■ Nr. 37. Jahrgang Msgabe B Nr.$ Bezugspreis: 95 ecttll ii!rrL 30,-3! L, mor.c: f., 50,-Mt. frei ins Hau», voraus zahlbar. Pak» oezug Manallich 10,-- MI. e'fi. Au- stellungsgcdühr. Unler Kreuzband für Demschianb»nd Oeüerreiib Ik.'O Mk. für da» übrige Ausland de> taglich einmal. Zustellung 21 SO 1 stellungen nehmet; an Oesterreich. Ungarn. Tscheche»Slowakei,-Baut. mark, Holland, �u�emdurg, Schweden und die Schweiz.— Singetragen in die Vost-Zeiwag»' Preisliste. Oer.VorwaNs" mit der Sonnrag». beilaze.Poll u, Zeir' erlcheinl Wochen- taglich zweiwot Sonntags und Mon- tags einmal Tekegramm-Adrcste; �Sozialdemokrat Berlin-. Abend-Ansgabe Vevlmev Volksblatt (20 Pfennig� Slitzeigeirprsis: Die achtgefpaltene Nonpateillereile loftetZ,— M., Teuerungszuschlag So «Kleine Anzeige»-, das t:» gedruckre Wort 1.— M. izulillsig zwei iettgedruckle Worte), jedes weitere Wort SO Pfg. Stellengesuche und Schlafstellenanzeigen das erste Wort es Pfg. Zides weitere Wort 40 Psg. Worte über 15 Buchstaben zählen ntr zwei Worte. Teuerungszuschlag 50°'». ffarnilien-Attzeigen stir Abonnenten geile 2,— M,. politische und ge- werrschastliche Vereins- Anzeigen Z,— Mk. die gelle ohne Ausschlag. Anzeigen stir die nächste Nummer müssen bis 5 Astr nachmitingz im Hauptgeichiiit, Berlin 658 88, lilnden» striche 3, abgegeben werben. Geögnet von 9 Uhr früh bis 5 Uhr abends. Zentralorgan der rozialdemokratircben partel Deutfchlands Neöalllon unü Exveöition: SA>. öS, Linüenstr. Z. aerniprrcher: Zimt Morinvla«. Ott. 15190—15197. Mittwoch, den 9. Juni 19550 Vonvärts-Verlag G.m.b.H., SM. 08, Lmöenstr.2. Fernsprechcr: A»ut Mvritipla«. Str. 117 5S— 51. Spa am 5. Julil Spa am 5. Juli. B r ü s s e l, 8. Juni. Havas meldet, das,, nachdem Mille- rand der Verschielzuns, der Konferenz in Spa zuge- stimmt habe, diese nunmehr am 51 Juli stattfinden werde. Ihr wird eine Sonderkonsercnz der Premierminister der alliierten Staaten in A r ü s s e l vom 2. bis 4. Juli? vorangehen. Paris, 8. Juni. Wie der Londoner Korrespondent des„Teinps"] mitteilt, wird Lloyd George jedenfalls am 20. Juni nach Paris kommen, um mit Millerand verschiedene Punkte des Problems der deutschen Entschädigung vor der Konferenz von Spa zu besprechen. Die intsrnatwNale Kinanzkonferenz. Pari s, 8, Juni. Nach dem„Daily Chronicle" wird die i« t e r- nationale Ainanzkonferenz in Brüssel frühestens am 23. Juli zusammentreten. Paris, 8. Juni. Havas. Die alliierten Regierungeri sind gestern offiziell benachrichtigt worden, daß Amerika an der Finanz- konferenz in Brüssel teilnehmen werde. fibftimmunq in Nlestvreußen am 11. Juli. Marienwerder, 9, Juni. Tic„Neuen Wesipreustischen! Mitteilungen" melden: Wie uns die Interalliierte Kommission Marienwerder mitteilt, finden die B o l k s a b st i m m n n g e n im w e st p r e u st i s ch r„ Abstimmungsgebiet am 11. Juli kil«.ill»■. Loüge übzv voikerbunö unö ßrieüensvertrag Ehikago, 8. Juni. tRenter.) Der Republikanisch« Kon- ben t wurde heute eröffnet. Der zeitweilige Vorsihende Senator Lodge verteidigte die Haltung der Opposition des Senats in der Frage de? Friedensvertrags. Es sei ein Staatenbund und kein Völkerbund, was Wilson aus Europa nach Amerika ge- bracht habe. Das Volk müsse jetzt seinen Urteilsspruch fällen. Lodge erklärte weitrrhin, es sei Zeit, datz die Vereinigten Staaten Mexiko gegenüber eine feste Haltung einnehmen. Wenn Mexiko einen starken, aufrechten Mann wähle, der den Ver- einigten Staaitn freundlich gegenüberstehe und entschlossen sei, die Ordnung herzustellen, dann würden die Vereinigten Staaten ihn aufrichtig und von ganzem Herzen unterstützen. Konsul Wustrows Toö. Tie Reutermeldnng, dah sich Konsul Wustrow selbst das Leben genommen hat, scheint nicht mit den Tatsachen übereinzustimmen. Stabsarzt Dr. Schütz meldet unter dem 8. Juni: „Deutscher Konsul Wustrom ist am Donnersiagmittag(3. 6. 1920) durch eine von ausien abgefeuerte Flintenkugel tödlich getroffen worden und sofort verschieden. Ich habe die Konfu- latsgefchäft« übernommen." Das Deutsche Reich verliert in Wustrow seinen letzten Konsul in ganz Asien. Die persische Regierung sprach der deutschen Re- gierung ihr Bedauern über den Vorfall aus. Aus Kreisen der deutsch-persifchen Gesellschaft wird uns hierzu geschrieben: Tie Wahnsinnstat angeblicher Demonstranten in Täbris wider- spricht derartig gerade den persischen Interessen, dass an die Arbeit von ngents provocateurs gedacht werden mutz. In Täbris war eine Partei am Ruder, die sich gegen die Teheraner Zentral- regierung wegen deren Zusammengehens mit England auflehnte. Türkische und rotrussische Truppen rückten gegen Persien vor. Das Gegebene für die Täbriser Loaklregierung war eine Verständi- gung mit Türken und Rätetruppen. Statt dessen machte sich in der letzten Zeit aus noch unaufgeklärten Gründen eine Feindschast gegen Türken und Russen bemerkbar. Unter den Flüchtlingen im deutschen Konsulat sollen sich nun Personen he- funden haben, die den türkischen Nationalisten nahezustehen be- schuldigt waren und infolge dauernder Verdächtigungen und Verfolgungen ihre? Lebens nicht mehr sicher waren. Sie glaubten im deutschen Konsulat um so eher geborgen zn sein, als vor nicht langer Zeit gerade ihre politischen Widersacher ebendort Asyl gesunden hatten. Tics nach persischem Herkommen heilige Asyl anzugreifen ist ein um so grosserer Wahnsinn, als damit, wenn wirklich Freunde der Türken und Räterussen sich in diesem Asyl befunden haben, die blutige Rache der anrückenden Türkbn, Kurden und Russen heraufbeschworen wird. Amsterdam, 8. Juni.„Times" berichtet aus Teheran: Um eine Wiederholung unerwünschter Zwischenfalle zu vermeiden, bat die englische Regierung die englischen Truppen von Refcht nach Mcnd- fchil zurückgezogen; eine bolschewistische Streitmacht in Stärke von 200 Mann ist in N e s ch t eingerückt. Die U.S.p. will ffeiffench! SÜcnstcnriflcn Tr. Breitscheids. Dn in Nieüerbarnim nougewählfe Abgeordnete der Un- abhängigen, Dr. Riiidolf V r e i t s ch e i d, erklärte einem Mitarbeiter der„Neuen Berliner", seine Partei werde sich auf{llssncn F.ill an der Bildung einer Regierungskoalition beteiligen. Er schloß seine Erklärung mit den Worten: An dem Borwurf, daß wir durch unsere Abstinenz das Zu- st anbekommen einer rein bürgerlichen Regie- r u n g förderten, tragen wir leicht. Um der Klarheit willen ist uns eins rein bürgerliche Rsgicrung lieber als eine, die hinter sozialdemokratischen Kulissen bürgerliche Politik treibt. JBir fassen unsere Aufgabe anders auf. Man wird sich eben allmählich an den Gedanken gewöhnen müssen, daß wir, wenn wir auch ins Parirmcnt hineing.hcn, keine parlamentarische Par- tei im Sinne der übrigen Parteien sind. Für die Unabhängigen wäre es nach ihrer ganzen Ge- schichte natürlich ein ungeheuer schwerer Entschluß, die agita- torisch rorteilhafte Rott? her Kritiker aufzugeben und sich an der positioen. Arbeit zu beteiligen. Daß sie sich zu diesem Entschluß aufwfsen werden, erwarten wir nicht. Trotzdem bleibt es uniere Pflicht, sie ans die Folgen ihres rein negg- tiven Derb'' ms, durch das die ganze Macht in die Hände der äußersten Ncartion ge'pielt wird, aufmerksam zu machen und für die Zukunft die Verteilung der Verantwortlichkeiten fest- zusetzen. Wir hatten für die Wahlen die Parole ausgegeben„Ter Feind steht rechts!", getreu unserer Politik, der es gelungen war. die Neaktion fast zwei Jahre lang von der Macht fern- zuhalten. Das Ergebnis der unabhängigen Wahlerfolge aber ist eine derartige Stärkung der Reaktion, daß die Unabhängi- gen selbst keinen anderen Weg ieben als den, ihr zunächst wie- der einmal die ganze Macht in die Hände zu legen: ein Er- folg. den sich die Arbeiterwähler, die einen unabhängigen Stimmzettel in die Urne legten, wohl nicht träumen ließen. Wir geben zu, daß die Ueberlassung der Regierung an Helfferich-Stresemann vom Standpunkt der Unabhängigen aus nu-r konsequent ist. Aber was ist das für eine Politik, die zu solchen Ko.nsequenten führt I „Die Sieger haben öas wort/ Tr. Petersen über de» WahlauSfall. Der Vorsitzende der Demokratischen Partei, Senator Dr. Petersen schreibt in der parteiamtlichen Korrespondenz: Enttäuschung und Kummer über das Schicksal unseres Volkes im Kriege, Empörung und Zorn über seinen Abschluß, Sorgen und Aerger bei seinen Folgen sind parteipolitisch zum Kampf gegen � die Parteien ausgenutzt worden, die aus dem Zusammenbruch . Heraus die Regierung gebildet haben. So beherrschte den Wahl- � kämpf auf feiten der Opposition von rechts und links Kritik und nochmals Kritik, Zusammenschluß zum Negativen, nicht zum Positiven. Das Ziel der Oppositionsparteien ist erreicht: die für die bisherige Koalitionsregierung erforderliche Mehrheit ist zerstört. Jetzt haben die Sieger das Wort! Bei dem Standpunkt der Unabhängigen, Koalitionen mit nicht- sozialistischen Parteien abzulehnen, wird nur die Rechte in Frage kommen. Sie soll nun zeigen, welche Koalitionsmehr- heir sie bilden, welche Politik sie mit ihr führen wird. Es wird uns interessieren, wie sie na<*) ihren Erklärungen im Wahlkampf Koalitionen aus mehreren Parteien bilden und gleichzeitig Kompro- misse ablehnen wird. Ter Vorstand unserer Partei wird u n- verzüglich zusammentreten. Die Parteifreunde sollten sich in ihren Aeußcrungcn Zurückhaltung auserlegen. Was einzelne Mitglieder jetzt glauben äußern und urteilen zu sollen, ist als per- sönliche Ansicht zll werten. Auch auf dem Gebiete der Politik gilt setzt im besonderen Maße: Ein Gefäß ist leichter entzweizuschlagen, als ein neues, gleichwertiges zu beschaffen. « Ter Parteivorstand der Deutschen Demokratischen Par- tei tritt am Donncrstagnachmittag 3 Uhr in Berlin in der Reichs- geschästsstelle, Köthener Str. 35, zusammen, zur Beratung über die durch die Wahlen geschaffene Lage. Tie französischen Beamten bleiben bei der C. G. T. Der Exekutivausschuß der Gewerkschaft der P o st.. Tele- graphen- und T e l e p h o n b c a m t c n hat in einer Versamm- lung be'chlossen, trotz der ministeriellen Aufforderung den Wirtschaft- üchen Organisationen der C. G. T. treu zu bleibe». Regierungsbilöung Miö /kus- ianöspsiitik. Vor einigen Tagen teilte die„Berliner Volkszeitung" mit, daß die in einem Kartell vereinigten pazifistischen Ver- eine im Hinblick auf die Wahlen einen Fragebogen an samt- liche Parteileitungen gerichtet hatten mit der Bitte, sich dar- über äußern zu wollen, ob sie die Revision des Versailler Friedensvertrages nur auf dem Wege der Verband- lungen erstrebten, und daß allein die Vorstände der S. P. D., der U. S. P. und der Demokratischen Partei diese Frage bejaht hätten. Weder die Deutsche Volksvartei noch die Deutschnationalen hatten auf das Rundschreiben reagiert, aber in diesem Falle ist man besonders berechtigt zu behaupten, daß keine Antwort a Uch eine Antwort ist. � Was das Zentrum anbelangt,, so mag seinem Schwei- gen ein Versäumnis zugrunde liegen, denn von der Partel, die seinerzeit in Weimar als erste und einzige bürgerua)-- Partei fast geschlossen unter Führung Erzbergers für die Unterwerfung unter das Siegerdiktat eingetreten ich mußte man annehmen, daß gerade sie die Konsequenzen aus ihrem damaligen schrittmachenden Schritte gezogen und die Hofs- nung ans eine g e w a l t s a m herbeigeführte Aenderung der Friedensbedinaunqen weit von sich weist. Alle wissen jedoch, daß die göttliche Sendung des Zentrums in diesem Erden- wallen darin besteht, gelegentlich auch anders zu können und dieselben frommen Herren, die in der Befolgung der Brüderlichkeitslehre Jesus manchmal so weit gehen, daß sie sich als Separatisten und Föderalisten in die Arme Mangins werfen, wie P. Frohberaer und Kästelt, oder gar in die Arme Fochs, wie der gefährliche Demagoge Dr. Heim einst unter Führung des Trimborn-Spahnschen Leiborgans, der „Kölnischen Volkszeitung", den rücksichtslosen U-Boot-Krieg gepredigt und die Annexion der flandrischen 5tüste verlangt haben. � Die nach der voraussichtlichen Ablehnung der Unabhan- gigen, eine Linksregierung durch ihren Eintritt in die Koa- liton zu ermöglchen, kaum zu vermeidende Koalitionsregie- rung der Rechtsparteien mit dem Zentrum wäre zumindest theoretisch einem Revanche krieg nicht abgeneigt. i Schon aus diesem Grunde kommt eine Koalition für die So- zaldemokratie mit einer dieser von der„Täglicheil Rund- schau" patroniertcn Parteien gar nicht in Betracht.� Wir wissen.zwar ganz genau, ebenso genau wie die Herren Hergt und Stresemann selbst, daß dkese Revanche- stimmung der Rechtsparteien praktisch wenig zu. bedeuten hätte, sobald sie die Verantwortung für die Geschicke des Reiches zu tragen hätten. Als haßerfüllte Opposition hat die Rechte seit dem Waffenstillstand keine Gelegenheit vorübergehen lassen, ohne zum äußersten Widerstand gegen die Forderungen der Sieger in kraftstrotzenden Reden und Artikeln aufzufordern— als verantwortliche Regierende aber würden sie genau so gehandelt Habem wie die angeblich jeder nationalen Würde bare Koalitionsregierung, sie hätten sich unter die Sühneforderungen für Scapa Flow, so ungerecht und hart sie auch gewesen sein mögen, gebengt, sie würden das Verlangen der Entente nach Zurückziehung der meuterischen Goltz-Truppen ans dem Baltikum ebenfalls er- i füllt haben, sie würden ebenso machtlos wie wir der unmensch- ! lichen Zurückhaltung der deutschen Kriegsgefangenen in Frankreich gegenüber dagestanden haben. Und wenn näch- stens der neue volksparteiliche Abgeordnete für Leipzig, Frei- Herr von Lersner,— der, nebenbei bemerkt, allen seiner- zeitigen Mitglieder» der deutschen Friedcnsdelegation � als ein Schlappschwanz und Kratzfüßler ärgster Sorte gegenüber französischen Polizeikulis und obendrein noch als eme sehr mäßige Intelligenz bekannt war— wenn derselbe Herr von Lersner, dessen ungezogene disziplinlose Geste bei der Ueberreichun gder Auslieferungsliste seinerzeit als„befreiende Tat" von der Rechtspresse gefeiert wurde, Reichsminister des Aeußern wäre und eine neue Drobnote der Alliierten wegen zu langsamer Behandlung der Kriegsverbrechersälle durch das Leipziger Reichsgericht erhielte, dann würde er genau wie Müller und Köster den Weg der Verhandlungen beschreiten und alle kriegerischen Redensarten als verbrecherischen Irrsinn, olle leeren„heroischen" Gesten als gemeingefährliche Hanswurstiaden betrachten. Der einzige Unterschied würde darin bestehen, daß die S o z i a l i st e n als Opposition von der Unmöglichkeit, anders zu handeln, überzeugt, in aufrichtigem nationalen Schmerz die Lage der Regierung den Siegern gegen- über zu erleichtern bestrebt wären, während bisher die Deutschnationalen und Volksparteiler alle Prüfungen und Demütigungen, die der deutschen Nation zugefügt wurden, heimlich begrüßten, weil bisher die Quintessenz ihres vaterländischen Zornes nur egoistische P a r t e i p o l i t i k, nur auf die kommenden Reichstagswahlen berechncler demagvgi- Äscher Stimmenfang war. Sunt Glück für 5ct§ Volk sin? sicl) ble Nschtsparteion unserer militärischen Machtlosigkeit ebenso klar bewußt, wie wir, so daß sie als Regierungskoalibion die sinnlose Spielerei mit der Revanche zum alten Plunder werfen und auf Geheiß der Entente genau in derselben Weise bestrebt seni würden. die militärischen Bedingungen zu erfüllen, wie bisher die Linksparteien. Wir wissen zwar nicht, ob die Entente einer Rechtsregierung jene Erleichterungen auf diesem Gebiete bewilligen wurde, aber wir können uns von vornherein ihre Aufgabe als bedeutend leichter vorstellen als die unsrigs. Denn die Rechtsregierung würde die Reichswehr als Unter- drückungsinstrument gegen die Arbstterklasse ausbauen, samt- liche republikanisch gesinnten Elemente aus ihr entfernen und die gerade für die Entlassung fälligen Baltikumer, Frei- korpsangehörigen und sonstigen Kappisten an deren Stelle setzen. Darüber sind wir tmZ also im klaren, daß vom außen- politischen Standpunkt die Ersetzung des Sozialisten Noske. der mit untauglichen Mitteln eine verfassungstreue Reichs- mehr zu schassen versuchte, bzw. des Demokraten Geßler, der sich hilflos gegen die Umgarnung durch die Militärkania- rilla wehrte, durch einen einer reaktionären Regierung dienenden, schrankenlos waltenden reaktionären General ge- wisse Erleichterungen mit sich bringen würde.... Denn den beschränkten französischen Militaristen ist die buch- st ä b l i che Enhaltung der Versailler Bedingungen viel wich tiger, als der G e i st der deutschen Wehrmacht. Und si-e würden zwar das Ruhrrevier oder den Maingau besetzen, wenn beim festgesetzten Verminderungstermin die deutsche Reichswehr aus 191 MO Republikanern bestände, wären aber durchaus befriedigt, wenn die Reichswehr pünktlich aus genau lOOMO Freikorps- und Baltikumsoldaten herabgesetzr sein würde. Es war überhaupt das tragische Schicksal der deutschen linken Koalitionsregierung, daß sie bei der Entente genau das Gegenteil einer Unterstützung fand. Man mußte viel- mehr seit ihrem Bestehen den ganz bestimmten Eindruck gewinnen, als ob die Regierungen der Alliierten, und ganz besonders die französische Regierung, es auf eine Schwächung der deutschen Republik oder zu- mindest der deutschen Sozialdemokratie ab- gesehen hatte. Die Gründe für � diele eigentümliche Behandlung sind mannigfaltig. Der nächstliegende ist die Abneigung, ja der Haß, mit denen das bürgerlich-reaktionäre Frankreich der Arbeiterklasse überhaupt, der deutschen wie der eigenen, gegenübersteht. Nicht die deutsche militaristische Reaktion. die durch Niederlage und Revolution beseitigt war, war der französischen Bourgeoisie zum Feind geworden, sondern .die deutsche Sozialdemokratie, von der man allerhand ansteckendes marxistisches Unheil befürcht?te. Diese zu schwächen war die Hauptaufgabe, die sich die französische Regierung gestellt hatte: zumal diese Sozialdemokratie die glühendste Trägerin der großdeutschen Staatsidee und die erbittertste Gegnerin der separcrtistrschen Bewegungen ge- worden war. Zwar kokettierte man mit den Unabhängigen, auf deren Unterstützung man bei der.Frage der Friedens- Unterzeichnung rechnete, ja, man affektierte sogar Mitleid mit den Spartakisten, so nach der Niederwerfung der baperischen Näterevolntion— in Wirklickckeit aber fürchtete und haßte man alles, was proletarisch ist und sozialistisch denkt. Und nicht allein in Deutschland! In ganz Europa das- selbe Bild, dieselbe Schwächung der Sozialisten, die Unter- stützung der ärgsten Reaktionäre: in Ungarn unterstützten Franchet d'Esperey und Oberst Cunningham die Leute um den Erzherzog' Josef und Admiral Horthy, in Oesterreich hielt der Franzos-engesaudte Allizä, mit den: wir bevacht werden sollen, zu den Christlich-Sczialen, diesen Hauptschul- digcn am Kriege, gegen Otto Bauer und die deutschösterrei- chische Sozialdemokratie, in Rheinland unterstützte man d'e einstigen U-Boot-Kriegler und Annexionisten der„Kölnischen Volkszeitung" und verfolgte man die Sozialdemokraten, C. Dsb?sgsantt-Ohs?sa f. Von A. S. 23 o Ij er. Der iitierrdationaile Sozialismus hat wieber einen schweren Vsrlust erlitten. Der T»d hat einen dar Aelteswn und Bedeutendsten unter den lebenden gekstigen Känrpfern für das soziallstlsche Ideal aus seinen Nsihen entDissen,(e. Dobrogeanu-Bherea, der hervorragende Theoretiker bis rumänischen Sozialismus ist ge-- storbe-n. Wir erhielten auf privatem W«ae die Kunde, daß am K). M«i 1920 seine Beerdigung in Bukarest stattgefimden hat. Dabrogeanu-Ghereas Fugend war sehr abenteuerlich. Einer russisch-jüdi scheu Familie entstammend, wurde er schon als junger Student wegen Teilnahme an der russischen revolutionären Bewe- gung zu GesängN'is und Verbannung verurteilt. Nach einer ab en- Neuerlichen Flucht kam er nach Fast sNumänieu), wo er zunächst als Schlossergeselle sein Dasein dürftig foistet-, stets aber für die Sache der Revolution kämpfend. Später sehen wir ihn als Verkäufer von warmen Getränken auf der neuer richteten Bahnstatton Ploesti, wo er im Winter den Fahrgästen während des kurzen Zugaufcnthaltcs -Thee, Kaffee und dergleichen, die er aus emem Tablett trug, darbot. Nachher erhielt er die Konzession, einen Verkaufsstand auf dem Bahnsteig zu errichten und verabreichte da den Gästen neben war- men und kalten Getränken auch warme und kalte Speisen. Heute ist das Dähnhofrestaurant in Ploesti das erste Rellaurant Nu- mäuiens, auch den Ausländern bekannt durch die vorzüglichen Speisen und durch die billigen Pzfciss. In der freien Zeit, die ihm diese mühevolle Arlleit zwischen den Zugfolgen ließ, fand er Muße, Micher eifrig zu lesen und zu schreiben, die Lücken ssiner Bildung auszirsiillen, sich mit den theo- retischen Problemen des Sozialismus zu befassen. Er erzählte mir, wie er in seinem Gastzvirtsberuf, als er in der Oeffentiichkeit noch nicht bekannt war, den Beschimpfungcn und Roheiten der boch- fcchoigen Fahrgäste ausgesetzt war. die nicht ahnten, daß dos Hirn dieses Gastwirtes damals schon sich mit den größten und schwierig- sten sozialen Problemen befaßte. Der Landessprache kaum kundig. sehen wir ihn bald in den ersten Fachzeitschriften Rumäniens an der Diskussion der aktuellsten Probleme der literarischen und sozialen Kritik sich in hervorragender Weise boteiligen. Es gelang ihm. sich in kurzer Zeit einen sehr beachtenswerten Namen auf diesem Gebiete zu verschaffen. Die Entwicklunig des sozialistilchen, Gedankens in Rumänien ist untrennbar mit dem Namen D obrrgewrr.i-Ehe reas verbunden. Cjc war der geistige Vater der rumänischen Bruderpartei. In der von ihm herausgegebenen Zeitschrift:„Eontemporanuel" sowie in zahlreichen Broschüren und in der sozialistischen Presse hat er. mit dem RüstMtg der marxistischen Wissenschaft und mit einem glfiw s verbot:f;Te Zeitungen, sperrte ihre Rebakteure ein oder wies sie aus. Tie stärkste Unterstützung der deutschen Reaktion bestand jedoch in der konsequent idurchge führten Gewaltpolitik von Com- piögne und Versailles, über deren Folpen i n: a n sich unmöglich i kn unklaren sein konnte': 'eine konkrete Folge dieser Gewaltpolitik Ist die Wahl vom 6. Juni. Und so kommen wir zu der.Hauptfrage, ob S t i n n e s ■ und seine Leute der Entente nicht viel genehmere Partner wären, als die« Linkspolitiker der bisherigen Koulirions- � regierang. 1 Diese Frage ist, nach allen: Vorangegangenen, zumin- >dest,�N>as Frankreich' anbelangt, kaum zu verneinen. Heute ist Stinnes� in den Augen der regierenden großkapitalisti- j schon französischen Bourgeoisie nicht mehr der Mann, der die n:: e x i o n i st i s K e Denkschrift der Groß- industoiellen-Verbänds inspirierte, der die belgischen A r b e i te rd ep o r i a t i o n e n— nach seinem eigenen Geständnis— anregte, der sich an der von seiner Gruppe empfohlenen Zwangsliquidation b e l q i s ch e r In- dustriewerke bereicherte, er i st d e r Mann, mit dem � s i ch großzügige Geschäfte auf Kosten des sranzösi scheu und des deutschen Prole- t a r i a t s machen lassen. Und als vor einigen Tagen Herr Hugo Slinnes in Paris zu den Wirtschaftsbesprechun- gen eintraf, da schrieb der„Temps" eine kleine Notiz, in der er aus die hervorragende Stellung Stinnes im deutschen Großunternehmertum, man könnte fast sagen, respektvoll bin- wies. Dereche„Ten?ps"„ der vor Jahresfrist in einer Be- gründunq der Versailler Be-dingungen gehässig schrieb:„Was wir wollen, das ist, das deutsche Volk nach allen seinen Un- taten an: Genießen zu verhindern." Tarunter versteht die französische Bourgeoisie wohl das massenhafte Verhungern von Säuglingen in Wien oder im deutschen Erzgebirge. Aber Herr Hugo Stinnes�— das ist etwa? ganz anderes.. Nach alledem wird man es verstehen, wenn wir keinerlei Neigung mehr zeigen, eine Slindenbockarbeit zu leisten, die weder im In- noch im Ausland Verständnis begegnet. Viel- leicht steht jene� oben geschilderte französische Stimmung im Gegensatz zu einer etwas spät erlangten Erkenntnis auf feiten Lloyd Georges und N i t t i s. Bielleicht wird bereits::: Spa ein neuer Kurs eingeschlagen werden. Wenn dies der Fall fein sollte und eine Rechtsregierung an: Verhandlungstisch die Früchte dieler unserer undankbaren Arbeit ernten sollte, die die Reaktion unausgesetzt bestrebt war, zu erschweren, dann werden wir es im Interesse des deutschen Volkes begrüßen. Ein spätere Zeit aber wird das weltgeschichtliche Verdienst der bisherigen Koa- litionsregierung und speziell der deutschen Sozialdemokratie besser zu würdigen wissen, als das undankbare, irregeführte, aufgehetzte deutsche Volk es am 0. Juni getan hat. tk Sozia'öemokratle im Schlepptau? Das Kopfzerbrechen über die kommende Regier:::' gs- bildung dauert an. Noch niemals ist wohl im Teutschan Reich so viel gerechnet worden wie in den letzten 2-1 Stunden. Zahlen türmen sich auf Zahlen, es wird addiert, spbtrahicrl, wie man es jedoch macht, es kommt nichts Tragfähiges heraus. ' Unverkennbar ist die wachsende Verlegenheit der R v ch t e n. Während sie jedoch noch gestern der Sozial- demokratie gegenüber stolze Zurückhaltung bewahrte, macht sich heute das deutliche Bestreben bemerkbar, sich dieser in Liebe und Freundschaft zu nähern und Vergangenes oer- gefsen sein zu lassen. Tie„Tägliche Rundschau", das führende Berliner Organ dpr Stresemänner, glaubt uns bei der Ehre packen zu sollen. Sic schreibt: Parteien, die sich wegiyi Verkennung ißres Edelmutes, wegen vermeintlichen Undanks oder wegen P a r- zendsn pelemischen Tastjft behastet, ein-cn erfolgreichen Kampf gegen den damals stark verbreiteten Anarchismus geführt, den wissenschaftlichen Sozialismus und die materialistische Geschichis- aussassung m po pulär-w i ss enscha tt lichen Aufsätzen verbreitet und so den theoretisch-stzlalüsiischen Kern gebildet, um den sich eine große Schar bsgersterter Idealisten gesammelt hat, die sich zu einer soztel-demckvati'chen Partei gruppierten. Darüber hinaus war er unbestritten der erste Literatur- kritiker Rumäniens. Bis zu seinem Auftreten war die Kritik in Rumänien im selchten, unfruchtbaren Gewässer der psycho- logischen Schule stecken geblieben. Ein Schüler Karl Marxens und Georg Brandes, wandte er zuerst in Rumänien die sozialxlogische Methrde, die materialistische Geschichtsauffassung in der Literatur- kritik an und befruchtete so diese ungemein. Du»ch sine Reihe frisch geschriebener Streitschriften gegen die damalige offizielle Schule, die die Ramantik, d. h. den Konservatis- •mus, die Reaktion, die„Sehnsucht nach den alten guten Zeiten" aus dun Gebiete der Politik, der Wissenschaft der Soziologie und der Literatur vertrat, gelang es Gherea in kühnem Vorstoß gegen den Hervorragcirdsten Vertreter dieser Schule, Diu Maiorescd, Professor der Litcraiu rgeschichte und weiland konservativer Mi- nisterpräsident. die Weltsremdheit, Hohlheit und Rückstlmdigkoit dieser Schule bloßzustellen und seiner eigenen Methode, die den Fortschritt repräsentierte, das Feld zu ercbcrn. Gherea war nicht nur ein Gelehrter, sondern auch ein glän- zendir Schriftsteller, ein Dichter und ein Pädagoge. Seine Schis- ten zeichnen sich nicht m»r durch ein tiefes und sicheres Beherrschen des behandekten Siasf.es. sondern auch vor allen: durch die voll- endete Sprache, durch seinen temperamentvollen, polemisch-geist- und öildnisreichen, klaren Styl, der nainenttich seine sozialen und llterawr-kriti scheu Essais zu den auserlesensten und gelesen sten Schiften in Rumänien gemacht hat. Sein poetischer Essai über TaraS Schewtschcnko, dem Dichter der Ukraine, ist mehr«in Erzeugnis der Dichtkunst als der Kritik. Seine literatur-sozial�kritischen Schritten werden, obwohk vor mehr als drei Jahrzehnten geschrieben, heute noch in allen Kreisen der B völkerurg und namentlich von der reiferen Jugend, nicht nur der sozialistisch orientierten, rmt leibhaftem Interesse und mit Hoch- genuß gelesen. Er war der Jugend nicht nur Lehrer, sondern im besten Sinne des Wortes auch Erzieher. Im Jahre 1910 veröffentlicht« Gherea ein gDÖßeres Work über die„Neuhörigkeit", eine„sozial-ökonomische Studie über das rumä- nische Agrarproblem". Dieses Werk gibt eine gründliche Analyse dpr rumänischen sozialen Frage, unter Anwendung der geschichtS- materialistischen Methode. Es ist das beste, was aus diesem Ge- biet bis heute über die aunäntsche Agrarfrage veröffentlicht wurde und reiht sich au die wenigen iozialisvischen Schriften, die einen Beweis für die Iruchlibawksit der marxistischen Methode liefern. t e i s ch w ä ch e in den Winkel stellen und schmollen wollren, würden sich selbst das Recht, als politische Parteien zu gelten, aber- kennen. Es gilt für sie so gut wie sür die anderen, das Gebot mitzuarbeiten und aus dem Geschehenen das Beste zu machen versuchen. In erster Linie tritt dieses Gebot an die Mehr- heitssozialisten heran, die mit 109 Mandaten immer noch bei weitem die grösfte Partei sind. Das alldeutsche Blatt ist im Irrtum. Wenn w:r er- klären, mit den Stinnes und Konsorten nicht mitmachen zu wollen, so geschieht das nicht aus Sehnsucht aus dem Schmollwinkel, sondern aus dem Grunde, daß für e:n Zusammenarbeiten mit einer Partei, deren kapital:- stische Tendenzen ganz unverhüllt und deren monar- chistische Bestrebungen unter einem dürftigen republ:- kanischen Mäntelchen nur schlecht verborgen sind, die gemein- same Plattform für die Sozialdemokratie zu schmal ist, als daß auch nur das Mind�stersprießliche für die Arbeiterschatl dabei herauskommen könnte. Tie Kübel voll Schmutz urw Unrat, die auf alle links von Stinnes Stehenden während der langen Wochen des Wahlkampfes gegossen wurden, uno deren Schmitzflut sich:n unaufhörlicher Flut insbesondere aus die Arbeiterschaft herabgoß, das alles ist mit einem Mal nicht gewesen, und die„Tägl. Rundschau" fragt nur gekünstelter Naivität, wer jemals im Wahlkampt an eine Negierung gegen die Arbeiterschaft gedacht habe? Die Deutsche Volkspartei habe wieder- holt kundgegeben, daß an einen Wiederaufbau des Reiches nur mit. nicht gegen die Arbeiterschaft zu denken sei. So schreibt sie in nicht ganz einwandfreiem Deutsch, und glaubt damit, daß unsere Genossen versöhnt den S t r e s e- männern in die Arme sinken könnten. Wesentlich einsichtsvoller ist die„Post", die betrübt fest- stellt, daß die Verbindung von der Sozialdemokratie bis zur Deutschen V o l k s p a r t e i, d. h. die Erwvl- terung der gewesenen Koglition nach r ech t s, an der Haltung der Sozialdemokratie zu scheitern scheine. Im übrigen weint sie— hierin nicht mehr ganz originell und durch ihre Freunde Kapp und L i: t t w i tz überholt— den Fach mini st erien eine stille Träne nach. Mit außerordentlich interessanten Enthüllungen wartet der„Lokal-Anzeigcr" auf. Er schreibt: Di? Deutschnationale Volkspartei dürfte, wie unS von matzgebender Seite versichert wird, bereit sein, in eine Regierung einzutreten, an der auch die Mehrheitssozialisten teilnehmen. Voraussetzung ist natürlich, daß die Deutschnationale Volkspartei nicht gezwungen wird, von ihren Hauptgrundsätzen ab. zuweichen. Wenn also die Sozialdemokratie als braves Kind sich für Wiedereinführung der Monarchie unter dem gloreichen Zepter Wilhelm II., wenn sie sich für den„Herr-im-Hauie- Standpunkt" des Unternehmertums, wenn sie sich sür B e s e i t i g u n g des parlamentischen Systems, für Wiederaufrichtung des Militarismus und für Wie- bereinführung des nach konservativer Anschauung „nahezu idealen" Dreiklassenwahlsvstems einsetzt, dann werden die Deutschnationalen gnädigst bereit sein, zu- sammen mit uns in eine gemeinsame Regierung einzutreten. Wir danken! Von der„Deutschen Volkspartei" weiß der Lokal-An- zeiaer" zu berichten, daß sie„im Interesse des Vaterlandes" bereit sein wird, in eine Koalition einzutreten, in der die Sozialdemokratie gleichsakls vertreten ist. Jedoch gleichfalls nicht so ohne weiteres. Als Vorbedingung zu dem Eintritt in die Koalition wird die Partei außerdem noch einig« Forderungen stellen, von denen sie unter keinen Ilmständen abweichen wirjD. Sie wirh verlangen, daß nach Spa wirkliche Staatsmänner und keine Parteimänner entsandt werden, daß nach Wirt- schaftlichen Gesichtspunkten regiert wird, daß das Beamtentum von der Politik verschont bleibt und daß die Staatsautorität wiederher. gestellt wird. Diese letzte Forderung kann nach der Ansicht der Seine Schriften, sowohl die wissenschaftlich sozialistischen, als auch die litevatur-kritischen h-aiben mehr wie lokale, haben kulturell- internationale Bedeutung; leider wurden sie bis heute noch in keine europäische Kultursprache übertragen und sind im Aus- laich daher unbekannt geblieben. Wir nannten ihn„unser Bran- des, unser Plechanoff, unser Kautsky"; in der Tat verkörpert er in seinen Schriften di« Vorzüge aller dieser drei ausgezeichneten Per- sönlichkeiten. Als Mensch war sein Wesen von einem bezaubernden Reiz. Ein warmes Herz blickte aus seinen gutmütigen Augen, und wer das Glück hatte, seine nähere Freundsehaft, oder auch nur Be- kairntschast zu genießen, konnte dieses edle Merrschenberz nie mehr vergessen. Sven Haus war ein offenes, gastfreies Heim für aste Versvlgten, Enterbten, Gedemütigtcn und Beleidigten, und seine spendende Hand hat manchem darbenden Genossen tu schwerer Not geholfen. Die von den Schergen des Zaren verfolgten russffchcn Revolutionäre fanden in GhereaS Saus stets ein gastfreies Asyl, das namentlich im RevoluttonSjahr 1905 großen Zuzug hatte. Für die revolutionären Matrosen der meuternden Schwarzmoers io lte, nsbesondere sür die tapfere Besatzung des unvergeßlichen»Po- t e m k i n" hat sich Gberca außerordentlich verwendet, indem er damals bei der rumänischen Regierung den ganzen Einfluß seiner bei Gegnern wie bei Fr.unden gleich geachteten Persönlichkeit ein- legte, um den in Consta nza gelandeten revolutionären Matrosen freies Asyrccht in Rumänien zu erwirken. Der russisch« Schrift- steller Wladimir Korolenko gehörte zu den intimen Freunden Gherras. An seinem Lebensabend mußte er trüben Herzens zusehen, wie sein geistes Kind, die rumänische soziäl-demokratische Partei sich in den letzten Jahren tollkühn aus den abenteuerlich-abgrüitd- lichen Weg des Bolschewismus stürzte. Vielleicht hat diese Eni- Wicklung der rumänischen soztal-demokratischen Partei nicht zulcht zum Tode dieses ausgezeichneten, klugen, an schmerzlichen Er- fahrungen und großen Enttäuschungen reichen Mannes bei- getragen, der mit seinem durch sozialökonomffches. philosophisches und literarisches Wissen geschärften Blick die Zusammenhänge der gesellschaftlichen Entwicklung viel klarer als seine Ilmgebunz er- faßte, daher das Verhängnisvolle der von seiner Partei einaeübln. (jenen Richtung erkannte und vor ihr warnte. Wilhelm Rvt-x. der Leiter des Anatomischen Instituts in Halle. der bedeuwnde Forscher der Enlwicklungslehre� wird heute 70 Jahre alt. Als Schöpser der.Entwickliingsmechani!" bewies er mit einer Fülle von Versuchen, daß die Zelle, als einfachster Bauteil organi- ichen Lebens, in ihren Formen höchst veränderlich und immer ob« hängig ist von den chemischen und physikalischen Reizen, die sie von außen her tteffen. Die ous dem Zellenmaterial gebauten Organe aber hängen von den Funktionell ab, die sie auszuüben haben, und Führer der Deutschen Volkspartei nur erfüllt werden, wenn für die Zuverlässigkeit unserer Reichswehr Borsorge getroffen wird. Wir können nicht umhin, diese Forderungen als außer- ordentlich bescheiden zu bezeichnen. Unter den„wirklichen Staatsmännern", die Teutschland in Spa vertreten sollen, sind wohl dre Herren S t r e s e m a n n als Vertreter des alldeutschen und S t i n n e s als Vertreter des groß- k a p i t a l i st i s ch e n Gedankens zu verstehen Tie vorsichtige Formulierung von der„Regierung nach Wirtschaft- liefen Gesichtspunkten" bedeutet nichts anderes als B e s e i- t'igung der bisher in Angriff genommenen S o z i a l i- s i e r u n g s m a ß n a h m e n, die insbesondere für die Kohlenbesitzer und Grubenmagnaten in der Deutschen Volkspartei außerordentlich peinlich zu werden drohten. Daß die Beamtenschaft wieder in das alte Sklavenjoch der Reaktion gespannt werden unv die Reichswehr in den Dienst des monarchischen Gedankens als Vorspann einer Handgranaten- und Maschinengewehrpolitik gegen die Ar- b e i t e r' ch a f t gespannt werden soll, ergibt sich als selbst- verständliche Forderung aus dem Charakter der Deutschen Volkspartei, hätte also gar nicht erst ausdrücklich betont zu werden brauchen. Besonders prophetisch gibt sich die alldeutsch-antisemitische „Deutsche Zeitung", die mit der Miene dessen, der genau weiß, behauptet' daß die Koalition, verbreitert durch die eine oder andere der beiden Rechtsparteien, wieder- kebrcn wird, mögen die Mehrheitsgenossen noch so feierlich erklärt haben, sie zu verwerfen I" � Was sie hiermit bezweckt, ist klar: Sie selbst gibt für die Deutschna- t i o n a l e n die Parole aus, weiterhin in der Opposition zu bleiben, weil sie sieht, daß man hierbei recht g u l gedeiht, und weil die Konservativen von jeher die Partei über das Vaterland stellen und ihr P a t r i o- t i s m il s nichts als tönende Phrase und klingen- des Erz war. Aus diesem Grund— und nur aus diesem — soll die Sozialdemokratie in die Koalition mit den Nationalisten eintreten und für die All- d e ii i? ch e n wieder einmal die Kastanien aus dem Feuer holen. Ein äußerst kräftiges und zutreffendes Wörtlein für die „ncE' malen" Parteien findet das„Berliner Tageblatt", indem es M'reibt: T ie Deutsche demokratische Partei muß eS angesichts der jedes Maß übersteigenden, gegen alle Begriffe von?lnst.and und Moral der st atzenden Kampfes- weite, die, ganz ähnlich wie von den Deutschnationalen, auch von der Deutschen Volkspartei in ihren Organen, Flugblättern und Versammlungsreden geübt wurde, ablehnen, mit Politikern zusammenzuarbeiten, die diese niedrigen Per- leumdungen und Beschimpfungen, dies« ganze würde. l o f c Hetze veranlaßt haben oder für sie verantwortlich sind. Sie kann auch nicht mit Politikern zusammenarbeiten, die als Gegner der Republik auftreten und nicht erklären, daß sie auf dem Boden der demokratischen Perfasiung stehen. Was das beniokratifche Organ hier sagt, gilt Wort für .Worr auch für die Sozialdemokratie. Auch uns ist noch in frischer Erinnerung, daß die V e r f a s s u n g, die allein den: Lande die von den Nationalisten angeblich so er- sehnte Ruhe, Sicherheit und Ordnung zu geben vermochte. von der DeutschenVolkspartei und ihrer reaktionären Schwester in durch und durch undemokratischer Weise a b- gelehnt worden ist. Unsere Ansicht, daß der Versuch der„Deutschen Volks- Partei", unsere Genossen in die Regierung zu bringen, nicht piötzlich entdeckte Liebe, sondern ein demagogischer Kniff ist, wird von der„Morgenpost" bestätigt, nach der nengewälilte Abgeordnete der Deutschen Volkspartei ausdrück- lich erklärt haben, es müsse alles versucht werden, um die Sozialdemokratie in dieneuzu bil- dende Mehrheit einzu beziehen. Das sagt genug, und das B e b e l s ch e Wort von dem Mißtrauen gegen die diese verändernden Anpassungen, eindringend in verborgenstes Leben, nartwewiesen zu haben, war Ronx' großes Verdienst in der Zeit. die Darwins und Haeckels Lehren zum Siege tührre. Tie Menschenrechte der Neger. Eine Nationalkonferenz der farbincr Bevölkerung der Vereinigten Staaten, die in Atlanta im Staate Georgia abgehalten wurde, beschäftigte sich in eifrigen De- batten mit der Lynchfrage. E wunden Zahlen vorgebracht, die zeigen sollten, daß Angriffe auf weiße Frauen nicht di« Hauptursach« für das Lynchen seien. Von 1383 Lynchfällen in den süd- lich-n Staaten aus den Jahren 1883 bis 1303 waren nur 673 Fälle auf dies» Ursach? zurückzuführen. In den 36 Jahren von 1888 b-s 1318 sind im ganzen in den Vereinigten Staaten 2472 Far- bme aelvncht worden, darunter 33 Negerinnen. Davon war nur in 528 Fällen ein Gerichtsverfahren gegen die auf diese barbarische Weise Ermordeten eingeleitet. Wi» gegen dieses Lvnchverfabren protestierten die Neger auch gegen die andern unwürdigen AuZ- nahmemaßregeln und verlangten gleiche Erziehung, gleiche Arbeits- Möglichkeiten wie die Weißen und die Abschaffung des„Jim Crow", wie He besonderen Wagen genannt werben, in denen die Neger aus der EHenbabn und aus der Straßenbahn fahren müßten. Tie Aohannes-Fastenrath-Strstung in Köln bat Ehrengaben u. a. an Paul Zech in Berlin,.�ermann Horn in München. Karl B-mer in Nürnberg verlieben. Soviel wi- wissen, sind damit zum eritei! Male auch sozialdemokratische Schriftsteller berücksichtigt worden Eine aRarx.Gcdeiiktasel wird Im Londoner St. PancraS-Bezirk. in dem die Arbeit-rvertretrr die Mehrheit haben, an dem Hause Maitiand Park Road 41, in dem Karl Marx zuletzt wohnte und wo er auch 1883 xcsiorbc» itl, angebracht werben. Tboater. Im Letsing-The ater spielt Leovoldine Kon. ft a n t t n die Hauptrolle in der am Sonnabend ftaitfindcnden Eritaus- fübrung von BalbeS Lustspiel.Tas KlaS der Fimatraii'. mit dem die Sommcriplekzcit beginnt.— In der Vn"« b fth n« � sllbrt in den beiden Stacken„Eine Landpartie" von Ador, HilaSbreuner»nd.Ver- wickelte ffieschiibte* von Aobonn N e tt r o p Fsirgen Zeblina die Regie. Die Bühnenbilder und Kostüme sind nach Entwürfen von Saus SIrohbach an- gefei t tot. � "ran, TiilldergS„König Schrei, ein vor etwa anderthalb ftnbr. ze.m n veröiienNichtes Werk, wurde vom Neuen Volkstheater zur AlissübriMfl erworben. Die Zlusstellung der Freien Sezession ist noch bis I.Juli geos" et. /'tc'aigencn-Tichter Abend. Eine Reibe aus der Kesanae-ichait beim- gekevi ler Dichter lieh om kommenden Sonntag, abends 7Y, Übr im Meister- saal zugunsten des Sibirler-NnterhützimgStonds und ähnlicher Vereiui- gungen in den Gcsangenenkagcrn entstandene Werke ans dem Manustripi vor. Eiienacher Veetboven-Feft. Das Kunstdezernat der Stadt Eisenach veramialtet am 3. und 4. Juli ein großangelegtes Bcetboncn- Fest in Estenach. Ter Deutsche Werkbuud gibt demnächst unter dem Titel„Hand- w e r k Ii ch e Kunst' eine Arbeit von Pro'. Karl Kroß(im Berliner Berlage cvn Hermann Reckendorf) heraus. Abbildungen der besten Bei- spiele bandiverklicher Kunst, erläutert durch kurze, iachliche Austlärungen über khr« Herstellung aus der Feder der aussührenden Künstler. Lobsprüche der Gegner muß auf noch größere? Mißtrauen gegen die W e r b e v e r s u ch e der Gegner ausgedehnt werden. Das Bild, das sich also im ganzen bietet, ist äußerst un- erfreulich. Tic nächste Zukunft bleibt nach wie vor verhüllt. spa steht vor der Türe. Das deutsche Volk harrt auf W i e d e r g e s u n d u n g. Hoffen wir, daß noch in letzter Stunde die Möglichkeit entsteht, ihm zu ihr zu verhelfen. Für die Sozialdemokratie gilt im Augenblick der Satz: Wer im rechten Augenblick„Nein" zu saget! versteht und nicht auf durchsichtige Lockungen kapitalistischer Reaktionäre hin- einfällt, dessen„Ja" wird eines Tages um so lauter und kräftiger erklingen. Krach in öe? Rechten! Teutschnationale gegen Deutsche Bolkspartei. Tie bürgerliche Einigkeit zwischen den beiden Rechts- Parteien geht bereits drei Tage nach der Wahl heillos in die Brüche. Die Tcutschnationalen fühlen sich von den Stresemännern übers Ohr gehauen. Aus eine Bemer- hing, daß die Deutschnationalen mit Solz ihre Trophäen zählen, aber nichts damit anzufangen wissen, antwortet un- wirsch und erbost die„Teutsehe Zeitung": „Trophäen zählen"? Und noch dazu„mit Stolz"? Für die Rechte als Ganzes liegt dazu ohne Zweifel Verairlasiung vor. Für die Volks Partei als solche wohl nicht! Sie bat allerlei Glück — und in Herrn S t r e s em ann einen recht gerissenen Führer gehabt! Ter Gedanke, in den Tagen des Friedens im Garten des verstnndigungswütigcn Nachbarn in aller Stille die besten Plätze zu belegen und dann für die Tage des allgemeinen Kampfes, crlso nach gelungenen Einbruch, mit eben die'em Naebbarn gegenseitigen Burgfrieden Yu verabreden,— er war glänzend I Auf diese Weise sind die Teutschnationalen mit ihrem Anteil au den Trophäen ja leider nicht ganz so gut weggekommen, wie sie es nach der von den nicbt gerade Kardorfsi'ch gerichteten Krekseu der Partei ge- leisteten Arbeit vielleicht verdient hätten! So mischen sich hier und da in ihren Reihen in den Stolz auch andere Empsin- düngen! Fn Ihrer Wut auf Stresemann hat die„Deutsche Zei- tung" hier sogar den bisher offiziell verlangten„gegen- seitigen Burgfrieden" verplappert, oder nein, sie hat wohl mit voller Absicht Herrn Stresemann der O e f f e n t l i ch k e i t als Lügner preisgegeben, jenen Stresemann, der das geschlossene Wahlbündnis wenige Tage vor der Wahl in öffentlicher Erklärung feierlich bestritten hat. Entsprechend dieser Stimmung möchte nun die„Deutsche Zeitung" auch die innig gehaßte Baudei- Partei allein die„Früchte" des Sieges genießen lassen, indem sie schreibt: Tie Volksparteiler können sich der Teilnähme an der .Mehrheitsbildung nickt entziehen. Tie Teutscknationaleu müssen etwaigen Ehrgeiz in ibren Reiben entschlossen bändigen und in der Opposition bleiben. Nur so können sie ihrer politischen Aufgabe gerecht werden! Die„Deutsche Zeitung" übersieht, daß der Zutritt der Deutschen Volkspartei zur Koalition nicht genügt, weil durch den alsdann erfolgenden Austritt der Sozial- demokratie diese kerne Mehrheit haben würde. Wenn die Koalition der Linken nicht zustandekommt— und gerade die„Deutsche Zeitung" erklärt sie für„unmöglich, weil sie eben unmöglich ist"—, so wird den Deutschnationalen alles nichts helfen und sie werden die„Früchte" ihres Sieges, den sie drei Tage gefeiert haben, aufessen müssen, so sauer ihnen diese Früchte auch schmecken I Im demokratisch- parla- mentarischsn Staat„siegt" man eben nicht, um rn die Oppo- sition zu gehen, und deshalb täte das Blatt der Alldeutschen klüger, mit dem gerissenen Herrn Stresemann enge Fühlung zu nehmen, anstatt sich nun mit seinen Bundesbrüdern in einer Weise herumzukeifen, die an die Verse Heinrich Heines erinnert: DaS grunzt, das heult, das bellt. Ich Hann Ertragen kaum den Dust der Sieger... Neue Mitglieder der Fraktion. Unter den Mitgliedern der sozialdemokratischen Fraktion finden sich eine Reihe neuer Namen, die der Nationalversammlung nicht angehört haben. Es sind dies: Prof. G. Radbruch, Ludwig Brunner, Friedrich Stampfer, Eduard Bernstein, Max Seppe!, � Frau Adele Schreiber, Richard Krüger, Ludwig Weigand, O. Hünlich, Friedrich Peine, Heinrich Rieke, Josef Hartleib, Eugen Kaiser, Karl Zörgiebel, Alfred Fellisch, Feuerstein. Dagegen sind von der Fraktion der Nationalversammlung die folgenden"nicht wiedergewählt worden(die mit' versehenen haben nicht kandidiert): Bader,*Baudert.'Binder,'Frau BloS,'Brühne,'Budde, Burgau,»Davidiohn,'Deichmann, Dietrich. Dröner, Frau Eichler, 'Endres,'Ernst, Giebel,'GLIzer, Gruber,'Haack, Hasenzahl, 'Heine,'Sense, Hier!, Hoch. Frau Höfs, Hofmann(Schwarzburg), 'Holl,»Hug. Jäcker,'Jantzen,'Dr. Jasper, Jungnickel, Katzenstein, Kenngott', Krätzig, Franz Krüger,'Landsberg, Liebig, Frau Lodahl, Frau Lührs, Lüttich. Frau Lutze,'Mauerer,(Müller(Potsdam), 'Noske, Osterrotb,'Panzer,'Psannkuch,'Pokorny, Dr. Quark, 'Dlauch,'Reek,'Rodemann, Frau Röhl,� Röhle,'Rückert, Sachse, 'Saenger, Salm, Schäfer,'Schädlich,'Schlüter, Richard Schmidt (Meißen),'Schulz(Westpreußen),'Schulz(Posen).'Frau Simon (Westpreußen),'Dr. Sinzheimer,'Stahl,'Stcrrosson(gestorben), 'Sieinmcher,'Stock, Thiele,'Trinks,'Vesper,'Voigt,'Winkel- mann,'Winnig.__ Die Wirtsthastsregierung. Politische Projektenmacherei, die in krisenhaften Zeiten in üppigster Blüte steht, hat den Plan einer sogen.„W i r t s ch a f t S- r e g i e r u n g" in die Debatte gerufen. Die„Wirtschaftsregierung" soll sich aus führenden Kreisen der Landwirtschaft, der Industrie und des Handels, einschließlich der Gewerkschaften, zu- sammensetzen, jenseits aller Parteipolitik stehen, und statt im Reichs- tag im neugebildeten vorläufigen Reichswirts chaftslrat ihre eigentliche Stütze suchen. Abgesehen von der verfassungsrecht- lichen Unmöglichkeit dieses Plans leuchtet auch seine politische Un- Möglichkeit hervor, denn da der Reichswirtschaftsrat paritätisch zusammengesetzt ist, würde hier der Einfluß der Arbeitnehmer be- deutend geringer sein als im Reichstag, wo er mcht nur di« sozia- listischen Parteien umfaßt, sondern sich bis zu einem gewissen Grade auch bis in die bürgerlichen hinein erstreckt. Tie„Wirtschaftsregierung" könnte nichts anderes sein als eine notdürft.ig verschleierte Rechtsregierung und könnte von der Sozialdemokratie nicht anders beurteilt werden als eine solche. Da ist schon besser, wenn mit offenen Karten ge- spielt wird. Die Zusammensetzung öes bayerischen Lanütaaes. München, 9. Juni. Die„Münchener Neuesten Nachrichten- Haben eine Berechnung über die künftige Zusammensetzung des bäuerischen Landtages einschließlich der svgcnanntcn LandeSmandate und einschtießlich der Verteiluug der fünf vo» 13 Mandaten auf Grund der Nestziffern aufgestellt. Danach wird sich der neue bayerische Landtag folgendermaßen zusammensetzen: 23 Mehrheitssozialisten, 19 Unabhängige, 2 Kommunisten, 63 Bay- erischc Bolkspartei, 11 Demokraten, 12 Bauernbiindler und 21 Bay. erische Mittclpartei(Deutsche Bolkspartei und Dcuischnationale Bolkspartei). Groß'-tolrn Einheitliche Erhöhung der Paftgcbühren. Durch die vor kurzem beschlossenen Aenderungen des Paßgesetzes ist die Möglichkeit geschaffen worden, den veränderten Verhältnissen entsprechend die bisherigen Paßgebühren au. gemessen zu erhöhen und nach dem Vorgehen fremder Staaten b c- sondere Gebühren für die Erteilung von Sicht- vermerken einzuführen. Do diese Gebühren in den einzelnen deutschten Ländern verschieden hoch festgesetzt worden sind, haben die Reichsminister d.eS Innern und der Finanzen all- gemeine Richtlinien für die Staffelung der Gebühren ausgestellt, in denen unterschieden wird zwischen Auslands- und In- landspässen und zwischen einfachen Ausreise«, Rück- reise- und Dauer sichtvermerken. Im Jnlande, wo der Reiseverkehr unbeschränkt ist, besteht natürlich nur ein Recht, aber keine Pflicht zur Führung eines Passes. Die Gebühren betragen: für Auslandspässe 23 M., für Inland spässe l3 M.. für Jnlandspässe im Verkehr mit dem besetzten rheinischen Gebiet, mit den A d st c m m u n g s- gebieten und mit O st Preußen 3 M. Für einfache A u S- reife sicktvermcrke 13 M., für Rückreisesichtver» merke 23 M. und für Dauersichtvermerke 33 M. Dir Ausstellung der für den Verkehr mit O st p r e u ß e n vorerst nock erfor-derlichen Sichtvermerke erfolgt gebührenfrei. Für be- dürftige Gesuchstcller, namentlich für m.ttellosc Auswanderer, können die Gebübren von den Paßbehörden ermäßigt oder ganz erlassen werden. Verdoppelung der Trhauisteucrsütze. Die preußischen Minister der Finanzen und des Innern baben mit Rücksicht auf die starke Geldentwertung und den wachsen- den Finanzbedarf der Gemeinden und Gemeinde- verbände die für Schanksteuerordnungen der Gemeinden fest- gesetzten Steuerhöchstiätze a u f d a s D o p p e l t e e r h ö h t. Diese Höchstsätze können auch in anderen Gemeindeverbändcn als solchen mit starker industrieller Eniw-cklung zugelassen werden, wenn die besonderen örtlichen Verhältnisse, beispielsweise ein st a r k e r spekulntiver Ankauf von Gastwirtschaften, eine so weitgehende Steuerbelastuug rechtfertigen. Äff« Millionen für Kleinwohnungen. Die Kleinwohnungsbanten der Stadt Charlotten bürg m der Niebuhrstraße Hafen sich doppelt so teuer gestellt als vcvnn- schlagt war. Zu Beginn des Baues waren die 136 Wohnungen mit 2 133 303 M. veranschlagt oder mit rund 13 633 M. für eine Woh- nung, dem Fünffachen des Friedenspreises. Jetzt stellen sich d'.c Baukosten aus mehr als das Zwanzigfache des Frie- denspreises; die Ucberteuerung beträgt 2 253 333 M. Da der Wahnungsverband Groß-Berlin wegen Erschöpffmg der öffentlichen Mitiel den beantragten Zuschuß nicht voll gewähren kann, müssen di« Mehrkosten von der Stadt aufgebracht werden. Reichsschulkonferenz. Die B o r b e s p r e ch u n g der sozialistischen Tetlnehmer an der Reichsschulkonferenz findet am DemnerStag, 10. Juni, vorm. 10 Uhr. im Lehrerverei nShaus am Alexanderplatz, Zimmer 1(n i ch t im Rathause) statt. Eine kommunale Frauenpartri. Für die Groß-Berliner Stadt- derordnetentvahlen ist auch eine Vorschlagsliste eingereicht, die mit dem Namen der früheren deutschnationalen Abgeordneten Frau- lein von Gierke beginnt. Es handelt sich um die Gründung einer besonderen kommunalen Frauenpartei, die völlig rnpolitisch sein und in der kommenden Groß-Berliner Stadtverordnetenvcr- sammlung lediglich vraktiscke Arbeit leisten will. Außer Fraulein von Gierke sind als Kandidaten für die Groß-Berliner Wahlen noch vorgeschlagen: Fraa, E. Zinn- Charlmtcnburg. die Sozial- beamtin Dr. Phil, von Harnack, Hebamme Mehl- Charlotten- bürg, Frau Hergersberg-Stolv- Wilmersdorf, Burcauan- gestellte P r e s ch e l. Charlottenburg, Frau H e rder- Cbarlotten- bürg,, die Kinderärztin Dr. med. H o f f m a n n- Berlin, Dr. phil. Stoeber-Damm- Schöneberg und Schriftstellerin W e c n- b e r g- Berlin. Berichtigung. Nicht der Genosse Munt wer siebt, wie nn ftcuHfKn Morften�-crtt berichtet wurt>e. an erster Stelle auf dem Vorschlag des V. Bezirks zu den Dezirksverordnetenwahlen, sondern der Genosse Eugen Brückner. Charlottenburg. Vergebung von Wohnungen im Wohnungsamt. Vor kurzem hat sich ein vom Magistrat Charlottenburg entlassener Hilfsarbeiter Wohnungssuchenden gegenüber als Beamter ausgegeben, dem die Vergebung von Wohnungen untersteht und hat unter dieser Vorspiegelung Wohnungsuchende xir Hergabe von Geld veranlaßt. Es wird, um für die Zukunft dem vorzubeugen, nachdrücklich darauf hingewiesen, daß die Vergebung von Wohnungen lediglich durch schriftliche Verfügung des Wohnungsamtes erfolgt. Gültige Zuweisungsscheine müssen die Unterschriften von 2 Beamten tragen, von denen eine die de? Dezernenten oder des Bureauvorstehers sein muß. Das Publikum wird ge- beten, sofort dem Dezernenten des Wohnungsamtes persönlich (Ratbaus. Zimmer 317) Mitteilung zu machen, falls eine beim Mee- giftrat Charlottenburg beschäftigte Person den Wohnungsuchenden irgendwelche Gegenleistung nahelegt, unter dem Vorwande, sie habe auf die Vergebung von Wohnungen Einfluß. Grosi-Berliner Lebensmittel Dahlem. Zucker aus 88 gelangt ab heute zum Verkauf. 1 Pf-Päckchen Sllgsloff Gl. Hcrmödorf. Donnerstag 250 Gramm holländischen Hartkäse(P. Groß-Serliner partelnachrichten. Heute, 9. Juni. 33. Abt. 7 Uhr Mitgliederversammlung in der Schulaula, Graun» straße 11. Morgen, 10. Juni. Charlottenburg. 7'/, Uhr öffentliche VolkSversammIimg hn Volks- haute, Rosmenstr. 4. Tagesordnung: Reichstagswahl und Stadlvcrordnelen- wähl Riserent: Mnaiizminister Lüdemann. Tebölieberg. 71/. Uhr öffcnltiche Versammlung in der HohenzollerN- sibule, Belzigcr Straffe. Tie Genossen Szemsinski und Kaspar sprechen über„stadtverordnetenwahl und Sozialdemokratie'. Ati-Glieuilte-Falkenberg. 8 Uhr bei Franz Bahn, Grünauer Str., Mitgliederversammlung. Wegen wichtiger Tagesordnung ist das Srschetue» aller Genossen und Senosfinnen Bedingung. ZswsrLschQjwbsMSgung Ter Streik der �riseurgehilfen. In der Versammlung der Streikenden am Dienstag abend be- .ichtete Matuschke namens der Generalstreitleitung. Der von >er Getoerkschaftskommission beschlossene Boykott hat eine sehr starke Wirkung ausgeübt, Eine grcye Zahl von Arbeichebern hat infolge- dessen die Forderungen der �Streikenden bewilligt. Die Lage des Streiks ist durchaus günstig. Von einem bedingungS- losen Abbruch des Kampfes, wie ihn der Juteressenverband der Ar- beitgebcr verlangr, kann gar keine Rede sein. Die Position der Streikenden ist immer noch so stark, dag sie als unbesiegte Partei in die Verhandlungen eintreten kann, die von unbeteiligter Seite veranlaßt sind und unter unparteiischer Leitung am heutigen Mitt- tnoch beginnen. Das Ziel der Verhandlungen ist, zu einem Tarif- Verhältnis mit den Arbeitgebern zu kommen. Die Diskussion ließ keinen Zweifel darüber, daß die Stimmung der Streikenden immer noch eine zuversichtliche ist- Einstmmige Annahme fand eine Resolution, wodurch sich die Streikenden ver- pflichten, bis zum Ende im K am pf auszubalten. Die Vertreter der Gehilfen werden beauftragt, bei den.Verhandlungen das möglichste herauszuholen._ Pommersche Gewerkschafter gegen de» Entwurf der Schlichtni-gsordnung. In einer Konferenz der Ganleiter und Bezirksbeamten der freien Gewerkschaften für Pommern wurde folgende Entschließung angenommen: Die für Pommern bestehende Arbeitsgemeinschaft der Gau- ■fetter und fonstipen Bezirksbeamten der freien Gewerkschaften hat in ihrer letzten Zusammenkunft Stellung genommen zu dem Ent- Wurf der neuen Schlichtungsordnung. Die Anwesenden verurteilten mit aller Schärfe die in dem Entwurf zutagetretende Tendenz, da» Koalitionsrecht der Arbeiter zu verschlechtern. Die gewerkschaftlich organisierten Arbeiter müssen mit aller Ent- schiedenheit verlangen, daß sie in ihrer Bewegungsfreiheit zur Er- zielunq besserer Lohn- und Arbeitsbedingungen unter keinen Um- ständen durch irgendwelche einengenden Bestimmungen behindert Iverden. Sollen staatliche Schlichtungsstellen geschaffen werden, so . muß unbedingt verlangt werden, daß schon bei der Zusammen- setzung der SchlichtungSausschüsse, bei der Bestellung der unpartei- ischen Vorsitzenden usw. den gewerkschaftlichen Organisationen ein größeres Mitbestimmungsrecht eingeräumt wird, da die bisheriocn Institutionen nicht dazu angetan waren, diesen ein größeres Vertrauen entgegenzubringen. Wir erwarten vom Reichsarbeitsministerium, daß diese? bei der nochmaligen Umarbeitung des Entwurfes vor allen Tingen eine größere Anzahl Gauleiter und Geschäftsführer der Gewerkschaften hinzuziehen wird, da diese durch ihre bisherige praktische Tätigkeit in der Bearbeitung der einzelnen Fälle vor den SchlichtungsauS- schüssen genügende Erfahrungen und Kenntnisse gesammelt haben. Wivtfsfyaft Zusammenschluß zwischen Schultheiß und Patzenhofer. Als wir den Aussatz.Gen, ein Wirtschaft im Berliner Braugewerbe* ins heutige Morgenblait gaben, lag die Meldung von einer neuen Fusion. Verschmelzung, der größten Brauereien noch nicht vor. Heute ist auch sie da. Die Schultheiß- Brauerei hat in den letzten Jahren die U n i o n S brauerei, Pfefferberg und Spandnuer Berg ausgenommen, während Patzenhofer die Berliner Bockbrauerei übernommen bat. Von zuständiger Seite wird darüber das Folgende mitgeteilt: Zwischen den beiden größten deutschen Brauereien, der ■ Schultbeiß-Brauerei Akt.-Ges. und der Patzeuhofer Brauerei Akt.» G»s. schweben Verhandlungen wegen eines Zusammen» schlusses. Die Verhandlungen sind in erster Linie dadurch veranlaßt worden, daß beide Unternehmungen ein ausge- d e ll n r e S N e tz von Niederlassungen besitzen, deren Bedienung bei der außerordenilichen Steigerung der Frachtsätze� sowie der sonstigen Veririebskosten einen Zusammenschluß der beiden Betriebe erwünscht erscheinen lassen. Auch läßt die Möglichkeit eines rationellen Ausgleichs innerhalb der Betriebe und der VerlaufSorganisationen beider Uiiteriichmuugcri die Durchführung des obigen Planes zweckinäßig und vorteilhast erscheinen. Die Schultheiß- Brauerei hat im Januar 1S20 die Erhöhung ihres Attienkapilals von 19 auf 24 Mill. M, beschlossen. Sie zahlt für 1919 eine Dividende von 14 Proz. Der Kurs ihrer Akiicn stellte sich an der gestrigen Berliner Börse auf 2S2.ö0 Proz. Die Patzenhofer Brauerei erhöhte im Januar 1929 ihr Kapital um 3,3 auf 13,2 Mill. M. Ihre letzte Dividende stellte sich aus 12 Proz., und der.Kur« ihrer Aktien betrug an der gestrigen Börse 22g,S0 M. — Wie wir aus VerwaltungSkrciicn hören, ist es noch nicht ganz bestimmt, aber wahrscheinlich, daß für den Zusammenschluß der Weg der völligen Verschmelzung gewählt werden wird. Der Absatz der Brauereien läßt augenblicklich sehr zu wünschen übrig, da den Unternehmungen, abgesehen von den ihnen im Herbst 1919 zugebilligten ö Proz. der Frievensmenge, keine weitere inländi- sche Gerste bewilligt worden ist. Die Produktion ist zurzeit voll- ständig auf das natürlich viel teurere A u s l a n d s m a l z ange- wiesen._ Die kleinen Brauereien liquidieren. Die Liquidation haben beantragt die Bierbrauerei Kelbra, Attienkapiial 799 999 Mark. Weilerhin beantragt die WilbelmshavenerAktrenbrauerei, Kapital 899999 vi. Auflösung der Gesellschaft, die Attienbrauerei zu in Plauen- schen Lagerkeller in Dresden, Kapital 1.95 Mill. M., die Genehmigung eineS Vertrages mit der Schloßbrauerei Ntederpoyritz. In allen drei Fällen handelt e« sich um Unternehmen, die i» den letzten Jahren eine leidliche Verzinsung heraus- wirtschaften konnten._ Die neuen Schlachtvichprcisc. Durch die Verordnung vom 4. Juni wird bestimmt, daß kür die Zeit bis zum 31. Juli 1929 der Preis für einen Zentner Lebend- gewicht Schlachtvieh beim Verlauf durch den Vichhalter- nicht übersteigen darf bei: I. Rindern: 1. Gering genährten Rindern, cinschl. gering ge- nährten Fressern iKlnsie Q......... 240 2. Fleischigen Rindern(Klasse B)........ 340 3. Vollfleischigen Rindern iK lasse....... 380 4. Ausgemästeten oder voll fleischigen Rindern höchsten Schlachtwerte?(Klasse X I)......... 420 II. Kälbern: 5. Schlachlkälbern im Alter unter 3 Monazen. III. Schweinen: 6. Schlachtschweinen(ausgenommen bei VertragSmast) 350 M. IV. Schafen: 7. Minderwertigen und abgemagerten Schafen(Kl. IV> 249 M. 8. Mageren und gering genährten Schafen sowie Zuchtböcken(Klasse III).......... 9. Vollfleischigen und selten Mastschnfcn sowie fleischigen Lämmern und Jährlingen(Klasse II)..... 19. Vollfleischigen Lämmern und Jährlingen, Hammeln und ungelammten Schafen(Klasie I)..... Gleichzeitig bestimmt eine weiteren Verordnung vom 4 die Aufhebung der Verordnung über die Häutezuschtäge. M. 450 M. 300. 850„ 400. Jniti Bahnen zu lenken. Man muß vielmehr für die Kleinsiedlungen früherer Städler neue wirtschaftliche und Erfolg versprechende Wege suchen und Unterlagen schaffen, die den SiedliingSgeiiossenschmteü. den Sicdlerschuten und den einzelnen Siedlern zeigen, in welchen Formen sich die Siedlungsaibeit im Jnteresie sowohl der Siedler selbst als auch der ANgcineinwirischafl entwickeln muß. Die Technik bat bereits Klein- Bodenbearbeitung s- Maschinen für gartenbaumäßige Landwirtschasl entwiclcii. Hierzu gehören die vom niiigeheudeii Führer mit Lenkgabel gc- steuerten aiiierikaiiiicheil Molor-Trakioren mir einzubauenden Kutti- vaivrenzillten, Hackgerälen, Reihcniäern und Grnsmähvorrichlungen und die aussichtsreichen, in der Schweiz geschaffenen und auch in Deutschland schon in Fabrikation befindlichen Meyenbnrgschen Boden» fräien. Für diese mit Molor angetriebene» Bodenbearbeitungs» maschinell, ioiveil sie zur bcstelliertigen Vorbcreinmg des flächcnmätzigen Saalbodens dienen, ist die Spurbreite gegenstandslos und kann will- kürlich gewählt werden. Treibt man aber B e e t k u l t u r. so muß die Ar« beilsbreite der von diesen Maschinen gezogenen oder betätigten Boden- bearbeilungsgeräie der Beclbreiie oder einem Teil derselben ent« sprechen, damit man die Bodenbearbeitung in den Gangwegen bzw. die hierzu aufzuwendende Kraft spart. Bei Veiweiidung dieser Kleintraktoren sür Saat, Pflanzenpflege und Ernte bat man schon bei Bemessung der Spurbreite Rücksicht darauf genommen, daß die Antriebsräder die Pflanzen nicht beschädigen, also sich den in Be- lracht kommenden Relhcneutfcrnungcii ai paffe» lasieii. Will man aber das gleiche motorisch angetriebene Fahrzeug außer der Vcr- Wendung als SaaibeclvorbereilungSgeräl auch ais Zugmaschine und Maschinenträger zur Saalpflege und Ernte aus dem"gleichen Beet benutzen, so ist es erforderlich, die Trag- oder Anßenrädcr des Fahrzeuges in einer allen Verwendungszwecken desselben(Säen und Drillen. Hacken, Jälen und Bcbäufcln, Düngen mit Konivost. Stallmist, künstlichem Dünger oder Jauche— dies als Reihenbejauckung— und schließl�cherweise zum Ernten) genügenden Spurbreite zu bringen, aus welcher sich die Arbeitsbreiten der auf- oder abzu- hängenden Geräte für die verschiedenen Verwendungszwecke aus- bauen löiinen. Diese Beeinorm steht in engem Zusammenhange mit der Norm für die zwischqpi den Beelen befindlichen Gangwcge, und zwar soll die Spurweite des Bearbeitungsfahrzeuges der Beet- breite vluS einer Gangbeetbreite entsprechen. Herren, welche an der Lösung der großen Ausgabe mitwirken wollen, ctiie technische boch entwickelte Intensiv- Klein-Landttirtschast in Tentichland zu schaffen, werden um Mittellung an die Scbrlsl- leitung der Zeitschrift.Tie Technik in der Landwirischafl", Berlin IV 35, Meinekestr. 12, gebeten. Ingenieur Boiglmann. Die Technik in der Siedlung. Siedlungswntschast, Normen sür Breiten und Längen, Gang- und Zufuhr- wcge on Beeten sür gartenbaumäßigen Land-wütichastsbelrieb als Grundlage sür die Normung und Typisierung von Maschinen und technischen Hilssmittcln sür Gartenbauwirlschast. Die Durchführung eines BeschäftigungsausgleicheS durch Ansied- lung industrieller und städtischer Arbeiter aus dem Laude stellt neue Ausgaben, deren baldige Lö'ung dringend er- f o r d e r l i ch ist. In erster Linie ist eS nötig, recht bald Grund- lagen für Anlage, Inbetriebnahme und Bewinschaftiing derartiger Siedlungen zu schaffen, weil sich maiicherlei Leute ohne jede laud» wirtichastliche Erfahrung mit SiedlungSsragcn empirisch und ein- seirig beschäftigen, ohne sich überhaupt über die einzu- schlagenden Wege klar zu sein. Die Urberiragung landwirt- schastlicher Erfahrungen des bestehenden Landwirtschaftsbetriebes auf die Neusiedluiigen kann gewisse Eeiahren m sich bergen, die noch dadurch vergiößcrt werden, wenn es sich um Neusiedler handelt, welchen diese landwirlichaftliche Erfahrung fehlt und erst durch In- strvktion vermittelt werden müßte. Der traditionellen ländlichen Erlabrung deS Bauern steht die der schncllcbigen Spädter, hochentwickelte und geschulte Intelligenz und Aufnahmefähig- lei t gegenüber. Man soll deshalb bei diesem hochstehenden Menschenmaterial von vornherein davon absehen, dieselben als Neu« siedler ohne weiteres in die von der Klein-Laudlvirtschasi begangc.icn Vetricbsschwierigkeiten in der mitteldeutschen Industrie. In der Zeulenrodaer Metall- und Holzindustrie ist infolge t-eS schlechten Geschäftsganges die Arbeitszeit stark verkürzt worden, teilweise haben umfangreiche Entlassungen vorgenommen werden müssen. In der Luckaer Schuhfabrik ist dem gesamten Personal zu Mitte Juni gekündigt worden, weil leine Aufträge mehr eingehen. Die Deutsche Claus Schweselgesellschaft in. b. H. in Bernburg, die während des Krieges zur Versorgung der einheimischen Industrie mit Schwefel errichtet wurde, ist gezwungen, infolge Unrentabilität den Betrieb einzustellen. Die Cos-wiger Zicgelwerke wollen infolge Absatzschwie- rigkcitcn ihren Betrieb einstellen oder vertaufen. Lcder- und Schuhbürse in Leipzig. Nach mehrmaligen Be« spreäiungen unter Vorsitz der sächsischen H a n d e l S k a in m c r mir Vertretern der Häute« und Fellbianchc, der Lederfabritatiou, deS Lederhandels, der Schuhwareniiidustriesabrikation und-Kandel, der Lederwaren- und Treikriemensabrilation ist die regelmäßige Abhaltung von Häute-, Leder- und Schuhbörsen beschlossen wordei?. die in Leipzig an sedem 1. Donnerstag im Mona' abge- halten werden. Hierzu besonders eingeladen sind die Angebönnen der vorgenannten Geschäftszweige aus dem Freistaat Sachsen, der Provinz -achsen und Groß-Thüringen. Mus aller We!t. Tie Flucht nach Rnsxlrnd. Paris, 8, Juni. Nach einer Radiomeldung aus Bordcaup haben 949 enilassene Eisenbahner beschlossen, sich nach Ruß- l a n d zu geben, um an den Wiederanfbauarbeiten der russischen Verkehrswege mitzuarbeiten. Jcrcmw. für den redaüion. Seil: Erich ttuttncr, Sempclhof! für Anzciaen: Tb. Ele-te. Lcrliii. Verlaq: zZorwäNs-Äerloq(S. m. b. iö- Beilin. Druck: Ber- vüris-Buchdruckerci u. Verloeellnstalt Paul Sinae? u. Co. Berlin- Lindeusir. e. ebk»-, f 1 Ausflüge in die Umgebung: Da» kleine BZandcr-ouch.; 120 Aussliige. Mit 2'J für- i biqkn Saricn... 9,30 1 Wanderrnderer■ Führer H'p. hip. tzurraht mil 1) Cps.naiwallertartcn; [ in wasserdichte Leunwand l zeb........ 8,00 j SLmtl. Epe-ialkarten der j ; Berliner llmaellung sind vo: rätig! Buchhandl. Vorwärts, j Berlin SV SS, Lindenstr, 2. I f)?ljotBnie.n=out PreuB. Dcnancngz 26.' Elektro-Motore Leitmigs-Dyiiamo-Drähte In» sic...at.-Maier!aI kauft iuursnd KieNromcch.-zentimin. iAIer- t7i>2). Kurze Str. IS(Alez.PI.). »'ffllMk« Lnzüge und Palelo!» verkauft zu lehr billigen?>rei» leu Ieniral-Leihhaus, Jäger- ltrahe 71,___ «kchiihhünde, Eiubenhlwd chen, junae Forierrier, Pin!- scher, Schäferhunde verkauft Schaffland, Paliladeusirahc LZ.______ 34/14* Eardiuen, Kilnsllcrgarnl. liit, Stores, Betiderken, Meterware»reiewect. Lands- b!rncrs!rak,c 13. 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Fricdrichshaqea. Hirfchgarte»! Soff» an». Friedrich». Hagen. Kurze Strafte 1. KrKuaui Franz K t e t n. Frtedrtchstr. 10. Halensee, Grnnewald: Roack.»alensee. Kathartnenstr. 4. Gartenbau» part. Her, leide: Martin Smollbow-ki. Senniqsdorf: E m m u I a t. Rathenaustr. 7. Selmsdorf,«»«nicke, Stolpe. Bergfelde,«orqodors. Hohen- neuendorf,«irlcuwerder: A. Pttt-ck, Lermsdorf, Berliner Str. 124. Johannisthal. Alwin Sammisch. Bismarckstr. 8. Korlahorst: Frau Stanke Sentigtir. 32. vo>» �aeierre. Kaulsdort: W. Scholz Gieseftr. 30. Käuigo-Wusteobaute»,»iedertedme, Scheukendors: Frtodr. «öuige-Wusterh.. Luckenwalder Str. v. Köpenick: E m i i SB i fi I c t. Kietz« Sit. 3(Laden). Gc- öfsnet von 9—3 Uhr. Lichtenberg l. Friedrichsfclde, Hoheulchönhausen: Otto S e i i e l, Lichtenberg. Wartenberastr. 1. Ecöfsnct von 9—3 Uhr. Lichtenberg II. Siummelsburg. Strolau: A R 0 I e n r r a n Lichtenberg, Borhagener Str. 02. Gcössne! von 9 dl» 0 Uhr. Lichtcuberg Ut: Franksurier Allee 185. Laden. Lichtenrode: Gustav Starke. Dorfftr. 7. Lichterselde-Lst, Lankwitz: H. W e n, e!. Lankwitz Kaiser- Wilhelm-Sir. 3. Llchterselde-West! E» n e d e l.«Lhlerstr. 1. Wadledort: Smil Rausch. Lemkestr. 39. Mahlow: Frau Reuter, Glasowstr. 1. M-rtendort! August L e i v EhauNeesir. 29. Msrienfilde: Arndt. Terliner Straße. Reuenhaqen W- n, k-.»ieqelstr. 74. Neukölln: M. Heinrich, Ncckarstr. 2. Geöffnet von 9 bis 3 Uhr. Reukölln-Britz: Rohr. Siegfriedstr. 28/29. Geöffnet von g— 3 Uhr. RiederfchOn-welde: H a r t r a m v,, Oirückenftr. 10 II. Nicderfchlnh-ufen. Nordend, D. Schliebener. Tres- kowstr. 14. Rowawe«: Karl Krohnberq Eifenbahnstr. l0. Oranicndurg: Friedrich Glaser, Bernauer Str. 2. Oberschönewelde: R 0 b e r I Paul Mathildenstr. 5. Pankow: ZI i ß m a n n Mühl-nstr. 71). Potsdom: M. B i e r l i ch, Ecl-cckstr. 23. Rahnsdorf: T e! ch e r t Forsistr. 7. Retuickendors-Ost. Schouholz: Albert Wahle. Provinz- strafte 55(Laden). Rrinickendorf-Rofenihat: Paul S l p e l, Edriwelßstr. 3. Schmargeudorf: R e b a b, Breite Str. 8. Schönrbcrg: Hermann Obst. Bcljigerstr. 27. Geöffnet von 9—3 Uhr. Senzig. Friedewald Ghousiecstr. 54. Eiemcnsstadt: B r 0 d a u f. Boitastr. 3 I. Endende: Ludwig. Saioleftr. 33. Sieglitz: G e h r i ck e Sieglitz. Schildhornstr. 12. Tegel. Sorsigwalde, Wittenau und Reinickendori-W-st: Paul K i- Ii a st. Borstawalde. Räulchstr. 10. Ge- öffnet von 9— 3 Uhr. Tcltom: Krüger. Schönow. Dorfftr. 9. Tempel!, of: Schmach«. Kailer-Wilbelm-Str. lll. Tcmprlhof: Solz. Sohcnzollern-Korlo 5. Trebbin: G ö r i n g. Treptow: Rod. Gramen,,«iefholzstr. 412. vorn 1 Tr. Waidmannslnst, Freie Scholle: Karl Reuter Waid. mannolust. Fürft-Bismarck-Slr. 3. Weifteniee: ZI. M e>> e r. Berliner Allee 31. Wildan-Sohcrlchme: R u d. L e I I 0 w. Wilhelmsbageii, S-stenwinkel: A r I b u r Schietke Wil. helmohaaen Dernburgstr. 21. Wilmersdorf: S ch u b e r l Gasteiner Str. 12. Woltersdorf: Schurbaum, Eichendamm 22 Fehlcndori. Schlachtenfee. Rilolaslee: Wegner kehlen- dörf. Annastr. 10. Feuthen, Mieradorf: Ernst Winterfeld. keuthen. Kurfstrstenstr. 43. stostea: Fe Nr Müller Stubenrauchstr. 2Z H- Sämtliche Literatur sowie alle wistenschafUichea Wert« werden geliefert. Souatag» kad die Gcschäftestellea geschloste».