Nr. 296 ♦ 37.�ahrgang Ausgabe A Nc.ll Bezugspreis t S erteliS�rUSO,— TO!„monatl.TO,— 9Rt frei ins Haus, voraus Zahlbar. Post» bejug; Monailich 10,— Ml» exll. Zu- stellungsgebllhr. Unier Kreuiband für DeMfchlaud und Oelterretcki 16,50 Ml» für das übrige Äusland der täglich einmal. Zustellung 21 SO M. Vostde- >?ellungen nehmen an Oesterreich, Unzarn, Tscheche-Slowakei, Dane- Marl, Holland, ruremdurg. Schweden und die Schwedt.— Singetragen in dt« Post-Zeitungs-Preisltste. Der»Vorwärts* mit der Sonntagsbeilage»Voll u. Zeit* ericheint wochen- täglich zweimal Sonntags und Mon- tags einmal. Telegramm-Adreffe: »Sazlaldernofrat Berlin*. Morgen-Ansgabe Oerlinev VolKsblstt (zo Pfennig) Anzeigenpreis: Die achtgeipaltene Nonpaceillezeil« kostelZ,— Vi,, Teuerungszuschlag 50°/» »Kleine Anzeigen", das int- gedruckte Wort 1,— M.(zulässig zwe> fettgedruckte Wortes, jedes weitere Wort 60 Pfg. 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Der schüchterne Versuch der „Freiheit", die Politik ihrer Partei auf den Weg der Ver- nunft zu leiten, ist elend gescheitert, und sie selbst tritt einen weinerlichen Rückzug an. Der Unsinn hat auf der ganzen Linie gesiegt, die Arbeiter werden die Kosten zu bezahlen haben. Wie wir schon im gestrigen Abendblatt meldeten, hatte sich Gcnvsse Hermann Müller zum Zweck einer neuen Re- gierungsbildung zunächst an die Unabhängigen gewendet. Er richtete an den Abg. C r i s p i e n einen Brief, in dem er ausführte: Zur Lösung der mir gestellten Aufgabe wende ich mich zuerst an die Leitung der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Die Wahlen brachten der U. S. P. D. 80 Mandate und machten sie damit zur zweitstärksten Partei de» künftigen Reichstages. Die Beteiligung der U. S. P. D. ander Regierung ist deshalb das Nächstliegende. In unserer jungen deutschen Republik erscheint mir die Teil- nähme der U. S. P. an der Regierung aber deshalb besonders notwendig, weil nur durch eine nach links hin verstärkte Koa» litionsregierung unsere republikanischen Einrichtungen gegen alle Angriffe von rechts verteidigt, reaktionäre Attentate auf den Acht- stundcutag und dir sozialpolitischen Errungenschaften der NachkriegS- zeit abgewehrt werden können und eine auswärtige Politik durch- geführt werden kann, die den republikanischen und pazi» fistischen Ideen der weit überwiegenden Mehrheit des deutschen Volkes entspricht. Anschließend bat er Crispien zu einer Besprechung, wobei er zum Schluß auf die Dringlichkeit der Regierungsbildung wegen der in Spa zu führenden Verhandlungen hinwies. Auf dieses Schreiben ist am 11. Juni nachmittags eine Antwort der Unabhängigen Sozialdemokratie, gezeichnet Crispien, eingegangen, die die Ablehnung der U. S. P. mit dein folgenden Wortschwall begründet: Sehr geehrter Herr Reichskanzler! Im Auftrage des Zentral- komitees der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutsch« lands-übermittele ich Ihnen folgende Antwort auf Ihre Einladung vom 11. Juni zu einer Aussprache über den Eintritt von Mit- gliedern unserer Parrei in die neuzubildende Regierung: Die Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands kann nicht in eine Regierung eintrelen, die sich die Wieder- ausrichtung der im Kriege zusammengebrochenen kapitalistische n AuSbeut ungSwirtschaft zum Ziel gesetzt hat und zur Niederhaliung des ProletarialS den Militarismus neu belebt und stärkt, wie eS die bisherige Koalitionsregierung getan hat. Der Eintritt der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands in eine solche Regierung würde eine Unter- stützung der k o n t e r r e v o l u i i o n äXe n Politik bedeuten, die sie bisher grundsätzlich bekämpft hat, wäre eine Preisgabe ihres Programms und ein Verrat an den Interessen der Arbeiter. Ange st eilten, Giolittfs Auferstehung. In demselben weltgeschichtlichen Augenblick, in dem in Deutschland durch die Entscheidung des Volkes vom 6. Juni sine Regierungskrise ausbrach, deren Lösung noch gar nicht übersehen werden kann, entständen in drei anderen europai- scheu Ländern ebenfalls Kabinettskrisen, die nicht ollein für die betrofsenen Länder, sondern auch für die gesmnte euro- päische Politik von größter Bedeutung sind. Diese Gleich- zeitigkeit mag zwar ein Zufall sein, die allgemeinen Gründe sind jedoch im großen und ganzen dieselben: der Welt- krieg, diese blutige Tragödie, und der„Friede" von Ver- sai l l e s, diese blutige Farce. Der unmittelbare Anstoß zum Rücktritt Renners mag in den opferreichen Grazer Schießereien liegen, die Demission des polnischen Minister- Präsidenten S u l s k i mag auf den mit verbrecherischem Leichtsinn gegen Sowjetrußland unternommenen Angriffs- krieg zurückzuführen sein, und der Sturz Nittis soll durch die Erhöhung des Brotpreii'es verursacht worden sein— in letzter Linie aber sind alle diese Krisen nur die g lc icken Zuckungen verschiedener Glieder eines an der gleichen 5trankheit leidenden Gesamtkörpers, der Europa heißt._ Was aber bei dem italienischen Kabinettwechsel für die deutsche öffentliche Meinung von besonderem Interesse ist, das ist eine ganz eigenartige?lehnlichkeitindenpar- lamentarischen Verhältnissen der beiden Länder, und die sind es, die vre Regierungskrisen in Berlin und in Rem veranlaßt haben Trotz alle: Warnungen hat sich näm- sich das deutsche Volk am 6. Juni ein Parlament S. p. will he Beamten. Kleingewerbetreibenden und Klein- dauern, die der U. S. P. D. bei der ReichStagSwahl Stimme und Vertrauen geschenkt haben, für die energische Fortsetzung ihrer Politik des rücksichtslosen proletarischen Klassenkampfes mit dem Ziel der Beseitigung der kapitaliitisch-militaristischen Klassenherrschaft. Zur Erkämpfung dieses Zieles ist die Unabhängige Sozial- demokratische Partei Deutschlands zu Beginn der Revolution in eine gemeinsame Regierung mit der rechtssozialistischen Partei ein- getreten. Trotzdem dies« Partei versprochen hatte, das sozialdemo- kratische Programm zur Grundlage der Regicrungspolitik zu machen, haben ihre Vertreter unausgesetzt eine Politik der Anleh- nung und des Kompromisses mit den Vertretern der alten staat- lichen Bureaukratie, der kapitalistischen Parteien und deS alten Militarismus betrieben, so daß die Unabhängige Sozialdemokra- tische Partei Deutschlands gezwungen war, aus der Regierung auszutreten, um. nicht mitschuldig zu werden an der Wiederbelebung des Kapitalismus imd Militarismus und der von ihnen inS Werk gesetzte» blutigen Gewaltpolitik gegenüber der revolutionären Ar- beiwrschaft. Die seitdem betriebene rechtssozialistische Koalitions- Politik mit kapitalistischen Parteien hat dazu geführt» die wahren Machtverhältnisse zu verschleiern und die Arbeiterklasse in ihrem Vormarsch zu behindern. TaS Erstarken der Reaktion, wie eS bei den ReichStagSwahlen zum Ausdruck gekommen ist, ist nur die Folge der rechtssozialistischen Kompromitzpolitik mit den geschworenen Feinden der Arbeiter- klaffe und kann nicht bclöirchst ictfceti durch die Fortsetzung der das Proletariat verwirrenden und spaltenden Koaltionspolitik, sondern nur durch eine grundsätzlich klare und konsequente sozia- listische Politik, die die Besitzergreifung der politischen Macht durch das Proletariat und dessen Alleinherrschaft bis zur Verwirklichung des Sozialismus erstrebt. Ergibt sich aus der Entwicklung der Revolution die Notwendig- keit einer sozialistischen Regierung, so kommt für die Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands als U ebergang nur eine rein sozialistische Regierung in Betracht, in der sie die Mehr- h e i t hat, den bestimmenden Einfluß ausübt und in der ihr Pro- gramm die Grundlage der Politik bildet. Durch diese Antwort dürfte wohl auch nach Ihrer Ueberzeugung die von Ihnen gewünschte Aussprache gegenstandslos geworden sein. Um keirren„Verrat" an den Arbeitern zu begeben, liefern die Unabhängigen die politische Macht den Rechts- Parteien aus! Sie begründen diesen Schritt mit einer Häufung von falschen Voraussetzungen und Unwahrheiten. Wr sprechen zunächst nicht von der bekannten Beurteilung der Koalitions- Politik: die Zukunft wird ja zeigen, ob die Arbeiterklasse unter einer Regierung, wie sie die Unabhängigen haben wollen, besser fahren wird als unter der jetzigen Koalitionsregierung l Es ist aber falsch, daß die Unabhängigen aufgefordert worden sind, mit den bisherigen Koalitionsparteien die b i s- h e r i g e Koalitionspolitik fortzusetzen. Sie konnten ja ihre Bedingungen stellen, sie konnten die Sozialdemokratie in gegeben, welches keine tragfähige Mehrheit ergibt und mit dem sich daher auf die Tauer kaum regieren läßt. Dasselbe parlamentarische Bild war in Italien nach cdcn Wahlen vom 16. November vorigen Jahres entstanden. Rechts und links hatten sich zwei starke oppositionelle Parteien gebildet, mi: denen die bürgerliche Mtte nicht zusammen regieren konnte, gegen die aber ein Regieren schon aus arithmeti- scheu Gründen erst recht unmöglich war. Nitti hatte nun, da die S o z i a I i st e n infolge der in ihren Reihen vorherrschen- den extremistischen Tendenzen einer Koalitionspolitik grund- sätzlich ablehnend gegenüberstanden, sich die wohlwollende Neutralität wenigstens der Herren aus der anderen oppo- sitionellen Fakultät sickern müssen, nämlich der„Popolari". der Katholiken. Aber eine solche wohlwollende Neu- tralität ist in Zeiten tiefgehender Erschütterungen Wirtschaft- licher und Politischer Art undenkbar, zumal von feiten einer Partei, die eine ungeheure Macht ist uud nach noch größerer Macht strebt. So kam es, daß im vergangenen Monat ans irgendeinem nebensächlichen Anlaß die„Popolari" aus ihrer bisherigen Reserve heraustraten und mit den Sozialisten das Kabinett Nitti stürzten. k Nitti mußte damals, als er schließlich in Ermangelung eines anderen aussichtsreichen Kandidaten wiederum mit der Bildung des Kabinefts betraut wurde, einen Gang nach Canossa antreten, und diejenigen, die ihn soeben gestürzt hatten, nämlich die Katholiken, in sein Ministerium auf- nehmen. Wieder einmal aber, nach kaum drei Wochen, ist er gestürzt worden, und zwar hat er zurücktreten müssen, ehe es noch zu einem Mißtrauensvotum der Kommer kam, in- t ♦ ihrem Bestreben, das Steuer weiter nach links zu drehen, unterstützen. Was konnten sie nicht alles! Aber in Wirklich- keit können sie weiter nichts, als mit großartigen Redens- arten die Arbciterköpfe verwirren und den Kappisten zum Sieg verhelfen! An der Stärkung der Reaktion soll natürlich nun die Sozialdemokratie schuld sein, die ja an allem schuld ist. In Wirklichkeit wissen die Unabhängigen ganz gut- daß es die sozialdemokratischen Erfolge waren— der Achtstundentag, das Betriebsrätegesctz, die hohe Besteuerung des Besitzes— die die bürgerlichen Wähler nach rechts getrieben haben. Hätte die Sozialdemo- kratie etwa auf diese Erfolge verzichten sollen, um nicht die Reaktion zu stärken? Das Ueberflüssige zur Stärkung der Reaktion ist aber vom linken Flügel der Unabhängigen getan worden durch ihre Putsche, durch ihr Spielen mit dem Bolschewismus, durch ihre Preisgabe der Demokratie. Die Unabhängigen erklären auch jetzt, daß sie nur in eine rein sozialistische Regierung eintreten wollen, in der sie die Mehrheit und den bestimmenden Einfluß haben: sie wollen also Deutschland ganz allein regieren, obwohl erst vor sechs Tagen nur 4,8 Millionen Stimmen für sie abgegeben worden sind und 20,4 Millionen Stimmen gegen sie. Sie wollen auch in der rein sozialistischen Regierung der Sozialdemo- kratie nicht einmal gleiches Reckst gewähren, obwohl bei den Reichstagswahlen 6,5 Millionen Stimmen für die Sozial- demokratie abgegeben worden sind gegen die 4.8 Millionen Stimmen der Unabhängigen! „Man soll die Stimmen wögen und nicht zählen!" zi- tierte einst der Junker v. Oldenburg-Jannschau. Genau den- selben Standpunkt nehmen jetzt die Unabhängigen in ihrem Abscheu vor der„formalen Demokratie" ein. Und der nächste Erfolg? Statt einer sozialistischen Arbeiterregicrung mit geringem linksbürgerlichen Einschlag bekommen wir eine re- aktionäre, arbeiterfeindliche Regierung, in der jeder Einfluß der Arbeiterklasse vollkommen ausgeschaltet ist— dank der genialen Politik der Linken in der Partei der Unabhängigen. Dank dieser genialen Politik siegt Kapp I Dazu haben wir den Generalstreik gemacht, hat jeder einzelne von uns sein Loben in die Schanze aeschlagen. damit die Unabhän- gigen ein Vierteljahr später den Parteien des Kapp-Putsches die Macht in die Hände spielen! Fichte sagte:„Jedes Volk hat die Regierung, die es ver- dient." Das trifft in diesem Falle nicht zu. Aber das deutsche Volk wird jetzt die Regierung bekommen- die die Unabhän- gigen gewollt haben. Freilich nicht die unabhängigen Wähler, die Jiber diesen Erfolg ihrer Stimmabgabe vor Erstaunen aussen Rücken fallen werden. Ter Unsinn überschlägt sich. Gerade daraus schöpfen wir die Hoffnung aus den Sieg der Vernun st. Sie niuß endlich dämmern— sogar bei den Unabhängigen I folge der fast einmütigen Ablehnung seiner Politik durch samt- liche Fraktionen. Italien ist eben unter den gegenwärftgen varlamentari- scheu Machtverhältnissen nickst zu regieren und bietet ein a b- schreckendes Beispiel dafür, was uns in Deuts ch- l a n d nach den Wahlen vom 6. Juni bevorstehen mag. Selbst wenn unsere Unabhängigen, um das Unheil einer Regie- rung Helfferich-Stresemiann-Trimborn zu verhüten, ihre wohl- wollende Neutralität der bisherigen Koalitionsregierung ver- sprächen oder selbst wenn die Deutsche Volkspartei das gleiche täte, um der bisherigen Koalition das Fortbestehen zu ermöglichen, welcher deutsche Reichskanzler könnte sich dar- auf verlassen, welcher würde es überhaupt unternehmen, a u f Gnade oder Ungnade seiner Gegner hin zu re- gieren? Nach kurzer Zui würde bei einem mehr oder minder wichtigen Anlaß die Opposition von rechts sich mit der Opposition von links zusammenfinden, genau so wie es am 12. Mai m Montecittorio gegen Nittt geschah, und zugleich mit der wohlwollenden Neutralität mich mit der Regierung ein Ende machen. Und doch scheint— vorläufig toenigstens— in Italien eine Lösung gefunden zu sein. Das liegt daran, daß es dort einen Mann gibt, dessen überragende staatsmännische Au- torität wie ein Leuchtturm blinkt und deni heillos in den außen- und inncrpoliitischen Stürmen irrenden Staats schiff den Weg in den ruhigen Hafen zu weisen scheint.„G i o- litti!" war der einmütige Ruf aller Parteien, als der neue Versuch Nittis, mit einer künstlichen Mehrheit zu regieren, mißlungen war, Giolitti, der einst vielgepriesene, später viel- geschmähte, sodann fast in völlige Vergessenheit! geratene StontKmmrn, soll UMen«nr? Kon nvnwrtttorffgen üüsTrrnfsTnr retten. ©iolitli hat nun trotz semer 78 Jahre'den Auftrag der Kabinettsbildung angenommen und a» gesiebt s der allgemeinen Bernnrrung, die in feinem Lande infolge der park- mentarischen Verhältnisse herrscht, darf man wohl als sicher prophezeien, dach seine Bemühungen erfolgreich sein werden. Sogar die Sozialisten erkennen in ihm den Retter in der Not und scheinen entschlossen zu sein, ihm keine Schmie- rigfeiten zu bereiten. Trotz ihres Bekenntnisses zur dritten Internationale, trotz aller Sowjctspielerei sind die italieni- scheu Sozialisten doch so vernünftig, einzusehen, dach die Ge- nesung Europas, an der in erster Linie das italienische Pro- letariat interessiert ist, nicht mit revolutionären Phrasen, sondern nur auf Grund der gegebe- neu N> i r t s ch a s t s p 0 l i t i s ch e n Tatsachen zu erhoffen ist. Indem sie dem bürgerlichen Giolitti nicht im- freundlich gegenüberstehen, geben sie keineswegs ihre programmatischen Forderungen auf, aber sie zeigen vielmehr ein Mach von realpolitischer Vernunft, das man nur allen So- zialistcn aller Länder wünschen könnte. Gewiß ist Giolitti ein Symbol, das ihnen dieses Entgegenkommen sehr er- leichtert, er ist der Mann, der in den Wahnsinnstagen des Sommers 1913 fast allein unter den bürgerlichen Parteien dem blutrünstigen Imperialismus trotzte und öffentlich für die Beibehaltung der italienischen Neutralität eintrat. Als Verräter und„Boche" beschimpft, in seinem Leben bedroht, mußte der DreiundsiebzigiähiHge, der noch in letzter Stunde auf den König einzuwirken versuchte. Rom bei Nacht der- lassen, wo die von den Ententebotschaftern Barrdre und Rodd bezahlten d'Annunzio-Banden das Feld behaupteten. Er zog sich nach seinem Heimatstädtchen Cuneo bei Turin zurück und jahrelang hörte man fast nichts mehr von dm einstigen Ministerpräsidenten. Italien hat gesiegt, seine Aspirationen find erfüllt— aber um welchen Preis! Nicht allein die Blutopfer des Volkes sind riesengroß gewesen, auch die wirtschaftliche Not des Landes bat derartige Dimensionen angenommen, daß mit Ausnahme der Salandra-Gruppe, die in dein Krieg ihr eigenes Werk verteidigte, das ganze Volk jene Männer vcr- flucht, die es in dieses siegreiche Elend gestürzt haben. Das haben bereits die letzten Wahlen gezeigt, bei denen jene zwei Parteien ungeheuer anschwollen- die die Kriegspolitik nicht mitgeniastt hatten, die Partei Turatis und die Partei Benedikts XV. Um die trostlose Lage des Landes zu beleuchten, genügt es wohl, mif die Tatsache hinzuweisen, daß die italienische Lire kauni mehr das Doppelte der deutschen Mark wert ist— und dies in einem Lande, das nicht wie das industrielle Deutschland die Hofsnungen einer gewaltigen Zunahme seines Erpo-rts hegen kann, sondern fast gänzlich in wirtschaitliche Abhängigkeit der angelsächsischen Welt ge- raten ist. Auch der Name Nitti �war uns. dem von den Siegern gehetzten Wild, zu einem Symbol geworden, zur Verkörpe- rung der staatsmännischen Einsicht, daß es nicht so weiter gehe und daß die Gewaltpolitik nicht zur Genesung, sondern zur gänzlichen Zerstörung Europas führen müsse. Aber wir waren wohl darin die Spfer einer Täuschimg: Nitti machte sich als gewandter Politiker nur zum Sprachrohr der Stimmung seines Landes, er, der ehemalige Interventionist, batte sich den vorherrschenden Strömlingen angepaßt. Gio- iitti dagegen kann mit Recht als ein Symbol gelten, und es erschein� als selbstverständlich, daß die italienischen Sozia- listen, die sich weigerten, Nitti zu lmterstützen, für Giolitti eine Ausnahme machen. Damit dienen sie nicht allein der Arbeiterklasse ihres Landes, sondern auch dem großen Ziel, das einem jeden Sozialisten als die wichtigste Aufgabe der Gegenwart erscheinen sollte: der Herbeiführung eines wirk- lichen, dauerhaften Fried ens in Europa. Frie- denssreunde aller Länder, schart Euch um den neuen Minsterpräsidenten Italiens! Allein seine Vergangenheit ist ein Programm— allein sein Name eine Hoffnung! Mensthhettsöammerung. Als Wilhelm Arent in den achtziger fahren feine Sammlung jüngstdeutscher Dichtung herausgab, versprach Karl Henckell im Vorwort.eine Poesie, also auch eine Lyrik zu ge- baren, die, durchtränkt von dem Lebensstrome der Zeit und der Nation, ein charakteristisch verkörpertes Abbild alles Leidens, 'schnenS Strebens und Kämpfens unserer Epoche darstellt" und die „ein prophetischer Gesang und ein jauchzender Morgenweckruf der siegenden und befreienden Zukunft" zein soll. Viele aus dieser Sammlung kennen wir heute nur noch dem Namen nach, und andere sind überhaupt längst vergessen. Heute tritt eine neue (Generation auf, die damals gerade geboren wurde, die aber mit uns unter dem fürchterlichsten Erleben geseufzt und nun niit der zerquäkten Menschheit um Erlösung ringt. Ihr Sinn ist nicht mehr, der Poesie neue Wege zu weisen, der Nation eine twue Lyrik zu gebären, sie»vollen eine neue Gcistigkeit. deren Tribüne die ganze Welt ist, die getragen ist von dem Pulsschlag der ge- samten Menschheit. An der„Menschheitsdämmerung" sErnst Rowohlt Verlag, Berlin, Pappband 12 M.), einer„Symphonie jüngster Dichtung", hat Kurt P i n t h u s die Träger dieses Weltgedankens ver- sammelt.' Zwar kliitgt es den obigen Worten.HenckellS sehr ver- wandt, wenn auch er sagt:„ES ist Sammlung! Sammlung der Erschütterungen, Sammlung von Sehnsucht, Glück und Lual einer Epoche— unserer Epoche." Doch es soll mehr sein, nicht nur eine Dichlung der Leiden, de: Unterdrückten., nicht nur Schrei gequälter Herzen, sondern„Projektion menschlicher Bewegung aus der Zeit »n die Zeit", es soll zeigen„die schäumende, chaotische, berstende Totalität unserer Zeit", ein Dokument der getvaltsam nach Be- ireiung ans dem EhaoS drängenden Menschheit. Wilhelm Kl cm m sieht unsere Zeit so:>„Du aber siehst am Wege rechts und links furchtlos vor Qual deZ Wahnsinns Abgrund iveineu." Mancher kommt noch nicht aus der bloßen Elendsmalerei heraus und häuft Entsetze». sschreie der Verzweiflung. ES gelingt nicht iinmet, wegweisend die Sturmzeichen der Zeit zu deuten. Mancher bemüht sich krampfhaft, den Erschütterungen machtvollen Ausdruck zu verleihen; die alter. Worte und ssormen scheinen ihm zu arm, zu altersühwack u id abgebraucht. Aber das Ganze ist durchlost von der W'ldheit der Epoche, die das Abtreten der alten Weltordnung verlangt, oft grotesk und bizarr wie das»ins umgebende ChaoS, das uns quält und steinigt. Bisweilen auch manieriert, so, wenn nach dem Willen des Dichters alle Satzzeichen fehlen, bis auf ein- mal ein Ausrufungszeichen dazwischen brüllt. Das sieht nach Mackie aus.» Der Herävsa.cher aber sagt selbst, daß vieles nicht zur großen Dichtung zn zählen ist. keinen Bestand haben»vird. Aber die er vereinigte, haben nicht den Ehrgeiz,»veder mit ihrer Dichtung, noch mit ihrem Namen ihre Z-it�zu überdauern. Ihnen kommt eS auf den„Radikalismus deS Gefühls, der Gesinnung, des Ausdrucks, der Form" an, sie sieben in dem Ztvange„zum Kampf gegen die Menschheit der zu Ende gehenden Epoche und zur selbstsüchtigen Vorbereitung und Förderung neuer, besserer Menschheit". Es sind keine Revolutionsdichtungen, wie sie auch nicht in der Revolution entstanden sind,«S sind November schreie der zerquältcu Mensch- Die Entente als Wahlhelfer. Aeußerlich erscheint der Ausfall der deutschen Reichs- tagswahlen als eine reine deutsche Angelegenhest und die Propaganda der konscrvativ-nationalliberalen Bundes- brllder hat sich sa auch fast ausschließlich auf diesem Boden be- wegt. Den Helfferich-Schwindel vom„zweiten Frieden" muß man schon als eine Ausnahme abrechnen. Wir Sozialdemokraten haben freilich immer wieder dar- aus hinweisen müssen, daß das deutsche Elend, das man der Koalitionsregierung in die Schlihe schob, letzten Endes dem Weltkriege und dem daraus entsprossenen Versailler Frieden zu danken ist. Der Ertrinkende fragt aber nicht danach, war- »im er ins Wasser gefallen ist, sondern»ver ihm eine Ret- tungsleine zeigt. Und so griff der ertrinkende Deutsche nach rechts und links. Es wird sich zeigen, daß er in beiden Fällen — Strohhalme erwischte. Solange das Verhältnis zwischen den Alliierten und dem deutschen Volke nicht ein an- deres wird, ist an eine Gesundung des deutschen Wirtschafts- ltzbenS nicht zu denken. Pressestimmen, die in den letzten Tagen aus dem Auslande, insbesondere aus England, hierherkamen, bestätigen das diircklmis. Die durchaus liberale Londoner„Daily News" schreibt: Der Mühlstein um den Hals der bisherigen Regierung ist dl« wirtschaftliche Lage Teutschlands. Tatsache ist, daß die Regierung dafür nur wenig Verantwortlichkeit trifft. Eine vier größere trpgcn die alliierten Mächte. Aber trotzdem hat die Re- gierung die ganze Last zu schleppen und niemand glaubt in Deutsch- land, daß die Lage schlechter sein könnte, als sie ist, und deslvegen bat in Teutschland jeder gute Aussichten, der behaup- ter, man könne sie besser machen. Deswegen muß das bisherige Ministerium sehen, wie seine Anhänger, die die Bolsche- wüten fürchten, zu den Rationalisten flüchten und zur Volkspartoi. und wie die, die einen neuen reaktionären Anschlag erwarten, noch »veiter nach links gehen. Die Kommunisten haben schlecht abge- schnitten. Deutschland wird nicht bolschewistisch, außer rein durch Verzweiflung. Noch deutlicher wird die Situation durch folgende Aus- fühningen der„Daily News" beleuchtet: Selbst wenn große Staatsmänner am Werke wären, würde dies wenig nutzen, falls die alliierte P o l i t ik bleibt, was sie bisher gewesen ist: Ein mit Sicherheit arbeitender Hebel für die Zersetzung Teutschlands. Heute hört man, daß die Spakonferenz wieder verschoben ist. Dadurch kann das neue Mi- nisterium Zeit getvinnen, um festen Fuß zu fassen. Aber gleich- zeitig wird auch die lähmende U ng e w i ß h e i t vergrößert, die der.Hoffnungslosigkeit der deutschen Nation zugrunde liegt. Di: Alliierten sollen nur unmijglidhe Forderungen in Spa aufstellen. wie das täglich von Frankreich geschieht. Dann muß überhaupt jede deutsche Regierung innerhalb eines Tages zugrunde gehen, denn e? bleiben dann nur der Putsch und die B a rr i k a d e. Ob diese wenigen einsichtigen Stimmen dem Chor der Chaiivinistenprcsse gegenüber sich Gehör zu verschaffen im- stände sein werden, kann man bezweifeln. In jedem Falle ist das eine klar: An dem Wahlergebnis des 6. Juni haben weder die„Sieger" in Deutschland rechte Freude, noch wer- den die Machthaber der Entente eine solche empfinden. Enttäuschungen könnte man ihnen recht von Herzen gönnen. wen»» nicht letzten Endes Deutschland selbst aml schwersten durch das von Wut»md Erbitterung, nicht aber von Einsicht sprechende Wahlresultat getroffen worden wäre. Der Umfall üe? Freiheit*. Es war nur ein Spasi! Aus dem Schreiben Erispiens. das wir an leitender Stelle abdrucken, geht schon hervor, daß die„Freiheit" ihren vernünftigen Standpunkt in der Frage der Regierungsbildung nicht mehr aufrecht zu erhalten imstande ist. Sie erklärt jetzt zi» den Bedingungen, die sie für den Eintritt der Unabhängigen in die Regierung gestellt hät, das folgende: heit, die Erlösung heischen. Und der Weg ist, daß sich der Mensch aus sich selbst besinne, auf sein Herz hört, in dem Menschen den Bruder sieht. Diese Jugend hat blutend und deS Todes gewiß das Kreuz des Leidens getragen, hat, geschunden und mißachtet, der Quak und Schande getrotzt, um nunmehr, geladen von der Sehnsucht nach Errettung, die Brüderlichkeit der Menschheit zu feiern. DaS Chaos unserer Epoche verlangt gebieterisch die Erneuerung deS Weltgedankens, die Wiedergeburt des Geistigen, die Errettung durch den, der gerettet werden soll, nach Rettung verlangt. Der !llle»isÄ soll hervortreten, auf„daß in der Menschen Mord, Verrat einst»vieder leuchte die gifte Tat" und„die Sonne, die auf Gute und Böse scheint, durch soviel Ströme der Welt gen-eint, gepulst durch unser ailer Schlag, einst wieder strahle dem gerecht«» Tag". Tem Buch sind die Porträts der Dichter nach Zeichnungen von Kokoschka. Meidner n. a. beigegeben. Oft an Karikati'r arenzerd. lassen sie drxb lebenswahr und echt die Eigenart des Dichters er- kennen. Selbstbiographien tragen zum Verständnis des Dichters wesentlich bei. Renö Sch'ckele sagt da:„Der lbiensch, bisher das traurigste der Tiere, hat seine Lage erkaiuft, und nichts»vird ihn hindern, für seine Befreiung einen Ruck zu tun, wie die Geschichte noch keinen verwerft hat._ A. R. Answandererschicksal. In dem Hause der Heilsarmee in H a m- bürg haben 92 Auswanderer aus Gelsenkirchen in Westfalen: Männer, Frauen und Kinder, seit einigen Tagen ein Obdach gefunden, die ihre alle Heimat verloren haben und ihre neue, Brasilien, nicht erreichen können. Sie hatten im Dezember von dem Angebot der brasilianischen Regierung, 3000 I a n d w ir r- s ck» a f t l i ch e Arbeiter kostenlos nach Brasilien zu befördern, gelesen, und sich bei dem Generalkonsulat von Brasilien in Amster- dam um die Freifahrt beworben. Als sie die Pässe des General- konsulatS in den Händen hatten und ihrem Vertrauensmann auch die Zusage der Beförderung gegeben worden war, da sahen sie im Geiste sckon die neue deutsche Kolonie erstehen. Nur eines hatten sie»»»cht, die bestimm re Anweisung auf einen bestimmten Dainpfer. Ihre Möbel hatten sie vertauft, ihre Wohnungen waren schon an andere vermietet, ihre Lage drängte zur Entscheidung. Also be- schlössen sie mir dem Anfang Mai in Hamburg eingetroffenen bra- ftlianüchen Dampfer Cuyaba zu fahren und reisten kurz enischlossen: von Gelsenkirchen nach Hamburg. Welcher Schreck, als sie dort hörten, daß die Cuyaba wegen größeren Reparaturen im Dock liege unb daß sie keinerlei Anspruch aus Beföiiderung mit diesem Damp- ser hätten! In ihrer Not wandten sie sich an den brasilianischen General- konsul und an die deutschen Auswandererstellen. Ucberall hatte man auch völliges Verständnis für ihre verzweifelte Lage, aber: einen Dampfer nach Brasilien für sie hcrbcizaubcrn konn:e man nicht.- Nicht einmal Unterkunft hatten die Männer und Frauen auS dem Land der roten Erde; sie waren dankbar, als sie schließ- lich von der Heilsarmee aufgenommen wurden. Um das Unglück voll zu machen, war auch noch ihr Eisenbahnwaggon erbrochen uns ibrer Wäsche, Gebrauchsaegensiände, ihres Handwerkzeuges beraubt worden! Allen Ernires droht ihnen das Schicksal, wieder nach Westfalen abgeschoben zu werden, den» die Za�l der Erwerbs- losen ist in Hamburg schon groß genug. Nach Westfalen aber zu- Wir haben diese bescheidenen Forderunge» nur deshalb wiederholt, um an einem deutlichen Beispiel zu zeigen, daß weder irgendeine bürgerliche Partei noch die R:chtssoziallsten bisher gelvillt»varen, sie zn erfüllen, und daß man deshalb erst recht nicht erwarten dürfe, daß die Verwirklichung des Sozialismus von einer solchen Koalition erwartet werden tonnte. Tie von uns wieSergegebcnen UebergangSforderungen hatten in den Kapp-Tagen, halten damals, als unsere Partei ihr Wahlprogramm aufstellte, ihre Bedeutung. Inzwischen sind diese Forderungen überholt. Die Instanzen unserer Partei, die dem- nächst die taklischen Richtlinien für die Zukunft aufzustellen haben. werden sich ohne Zweisel nicht mit selchen Forderungen der Vergangenheit, die einer bestimmten Situation ange- paßt waren, begnügen lassen, sondern, von der Grundlage des Äklionsprogramms ausgehend, unsere Forderungen zur Verwirk- lichung deS Sozialismus formulieren. „Die Instanzen der Partei" haben ihr Machtwort ge- sprachen, und die Freiheit ist„rrrevolutionär" zu Kreuze ge- krochen. Arme„Freiheit"!_ Stresemann wl'rü Republikaner! Erklärung der„Kölnischen Zeitung". Die„Kölnische Zeitung" veröffentlicht einen aus Berlin datierten Artikel, der für eine„Regierung der Köpfe" aus allen Parteien eintritt. Es wird in diesem Artikel immer noch der Versuch gemacht, zwischen Deutscher Volkspartei und Sozialdemokratie zu kleistern, und zu diesem Zweck wird folgende Erklärung abgegeben: Voraussetzung dafür ist, daß be i d e Teile sich unzweideutig und ehrlich auf den Boden der«erfassung, der Republik und der Demokratie stellen. Eine Partei rechts oder links, die diese Vor- aussetzung nicht restlos anerkennt, schließt»ich damit von vornherein von der Gemeinschaftsarbeit aus. Das Anerkenntnis der rcvubli- kanischcn Ttaatsform verbietet nicht nur jede monarchische Propa- ganda, sondern auch alle Spielereien und Kokettieren mit dem mon. archischen Gedanken, die man auf der Rechten vielfach noch find«. Das Bekenntnis zur Demokratie verbietet alle Ver- suche, anders als auf verfassungsmäßigem Wege gesetzliche oder verfassungsrechtliche Aendcrungen zu efftreben. Es verlangt den Verzicht auf Putsche aller Art und auf jede Gestalt einer Diktatur. möge sie durch einzelne Persönlichkeiten oder durch ein Rätesystem, durch Militär oder eine proletarische Minderheit ausgeübt werden. Stresemann wird also Republikaner I Ja, was kann man nicht alles werden, wenn man etwas werden will! Die„Köln. Ztg." wird selbst wissen, daß solche Beteue- rungen nach dem Kapp-Putsch für die Sozialdemokratie zu spät kommen. Es ist daher anzunehmen, daß ihre Erklärung eigentlich mehr als an sie an die Demokraten gerichtet ist. nach denen der politische Stinneskonzern sehnsüchtig seine Polypenarme ausstreckt. Der Ankauf der„Münchener Neue. ften Nachrichten" mit dem Auftrag an sie, nunmehr eine rechts gerichtete Politik innerhalb der demokratischen Partei zu treiben, gibt schon ein Bild der großzügioen Absichten, die da verfolgt werden._ Draunschroeig. Die„Demokraten" haben sich der gegen die VokkSmebrveit ge- richteten Obstruktion der offenen Reaftionäre angeschlossen. Die Wahl der Landesregierung ist wegen abermaliger Beschlußunfähigkeit der Landesversammlung auf den 15. Juni vertagt worden. Flucht auS der StinneSpartei. Der Geheime Medissnal- und RegierungSrat � Tr. Wilhelm Aller, Direktor der Lippischen Heil- und Pflegeansialt Lindenau bei Brale, hol sein Man dal als LandiagSabgeordneterniedergelegt und seinen B e>- rritt zur Sozialdemokratischen Partei erklärt. Er gehörte'bis zum Herbst 1910 der— Deusschen BolkSpartei an. Der preußische BcrfaffungSliuSschiist wird nnbeirrt durch di® politische Lage seine Beratuilgen am nächsten DienSiag aufnehmen- rückzukehren, ohne Wolmung im überfüllten Jndustriebezirk, ohne Möbel, ohne Stellung, dagegen sträuben sie sich mit aller Macht. »lud doch sind sie nicht Herren ihres Schicksals. So� sind sie zur Stunde dem Ungewissen piwiSgegcbcn und den„behördliche»» Instanzen"! Möge das traurige Schicksal der Wepfalen allen Aukwande- rungSlustigen zur Warnung dienen, daß sie niemals einen schritt ins Ungewisie tun! K. M. „Der gute Mensch" und„Harlekin". Hans Reimann und Hans Natonek haben sich durch den Frankfurter Mißerfolg ihres Stückes„Hugos Hochzeit" nicht entmutigen lassen, sondern die 4 Alte in eisten zusanunengestricheu und diesem einen neuen Titel aufgepappt. Im Leipziger Schauspielhaus fand die Uraufführung statt. Es kommt auck diesmal freilich nicht viel mehr als eine Summe prfiierkicher Situationen zustande: Spießers Leib und Freud Käthe Märkich und der Standesbeamte Wendelin haben sich ordnungsmäßig wollen traue» lassen. Aber sie kehren negaliven Er. folge! inö ElicrnbauS der Braut zurück: die Beamten streiken. Trotzdem: das Hoebzeitsmahl ist hergerichtet. Also wird Hochzeit gefeiert. W i e sie gefeiert wird, das macht den wahren Inhalt beö Stückes aus. Auch der„Harlekin" besitzt nicht daS Rückgrat einer tragenden Idee, aber er überkugelt sich in einer Fülle von Seltsamkeiten und plötzlichen Geschehnissen, die niemals Langeweile, wenn auck z»i- weilen den Gedanken aufkommen lassen, daß diese„drei Akte", wie die Verfasser ihr Stück nennen, besser auf eine� literarische Kabarett, als aus eine S-bauspielbühne passen. Es geschehen tolle Tinge in diesem Pseudo-Wedekind. Eine Gattin betrügt ihren Mann. Ter ertappte Betrüger bringt es dahin, daß der Legi- time ins Irrenhaus kommt. Dann gründet er mit dem lite- rarischcn Nachlaß dcS Betrogenen eine Literaturfabrik mit im Akkordlohn arbeitenden Erpressionistenjünalingen und so. Schließ- lich kriegt er aber die Literatur und die Weiber bis oben rauf dicke und geb» an Stelle des Betrogene»» ins JrrcnbauS. Bonmot: Die NarrenhäuSler sind die Vernünftigen. Wir mit unserer Hätz und unserer Unstctigkeit find die Verrückten. hb. Die deutsche Zentralstelle für Erdbeben forschnng, die sich seit ihrer Begründung in Straßburg befand, hat infolge des Verlustes von Elsaß-Lotbringen einen neuen Siy suchen müssen. Seit dem Mai d-S vorigen Jahres ist sie nach Jena(Sternwarte) ver'egt; sie hofft, wie früoer, auch setz» wieder auk rege Unterstützung durch die »veitesten BevölkerungSkrcise mittels Sammeln und Zusendung von Grdbebcnnachrichten. � Erwünscht»st zunächst die Beobachtung jede» Erdbebens, auch der schwächsten Erschütterung, nach Ort, Zeh und sämtlichen irgendwie wahrnehmbaren Wirkungen. Auch Ausschnitte aus den Lokalblättern sind von Wert. Dheater. Im Dallnertbeatcr komm-n am Sonnabend.Die lulliqen Velber von Windwr' und Sonntag„Cavallori!» rustioana* an!» „9?ojnu;o" zili ttusiubruna.—»Im Deutschen Opernhau» nefit als lefetc Renelnnud ernnq weler Spielzeit noch in dielem Ronat Off.'Ubachs .Prinzessin von Trapezimt" in Szene. Da» 4. Seädt. volkskouzcrt des Blürliner-OrchcitcrS findet am Dienstag, den>5-, abends 71/., Mir, in der Brauerei Nönigstadt, Slbtrn- tnuiec Allee 10/11, unter Leitung von Paul Schewpffug statt. Karten im .vorwärts' und an der Abendtaffe. Hr. 296* 57. Jahrgang Heilage öes Vorwärts SonnabenS, 12.?uai 7920 Die Reichsfthulkonferenz. Schulaufban und Einheitsschule. Roch den Protesten, die die Abgeordneten Mumm und Marx als Vertreter der R e a? t i o n au? der Retchsschulfonferenz erhoben und die wir bereits in der gestrigen Abendausgabe mit- geteill haben, gibt Reichsminister des Innern Kock» seinem lebhaften Bedauern darüber Ausdruck, daß es einigen Gruppen überhaupt notwendig erschienen sei, solche Erllärungen abzugeben. Die Zu- sammensetzmtg der Ausschüsse sei nach bestem Wissen und Gewissen paritätisch erfolgt. Sehr geschickt gab er den Hieb der Reaktion dann zurück, indem er erklärte, datz d i e Zeiten jetzt vorbei seien, wo man versuchte, eine bestimmte Richtung nicht zu Worte kommen zu lassen, und daß es allerdings bedauerlich sei, datz die Lagung infolge des Kapp-Putschcs habe verschoben werden müssen. Die Konferenz könne sich getrost seiner Leitung anvertrauen, es werde ihm gelingen. Gerechtigkeit nach beiden Serien bin zu üben. Oberstudienrat Dr K e r s ch e n st e i n e r- München erläuterte als erster Referent, ausgehend von dem Begriff der Bildung, seine der Konferenz vorgelegten Leitsätze. Sern Plan der Einheitsschule siebt eine reiche Gliederung für großstädtische Verhältnisse vor. Er will die Schüler nach Abschluß des 10. und nach dem 14. Lebens- jähre aus die einzelnen Schulzweige verteilen. Daneben aber tritt er namentlich für kleinstädtische und ländliche Verhältnisse für B c. gabnngsabteilungen, Versetzungsbeschleuni- gung und Wahlfrerheit des Unterrichts(„simultane Diffe- rcnzserung") ein. Den rubigen und sachlichen Ausführungen de? ersten Referen- ten folgte Professor Dr. Binder- Stuttgart als Vertreter der akademisch gebildeten Lehrer. Gleich zu Beginn betonte er die Bedenken, die seine Gesinnungsfreunde gegen die Reichsschul- konfercnz überbanpt hätten, gab aber die nicht ganz gewöhnliche Erklärung ab, daß seine Freunde sich trotzdem bewußt auf den Boden der Tatsachen, d. h. in diesem Falle auf den Boden der Konferenz stellten und bereit seien, positive Arbeit zu leisten. Seine Polemik gegen das Grunbach ulgesetz, das mit seiner vierjährigen Grund- schule schon zu weit ginge, kennzeichnete weiter seine Stellung und rief bereits den lebhaften Widerspruch der Mehrzahl der .Konferenzteilnehmer hervor. Ein Zeichen für die beginnende Per- flachung unserer Bildung glaubte er in dem Dilettantismus zu sehen, der sich in den regierenden Stellen breit mache. Die geplante Schulrefcrm werde das g e i st i g e Niveau in Deutschland weiter herabdrücken.(Stürmischer Widerspruch links und Zustimmung rechts.) Der Vertreter des Deutschen Lehrer- Vereins(Tews) maße sich ein Urteil an über die Bildungsrrbeit dos einen Teils der Lehrerschaft, für deren Beurteilung ihm offen- l>ar die Voraussetzungen fehlten. Hier setzte der bereits angedeutet« stürmische Widerspruch der Versammlung mit Zischen. Schlußrufen usw. ein. der den Referenten lange Zeit am Weitersprcchen verhinderte. Zum Schluß wandte sich der Referent gegen die entschiedenen Schulreformer, deren idealer Gesinnung und starkem Zartgefühl niemand die Achtung versagen werde, deren Vorschläge sich aber nicht zum Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung eigneten.(Starkes Zischen, Beifall und wiederholtes Ziichen.) Es folgte als dritter Referent Direktor Dr. Kaisen vom Bun.de der entsch eidenen Schulrcformer. Er erklärte einleitend, daß er genau da? Gegenteil von dem zu sagen habe, was sein Vorredner ausgeführt habe.(Stürmischer Beifall.) Er wandte sich dann in scharfen AuSsiihrungen gegen die befürwortete Verewigung der Klassenschichtung unseres MldungSwesens. Auch bei der von Kerschenstemer vorgeschlagenen Tvpisierung käme die Einzelbegabung 3u_ kurz. Das Ziel" jeder Erziehung sei der lebendige, schöpferische Mensch. Deshalb sei eine weitestgehende innere Diffe- renzierung und die völlige Umgestaltung unserer bisherigen Lernschule erforderlich. An die Stelle deS Klassen Unterrichts muß die Arbeits- und LebenS- gemcinschaft treten. Im einzelnen tritt der Referent für einen fakultativen Kindergarten bis zum vollendeten siebenten Jahre, für eine durchschnittlich vierjährige Grundschule und für deren Fortsetzung in Form einer gebundenen Minimasschule mit drei- bis fünftägigem Pilichiunterricht und nebenhergehenden freien Arbeitsgemeinschaften ein.'Seinen Ausführungen folgte ostentativer starker Beifall auf der Linken. Als Unterftaalssekretär Schul z den? nachträglich berufenen Referenten des Deutschen Lehrervereins Tews das Wort erteilt, legt Direktor Mellmann namens der akademisch gebildeten Lehrer Protest ein gegen die Zulassung dieses neuen Referenten. (Lebhafte Bewegung.) Unterstautssekrctär Schulz erwidert, daß die Reichsregierung Wert darauf gelegt habe, auch einen Vertreter des Volksschulwesens in dieser Frage zu Worte kommen zu lassen, und bittet, von Ge- schästSordnungsdebatten abzusehen. Tews erläutert dann den bekannten Organisationsentwurf, der eine sechsjährige Grundschule fordert. Als letzter Referent sprach Lvzealdirektor Dr. V 0 ß- Köln für die K 0 n f e s s i 0 n a l i t ä t der Volksschule, während eine ton- fessiorielle höhere Schule nicht orgamfierbar sei. Für die Mädchenschule habe sich der dreijährige Unterbau und ein siebenjähriger Aufbau bewährt. Leider habe die Reichsschulgesetz- gebung störend in diese Entwicklung eingegriffen. (Widerspruch und Beifall.) Es beginnt die Diskussion. Da sich nicht weniger als 78 Diskussionsredner zu diesem ersten Punkt der Tagesordnung zum Wort gemeldet haben, so hat eine paritätisch zusammengesetzte Kommission der Konferenz ein« Auslese der b-rusensten Wortführer vorgenommen. Die Konserenz erklärt sich mit dieser Auswahl einverstanden. Mmister Koch richtet die dringend« Bitte an die Redner, möglichst jeden persönlichen Angriff zu unterlassen. Stadtschulrat S i ck i n g e r- Mannheim: Die Volksschule darf sich nicht nach den Aufgaben der jetzigen höheren Schule richten. Wir müssen eine Vergewaltigung der Kinderseele Verbindern. Neben den Hilfsklassen für Schwachbefähigte müssen F ö r d« r- klaffen für Normal« und für Hochbegabte eingerichtet werden. An die Stelle der äußerlichen Differenzierung mutz eine Difseren- zievung nach inneren Gesichtspunkten treten. Professor Maus b ach- Münster: Religion und Sittlichkeit als Ausdruck des Volkstums müssen sich mit dem bürgerlichen Ge- meinsinn vereinigen. Rektor Wigge-Artsrn: Die Männer, die uns in de« Weltkrieg hineingeführt und die seinen unglücklichen Ausgang verschuldet haben, waren durch die höheren Schulen gegangen. Die Kenntnisse der fremden Sprachen, die diese Schulen bisher vermittelten, sind stümperhaft geblieben. In einer Lokomotive steckt mehr logisches Denken als im Cicero. Unser Schulwesen hat eine tiefe Kluft zwischen den Klassen unseres Volkes geschasfen. Die Welt- fremdheit der höheren Stände fordert ein gemeinsames Erleben und Ersahven schon in der Schule. Professor B e h r e n d. Berlin tmit für die drei jährige Grundschule, gegen eine Herabsetzung der Pslichtstundenzahl und gegen neue Unterrichtsfächer ein. Den Oberlehrern wird Standes- dünkel vorgeworfen, aber die VolkSschullehrcr wünschen Universi- tätsbildung. Auch die Entwicklung der Technik hängt von der I n- telligenz ab. Professor O e st r e i ch- Berlin lehnt die„wissenschaftliche Bil- dung" der„höheren" Schule ab Sie schafft nur unlebendige, lebensfremde und untüchtige Nie n sehen mit Klassenhochmut. Hoffentlich wird bald die Rangterung der Berufe nach dem Ein- kommen aufhören, damit jeder sich zu seinem Glück aus Hand- oder Kopfarbeit oder beide einstellen kann. Die von den Philologen geforderte Grundschule der Begabten ist eine kapitalistische Bcvorzugungsschule. Es ist ein Irrglaube der Pbilologen, datz ein bestimmter Wissens- schätz Vorbedingung oder Charakteristikum der Bildung sei. Nur die elastische innerlich differenzierte Einheitsvolksschul«, die alle höheren Schulen in sich schließt, kann zur Volkseinheit und in ein neues Deutschland führen. Dr. Hofstetter- Dresden: Die vierjährige Grundschule bil- det die mittler« Linie. Teuticher Unterricht muß auf allen höheren Schulen im Mittelpunkt stehen. Geheimrat C a ue r- Münster: Unser armes Volk kann nicht jedem Kind das Recht auf die bestmögliche Erziehung sichern. Wir überschätzen jetzt die körperliche Arbeit, wie früher die geistige. Die neue Freiheit ist Schematismus, weil jeder mit ihr beglückt werden soll. Frau Direktor Roscher- München: Die gemeinsame Er- giehung der Geschlechter ist nur ein Notbehelf, kein Ideal. Unterstaatssekretär Schulz erklärt, daß er der Anregung, einen besonderen Ausschuß für das Mädchen schulwesen ans - der Konserenz zu bilden, Folge leisten werde. Professor Rein-Jena: Dem Reichtum unserer Bildung fehlie der innere Zusammenhang. Form und Inhalt müssen ge- nmier auseinandergehalten werden. Wir können uns auf einer mittleren Linie einigen. Das Mannheimer System können wir als mustergültig übernehmen. Schulrektor V 0 0 r ho I t- Nachen spricht für die höheren Sbu- len auf dem flachen Lande. Wir leiden darunter, datz ivir nur Großstadtkultur kennen. Lehrer A r z t- Dresden: Wer die dreijährige Grundschule er- halten will, vertritt die Kultur einer untergegangenen und untergehenden Schicht. Wir wollen eine gemeinsam? Erziehung des gesamten Volkes. Die produktiven Kräfte kommen auf der jetzigen Schule nicht zu ihrem Recht. Hauptlebrer Roh de: Bei der jetzigen Schulreform muß vor allem eine Hebung der Volks schule, nicht der höheren Schule her- auskommen. Dr. Wyneken: Die Frage der Einheitsschule ist eine ledig- lich politische Frage. Das böse Gewissen der herrschenden Klassen läßt sich nicht länger dämpfen. Wir scheiden uns von der bisherigen Pädagogik da, wo der Sinn für die Jugend beginnt. Die Verfechter deS alten Gymnasiums sollten der Jugend sechst erst einmal etwas von Griechenfre:heit geben. Die eigentlich produktive Arbeit für die Schulreform mutz in Versuchs- oder Musterschulen geleistet werden. Oberkonsistorialprästdent Dr. Veit: Wir sehnen uns nicht nach der geistlichen Schulaufsicht zurück.(Zuruf: Saure Trauben!) Aber die Religion steht unter den Bichungsfaktoren obenan. Rektor Gottwalt: Die katholische Schule muß auf dem Grund« weiterbauen, den das katholische Haus gelegt hat. Lehrer Dr. H i e r l- München: Ich bekenne mich als re li- g i ö sc r K 0 m m u n i st. Es kommt jetzt nicht auf Jnnendeko- rationen, sondern auf neue Grundlagen und Funda» mente an. Wenn die Fundamente nicht mehr feststehen, müssen wir aus die mittlere Linie verzichten und versuchen, die neue Linie zu finden. Es geht um die elementare Menscklichkeit, deren Trägerin jene Schicht ist, die bisher dieses Sehnen nach Menschlich- kcit in sich verkörperte. Der konservative de Lagarde hat gesagt: „lieber Deutschland liegt ein ekelhafter Schleim von Bildungsbarbarci, der es zu einer Straf« macht, in Deutschland leben zu müssen." (Zuruf: Auswandern!) Mit frivolen Witzen lindern Sie nicht die geistige Not unseres Volkes. Direktor Volk-Berlin: Das geweMiche Schulwesen kommt auf der Reichsschulkonferenz zu kurz. Die FortbildungS- oder Lsbensschule ist schon jetzt dazu berufen, ein« wirkliche ArbeffS- gemeinschaft zu werden. Hierauf wird die Diskussion um 4 Uhr vorläufig ab g e- brachen. Fortsetzung Sonnabend früh 8VH Uhr. Die Wirtfthastsgemeinfthast Groß- öerlin. Abgesehen von der verhältnismäßig kleinen Zahl von ehrenamtlich tätigen Mitbürgern, die doch mit diesem oder jenem Teil der städtischen Verwaltung in engerer Fühlung stehen, hat die Berliner Bevölkerung gar keine richtige Vor- stellung von dem Riesenumfang unserer städtischen Ver- waltung. Wer einmal im Fernspreckverzeichnis den Magistrat B e r I i n aufschlägt, oder die Personalnachweisung (das rote Buch) in die Hand nimmt, der wird crstmmt 53] Segen öer Cröe. Roman von Knut Hamsun. War es so, daß Frau Geißlers Brüder und Verwandte ihren Mann abfinden, sich vielleicht mit einem Schlag von seinen Besuchen befreien und die widerwärtige Verwandt- schaff los werden wollten? Nun war ja der Kupferberg wahr- scheinlich nicht wertlos, dos wurde von keinem behauptet, aber er war sehr abgelegen, die.Herren sagten geradezu, sie kauften ihn jetzt, um ihn weiter zu verhandeln an Leute, ne vre. leichter eine Grube in Betrieb setzen und ausbauen konnten als sie. Darin lag nichts Unnatürliches. Sie sagten euch offen, sie wüßten nicht, wieviel der Berg eintragen konnte: wenn eine Grube eröffnet würge seien vielleicht rnnzigtau- send Kronen keine Bezahlung: wenn aber der Berg io li�iien bleibe, wie er jetzt sei, dann sei es hinausgeworfen's Geld. Aber jedenfalls wollten sie reinen Tisch machen, und deshalb böten sie Jsak fünfhundert Kronen für seinen Anten. „Ich bin Jsaks Bevollmächtigter," sagte Geißier„und ich verkaufe sein Recht nicht unter zehn Prozent der Kaub summe." „Viertausend!" sagten' die Herren. „Viertausend!" bebarrte Geißler.„Der Berg ist Eigentum gewesen, er erbält viertausend. Mir bat er nicht gebort, ich bekomme vierzigtaüsend. Wollen sich die Herren wohl die Mühe nehmen und das bedenken." „Ja. aber viertausend!".. m Geißler stand auf und sagte:„Jawohl od'.r gar.ein Per- kauf." Sie überlegten, tuschelten miteinander und gingen auf den Hofplatz hinaus, zagen die Sache in die Länge�„Richtet die Pferde!" riefen sie dann den Dienern zu. üüner der Herren ging zu Inger hinein, bezahlte fürstlich in: den Kaffee, einige Eier und dos Nachtquartier. Geißler ging an- scheinend gleichgültig umher, aber er war noch ebenso wach- jam:„Wie ist es mit der Wasserleitung im vorigen Jayr ge- gangen?" fragte er Sivert.—„Sie hat uns die ganze Ernte gerettet."—„Ich sehe, ihr habt den Sumpf dort umgerodet, seit ich das letztemal hier war."—„Ja".—„Jbr müßt euch noch ein Pferd anschaffen" sagte Geißler. Er wb alles. „Komm jetzt her. damit wir fertig werden!".ief der Hüffenbesitzer. Darauf gingen alle miteinander in den Neubau, und Jsaks viertausend wurden aufgezählt. Geißler bekam eine Urkunde: er steckte sie nachlässig in die Tasche, als hätte sie gar keinen Wert.„£>eb' sie wohl auf," sagten die andern zu ihm,„und deiner Frau wird das Bankbuch in einigen Tagen zugestellt werden."„Bankbuch", sagten sie.— Okifeier runzelte die Stirne und erwiderte:„Es ist gut!" Aber sie waren noch nicht fertig mit Geißler. Nicht als ob er den Mund aufgetan hätte, um etwas für sich zu oer- langen, aber da stand er nun, und sie sahen, wie er dastand: vielleicht hatte er sich auch selbst einen kleinen Teil ks Giibi's ausbedungen. Als der Hüttenbesitzer ihm ein Banknoten- bünbel reichte, nickte Geißler nur und sagte wieder, es iei gut.„Und nun trinken wir noch ein Glas mit Geißler," sagte der.Hüttenbesitzer. Sie tranken, dann waren sie fertig und verabschiedeten sich von Geißler. In diesem Augenblick kam Brede daher. Was wollte der nun? Brede hatte natürlich die dröhnenden Schüsse am gestrigen Tage gehört und verstanden, was droben im Gebirge vorging. Jetzt kam er und wollte auch Gcbirgsfeldcr verkaufen. Er ging an Geißler vorbei, wendete sich an die Herren und sagte: er habe einige merkwürdige Gcsteinsarten entbeckt, ganz wunderbare, die einen seien rot wie Blut, an- dere hell wie Silber: er kenne jeden Winkel da droben und könne rasch mit den.Herren hinaufgehen, er wisse mehrere lange Metalladern— was das wohl für eine Art Metall sein könne?—„Hast du Proben bei dir?" fragte der Bergbau- kundige.—„Ja." Aber ob sie nicht ebensogut auf den Berg hinaufgehen könnten? Es sei nicht weit, Proben, jawobl! Viele Säcke voll, viele Kisten voll, er habe sie zwar nicht bei sich, aber daheim in seinem Hause: er könne rasch hinlausen imd sie holen. Aber er könne in kürzerer Zeit von den Ber- gen droben holen, wenn die Herren warten wollten. Die .Herren jedoch schüttelten den Kopf und ritten davon. Brede sah ihnen gekränkt nach. Wenn die Hoffnung einen Augenblick in ihm aufgetaucht war, dann- erlosch sie jetzt wieder:«r arbeitete unter der Ungunst des Schicksals, nichts solle ihm glücken. Nur gut, daß er einen leichten Sinn hatte, um das Leben trotzdem ertragen zu können. Er sah den Reitern nach und sagte schließlich:„Na, viel Glück auf die Reise!" Aber jetzt zeigte er sich wieder unterwürfig gegen Geißler. seinen früheren Schultheißen, er duzte ihn nicht mehr, ; sondern verbeugte sich und sagte Ihr. Geißler hatte unter ! irgend einem Vorwand sein Taschenbuch herausgezogen und > ließ sehen, wie es von Banknoten strotzte.—„Könnt Ihr mir l nicht helfen, Herr Schultheiß?" sagte Brede.—„Geh heim i und grabe dein Moor um!" sagte Geißler und half ihm nicht die Spur.—„Jckj hätte gut einen ganzen Schubkarren voll Steine mitbringen können, aber wäre es denn nicht viel besser gewesen, die Herren hätten die Berge selbst gesehen, da sie nun doch einmal hier waren?"— Geißler tat, als höre er nicht, was Brede sagte, sondern fragte Jsak:„Hast du nichr gesehen, was ich mit dem Dokument gemacht habe? Es war äußerst wichtig, viele tausend Kronen wert. Ach, da ist es, mitten zwischen den Banknoten."—„Was waren denn das für Leute, haben sie nur einen Ausflug zu Pferd gemacht?" fragte Brede. Geißler war wohl vorher in großer Spannung gewesen jetzt fiel er merklich ab. Aber er hatte doch noch Lust und Leben gesiug, nun noch allerlei auszurichten. Sivert sollte mit ihm auf den Berg, Geißler hatte ein großes Stück Papiei bei sich, da zeichnete er die Grenze auf der Südseite des Wassers deutlich daraus ein.— Was er wohl für einen Gedanken dabei hatte! Als er ein paar Stunden später wiedc, auf den Hos zurückkam, war Brede noch da, aber Geißler beantwortete keine einzige von seinen Fragen, sondern wo' müde und winkte ihm nur mit der Hand ab. Er schlief ununterbrochen bis zum nächsten Morgen, d< stand er mit der Sonne auf und war wieder ganz frisch. „Sellanraa!" sagte er, als er ans dem Hofplatz stand und weit umberschante. „All das Geld, das ich bekommen habe, soll denn das mir gehören?" fragte Jsak. „Was du sagst!" erwiderte Geißler. ,LZerstehst du dem, nicht, daß du mehr hättest haben sollen? Und eigentlich hättest du sie nach unserem Kontrakt von mir haben sollen, aber wie du gesehen hast, ließ sich das nicht machen. Wieviel hast du bekommen? Nach alter Rechnung nur tausend Taler. Ich denke eben darüber nach, daß du noch ein Pferd für den Hof haben mußt."—„Ja."—„Ich weiß dir ein Pferd. Der jetzige Gcrichtsbote bei Schultheiß Heyerdahl läßt seinen Hos verfallen, das Herumreisen und die Leute auspfänden ist ihm unterhaltender. Er hat schon einen Teil seines Viehstandcs verkauft, jetzt will er auch seinen Gaul los sein." �orts. folgt.) sein, weichen Riesenorganismus die Verwaltung Berlin in der Tat bildet und welches gewaltige tS e m e i n- Wesen das neue Grog-Berlin darstellen wird. Die wirtschaftlichen Aufgaben sind dementsprechend groh und durch die Kriegswirtschaft in ungeahnterweise er- weitert worden. So ist es denn dahin gekommen, dasi die Be- völkerung sich in zwei Lager gespalten hat. von denen das eine den schnell st en Abbau der Kommunalwirtschaft und ihre Zurückführung auf den Stand der Vorkriegszeit fordert, das andere Lager eine weitere Ausgestaltung der organisierten Wirtschaft erstrebt. Diese zwei grosten Gruppen werden sich auch im Stadt- Parlament Groß-Bcrlin gegenüberstehen. Wenn bereits vor dem Kriege die bürgerlichen Gemeindevertretungen kommunalisiert haben, z. B- die Versorgung mit Gas, Wasser, elektrischem Strom, die Müllbeseitigung, Verkehrs- mittel, die Krankenhausbehandlung, das Rettungswesen, Markt- allen usw., so deshalb, weil kein Streit darüber mehr bestand, atz Unternehmungen, mit denen das Wohl der Gesamt- h e i t hervorragend verknüpft ist, dem Gewinnstreben privater Unternehmer entzogen werden mützten, damit immer das Gesamtinteresse gewahrt bleibt. Die Kriegswirtschaft hat die k o m m u n a l e U n t e r- n e h m u n g stark diskreditiert, um ihrett Ruf gebracht. Es wird dabei übersehen, datz es die völlig anormalen Ver- Hältnisse waren, die das gelegentliche Versagen der Ver- waltung verursacht haben. Die Einführung des Karten- s y st e m s war unumgänglich, weil die Warenknappheit eine Verteilung nach der Kopfzahl nötig machte. Datz die Verwaltung, d. h. die Bewirtschaftung von Waren des täglichen Bedarfs, in die Hände von Nichtfachleuten kam, die wiederum erst gegen Gehalt oder P r o V i> i o n Fachleute einstellten, hat doch seinen Grund darin, datz bei Auebruch des Krieges der freie Handel ohne brauch- bare fachliche Organisation war. der die Verteilung der zu knappen Warenmengen nach gemeinwirtschaft- l i ch e n Grundsätzen hätte übertragen werden können. Auck heute noch fehlen die Handelsorganisationen, die ouS sich heraus in der Lage wären, dem Gesamtinteresse der Verbraucher entsprechend die Verteilung der zu knappen Warenmengen so vorzunehmen, datz das Prinzip.Großer Umsatz— kleiner Nutzen" zur Geltung käme, damit die Waren mit viel geringeren Aufschlägen als heute an die Verbraucher gebracht werden könnten. Ohne Verbilligung der Lebcnsuntcrhaltsmittel ist ein Abbau der Löhne und eine Milderung der sozialen Not undenkbar. Entweder hatte sich der Handel Konkurrenz gemacht bis zur Ve rnichtung des einen durch den anderen, oder der Handel hat Ringbildungen vorgenommen, um die Ver- braucher zu schröpfen. Zwischen beiden Extremen liegt die gemein wirtschaftliche Organisation. Die Verwaltung von Grotz- Berlin steht vor sehr großen wirtschaftlichen Aufgaben, sie hat ihre Ausgaben mit den Einnahmen in Uebereinstinimung zu bringen, die riesigen Fehlbeträge in den Haushaltsabschlüssen zu beseitigen. und die Schulden, insbesondere die schwebenden, zu decken. Die Zusammenfassung der st e u e r l i ch sehr ver- schieden starken Gemeinden zur Einheitsgemcinde soll durch den hierdurch möglichen Lastenausgleich die Bilan- z i e r u n g der Generalhaushaltsrechnung des neuen Grotz- Berlin wesentlich erleichtern. Dieser Gleichgewichtszustand wird sich aber allein durch Zusammenschütten der Steuerbeutel nicht erzielen lassen, es wird die Wiederherstellung der R e n t a b i l i t ä t bei allen werbenden städtischen Betrieben und sparsamste Wirtschaft unerläßlich sein. Die Tariferhöhungen für GaS, Waffer. Elektri- zität, Straßenbahnen usw. haben auch ihre Grenze bei dem Rückgang des Konsums infolge der Ueberspannung der Preishöhe, abgesehen von den höchst schädlichen sozialen Folgen, die in der Ausschließung immer weiterer Schichten von der Teilnahme an dem Bezug von wichtigen Lieferungen sich zeigen werden. Eine Vereinheitlichung der wirtschaftlichen Betriebe Grotz-Berlins wird zu Ersparnissen und Verbilligungen führen können. Die von mir angeregte und nunmehr auch beschlossene Gewährung von Prämien für praktisch verwertbare Vorschläge der städtischen Arbeiter, Angestellten und Beamten, die Ersparnisse im Betrieb, Vereinfachungen und schnellere Abwicklung der Geschäfte ermöglichen, wird hoffentlich dazu beitragen, von innen heraus die Wirtschaftlichkeit der städtischen Betriebe, die recht viel noch zu wünschen übrig läßt, zu verbessern. Inwieweit für Kulturaufgaben und soziale HilfSarbeit im neuen Grotz-Berlin überhaupt Mittel zur Verfügung stehen»verden, hängt ausschließlich von der w i r t- s ch a s t l i ch e n Lage der Grotzgemeinde, von ihrer Steuer- kraft und von der Wirtschaftlichkeit ihrer Be- triebe und Verwaltungen ab, denn die Bewilligungs- freudigkeit findet ihre sehr reale Grenze bei der finanziellen Leistungsfähigkeit der Stadt, deren Kredit kaum noch stärker in Anspruch genonimen werden kann. Unsere Fraktion darf in dieser Beziehung von sich sagen, datz sie agitatorische Motive bei ihren Entschlüssen durchaus ausgeschaltet Hai und sich ihrer Verantwortung für die Deckung der Ausgaben stets voll bewußt gewesen ist. Aber nicht nur Bewilligungen, sondern auch Ab- lehnungen von Geldausgaben können aus a g i t a- t o r i s ch e n Gründen erfolgen, ein Verfahren, dessen sich die biirgerUcken Parteien gern bedient haben. Auch hier gibt es'eine reale Grenze bei der Notwendigkeit, den im Dienst der Stadl Stehenden das Existenzminimum in einer Zeit st e i g e n d e r Lebensunterhaltskosten zu sichern und sie vor der Verschuldung zu bewahren. Die Stadtverwaltung des neuen Grotz-Berlin wird vor sehr schwierigen Ausgaben stehen, deren Lösung ein hohes Matz von Sachkenntnis, Objektivität und Ver- antwortungsgefühl erfordern wird. Es fällt haher der Bürgerschaft von Grotz-Berlin die Aufabe zu, dafür zu sorgen, datz sie Vertreter in dieses große Stadtparlament ent- sendet, die diesen außerordentlichen Ausgaben auch ge- wachsen sein werden. Eine Politik der Schlagwörter und des verantwortungslosen Zum-Feuster-Hinaus-Redens wird versagen und die Anhänger dieser Politik als auch die gesamte Bürgerschaft in die Gefahr des Zusammen- b r u ch S bringen. Die Wahl des Stimmzettels am 20. Juni kann nicht schwer fallen, wenn der Wähler fragt, bei welcher Partei die beste Geivähr dafür geboten ist. datz innerhalb der Grenzen des Möglichen für die a r b e i t c n d e n K l a s s e n alles erstrebt und erreicht lvird. Dr. Alfred Strtemer, Stadtverordneter m Berlin. Wivtfcfyait Auch die Eiscnvcrbraucher warten? Die Verbraucher nehmen allgemein an, datz die Werke dem- nächst gezwungen sein werden, weiter mit den Preisen herunterzugehen. Zu dieser Erwartung veranlaßt sie auch der Umstand, daß aus zweiter Hand, namentlich aus den Kreisen des wilden Handels, noch fortgesetzt Material in großen Men» gen und zu Preisen an den Markt kommt, das sich erheblich unter den jetzigen Notierungen des Eisenwirtschaftsbundes bewegt und sofort greifbares Material darstellt. Die Preisunterschiede gegen- über den offiziellen und diesen Notierungen für das sogenannte freie Material bewegen sich bis zu mehreren tausend Mark, je nach der Qualität des Materials, und sie werden in den meisten Fällen von sogenannten Angst Verkäufen diktiert. Vielfach trägt zu der unsicheren Preisstellung auch der Umstand mit bei, daß weiterverarbeitende Werte, welche über große Mengen von Vorratsinaterial verfügen,' dazu übergehen, dieses abzustoßen in der Ertvartung, sich demnächst wieder billiger eindecken zu können. Bei der jetzigen Periode der teilweisen Absenkung der Preise der überteuerten Waren kommt es vor allem darauf au, daß die Produktion ohne Einschränkung fortgesetzt wird. Dahin hat die Arbeiterschaft und die Regierung mit allen Mitteln zu wirken, weil von einer Marktüberfüllung gar kein« Rede ist. son- der» nur eine Bbsatzstauung infolge der PreisauSglcichungSvorgänge eingetreten ist Wo eS an Geldmitteln fehlt, beantrag« man Kredite beim WirtschaftSministerium. Einzig und allein kommt es darauf an, daß, wo Rohstoffe vorhanden sind, produziert wird. — astr. Vom Berliucr Produktcnmarkt. umtlich festgestellte Preise der Berliner Produktenbörse am 11.?luni: Hafer pro 1000 Kilonramm auf Abladung 2710—2760 Mark ab Station, ab schlesischen Stationen 2700 M. Tendenz be- hauptet.— Nichtamtlich sind folgende Preise ermittelt, alles für 50 Kilogramm ab Station: Erbsen, Viktoriaerbscn 150—176 M, gelbe und arüne Erbsen 110—110 M.. Peluschken 100— 105 M., Ackerbohncn 100—105 M. Wicken 80—00 M., Lupinen 60— 65 SN., Serradelle 45— 55 M. W i e se n h e u lose 22 bi? 28 M., Stroh, drahtgcpreßt 10— 10Z-4 M., gebündelt 0— OH M., Trockenschnitzel 57—63 M.. Patent Steffen 05— 100 M. Preissturz im Weinhandcl. Aus Bingen wird gemeldet: Im Weinbandel, der seit einigen Wochen fast gänzlich ruht, ist ein merk- licher Preissturz eingetreten. Tie Zurückhaltung bei den Winzern hat aufgehört. Der Handel kauft nur das Nötigste, um weitere Senkungen herbeizuführen. Der Milchliefernngsstreik.der Bauernschaft deS Landkreises Höchst ist beendet. Die Bauern verpflichten sich, die Milch zu den bisherigen Höchstpreisen weiterzuliefern; sie werden aber sofort weitergehende Forderungen geltend machen, j)ie auch anerkannt werden sollen. Die gegen die Bauern verbängten Strafen (150 M. für jeden Streiktag) werden zurückgenommen. Die Freie Bauernschaft des SaargrbietcS ist vor einigen Tagen mit ganz unverschämten Forderungen an die Oeffewtlichkeit getreten und droht bei deren Nichibewilligung mit dem Lebensmittel. erzeugerstreik, treibt also offenbar Sabotage an der Lebens- mittelversorgung des Saargebiets. Der Generalsekretär der Freien Bauernschaft, Reiner, will anscheinend diesen Kurs nicht mit- machen, denn er hat am 10. Mai d. I, schon sein V-rlragsverhältniS bei der F. B. gekündigt und übt schon jetzt kein« Tätigkeit mehr aus. Kein Geld für die Krankenhäuser. Der„Frankfurter Zeitung" zufolge rechnen die städtischen Krankenanstalten mit einem Fehl- betrag von 48 Millionen Mark. Verschiedene Anstalten sollen des- halb geschlossen werden.__ GroßSerün t&ic Verlufte aus Serllns Lebensmkttelwkrtschast. Gegenüber den Angriff:-» auf die LehenSmittelwirtschaft der Stadt Berlin machte in der Stadtverordnete nversa-mmlung der Oberbürgermeister die Mttteil-ung, daß bis Ende Juni 1010 die Verluste sich.bei 4 Milliardrm Mark Gefamtumfatz auf 12 Mil- l tonen Mark belaufen. 12 Millionen sind an sich einte stattliche Summe, doch gegenüber jenen 4 Milliarden bedeutet sie immer nur 3 vom Tausend. Wenn Verluste vorkommen und bc- kannt werden, übersieht der nicht Fach- und Sachkundige meist, daß er sicanden Gesamtvorräten messen müßte. Von deren Größe aber hat et leine auch nur annähernd nichtige Vorstellung. Gestern sogänzte der Lberbürgermeifter in einer Besprechung mit Pressevertretern seine in der Stotdtvevordnet:nversamMlung vorgetragen-cn Angaben. Bis Ende September 1010 betrug der Um- satz in Mehl über 2zh Milliarden Pfund, in Kartoffeln ziem- lich 2 Vi Milliarden Pfund, in Fleisch 338 Millionen Pfund, in Milch 343 Millionen Liter, in Zucker 71 Millionen Pfund, in ObstundGemüsä 600 Millionen Pfund. Bei solchen Riesen» Umsätzen wird die sorgsamste Bcw.rtschaftung noch Verluste bringen, die dem Verbraucher ungeheuerlich erscheinen, weil er— unbewußt— sie mir an stinem oigenen kleinen Verbrauch mißt. Auch der violgepriesen« freie Handel mußte Riescnver- l u st e hinnehmen, wenn er Rissenumfätze hatte, nur pflegte er davon kein großes Aufheben zu machen. Oberbürgermsister Mermuth hob hervor, daß bei den Kartoffeln dem Gesamtumsatz von 2 Ve Milliarden Pfund einSchwundvon 175 Millionen Pfund gegenübersteht(die im Umsatz nicht enthalten sind). Da- mit könnte man die Friedrichstraße in ihirr ganzen Länge 3 Meier hoch bedecken, und doch sai diese ungeheure Menge eingebüßter Kar- toffoln nur 8 Prozent des Umsatzes, was selbst Landwirte und Händler als wenig bezeichnen müßten. In den cinze-lncn Zweigen der Lebensmittelversorgung ist übrigens das Ergebnis sehr verschieden. Während manche mit Verlusten abschlössen, wurde an anderen sogar noch sin Gewinn erzielt. Bis Ende Juni 1010 bel.of sich der Verlust, in der B r o t v c r s o r g u n g auf 1,7 Millionen Mark(die aber hier bis Dez.mber wieder eingeholt wurden), in der Kartoffelver. forguug auf 4,3 Millionen, tn der Gemüseversorgung auf 15,4 Millionen. Dagegen wurden gewonnen auf Nähr- mittel 1,3 Millionen, auf-Eier 0,3 Millionen, auf Fische OL Millionen, auf Zucker 0,26 Millionen, auf Milch 3,0 Millio- neu, auf Käse Oh Millionen, auf Butter 1,8 Millionen. Die Fleischversorgung halte 4,9 Millionen Verlust, toähocnd Berlin bei der Groß-Berliner Viehverteilung einen Gewinn von genau gleicher Größe hatte. Dazu kamen 1,2 Millionen Gewinn bei Fleifchoinkäufen. Die letzten Monate Hafen allerdings größer« Verluste gebracht, deren genaue Höhe noch nicht feststeht. Sie erklären sich hauptsäch- lich aus der damaligen Valumverfchlechterung und den notge- drungen teueren Einkäufen. Vielen Gemeinden ist es ähnlich er- gangen, und manche find daher ängstlich geworden, so daß st« keine AorratSkäufe mehr wagen wollen. Ter Ober- bürgerinerster warf die Frage auf, ob es nicht Pflicht der Ge- moinden gewesen sei, das Risiko zu übernehmen und die Leben S- mittelversorgung zu sichern. Wir können diese Frage nur bejahen. * Zur Vermeidung von Irrtümern teilen wir mit, daß bei der Berechnung des Verlustes der städtischen Verwaltung an der Lebens- mittelversorgung von Berlin in den Verlust von 12 Millionen Mark auch die Verzins.'», d i investierten Kapitalien, die Aus- gaben für das Personal, die Abschreibungen und alle sonst zu einer ordnungsmäßigen kaufmännischen Bilanz zählenden Ausgabeposten inbegriffen sind. Erbauilches aus öem Neuköllner Staötparlament. Ein Kricgcrvmlns-„Freund". Die Stadtverordnetenversammlung hatte gestern vor Eintritt in die Tagesordnung eine lange Auseinandersetzung über Mit- teilungen, die in bürgerlichen Blättern aus vertraulichen Kom- missionssitzilnaen gemacht worden sind. Es handelt sich um ab- fällige Aeußerungen des Unabhängigen Freund über Beamte, durch die diese sich verletzt gefühlt haben. R a d t k e(U.-Soz.) rügte gestern die Veröffentlichungen, und Freund beanspruchte das Recht der von ihm an den Beamten geübten Kritik. Engel (Demokr.) erwiderte, die Gehässigkeit in der Kritik sei das, was er tadeln müsse. Dieser Redner spielte dann darauf an, daß noch im Jahre 1018 ei» Unabhängiger in den Neuköllner Kriegerverei» eingetreten sei. Er machte auch Andeutung«« über Vetternwirt- schaft bei Siellenbeietzung. Freund erklärte, diese Anzapfungen feien ihm unverständlich(Heiterkeit.) Bürgermeister Scholz äustcrte den Wunsch, man möchte doch an dem bisherigen Brauch festhalten, daß Mitteilungen ans Deputation?- und Kommissions» sitzungen unterlassen werden. Nachher kam Radtke auf die Per- sönlichen Anspielungen zurück und fraate im Auftrage der Fraktion der Unabhängigen, wen Engel gemeint habe. Engel erklärte, der Unabhängige Freund habe seine Aufnahm« in den Kriegerverein Neukölln noch am 1. September 1018 durch 'olbstunterschriebeneS Formular beantragt lHeiterkeit), und Freunds «chwägerin fei kürzlich Schulpftegerin geworden.(Zuruf: Käme- rad Freund!) Freund antwortete in ungewöhnlich klein- lautem Ton: Was ich im September 1018 getan habe, darüber vermag ich hier keinen Aufschluß zu geben.(Heiterkeit.) Da» wird Gegenstand der Untersuchung in meiner Organisation sein. Ich bin nicht ein einziges Mal in einer Sitzung des Kriegervercins gewesen. Wenn ich wirklick«'»«» solchen Schein unterschrieben habe, so wird das wahrscheinlich Gründe hoben, über die ick Ihnen keine Auskunft gebe.(Gelächter.) Die Stelle der Schulvflegerin ist ausgeschrieben worden. Auf d'e Meldung meiner Schwägerin habe ich keinen Einfluß gehabt. Die Debatte schloß mit der von Radtke für seine Fraktion abgegebenen Erklärung, sie werde alle diese Beschuldigungen prüfen und nötigenfalls rücksichtslos einschreiten. Nach dieser zeitraubenden, aber amüsanten Einleitung ging die Versammlung an die Erledigung ihrer sehr reichhaltigen Tages- ordnung. Unier anderem wurden Abänderungen zur Besoldung-- ordnung der Beamten und Festangestellten und der Lehrer be- schlössen, Abänderungen des Tarifvertrags der technischen Ange- stellten und die Annahme des Schiedsspruchs über den Tarifvertrag der Hilfskräfte mit den in Berlin be- schivssenen Aenderungen. Sozialdemokraten, Unabhängige und Demokraten betonten übereinstimmend, daß man bezüglich der Hilfskräfte sich den soeben in Berlin gefaßten Beschlüssen anzu- schließen habe. Den Hilfskräften soll auch ein V o r sch u ß�gezablt werden.— Eine Nachforderung von Polizeikosten für 1018 führte zu einer Auseinandersetzung darüber, welch«? Vertrauen man zur Polizei und ihren Leistungen baben könne, und wurde dann einstimmig abgelehnt.— Eine Debatte über die weltliche Schul« knüpfte sich an den Antrag der sozial- demokratischen Fraktion, dar für alle vom ReligionS- unterrickt befreiten Kinder Neuköllns gesonderte Einschulung ung Unterricht in KlemeinschaftSkunde forderte. Ueber einen Antrag der Unabhängigen, der weltliche Einrichtung der Neuköllner Volksschulen und Beseitigung deS NeNgkonSunterrichtS forderte, wurde gleichzeitig verhandelt. Schulz(Soz.) wies in seiner Begründung darauf hin, daß die reichsgesetzliche Regelung der Einrichtung weltlicher Schulen noch fehlt, aber der in unserem An- trag empfohlone Weg schon jetzt gangbar ist. E x n e r(Demokr.) wünscht« allgemeinen religionSaesibichilichen Unterricht, Mit einem „Kulturkampf" drohte Schilling(Christi. VolkSpartei). Stadtschnlrat Buchenau betonte die Notwendigkeit, diese Frage in demokratischem und sozialem, d. h. genossenschaftlichem Geist zu lösen. Niemand dürfe dabei vergewaltigt werden, und Vcrgewal- tigung wäre auch gar nicht im Geiste des Sozialismus. Nach langer Debatte wurden beide Anträge angenommen. Mr den lv-Atunden-Tag der Hausangestellten: Die Hausangestellten wenden sich in einer am Sonntag, den 13. Juni, nachm. 5 Uhr, im Lustgarten stallfindenden Protest« Versammlung gegen die ungeregelten Arbeitsverhält- nisse in ihrem Berufe. Zwar ist die Gesindeordming, die der Dienstberrslbaft z. T. das Recht der Züchtigung gab, seit dem 12. November aufgehoben, aber man hat bis jetzt noch kein neues Hausangestelltengesetz geschaffen. Für Hau«. angestellte sind zwar im SwIichtungSauSschuß besondere Spruib- kammern eingerichtet, und gewiß haben dieselben auck schon viele« zugunsten der Hausangestellten in Einzelfällen errcickt, aber wo die Macht de« Schlichiungsausl'chusse« nicht auSreickt, sind die Haus- angestellten auf die langwierige und kostspielige Klage beim AmtS- gerickt angewiesen. Es'st höchste Zeit, daß auch auf dieiem Gebiet etwa? gesckiebt, damit sick die Ausgebeuteten wehren können. Die Hausfrauen lehnen es ab, mit uns Tarifverträge abzuschließen, und 'o(eben wir un? genötigt« zum öffentlichen Protest vor allem gegen die übermäßige Arbeitszeit, die in der Regel 13 bis 16, manchmal iogar 18 Stunden täglich beträgt. A r b e I l e r e l t e r n. auck Llhr babl ein persönliche« Interesse daran, die Berbältnisse in diesem Beruf zu bessern, denn Eure Kmder sind eS. die dieie Leiden durchkosten müsien. Die Arbeiter« schaft hat durch ihre Bolksbeauftragten die Gesindeordming beseitigt, tretet weiter dafür ein, daß auch die Lohn« und Arbeitsbedingungen bessere werden. Fordert alle Hausangestellten auf, an der?er- lammlung teilzunehmen: Für den gesetzlich geregelten 10- Stunde Ii«Tag._ Ter lftprozcntigc Lohnabzug. Die Vorschriften über den Abzug von Sink»en m««- st e u e r a n Arbeitslohn(gemäß den?? 45—52 des Ein- klmimensteilergefetzesi, die am 25. Junj 1020 in Kraft treten, haben in der Lcffentlichkcit vielfach zu irrigen Annahmen gefübrt. ES besteht die Ansicht, als ob nur der vom 25. Juni 1820 ab verdiente Arbeitslohn d-m lOprozcntigen Abzug unterliege. Der Arbeit. geber nimmt daher an, daß, wenn er den Arbeitslohn am Schlüsse eines bestimmten Zeitraumes zahle, er«ine doppelte Rechnung auf. machen müsse: einmal, was sein Arbeitnehmer bis zum 24, Juni 1020, und dann, was sein Arbeftnebmer vom 25. Juni 1020 an per. dient habe. T icse Auffassung ist irrig. Dem lOprozentigen Abzug unterliegt jeder Arbeitslohn, der vom 25. Juni 1020 an zur Auszahlung gelangt, und»war auch dann, wenn er auf eine vor dem 25. Juni 1020 liegende Zeit entfällt. Werden also beispielsweise für die Lohnwoch« vom 21. bis 26. Juni 1920 250 M. Arbeitslohn ausgezahlt, so sind 10 Proz. von den oanzen 250 M. zu kürzen. Werden am 30. Juni 1020 1000 M. für den Jum ausgezahlt, so unterliegen die ganzen 1000' Mar? dein Abzug. Eine Auseinanderrechnung zwischen vor und nach dem 25. Juni 1920 verdienten Arbeitslohn findet nicht statt. Abstimmung in Ostpreußen. Alle abstimmungsberechtigten Per.' sonen, die in der Zeit vom 20. bis 30. Juni d. I. nach Ostpreuhen fahren wollen, werden gebeten, sich in der Zentralstelle des Bundes beimattreuer Ostpreußen, HallescheS Ufer 24, Hof I(Telephon: Lützow 3075) melden zu wollen. Geschäftsstunden 9— 6 Uhr. Der Deutsche Scbutzbund teilt mit daß die Einspruchs- fristfür Abstimmungsberechiigtd in O st Preußen bis zum SO. Juui verläuqert worden ist. Stimmberechtigte, die den Wahlansweis bis zum 15. Juni noch nicht erkalten babrn. tun da» ber gut. u n v e r, ii o l i ch bei der Abstimmungstommiision ihres Geburtsortes Einspruch zu erheben. Einrichtung einer Vchandlung�sielle für Lungenkranke. Im Institut„Robert K o ch", Berlin N., sföhrerstr. 2, gegenüber dem Rudolf-Virchow-Kronkenhause, an der Putlihbrückc, ist neuerdingZ. eine Behandlunasstelle für Lungenkranke eingerichtet worden. Sprechstunden Mittwochs und Sonnabends von 4—5. Die Mitglieder der Allgemeinen Ortskrankenbasie der Stadt Berlin sind berechtigt, diese Behandlungssiclle in Anspruch zu nehmen; sie kommt Haupt- sächlich für Bewohner der Stadtteile Moabit und Wedding in Betracht. Gestohlen wurde vor dem städtischen Hcimstättenamt, Blumen- straße 97. ein G e p ä ck d r e i r a d des M a g i st r a t S. Ter blau- lackierte Kasten ist mit dem Wappen der Stadaemeinde Berlin und der Bezeichnung iRad 2 versehen. Da das Rad wertvolle Akten enthielt, die aber für den Dieb keinen Wert baben, wird darum gebelen, die Akten bei dem Portier des Rathauses abgeben zu lassen oder das Zentralbureau des Magistrots zu benachrichtigen, von wo die Akten abzuholen sind. x Die polnische Gesandtschaft teilt WTB mit, daß das Vi sie» ren von Pässen, Legalisationen usw. nur von denjenigen polnischen Konsulaten erledigt werden, in deren Bezirk der be- treffende Antragsteller wohnhaft ist. Zurzeit befinden sich in Deutschland folgend?. polnische Konsulats: Köln, Dombof L8; Essen» Ruhr, Huvssen-Allee 80; Königsberg(Ostpr.), Kneipphoefische Langgasie 1/4; Breslau. Reue Gasse 13; Ham- bürg, Micheclisstr. 19; Oppeln, R'kolaistr. 36a; D a n z i g, Polnisches Generalkommissariat, Kennerstiftgasse 18. Erschossen wurde vorgestern nachmittag der 33 Jahre alte Arbeiter Walter T a u s ch w i tz aus der Dunckerstr. 18. Dieser bot mit dem Kutscher Willi Revier aus der Pappelallee 48 Unter den Linden. in der Räbe der Staatsoper. Damcnstiefel zum Kauf an. Zwei Beamte der Sicherheitspolizei schritten zur Feststellung der beiden Straßenhändler. Auf dem Wege zur Wache leistete Tauschwih tätlichen Widerstand. Vorübergehende unterstützten ihn durch anfeuernde Zurufe. Jetzt entriß Tauschwitz dem Wachtmeister B r u n k o w, der die Stiefel an sich genommen hatte, diese, schlug auf ihn ein und l:cf davon. Als er auf die Anrufe des Beamten nickt stehen blieb, zog dieser seine Dienstwaffe und gab zunächst einen Sckuß in die Luft ab. Da auch das nickts half, feuerte er aus Tauschwitz und traf ihn so schwer in die B r u st, daß er auf der Stelle zusammenbrach. In der Charite konnte ein Arzt nur noch seinen Tod feststellen. stzreireliqiiise Gemeinde. Sonntag vorm. II Uhr in der Stadt Halle. Klolierslr. 50. Vortrag der ftrau M. Kriiibe:.Unser Unicrriiht für die aus dem Religionsunterricht abgemeldeten Kinder.'— Harmonium: Madrigal(Simonelti).— Gäste willkommen. In der Nrania, Taubenstraße, wird Emma Kotimann Ibren Vortrag ,Im Schwarzwald' am Sonntag und Miltmoch und ihren Vortrag „Frühling am Neckar' am sfreitag wiederholen. Der Vortrag.Der Men'ch und die Natur' von Vroseisor Goerke wird am Dicnsta\ und Sonnabend wiederholt weiden, am«onnabend wird der Autor denselben verlönlich halten. Am Montag gelangt der Vortrag»Insel Rügen' und am Donnerstag der Vortrag»In den Bergen Tirols' zur Darstellung. Sonntag nachmittags Nk>r wird der Vortrag»Mit dem Lustschiff nach dem Bodcnsee' zu tleinen Preisen gehalten werden. Treptow. Sternwarte. Sonntag 3 Ubr:»Sitten und Gebräuche fremder Völker', b Uhr:»Eine Reise zum Südpol' und.Ein Blick ins Weltall'. 7 Ubr:»Aus Großstadlmauern tn den Schwarzwald'. Dienstag S Uhr: Ukraimsche Voitsgesänge'. 7 Uhr:.Die Erde als Planet'(Vortrag mit Lichtbildern von Direlior Dr. Archenhold). Sonnabend 5 Uhr:.Wal- rosse. Eisbären und Alken'. Mit dem großen Fernrohr werden abends die Planeten Iuviter, Saturn und Mors beobachtet. Kleinere Fernrohre stehen zur Beobachtung beliebiger Objekte koitenio? zur Versügung. Führungen durch das astronomische Museum finden täglich in der Zeil von 2 Uhr nachmittags bis 8 Uhr abends slait. Neukölln. Der vorstand des Elternbeirats der 4. Gemeinde- sckule besteht au? den Herren Goldstein, Messer und Gricger. Be- sckwcrden sind zu richten an die Herren Goldstein, Ziethcnstr. 32, oder Gcieger. Ziethenstr. LI. Marirndorf. Südende. Gemeindevertretung. Richter sU. S. P. D.) rich et die Anfrage an den Gemeindevo: stand, wie weit die Entwaffnung der Einwohnerwehr und die Gründung einer Ortswehr vor sich gegangen ist. Es entspinnt stch eine lebhaste Debatte. Vom Schössen S e u b a ch wird darauf hingewiesen, daß die Gründung der Ortswehr nicht Sache der Gemeinde ist, sondern von den Gewerkschaften auSge- gangen ist.— Genosse Rostock ersucht um Auskunft, ob dem Ge- meindeborstand bchinntz sei, daß der Direktor deS Gvmna- fiumS Schüler dieser Anstalt mit einer Sammlung für die Grenzsvende beauftragt habe. Schöffe Heubach sagt Untersuchung dieser Angelegenheit zu.— Eine weitere Anfrage des Gcmeinde- vcrordncten Hesse(Bürgerlich), betreffend die W u r st s a b r i? der Gemeinde, findet dahin seine Erledigung, daß die Wur%° fabrik in Gemeinderegie weiter betrieben wird.— Hierauf erfolgte die Neubesetzung der verschiedenen Ausschüsse nach dem Vorschlage des Wahlausschusses. Dem Abkommen mit dem Bade- anstaltsvächter d«S Seebades Mariendors wird gegen die Stimmen der Unabhängigen zugestimmt; die entstehenden Mehrkosten werden in Höhe von 2300 M. bewilligt. Allen Gemeindeschul- lchrkräften soll der gleiche Vorschuß gezahlt werden, welcher den Gemeindebsamten und Angestellten nach den Berliner Sätzen bewilligt ist. Auch den B u r e a u h i l f s k rä f t e n wird der Vor- schuß bewilligt.— Zur Fertigstellung und Auestat- tunq des Kinderheims wurde die Summe von 155 000 M. mit der Maßgabe bewilligt, daß eine Kommission von 7 Mitgliedern prüfen soll, ob irgend welche Ersparnisse gemacht werden können. lvrost-BerNner Lebensmittel. Berlin, 250 Gramm lose S-iferffock-n(321.— In den nächsten Tagen kommen in den zum Bezirk de» Milchamts Berlin gckör-nden Gemeinden Magermil-b karten zur Ausgabe. Sie find sür keine bestimmte Zeit aus- gestellt. Wann die Belieferung der einzelnen Abschnitte b-ainnt, wird noch bcionders bekanntgegeben werben. Die Inbabcr der Maqcrmiichkarlen baben die Karten spätestens bis zum 21. Juni 1920 einschl. dem Milch- Händler vorzulegen. Hermsdorf. Bis Montag Anmeldung: 500 Gramm Haferflocken (28 und 00). Stralau. Anmeldung bis Montag: 250 Gramm Haferflocken k30 u. 31), 375 Gramm Zucker._ Groß-Serliner parteinachrichten. Heute 12. Juni: 3. und 4. Abt. VI, Uhr: Sitzung der Funktionäre bei Rickcrt, Steinmetzslr. 3S». Morgen, 13. Juni. Neukölln. 2 Ubr: Flugblaltverbreitung von den bekannte» Lokalen aus. Alle Parteigenossen haben sich daran zu beteiligen. Jugenüveranstaltungen. Heute, 12. Juni. �chttmx, KbteilunAsvorsitzenöe 1 VJ Uhr im Zentraljugkndßrim, Liudritstr. 3, 2. Hof 3 Tr. links: Abteilungsvorstäudekonferenz! Aeußrrft wichtige Tagesordnung. Alle Abteilungen müssen vertreten fein. mitbringen! Mitgliedsbücher und Ausweise Neukölln: Nachlwandenmg Bernau— Llebnltzsce. Treffpunkt 6 Ubr Hcrmaunplah.— Pankow. Nachiwanderung Pötzer Vorderiee. Treffpunkt 5 Ubr Pankow Küche. Nachzügler Sonntag srüh 6 Uhr daselbst.— Wedding: Wanderung Königswiisterhauscn— Erkner. Treffpunkt K Uhr Görlitzcr Bahnhof. Sonntag, 13. Juni. Eharlottenburg: Rofinenstr. 4 sVolkshaus): Wanderung Potsdam— Eaputh— Liencwitzsce. Treffpunkt'1,7 Uhr im Heim.— Gesundbrunnen: Bade- und Spieitour Müggclberge. Treffpunkt>/,7 Ubr Balmhos Gesund- brunncn, Eingang Badstratze.— Hermedorf: Roonstraße, Turnballen- gcbäude: Miteliederversammlung.— Lankwitz: Wanderung. Treffpunkt 5 Uhr Badnhos Lankwitz.— Siiedcrschönhausen: Wanderung Pätzer Borderse» Treffpunkt 6 Uhr Fyiedenspiap.— Prenzlauer Vorstadt: Wanderung Pötzer Vorderice. Treffpunkt 6 Uhr Bahnhof Schönhauser Allee. — Tchönhanser Vorstadt 1: Wanderung. Tressvunkt 0 Uhr Balmhos Schönhauser Allee.— Tegel: Besuch des Botanischen Gartens. Treff- Punkt 10 Ubr Endstation.— Trmpclhof: Spiclpartie nach Lichtenberg. Treffpunkt 3 Uhr Hasen Tempelhos. SenKtszeitung. Tie Bluttat in der Choriner Straße, die om 22. Januar gegen den Atthändler Koch ausgeführt worden ist und den Tod des Ueherfallcnen herbeigeführt hat, bildete den Gegenstand der Ver- Handlung vor dem Schwurgericht des Landgerichts I unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors Rohrmann. Wegen schweren Raubes mit TodeSerfolg waren der 24jährige Hilfsmonteur Alexander Sommerfeld und der 21jährige, schon wegen Betruges und Fahnenflucht vorbestrafte Reinchard Schneider angeklagt. Die Anklage vertrat Staatsanwalt Tr. Jaeger, die Angeklagten wur- den von den Rechtsanwälten Tr. Puppe und Friese verteidigt. AIS Sachverständige waren Medizinalrat Dr. Stürmer und Prof. Tr. Strauch geladen. Die Angeklagten, die übrigens schon vor dieser Tat gemeinsam einen Einbruchsdiebstahl begangen baben, waren im allgemeinen geständig, vergossen reichlich die üblichen KrokodilLträncn, waren sich jedoch darüber nicht einig, wer der Spiritus rector zu der Tat und wer der Hauptschuldige war.— Das Gericht verurteilte auf Grund des Spruches der Ge- schworenen Sommerfeld zu 12 Jahren Zuchthaus, Schneider zu 13 Jahren Zuchthaus und Ehrverlust auf die Dauer von zehn Jahren. Mus aller Welt. Schnee im Juni. In Schierke im Harz ist in den letzten Tagen Schnee gefallen. ffiheinpiraten. Die Schiffsberaubungen auf dem Rhein Hab«: einen derartigen Umfang angenommen, daß in Nierstein ei» Sondergendarmeriekommando zur Ueberwachung eingerichtet wurde, Ttznamit gegen Denkmäler. Der„Oberschlesischen Morgen- zcitung" zufolge wurden in R o s d z i n- S ch o p p i n i tz die Denk- mälcr Wilhelms I. und seines Nachfolgers durch Dynamit be- schädigt. ErstereS wurde vollständig zerstört, bei letzterem wurde der Sockel zersprengt. Tie Minenverscuchung. Das englische Schleppboot Bothwoll, da? den mit Salpeter bcladcncn Dampfer Santa Theresa schleppte. ist auf der Höhe von T e r s ch e l l i n g auf eine Mine gestoßen und gesunken. Sechzehn Personen sind ertrunken. Bergarbeitertod. In der belgischen Zeche von Chatelineau stürzte der Förderkorb ab. Seck? Bergleute wurden getötet. Aus der Grube Hundaria bei TemcSvar flog das Dynamit- depot in dem Augenblick in die Luft, als die Arbeiter den Schacht verlassen wollten. Bis jetzt wurden 173 Leichen geborgen. 30 Berg- leute wurden mit schweren VergiftungSerscheinungen ins Spital gebracht. Ihr Zustand ist sehr ernst. 20 Bergleute werden noch vermißt. Es wurde eine Untersuchung eingeleitet. English! Gold „The Manchester Guardian is. Parto.Brosch. -ea. Wlttporto. Fabrik Weiter, Zttcderbretstg a. Rh. Abi. AO -FQIIhaUer, grösste Auswahl, von M. 45,— an Vartre'.sr gesucht Alte Halter nehmen in Zahlung f'RRUlM Proapekt gratis Frierfpiohstr. 74 u. 183 Fink M. 50,- 89,- 26,- 20,- p. Fl, einschL Flasche und Frcigeld. Parlüme sowie erstklassige kosmetische Präparate Mapeiiliitter. PflifleraDzen. . MJ5- .* i'D.liÜ .«§5— « 35, SO iSchwarzwaWlsilt.„ Z8.8Ü Sind Lungenleiden heilbar? ääÄ kulose, Asthma, Schwindsucht, Lungenspitzenkatarrh. 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Wahlkreis Thüringen iSachscn-Tbüringen) ist nunmehr festgestellt. Es erhalten: Sozialdemokraten(Reihhaus) 2 Sitze bei 42 567 Reststimmen, llnabbängige(Bock) 5 Sitz« bei 24 527 Reststimnien, Deutschnationale(Graf) 1 Sitz bei 31 134 Reftstimmen, Demokraten lBäumer) 1 Sitz bei 28 626 Reststimmen, Kommunisten(Zetkin) keinen Sitz bei 20 289 Reststimmen, Thüringer Landbund(Döberich) 2 Sitze bei 56.531 Reststimmen, Zentrum(Poppe) keinen Sitz bei 48 472 Reststimmen, Teutsche Volkspartei(Leutheujser) 2 Sitze bei 27 484 Reststimmen Nach dem amtlichen Wahlergebnis des Wahlkreises 3(Lieg- n i tz) sind dort im ganzen 573 156 gültige Stimmen abgegeben wor- . den, davon Soz'aldemok'aren 184 531(3 Sitze), Rest- stimmen 4531; Unabhängige 66 665(1 Sitz), Reststimmen 5; Demo» traten 72 682(1 Sitz), Reststimmen 12 682; Teutschnationale 118181(1 Sitz), Reststimmen 58181; Zentrum 51876(keinen Sitz); VolkSparteiler 73 72g(1 Sitz), Reststimmen 18 72g; Kommunisten 5587(keinen Sitz); Lausitzer Volkspartei 1559(keinen Sitz). Im Wahlkreis B r e s l a u ist das amtliche Ergebnis wie folgt: Abgegebene endgültige Stimmen 883 561. Es haben erhallen Deuischnarionale 161 266, Deutsche Volkspartei 97 36g, Demokraten 56566, Zentrum 177 685, Mittelstandspartei 11 870, Sozial- demokraien 317 379, Unabhängige 58 686. Es sind gewählt:, Deutschnationale Volksvartei 2. Deutsche Volkspartei 1, Zentrum 2. Sozialdemokraten 5«itze. Durch die Bereinigung der Restsrimmen aus dem Wahlkriefe Breslau und Liegnitz ergibt sich für die Demokraten 1 Sitz im Wahlkreis Breslau, für die Deutsch- nationalen ein weiterer Sitz im Wahlkreise Liegnitz. Das Wahlergebnis für den Kreis Köln- Aachen ist das folgende: Zentrum 443 286, Christliche Volkspariei 23 519, Deutsch: Bolkspartei 77 498, Deutschnational 33 933, Demokraten 84 997, Sozialdemokraten 176 9 2 7, Unabhängige 76 636. Das Zentrum erhält 7, die Sozialdemokraten 2, die U. S P. 1, die Deutsche Volkspartei 1 Mandat. Schwere Zusammenftöße be! Krupp. E s s e n, 10. Juni. WTB. Am 9. Juni nachmittags zogen mehrere hundert Arbeiter vor daS Verwaltungsgebäude der Kruppschen Friedrich-Alfrcd-Hütte in R heinhausen und suchten von der Werkslcitung sofortige Zusage von Lohnerhöhungen zu er- zwingen. Die Verwaltung erklärte, hierüber nur mit dem B e- tricbsrat als der gesetzmäßigen Vertretung der Arbeiterschast verhandeln zu können. Tie vor dem Gebäude demonstrierende Menge war inzwischen stark angewachsen und legte nach einigen Reden ihrer Führer sofort das gesamte Werk still. Arbeitswillige wurden aus den Werkstätten vertrieben. Tie Ausführung von Notstandsarbeiten wurde mit Gewalt verhindert. Es kam zu Ausschreitungen und Mißhandlungen. Die Fried- rich-Alfred-Sütte mit 8500 Mann Belegschaft liegt seitdem völlig still. Keinerlei Notstandöarbeiten werden verrichtet. Der Betriebsrat der Hütte war von der Aktisn nicht verstän- digt und vermochte bisher wenig Einfluß auf die Tumultanten auszuüben. Der Schaden rechnet schon jetzt nach Millionen, denn infolge de? plötzlichen Ausbruchs des Tumults und der ge- waltsamen Verhinderung der wichtigsten NststandSarbeiten konn- tsn ausreichende technische Vorbereitungen, wie ste beim Stillegen von Hütten uötig stnd, nicht getroffen werden. Daher ist auch, wenn die Hülte wieder zum Arbeiten kommt, eine Inbetriebnahme im alten Umfange auf längere Zeit und die Weiterbeschäftigung der vollen Belegschaft unmöglich. Eine Störung der übrigen Kruppschen Werke, die von Rheinhausen ihre Rohstoffe beziehen, und der von ihnen wieder belieferten weitervcrarheitenden Bc- triebe wirb um so weniger zu vermeiden sein, je länger die tumnl- teiarische Störung in Rheinhausen anhält. Inzwischen haben dir Arbeiter eingesehen, daß ste ans diese Weise nur sich selbst und die Allgemeinheit schädigen; ste haben die Arbeit wieder aufgenommen, so baß nun verhandelt wird. Die Arbeiter sollten aber mit den Putschbrüdern abrechne», die sich reichlichen Lohn der N u tz n i e h e r des B o l s ch e- wistenschreckenS verdient habe». Die BesatzungSbchörde hatte die Namhaftmnchung der Führer verlangt. DaS hat vielleicht zur Beendigung des Streiks beigetrage». Iunkererpressung. Zwischen dem kommissarischen Landrat des Kreises Nelistettin, Genossen Passehl, und dem in der Mehrheit deuiichnationalen Kreis- rag ist ein Konflikt ausgebrochen. Der frühere Landrat. der Erz- Herrenhäusler V. Hcrtzberg- Loitin wiegelt Amis-, Guts- und Gemeindevorsteher zum Streik aus. um die Ab- dankung oder Abberufung des kommissarischen Landrais Passehl zu erzwingen. In einer öffentlichen Erklärung stellt v. Hertzberg es außerdem noch io dar, als ob heutzutage Landräie nicht von der Regierung auf dem gesetzlichen Wege, sondern von der Sozial- d e m o k r a t> e mit Gewalt eingesetzt würden, Hierzu erfährt die„Dena* von zuständiger Seite: Die Preußische , Staaisregierung ernennt nach pslichlgemäßem Ermessen und nach Prüfung aller in Betracht kommenden Verhältnisse die kommiffarischen Landräie. Sie wird sich von der Wahrnehmung dieses ihres Rechtes auch durch keinerlei Drohungen oder ungesetzliche Gcwaltmaßiiahmen beeinflussen lassen. Selbstverständ- MDlich bleibt das Rech: der Kreistage, vor der e n d g ü l t i g e n Er- nennung eine» Landraies das Vorschlagsrecht auszuüben, gewahrt. Beschwerden gegen Veaniie wird die Regierung nach wie vor auf das obfeitivste prüien und sie bat infolgedessen auch in der vor- liegenden Sache umgehend Bericht eingefordert. Er weiß von nichts... Mit dem Hakenkreuz geschmückt, flattert nnS ein Briefbogen des.Deuischen Herold. Vereinigung der Leser und Anhänger der Deutschen Zeitung", auf den Tisch. Unterschrieben ist der Brief von Herrn Werner von Heim bürg, von dem einer der in der „Freiheit" abgedruckten und von unS zitierten Spitzelbliefe stammen sollte. Herr Heimburg versichert, daß er weder jenen Brief ge- schrieben habe, noch sonst etwas von der Sache wisse. Die Herren Raich und von Seelhorst seien ihm völlig unbekannt, und er habe von dem angeblichen Brief erst durch die.Freiheit" erfahren. In der.Freiheit" finden wir eine Berichtigung noch nicht. nehmen aber an, daß sie als(Quelle des Spitzelbriefes die Echtheit in genügender W:ise nachweisen wird. Oröenssegen bei üer Man schreibt uns: In letzter Zeil wird an einige Beamte der Poftverwoltung das Ei'erne Kreuz II am weiß-sefewarzen Bande verlirben. Der Grund der Verleihung ist nicht ersichtlich. Mit der Verleihung von Lrden uiw. schaffen wir nicht aufrechte Menschen, sondern man erziebl dadurch nur Schmarotzer. Wir können unser schwergeprüftes Volk nur vorwärts bringen, wenn sich der versöhnende Geist des Sozia- Iismus Bahn bricht, der allen Menschen das Recht auf Atbeit und eiue DaseinSberechrigung sichert. Sind alle Bolkegenvssen von diesem Geiste durchdrungen, dann sind Titel und Ordensauszeichnungen jetzt und in Zulnnst überflüssig. Moskau gegen K. p. d. Keine Gnade für Lauffenberg. Stockholm, 11. Juni. In einer Erklärung der Moskauer kommunistischen Internationale wird über das Verhältnis zu den deutschen Kommunisten ausgeführt: Die deutsche kommunistische Arbeiterpartei hat in allen taktischen Fragen mit der kommunisti- schen Internationale sich in Widerspruch gesetzt. Das Ersuchen der Partei um Aufnahme in die kommunistische Internationale wurde von dem Hauptausschuh dahin beantwortet, die Partei könne Zutritt erhalten, wenn sie sich verpflichtet, sich allen Beschlüssen des Kongreffes zu unterwerfen und vorher die nationalistisch ge- sinnten Gcgcnrevolutionäre aus der Partei ausschließt. Vergewaltigung üeutscher volksgenoßen. Studentischer Verfassungsbruch. Wir werden um Aufnahme folgender Zeilen gebeten: In schroffen Gegensatz zur Reicksverfassung(Gleich- berechtigung aller deuischen Staatsbürger) stellten sich die Studierenden der Technischen Hockichule H a n n o v e r, indem die Herrchen in ihrem Uebermut durch schriilliche Abstimmung mit 1255 gegen 606 Stimmen beschlossen, die deutschen Studenten jüdischer Abstammung vom.Allgemeinen Stadentenverband" aus zu- ichließen. Damit haben sie den vom Studentenverband gewählten .Allgemeine» Studentenausschuß'(Asta), der eine Behörde ipielen wollte, zu einem.Berein antisemitischer Studenten" degradiert. Der Beschluß ist aus die vorhergegangene maßlose Hetze des.DemschvöUischen Schutz- und TrutzbundeS" zurückzu- führen, der in den jungen, unreifen Hitzlöpfen der deutschen Hoch« schulen von Anfang an den meisten Anhang fand. DaS find die Leutcken, die sich zu Führern dcS deutschen Volkes berufen wähnen I Der Rektor der Technischen Hochschule Hannover hat bereits die Anerkennung eines.Asta", der nicht von allen deutschen Stu- denten gewählt ist, abgelehnt._ ßranzösische Strafmaßnahmen. Bürgermeister Dr. G e i ß l e r in Gleiwitz erhielt von dem französischen General den Auftrag, über die Vorgänge von Donnerstag nacht auf der großen Mühlstraße keinen Bericht nach Berlin zu erstatten, ferner die Genehmigung einer zur Frei- tag einberufenen Massenversammlung im Stadtgarten, in der energischer Prolest gegen daS Gebaren der französischen Soldaten erhoben werden sollte, nicht zu erteilen. Trotz Strafandrohung hatte er diesem Befehl mit der Begründung nicht ewtsprochm, daß zur Erteilung eines solchen Verbots die Franzosen allein ircht befugt seien, vielmehr eine Entschließung der Alliierten, wozu auch die Engländer, Italiener und Amerikaner gehörten, erforderlich sei. Er ist deshalb seines Amtes enthoben worden. Lester der Stadtgemeinde ist, da der Oberbürgermeister noch beurlaubt ist, Stadtrat Jeenel. Vom französischen Kriegsgericht m Landau(Pfalz) wurden wegen Abdrucks eines Artikels über die schwarzen Besatzungstruppen, in dem die französischen Behörden eine Beleidigung erblickten, nachstehende Angeklagte verurteilt: Fritz Blaufuß, Verleger des.Nordpfälzer Tageblatts" in Rockenhausen, zu 10 000 M. Geldstrafe, Peter Stein, Redakkeur dieser Zeitung, zu 6666 M. Geldstrafe, Buchdruckereibesitzer und Verleger de?.Krrchheimbolandener Anzeigers" Ad. Thiemr zu einem Monat Gefängnis und 16 666 M. Geldstrafe, Karl Müller vom„Siufeler Tageblatt" zu 1666 M, Geldstrafe, Friedrich Porth, Verleger des „Lokalanzeigers" in Odern heim am Glan, zu 1666 M. Geldstrafe. Umgekehrter Köllerkurs. Der Genera laus st and hat sich in Südjütland auch auf die Zeitungsbctricbe ausgedehnt, so daß Zeitungen nicht mehr erscheinen. Die Internationale Kommission hat neuerdings zehn Streikende aus Sonderburg und Umgebung ausgewiesen und nach Flensburg geschafft. Ihre Familien erhielten Befehl, bis zum Sonntag das Gebiet der ersten Zone ebenfalls zu verlassen. Die Stadtverordneten von Sonderburg lehnten mit 13 gegen 8 Stimmen einen dänischen Antrag auf Bewilligung von 26 666 Kronen für die Ausschmückung der Stadt anläßlich des Besuches des dänischen Königs ab. innere Ententesorgen. Amsterdam, 11. Juni,(WTB) Im englischen Unterhaus« sagte Lloyd George auf eine Frage: Die Schwierigkeiten, die zwischen Polen und der Tschechoslowakei entstanden sind, werden augenblicklich von der Botschafterkonferenz in Paris a u f m e r k- sam geprüft. Die Botschafterkonferenz ist in Verbindung mit den Vertretern beider Staaten. Die: i chech o s l owak i s che Re- gierung hat auch die Aufmerksamkeit des Völkerbundes auf den Streitfall gelenkt. Auf jeden Fall wird die englische Regierung alles tun, was in ihren Kräften steht, um eine friedliche Lösung herbeizuführen. Die Umstände sind unglücklich, aber ich habe die beste Hoffnung auf eine glückliche Lösung. Es sei unglücklicherweise richtig, daß die Ansicht der polnischen Regierung einerseits und der Bürger von D a n z i g anderseits über die angemessene Auslegung der Artikel 166 bis 168 des Friedensvertrages weit auseinandergehen. Sir Reginald Tower bemüht sich, eine Grundlage für eine Einigung zu finden. Lloyd George fügte hinzu: Nach Artikel 164 des Versailler Vertrages hätte die Entente die korrekte Auslegung des Vertrages zu regeln. polnischer Sieg? Warschau, 11. Juni.(Deutsch-Polnischer Pressedienst.) Im polnischen Heeresbericht vom 16. Juni heißt es: Die am 16. Ma: begonnene, große Schlacht an der B eres! na, die von beiden Se:- ten mit ungeheurer Kräfteanspannung geführt wurde, ist mit un- serem endgültigen Siege abgeschlossen worden. Der Feind, der vor der. Front der Armee des Generals Soenkowsii neun Infanteriedivisionen konzentriert hatte, bemühte sich, am 8. Inn � aufs neue die Initiative in seine Hände zu leiten, und führte alle seine verfügbaren Kräfte zum Angriff heran. Es entwickelten sich blutige und hartnäckige Kämpfe, hauptsächlich auf dem Abschnitt der 8. Infanteriedivision und des Generals Z-lichowSki. Während dieser Kämpfe wechselten einzelne Ortschaften mehrere Male ihren Besitzer. Endgültig war der Gegner schon am 8. d.M., abends, auf der ganzen Linie abgewiesen. Am 9. Juni gingen unsere Truppen zum Angriff über und schlugen entschlossen das Gros der feindlichen Kräfte, das auf die Linie des Flusses Auta zurückge- warfen wurde. Es wurden bisher über 366 Gefangene und 57 er- beutete Maschinengewehre gezählt. Pilsudski konfisziert. Die„Soldauer Zeitung" ist durck die polnischen Behörden auf ackr Tage verboten gewesen. Das Verbot ist deshalb ausgesprochen worden, weil das Blatt de» pon W. T. B. verbreiteten polnischen Heeresbericht veröffentlicht har. Die Krise in Oesterreich. Wien, 11. Juni.(Eigener Drahtbericht des„Vorwärts") Präsident Seitz hat den Rücktritt des Kabinetts Renner ange- nonimen und es mit der einstweiligen Fortführung der Geschäfte betraut. Im Hauptausschuß der Nationalversammlung, der abends zu- sammentrat, erklärte Dr. Bauer namens der Sozialdemokraten, es sei Sacke der bürgerlichen Mehrheit, die sich in der Donnerstagsivung der Narionalversammlung gegen die bisherige Regierung zusammengeschlossen und dadurch die Krise unmittelbar ausgelöst habe, eine neue Regierung zu bilden; daher müsse es den bürgerlichen Parteien überlassen bleiben, denjenigen namhaft zu mache», der Vorschläge über die Neubildung der Regierung zu machen habe. Der Sozialdemokratische Verband sei an der Wahl der Person nicht interessiert. Demgegenüber stellte Dr. WeiSkirchner namens der Ehristlichfozialen an den Präsidenten die Anfrage, ob er nicht ge- neigt wäre, die Führer der drei Parteien zu hören. Der Präsident h a t für Sonnabend vormittag die Führer der drei Parteien zu sich geladen. » Wien, 11 Juni.(Eigener Drahtbericht des„Vorwärts".) Wie die Lösung der Regierungskrise schließlich erfolgen wird, läßt sich im Augenblick schwer voraussagen. Sicher ist vorläufig nur, daß der Konflikt zwischen den Christlichsozialen und den Sozialdemo- kraten sich im Laufe des heutigen TageS wesentlich verschärfte. Die Ehristlichsozialen haben sich vormittags in einer Resolution auf die Forderung der Zurückziehung jener VollzugSanwei- fung des Staatssekretärs für das Heerwesen Gen. Deutsch festgelegt, die unmittelbar zu dem schweren Zusammenstoß mit den Sozialdemokraten in der Natwnalversammlung geführt hatte. Andererseits lehnen die Sozialdemokraten bis in die Reihen ihrer äußersten Rechten jede weitere Konzession an die Christlichsozialen ab und wollen es ruhig darauf ankommen lassen» daß diese versuchen, einmal ohne die Sozialdemokraten oder gar gegen sie zu regieren. Ein solcher Versuch wäre vollständig aus- sichtsloS. Darum ist auch so wenig von einer Koalition der Ehristlichsozialen mit den sogenannten Großdeutfchen die Rede, einer Koalition, die in der Nationalversammlung rein ziffernmäßig zwar eine kleine Mehrheit hätte, sich aber sehr rasch als ganz und garnicht tragfähig erweisen würde. Auch von einer A u f!ö s u n g der Nationalversammlung und von Neuwahlen wird kaum gesprochen. Wissen doch die Christlichsozialen, daß Neuwahlen in den nächsten Wochen gerade dem so starken a g r a- r> s ch e n Teil ihrer Anhänger nichts weniger als willkommen wären. Immer wieder erörtert wird aber die Möglichkeit einer Wiederherstellung der Koalition auf einer neuen Grundlage. Diese wäre allerdings nur in einem bestimmt abgegrenzten Arbeitsprogramm, über dessen Durchführung bin- dend« Abmachungen getroffen werden müßten, gegeben. Es scheint nicht, daß die Sozialdemokraten wesentliche Einwendungen gegen eine Aenderung in der Besetzung verschiedener leitender Re- gierungsstellen erheben würden, boransgesetzt, daß damit nicht eine Verschiebung des Kräfteverhältnisses innerhalb der Regierung«in- treten würde.Aber für völlig ausgeschlossen erklären es alle maß- gebenden Persönlichkeiten der Sozialdemokratie, daß eine solche Aenderung sich auch auf das Ressort des Staatssekretärs für Heerwesen erstrecken dürfte, weil die Sozialdemokraten nicht gesonnen sind, in der prinzipiellen Frage, die von den Christlich- sozialen durch den Angriff auf den Staatssekretär Deutsch aufge- rollt worden ist, auch nur um ein Jota nachzugeben. Wie es heißt, würden es die Christlichsozialen nicht ungern sehen, daß Otto B au e r in einem neuen Koalitionskabinett die Kanzlerstelle über- nähme. Die Motive sind natürlich sehr durchsichtig. Die Christlichsozialen hoffen einfach, auf dies« Weise einen Teil der politischen Kraft Bauers, die ihnen, seit er außerhalb des Kabinetts steht, oft doppelt unangenehm wurde, zu„neu- tralisieren". Wie die Dinge liegen, ist in den nächsten Tagen die Lösung der Krise kaum zu erwarten; denn es ist nicht anzunehmen, daß die Christlichsozialen so rasch begreifen werden, wie sehr sie sich diesmal wieder verrannt haben. Die Sozialdemokraten kön- nen aber ruhig warten. Sie sind fest entschlossen, unter keiner Be- dingung einen Zustand weiterbestehen zu lassen, in dem die Christ- lichsozialen zwar alle Vorteile ihrer Zugehörigkeit zur Koalition in Anspruch nahmen, aber sich nichlsdestoweniger für berechtigt hielten, die Politik deS Kabinetts, dem ihre Vertrauens- männer angehörten, als ausschließlich sozialdemokratische Parteipolitik zw bekämpfen I � ♦, In Graz haben die sozialdemokratischen Mitglieder der Landes regierung und des LandcsratS, der Bürgermeister und die sozialdemokratische» Stadträte ihre Mandate nieder- gelegt, weil ihre Forderung nach Entfernung de? Gendarmerie- kommandanten, de» sie für die lebte Schießerei verantwortlich machen, nicht erfüllt worden ist. Es wurden damals ll Personen getötet. Seither wurde das Standrecht verhängt und Truppenverstärkung herangeholt. Salzburg wünscht Anschluft. Der Landtag von Salzburg beauftragte den Landesrat, den Anschluß an Deutschland bzw. an Bayern nach wie vor energisch weiter zu verfolgen. Es wurde getrennt abgestimmt. Die Worte „bzw. an Bayern" bildeten einen zweiten Antrag, der ohne die Stimmen der Sozialdemokraten angenommen wurde. Die Sozialdemokratische Partei kennzeichnete ihren Standpuntt dahin, daß sie nur für den Anschluß der ganzen Republik au das Deutsche Reich sei und nicht für den länderweisen Anschluß eintrete. Kritische 5age in Albanien. Abkommen zwischen Essai» Pascha und Süd-Slawie« gefle» Italien? Rom, 11. Juni. Ein Telegramm aus V a l o n a an den „Temps" vom 9. Juni begeichnet die dortige Lage als unverändert» die Stadt sei von Rebellen u m z i n g e l t, �»ie bis auf zwei Kilometer herangekommen seien und die von den italienischen Truppen verlassenen Swllungen besetzt hätten. Der italienische Befehlshaber habe Berteidigungsstellungen anlegen lassen.. „Temps" fügt hinzu, daß ztvischen Essad Pascha und der Belgrader Regierung ein Abkommen zustande gckom- men sei; nach diesem wolle Essad Pascha seinen ganzen Einfluß in Albanien für Süd-Slawien ein'etzen, das seinerseits die Unabhängigkeit Albaniens schützen und Essad Pascha zum Gouverneur auf Lebenszeit ernennen würde. Nach Essads Ab» leben würden seine Rechte auf den albanischen Thron auf Süd- Slawien übergehen. Um Genf. Gegon den Genfer Kongreß hat sich auch die tschechische Sozialdemokratie entschieden. Dagegen haben Holland und Däuemari ihre Beteiligung erklärt. GewsrMQstsbewegung 10. verbanöstag Oer Deutschen öuchörucker. Nürnberg, 10. Juni. Der Verband der Deutsdben Buchdrucker hält in der Woche deS 14. Juni seine 10. ordentliche Generalversammlung in Nürn« berg ab. Der Mitgliedersiand bat sich im Berichtsjahr um L0 361 Mit- glieder gehoben und damit bis aus eine geringe Differenz den Stand erreicht, der zu Beginn des Kriege» vorhanden war.