Nr. 303■» Z7.?ahrgang Ausgabe 3 Nr. 14 BeznaSpretS t S itfdiältrl.SO.— JJi�.monotl.10,— SRi. frei in» jjou». oorcua inhidac. Poft- üeiua Monatlich 10,—-DIL«fl. Su- (teüunqsqtbüht. Unter SUturbanb für Stutidilanf, nnö Defterrctdi 16." 0 31t, für so» librtoc Äualono oet loqlich einmal. Suftellnnr 2150" atoftie. ftellunqen ipbmen in Oestemeick� Unjatr, Tschecho- Slowakei, Uane» man. Sattana.-u emnutq. Schweden an» itc Sdiroeo,— imqetroaen tu 6ie Daü- eittna» Dreislffte. S«..■Bonnart«* mit Bet Sonnmq«- beilage„Bült u. Seit* endietni mortien. läzliw tweimo Sonntage und Mo» tag»"nmat Zeieaiomtn-Äirege �S«,lalt>e«,olr.1 1 i>0—>.»>»7. Die Krise vor öer Lösun, 7 Mie wir erfahren, sind die Verhandlungen über die Bil- dimg einer Regierung der bürgerlichen Mitte im Laufe des heutigen Bormittags weiter fortgeschritten und scheinen seht unmittelbar vor dem Abschlug zu stehen. Für den Kanzler- Posten ist nicht der Abgeordnete T r i m b o r n vorgesehen, der sich von Ansang an aus eigenem Willen aus.die Rolle des Ver- Mittlers beschränkte, sondern ein anderer Zentrumspolitiker._ Einberufung öes Reickstags. Zusammentritt am 24. Juni. Berlin, 16. Juni.(Amtlich.) Ter Präsident der Nationalversammlung erläsit folgende Bekannt- machung: Auf Grund der Artikel 27 und 186 der Ber- f a s s u n g wird der nengewählte Reichstag berufen, am Tonnerstag, den 24. Juni 1920, nachmittags 3 Uhr, zusammen- zutreten. Der Präsident der Nationalversammlung: Frhrenbach. Gewerkfchasten und Regierungsbilöung. DaS„Korrcspondenzblatt" der Gewerkschaften vcröffcnt- lichte iii seiner letzten Nummer einen Aufsatz, der sich für die Aufrechterhaltung der bisherigen Koalition zwischen Sozialdemokratie. Zentrum und Demokraten erklärte. Bürger- liche Blätter folgern daraus, die Gewerkschaften seien für die Wiederherstellung der alten Koalition eingetreten, die damit auch sehr wahrscheinlich geworden sei. Blanche Blätter würden sich in diesem Fall, wie es scheint, eine„Diktatur der Gewerk- schatten" ganz gerne gefallen lassen. Zu dieser Angelegenheit wird un? nun aus dem Bureau des Allgemeinen- Gewerksckpftsbunbes mitgeteilt, daß es sich um eine rein redaktionelle Auslassung des„Kor- respondenzblattes" handelt, durch die die Haltung der Gewerk- schasten in keiner Weise festgelegt wird. Diese haben zur Frage der Regierungsbildnng bisher noch keine Stellung genommen, sondern ihre Lösung den politischen Parteien überlassen. Was wirü in Mecklenburg! Niederlage und Aufgabe der U. S. P. Auch in Mecklenburg- Schwerin, wo am 13. Juni die Landt aas Wahlen stattfanden. haben die ll n a b- b ä n g i g e n zu entscheiden, ob das Land wieder den Junkern und ihren Vasallen ausgeliefert werden oder eine sozialistisch- deniokeatische Regierung amten soll. Die Wahlen hatten folgendes Ergebnis: Tozialdemokraten..>78 473 St., 26 Abgeordnete Unaeiiängi ie.... 24567, 6, Konimuii'steii.... 1 178,— r Demotiaien.... 22263 ,4, Deunktic Volksvarlei. 48 717, 10, Deulichnaiionat... 71341 ,14, Doridund..... 24 188, 5, Auf je eOOO Stimmen fällt ein Mandat; ist der ver- bleibende Rest mehr als die Hälfte von 3000, so zählt er für voll. Die Rechtsparteien haben insgesamt 29 Sitze, die bisherige Koalition(Sozialdemokraten und Demo- traten) hat dagegen 30 Sitze. Die Unabhängigen bilden. da eine rein sozialistische Mehrheit nicht vorhanden ist. das Zünglein an der Wage: ob sie m i t r e g i c r e n wollen, sei es auch nur mit einem einzigen Demokraten zu- iamiiien, oder ob sie statt dessen alle Macht an die I unker jäu st e und deren Vetternschait ausliefern wollen! Handeln die fünf Mann nacks dem Berliner Rezept der „Freiheit", dann tun sie nichts als deklamieren. Handeln sie aber nach dem Berliner Rezepi Dittnianns. dann könnten sie. wenn sie wollten. Es fragt sich nur, o b sie wollen! Das endgültige Nesultat. Schwerin, 16. Juni.(Eigener Drahtbericht des„Bor. wäris".) Tie Niederlage der Unabhängigen in Nlecklen- bürg stellt sich nach dem Endresultat der letzten Wahlen als noch größer heraus, als ursprünglich angenommen wurde. Die So. zialdemokratcn gewinnen gegenüber der NeichSiagswahI 8650 Stimmen, dir Unabhängigen verlieren 11395 Stimmen, die Kommunisten verlieren 1400 Stimmen. Insgesamt wurden abgegeben: Deutschnatioaale 71841, Deutsche BolkSpartei 48 717, Wirtschaftliche Bereinigung 24 188, Demokraten 22 203, Sozialdemokraten 128 478, U. S. P. 24 5K7, Kommunisten 1178 Stimmen. Die Mandatsverteilung isi folgende: Deuisch- nationalr 14, Volkspartei 10, Wirtschaftliche Bereinigung 5, Dem». kraien 4, Sozialdemokraten 26, U. S. P. 5 Mandate. Die Wahl- betciligung betrögt 80 Proz. Ver ftrbe'termorö von Thai« Kassel,>6. Juni.(E. gener Drcrbtbericht de?..VonvärlsM Unter dem Vorsitz des Kriegs-zerichtsrats Reis begannen gestern vor dem Kriegsgericht der 22. Dwision die Verhandlungen gegen die Mar- burger Studcntsnze-itfreiwilligen. Vertreter der Anklage ist Dr. L u r e n. Verteid.ger Rechtsanwalt Dr. Lüttgcngrube. Bei dem großen Andrang des Publtkums würden nur die imt Eintrittskarten versebenen Personen zugelassen, und dies waren in der Hariptirche Korps st udenten die vermutlich aui Grund gutcr Beziehungen Einlaßkurren erhalten hatten. Die Sitzung wird um>0 Uhr durch den Vorsitzenden eröffnet Gegen d'e Zuiamnwnsetzung des Ge- e ch-td neben zwei Juristen außerdem einen Li f f i z i e r- st e! l v e r t r e l e r..inen � b e r j a g e r und elnen B e i r e i t e n nrbäll n-enbei sich-n längeren juriitischen Ansküb�ungen der Ver- widiger und iarde ri ba unter den Angeklagten mebrere ebemaltge Eisigere nnd die Erietzung des Gerrotien durch e�n n ü'' i' z> e r Diesem Antrag« wtrd st a l l g e g e b e n. Von den Angeklagten find die meisten ehemalige Offiziere. Sie sind sämtlich Stu» d e n t e n. Der Hauptangcklagtc G o e b e l ist 20 Jahre, aktiver Offizier a. D. und Student der Rechte. Er sagt aus: Am Morgen des 2b. März erhielt ich den Befehl, die in Thal festgenommen in einer Entfernung von 500— 1000 Meter hinter dem auf Gotha marschierenden Bataillon zu führon. Die Häftlinge wurden zu Zweien geführt, ausgenommen der zuerst festgenommene tz o r n s ch u h, rechts und links se ein Begleitmann. Der erschossene Horrischuh, welcher als besonders gefährlich geschildert wurde, wurde am Ende des Zuges von drei Bewachungsleuten geführt. Währcmd ich arr der Spitze marschierte, fielen auf einmal hinten Schüsse, und als ich mich nach dem Grunde erkundigte, denn infolge des Nebels konnte ich nicht alles überschauen, erfuhr ich, daß Hornschuh plötzlich einen Fluchtvcrfuch gemacht habe und dann erschossen war- den sei. Durch diesen Vorfall war ich mi-t den drei Begleitleuten etwas zurückgeblieben, und ehe wir den Anschluß an unsere Ko- könne wieder erreicht hatten, sahen wir plötzlich die beiden letzten Gefangenen nach links entfliehen. Da sie auf unseren Anruf nicht stehen blieben, gaben wir einige Schüsse ab, so daß sie sofort zusammenbrachen. Dann kamen wir in Mechterstedt an. Da hier eine Stockung in dem marschierenden Bataillon eingetreten war, mußten wir, um den befohlenen Abstand wieder herzustellen, halten, wobei die h.nzu- kommende Bevölkerung eine drohende Haltung einnahm unh sich erst, nachdem wir gcdroht hatten, von unserer Schußwaffe Gebrauch zu machen, langsam zurückzog. Da ergriffen plötzlich die Heiden letzten Gefangenen die Flucht, und die dadurch eingetreten« Ver- wirrung benutzten die beiden vordersten Gcfangencn, um ebenfalls zu entfl.ehen. Sämtliche vier Flüchtlingr wnrde« sodann erfchessea. Als wir, um den Anschluß an das Bataillon nicht zu ver» lieren, eilig weiter marschierten und den übrigen acht Gefangenen Vorhaltungen über das Unzweckmäßige eines Fluchtversuches machten, rissen alle plötzlich wie auf Kommando aus, einige nach vorn, die anderen rückwärts. Da eine Wieder- festnähme der Entflohenen ausgeschlossen erschien, machten wir von unserer Schußwaffe Gebrauch, wobei sämtliche Flüchtlinge er- schössen wurden. Die Leichen ließen wir liegen, da wir uns beeilen mußten, um den Anschluß an das Bataillon zu er- reichen und andererseits Feindseligkeiten von feiten der Bevölke- rung zu befürchten hatten. Beim Bataillon angekommen, erstattete ich von den Vorgängen Meldung. Die Tatsache, daß die Erschossemen fast alle tödliche Kvysschllsse auswiesen, glaubt der Angeklagte als zufällig bezeichnen zu müssen, da man einfach bltndMngs auf die Fliehenden geschossen Hobe ES ist erwähnenswert, daß die Untersuchung ergeben hat. daß die Leiche deS Hornschuh Schüsse von der Seite, von hi n t e n und auch.einen Herzschußvon vorn ausweist, außer- dem, daß jeder einzelne Schuß allein tödlich war. Auf die Frage, wo auf den Autos> besonders aufreizende. Inschriften gewesen waren, sagt Goebel, die AutoS hatten nichts auszuweisen als die vorschriftsmäßigen Totenköpfe. Es folgt dann die Vernehmung der Angeklagten Engelbrecht, Jahn Kias, welche den zuerst erschossenen Hornschuh zu bewachen hatten Enge>brechi gibt an. daß er als letzter etwas zurückbliev. j um sich eine Zigarette anzuzünden. Bei dieser Gelegenheit sei Pwrnschtih enthoben. Die Aussagen der beiden anderen Ange- klagten stimmen ziemlich mit denen Engclbrechts überein. � Da da« Gericht am folgenden kage die Verhandlungen an dem patorie iortietzen will wurden die Verhandlungen in Marburg abgebrochen. Am Donnerstag tollen dann die Zeugcnvernebmun- gen stattfinden. i»ie wohl ziemlich umfangreich sein werden, da 40 Zeugen geladen sind. j VorwärtS'verlag S.m.b. h., EW. öS- LuSenftr. 3. Uernivrecher: Amt Aliorikvla«, Nr. 117 53—54. Staötfinanzen und Wahlen. Von Hugo Poetzsch. Es ist hier schon oft gesagt worden, daß der Kommunalpolitik, den Vorgängen im Berliner Stadthaus, von der Ber- liner Bevölkerung und selbst von unseren Parteigenossen ! nicht immer die genügende Beachtung geschenkt wird. Das «ist zum Teil erklärlich aus dem Umstand, daß unsere Partei von ihren Anfängen an fast lediglich auf die Reichspolitik ein- gestellt gewesen ist. In Berlin gewinnen aber die Gemeinde- angelegenöeiten mit der Eingemeindung noch mehr an ihrer bisherigen Bedeutung. Und die Wirkung kr im Roten Haus getriebenen Politik packt den Berliner Bürger ganz unmittelbar. Nach der Eingemeindung wird der Haushaltplan der Stadt Berlin an Umfang außer von dem der Republik Preußen von keinem der anderen deutschen Freistaaten übertrosfen werden. Das zeigen schon die Zahlen des setzi- gen Klein-Berliner Haushalts. Während das letzte Frie- densjahr 1913 noch mit rund 373 Millionen Mark in Ein- nähme und Ausgabe bilanzierte, schloß das Jahr 1918 mit 437 Millionen Mark ab. Im Jahre 1919 aber ist der Etat auf rund 853 Millionen Mark emporgeschnellt, und im lau- senden Jahr dürfte die Milliarde weit überschritten werden. Wohlverstanden im jetzigen Stadtkreis Berlin allein. Nun hat uns freilich der Krieg mit seinem Milliardenbankerott gegenüber eben dieser ehemals mit unheimlicher Scheu betrachteten Summ« etwas unempfindlich gemacht, wir haben gewissermaßen das Augenmaß für Geld und Geldeswert verloren. Dies nützt uns aber wenig, denn wir müssen doch all diese ungeheuren Summen durch Steuern aufbringen, da der Stadt nur geringe andere Ein- nahmequellen zur Verfügung stehen. Die 100 Pro;. Zu» schlag zur Einkommensteuer, an denen der früher alles be» herrschende.„K o m m u na I f r e i s i n n" mit äußerster Zähigkeit festhielt, sind nun längst überschritten. Sie wurden 1915. auf 125 Proz. erhöht und jetzt zahlen wir 350 Proz. In den Ausgabeposten spielen die Löhne und G e- hälter für Arbeiter. Angestellte und Beamte eine nicht unbeträchtliche Rolle. So sind allein die Löhne der Arbeiter in den Gaswerken vom Jahre 1918 von 32 Millionen auf 132 Millionen Mark(voraussichtlich) im Jahre 1920 gestiegen. In den anderen Verwaltungszweigen liegt es ähnlich. Und dre�neue Bcsoldungsreform der Beam- tengehälter erfordert Riesensummen. Nun liegt es mir durchaus fern, den Beamten noch den Angestellten und Arbeitern ihre„hoben Löhne und Gehälter" vorzurechnen oder gar ihnen Vorhaltungen wegen ihrer Forderungen zu machen. Es gibt jetzt so leicht keine Forde- rung nach der Richtung hin, die man kurzerhand als„unbe- rechtigt", als„übertrieben" hinzustellen geneigt sein könnte. Solange die noch ständig steigende Preisbildung für Lebens- mittel und Bedarfsartikel anliält, wird auch an einen«nd- gültigen Ruhepunkt der Löhne oder gar an Abbau kaum ge- dacht werden können. Was aber der Abgeordnete der Gemeinde niemals außer acht lassen darf: Er muß sich stets daran erinnern, daß er nicht lediglich die Interessen einer einzelnen Gruppe von Bürgern, sondern daß er die der Allgemeinheit zu vertreten bat. Sein Handeln darf nicht beeinflußt sein von agitatorisch parteipolitischen Nücksichten, wie die � IT n a b- h ä n g i g e n es lediglich tun— wenn es um die Wirkung nachaußen geht, im stillen Kämmerlein der D'- putationen und Ausschüsse können auch sie häufig den gegebenen Notwendigkeiten sich nicht entziehen—, sondern der Vertreter der Gesamtheit hat genau zu prüfen und die gegen- festigen Jntsnesien gegeneinander abzuwägen. Mit welch unglaublicher Leichtfertigkeit setzen sich bei- spielsweise auch die Unabhängigen in der Regel über di: Deckungsfragen hnweg.©te wissen, daß bei der Ge- meinde auch jede Ausgabe durch entsprechende Einnahmen gedeckt sein muß. Ich erinnere an die hier schon behandelt? Frage der Zii'chläge zur Einkommensteuer von 50 Proz. In den Versammlungen rühmen sie sich dessen. Ebenso liegt es be! den städtischen Werken. Werden die Löhne der Gasarbeiter erhöht, steigen die Preise der Kohlen und der sonstigen Rohstoffe und Materialien, so muß. wohl oder übel, eine Erhöhung der Gaspreise folgen. Auch wir Mehrheits- sozialisten empfinden das schinerzli-*- und möchten gern na- mentlich die minderbemittelte Bevölkerung schützen, aber wir vermögen es nicht und lehnen s ab. aus agitatorischen Grün- den den zwingenden Notwendigkeiten uns zu entziehen. Die gesamtfinanzielle Lag? unserer Stadt zwingt uns zu äußerster Sparsamkeit. Manche soziale und manche Kul- tnroi'fgabe. die vor dem Kriege(damals hatten wir leider nicht die Macht dazu) spiestnd hätten gelöst werden können, wird in der nächsten Zukunft leider zurückgestellt werden müssen oder dock nur in wenig großzügiger Weise zur Ans- führnng gelangen können. An den Wählern liegt es dnrck Abgabe der Stimme«1 Sonntag dafür zu sorgen, daß nicht in der Gemeinde die« * selbe unglückselige Situation geschaffen werde, wie sie zur- zeit im Reich besteht. Nicht den Rechtsparteien. oie dem weiteren Fortschritt sich entgegenstellen, nicht den Unabhängigen, die non der V e r a n t w o r t u n g sich drücken, die nur ihr Parteiinteresse im Auge haben, gebühr: die Stimme, sondern der sozialdemokratischen Liste, der Liste He i m a n n. Die neue wenüung öer Krise. Die leichte Klärung, die durch die Verhandlungen deS AcntruSabg-eordneten T r i m b o r n eingetreten ist, veranlaßt di« reaktionäre Presse, endlich einmal etwas anderes zu schreiben, als von der bösen Sozialdemokratie, die nicht mehr mitspielen wolle, und von dem Parteiegoismus, den sie an- gebiich turmhoch über den Vaterlandsgodanken erhebe. Die De u t s ch n ati o n alen präzisieren in. einer Erklärung ihre Stellungnahme dahin, daß sie zu einer Mitwirkung an der Regierungsbildung zusammen mit den bürgerlichen Parteien durchaus bereit seien. Ihr gekränktes Gemüt, noch nicht darum gebeten worden zu sein, entlädt seinen Schmerz in folgenden Sätzen: An die dciltschncrtioncll« Fraktion bat sich Ws zur Stund« keiner der nrit der Regierungsbildung betrauten Herren mit dem Ersuchen um Teilnahme an den Verhandlungen ge- wandet. D«S muh um so mehr befremden, weil durch die ver- dssentiichken Erklärungen der Partei und durch die Haltung, die von deutschnaiionaler Seite seit den Wahlen eingenommen ist, die Bereitwilligkeit der Partei feststeht, den Bedürfnissen des Vaterlandes gerecht zu werden. Die Wut, nicht befragt worden zu sein, kommt rn einem Artikel des Herrn Wulle in der«Deutschen Zeitung" zum Ausdruck, der der bisher so eng befreundetchi Deutschen Volkspartei ihren Ruhmestitel wegschnappt und seine, die an>-semitische Deutschnationale Volkspartei als„die Partei des Wiederansbanes" bezeichnet. Der Wunsch, um jeden Preis bei der Aemterver- tei lu n g dabei zu sein, bestimmt die„Tägliche Rundschau" zu weitgehenden Konzessionen. Es komm: ihr sogar in diesem Augenblick nicht daraus an, wesentliche Grundsätze preis- zugeben. Sie schreibt:: DitmonarchisHsche Frag? steht überhaut nicht im Mittel- Punkt der Debatte,«nd niemand wird eS heute unter ernsthaften Politikern ans der Stechten einfallen, die republikanische Lerfaffung durch eine monarchische zu ersehen. Das deubsche Volk hat jetzt und für die Zukunft andere Äufgabvn zu erfüllen, und die monarchische Frage ist eine Angelegenheit� stper die daS ganze deutsche Volk zu entscheiden hätte. Das ist fiir die„Tägliche Rundschau" allerhand,«nd be- sonders erfreulich ist daS Eingeständnis, daß sie selbst nicht zu den„ernsten Politikern" zählt. Hatte sie doch seit dem Tage der Revolution nichts Dringlicheres zu tun, als nach einer Msderkehr der H o h e n z o l l e r n zu rufen. Die in unserem heutigen Morgenblatt wisdergegebcne Erklärung der Demokraten, die unter anderem Ableh- nung jeden Klassen- und Rassenhasses, auch des A n t i s e m i- t i S m u S forderte, löst bei der„Deutschen Tageszeitung" ein Echo auS, das offenbar von dem W u l l e s ch e n Appell an das„Reinlichkcitsgefühl" diktiert ist. DaS„saubere" Blatt schreibt: Nach dieser Leistung kann es schon kaum mehr befremden, daß auch die Ablehnung deS A n t if o m i t i s m u S als Vorbedingung sc: Regie runggsLchigkeit verlangt wird; in einer Lsg«, wo eS sich dorum handelt, Deutschland vor dem Abgrunde zu retten, geben die Demokraten die Parole auS: Der Jude über das Batnland! Wem: die Demokraten noch eine Bestätigung der Richtig- keil ihrer Forderung verlangten, so ist sie ihnen durch diesen niedrigen Aussall des Organs des pöbelhaften Radauänti- semitisnmS erteilt. Jni übrigen dürfte die„Deutsche Tages- zritung" schmerzlich enttäuscht sein. Sie spricht nämlich die Erivartung aus, es sei„nicht anzunehmen, daß die Deutsche Volkspartei unter das kawdinische Joch der Pveisgabe des Zwisthengänge. Von Siegfried Berberich. Stephan ging, wie jeden Tag um die Mittagsstunde, über die Te»rasse, auf der die Sonne breit lag und Tische und Stühle mit eisernen Untergestellen standen, die häßlich über den Zemcniboden kratzten, wenn man wider sie kam und sie verrückte, in daö Garten- restaiiranl hinein und setzte sich aus„seinen" Platz. Gewöhnlich saß er allein auf jener Seite des großen Saales: draußen aus der Terrasse drängten sich Eroßstadlmenichen, begierig, Sonne in sich einzusaugeir. Also fiel tS ihm auf, daß heute ein Herr und«ine Dame mit ihrem Kind an einem Tiiche vorn am Fenster saßen, die gewöhnlich, wenn sie i» diesem Restaurant speisten, an einem Tische in der Mitte des Lokals Platz nahmen. Sie mußten mit einer gewissen Unachtsamkeit sich heute placiert haben, mit wich- tigeren Gedanken beschäftigt gewesen sein, sodatz sie gar nicht merkten, daß sie sich heule an einen anderen Tisch letzten.— sStephan hielt alle Menschen iür so„ordentlich" wie sich selbst 1) Tatsächlich schien etwa« nicht zu stimmen: Das Kind, ein wohl- erzogenes Mädchen von etwa fünf Jahren, stand auf und balan- zierte auf der Bant herum, die den Fenstern entlang lief, machte die Fenster geräuschvoll auf und zu— die Eltern schienen ei nickt zu merken. Wohl aber halte da» Kind gemerkt, daß zwischen Papa lind Mama irgend etwas IlnangenehmeS vorlag, sick peinlich be- troffen gefühlt und sich, kindlich- schüchtern, auS der Gewitier- otmofphäre entfernt: spielend, so als ob e» nicht merke, im Innern beunruhigt, dabei im Spiel genau nach den Eltern hinhorchend— mitfühlend, mitleidend... Di« Dame hatte blaue Augen, blondes Haar, eine etwa« gutiural klingende Stimm«, aus der Stephan zwar eine gewiss« Herbe, aber auch Intelligenz und Bravheit der Mann gegenüber glaubte heraushören zu können, sprach heftig, ein wenig beleidigt, auf den Mann ei». Dieser hatte ein Dante-Profil, schwarz« Haare, war noch rechtjung, schien keineswegs von den Ausführungen seiner Frau überzeugt zu sein. Er sprach zunächst kein Wort, hörte nur aufmerksam, an- scheinend sehr kühl, zu. Der Dam« traten Tränen in die Augen, sie sprach mit schluchzender Stimme weiter, der Mann blieb schweig- sam.— Stephan hatte das Gefühl, daß die Frau in dieser Art jeden Mann überzeugt hätte— ihren überzeugte sie uichr.— DaS Kind erriet die gesteigerte Peinlichkeit der Situation und kam zurück, setzte sich auf seine» Platz, hall« nach einem AuSweg gesucht, ein neues Thema erwogen und richtete nun an Papa und Mama Fragen, die das bestellte Essen betrafen. Die Frau trocknete ihre Tränen, blickte nach Stephan hinüber, schien sich nicht blamiert zu fühlen: war verheiratet genug, um aus die Kritik der Umwolt keinen Wert legen zu müssen.— Kaisergedankens kriechen könnte". Der oben zitierte Artikel der„Täglichen Rundschau" wird sie eines Besseren belehren. Die Deutsche Volkspartei hätte gegen einen Zentrums- mann als Reichskanzler offenbar mchts einzuwenden, wie von„hervorragender volksparteilicher Seite" dem schwer- industriellen„Lokalanzciger" mitgeteilt wird. Die Zuschrift beginnt mit den Worten: DcrZ, was Dr. Petersen hier ausführt, wurde von der Deutschen Volkspartei schon zu Beginn der Krise gefordert. Das ist allerhand Entgegenkommen. Der„Germania" möchten wir endlich zum Ueberfluß noch- ntals versichern, daß die ablehnende Haltung unserer Fraktion der Regicrungsbeteiligung gegenüber nicht auf den Versuch einer„Konkurrenz mit den Unabhängigen zurück- zuführen ist. Wie wir die unfruchtbare Negation der Unabhängigen von der ersten Stunde der Krise an aufs schärfste verurteilt haben, so bedauern wir auch heute noch die von kleinlichsten Jntercsien diktierte Sabotage- Politik dieser Partei. Wenn wir mit den Bürgerlichen nicht Nlitg'hen, so geschieht das— auch daS ist schon oft genug sagt worden— nicht in: Interesse irgendeiner Partei, Jon- rn im Interesse der Arbeiterschaft, der gegenüber wir eine Politik, deren Richtlinien entscheidend von den bürgerlichen Parteien bestimmt würden, nicht ver- antworten können. Dieie Erwägung:» sind gänzlich andere als die von der U. S. P.. und damit fallen alle gegen uns erhobenen Vorwürfe haltlos in sich zusammen. Die sozialiftische Regierung. Zum Artikel KantSkys. Die„Freiheit" beschäftigt sich in ihrer heutigen Morgen- ausgäbe mit dem Artikel Kautskys über die Frage der Regie- rungsbildung und meint dazu, nach �icm Kapp-Putsch sei die Bildung einer reinsoziolistischen Regierung an der Weigerung der Sozialdemokraten gescheitert, die eine solche Regierung für unmöglich erklärt hätten. Die„Freiheit" vergißt hinzuzufügen, daß die Unabhängi- gen und sie selbst damals diese Unmöglichkeit gleichfalls ein- gesehen haben. Daher ja der bekannte Plan der„reinen Ar- beiterregierung", die auch Gewerkschafter aus den Reihen des Zentrums und der Demokraten umfassen sollte. giine reinsozialistische Regierung könnte nur zweierlei: Entiveder sie müßte das Parlament davonjagen und ver- fassungswidrig-diktatorisch regieren wie in Rußland— und gegen diese Methode hat man Wohl auch bei den Unabhän- gigen starke Bedenken. Daß die Sozialdemokratie für sie nicht zu haben ist, ist hinreichend bekannt. Oder aber die reinsozialistische Regierung müßte sich eine Mehrheit im Parlament suchen, wie in Schweden, und dann wäre sie erst recht auf die Gnade dpr bürgerlichen Par- teien angewiesen. Sie könnte gar nicht daran denken, sozial:- stische Politik zu treiben, beim ersten Versuch dazu müßte sie stürzen. Tie„Freiheit" schreibt dann weiter: KcrutZky irrt auch, wenn er meint, wir schätzten d-ie Gefahren einer rein bürgerlichen Regierung gering. Wäre die Möglichkeit einer sozialistischen Regierung gegeben, scheiterte sie nicht schon allein an d-cr Weigerung der RechtSsozialiste«, so würde die Wahl nicht schwer werden. Wer ebenso gibt eS kein« Wahl, wenn eS sich um den Eintritt in eint bürgerliche Koalitionsregierung handelt. Denn bot den herrschenden Machtverhältnissen würde diese Koalition, in der die Stellung der Sozialisten ja— unter Parlamentär ischem Gesichtspunkt, wie momentan auch unter außerparlamentari-schem— nicht stärker sein, als die in der alten Koalition, ausschließlich büvgerltchs Politik treiben, daS Proletariat aber enttäuschen, verwirren und nur noch mehr spalten. Die reinsozialistische Regierung scheitert, wie schon gesagt. nicht an den Sozialdemokraten, sondern an der Tatsache, daß Die Kellnerin brachte die Suppe und ging wieder. Die Frau wollte wieder anfangen zu reden, Tränen standen ihr wieder in den Augen. Der Mann sagt« bestimmt, er wolle in Ruhe essen. Die Frau schwieg, schluchzte für sich weiter. Der Mann aß in Rube- — Da« K-nd löffelte die Suppe und sab über den Löffel hinweg abwechselnd Papa und Mama an, unglücklich darüber, nicht helfend eingreüen zn können. Versuchte eS, allcidingS ohne Erfolg, durch Herbeizcrren von allerhand kindlichen Tbemen. Man aß und schwieg. Das Kind diückle sich wieder, sobald et mit der Suppe fertig war, und balancierte wieder in seinem zu kurzen, karierten Kleidchen, daS die weißen Höschen sehen ließ, auf der Fensterbank herum. Die Frau Hub wieder an mit Reden«nd Weinen... Stephan fühlte: sie redet und weint auS Liebe. Die Frau tat ihm leid. Er schielte über sein Zc tungSblatt hinaus hinüber zu ihr. peinlichst bemüht, nickt als Beobachter von ihr entdeckt zu werden; seinetwegen sollte fle fich nicht schämen müssen. Er tat so, als ob er nicht höre, nicht sehe.— Endlich fing auch der Mann an zu reden. Das Kind, am anderen Ende der Bank, horchte aui den Ton seiner Stimme, er- kannte ihn spielte krampfhaft weiter: noch ist der kritische Punkt nicht überschritten... DaS dachte auch Stephan. Der Mann sagte nur etwa: daS will ich ja gerade nicht I Die Frau ver- schwendete weiter weinend Liebe. Vergebens— der Mann blieb kalt. Die Kellnerin brachte da» Fleisch und Gemüse. DaS Kind kam zurück. Maß aß und schwieg und dackl«. DoS Kind korrigieike mit rübrend mäochenbaflen Kinderbändchen die Nadeln in den Haar- schneckcn, die eS über den Obren trug und bat den Papa, ihr zu helfen. Der tat eS. Die Mutter verwie» das Kind auf das Essen.— Diesmal ging da« Kind nicht mehr kort, nachdem eS gegessen hatte. Es mutzte fürchterlich leiden! Stellte sich zwischen Papa und Mama— Stephan iah die dtek Köpfe in einer Reihe—. tagte kein Wort und sah abwechselnd mit seinen kindlick-großen Augen, ver- traut und dock wie schüchtern, verschüchtert, Vater und Mutter an Pava nahm seine linke Hand, Mama die recht«, sahen sich an und schwiegen. Gewiß, die Auseinandersetzung war noch nicht ganz beigelegt, das wußte Stephan, als er jetzt ging, aber er fühlte stärker den Eindruck dieser drei Köpk«— und den wollte er sich nicht ver- wischen lassen.... � � „Der Hahnenkampß" von H. Lautensack. Vor„Aelctde-nem Publikum", das die Ehre mit Z'i bis 50 M. bezahlen mußte, ge- langte in den„M ünckner Kammer spielen" des toten Heinrich Lautensacks niederbatterische Tragikomödie„Hahnenkampf" zur Uraufführung. Sechs Bilderbogen auS dem Leben eines kleinen OrteS in Niederbayern zeigen bunt demalt, doch in ihren� Zusammenhängen locker den Hahnenkampf um Innozenz, die gefällige Dame deS OrteS. Dieses Bauernktnd ist eine Art Aktiengesellschaft, an der alle Honoratioren deS OrteS beteiligt sind. Man verträgt sie keine Mehrheft hat, und keine Mehrheit hat sie. weil die Unabhängigen die sozialistische Bewegung gespalten haben und der Einigung entgegenarbeiten. Will man unter diesen Um- ständen keine reintmrgerliche Regierung, so blieb eben nur der Versuch einer Koalition, der von beiden sozialistischen Parteien gemeinsam unternommen werden mußt?. Wenn die „Freiheit" meint, die 19l sozialistischen Abgeordneten würden in einer Koalition doch nichts ausrichten können, so stellt sie diesen und besonders ihren eigenen 89 Abgeordneten ein Armutszeugnis aus. Die- unabhängigen Wähler haben sicher nickst geglaubt, solche Schlappschwänze zu wählen, als sie jene 80 Mann in den Reichstag entsandten. Die politisch Ungestbulten. Kritik an der 11. S. P. Die„Freiheit" hat das große Wort gelassen auSge- sprachen daß nur Leute ohne politische Schulung die Haltung der Unabhängigen in der Regierungsfrage nicht begriffen. Als solche Leute ohne politische Schulung haben sich mittler- weite u. a. Kautsky, v. Gerlach und der unabhängige Redakteur Karl Schnetdt eingestellt. Als vierter schließt sich ihnen der unabhängige Schriftsteller Hermann Fern au. der be- kannte' Pazifist an, der in der„Berliner Volkszeitiing" schreibt: Die MitarHelker der.Freiheit" setzen zum so und so vtelten Male ihre Klassenkampf' und Endzielthcorie auseinander: In jeder mtt bürgerlichen Elementen durchsetzten Regierung bekämpfen wir „die politische Machtzentral» des Kapitcrlismus"(Dittmemn), oder: An einer bürgerlichem Regierung teilnehmen, hieße für unsere Partei„sich selbst aufgeben"(Btciftchctd), oder: Die Beteiligung der U. V. P. an dech Reg'erung„irate eine Preisgab: unseres Programms und ein Verrat an den Interessen derer, die der ll. S. P. Stimme und Vertrauen geschenkt haben"(Enspten). Verzeihung, Genosse Erispir», ich, der ich auch für Sie stimmte, empfinde eS ganz ander?, gründlich umgekehrt. In den Unabbängigen sah ich bisher die entschiedensten Verteidiger der Republik und erst nachher, wenn die Republik einmal fest im Sattel sitzt, die Vcrtvirkticher des Sozialismus.— Jetzt, nach der Wahl, erklären die Unabhängigen: Dadurch, daß wir die Macht und Ver- 'antwortung dem Bürgertum übergeben, aber kraft unserer Macht- stellung ihm das Regieren sehr sauer machen werden, wird ein Kampf entbrennen, der die nötige Klarheit schaffen, aus der Haldem Revolution vom November eine ganze machen und den schließlichen Sieg deS Sozialismus herbeiführen wird... Durch das Anwachsen der Reaktion ist die deutsche R e- publik in schwere Gefahr gcraten. Alle Mann an Bord zu ihrer Rettung! Weg mit allen parteipolitischem und „taktischen" Erwägungen in dieser ernsten Stunde! WaS gelten Partei tagSbeschlüsse. Klassenkampfiheorien und Parteidogmatik; wenn eS ums Ganze, um Sein oder Nichtsein der repu- blika nischen S ta at S so r m geilst? Die Wähler, die am 3. Juni für die U. D. P. gestimmt haben, wollen zunächst einmal die Republik. Denn nur die demokratisch? Republik kann den Bestien für den vernünftigen Aufbau der sozialistischen Wirtschaft bilden. Wer Regierung und Wehrmacht dieser demokratischen Republik mtt parteipolitischen, marxistischen oder sonstigen Spitzfindigkeiten an ihre schlimmsten Feinde ausliefert, de» begeht Ver- rat am deutschen Volke, Verrat am Sozialismus. Der Redaktion des„Vorwärts" gehen täglich Zuschriften einfacher Arbeiter zu. die ihr Bedauern darüber aus- drücken, daß sie am 6. Juni unabhängig gestimmt haben. Die Zahl der„voliftsch Ungeschulten" vermehrt sich reißend, uitd die politischen Schulmeister der U. S. P. predigen tauben Ohren._ Weitere AeitnnftSvcrbote im Rlieinlande. Laut„Pfälzischer Post" hat die NheinlandSkommisnon daS Erscheinen veS. Kuseler Anzeigers",.Kirckheimbola ttver Zeitung", des „Pfälzischen MerkurS" in Zivetvtücken. sowie der„Gegen wart" in Eden.koben ab 13. Juni auf 15 Tage verboten. Berichtigung. Zu den in Köln verbotenen Zeitungen gehört nicht die„Köln. Ztg." sich dabei, bis— der strafversetzte Gendarm plötzlich EifersuchtS- anwandlungen bekommt und die erlauchte Sippschaft anzuzeigen sich vornimmt. Diese Absicht bringt da? ganze Dorf durcheinander. Da kommt Innozenz und sagt ihm die Liebe aus. E? ist Abend. und man befindet sich zwischen den ztod Bäumen, die in den Kammerspielen den Wald vorstellen. Der Gendarm überwältigt die Liebste, wird aber vom Apotheker und dem.Kommandanten überrascht und— fällt durch einen Schuß de? Apotheker?. E? gelingt, dem Totschlag den Anschein deS Selbstmordes zu geben. und weil der böse Hahn Gendarm nun gefallen ist, werden es sich die anderen Häbne wieder gut gehen losten. Genialer Einfall, blitzartige menschliche Belichtungen und humorige Kleinmalerei zeichnen daS Drama aus. Dilettantisch sind die llnfertigkeiten und Ungezügeltheiten einer bis zu letzter naturalistisdhcr Kleinmalerei sich ausbreitenden dichterischen Freude Ter Regissenr-Dilettant spielte dieses im Naturalismus durchaus verwurzelte Stück zwischen schwarzen Tüchern. Die Das- stellung fand für die derben Vorgänge einen einfachen, aber starken Ausdruck. R. R. Die LupuSfieuer auf Kunstwerke angenommen. In den Reichs- ratsverbands.unaen der letzten Tage ist nun die Entscheidung gegen dt« Künstlcrschaft gefallen: daS RetchZfinanzministerium hat in der Frage der LuruSsteuer gesiegt. Während alle anderen freien Be- rufe„nur" Proz. Umsatzsteuer zahlen, sollen die bild-nden Künstler als„Kleinhändler" 15 Proz. entrichten. Und zwar nicht nur von ihrem Verdienst, sondern auch von ihren Unkosten. Weder die Fraktionen noch die Regierungen wellen diese Steuer, die dem Staat wegen der kostspieligen Kontrolle nicht» bringt, aber die Künstler schwer schädigt. Esperanto in der Schule. Für die Teilnehmer an der Reichs- schulkonferenz fand eine Versammlung statt, die über die Ein- rührung des Esperanto in de» Schulen beriet. Prof. Ad. Schmidt und Prof. Rohrbach referierten', der letztere besonders über die Erfolge. die er an seiner Schule mit der versuchsweisen Einführung de? Esperanto als erster Fremdsprache gehabt hat. DaS Hauvtinteresie bot die von Lebrer Wilhelm Wittbrodt vorgeführte Esperantoklasie von 13 elfjährigen Schülern. Der Unterricht wurde vollständig in Esperanto erteilt, das die Kinder fließend sprachen, obwohl sie erst seit November wöchentlich zwei Stunden Unterricht gehabt haben. Zum Schluß sprach Bros. Wetekamp über die logische Schulung, die der Esperantounterncht gewährt. K'inftchronik. Die EommerciuSUellimg der Freien So z es st nn wirb itnbe dieie« Monats aeichlossen. Sie ist auch Sonntag» bis 7 Ubr abend» acöffnei.— Prot. Rudolf H e l I w a g. der in London der deutlcken Kumt durch Ansstelliiuaen die Wege öffnete, stellt vom 17. biS IS. Juni. nachm. von S—1 Ubr. Im Atelier 153 in der Hochlchule jür die bildenden Klinste die Bilder aus. die er als Zivilinternierter in England gemalt bat. „Erziehung für das Vaterland oder für die Menschheit?« Ueber dicles Tbema spricht der Genofie vrioot-Dozent Dr. Seidel (Zürich) am Mittwoch, tO. tziuni, 7'/, abend«, im Saal 110 der UnwriRtäi Einttiu frei. Diskussion. VeraustaUer ist die Verewigung der soztaltstisch» Studeuten Erotz-Beriws. Wer verteuert den Wohnungsbau? Zu unserem Artikel.Die Zement» und Kalkindu» ftrie fcrdert Ausfuhrgenehmigung' im Montag- aoenSblatt des.VorinärtS' erhalte» wir folgende sachkundigen Er- gäiizungen. die weiteste Verbreitung finden sollen: Tie Erklärung, das; die Lohnerhöhung nicht aus eigenen Mitteln vrr Arbeitgeber erfolgen kann, entspricht nidtt den Tatsachen. waS aus nachfolgenden Zahlen hervorgehen dürfte, Alle bisherigen Lohn» oder Kohlenpreiserhöhuügea wurden automatisch mit einem u n v e r h ä l t n i sm ä ß i g e n Mehrgewinn für die sfaorikanten auf die Verbraucher ab- gewälzt. Auch die jetzt geforderte Lohnerhöhung soll zu einem glänzenden Geschäft für die Zemenifabrikanten benutzt wer- den, indem diese mit dem Hinweis auf die Lohnerböhung die Ausfuhrbewilligung für Zement verlangen. Tah höhere Löhne auch ganz gut ohne die Ausfuhrerlaubnis bewilligt werden können, geht aus den nachstehend aufgeführten Zementpreiscn hervor. Es kostete beispielsweise 1 Tonne Zement vor dam Kriege ab l. 1. 1917. aö t. 1. UMS. ob i. i. ma. ab 1. 4... ab l. V... ab 1. 8.... 800,- 465,— 650.— 805,- 953.— 1205.— 1535,— M. ab ob ab ab ab 1. 10. ISIS 1. 12.. 1. 1. 1920. 1. S... 1. S... ab 1. 4. 1603— M. 1662,-. 1734.—. 2360,—. 3900—. 4061,—. Besonders unverschämt waren die Preisfestsetzungen in diesem Jahre, l�ln jedem Monat trat eine bedeutende Preiserhöhung ein, jo dast sich der im April geforderte Preis gegenüber dem Ianuarpreis mehr als verdoppelt hat. Der beutige Zement. preis beträgt also mehr als da» lSfache des Friedenspreises. während nch die Löbne nur um das 6— 7fache erhöhten. Der Deutsche Zementbund. die wirtschaftliche Jnteressenver- trekung der Zementfabrikanten, hat eS während des ganzen Kriege» und auch noch nach der Revolution durch die Sclbjtbewir fchaftung verstandetn. den Zemcntkabrikanten die Taschen zu füllen. Erst seit dem 1. März diese» Jahre» wurde diesen unhaltbaren Zuständen ein Eitde gemocht, indem die Zemcntbewirtschaftung einer amt- l i ch e n Stelle übergeben wurde, Vorher konnten aber die Herren Fabikanten schalten und walten wie sie wollten. DaS Fehlen jeglicker Kontrolle brachte es mit sich, dast einzelne Zement- fabriken mcbr K ohle verbrauchten als sie Zement ablieferten, während in Wirklichkeit die doppelte Zcmcntmenge hätte ab« geliefert werden müffen. Es wäre interessant, nachzuforschen, a n wen diese ungeheuren Kohlenmengcn verschoben wurden. Seit der amtlichen Bewirtschaftung scheinen sich die Ver- bäktnisse gebessert zu haben. Die Preise erdrosseln den so bitter nolwendigen Bau von Kleinwohnungen, und eS wird nicht lange dauern, biS die gesamt« Bautätigkeit eingeschlafen ist. DieS ist aber den Herren Fabrikanten gar nicht so unange- nehm, im Gegenteil, es pastt ibncn in ibren Kram, denn nun stellen sie sich wahrscheinlich in nächster Zeit hin und sagen:„Seht doch, wir fabrizieren ja mehr Zement als ihr derbrauchen könntl Da wir so tüchtig sinh, wendet ibr uns wobl auch die Erlaubnis zur AuSfubr geben,' Wird diese Ausfuhrgenehmigung er- teilt, so wird damit die letzte Hoffnung auf eine Besse- rung der Wohnungsnot zu Grabe getragen. Dann wird der..billige' deutsche Zement in? Ausland gehen und womöglich unter anderer Flagge wieder nach Deutschland zurückkommen. Hier must die Regierung scharf zupacken. ES geht um die vitalsten Interessen der VolkSwohIfahrt. die wohl wichtiger ist als der bessere verdienst der Zemcntkabrikanteu. Die einzig richtige Antwort auf diesen neuen schamlosen Ausbeutung». versuch dieser Groftkapiialisten ist: Sozialisierung der ZcmentwSrke und aller sonstigen Baumäteria- lienfabriken.__ Die Verhastunaen von Lnöwigshafen. Mainz. 18. Junu Wie die„Mainzer Bolkszeitung' meldet, ist im Zusammenhang mit den Verhaftungen in Ludwigshafen der sozialdemokratische Arbejtersekretär Grötzner in Mainz von den Franzosen verhaftet worden. In Wiesbaden wurden von de» Franzosen bei dem sozialdemokratischen Acbeitersekretär 2 i e s e r, dem Redakteur Lind ig, dem Parteisekretär Witte und dem Journalisten Wecks Haussuchungen vorgenommen, wobe: «intg« überall erhältliche Broschüren beschlagnahmt wurden. Der Grund zu den Haussuchungen wird von den Franzosen geheim gehalten. Mannheim,'6. Juni. Aul Anlaß der Verhaftung von Ar- beiterführcrn fanden gestern, wie die.Neu« Badische LandeSzei- hing" meldet, in Ludwigshafen mehrere Versamm- l u n g e n der bereits streikenden Arbeiter statt. E« wurde ein- Entschließung angenomvien, in der erklärt wird, daß. falls die Franzosen die verhafteten Arbeiterführer nicht bi» Freitag mittag l'2 Uhr freigelassen haben. imganzenbesetztenGebietder General st reik erklärt würde. Revision öes türkisiben Friedens? P a r i S, 16. Juni. Aach einer Londoner Meldung de»„TempS" kursiert schon seit einiger Zeit da« Gerücht, daß. um zu verhindern, daß KlSinafien der Anarchie verfalle, der Oberste Rat gewisse be- deutend- Aböoderuagen der türkischen Frieden». Vertragsklauseln in» Auge fassen könnte. Eine Atmosphäre d-r Beunruhigung schiene in«onstantinopel zu herrschen, seitdem sich die nationalistischen Streitkräfte von Mustafa k-mal Pascha nicht nur ganz Kleinasicn», sondern auch der astatischen Küste de» Marmarameeres mit Ausnahme von JSmied. wo sich noch eine britische Garnison halten kdnne, bemächtigt hättm. Die türkischen National, sten hätten sich auch der Insel M-rmara bemächtigt, die die DchissSroutr, die von Gallipoli nach Konstantinoyel führe, beherrsche. * Pari», 15. Juni. Nach einer HavaSmeldung au» Teheran vom 14. Juni hat sich die schon beunruhigende Lage in Mesopo- tam'en in den letzten Tagen verschlimmert. In Mosul seien schwere Unruhen ausgebrochen. 6000 Araber hätten die SlaatSgebäude angegriffen. Man meldet zahlreich« Tote. Die Verbindungen mit Bagdad seien abgeschnitten; auch in Haiybra hätten blutige Zusammenstöße stattgefunden. In Bagdad feien die Manifestanten vor das Polizeikommissariat ge- Sogen, um die Befreiung der politischen Gefangenen zu verlangen. Auf dem Tigris feien englisch« Schiffe geplündert und die Besatzung getötet worden lNinistertrife in Norwegen. K-venhagen, 16. Juni. Wie die Blätter auS Kristiania melden, hat da? Storthing gestern das Wrgrbauzeseh des Mi» »istrriumS«nudscn mit 74 gegen 51 Stimmen abgelehnt. In- solgedessrn werde Ministerpräsident Knudseu heute mit der ganzen Regierung zurücktrete». Man glaube, daß der König den Storthinzpräsidenten Harvorfo» ersuchen werdc. die neue Regierung zu bilden. Nsuwahlen in Gssierreich. Wien, 16. Juni. In Beurteilung der inneren Lage stellen die Blättcr fest, daß alle Parteien in der Ansicht über ein« Not- wendigkeit baldiger Neuwahlen übereinstimmen. Da- gegen scheint die Fortführung der Regier ungsge- schäfte bis zur Auflösung der Nationalversammlung durch das bisherig« Kabinett nach der Stimmung bei den Ehristlichsozialen ernstlich in Frage gestellt. Deren Parteiblätter„Reichs- post' und„Deutsche» VoliSblatt" zeigen sich über die Aeußerung deS StaatSkanzterö Renner in der vorgestrigen Wählerversamm- lung sehr verstimmt und erklären es al-Z ausgeschlossen, daß die provisorische Regierung mit Renner an der Spitze im Amte bleiben könne. das drogramm der Iranemnternationale. Der int er national« Frauen st immrechtsver- band, der augenblicklich in Genf tagt, nahm folgende» Arbeits- Programm an: 1. Die Frauen sollen dieselben günstigen Gelegenheiten de- treffe Ausbildung und Eintritt in Industrien, Berufe und Aemter wie die Männer haben. 2. Die Frauen haben den gleichen Lohn wie die Männer für die gleiche Arbeit zu bekommen, 3. Das Recht auf Arbeit für verheiratete und unser- heiratete Frauen soll anerkannt werden. Spezialbestimmungen sollen nur auf Wunsch der Frauen festgesetzt werden. Alle Gesetze die Mutterschaft der Frau betr. müssen so festgesetzt werden, daß die ökonomische Stellung der Frau nicht gehindert wird, und daß alle zukünftige Arbeitsregulierung auf Gleichheit zwischen Mann und Frau hinarbeitet. 4. Mädchenhandel, Prostitutisn und alle Gesehe, die einem Klassenunterschied der Frauen Vorschub leisten, sollen abgeschafft werden. 5. Feststellung der Vaterschaft al» Gesetzespflicht, Pflicht des Vgters sein uneheliche» Kind während der Uv- Mündigkeit wie ein eheliche» zu unterhalten und zu erziehen, Pflicht des Vaters die Mutier des unehelichen KindeS wäh« rend der Schwangerschaft zu unterstützen. GroßSerlln Pentes Volk. „Die einzige Möglichkeit unser armes Volk wieder empor- zubringen, ist Arbeit und wieder Arbeit', sagte der Schieber und verweilte bei seinem zweiten Frühstück(Räucheraal, Erd- beeren, Burgunder) noch eine Stunde. » Der Lehrer:„Da» einzige, waS unserm armen Volke helfen kann, ist die Heranbildung charakterfester, unbeugsamer Männer. Meier, nennen Sie mir au« der, Geschichte noch ein paar Beispiele solcher echt deutschen Gesinnung.' Ter Schüler:„Karl Marx, Lassalle, Bebel, Liebknecht.' „Setzen Sie sich. Ich werde Sie wegen Ungebühr in» Klassenbuch eintragen. Antworten Sie, von Krachmitz, auf meine Frage.' „Hermann, der Cherusker, Tirpitz, Ludendorff.' „Ausgezeichnet, lieber Freund. Unser arme» Voll wird noch Freude an Ihnen erleben.' » „Und darum, andachtige Gemeinde, gibt e» für unser arme«, gehemüligte» Volk nur eine Möglichkeit zum Aufstieg, das ist vorläufig die Aähne zusammenbeißen, aber wenn die Stunde der Vergeltung gekommen ist. blutige Rache an den Feinden zu üben für die Schmach, die sie über unser unschul- diges Vattrland gebracht haben.' Nach fünf Minuten:„Und vergib UNS unsere Schuld, wie auch wir vergeben unfern Schuldigern.' * „Ich kenne keine Parteien mehr. Ich kenne nur noch Abonnenten", sagte Snnncö und kaufte die neunhundertneun- undneunzigste Zeitung._. Lucia«. Der Ehegatte als ßeiratsschsotoüler. Ein eheliches Betrugskowplott. Daß ein Ehepaar gemeinsam, um sich auf betrügerische Weise größere Geldmittel zu verschaffen, auf den Heiratsschwindel auS- geht, gehört sicher auch in Berlin zu den Seltenheiten. Eine heiratslustige Dame au» dem Westen Berlins lernte auf eine Anzeige hin einen jungen Mann kennen, der sich ihr als Apotheker und Chemiker Kot he vorstellte. Sie fand Gefallen an ihm, und nach mehreren Zusammenkünften entschloß sie sich auch, sich mit ihm zu verloben. Kothe erzählte nun, daß sich«ine günstige Gelegenheit biete, ein eigenes Geschäft zu erwerben. Die Braut, die bisher schon für 5000 M. Schmucksachen hergegilen hatte, um den Bräutigam aus augenblicklichen Verlegenheiten zu helfen, schöpfte keinen Verdacht und ging ahnungslos auf einen Geschäfts- kauf ein. Die beschaffte 30 000 M. und beschloß, mit dem Bräuti- gam hinzufahren und den Kaufvertrag sofort zu vollziehen. Kothe legte Wert darauf, nicht allein mit feiner Braut zu fahren und besorgte in seiner Schwester die Anftandsdam«. Dieser wurde aüf der kurzen Fahrt so schlecht, daß sie sich außerstande erklärt«, den Weg von dort nach Neu-Zittau, wo sich da» Geschäft befand, fort- zusetzen, Sie mußte in Erkner bleiben, um sich für die Rückfahrt zu erholen. Das war ein böser Zwischenfall, wie Kothe meint«, So stand er wieder allein mit seiner Braut da und der Vertrag»- abschluß drängte. Es gab keinen anderen Ausweg, als daß er sich allein aufmachte und die Braut bei seiner kranken Scknvester zurück- ließ. Erst jetzt erhielt«r die 30000 M., die biSber die Braut selbst in Verwahrung behalten bcttte. Nach geraumer Zeit kam er in der besten Stimmung zurück. Er brachte den voll- zogencn Vertrag und ein große» Warenverzeichnis mit, nach dem das Geld durchaus sichergestellt war. Die Schwester hatte sich unterdessen wieder erholt, und man fuhr befriedigt nach Berlin zurück. T aS A u f g e b o i wurde bestellt und«in Tag der Hoch- zeit festgestellt. Drei Tage vorher schrieb die Dame an ihren Bräutigam nach Vankow eine offene Po st karte. Au» dieser ersah seine Wirtin, daß Kothe» Hochzeit bevorstand. Sie batte ober unterdessen erfahren, daß er ein Schwindler war und begab sich zu seiner Braut, um sie zu warnen. Diese eilte sofort zur Kriminalvolizei und beschrieb den Bräutigam so genau, daß die Beamien in ihm sofort einen alten Bekannten vermuteten. Sie i legten der Braut ein Bild au» dem Verbrecheralbum vor. und hier- nach wurde der„Avotheker und Chemiker Kothe' festgestellt alz ein früberer Kaufmann Otto W i d u w e i t, der wegen H ot eld i e b st a b ls und allerlei Bctrügerchen schon einmat, letzt mit ZuchtbauS vorbestraft ist, Diduweit ist außerdem ver« Seiratet und wohnt? mit seiner Frau w der Kissinger Straße. Das Zimmer hatte er nur für Schwindeleien gcmietet. Seine Frau stand so unter seinem Zwange, daß sie sich bereit- finden mußte, die Rolle seiner Schwester zu spielen. Als man Widuwe-t festnehmen wollte, war e» bereits zu spät. Er hatte seine ganze Wohnungseinrichtung verkaust und»ar mit seiner Frau verschwunden. Die weiteren Ermittelungen ergaben, daß er auch einen umfangreichen Stellenschwindel oetrie- hen hat. Für eine Schcingründung unter der Firma„Chemisches LatborarvriUiM Merkur" hatte er Teilhaber und Angestellte mir Ka- pitoleinlage und Bürgschaft gesucht und gesunden. Auf dies« Weise hatte er Leuten, denen er in fernem„Laboratorium' allerlei Mischungen als chemische Präparate zeigte, Beträge bis zu 10000 Mark abgenommen._ SchlvursseriihtSfHung im Zuchthaus. , Die Meuterei der Brandenburger Zucht- Häusler beschäftigte die diesjährige zweite Schwurgerichtsperiodo in Potsdam Die Potsdamer Justizbehörden glaubten da» Wage- stück nicht unternehmen zu können, die teils zu hohen Zuchthaus» strafen verurteilten Schwerverbrecher nach Potsdam zu befördern. Di« Verhandlung findet daher in der Strafanstalt zu Branden- bürg statt. Die Anklage richtet sich gegen Lenze und s M i t- Verbrecher, darunter der türkische Lemnant Schukri. Zur Verhandlung, die am Freitag und Sonnabend stattfindet, sind in Brandenburg Hilfsgeschworene ausgelost worden. Neu in die Er- schoinung treten für die Gcschtvorenen die durck Gesetz um das Vierfache erhöhten Tagegelder. An sonstigen Gebühren können an AufwandscnrsckMiWNg täglich bis 40 M. und für Nachtlogis bis IL M. gewährt werden. Der Zutritt zur Verhandlung ist nur mit Karton gestattet, die nur in den dringlichsten Fällen auSge- gehen werden. Zur Verhandlung sind umfassende S i ch e r h e i t S- maßnahmen vorgesehen.__ Nächtliche Rettung. Kurz nach» 10 Ubr abend» stürzte sich gestern ein Mann in Uniform über das Geländer der Weiden- d a m m e r B r ü ck e in die Spree. Aus der großen Menge von Pas» santen, die den Vorfall beobachtet hatten, sprangen kurz cut- schlössen der Portier Suckow und der Gewerkschaftsangestellte Tücksch dem Ertrinkenden nach und retteten ihn unter Lebens- gefahr. Nach vorgefundenen Militärpapieren handelt es sich um «inen ehemaligen Jäger Kurt v. Berga hl. Aus seinen Angaben war Arbeitslosigkeit und Mangel an Mitteln die Ursache d«S miß- lungcnen Selbstmordversuchs. Versammlung aller Wcstprcnsten deS Bezirks Osten und glchNn« berg am 17. Juni, abends 7 Ufr, In den Audreaftcstjälen, AndreaSstr. 21. Slujttärung über die Abstimmung. MftimmungSScrechttgte Overschkesier! Erscheint recht zalilreich am: Tonnabend, den 19, Juni 1920, abends S Ubr. Tommcrsekt der Ortsgruppe.Osten' in üichtenbera. Tee- terraste.— Eonnabend. den 19. Juni 1920, abends 6 Ubr.«ommettest der Ortsgruppe.Steglitz' in Dabiem, NSnigin-üuiien.Sir, 40,— Montag, den 2l. Inn: 1930, abends 7 Uhr, MrundnngSnerlammlung der Ortsgruppe.Hohenschönhausen', Ocnntestrahe 4II49.— OicnStag. den 92 Junt 1920, abcndS 7 Uhr. Ortsgruppe„Norden UI', PbaruSiäle Chausteestrahe.— Dienstag, den 22. Juni 1920, abend-? 0 Uhr, Tommersest der Ortsgruppe. N o r d in e st e n' im Patzenhojcr, Turmitr. 23(36,— Mittwoch, den 23 Juni 1920. abend» 7I|, Uhr. Ort«. grupp e.Norden I', im Kleinen Echullb, iß. Kaitanienouee.— Freiiag, den 25. Inn! 1920, abends 7 Uhr. Ortsgruppe.Süden', im Alerandriner, üllexandrinenstr, 37a.— Sonnabend, den 23, Juni 1920. nachmittags 4 Ubr, Sommcriest der Ortsgruppe. Weißen iee', AlbrechtSboi, ParMr. 16.— Montag, den 29. Juni 1929, nachmittag» 41/, Ubr. Somuiertelt der Ortsgruppe.Wilmersdorf'. HUdegarditrali» bei Schramm.— Dtenstag. den 30. Juni 1920, abend« 6 Uhr, Sommerfeit der Ortsgruppe. Z e d l e n d o j" In Schlachtenlee, Neue ftzifcherbütte. Bezirksgruppe Groß-Berlm hctmatSIreucr Oberschlesier, Schöuebcrger Sir. 9. Groh-Serliner parteinachrichten. Heute, IS. Juni. Wahlvorschlag SV Berlin. Pankow. Die angeichkossenen Orte: B-liin-Niedetschönhanien Landgemeinde. Niederschönbanscn Gnisbezirt mit Kolonie Schönholz. Dertin-Noieulhal Landgemeinde außer Ortsteil westlich der Liebenwolder Bahn und Or! steil Rosentdat 1 fWilbelmSriibl, Berlin- Restmibal GulSbeßtrt, Biankenselde Landgemeinde. Blanlenielde GutSbez'rk, Berltn-Buchholz. Buch Landgemeinde, Buch Äutsbezirk, Karow, Blanken- durg Landgemeinde, Blankenburg ktzutsbezirt. Beiln:- HklnerSdorf. Die WeltraucnSieut« von vorstehenden Oi ten haben sich jpIiestenS bis Donneis- tag abend Stimmzettel und Löahlmaterial zu holen bei Engel, Berlin-Pan- low, Msthlenstr. 45. Telephon 332. £8. Ab». 6 Uhr bei Hulmann, Marienburger Straße 1, Ftugblatwer- breitung. v«zirls>ührcr Wahlbesprechung. Morgen, 17. Juni: Pankow. 6 Uhr: Flugblattoertiilunz. Sii. Abt. Flngblattverbrestung findet von den Lokalen Mühwach, Landsberger Allee 158, Aibrecht, Tt>aßmannstr.42, Luboita. NIchtboienstr. 1, Bauer. Kr, grankimler Slr. 1, GphIIe. yttedrichsberger Sit. 22 au«, ,'atr. 37. Abt.(Seiiofsen, beraiis zur Flugblattverbrettungl Hübner, WilS« nacker Straße 34, von 5 Uhr ab. 41.»Idt. stlugblattoei breitung von 5 Ubr ab bei Telch. Etromstr, SS, um 8 Uhr: Wahlbetscr, Diihelvishavcner Straße. Ecke Birkenstraße bei Liebsch. Gharlotteuburg. 14. Kluppe. 7 Uhr: Zahlabend bei Arndt, Kant- ��9HcderslchSnbausen. VI, Uhr In der Aula de» Lyzeum«, Kaller- Wilbttmstraßc: Otfientlich« Versammlung, Reserenl: Ken Karl Hetzschold, Sladtveroldneler. streilag. den 13. Juni: Flugblattverbreilung. Mmerial von Schliebener. Tresckowstr. 14. abholen.— VI, Uhr: Frauenabend im Lokal.WsthclmShoj', Kaiser- Wilhelm- Ecke Elchenstraße. Res.: Senossrn Todenhagen. Sciimargendort. 8 Uhr: öfftnlliche Kommunalwählerversammlung tat Goekbechzenm. Spandaucr Straße AdlcrSyos. VI, Uhr bei Lehmgrllbner, BiSmarckstr, 2. Genossin Frau Kramm. WllmcrSdort, spricht über.DaS kommende Kroß-Berlin'. Maricndorf. In der Aula Kaiiersiraße, öfienlliche 5tommunolwSbIer- Versammlung. Tagesordnung: Die bcvorpehcnden Bcztrls- und stadtver- orduetenwahlen. Res. Gen. Rathmann, Sport. Der gestrige internationale Boxkampftag, den die unter Leitmig de» Herrn Büß stehende Sdauonale Vereinigung zur Forderung des Boxkampfes im ZirkuS Busch veranstaltete, war in jeder Bs- Ziehung ein voller Erfolg. Ein sportliche« Ereignis ersten Ranges war vor allen Dingen das Zusammentreffen der Leicht- gewichtSmcister Jacobson- Dänemark(107) und Richard N a u j o ck S- Deutschland(120). Beide Gegner zeigten ein auS- gezeichnetes Können. Bei dem Dänen ftel besonders seine be- wundernSwecte Gewandtheit und Treffsicherheit aus. Diesem hohen Können gegenüber kam selbst der GewichtSvorteil deS Deutschen niemals zur Geltung. NaujockS erlitt trotz tapferer Gegenwehr seine zweite, aber eine ehrenvolle Niederlage. Jacobson gewann den Kampf nach Punkten. Weniger genußreich war dal Zusammentreffen des deutschen Schwergewichtlers Hugo P o d zu h n(158) mit dem italienischen Schwergewichtsmeister Spalla(162). Der'Deutsche griff seinen mächtigen Gegner, der über einen ausgezeichnet durchtrainierten Körper verfügt, sofort sehr scharf an. mußte aber schon in der ersten Runde zu Boden und kehrte am Ende derselben, nachdem er seinen Gegner ebenfalls zum Niedergehen zwang, stark blutend in seine Ecke zurück. In der '»weiten Runde rettete ihn da«. Platzen s-ineS Handschuhe» vor dem sicheren Niederschlag. Nach der dritten war er bereits ein gefchla- gener Mann, der nur unter Aufbietung aller Energie noch die vierte'Runde durchstehen'konnte, um in der fünften den auSstchtS- lofen Kampf aufzugeben. Der einleitend« Kampf wurde von dem Münchener S p ö r l(127) nach Punkten gegen Müller- Australien(131) gewonnen. Feststellung der Boxmcistertitkl. Der Verband Deutscher Fanss' kämpfer stellte folgende Boxer als„Meister von Deutschland' in ihren Gewichtsklassen fest: Fritz Rolauf-Köln im Feder- gewicht(bis Itö Pfd.), Richard NaujockS- Berlin im L e: ch i. gewicht(bis 123 Pkd.). Friß Dubois-Essen im Mittel« gewicht(bis t 4fi Pfd.i Hart» Breite« st röter» Magdsburg im S ch w e r g e w! ch t(über 159 Pfd.). Mg.5lugblattverbrettung zu öen Staötvererönetenwahlen morgen adenü ö Uhr von üen bekannten Lokalen OewerMaftsbeipegung Lohu- und Arbeitsverhältnisse im Fleischerqewerbe. Es gibt kaum einen zweiten Beruf, in dem die Arbeitslosigkeit so vorherrschend ist wie im Fleischergewerbe. Der nicht nur stark verminderte, sondern auch verschlechterte Viebstapel wird durch die ins Unermeßliche gehenden Schwarzschlachtungen noch weiter herab» gedrückt. Zur grasten Schar der bereitsarheitsloZ Gewesenen ge» seilte sich die graste Zahl der aus dem Kriegsdienst und der Ge- fangenschafi Entlassenen sowie die AuSgelernten. Die LehrlingS- züchterei steht im Fleischergewerbe in vollster Blut«, obwohl die Ausbildung der Lehrlinge noch mehr als mangelhaft ist. Obwohl die BerufSverbältnisse schon im Ziahre 191S recht un» günstig laaen, wurden doch, wie statistisch fcstpestcllr ist. in 253 Fällen in SS Orten und 3416 Betrieben mit 27 153 männlichen und 2693 weiblichen, zusammen 29 346 Beschäftigten Lohnbewegungen ohne Arbeitseinstellung durchgeführt. Angriffsstreiks wurden nur 4 in 7 Betrieben mit 275 männlichen und 4-1 weiblichen, zusammen 319 Beschäftigten, geführt. Alle Bewegungen endeten erfolgreich; beteiligt waren daran?8 899-Beschüttete ltn 183 Fällen wurden Tarifverträge abgeschlossen für 23 318 Beschäftig:«. Die Arbeitszeit» Verkürzung betrug bis zu 32 Stunden in der Woche. Beweis genug, wie wenig sich die Arbeitgeber nach der gesetzlichen Arbeitszeit richten. Die höchste Lohnerhöhung betrug 84 M. die Woche. Nicht selten konnte der Lohn um 199 Proz erhöht werden und doch sind die Löhne noch weit hinter denen anderer Arbester zurück. Der Durchschnittswochenlohn gelernter Fleischer betrug 1919 nicht über 199 M., setzt nicht über 159 M. Kost und Logis wird nur noch selten gewährt, zumal da in Kleinbetrieben Gesellen gar nicht mehr beschäftigt werden. Die Mitgliederzahl dcS Zentratverbandes der Fleischer beträgt rund 24 999. Eine Gefährdung des Verbandes besteht darin, dast auf den nicht unerheblichen Teil Mitglieder, die in anderen Berufen Beschäftigung gefunden haben, ein Druck zum Uebertrist in andere Verbände ausgeübt wirv. Das Steigen der Valuta gibt auch den Fleischergesellen die Hofmung. dast durch Einfuhr von Schlachtvieh, Fleisch und anderen Rohstoffen bald wieder ArbeitSmöglichkest geboten wird. Verblndlichkcitserklärung deS Schiedsspruches im B erficherun zsgcwerbe. Da? ReichSarbestSministerium bot den am 4. Mai 1929 ge- fällten Schiedsspruch für die Nngestellwn der ProvisionS-General- agenlen für allgemein verbindlich erklärt. Warn« das RcichZarieitöministerium im optischen Gewerbe keinen Tarif zustande bringen kann. Der Verband der Oplilergeoilion Deuischlands stellte kürzlich an das ArbeilSnnnisierium das Ersuchen, das Zustandekomnien eines ReichslobntarifeS in die Wege zuleiten. um auch in Mittleren und kleinen Släksten, in denen den Optiker- gehilicn noch wahre Hungerlöbne gezahlt werd?». den Gehilfen zu einem erträglichen Lohn zu verhelfen. Nach 3 Wochen ging dem Verband der Lptlkergehilfen folgendes Schreiben zu: .Jbrem Antrage auf Einleitung eines EinigungS» und Schieds- Verfahrens zur Herbeiüdrung eines Rcichstarifeö im Opuker- gewerbe kann ich nichl enliprechen, da sich ergeben hat, dast dre VorauSievlingeii des§ 22 Abi. 3 der Verordnung vom 23. Do- zember 1918 nicht vorliegen, in'ofern die Zahl der an der Strsstig- keit beteiligten Arbeilgeber nicht erheblich ist und die Sirestrykert für die Allgemeinheit keine besondere Bedeutung hat. Dazu kommi. dast»iciiies Erachtens die Ziegelung der je nach der Grösse und Lag« der in Belracht kommenden O-te sehr vers4 jeden liegenden Sohnverhältnisse zwcckinässiaer inOrlslaruen erfolgt, die bereits ingrosser Zahl, namemlich in allen grösseren Städien, znm Teil unter M>t- � Wirkung der Schlichiungöausschüsje abgeschlossen sind und hcme noch lausen.4' Die'e Antwort hat in Gebilfenkreisen sehr emtZilsttit. Allerdings ko mnien für niinlere und kleine Siädre nur einige Hundcrl Gehilsen in Frage. Das Z»sta>idcko»imen von Tari'e» rn Wichen Onen scheiterte aber bisher.an dem brutalen Boraehen der Arbeitgeber, d e jede Lohnbewegung mit soiorliger Enllasiun> be- änlworieten. Wie weit die Niedenrachr einzelner Arbeitgeber gebt, beweist der AuSipruch eines Arbeilgebers i» e nem kleinen Ort Südwestiachiens. Als die Gehilfen wegen einer Lohne, höhunq vor- stellig wurden, anlwortere dieser Menichensteund:»Essen Sie nur recht tüchtia Kohlrüben, dieielben sind lehr gesund und man kann dann bei 65 M. Wochenlohn noch 15 M. sparen.4' Diele dem ArbeliSmiiusterium nnlerbreitelen Fälle bäiten es eigenilich veranlassen sollen, das Zustandelonmien eines Rcichslarifs energisch zu verfolgen. Wirtsthast Furchtbare Zahle«! An einem Auksatz:„SraalSfinanzen und Wirt- s ch a r t s l r» s i s' in der»D. A. Ztg." vervffenUichl Dr. RJpondek, ein Beamter des ReichSfiiianzmin'lleriiinis. iolgende Zahlen: Das heuti e Bstd von ver deutschen Schuld zeigr folgendes zahlenmässige AuSmass: Staatsschuld: In Milliarden Mark Feste Schwebende Zu« Schuld Swuld sammen Reich... 92.9 195.9 197.9 Länder.. 18.5 16.5 85 Fl 119.5 121.5 332,0 Auch die Vudgctzifsern zeigen hohe Milliardenziffern. Der ge- samle Bedari an Slenern der drei Körverichasten wird aut etwa 28 ober 89 Millarden Mark zu veranschlagen sein. Diese budacläre» und ausserordenliichen Bedüriiiisle tölinen ihre ordnungsmässige Deckung durch laufende Einnahmen nicht finden. Das Reich besriedigr leinen Bedari zunächii immer noch durch d e Ausgabe von Schatzwewieln. Seine schwebende Swiild wächst dcmgeniSss von Monat zu Monar an, wie die nachiolgenSeu Zahlen es an, eigen: 31. Dezember 1913 «9. Juni 1919.. 81. Dezember 1919 39. April 1929.. Anfang Juni 1929. 65,9 Milliarden Mark 73.2 86.2 95,0. 104,8 Das Reich diskontiert die Schatzwechsel bei der Reichs- bank, die zp einem Te>l bei der Noienbauk bleiben und zum anderen in den freien Geldmarlt obfl, essen. Auf diese Weiie werden die SlaalZbedürfiiisse besciedigi. und hierin allein lieg: das grosse Geheimnis von der Finaiizkraft des Reiches. Hieraus. erwachsen aber für die Zukuiifl die Gefahren, die zu wüidigen! Pflicht ist und denen rechlzeilig vorzubeugen ist. Denn mil Kriegs-� ynleibeii�lmd Schatzwechtein allein ist keine Wiltichafl zu führen. Zwar können die Schatzwechsel bei der ReichSbank jederzeit eingelöst, die Kriegsanleihen bei den Dailehnskassen bel-ehen werden. so lange eben die Noleiibaiik lcistuugs,'ähig ist. Aber damit ist nicht der Boden gewonnen, aus dem die Wirtschaft auf die Dauer rohen kann. Soziales. Zahlt das Rrichsnotopfcr. ES hat den Anschein, als ob in weiten Kreisen der Bevölkerung noch nrchr mit der Tatsache gerechnet werde, dass das R c i äi S u o l- o p f e r. die groste Abgabe von Vermögen nach dem Gesetz vom 3!. De- zember 1919, demnächst veranlagt und erhoben werden niuss. Dast sich der z a h l u n g s f ä h i g e Sleuervfilchtige, wenn er mit der Zahlung säumig ist, selbst ichädigt, ergibt sich daran?, dast das Reichsnoiopier schon vom 1. Januar 19 29 an bis zum AahlungStage mit fünf v. H. jährlich verzinst werden mnss. alio von Tag zu Tag wächst, beioiiders aber auch daraus, dast der Säumige der besonderen Vorteile odee Vergünstigungen verlustig geht, die das Gesetz den Steuerpflichlie.en eingeräumt hat. die bis zum 31. Dezember 1929 und beionderS vor dem l. Juli l 9 29 bar bezahlen. Wer nämlich bis zum 39. Junr 1929 Bar- zablung leistet, braucht für je 199 M. nur 92 M. hinzilznaeben, wer vom 1. Juli bis 31. Dezember 1920 bar bezahlt, für je 100 M. immerhin nur 96 M. Wieviel leine Vermögensabgabe ungefähr ausmacht, das kann jeder nach dem Tarif, der in Z 24 des ReiÄSnoiovier- aesetzes enthalten ist. selbst auszurechnen, wenn er nur weist, welches Vermögen er am 31. Dezember 19>9 gehabt hat. Davon bleiben 5999 M., bei Gbegatien regelmässia 19 999 M. und wenn zwei oder mebr Kinder da find, für das zweite und jedes wettere Kind je weitere 5999 M. steuerfrei; der Rest des Vermögens ist zu versteuern. So viele Kinder da sind, so viel mal 59 999 M. dieies Restes sind mit zcbn v. H. zu versteuern, der Ueberschuss endlich nach dem Hundertiatz der für den ganzen genannten Rest nach em Tarif anzusetzen wäre.., ES habe z. B. ein verbeiraieier Steueipflichtiger mit fünf Kindern ein Vermvaen von 399999 M., so häite er zu rechnen: steuerfrei sind iL? Mann. Frau und vier Kinder 6 mal 5999 ---- 39999 M. Vom R e st mil 279999 M. find iüukmal 59 999— 250999 M. zu 10 v. H., alio mit 25 999 M. zu veisteuein, die Überickiestendeu 20090 M. daeegen zu dem Hundertsatz, der nach dem Tarn einem Vermögen von 270 000 M. einspricht, d. h. zu 14.81 v. H. also mit 2962 M. Die Vermögensabgabe vieles Maiines beliefe sich,'ouach äur 25 999 und 2962 27 962 M.; sie niuss vom 1. Januar 1929 an mil 5 v. H. jährlich ver-inst werden. Durch Beiablung vor dem l. Juli- kann der Steuerpflichtig« 279 mal 3 1 232 M. e r i p a r e n. Für die G e i e l l i ch a f t e n beträgt die Sleuer schlechtbin 19 v. H. des ReinverniögenS nach Abing des ciiigezahllen Grund- oder Stammkapitals, für die juristischen Personen anderer Art ui'd Bermögensmasseii 19 v, H. ibreS geiaiinen Vermögens nach Abzug der Schulden. Sie werden daher noch leich'er als die natür- lichen Personen in der Lage i-i», die Si'iier leibst zu berechnen, Zu bezahlen ist an die von den F i n a u z ä in r e r n als Zahlstellen bezelchiisten Kassen. Die Gebühren für Zeugen und Sachverständige sowie die Tagegelder und Rciserostcn der Schöffen und Geschworenen. 1 Das Bestreben der Arbeiterschaft war bereits bor dem�Kricge darauf gerichtcr, aus ihren Reihen für die Schöffen- und Schwur- gerichte Beisitzer zu stellen. Ihre Wünsche fanden oft sehr wenig Berücksichtigung. In der neueren Zeit ist darin wohl eine Besse- l rung eingetreten, da Arbeiter als Schöffen und Geschworene nicht mehr, so'große Seltenheiten- sind als früher. Den Arbeitern aber. die zu einem solchen Amte berufen wurden, ist die Ausübung dieses Ehrenamtes durch die niedrigen Entschädigungssätze erschwert war- den. sofern sie für die dadurch bedingte ArbeitsbetsäumniS Lohn- einbüße hatten. Zwar ist nach 8 616 des Bürgerlichen Gesetzbuchs ohne Verschulden versäumte verhältnismässig nicht erhebliche Zeit vom Arbeitgeber zu vergüten; aber der Arbeitgeber bat die Mög- lichteit, diese Bestimmung im Ärbeirsvertrag auszuschalten, und hiervon ist auch viel Gebrauch gemacht worden. Bis Oktober 1919 wurden den Schöffen und Geschworenen für ihre Amtstätigkeit nur 5 M. für den Tag an Tag.geldcrn und für Reisekosten gezahlt, eine Vergütung, die schon bei den da- mal.gen Löhnen viel zu gering war. Durch Verordmiitg vom 16. Oktober lstlö wurden diese Sätze verdoppelt. Der Satz von 19 M. war aber schon damals noch bedeutend zu niedrig. Abermals ist nun eine Verdoppelung sauf 29 M.) durch eine neue Verorb- nung vom 22. Mai 1929 sRcichsgesetzblatt Nr. 114, S. 1938) ein» getreten, die aber ebenfalls nicht voll den jetzigen Lehnen Rechnung i trägt und den Schöffen und Geschworenen Lohneinbussen auferlegt, sofern sie die versäumte Arbeitszeit n.cht vergütet erhalten. Auch die Gebührensätze für Zeugen und Sachverständige find durch die neue Verordnung auf das Zweieinhalbfache der alten Sätze erhöht worden. Tie Entschädigung eines Zeugen oder Saeb- verständigen kann bis auf weiteres bis zum Hoch stoe trage von 49 M. sstott bisher 15 M.) für jeden Tag, an dem der Zeuge oder Sack verständige abwesend gewesen ist, und bis zum Höchstbetrage vvn 12 M.(statt bisher 8 M.) für jedes ausserhalb genommene"Nacht- quartier bemessen werden._ Oenojssnschaststag ües Zentralverbanöes üeutfcher Konsumvereine. Am zweiten VerhandlungStag« kommt ein Telegramm deS Reichspräsidenten Eberl zur Verle'ung, der den Beratungen des Genössenschastsiagcs reisten Erfolg wünscht. Von Rcistsminister Bauer ist ebenfalls ein Telegramm eingegangen. Er wünscht, dass bald an Stelle der privatkapitalistischen Wirtschaftsordnung die Ge- meinwirtschaft eingesührt wird. Dazu sollten auch die Konsum- genossenschafien beitragen Sodann g'bt Heinrich Kaufmann. Hamburg unter Bezug- nähme auf den vorliegenden Jahresbericht einen Ueberblick über die Entwicklung des Zentral verbau des deut- scher Konsumvereine im Berichtsjahre. Turch die gvivaltige Entwertung des Geldes war es notwendig, dass für dt« Aufrecht- erhattung der Warenlager der Koni-umvereine die doppelte und dreifache Summe erforderlich war. Daraus ergab sich die Nolwcn- digkeit, das genossenschaftliche BelriebLkapilal zu stärken, und es wurde deshalb durchweg die Erhöhung der Geschäftsanteile aus 299 M. beschlossen; den Reserven ist 1 Proz. des Umsatzes zuzufüh- reu. Hierauf behandelte der Redner Vereinbarungen mit dem Allge- meinen Verbände der deutschen Erwerbs, und WirtfchafiSgenosscn- fchaften zwecks Uebcrtritt zu dem Zentralverband deutscher Kon- sumvereinc. Der Allgemeine Verband tritt am Ende dieses Jäbres zum Zeiitralverband dcut'cher Konsumvereine über und soll nach Maßgabe seiner Stärk« innerhalb dsS Zentral ve-tbaKdes zur Geltung kommen. Damit ist ein wesentlicher Schritt zur Verein- heitlichung der deutschen Konsumgenossen- schaftsbewegung getan. Die Mitglieder der Kpnsum- vereine rekrutieren sich heute in politischer Beziehung von der äußer- sten Linken bis tief in die bürgerlichen Parteien hinein. Tie Vz». ausfctzung einer fruchtbringenden konsumgenossemchaftlichen Zu- samist>snarbcit sei die Wahrung strengster Neutralität in allen politische« und religiösen Frage«. Der Konsument soll frei sein; man gewinnt ihn nur, wenn man den bewußten Konsumenten willen weckt, wenn durch wirtschaftliche Leistugtn wirtschaftlich« Vorteile geboten werden, d. b. wenn wirtschaftlicher gearbeitet wird als bei dem Privat- kapital. Hugo B äst lein- Hamburg referiert sodann über die wirtschaftlichen Massnahmen des Vorstandes. DaS Kapitel „Aufhebung der Zwangswirtschaft" wird von Bästlein eingebend erörtert. Der Referent nimmt auf die verschiedenen der Zwangswirtschaft unterliegenden Artikel Bezug und bemerkt, dass eine Kritik an der Zwangswirtschaft nicht der heutigen Regierung gelte, sondern einer ZwangZwirlschaft, die vollständig zusammengebrochen sei. Tie heutige Re. gicrnng babe bei ihrem Antriit die ZloangSwirischast vorgefunden und sie zunächst auch weiter durchführen müssen. Tie Turchsührunq der Zwangswirtschaft sei jedoch nur möglich, wenn sie nicht nur auf dem Papier steht und den Einwohnern die Lebensmittelkarten überreicht werden, sondern w-nn auch die Einwohner die ihnen darauf zustehenden Waren erhalten. Wenn letzteres nicht möglich sei, dann seien die Verordnungen über die Zwangswirtschaft eili Fetzen Papier, und es fei düngend notwendig, sich mit dem Abbau der Zwangswirtschaft zu besckiäftigen. Die Getreidewirtschaft für das Jahr 1929/21 sei durch ein« neu« Verordnung geregelt. Tie Kartosselzwangswirtschaft und die Fleisckiwirtschafi seien Trauer- spiele, wie sie schlimmer nicht fem können. Im übrigen sei es er- wiesen, dass die Zivangswirtschafl die Waren viel zu sehr verteuere, wie man dies bei Margarine, Seife u. a. konsto- Heren könne. Zum Schlüsse beantragt Redner die vom Vorstand,- Ausschuß und Generalrat vorgelegte Resolution möglichst ein- stimmig anzunehmen, damit die Verbraucher dadurch dokumentieren, daß sie die Aushebung der Zwangswirtschaft nickt, wie eS von mehreren Seiten beliebt wird, im Interesse des Handels, sondern einzig und allein im Interesse der Verbraucher fordern. In der da. auffolgenden Debatte über den Geschäfts- b er i cht laufen verschieden» komu untstische Redner Sturm gegen die Neutralität der Genossenschaften. Auch werde der Betriebstäie- frage viel zu wenig Ausmerksamkeit geschenkt. � Ein Tiskussionsvtdner wandte sich energisch gegen die Aus- Hebung der Zwangswirtschaft, da diese zu einer ungeheuerlichen Pre ssteigcrung führe. Redakteur K a sch- Hamburg wies darauf hin. dass jede Mei. nung offene Tür in der.Konsumgenossenschaftlichen Rundschau" finde. Im übrigen hätten auch berufene Vertreter der rufstscken GenvsscnsckaftSbewezung über das Leninsche konsumgonosscnsckaft- liche Problem der Konsumtommunen in der»Konsumgenossen- schaftlichen Rundschau" geschrieben. Aber auch diese hätten nur das bestätigt, was gestern d-'r russi'che Delegierte in seiner Be- grüssungSrede gesagt babe. dass die russi'chen Konsumgenossen- schafien in ZwangSinst.tutionen durch die Sowjet- r e g i e r u n g umgewandelt worden seixn. Und das lönne nicht das Ziel der deutschen GenosscnschastSbcwegung sein. Zum Schlüsse wurde die von Bästlein-Hamburg vorgelegte Resolution über die Aufbebung der Zwangswirt. schaft gegrri wenig« Stimmen angenommen. Kandels-l Kasten- Wagen Leiter- j Karren aller Art Gfitao£Kiili0 Transpoitgerate- Fabrik, Cöpenicker Str. 73 u. 113. bis 3X4 aus Privathand gesucht. John Rnsenlha!, BerllnW. S, Taabenstr. 10. Fernsprecher Zentrum 7791. Lchukd-ude. GtuOenhünh chcn. junge Roilcrtitt. 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