Nr. 2S8» Z7.�ahrgang Ausgabe A Nr. 7 BezunsvretS: B■jrtflialjrl. 30,— 3ii_ monatllO— SRI. frei ms vaus. voraus.ahldar. Post- dem? Monatl'.cb 10.— e�N. flu- llellunqsqeöütir UnrerÄreu�dond für Deutschland unv Oesterreich 16.' 0 für das übrige Ausland rei täglich einmal, flustellun'' 21SV � Ppkt-p. 'tellunaen nedmen\p Oesterreich, Uttjacr, Tschecho» Slowakei, Dane# mc:!"Sottano.-it emcucg. Schweden und-»te Schwen.— Eingetragen in die Pos»- e'tnnas Preisliste. Der �Porwärts� mit der Sonntag»- betlage.Polt u, fleit4* ericheml wn�en- ragiich zweima! Sonntags und Montags»mmm Telegramm-Adreste �So)ial5emo(ra( Berlin- Morgen Ausgabe Berliner BnUusliUntt ( 38 Pfennig) AnzeigenprelS: D e achtgelvaUen? Nonvarelllezeile toste 8,— M..Teue?ungszuschlagü<)o,> .Nleine Anzeige«" das ittt» gedruckt? Wort 1,— M. lzulasstg zwe« ettgedruckte Äoerel. edes weitere Wori 60 Pfg, Stellenqeiuche und Schlafstetienanzeigen das erste Wort o5> Pfg..'edes weitere Won 40 Pig. Worte über lö Buchstaben zählen für raei Worte. Teuerunns�ufchlaa ÖO®,'� Mamillen-An'eigen für Abonnenten Zeile 2,— M., vohtijche und gc- wertichanlichr'Vereins■ Anzeigen 3.— Mt. die Zeile ohne Aufschlag. Anzeigen für die a a ch st e Nummer müssen bis S Ahr nachmittags im �auvtgeschäst. Berlin SW 68. Linden- straye 3. abgegeben werden. Sebffnet von 9 Ustr früh bis ö Uhr abends. �entralorgan cler so�ialäemokrati leben partei Deutfcblands Ueoaelion und Expedition: SW. öS. Lindensir. 2. �erniurecker: Amt Morixpla«.'Ztr. l.«I i>v- t.°;l N7, Dienstag, den Juni öorwärts-verlag G.m. l>. h., SW. b8. Lindenstr. Z. �ernwrrcher: Amt ZZtorivvtnx. Ztr. I l 7 r>;t— 54. Bisher 317 Mgeoröaete gewählt. 86 Sozialdemokraten. Berlin,?. Juni. 317 Teilergebnisse aus (WTB.) Bis 10 Uhr abends lagen allen Wahlkreisen mit Ausnahme von Kvblenz-Tricr(24. Wahlkreis) vor. Demzufolge können alS gewählt gelten: 86 Sozialdemokraten, 57 Unabhängige, 1 Kommunist, 27 Demokraten, 43 Mitglieder de« Zentrums, 12 Angehörige der Bayerischen Volkspartei, 42 Abgeordnete der Deutschen Volkspartei, 41 Tcutschnationale(darunter 1 Hessischer Bauernbund, 1 Württembergische Bürgerpartei, 2 Bayerische Mittelpartci), 1 Schleswig-Holsteinischer Bauerndemokrat, 2 Teutsch-Hannoverauer, 3 Mitglieder des Württembergischen Banernbundes, 2 Angehörige des Bayerischen Bauernbundes. In diesem Resultat sind die Abgeordneten aus den Ab- stimmungsgebicten bereits mit eingerechnet. Wahlergebnisse. 3. Wahlkreis(Potsdam II). Bieber gezählt: 774 667. Sozialdemokraten 135 920, S Viaxiait lBern stein, grau R y n e ck).— Unabbängige ?>3 040, 4 Mandaie(Zubeii, Täumig. Löwenstein, Frau Nehmitz). — Demokraten 73 556. 1 Mandat(Dermbuvg).— Deutsche Volks. {■artet 166 634, 2 Mandate(Strefemann, v. Aardorff).— Deutsch- nationale 116 748, 1 Mandat(5Butte).— Zentrum 17 231. kein Mandat.— Kommunisten 9918, kein Mandat.— Wirtschaftliche Vereinigung 4624, kein Mandat. 6. Wahlkreis(Pommern). Sozialdemokraten 164 962. 2 Mandate lKörsten. Ämntze).— Unabhängige 140 065. 2 Mandate(Vogtherr, Horn),— Demokraten 35 964. kein Mandat— Deutsche VolkSpartei 161 915. 2 Mandale(Mittelmann, Frau Matz).— Tcutschnationale 277 453. 4 Mandaie(Malkewitz. Jandrey. Frl. Behm. Otto Schmidt).— Zen'rum 6382. kein Mandat.— Reformgruppe 6511. kein Mandat. — Kommunisten 9120. kein Mandat.- WirtschaflSbund 1755. kein Mandat. 8. Wahlkreis(Breslau). Vorläufiges Ergebnis. Sozialdemo k�raten ol■ 0 17. 5 Mandate(Lobe. Franz, Feldmann,«eppelt, Un. s o rz e).— Unabhängige 94 851. 1 Mandat iGruschw'tz).— Demo. Jvat-ii 52111, kein Mandat.— Zentrum 119571, 1 Mandat lJa» r.<,a)— Teutschnolionale 118 870, 1 Mandat(Temmler).— Deutsche Volkkpartei 112173, 1 Mandat lRH-inbaben).— Mittel. standspartei 15 340, lein Mandat.— Kommunisten 3108. kein Mandat. 11. Wahlkreis(Magdeburg-Anhalt). Sozialdemokraten 375488. 6 Mandate(Bauer. Sil- berschmidt. Bei rns, Bender. Frau Bollmann, Bader).— llnab« bängige 156 487, 2 Mandate(Brandes, Diltmann).— Demokraten 112 479, 1 Mandat(Schiffer).— Deutsche Volkspartei 116 347, 1 Mandat lKublcnkampff).— Zentrum 12 807, kein Mandat.— Deutfchnaiiona'e 134 559, 1 Mandat(Schiele).—.»-""'»"nisten 8650, kein Mandat. 12. Wahlkreis(Merseburg). Sozialdemokraten 61 053, 1 ZZiandat(Krüge r).— Unghhöngie.c 310 427, 5 Mandate(Kunert. Koenen, Tiimeh. Raute, Wacktvitz).— Deut'che Volkspartei 98 335, 1 Mandat(Cramer).— Demokraten 68 636, 1 Mandat(DeliuS).— TeiitschnaHonale 132 330, 2 Mandate(Henscher, Leopold).— Zentrum 6545, kein Mandat.— Kommunisten 10 608, kein Mandat. 13. Wahlkreis(Grosi-Thüringeu). Sozialdemokraten 156 849, 2 Mandate(R e i ß b a U s. K ä p p l e rl.— Unabhängige 310 857, 5 Mandate(Bock, Mehrhoff. Rosenfeld. Frau Wurm, Cohn).— Tcutschnationale 89 762, 1 Mandat(Graf).— Demokraten S6 2S8. 1 Mandat.— Kommunisten 19 533, kein Mandat.— Landbund 164 877, 2 Mandat«(Töberich, Arnstadt).— Zentrum 47 241, kein Mandat.— Deutsche Volks- partei 144 760, 2 Mandat«(Leuthäuser, Richter).— ES fehlen noch zZ4 klein« ländliche Bezirke. 18. Wahlkreis(Weser-EmS). 1 ländlicher Kreis feW noch S»z i a ld e m o k r ate n �2 474, 1 2tvie sie in keinem Lande der Welt noch erlebt worden sind, hat die Opposition zur Rechten wie zur Linken den Vorteil ihrer leichtbeschivingten Verantwortungslosigkeit fröhlich und bedenkenlos wahr- genommen. Was dem einen zu wenig>var, tvar dem anderen zu viel, und wenn die sozialdemokratischen Minister für die Rechtspresse Bolschewiki waren, die, unterstützt von Verrätern aus dem Bürgertum, das sowjetrussische Chaos auf deutschen Boden verpflanzten, so waren sie für die Linkspresse Verräter am Proletariat, die sich entweder aus Dummheit oder für klingenden Lohn dem Kapitalismus verkauft hatten. Daß es nur die Schuld der Regierung war. wenn ein Jahr nach dem ver- lorensten aller Kriege nicht jeder Butter zum Brot und ganze Schuhe an den Füßen hatte, daß alles, was das Volk quälte, drückte, peinigte, lediglich auf die Böswilligkeit oder Dumm- heil der amtlichen Stellen zurückzuführen war. das war für beide Teile vollkommen klar, wenn auch ihre Meinungen über die beste Methode, diese Hebel zu beheben, ziemlich weit aus- einander gingen.• So haben sich Unabhängige und Rechtsparteien mit leichter Mühe in das fruchtbare Feld der Agitation geteilt, während wir, nicht immer so erfolgreich wie wir wollten, aber doch immer mit redlichem Eifer und gutem Gewissen, für das Volk arbeiteten. Nie tvar eine?!iederlage ehren- voller, nie war ein Sieg— seltsamer. In die hallenden Reden von der„Führerrolle", die sich die Unabhängige Sozialdemokratie errungen habe, dringen die munteren Weisen preußischer Militärmärsche, und wenn man am Wedding mit Biergläsern anstößt, tut man es im Tiergartenviertel mit Champagnerkelchen.„Wir haben ge- siegt I"„Wir haben gesiegt!" Prost l Die Zukunft muß zeigen, ob das arme deutsche Volk durch diesen eigenartigen Doppelsieg nicht noch mehr ge- schlagen sein wird als je zuvor. Die Koalition war gewiß kein Ideal, denn wer in der Annahme, sie fei schon zer- trümmert, jubiliert, der muß auch sagen, was er Besseres an ihre Stelle zu setzen hat. Die Gegner mögen von unseren Genossen in der Regierung klein denken und annehmen, daß sie die— heute nicht mehr allzusüßen— Freuden eines Minitterdaieins nur ungern aufgeben, daß aber unsere Partei als Ganzes mit einem Freudensprung aus der Regierung herausspringen wird, sobald ihr Pflichtgefühl ihr eine solche Uebiing erlaubt, sollte auch ein politisch Minderbegabter de- greifen. Möge also, wer glaubt, eS besser machen zu können, die freiwerdenden Plätze einnehmen und zeigen, was er kann. Dazu braucht er freilich zunächst eine Reichstagsmehrheit. Wo ist sie? Daß die beiden miteinander verschwägerten Rechtsparteien eine solche aufbringen können, glauben sie selbst nicht, ob der Zuzug des Zentrums, die Kombination Helfferich-Erzberger, ausreichen würde, ist zweifelhaft. man müßte also schon die Demokraten auch mit dazu- nehmen. Wenn es gelingt, einen solchen Bund zu begründen, so soll ihm unser Segen nicht fehlen— nur freilich wird er sich darauf gefaßt machen müssen, daß wir unsere Forderungen stellen und seine Tätigkeit kritisieren. Ob das lange halten wird? Die um Strefemann haben eine andere Idee. Sie wollen die Koalition nur zerschlagen haben, um sie in neuem Glänze wieder auferstehen zu lassen. Auf einmal kommen sie darauf, daß dem Kuchen, der vordem gänzlich ungenießbar schien, gar nichts anderes fehlte, als die natioualiberalen Rosinen. Sie wünschen von denen geliebt zu werden, die sie gestern noch mit Dreck aus der antisemitischen Gosse beschmissen haben, und erklären es für die heilige vaterlän>dische Pflicht der bis- hxrigen Koalitionsparteien, sie in das Geschäft mit hineinzu- nehmen. Darauf ist von unserm Standpunkt aus zu erwidern, daß dieZeit für Späße zu ernst ist. Die T-eutsche Volkspartei ist eine Partei der Kapitalisten und der Monarchisten— hat ihr das Volk die Macht verliehen, so möge sie trotzalledem regieren, wie die Verfassung es vorschreibt. Aber daß ihr Sk> zialisten und Republikaner den Rücken herhalt eL sollen, damit sie zur Macht emporsteigen kann, ist vielleicht doch eine etwas zu starke Zumutung. Daß unsere„vaterlän- bische Pflicht", unter allpn Umständen mitzuregieren, in dem Augenblick erkannt wird, in dem man begreift, daß ohne un- sere Mitwirkung Ministerposten nicht erhältlich sind, kann,
uns nur heiter stimmen. Unter allen Umständen dabei sein zu wollen, ist nationalliberal, nicht sozialdemokratisch. Daß wir unsere Pflicht am Volke ernst nehmen und uns von der Verantwortung nicht drücken, auch wo nach aller Voraussicht kein Dank dafür zu ernte» ist, haben wir in den letzten zwei Jahren gezeigt. Aber die Bedingungen unserer Pflichterfüllung uns von der„Täglichen Rundschau" vor- schreiben zu lassen, für die jeder von uns„Zuhälter",„Halb- analphabet",„Kneipwirt" oder„Reisender in Spülklosetts" ist, lehnen wir ab. Tie Rechtspresse schreit immer, man müsse bei der Regierungsbildung der Stimme des Volkes Rechnung tragen, dies allein sei demokratisch. Sie übersieht dabei ge- --wissentlich, daß sich bei den Wahlen der Zug nach rechts und der Zug nach links das Gleichgewicht gehalten haben. Warum sollte nach demokratischen Grundsätzen bei der Bildung der Regierung nur der Zunahme der Rechtsparteien Rechnuna getragen werden, nicht aber auch der Zunahme der Uuabhän- gigen? Warum sollen die Arbeiter, die in kurzsichtiger Ver- ärgerung von der Sozialdemokratie nach links abrückten, n>e- uiger gelten als die geängstigten Spießbürger, die in den Armen der Großkapitalspartei vor dem Bolschewistcnschreck Schutz suchten? Wird nicht am Ende die Koalition eben durch ihren Zu- sammenbruch beweisen, daß sie die einzig� Möglichkeit gewesen ist? Nachdem die Unabhängigen durch ihre Presse erklärt haben, daß sie nunmehr die Führung des sozialistische" Proletariats übernehmen, darf man von ihnen erwarten und verlangen, daß sie sich zu den schwierigen Problemen, die aus den Wahlen und zum Teil auch aus ihren Erfolgen entstan- den � sind, in eindeutiger und verbindlicher Weise ä u ß e r u. So wie bisher geht es auf keinen Fall weiter, daß die Sozialdemokratie die notwendige grobe Ar- bcit für Sozialismus und Arbeiterbewegung leistet und dafür die Prügel einsteckt, die ihr von einer sehr ungnädigen„Gnä- digen" verabreicht werden. Aus dieser Aschenputtelrolle müssen wir heraus! Wenn, was bisher nicht ausgeschlossen ist, die Koalition zur Not noch tragfähig bleibt, soll dann die Sozialdemokratie noch einmal den Versuch machen, den Karren mit aus dem Sumpf ziehen zu helfen? Wenn sie für diese Tätigkeit von links her wieder nichts zu erwarten hätte als Befchimpfun- gen, so müßte sie von ihrer Wiederaufnahme absehen. Die Unabhängigen aber müssen ihren Teil der Verant- wortung an denk mittragen, was daraus weiter folgt. De»ist schließlich wird sich in der Demokratie der Grundsatz 'durchsetzen, daß jede Partei für das, was sie tut oder läßt, ihre Verantwortung zu tragen hat, und die gedankenlose Opposition um jeden Preis wird dann aufhören, das gehät- schelte Schoßkind der Volksgunst zu sein. Die Unabhängigen müssen zeigen, was sie positiv leisten können, indem sie helfen, aus dieser Situation, die sie mit herbeigeführt haben, Rat zu schaffen: -Kier ist Rhodas! Komm und zeig? Leine Kunst, hier wird getanzt, �der trolle dich und schweige, Denn du hier zstcht tanzen kannst. dnu..... Lehren für öle Partei. Ein Wckhlkampf wie der von 1920 wühlt alle politischen Leidenschaften auf. Er bringt alle Triebe der Demagogie, des Hasses, der Verhetzung ans Licht, aber er zeigt auf der anderen Seite auch das Höchstmaß der Opferfreude, der Schaffenslust und der selbstlosen Hingabe an ein größeres Ganze. � Die deutsche Sozialdemokratie hat einen Wahlkampf, wie Die Sieger. Es ist vorfiei. DK Sieger steigen in den Keller, holen die beste Flasche Wein hervor und begießen nach Väter Weis« ihren Triumph. Sie brauchen sich übrigens nicht mit einer Flasche zu begnügen — die Herren von der De u t s ch e n V o l k s p a r t e i. Sie dürfen schlemmen, soviel sie wollen, sie Habews ja dazu. Auch ihre ver- logensten Wahlattacken gegen den halb orschlagmen, demokratisch entarteten bürgerlichen Bruder, wie überhaupt ihr Feldzug gegen die Demokratie und gegen die freiheitliche Entwicklung Deutschlands haben ihre Fonds nicht erschöpft. Stinnes hat mehr. Vögele hat mehr, die Schwerindustrie hat Geld wie Heu. Die würde mit leichter Mühe noch ein paar Milliönchen aus der Westentasche ziehen für die jetzt so herrlich geförderten Zwecke. Deshalb ist es auch nicht, wenn der festliche Johannisberger einen üblen Bei- geschmack bekommt und die Jubelgesänge allmählich bang und bänger werden, nämlich das ganze Geschrei scheucht die Vandaleuhand nicht weg, die drüben an der Wand unter die schwarz-weih-roten Fahnen kritzelt: Was nun? Was nun? Was nun? Sie sind freilich für den Augenblick eingefangen, die Leute, die lölst wütende Demokraten wurden und als sich das nicht be- zahlt machte, 1920 ebenso leicht mit den Dioskuren Mugdan-Wicmer zur klingelnden Jahrmarktsbude der Natioualliberalen oder Deut- scheu Volkspmstei— wahrhaftig, so lautet das Firmenschild— hinüberwechselten. Diese braven Herrschaften wollen aber auch etwas scheu für ihre dreimal ausgekochte Begeisterung. Und was hat man hinter der Leinwand? Direktor Stresemann steht allerdings wohlgefällig nickend da, aber zum Teufel, wo ist das Programm? Kann ein Direktor Stresemann eine AufführungSliste verkörpern, kann Herr Stresemann, dessen Größe bisher die Programmlosigkeit war, goldene Aepsel aus seinem Rockärmel schütteln?„Wehe, daß wir gesiegt haben", würde es bald heißen. Das Schicksal der Demo- karten steht dräuend am Horizont. Also Umschau halten nach Ge- legenheitskäufen, Treppenleitern aus fremden Häusern, abgelegten Grundstücken und ähnlichen Reguisiten, die man so vortrefflich aus vergangenen Zeiten kennt. Soll man Herrn Westarp, der selt- samerweise mühsom hinter dem Pogrom Wulle ein Plätzlein im Reichstag suchen muß, einen Brief senden mit monarchischen Treu- gelübden und verN'egeiiem ,,Hepp-Hepp"? Oder kann man nicht doch schließlich dem übrig gebliebenen Fähnlein der Demokraten silberne Brücken bauen, dem Zentrum durch religiöse Augenaus- schlüge imponieren und gar den Sozialdemokraten in gemeinsamer Sorge um das„Vaterland" nahetreten? Wir kennen keine Par- teien mehr! Warum soll nicht eine Koalition von Bernstein bis Stresemau» einen leuchtenden Hintergrund für diese Partei ohne Richtlinien geben? Stresemann soll das nicht können? Lächer- lich. Er kann alles. Aber— wie gesagt—, es erfordert Nachdenken, und das Nach- denken über unangenehme Dinge ist lästig. Da meint man. es sei vorbei, und nun fängt'S erst an. Politik ist ein schwieriges Geschäft. xi diesen noch niemals führen müssen. Sie hatte bis zum Zusammenbruch von 1918 in Oppositionsstellung ge- standen. Das System des alten Obrigkcitsstaates mit seiner Unterdrückungspolitik machte es ihr unmöglich, an der Negierung oder auch nur an der Mitver- antwortung teilzunehmen, selbst wenn ihre grundsätzliche Auffassung von den Tatsachen der Klassenscheidung ihr eine solche Mitwirkung hätte wünschenswert erscheinen lassen. Die politische Umwälzung, die nach dem militärischen Zusammen- bruch gewissermaßen automatisch eintrat, legte aber der großen organisatorisch erfahrenen, vom Vertrauen der Mafien ge- tragenen Partei plötzlich die ganze Verantwortung für das Geschick des ans tausend Wunden blutenden deutschen Volkes auf. Diese Umwälzung und der Wille der Wählermassen zwang die Sozialdemokratie zur Uebcrnahme der Regierung. ohne daß irgendeiner von uns hätte eine Sehnsucht nach dieser Last empfinden können. Man muß sich dieser Dinge immer wieder erinnern, wenn man die Bedeutung der Wahlen vom 0. Juni recht begreisen und richtig werten will. Es ist klar, daß unter den 11,0 Millionen Stimmen, die der Sozialdemokratie am 19. Januar 1919 zufielen, ein außerordentlich großer Prozent- sah solcher sich befand, die nur aus dem Gefühl der Eni- tä u sch un g über das zusammengebrochene System in der Sozialdemokratie den HoffnnngSstern einer glücklicheren Zukunft erblickten. Nicht politisch sattelfeste Ueberzeugung von der Notwendigkeit des Sozialismus, nicht Sammlung in politischer Demokratie trieb uns diese Wählermassen zu, sondern das blinde Vertrauen in unsere Redlichkeit, in unsere politische Unbestechlichkeit, wie sie sie jahrzehntelang auch von Gegnern wenigstens hatten rühmen hören. Es ist deshalb nichts Unerhörtes, wenn ein Teil dieser Wähler, von einer Enttäuschung in die andere gefallen, nun wieder einen neuen Stern nach Bethlehem suchte. Wer in der Geschichte der Sozialdemokratie auch nur einigermaßen bewandert ist, weiß, daß solche Rückschläge, die durch äußere Einwirkungen herbeigeführt wurden, nicht zu den llngeheuer- lichkeiten zu rechnen sind. Die Partei, die das Sozialisten- gesetz mit all seinen Schrecken siegreich überstanden, die sogar den Hottentottenwahlkampf mit einem Verlust von fast der Hälfte der Reichstagssitze spielend überwunden hat. kcyin auch durch den Ausfall der Juniwahl nicht zerschmettert und zu Boden gedrückt werden. Es ist nur notwendig, daß ihre Freunde sich über Ursache und Wirkung dieses Wahlausfalls rückhaltlos klar werden und bleiben und daß wir erweisen, daß jenes Vertrauen in der Redlichkeit der Sozialdemo- kratie berechtigt war, ist und bleiben wird. Zunächst muß die Sozialdemokratie feststellen, daß die Verantwortung, die ihr der November 1918 brachte, fast z u groß für ihre Schultern war. Eine Partei, die bisher systematisch von jeder staatlichen Verwaltungsarbeit ferngehalten war, sollte plötzlich nach dem Willen der Wähler die Führung im neuen Deutschland übernehmen, die Um- gestaltung des autokratischen in einen demokratischen Staat leiten, das kapitalistische in ein sozialistisches Wirtschafts- system umgestatten. Das waren Aufgaben, die in fried- lichen Zeiten schon Herkuleskräfte erfordert hätten, jetzt aber in der Zeit völliger Verarmung, moralischer, durch den Krieg hervorgerufener Verwahrlosung, insbesondere aber unter .dauernder Umklammerung durch die Ententeimperialisten ins Ungeheürliche wuchs. Trotzdem ist die Partei an ihre Bewältigung geschritten, trotzdem hat sie in zäher Arbeit zu"gestalten versucht, was ihr als Ideal vorangeschwebt hatte durch Jahrzehnte hindurch: den demokratischen Sozialismus. Hat sie bei dieser Arbeit wirklich versagt? Hat sie, wie von ihren Gegnern rechts und links behauptet wird, sich selbst oder das deutsche Volk verraten und verkauft? Wir brauchen nur daran zu erinnern, daß die Sozialdemokratie auf einem Trümmerberge baute. Das Reich der Hohenzollern hat die vier Milliarden Gold- Die Folgen der Unterernährung. Angeregt durch die deutschen Untersuchungen über die Unterernäbrung haben auch die Amen- kaner während des Krieges ähnliche Beobachtungen angestellt..Mit dem Unterschiede, daß sich dort 13 Studenten in Springficld im Winter 1917/18 freiwillig einer verminderten Ernährung unter- warfen, während bei uns fast das ganze Volk unfreiwillig Hunger- diät übte. Nach einer VeröffenUichung von Prof. Benedikt, dem Leiter des Ernährungslaboratoviums des Cacnegie-Jnstituts in Boston, wird darüber in der„Müuchener Medizinischen Wochen- schrift" berichtet. Die Versuchspersonen aßen von Anfang Oktober 1917 bis Ende Januar 1918 erheblich weniger, als sie gewohnt waren. Der Stickstoff wurde durchschnittlich von 1b Gramm auf 8— 12 Gramm herabgesetzt, die Kalorienmenge von 3000 auf 1400 bis 2000 Reinkalorien. Das Gewicht siel erheblich, durchschnittlich um 8,2 Kilo, Dabei Irxrren die Untersuchten lauter gesunde, junge Männer, die ihre Studien und ihren Sport fortsetzten. Wesentlich ist serner, daß die Kost wohl vermindert, aber in ihrer �Qualität nicht verschlechtert wurde(wie in Deutschland). Das Wissenschaft- liche Ergebnis entspricht ungefghr oem in Deutschland während der 1. Epoche der Unterernährung, wo gleichfalls dauernd ein er- heblicher Stickstoffverlust des Körpers festgestellt wurde; die sungen Amerikaner verloren durchschnittlich 2 Gramm Stickstoff vom Körper, im ganzen mindestens IM Gramm, am Tage, Einzig dastehend sind dagegen sie Beobachtungen über die Folgen der Unterernährung für den Körper. Außer der Ab möge- rung wurde eine deutliche Herabsetzung der Leistungsfähigkeit und der Bewegungen des Körpers festgestellt.. Blutdruck und Pulszahl sinken, letzterer erheblich. Ihre Zahlen sind bei jeder Arbeit und Muskeltätigkeit niedriger als bei denselben Menschen vorher- Bei den sportlichen Betätigungen wollten die Versuchspersonen zeigen, daß sie trotz ihrer Diät es doch mit ihren Kameraden ausnehmen könnten. Es ergab sich aber eine deutliche Minderwertigkeit. Auch der Geschlechtstrieb nahm entschieden ab, Aus diesen Feststellungen folgert der deutsche Berichterstatter der medizinischen Fachzeitschrift mit Recht, daß hierdurch der zahlenmäßige Unparteiische Beweis geliefert ist, daß eine Unterernährung von nur 4. Monaten, die noch dazu nicht so hochgradig war wie bei der deutschen städtischen Bevölkerung, die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit gesunder kräftiger Männer merklich herabsetzt. Wieviel mehr erklärt die Hungerblockade und die Unter- ernährung die Arbeitsunlust und vieles ander«. Die völfcrvcrcinende Musik. Bei dem Mahlersest in Amster- dam baben die fremden Gäste dem Vorsitzenden des Ausschusses eine Entschließung überreicht, deren Inhalt von großer Bedeutung ist. Sie geht von der Erkenntnis aus, daß die beim Mahlerfest bewährte Amsterdamer Gastfreundschaft einem hochgestimmten Ge- fühle internationaler Brüderschaft und einem richtigen Verstand- nis von der Musik als universaler Kunst entsprungen ist.„Hser ist der Weg zu dem großen Ziele angedeutet, nach dem die Mu- siker in der Zukunft streben müssen, nämlich zum Wiederaufbau der geistigen Brücken zwischen den Völkern und zur Stärkung deS Gemeinschaftsgefühles, das nur durch wahre Bruderschaft gepflegt werden kann. Wir hoffen, daß boldmöglichst an einem anderen .gastfreien neutralen Ortz an dem alle künstlerischen Borbedingun- gen für ine Erfüllung dieser Forderung vorbanden sind, ein großes interna! lönalos Mustlfest oder ein Musik erkongreß abgehasten wer» m«rk, die als Kriegsentschädigung 1871 von Frankreich gezahlt werden mußten, verpulvert und hatte es bis zt«n Beginn des Weltkrieges auf etwa 5% M i l l i a r d e n R e i ch s s ch u l d e n gebracht. Aber als der Krieg zu Ende ging, hatte das gleiche Reich der Hohenzollern schon eine Reichsschuld von rund 200 Milliarden, ungerechnet die Schulden der Einzelstaatcn und Gemeinden, ungerechnet auch die „ZÄedergutmachungssummen", die wir zu zahlen haben und deren Höhe heute noch nicht einmal feststeht. Diesen finanziell am Rande des Bankrotts stehenden Staat hatte die Sozialdemokratie zu demokratisieren und zu „sozialisieren". Es ist ein Zeichen von grenzenloser p o l i- t i s ch e r Unehrlichkeit, wenn die Tcutschnaiionalen und die Unabhängigen in trauter Geistesgemeinschaft die Sozialdemokratie für das Elend verantwortlich machen, das noch immer über dem deutschen Volke lastet. Und es ist ein ebenso trauriges Zeichen von dem Maße der politischen Ein- ficht weiter Wählerschichten, daß solcher Schwindel Glanben finden konnte. Aber immerhin ist auch auf diesem Felde vieles verständlich infolge der trostlosen wirtschaftlichen Lage, in die der Krieg uns gebracht und die irrtümlicher- oder noch öfter böswillerweise der Regierung, insbesondere der. Sozialdemokratie zugeschrieben wurde._ Was aber u i ch t verständlich wäre, ist, wenn Partei- genossen, die die Stürme dieses Jahres mit erlebt haben, ob des Wahlaussalls das seelische Gleichgewicht verlieren wollreu. Im(Gegenteil werden sie allen Anlaß haben, aus ihm nicht nur hochpolitische, sondern auch parte ipoli- tische Lehren zu ziehen. Es ist von uns oft und eindring- lich darauf hingewiesen, daß die politische Einigung der sozialistischen Arbeiterschaft eine bittere Notwendigkeit ist. Aber so sehr wir diese Einigung auf dem Boden der sozio- listisch-demokratischen Grundsätze wünschen, so wenig können wir sie heute als einen greisbaren Faktor in Rechnung stellen. Nachdem die Unabhängigen und ihre weiter linksstehenden Freunde die sozialdemokratischen Prinzipien abgeschworen und sich zu Sozialdiktatoren umgewandelt haben, wird man die Einigung erst in weiter Ferne suchen dürfen. Man muß sich also auf die gegebenen Tatsachen besinnen. Als solche stellt sich in erster Linie dar, daß die alte Sozialdemokratie, die aus der Lppositions- Plötzlich zur Regierungspartei gc- worden war, trotz der Ungunst der Verhältnisse die st ä r k st e Partei geblieben ist, daß vor allem ihre O r g a n i s a- tion in keiner Weise versagt hat. Was die Sozialdemokra- ten alter Schule in mühseliger Kleinarbeit aufgebaut, ist er- halten und schlagfertig geblieben, trotzdem die Wogen des Kampfes unablässig an ihr gezehrt haben. Tie Genossen, die in unermüdlichem Eifer, wildester Verleumdung und tat- sicher Angriffe zum Trotz unsere Fahne� getragen haben. werden nach dem 6. Juni mit Stolz sie weiter führen. Denn man kann mit allem Reckst behaupten, daß die Scharen, die nach'den Erlebnissen des letzten Jahres der Sozialdemokratie die Treue hielten, auch für die Zukunft sicher sind. Es gilt nur. nicht von einem Ertrem ins andere zu fallen. Nickst von der absoluten Opposition setzt zum absoluten Regiercnwollen umzuschwenken. Wichtig ist, politischen Einfluß im Parlament zu haben. Wichtiger aber bleibt die andere Notwendig- keit, im Volke selbst zu ankern und getragen zu werden von dem absoluten Vertrauen der Massen. Dieses Vertrauen hatte die Sozialdemokratie bisher. Sie wird es weiter besitzen, wenn sie, ob mit. ob ohne Teilnahme au der Regierung, die Interessen des Volkes wabrt auf jedem Gebiete, auf das ihre Tätigkeit sich erstreckt. Voraussetzung dafür ist die innere Geschlossenheit, der Wille zum Wirken, die Freude an der Arbeit für unsere großen Ziele. Nicht Anlaß zum Kopf- bangen, sondern zum neuen planmäßigen Aufbau unserer ge- samten politischen, kulturellen und sozialen Arbeit gibt uns der 6. Juni. Nicht rückwärts, sondern vorwärts lenken wir die Blicke.. Sie richten sich über die Kleinigkeiten dieser Tage empor zu neuem Aufstieg durch und für die Partei. den kann, auf bem jede musikalische Nation der Welt ihre� lctz'en und besten musikalischen Produktionen darbieten kann und die Mu- sikästhetiker ihre Gedanken austauschen und die Ergebnisse ihrer Studien mitteilen können."— Zum Ehrenvorsitzenden des zu diesem Zwecke eingesetzten Ausschusses wurde der Dirigent deS Amsterdamer Festes, Willem Mangelberg. gewählt. Ehrung eines plattdeutschen Dichters. Senat und Bürgeraus- schuß von Hamburg haben beschlossen, dem plattdeutschen Dra- matiker und Balladendichter Hermann Boß darf in Anerkennung seiner Verdienste um die niederdeutsche Dichtkunst einen Ehrensold von 300 M. zu gewähren. Nach Detlev von Lilieneron und Gustav Falke ist Hermann Bohdorf nun der dritte hamburgische Dichter. der durch einen Ehrensold ausgezeichnet nstrd. Boßdorf schrieb das bisher ersolgreichste niederdeuffche Bühnenwerk, das Mysterium „De Fährkrog", serner die Tragödie„Bahnmeester Dod" und die Lustspiele„Kramer Kray" und„Datt Schattenspeel". Von ihm stammt auch das hochdeutsche Drama„Simson und die Philister". Außerdem veröffentlichte er ein plattdeutsches und ein hochdeutsches Balladenbuch. An erzählenden Werken erschienen von Boßdorf die humoristtschen Geschichtenbücher„De verhexte Karnickelbuk" und „Der Possinfpektor". Boßdorf war zuvor Telegraphenbeamtcr und ist schon seit Jahren an sein Zimmer gefesselt. Theatervertrustung. Da das Theater ein Geschäft ist, manchmal sogar ein sehr gutes, sind auch hier seit Jahren Ansätze zur Kon- zentranon— wie in allen kapiialisti scheu Betrieben— vorhanden. Neuerdings macht die Zusamniensassung von Einzeltheatern in Berlin Fortschritte und greift auch bereits in die Provinz über. Die Gebrüder Rotter, die in Berlin bereits vier Bühnen„kon- trsllieren",(Trianon-, Residenz-, Metropol- und Friedrich-Wilhelm- städtisches Theater), haben ihre Fühler nun auch nach Breslau auS- gestreckt. Sie haben für den Sommer das Breslauer Opernhaus gepachtet, um dort mit Berliner Künstlerh Sudermamns„Guten Ruf",„Das höbere Leben" und die„Die Raschhoiss" zu spulen. Diese Absicht stößt aber, wie die„Breslauer Morgenzeitung" er- fährt, insofern auf einige Schwierigkeiten, als das Aufführung?- recht dieser Stücke dem Direktor Gortcr vom Breslauer Lobe- theater gehört._ Theater. Im Wallner. Theater wird in Abänderung des Svielplanes Freitag, den 11. d. Mts.,„Troubadoilr" ausgeführt.— Pim Operette n-Ga st s viel im Schauspielhaus von Leo Blechs „Strohwitwe", das am 1. Juti d. I. anfängt, wird Erik Wirl vom Frankiurter Opernbans als Tenor mitwirken. Vorträge. Frcitag. den Ii. Juni, spricht im Monillenbund im Werner- siemcns-Realgymnanum. Hohenstausenstr. 47. abends 7 Uhr, Dr. von Ar» über:„Das Neueste in der drahtlosen Technik", mit Lichtbildern und Experimenten. Orgelkonzerte veranstalten in dieser Woche: Am Mittwoch Pros Egidi in der Schoneberger Paut-Äerhardt-Kirche(?>/, Uhr), Donncrslaa Fritz Heitmann in der Wichelm-Gedächtniskirche s8). Sonnabend gibt Aler. Curlh in der Nikolai-Kirche(7'/„ Eintrittspreis 2,10 M.) ein volkstümliches Konzert. Das Pariser Troradero als staatliches Nolkstheater. Der Pariser Troeaderopalast der teka.nite. zur Wellaus neu iing von 1878 in orientalischem Stil errichtete halbkreisförmige Prachlbau, soll zu einem nach demokratischen Prinzipien geleiteten Volkstheater umgeschaffen werden. ES wird daS siinste der vom Staat subventionierten Theater sein. Der Kunst»' ailSschnfz der Deputicrtenkammer hat einen Kredil von 100 000 Frank o«» willigt. �.
ttt. 2S8 ♦ 37. Jahrgang Seilage öes vorwärts dienstog, S.�un! 1Y2S Die Schulpolitik in öer neuen Schulgemeinöe Herlin. von Oberlehrer Dr Erich Witte. Das Ziel der Schulreform für die Sozialdemokraten ist die Einheitsschule. Es wird erreicht durch Abbau aller Arten von höheren Schulen und Ausbau der Volksschule zu einer vom Kindergarten bis zur Hochschule aufsteigenden Einheitsschule, die durch Kurse allen Vegabungsrichtungcn Rechnung trägt, und in der der Unterricht, die Lehrmittel und die Verpflegung unent- g e l t l i ch sind. Ausgeschlossen ist es, diese Forderung in der neuen Stadtgenieindc Berlin schon in den nächsten vier Jahren, sür die die Stadtverordnetenversammlung gewählt Iv'.rd, zu verwirklichen. Aber eine gute Strecke kann auf dem Wege zu diesem Ziel zurückgelegt werden. Zwei Umstände verhindern eine schnelle Verwirklichung, Erstens ist es die durch den Krieg bedingte schwierige Finanzlage. Diese macht es unmöglich, so viel sür die Schulen auszugeben, wie es die Sozialdemokraten vor dem Kriege getan hätten, wenn sie damals den Einflust gehabt hätten, den sie jetzt haben. Daher werden zunächst die Schulreformen vellvirklicht werden müssen, die- billig oder kostenlos sind. Zweitens können manche Neuerungen nun eingeführt werden, wenn Reich und Staat dazu die gesetzlichen Grundlagen schassen. Hierbei ver- trete ich aber die Ansicht, das; eine Stadtgemeinde mit fast vier Millionen Einwohnern eine größere Selbständigkeit als eine solche von 5000—10000 Einwohnern haben muß. Bemerken möchte ich noch, daß es mir fern liegt, r a d i- kale Forderungen aufzustellen, die nicht oder erst nach vielen Jahren verwirklicht werden können. Ich schreibe keinen Aussatz über die Einheitsschule der Zukunft. sondern treibe praktische kommunale Schul- Politik. Sodann muß man sich von der Vorstellung freimachen. als ob man die Einheitsschule ähnlich wie ein Haus nach einem Plan neu ausbauen könne. Ein Gebäude wird auf einem leeren Platz errichtet, ein altes steht nicht hindernd im Wege. Bei dem Aufbau der_Einheitsschule handelt es sich aber darum, die bestehenden Schulen umzubauen. Es wird miemand die Forderung ausstellen, man müsse Einheitsschulen aufbauen und dann die alten Schulen allmählich abbauen. Zur Anbahnung der Einheitsschule ist zunächst der A b- ba uderunter st enKlassen der höheren Schulen nötig. Der Verwirklichung dieser Forderung ist bereits vor einem Jahre der Weg geebnet worden durch den Beschluß der städti- schen Körperschaften Berlins und verschiedener Vororte, die Vorschulklassen allmählich abzubauen. Dos erste Reichsschnl- gesctz hat uns dann die mindestens vierjährige Grundschule gegeben. Dem Abbau der Vorschulen folgt der der Sexta. Dafür hat sich sogar der politisch weit rechts stehende Geheimrat Reinhardt, der lange Zeit in dem Kultusministerium tätig war. in einer Broschüre ausgesprochen. Die Berliner Deputation für die äußeren Angelegen Helten der höheren Schule� hat. wie der.Vorwärts" bereits niitgeteilt hat, auf meinen Antrag beschlossen, am 1. Oktober d. Js. mit deni Abbau der untersten Klasse der Realschulen zu beginnen. Der Rtaqistrat hat diesem Beschluß zugestimmt. Aber die Berliner Direktoren und ein Teil der Berliner Oberlehrer haben dagegen Einspruch erhoben. Auf ihren Wunsch ist ihnen Gelegenheit gegeben worden, ihre Gründe vor der De- putation darzulegen. Daß aber diese oder der Magistrat dadurch veranlaßt wird, den Beschluß auszuheben, muß als ausgeschlossen gelten. Am 1. Oktober 1921 kann dann mit dem Abbau der zweituntersten Klasse(Quinta) der Real- schulen begonnen werden. Die Aushebung der Sexta und der Quinta derjenigen höheren Schulen, die eine Vorschule haben, ist aber erst nach Abbau dieser möglich, in den Schulen der bisherigen Stadt Berlin also frühestens zu Michaelis 1922. Aber man kann die Sexta dieser Schulen sür die Zeit ihres Bestehens als Klassen ohne eine fremde Sprache einrichten und ihr den Lehrplan der entsprechenden Volksschulklasse geben. Dies ist schon in Hamburg geschehen. Außer dem Abbau der untersten Klassen der höheren Schule sind zur Anbahnung der Einheitsschule die m i t t- leren Klassen der höheren Schule und die entsprechenden Klassen der Volksschule an- z u g l e i ch e n. Einer der Unterschiede zwischen den beiden Schulgattungen ist die Erlernung von zwei bis drei fremden Sprachen in den höheren Schulen. Daher ist eine Reihe dieser Schulen umzubauen, so daß nur eine frenide Sprache obligatorisch ist, aber der Unterricht in Gesckichte, in Erdkunde, in Staatsbürgerkunde oder in Mathematik und Naturwissenschaften oder auch in beiden Gruppen von Fächern verstärkt wird. Für eine solche Schul- form haben sich zahlreiche Schulmänner aus- gesprochen. Aus eigener Erfahrung möchte ich auch den folgenden Eirund anführen: Ich habe zahlreiche Schüler und Schülerinnen gehabt, tvelche für fremde Spracken nicht begabt waren und daher auf einer höheren Schule nicht mitkommen konnten, die aber für andere Lehrgegenstände wie für Ge- schichte, Erdkunde, Naturwissenschaften Interesse und Veran- lagung hatten. Für sie ist eine solche Schule mit einer fremden Sprache besonders geeignet. Zu Mißverständnis An- laß gibt nun der vielfach gebrauchte Name„Deutsches Gym- nasium". Mit den fremden Völkern sollen sich die Schüler auf dieser Schule nicht weniger beschäftigen, sondern mindestens ebenso sehr wie auf den anderen Schulen; wenn nicht noch mehr. Die Notwendigkeit hat der Krieg bewiesen. Dies, ist aber auch in anderen Fächern möglich, z. B. in Geschichte (europäische Geschichte der letzten 100 Jahre), in Erdkunde (eingehende Bekanntschaft der Schüler mit der Verfassung und dem politischen Leben der Länder). Parallel mit diesem Umban einer Reihe von höheren Schulen geht in denVolksschulen dieEinrichtung von besonderen Abteilungen für geistig de- sonders begabte Kinder. Verschiedene Städte wie z. B. Mannhcini, Darmstadt, Essen, Fürth, Mainz, Nürnberg. Plauen, Zwickau, haben es schon getan. Da dies zuerst in der Stadt Mannheim' geschehen ist, spricht man von einem Mannheimer S h st e m. Auch sür die zukünftige Einheits- schule sind solche Abteilungen vorgesehen, l In der Einleitung beißt es ausdrücklich, daß in derselben durch Kurse allen Begabungsrichtungen Rechnung getragen werden soll. Durch diese Kurse wird auch der gegen die Einheitsschule erhobene Einwand enkräftct, daß es unzweckmäßig sei, Schüler von ganz verschiedener Begabung 6—8 Jahre lang oder noch länger zusammen zu unterrichten. Werden diese Kurse all- mählich weiter ausgebaut» dem Lehrplan der höheren Schulen angeglichen, fällt bald die Daseinsberechtigung dieser sür Schüler bis zum 14. Jahre fort. Es werden auch ihre mittleren Klassen abgebaut. Alle Schüler besuchen in den ersten acht Jahren die allgemeine Volksschule. Die Einheits- schule ist da. Um Mißverständnisse zu vermeiden, möchte ich aber bemerken, daß ein solcher Abbau der mittleren Klassen der höheren Schulen in den nächsten vier Jahren selbstver- ständlich noch nicht möglich ist. Daher müssen für begabte Schüler und Schülerinnen der Volksschule Einrichtungen geschaffen werden, die sie in den Stand setzen, noch nach Besuch dieser in 5 bis 6 Jahren die- selbe Bildung wie die Schüler und Schülerinnen der höheren Schulen zu erhalten. So sind verschiedene höhere Schulen in Aufbauschulen(Deutsche Oberschulen) um- zuwandeln, für die das Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung Richtlinien bereits veröffentlicht hat. Die in der Entwicklung begriffene Berliner Be- gabtenfchule(das Köllnische Gymnasium) ist eine solche Ausbauschule, allerdings mit dem Unterschied. daß auf derselben drei fremde Sprachen gelehrt weiden. während das Ministerium nur eine als verbindliches Lehrfach vorsieht. Durch eine Rücksprache mit dem zuständigen De- zernenten im Ministerium sür Wissenschaft, Kunst und Volksbildung habe ich mich überzeugt, daß Schwierigkeiten irgend- welcher Art nicht hindernd im Wege stehen. Da es sich nur um den Umbau von alten Schulen handelt, entstehen auch keine bedeutenden Ausgaben. Es brauchen nicht Lehrer und Lehrerinnen angestellt zu werden,� eS braucht kein neues Schulhaus gebaut zu werden. Es kommen nur freie Lernmittel und Erziehungsbcihilfen sür begabte und fleißige Schüler und Schülerinnen in Frage. Ebenso wichtig wie die Einheitlichkeit des Schulwesens ist für Sozialdemokraten die W e l t l i ch k e i t demselben. Nach der Reichsvcrfassung können weltliche Volksschulen auf Antrag der Erziehungsberechtigten eingerichtet werden. Das Nähere soll die Landesgesetzgebung nach den Grundsätzen eines Neichsgesetzes bestimmen. Hoffentlich erblickt dieses Gesetz bald das Licht der Welt. Sollte es nicht der Fall sein, so müssen wir in Groß-Berlin selbständig vorgehen und eine Zahl von Schulen m weltliche Schulen umwandeln Eine Abstimmung unter den Erziehungsberechtigten gibt die Grund- lagen für die Zahl derselben. Solange ivir aber noch nicht weltliche Schulen haben, müssen wir den Schülern und Schülerinnen, welche nicht am Religionsunterricht teilnehmen, Gelegenheit geben, Ersatz- Unterricht in einem anderen Fach zu erhalten. Denn die Eltern dieser zahlen dieselben Steuern und in höheren Schulen auch dasselbe Schulgeld wie die andern. Die Berliner Deputation für die höheren Schulen Berlins bat auf meinen Antrag lürzlich einstimmig beschlossen, für die von dem Religionsunterricht befreiten Schüler und Schülerinnen Unterrichtskurse in allgemeiner Religionslehre und in den Elementen der Philosopbie einzurichten. In Lichtenberg ist Unterricht in sittlicher Lebenskunde eingeführt ivorden. Haben die Schüler und ihre Eltern die Wahl zwischen dem Unter- richt in dem konfessionellen Religionsunterricht und dem in einem anderen Fach, so fällt auch der innere Zwang fort, der darin liegt, daß es manchen peinlich ist, ihre Kinder vom Religionsunterricht abzumelden. Denn sie fürchten, dies könnte ihnen schaden. Der Zweck der Einheitsschule, daß nämlich eine Sonde- rung.der Schüler nach den Verniögensverhältnissen der Eltern verhindert werden soll, bedingt auch die Unent- geltlichkeU des Unterrichts. Leider ist aber das Schulgeld in dem letzten Jahre nicht nur nicht abgeschafft worden, sondern noch erhöht worden, auch in Berlin und Vororten, und zwar auf einstimmigen Beschluß aller Parteien. Zur Rechtfertigung kann man an- führen, daß diese Erhöhung um 50 bis 70 Prozent wegen des geringen Wertes unseres Geldes in Wirklich- keit eine Herabsetzung ist. Den begabten, aber un- bemittelten Schülern wird indes dadurch der Ausstieg er- schwert. Die Freistellen, die in weitherziger Weise be- willigt werden sollen, haben manches Bedenkliche. Dadurch wird das Anrecht auf eine der Begabung eines Kindes entsprechende Bildung, ein Recht, das ein allgemeines Menschenrecht ist, zu einem Almosen, zu einem Gnadengeschenk der Wohlhabenden. Auch werden osr die Freistellen entzogen, wenn die Leistungen des Schülers zeitweilig nicht genügen, oder ivenn das Betragen schlecht ist. Das bedeutet für die Eltern, daß sie ihr Kind von der Schule 49s Segen öer Erbe. Roman von Knut Hamsun. Nein, Jsak war nicht krank. Ueber ein Erlebnis mit dem Teufel konnte dieser gesundeste aller Memchen hrnwegkom- men. Jsak fühlte auch von dem gefährlichen Abenteuer kerne Nachwehen, im Gegenteil, es war, als sei er dadurch gestark» worden. Als sich der Winter seinem Ende zuneigt« und der Frühling nicht mehr so ewig weit entfernt ff>ar, fuime sich der Mann und das Oberhaupt allmählich als eme Art Held..,�ch verstehe solche Tinge, � wir dürfen mlr mitfolgen, zur Not kann ich auch bannen." Im ganzen genommen waren ja die Tage langer und heller, Ostern war vorüber, die gefällten Bäume waren Yeim- gefahren, alles leuchtete, die Menschen atmeten nach dem uoer- standenen Winter auf. Inger war wieder die erste, die sich aufrichtete, war jetzt schon lange in guter Laune. Woher das kam. Ho.io, es hatte seine guten Gründe, sie war wieder dick geworden. würde wieder ein Kind haben. Alles ebnete sich in ihrem Leben, nichts versagte. Aber das war ja die größte Barm- Herzigkeit nach alldem, was sie verbrochen hatte, sie hatte Gluck, das Glück verfolgte sie! Jsak wurde wahrhaftig eines Tages aufmerksam und mußte sie fragen:„Ich glaube wahrhaftig, es wird wieder etwas, wie ist das möglich?"—„Ja, gottlob, es wird gewiß etwas!" antwortete sie.— Beide waren gleich überrascht. Natürlich war Inger nicht zu alt; Jsak kam sie nicht zu alt vor, aber trotzdem, wieder ein Kind, ja, ja! Die kleine Leovoldinc war ja schon mehrere Male im Jahr für längere Zeit in der Schule auf Breidablick, da hatten sie keine Kleinen mehr zu Sause, und außerdem war Leopoldine jetzt auch schon ein großes Mädchen. Einige Tage vergingen, aber am nächsten Samstag machte sich Jsak energisch auf den Weg ins Dorf, und er wollte ent am Montagmorgen zurückkommen. Er wollte nicht wqcn, was er im Sinne hatte, aber siebe da, er kam mit einer Magd zurück. Sie hieß Jensine.—„Du bist wohl nicht recht klug." sagte Inger,„ich brauche sie nicht."— Jsak erwiderte, jawohl, jetzt brauche sie eine Magd. Und jedenfalls war das Nim ein so hübscher und gut- herziger Einfall von Jsak. daß Inger ganz beschämt und ge- rübrt war; das neue Mädchen war die Tochter des Schmieds; sie wollte vorerst den Sommer über dableiben, später werde man weitersehen. „Und außerdem," sagte Jsak,„Hab ich noch an Eleseus telegraphiert." Inger zuckte zusammen. Telegraphiert? Wollte Jsak sie rem umbringen mit seiner Gutherzigkeit? Seht, es war ja seit langer Zeit ihr großer Schmerz, daß Eleseus in der Stadt war, in der ruchlosen Stadt! Sie hatte an ihn von dem lieben Gott geschrieben und ihm außerdem auch erklärt, der Vater werde allmählich alt, der Hof aber immer größer. Klein- Sivert könne nicht alles leisten und er solle ja auch den Oheim Sivert einmal beerben— und sie hatte ihm für alle Fälle einmal auch das Reisegeld geschickt.. Aber Eleseus war ein Stadtmensch geworden und sehnte sich nicht ins Bauernleben zurück, er erwiderte, was er denn daheim ungefähr tun solle? Ob er auf dem Hofe schaffen und all sein Wissen und seine Gelehrtheit wegwerfen solle?„Und tatsächlich Hab' ich keine Lust dazu," schrieb er.„Und wenn Du mir wieder etwas Stoff zur Wäsche schicken kannst, dann brauche ich deslzatb keine Schulden zu machen." schrieb er.— O ja. die Mutter schickte Stoff zu Wäsche; aber als sie erweckt und fromm ge- worden war. da war es ihr wie Schuppen von den Augen gefallen, und sie begriff, daß Eleseus den Stoff unterderhand verkaufte und das Geld zu anderem benutzte. Tasselbe begriff auch der Vater. Er sagte nie ein Wort darüber, denn er wußte, daß Eleseus der Mutter Augapfel war, daß sie über ihn weinte und den Kopf schüttelte; trotzdem aber verschwand ein Stück doppelseitiges Tuch nach dem an- dern; darüber war sich Jsak ganz klar, daß kein Mensch auf der weiten Welt soviel Wäsche auftragen könnte. Wenn er also alles in allem betrachtete, so mußte Jsak deshalb als Mann und Oberhaupt wieder eingreifen. So ein Telegramm durch den Kaufmann kostete'allerdings unverhältnismäßig viel, aber teils würde das Telegramm sicher eine ungeheure Wirkung auf den Sohn ausüben, teils war es ja für Jsak selbst etwas ganz Außergewöhnliches, wenn er bei seiner Rück- kehr Inger das mitteilen konnte. Als er heimwärts wan- derte, trug er sogar noch den Koffer des neuen Dienstmädchens auf dem Rücken; trotzdem fühlte er sich aber nickst so stolz und io geheimnisvoll wie an jenem Tage, wo er Inger den goldenen Ring mitgebracht hatte... Und noch etwas Herrliches! Inger wußte gar nicht, was Nutzliches und Gutes sie nun alles tun sollte. Wie in den alten Tagen sagte sie oft zu ihrem Mann;„Tu kannst alles zustande bringen!" Und ein anderes Mal:„Du schaffst dich zu Tod!" Und abermals:„Nein, jetzt mußt du hereinkommen und essen, ich Hab' Waffeln für dich gebacken!" Um ihr eine Freude zu machen, fragte Jsak:„Ich möchte wissen, ob du heraus- gebracht hast, was ich mit diesen Balken bauen will?"— „Nein, das weiß ich noch nicht recht," antwortete sie und tat sehr wichtig. Es war jetzt wieder ganz wie in' defl alten Tagen. Und nachdem das Kind geboren war— eS war ein Mädchen, ein großes, wohlgestaltetes Mädchen—, hätte Jsak ein Stein oder ein Hund sein müssen, wenn er nicht Gott dankbar gewesen wäre. Aber was wollte er bauen? Das wäre etwas für Oliue, darüber könnte sie klatschen: einen Anbau ans Haus, noch eine Stube. Seht, die Familie auf Sellanraa war nun sehr zahlreich geworden: sie hatten eine Magd, sie erwarteten Eleseus nach.Hause und ein funkelnagelneues kleines Mädchen war angekommen,— die alte Stube mußte nun Schlafkammer werden, anders ging es iffcht. Und natürlich mußte Jsak das Inger eines Tages er- zählen: sie war ja so neugierig darauf, es zu erfahren, und obgleich Inger das gawe Geheimnis vielleicht schon von Sivm gehört hatte— sie tuschelten ja oft miteinander—, so tat sie ordentlich überrascht, ließ die Arme sinken und sagte:„Das ist doch wohl nicht dein Ernst?"—> Aber zum Platzen voll von innerem Glück crtviderte er;„Du kommst mit so vielen neuen Kindern daher, wie soll ich sie denn unterbringen?" Die Mannsleute waren nun jeden Tag eifrig beim Stein- ausbrechen für die neue Grundmauer. Sie waren einander jetzt ungefähr gleich bei dieser Arbeit; der eine frisch und fest in seinem jungen Körper und rasch im Erfassen der gün- stigsten Lage, im Erkennen der passendsten Steine, der an- dere alternd und zäh, mit langen Armen und den Spaten mit ungeheuerem Gewicht einsetzend. Als sie einmal so ein reckst tüchtiges Stück lolch harter Mannesarbeit ausgeführt hatten, schnauften sie eine Weile aus und hielten einen scherz- haften rückhaltslosen Schwatz miteinander. „Brede will ja verkaufen," sagte der Vater.—„Ja," versetzte der Sohn.—„Möchte wissen, wieviel er verlangt?"— „Ja,' wiepiel Wohl?"—„Du hast nichts gehört?"—„Nein, doch, zweihundert."— Der Vater überlegte eine Weile, dann sagte er;„Was ineinst du. gibt das hier einen Grundstein?"— „Es kommt darauf an. ob wir den Halunken laerausbekommen," antwortete Sivert und stand augenblicklich auf. reichte dem Vater den Setzhammer und nahm selbst den Vorhammer. Er wurde rot und heiß, richtete sich in seiner Größe auf und ließ den Vorhammer nisdersgnsen,-richtete sich wieder auf und ließ ibn abermals niederfallen— zwanzig ecke'che Schläge, Zwanzig Donnerschläge! Er schonte weder da? Werkzeug noch sich selbst, er leistete tüchtiao Arbeit, das Semd kroch ihm über die Hose heraus und entblößte ibin den Magen, bei'edeni Schlag richtete er sich auf die Zehenspitzen aus. um dem Schläger noch größere Wucht zu verleilzen. Zwanzig Schläge.(Forts, folgt.)
herunteniehmon müssen, da sie da? Schulgeld nicht bc- zahlen können. Ein Kind wohlhabender Eltern kann aber dann die höhere Schule ruhig iveitcr besucken, braucht ac erst zu verlassen, wenn es zwei Jahre in derselben Klasse bleibt, ohne versetzt zu werden, und dann auch nur in dem �alle, wo nach dem einstimmigen Urteil der Lehrer dieser Klasse ein weiteres Verbleiben des Schülers auf der Anstalt zwecklos ist. Daher halte ich trotz unserer schwierigen Finanzlage an der alten sozialdemokratischen .Forderung der Unentgeltlichkeit des Unter- r i ch t s i n a l l e n S ch u l e n f e st. Denn die Einnahmen, die die neue Stadtgemeinde Berlin aus dem Schulgeld haben wird, werden nur einen ganz kleinen Teil der Gesamteinnahme ausmachen, jedenfalls weniger als ein Prozent. Die For- deruug der Uneutgeltlichkeit des Unterrichts ist vor allen Dingen deswegen berechtigt, weil das Schulgeld eine Steuer ist, die ausschließlich den Familienvätern auferlegt wird, also denjenigen, die jetzt besonders schwer zu kämpfen laben. Wenn man sich aber zu der Abschaffung des Schulgeldes jetzt aus finanziellen Gründen nicht ent- schließen will, so bleibt nichts anderes übrig, als das Schul- >-eld nach dem Einkommen der Eltern und der Zahl ihrer Kinder zu staffeln, wobei die untersten Einkommen, viel- leicht bis zu 6- bis 8000 M., ganz frei bleiben. In der Berliner Deputation für die äußeren Angelegenheiten der höheren Schulen haben wir uns mit diesem Plan eingehend beschäftigt und nur deswegen einstweilen davon Abstand ge- uommen, eine solche Abstufung zu beantragen, weil von den Bororten nur ein Teil dafür zu gewinnen war. Eine solche Staffelung des Schulgeldes ist aber nur dann zweckmäßig, wenn sie in allen Schulen desselben Ortes gleichzeitig vor- genommen wird. Durch die Schaffung der Einheitsgemeindc n't also das Haupthindernis beseitigt. Auch die Vereinigung der Elternbeiräte der höheren schulen von Berlin hat sich für eine solche Staffelung ausgesprochen. Sckunieriger ist die unentgeltliche Lieferung der Lernmittel durchzuführen, die aber nicht lange auf- geschoben werden kann, da sie, für Volksschulen wenigstens, in der Neichsverfassung vorgeschrieben ist. Der Berliner Kämmerer Böß hat uns im vorigen Jahre mitgeteilt, daß er die Kosten für die unentgeltliche Lieferung der Lernmittel auf zehn Millionen Mark ini Jahre berechne. Diese Summe erschien uns damals etwas hoch, mag aber jetzt, nachdem die Preise für alle Gegenstände und besonders auch für Papier wesentlich gestiegen sind, zutreffen. Für die neue Stadt- gemeinde Berlin würden es demnach etwa zwanzig Millionen Mark sein. Die Kosten würden aber geringer sein, wenn die Bücher im eigenen Verlag der Stadt erscheinen würden. Damit kommen wir zu der S o z i a l i s i e r u n g des S ch u l- buchhandels. mit der in den nächsten vier Jahren wenigstens der Anfang gemacht werden kann. In dem Schulausschuß der S. P. D.- Gemeindevertreter von Groß- Berlin haben wir hierfür Leitsätze aufgestellt, die ich in der Vollversammlung derselben zu vertreten hatten und die dort einstimmig angenommen wurden. Für die Sozialisierung lassen sich außer der Möglichkeit der beffcren und billigeren Herstellung noch die folgenden Gründe an- führen: Die mouopolartige Stellung mancher Verlagsbuch- Handlungen, die Ausschaltung von kapitalistischen Gründen bei der Vornahme von- Veränderungen. Manche Verleger nehmen zun: Beispiel in neuen Auflagen außer den not- wendigen Veränderungen auch solche vor, die nur den Zweck haben, die Benutzung der älteren Ausgabe durch die jüngeren Geschwister unmöglich zu machen. Der Wettbeivcrb der Schulbuchautoren soll dadurch nicht ausgeschaltet werden. Im Gegenteil, die Stadtgemeinde Berlin kann ihn durch ein Preisausschreiben hervorrufen. Eure solche Sozialisierung ist auch deswegen zweckmäßig, weil sie das sicherste Mittel ist, Schulbücher herzustellen, die dem Geist der neuen Zeit entsprechen. Ich denke vor allen Dingen an die Geschichtsbücher. Die Bs- Nutzung der alten ist glücklicherweise verboten worden, aber wir haben keine, welche als Ersatz dienen könnten. Die Stadt- Die Serliner Kunstausstellung. Bon Tr. John Schikowski. 1. Tic Alten. Wenn ich in meinem Vorbericht sagte, der Verein Ber- l i n e r Künstler lyabe. aus seiner Ausstellung diesmal allen Kitsch bis auf verschwindende Ausnahmen getilgt, so muh ich das Urteil leider ein wenig einschränken. In verborgenen Winkeln lauert doch mancherlei Greuel und Unflat, und namentlich beim Durchschreitest der Zimmer st— 13 sei Vorsicht angeraten. Namen will ich nicht nennen, die Papierknappheit mag den Herrschaften zugute kommen. Im übrigen bleibt der erste Eindruck bestehen: das Durch- schnittsniveau ist ein relativ anstä ndigeS und man merkt vielfach wenigstens das Äestreben, aus dem traditionellen Schlendrian hinauszukommen. Die Veteranen freilich konnten nicht mehr um- lernen, und kein Verständiger wird sie deshalb tadeln. Ter alte Dans B o li r d t läßt unverdrossen fein Seewasser wogen und branden(Zimmer 11, Nr.-Ist), Eugen Bracht wölbt in altroman- tischem Stil(16, 56) bleifarbene Gewitterhimmel über verfallendes Gemäuer, und Ernst Körner beschickt die Ausstellungen noch immer mit seinen Lrientlandschasten(16, 391), okgleich das, was seiner Kunst einst Wert verlieh, durch kolorierte Photos heute ebenso gut und billiger geleistet wird. Zum relativ Besten, lvas der Impressionismus hier zu bieten hat. gehören die Arbeiten von Leonhard Sa n d r o ck und Wilhelm Kuhnert. Saudrocks großes Gemälde„Abtransport"(2, 637) erzeugt bei getreuer Naturwicdcrgahc durch_bic Wahl eines sehr„malerischen" Motivs eine starke und ern>e«timmung. Kuhnert zeigt interessant auf- gefaßte und solide, wenn auch ein wenig schönfärberrsch gemalte Tierbilder, einen„Brüllenden Löwen"(ö, 496) und einen„Tiger am�Wass�rloch"(4, 497). Ludwig D et t mann, der in der massiven Gestaltung handgreiflicher Sonn>cnstrahlen auf seinem Gemälde„sonne und Erde"(2, 95) dem Expressionismus eine nicht sehr glückliche Ovation darbringt, ist im übrigen trotz einer etwas phantastischen Note ebenfalls ein tüchtiger Impressionist ge- blieben. Ewald Manz„Tänzerinnen in der Garderobe"(S, 469), schon aus weiter Entfernung vom Zimmer 23 aus wirkungsvoll sichtbar, erzielen durch ihre Liniencleganz und die in harmonischer Ruhe gegeneinander stehenidcn weißen, gelben, blauen, schwarzen und rosa Flüchen einen starken, aber' nur äußerlich dekorativen Effekt. Bei dem einfach naturalistisch aufgefaßten„Pflüger"(2, 154) von Erich Fcyerabend wirkt die kräftig empfundene Nacken- und Rückenlinie des Tiers, die in energischem Schwünge nach links hinübergreist und die Konturen des Mannes in ihren Rhythmus hineinzieht, viel entscheidender als die exakte Wieder- gäbe der Nahirformeu. Die Versuche, sich mit dem Expressionismus auseilranderzu- festen, find nicht immer vom Glück begünstigt. Paul Plontkes „Madonna"(2, 586) lehnt sich denn doch allzu ungeniert an die Formen- und Farbensprache Jacckels an, und Otto Alfreds treuherziges Bestreben, in einem Gemälde„Der Jugend Sannen- gemeinde Berlin müßte auch Bücher verlegen, welche für die Schülerbibliotheken geeignet sind und die in demselben in großer Zahl vorhandenen militaristischen, nationalistischen und byzantinistischen Werke ersetzen können. Für die Reform des Geschichtsunterrichts müßte das neue Berlin außerdem noch manches andere tniv z. B. Vortrags- k u r s e über die materialistische Geschichtsauffassung und über Völkerrecht veran- st a l t e n. Denn hiervon wissen viele Lehrer wenig. Bei der Durchführung von Reformen wird man auch den Eltern der Schüler und Schülerinnen einen Einfluß einräumen. Von den Elternbeiräten der einzelnen Schulen tvird man aus ihrer Mitte für die Verwaltungsbezirke Bezirkselternbeiräte und für die ganze Stadtgemeinde Berlin eine Elternkammcr wählen lassen. Eine solche gibt es bereits in Hamburg. Sie besteht aus 100 Mitgliedern. 21 sind von den Elternbeiräten der höheren Schulen, 66 von denen der Volksschulen, 6 von denen der Privatschulen und 6 von denen der Landschicken gewählt worden. Gegen die Wahl einer ähnlichen Kammer in der Stadtgemeinde Berlin bestehen keine Bedenken, wie ich in dem Ministerium von dem zuständigen Dezernenten erfahren habe. Damit ist natürlich die Aufzählung der Reformen, die in den nächsten vier Jahren durchgeführt werden können, noch lange nicht erschöpft. Ich könnte noch viele andere angeben: Einrichtung von Kindergärten für Kinder im Alter von vier bis sechs Jahren, Ausdehnung der Schulpflicht sür die Volksschüler über das 14 Lebensjahr hinaus, Einführung des in der Verfassung vorgeschriebenen Arbeitsunterrichts, Schul- spcisuug aller Schüler und Schülerinnen oder wenigstens der bedürftigen, Uebernahme der Privatmädchenschulsh in den Besitz der Stadt, Ausbildung des Fach- und Fortbildungs- schulwesens usw. Die Stadtverordneten der S. P. D. werden sich hierbei sagen: Nachdem so viele Milliarden sür den Militarismus aufgebraucht worden sind, darf nicht mit Millionen gespart werden, wenn es sich darum handelt, der neuen Generation eine der Anlage und der Neigung jedes einzelnen Kindes entsprechende Bildung zuteil Iverden zu lassen. Wenn man aber die Wahl zwischen den Reformen hat, welche viel Geld, und denjenigen, welche wenig oder gar kein Geld kosten, wird man zunächst diese verwirklichen. . Alle Reformen hc»ben einen zweifachen Zweck: Aufbau der Einheitsschule, wie sie oben gekenn- zeichnet worden ist, und Erziehung der Schüler in einem neuen Geist, nämlich im sozialen Geist, im republikanischen Geist und im Geiste der Völkerversöhnung. Wer eine Schulreform in diesem Sinne will, gebe am 2 0. Juni seine Stimme der Liste der Sozialdemokratie, der Liste Hugo Heimann. Wirtschaft (Siehe auch Hauptblatt.) Der Steuerabzug vom Arbeitslohn. Die Bestimmungen über die vorläufige Erhebung der Einkommensteuer durch Abzug vom ArbeiiSlohn, die mir dem 25. Juni rn iirraft trelen. sagen im einzelnen folgendes: Bei jeder Lohnzahlung hat der Arbeitgeber 19 Proz. des Arbeitslohnes zu Lasten des Acbeunehmers einzubehallen, so» weit die Auszahlung des Arbeitslohnes ans einer öffentlichen Kasse erfolgt, gilt diese als Arbeitgeber. Arbeitslohn im Sinne der Verordnung ist jede inGeld oderGeldeSivertbewirkte einmalige oder wiederkehre ndeVergü tung fü r Ar» b e i l s l e i st u n g e n, insbesondere Gebälter, Besoldungen, Löhne, Tantiemen, Gratifikationen, Wartegeldcr, Rubegelder, Pensionen. Der Wert von Naturalbezügen ist zur Bemessung deS einzu- behaltenden Betrags mit dem Betrag anzurechnen, der sich auS den Tarifvereinbarungen ergibt. Jeder Arbeilnebmer hat sich für da? Rechnungsjahr 1929(1. 4. 29 bis 31. 3. 21) von der Gemeindebehörde seines Lohn- und BeschäftigungSortes eine Steuerkarre ausstellen zu lassen. schein"(5. 535) die verblichenen Reize des alten Genrebildes� mit denen der modernen Kunst zu vereinigen, zeitigt ein sehr unerfreu- liches Resultat. Anderen gelingt die Kreuzung besser. Am besten Egon von K a m c k o- in dem schlichten Gemälde„Nordlandsbirken" (5, 349), dessen schöne Wirkung fast enissckließlich aus der or- ganischelr Bildgestaltung beruht. Die Fläche ist in koloristisch fein abgestimmte Horizontalstreifen ausgeteilt, die durch das rhythmische Spiel und Gegenspiel eines graziösen Bozens und eines auSdrucks- vollen Zickzacks schneeiger Berggipfel belebt werden, mährend eine Reihe schlanker Baumstämme"die wagcrechten Linien energisch überschneidet. Auch Alfred Helbergers in mattgoldener Farben schönheit leuchtender„Neuschnee im Hochgebirge"(11. 278) zeigt, daß der Künstler scipem Werke mehr gegeben bot als ihm der NaturauSschnitt bieten konnte. Von hier bis-zum Stil der neuen Kunst ist nur noch ein kleiner Scbriit. Im Zusanimenhang mit dem Verein Berliner Künstler erscheint diesaml wieder der Verband deutscher Illustratoren, dessen Räume vom Zimmer 14 zugänglich sind. Arbeiten von Fidus, Trier. W. K r ain, Türcke sind hier neben zahl. reicken anderen, ausgestellt. Gute Mi'telware für den TageSkonsum. Sehr schlimm siebt es im Riesensaal der Plastiken(1) aus. Hier spukt noch der Geist der wilhelminisdien Aera: flache Spielerei, gcfüblsleere Rrutine und eine unerträgliche Gespreiztheit. Leute, deren Fähigkeiten zur Herstellung von Nivpes und Briefbeschwerern ausreichen, posieren Monumentalität in klassizistischen Statuen und Kolossalfignren. Wanderer, fliehe diesen OrtI Die„Düsseldorfer K ü n st l e r s ch a f t", der die Zimmer 17 und 18 eingeräumt sind, vereinigt obne bemerkenswerte Einzel- leistungen beide Richtungen in sich. Sie bietet keinen Ersatz für die fcblendcn Berliner Sezessionen, die eine Beteiligung an der Ausstellung diesmal abgelehnt haben, weil sie eine Schädigung ikrer eigenen gleichzeitigen Veranstaitilngen fürchteten. Das ist, obwohl es den Gesamicharflkler der Ausstellung nicht wesentlich geändert hätte, doch gerade im Interesse der„Alten" zu bedauern. Denn Arbeiten von Meistern wie Liebermann, Slevogt, Curt Herr- mann würden von der Bedeutung des Impressionismus einen wesentlich günstigeren Begriff gegeben haben als es der Verein Berliner Künstler vermag. Das �mfelnest. Die Schwarzainsel hat in wenigen Jahrzehnten ihr Wesen völlig geändert. Früher ein scheuer Waldvogel, ist sie zu einem Garten- und Parkbewohner der Städte geworden. Mein Vaterhaus lag nur 'wenig?.'Schritte von einem sich viele Meilen weit erstreckenden Tannenwald entfernt. An den schönen, stillen Frühlingstagen kamen gegen Abend alle gefiederten Sänger bis auf die vordersten Bäume des Waldes, wo er au un'ere Wielen grenzte, und ließen dort im fröhlichen Durcheinander ihre Stimmen erschallen. Einzig dieSchwarz» amsel blieb tiefer im Walde und gab ibr Abendkonzert von dort a»S. Damals hätte ich nicht geglaubt, daß ich diesen sich ängstlich zurück- haltenden Vogel in der Großstadt um mich haben würde. Seit Jahren nistet an meinem Hause ein Pärchen, das bei der Schonung und Pflege, das ihm Sommer wie Winter zuteil wird, fast schon Für den einbehaltenen Betrag hat der Arbeitgeber Steuer- marken in die Steuerkarten des Arbeitnehmers einzukleben und zu enlwertcn. Die Steuermarken werden von den Post- an st alten verkauft. Die Anrechnung der im RechnungS- jähr 1929 eingeklebten Steuermarken auf die in diesem Jahr zu entrichtende Einkommensteuer findet erst nach der end« gültigen, nach Ablauf deS Kalenderjahres 1929 vorzunehmenden Veranlagung statt, es sei denn, daß dem Arbeitnehmer ein Steuer» anforderungsschreiben über die 1929 vorläufig zu entrichtende Ein» kommensteuer zugegangen ist. In diesem Falle kann der Arbeit» nehmer die eingeklebten Steuermarken aus die zu entrichtend« Steuer an Zahlungsstatt hingeben. Das LondeSfinanzämt kann auf Antrag des Arbeitgebers zulassen, daß eine Verwendung von Steuermarken unterbleibt, und daß die Einzahlung des durch den Arbeilgeber eingehaltenen Betrages in bar oder durch Ueber» Weisung aus da? Konto bei der für den Arbeitnehmer zustän- digen Steuerbehörde erfolgt. Für die Einbehaltung und Eutrich- tung des lyproz. Abzugs vom Arbeitslohn haflel dem Reiche neben dem Arbeitnehmer der Arbeitgeber als Gesamtschuldner. Lertrustung der Seideninduftrie. Wie wir hören, hat die große Seideniabrik Deuß u. Oetker in Krefeld gemeinsam mit vier anderen bereits in einer Interessengemeinschaft vereinigten Krefelder Seiderckabriken eine neue Aktiengesellschaft gegründet zum gemeinsamen Be- trieb der vereinigten Unternehmungen, deren Selbständig- keit als solche erhalten bleiben soll. Die Höbe des Aktienkapitals der neuen Gesellschaft ist noch Gegenstand der Ver- Handlungen. Zum Borsiyenden des Aussichtsrats wurde Bankier Hugo Samen, in Firma Joseph Frank in Krefeld, bestimmt. GroßSerlln Kinüer öer Enge. In allen Städten findet man sie. die Straßen, in denen fich die zusammendrängen, die nur daraus sehen müssen, möglick.st b illig zu wobnen. die vermögend sind, wenn jedes Familien- Mitglied ein Bett und e i g e n e W ä s ch e sein nennt. Kohle, rohe Häuser, denen man die kalischnäuzige Profitberechnung des Bauipekulanten von weitem ansieht, dulden diese Straßen in den modernen Großstädien, alte, schief und winklig hingestellle Holz- bauien, zwückendurcki auch bolzickuitzwerkbeladenc jahrhunderialie. ehemalige Pairizierhäuier stellen sie in den»Städten ehrwürdiger Vergangenheit" zusammen.— Wer kennt nicht die mildwürzigen Frühlingssonntage? In den Gehölzen kreischen Krähen und einige früh heim- gekehrte Vögel, verjxgeneS Grün lugt aus unzähligen Knoipcn, vor- sichtig, wie ein milchgesichtiger Leutnanr. der bereit ist, beim ersten Anzeichen dicker Luft in den schützenden Unterstand zurückzuschlüpfcn, daS Moos am Boden bat sich prall und vollgesogen, wie ein Mensch, der nach langem Stubenwinter die Brust vollpumpt mit frischer Märzenluft. Bis in den breiten, bequemen Straßen— an den beiden mächtigen Fachwerkpalästen, die ihre oberen Stockwerke so dicht gegeneinander vorschieben, als wollten sie sich oben vereinen, scheint sich der Strom FrühlingSlust zu brechen, sich zurückzubäumen vor dem dumpfen, stickigen Brodem, der auS dem engen Häuserschacht � hinter den beiden ehemalig stattlichen Häusern hervorquillt. DaS ist eine Gasse der Not. In Zickzacklinie säumen altersgraue Häuser den schmalen Fahrweg mit den noch schmaleren Bürgersteigen ein, ein paarmal krümmt sich die Straße jäh. so daß es aussiebt. als wäre sie eine Sackgasse. Schmalbrüstig sind die Häuser, wie ihre ve- wohner, vornübergebaut wie Menschen, deren Schultern schwere. wuchtende Arbeit nach vorn gedrückt hat, die oberen Stockiverlc schieben sich über die Straße hinaus, wie enggewordene Menschen, die ihr bischen Armut mit gierigen, rußig gewordenen Händen geizig an sich halten. Die kleinen, quadratischen Fenster lasten enge. niedrige Stuben wissen, die dunklen Flure mit steilen gewundenen Treppen hauchen Armut aus. Einen Reichtum mir bat die Gasse und ihre Bow ebner! einen Reichtum, der bittere Armut ist— Kinder- reichturn. zum Haustier geworden ist. Bei der Wahl des NistplayeS gibt es »ranchmal ergötzliche Auseinandersetzungen zwischen ihm und ihr. In der Regel wählten sie den Vordergarlen zum Nestbau, den ich ihnen, um sie nicht zu stören, ganz als ihre Domäne überlassen mußte. In diesem Frühjahr halte ich ihnen auf dem Hose unter dem weit vorspringenden Dach der Remise einen besondere,'. völlig von wildem Wein umsponnenen Brutploy hergerickler. ' Er war sofort Feuer und Flamme für die neue Sielle. schleppte emsig Material sür da« Nest hinzu und schnattert� eifrig auf die Gemahlin ein. als wollte er sagen: Sieh nur, wie prächtig I Regen- sicher, vor dem Winde geichützt und dazu Morgen- und Mittag» ionne. Schöner können wir eS unS nicht wünschen. Ich glaubte denn auch schon, daß meine�List geglückt sei, und ich den Vorder- garten wieder kür mich benützen und in den Abendstunden in>b>n würde weilen können. Aber es kam anders. Sie verhielt sich kiiü zurückhaltend und sabotierte schließlich den Nestbau ganz. Balc entdeckte ich auch den Grund ihrer Ablehnung. Im Nachbargarten lag die Katze auf der Lauer und äugte nach oben. Nicht weit vom Nistplatz steht ein Holunderbaum, bei- würde die Katze mit Leichtigkeit erklettert und dann mit eine» Sprung« das Nest erreicht haben. Die Frau Ämselm hatte sie! also als die klügere und weitblickendere erwiesen, und das Nc wurde wie üblich in der dichten, üppigen Efeuberankung de' Vorderfront des Hauses angelegt. Und weil es dort im Voider- garten unter den Linden gar so traulich und still dazu ist, faitt sich auch gleich noch ein Rolschwänzwknpärchen ein, das mit i» Efeu nistete. Glückliche Geschöpfe, die so ohne Höcbsimieienord- nung und ohne MietseiniguazSamt die Wohnungsfrage lösen! Am Wablionntag klingelte es vormittags heftig. Die Wahl- schlepperei wird doch nicbt etwa schon im Gange sein, dachte ich. Aber eS war nur eine Nachbarin von Gegenüber, die mir miiteille. daß sie beobactuet habe, wie ein junaer Vogel aus dem Eleu ber- uniergeflatteit ,ci und nun hilflos innen dicht am Gartenzaun sitze. Was ich gleich vermutete. ,ras zu. Dem«cltesien des Amielpaares war es wohl ber dem Heranwachsen der Geschwister im Res» zu eng geworden; er hatte geglaubt, schon in die Well schweifen und am Wahltage sich einen Platz aus eigener Entschließung wählen zu können, dabei aber die Kraft seiner Schwingen arq überichätzi. Wird eS etwa dem deut'chen Volke auch so gehen? Wird e? von der Höbe deS polttttchen Aufstieges, den e4 genommen, auch her- iinierglerten. um dann m den Banden reaktionärer Mächie wieder hilflos am Boden zn liegen? Hoffenilich ni»l l Tie kleine kühne Amsel konute ,ch freilich nicht wieder zur Höh? hinauf befordern. Hatte ich die Leiter angelegt und sie in das Nest zurückexpedtert. wurden die übrigen Jungen aus Angst wahrschein. lich auch davon geflattert sein. Di« Aufregung über den Vorgang war schon Amsel- und Rotschwänqcheneltern aron aenua. Alle vier umflatterten mich immer dicht, und wenn ich ihr Begehren richtrg verstanden habe, dann gmg eS dahin; schaffe nur das Junge vom Zaune weg. wo«s die Kinder greifen könne», und brii>s° e» in Sicherheit. Das beiorgte ich denn auch. In seinem Versleck, in dem eS die Alten getreulich weiter füttern, mutz eS sich nun so lange gedulden. o,S e« au« eigener Krajt der Höhe zustreben, sich in den Wipfeln wresen kann. A. Q.
©onrtkJ� ist'S. ÄprÄsanntsg mit FrüÄmqSabn-en, da?«fei ■triefet hmunterreichi cruf d-t« enge Gasse, wo Kinder d-r D ü r f- fei gleit und Kinder gänzlicher Kot und Verwahr» I o s u n g svielen. Spielen mit rohen, ungebildeten Bewegungen. sich belustigen in unlindlichen, aufgeschnappten Redensarten, dumpf und nutzlos. WaZ sollen s t e mit dem Sonntag machen, was wissen sie liwn Frühling und Feiertag? Grau und Halbdunkel ist Tag auf Tag in der engen Gasse, ob drangen Sonnenschein oder Nebel. Weit, zu weit ist der Weg inS Fr&re. Die Schuhsohlen, soweit die Kinder noch welche baben, zerretzßen die hundert aufreibenden Arbeiten der Wochentage, für det� Sonntag gibt eS nur Pantinen, die schlecht feinaustragen in die Weite, ins Freie. Und so bleibt da? einzig' Licht, der einzige Glanz dieser Kinder der aus den dunstigen Tanzbuden und Kaschemmen, an deren Eingängen auch die Kleinsten schon lungern, sehnsuchtsvoll hineinstarren in das Lampenlicht. Tag ihre Sehnsucht weiter, hinaus, hinauf könne, sie wissen es nicht, nur eine einzige Unzufriedenheit, die ihre Seelen von klein aus verkümmert, verbittert, ist in ihnen. Wozu hat man sie auf die Welt gebracht, in diese dumpfe Enge geboren? Mehr als eine Zote,«ine herzzerreißende, unbewußte A n- klage gegen die Weltordnung das Gesetz, das zu Gebären zwingt, gegen ihr Schicksal, ist der freche Vers, den Halb- wüchsige horauSgellen: „Schlafs, Kindchen schlaf! dein Vater ist ein Schaf, deine Mutter ist ein Dusseltier, waS kannst du armes Wuwn dafür? schlafe, Kindchen schlaf I" Versorgung der RuhegehaktArmpfänger und Hinter« bliebcncn. Die preußische Lande'vetsammlung bat am 7. Mai 1920 das Gesetz, betr. die Bcreilstrllung von Mäiel» zu D i e n st e t n k o m- ntensverbesserungen und damit auch da? Beamten. diensteinkommensgesetz. da-? Beamlen-Altruhe- gehaltSgeietz und da? Volks ich ullebrer-Altrude- gehaltsgesey angenommen. Der preußückn Finanzminister bat durcki Runterlaß vom 12. Mai>920 den nach'eordncten Be- bürden mitgeteilt, es werde besonderer Wert darauf gelegt, daß die Arbellen zur Ausiübrung des Geietzes sofort in Angriff genommen und derart gefördert werden, daß die Einkommens- Verbesserungen den Beamten. Wartegeld- und NiibegebaltSempsänaeni und Hinterbliebenen io schnell als möglich ausgetablt werden können. Möglicherweise könnten Verzögerungen in der AuSzablung der Gebnhnnsie für die Nubegebaltsempfänaer und Hinterbliebenen dadurch eintreten, daß die Bcbö/de die einen Beamten u'w. zur Ruhe gesetzt oder da? W-»ven- und Wailengeld für die Hinterbliebenen eine? im Dienst gestorbenen Beamten usw. berechnet bat und nun auch die neuen Gebührnisse berechnen muß. nickt genau weiß, wo der Ernp'angs- berechnale wohnt und welche Jiass« seine Gebnbrnisse bisher qezahli bat. ES kann desbalb den RubegebaliSempsängetii und Hmiet- bliebenen. insbesondere solchen, die bisher noch keine Teuernng?» beibilsen bezogen haben, nur dringend geraten werden, alsbald der Behörde, in deren Bezirk der Beamte oder Lehrer zuletzt b e- s ch ä s.t i g t gewesen ist, ihre Wohnung und d i e z n h( e n d e Kasse mittuteilen. Wenn für Kinder im Alter vom vollendeten 14. bi? 21. Lebensjahre Kinderbeihilfen etbclcn weiden, muß der Name und Geburtstag der Kinder und scrncr mitgeteilt werben, od die Kinder ein eigenes Einkommen beziehen. Dabei ist die Art und Höhe de! Einkommens anzugeben. Wohnungsnot oder Wucher? Mit dem Wort von der riesigen WohichngSnot in Berlin werden täglich viele tausend Berliner Wobiiungiuchende von aimlichen und anderen Stellen auf die bequemste Weite afegesunden. Wo nichts ist» da hat bekanntlich auch eine amtliche Veriügung ihr Recht ver- loren. Wie erstaunen werten aber die WobiiungSiiicher, wenn sie er- fahren, daß dock etwas da ist. Man muß nur verstehen, es»ichtig ans Licht zu holen, wie folgendes Mittelchen beweist, da? uns ein Leser mitteilt. Er schreibt: .Da sich meine Tochter demnächst verheiraten w'll, suche ich seit Monaten vergeblich eine passende Wohiiuiig. Um festzustellen, ob wirklich die Wohnungsnot in Berlin so groß ist, erließ ich in verschiedenen Lokalblättern ein Inserat, in dem ich eine möblierte L-Zimmerwohnung suckle. Kaum war die Zeitung erschienen, io stand da? Telephon nicht still, infolge der Meldung von Leuten, die möblierte Wohnungen anboten. Natürlich nickt unter 500 M. monatlich auswärts. Ick fragte mick nun, wie ist es mög- lick, daß Tausende von Menschen keine Wohnung erhalten, wenn bier auf ein kleines Inserat Hunderle von Angeboten ertolgen. Damit ist doch der Beweis erbracht, daß Wohnungen vorhanden sind, aber nur für solche Leute, die sich in der glücklichen Lage be- finden, monatlich öOO M. und mehr zu bezahlen.' Der Einsender teilt uns mit, daß er von der geschilderten Tatlache dem Berliner Magistrat Mitleilung gemacht hat. Wir möchten dem Wohnungsamt empfehlen, unverzüglich einige kleine Inserate aus- zugeben, um auf diese Weise zur Kenntnis einer großen Anzahl beschlagnahmereifer Wobnungen zu gelangen. DaS üble Wucherer- gefindel, das so schamlos die Noilage seiner Mitmenschen ausnutzt, wäre auf diese Weise letcht zu fassen. Wohlfahrtsminister«nd Siedker. WohlfahrtSminister Stegerwald hatte sich der Siedler und ?la7onlsten an der Reinickendorf-Liebenwaldcr Bahn angenommen, die von dem Verkehr mit Berlin dadurch abgeschnillen waren, daß von Reinickendorf bereits abends um?47 Uhr der letzte Zug nach oen Ansiedlungen hinausging. Die Direktion der Bahn hat aus Veranlassung der Behörde nun einen weiteren Zug eingelegt, den sie aber schon um 8,46 Uhr, und zwar nur bis B a?- dorf verkehren läßt. Die vielen Tausende von Berliner Kalo- nisten und Siedlern in den Hauptveriehrsorten der Bahn, Wand- litz und Zühlsdorf, sind dadurch nach wie vor vom Verkehr abgc- schnitten. Sie sehen in dieser Maßnahme der Eisenbabnvcrwal- tung die felbsicht, nachzuweisen, daß der spätere Zug überflüssig ist. So, wie er gelegt ist. kann er nicht nennswert benutzt werden. Es sind deswegen erneute Schritte eingeleitet worden, um die Bahnvcr- waltung zu veranlassen, diesen für alle Siedler so wichtigen Zug bis zu den HauptverkehrSorten, die ganze 2V Kilometer vom Bor- liner Ratbaus entfernt liegen, weiterzuführen. Auch an die Pro- vinz Brandenburg und das Niedenbarninter Landratsamt wollen sich die Potenten wenden, denn beiden Behörden gehört ein großer Teil der Aktien des Eisenbahnunternebutens. Es wäre in der Tat sebr zu wünschen, wenn daS Wohlfahrt?- Ministerium. daS die SiedlungSbestrebungen in jeder Weise zu fördern sucht, der überaus rückständigen Verwaltiing der Lieben- walder Kleinbahn auf die Finger sehen und ihr nötigenfalls nach- drücklich klarmachen würde, daß eine P r i v a t b a h n sich der All- gemeinheit, nicht aber umgekehrt Taufende von Siedlern sich St. BureaukratiuS zu. fügen haben. Tie ZtrVeiter-Tamariter am Wahltage. Die Arbeiler-Samariterkolonnen Berlins haben am Tage der ReichstagSwahl einen umfangreichen Bereitschaftsdienst unterhalten. In 3 3 W a ch e n waren 289 Samariter während der ganzen Dauer der Wahlzeit in Alarmbereitschaft. Es wurden neben einer Anzahl von Hilfeleistungen 514 Transporte von transportfähigen kranken Wahlberechtigten zur Urne ausgeführt und diesen Mitmenschen die Möglichkeit zur Abgabe ihrer Stimme gegeben. Davon wurde eine erhebliche Anzahl von Transporten aus Krankenhäusern, Siechenhäusern und ähnlichen gemeinnützigen Anstalten durchgeführt. Außerdem fanden zahlreiche Begleitungen leidender Wahlberechtigter statt, denen die Stimmabgabe infolge schnellerer?lbfeitigung und persönlichen Bei- standes erleichtert wurde. Die Zahl der gemeldeten Transporte war wesentlich größer, doch wurde seitens einiger Krankenhäuser aus uns nicht erkennbaren Gründen.die Ausstellung der Wahlscheine für die Patienten verweigert. Bemerkenswert ist, daß diese an sich finanziell noch schwache Er- ganisation alle Dienste an diesem Tage trotz des aufgewendeten Apparats k o st e n I o s ausgeführt hat und zugleich dem Stadtbilde eine neue Note ausprägte. Die Arbeiter-Samariterkolonnen haben dadurch wieder den Beweis erbracht, daß sie eine nstwendige gemeinnützige Einrichtung sind, die der Unterstützung in jeder Hinsicht seitens aller Mitmenschen verdient. Kleingcldnot und Eisenbahn. Zur Erleichterung der Kleingeldnot hat die Eisenbahndirektion Berlin Folgendes vsrfügt: Bei dem allgemein bekannten Mangel an Kleingeld ist eZ der Eisenbahnvcrwaltung nicht immer möglich, die Schalter mit ausreichendem Vorrat an Wechselgeld zu versorgen. ES wird deshalb angeordnet, daß im Notfalle an- stelle sehlenden Kleingeldes Briefmarken berauszuge- b e n sind. Von Reisenden, die die Annahme von Briefmarken ab- lehnen, muß abgezähltes Fahrgeld gcscrdcrt werden, widrigen- falls wird der Verkauf der Fahrkarten abgelehnt. Das Publikum wird ersucht möglichst Kleingeld in Zahlung zu geben, andern- falls bei häufiger Benutzung der Berliner Strecken Bündclsahr- karten zu kauten oder soviel Fahrkarten, daß die volle Mark erreicht wird. Namentlich für Ausflüge ergebt die dringende Zluf- forderung. sogleich bei Antritt der Fahrt Rückfahrkarten mehr als in bisherigem Umfange zu lösen und möglichst schon am Tag? vor den Sonntagen. Dies lieit im besonderen Interesse der Reisen- den. die sich das Anstehen an stark benutzten Tagen ersparen. Diese? Vorlöfcn hat auch noch den Vorteil, daß das Mitkommen bei svätcm Eintreffen am Bahnhof erleichtert wird. Tie I n- zab tu ngs nähme von Briefmarken seitens des Publi- kums wird im allgemeinen von der Eisenbahnverwaitung ab- gelehnt. Die Unsitte der Schaltcrbeamten. an Stelle von Kleingeld Fahrkarten über die verlangte Zahl in Zahlung zu � geben, ist untersagt worden. Tic Annahme überzähliger Fahr- • karten kann verweigert werden. Alle Fahrkarten, die noch im ! Besitz des Publikums sind und vom 15. Juni ab unailtig werden, � werden bis zum 15. August salso volle 2 Monates an allen Fahr- kartcnschaliern ohne Rücksicht auf den Ort der Lösung gegen Er- � stattring des Fahrgeldes zurückgenommen. Billiger Mittagstisck) für bedürftige Studenten. Zu der von aiiicrikanischen Quäketn verausialteien Schulkinder- speiiuiig in Berlin kommt jetzt ein MillogSiisch für Sludenten, den die englischen Quäker als LebeSwerk geichaffen baben. Gestern wurde dieses Unternebinen. daS in den Räumen der ehe- malS Aschingerschen W>ri>chast am Qraiiienburger Tor sein Heim bat. in Be'rieb gei'etzr. 800 Sludenten erhallen bier an den Wochen- lagen ein Mtitagessen kür 1.50 M. desien latiächfecher Wert sich ' aui 6 brö 9 M. stellt. An dem'elben Tage begann der Be- trieb der in der Technischen Hochschule zu CfearloUenburg eingerichteten Abteilung, die für 200 speisende Slud nte» bestimmt ist. Eine Abteilung für 100 Sludenten ist ickon Ende Mar in Berlin im Hauie Breite Str. 6 eröffnet worden. Tie Quäker tragen die Hauvikosien der Speisung, indem sie teils bares Geld beigeben tind teils ausländische L-chenSmittel spenden. Die AuSfühtiiiig de« UiiterliehmenS ist dem Jngendvflegeamt der Stadt Berlin iibertiaaen worden, dem olle derottigen von detv Quäkern veranstalteten Spei'unaen angegliedert sind. lieber die Zu- l a s s u n g zur Teilnahme an dem MiltagStisch entscheidet ein Ausschuß von Studenten und Dozenten, der die Bedürftigkeil prüft. Die Bedienung der Gäste habe» Sludeniiniicn übernomnie», die ebenso wie die leitenden Ebrendamen unentgeltlich atbeilen. Ter Kampf im j�riseurgewerb?. Von der Stieikletiung wird uns u. a. geschrieben: Die Arbeitgebcrkorporation, insbesondere der I n i e r e s! e n- verband, haben kein Inieresie, den Streik zu beenden. Entgegen den Beschlüsien der Arbeilgeberkotporationen haben Hundeile von Arbeit- gebetn am Sonnabend und Montag die Fmdeuing der Gehilfen bewilligt. Tie Zahl der Belvilligungen sieigt ständig Danach erscheint es als ivahrscheinlich, daß in dieser Wocke der Streik in- folge? des Eingreifens der Berliner Gewerkt ckaftsko in- Mission beendet wird. ES besteht bei den Streuenden die Hoffnung, ihn trotz Ablebnung ihrer Fotderungen durch den Interessen- verband zu emem guten Ende zu fübten. Die Bewilligungen werden nach wie vor in der Elisabetbstr. 80, entgegengenominen. Heute abend V»8 Ubr nehmen die Streikende» in einer Ver- sammliing. die im Deutichen Hof, Lucka»« Straße, stanfindet, zu der Lage weiter Stellung. Partei- und GewerlschailSacnosien, unter» stützt uns auch weiterhin, indem Jbr nur der Patole der Berliner Gewerl'chastSkoir.miision Folge leistet und Euch in den fliegenden Rasier- und Frisierbetrieben bedienen laßt. „Wilhelm Tel!" vor Jugendlichen. Die Stadl Neukölln veranstaltete gestern für ihre Schulkinder und Schulentlassenen eine Tbcaterauisührung. Das StaatStheater spielte in der„Neuen Welt" und gab Schillers ■ ewig junges Freiheitsdrama„Wilhelm Tell".?ln viertausend ! Jungen und Mädel im?llter von 12 his 15 Jahren waren in dem � Riesensaal versammelt und lauschten den vortrefflichen Darbietungen. Daß sie jeden Austritt mit rauschendem Beifall begleiteten, versteht sich von selber. Den stärksten Erfolg hatten die Familien- szene in TellS Heim, die alle Herzen aufwühlende Apfelschußszene und schließlich TellS Rachetat an dem grausamen Landvogt. In den Befreiungsjubel der Sch'lußszene stimmten die jugendlichen Zu- Hörer stürmisch ein und die Künstler wurden dann wohl ein dutzend» mal hervorgerufen._ Mit wahrhaft„königlicher" Verachtung setzen manche Beamte von Staats- und Reichsbehörden sich immer noch über die Tatsache hinweg, daß im November 19l8 das deutsche Volk seine sämtlichen „Landesväter" zum Teufel gejagt hat. Wir haben keinen„Kaiser" mehr, keine„Könige" usw., aber immer noch wiederholt sich der Skandal, daß in amtlichen Bekanntmachungen, auf amtlichen Brief- papieren und Stempeln die Bezeichnungen„königlich" uns „kaiserlich" wie in frechem Hohn uns angrinsen. Aus all den Fällen dieser Art, die uns unter Beifügung der Beweisstücke ge- meldet werden, können wir nur von Zeit zu Zeit einige veröffentlichen. Vor uns liegt der Briefumschlag eines im Mai dieses Iah- res vom Postscheckamt Berlin abgesandten Schreibens, gc- ziert mit dem frisch aufgedrückten Stempel„Kaiser!. Postscheckamt Berlin". Aus demselben Monat datiert ein vom P o l i z e�- präsidivm Cöfen«. 3??. aAßesavstiK Schreiben, dessen Ilm- schlag noch die gedruckten und durch keine Streichung berichtigten Angaben trägt:„Königliche? Polizeipräsidinin Cöln a. Rh." und„Der Königl. Preuß. Polizeipräsident zu Cöln". Daß auch die nicht als Behörde anzusehende Sterbekasse der Beamten vom Statistischen Amt des Reiches noch Briefumschläge mit dem unberichtigten Ausdruck„Sterbekasse der Beamten des Kai- serlichen Statistischen Amtes" benutzt, sei hier nur nebenbei erwähnt. Wie eine dreiste Herausforderung wirkt eine Bekannt- machung des Amtsgerichts Königswu st erhausen, veröffentlicht am 1. Juni dieses Jahres durch ein in Königswusterbau- seit erscheinendes„Jntelligenzblatt" der' Kreise Teltow und Bces- kow-Slorkow, daS verschiedenen Behörden als amtliches Publika- tionsorgan dient. Die Bekanntmachung ist in großer und dicker Schrift.'die stark auffällt, unterzeichnet„Königliches Amts- gericht". Dem Königswusterhausener Amtsgericht scheint es noch nicht zu genügen, daß der Ortsname seinen„König' behält. Ter Verband deutscher Kinderhorte beschäftigte sich in seiner 5. Mitgliederversammlung in Weimar besonder? mit Fragen der Kommunalisierung der Ktndersür sorge und der Einrichtung der Elternbeiräte. Der Verband tritt für ein gemischtes System der Kindersürsorge ein, bei dem die Nachteile einseitiger Kommunalisierung oder einseitiger pri- Vater Wohlfahrtsarbeit vermieden, die Vorteile beider Arbeits- formen vereinigt und so die lebendigen Kräfte für gemein- s a m e Arbeit wirksam gemacht werden. Tie wirtschaftliche Not- läge der beruflichen Schulplseger und-Pflegerinnen stellt einen Mißstand der Iugendwohlsabrt dar und ist durch Gewährung ausreichender Teuerungszulagen aus staatlichen und kommunalen Mitteln sofort zu beseitigen, falls die Privatvereine dazu nicht in der Lage sind. Im Post- und Telegraphrnverkehr mit der ersten Zone des Ab- stimmungSgebielS Schleswig werden vorläufig sür Brief- sendungen, Wertbriefe, Pakete ohne und mit Wertangabe, Postan- Weisungen, Postnachnabmen. Postaufträge und Telegramme dieselben Gebühren wie sür gleichartige JnlandSieudungen erhoben. Der Zahlkarlen- und ZahliinoSanweiiiingSveikebr ist in der ersten Zone eingestellt worden. Postproiestautträge nach diesem Gebiet sind nicht zulässig. De» Paketen müssen die für den Auslands- verkehr vorgeschriebenen Begleitpapiere beigefügt sein. Nähere Auskunft, nanientlich welche Poslorte in der ersten Zone Schleswigs liegen, erteilen die Postanstalten. Die Aufgaben eines PachteinigungSamteS im Sinne der Aus- fühtungsbestintmungen zut Kleingarten- und Kleinlandpachtordnung sind dem städtischen MteteintgungSamt IV, Invaliden- straße 163. überltogen worden. SietchSbuiid der Kriegsbeschädigten, Dezirk Süden. Mittwoch, den !>. Juni, in der Aula der LmleiiÜSdlilÄen Obcrreatlchule, Dresdener Straße 113: Außerordentliche Bezirlsversammlung. Referent: Kamerad Jurick,.Ter Bundestag in Würzburg'. Das 8. siiidt. Volkskonzert des BIuihner-Drchesters findet Mittwoch, 7'/, Uhr, in der Hapvoldt> Brauerei, Hafcnhcide 32/33, unter Leitung von Paul Scheinpflug statt. Karten sind zu haben im Vorwärts, Lindenstr. 2. Neukölln. Volkshochschule. Am Freitag um 8 Uhr findet eine Versammlung der Vertreter'der Hörerschaft zu den Kursen im Viertelsahr April/Juni 1920 im Zeichensaal der 1. Mädchcn-Mittel- schule, Donaustr. 126, statt. Groß-Serttner ParteinachrichTea. Heute, 8. Juni. 7. Slbt. Die Partcß enossen, die sich an der Deerdigung des Genossen Schnmir beteiligen, treffen sich nachmittags 2ss, Udr am Hallcfchen Tor. 33. Vbr. 7 Uhr Sivung der AbtcilungZIcilcr mit dem Zahtabend- leiter bei vltllwald, Putdufer Str. 24. Gruppe Friedrichsliain. 7'/, Uhr Sitzung des Wahlvorstandes beim Genossen Schukcrt, RüdcrSdorser Straße 3. Wichtige Sitzung. Jiingsozialtstischc Vereinigung S. P. D. Ortsgruppe Tempelhof. 71;, Uhr in Buie's Sängcrheim, Kaiset-Wilbelm. Straße Ecke Werderilraße. Vortrag über Sozialisieningsiragen. Ortsgruppe Licklenberg. 71/s Udr bei Schlenlrich, Simplonür. 42, Vorliag über Scpualsragen. Referent: Sanitäts- rat Dr. Magnus Hirickifetd. Gäste willkommen. Neukölln. 7H, Uhr Eltcrnocrsamntlung der 27. und 28. Gemeinde- schule. Morgen,!). Juni. 19. 2ibt. Mitgliedervetsanunluiig 7 Uhr Schukauln, Rigaer Str. 80/81. Tagesordnung: 1. Das Resuttat der Reichstagswahlcn. 2. Die bevor. stet, enden Ätodtvetordiicteitwalilcm 25. Abt. 7';, Udr v tila des Königslädtischcn Realgymnasiums, Eliiadcthslraßc.V7j5d, Mitgliedervetjammlung. Rescrenl: Borwärlsrcdaktcur Genosse Hans Weber Thema: ißiis zu neuer Arbeit! Neuköll». 7'/, Uhr: Gtoßc Fuiittionätsitzuitg, Aula Oberrcalschule, Emstrslragc. Tie ordnungsgemäßen Bezirksversammlungen jallcn sür diesen Tag sott. Nächste Bezirksversammlung: Mittwoch, den 16. d. MtZ, vor der Stadtoerordnetenwahl. Lichtenberg. Der Zahlabend sälll»us. Sport. Nubicr gewann in der Gerade, unter schärfstem Reiten allmäh« lich aufgebrackt, ICO Meter vor dem Ziel Pallenbcrg sassend, die Union mit l Länge. � Petlschnut zog sich eine Hufprcllung zu, dicseihalb ioniite sie auch am Moiiiag nicht gesattelt werden. Nennen zu Grunewald, l. Preis von Gürzenich, 16000 M. 1800 Meter. 1 Tigitaiis iNeumann), 1. Belladonna sTcrschwg), 3. Bwinen- Ivnigin(Penndors-. Tot.: Sieg 26: 10, PI. 14, 16, 19. Ferner liefen Irene(4), Gianz. Gcdicicr, Wilibeiia(6), FriedenSiaubc, Fol)«, Landrat, Hamdani(5).— 2. Preis VerHavelseen. 16 000 M., 1600 Meter. l. Lberscidherr(O. Müller), 2. Rciilüß(Saagct), 3. Puschkin(Bleuler). Tot.: Sieg 52: 10, PI. 19, 22, 17. Ferner liesen: Zarin(4), Gallipoli II(6), MedarVus, Oberon io), Esoadron, Eiemer.— 3. Grundwald-Äus- gleich.*47 0C0 M., 1800 Meter. 1. Ulan II(L.Müller), 2. Arinenier(Jentsch). 3. Hosguiist(Huguenin). Tot.: Sieg 109: 10, PI. 28, 20, 20. Ferner lieie»: Parther, Thunichlgut, Oneida, Crajova, Berliner, Hanswurst(5), Argcsu!(4),Hallm>lc.— 4. U n i o n- R e n n e». feOOOOM. 2200Mctcr l.Nubier (Janei), 2. Pallenberg iBlWler), 3, Wandersatke(Rasicnberger). Tot,: Sieg 13: 10, Pl. 10, 11, lt. Ferner liefen: Meinhard(6), Vergleich(4). Tüchtig, Bogarwo(5), Rondo,— 5. Preis vom Großen Stern, 16 000 M. 1�00 Meter, 1. Norue(O, Müller), 2, Vollmacht(Tarras), 3. Ottomane (Dybv),' Tot,: Sieg 31: 10, PI. 14, 16, 17. Ferner liesen: Reeder(5), i Tatsahrt, Sleinneite(4), Lsipavnica.— 6. Kisasszonh-Renneit. 27 000 M. 1600 Meter. 1. Romanze(Schläske), 2. Pen(O. Schmidt), 3. Prämie(Janek). Tot.: Sieg 56: 10, Pl. 29, 28, 16. Geisterstunde(4). — 7. Meridian-Ausgleich. 16 000 M, 2400 Meter. 1. Rerclin (Conrad», 2. Wackerbari(schlästc), 3. Rosenköniz 41 Spezial-Behandlung■§> , Hart-, Harn», Untert«U>«leU>en, nervöser Schwäche. Größte »eilerfolge! Besonder, f. Rtante, weiche anderwärts nicht aus» ach-ilt worden lind. Blutuntersuchung, K»hr»sonne>BeftrayIa. «erzti. gel. SeilanSali sslsnssarskr t)i.Sck-Friedrichslr.Evr.: Sw.nc«»ch?idl« vlluslrllll.�! nachm. 4-7. Etz. geschl. mwu in S« kommen nur vollkommen selbständig« Bewerber i» Frage, die peiseit nach Zeichnung ort, eilen können. Be- Werbungen erbittet umgehend: vontsch« Zrrnsprrchrr- Grs. u». d. H.. Ehrmuitz, zsch,pauer Elr. ST. 692® !!!Geld!!! Nir jede Wertsache. Höchste An» lauksvreile sstr Pfandscheine, Brillanten, Goldgegenstände. Tevviche. Bücher uiw. V«IH, Friedrictatr.tl Ul, TckeKochsir. Landwirtschaft(Nctzedruch), ig Morg. inkl. 6 Morg. feschniitg. 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Geöampster Jubel. Prehftimmen zur Reichstagslvahl. Neberfliegt man die Aeußsrun'gen, mit denen die Blätter der Rechten und äußersten Linken den Ausfall der Wahl be- gleiten, so erhält man als ersten Eindruck den zu erwartenden Ziegesjubel über Mandatsgcwinne und Stimmenzunahme und mehr noch über den Rückgang der verhaßten Koalition. Einem eingehenden Studium hält dieser Eindruck jedoch nicht stand. Wo die Prcsseäußerungcn der bisherigen Opposition — über den Nahmen des engsten Parteiinteresses hinaus- gehend— die allgemeine Lage und die zukünftig? Gc- st a l t u n g der Dinge ins Auge fassen, da bewölkt sich auch ihr Himmel, und die tönende Sicges�rm- weicht sehr vorsichtigen und abwartenden Erwägungen. So schreibt z. B. der„Lokal-Anzeigcr", der die hellsten Jubeltöne über das „furchtbare Strafgericht" anschlägt, am Schlüsse seiner Be- trachtungen: Die r e ch t S st e h« n d en P a r te i e n, die alle Ursache haben, aus den gestrigen Wahltag mit großer Befriedigung zurückzuhlichen, werden sich keiner Täuschung darüber hingeben, daß ihnen nun erst recht schwere Zeiten bnwrstchen. Und auch„Tie Post" schließt ihren Artikel über da- Wahlergebnis mit der skeptischen Wendung: Immerhin muß doch noch bei aller erfrenlichen RcchtSvertre- tung gesagt werden, daß die innerpolitifche Lage eine volle Klärung nicht gesunden hat, sondern daß sich durch die ebenfalls starte Entwicklung der Unabhängigen die Spannung ver> mehrte. Tie innere Verlegenheit der Rechtspresse, die sich trotz aller Mandatsgewinn� von einer Parlamcntsmehrheit noch meilenweit entfernt steht, zeigt sich am deutlichsten in der ssorderung, die sie als Konsequenz des Wablaussalls erhebt. Nachdem sie sünsundzwanzigmal konstatiert bat. daß die Koa- lition abgetan, gerichtet, erledigt und zerschmettert sei, der- langt sie nicht etwa ihren Rücktritt und ihre Er- setzung durch eine Regierung der bisherigen Oppositionspar- tcien, wie das parlamentarisch konsequent wäre, sondern das A und O ihrer Ausführungen ist: Tie Koalition muß bleiben. aber wir müssen mit aufgenommen werden. So schreibt der schon zitierte„Lokal-Anzeiger": Ohne eine neu« KoalitiouSbildung wird eS selbstverständlich auch im neuen Reichstag nicht abgehen. Rur darf man wohl vor- aussehen, daß sie den veränderten Machtverhältnissen der Parie'en in gebührendem Maße Rechnung tragen wird. Noch deutlicher wird dieser Gedanke in der Spätabend- ausgäbe des Blattes ausgeführt, wo es lzeißt: Ohne die verantwortliche Beteiligung l! Red. d. der Rechtsparteien an dem Wiederaufbau Deutschlands wird keine Regierung nach'diesem Wahlausfall möglich sein. Daß auch in den Kreisen der ausgesprochenen T>cutsch- nationalen ähnlufo Gedankengänge vorherrschen, zeigt fol- gender Satz der„Teutschen Tageszeitung": Wenn auch nach der gestern bezogenen Tracht Prügel die Herren Demokraten und Sozialdemokraten hochgemut die E r w e i- t e r u n g der Regierungsbasis nach rechts entschieden ablehnen und den stolzen Spanier markieren, um dafür dann selbswcrständlich dem Linksradikalismus um so demütiger aus der Hand zu fressen, so werden die beiden Rechtsparteien ohnehin politisch-taktisch im wesentlichen als einheitlicher Block in die Erscheinung treten. Schon am Tage vor der Wahl hotte die„Tägliche Rundschau" erklärt, daß die Demokraten und Sozialdemokraten, wenn sie eine gemeinsame Regierung mit den Rechtsparteien ablehnten, sich„j e d e s vaterländischen Gefühls, jedesnationalenGedankensbar" zeigen wü.den. Das ist dann doch die Höhe! Vor der Wahl haben die Rechtsparteien geschrieben:„Die korrupte, unfähige Regierung muß verschwinden, sie muß fort!", und setzt erklären sie sich vollständig befriedigt, wenn man ihnen den Eintritt in diese Regierung ge stattet. Das war ihr wirkliches Ziel. Aber die Sozial- demokralie wird einen dicken strich durch diese saubere Rechnung machen. Unsere durch den Mund des Reichskanzlers Genossen Müller schon ansgeiprochene Weigerung, mit irgend einer der Rechtsparteien eine Koalition einzu- geben, wird wahrichernlich die g l e i ch e H a l t n n g d e r D e- m o k r a t e n noch sich ziehen. Wenigstens erklärt im„Berliner Tageblatt" Paul Michaelis: Deshalb wird man(seitens der Zlechisparteien. Red.) vorous- sichtliih den Versuch machen, auch die Mitarbeit der Deutschen de- mokratischcn Partei zu gewinnen. Etwas Derartiges mag in Bauern eine Zeitlang gehen, im deutschen Norden dürste es a's unmöglich empfunden werden. Die Deutsche demokratische Partei wird auf keinen Fall ohne die Sozialdemokratie an einer Kombinalion teilnehmen. In der Abendausgabe des Blattes unterstreicht Theo- dor Wolfs diesen Gedanken, indem er schreibt: Di« Deutsche Demokratische Partei kann unter gar keinen Um- ständen in einer Regierung mitwirken, die zw einer Kampfrcgie- rung gegen die gesamte Arbeiterschaft werden müßte. Dagegen schlägt in der„Bossischen Zeitung" Georg Bernhard nur hochtrabend schulmeisterliche Töne an. Er er> klärt den bisherigen Regierungsparteien, daß sie die Nieder- läge sich selbst zuzuschreiben hätten, weil sie nickst die Politik der„Vossischen Zeitung", Georg Bernhards und seines Sta- bes von Kontincntalpolitikern, gemäßigten Rätesystem- Machern usw. befolgt hätten. Den bisherigen Ovposttions- Parteien recht« und links bescheinigt Bernhard ebenso, daß auch sie nur geschimpft und kritisiert hätten, ohne Positives zu leisten, um zu dem Resultat zu gelangen, daß Teutschland nnc an der„Vossiswen Zeitung" wieder gesunden könne. Man nimmt diesen politischen Narzissus, der in jeder Situation nur sein eigenes Spiegekbild verliebt anstarrt, wohl nirgends mehr ernst. � Tic„Freiheit" ist über den Stimmengewinn der klnab- hängiqen befriedigt. Wenn sie es aber io darzustellen stickst, als ob die Unabhängigen nun allein die Vertreter der Ar- beiterschaft seien, so muß solchem Größenwahnsinn gegenüber doch sehr auf die Stinnnenzahl der Sozialdemokratie hinge- wiesen werden, die doch noch immer gegenüber der der Un- abhängigen die größere ist. Im allgemeinen sieht die„Frei- hcit" in dem Ergebnis der Wahlen eine außerordentliche Er- starkung der bürgerlichen Reaktion. • Frankfurt a. M.. 7. Iinri.(Eigener Drahtbericht h«s„Vor. märtS'.) Vom Ausgang dar ReiöhKwgSwahl schreibt die„Frankster Zeitung": Die Kvukitian hat eine schwere, vielleicht eine kota- jrrophale Schwächung erf-hre*. Die Srtreme van rechts und von liakS haben eine« Sinnmanzuwachs«chatten. Die Opposition von links hat die Wicderaufbaubcstrebungen seit dem Herbst 19l8 der Koalitionsparteien nicht erkannt, nickt erkennen wollen. Die Extreme von links haben der Masse unerfüllbare Hofsnungen auf einen paradiesischen Zustand jetzt nach dem ver- lorenen Kriege gemacht, weil ihnen die Einsickl fehlt, daß eine Ncuformung der Gesellschaft in unserem komplizierten Wirt- schaftsousbau gar nicht auf dem Wege einmaliger, Plötz» licher Revolution, sondern nur durch langsame planmäßige Reformen erreichbar ist. Die Oppositionsparteien von rechts. Deutschnationale und Deutsche Bollspartei, haben mit iril- der Verhetznng einfach die trüben Zustände kritisiert, an denen doch in Wahrheit gerade sie Schuld kritisiert, an denen doch in Wahrheit gerade sie die Schued und die Verantwortung tragen. Sie haben gewühlt, und sie haben mit Erfolg gewühlt.— Tie„Frankfurter Zeitung" urteilt dann weiter: Tic Wahlen vom 6. Fun! sind e?n Unglück für unser armes Volk gewesen, ein Unglück, dein weiter Schweres nachfolgen laitn und nachfolgen wird. Unabsehbar ist heute noch, was weiter aus diesem Unglück folgt. Kopenhagen, 7. Juni.(T. U.) Die„Berlingskc Tidendc" be- merkt zu den bisher bekanntgewordenen W a h l e r g c b n i s s des Deutschen Reichstages, daß die sozialdenwkratische Partei zwar vorläufig die stärkste Partei sei. jedoch würden die beiden anderen Köalitionsparteien kaum so stark werden, daß die alte Koalit'on aufrechterhalten werden könne. Tie K o n s c r v a t t v e n hätten, falls das Endresultat den bisher bctannigewordenen Ergebnissen entspreche, keinen Grund zu jubeln, da die Unabhängigen in diesem Falle großen Einfluß im neuen Reichstag erlangen würden. „National Tidende" schreibt nach einigen heftigen Angrisstn aus die jetzige deutsche Regierung: Nun werde sich zeigen, ob die B ü r go r l i ch e n imstande sind, eine Regierung zu bilden und was die radikalen Sozialisten dazu sagen. Für die dcut- sche Republik scheint die Stunde der Entschei- d u n g gekommen zu sein. Die Schwierigkeit liege darin, day die Republik so konservativ sein müsse, um die Gefahr von links zu überwinden, daß aber andererseits der Konservatismus nicht so weit getrieben werden dürfe, daß sie aushöre, eine Republik zu sein. Cbert konferiert mit Stresemann. Berlin, 7. Juni. Wie die Telegraphen Union erfährt, hatte der Führer der Deutschen Volkspartei Dr. Stresemann mit dem Rcichsvrösidrntcn Ebert auf dessen Wunsch ein« längere eingehende Besprechung. Wahlergebnisse. (Schluß von der 1. Seite.) 30. Wahlkreis lPsalz). Vorläufiges Gesamtergebnis. Gültig« Stimmen: 359 445. Sozialdemokraten 87 755, 1 Mandat(H o s f m o n n).— Unabhängige 38 805, kein Mandat.— Kommunisten 2777, kein Mandatz— Bayerische Volkspartci 03 495, 1 Mandat(Hofmann). — Deutsche Volkspartei 104 823, 1 Mandat(Gebhardt).— Demokraten 31 790, kein Mandat. 3i.— 33. Wahlkreis(Freistaat Sachsen). Im Wahlkreisverbande 6 Freistaat Sachsen sind nunmehr ins- gesamt als gewählt anzusehen 8 Sozialdemokraten, 9 Nn- abhängige, 1 5lommunist, 3 Demokraten, 6 Deutsche Volksparteiler und 6 Teutschnationalc, also 18 Vertreter sozialistischer Arbeiter- Parteien gegen 15 Bürgerliche. 3l. Wahlkreis(Trcsden-Bautzkn). Sozialdemokraten 164 096, 2 Vdandate(Buck, Schmidt- Meißen).— Unabhängige 137080, 2 Mandate(Fleißner, Schirmcr).— Zentrum 7094, kein Mandat.— Deutsch- nationale 118 815, 1 Mandat(Reichert).— Deutsche Volks Partei 131 828, 1 Mandat(Heinze).— Demokraten 74 410, 1 Mandat (Külz).— Lausitzer Volkspartei 4887, kein Mandat.— Kommunisten ck2 525, kein Mandat. 32. Wahlkreis(Leipzig). Sozialdemokraten 57691, kein Mandat.— Unabhängige 267100, 4 Mandate(F. Geyer. Seger, LipinSki. Ryssel).— Demokraten 53 889, kein Mandat.— Deutsche Volkspartci 132 625, 2 Mandate(von Lersner, Tuch).— Deutschnmionale 106 702, 1 Mandat(Philipp).— Kommunisten 12 867, kein Mandat. — Deutschsoziale 2074, kein Mandat. 33. Wahlkreis(Chemnitz, Zwickau, Plauen). Sozialdemokraten 291115. 5 Mandate(Stücklen, Richard Meyer. H. Molkenbuhr, Minna Schilling, Alfred F e I l i s ch).— Unabhängige 165 692, 2 Mandate(Jäckel, Kuhnt).— Kommunisten 82 593, 1 Mandat(Heckert).— Demokraten 77 813, 1 Mandat(Brodaus).— Deutschnationale 158 473, 2 Mandate(Bicncr, Barih).— Deutsche Volkspartei 150 566, 2 Mandate(Brüninghaus, Findeiscn).— Zentrum 2448, kein Mandat.— Deutschsoziale 1201, kein Mandat. 35. Wahlkreis(Baden). Vorläufiges Gesamtergebnis. Abgegebene gültige Stimmen: 945 695. Sozialdemokraten 190 309, 3 Mandate(Geck, Schöpflin, Ried müller).— Unabhängige 192 564, 1 Man- dal(Geck).--- Deutsche Aolkspartei 64 814, 1 Mandat(Curtius).— Zentrum 343 831, 5 Mandate(Fehrcnbach. Diez, Wirth, Ersing, Damm).— Demokraten 116 484, 1 Mandat(Dietrich).— Deutschnationale 113 205, 1 Mandat(Düringer).— Kommunisten 14 489, kein Mandat. Lanütagswah!en. Württemberg. Stuttgart, 7. Juni.(Eigener Trahlbericht des„Vorwärts".) Bei der Landtagswahl entfielen auf die Sozialdemokraten 175 994, Unabhängige 145 228, Bürgerpartei 192 318, Bauernbund und Weingärtnerbund 193 689, Deutsche Volkspariei 37 269, Kom> munisten 33 178, Demokraten 161 475, Zentrum 247 192 Stimmen. Es haben die Demokraten 12 2lbgco>rdnete, Sozialdemo- k raten 17, Zentrum 23, Unabhängige 14. Bürgerpartcien 10, Bauernbund 18, eDutschc Bollspartei 4 Sitze, wegegen die kam- munistische Partei keinen Abgeordneten erhält. Die bisherigen Mehrhcrtsparteien verfügen.also im Württembergischcn Landtag etwa über 55, die Oppositionsparteien über 46 Sitze. Oldenburg. Sozialdemokraten 9(— 3), Unabhängige 5(+3), Demokraten 7(— 6), Deutsche Voltspartei 11(+6). Teutschnationalc 1(+0), Zentrum 9(— 1). Anhalt. Sozialdemokraten 13(—8), Unabhängig« 6(+5), Demokraten 6(—6), Deutsche Volks Partei 5(+5)» Deutschnationale 6(+4). Zwischenfälle. In P o I z i n in Pommern gab es infolge angeblich kommunistischer Beschwerden(waren es etwa zugezogene Baliilumer?) über Nichteinlragung von Wählern Krach. Der Wahlleucr wuide verletzt, die Wahl vereitelt. Im Wablburcan zu Hundisburg, Kreis Neuhaldenslcben, war der Amtsvorstchcr ein solcher„Kommunist". Hier macht« er Klamauk, man prügelte sich und schließlich konfiszierte und v e r« brannte der Gcmeindevorsleher die Zettel ans der Urne. Hauptmann Pfeffer flüchtig! Münster, 7. Juni.(W.T.B.) Wie wir von amtlicher Stelle erfahren, ist die Frontbundbewegung von zuständigen Regierung?- stellen seit dem Bestehen scharf überwacht worden. Auf Grund amt- lich eingezogenen Marerials wurde gegen den chomaligen Haupt- mann von Pfeffer, der in der Frontbundbewegung rührig tätig war, vom Regicrungskommissar ein S ch u h h a f t b c f e h l er- lassen. Tie rege Propagandatätigkeit Pfeffers und seine hiermit im Zusammenhang stchrnden häufigen Reisen verzögerten ein schnelles Zufassen. Der Versuch, ihn zu verhaften, schlug fehl, weil er durch l> e s o n d e r c Umstände begünstigt nnp durch die l> c w a s f n c t c Begleitung unterstützt die Flucht er- greifen konnte. Es wird nach ihm gefahndet. Außerdem sind die Akten dem zuständigen Staatsanwalt zur strafrechtliche,, Verfolg»» ng ausgehändigt worden. Darf man fragen, welches die„besonderen Umstände" innren? Etwa die übliche rechtzeitige Benachrichtigung durch gute Freunde in Dienststellen? Majestätsbeleiüigung! Bonn, 7. Juni.(W.T.B.) Wegen der Besudelung des Denk- mals Kaiser Wilhe.ms I. mit roter Farbe vor mehreren Woch.i hat die Strafkammer zwei junge Leute ohne Parteizugehörigkeit und zwei Unabhängige, den Kassierer und ein anderes Vorstands- Mitglied dieser Partei, zu je zwei Jahren Gefängnis verurteil:. Es kann sich doch höchstens um Sachbeschädigung handeln. Reichsschulkv�ferenz. Die Teilnehmer an der Reichsschn'tonferenz, die auf dem Boden der sozialistischen Weltanschauung stehen, treffen sich zu einer Bor- besprechuug am Doiniersiag, den 10. Juni, vormittags 10 Uhr, im Berliner Rathaus, Kvnigstraße, Zimmer 109. Alle Parteigenossen, die zu der Reichsichulkonfereuz eiuberusen sind, werden dringend gebeten, an dieser Vorbeiprcchung teil- zunehmen. Die Reichsschulkauscrenz wird am Freitag, den 1>. Juni, vormittags pünktlich 10 Uhr, im Plenarsitzungssaal des Reichstages eröffnet. Ten Teilnehmern geh: eine besondere Einladung außer den ihnen bereits zugestellten Mitteilungen und Truckichnslen nicht zu. Die Verhandlungen der Konferenz dauern bis zum Sonnabend den 19. Juni.__ Slutige Uziruben in Graz. Graz, 7. Juni. lW2OB.) Heute nachmittag kam es in der inneren Stadt und in der zum Hauptbahnhof führenden Annen- strasje zu größeren Menschenansammlungen, die eine bedroh- liche Haltung annahmen. Es wurde daher die Räumung und Absperrung der inneren Stadt von Polizei, Gendarmerie und Vvlkswehr durchgeführt und an verschiedenen Stellen M a- schlncngcwchre ansgestcUt. Zahlreiche Personen wurden wc- gen Widersetzlichkeit verhaftet. Vorwiegend jugendliche Personen drangen in das B>oskopthcater in der Annenstraße ein und richteten dort schweren Schaden an. Tie Polizei ging gegen die Ex Zedenten mit blanker Waffe vor, wobei eine Person schwer und drei leicht verletzt wurden. Auf der Stadtbrücke und dem dahintcrlicgcnden Murerplatz versammelten sich einige tausend Menschen, die in die innere Stadt gelangen wollten und gegen die die Stadtbrücke absperrende Polizei und gegen das Milttäraufgebot eine drohende Haltung einnahmen. Gegen 7Vi Uhr abends mußte der Befehl zum Schießen gegeben werden; es gab 6 T o t e u n d 15 Verwundete. Die Temonstranten, welche nach der Schieße- rci auseinandergestobcn waren, sammelten sich wieder auf dem Murcrplatz und an der Stadtbrücke an, die auch weiterhin abgc- sperrt blieb. Die organisierte Arbeiterschaft beteiligte sich an den Ansammlungen nicht. Spa weiter vertagt. Nach übereinstimmenden Pariser und Londoner Meldungen scheint eine weiter« Vertagung der Konferenz von Spa sicher zu sein. Mille rand bestätigte diese Verschiebung einem Redakteur des„Echo de Paris" gegenüber und stellte den Zu- sammentritt der Konffrenz für Anfang Juli in Aussicht. „Temps" und„Tobats" nennen den 5. oder 6, Juli als wahrschein- lichen Termin. Letzteres Blatt begründet die Verschiebung mit der Notwendigkeit, die finanziellen Vorfragen zu erledigen, die gegenwärtig in London zwischen englischen und f r a n z ö s i- scheu Sachverständigen Gegenstand von offenbar nicht sehr glatten Verhandlungen bilden Auch I ba I i e n ist nach einer .Temps"-Meldung aus Rom mit den ihm zugedachten 7 Proz. der deutschen Pauschalsumme nicht e i n V c r st a n d e n. Proteststreik in tzollanü. Amsterdam, 7. Juni. iWTB.st Die niederländffchen Gewerkschaften haben für den 8. Juni zum Zeichen de« Piotestes gegen das in der Kammer eingebrachte Gesetz gegen„revolutionäre Machenschaften" einen 24 stündigen Proteststreik für Amsterdam, Rotterdam und Haag angeordnet. 15 Tage Seöenkzeit für üie Türkei. Konstantiiiopel, 7. Juni. Der Türkei wurde von der Entente mitgeteilt, daß ihr für die U n t e r z e i ch n u ng des Friedensver- Vertrages eine Frist von 15 Tagen gewährt sei, so daß die türkische Regierung am 26. Juni ihre Antwort bekanntgeben müsse. Tic Handelskammer des Staates New Aork hat sich einstimmig ge g e n die Wiederaufnahme des Handels und gegen die Anerkennung der Soivjctreglerung ausgesprochen und oie Regierung in einer Resolution aufgefordert, die S o w j e t- r c g i e r u n g nicht anzuerkennen. Präsident Wilson hat den Gesetzentwurs über die Aus» Weisung von Ausländern unterzeichnet, die Rkitglieoer anarchistischer Vereinigungen sind. Auf ein Tankschreiben des Reichspräsidenten Ebert au die schweizerische Regierung für den von den bundesgenössischeu Behörden tvähoend des Krieges übernommenen Schutz der Deutschen in Frankreich und Großbritannien bat der Bundespräsident Motto in einem sehr herzlich gehaltenen Brief geantwortet und gleichzeitig den Dank der Schweiz für die Hilfeleistung der deutschen Behörden bei der Rücksührmig der Schweizer Bürger au-S Rußland ausgedrückt.
OewerMastsbewegung öunöestag öer technischen Angestellten und öeamten. Am 13., 14. und 15. Juni hält der Bund der technisckien An« tiestellten und Beamten in Berlin, Hotel.Deutscher Hof", Luckauer Sir 15, seinen ersten or deutlichen Bundestag ab. Al-Z Tagesorvnung ist vorgesehen: Sonnabend, den 12. Juni, nachmittags 5 Uhr: Oeffentliche Kundgebung der Groh-Berliner Mitgliedschaft in der Bockbrauerei, Fidicinstratze(am Tempelhofer Berg). Sonn« tag, den 13. Juni, vormittags S Uhr: U. a. Geschäftsbericht des Vorstandes und Abrechnung(Referenten Schweitzer und Mahlow): Bericht des Bundesausschusses; die Satzung des Bundes(Referent Reichel); Beitragsirage(Referent Sandrock). Montag, den 14. Juni, vormittags t/zö Uhr: Die freie Angestellten- und Arbeiterbewegung(Referent Aufhäuser); unsere nächsten Forderungen an die Gesetzgebung(Referent Händeler), Teilberichte der Ausschüsse! neue Schul- und BitdungSprobleme(Referent Lenz); Besprechung der Vorschlagslisten für die Borstandswahlen. Dienstag, den 15. Juni, vormittags>/, g Uhr: Wahl des Bundesvorstandes; Wahl des Bundesausschusses; Tarifpolitik der technischen Angestellten (Referent Gramm); Bericht des Ausschusses für Schulwesen und Rechtsschutz; Bericht des Ausschusses für Sonalpolitik, Gewerlschaft- licheS und Schrifiwesen; Fortführung der Rälegesetzgebung(Referent Kaufmann). Tr. Georg Flatows Kommentar zum Betriebsrätegesetz nebst Wahlordnung und den wichtigsten Ausführungsbestimmungen des Reiches und der Länder ist soeben in der Buchhandlung Vor- lvärts als 6. Auslage in wesentlich veränderter Gestalt erschienen. Der Amor hat die in den ersten drei Monaten seit dem Jnkraft- ireien des Bctlicbsrätegesetzes ergangenen zahlreichen Ausführunas« besttinmungen des Reiches und der Länder in seinem Werk berück- sichligt. Um indessen den Umfang des Buches und auch die Preis- pestaltung nicht allzu sehr zu vermehren, sind die meinen der in bisherigen Auflagen enthaltenen Anhänge nicht mehr zum Abdruck gebracht. „Wie Betriebsräte behandelt werden". Vom Belriebsrat der Firma Georg Stille erhalten wir eine Zuschritt, der nnr folgendes entnehmen: Wie noch erinnerlich, trat am 15. Mai 1S20 das gesamte Verkaufspersonal der Firma Georg Stille, Buchhandlung der Groß- Berliner Bahnböfe und Zeilungskioske G. m. b. H., ,n einen ein« lägigen Proteststreik. Die genannte Firma hatte es seit langem verstanden, den seweilig gewählten und amtierenden Betriebsräten fede Einflußnahme auf Produktion. Lohn und Arbeitsverhältnisse der Angestellten systematisch auszuschalten. Am 31. März war der alte Tarif abgelaufen, und der Ab- schlufz des neuen scheiterte an den niedrigen Lohnangeboten der Finna Stille. Um nun ein noch weiteres Hinauszögern einer Auf- besierung der Hungerlöhne eines Teiles der Angestellten zu verhindern, forderten die Betriebsräte am 14. Mai eine bindende Erklärung der Firma, dem Spruch eines nunmehr anzurufenden SchlichiungSausschusses sich ebenso zu unterwerfen wie die An- gestellten. Dieses lehnte die Firma Stfae ab. Vorher hatte die stürmische Betriebsversammlung fast geschlossen für diesen Fall den sofortigen Eintritt in einen Proteststreik beschloflen. Inzwischen hatte der Schlichtungsausschuß einige Verbesserungen in der Entlohnung beschlossen. Jetzt auf einmal kündigt und entläßt die Firma Stille ohne Anhörung des Betriebsrats zirka 30 Angestellte. Nachträglich mit den Mitgliedern de« Betriebsrats als solche über die Kündigungen zu verhandeln, lehnte die Firma ob, weil sie angeblich ein Versahren gegen die Betriebsräte beim Schlichtungs- ausschuß anhängig gemacht habe. Die Betriebsräte wollten, mit Bezug auf den Proteststreik, den Betrieb der Firma Stille nicht vor Erschütterungen bewahrt haben. Z'> bemerken ist noch, daß-die Firma Georg Stille zwar on- ktibt, sie könne die jetzige kaum auskömmliche Entlohnung der An- gestellten nicht mehr tragen, andererseits sträubt sie sich jedoch, den Betriebs abzugeben und sozialisieren zu lasten. Sollten da nicht doch besondere Gründe mitsprechen? Beendeter Streik der Wachaugestellten. Der Streik der Wachangeslellten bei der Deutschen Wach- gesellschaft. Rosenthaler Str. 86, ist nach einwöchentlicher Dauer durch Abschluß eines TarispertrageS beendet worden. Der zur Bei- legung des Streiks angerufene Schlichrungsausschuß fällte Freitag nachmittag einen Sch'edsspruch, wonach die Vertragsdauer auf vier Monate festgelegt lvird, während sowohl Arbeitnehmer wie Arbeit- lieber sich nur auf zwei Monaie festlegen wollten. Des weiteren war über die Höhe der Kleidergelder unter den Parteien bereits eine Einigung erzielt, trotzdem setzte der SchlschtungsauSschuß weit niedrigere Sätze fest. Noch am selben Abend wurden mit den Unter- nehmern neue Verhandlungen aufgenommen, welche folgendes Er« gebnis zeitigten: Die Arbeitszeit im Revier beträgt 7 Stunden, für die übrigen Posten 8 Stunden. Der Lohn beträgt pro Woche 146 M.. sür Oberwachbeainie 145 M., für Kontrolleure 156 M. Ueber- stunden werden mit 2.56 M. pro Stunde bezahlt. Des weiteren wird eine freie Nacht oder Schicht unter Fort- zahlung des Lohnes gewährt. Dienstkleidung ist zu liesern, oder eine festgelegte Entschädigung zu gewähren. Jeder Beschäftigte ist besonders gegen Unfall zu versichern. Sommerurlaub wird ge- währt. Bei Wachstellen, welche 2 Kilometer vom Appellplatz ent- iernl liegen, wird das Fahrgeld vergütet. Nach dreimonatlicher Beschästigung findet im Erkrankungsfalle§ 616 des BGB. An« Wendung. Elektrische Taschenlainpen und Batterien sind vom Unter« nehmer zu liefern. Hinsichtlich der Betriebsräte sind Rechte verein« bart, die über das Betriebsrälegesetz hinausgehen; die Verbands« funktionäre Hind gegen Maßregelung geschützt. Der Vertrag gilt bis zum 31. Juli ö. Js. Des weiteren wurde zugestanden, daß die Streikbrecher entlasten werden, ebenfalls diejenigen, welche den Firmen sich zur Bewachung angeboten haben. Hinsichtlich der Ennchädigung der Streiklage wird ebenfalls eine Vereinbarung getroffen. In einer Versammlung der Slreikenden wurde beschlosten, die gemachte» Zugeständnisse anzunehmen. Der Tarifvertrag bat zwar nicht alle Forderungen erfüllt. Wenn jedoch die Kollegen iveiter treu zur Organisation stehen, dann wird es gelingen, bei der nächsten Lohnbewegung mehr zu erreichen. Lohntarif im Uhrmachergewerbe. Die Groß-Berliner Uhrmachergehilsenichast, als Gruppe des Deutschen Uhrmachergehilfenbundes, hat rückwirkend per 1. April 1920 folgende Lohnsätze mit der Groß-Berliner Meisterschaft ab« geschlossen: Klasse A 580 M., pro Stunde 2,96 M. K 750,,, 3,75, . C 906,,. 4,50. Geschäftsführer bekommen zu Klasse C noch eine Exiramlage. Die Werkzeugentschädigung von 56 M. monatlich, welche bean- tragt, aber abgelehnt wurde, sowie obige Sätze als Mindestsätze zu benennen, ist beim Schlichrungsausschuß zwecks Schiedsspruchs eingereicht worden. Rädere Auskunft gibt die Geschäftsstelle des Bundes, Neukölln, Richardstr. 16 I._ Rechtsverbindliche Tarifverträge. Der zwischen dem Verband zur Wahrung der sozialwirtichastlichen Interessen der Pntzbranche in Berlin und dem Zeiiliaiverband der Angestellten am 12. Januar 1926 abgeschlossene Tari'vertrag zur Regelung der Gehalts- und Anstellungsbedmgnngen der kaufmännischen Angestellten der Fa- brikalions- und Enqrosbetriebe der Damenhui-. Blumen- und Federnbranche ist mit Beginn des 15. April 1920 gemäß§ 2 der Verordnung vom 23. Dezember 1918 für allgemein verbindlich er- klärt worden.— Das gleiche trifft zu ans den zwischen dem Arbeit- geberverband Berliner Bekleldiingsindustrieller E. V.. dem Zentral- verband der Angestellten und den anderen»r Betracht kommenden Organiialionen am 36. Januar 19Z6 abgeschlossenen Tariiverirag. Die allgemeine Verbindlichkeil beginnt mit dem 1. April 1926. Holland. Achtung, Stockarbeiter! In Oldensaal(Holland) wird den dort beichäftigten Stock- arbeitern die Anerkennung des vom Niederländischen Bund der Möbelmacher vorgelegten Vertrages von den Unternehmern ver- weigert. Alle etwaigen Arbeitsangebote, ganz gleich von welcher Seite, müssen abgelehnt werden. Alle dleSbezüglichen Anfragen sind nur zu richten an den Vorsitzenden der Abteilung Oldensaal deS Niederländischen Bunde« der Möbelmacher, Kollegen Wilhelm Glaser, Langekampstraat 19. Alle arbeitersreundlichen Blätter des In« und Auslandes werden um Abdruck gebeten. Deutscher Transportarbeiter- yervaud sBezirk Kroß. Berlin). Branche: Kewerbl. Angestellten d. Kriegsorganisation. Am Mittwoch, den 9. Juni, abends S Uhr, bei Feyfara, Melchiorstr. 15, wichtige Ver. trauensmännerversammlung. Tagesordw!l>g u. a.: Bericht über die schwebenden Verhandlungen betr. Teuerungszulagen. Welche Maß- nahmen müssen wir ergreisen. Jede KricgSorganisation muß vertreten sein, wenn der Vertrauensmann verhindert ist, muß Vertretung geschickt werden, denn es handelt sich um Eure Zutuntt. Sektion I. Branche der Beileidungs-Jnduftrie. Verirauensleute aus allen Betrieben der Damen-, Mäochen- und Blusen- Konfektion I Am Donnerstag, den 16. Juni, nachm. 1 Uhr, im itotal von Wegener, Seydelslr. 36, wi chtige FunttionSr-Versainnilung. Tagesordnung: 1. Wie verhallen wir uns zu den lammenden Lohn- regulierungen; 2. Branchenangelegenheiten. Deutscher Wertiueistervcrbaiid. Versammlung der LuzuSPapier- brauche: Mittwoch, den 9. Juni, nachm. 5 Uhr. im Rcüauranl Schultheiß. Brückenstr. 6 3.— Versammlung der Kesunddeits-Jndustrie�: Dienslag, den 8. d. MtS., abends 6 Uhr, in unserem Bureau, Stralauer Str. 56 l. Zeniralverbaiid der Angestellten. Mitgiiedcroersammlungen am Mltlwoch, den 9. Juni. Jugendgruope: 7 Uhr, Musilersäle, Kaiser- Wilhelm-Str. 31.(Geschichte der Arbeilcrbewegung.) Fachgruppe 6b (SpeditionsangcstcUte): Ist, Uhr. Musilersäle, Kaiser< Wilhelm- Sir. 31. (Aibeitsgcmeinichaiten.) Fachgruppe 76(Schaujensterdeloraleure): 7st, Uhr bei Fritz Wegener. Sehdelstr. 36->.. 9 Post- und Telegraphenpersonal. Betriebsräte sämtlicher Voll-, Fern- sprech-, Telegraphen-, Bau-, Scheck- und Voslsuhrämler vom gesainten Oberpoftdirektionsbezirk Groß-Berlin. Donnerstag, den 16. Juni, abends 8 Uhr, im Gcweikschafisbaus, Engeluier 14(15. Saal 1: Versammlung. Tagesordnung: 1. Die Ausgaben der Belriebsräie im Bereich der Reichs- Post- und Telegraphen-Verwallung. Res.: Karl Klose. 2. Ausstellung der Kandidaten sür den Bezirks- und Zenwalrat. WLetsiHckft Die Aufgaben öes Reichs ausgleichsamtes. Wo sind Forderungen anzumelden? Durch Vermittlung des ReichSausgleichsamtes fit� nach Artikel 296 des Friedensvertrages nur diejenigen Geldver- bindlichlichkeiten zu regeln, die unler 1—4 dieses Artikels ausgezählt sind. Es handelt sich nur um Geldverbindlichkeiten, das heißt um den Ausgleich von Schulderk. die dem Gläubiger das Recht geben. Zahlung in Geld zu verlangen. Welcher Art die Forderungen sein müssen, die nach dem Reichs« ausgleichsgesetz anzumelden sind, ist in der Bekanntmachung des Ministers für Wiederaufbau vom 36. April 1926(Reichs-Gesetzblatt Nr. 94, Seile 761) im einzelnen aufgeführt. Nicht beim Reichsausgleichsamt anzumelden sind dagegen Ansprüche auf Herausgabe oder Lieferung von Sachen und Werlpapieren oder Urkunden jeder Art sowie Ansprüche auf Erlöse aus liguidiertem Eigentum, Rechten, Jnteresien. Insbesondere sind beim Reichsausgleichsamt nicht anzu« melden: I. In deutschem Besitz befindliche ausländische Wertpapiere, darunter auch Aktien, Schuldverschreibungen usw. gemäß§16 der Anlage zu Artiiel 293 des Friedensvertrages. Diese sind vielmehr bei der „Stelle für ausländische Wertpapiere de�S Reichs- finanzmini st eriumS", Berit» �V, Potsdamer Straße 122b, anzumelden. II. Andere Urkunden wie: Hypothekenbriefe, Verträge, Bescheini« gungen, Konzessionen, gemäß§ 10 der Anlage zu Artikel 298, die bei der Urkundenanmeldestelle des Reichskommissars für Auslands schäden", Zehlendorf-Nitte, Am Urban, anzumelden sind, und III. Schäden, welche Dentsche im Auslände erlitten, die zu Schadenersatzansprüchen führen könnten, wird empfohlen, anzumelden. wenn es sich um im Auslande beschlagnahmte Werte aller Art, auch Werlpapiere, handelt: a) von Jnlandsdeutschen beim„Verbände der im Auslände geschädigten Jnlandsdeutschen, Berlin �V, Potsdamer Straße 28, b) von Auslandsdeutschen beim Bund der Aus« landsdeulschen, Berlin IV, Raiichstr. 23. IV. Schäden und Schadenersatzansprüche, die I n t e r n i e r t e zu stellen haben, sind beim Bund der Ausländsdeutschen anzumelden. V. Deutsche aus T singtau haben ihre Schäden und Schadenersatzansprüche bei der Admiralität, Kiaut schau« Abteilung, Berlin, Köitigsn-Augusta-Ufer 42 anzumelden. VX Für die Anmeldung von Schäden an Bord von Seeschiffen sowie für Schäden an deutschen Kauffahrteischiffen tst znständtg das Reichswirtschafts« m i n i st e r i u m, Berlin W 15, Kursürstendamm 193/94. YII. Soweit es sich um Schäden handelt, die Deutschen innerhalb Elsaß-Lothringens entstanden sind, ist für die Anmeldung zuständig das ReichSmini st erium des Innern, Abteilung Elsatz-Lothringen, Berlin VV, Wilhelmstr. 72. VIII. Für Schäden, die Deutschen innerhalb von bisher deutschen, an Polen abgetretenen Ge- bieten entstanden sind, ist das P r e u ß i s ch e M i n i st e r i u m des Innern, Berlin IV, Unter den Linden 72/73, zuständig. Der Wind als elektrische Kraftquelle. Der Kopenhagener Kor- respondenl von„Göteborgs Dagblad" meldet, daß man sich in Dänemark seit längerer Zeil mit der Frage der Ausnutzung der Windkraft als eleltriiche Kraiiqnelle beichäfiigl. Die Untersuchungen seien so weit gediehen, daß diese Frage jetzt talsächlich als gelöst angesehen werden kann. Eine private Gesellschaft arbeitet unter Leitung von angesehenen Männern der Wisiensckiast und Technik an der praktischen Organisation des Unternehmens, die die Erfindungen verwirklichen soll, welche der Lösung des Problems zugrunde liegen. Erfinder sind zwei junge dänische Jngenteure, oavä. pclyt. Rasmus Jensen und cand. polyt. Paul Winding. (Siehe auch Beilage.) Pcrantw. für den redaltion. Teil: Erich guttner, Tempelhof: für An, einen: Th. iblocke, Berlin. Berlaa: Borivärts-Berlaq