Tic heute früh versehentlich angekündigte Versammlung im Volks Haus. Rosmemtrage. findet nicht statt. � Temvelhoi. 8 Uhr in der Aula der Demeindeschulc in der Werde «trage, ofiemtiche Versammlung sür die Hausangestellten. Referent. Genosse Ewald. Pankow. 6 Uhr FtugblaUverteilung von alle» Zahlabend-Lokale» au: Hememöewabler Hroß- Herlins! sie sememsewählerliste __________ Z_____-_____(«je liefen mir mvfi kk«\ �fini<1 »! Sie liegen nur nsch bis einfthließlich 3.?uni aus. Wietfchast Die Amerikaner in nuscrer Montanindustrie. Einer Korrespondenz entnehmen wir folgendes: Der Preisrückgang, der sich in den Vereiniglen Staaten wie aus allen Warenmärlten gellend macht, hat den Eisen« und Stahl- marlt in letzter Zeit ziemlich u n h e- i n f l u b t gelassen, da jetzt die Aufträge für den Wiederaufbau in Nordfrankrcich und für Belgien in erheblich gröberem Mabe einlausen. Allerdings ist es fraglich, ob der Stahllrust alle diesbezüglichen Aufträge in den Vereinigten Staaten wird ausführen lassen, oder ob er nicht die europäische Monlaniiidustrie mit ihnen beschweren wird. Tat- fache ist jedenfalls, dast groge Käufe an den deutschen Aktien- börsen, von- denen man geglaubt hat, daß sie lediglich für holländische Rechnung getätigt' worden seien, letzten Endes vom amerikanischen Großkapital vorgenommen wurden und bei den nächsten Generalversammlungen der großen deutschen Montangescllschaften dürsten sich für die deutschen Verwaltungen und Aktionäre bei den Wahlen zu den AufsichtSräten noch ganz überraschende Ereignisie abspielen. Während alle anderen deutschen Industriezweige sich beeilt haben, Vorzugsaktien mit erhöhtem Stimmrecht auszugeben, zwecks Abwendung der Ueberfrem- dungsgefahr, haben die deutschen Montanwerke das verab- säumt. Als sie die Gesahr später erkannten, wäre eine solche Maß- nähme nicht mehr zweckentsprechend geiveicn, denn sie wäre von der neuen Aktienmehrheit glatt abgelehnt worden. So wünschenswert es auch ist, daß ausländisches Kapital sich in der deutschen Montanindustrie darbietet, so kann eine derartige Ueber« flutung. die die deutsche Wirlschasi in die Hand fremdländischer Konjunkturjäger gibt, doch nicht ohne Hemmung von statten gehen. Es muß unbedingt verhütet werden, daß etwa durch Be- lriebSeinschränkungen, künstliche PreiSherauf setzun gen usw. die Ausländer ihre Stellung ausnutzen. Jedenfalls haben die Führer der amerikanischen Eisen- und Stahlindustrie Grund, mit ihrer Preis« und Ausdehnungspolitik zufrieden zu sein. Ludwig Löwe 18 Proz. Dividende. Das abgelaufene Geschäftsjahr der Ludwig Loewe ü, Eo. Slkt.-Ges. erbrachte aus Fabrikation und Beteiligungen einen Ertrag von 7 376 363 M. si. V. 6 135 738 M.) Es erforderten Anleihe« z i n s e n 428 463 M.(367 561), Hypvthekenzinsen wieder 67 323 M.. H a n d l u n g s u n k o st e n 3 786 336 M.(1 925 333 M.. Amortisation Skonto 1 724 335 M.(1 773 387). Als Ueber» schuß verbleiben 2233337 M.(25841331. Daraus sollen 18 Proz. Dividende(23) verteilt und der Llidwig-und.Jsidor-Loewe- Stiftung wieder 133 333 M, zugeschrieben werden, zum Vortrag ge« langen 267 338 M.(261 883). In der Bilanz erscheint der Bestaub an Effekten und Beteiligungen mit 13165 135 M. (23165 521). Der Rückgang ist in der Hauptsache wieder auf Ver- Wendung von Kriegsanleihe zu Steuerzwrcken zurückzuführen. Von den Ausführungen des Geschäftsberichts über die Unter- nehmungen, an denen die Gesellschaft beteiligt ist, sei erwähnt, daß auch die T y p o g r a p h- G e s e I l s ch a f t m. b. H. im vergangenen Jahre günstig gearbeitet hat und der Bedarf an Setzmaschinen gleichnläßig stark geblieben ist. Jedoch hat bei der Stock-Motortlug A.-G. im neuen Jahre der Verkauf von Pflügen nachgelasien. Vorräte an Fertig- und Halbfabrikaten er- scheinest mit 13833776 M.(7433532). Materialien mit 3772666 M. (2113532), Debitoren mit 8331381 M.(5771351), darunter Bank- guthaben mit 3727627 M.(2317333), Kreditoren init 13336646 M. (16 883 678). Die Erhöhung des Aktienkapitals um 5 Mill. Mark auf 15 Mill. Mark ist im neuen Jahre durchgeführt worden. Der Generalversammlung wird die Abänderung des Z 3 de- Gesellschaft?- Vertrages vorgeschlagen. In Znkuust soll die Gesellschaft berechtigt sein, andere Unternchmungeii. die mit dem industriellen Geschäfts- betrieb iin Zusammenhang stehen, zu erwerben und zu betreiben, sich daran in jeder rechtmäßigen Form zu beteiligen und alle zur Förderung ihrer Zwecke dienenden Handelsgeschäfte abzu- schließen. Gewer�schQstsbewegung Oer Konflikt im Sankgewerbe. W!e v»n zuständiger Seite mitgeteilt wird, hat der Reichsverband der Bankleitunaen den Vorschlägen des Reichs- oicheitsmimsteriums für eine Einigung im Bankgewerbe zwar nicht zugestimmt, die Einschränkungen, die er zu den Vor- schlagen gemacht bat, sollen aber derart sein, daß dem Reichs- arbcitsmimstenum die Grundlage für eine Fortführung der Einigungsverhandlungen gegebeir erscheint. Das Reichs- arbeitSministerium hat daher die Parteien für Donnerstag zu einer Besprechung geladen, in der wenigstens eine vorläufige Erledigung der schwebenden Streitfragen zu erhoffen ist. Gehaltsbetvegung in den Berliner Annoncen- expeditione«. In einer SsktionSvcrsammlung des„Angestelltenver- bau des des Buchhandels, Buch- und ZeitungSge- werbes" berichtete Guiard über den Stand der gegenwärtigen Tarifverhandlungen. Von den Arbeitgebern wurde jede Verhandlung über Gruppen- einteilung usw. abgelehnt. Die außerordentliche schlechte Gruppen- einteilung mache aber eine Neuregelung unbedingt notwendig. Ver- Handlungen in Gemeinschaft mit den anderen Verbänden seien ab- gebrochen und der SchlichtungsauSschuß angerufen worden. Tie Versammlung erklärte sich mit der Haltung der Organisation voll und ganz einverstanden. Wahlhilfe für öen H. �uni! Alle Genossinnen und Genossen, die sich für den Wahltag, den 6. Jnni, als Stimmzettclverteilcr für die Landkreise Niederbarnim und Teltow zur Verfügung stellen wollen, wer- de» dringend ersucht, sich sofort beim Bezirksverband Groß- Berlin, In den Zelten 2Z Part., Zimmer 6, Sekretariat NieSerbarnim-Teltov) zu melden. Es komme« nur solche Genossinnen und Genossen in Betracht, die bisher von den örtlichen Stollen noch nicht zur Wahlarbeit eingeteilt sind. Parteigenossen! Helft alte mit, es geht um öie Sache öes Proletariats. Bezirksvcrband Groß Berlin. Angestellte der Seifengcschäfte(Srost-Bcrlins. Der vom Zentralverband der Angestellten, Bezirk Groß-Berlin, für die Angestellten der Groß-Berliner Seifenaeschäfte abgeschlossene Tarifvertrag ist unter dem 26. Mai mit Wirkung ab 1. März vom Reichsarbeitsministerium für allgemein verbindlich erklärt worden. Jeder in einem Scifcngcschäft tätige Angestellte muß nunmehr nach dem Tarifvertrag bezahlt werden. Gedruckte Verträge sind im Ver- bandsbureau, Belle-Alliance-Str. 7/13, zum Preise von 53 Pf. er- hältlich. Wo sich ein Arbeitgeber weigern sollte, den Tarifvertrag anzuerkennen, bitten wir uns sofort Mitteilung zu machen. Zentralverband der Angestellten. einen noch in dem anderen Sinne kann der Erwägung des Te- rusunglfeiichis zugestimmt werden. Das Reicksgericht hat bereits mehrfach a u S» gesprochen, daß e s nicht angängig sei, ganzen Voks schichten das Ehrgefühl und Sittlichkeit-- empfinden in dem Maße abzusprechen, daß selb st schwere Verstöße gegen die Staats- und Sitten- ge setze nickt als ehrlose und unsittliche Hand- lunaen aufgefaßt würden, da das Sittlichkeitsempfinden nickt von Besitz oder Bildung abhängig� vielmehr erfahrungsgemäß a u ck bei Personen niederen Standes «in gehobenes Sittlichkeitsgefühl anzutreffen sei, wie es andererseits bei Personen eines besseren Standes und Bildungsgrads fehlsu könne.(1.1V. 16, 1132 11, vgl. Gruchots- Beitr. 35, 371.) Es entspricht aber der Erfahrung, daß ein« er- hebliche Verletzung der ehellchen Treuepflicht, wie sie in dem wiederholten Versuche des Ehemannes, andere Frauen zum Ge- schlechtsverkehr mit ihm zu bestimmen, xchnnden werden muß. auch in den gescllsck>aftlich tieferstebenden Volkskreisen als eme die Rechte d:r Ehefrau schwer kränkende Versebluna gegen die Ehe- pflichten empfunden wird. Eine ehezcrrüttende Wirkung des Verhaltens des.Klägers durfte daher nicht unter Bezugnahme aus die in den Kreisen der Parteien herrschenden Auffassungen von den ehelichen Pflichten verneint werden, es mußte vielmebr geprüft werden, wie die Beklagte nach ihrer subjektiven Auffassung der durch die Ehe begründeten gegenseitigen Rechte und Pflichten daS. Be- nehmen des Kläger? empfunden hat. Ebensowenig durfte mit der geschehenen Begründung daS Vorliegen einer schweren Ehevcr- fehlung des Klägers verneint werden. Denn ganz abgesehen davon, daß die Annahme des Bestehens einer allgemeinen loseren Auf- fassung von der ehelichen Treuepflicht in A r b e i t c r k r e i s? n der Erfahrung widerspricht, würde auch eine mit dem sittlich-cn Visen der Ehe im Widerspruch stehende Auffassung einzelner Volksschichten nicht zu einer milderen Beurteilung eines an sich ichweren Verstoßes gegen die Verpflichtung zur ehelichen Treue führen können. er vom Berufungsgericht verwertete Gesichtspunkt hat hiernach WaS geht in den Berliner Waren- und Kaufhäusern vor? Auf die unter obiger Uebcrschrift veröffentlichte Mitteilung de? Zentral. Verbandes der Angestellten über Kündigungen im Warenhaus � bei der Beurteilung der Frage, ob die auch vom Berufungsgericht ™.i—--------- Ä'-! m— � angenommene Eheverfehlung des Klägers als«in schwerer Verstoß gegen die Ehcpflichtcn anzusehen ist, außer Betracht zu bleiben... Die Entscheidung zeigt einen unverkennbaren volksfreundlichen Zug des Reicksgerichts im Gegensatz zu früher, wo mehrfach Eni- scheidungen anderen Inhalts gefällt worden sind. A. Wertheim sendet uns die genannte Firma eine Berichtigung. worin sie die Nachricht, daß im Warenhaus A. Wertbeim 133—153 Kündigungen vorgenommen worden sind, als nicht den Tatsachen entsprechend erklärt. Die angegebene Zahl sei ebenso w-e die angebliche Matzregelung eines B-triebsratSmitgliedS völlig au? der Luft gegriffen. Kündigungen hätten nur stattgefunden auf Ver- anlassung des TemobilmachungSauSschusseS, wegen Diebstahls und anderer besonderer Vorkommnisse. Verband brS Post- und TelegraphenverfonalS(Mitgliedschast im Deutlchen TranSportaibcitcr-Vciband). Sonnabend, den 5. Juni, abends >/,8 Uhr, im GewcrNchastShous, Engeluser 14/lS. Saal 1, Vertrauen?- männcr-Klmferenz. Tagesordnung: Stellungnahme zu der ScltionS- Mitgliederversammlung am 7. Juni. Soziales. Ehe- n der r Be- Verant». lilr den tedoffion. Teil: Erich«uttnee, Tempelhof: für An, eisen: Td. Glocke. Berlin. Verlag: Vorwijrtz.BerIa hat auf Grund der§§ 1565 und 1686 B.G.B. Widerklage auf Schci- dung erhoben. DaS Landgericht hat die Ehe auf die Klage wegen des Ehebruchs der Beklagten geschieden und die Widerklage abge- wiesen. Das Oberlandesgericht hat die Berufung der Beklagten zurückgewiesen. Die Beklagte hat wegen der Abweisung der Wider» klage Revision eingelegt. EntscheidungSgründe: Die Beklagte hatte in zweiter Instanz ziur Begründung der Widerklage geltend gemacht, der Kläger habe einer größeren Zlnzahl Frauen Anerbietungen gemacht, mit ihnen in geschlechtlichen Ver- kehr zu treten. Das Berufungsgericht hat zivar derartige Fälle aus dem August 1314 als erwiesen angesehen, darin aber in An- betracht der in den Kreisen der Partei e» Herr- schenken Anschauungen keinen Ehescheidungs- grund erblickt und auch den Nachweis vermißt, daß die Beklagt« diese Verfehlung ihres Mannes erst neuerdings in Erfahrung gebrocht habe. Diese Begründung wird von der Revision mit Recht Mämnft. Daß das Verhalten des Klägers eine Verletzung der durch die Ehe begründeten Pflichten darstellt, nimmt auch der Berufungsricktcr an. Wenn er dann aber weiter meint, diese Eheverfchlung könne nach den Anschauungen der Bevölkerungsklassc, welcher die Parteien angehörten, nicht als so schwer angesehen werden, daß sie der Be- klagten einen Ehescheidungsgrund gäbe, so kann dies« Auffassung rechtlich nicht gebilligt werden. Tie Begründung des BerufungSurteil? läßt nicht zweifelsfrei erkennen, ob damit nur Hai gesagt werden sollen, daß in den Volkskrcfien, denen die Parteien angehören,«in Lerbalten, wie es dem Kläger z»r Last lalle, nickt als schwerer Verstoß gegen die Ehepflichtcn empfunden werde und deshalb bei der Beklagten nicht ehszerrüttend habe wirken können. oder ob daS Berufungsgericht im Knnblick auf«:ne in gewissen Volksschichten bestehende losere Auffassung der cbelichen Treue- Pflicht geglaubt bat, die Verfehlung des Klägers milder und nickt als schwere Pflichtverletzung beurteilen zu sollen. Weder m dem lat je30Z 191551 135340 106921 200015 200719 204008 204957 204719 200033 207724 200232 215132 222131 225443 223530 223374 230331 230733 MiePerserteppictie bis 3X4«u» Privathand ge- BUCht. John ICosenthal, Bc-lInW. 8, Taubenstr. 10. Fernsprecher Zentrum 7791. Seh 1872 MM Vertnol direkt nb Fabrik-MeRaiin: H31JaHilr,lM8 SimcaueueodlU _____ Ausiulift. preull, Bmnnenltc. 78. 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