Hr. 284<■ Z7.�ahrgang Ausgabe A Nr. 5 Bezugspreis: V?rteIiLhrI.Z0.-M�mo!>a:.�0,— MI. frei ins Saus, ooraiis zahlbar. Poil» demz Monatlich K>.— Mt, exkl. Zu- itellungssteblihr. Unter gremband fiir Deutschland und Oesterreich liv'O Ml. tüc das Übrige Ausland oei taglich einmal. Zufteliuna 2150 Vollv- s'ellunqen nehmen an Oesterreich, llnzarn, Tscheche» Slowalei, Dane- mar!. Soll-Uld, auremdurg, Schwede» und die Schweiz.— Dingetraaen in die DosMeitilnas-PreisIifte.' Der»Vorwärts" mit der Senntoos- deilage»Volt u. Zeit" ericheini wochen- 'äglich zweimal Sonntags und Mon- tags einmal. Telegramm-Bdreste! �Sozialdemokrat verlin- Morgen-Ausgabe berliner NolKsblstt .( Zvpkknnig) Anzeineuyret»: Die»chtgelvaltene Nonvareilleleile koste Z.— M.. TeucrungszuschlagSät/» »Sleine Unzeigen", das irtl- gedruckte Wort 1,— M. tzulälstg zwei iettgedrnckte Wonel. iedes weitere Wo« 00 Vfg. Stellengeluche und Schlafstellenanzeigen da« erste Wori 65 Vfg» iede» weitere Wort 40 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen iui zwei Worte. Teuernneszuschlao 50«,» Familien-Anzeigen für Abonnenten geile st— M, politische und ge- wcrlichafrliche Pereins- Anzeigen S,— Mk. die geile ohne Ausschlag Anzeigen für die n ä ch st e Zlunime, müssen bis 5 Ahr nachmittags im Hauptgeschäft, Terlin S2B68, Ltnden- ftraße 3, abgegeben werden. Geoffne! oon S Uhr früh bis 5 Uhr abends. �en�alorgsn der fozialdcmokratirchcn Partei DeutTchlands Redaktion und Expedition: EW. öS, Lindenstc. Z. skernivrecher: Zimt Morlkpla«, Nr. 1.'»l 90— 151 97. Sonnabend, den 5. Jnni I920 vorwärts-verlag G.m.b. h., EW. öS, Lindenstr. Z. Zhernsprceilcr: Zimt Morttiplat,. Nr. 117 55—51. er Kanzler vor öen Äne stürmische Niesenversammlun�. Ter Reichskanzler gegen rechts und links. Ungeheure Massen strömten gestern abend nach der„Neuen Welt", wo unsere Neuköllner Parteigenossen eine Wählerversamnilung mit dem Reichskanzler Her- mann Müller als Referenten einberufen hatten. Schon eine Stunde vor dem festgesetzten Beginn der Bersammlmig war'der riesige Saal samt den Galerien und Nebenräumen von einer Kopf an Kopf gedrängten, nach Tausenden zählen- den Menge dicht gefüllt.— Ein Beifallssturm durchbrauste den Raum, als Genosse Müller auf der Bühne er- schien. Hermann Müller fübrte im wesentlielkn cmS; Die rechtsstehende Pvesse hält sich darüber auf. daß Minister im Lande henlnnreison und Wahlreden hallen. Die Presse der Rechten hat noch nicht begriffen, datz sich die Zeiten geändert haben. strüiher kamen und gingen die Minister auf Verlangen d«S Mon- archcn. lZuruf: Die heutigen gehen überhaupt nicht!) Die heutigen Minister ibleilbcn genau so lange, wie sie das Vertrauen des Parlaments haben.(Starker Beifall.) Als sich bei den folgenden Ausführungen de? Redners Zwischen rufer bemerkbar machten, die eS augenscheinlich auf eine Störung der Versammlung abgesehen hatten, fertigte sie Genosse Müller ab mit dem Hinweis, dah er in anderen Grossstädten in Gegewwart von Unabhängigen und Kommunisten ohne Störung gesprochen habe. Die Herren, die diese Versammlung jju einer Spektakelversammlung machen wollen, sollen sich ruhig verhalten, bis sie zum Wort kommen.(Starker Beifall.) Der Redner fuhr fort: Den Gegnern des beutigen Sv stein S sei gesagt. datz es uns gelungen ist, unter den schwierig st en Verhält- nissen die Einheit Deutschlands aufrechtzuerhalten. Es gibt für die deutsche Einheit zwei Gefahren. Die eine droht von links.(Unruhe und Bestall.) Wenn in irgendeinem Teil Deutschlands die Diktatur aufgerichtet werden sollte, so muß da? zu einem Verfall des Reiches werden.(Storker Bestall.) Eine Diktitur in Mittel- oder S ü d de u t sch l a n d würde den Abfall der Rhcinlandc vom Reich zur Folge haben. Das müssen wir als Politiker in Rechnung stellen.(Zuruf.) Denjenigen, die über solche Möglichkeiten leicht- fertig urteilen, wird am 6. Zum die Quittung erteilt werden. (Storker Beifall.) Ich fürchte die Gefahr von links nicht, denn ich vertraue dem gefunden Sinn der deutschen Ar- beiter, die eine'Svjährige demokratische Erziehung hinter sich haben und bei ihren Festen gesungen haben: „Nicht mit dem Rüstzeug der Barbaren, mit Schwert und Spieß nicht kämpfen wir." (Zuruf: N o? ke! Grosse, einig« Minuten anhaltende Unruhe.) Infolge des Zwstch.mrufs„Noske" verwies der Redner darauf, dass die Gewaltpolitik von links die„Noske-Politik" hervorgerufen habe und dass auch bei den lebten Märzkämpfen� im Ruhr- gebiet, nachdem der reaktionäre Putsch niedergeschlagen, der- brecherische Elemente mit den Waffen das Land be- unruh igt' haben, so dass selbst s o z i a l i st i s ch e Arbeiter um den Einmarsch der Reichswehr gebeten haben, Wir haben vor allen Dingen unser Augenmerk zu richten auf die Erfahr von rechts.(Unruhe.) Es ist möglich, dass ent- lassene Offiziere, die aus dem Kapp-Putsch nichts gelernt haben, an einen neuen Putsch denken.(Einsperren!) Gewiss, jeder soll eingesperrt werden, dessen man habhast werden kann. Wir werden alle einsperren, auf die wir gewiesen werden. Aber unsere Schuld ist cs nicht, wenn sich herausstellt, datz die uns gemachten Angaben nicht zutreffen. Es würde die schwersten Folgen für Deutschland haben, wenn cS zu neuen Unruhen kommen sollte. Die Leute, die zu solchen Abentmern bereit sind, rechnen auf einen Putsch von links, bei dem sie als die Retter des Vaterlandes auftreten können. Die Arbeiterklasse darf sich deshalb nicht provozieren lassen.(Beifall.) Ich glaube, wir könncn auch die Gefahr von rechts bannen. Die Abwehr des Kapp-Putsches hat be- wiesen, dass wir tn Denstchland eine Mehrheit von Demo- kraten und Republikanern haben, die gewillt sind, mir aller Kraft für ihre lleberzaugung einzutreten.(Beifall.) Der Putsch konnte zurückgeschlagen werden, weil die Fraktionen der Ar- beiterschaft den Putschisten gegenüber eine einheitliche Front bildeten.(Storker Beifall.) Auch unser Vortrauen im Aus- lande ist durch die tatkräftige Bekundung demokratischen Willens g e st ä r k t worden. Ten Friedensvertrag von Versailles, der uns ausgezwun- gen ist, wollen wir ehrlich ausführen. Dazu ist aber not- wendig, daß man uns Luft läßt und die Möglichkeit, unser Wirtschaftsleben wieder aufzu- bauen.— Wir stehen vor der Konferenz in S p a. Wer dahin geht und wie die Verhandlungen ausfallen, das wird von dem Ausfall der Wahl abhängen. Ausgeschlossen ist es, daß wir mit der Partei deS Herrn Ttrefe- mann in irgendeine Koalition eintreten.(Starker Beifall.) Man macht uns fiir den schweren Waffenstillstands- und den Frie- densverirag verantwortlich. Mit Unrecht, Ludcndorff hat ja zum Waffenstillstand gedrängt, weil er fürcküete, dass sonst das Heer in offener Keldschlacht besiegt werden würde. Nicht wir haben die deutsche Front erdolcht, sondern die Leute sind an dem Unglück Deutschlands schuld, die die Kraft deS deutschen Volkes verwüstet haben.(Starker Beifall.) Nicht die Revolution, sondern der Militarismus hat Teutschland zugrunde gerichtet. Er hatstür alle Zeit abgewirtschaftet. Auch die Zeiten der Mon- archie sind in Deutschland vorüber. Es gilt, durch die Wahl zu zeigen, datz ein grosser demokratischer Block in Deutschland vor- Händen ist. Niemals wäre die deutsche Arbeiterschafi mit solcher Kraft gegen Kapp aufgetreten, wenn sie nicht wüssre, was die republikanische Verfassung für sie bedeutet. Wir haben nicht nur die Verfassung, wir haben auch den Achtstundentag zu verteidigen. Deutschland kann sich wirtschaftlich nur erhalten, den Arbeitern ein gewisses Mass von Arbeitsfreudigkcit zu geben.(Ka- pitalismus abschaffen!) Sagen Sie mir nur, wie man den Kapi- talismus abschaffen und den Sozialismus einführen soll in einem Lande, dem es an den notwendig st cn Roh st offen fehlt, weil ihm die ausländischen Bezugsquellen verschlossen sind. Selbst wenn man den Geist eines Karl Marx hätte, würde es nicht möglich fein, aus dem EhaoS den Sozialismus auszubauen. (Lebhafter Beifall.) Meint der Zwischcnrufcr vielleicht, wir sollen den Sozialismus einführen, der in S o w j e t r u tz l a n d besteht? In Russland herrscht Hunger und Elend.(Beifall.) Vor einem solchen Sozialismus bedanke» sich die deutschen Arbeiter. (Leblsafter Beifall.) Wir sind für die Abrüstung, soweit es die Sicherbeit Deutschlands zulätzt, aber wir erwarten, dass auch in den Ententeländern automatisch die Abrüstung erfolgt. (Beifall.) Wir wollen einen dauerhaften Frieden. Wir treten ein für unsere alten Ideale. Unsere Partei ist die alte geblieben. Wir wollen ein Deutschland der Freiheit und der Arbeit aufrichten.(Starker Beifall.) Unsere alten Ideale werden unsere Kraft im Wahlkampf beleben. Zum Wiederaufbau Teutschlands könncn wir nur auf dem Boden der Demokratie kommen und auf diesem Boden werden wir uns durchkämpfen zum Sozialismus.(Stürmischer, minutenlang anhaltender Beifall.) Während der Rede de? Genossen Müller hatte sick ge- zeigt, dost eine nicht unbeträchtliche Minderheit von Un» abhängigen und Kommunisten im Saale war. Tie fortgesetzten Störungsversnche von dieser Seite wurden vom Genossen Müller jedesmal)o treffend zurückgewiesen, dass die radaulustigen Element« z u m Schweigen kamen. Als Müller nach Schhrss seiner Rede v»n der Bühne abtrat, machte die Minderheit einen unge- henren Lärm und verlangte, Müller solle dableiben. Darauf teilte Müller mit, dass er sich nicht der Tiscknssion mit den Gegnern entziehen wolle, sondern dass er im Garten(wo sich Taufende angesammelt hatten, dir im Saale keinen Platz mehr gefunden hatten) reden wolle und dass er sich nach- her den Diskusstonsrednern zur Verfügung stelle. Nun erhielt die zweite Referentin, Klara B o h m-S ch» ch- das Wort. Die Minderheit verhielt sich aber so provozierend unruhig, dass die Rednerin kaum in allernächster Nähe zu ver- stehen war. Nachdem sich die Rednenn kurz« Zeit vergebens bemüht hatte, durch im Hintergründe des-Saales veranstal- teten, immer stärker werdenden Lärm durchzudringen, gab sie den erfolglosen Kampf mit den Lärmmachern ans und trat ab. Einige Diskussionsredner lpradhen unter sortgesetztem Lärm, der durch Pfeifen auf H a u s s ch I ü s- sein verstärkt wurde. Da eine Fortsetzung der Debatte unter diesen Umständen zwecklos war, wurde ein Schluß- a u t r a g gegen die Stimmen der radau machenden Minder- heil angenommen und die Versammlung mit brausenden HochrnfenaufdiedentscheSoziatdemokratie geschlossen, Ausschreitungen in Gleiwitz. Franzosen verpriiffeln Polizeibeamte. Gleiwitz, 4. Juni. Infolge allzu liebenswürdigen Bcneh- cnS eines Mädchens gegenüber einem Franzafen, der sie in Schutz ihm, kam es gestern abend in einem hiesigen Danzlakal zu einer üsten Schlägerei seitens einer großen Anzahl srauzSsischcr oldaten die sich untet Androhung von Waffengewalt Eintritt in e geschlossene Tanzgcsellschast verschafft hatte. Ein städtischer achtnmster, der beruhigend einwirken wollte, wurde ont den wilisien auS dem Lokal hinausgedrängt. Danach stürmten ,0 Franzosen, wie die„Breslauer Morgcnzeitung" meld«, ae in der Stühe liegende Polizeiwache. Die Beamten u r d c n ü b c l z» g e r i ch t e t. u. a. wurde ein schon auf dem ett liegender schwerverletzter Beamter mit dem Seiten- wehr gestochen. Auch die zu Hilfe gerufene Sl»crheits- tizei geriet mit den Franzosen zusammen. Schließlich ergriffen c Franzosen, um sich der Verantwortung für ihre Taten ,u ent- -hen, die Flucht. Heute abend findet eine große Kundgebung tt Gleiwitzer Arbeiterschaft statt, die unter alle« Umluden die Entwaffnung der Franzosen außerhalb des icnstes verlangen wird. Der Gleiwitzer Magistrat sandte Tel:- amme an die Regierung, an die Geschäftsträger der Alliicrtcn in erlin sowie an die Entcntekomviission in Oppeln mit dem Ersuchen, fort einzugreifen, da der Magistrat nicht mehr Herr der Lage sei. ?ns ffalseifen. Paris, L Juni. Der ungarische Friedensvertrag ist heute nachmittag im Trümon-Palast-Hotel unterzeichnet worden. Ungarischer Menschenraub in Wien. Wien, 4. Juni.(Eigener Drahtbericht deS„Vorwärts".) Freitag morgen horte ein Polizelinspektor. der zufällig an der Donau entlang kam, Hilferufe und sah, wie sich ein Mann dagegen wehrte, auf ein Schiff geschleppt zu werden. Der Polizeibcamte wollte auf das Schiff gehen, da man ihm aber keinen Zutritt gewährte, holte er Verstärkung. Auf dem Schiff wurde außer dem Mann, der sich gewehrt hatte, noch ein zweiter gefunden, der in trunkenem Zustand auf das Schiff verschleppt worden war. Die beiden Kerle, die den Menschen- raub begangen hatten, natürlich zwei Ungarn, wurden ver- haftet.__ Neue Pogrome in HuAapest. Wien, 4, Juni.(Eigener Drahtbrricht des„Vorwärts"). Das Blait der ungarischen Flüchtlinge in Wien teilt mit, daß am Montag abend in Budapest mit Knüppeln, Messern und Säbeln bewaffnete Offizierbanden die jüdischen Gäste eines Restaurants angriffe» und neun von ihnen ermordeten. Am Mittwoch erneuten sich die Ausschreitungen, wobei einige hundert Leute die jüdischen Gäste im Hotel Hungaria mit Stockhieben traktierten. Roter Kriegsbericht. Der polnische Druck. MoSkav, 4. Juni. Rndiomeldung. Südwestlich Drisia haben wir einen Angriff des Feindes abgeschlagen. Im Abschnitt von Swenejany sind unsere Abteilungen nach einem erbitterten Kampfe gegen Osten zurückgegangen und kämpfen jetzt in der Um- gebung von Cumilowtffchi. In der Richtung auf Molodetschno dauern die Kämpfe an, wobei einzelne Stellungen ihre B e s i tz e r wechseln. In dem Gebiet« westlich von der B e r e> i n a sind unser« Abteilungen unter dem gegnerischen Druck 1» bis tä Werst gegen Nondosten und Norden zurückgegangen. Im K i e w« r Gebiet kämpfen unsere Abteilungen mit einer feindlichen Abteilung, die aus das O stufer des Dnjcpr befördert worden ist. Im Abschnitt vom T-iarsan sieben unsere Truppen im Kampfe mit einer U e b e r m a ch f der Polen, welche bedeutende Verstärkungen dort hingeworfen haben. Die erbitterten Kämpfe werden lo bis SV Werft nördlich und nordwestlich von der Stodi Taraschtsch-a geführt, wo eS dem Gegner gelang, bis zur Eisenbahn vorzudringen. Er wurde dur chwiederholte Gegenangriffe südlich von Belojcerkva ver- trieben. Unsere Kavallerie hat, durch Infanterie unterstützt. den Feind überfallen und mehr als 600 Polen vernichtet(!). Südlich der Stadt Skwira haben wir den angreifenden Gegner zurückgeworfen. Es wurden Gefangene gemacht und fünf Maschinengewehre erbeutet. Im Abschnitt der Stadt Wapniorka haben unsere Truppen den Widerstand der Polen gebrochen, haben sich der Station KrivoiolSk und einer Anzahl Gemeinden beiderseits der Eisenbahnlinie bemächtigt. Wir erweitern unseren Erfolg in der Richtung nach Norden. Kroflm in Lonüon. Havas meldet auS Washington. Amerika werde auf der Konferenz des Obersten Wirtschaftsrates mit K r a s s i n inoffiziell vertreten sein. „Daily Mail" behauptet, der englische Staatssekretär des Aeussern, Lord C u r z o n, wolle demissionieren, weil er«in ent- schiedener Gegner dieser Perhandsungcn mit Krassin sei. Da das Northcli ffsche Blatt selbst stark gegen Lloyd George und diese Verhandlungspolitik mit Sowjetrußland agitiert, ist diese Meldung mit Vorbehalt auszunehmen. Ein Rücktritt des anti- bolschewistischen Scharfmachers Churchill käme schon eher in Betracht. Fahlen für Sie Wahlen. Mit angespanntem Interesse sieht das deutsche Volk dem Ausgange des Wahlkampfes entgegen. Der 6. Juni wird der Prüf st ein für die deutsche Republik sein, von der Haltung der Wähler, von denen alle Staatsgewalt nach der Verfassung ausgeht, hängt das Schicksal des Landes ab. Also wird man am Sonntagabend mit(frogem Eifer nach den Wahlziffern schauen, die der Draht aus allen Gauen Deutschlands zusammenträgt. Es ist aber notwendig, sich einige Zahlen zum Vergleich vorher einzuprägen. Bei der Wahl zur T-eutschen Nationalversammlung am >9. Januar 19l9 gaben im Deutschen Reich 30 524 848 Wähler und Wählerinnen ihre Stimmen ab, das waren etwa �5 Proz. der Wahlberechtigten. 124 504 der abgegebenen Stimmen waren ungültig. Von den gültigen entfielen auf die einzelnen Parteien: Ein glatter Vergleich mit den Zahlen vom Vorjahr wird diesmal nicht möglich sein, weil einige, wenn auch nicht erhebliche, Aenderungen in der Wahlkreiseinte i l u n g vorgekommen sind. Die heutige Aahlkreisein- teilung sieht noch 35 Kreise vor, während die Wahlanordnung für die Nationalversammlung deren 38 zählte. Der 38. Wahlkreis war Elsaß-Lothringen, das allerdings praktisch für die Wahl nicht mehr in Frage kam, da es abgetreten werden mußte, aber, da der Friedensvertrag noch nicht feststand, formell noch zum Reiche gehörte. Dieser Kreis ist jetzt fortge- fallen. Von den übrigen früheren Kreisen fällt die Provinz Westpreußen als Wahlbezirk aus. Von deni Rest ist der größere Teil zu dem Wahlkreis Frankfurt a. O. geschlagen, ein kleinerer Teil mit 1939 Einwohnern zum Wahlkreis Pommern. Der frühere Wahlkrsis Haniburg-Bremcn-Stade ist getrennt, so daß Hamburg einen Wahlkreis für sich bildet, Bremen ist zum Wahlkreis Aurich-Lsnabrück-Oldenburg geschlagen und der Bezirk Lüneburg, der bisher zum Wahlkreis .Hannover-Hildesheim-Braunschweig gehörte, mit Stade zu einem neuen Wahlkreis vereinigt. Der Wahlkreis Pfalz ist etwas verkleinert, dagegen der bayerische Wahlkreis Fronkon durch den Hinzutritt Koburgs vergrößert, der aus dem Wahlkreis Thüringen ausschied. Die beiden württembergischen Wahlkreise(Neckar-Jagstkreis und Schlvarzwald-TonaukreiZ) sind zu einem Kreise vereinigt worden. Es ist also eine Vergleichsmöglichkeit nicht mehr gegeben, da die Wahlkreise weder der Nummer noch dem Umfang nach mit den gegenwärtigen identisch sind. Zu beachton ist auch, daß die. drei Kreise: 1. Wahlkreis(Ostpreußen): 10. Wahlkreis(O p p e l n) und 14. Wahlkreis(Schleswig. H o l st e i n), jetzt nicht wählen, weil die Abstimmungsfrage immer noch nicht erledigt ist. Die dort gewählten Abgeord- neten zur Nationalversammlung bleiben einstweilen Mit- glieder des neuen Reichstags. Es sind das: in Ostpreußen 7 Sozialdemokraten, 3 Demokraten, 2 Deutschnationale und je 1 Deutsche Volkspartei und Zentrum: in W c st p r e u- ß e n(Abstimmungsgebiet) 1 Sozialdemokrat und 1 Dem«- frat; im Wahlkreis Oppeln: 5 Sozialdemokraten, 8 Zen- trinn, 1 Demokrat, 1 Deutschnationaler: in Schleswig- Holstein: 5 Sozialdemokraten, 3 Demokraten, 1 Deutsche Volkspartei, 1 Deutschnationaler, 1 Bauerndemokrat. Erinnert Euch! Llnö hanöelt danach! Von Hans Gothmann. Es ist gut, sich zu erinnern. Ter Mensch ist vergeßlich, und manchmal mag da- ein Glück für ihn sein. Ost al>er ist«S nicht nur gut, sondern unbedingt notwendig, sich zu erinnern, auch wenn Erinnerung schmerzt, denn es gibt Geschehnisse im Menschenleben, wo Vergeßlichkeit fast ein Verbrechen ist an sich und seinen Mit- menschen. Wo wir mit aller Kraft Vergangenes lebendig machen müssen, um die Gegenwart und die Zukunft zu formen. Wo wir noch einmal die Jahre der Erniedrigung im Geiste erleben und erleiden müssen, um zu Jahren des Glückes und der Erhebung zu gelangen, wo wir aufpassen müssen, daß gewesenes Leid, auf» rüttelndes, schmerzhaftes Erleben, ungeheuerste Tehnsuchr nicht klein und unbedeutend zusammenschrumpft in den ruhiger gcioor- denen Tagen der Gegenwart. Denn nur, wenn wir aus der Ver- gamgenhcit lernen, können wir der Zukunft dienen. Nur wenn wir uns erinnern und zurückrufen in aller Schrecknis, was wir gemeinsam erlitten, werden wir die Kraft haben, aus dem Haß gegen das Alte die Liebe zum Neuen zu zeugen. Und gerade heute, wo in jede Hand ein Baustein gegeben ist zum Tempel der Zukunft, in dem wir alle leben müssen und in dem sich unser Geschick vollenden, entscheiden wird, heute, wo es sich um höchst« Dinge handelt, Freiheit oder Unfreiheit, Aufstieg oder Hinabsturz in überwunden Geglaubtes, heute ist es mehr denn je notwendig, sich zu erinnern, sich noch einmal inS Hirn zu hämmern, was war, sich selbst und allen denen, die geneigt sind, auch Allerbitterstcs allzu rasch im Sarge des VergcssenS zu verscharren. * Hell sind die Straßen im Frühlingslicht. Eine bunte Menschenmenge flutet über die sonnenhellen Wege, geschäftig, freudig, hastig. Man späht in die vielen Gesichter, sieht Gleichgültigkeit, müde Züge des Alltags,»erträumt lächelnde Jung- mädchengesichter, die nach der Freude des freien Abends dürsten, Mütter, die sich fiir den morgigen Tag sorgen und ihrer hungrigen Kinder gedenken. Unendlich mannigfaltig sind die Erscheinungen des Lebens, unendlich mannigfaltig die Sorgen und Freuden der Menschen. Aber der Vergangenheit mit ihrer brutalen Forderung und ihrem unmenschlichen Begehren denken die wenigsten; nur manchmal in einer flüchtigen Minute huscht ein: Gottlob, es ist ja vorüber! über ein banges Herz. Mitten in der Stadt liegt ein großes Gebäude. Aus roten Ziegeln erbaut. Plump. � Gewaltig. Immer noch drohend. Einst war es daS gefürchtetste Gebäude der Stadt. Hiar wurden Menschenschicksale mit einer Handbcwegung, mit einem gebieterisch gesprochenen Wort, gegen das es kein Auflehnen gab, entschieden. Hier hätten die Tränen aller Witwen und Waisen zusammen- strömen müssen, um da? fluchbeladene Gebäude fortzuschwemmen vom Enidboden. Mandate zu versteigern! Hinte? den Kulissen der„Deutschen Bolkspartei". Es ist also anS Tageslicht: D>s„Deutsche Volkspartei* betreib! mit ihren Mandaten einen schmierigen Handel! Wer das ! in e i st e Geld gibt, bekommt daS s i ch e r st e Mandat. Jener Direktor der Spiritusinterestenten, der sich von seinen Freunden lbOOCW Mark erbettelte, weil er damit ein Mandat der Deutschen Volksparlei kau-cn lönnte. wußte sehr wohl, waZ er tat. Die Deutsche Volkspnrlei hat diesen Mann zwar krampsha't verleugnet, weil aus der Sache nicht» geworden ist. Aber in Wirlltchkeit bat dieser Sptritusmann nur nach den allgemeinen Geschäfts- gebrauchen gehandelt, wie sie in der Deutschen Volkspartei üblich sind. DaS beweisen urkundlich die beiden nachstehenden �Schrift stücke, die von der„Schlesischen Volkszeitung* ans Lichl gezogen wurden und grelles Licht ans das Treiben hinter den Ktilisscir der Deutschen Volkspartei werten. Wir erfahren, wie ein Herr v o n R h e i n b a b e n für 300» bis 400 000 Mark sich eine Kandidatur der Deutschen Boltsparrei kaust. Das erste Schrift- stück lauret: Wahlkreis-Verband Breslau. Sebr geehrter Herr! ..... Wir baden... sfir die nächste Woche eine vertrau- liche Besprechung der I n d u st r i e l l e n anberaumt und wollen nun einmal böten, was uns dort für Vorschläge geinachr werden. Neuerdings bewirbt sich ein von Geaeraldirektor Vogler sehr warm entpfoblener Kandidat, der Legationsrat a.D.v. Rdeinbaben um eine Kandidatur. Herr V. Rhcinbaben hat sich bier vorgestellt und bearbeitet die aauze Angelegenheit mir offenbar gutem Geschick. Er hat zunächst sehr erfreuliche Beziehungen ,u den„Breslaner Neuesten Nachrichten* angeknüpft, er verfügt über grof-e Geldmittel, die er uns zur Bcrfügtmg stellen will niid er Hai sich auch erboten, redneiisch überall aufzutreten... Die Sache ist dock die, daß wir, wenn die Wahlen schnell kommen. dann ohne fiiiliuzkrästige und gute Kandidaten in große Schwierigkeiten geraten und daß wir schlimmstenfalls zugreifen müssen, wo sich etwas gutes bietet....* Dem Schreiben, da« vom 9. April datiert war, lag eine Ab« schrift der von Herrn Generalselrerär Solomon geführten Niederschrift über die Verhandlung mit Herrn von Rhtinbaben wegen seiner Kandidatur bei. Sie lautet: Abschrift. Breslau, d. 9. April 1S20. Niederschrift über die Verhandlung mit dem Legationsrat a.D. von Nbeinbaben au? Berlin über seine Kandidatur. R. stellt die Aussicht: A. Die Finanzierung deS Wahlkampfe» mit eigenen und von ihm zu vergedeudei, Geldern.(Ich habe als notwendig eine Stimme von 300» bis 400 000 M. genannt.) B. Die Herausgabe einer zweimal die WoSe erscheinenden Presse, die, 6 Wochen vor den Wahlen beginnend, in einer Auflage von etwa 100 000 Stück erscheinen soll, während die erste Attilage in größerer Ausstartung in etwa 150000 Stück er- scheinen soll, um dauernd als VcrtetlungZblatt in Versammlungen zu dienen... C. Beeinflussung der demokratischen Presse im Sinne einer Mäßigung im Parteikampf. v. Eigene weitestgehende Betätigung und Einrichtung eines eigenen Breslau« Bureaus. E. Zur Förderung der Angelegenbeit am Freitag, den lg. eine Besprechung der führenden Persönlichkeiten aus Bank- und In- dustrickreisen zu veranlassen, zu der er bittet eingeladen zu werden und für die er auch den Besuch von Dr. B ö g l e r oder von desseu Privalsekretär Dr. Freund vermitteln will. gez. Solomon. Den LegationSrat v. Aheinbaben kann die Deutsche Volkspartei nicht abschütteln wie den Spiriiusdireklor, denn v. Rheinbaben ist tatsächlich als Kandidat aufgestellt worden. Die Sache geht sehr einfach zu: Ter Kandidat schießt die Kosten vor, ein paar Großindustrielle beraten binter den Kulisien, und der„Volksver- trete?* der Deutschen Volkspartei ist fertig! So siebt die Partei aus, die vorgibt, gegen Korruption und ungesunde kapitalistische Auswüchse zu kämpfen! Sie selber ist korrumpiertbis aus die Knochen, sie ist die feile und käufliche Dirne des Großkapitalismus. Der Stall Bezirkskommando! Wißt ihr noch, was dies Wort bedeutete? Mütter! Wißt ihr noch, daß dort eurer in Schmerzen geborener Knaben nackte.Körper kühl und gefühllos geprüft wurden, ob sie reif waren für das grausige, wahnsinnige Menschenschlachtcn? Frauen! Wißt ihr noch, daß dort eurer Männer Leiber, entblößt, eine billige Ware, gcwertct wurden, abtaxiert, wie man Schlachtvieh abtaxiert, ob sie geeignet waren, vor Kanonen ge- spannt, in Gräben gehetzt, Maschinengewehren, Fliegerbomben, höllischem Trommelfeuer preisgegeben zu werden? Wißt ihr noch, daß dort von brutalen Gewaltmenschen eure Gatten verhöhnt wur- den mit beißendem Spott, daß man dort die Ernährer eurer Kin- der verächtlich machte und oft bis in die tiefste Ssele kränkte? Wißt ihr, daß um dieses Haus tausend Aengste schwebten, Todes- ängste, tausende Flüche, daß in diesen kahlen, crbarmuneElosen Räumen der Mensch hüllenlos, nackt, preisgegeben war wie das Tier dem rohen Metzger, hilflos vor seinen brutalen Herren stand, gegen die es kein Wehren gab, daß dort jede? Mitleid, jede Liebe, jede menschliche Regung, jeder Hauch von Güte ausgeschaltet war und der grausige Milftarismus seine Opfer kaltblütig grinsend aussuchte? Mütter! Denkt cm eure toten Knaben, denen man gefühllos die Jugend stahl, die man euch ohne einen Funken Mitgefühl, Hohn und Spott auf den bösen Lippen, raubte, als hätten sie euch nie gehört, als hättet ihr sie nie in eurem Schöße getragen! Gattinnen! Die ihr duldet und sorgt: Denkt an die hingemordeten Väter eurer Kinder, die man aussuchte wie Opfertiere, deren Brust man behorchte, ob sie den Märschen durch Nußlands Weiten ge- wachsen, deren Augen man prüfte, ob sie fähig wären, das Herz des Menschen von drüben zu erspähen, der auch Vater und Sohn war wie dxr eure! Bezirkökommando! Denkt ibr noch daran, wenn ihr an dem finsteren Ziegelbau vorübergeht? Geht in das tote Gebäude: Ihr riecht noch den Schweiß der nackten Leiber, die ein Wort machttrunkener Gewalt- Haber und Bolksknechrer dein Kriegsgott ans Messer lieferte! Erinnert euch der Vergangenheit! Und handelt danach für die Zukunft! Und ihr. Mänyer, die ib? heute wieder an Maschinen steht. irr Bureaus arbeitet oder aus der Gefangenschaft heimgekehrt, noch erwerbslos ein elendes Dasein fristet: Erinnert euch der Demüti- gungen, die gcfürchtete Vorgesetzte euch antaten, erinnert euch der Schrecken des Grabenkrieges, des Sturmangriffs, der verlausten Wocken in Dreck und Elend, erinnert euch der toten Kameraden, grausig und� erbarmungslos im Massengrab verscharrt, oder schreiend, hilflos, zersetzt zwischen den feindlichen Gräben langsam verreckend, erinnert euch der eisigen Nächte in Rußlands Schnee, der Hölle des Trommelfeuers, aber auch der SchlemmerkasinoS eurer Bedrücker. die, gewissenlos euch das Fleisch vom Munde wegstahlen, euch in Stresemann erweist sich als ein zweiter Augiasstall, in dem der Mist der politischen Korruption so hoch liegt, daß selbst ein Herkules an seiner Reinigung verzweifeln müßle. Was raten Euch Eure französischen örüüer? Under dieser Ueberschrift richtet die„Freiheit* vom Tonnerstag abend an die Arbeiterschaft einen Appell, für die Unabhängigen zu stimmen, indein sie sich auf einen Satz aus dem linkssozialistischen Pariser Blatte„Populaire" beruft, in dem es heißt: „Ein Sozialist» kann nicht Mitglied einer Halbbürger- liche n Regierung mir einer n: ch t- s o z i a l i sti s ch en Verfassung sein, ar hört dann auf, Sozialist zu sein.— Ob die deutschen Arbeiter wirklich auf die Ratschläge der französifck�n Sozialisten angewiesen sind, von denen man nicht gerade behaupten kann, daß ihre Taktik der franzon- scheu Arbeiterklasse besonders gut bekommen ist— wir Oer» weisen auf die Kammerwahlen vom letzten November und auf den völlig mißglückten Generalstreik in den letzten Wochen— ist zumindest zweifelhaft, �n der französilchen Partei sind es nicht wenige, die mit dieser Taktik und speziell mit der Haltung des„Populaire" ganz und gar nicht einverstanden sind und dk dem bisher maßgebenden Einfluß der Link- radikalen diese Miß- erfolge zuschieben. Aber was raten uns eigentlich unsere französischen Brüder? Im anderen, viel wichtigeren Organ der trau- zösischen Sozialisten, in der„Humamte" vom 1. i�uni schreibt der Berliner Berichterstatter Gen. �Fernand C a u s sy, der sonst aus seinen Sympathien für die Unabhängigen und deren Ziele kein Hehl macht, über die deutsche Wahlbewegung und Schlußfolgerungen, die ans den Land- tagswahlergebnissen in B r a u n s ch w e i g und M e ck l e n- burg-Strelitz abzuleiten wären, folgendes: „Die ständig wiederkehrende Erscheinung scheint eine Einbuße der Mittelparteien zu sein. Diese Erscheinung ist nicht ohne Risiko. Wenn sie zur Folge hoben sollte, daß eine rein bürgerliche Regierung aus Ruder gelangte, die sicher- lich nicht vor der Militärdiktatur zurückschrecken würde, dann könnte niemand behaupten, daß eine der- artige Knechtung der Arbeiterklasse besser wäre alS die gegenwärtige Koalitionspolitik, und daß die Nevolution sich mit größerer Sicher- Heft daraus ergeben würde." Das ist in der Tat eins der großen Risikos, die für die Koalitionspolitik der Mehrheitssozialdeniokratie sprechen. Wir müssen zuerst verhindern, wie es jüngst der Wiener®> nosse eOt t o Bauer für seine Partei sehr treffend aus- führte,„daß das Proletariat auch das ver- liere, was es ha t". Zwischen dem wirklichkeitsfremden Pro- nunciamento des„Populaire", der uns— fi>txnc Huysmans, Renner, B r ant i n g, Staunrng, Tusar, de Brouckere usw.-7 die sozialistische Ge- sinnung abspricht, weil wir und sie die Koalitionspolim für zulässig erklären, und dem nüchternen Urteil des Berliner Berichterstatters der„Hnmanitc", der die Dinge aus eigener Anschauung verfolgen kann, mag die deutsche Arbeiterschaft selbst wählen: dann wird sie am 6. Jum ihre Stimme der Mehrheitssozialdemokratie geben. Die Ausschüsse der französischen Kammer heben den Antrag auf Aufhebung der Immunität de» sozialistischen Ab- geordneten Vaillant-Conturier zugestimmt. Dieser Be- schluß. wenn er im Plenum befolgt wird, müßte eigentlich auto- malisch dw Verfolgung der übrigen 67 sozialistischen Kammer- nritgliodcr zur Folge haben, die sich durch Nachdruck des inkrimi- niorten Aufsatzes Vaillant-Conturiers mit ihren eigenen Unter- schristen mit ihrem jungen Fraktionsgenosscn solidarisch erklärt halben. jeder freien Stunde hinter der Front, wenn das unauslöschliche Erlebnis des Kampfes noch in eurer Seele wütete, wie die Sklaven hetzten und schuhriegelten, euch den Schlaf nicht gönnten und nicht die fünf Minuten, um der« beimatlichen Brief, die heimatliche Zeitung zu lesen, erinnert euch. Landstürnr«, Familienväter, die ihr nie die„Ehre* hattet, vor der eisernen Zeit des Kaisers Rock zu tragen, des Drills in der Ausbildungszeit, wo man euch eurer steifen Glieder wegen höhnte, wo man euch beschimpfte, so gemein, wie ihr nie im Leben beschimpft worden wäret, erinnert euch der Quälerei des glühenden Kasernenhofes, des sinnlosen Parade. Marsches, der Hetze des„RechtS-auf-marschiertl", deS nutzlos ver- gossencn Schweißes, der Flüche und der stumm getragenen Martern! Wißt ihr noch, Männer des tätigen Lebens, die ihr schon eine geachtete Stellung im Leben erworben hattet, die ihr eine Fa- milie versorgtet mit eurer Hände, eures Geistes Arbeit, ihr, die ihr schon etwas geleistet, etwas erarbeitet, etwas gescbasfen hattet. erinnert euch wir ihr von Schnöseln, kaum der Sckulbank ent- wachsen, wie die dummen Jungen bebandelt wurdet, viehisch, brutal, gemein. Ihr alle, Mütter, Väter, Söhne, die ibr die ganze Schmach und Erniedrigung auskostetet am eigenen Leibe bis zur Neige: Erinnert euch der Vergangenheit! Und handelt danach für die Zukunft! Boxi. Boxi. mein lieber Boxi, ist cpm Bulldogge und st« schauerlich häßlich, daß man ihn unbedingt schön finden muh. Er ist übereifrig, wachsam, sckxrrf und auf den Mamr dressiert. Da mein Beruf und eine starke Arbeitslast micht zwingen, die Abende und oft balbe Nächte hindurch in einem großen Hause ganz allein zu Arbeiten, wird Bort bedingt durch eigenes Geselligkeitsgefühl und anderer Leute Fürsorge, mitgenommen. Er selbst schätzt diese? „Miigenommenwerden" als Hobe Ehre und fühlt sich dieserhalb glücklich.?lbevd nir Abend wird er unter den Schreibtisch gepackt. Ich stelle meine Füße auf ihn, denn was man unter den Fitsten lxit. kann man gut regieren, und so kann ich iede unerwünschte Offensive oder Defensive seinerseits dämpfen. Wenn ich ihn trete, quietscht er vor Freude und wenn ich:hn mit meinen Hacken be- arbeite, grunzt vor Vergnügen. Habe ich ihn lange nicht mehr berührt, dann nimmt er lich trage halbe, gebundene Schuhe) die Schleife eines Schuhes tn'S Maul und zerrt daran. DaS heißt: „Du, ich möchte so gerne mal wieder getreten stein.* Hierdurch erinnerr mich Bari an-ine gewisse Sorte Menschen, was an ihm daS einzig sthmvatbistche für mich ist. Denn das Seh- nett dieser Menschen nach der Straffheit, nach der Autokratie, nach dem militärischen Klimbim, der eS mit sich bringt, daß, wenn eine große Uniform auf dem Fußsteig erscheint, eine kleine Unistorm in den Rinnstein stiegt-- es ist doch dasselbe Sehnen, was Boxi hat: „Ich möchte mal so gerne wieder getreten werden." -_ Erna B n sing. Heinrich Mann bat ein Drama„Der Weg zur Macht* nollendet, das den aus der Revolution g e g e u die ReooltUtott aussteigenden Napoleon zeichnet. ftr. 284 ♦ 37. Jahrgang HMsgL öes vorwärts ......—IUI liill iMBIIWWBMBMPMBMMMeBKEg�gggnaül SonnabenK, S.�uni 1920 Die proöuktions- unö Msatzkrise. ' Die Beratungen im Nsichswirtfchaftsrat. �NnterswatZsekretär Professor Hirsch hielt eine Rede, in der er Vorschläge zur Abhilfe oder Linderung der gegenwäriigen krisen- haften Zustände machte. Die Valutabcsscrung hat auch zu einer Zeit angehalten, wo das Ausland alle Ursache hatte, die deutsche Wirtschast skeptisch anzusehen, so z. B. während des Kopp-Putsches und der darauf folgenden Streiks. Ter Erport hat sich gebessert und in einigen Monaten durchschnittlich fast 4 Milliarden Mark er- reicht. Die Behaubtung, dag Deutschland generell nicht mehr kon- kurrenzfähig am Weltmarkt sei, trifft in dieser Allgemeinheit keinesfalls zu. Die Lage ist verschieden, je nachdem die Rohstoffe den Weltmarktpreis haben oder nicht. Im grossen Durchschnitt sind die Weltmarktpreise sicherlich noch nick: erreicht. Wir haben eine durchschnittliche Perteuerung der Lebenshaltung nach der einen Meinung um da? s- bis Ffache, nach anderen das lvfache des Friedensstandes. Im Ausland aber beobachten wir eine Preissteigerung auf das bfache der Friedenspreise. Wenn man annimmt, die Mark sei heute em Sechstel soviel wert wie im Frieden, so wäre ein völliger Aus- gleich von Inland» und Weltmarktpreisen gegenüber den inlän- bischen Kosten der Lebenshaltung erst dann erreicht, wenn die Mark gegenüber der Auslandswährung halb so viel wert wäre wie vor dem Kriege, also vielleicht— 60 Schweizer Centimes. Geht man aber drwon ans, daß die Mark im Inland auf ein Zehntel ihrer früheren.Kaufkraft, gesunken sei, so wäre eine Gleichheit mit den Weltmarktpreisen da, wenn die Mark etwa 30—33 Centimes kostete, Davon sind wir noch weit entfernt. Der Weltmarktpreis ist auch nicht zum fünften Teile erreicht bei den Kohlen— der Kohlenverbrauch lässt der deutschen Industrie noch eine enorme Gxportmöglichkeit—, ferner bei den Arbeitslöhnen. Wenn es weiterhin gelingt, die Ein- und Ausfuhr im Gleichgewicht zu erhalten, und Störungen nnb Gcwalteiugriffe dem Wirtschaftsleben fernzuhalten, so müßte man wohl auf ein weiteres Steigen der Mark rech- neu können. x Die augenblickliche Geschäftsstockung ist verursacht durch das Versagender Kaufkraft, das schon vor der Besserung der Mark l-aann. In früheren Krisenzeiten kam man aber nicht sofort mit Prvduktionseinschränkungen, wenn die Breise zurückgingen. Hcut-c freilich ist das AuSmaß des möglichen Verlustes so gross, daß die Stillegung der Betriebe vielfach, finanziell gesehen, nicht so kostspielig erscheint. Das Verlust- r i s i k o beim Verkauf ist erwrm angewachsen. Darum werden jetzt Betriebe stillgelegt, a» deren Erzeugnisse beim Verbrauch ein grosser Mangel herrscht. Im allgemeinen ist die Lage noch nicht so trübe, wie man es in der Regel annimmt. Viele Industrien sind von der Absatzstockung noch ganz unberührt geblieben; für einzelne Industrien trägt die Krise nur vorübergehenden Charakter. .Kur Stabilisierung der Valuta auf einem Stande, der der «»lkswirlschaft zuträglich ist, müßte man mit einer planmäsiigcn Regelung der Teviscnwirtschaft »»rieben, für die beute in der Devisenbeschaifungsstelle bereits An- sätze vorhanden sind. Weiter ist es notwendig, eine Umgruppierung der Arbeiterschaft unter den Betriebsmitteln in solchen Erwerbszweigen vorzunehmen, '.an denen man weiss, daß sie für die nächste Zukunft nnwirt» schaftlich sind. ES ist bisher gelungen. 70— 80000 Arbeiter in den Kohlenbergbau zu bringen. Die Erhöhung der Leistungen der Eisenbahn und der Industrie geht auf die Steigerung der Kohlen- förderung zurück. So sollien auch die Arbeiter, die durch die De- im?k>ilmack»ung in Betriebe gebracht wurden, wo sie nickt voll be- ssfästigt werden können, in wirklich volkswirtschaftlich nützliche Arbeit, wo irgend angängig, überführt werden. Ferner bietet sich eine gewisse Möglichkeit der Steigerung des ErPortes durch die K r e d i t v e pt r ä g e mit anderen Staaten. Um zu verhüten, dass solcke Erwerbszweige, für die nock Produk- nonsmöglichkeilen vorhanden sin, Stillegung erfolgen lassen, nur wegen des AbsatzrisikoS, wird man z. B. in der Schuhindustrie den ' Weg erproben können, die Ausgabe für die sonst notwendig wer- � dende Erwerbslosenfürsarge der sogenannten prvdakiive» Erwerbslosenfürsorge zugute kommen zu lassen, indem während der Zeit ver Arbeits- - stockungen für eine gewisse Deckung des Risikos(z. B. auch inner» l halb der Rotstandsversorgung) gesorgt wird. Dabei muß natürlich ! für eine Ausschaltung unangemessener Unternehmergewinne ge- ] sorgt worden. In der Schuhindustrie könnte das so vor sich geben, daß die Reichsjchuhversorgung Aufträge erteilt und daß zu den Kosten der billig herzustellenden Schuhe Zuschüsse geleistet werden. Es wäre auch zu erwägen, inwieweit der besonders schwer betraf- Niemand versäume die heutigen Wählerversammluugen. Zehlendorf:„Kaiserhof", abends 7l/z Uhr: öffentliche Wahlversamrn- lnng. Referent: Genosse Staatssekretär H e i n r i ck S ck u l z. Tcmpelhos: Im Lyzeum, Germaniastrasse. grosse öffemlicke Wählerversammlung, abends?>/, Uhr. Referent: Genosse Reichs- kanzler Hermann Müller. Obccschöncweide: In der Aula des Hindenburg- Realgymnasiums. 7>/z Uhr: grosse öffentticbe Wählerversammlung. Referent: Genosse Louis Brunner. Biesdorf: Im Sckillersaal, Königstr. 720, abends 7l/t Ubr: öffentliche Wahlversammlung. Referent: Genosse Franz Stein- weg. Schmargendorf: Lyzeum, Spandauer Strasse, abends 71l3 Uhr: grosse öffentliche Wahlversammlung. Referent: Genosse Robert Breuer. Wilmersdorf: 7V8 Uhr. in der Aula des Bismarckghmnassums, Pfalzburger Strasse 30/31. Referent: Reichslagslandidat Jobannes Hass.' Thema:„Auf zum Sieg". fenen Industrien, deren Artikel für den inländischen Bedarf wicht unbedingt erforderlich sind, Ausfuhrerleichterungen gegeben werden können, wie jetzt für die Schuhindustrie die Ausfuhr von Luxus- schuhwerk erlaubt wird. Gen. Wissell bemängelt, daß die Regelung der Ausfuhrabgaben viel zu spät erfolgt sei. Die Verspätung habe Milliarden und aber Milliarden gekostet. Ter Gründung eines Reichsfonds zur pro- duktiven Abhilfe der Arbeitslosigkeit stimmt er zu. Gen. Dr. Striemer führte den Konsumentenstreik darauf zu- rück, ixrss eine allgemeine Norm für die Proisbildung fehle. Man habe keinen Massstab zur Beurteilung, welcher Preis angemessen sei. Tie Arbeilnehmerorganisationen müßten sich gegen eine Still- legung wichtiger Betriebe webren. Die Fachverbände sollten durch Lombanrdierung augenblicklich nicht absatzfähiger Waren Kapital ' zur Weitrnührung der Betriebe bei Solidarhalt schassen. Gen. Cohen vom Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbund gab in längeren Ausführungen den Standpunkt der Arbeitnehmer- Vertreter bekannt. Er bestreitet im Gegensatz zu den Vertretern des Handels und der Industrie, daß keine übermäßigen Valuta- gewinne gemacht worden seien und führt als Beispiel die Schreib- Maschinen- und Automobilindustrie an, die den dringenden Inlandsbedarf vernachlässigt, um übermässig hohe Auslandsgewinne einzustreicken. Seiner An- ficht nach gibt es keinen Käuferstreik, denn der Konsument kauft nicht etwa, weil er nicht will, sondern weil er nicht kann. Die übermässigen Dalutagewinne waren unreckümäßig und gehörten nicht dem Handel und der Industrie. Es ist ein Akt ausgleichen- der Gerechtigkeit, wenn diese übermässigen Gewinne jctzt bei der ungünstigen Marhlage zum Wohle des Ganzen wieder zugesetzt werden."Die Arbeitsgemeinschaft müsse liquidieren, wenn sie in den Fragen der Verfassung, der Ausfuhrgewinne und der In- beiriebhaltung lebenswichtiger Fabriken versage. Es ist Volks- wirtschaftlich nicht zu verantworten, dass es dem einzelnen Unter- nehmer überlassen bleibt, ob er seinen Betrieb schließt, wenn er vorübergehend wenig oder nichts verdient. Tie Arbeitnehmerver- treter verlangen jedenfalls Sicherung der Existenzgrundlagen der Arbeiter über das Friedensmass hinaus. Dr. Hilferding(Cbefrcdakteur der Freiheit): Die Bericht- er stattung in wirtschaftlichen Angelegenheiten ist jetzt außer- ordentlich schlecht. Die Folge dabin ist eine völlige Desorientie- rung der öifentlichen Meinung im Gegensatz zu England, das bes- ser unterrichtet wird. Es ist ganz unmöglich, dass sich unsere Zah- lungsbilanz und unsere Valuta bessern, wenn wir nicht mit dem Notendruck stoppen. Unsere ganzen direkten Steuern stehen auf dem Papier. Die Steuersätze entsprechen denen Englands und Amerikas, nur werden sie dort wirklich bezahlt. Tie Volkswirtschaft allerdings wird an der viel zu grossen Betätigung der Norenpresse nicht zugrunde gehen; aber alle diejenigen Volksgenossen, die auf feste Bezüge angewiesen sind, sinken in ihrer Lebensführung immer tiefer. Daß die Exportabgabe unerträglich ist, müßte erst im Einzelnen bewiesen werden. Die jetzige Absatzkrise kommt aus der Inflation. Die Kaufkraft bleibt immer weiter zurück hinter dem Sieigen der Preise. Hierdurch ist die Krise erzeugt worden. Die jetzige Situation ist so, daß man ihr nicht bloss mit Arbeitslosenunterstützung entge- gentretcn kann. Die Produktion darf unter keinen Umstän- den unterbrochen werden; man muß dann eben eine zwangt»- weife Weiterführung der Fabriken anstreben. Nicht die Hebung der Valuta ist das eigentliche Problem, auch nicht eine künstliche Scn- kung, sondern ihre Stabilisierung auf einen Punkt, der etwa der Kaufvarität entspricht. In der Spezialdebatte über Ausfuhrabgabcn widerlegt StaatSsekoetär Hirsch die Auffassung, dass daS Ausland durch die soziale Abgabe eine Art Steuer an das Deutsche Reich leiste. Zusammenfassend sei zu sagen, daß in der Debatte rccht wertvolle Tatsachen mitgeteilt wurden, die bei der Bearbeitung des Ausfuhrabgabentarifs und bei der Behandlung der gegenwärtigen Wirdschastsprobleme Berücksichtigung frndcm wenden. Direktor Krämer(Vorsitzeiider des Re,ichswirtfchasstsrates) verspricht, daß das Material, das bei dieser Tagung des vorläufigen Wtrtfchaftsrates gesammelt wnrde, mit größter Beschleun' g u n g verarboitet werden wird. An eine Beseitigung der Ausfuh. abgaben sei jedoch nicht zu denken, und zwar in voller Ueberein-.. stimmung mit breiton Schichten der Arbeitgeber, wie mit allen Ar- beitnehmorn. Auch die Arbeiter werden alles zu vermeiden suchen. was den Export behindern und die Industrie ruinieren könnte. Denn wir brauchen die Ausfuhr zur Aufrechterhaltimg unfevcs Wirtschaftslebcms. Damit schließt die Sitzung. Wirtschaft Mehr Stickstoff— mehr Z?rot. Vor dem Kriege wurden in der deutschen Landwirtschast! braucht: 210000 Tonnen Stickstoff. Die in Deutschland m. handenen Werke sind nach dem jetzigen Stande ihrer Fertigstellung und nach der heutigen Lage der Kokerei imstande, zuiammen jähr- lich 310000 Tonnen zu erzeugen. Nach v o l l st ä u d i g e r Fertig- stellung der Werte und Zurückführung der Kokereiindustrie auf den Stand vor dem Kriege aber ist die jährliche Erzeugung aui ins- gesamt 520000 Tonne» Stickstoff zu steigern. Die Hilfsmiltel sind vorhanden, um das aesteckte Ziel zu erreichen. Werden diese 520000 Tonnen Stickstoff im Jahre talsächlich erzeugt und> n' o e n Acker gebracht, und wird gleichzeitig dafür Sorge getragen, dass neben diei'en Siickstoffmengen 1 000000 Tonnen K a l i und voiläufig wenigstens 300000 Tonnen P b o s p h o r s ä u r e jährlich der deutichen Landwirtschaft zur Verfügung stehen, i dann kann diese soviel Getreide, Fleisch und Fett erzeuaen, überhaupt die heimische Erzeugung soweit sichern, daß die Ernährung unseres Voltes wieder voll und reichlich ist. Die Erreichung dieieS hoben aller« dings erfordert, dass die jahrelangen unablässigen Bemühungen des Preußischen Landwirtschaflsminisieriuiiis aui baldige Fertig- stellung der noch im Bau begriffenen S t i ck st o f f w e r k e und die unzureichende Belieferung der K u n st d ü n g e r f a b r i k e>> mit Kohle, Koks bzw. Schtveselsänre nunmehr endlich voll verwirklicht werden. 17j Segen öer Eröe. Roman von Knut Hamsun. 16. SCi-f Tellanraa gab's gdößere V-ränderungen. Ja, nichts war von der ersten Zeit her wiederzuerkennen! Hier waren nun verschiedene Gebäude, ein Sägewerk und nne Mühle, und die öden Strecken waren wohlbebautes Land<■>?. worden. Und noch mebr stand bevor. Aber Inger war�viel- leicht noch am merkwürdigsten, ganz anders wieder und über- aus tüchtig._,. Die Krise vom letzten Sommer batte wobl�mcht auf ein- aiel ihren Leichtsinn besiegen können, im Anfang hatte sie mehrere Rückfälle, sie ertappte sich darausi daß sie von der An- stalt und von DrontbcimS Domkirche sprechen wollte._ Ach. s« kleine unschuldige Dinge! Ihren Ring zog sie vom Finger und ihre so freimütig kurzen Röcke machte sie länger.� Sie war nachdenklich geworden, es wurde stiller auf dem Hofe, die Besuch? nahmen ab, die fremden Mädchen und Frauen aus dem Torf kanien seltener, weil sie sicb nicht mehr mit ihnen einließ. Niemand kann im Oedland leben und nur immer lachen und scherzen, Freude i'"� nicht Lustigkeit. Droben im Oedland bat jede Jahreszeit ihr Wunder, »in immer und unveränderlich sind die dunklen, unermcß- lichen Laute von Himmel und Erde, das Umringtsein nack allen weiten bin, die Waldesdunkclheit. die Freundlichkeit der Bäume. Alles ist schwer imd weich zugleich, kein Ge- danke ist da unmöglich. Nördlich von Scllanraa lag ein ganz kleiner Teich, eine Lache, nur so groß wie ein Aquarium. Da tummelten sich winzige Fischkindcr, die nie größer wurden; sie lebten und starben und waren zu nicbtS nütze, lieber Gott. zu rein gar nichts! EiueS Aliend? stand Inger da und horchte aus die Kuhglocken. Sie börte nichts, denn'Hlles war toten- still ringsum, aber plötzlich vernahw sie Gesang aus dem Aouarium. Er war sebr schwach und beinahe nicht vernebm- lich, nur wie hinsterbend.'DaS war dos Lied der kleinwinzi- gen Fische. Sellanraa lag so günstig, daß die Bewohner jeden Herbst und Frühjahr die Dildgäm«. die über dos Oedland hinflogen. sahen und ibr Rufen und Locken in der Luft droben hören konnten. eS klang wie verwirrte? Reden. Und dann war es ols stehe die Welt stille, bis der Zug vorüber war. Fühlten sich die Menschen da nicht von einer Art Schwäche überfallen? Sie«ahmen ihre Arbeit wieder auf, abar zuvor taten sie einen tiefen Atemzug, ein Hauch aus dem Jenseits hatte sie gestreift. Große Wunder umgaben sie zu allen Zeiten. Im Winter die Sterne und auch die Nordlichter, ein flammendes Firmament, eine Feuersbrunst droben bei Gott.' Hie und da, nichr oft, nicht für gewöhnlich, aber hie und da vernahmen sie auch donnern. Das war hauptsächlich im Herbst, und es war düster und feierlich für Menschen und Tiere. Die Haustiere, die auf der nahen Wiese weideten, drängten sich zusammen und blieben beieinander stehen. Worauf horchten sie? War- teten sie auf das Ende? Und worauf warteten die Menschen im Ocdland, wenn sie beim Grollen des Donners mit ge- senktem Kopfe dastanden? Der Frühling— jawohl, dessen Eile und Ausgelassen- heit und Entzücken: aber der Herbst! Der stimmte die Leute anders. Da fürchteten sie sich oft in der Dunkelheit, und sie nahmen ihre Zuflucht zuni Abendgebet, sie wurden hellfehe- rifch und hörten Vorboten. Manchmal gingen sie an einem Herbsttag hinaus, um etwas bereinzuholen, die Männer vielleicht Holz, die Frauen das Vieh, das jetzt wie unsinnig nach Pilzen suchte— und sie kehrten zurück, das Herz von geheimnisvollen Dingen erfüllt. Waren sie unversehens aui eine Ameise getreten und hatten deren Hinterleib auf dem Pfad festgetreten, daß der Vorderkörper nicht mehr loskom- men konnte? Oder waren sie einem Schneehuhnnest zu nahe gekommen und war ihnen eine Mutter zischend entgegenge- flattert? Und nicht einmd die großen Kuhpilze waren ohne Bedeutung. Ter Mensch wird nicht starr und bleich, wenn er sie nur ansieht. Ein Kubpilz blüht nicht und rührt sich nicht von der Stelle, aber' es ist etwas Ueberwältigenbes an ihm, und er ist ein Ungeheuer, er gleicht einer Lunge, die nackt und ohne hüllenden Körper ein eigenes Leben führt. Inger wurde schließlich recht schwermütig, das Oedland bedrückte sie, sie wurde fromm. Hätte sie dem entgehen kön- nen? Niemand im Oedland kann dem entgehen, da gibt es nicht nur irdisches Streben und Weltlichkeit, da ist Frömmig- keit und Gottesfurcht und viel Aberglauben. Inger meime wohl, sie habe mehr Grund als andere, der Züchtigung des Himmels gewärtig sein zu müssen, sie würde wohl nicht aus- bleiben, sie wußte, daß Gott an den Abenden durch das ganze Oedland streifte und fabelhaft gute Augen hatte, er würde sie schon finden. In ihrem täglichen Leben war nicht so sehr viel, was sie hätte anders machen können. O. sie konnte den goldenen Ring zu unterst in ihrer Tasche verbergen und sie könnt an Elesus schreiben, er soll« sich auch bekehren; aber außerdem blieb wohl nichts anderes übrig, als selbst gute Arbeit zu leisten und sich nicht zu fchonen. Ja. eines konnte sie doch noch tun! Sich in demütige Kleider hüllen und nur am Sonntag ein schmales blanseidenes Band um den HalS tragen, um einen Unterschied vom Werktag zu machen. Die;e unechte und unnotwendige Armut war der Ausdruck für eine Art Philosophie, für Selbsterniedrigung, Stoizismus. Das blauseidene Band war vertragen, war von einer' Mütze abge- trennt, die Leopoldine zu klein geworden war, es war da nn. dort verblichen und gerade heraus gesagt auch etwas schmutzig — nun gebraucht es Inger als einen demütigen Sonn- tagsstaat. Jawohl, sie übertrieb und machte die Armut in der Kütte nach, sie trug ein? falsche Armut zur Schau — wäre ihr Verdienst größer gewesen, wenn sie zu � einem so geringen Staat gezwungen gewesen wäre? Laßt sie in Frieden, sie hat ein Recht auf Frieden! Sie übertrieb großartig und tat mehr, als sie mußte. Es waren zwei Männer auf dem Hofe, aber Inger paßte wohl auf, bis sie fort waren, und sägte dann Holz; wozu sollte nun diese Oual und Züchtigung gut sein? Sie war ein ganz unbedeutender, ganz geringer Mensch, ihre Fähig- keiten waren recht gewöhnlich, ihr Tod oder ihr Leben würde nirgends im Lande gemerkt werden, außer hier im Oedland. Hier war sie beinahe groß, jedenfalls war sie die größte, und sie meinte, sie sei aller der Züchtigung, die sie auf sich selbst verwendete, wohl wert.— Ihr Mann sagte:„Sivert und ich haben darüber gesprochen, wir wollen nichts davon wissen. daß du unser Holz sägst und dich llberschaffst."—.�ch tue es um meines Gewissens willen," entgegnete Inger.' Um des Gewissens willen? Das stimmte Jsak wieder nachdenklich: er war jetzt ein Mann in Jahren, langsam im Ueberlegen. aber gewichtig, wenn er schließlich seine Ansicht sagte. Das Gewissen mußte doch recht kräftig sein, wenn es Inger so vollständig hatte umwenden können. Und was es nun auch sein mochte, aber Ingers Bekehrung wirkte auch auf ihn ein, sie steckte ihren Mann an, er wurde grüblerisch und zahm. Das war ein sehr schwerer, fast unüberwindlicher Winter; Jsak suchte die Einsamkeit, suchte Verborgenheit. Um seinen eigenen Wald zu schonen, hatte er nun im Staats- wald an� der schwedischen Grenze noch einige Strecken mit guten Bäumen dazu gekauft— aber er wollte beim Fällen dieser Bäume niemand zur Hilfe haben, er wollte allein sein. Sivert wurde befohlen, daheim zu bleiben und auf die Mutter aufzupassen, damit sie sich nicht zu sehr anstrenge. (Forts, folgt.) Vollzogene KapitalserhShaug in sttventscheu Znckerring. Durch Beschluh der Generalversammlung der Zuckerfabril Frankenlkal wurde die Erhöhung de« AttienlapitalS von 14,4 Mill. Marl um 13,2 auf 27,6 Mill. Marl beschlofsen. Gleichzeitig wurde da« Stimmrecht derVorzugSaltien verdoppelt. Wie die »Telegraphen-llnion* dier�u weiterhin meldet, genebmigten gleich- zeitig die Generalversammlungen der Badischen Gesellschaft silr Zuckersabrilation, der Znckeisadrik Stuttgart und der Zuckeriabril Heilbronn erhebliche Kapital-erböhungen, so daß die Geianiisumme de« Altenkapitals dieser vier in der T c m e i n s ch a f t s ü d- deutscher Iuckersabriken zusammengeschlossenen Finnen sich nunmehr aus 22,8 Mill. Marl beläust. Die vier Gesell- schaften baden im übrigen erst kürzlich eine gemeiniaine ge- samtschuldnerische Anleihe in Höhe von 39,6 Mill. Mark ausgegeben. Vergütung für Ablieferung»»« Tierkirpern an Abdeckereien. Auf Grund der im Neichsgesetzblatt Seile 891 verössentlichten Verordnunq vom 4. Mai 1926 über die Festsetzung von Vergütungen für Ablieferung von Tieirörpein au Abdeckereien können die Landes- behörden auch in den Fällen, wo bisher die Festsetzung von Ver- gülungen durch die VcrwalluiigSbebörd« nicht in ö g l i ch war, die Entschädigungen der Ticrbesitzer iür die Ablieferung der Kadaver an die Abdeckereien regeln. Den privilegierten Ab- deckereien kann die Verpflichtung zur Fablunq angemessener Vergütungen und zwar für sämtliche der Ablieferungspflicht unterliegenden Tiere und Tierlörper auferlegt werden. Der Preutzischc LandwirlichaflSministsr hat demgemäß die RegierungS- Präsidenten angewiesen. Weitere Betricbscinschräukimgen In der thüringischen Industrie. Eine ganze Reihe Pösznecker Textilbetriebe lassen wöchentlich nur noch drei bis vier Tage arbeiten. Auch im Metallgewerbe verschärft sich die Krise. Dort kommt ein cihöhier Lohniaiif dazu, um die Kliie zu erschweren. Infolgedessen bat sich eine Firma bereitS zur Kündigung des gesonnen Personal« entschließen müsicn; eine andere hat zunächst weitere Enilasjungen vorgenommen und weitere Kündigungen in Aussicht gestellt. Die Bildung ciiirr Wiircnlrcdit- und Treuhandgesellschaft für die gesamte süddeutsche Industrie ist. wie die.Frkf. Zlg.� meidet, mit einem Kopital von 16 Mill. M. bei 2ö Proz. Einzahlung geplant. ES soll nach dem Vorbild der Hamburgischen Warentren- h a n d- A k t.- G e s. in Haniburg eine Gesellschaft gegründet werden, welche den Vcrcdelungsverkehr mit dem AuS- lande fördern soll. Holländische Interessenten sind beteiligt. �.Aufkomme» der südafrikanischen Kohlenindustrie. Obsck.on ,» r i k a lind England nach wie vor die hauptsächlichsten .e'eranien für den Weltkablenmarkt sind, macht sich doch in der .'tzten Jen die südafrikanische Konkurrenz bereits außerordentlich gellend. Wie die„Telegraphen-llnion� meldet, werden gegenwärtig regelmäßig Kohlen aus Südafrika nach Marseille verladen. Der Preis beträgt in Natal 86 bis 32'/z Schilling, 'äb«rcnd man in London für Bunkerkohle 155 Schilling und in urdiff 126 Schilling bezahlt. Trotz deS langen Weges stellt sich - Naialkohie in Marseille ganz bedeutend billiger als 'glische; auch die Versorgung des SuezkanalS geschieht on in ganz erheblichem Maße durch südafrikanische Kohle m haben auch in Holland und Dänemark eine Reihe dustrieunlernehmen günstige Erfahrungen mit dem "n afrikanischer Kohle gemacht. GroßSerlw , Höhere* Jugenö. In einer Versammlung, die in der Aula eines Berliner Gymziasiums stattfindet, sprechen Lehrer und Lehrerinnen gütige, versöhnende Worte. Sie möchden ein deutsches©er schlecht heranbilden, das seinen Wert nicht in Klossenüber- Hebung mnd Rassenstolz, sondern in kraftvoller Entfaltung der Persönlichkeit empfindet. Nicht Sklaven der Macht, nicht charakterlose Staasdrener wollen sie erziehen, sondern Urteils- ählge, vm stet) selbst verantwortliche Menschen. Unter den 'twin befinden sich viele stinge Leute beiderlei Geschlechts. re jubeln? Sie freuen sich wie junge Fohlen, die im ommerwind ihre Kräfte fessellos entfalten dürfen? Sie eigen jenes stolze Fr«3!eitIbewußtsein, das zu allen Zeiten das schöne Vorrecht der Jugend gewesen ist? Nein. Sie lachen. Sie johlen. Sie unterbrechen den Redner, einen im Amt ergrauten Lehrer, dem man die Liebe und den Ernst zu seinem Beruf ansieht, durch freche Zurufe, sie lärmen auf mitgebrachten Pfeifen. Ihr ohrenbetäubendes Huh-huh verwandelt den Saal in einen Viehstall. Die Diskussion beginnt. Ein junger Arbeiter tritt aufs Podium. Mit leidenschaftlich erregter Sfimme, aber un- gewandt, spricht er davon, daß auch der Arme ein Recht auf g habe und sich nach ihr sehne. Die Jugend schweigt. Ihm folgt ein Achtzehnjähriger mit blasiertem Gesicht und der verlebenden Sicherheit ererbter Vorrechte. Unterschiede müssen sein, rasselt er mit schnurrender Stimme, eine Herren- klasse solle den Staat lenken, das sei echt germanisch, alles andere sei internationales Gerede, und vor allen Tingen müßten alle Fremdstämmigen beseitigt werden. Die an- wesende Jugend rast vor Begeisterung. Und nun— o Mütter der ganzen Welt, verhüllt eure Häupter— redet eine Sechzehnjährige, nein kreischt, überschlägt sich in Begeisterung für den Krieg, für Verfolgung Andersgläubiger, für Haß und Niedrigkeit. An einer Wand hängen die Bilder von Lessing, Goethe, Schiller, Kant. Ter Blick fällt imnier wieder auf sie. Treten sie nicht riesengroß aus ihren Rahmen? Schreiten sie nicht mit stumm verzweifelnder Gebärde durch den Saal und durch die Tür ins Freie, als wollten sie fliehen vor einer Jugend, die den Namen Deutsche schändet? Lessing spricht:„Ich habe umsonst die Achtung vor allem Menschlichen, die Gleichberechtigung aller Bekenntnisse epredigt." Goethe blickt mit seinen strahlenden Olympieraugen, die alles Irdische liebevoll durchdrangen, verständnislos auf ein Geschlecht von Bastarden. Schiller bewegt leidvoll die edel geschwungenen Lippen und summt, in Erinnerung an ferne Zeiten vor sich hin: „Seid umschlungen Millionen. Diesen Kuß der ganzen Welt." Kant redet mit gesenktem Haupt:„Der ewige Friede ist keine leere Jöee. sondern eine Aufgabe, die ihrem Ziel bestimmt näher kommt." Während sie hinausschreiten, ertönt hinter ihnen wildes Gejohle, � schrilles Pfeifen und das Hub-huh des DiehstallS. Verächter deutschen Geistes, elende Jugend, euer Ratio- naliswus ist die tierische Raserei eines blutgierigen Indianer- stammes. Der Zoo wählt. Das Nilpferd: Deutschnational; denn auch bei einem neuen Krieg gehen durch sein dickes Fell keine Kugeln. Der Bär: Deufiche Volkspartei; denn er ist gewöbni, an der Nase geführt zu werden. Das Kamel: Deutschnational; denn es ist aus seiner Wüstenzeit gewöhnt, acht Tage ohne Nahrung auszuhalten und hofft auf die Wüste Deutschland. Der Esel: Liste Stresemann; den« er geht nicht gern vom Fleck und hofft, daß ti mit dem Wiederaufbau ähnlich ist. Das Chamäleon: kann nicht wählen; denn es ist gestorben aus Gram darüber, daß es von Strese- mann und seinen Freunden am raschen Farbenwechsel übertroffen wurde. DieKrebseim Aquarium: knobeln zwischen Deutschnational und Volkspartei, wo es am schnellsten rückwärts geht. Die rückgratlosen Weichtiere suchen noch in den Programmen der Deutsckmationalcn nach dem Passus, der die Wie- derkehr des guten Kaiser Wilhelm verheißt. Zur unseren Sieg am H.Funi. Der K. Jnni mich auch in Groß- Berlin zu einem Siegcstag der Sozialdemokratie werde. Das setzt voraus, daß alle Parteigenossen„nd Genossinnen ihre Pflicht tun und sich zur Mtarbeit bei üer Wahl zur Verfügung stellen. Wir dürfen nns von den sicbcrhast arbeitende» gegnerischen Parteien nicht beschämen lassen. Alle zur Arbeit bereite» Genossen melden sich am Sonn- tag um 7 Uhr morgens im Zenttalwahlburcan ihrer Abteilung. Genossen, erscheint alle! S.p.d.-Zentralwahllokale öer Serliner Meklnngen. 1. Abt. Haverlands Festsäle, Nene Friedricbstr. 35 lNorden 4?34). 2.„ Slbirm. Cbarloitenür. 7/3(Mpl. 11 156). 3., Ernst Krncbt, Lützowstr. 166 lLtzw. 8712). 4.„ Nationalbof. Bülowiir. 36 iflmrf. 864). 5.„ Keutner. Hagelberqer Str. 26s lLtzw. 9769). 6.„ SadliriSti, Mariendorker Str 6, Ecke Solmsstraße(Ltzw. 8919). 7.„ L>öike. Berqmannilr. 69?fferibar. 12 lMvl. 15 238'. 13.„ Steinte, Ritterstr. 115 lMpt. l16 612)). 14.„ Krüaer, Engeluler 13(Mpl. 11763). 15.„ Große. Blumenstr. 88. 16., Sckiukert, Riidersdorker Str. 3 lAlex. s1S63s). 17.„ Lojak. Beymestr. 8(Alex. 2576) 18., Tiedke, Litauer Str. 5(Kgst. 1682). 19.„ Kübtz. Schreinerstr. 64. 26.„ Rohrisdoff. PeterSburaer Str. 86(Alex. 874). 21., Pfeiffer, Hamburger Str. 2. 22.„ Oskar Bauer. Große Frankfurter Str. 1(Alex. 1462). 23.„ Gatt, Kri'vrodestr. 8. Ecke Bardelebenstraße(Alex. 224). 24.„ RöSner, Immanuelkiritzstr. 25. 25... Eichler, GollnawNr. 13 lAlex. 242). 26.. Büroeiheim, Alte Schönhauser Str. 28/24(Nord. 1387). �7.„ Dobrohlaw. Swinemünder Str. 11(Humb. 271). 28.„ Altmann, Rhkestr. 2(Humb. 2414). 29„ W. Burg, Prenzlauer Allee 189(Humb. 4666). 36.„ Hermann Grünau, Siablbeimer Str. 36. 31.„ Goldichmidt. Slolpische Str. 86(Humb. 2889). 32.„ Königstadl-Kasino. Schönhauser Allee 65. 33.„ Schenk, Swinemünder Sir. 53. 34.„ Robert Goldbach, Pinetaplatz 7(Humb. 3686). 35. ,. Wcyle, Gerichtstr. 12. 36.„ Bärwalde, Schlegelstr. 8(Nord. 4452). 37.„ Gustav Hübner. Wilsnacker Str. 34(Moab.(9578)). 38.„ Wilhelm Trümver,>FlenSburaer Str. 3(Moab. 7617). 39.„- E. Berger, Levetzowstr. 21(Moab. 7667). 46., Karl Schmidt. Wiclekstr. 17(Hanta 663). 41.„ Liebsch. Birtenstr. 44a(Hansa 642). 42.„ Behren?. Tegeler Sir. 22(Moab 266). 43.„ Meyer. Pankstr. 82(Moab. 7774). 44., Gaßmann, Siettiner Str. 48(Huinb. 3253). 45.„ Faserick. Schivedenstr. 11(Moab. s2465j). 46.„ Groll. Henningsdorfcr Str. 16(Moab. 1989). 47.„ Senkel, Utrechter Str. 16(Moab. 1998). 48.„ Grunewald, Kameiuner Str. 19(Moab. 2984). S.-p.-v.-Zentra?wahlleitung. Das Zentralwahlburean für die ReichtSagswahl in Gross- Berlin befindet sich im BczirkS-Sekretariat, In den Zelten 23 P. »nd ist am Sonntag, den K. Juni, von 7 Uhr morgens ab ge- öffnet. Stimmzettel sind dort erhältlich. Alle wichtigen Mit- teilnngen sowie die Wahlresultate lasse man auf dem schnellsten Wege dorthin gelangen. Telephon: Hansa 1424, 1425, 1444, 1445, 1446. ver öezirksvorftanö. Geplanter unabhängiger Plakat-Unfug? Bon verschiedenen Seiten sind uns Nachricht«» zugegangen, daß die Unabhängige Partei in der Nacht von Sonnabend zu Sonntag auf den Plakaten un'erer Partei, d�x zur Wahl der Kandidaten der S. P. D. auffordern, vor dem ,S. P. D." ein„U." ankleben lassen will. Dadurch sollen die Plakate i n„U. S. P. D."- P l a täte umgewandelt werden. Sollten die Unabhängigen sich wirtlich zu dieiem läppischen Scherz bereiiflnden. io würden sie dadurch nur den Beweis liefern, daß sie wie in der Politik auch im Wahlkampfe zn eigener selbständiger Leistung nicht fähig sind. Für unsere Parteigenossen soll da? ein Ansporn sein, mit noch größerem Eiser das Kleben der Plakate zu besorgen und den schmutzige» Plan, falls er wirklich zur Ausführung kommen sollte, zu verhindern. Tic Wahlzeit am Sonntag ist von 8 Uhr morgens bis 6 Uhr nachmittags. Der Magistrat Schöne- b e r g hatte den Wählern irrtümlich auf den Ausweis- karten die Wahlzeit von 9 Uhr bis 3 Uhr angegeben. Er rechtfertigt dieses damit, daß erst nach Versendung der Aus- weiskarten die neue Wahlordnung vom 1. Mai 1929 zur öffentlichen Kenntnis kam._ Die Mordtat an den Oberlehrer Hemberger. Das Borbrechen an drin Oberlehrer Dr. Hemberger gewinnt weiter an Aufklärung. Die Ehefrau Hemberger erklärte bisher stets)' daß Protze und sie allein von dem Verbrechen gewußt hätten. Ausdrücklich gefragt, ob denn die Tat nicht auch ihrer damaligen Mieterin, der jetzigen Frau Weise aus Brandenburg, nachträglich bekannt gewesen sei, behauptete sie, daß diese davon nichts gewußt habe. Unterdessen hatte jedoch, wie wir mitteilten, Frau Weise ein umfassendes Geständnis ihrer Mitwisserschaft abgelegt. Gestern nachmittag nun wurden die beiden Frauen auf dem Polizei- Präsidium einander gegenübergestellt. Da? Wiedersehen war zunächst etwas bewegt, die größer« Bewegung zeigte jedoch Frau Weise. Diese konnte sich über ihr Mißgeschick, das sie in die Angelegenheit verwickelte, weniger beruhigen, als die Frau Oberlehrer über das Verbrechen an ihrem Manne. Nach den Be- kundungen der Frau Weise über Aeußerungen, die Frau Hem- berger ihr gegenüber getan hat, gewinnt es den Anschein, daß die Frau des Ermordeten mindestens von dem geplanten Verbrechen vorher Kenntnis gehabt und nichts getan hat, um eZ zu verhindern. Nach der Gegenüberstellung fuhren Kriminal- beamte gestern nachmittag mit den beiden Frauen in einer ge- schlössen«» 5hrasldroschte nach dem Tatort in der Urbanstraße, um dort einige Einzelheiten festzustellen. Frau Hemberger be- kündete vor dem Besuche des Tatortes eine große Scheu, cbee merkwürdigerweise ans einem nebensächlichen Grunde. Sie fürch- tete lediglich das Gerede im Hause. Ueber einen neuen Raubmordversuch wird uns in später Abendstunde gemeldet: Ein Raubmordversuch wurde auf den 45 Jahre alten Agenten Otto Schreiber in seiner Wohnung Potsdamer Str. 75 verübt. Der Agent erhielt gestern nachmittag den Besuch des 17 Jahre alten Lehrlings Kurt Roma aus der Nollendorfstr. 35. Der Bursche, der mit der Absicht gekommen war, den Agenten zu ermorden und zu berauben, trat von hinten an den vor dem Klavier sitzenden Agenten heran und schoß ihm von der Seite auS einer dreikalibrigen Pistole eine Kugel in die rechte Schläfe. Der Ueberfallene konnte sich noch erheben und hilse- rufend die Treppe hinunterlaufen. Dadurch wurden Hausbewoh- ner auf den Vorgang aufmerksam. Nun suchte der Bursche sein Heil in der Flucht, ihr wurde von Sicherheitssoldaten und Krimi- nalbeamten, die aus Benachrichtigung durch die Bewohner sofort erschienen waren, gefunden und festgenommen. Schiebungen mit Brotgetreide. Die Steglitzer Kriminalpolizei hatte in. Erfahrung gebracht, daß ein Kaufmann W. 266 Zentner Brotgetreide, die unteb der Bezeichnung Lupine an seine Adresse auf dem Bahn- Hof Steglitz angekommen waren, abladen und in seine umfang- reichen Lagerräume in der Körncrsiraße batte� abtransportieren lassen. Als die Krimmalpolizei zu einer Dnrchsudnmg der Kellereien schritt, stellte sie fest, daß die angeblichen 266 Zentner Lupine aus 186 Zentner Roggen und 86 Zentner Ger st e bestand. Das Getreide wurde beschlagnahmt und der Reichsgetreide- stelle zugeführt. Interessant ist es, daß der Kaufmann W., der außer dieser großen Schiebung auch in verschiedene kleinere Schleichhandclsaesckcäfte verwickelt gewesen sein soll, der Kar- toffeleinkäufcr des Rkagistrais Steglitz war. DaS Aeußcre der Rcisebrotmarkc ist geändert worden" Der bisherige Aufdruck„Reisebroimarkc" ist iortgclassen. Sie lautet über 2 mal 56 Gramm Gebäck. Die Rückseite trögt neben- einander zweimal den Aufdruck„Deutsches Reich, Rei'ebrolmarke 56 g Gebäck." Inmitten dieser Ausdrucke befindet sich der in grüner Farbe hergestellte Reichsadler. Soven nur 56 Gramm Gebäck entnommen werden, so mutz die Reisebrotmarke in der Mitte geteilt werden. Der Druck ist wie bisher aus gelbem Papier mit durchlaufendem Wasserzeichen sowie mit rot und blauen Faiern erfolgt. Durch die Einiübrung der neuen Reisebrotmaiken wird die Gültigkeit der jetzigen nicht berührt. Es gelten als bis auf weiteres die alten und neuen Reiiebrotmarken neben- einander. Es ist aber beabsichligt, die jetzt gültige Reilebrotmarke in einiger Zeit iür u n g ü l t i g zu erklären. Ein U m t a u s ch der alte» in neue Marken ist nicht z u lä s j i g. Von, 7. Juni d. Js. ab findet eine Kürzung der Ration bci llmtaiisch dec k o'nr muliakenBrotkarleir inReisebrot marken nicht m e b r statt. Von dieiem Tage ab werden den Verbrauchern Reise- brotmarken nach Maßgabe der in der Wohusiygemeiiide gewährten Wockenkapimenge an Brot. ausgehändigt, und ztvar werden in Groß-Berlin zurzeit wöchcmlich 1966 Gramm ausgegeben. Auf die Straße gesetzt. Der Mieterverband, Ortsgruppe Norden, teilt uns folgenden unerhörten Fall mit: Ein Herr Becker erwarb im Mai v. I. das in der Voltastraße gelegene Wohnhaus Nr. 49. Um nun darin eine Wohnung zu bekommen, kündigte er sofort dem Ehepaar Goldbach, das dort 13 Arbeiterinnen beschäftigte, seine ans 4 Zimmern bestehende Wohnung zum 1. Okiober v. I. aus und brachie es auch mit Hilfe von Attesten schließlich fertig, daß auf Grund de? Amts- gerichtsurteilS vom 29. April v. I. unterm 15. v. M. daS Mict- einigungsamt der sofortigen Räumung mit einer Frist bis zum 1. Juni stattgab. Es spielt sich also hier, da das Wohnungsamt den Eheleuten Goldbach keine geeignete Wohnung nachweisen kann, der unglaubliche Fall ab, daß 13 Arbeiterinnen brotlos, sowie das Ehepaar cxistenz- und wohnnngslos werden. Auf der anderen Seite erhalten dadurch 4 Privatpersonen trotz des Wobnungs- mangels eine V'erzimmerivohnung. Was nutzt es den Mietern, wenn das WobllfahriSministerium Verordnungen gegen derartige Räumungsklagen erläßt, wenn die ausführenden Organe, d. b. die MieieinigungSämter diese ignorieren. Die Mieterschas: forden daher, daß diese von der Regierung Richtlinien erhalten, die klar und deutlich besagen, wann einer sofortigen Räumung zugestimmt werden darf, damit sich derartige Fälle nich? wiederholen. Möbcllager in Wohnräumen können in Zeiten der Wohnnngs- not nicht geduldet werden. Wenn Möbelhändler in ihren Läden nicht genug Platz für Aufftellung ihrer Waren haben, so sollen sie regelrechte Lagerräume benutzen. Die Hauptsache ist jetzt, daß jedem Nnterkuni'Sbcdürfligen eine Wohnung verschafft wird. Kümmern sich die Wohnungsämter darum. wieviel Wobnungen mißbräuchlich van Möbelgeschäften als Speicher benutzt werden? Rkan mackt uns darauf aufmerksam, daß in Berlin im.Hause Bellealliancestr. 166 eine Möbelfirma außer ihrem großen Laden noch das ganz- erste Stockwerk und einen Teil des ztveitcn Stockwerks mit Möbeln besetzt hat. Dieselbe Firma bat auch im Ncbcnhause. Belleallianeestr. 99, das erste Stockwerk inne und benutzt es zur Unterbringung ihrer Möbel. Daß man die Freigabe solcher Räume erzwingen kann, lehrt eine nns au? dem Westen Berlin? zugehende Mitteilung. Dort hat ein Wohnunasuchender, der über ein ungewöhnliche? Maß von Zäbig- keit verfügt, nach laugen Bemühungen bei oer zuständigen Mob- nungsinspektion durchgesetzt, daß eine bisher von einem Möbel- neschäit als Laaerraum benutzte Wohnung i b m zucnewiescn wurde. Derselbe Gewährsmann meldet uns, daß andere Wohnungsuchende gegen ein anderes Möbelgeschäft beim Wohnungsamt Schöncberg keinen Erfolg gehabt haben. Denkt man in Schöneberg hierüber anders als in Berlin? Lehrstellen für�katurdauweisen. Um die alten handwerklichen Techniken wieder Wn, Allgcnicinout des BaubandwerkS ,u machen bat der Minister für V o l k-5 w o b l i a b r t die Begründung von Lchr- uud Veriiichsstellen iiir Nin.lrba>lmeiien anaereat. Solche Lehrstellen sind mit staatlicher Unterstützung, nrzeit in Z e v e r« n i ck, KrecS Niederbarnim, und in Sora» N/L. eingerichtet. Diese Lehrstellen haben die Reste der alten bandwerkkicken Ueberlieserimaen yeiammelt und führen ikre Bauten unter Verwendung dieser bewährten Tradition au?. In Sora», wo ein erster Lehrgang unter starker Beteiligung am 15. Mai eröffnet worden ist, bat man die Herstellimg des alten, bereits von Giliy beschriebenen Lehmschindeldaches wieder aufgenommen. Nähere Be- dingungen über den Bestich dieter Lehrstellen sind gegen Einsendung von 1 M. durch die Siedlung« gesellschaft Nieder- 5 arnim. Verlin NW. 40, Alcxanderufer 1, III, und durch die Gemeinnützige Heimsiätren-Genossenschafl, So- r a u N'L., beziehen. Hauplmann Schniude in der B eliner Universität. In der Berliner Unidersitäl finden jetzt K.rie über Siedlungsweien statt. Der bekannie Siedlung�prokiikcr.iauvlmarin Schmude wird diese .Nnrie eröfiiici, mit einem Vortrag über mnerc Kolonisation und Wicd'rau'oau. V'llriz Jvrgün im Wallner-Theeter. Frau Jvognn ersang sich schon als Gilda in„Rigol«! to" einen selbst in kühlen Tagen bei- spicl'os beißen Erfolg. Nicht weniger als Frau Flut in den„Lusti- gen Weibern". Oier ist ihre Domäne, liier kann sie den höchsten Trumpf ihrer wirklich charmanten Weibchenhaftigkcit ausspielen, hier mit berückender Grarie in Koprhaltuna und Armbewcgung das Sdiel emeS ganzen AkicS diriaiercn. Mit Leichtigkeit schlägt ibre Stimme an, wendet sich mühelos vom Brustregister zum Kovfton, sie lächelt ibre Läufe mit dem Rhythmus einer erfrischend lustigen Melodie dahin und überschreitet auch nicht für den Bruch- teil einer Sekunde die Schönheit eine? kleinen, runden, sanften Tones ihrer Nachtigallenkeble. Eine schöne Aufführung, deren Gekamtcindruck bei guter.Besetzung nuch der übrigen Hauvtrollcn auch nickt durch andauerndes Vcrschlevven der Tempi und durch einen unmöglich lispelnden Tenor gedrückt wurde. K. S. Zur l'mgebuna des voltiiichcn Korridors wird ad 15. stuni ein neue? desldleunixte? Vci'onenzngsvaar niit S. bi? 4. Klafic»wi'ckcn Breslau lind Stettin cineclegt.?>' Rrppcn bot tieie? Zugpaar günstige Verbindung mit Berlin, in Stettin Schnellzugs- und SchissS- anschluh nach und von Königsberg. Teyww-Ttcrnwarte. Sonntag tt lldr:.Europäische nnd eyotiiche ltagden.- 5 lihc:.Durch den Schwarzwald ins Donairial.* 7 Udr:.Am Lande der Schwarzen.' DicnStaa 7 Ubr:„Weltanschnnung und KimnielSlunde- iVorhaa mit Lichtbildern von Dir. Dr. Slrchendoid). Mittwoch lldr:.Da-' lliniteiniche RcialiviiätSjirinziP und leine Bc- dcutmiq iür die Slslronomic' sBortrag mit Lichtbildern von Dir. Dr. LIrch-nbold). Sonnabend, den 12. Auni, 5 Uhr:.Durch den Schwarzwald WS Donantal.' Mit dem gronen Fernrohr werden ahendz die Planeten Anpiter. Saturn und Mar? beobachtet. Führungen durch daS aktronomtzche Mireum sinden täglich in der Zeit von 2 Uhr nachmittags bis 8 Uhr abends statt."_ GroA-öerlmer parteknachrichten. Heute, 5. Juni: 7. Zlbt. Abends 10 Uhr bc! Sieglnund, Blücherstr. 87: Alle Bezirks- führer, BetriebSvervaucnSlente und Wadlhelier.— DaS Zentralwabl- burean befindet sich bei Höhle, Bcrgmannslr.«9. Wahlheiser werden nötig gebraucht. »1.'Abt. 7 Ubr bei MoIMchmidt, Stolpische Str. 36: Besprechung sämtlicher Funktionäre und ZLahlhellcr. 34. Abt- Trcfsyimtt aller Genossen abends 9 Uhr bei Obligo, Straiinnder Str. II..Zum Naiskeller'. 37. Abt. Wichtige Koifierenz iämtlicher Funktionäre, Betrieb?» bcrlranenSlcute und Vabibelfer. 71/, Ubr, ArluZhot. Perlebcrger Str. 2K. 38. Abt. 71/. Uhr Funktionär jitzung bei Trümper, Flensburger Str. 3 Aeußcrst wichtige Tagesordnung. Schmargendorf. Ocffcnlliche Wählcrverlammlung 8 Ubr im Goetde» Lhzeuni. Svandauer Straße. Referenlen: Genosse Breuer und Ge. noism Tode u Hagen. Thema: Die weltgeschichtliche Bedeuwng des moraigcn Tage?. BeterSdagen(Ostbahn). 8 Uhr, öffentliche WSHIervertammlung bei Madcl, Torsstrahe. Aortrag de! Genoffen Adolf W u I ch i ck:.In letzter Stunde'- Morgen tt. Juni: 44. Abt. Zur Wahlhilfe treffen sich die Genossen und Genossinnen früh 7 Uhr im Lokal von Krüger, Sngeluwr 13. Zahlreiche Beteiligung ist unbedingt crsordenich. 19. Abt. Alle Genossen, welche sich als Wabihclser der Abteilung zur Versügimg stellen wollen, werde» ersucht, um 7 Uhr srüh bei Harwarth� Mirbachstr. 24, zu erscheinen. 30. Abt. DaS Hauviwahlbureau für die Abteilung befindet sich bc« Grünau, Stahiheimerilr. Lv. Alle Genossen, welche am Wahltage helfen und noch leine Funktion erhallen haben, melden sich am Sonntag von 7 Ubr morgens bis 4 Uhr iiachniittagS dort. Lirlitruberg. Air ersuchen alle Parteigenoffen. die noch nicht sür Wahlarbeit-n onpstichtet sind, sich am Sonntag früh 8 Ubr in unicrem Bureau. Niederbarnirnstr. 4, zu melden. Das Zentral-Wahlbureau für Lichtenberg besindct sich im Bureau, Niederbaniimilr. 4. Kgst. 9007. Nrirdenau. DaS Zentral-Wahlbureau befindet sich am Sonntag im Restaurant Hohenzollern, Handjerhstr. 6i. Die Mitglieder werden ersucht, sich zur Waylhilfd dort einzufinden. Soziales. Zulagen zu den Nnfallrenten. Durch Verordnung vom ö. Mai 1920 sind die Rentenzulagen für Unfallrenlen bcrröchtlich erhöht und auf eine andere Rech- uungsgrundlage gestellt worden. Auch sind sie ausgedehnt auf Unfallrcnten von SO Proz. ab(statt bisher von ß6% ProzA, sowie auf Witwen- und Waisenrenten aus tödlichen Unfällen. Die Aus- führungsbestim münzen zu der Verordnung sind noch nicht crgan- gen, auch im übrigen erfordert die Durchführung der neuen Zu- lagen umfangreiche Druck-, Rechen- und Schreibarbeiten, so daß sie trotz aller Anstrengungen erst allmählich in den nächsten Wochen und Monaten zur Auszahlung kommen können. Inzwischen laufen die bisherigen Zulagen von'20 M. monatlich weiter und werden später auf die neuen Bezüge vom 1. Januar d. I. ab verrechnet. Die Empfänger von 60 Proz. und darüber ebenso die von Witwen- und Waisenrenten brauchen, um die neue Zulage zu erhalten, bei ihrer BerufSgenofienschaft keinen besonderen Antrag zu stellen. Die neuen Zulagen werden ihnen von Amts wegen zukommen und durch unnötiges Schreibwerk wird im allgemeinen die wünschenswerte schnelle Abwicklung eher verzögert. Dagegen müssen sich diejenigen Rentenempfänger melden, die aus ver- s ch i e d e n e n Unfällen mehrere Renten von zusammen SO Proz. oder mehr beziehen, weil sie von Amts wegen durch die Berufsgenossenschaften nicht genau festgeitcllt werden können. Der Mehrcrtrag, dev infolge der RenLenerhöhnngen von den Berufsgenossctischafien aufzubringen ist, beläuf: sich übrigens auf zirka 68 Millionen Mark. Gerichtszeitung. Der Falkenhagencr Massenmörder vor Gericht. DaS Strafverfahren gegen den Schlosser Friedrich Schumann aus Spandau, Massenmörder aus Falkenhagen. ist gestern durch Er- öffnung des HauptrerfahrcnS durch die Strafkammer des Land- gerichtS III soweit beendet, daß die Verhandlung gegen S. noch in der in diesem Monat stattfindenden Schwurgcrichtsveriode beim Landgericht III stattfinden wird. Schumann wird beschuldigt: des Mordes in sieben Fällen, und zwar an dem Nachtwächter Engel(1917), dem Lebrcr Paul und dem Schlosser Robert Kiewitt(1918), dem Volontär Walter Rietdorf, der Kon- toristin Eharlotte Biedermann und dem Forstaufseher Niel- bock(1919), ferner des Mordversuchs in 11 Fällen gegenüber dem Amtsvorsteher F r e y m u t h, dem Hegemeister K r c p k e, dem Hilfsförfier Timm u. a. Außerdem lautet die Anklage auf Mordbrennerci(Brandstiftung mit Tötuiigsabsicht), schwerer Notzucht in mehreren Fällen und Einbruchsdiebstahl.— Eine längere und eingehende Beobachtung des Schumann ans seinen Geistes- zustand hat das Vorhandensein irgendwelcher auf?lnwcndung des § 51 hinzielender Momente nicht ergeben. Mus aller Welt. Hungerkrar'ave in Deutsthböhmeo. Die 9?. Volk rung von Aich ist bereits feit fecks Docken ohne Brot und hat auch keine Mchlzuweisungcn crhaltvn, so daß e« anläß' ch des letzten Jahrmarktes zu Plünderungen ge- kommen ist. Gendarmerie und Mililär schritten mit blanker Waffe ein. Tie Lage gibt Anlaß zu ernsten Befürchtungen, wenn n cht'vjort LebenSmittcl kommen. Das Geheimnis von Gufew. Weswegen Ruftland nicht funkeu konnte. Die aus Moskau und Kowno heimgekehrten Milgliedcr der litauischen Friedensabordnung berichten über die große Erplo» sion in Moskau am 9. Mai, welche die drahtlose Telegraphen- station schwer beschädigte, u. a.: Eine mächtige Detonation brachte alle Häuser zum Erzittern, und viele Menschen wurden auf der Straße umgeworfen. Es folgten in kurzen Zwischenräumen drei solcher heftiger Explosiv- nen. Es wurde bald bekannt, daß das mächtige Munition 8- lager im Dorfe Gusew, S Kilomeier von Moskau entsernt, in die Luft geflogen war. Sofort nach der Explosion wurde es durch Militärpatrouillen besetzt. Ein jeder, der einiger- maßen gut gekleidet war, Wurde verdächtigt, die Explosion mit licrvorgeruscn zu haben. Die llnglücksstätte wurde im Iiinkreise von mehreren Kilometern abgesperrt. Das ganze Torf war dem Erdboden glei chg e xn a ch t. Die meisten Bewohner würben getötet, darunter auch die ganze militärische Bc- satzung._ Am nächsten Tage wurde in Moskau die Arbeit zu Ehren der Opfer eingestellt. Selbst die litauische Friedensabordnung mußte ihre Verhandlungen an diesem Tage einstellen. Zahl- reicke Personen wurden verhaftet, und seder, der verdächtig war, dvran beteiligt zu sein, wurde ohne Rücksicht auf seine Ausweispapiere der außerordentlichen Kommission zur Bc- kämpfung der Gegenrevolution überliefert. Revanche für deutschnationale KriegSgebränche. Die Jnter- alliierte Rbeinlaiid-Kommission hat neuerdings angeordnet, daß alle d-uischen Militärpeisofien. Polizei-, Feuerwehr- und Foistbeamte in Uniform die F a b n e n der Entente grüßen müssen. Die Ossi- ziere müssen die Offiziere der verbündeten Mächte gleichen und böberen Ranges grüßen. Alle anderen Deutschen in Uniform müssen Ententeoffiziere grüßen. Weil Wilhelm Baltenherzog werden sollte. Seit Jahr und Tag in Litauen ansässige Reichsdeutsche nnd selbst dort gebürtige Deutsch- slämmige(Deutsch-Litauer) werden des Lande? verwiesen, angeblich dafür, daß sie seinerzeit die deutschen Besatz ungS- truppcn unterstützt hätten. Die Einwanderung Deutscher ist nicht gestattet. Eine Reichsfunkstation Stuttgart wird, wie uns aus Frankfurt gedrahtet wird, eingerichtet. Sic wird in den nächsten Tagen er- öffnet und soll hei Tage eine Reichweite bis zu 900 Kilometer, nachts eine solche von 3000 Kilometer haben. Mit der Tagesreich- weite kann man von Stuttgart sämtliche Stationen Deutschlan'ds anrufen, nachdem der von der alldeutschen Militärkaste uns ein- gebrachte Krieg das Reich so verkleinert hat. Flugplatz statt Landwirtschaft. Die französische Militärver- Wallung beabsichtigt in Rheinhessen bei Bingen einen neuer. Militärflugplatz einzurichten, und zwar in einer der fruchtbarsten Gegenden der Provinz. Alle Einwendungen der deutschen Behörde um Verlegung des Platzes aus den ehe- maligen Exerzierplatz Großer Sand, der sich nicht zum Acker- laitd eignet, wurden von der französischen Behörde abgewiesen. Es sind neue Verhandlungen durch den hessischen Staatskommissar noch einmal eingeleitet worden. Und wem haben wir die über- mutige Fremdhcrschaft zu vevdanken? Den nationalistischen Kriegs. vcrlängercrn! Weiß und schwarz in England. Wie aus London gemeldet wird, kam«S in der Nacht zum 3. Juni in N e w p o r t und M o n- m o u t b zu Reibereien und Revotvcrschießereien zwischen weißen und schwarzen Seeleuten. In den Morgenstunden gclar-. die Ruhe wiederherzustellen. Ein radikales Mittel. Die mexikanischen Behör' schlössen, ein Drittel der Häuser von Bcracriiz zu: die jetzt ausgebrochene Beulenpcst zu bekämpfen. Sport. 3 866 390 M. betrug der T o t a I i s a't o r u i Karlshorster Renntag.— Für K a r l S h o r st w Renntage ausgeschrieben, und zwar werden a werfen für den 8. August 164 000, für den 15. Au den 22. August 210 000 und für den 26. August 1 LMWe MMiilihW. gm wahlbureou des Magistrat», Berlin C 2, Stralauer Straffe 44/15, I. Hof pari, rechts, finden solgc/>dc öfscatllche Sitzungen statt: 1. am Donnerstag, den 10. d. M., mittags 12 Uhr: des Äalilau»schnffe» silr den Reiche tagamadlkrel» 2(Berlin) zu: Ermittlung de» Wahl-rgebnffsr» diese» Kreise«: L. am Sonnabend, den 12. d. M., a) vormittags 12 Uhr: des Berbandsrvadlausichuffea für den Reichstagewafftkrer». verband»(Brand,-ndurg I) zur Ermittlung der Zahl der nut Srund derRrftsvmmen noch aus die verbunt'enen.ffrera. Wahlvorschläge entfallenden Adgcordnctcn und zur 3u> Weisung d-eser Adgcocdueten an den betreffenden Jlceis- wahivorschiag; b) nachmittags 1 Uhr: de« vorgehend zu 1 genannten Wahlausschuffe» zur Verteilung derAdoeordnetensi-'e aus die TZahlvvrschläge für den Reich». tagswahlkrri« Z(SVriin) und Ertlärnng der erforderlichen Anzahl von Abgeordneten für gewählt. Berlin, den 4. Juni 1920, Der Wahlleiter für den RcichstagswahlkreiS 2(Berlin) und zugleich der Vcrbandswahlleitcr für den Reichs- tagswayltreisverdaiid ll(Brandcndurg I). I-oe-Uiling, Stadtrat. (Tgd.-Rr. 879, Wah 20,__ Ankauf Juwelen zum heutigen hoben Kurse Margrafs Co.°£ Kanoniersir. 9 Magenleiden Ein bewährte» Mittel bei Magenschmerzen.Magentrampf Seltenslechen. Sodbrennen. Studlveriioprung ist Wetters SHirtiir. Magncff»■ Magen. vulvor. Täntende Dantichieid. Pre- M 3,50�0. Port.' Broich. geq.. ieporro. Fadrr! Ineltcr, Riedorbreisig a. Rh. Adr. 210. Lnthaanin«! ananiEnanmK ca Q-sichrshaare u. alte häBI, Körperhaare vernichtet sof. schrnerzl.u. radikal, Oepilaior durch Absterben rt. Wurzeln allmählich und für immer. naraot. unschädlich: M. S,— par starken Wuchs M. 7,50, 12,50. Otto Reichel, Berlin 43, Eisenbahnstr. 4, ElniBaliges Anniiot, solider moderner il 3 b 0 B Ullstein-Schnittmuster' A. Wert heim Leipziger Str., Köniffstr. RosentbalerStr., Moritzplatz Qhv bSBIS CRt Hielt. 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Laut»Bayerischem Kurier' hat die dienst- liche Auftlärung über da§ Verhalten der Reichswebrosfiiziere während der Märgvorgänge beim Wehrkreiskommando 7 in keinem ein- zig en Falle ein verfassungswidriges Veibalten von NeichSwehr- ossnieren festgestellt. Im besonderen ist erwiesen, dast von den in den sogenannten»Dokumenten der Konterrevolution' ge- nannten bayerischen Reichtwehrosfi�iercn keiner an dem Kopp» Unternehmen beteiligt gewesen ist.— Aber die ganze Regierung Kohr ist doch das Ergebnis der.Versasiungstrcue'! Die sächststhen Truppen verfassungstreu. Dresden, 4. Juni.(TU.) Generalleutnant von Stolzmann, der Befehlshaber des Wehrkreiskommandos IV hat an die sächsische Regierung am 2. Juni 1929 ein Schreiben gerichtet, in dem es zum Schluß heißt:»Ich erkläre ausdrücklich, gleichzeitig im Namen der mir unterstellten Reichswehrbrigaden 4. 12, 16 und 19, daß diese mit ihren Führern, Unterführern und Wehrleuten hinter mir, geschlossen auf dem Boden der Verfassung stehen und jeden Versuch, diese gewaltsam zu verändern oder zu verletzen, gleichviel, von welcher Seite ein solcher Versuch auch immer kommen sollte, mit ganzer Kraft unterdrücken werden.' Weniger �ollanömilch ins Nuhrgebiet! Weil die Mark steigt. Amsterdam, 4. Juni. Nach»Algemeen HandelSblad' werden die Milchliefernngcn nach dem Ruhrrevier von 69 000 auf 30000 Liter eingeschränkt, da die Regierung das System des Z u- zohlens eingestellt hat. Von jetzt ab müssen die Gemeinden die Kosten ielber trage», und auf diese Weise wird ihnen der G e w i n n bei dem Steigen der Mark zu gering. Ein habsburgifcher General. Wien, den 4. Juni.(Eigener Drahibericht deS.Vorwärts'.) Vor einem Strafsenat aus Mitgliedern des Obersten Gerichtshofes stand der General der Infanterie Lüttgendorf, des Verbrechens des Mordes angeklagt. Er hatte am 13. August l9l4(an Franz Joiephs Geburtstag!) in Schabatz in Serbien drei Soldaten, welche von einer Patrouille eingeliefert worden waren, weil ste am Fluß geschossen hatten, ohne Verfahren nieder. machen lassen, und zwar mit dem Bajonett auf dem Kirchplatz. Er verantwortete sich dahin, daß er die Leute für Plünderer gehalten und nur von seinem Notrecht Gebrauch gemacht habe. In der Verhandlung kam heraus, daß er die Leute nicht einmal gesehen, noch weniger vernommen hatte. Mehrere Zeugen sagen aus, daß zunächst einige Soldaten stch weigerten, den Mordbe'ehl zu erfüllen, so daß der General schließ- lich einen Piofoßen heranrief. Als dieser sich ebenfalls sträubte, drohte ihm der General, ihn als vierten niedermachen zu lassen. Ein Zeuge bekundete, daß Lüttgendorf bei einer Etandrechts- Verhandlung zugleich mit dem Befehl zur Verhandlung die Weisung gegeben hat, die Angeklagten hinrichten zu lassen. Das Ur- lell lautete nur wegen Anmaßung einer Dienslgewalt auf sechs Monate Profoßenarrest. Waffenstillstanü in Eilicien. Die türkische Armee in Kleinasien hat sich als der Entente über- legen erwiesen. Nachdem bereits seit längerer Zeit Verhandlungen mit Kemal angebahnt waren, meldet jetzt die»Times' aus Kon- stantinopel, daß General G o u r a u d. Oberkommissar Frankreichs in Syrien, einen zwanziglägigen Waffenstillstand mit den Nationa- listen in Eilicien abgeschlossen bat. Vielleicht haben dabei schon die Lon- doner Verhandlungen mit Krassin mitgewirkt, der laut„Daily Herald' mit einer kommenden Gefahr sür Englands Petroleuminteressen in Persien und Mesopotamien winkte, was wiedenim Englands Wunsch nach Frieden in Vorderasien und seine Abneigung gegen weitere Hilfe für Frankreich verstärkt haben dürfte. Die Frage ist nur. ob dieser Waffenstillstand die Heranziehung weiterer frmrwsischer Truppen verbietet und wie die Befolgung einer solchen Abmachung gesschert werden soll. Den Frieden mit den Türken wird man aus der Grundlage deS Pariser Diktats jedenfalls ntchl erreichen. Dazu ist den Türken Sowjetrußland zu nahe. Das �Echo üu Rhin' gege� öie Rhein- länöerinnen. Ein Nachrichten bau eou verbreitet folgende Meldung: Das von den Franzosen in Mainz herausgegebene»Echo du Rhin" bchngt einen Angriff gegen den.Vorwärts" und dessen Anregung, daß die doutsche Regierung an alle zivilisierten Nationen mit Ausschluß Frankreichs einen Bericht über die Greueltaten der farbigen französischen Truppen in den besetzten Gebieten zu erstatten beabsichtig«. Besonders erregt sich daS»Echo du Rhin" über die Versich:-rung des„VonvärtS", das ganze deutsche Volk sei über die Greueltaten der Franzosen empört, und erklärr diese Behauptung für eine reine Wahlmache, da insbesondere der rheinischen Bevölkerung nicht das mindeste von Em- p ö r u n g anzumerken sei. Das„Echo du Rhin" behauptet, die offizielle Erklärung der französischen Regierung, nicht die S e"n eg al n ege r hätten die deutschen Frauen, sondern die deutschen Frauen die Senegalneger belästigt und angegriffen, entspräche vollkommen den Tatsackien und erbietet sich, dem.Vor- wärts" ein« Blütenlese derartiger Fäll« zur Verfügung zu stellen. Selbstverständlich führt daS Blatt keine» einzigen derartigen Fall an, aus dem einfachen Grunde, weil ihm keiner bekannt ist. Es 'begnügt sich Vielmahr damit, das Münchener Organ der U. S. P_. D., .Der Kamps", zu-.zilieren, dem es als nahezu einzigen deutschen Blatt vorbehalten geblieben ist, di« französischen Angriffe gegen doutsche Frauen zu untersuchen und der in einer seiner letzten Nummern behauptet bat, besonders die Damen der guten Gesell- schaft im Rheinlande hätten die Neger zu ihren Zudringlichkeiten geradezu ermuntert. Duo unabhängige Blatr geht sogar so weit, vie m England und Amerika betriebene Propaganda gegen die Schande in Europa aii«"ine Mache hinzustellen und den deutsche» Der Wal Stresemanns„Mpftifikation'. Genosse Ernst Heilmann schreibt uns: Herr Dr. Stresemann behauptet, ich müßte am 17. März mit dem Angebot, daß Dr. Leidig und Dr. Stresemann in die Regierungen des Reiches und Preußens eintreten möchten, mystifiziert worden sein; er habe nie ein Telephongespräch mit mir geführt. Dieses letztere ist ivahr. Das Gespräch ist von dem Abgeordneten Dr. Leidig geführt worden, der ver- sicherte, daß er zugleich i in Auftrage und im Namen des Herrn Dr. Stresemann spräche und telephonische Antwort an Herrn Dr. Stresemann erbat. Die.Freiheit" ist neugierig, was ich Herrn Dr. Leidig geantwortet hätte. Ich habe das in der preußischen Landes- Versammlung bereits mitgeteilt, kann es aber gern noch ein- mal wiederholen. Ich sagte Herrn Dr. Leidig, daß nach meiner Ueberzeugung Kapp und Lüttwitz s ch o n o h n e ihre gütig-e Mitwirkung erledigt seien und daß ich daher für die angebotene Unterstützung der Deutschen Volkspartei am 17. März keine Verwendungsmöglichkeit mehr sähe. Sollten indessen die Parteifunktionäre anders darüber denken, so würde ich Bescheid geben. Die Parteifunktionäre haben dann mit lächelnder Genugtuung von der Bereitwilligkeit Leidigs und Stresemanns Kenntnis genommen, in die Koali- tionsregierung miteinzutreten, und wir haben einstimmig beschlossen, die Sache damit als erledigt zu betrachten. _ Ernst Heilmann. Unbttüung, Gefühlsroheit, Geschichtsunkenntnis. In unserer Freitag-Abendausgabe teilten wir im Auszug das Schreiben des Professors v. G i e r k e an die Deutschnationale Volkspartei mit, dessen letzter Satz darin gipfelte, daß die antisemitischen Flugschriften der Deutschnationalen Volkspartei.ein erstaunliches Maß von Unbildung, Gefühlsroheit und Geschichtsunkenntis ver- raten". Während die meisten rechtsstehenden Blätter diesen Satz sorgfältig verschweigen, sieht sich die„Krcuz-Ztg." zu folgendem Geständnis veranlaßt: Wc>S Geheimrat v. Gierke im letzten Satzt über die anti- semitischen Flugschriften sagt, ist hinsichtlich mancher von ihnen bc- rcchtigt. Unberechiigt aber ist. daß die Deutschnationale Partei sich durch daS Verhalten zu seiner Tochter mit dem- jenigen AntisemniSmus identifiziere, dessen Ausfluß diese Flugschriften sind. Die Deulschnationale Volkspartei Hot Fräulein v. Gierke bekanntlich nicht den Stuhl vor die Türe gesetzt, sondern sie in der Partei zu halten gesucht. Wir haben seinerzeit das Schreiben mitgeteilt, in dem der Partei- vorstand darlegt, weshalb er ihr einen aussichtsreichen Platz aus der ReichSliste nicht-nzuräumen vermochte. In ihrem alten Wahl- kreise aber haben die z ständigen Stellen sie allerdings nicht wieder als Kandidaten auigesteat. Es ist das nicht ausschließlich wegen ihrer jüdischen Abstammung geschehen. Indessen mag diese ausschlaggebend gewesen sein. Mit dem letzten Satz straft die„Kreuz-Zeitung" auch die „Deutsche Zeitung" Lügen, die kecklich behauptet, die- Nicht- wiederaufslellung Frl. v. Gierkes sei eine Folge ihrer Politik, nicht ihrer Abstammung. Die„Kreuz-Zeitung" verrät uns, daß die Abstammung ausschlaggebend war! Kunögebung der Jungsozialiften. Zu einer cindruckStoNen Demonstration der Jugend sür Sozialismus, Demokratie und geistige Revolution gestaltete sich die öffentlich: Versammlung der 20- bis 2öjähri>gen Wähler im Gesell- schastLhaus„Hackescher Markt". Genosse Artur Zickler zeichnete ern treffendes Bild von dem politischen und geistigen Antlitz unserer Zeit und stellte dem Jur.gprolctariat die Ausgabe, m sich die neue Gesinnung zu entwickeln, die rnrS allein zum Sozialismus führen kann. Die Jugend mutz sich ihrer großen Sendung bewußt werden, muß lernen und sich bilde n, um das hehre Zukunsls- ideal der Menschheit zu verwirklichen. In diesem Sinne ist Sozia- lismus Arbeit, Arbeit an sich selbst, Arbeit an anderen, Arbeit am Bau der menschlichen Gesellschaft. Zickler schloß unter stür- mischem Beifall der zahlreich erschienenen jugendlichen Wähler mit dem Ruf, am Wahltage der sozialistischen Gesinnung durch Ab- gäbe eines sozialdemokratischen Stimmzettels Aus- druck zu geben. Die anwesenden Mtraradikalen, denen in-der Dis- kussion die iveitcstgebcnden Vergünstigungen eingeräumt wurden, gaben durch ihre Ausführungen dem Genossen Zickler und unseren Diskussionsrednern nur Gelegenheit, unsere Anschauungen in um so g ü n st i g c r e s Licht zu stellen. Mit einem begeistert auf- genommenen Hoch aus die internationale Sozialdemokratie wurde die wohlgelungene Kundgebung geschlossen. Sie bedeutet für die Partei und die Jungsozialiftische Bereinigung einen schönen Erfolg. Frauen den wesentlichen Teil der Schuld an den unglücklichen Ver- hältnissen im Rhcinland zuzufügen. Es läßt sich denken, mit welchem Behagen das„Echo du Rhin" diese Auslassungen des„Kampf" wiedergibt. Es ist nicht das erstemal seit Kriegsende, daß nach einem bekannten Wort der Moskauer kommunistischen Zeitung „P r a w d a"' die„blutbesudelten Stiefel der französischen Generäle von den deutschen U n a b> hängigen geleckt" werden. Die englischen und fran- zösischen Sozialisten, wie E. D. Morel, Daniel, R c- noult, GeorgesPioch usw., die den Mut hatten, gegen die Anwesenheit unid gegen die Taten der Farbigen im be- setzten deutschen Gebiet zu protestieren, werden sich besonders freuen zu hören, wie auf deutscher radikaler Seite ihre Be- mühungen geschätzt' werden: Luise Zieh und der Münchener„Kampf" sargen schon nach Kräften dafür, daß die französischen Militaristen gegen solche„Mache" geschützt werden. Frankfurt a. M., 3. Juni.(Eigener Drahtbenicht des„Vor- wärts".) Aus New Aork meldet die„Frankfurter Zeitung": In den Vereinigten Staaten hat die Bewegung gegen die Ver- Wendung schwarzer Truppen im besetzten Gebiet einen mächtigen Widerhall gefunden. In vielen Städten finden Massen prote st e statt. Die Erbitterung über die schwarze Schmach ist am stärksten in deutschamerikanischen und katholischen Krsrsen._ Deutschöstcrreich kriegt die Rettung vor dem völligen Verhungern nickt geslbentt. Bis zur Abzahlung übernimmt der»Wiedergul- machungsauSsckuß' in Wahrheit die Regierung. Er kann z. B. wirlichafllickie ParlamentSbeichlüsse aufheben lassen und die Annahme seiner Vorlagen anordnen— also Schutzgebiet oder noch weniger. ch Die Eisenbahner. Vor einer gut beiiickncn Versammlung des WerbeauSschusieS der Eisenbahner(Strecke Lchrier Bahnhof) leseriertc letzten Donners- lag im„Bahnswlößchen", Jnvalidenstr. 53. Eijenbahnajsistent Thurau. Er führte in einer zweinündigen Rede der Bersamni- lung vor Augen, in welch schamloser Art und Weise es die icchts- stehenden Parieien verstanden haben, der blinden Masse der deutichen Bevölkerung den wahren Sachverhalt der wirnchanlichen Lage zu verheimlichen und so das Volk bewußt in ein greiHeiiloses Unglück blneinziiführen. Er belcuchlele einzeln die Taktik der bürgerlichen Parleien, von den Demokraien bis zu den Deuiichnaiionalen und die Gründe, welche sie veranlaßrcn, wie die Bankroiteure ihre Firmen zu ändern, unter ganz anderen Namen das Volk ihre früheren Schandtalen vergesicn machen zu wollen. Lebhafter Beiiall lohnte den Redner und indem die Vcrsainm- lung von einer Diskussion Abstand nahm, bewies sie das voll- koniineiie Einverständiiis mit dem Referat. Nach einem kurzen krästigen Schlußwort und mit einem Hoch aus die alte soiialdemo- kratiiche Partei wurde die Versammlung, welche wieder dazu bei- getragen halte, einen Teil Eiienbahner der Partei zuzuführen, ge- schlössen. �Der Gunftiing des MmZfterpräftöenten/ Die Presse der Rechten verbreitet die Behauptung, daß ein Herr Max Siechten st ein vom preußischen Minisielpräsidenten Genossen Otto Braun zum Verwalter von staatlichen Mooren er- nannt worden sei. weil er der Freund Oito Brauns sei. Schon am Mittwoch abend wurde durch die„P. P. N." osfiziös erklärt, daß Braun den Herrn Liechtenstein höchstens zweimal im Leben gesehen hat und er die Stelle auf Grund seiner guten Zeugnisse er- hallen hat. Trotzdem wiederholt die„Post" am Donnerstag abend die Beschuldigungen, ohne von der Widerlegung Notiz zu nehmen. Man könnte also von einer Unwahrheit wider besseres Wissen sprechen. Durch zweier Zeugen Munö. Während die Sozialdemokratie von den S o w j e t i si e n wütend M-vinipft wird, weil sie alle Diktatur verwirft und den Sozialis« mus nur auf den Mehrheilswillen des freien Volkes gestützt dauernden Bestandes sicher glaubt, schreibt das evangelische Wochenblatt„Licht und Leben" in Nr. 2l: Die ganze Sozialdemokratie läuft binaus auf Klassen- Herrschast des Proletariats, das sagt sie selbst. Die blaßrote sagt es verschämt, die knallrote sagt es unverschämt. Also darüber sind wir klar: Der Sozialdemokratie keine S t i m m e I Wenn sie»ns links wie rechlS verfehmen. müssen wir auf dem rechten Wege teilt. Weder ein nationalistlickes noch ein sowjetisti- sches Deutschland kann zu besseren Beziehungen mit dein Ausland und schließlich zur unvlutigcn Revision des Bersaillesdiltats, das die Quelle unseres Elends ist, gelangen! Aufklärung erwünscht. Die„Freiheit" berichtet, daß auf verschiedenen Zahlabenden der U. S. P. D. Offiziere als Mitglieder beigetreten seien und Leute zum Sonntag in den Reichstag eingeladen hätten. wo sie 50 M. und Waffen erhalten würden. Ja, wie kommt eö denn, daß diese Leute von den so ipitzelkunvigen Unabhängigen nicht sofort festgenommen wurden, ganz abgesehen davon daß der Beitritt von Offizieren zur U. S. P. D. offenbar g,«- duld et wurde? Die Meldung bedarf sehr der Aufklärung. Sonderbar ist auch die Mitteilung der„Freiheit", daß Oifizicre durch gekauite Subjclte, die als K.-A.-P.-Leute auslrelen sollten, die Wahl stören und die linksstehenden Kandidaten verhaften lassen wollten. Derartige Veihailungen würden doch von ledermann als Rechts- und nicht alS Aeußersllinksputich ausze- saßt werden. Es wäre denn, der ohnehin so geringe Unicrick.ied zwischen reckten und linken Revancke-Kriegsbetzern. Nurkritikein und Meisterschimpfern verschwände bis zum Wahlmorgcn noch völlig. Sie arbeiten ja sowieso füreinander. Hergt-Stresenrann und Zietz-Zetkin und ohne Lcdebour kein Liiitw'tz. Neber abgerissene Versammlungsanzcigen beklagt sich ein Be- amter des Postamts W. 30. Wie er uns mitteilt, haben es ganz- besonders die Herren P a r d u o s und Reinhardt auf die vom Obmann des örtlichen B.. und A.-Ausschusses unterzeichneten Ver- samiiilungsanzeigen abgesehen, uno zwar nur deshalb, weil sie d?n beiden genannten Herren nicht zur Unterschrift vorgelegt werden! Ja, ja, die gute alte Zeit, in der man die unteren ernten so schön st r a m m stehen lassen konnte! Die„Tcutjchc Wirtschafls- und ArbeitSpartci>?l>isba»parlci)' teilt uns in einer Erklärung mit, daß sie'hre Wahlvorschlä e zurück- gezogen hat. Stimmen für diese Borichläge würden somit«n- gültig sein. Die persische Gesandtschaft in Washington soll die Nachricht ee- halten haben, daß die Bolschewisten in Teheran cingerückS seien(?). Andererseits soll der Schah von Persien soeeben von seiner Europareise in Teheran wieder eingetroffen sein. Empfang in der Heimat. Der schweizerische Sozialist Platten traf aus Sowjetrußland in Jiomanshorn ein. Da gegen ihn vom Generalstreik her nach ein Militärgerichts- urteil auf sechs Monate vorliegt, wurde er bei seiner Ankunft verhaftet. Fix loS, Diiumig und Crispicn,— daß Ihr noch Gnade findet Wie aus Moskau gemeldet wird, soll dort der zweite Kongreß der Kommunistischen Internationale am 15. Juni nboehalien werden. Die übersprungene chinesische Mauer. An Stelle des in den Ruhestand versetzten Bureaudirektors Geheimen Regierungsrats Hoppe ist durch Verfügung vom 16. Mai der Geheime expedierende Sekretär und Kalkulator Georg Br e u h a h n zum Burcandirektor im Landwirtschaftsministerialm bestellt und zum Geheimen Re- gierungsrat ernannt worden. Beschwerdeweg für entlassene Sc/daten. Vom Reichswehr- Ministerium wird mitgeteilt: Unteroffiziere und Mannschaften, die anläßlich der Märzvorgänge entlassen worden sind, haben Wünsche und Beschwerden nicht an das Reichswehrministerium un- mittelbar, sondern an die z u st ä n d i g e n Brigaden und Wehrkreise zu richten. �Dort wird der Fall untersucht und entschieden. Gegen diese Entscheidung steht den Beteiligten Beschwerde beim Reichswehrministcr zu, der hierfür einen besonderen UntersuchungS- ausschuß unter Staatssekretär Stock eingesetzt hat. Unmittelbare Vorlage von Beschwerden oder Wünschen beim Reichswehrminister unter Umgehung der zuständigen Brigaden oder Wehrkreise führt zu einer Verzögerung der Angelegenheit, da das Reichswehr- Ministerium, bei dem Unterlagen für die einzelnen Fälle nicht vor- Händen sind, die Angelegenheit doch an die zuständigen Dienststellen zunächst z u r n ck l e i t e n muß. Der i» Hmibnrg verhaftete Hauptmann Erdmann war zuletzt nicht mehr Leiter der Sicherheitspolizei, sondern bei der Ein- wohnerwehr. GewerWmstsbeVegung Die il. S. p. D. und die Gewerkschaften. Bei Ausbruch der Revolution war die U. S. P. eine Partei ohne Mitglieder. Die Eitelkeit ihrer Fübcer ließ es aber nicht zu, sich den ehctfien Gesetzen der Entwicklung zu beugen. Anstatt für den Sozialismus einzutreten, taten sie alles, um die vom Krieg aus der Bahn geworfenen früher indifferenten, zum großen Teil sogar antisozialistischen Elemente für die U. S. P. einzufanger.. Zu diesem Zweck mußte sie die Unzufriedenheit der wildgewordenen Spießbürger im Arbeiierrock, die 1914„Heil dir im Ciegerkranz" brüllten und 1918„es Wz" jubelten, nach Möglichkeit schüren. Sie stellten unerfüllbare Forderungen auf, über die ihre Vertreter-n der Regierung stolperten, sie peitschten die neugebackenen Gewerkschafter gegen die Bonzen auf, weil sie nur gewinnen konnten, wenn die Unzufriedenheit, wenn der Wirrwarr recht groß war. In völliger Verkennung dessen, was wirklich revolutionär ist, haben sie alle Krakeeler unterstützt, die sich nicht entblödeten, die Spren- gungSversuche, die ihnen selbst in der Partei gelungen waren, in der Gewerkschaftsbewegung zu wiederholen. Als nichts mehr zu verderben war, ist das Zentralkomitee der U. S. P. einmal von diesen Verderbern der proletarischen Kräfte abgerückt. Eine Besserung ist freilich nicht eingetreten, weil die U. S. P. keine ge- schlossene Partei ist, sondern eine mehr lose als feste Vereinigung von III„revolutionären" Sekten. Von Herrn Dr. Geher bis zu Herrn Dr. Kölitz hat in jener Partei jeder„Führer" wieder seine eigene Partei und deshalb blieb auch die viel zu spät erfolgte War nung deS Zentralkomitees vor der Zersplitterung der Gewcrkschat- ten erfolglos. Aus dem Bureau desselben Zentralkomitees bckan: die svndikalistisch-anarchistische Union der Eisen- und� Hüttenarbeiter die Versicherung, daß die U. S. P.„sie nicht im Stiche lassen und der neuen Organisation die Unter st ützung ange- deihen lassen werde, zu der wir irgend in der Lage sind". In dem gleichen Schreiben wird wohlgefällig auf die Absplitterungs- organisationen der S e e le u t e und der Binnenschiffer ver- wiesen. Der unabhängig-spartakistische Seemannsbund bat bal'? darauf einen wilden Seemannsstreik inszeniert, weil ein Bremer Hafenarbeiter— ein Vertrauensmann in der U. S. P.— sich der Diktatur jener modernen Klassenkämpfer nicht beugen wollte. Der Streik hat großes Elend über die Seeleute gebracht, ohne daß für s i e etwas bcraussprang. Die Führer hatten den Verrückten- schein oder den Gefängnis-Cntlassungsschein in der Tasche. Heute sind jene Lieblinge der U. S. P.— Lüttwitzianer. Die unabhängig-spartakistische Binnenschifferorganisation hat stets die Forderungen der Zentralverbände unterboten, um von den Kapitaliften anerkannt zu werden. Während des eben beendeten wilden Binnenschifferstreiks haben die Führer sich von den Unter- nehmern bescheinigen lassen müssen, daß sie den Streik in einer „«uSge sprachen verkehrsarmen Zeit" erklärt haben. Die Unternehmer haben wenig oder gar keinen Schaden, die nicht unterstützten Binnenschiffer büßten den groben Unfug m i t einem Loh»Verlust von etwa 19 Millionen Mark. Ihr Führer ist Reichstagskandidat der U. S. P., des- halb hat dieser Streik, der sich mehr gegen die Zentralver- bände der Transportarbeiter und Maschinisten richtete, als gegen die Unternehmer, auch die U n t e r st ü tz u n g der U. S. P.- P r e s s e gefunden. Es ging ja gegen die gewerk- schaftliche Einigkeit der Arbeiterklasse, da dürfen die Z e r s p l i t- terer der politischen Einigkeit nicht fehlen. Nachdem die Berliner Vollversammlung der unabhängigen Betriebsräte bereits am 7. Oktober v. I. die Betriebsorganisation als gleichberechtigt neben den Zentralorganisationen aner- kannt hatte, kam es im Gefolge der verunglückten Metallarbeiter- streiks zur(vorläufig allerdings nur theoretischen) Abwürgung der Zentralgewerkschaften, damit dem Ideal aller r e vo l u t i o n ä- ren Beitragsscheuen, der Betriebs organisation, das Feld allein überlassen bleibe. Während die„Freiheit" einige ver- legen« Bedenken stotterte, ging der Zentralvorsitzende der Ü. S. P., der„glänzende Kenner der deutschen Gewerkschaftsbewegung", Herr Däumig, scharf inS Zeug für die Zersplitterungsabsichten der„re- Volutionären" Betriebsräte. Däumig, der Führer bei allen gewerk- schaftlichen ZersplitterungSaktioncn, mußte allerdings schließlich doch den Schmerz erleben, daß die Berliner Revolutionäre ihren Be- schluß wieder aufhoben. Die Verhältnisse waren noch allezeit stär- ker als die„revolutionäre" Klappe. Aber die Absicht, die Gewerkschaften wenigstens unter die Herr- schaft der Münzstraße zu bringen, wo die revolutionären gewerk- schaftsfeindlichen Bonzen ihren Sitz haben, ist nach wie vor leben- dig. In dem Streit über die Organisierung der Betriebsräte kommt da? erneut zum Ausdruck. Die Ersetzung der(mehrheits- sozialistischen) Bonzen durch Anhänger der U. S. P. ist nach Däu- mig eben noch keine Revolutionierung der Gewerkschaften. Sie müssen erst völlig zum Werkzeug der U. S. P. werden, dann ist Däumig zufrieden. Wenn es je soweit kommen sollte, woran wir zu zweifeln allen Anlaß haben, dann werden die Ge- werkschaftcr begreifen, daß U. S. P. D., die Abkürzung für Unter- gang sämtlicher Proletarier Deutschlands, zum mindestens ihr Un- glück ist. Wer das nicht will, mutz am 6. Juni seine Stimme der Liste der S. P. D. geben. C. Lindow. Wie fie arbeiten. In der Oigee(Optische Anstalt G. m. b. H. Berlin-Schöneberg). Bahnstr. 21/92, wurde bei der letzten Gehaltszahlung den Ange- stellten folgende Mitteilung übergeben: Zur Kennrnisnahme! Auf unsere Anfrage bei dem Verbände Berliner Metallindustrieller nach dem Stande der gegen- wärtigcn Tarifverhandlungen mit den Angestelltenorganisatio- nen iit uns folgendes mitgeteilt worden: „Die Angestelltenverbände haben sich mit dem Vorschlage des Verbandes Berliner Meiallindustricller, die Tarifeinkommen um Ivo Proz. zu erhöhen, einverstanden erklärt, aber gleichzeitig die Forderung erhoben, daß das Mitbestimmungsrecht nicht nur, wie in den früheren Tarifverträgen festgelegt, bestehen bleiben, sondern noch erweitert werden sollte. Diese Forderung bat von dem Verband« Berliner Metallindustrieller abgelehnt werden müssen, da dieser auf dem Standpunkte steht, daß es ihm nicht möglich ist, Zugeständnisse zu machen, die über die Rechte hin- ausgehen, welche den Arbeitnehmern durch das Betriebsrätegesetz eingeräumt sind." Demnach ist es lediglich der Weigerung der An- g e st e!! t e n v e r b ä n d e, sich den Bestimmungen deS Be- triebsrätcgesetzes anzupassen, zuzuichreiben, wenn die Tarifverhandlungen noch nicht zu einem Abschluß gelangt sind und wir infolgedessen unsere Angestellten beute noch nach den bisherigen Tarifsätzen entlohnen müssen. Die Geschäftsleitung. Berlin- Schöneberg, den 31. Mai 192V. Hierzu'ist festzustellen, daß der Inhalt dieser Mitteilung eine Verdrehung der Tatsachen darstellt. Der neue Tarifvertrag ist — im Gegenentwurf der Unternehmer— von der Gesamtheit der Angestellten abgelehnt worden und zwar, weil die hauptsächlichsten Paragraphen der Angestelltenschaft unannehmbar erschienen. Es wäre interessant festzustellen, ob die Auskunft von der Geschäfts- stelle des Verbände? Berliner Metallindustrieller wirklich so ge- lautet hat, wie sie die GeschöftSlcirung der Oigee wiedergibt, oder ob hier die Oigee eigenmächtig die Mitteilung so gestaltet hat, wie „sie sie auffaßte". Die Angestellten können an diesem einen Bei- fpiel schon erkennen, mit welchen Mitteln versucht wird, eine falsche Meinung ännerbalb der Angestelltenschaft zu verbreiten. Bisher ist ein Termin vor dem Schiedsgericht vom Reichs- arbeitSministerium noch nicht festgesetzt worden. Da wir nach wie vor annehmen müssen, daß das Arbeitsministerium sich ehrlich be- mühen wird, in Würdigung der ernsten Situation diese Verhand- lung sobald wie irgend möglich stattfinden zu lassen, wird wobt die Stelle wieder an der Verzögerung schuld sein, die auch die bis- herigen Differenzen schaffte. Nach den obigen Mitteilungen ist wohl klar erkenntlich, welche Stelle das ist. Die Transportarbeiter in den städtischen Betrieben für den Schiedsspruch. In zwei Versammlungen beschäiliglen sich die Arbeiter obiger Gruppe mit dem von der großen Deputation am 31. Mai gefällten Schiedsspruch. Der Berichterstatter Branchenleiter Varwig war der Meinung, daß. wenn auch nicht alle Punkte im Sinne der Arbeit- nehmer erledigt seien, doch anerkannt werden müsse, daß unter dem Vorsitz des Oberbürgermeisters Wernruth die große Deputation den Willen gezeigt habe, den Wünschen der Arbeitnehmer näher zu kommen. In beiden Versammlungen wurde dem Schiedsspruch zu- gestimmt.__ Lohnbewegung in Buchbindereien, Buchdruckercien und Geschästsbüchersadriten. Wie bekannt sein dürfte, ist bei den Eisenacher Verhandlungen ein minimales Lohnangebot von den Unternehmern gemacht worden, welches von unserem Vertreter in Eisenach sofort als un- annehmbar für Berlin erklärt worden ist. Trotzdem wird versucht, der Kollegenschaft das Angebot schmackhaft zu machen. Mit einem Schlage erklärt sich der Verein Berliner Buchdruckereibesitzer bereit, den Reichstarif anzuerkennen. Was im März d. I. nicht möglich war, ist jetzt für die Herren Selbstverständlichkeit, Der Verband Berliner Buchbindereibesitzer leistet sich gar die Extra- vaganz, die Gewährung einer Lohnzulage von der Einführung der 48 stündigen Arbeitszeit abhängig zu machen. Es ist V o r» ficht geboten. Unsere Forderung lautet 1,25 M. für männlich« Mitgliedr. v,75 M. für weibliche Mitglieder pro Stunde ans die jetzigen Bezüge. Die Vertrauenspcrsonen werden verpflichtet, die Forderungen nachdrücklich zu vertreten und uns in der am Man- tag um 5 Uhr stattfindenden V ertr a ue n s m ä n n e rsitz ung bei Graumann, Naunhnstr. 27, Bericht zu erstatten. Die. Brcmchenleitirng. Tarifabschluß für die slngeftellten bei Reichs- und Staatsbehörden.) Nack langwierigen, monatelangen Verhandlungen im Reicks» arbeitSministerium ist am 4. Juni nachmittags zwisck-'N den Ver- tretern der Reichsregierunz und der preußischen Siaatsregierung einerseits und den Angestclltenverbänden andererseits der Vor- vertrag über den Gehaltsteil zuin Reickstartsvertrog für die An- gestellten bei den Reichs- und den preußischen Slaaisverwallungetr endlich abgeschlosseii und unterschrieben worden. Der Tarifvertrag befindet sich bereits im Druck und ist nock FerNgstcllnna durch die Geschäftsstelle des Zentralvei bandes der Angesiellwn, Berlin SO 26, Oranicnstraße 40/41, zu beziehen. Achtung, Bauarbeiter! Die zwangsweise Einführung der Aikordarbeir soll anscheinend jetzt verwirklicht werden: man will den StaatSwerksiätten nachahmen.. Es sind zurzeit Leute an der Arbeit, die den Bauarbeitern die Akkordarbeit aufzwingen wollen. Wir erinnern auch an die bekannte Pressenotiz vom 29. Januar d. Js., nach der der Wohnnngsverband von Groß-Betlin beabsichtige, nur nock solche Arbeilen de? WobnungS- Verbandes zu subventionieren, die in Akkord ausgeführt würden.' Man will also im Berliner Baugewerbe das Atkordiystem einfübrcir und zwar in erster Linie auf den hauptiächlich vom Wohnunqs» verband Groß- Berlin auszuführenden Siedlungsbauleir. Die Berlinische Bodengesellschaft glaubt schon nach diesem Rezept veriahren zu müssen, und ist deinzuiolge über diese Firma die Sperre verhängt. Die S i e d I n n g S g e n o s s e n»' schaft Lichtenrade tut das gleiche: am 3. d. M wurden die Maurer, Bauarbeiter und Zimmerer ausgesperrt, weil sie sich weigern in Akkord zu arbeiten. Jetzt bat man eine Bauarbeiter» Berriebsgenossenichait ins Leben gerufen, deren Satzungen in 22 Paraaraphen zum Ausdruck kommen. Von einer Veröffent- lichung dieser Satzungen müssen wir in Rücksicht auf den Raum der Tageszeitung Abstand nehmen. Die Gründung dieser Genossenschaft ist weiter nicht? als ein verstecktes Atkordiystem, und gilt diese für die organisierte Bauarbeiterschaft ebenfalls als gesperr l. Akkordarbeit für Maurer. Bauarbeiter und Zimmerer ist gemäß den Bestimmungen des Tarikvertraaes verboten. z Deutscher BauarbeiterVerband. Bezirksverei» Berlin. Die Gehälter in der Kolonialwarcniranchc. Vom Zentralverband der Angestellten erhalten wir folgende Zuschrift: In Ihrer Zeitung vom I.Juni er. brinat der Reichsverband Deuiicker Kolonialwaren» und Lebensmittelhändler eine Berichiiaung, welche den Talsachen nicht entspricht. Die Arbeitgeberverbände der Kolonial Warenbranche haben uns folgende Gehälter angeboten: Im 18. Lebensjahre 15V M., im 19. Lebensjahre 175 M. im 29. Lebensjahre 2VV M. i für Ver« läuferinnen im 18. Lebensjahre 135 M.. im 19. Lebensjahre 160 M., im 2v. Lebensjahre 185 M. Diese Borschläge sind uns bereits am 12. Mai schriftlich seitens des ReicksverbandeS Deutscher Kolonial- inareiibäiidler überiandt woiden. Auch bei den Verhandlungen am 29. Mai sind uns dieselben Vorschläge gemacht worden. Es ist nicht unsererseits eine falsche Bebauvtung aufgestellt worden, sondern der Arbeitgeberverband versucht die Oeffentlichkcir zu täuichen über die schlechten Lohn- und Arbeitsbedingungen in der Kolonialwaren- Deiailbranche. Vom TrnnSportarbciterverband, Bezirk Groß-Berlin. erhalten wir folgende Zuichriil.: Zu der in Nr. 277, DienSlag-AbendanS» gäbe, von der Firma Müller u. Theilnehmsr veröffentlichten Enl- gegnung teilen wir mit, daß der Schiedsspruch vom 12. Mai der Entscheidung des DemobilniackiungSkommiisars nicht mehr bedarf, da durch Schließung des Betiiebes der Schlichtungsausfchuß erneut angerufen und am 2. J»ni bereits verhandelt wurde. Durch den unparteiische» Vorsitzenden. Gewerberichter Herrn Dr. Naumann, ebenso von den Herren Arbeitgeber-Beisitzern wurde sein Stand- Punkt und Verhalten in der ausgiebigsten Weise klargelegt und hat sich der Inhaber der Firma, Herr Jeremias, zu folgendem Vergleich bereit erklärt: Sämtliche Arbeiter werden sofort, soweit sie keine andere Arbeit anqenommen haben, wiedet eingestellt, ebenso ist die volle Be- zahlung für den entgangenen Arbeitsverdienst anerkannt worden. Jugenüveranstaltungen. tehnrlottenbnrz. Nosinenitr. 4 lBolkshaus): UnterbaltungSabend. — Prenzlauer Lorstadt. Sonntag, den 6. Juni: Wanderung Acrnuu-, fi>ellsce. Tiefspuntt 6 Uhr Bahnhof Schönhauser Allee.— Schöuliauser Borstadt II, Sonnlag. den 6. Juni: Wanderung Erkner- Löcknitz- Werlsee. Uhr, Bahnhof Schönhauser Allee.— Temprlhof. Jugend- beim, Lyzeum. Eermaniastr. 5/6: UnterbaltungSabend.— Treptow- Baumschulenwrg. Sonntag, den S.Juni: Wanderung Strausberg- Erkner. Y,S Uhr Wiener Brücke. Belau t». für den redaktion. Teil: Erich ttuttaer, Temvekbaf; für Anzeigen: Tb. Gleit, Berlin. Verlag: Vorwiirts-Vcrlag D. m. b. S., Berlin. Druck: Bc.r. wärts-Buckdruckcrei u. Berlaasanktalt Paul Singer u. Co. Berlin, Lindensir. 3. Hierzu 1 vrUage. Au EIGENEN ELEKIHR�R�TEREIEN _______ OTTO REOIELT D:BUTrERH,UNI0N BUTTERH, 12R.ELEY l4-3 e fiu Auen r IN 6RO#-e>ERLIN, laqer-undbi!I)r.orWume >Ct-lLE5l �CHE�TRASSE // NR' ss.