Ne.ZS�ZV.�ahrgang Ausgabe Ä Nr. 15 Bezugspreis: »�«IjShrU SO,— OTUmonatl.10,— SRI. fr« iiw»ou«. voraus zahlbar. Post- dezugl Moualli-H 10,— Mk. rxiU Zu- stelluuzsgedllhr. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich 19/0 M!» für das übrige Ausland v«> laglich emuial. Zustellung ZI Z0 N. Postbe- stellunqen nebinen an Oesterreichs Ungarn, Zsschecho-Llawal«, Daae- marl, solland,-azemburg, Schweden und die Schwei».— Eingetragen in die Post--eilungs Preisliste. Der»Vorwärts� mit der Sonntag» deilage»Polt u. Zeit"«rjcheinl wochentaglich»weima' Sonniag» und Mon- tags einmal. Telegiamm-Adreif« �dozioldeniokro! Berlin-. Morgen'Ansgabe � zs yfßtofZx Serlinev Volksblstt ( IL Pfennig) AnzetaenpreiS: Die achtgeivallcn« Nonpareillezeile toste Z.— M., Teuerungszuf chlag SO�/»./ «Itlsins«azetg»»-, da» lelt» r grd ruckte Wort 1,— im.(»Hltifilg»we> iettgedruckte Worte» ied»s weiter» Wort 00 Pig. Stellengesuche und Schlafstellenanzeigen da« erste Wort SS Psg, jede« weitere Wort 40 Pig. Wgrte über>5 Buchstaben zählen sür zwei Borte. Teueraingszukchlag 50° ,. Faotllten-Anzeigen tiir Abonnenten Zeile M., politisch« und ge- werkfchastliche Berein»- Anzeige» 3.— Rk. die Zeile ohne Ausschlag. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bi» S Ahr nachmittags un Hauptgeschäft. Berlin SW S8, Linben- straße 3, abgegeben werden. Deöffnet von ü Uhr früh bis 5 Uhr abend-. Zintrulorgnn der rozialdemokratircben Partei Deutfcblands Keüaktion und Expedition: Sw. öS, Lindenstr. 2. Zaernivreciier- Amt Moiittvlatt, Nr.»Slitv—>31 S7. Donnerstag, den 17. Jnni I9jJ0 Vorwärts-Verlag S.m.b. h., SV). b8, Lindenstr. 2. fsernivrechcr: Amt Moristviau, Nr.>>7 33— 54. Regierung öer Mitte. Di« nrne Nkgierunst der bürgerlichen Mitte wurde im kaufe des gestrigen Tages noch nicht gebildet, galt aber trotz- dem als beinahe schon scrtig. Mau sprach in parlamcntari- scheu Kreisen von folgender Liste: Reichskanzler: Dr. M a y c r- Kaufbeuren. Inneres: K o ch. Auswärtiges: v. Nostitz(früherer sächsischer Gesandter in Wien). Wirtschaft: W i e d f e l d. Finanzen: W i r t h. Schab: v. Siemens. Arbeit: Stegcrwald. Lcrkrhr: Grüner. Reichswehr: G c si l e r. Justiz: Heinze. Diese Liste konnte jedoch nicht als feststehend betrachtet werden, da ein Teil der in Aussicht genommenen Minister. kandidaten noch gar nicht feine Zustimmung gegeben hatte. Es handelt sich alio nur nm eine Skizze, und zum mindesten werden einzelne Personen anSgcwechsclt werden, wenn die Kandidaten ablehnen oder sich sonstige Schwierigkeiten er- geben. Tic Liste gibt also nur ein ungefähres Bild der Grundlage, auf der das neue Kabinett znstandekommen soll und voraussichtlich auch Zustandekommen wird. Dr. Mayer» Kaufbenrcn befindet sich nicht, wie ein Spätabendblatt meldete, in Berlin, sondern in Paris, wo er bekanntlich als Geschäftsträger de? Deutschen Republik seinen .........■■min.................... u- i Ii i.......* vm.......... un gj die Untersuchung gegen öie Kappiften. S7 Angeschuldigte cntlaffen oder benrtaubt. Beim Untersuchungsausschuß für die März» Vorgänge im Reichswehrministerium sind, wie halbamtlich mitgeteilt wird, gegen 691 Offiziere Anklagen er» hoben worden. Bis jetzt ist in 367 Fällen entschieden. I u 97Fällen ist auf Dienstentlassung und Beurlaubung erkannt, während der Rest durch Versetzung und Nieder- schlag seine Erledigung fand. Um auch dem Uuterpersonal zu seinem Recht zu helfen nnd unrechtmäßige Entlassungen zu verhüten, ist ein weiteres Referat für Beschwerden von Unterperso- « a l zuständig mit einem Offizier, einem Unteroffizier und einem Zivilrefereuteu, errichtet worden. Hollanös doppelkreüit an deutfchlanö. Lebensmittel und Rohstoffe. Haag, 10. Juni. Der Gesetzenlwurf betr. da? holländisch« deutsche Kredit-undKahlenablommen ist der Zweiten Kammer zugestellt worden. In den tbrläulerungen heiht e« u. a.: ' Auf Grund deS Abkommens wird Holland«inen zwei- fachen Kredit für Deutschland eiöffnen, einen von 00 Millionen Gulden für den Ankauf von Lebensmitteln holländischen oder niederländisch-indischen Ursprung?, einen zweiten von 140 Millionen Gulden für den Ankauf von Rohstoffen. Für beide Kredite ist der Zinsfuß auf S Prozent festgesetzt. AIS Unterpfand werden deutsche Echatzanweilungen biS zum Betrage von 200 Mllionen Gulden M der Niederländischen Dank deponiert. Di« Rückzahlung deS LebenSmittelkre- dite« soll durck Bsrrzchnung mit 25 Prozent deS Preises der Kohlen erfolgen die auf Grund deS Abkommens durch Deun'chland an Holland geliefert werden, mit der Mahnahme, daß Deutschland nicht mehr als höchsten» 20 Millionen Gulden jährlich abzuzahlen braucht. Der Roh st offkredit muß ipäiestenS am 3l. Dezember 1921 getilgt fein. Hierbei ist nicht bestimmt, daß die Rohstofi« niederländischen oder niederländisch-indischen UiiprungS sein müssen, so daß Teutschland auf den vorteilhaftesten Märkten kaufen kann. Dee Morüprozeß von Thal. Marburg(Lahn), 16. Juni. Heute morgen fand auf der Straße Eis«nach— Gotha txr den Orten Sättelstedt, Mechterstedt und Teutleben der Lokaltermin des Kriegsgerichts der ehe- »aliyen W. Division ivngen der Vorkommnisse bei Bad Thal ftatk. Außer den 14 Angeklagten waren auch 12 Zeugen und emiz« Vach- verständige erschienen Di« einzelnen Tatort« und di« Lage der 15 Leichen wurde festgestellt. Die Angeklagten behaupteten wieder übereinsttmmend, daß auf die 15 Gefangenen während der Flucht geschossen worden war. Morgen früh findet die Fortsetzung der Bachanddrnge»« Marburg statt. Sitz hat. Eine Antwort von ihm war ln später Abendstunde noch nicht eingetroffen. Di«„Telsgraphen-Union" will ans parlamentarischen Kreisen erfahren haben: Der Deutschen Volkspa-rtei ist im Lause der Verhandlungen nahegelegt worden,«inen ihrer Parlamentarier in da» Ministe- rium zu entsenden. Diese Beteiligung ist abgelehnt, weil die Deutsche Volkspartei durch eine derartige, dem politischen Willen' und Wahlevgebni» in keiner Weise Rechnung tragende Schein» konzession nicht letzten Ende» der künstlichen Verlängerung derselben Zustände die Wege bahnen kann, deren Beseitigung der Sinn de? Zusammenbruchs der alten Mehrheit am V. Juni war. Da» neue Kabinett wird also ein MinderheitÄabinctt sein und bedeutet al? solches nur ein« Vertagung, nicht«ine Lösung der Krise. Ein MinderheitSkabinett bleibt die neue Regierung ja auch mit de? Deutschen DolkSpartei. Die Auskunft ddll „T.'II." sielst so aus, als ob sie auS Kreisen der Deutsch» nationalen und nicht der Deutschen Volkspartei stammte, der Deutschen Volkspartei werden darin Gedanken- gänge nahegelegt, die bei den Deutschnationalen zu Ganse sind, aber nicht bei ibr E' wäre ja der Gipfel des Wider- finnS, wenn die Deutsche Lolkspartei, die eine Koalition mit der Sozialdemokratie angestrebt hat, eine Koalition ohne di« Soz»aldemokratie auS den angegebenen Gründen ablehnte! Ein mißliebiger Streik. DüsseNwrf, 16 Juni.(Tigener Drahtbericht des Vorwärts.) Der Streik der städtischen Arbeiter dauert fort. Da der größer« Teil der industriellen Werke und auch sämtliche Zei- tungen von der Stromversorgung der städtischen ElektriziiätäS- werke abhängig find, stockt da» gesamte wirtschaftlich« Leben. Die Zeitungen erscheinen als Kopfblätler auswärtiger Zeitungen. Der übrigen Arbeiterschaft hat sich eine starke Mißstimmung gegen die streikenden städtischen Ar- heiter bemächtigt, die früher entweder unorganisiert oder gelb waren und heute fast ausschließlich unier dem Einfluß der syndikalistischen Arbeiterunion stehen. Ein« von den s r e t g e- werkschaftltchen Organisationen einberufen« Funk» tionärdersammlung hat am Mittwoch abend mit 176 gegen 10 Stimmen beschlossen, die Mitglieder der ZentralgewerkSschaft auf- zufordern, die Arbeit wieder aufzunehmen. Die Stadtver- waltung hat im Laufe des Mittwoch bekanntgegeben, daß die städtischen Arbeiter, die weiter im Streik verharren, sich als«nt- lassen zu betrachten haben und damit aller ihrer Anrechte auf Pen- fionen und Ferien bei einer eventuellen Wiedereinstellung verlustig gehen. Man«chnet in Düsseldorf allgemein damit, daß der Streik, gegen den sich die gesamte Oefsentlichkeit mit Einschluß der gesam- den Arbeiterschaft wendet, in den nächsten Tagen ohne Erfolg sür die städtischen Arbeiter abgebrochen werden mutz. Das Kabinett Giolitti. Rom, IS. Juni.(TU.) Da» Kabinett Giolitti hat sich«nd- gültig konstituiert und hat heMe vor dem König den Eid geleistet. Die neu« M'nisterKst« deckt sich im wesentlichen mit der bereits gestern gemeldeten. Das neu« Ktibineit umfaßt außer Giolitti drei Radikal«, drei lüerale Demokraten, einen Liberalen, zwei Katholiken, einen Reform sozio. listen, einen unabhängigen Sozialisten und droi parteilose Senatoren. Der bekannte Pwilosoph Benedetto C r o o o-Neapcl ist zum Unterrichts mini st er ernannt war- den. Damit ist das Kabinett endgültig zusammengestellt. Der Nationaliftenkrieg in Kleinasien. Amsterdam, 16. Juni. Laut«TinieS' aus Konstantinopel haben die türkischen Rationalisten den Waffen still st and gebrochen und die franzvsiickien Vorposten in den armenischen Dötlern überfallen. An der Küste de» Schwarzen Meere? haben die Nationalisten die Kohlenbergwerke von E r e g l i be- fetzt nnd von den französischen Besttzetn eine Geldabgabe und Abtretung bestimmtet Bergwerke an die nationalistische Regierung gefordert. Zwischen den zu Hilf« kommenden Franzosen und den nationalistischen Truppen kam e» zum Kampfe, über dessen AuS- gang noch nicht? bekannt ist. Nach einer weiteren Meldung der.Time«' ist den türkischen Nationalisten, die in letzter Zeit unter MunitionSmangel zu leiden hatten, bei der Sinnahme von Bosanti ein großes Depot mit Artilleriemunitlon in die Hände Gefallen, das die Deutschen im Winter 19l7 in der Nähe des TauriStunnelS errichtet hatten. Weder die Engländer, noch die 1919 an ihre Stelle getretenen französischen BesatzungStruppe« hatten die MnnitionSvorräte zerstört. »J liste milieu. Ein« Regierung der sogenannten„rechten Mitte", des „.Tufäte milieu" ist in Bildung begriffen und wird aller Bor» aussicht nach in den nächsten 48 Stunden, in Erscheinung treten. Sie solj aus Mitgliedern der alten bürgerlichen Koalittonsparteien bestehen, di« zum Teil ihre bisherigen Portefeuilles beholten wollen, der durch den Austritt der Sozialdemokraten entstehende Abgang wird aus den Reihen des Zentrums oder der Demokraten oder der Deutschen Volkspartei gedeckt. Noch verbleibende Lücken werden durch Fachminister ausgefüllt. In der neuen Regierung werden keine'Sozialdemokraten sitzen, nicht weil sie keine haben wollte, sondern weil die So» zialdemofraten selber nicht wollten. Sie will sich, wie es heißt, auf den Standpunkt stellen, daß die r e p u b l i k a- nische Verfassung nicht angetastet werden darf und sich von der Ueberzeusjung leiten lassen, daß in Deutschland gegen die Arbeiter nicht mehr regiert werden kann. Sie muß ohne Sozialdemokraten, will aber, sagt man, nicht gegen sie regieren. 'Ob dieses neue System, das sich aus keine feste Reichs- tagsmehrheit stützt, haltbar sein wird— und wie lange— nnch die Zukunft lehren. Aufrichti gleit gebietet zu sagen, daß es schlimmer hätte kommen können. Wäre eS nach den Wünschen der Unabhängigen gegangen, so hätten wir heute eine Negiernng Helsferich-Ludeudorff, und int deutsch- nationale Presse hätte keinen Grund zur Klage, daß ihre geliebte Partei bei der Negierungsbildung so schmählich über- und hintergangen worden sei. Vielleicht ist es kein Schaden, daß aus der Fahrt in den Abgrund doch einige bremsende Kräfte am Werke gewesen sind. Auch wir fürchten Helsferich-Ludendorsf nicht, und wenn sie kommen, holten wir uns bereit— aber es ist doch ein« schlechte Methode, sie zu bekämpfen, daß mon ihnen den ganzen Machtapparat des Staates zuerst in die Hand gibt. Ein wiche Z Spiel mit Absicht herbeizuführen, dazu ist uns das Schicksal des Volkes zu wichtig, Menschenblut zu heilig. Es hätte schlimmer kommen können— das heißt nicht, daß es nicht besser werben konnte. Die Arbeiterklasse räumt wichtige Machtpositionen, weil sie durch den Stoß, der: die Unabhängigen in ihren Rücken ausführten, unhaltbar ge° worden sind. Em letzter SJerstich, sie durch die vereinte Macht beider soziali st t scher Parteien nicht nur zu halten, sondern weiter auszubauen, ist von sozial- demokratischer Seit« angeregt, von den Unabhängigen in brüskester Weise zurückgewiesen worden. So muß man sich einstweilen bescheiden, ohne zu vergessen,>vem die Verant- Wartung für diesen wenig befriedigenden Stand der Dinge zufällt. Die Sozialdemokratische Partei steht der Regierung der Mitte in grundsätzlichem Gegensatz, aber in tattisch abwarten- der Haltung gegenüber. Sie ist sich dessen bewußt, daß von dieser Regierung Fortschritte in der Richtung zum Sozicnlis- mus so wenig zu erwarten sind, toi« Feigen vom Dornbusch, sie wird also von dieser Regieumg nicht verlangen, daß sie gegen ihre Natur handelt. Desw schärfer wird sie darüber wachen, daß wenigstens die Errungenschaften, die die Ar- beiter unter der vielgeschmähten Koalitionsregierung erzielt haben und deren Wert ihnen im Augenblick ihrer Gesähr» dung klarer werden dürste, nicht angetastet werden, daß es wemgstens nicht rückwärts geht solange, bis es wieder vor» wärts gehen fecktn. In einem parlamentarischen Staat stürzt man Regierungen, wenn man selber cm die Macht kommen will. Will oder kann man da» nicht, so wird man immer bedenken, was die Folge des Regierungssturzes sein wü�o, nnd wenn man zu dem Ergebnis kommt, daß das Minister- stürzen im Augenblick nur den im Hintergrund lauernden s ch ä r f st e n Gegnern zugute käme, so wird man sich die Sache noch einmal überlegen. So erklärt es sich, daß die Sozialdemokratische� Partei gegen die neue Regierung nicht sofort— gleichgültig, was sie tut— wie ein Stier mit ge- senkten Hörnern anrennen wird. Wenn es Leute gibt, die unter allen Umständen eine Regierung der Rechten haben und die Sehnsucht der Deutschnationalen nach unbeschränkter Macht befriedigen wollen, so mögen sie daS Geschäft, das sie begonnen haben, zu Ende führen. Die Sozialdemokratische Partei wird sich aber von solchen Bcm�rottpolittkern ihre Taktik nicht vorschreiben lassen. Die neue Regierung wird wohl selber wissen, daß ihr schwerlich eine lange Lebensdauer beschert fein wird. Die Logik der Tatsachen fordert, daß sie in absehbarer Zeit von einer anderen abgelöst werden muß, die entweder die äußerste Rvaktiov verkörpert oder aber gegen die Reattran viel stärkere ; Garantien bietet al° si«. Ans dem Entwicklungsweg von der ! neuen Regierung zu einer neueren werden wahrscheinlich Wahlen liegen, hoffentlich keine schmerzlicheren Ereig- nisse. Die Macht der Arbeiterklasse wieder zu stärken, indem sie die p o l i t i s ch e V e r n u n f t der Arbeiterklasse wieder � stärkt, und ihre Kräfte gegen einen unvorhergesehenen Ge- . waltvorstotz der Reaktion bereitzuhalten, muß inzwischen die Aufgabe der Sozialdemokratischen Partei fein. Der neuen Regierung darf man zurufen:„Mönchlein, du . gehst einen schweren Gang!" Ihr Weg geht über Spa, durch f. die Dornenhecken der auswärtigen Politik in eine Wirt- • fchaftliche Krise hinein, deren Umfang und politische i Folgen schwer abzuschätzen sind. Um so mehr mag sie sich vor dem Vorwurf hüten, durch eine verfehlte Wirtschaftspolitik die Krise verschärft zu haben. Die französische Regierung des „sustv milieu", die der Zulircvolution folgte, ist berühmt oder berüchtigt geworden durch ihren Ruf:„Enrichissez vous!"(„Bereichert Euch!"), durch die Niederlegung aller Hemmnisse, die einer ungezügelten Jagd nach dem Profit entgegenstanden. Unterstützung fand sie nur bei den besitzenden Klassen.„Das sind die Gutsbesitzer, die reichen Bankiers, die Krämer, die sich mit einem vornehmen Worw die Industriellen nennen", schrieb Börne in seinen Pariser Briefen. Es war die Zeit, in der Berauger sagte, es gebe in der ganzen Welt nicht mehr Reichtum und mehr Elend als in Paris. Von der Regierung der G u i z'o t und Thiers unter- scheidet sich die deutsche Regierung der Mitte jedenfalls da- durch, daß sie in einer Zeit lebt, deren Pulse rascher jagen, und daß ihr deshalb keinesfalls eine siebenjährige Tauer be- schieden sein wird, wie jener. Tie Machtkänipfe zwischen Kapital und Arbeit stehen auf einem Höhepunkt, und eine Politik der Vermittlung, wie sie schein- bar geplant ist, kann sie bestensfallS vertagen, nicht ausschalten. Möge man nun auch auf der Seite der Arbeiter begreisen, daß ein vorwärtsstürmender Wille zum Siege nicht ausreicht, sondern daß auch eine Führung durch ruhige Vernunft notwendig ist. Dann wird das arbeitende Volk die Machtposifioncn, die ihm durch den Unverstand eines Teiles von ihm verloren gegangen sind, rasch wieder erobern und er- weitern. Dazu ist Kampfbereitschaft notwendig, aber auch feste, nüchterne, zielklare Arbeit. Und Vorsicht! Die äußerste Reaktion, die wütend ist, weil ihr noch immer nicht die Macht in die Hände fiel, wird durch ihre Lockspitzel täglich neue Verschwörungen erfinden oder vorbereiten lassen, sie braucht den„Umsturz", weil sie sich die Rettungsprämie verdienen will. Sie wird keine gefälligen Toren mehr finden, wenn die Arbeiterschaft versteht, aus bitteren Erfahrungen zu lernen! vember ISIS vollzogenen Kreistagswahl. Wir geben sie hier wieder und fügen die Kreistagsstimmen in Klammern bei. Es erhielten: Sozialdemokraten. 9068(7407) Unabhängige..... 825(870) Rechtsparteien..... 6721(5768) Demokraten...... 2994(3543) � Es ergibt sich also, daß die Sozialdemokraten 1641 Stimmen gewonnen haben, während die Unabhnügig'en verloren. Das gleiche Resultat zeigt sich bei den Bürgerlichen. Die Demokraten, die in ihrer Haltung schwanken, verloren, während die Rechtsparteien ge- wannen. Noch deutlicher wird das Verhältnis zwischen der Sozialdemo- kratie und den Unabhängigen, wenn man die wenigen Jndustrieorte des Kreises, die schon an den Lübecker Stadtstaat grenzen, vergleicht. Dort erhielten in Sizia ldemokraten Unabhängige Rensefeld... 918(737) 141(160) Stockelsdorf.. 923(713) 242(246) Seeretz.... 381<320) 18(1l) feststehen unö vorwärtsgehen. Auch eiue Wahllehre. Nicht überall haben die letzten Wahlen einen Stillstand oder Rückschritt der sozialdemokratischen Stimmen gebracht. JnLbc- sondere wo unsere Genossen eine konsequente'Organisationsarbeit verbanden mtt«iner gradlinigen politischen Stellungnahme, wo sie sich nicht dauernd durch die unabhängigen Lärmmacher von einer Aufregung in die andere jagen ließen, war der Stimmenverlust unserer Partei bei den Reichstagswahlen verhältnismäßig gering, hier und dort war sogar trotz allem ein Fortschritt zu verzeichnen. Ein sehr lehrreiches Beispiel bietet der kleine oldenbur- gische Landtagswahlkreis Eutin— das frühere„Fürstentum Lübeck"—, der für die Reichstagswahlen zu Schleswig-Holstein gehört und infolgedessen fürs Reich diesmal nicht mitwählen konnte. Er ioählie aber am 6. Juni zum oldeuburgischen Land- tage und die Stimmenziffern, die er ausbrachte, sind sehr be- merkenswert, wenn man sie vergleicht mit denen von der im No- 1 Preußen, in der in der Landwirtschaft ein ZwangStarif Zusammen also 2222(1770) 401(417) In dem Städtchen Eutin vermehrten wir unsere Stimmen von 1036 auf 1051, die Unabhängigen sanken von 45 auf 34, die Rechts- Parteien stiegen von 1075 auf 1098 und hier gewannen sogar die Demokraten 42 Stimmen, so daß sie 597 buchen konnten. Der kleine Landkreis ist selbstverständlich kein Musterbeispiel für alle Fälle. Aber soviel lehren die Ziffern doch, daß die Werbekraft der Unabhängigen nicht überall wirkt. Wo vor allem die Sozialdemokratie in ihrer Organisation feststeht, wo sie durch keine unabhängigen Rodomontaden sich aus dem politischen Gleichgewicht bringen läßt, wird sie immer den Vorsprung haben Ihre p r a k- tische Arbeit, ihr gesunder Sinn für das Mögliche sichert ihr die Anhänger, die politische Nervosität treibt sie hingegen dem lautesten Schreier zu. tzetze gegen üen Lanöarbeiterverbanü. Seit Wochen hetzt die deutschnationale Presse die Oeffent- kichkeit planmäßig gegen den Deutschen Landarbeiterverband aus. Tag für Tag werden von einer bestiminten Stelle Hetzartikel gegen den Verband losgelassen, die ihren Weg stets zum letzten reaktionären Kreisblättchen finden. Der Verband wird als kommunistifch-boksche- w istische Organisation denunziert und immer deutlicher nach einem gesetzlichen Eingreifen gerufen, wobei in der der- logensten Weise die Verbraucher, vor allem die Bewohnter der Städte, gegen die Verbandsleitung und die Organisation der Landarbeiter aufgeputscht werden.„Der Lcmdarbciterverband droht in Pommern wieder einmal mit dem Generalstreik!" schreiben heute im ChvruS„Deutsche Tageszeitung", ,Freuz-Zeitung". „Deutsche Zeitung" und all die von den Kriegs)' chic beru gekauften Provinzblättcr. Gestern toar eS die Provinz Sachsen, die vom Landarbeitergeneralstreik heimgesucht werden sollte. Hier sei die R ü b e n e r n t e vernichtet, die deutsche Zuckerpro du k- tiou unmöglich gemacht, in Pommern wolle der Verband die gesamte Ernte vernichten. " ES gibt nicht leicht eine mit größerer Gemeinheit und annähernd derselben Verlogenheit betriebene Agitation gegen eine wirtschaftltche Arbeiterorganisatton, wie sie sich hier zeigt. In der Provinz Sachsen haben die Landarbeiter auf einigen Gütern wenige Tage die Arbeit ruhen lassen, um Verhandlungen wegen einer Teuerungszulage zu erzwingen. Die Teuerungs- zulage ist bewilligt, die Arbeit längst wieder aufge- nommen, die Rübenernte ist nicht vernichtet und die Zuckerproduktion hat nicht den geringsten Schaden er- litten. In Pommern aber vereitelt der„Pommersche Landbund" jedes Zustandekommen einer tariflichen Vereinbarung zwischen den Arbeitnehmerorganisationen und dem landwirtschaft- licheu Unternehmer. Pommern ist die einzige Provinz in seitens der Regierung durchgesetzt werden mutzte, weil der Pom- mersche Landbund jede friedliche Vereinbarung mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln vereitelt hat. Ter Landbund sieht als seine Hauptaufgabe die Vernichtung der gewerk- schaftlichen Organisation der Landarbeiter an. Zu diesem Zwecke hat er in seiner Organisation eine sogenannw Arbeitnehmergruppe gebildet. Diese gelbe, zumeist aui dem Papier stehende Organisation wird bei allen Tarifverhand- lungen als Sturmbock vorgeschickt. Obwohl der Reichs- arbeitsminister in einem Erlaß diese Vereinigung als Tarifpariei gemäß der Verordnung vom 23. Dezember 1918 nicht anerkannt hat, wird vom Landbund immer wieder verlangt, daß die gewerkschaftlichen Organisationen der Landarbeiter diese vom Gelde der Unternehmer unterhaltene gelbe Vereinigung anerkennen sollen. Wenn es in Pommern während der kommenden Ernte wieder zu größeren Streiks kommen sollte, ist nur der Land- bund schuld. Die seinerzeit auf Grund des A u? nähme- z u st a n d e s erlassenen Zwangstarife entbehren heute nach der Aufhebung des Ausnahmerechts einer Rechtsgrundlage. Sie sollen nun auf Grund freier Vereinbarung oder durch ein pari- tätisches Schiedsgericht erneuert werden. Der Landbund aber verhindert das Zustandekommen von Verhandlungen und auch das Zusammentreten von Schiedsgerichten. Obwohl er weiß, daß die pommerschen Landarbeiter von ihrem berechtigten Verlangen auf tarifliche Regelung ihrer Lohnbezüge nicht ab- gehen werden, läßt er es auf den offenen Konflikt ankom- men, weil er darauf hofft, daß durch einen Ernte streik die Stimmung für ein Ausnahmegesetz gegen die Land- arbeiter reif wird. Die täglichen Hetznotizen in allen agrarischen Blättern deuten auf einen planmäßigen Feldzug in dieser Richtung. Die deutschnanonalen Agrarier wittern seil langem Morgenluft und hoffen, ihren verhaßten Gegner, die ge- werkschaftliche Organisation der Landarbeiter, baldigst z e r- trümmern zu können. Die Herrschaften werden sich schwer verrechnen. Preußische verfaßungsberatimg. Im V e r f a s s u n g s a u s s ch u ß der Preußischen Landes- Versammlung setzte beim§ 1 im Anschluß an Anträge der Deutsch- nationalen und des Berichterstatters Dr. Berjrdt(Dem.) eine längere Debatte darüber ein, ob Preußen ausdrücklich als R e p u- b l i k bezeichnet werden sollte, oder ob die Bezeichnung„Frei- st a a t" unter Hinweis auf Artikel 17 der Reichsvcrfassung g e- nüge. Die Bezeicknung Republik wurde schließlich mit den Stim- men der Sozialdemokraten und Demokraten aufrechter- b a I t en. Ein Antrag der Unabhängigen, die H o h e n z o I l c r u für alle Zeiten als abgesetzt zu erklären, und die Familiengüter zum Eigentum der preußischen Republik zu machen, wurde gegen die Stimmen der Unabhängigen abgelehnt, da nicht nur die Mit- glieder i>LS Hauses Hohenzollern. sondern a.lle Leute, die etwa Herrschaftsausprüche auf Teile Preußens cxheben, durch die Fest- legung der republikanisckicn Verfassung als erledigt anzusehen seien, und weil die Bestimmung über die Familiengüter äugen- sckieinlich dem Artikel 155 der R e i ch s v ersassung widersprechen würde. Die Rechtsparteien beantragten einen§ 1a, der den gegen- wärtigcn Gebietsstand Preußens unter besonderen Schutz stellen und die Landesfarben schwarz-weitz verfassungsmäßig festlegen wollte. Die Anträge wurden abgelehnt, weil nach der Reichsverfaffung der Schutz der Ländergrenzen gegen das Ausland lediglich Reichs fache ist. und weil die aus Sozialdemokraten und Demokraten bestehend« Mehrheit nicht durch verfassungsmäßige Festlegung einer besonderen Landesflagge gegen die Reickseinbeit und Reichsflagge zu demonstrieren wünschte. Die Beratung gedieh bis zum§ 3, demzufolge das Volk seinen Willen über die Staatsangelegenheiten durch den von ihm gewählten Landtag kundgibt. Es ergab sich Uebereinstimmung im Ausschuß darüber, daß dieser parlamentarische Absolutismus nicht zu- gelassen»erden solle, sondern daß alle verfassungsmäßigen Organ- als Träger des Volkswillens gelten sollen und Volksbegehren und Volksentscheid auch in die preußische Verfassung eiuzu- fügen seien. �uswanörerfahrt nach Seajllien. Deutsche, die es eilig qebabt haben, nach Brasilien auszu- wandern, habe» einen Ecjährien, der ebenso eilig die Rückfahrt «ngelreten Hot, ausgesordert, seine und ihre Erlebnisse in der Heimat öffentlich mitzuteilen. Dem„Hamburger Echo- ist der Berichl von zuständiger Stelle zugegaiigen. Er verdient weiteste Berbrcitung, weil das vielleicht ein Mittel ist, das Los der Schwerentläuschten, loie sie hoffen, zu erleichtern, und um weiteres Unheil solcher Leute zu verhindern, die das heimatliche Schicksal nicht mehr ertragen zu können meinen und die sich warne» lassen. Wir müssen aus Raumgründen einige Gullen des Berichts weglassen: sie erörtern die Schwierigkeiten der Kolonisten, ihr Land zu entwickeln, um daS Erreichte, von Klima, Insekten »nd Schurkerei immer Bedrohte, in Händen zu behalten. ME zirka 500 anderen Unglücklichen, die für ihr altes Bater- lantz nichts mehr übrig batteu, verließ ich Ende Januar d. I. Rotterdam mit dem Dampfer Avar- des Brasilianischen Lloyd, ehe- malz deutsches Schiff. Schon bei der Unterbringung im Zwischen- deck entstand ein furchtbares Durcheinander, da absolut keine Or- gamsatton vorhanden war beziehungsweise den Anordnungen der Schiffsleitnng einfach keine Folge geleistet wurde. Die Berpfle- gung war ausreichend und wäre auch gut zu nennen gewesen, wenn AÄvechselung vorbanden gewesen wäre. ES gab morgens ein kaffee- ähnliches Geträn! mit reichlich Brot, gutem Weißbrot. Mittags Weißkohl mit wenig Kartoffeln, aber überreichlich Fleisch oder Bohnen, mit denselben Zutaten und wieder schön«» Weißbrot. Gegen 5 Uhr abends ungefähr dasselbe und abends noch einmal das Morgengetränk ohne Brot. Auf uns ausgehungerte Deutsche wirkte dieses reichliche Essen, besonders die reichliche Fleischzugabe, anfangs sehr angenehm, und waren alle in bester Stimniung, ausgenommen persönliche Streitigkeiten, ohne die der Deutsche anscheinend nicht gut zurecht kommen kann heute; dafür ist wohl det»langs Krieg vcr- antwortlich zu machen. Bald wirkte jedoch das eintönige und reich- lich fette Essen unangnehm, da eine Woche nach der andern verging, ohne irgendwelche Abwechselung zu bringen. Auch ließ die Sorg- falt in der Zubereitung bald nach, das Essen war häufig nicht gar; auch in der Küche ließ die Sauberkeit sehr zu wünschen übrig. ES stellten sich bald zahlreiche UnterleibSleideu ein, die vom Arzt aus- schließlich mit Rizinusöl und Bittersalz behandelt wurden, welche Medikamente nebst Jod crascheinend die einzigen im Besitz des Arztes waren. Den Höhepunkt der Unzufriedenheit brachten die Tropen. Durch unsittliche» Betragen mehrerer deutscher junger Mädchen— es wurden verschiedentlich welche nacht? aus den Kojen der Besatzung herausgeholt, einmal sogar vom Kapitän, wie verlautete. Person- lich— ließ die Achtung der Schisssbesotzung gegen uns bedenklich nach. Nicht nur, daß sie sich gegen die ebenfalls zwischen uns wohnenden zirka 150 Portugiesen bedeutend entgegenkommender zeigten, sie wurden direkt pflichtvergessen, so daß die Sauberkeit, die durch dt« Anwesenheit der Portugiesen schon an und für sich sehr mangelhaft war. direkt in Schweinerei(verzeihen Sie mir dus Wort, ich weiß tatsächlich kein passenderes dafür) ausarteie. Die Toiletten waren meistenteils nur zu betreten, wenn man sich em- weder wasserdichtes Schuhzcuq anzog oder sich der Schuhe und Htrümpje ontzledigte. Im Zwischendeck war eche unerträgliche Teinperatur, da für Lüftung absolut nicht gesorgt wurde beziehungs» »eise von einigen die Seitenfenster(Bullaugen) mit der bekannten Bemerkung„es zieht", sofort wieder geschlossen wurden, trotz der an Bord herrschenden Gluthitze: denn wir passierten die Tropen im Hochsommer. Hierzu das Essen: das Fleisch und der getrocknete Fisch mit Kohl gekocht, stanken größtenteils, so daß den meisten vor dem Genuß ekelte und sie wie ich, tagelang von Kaffee und trockenem Brot lebten, was naturgemäß heftige Beschwerden hervorrief. Die Matrosen und Heizer erwiesen sich hier als Kindersreunde; sie speisten von ihrem tadellosen Effen fast sämtlich« Kinder wochenlang. was sehr hoch einzuschätzen ist, sonst hätten wir statt der 2 mindestens 20 Tote gehabt. Endlich kam die Hilfe in Gestalt eines katholischen Geistlichen, der in der Kajüte fuhr und dem wir unsere Not klagten. Dieser teilte es dem Kapitän mit, welcher sich dann sofort zu uns begab mit dem Schiffsarzt und einem fremden, ebenfalls zufällig anwesen- den Arzt. Letzterer warf nur einen Blick auf die Zustände und ging kopfschüttelnd wieder zur Kajüte. Aber von diesem Tage an wurden wenigstens die Toiletten und das Zwischendeck täglich ge- spült und auch desinfiziert. Das Essen blieb dasselbe, da der Arzt, der zu jeder Mahlzeit davon eine Kostprobe erhielt, es jedenfalls für gut hielt, obgleich ich behaupten mächt«, daß er eS selten probiert hat; denn wir waren doch, weiß Gott, aus unserer Heimat her einiges zu essen gewöhnt— so leicht hätten wir nichts gesagt. Der einzige unter uns portugiesisch sprechende Herr teilte unS denn aus unsere Bitte mit, daß nach Rücksprache mit dem Proviantmeister nur sehr wenigMeis vorhanden sei, für das Zwischendeck käme dies kleine Quannlm gar nicht in Frage. Da kam es zu offener Revolte, der portugiesische Koch wurde aus unserer Küche entfernt und durch einen deutschen ersetzt, der ebenfalls als Auswanderer zwischen uns weilte. Nun mit einnimal war genügend Reis da, ja in solchen Mengen gekocht, daß täglich mindestens 100 Liter fertiges Essen, u. a. Reis mit Speck, mit Fisch, mit Fleisch, mit Zimt und Zucker. trotz größter Anstrenguna nicht mehr zu bewältigen waren und über Bord gekippt wurden. Zllles lebte wieder aus, und 10 Tage später hatte: wir R i o erreicht! Jetzt kamen wir nach der Blumeniuscl, von Natur aus ein kleines Paradies, wenn«? nicht von den anwesenden zirka 2000 bis 3000 Menschen— es lvaren alle möglichen Nationen vectrcten—, in einen Dungbaufen umgewandelt worden wäre. Tic herrlichsten Palmen und blühenden und blühenden Sträucher lvaren umringt von Kothaufen und Kadavern bzw. stinkenden Knochen und Fleisch- resten, woran sich die Aasgeier in Scharen gütlich taten. Das Essen war gut zu nennen: wenn es nicht von so unfreundlichen Wirten vorgesetzt worden wäre, hätte es noch besser geschmeckt. Sehr knapp war das Getränk, eS gab nur morgens und abends eine Blechtasse (zirka Liter) voll und das reichte bei weitem nicht aus bei der Hitze. Hierdurch wurden hauptsächlich die Kinder zum reichlichen Waffcrgenuß verleitet, was bei dem«ichlich vorhandenen mannig- faltigen Obst sehr gefährlich wirkte, so daß bald täglich Tote zu der- zeichnen waren Nach zehntägiger Quarantäne— inzwischen war ziemlich scharf« Zollrevision gewesen—. bekamen wir die Erlaubnis, auf einige Stunden täglich nach Rio überzusetzen. Hier begab sich eine aus uns heraus gewäblie Kommission zur Behörde zwecks Erlangung Der versprochenen Ländereien usw. Man wollte nichts davos totgea und forderte als Beweisstück das Schreiben der Brasilianislben Rc- gierung. welches uns zur Auswanderung verleitet habe. Hierzu war natürlich niemand in der Lage; wir besaßen nur eine Zeitung, in welcher die Brasilianische Regierung— ich glaube durch das Schweizer Konsulat— 3000 deutsche Landwirte nebst Familie auf- forderte, nach dort zu kommen, unter den größten Versprechungen. Die Anerkennung dieses Artikels wurde glatt abgelehnt mit"der Bemerkung, dies könne seder in eine xbeliebige Zeitung hineinsetzen lassen; übrigens sei gar kein Land vermessen und könne aus diesem Grunde aiub nichts zur Verfügung gestclll werden. Darauf gingen wir zum Hilfsverein, der uns jedoch nicht helfen konnte und uns zu einem deutschen Stellenvermittler verwies, durch den dann auch verschiedene Stellung bekamen als Handwerker, Arbeiter usw. ES kamen auch täglich Agenten nach der Blumeninsel, hauprsächlich von Kaffcplantageii beorderte, wodurch auch einige Familien unter. gebrach� wurden. Wie ich später erfahren habe, sollen tatsächlich einige Familien Regierungsland bekommen haben, dem größten Teil jedoch— zirka 80 Familien— wird nichts weiter übrigbleiben, als Arbeit zu suchen bzw. ibrem Berufe nachzugehen, was sie unter bedeutend günstigeren Verhältnissen im Vaterlandc auch bätteir haben können. Ich bin dann mit Hilfe eines brasilianischen Boots- manneS heimlich ausgeknisscn mit meinen, Gepäck, welches mir einige Jandsleute bereirwilligsl mit ins Boot halfen, nachdem viele Frauen und Kinder jammernd Abschied von mir genommen hatten, unglücklich darüber, daß ihnen nicht auch die Mittel zur Verfügung standen, ebenfalls wieder nach der alten Heimat sabren zu können. Brasilien ut an und für sich ein schönes und reiches Land. Wer jedoch die Absicht hat, dorthin zu machen, soll eS sich erst drei- mal überlegen. Der vermeintliche Kapitalismus, den der deutsch« Arbeiter und Angestellte mit dem Verlassen seines Vaterlandes glaubt hinter sich gelassen zu haben.macht sich in Amerika über- Haupt erst richtig bemerkbar. Hier spielt nur der eine Rolle, der Vermögen besitzt, olle anderen sind recht- und machtlos, sie fristen ein kärgliches Dasein in Spelunken, von denen sich auch der Aermste hier keine Vorstelluna machen kann. Fast jeder heute in den Städten arbeitende Deutsche hat angefangen als Kolonist, hat jahrlang Urwald kultiviert, hat auch sogar seine Freude zeitweise daran erlebt, letzten Ende? sah er jedoch stets den Prosit für das im Schweiße seine? Angesichts Produzierte in den Taschen der Großen verschwinden. Also gerade das, wovor er sick gerettet zu haben glaubte, durch die Auswanderung, findet er in erschreckenderem Maßstäbe drüben wieder. Die Gründung einer Emil- Fischer° Gesellschaft, die der Förderung der deutschen chemischen Forschung durch finanzielle Bei- bissen zur Sicherung der gesährdeten wissenschaftlichen I n ft i t u t e dienen soll, ist im Kaiier-W ilb elm-In jtttut für Chemie von den interessierien Industriellen vollzogen worden. Ferienbriefe deutscher Kinder aus Skandinabie« will das „Deulsch.nvrdische Jabrbuch für KullurauStausch und Volkskunde' das bei Eugen Diedcrichs in Jena«scheint berauSgeben. Abschriften bemerke»?. ««rw Sriese«bittet Dr. Walt« Georg,, z. Zt. Hohwacht bei Llltienbure (HolNem).> � lieber die Siebe, linier diesem Titel iit frn Berliner Verla- «chwetschke u. Sohn soeben ein neue? Buch von Salamon Dein". b itz er erschienen,, das in ErzählungSjorm Lehatteoe jeeimzergliedamt: (ürlf xsmttuüLm Ne. 304 ♦ 37. Jahrgang SMage öes Vorwärts Donnerstag, 17. Inn! 1020 Sroß-Verlin braucht dir positiv aufbauende Arbeit der S.P.S.! Gebt gm Äv.Luni der G. P.O. Eure Stimme! - H-- öerliner Zrausnarbeit. Hochkonjunktur und Lirisen seit INM. Von Gertrud Zucker. !(renn, die zahlreichen Helferinnen tru-J den Etappen strömten zurück. ! Alle bevölkerten den Arbeitsmarkt. Die Brutalitäten dcZ Krieges haben nickt lstnter der Front | haltgemacht; mit roher Gewalt haben sie auch die Frauen in der ! Heimat durchetnandergerüttelt und-geschüttelt, sie aus dem Frieden .....; des Hauses in die Hetze der Arbeit getrieben, um sie plötzlich Nahszu 6 Jabr« nach dem Ausbruch des Kriege? wird die• zurückzu ckleudern nicht nur in das Elend der momentanen Ar- EinheitSgemeindc Berlin in Kraft treten. Rückschauend läßt sich beitSlosigkeit, sondern in die Unmöglichkeit, Arbeit zu finden. ein Bild gewinnen, wie sich die Lage des Arbeitsmarktes speziell in � Die schwerste Zeit für die Arbeitsvermittlung begann. ES galt Berlin für die Frauen gestalteck char und welche Aufgaben und Tu?, dg, geringe Quantum von Arbeitsgelegenheit gerecht unter die sichten sich für die Zukunft ergeben.! große Menge der Arbeitsuchenden zu verteilen und den Vorwürfen Zuerst 1vl4 did große Panik auf Archeitgcbcrseite; man glaubte. Arbeitswilliger, die keine Arbeick finden konnten, standzuhalien. bor dem völligen Zrisammenbruch von Handel und Industrie zu � gg was noch viel schwerer war, die Frauen, die man jahrelang stehen und brutal wurde alle« nur irgend entbehrliche Personal— � mit Arbeitsangeboten überhäuft hotte, die sich die Arbeitsstellen oft ohne Inn ehaltung der gesetzlichen Kündigungsfrist— auf die Mch ihrer Neigung und ihren Fähigkeiten aussuchen konnten, davon Straße gesetzt.— Fabrikarbeiterinnen, kaufmännische Angestellte. � äu überzeugen, daß sie ihre Ansprüche wesentlich herabschrauben «lies sucht« Unterschlupf in häuslichen Diensten, weil man dort mühten. Psychologisch war eS nur allzu verständlich, daß diese wenigsten« gewiß war. die Notdurst deS Leben», Nahrung und Frauen, die man aus dem Hau'e geholt, in die Fabriken und Wohnung, zu finden. In jenen Tagen haben wir e? erlebt, daß sich � Kontore förmlich gezerrt wtte, diese plötzliche Veränderung nicht erfahrene und gut empfohlene Hausangestellte für Monatslöhne von 5 und 10 M., so gar nur gegen freie Station anboten. begreifen kannten. Mit einem Schlage waren alle so begehrten leichten Verdienstmöglichkeiten, wie Schreibarbeiten und Boten Aber schon nach sehr kurzer Zeit fetzte die zweit« Phos« der � gänge in den militärische» Bureaus, Heiniarbeick durch Anfertigen Entwicklung ein. Handel und Industrie stellten sich für die Kriegs-; von Zwicbackbeuteln und Sandsäcken, versiegt. Frauen, als Ersatz Wirtschaft um, mehr und mehr.Männer wurden zum Htm»dienst 1 für Männer' würben an keiner Arbeitsstelle mehr gebraucht. einberufen und die in Hülle und Fülle vorhandene Arbeit mußte! De Erwerbslostnunterstützung setzte ein. Nach dem der» durch Frauen verrichtet iverden.— Die Frauen zeigten sich bereit, � lorenen Kriege für die Allgemeinheit eine große Belastung, für die lieber außer dem Haus« zu arbeiten, anstatt im Hause zu darben,[ einzelne nur gerade soviel, um des Leben» Notdurft zu befriedigen. denn der Lebensunterhalt begann teuer zu werden und die Löhne> Immerhin aber genug, um den Frauen zu gestatten, noch für ein waren gut. � Weilchen die Lugen vor der schlimmen Wirklichkeit zu verschließen, Durch Arbeitsteilung und scharfsinnig erdachte Methoden ist c? sie über die Notwendigkeit, sich der veränderten Lage fo schnell wie möglich gemacht worden, nach kurzer Zeit der Anlernung gelernte möglich anzupasten, himvegzutäuschen. Männevarbeit von gänzlich ungelernten Frauen unter Aufsicht l De viel besprochene und kritisierte Ersckeinung, daß Taufende eines Meisters ausführen zu lasse». Durch Raubbau an der � von arbeitslosen Frauen a-uS den Mitteln der ErwerfiSloscnunter- Nerven- und Körpcrkraft der Frau konnten durch weibliche Arbeits- 1 stützung erhalten wurden, während für die vorhandene ArbciiSge» kräfte auch schwere Transportarbeiten, wie Kohleniragen, Entladen i legenheit leine Arbeitskräfte aufzutreiben waren, zeigte sich. Mit von Eisenbahnwagen, Müllabfuhr usttr geleistet werden.■ welchem Behagen sind diese Verhälinissi jn der bürgerlichen'Presse, Ms nun der letzte Akt dieses grausigen Lügenspie!» begann, in den.Kreisen de? Spießbürgertums breitgetreten worden. Da sah als man dem deutschen Volke vorspiegelte, die letzten Kräfte müßten! vmn es?a, da zeigte e�- sick z« sonnen. lar, daß das Volk nicht aufgeboten werden, um zum endgültigen Siege zu gelanzen. als zu � arbeiten wollte.-.aS«lw waren die Fruchte der Freiheit und der diesem Zweck das famose sogenaimte HindnGurgproHrmnm durch- usw. gefübrt werden mußt«, da holte man auch n-xh die letzten Frauen � Wie.immer sah man auch b.er nur tue nackten Tatsachen, die aus den stillsten Winkeln de» Landes. Aus Ostpreus�n und dem suchen Beweggründe merkte man nicht. Hier wr« überall vor. sächsischen Erzgebirge wurden sie scharenweise nach den mörderischen' man. da» da- Individuum zu seiner seelischen Umstellung Zeit. Pulverfabriken in Spandau und im Rheinland transportiert, i braucht. Keine durfte stillsitzen, keine sich lediglich ihrem Hause' und ihren.-llles, was geschehen konnte, diese? un«rfr«ul.che Uebergang!- Kindern widmen. Mit sckiarfen Späheranxxen wurde der Frauen- � adzufürAen, ist geschehen,-curch gütlici>eZ Zureden, hin bestand des deutschen Volkes nach Arbeitskräften abgesucht, wer nicht'>:ni>'mevec auch durch energsiche Maßnahmen«Entziehung der Er- freiwillig kam. der sollt? mit mebr oder minder sanftem Zwange! werbSlvsenuntcrstützung bei ungerechtfertigter Arbeitsverweigerung) daau aenö'.iat w«den: den ickönen Namen„auskämmen" batte sind r'.c �.auen dahin gebracht worden, vorhandene Arbeitsstellen zu übernehmen. Durch AuSbckldungs- und FortbilduiigSkurfe wurde die über vollzogen, und obgleich sich überall das Bestreben zeigt, Frauen durch Männer aus ihren Arbeitsplätzen zu verdrängen, hack sich doch die Lage des Arbeitsmarktes für die Frauen wieder günstiger ge- staltet. Für die Betätigung in häuslichen Denften, sei eS in tages- oder stundenweiser Beschäftigung als Auswärtcrm, Wasch- oder Reinmachfrau ist bei ständig steigender Entlohnung stets reichlich Beschäftigung vorhanden. De Maßschneckdeveck und Putzmacherei ist für Arbeitskräfte aufnahmefähig, die Glühlampenfabrikackion hatte derartigen Bedarf an Arbeitcrin-nen, daß er kaum zu decken war. Im kauftnänniscken Beruf sind gut geschulte, tüchtige Angestellt« leicht unterzubringen, an perfekten Stenotypistinnen besteht schon se'!7 geraumer Zeit ein direkter Mangel. Eine nicht unwesentliche"Entspannung der Arbeits Marktlage macht sich bemerkbar, aber wie lange wud sie andauern? De Gewitterwolken einer neuen drohenden Wirtschaftskrise ziehen herauf und ballen sich dichter und dichter zusammen. Ge- schäftSstockungen sind vorhanden und Arbeiterentlassungvn sehr zu befürchten, stellenweise wird sogar schon oon solchen berichtet. Durch Dezentralisation der AbstempelungSstellen bereitet sich die Er- werbSlotenunterstützung auf neuen Sturm vor. Des« Erkenntnisse zwingen dazu, an die Wege zu denken, die zu unserem sozialistischen ' Ziele führen. Es ist unbedingt erforderlich, daß die Arbeiterschaft. daß alle von ihrer Arbeit lebende» Menschen dafür sorgen, sich in allen Verwaltungskörperschaften, in den Parlamenten, in Reich, Staat und Gemeinde einen entscheidenden Einfluß zu sichern. ES muß sich jeder darüber klar fein, daß feine Interesisi! in jedem Parlament auf dem Spiele stehen, mag es da» ganze Reich umfassen oder nur eine Gemeinde: Im Gegenteil, di-e Möglichkeit, einen Einfluß auf die Produktion, auf die Verteilung usw. zu er- langen, ftt in einem beschränkten Kreise, wie z. B. einem Stadt- Parlament, viel größer, da dort da«„Unvorhergesehene" von ge- ringerem Einfluß ist. Wer aber seine Interessen vertreten zu sehen wünscht, für den genügt es nicht— um mit Lassalles Worten zu reden—,«Schönredner zu haben, sondern praktische Tiener, Menschen, die bereit sind, ihren Auftrag, für die werktätige Bevölkerung sich einzusetzen, für dos Volk zu arbeiten, zu erfüllen, und zwar restlos. Die be- reit sind— ohne da? Ziel zu verlieren—, auch den Anforderungen des Tages zu entsprochen, mag es auch noch fo schwer und un- bequem sein. Von allen politischen Parteien kann nur eine mit Recht von sich behaupten, diesen Ansprüchen genügt zu haben und da» ist die Umstellung in andere Berufebewerkstelligt und gefördert. Planmäßige C ouiammeourum. orr uni, sorgfAt'ig- Vermittlung von für die GrotzstadtbevÄkerung ge- Krumen von Mannern kehrten| ci�ts„ a�dstcben hat eine, wenn auch nicht allzu große Abwände- nrng auf das Land zur Folge gehabt. All diese Mittel haben ihre dazu gcnüligt wKden; den schönen Namen man für diese Methode erfunden! Und nun kam der militärische Zusammenbruch, der Waffen stillstand, die Demobilisation. beim und an ihre alten Arbeitsplätze zurück, die Frauen mußten weichen. Diele sind freudig zu Mann und Kindern und zur häus» lichcn Beschäftigung zurückgekehrt, vielen ist der Verzickst auf wirb schaftlich« Selbständigkeit, an die sie nun durch Jahre gewöhnt waren, sehr schwer geworden. Tauiende und aber Tausende von Frauen standen da mit leeren Händen und sähen sich dem Ge- spenst der Not und der Arbeitslosigkeit gegenüber. Der Winter 1918/10 ist hart gciocftn! Tagauz tagein strömten immer neue Scharen entlassener Frauen dem ArbcitSmarkt zu. Tm, sende, die bis dahin Granaten gedreht, Zünder gearbeitet oder sonstigen Heeresbedarf hergestellt hatten, fanden sich ein. Die militärischen BeklriduiigSämter, bei denen gleichfalls viele tausend Frauen Beschäftigung gefunden hatten, schlössen ihre Betriebe. Di« Entlassung der Strahenbahnschaffnerinnen und-fahre- rinnen, der Briefträgernros» und sonstigen Postaushelferinnen be- S. P. D. Wen» jeder bei einer Wahl und ganz besonders der Stadtverordnetenivahl feine Pflicht tut, so werben wir unser Ziel erreichen. GroßiBerlm Für KommuRalWkchl! Es wird, insbesondere für die Berliner S t a d t w a h l k r e i s e. nachmals darauf hingewiesen, daß heute abend von& Uhr an eine „ Flugblattvcrbreitung von den bekannten Lokalen aus Wirkung auf die Lage des ÄrbeitSmarktcZ nicht verfehlt. Auch die! stattfindet. Jeder Parteigenosse m u ß an dieser Flugblattvcrbrei- VcrordpUckq de?-DemobilmachungSkommissarS mit ihrem Verbot i tung teilnehmen. Je mehr Kräfte zur Verfügung stehen, um so der Einstellung von AvbeitSkväftcn, die bor dem 31. Juli 1014 hier nicht ansässig waren, hat manche Erleichterung gebracht. Wenn auch nicht zu verkennen ist. daß sie für viele ein« groß« Härte be- deutete und der Arbeitslosigkeit an sich nickst abhalf, sondern sie mir von einem Ort zum anderen veüegle. Wie so vieles während und nach dem Kriege war auch diese Verordnung aus der Not der Zeit geboren; auS Gründen der Sechster Haltung hat man sie hin- genommen, obgleich ihre Tendenz j'ck mir dem Grundsatz der inter- lokalen und internaiionalen Solidarität der Arbeiterschaft nicht vereinigen läßt. Mittle aoak hat sich auch noch und mich die innere Neuorientierung unserer Frauen der beränderten Arbeitsmarktlage gegen- geringer die Arbeii, die der einzelne zu leisten hat und um fo größer der Erfolg. Bei den Schwierigkeiten, die sich bei den Meldungen der Wahl» resultate, namentlich i» den einzelnen VerwaliungSbezirken und den Vororten in den Außenwahlkreisen ergeben können, werden die in den einzelnen Wahllokalen die Wahl leitenden Parteigenossen ersucht, da» Wahlresultat nicht allein dem zuständigen Kreiswahl. lciter. sondern gleichzeitig auch an das Zentralwahl. b u r e a u zu melden. Entgegen der gestrigen Mitteilung wird bekanntgegeben, daß daS Zentralivahlbuieau für den kommenden Sonntag sich nicht Lindenstraße 3, sondern Jn den Zelten 23 befinden wird. *7j Segen öer Eröe. Roman von Knut Hamsun. AlZ er außer Sehweite war, trat plötzlich Axel hinter einigen Büschen hervor. Barbro fuhr zusanimen und fragte: »Wie ist denn das, kommst du von oben herunter?"— „stäein, ich komme von unten herauf," antwortete er,„ober ich habe euch beide da hinaufgehen sehen."—„Ach so, wirk- lich! Ja. davon wirst du fett werden!" rief sie auf einmal rasend, sie war auch jetzt ebenso schlechter Laune wie vorher! „Was brauchst du da herumzuschnüffeln? Was geht e? dich an?"— Axel war auch nickst gerade freundlich.—„So, er ist also heut auch wieder hier gewesen?"—„Und ivenn auch? Was willst du von ihm?"—„Was ich von ihm will? Nein, was willst du von ihm? Du solltest dich schämen!"— „Mich schämen? Sollen wir darüber schweigen, oder sollen wir darüber reden?" fragte Barbro nach einer alten Redens- art. ,Ljch fitze in deiner Gamme wie ein altes Steinbild, daß du es weißt. Warum ich mich schämen sollte? Wenn du eine.Haushälterin nehmen willst, dann gehe ich meiner Wege. Du brauckst nur deinen Mund zu halten, wenn es nickst schändlich ist, dich überhaupt darum zu bitten. Da hast du meine Antwort. Jetzt werde ich auf der Stelle hin- eingehen, dir dein Eisen anrichten und Kaffee kochen, dann kann ich nachher tun, waS ich will." Unter fortwährendem Zanken ging sie hinein. Nein, Axel und Barbro waren nicht immer einig. Sie war nun schon zwei Fahre bei ihm, aber eS hatte immer ab und zu Streit geyeben, hauptsächlich weil Barbro wieder fort wollte. Er drang in sie, wollte, sie solle für immer da- bleiben, sich ganz bei ihm niederlassen und seine Gamms und sein Leben mit ihm teilen, er wußte, wie schlimm es wäre, wenn er wieder ohne Hilfe sein müßte,— sie hatte ihm auch schon mehrere Male versprochen, seinen Antrag an- zunehmen, ja. in liebevollen Stunden konnte sie sich gar nichts anderes denken, als dazubleiben. Aber sobald sich «in Streit entspann, drohte sie mit dem Fortgehen, und wenn sie auch«ichts anderes sagte, als sie wolle in die Stadt und ihre Zähne herrichten lassen, sie würden sonst kaputt. Fort- gehen, fortgehen! Er müßte etwas haben, mit dem er sie anbinden könnte. Anfinden! Es war, als hohnlachte sie über dergleichen! „So, du willst jetzt auch fortgehen?" sagte er.—„Und wenn dem so wäre?" versetzte sie.—„Kannst du denn reisen?"—„Kann ich nicht? Tu meinst, ich sei in Not weil es dem Winter zugeht, aber ich kann in Bergen jederzeit eine Stelle bekommen."— Da sagte Arsel sehr ruhig:„Das kannst du jedenfalls vorderband nickst! Trägst du nicht ein Kind unter dem Herfen?"—„Ein Kind? Was redest du denn da von einem Ztzind?"— Are! starrte sie verblüfft an. War Barbro verrückt geworden? Etwas anderes war, daß Axel selbst vielleicht etwas zu wenig nachsichtig war: Seit er nun diesen Anspruch aus sie l>atte, war er mit etwas zu großer Sicherlwit aufgetreten: das war unklug, er brauchte ihr ja nicht fo oft zu wider- sprechen, es wäre nicht notwendig� gewesen, ihr im Frühjahr geradezu zu befehlen, die Kartoffeln zu legen, er hätte sie zur Not allein legen können. Wenn sie erst verheiratet wären würde schon die Zeit kommen, wo er sich zum Herrn auftverfen konnte, aber bis dahin mußte er seinen Verstand gebrauchen und nachgeben. Aber das Schmälstiche war eben die Sache mit diesön: Kontoristen, dem EleseuS, der mit glatten Redensarten und einem Spazierstock dahergei'chlendert kam. War nun das «in Benehmen für ein verlobteS Mädchen in ihrem Zustand! War so etwa? überhaupt zu begreifen? Bis jetzt war Axel ohne Nebenbuhler hier gewesen. Fa, so änderte sich die Lage! „Hier sind neue Zeitungen für dich," sagt« Axel.„Und hier ist eine Kleinigkeit, die ich für dich gekauft habe. D.i kannst nun sehen, ob es dir gefällt."— Sie war kalt. Ob- gleich alle beide kochend heißen Kaffee tranken, antwortete sie eiskalt:.Ich wette, eS ist ein goldener Ring, den du mir'chon über ein Fahr her versprochen hast." Do hatte sie sich iedenfalls vergaloppiert, denn e? war tatsächlich, der Ring. Ein goldener Ring war es allerdings nicht, und einen solchen hatte er ihr auch nie versprochen, daran erinnerte sie sich jetzt: aber es war ein silberner Ring mit zwei vergoldeten Händen darauf also ein echter karat« gestempelter. Aber ach, der unglückselige Aufenthalt in Bergen I Barbro hatte dort richtige VerlobungLringe ge- sehen, er solle ihr nur nichts weismachen wollen!—„Diesen Ring kannst du selbst behalten," sagte sie.—„WaS fehlt denn daran?"—„Was daran fehlt? Nichts fehlt daran," antwortete sie. Damit stand sie auf und begann den Tisch abzuräumen.—„Du kannst ja diesen vorläufig haben, später wird sich dann vielleicht auch noch ein anderer finden," sagte Axel.— Darauf erwidexte Barbro nichts. Uebrigens war Barbro an dem Abend recht schiecht. War nicht ein neuer silberner Ring dankensrvert? Dieser vornehme Kontorist hatte ihr wohl den Kopf verdreht. Axel konnte sich nicht enthalten, z» sagen, was dieser Eleseus immer hier zu suchen babe.„Was will er von dir?"— „Von mir?"— ,Fa, sieht denn der Mensch nicht, wie eS bei dir bestellt ist? Sieht er dich denn nicht an?"— Barbro stellte sich vor Axel hin und sagte:„So, du meinst wohl, du habest mich nun an dich gebunden, aber du sollst sehen, daß das erlogen ist."—„So," sagte Axel.—„Ja, und du sollst sehen, daß ich auch von hier fortgehe."— Darauf vor- zog Axel nur den Mund zu einem leichten Lächeln, aber er tat e? nicht einmal offen und sin die Augen fallend, denn er wollte sie nicht reizen. Dann sagte er beruhigend wie zu einem Kind:„Run sei«mnal artig, Barbro, Du weißt ja, du und ich!" Und natürlich, spät in der Nacht endete es damit, daß Barbro wieder freundlich wurde und sogar mit dem silbernen Ring am Finger einschlief. O. es würde wohl alles wieder gut werden! Für die beiden in der Gamms wurde wirklich alles wieder gut, aber fiir EleseuS war es schlimmer. ES fiel ihm schwer, die Kränkung, die er erlitten hatte, zu über» winden. Da er sich nickst auf Hysterie verstand, glaubte er, er sei aus reiner Bosheit für Narren gehalten worden: dis Barbro auf Breidoblick war ein wenig zu keck gewesen, selbst wenn man mit in Rechnung zog, daß sie in Borgen ge- Wesen war, Gorts. folgt.) Im nachfolgenden werden Namen und Adressen der KrelS- Wahlleiter bekanntgegeben: I. Berlin-Mitte: Wollstein, NO., Lietzmannstr. S; II. Berlin-Tiergarten: Bethge, NW., Lehrter Str. 46; III. Berlin-Wedding: DrcwZ, St., Utrechter Str. 22; IV. Berlin-Prenzlauer Tor: Kemnitz, N., Schliemannstr. 28; V. Berlin-Friedrichshain: B u ch m a n n, O., Stralauer Allee 25; VI. Berlin-Hallesches Tor: K c s s u tz, Mariendorfcr Str. 2; VII. Charlottendmrg: Tost, Rosinenstr. 3; VIII. Spandau: F e ch n e r, Spandau, Neuendorfer Str. 81; IX. Wilmersdorf: Baruth, Wilmersdorf, Holsteinische Str. 43; X. Zehlendorf-Steglitz-Tempelhof: Szillat, Steglitz, Albrccht- st raste 53; XI. Schöneberg-Friedenau: Czeminski, Schöneberg, Hohen- friedbcrgstraste 16; XII. Neukölln: Kunze, Jnnstr. 10; XIII. Treptow-Köpenick: Schwarzburger, Oberschöneweide, Westendstraste 6; Vertreter: Birnbaum, Oberschöneweide, Wattstraste 21; XIV. Lichtenberg: Baranowski, Niedenbarnimstr. 4; XV. Weistcnsee-Pankow-Neinickendorf: Hulfes, Tegel, Schlieper- straße 6. Diejenigen Wahlkreise, welche aus mehreren Berwaltungsbe- zirken zusamemngesetzt sind: X. Wahlkreis, Zehlendorf-Steglitz- Tempelhof, XIII. Wahlkreis,' Treptow-Köpenick und XV. Wahlkreis, Weistensec-Pankow-Reinickendorf, werden in den einzelnen V e r- waltungsbe zirken mit besonderen Bezirksw l eitern versehen, deren Namen und Ndressen von den zuständigen KreiSwahlleitern zu erfahren sind bzw. an dieser Stelle noch zur Veröffentlichung gelangen. Parteigenossen! Wie nicht anders zu erwarten, be- werben sich die rechtsstehenden Parteien und die Un- abhängigen von neuem um die Gunst der Wählerschaft. Per- glicben mit der Reklame und den Versprechungen, die beide vor der ReichStagswahl machten, ist es bei ihnen merklich st i I l und ruhig geworden. Das kommt daher, dast beide ihres vermeint- liehen„Siege S" nicht recht froh werden können. Die Wähler, die den Scharfmachern von rechts und links ihre Stimmen gaben, sehen sich enttäuscht, weil beide, insbesondere die Unabhängigen, nunmehr Aug st vor ihrer eigenen Courage zu haben scheinen. Auf die Dauer wird sich ein denkendes Volk, vor allem ein denkender Arbeiter an drescm politischen Narren- seil nicht herumführen lassen, sondern verlangen, dast seine Stimme auch praktisch bewertet wird. Wer dieses Ziel auf dem Gebiete der Kommunalpolitik erreichen will, must rahin aufgeklärt werden, am 26. Juni nur der Liste Heimann seine Stimme zu geben. * VieAentraiwahlbureaus öer sechs öerllner Wahlkreise zu den Stadtverordneten- und Bczirksverordnetenwahlen am Sonn- tag, den 26. Juni, sind: I. Berlin-Mitte: Restaurant Haverland, Neue Friedrichstr. 35; II. Bcrlin-Tiergarten: Patzenhofer Brauerei, Turm- und Stromstrasten-Ecke; III. Bcrlin-Wcdding: Restaurant Meyer, Pankstraste 82; IV. Berlin-Prenzlauer Tor: Restaurant Burg,.Prenzlauer Mee 183;- V. Berli.n-FriedrichShain: Restaurant Schuckert, Rüdersdorfer Straste 3; VI. Berlin-Hallesches Tor: Lindenstraste 3, 1. Hof links ptr., Raum der juristischen Sprechstunde des„Vorwärts". An den genannten Stellen sind Flugblätter, Stimmzettel und Plakate in Empfang zu nehmen. Aufbesserung der Hinrerblicbenenbezüge. Durch die Tagesp�esse geht eine von einem der Verbände der Kiiegsbeichädigten und Kriegshinterbliebenen veranlatzle und an- gebltch aus annlicher Ouelle stammende Mitteilung, dast den Hinter- bliebeneu der Unterklassen, eine Änfbesserung ihrer Bezüge zuteil werden solle. Wie von dem Reichs arbeitsmini st erium hierzu mitgeteilt wird, liegt dieser Notiz eine amtliche Nachricht nicht zugrunde. Wenn auch Beratungen darüber schweben, die den Hinterbliebenen durch das NeichSversorgungSgcsetz sichergestellte Erhöhung ihrer Rentenbezüge durch Vorschustzahlungen so schnell wie möglich, IvenigstenS zu einem Teil, wirlsam zu machen, so sind diese noch nicht so weil gediehen, dast heute schon Einzelheiten bekanntgegeben, werden können. Sobald Endgültiges feststeht, wird Bekanntgabe erfolgen. Im übrigen must darauf hingewiesen werden, dast die in Vorbereitung befindliche Mastnahme nicht aus die Anregung eines einzelnen Verbandes zurückzuführen ist, sondern auf freier Entschlietzung der Reichs- regierung beruht, der die Notlage in de» Kreisen der Hinter- bliebenen sehr wohl bekannt ist und die daher unmittelbar nach Annahme des Reichsversorgungsgesetzes die nötigen Schritte einge- leitet hat. Wegen versuchten Morde? verhaktet wurde eine 26 Jahre alte Kriegerwitwe Pauline S t i e l e r. Frau Stieler geriet mit ihren beiden 5 und 4 Jahre alten Kindern in bittere Not. In der Ver- zweiflung beschlost sie, mit chren Kindern aus dem Leben zu scheiden. Vor acht Tagen schlost sie sich mit ihnen in ihrer Keller- Wohnung ein, speiste den GaSautomaten mit 26 Pf., öffnete den Hahn und legte sich mit den Kindern hin, um den Tod zu erwarten. Ein Nachbar wurde jedoch durch den Geruch auf die Behausung aufmerksam und' rief die Polizei. Diese fand Mutter und Kinder schon besinnungslos, aber noch lebend daliegen und liest alle drei nach dem Krankenhause Bethanien bringen. Die Mutter wurde wegen versuchten Mordes dem Untersuchungsrichter vorgeführt,, die Kinder bei Verwandten untergebracht. Der?�iköllner Polizeipräsident Appich ist, wie eine Lokal- korrespondenz zu meiden weih, vom Minister des Innern seines Amtes enthoben worden. Eine Bestätigung dieser Nachricht war an zuständiger Stelle gestern nicht mehr zu erreichen. Am Tage der Berliner iZtadtvcrorduetenwablen bleiben daZ Alte und Neue, das Kaiser-Friedrich-Museum, das Kunslgewerbe-Museum, das Museum für Völkerkunde, die Sammlung für deutsche Volkskunde, das Zeughaus und das Märkische Museum geschlassen. Verband sozialistischer Lehrer. Heute 7 Uhr sprechen in der Aula des Friedrich-ääilhclm-Gymnasiums, Kochslr. 13: König, Dr. Wyneckcn und Dr. Hierl.' tfüt die Kunstgewcrbczcichner und-zeichnerinnen veranstaltet der Bund der techuychen Angestellten und Beamten am Freitag, den 18. Juni 1326, abends 7 Uhr. in der Aula des Margareten- LyzeumS, Jsslandstraste, eine öffentliche Versammlung. Das Thema lautet:„Der Kunstgewerbezeichner, seine Arbeitsbedingungen und leine Organisation". Lichtenberg. Stadtverordnetensihung. Eine Petition des Jnter- cssenvereins für Handel und Gewerbe betr. Zuziehung einiger ihrer Mitglieder zu allen Sitzungen des Nahrungsmittelausschusses und der Beschwevdekommisskrn wurde abgelehnt. Der Schiedsspruch des SchlichtungSausschusseS Grost-Berlin vom 8. Mai 1920 betr. die nichtständigen Angestellten gelangte ohne groste Auseinander- setzung zur Annahcke. Stadtv. Arndt(S. P. D) bemängelte nur, dast in dem Pe rg ü t u n gS t a r i s die Gehaltssätze zwischen männlichen und weiblichen Jugendlichen eme zu graste Spagnc zugunsten der männlichen aufweisen. Der �Magistrat hatte hierzu eine Vorlebe eingebracht, nach der die Bergütungssätze für Jugend- Nur noch wenige Tage trennen uns ovn der Entscheidung in Groß-Berlin. Dw 23. Juni muff ein Ehrentag für die Berliner Sozialdemokratie werden. Dazu ist nötig, daß wir auch den letzten Wähler und die letzte Wählerin aus die Beine und in unsere Versammlungen hrin- gen, um ihnen zu zeigen,>:ine wie verhängnisvolle Politik die falschen Freunde der Arbeiterschaft, die Unabhängigen, treiben, wie sie die Macht der Arbeiter an die Reaktion ausliefern, weil so,„geschichtlich be- trachte t", der Sieg der Arbeit über den Kapitalismus beschleu- nigt wird. Aber es gilt auch der Wählerschaft, die immer noch auf die Wunderkrast der Rechtsparteien hofft, zu zeigen, dast diese Gesellschaft dem Volke nur neue Sklavenkcttcn anlegen will. Pflicht eines jeden Wahlberechtigten ist es daher, an den nächsten Tagen für die nachfolgend aufgeführten Vählerverfammwngen öer S.p.O. zu agitieren und sie zu besuchen. Sie finden statt: Heute, den 17. Juni: Blankenburg. 8 Uhr bei Klug, Referent: Genosse Keller-Pankow. Tempelhof. 3 Uhr, für Gewerbetreibende und Händler in der Auler der zweiten Gemeindcschnle, Werderstraste. Referent: Dr. CaS- parh-Wirtfchaftsministerium. Niedcrschönhauscn. 7% Uhr in der Aula des Lhzeums, Kaiser- Wilhelm-Straße. Referent: Genosse Karl Hetzschold. Schmargendorf. 8 Uhr, Goethelvzeum, Spcmdauer Straste. Lichtenberg. Cäcilien-Lvzerm, Rathausstraste, und Jahn-Realgy:n- nasium. Marktstr. 3. Tagesordnung:„Das neue Berlin". Referenten; Staatsmin. a. D. Paul Hirsch u. Stadtrat O. John. Tempclhof. 7zh Uhr, in der Aula der Gemeindeschule, Gerbersttaste. Referent: Genosse Dr. Cassau. Grüna». TVi Ubr, bei Buchholtz, Friedrichsttaste. Referent: Genosse Adolf Philippsborn. Maricndorf. 7V> Uhr, in der Aula des Gymnasiums, Kaiserstroste. Referent: Genosse Rathmann. Köpenick. Stadttheater. Referent: Genosse Eugen Brückner. Lichtenrade. 714 Uhr, Waldrestaurant, Hilpertstraße. Referent: Genosse Gustav Heller, M. d. L. Buchholz. 714 Uhr, bei Kähne, Berliner Straße. Referent: Genosse Bernhard Bruns. Borsigwalde. 714 Uhr, in Conrads FestsSlen. Referent: Genosse Bahlke. Tegel. 714 Uhr, im Restaurant Bellevue. Referent: Genosse Theo- dor Kabelitz. Dahlem. 714 Uhr, bei Schilling, Königin-Luife-Strastc. Referent: Genosse Robert Fentel. Morgen, den 18. Juni, abends 7 Uhr: Wahlkreis Berlin-Mitte. Aula,. Ruppiner Str. 48. Referent: Genosse Dr. Loewh. Aula, Annenstr. Ib. Referent: Genosse Ritter. Roland-Festfäle, Elsasser Str. 26. Referent: Genossin WygvdzinSki. Wahlkreis Berlin-Tiergartcn. Aula, Kirchner-Oberrealschule.Zwinglistr. 2. Ref.: Gen. Heimann. Wahlkreis Berlin-Wedding. Aula, Müller-, Ecke Triftstraste. Referent: Genosse Brolat. Aula, Grünthaler Str. 5. Referenten: Genossin Riedger, Genosse Pattloch. Wahlkreis Berlin-Prenzlauer Tor. Aula, Greifswalder Str. 25. Referent: Genosse Fröhlich. Königstadt-Brauerei, Schönhauser Allee 16/11. Ref.: Gen. Pötzsch. Aula, Pappel-Avee 41/42. Referent: Genosse Koblenzer. Wahlkreis Berlin-Friedrichshain. Schulaula, Hohenlohestr. 16/11. Referent: Genosse Brückner. Margareten-Lyzeum, Jfflandstr. 13. Referent: Gen. Hermann. Gemetndeschule, Petersburger Str. 4. Referent: Gen. WildeganS. Patzenhofer-Brauerei, Landsberger Allee 26. Ref.: Gen. Müntner, Schulaula, Rigaer Str. 81/83. Referent: Genosse Glocke. Wahlkreis Bcrlin-Hallcschcs Tor. Reichenbergcr Hof, Reichenberger Str. 147. Ref.: Gen. Hetzschold. Bockbrauerei, Fidicinstr. 2/3. Referent: Genosse Bruns. Sonnabend, den IS. Juni, abends 7 Uhr: Charlotten-Lyzeum, Steglitzer Str. 29. Referent: Gen. Heimann. Tagesordnung in allen Versammlungen: Die Stadtverordneten- und Bezirksverordnetenwahlen für die neue Stadtgemeinde Berlin und die Sozialdemokratie. Genossinnen und Genossen! Auf anS Werk, nützt die Zeit, stärkt unsere Reihen, werbt unablässig Stimmen für die Sozialdemokratie! liche auf drei Viertel des Tarifsatzes herabgesetzt werden sollten. Diese Vorlage ist abgelehnt worden. Von der Frak- tion der U. S. P. wurden einige Abänderungsanträge zu dem Manteltarif angenommen, ebenso auch der Antrag, daß den Angestellten von ihrem Mitbestimmungsrecht, das bisher günstiger war als das im Betriebsrätegesetz vorgesehene, nichts ge- schmälert werden soll Eine Magistratsvorlage betr. Erhöhung der Hundesteuer vom 1. Oktober 1920 auf jährlich 200 M für den ersttn und je 300 M. für best zweiten und jeden weiteren Hund wurde angenommen. Desgleichen eine MagistraäSvorlage betr. Erhebung von Steuern für die Veranstaltung von Lust bar- leiten auf freien Plätzen(Vergnügungs- oder sogenann- ten Rummelplätzen). Die MagifttatSvorlage betr. Erhöhung der Kurkostensätze im Kranken hause wurde ebenfalls angenommen. Hiernach werden ab 1. Juni 1020 erhoben: 1. Klaffe: Für Einheimische 30 M., für Auswärtige 40 MI; 2. Klasse: Für Einheimische 20 M.. für Auswärtige 30 M.; 3. Klasse: Für Einheimische 9 M, für Auswärtige 12 M.; für Kinder unter 14 Jahren: Einheimische 6 M., Auswärtige 10 M; Entbindung sgcbühr für Einheimische 30 M., Auswärtige 50 M. MS Auswärtige werden nur diejenigen angesehen, welche austerhalb des Gebietes Grost-Berlin ihren Wohnsitz haben. Die Vorlage über Neuregelung der Besoldung der städti- scheu Beamten und dauernd Ange st eilten und der Teuerungszulagen für die Ruhegeld- und Mit- wengeldempfänger wurde einer Kommission überwiesen, dagegen die Vorlage über die Neuordnung der Besoldung der Lehrpersonen angenommen. WaidmannSlust. Aus der Gemeindevertretung. Der Beitrag für die S ch w e st e r n st a t i o n wird auf 1600 M. crliöht. Zum Schiedsmann vom 1. Juli ab wird Herr Polizeisekretär M e s ch ge- wählt. Dem Antrage der Neuen Boden-A.-G. auf Austausch hinter- legier Papiere wird insofern entsprochen, akS dafür Papiere angenommen werden sollen, deren Wert im Tageskurse die Summe von 100 000 M. erreicht. Zur Bestteitung der Unkosten für die Um- Pflasterung der Kurhaus- und Wcndmannstraste wird ein Dar» lehen von 650 000 M. auiyenommen. Da die Konsumgenossen-- schaft eine Verkaufsstelle in Waidmannlust errichtet hat, wird von der geplanten Einrichtung einer Gemeindeoerkaufsstelle abgesehen. Für die Ausbesserungsarbeiten im Schulgebäude soll auch die Kon- kurrenz herangezogen werden. Neukölln. Auskunft in allen kommunalen Angelegenheiten er- teilt das im alten Rathause, Berliner Straße 62/63, Erdgeschoß, Zimmer 463, ein�richtete Bureau. Tort können auch Beschwerden anhängig gemach» werden. Mittwochs ist diese AukkunstS- und Beschwerdestelle auch nach- mittags von 5—7 Uhr geöffnet. Zur Entgegennahme von Wünschen und Beschwerden der Eni- Wohnerschaft sind in diesen Stunden auch Stadtverordnete an- wesend. — Tie Zentralstelle für Krankenernährung schreibt uns: Durch die eingettetene Portoerhöhung ist ein Teil unserer auf Kranken- ernährung angewiesenen Einwohner durch das hier übliche Zu- stollungsversahren der Briefe der Zenttalstelle für Krankenernäh- rung zweifellos finanziell in Mitleidenschaft ge- zogen worden. Die Verhältnisse liegen zunzett aber so, daß der Magistrat beim besten Willen nicht in der Lage ist, den Wünschen um Abholung der Briefe— kommen 22 000 und mehr Briefe in Frage— nachzukomi�n. Tie bei dem herrschenden War- nungSmangel dem Magistrat zur Verfügung stehenden Räume reichen knapp zur Erledigung der innendienstlichen Geschäfte zu. Außerdem ist zu bedenken, daß ein großer Teil der auf Kranken- ernährung angewiesenen Einwohner alte und gebrechliche Leute sind. Diesen Leuten, d e die Abholung ohne Benutzung der Straßenbahn, die heute für eine einfache Fahrt 70 Pf. nimmt, nicht ausführen können, käme die Erlangung des Briefes einschlictz- lich Porto für die Benachrichtigung sogar auf 1,50� M. Gerade hiermit würden wir aber den wirtschaftlich schwächsten Teil am empfindlichsten tteffen, was doch sicher nicht Absicht der Wunschvor- bringer gewesen sein kann. Ferner würde auch dem �nicht uner- beblichen Teil der Einwohnerschaft, die tagsüber geschäftlich tätig sind, die Abholung der Briefe nur unter gröstttn� Schwierigkeiten und erheblich höherem �eit- und Kostenaufwand möglich sein, denn eine AuSbändigung de? Briefes mit dem hochwertigen Karten- und Bezugscheininhalt könnte doch nur an den Empfänger selbst nach vorheriger Legitimationsprüfung erfolgen._ Sollten es jedoch die Verhältnisse einigermaßen gestatten, so wird der Magistrat keine Gelegenheit unbenutzt vorübergehen lassen, um eine für alle Kreise befriedigende Lösung herbeizuführen. Nach vorsteheno Ausgeführtem kann selbst den dringendsten Wünschen um Zlbholung der Briefe auz der Zentralstelle_ für Krankenernährung zu unserem größten Bedauern zurzeit nicht entsprochen werden._ Groß-Serlkner parteinachrichten. Heute, 17. Juni. 7. Abt.>/,7 Ubr: Flugblaitverbreitung in allen Bezirkslokalen, an- schlieffend Eplrazuiaminenkuiist. 14. Abt. 916 5 Uhr: Flugdlatwerbreitung bei Radtke, Neue Jakob- straffe 1, Ecke Jnselstraffc, und Krüger, Engeluser 13. Zahlreiche Beteiligung aller Parteigenossen ist unbedingt eriorderlich. IS. Abt. 6 Ubr bei Grosse. Blumenstr. SS, Berteilung der Flug- blätter an Funktionäre und Wablhclser. IL. Abt. Ab 4 Ubr von den bekannien Lokalen aus Flugblat!- Verbreitung. 8 Ubr bei Ettuckett, Rüdersdorfer Straffe 3: Sitzung der Funktionäre und Bctriebsvcrttauensleute. 18. Abt. 318., 313., 326., 324., 325. und 327. Bezirk: 8 Ubr bei Heese. Memeler Straffe 63: 1. Vortrag. 2. WahlarbeitScinteisung sür die Stadtverordnctenwablen. L6. Abt. 7 Uhr bei Leese. Linienstt. S18: Wichtige' Sitzung der Funktionäre, Bcttiebsvertlauenslcuse und Wahldclscr. 3«. Abt. Ab 4 Uhr vom Lokal Grünau, Stahlheimerstt. 36: Flug- blatsverleilung. 43. Abt. 7 Uhr bei Schmidt, Wiclefstr 17: Funktionärkonferenz. Achtung, Polizeibcamie! Polizeitverbeausschust S. P. D. 7 Uhr; Handzettel zu der Miigliederversammlung nm Freitag in Häver- !ands FestsSlen. Neue Friedrichstr. 35, abholen. Alle Vertrauensmänner müssen erscheinen. Jnngsozialiftische Vereinigung. Ortsgruppe Neukölln. 71/, Uhr, im Jugendheim. Nogatstr. 53: Vortrag über„Ursprung der Famil:e".— Ortsgruppe Süden. 7'/, Uhr, im Saal der Juristischen Sprechstunde, Lindenstr. 3: Zwangloser Abend. Morgen, 18. Juni: Achtung, Polizeibeamte! PolizeiwerbeanSschnst S. P. T. 7 Ubr in Haverlands Fcslsälen, Neue Friedrichstr. 35: Mirgliederversammlung Erscheinen aller Mitglieder ist unbedingt crsorderlich. Eharlolleilburg. 7 Uhr im VollShausc, Nosincnstr. 4: Oeffentliche Volksversammlung. Tagesordnung: Die wirtschaftlichen Forderungen der «ozialdemolratie im Groff-Bcrliner Stadlparlament. Res: Dr. Striemer. Steglitz. 8 Ubr im Gymnasium, Häseslraffe: Oeffcnlliche Wähler- Versammlung: Die Wahllügen unserer Gegner. Reserenicn: Gemeinde- schöffe Leimbach und Gemeindcvertrelcr Szillat.. Tempclhof. 8 Ubr in der Aula deS Realgymnallums. Kaiferw- Augusta-Siraffe: Oeffentliche Versammlung. Rcscrent: Ministerpräsident a. D. Paul Hirsch. Trcptow-Vanmfchulenweg. Oeffentliche Däblcrversammlung für den Ortsteil Baumschulcnweg im Gasthaus Marienthal, Baumschulenstr. 64. Rcscicntcn: Die Kandidaten zur Stadtverordnetenversammlung Fr. Kiffner und Dr. Richard Lehmann. Qberschöneweide. 71/, Uhr, Aula des Realgymnasiums: Wähler- Versammlung. Referat: Die Bedeutung der Kommunalwahlen. Reserent: Genosse Ritter. Adlershvf.?>,, Uhr. Schulaula. Bismarckstt. 53: Mitgliederversammlung. Schöffe Gen. Zabel ipricht über:.Die Gemeinde Adlershos im neuen Groy-Berlin". Gäste willkommen. 3!cinickc»dorf-Ost. 7ft. Uhr im Bürgergarten. Hauptsir. 51: Oeffcnt ticke Wäblervcrsammlung. Ref.: Stadlrat Koblenzer.— Sonnabend Wichtige Ftugblaltverbreitung sür Ost und West. Jugenüveranftaltungen. Heute abends 1I3S Uhr: Zentraljugendheim, Lindenstr. 3, Vortrag:„Alkohol und Nikotin". — Ehnrlotteiiburg, Jugendheim, Rosinenstr. 4: Mädchenabcnd.— Lankwitz, Lokal Mehlis. Kaiser-Wilbelm-. Ecke Sedariitraffe: Leseabend. (Heine, Eichendorff und Freiligratb)— Lichtenberg. Jugendheim. Mügaelltr. 18: Mädchenabcnd.— Marienfelde. Jugendheim. Schule Dorsftr. 54: Vortrag:»Die Gelchichie der Jugendbewegung.— Nieder schöiicweide, Jugendheim, Kemeindeschule Berliner Sir. 31: DiSIussinis- abend.— Reinickendorf-West, Lokal Eichborniäle. Eichhornstr. 66: Dor- trag:.Ferdinand Laffalle".— Schönhauser Borstadt I, Jugendheim. Gemeindeschule Sonnenburger Str. 20: Aufferordentliche Mitgliederversammlung.— Schönhauser Borstadt II, Jugendheim. Jugendklub- zimmer der 222.(238. Gemeindeschule. Pappelallcc 41/42: Vortrag: Jugend und Jugendschutz.— Steglitz. Friedenau, Jugendheim, Friedenau. Ge- meindeschule Offcnbacher Straffe: Vortrag:„Liliencron".— Tegel, Jugendheim, Bahnhojslr. 15: Mädchenabend. Bottrag:.Resormlleidung". Sport. Z 41 8 590 M. betrug der Totalisatorumsatz am Sonntag in Ruhleben. Freiherr von Lyncker. der Pächter des Gestüts Harzbnrg, wird dort vornehmlich Halblut ziehen, doch soll des- gleichen die Vollblutzucht, wenn auch nur in beschränktem Maße, weilerbetrieben werden. öriefkasten üer Neüaktion. 110 K. H. Eingegangen aber nicht verwtndbar.-» Otto. Srlma. Wenden Sie sich an die Gemeinde Lichtenrade.— M. B. Die Scheiben mit geschlämmtem Eiscnoxyd(Panier Rot) nachpolieren. — M. D. 16. 1. 3,30 M. bezw. 15,90 M. Dazu 6 M. besondere Zulage. 2.960:«. 3. Keine.— W. B. 1«0. Ja.— F. W. KZ. n Nein. 2. Mit 1500 M. 3. Ja.— Uno 60«. 1. und 2. Steuerfrei sind 1500 M. Die Veranlagung ersolgt erst nach Ablaus dcS Kalenderjahres 1920. Uebcrsteigt der Wert der Steuermaiten den zu zahlenden steuerbetrag, so wird der überschüssige Vettag nach der Veranlagung in bar erstattet. 3. Nein.— H. 36. Sie müssen sich an das Polizeipiäsidium wenden.— — P. W. 85. 1. Ja. 2. Witwenrente. 3. Hauptsürsargeausschuff. Post- straffe 5. 4. Nein.—)®. P. T. 1260 M. Grundrente und 150 M. Schwcrbeschädigtenzulage. Unter bestimmten Voraussetzungen kommt noch die Ausgleichszulaze in Frage.— HM. Bg. hat setzt Urlaub erhalten. S. Ech.,«tz. Prof. De. Merfoi,». U. Uhlandstr. 145, # Wirtschaft Wie„Tic Post" hetzt? Einem Artikel der„P o st" Häute— Leder— Schuhe entnehmen wir folgende geradezu unerhörten Verdrehungen der Tat- fachen: In der deutschen Lederwaren- und Schuhindustrie nimmt die Geschäftslage die Entwicklung, die ihr durch die wachsende Kauf- Unfähigkeit weiter Kreise de» Volkes vorgezeichnet ist. Gewiß ist die steigende Kaufunfähigkeit von Arbeitern und Angestellten be- dauerlich, aber man darf bei der Beurteilung diese? Problems Nicht vergessen, daß Arbeiter und Angestellte ihre mißliche wirtschaftliche Lage durch ihre gewaltsame Lohn- Politik selbst verursacht haben; der Arbeiter ist seit der Revo- luiion nur darauf ausgegangen, sein Einkommen zu steigern und dabei gleichzeitig seine Arbeitsleistungen zu verringern. Daß diese Art der Lohnpolitik früher oder später zum Zusammenbruch führen muß, hätte jedem Einsichtigen klar sein müssen; die Re- gierung glaubte aber aus parteipolitischer Kurzstchtigkeit heraus die unsinnigen Forderungen der Arbeiter- und Ange- stelltenschaft begünstigen zu sollen. Die Lage der Angestellten hat sich gegen früher erheblich verschlechtert, weil die Angestellten ihre Arbeit dadurch entwerteten, daß sie sich zu Handarbeitern degradierten und auf diese Weise die Handarbeit der Kopf- arbeit/g l ei ch stel I t e n, ohne dabei zu bedenken, daß die Geistesarbeit der Handarbeit vorausgehen muß, sie erleichtert, verwertet und in Geldwerte umsetz? Eine Besserung ihrer Lage« werden die Angestellten wohl erst dann erwarten dürfen, wenn sie sich wieder auf sich selb st besinnen. Um diese Ausführungen zu kennzeichnen, genüge folgende Fest- stellung. Im„W i r t s ch a f t s r a t" gab Kommerzienrai Waller- stein, der Führer der Schuhindustriellen, bekannt, daß der Lohnanteil an den 400 und SM M. kostenden, zurzeit unverkäuflicher Stiefeln 2S Mark betrage.' So sehen also die„un- sinnigen Forderungen" der Arbeiterschaft in Wahrheit ausl „Die Post" weiß dgegen ganz genau, baß der Preis für ein Kilo Leder, der 1914 S M., August 1919 18 M. betrug, bis auf 249 M. dank des„freien Spiels der Kräfte" hinaufgetrieben wurde, daß die notwendigsten Bedarfsartikel auf das fünfzigfachc gestiegen waren, weil, ja weil man die von den sozialistischen Arbeitern geforderte organisierte Produktion, die derartig«, die Wirtschaft der- richtende Spekulationen unmöglich macht, mit allen Kräften abge- lehnt hat. Heute steht diese Industrie vor dem Zusammenbruch, den die Unternehmer allein verschuldet haben. Da? schwerste Ver- brechen ist es aber, bei großen Materialvorrätcn die Arbeiter feiern zu lassen. Hier mit Mitteln.der Erwerbslosenfürsorge helfen zu wollen, ist grundverkehrt, hier gibt es nur einen Weg, die Betriebe von Reichs wegen fortführen zu lassen, wenn die Unternehmer sich nicht dazu verstehen, mit dem Mittel eines großen Zusammenschlusses zu einer ProdultionSgcmein- schaft sich selbst die Kredite zur Fortführung der Betriebe zu verschaffen. Die Schuhindustrie ist eine Massenfabrikation, die ohne weiteres zusammengefaßt werden kann. Jeder Tag B e» t r i e bs st i l Ist a n d bedeutet gewaltige volkswirtschaftliche Ver- luste, die das deutsche Volk nicht tragen kann. Daher sofortige Wiederaufnahme der Produktion! Fortschreitende Konzentration. Die Deutsche Seefischerei A.-G. in Kuxhavcn, die kürzlich die Hochseefischerei-Ges.„Alte Liebe" übernommen bat, wird die „Vereinigten Fischdampfer-Reedereien in H a m- b u t g" übernehmen. Auf die Deutsche Seefischerei A.-G. gehen die mit der Reiherstieg-Schiffswerft abgeschlossenen Baukontrakte über 29 Fischdampfer über. Zusammenschluß und Gründung in der Fleischwarenindustrir. Nachdem die Gesamtheit der Fleischwarenindustrie Deutschlands sich im„Verband der Deutschen Fleischwaren-Jndu- Gemeinöewahl Groß-Serlin Am Sonntag entscheidet sich, wer Berlin regieren und verwalten soll. Die Erfahrungen nach dem 6. Juni haben gezeigt, daß Unabhängige und Rechtsparteien viel schimpfen, aber sehr wenig Positiv leisten können. Deshalb muß der 2l). Juni zu einem glänzenden Erfolg für unsere Partei gestaltet werden. Genoffen und Genossinnen! Stellt euch alle zur W a h l a r b e i t zur Verfügung uud meldet euch sofort in Berlin bei de» Abteiluugsleituugen, in den B o r o r t e n bei den O r t S v o r st ä n'd c n. ver Sezirksvorftanü. strie«. V.", Sitz Berlin, zusammengeschlossen hat, wurde in Berlin eine Gesellschaft„F l e i s ch w a r e n- I n d u st r i e- A.- G. (F l i a g)" gegründet, die die Fleischwarenindustrie mit Roh- Material zu versorgen und die in dieser Richtung liegenden Handelsgeschäft« einheitlich als Vertreterin der deutsche?: Fleischwarenindustrie durchführen soll. Kursus für Schweinewärter und Schweinemeist.'r. In der Ver- suchswirtschaft für Schweinehaltung,-fütterung und-zucht, R u h l S- d o r f, Kreis Teltow, beginnt am 1. Juli d. I. ein neuer Kursus zur Ausbildung von Schweinewärtern und Schweine- meistern. Da es in der Praxis an brauchbarem Stallpersonal mangelt, hat die mit allen Errungenschaften der Neu- zeit ausgestattete Versuchswirtschaft in Ruhlsdorf neben der eigentlichen VerfuchStätigkeit auch die Lehrtätigkeit aufgenommen. flu« aller Welt.- Zitgzusai-.'.menstoh in Frankreich. Paris, lg. Juni.(Hollanbsch RieuwSbureau.) In dem Tunnel in der Nähe von M e n d o n auf der Linie Paris— Versailles ist ein Güterzug mit einem Personenzug zusammen- gestoßen. Laut den ersten vorliegenden Berichten gab es eine große Anzahl Toter. Tas Wunder ist des GlanbcnS liebsteZ Kind. Ein angebliches„Wunder", daß in einem Hause am Aachener Hübnermarkt sich lägtich wiederholen soll, ha: viele Gemüter in Aufregung versetzt. Es handelt sich um ein„blulettdeS" Herz Jesu im Besitz einer Inhaberin eines Eier- und BultergesckäftS; sie hat es von emer soeben aus Frankreich zurückgekehrten Freundin aus Esten bekommen. Gleichzeitig mit ihr ist der vom Amt s u s p e n« d i e r t e und exkoiumunizierte französische Priester Eesar Wachere erngetroffen. Dieser hatre schon im Jahre 1914 in dem Dorfe Mirabeau angeblich„blutschwitzende" Herz-Jesu-Bilder und Hostien ausgestellt und Nachbildungen davon mit großem Gewinn verkauft. Jetzt scheint sich dasselbe Schauspiel in Aachen zu wieder- holen. Die Aachener Geistlichkeit steht der Sache ablehnend gegen« über; der zuständige Oberpfarrer bezeichnet sie als Schwindel und Unfug. Das erzbischhöfliche Genralvikariat verbot den Katholiken den Verkehr mit dem Priester. Die Aachener Polizei- behörde ist durch den M a s s e n a n d r a ng am Hühnermarkt ge- zwungen gewesen, Absperrungsmaßnahmen zu treffen. Der fran- zösische Geistliche ist übrigens am Sonnabend nachmittag über Herbesthal wieder abgereist, angeblich nach Paris. Nach dem„Volks- freund" handelte es sich nicht um ein einziges Bild, sondern an die Stelle des„abgeblutelen" trat ein anderes, da? prompt wieder blutete. Automord. Auf der Ehaussee zwischen Tschernowitz und Wolfshain, Niedcrlausitz, sind zwei Auwmobile zusammengeswßen. Der 19jährige Sohn des Generaldirektors des Jlse-Bergbaues wurde dabei so schwer verletzt, daß er bald darauf verstarb. Defraudant verhaftet. In Dänemark ist, wie uns aus Kopcn- Hägen gedrahtet wird,«in gewisser Müller verhaftet worden, der in Stuttgart 1 Million Mark unterschlagen hat. Tschechen und Italiener. Vor einigen Tagen wassierten G ö r z drei Transportzüge mit tchechischen Legionären, die aus Si- Hirten kamen. Alle drei TranZportzüge wurden von italienischen Eisenbahnern aufgehalten. Die Eisenbahner verlangten von den Legionären die Auslieferung der Waffen. Es kam zu heftigen Auseinandersetzung«!:, die schließlich in einen regulären 'Kampf ausmündeten, bei dem auf beiden Seiten von der Schuß- Waffe ausgiebiger Gebrauch gemacht wurde., Mci Ruah will i hau:! Im Bereiche der Oberpostdircktion München sind bis jetzt 5999 Telcphonansch'üsse wegen der am 1. Juli eintretenden Gebührenerhöhung gekündigt worden. WetterauSsichte« für das mittlere Norddeutschland biS Freitag mittag. Meist heiter, tagsüber recht warm, ciwas GewiNcr« neigung, aber vorwiegend trocken bei mätzigen östlichen Winden. Preise rahlen wir Ihnen für jlltpapier, Altrnetal!, Alteisen Q-Flascben, daß Sie stets nur noch zu uns kommen.« F.& W. Seydlitz Metall- und Papierverwertung Klcin-Elnkauf: Berlin S. 59, Hermannplatz 4. Amt Mpl. 7291. Händler-Einkauf: Berlin SO. 33, Cuvrystr. 38. Amt Mpl. 792. Ankauf Juweleif zum heuiigen hohen Kurse Margraf* C°~ Kanoniersir. 9 ?ianos Stutzflügel, Harmonien leder Holz- u. Stilart. Kunstspielapparate. Notenrollen. 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Anfangsgchalt 7200 M., steigend von 2 zu 2 Jahren um je 600 M. bis 10 800 M., daneben WohnungsgcidzuschuB für Verheiratete 1200 M„ lür Unverheiratete 900 M. Die Teuerungszulage beträgt bis auf weiteres für Verheiratete 400 M., lür Unverheiratete 300 M, die Kinderzuiage 50 M. monatlich. Neuregelung der Gehälter sieht bevor. Geeignete Bewerber wollen Gesuche mit Lebenslauf und Zc-ugnlsabichriften umgehend einreichen. TUslt, den 2 Jnnl 1920. 710D ver—__ a) Zum I. Juli Ist die. Stelle(Ines Platzverwalters Im Ranptamt« iaf dem städtischen Spielplatz„Am Urban" zi besetzen. Die monatliche Vergütung wird nach Vereinbarung festgesetzt. Bewerber werden ersucht, ihre Meldungen bis zum 24. Juni d. J. unter Beifügung eines Lebenslaufes und Führungszeugnisses an das Städtische Jugendamt Berlin, Adlig. Jugendpflegeamt, schriftlich einzureichen. b) Zum 1. Juli ist die Stelle eines Platzverwalters Im Nebenamte auf dem städt. Spielplatz„An der einsamen Pappel" an der Schönhauser Allee zu besetzen. Die monatliche Vergütung wird nach Vereinbarung festgesetzt. Bewerber werden ersucht, ihre Meidungen bis zum 24. Juni d. J. unter Beifügung eines Lebenslaufes und Führungszeugnisses an das Städtische Jugendamt Berlin, Abtig. Jugendpflegeamt schriftlich einzureichen. Ms IltglieD Des DUeKotiutns einet Beamten-«-ötsflaiffltioa wirb zum loforttgcn oder baldigen(Eintritt eine tüchtige Kraft mit siirlstischer and uolkswtrtfchastttcher Bildung und womöglich mit Erfahrungen im Organifations» wefen gesucht. Bewerbungen mit Lebenslauf und «ehaltsanfprüchen find an Rudolf Moffe, Moritzplatz. unier E, P. 1398 zu richten.__ 62/5 Schneidrri senmacher, perfekte, mit langjähriger Erfahrung, per sofort gesucht. vntzke. SchraMBDnwe. LMMWjkc. IS. f Theater(ilett!sp§@1e etc. J ��»M»ay>aqx«xiapuannTynaaHH3goori�jno.'TycKx»cxiKa3QOcgac Opernhaus. SchaSn azade. __ Aniani 7 L'hr.___ Schausplelimus. Maria Stuart. __ Anlana 6'/3 Ulir._ WztsckW theater. aa»(.estündDis (mit l.icic Häfllch. L.dwls Kariau, Tbuuder Ucaker.) KöfflöüiaBhsas S: b.Keiic Iii ilieMüücbcilzeit. üeriineryöeater '-SJJbr: Oer l.tlte W:tU«r »>,ent«rlieo O�ieninniMi ö-, u.: ßic UMke. IH.- i rlb iii-.« ' Ubr: äüJiÜÜI�. V«todi-.-l\'UiUv%nMU.(ri). 7V» Uhr: ksM Wascht. KUtltio« TüeuC.'.i-. ühr iiasMorgenbistt Ii. u iuiz*o In- Oper Uhr Mite BivliMcM. iu u* t* p Vlhii si•» 7»/4 neeiin�LtroMft ri/itsh* VoSicsböhne Theater am Bülownlatz. 7', Uhr: Fins.Landpartie. Vei wiukelt» Oeachlijite. LessHio-Ttreater. WoRimei»pieiieoit Aliabundiicn S L'hr: iqMMM in Il.Gias dJasi�ras Allabendlich V'/tUhr; Die bessere Htiitle mtt J7iaa_AdJrlutrt. mSrS 5rtrl i Friedrich-fEcke Liiiitns;:, 7-.i Uhr: aiischer Schwer)/;. Sommer-Theater �,Groß-BerlmM Torrn. Kllem, Haser.lieide. �fftrsterciristel �•ffstRlSjiffiffllitälefl vwrr.'Ol ii. ab 3 ü Kens Welt Arnoiri Scholz Kasuni.eitlt 108— IIA TUisHi'h iionxert ut:d\«r«tAtUtii»s. Uiensiags, Mittwochs, Uomiersutgs u. Sonntags: (iroUer J{kU. üic Katiteküche ist tätlich geOffnct. 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I 652 534.55 . 255 000.- Pl 103 957 006'38 507 3?9 702;a2 92 157 037 J1 23587 321 17 I 268 440 25 12 148 856;— 1 1 862 580 97 1985 500'— » 348 771 206 39 735 516,11 a 5oo 006— Ä'esftiva. Aktienkapital...... Roae: von........ Kreditoren.1..... Akzepte und Schecks... auzercem Ava!- u. Bürg- schaftsverpflichtungen 82002«TUM Un-rhobene Dividei.den.. Reingcdion cos Iah, es 1919 5648 466.52 Vortrag aos dem Jshr 19)8 124 1.19,53 1397634 55 Ii- I 121 721«51 86 fjretiien-«Bii Vi,X.ailarf he,Köln,K8Bi*5i)«rgf. Pr.. Majcifeburg. Maipz, Memmlnxen, Müochta,?iirnberx und Viesbatlen bei uusnea Niedcnassurigcn. sowie bei unseien uepovitenkar.sen und Weciiselstubenjn Alsfeld I. Biebrich a. Hh., BTillnKen, Bntabsch I. Frledberjf 1. ft., Häcksf a, M.. Lautsrhach I. H., Lltnhorj: n. d. L., Marburg a. d. U, Neu. Isenburs 1. H., Nienburg».35., QHcnbccb a. M.. Schotten 1.». Uelzen tProv. flannover) und 3Ve«»far«an unsere, Ka.sen vormitiars zwischen 9 und u Uhr, rr hcfalecx und Köln bei der F rraa UeosoM Sel!z.«untt, in Harnt arg bei der t-,iina Ii, M. Wnrbitvic# Co., in I., innig bei der AllgeBiefncn Dcstacbea Credjit-AastaH fAhtetiau- Becker« Co.), in Aieluingca und Gotha bei der iians für Tbürln»«** vormals U. 31. BtTUI-P AbHtageaenschafl, in München U-i uen rtrmen H, Aufhduser und Moritz Schuiman». in Ststtjrart bei de, Fiiasa Doerteabaeh 6 Cfc. e. m. b. H., in Tübinsen, Hechlngen und ffigDiariagen bei der Baakcouiinan.llte SJo-tmuoJ Weil. ree Dividendenscheine sind auf der Rückseite mit dem Firmenstempel oder dem Nituer. des Einreichenden zu versehen. Frankfurt a. M., dvn 15. J�m P Aj Oer V orst»» 4 der Mitteldeutschen Creditbank. , Dt, Katzencilenbogen. Mommsen. Reinhart. Wolfensperger. Gemüt S 8«Ff.? unserer fotjunp Beben wir nachstehend die Zfumnieru herjenipen Sparbiidier besannt, deren Inhaber sich von der i enten Vvriegukg ihrer Eparcitcher an gerechnet l ie juni 31. Mar» 1919 binnen 39 und inehe Iahren nicht bei der Sparkasse gemeldet haben. D e weite re Setjmfung dieser ttnthaben hat ansgehört. 144303 130550'-GVAT 5169-21 145094 136050'227003 510399 145324 130935 227375 517464 137 291 443 ÖSÜ 1412 2097 2105 2495 8467 nee? 3812 4009 4015 4044 4708 4419 4133 4363 4394 5036 6294 6504 009« 0783 «945 0891 «053 «005 8204 8.14« «441 «911 «27 9496 9641 0702 . 93 32 10128 10341 10757 11500 11577 11735 19185 12414 13023 19S::0 JUWi 15794 1(2.72 180.3« 163*1 17056 17018 17180 17383 17864 17390 17404 1741.2 17535 18176 19147 3 14)62 19158 196.1 19350 29110 201-4 20828 SU.«! 20791 20572 212« 22025 ?2!«0 22312 22549 22024 2?..4 27038 329.8 23025 23607 21044 24375 24863 24377 28115 25230 •25719 8B05H 26905 27298 2740 I 27718 27840 23513 2807,4 28780 •28823 211278 30958 31048 31079 32572 32966 33411 33686 88692 34249 351-12 35261 35452 35480 35575 36010 36112 36230 30256 33678 87349 37437 37520 87994 36039 3-096 38119 39180 39499 39539 41)384 406-14 4l4n6 4219« 436.79 436«» 44870 45145 4.5153 45260 47309 46855 47060 473« 47352 48411 46586 48flr7« 48975 49108 49207 49607 49969 50031 60271 60798 61233 51244 51626 6:'■■45 61673 51714 51820 62225 52437 ,72721 53331 51458 53701 53999 87566 8775'-» «8034 «854« 88596 89281 89379 8M47 90261 90264 96519 96741 98864 96863 96173 97035 97-240 97352 97727 146522 187121 145880 187263 227590 517470 aaieee 5180« 97780 98208 98321 98966 99046 99188 99651 14.7882 187466 228155 618198 146015 187509«»2« 518310 146063 187547 25*237 146245 187733 228631 228903 97734 148317 187879 146639 14717» 147286 1486*23 148309 148036 148805 188525•229061 185603 29746 149142 93396 149248 190996 54013 100660 149295 191314 55276 101390 149596 191427 56418 101936 149644 «685> I»202-3 149847 55702 IftKiSO 65719 102189 561-32 102603 aczfei 106255 ffr«2 103807 191555 101771 56917 103876 66s 07 103843 162768 104265 169961 104336 153390 150509 150604 150040 161746 151018 152419 196802 67405 57625 58148 104383 6838« 104794 58579 105219 154543 66660 105488 154593 59065 106103 155019 59201 106697 156853 53433 107067 I-6S75 107283 j 56274 196117 196 107 197396 233991 197705 234014 198610 234240 11*8343 234689 00843 60113 10726*2 60191 lOtlöl 60417 106251 60635 106530 61187 106643 (11255 11,-9462 61529 110717 61165 liOfOS 110942 111943 198861 198892 82073 62174 62681 62700 62916 113152 156853 157767 167844 157853 157879 15810« 158322 159016 159017 112135 150396 112713 159626 202239 63183 114008 64072 114137 64010 114208 1.53t« 314601 65108 06613 660S7 66104 66;30 66128 66533 «6767 6*1783 114691 159618 159879 160140 10.7568 160630 115040 1SÖ643 115415 1141739 U'«! 161071 117090 161120 117891 161240 117965 161617 117969 206461 207649 206576 2Ut«42 206041 906607 206705 «7014 118396 67802 119665 «75 il 1198T2 67061* 120673 67980 121464 68622 121 SSI 88776 121851 «8887 69245 161864 118083 16911««71le> 162139 162651 1(4861 164467 186875 166920'-*10155 167106 70514 70561 70777 70833 70035 71770 133833 122295 167849 122525 1AVS6I 122674 122683 12-97» 72612 123834 72657 123842 72880 72975 7X83 73488 124503 73870 124725 7406t 125041 104/7 74 16993 506X4 541375 506306 642053 605622 5«2X2 542312 5057-3 5431.19 606867 543027 500939 oiE-V* 17256« 212210 606995 545510 17257» 215313 50706» 545788 bo7lu3 646335 507-222 546722 X7502 507550 508780 647355 64827.5 6484(32 608828 549021 50682» 549202 608830 54032" AiXHO' _ 661531 •21794!) 509192 55313' »09950 6(3208 -09659 553675 131806 174401 131921 174814 218047 132102 174507 21806« 132272 175140 218110 509341 182594 175601 2!«12*1(-09960 1)2597 neewS 21819» 610004 132781., 176990 21955- 164950 558473 667»6) 510056 65to»2 610149»56814 510109 561076 61UÄ34 5615!' 1 610695 663871 6;(>4«n(K964 610564 663502 61068« 664:; U 510694 564163 611081 0.14844 511140 584661 811460 584795 511604 564820 -SM! 554931 6125521 588684 612612 568937 612911 587)33 613028 568181 Ü12C5 öliiulO öt-oon.* 221310 643772 58-6:-! 90133 138424 1-2827 221319 ölXsS 573-20 90217 1 36430 IfOtkl 021367 614252 574-1:- ■2Ä164 614403 229196 51441) 299198 614415 67724» 587235 57-90« 188346 222616 6144J) 53132-. 18454.-! 202746 614575 5,2490 484694 229908 614799 5-299« 184767 223173«1480- 6826061 186985 223286 514818 532662 185548 51483».>8X0-2 18568» 2233114»14963 685)29 165702 223691»15167 585044 IV-k40 A-.ilt 515212 584644 141832 185874 225224 515-288 nasaB 18619»! 226073 615906 Zlerf in, L Juni 19D. Kuratorium der Sparkasse der Ttadt Verliu. Tab. Mr. 3566 Sv-v. I I»-_ Freiwillige Versteigerung. Ich versteigere am Äoniubcod, den 19. d.»Ha., vorntittacs Ii) C'ar, im Sehkklerspetcher. riolzmarktin. I«, ea. l#OOf> Dosri» �Varstkenserven öffenliich meistbictaud gegen Barzantung. Bleparann. Waffnertneaterstr. 34. H46b* ffilc imter den naikiffrh enden Nummern aufgefsthrten Spav blich er der Eparfasu der Stobt Berlin sind 35 Jahre hindurd nicht vorgelegt worden, auch haben sich die Sparer wdhreni dieser Seit bei der Sparfasse nicht gemeldet.__ Die Berechfigten im den gemäß§ 8 Absatz 8 unserer Eahnnq tut ffielteiibinndmng ihrer Rechte unter der Berwarnung emigetorderf-«tz na» Ablauf von sechs Monaten ihr««nsprllch» an die Eulhaben erlosdien. 2? 28927 56460 87957 115270 115270 18Z4II >14 20117 57306«3051 115473 145561 18491J IUI 20505 57-11' 88286 116604 145964 185052 300 20637 58112 88417 116015 146230 185188 -03 29753 58707 89427 117048 146340 185189 826 20781 58801 89430 117106 147020 185277 1429 29975 58807 80487 117336 147126 185742 1618 30144 58819 89.506 117707 147713 186185 1664 30264 58832 0017J 117821 147938 186511 1742 30271 59352 90195 117903 148013 187674 2439 30354 59562 90521 117068 148255 187833 2452 30416 59505 90816 118050 148465 187930 2812 31170 59.568 90848 118126 148560 188030 3117 31363 60486 90932, 118614 148570 188482 3189 31590 60554 91312 118660 148748 189050 3473 31446 61009 91420 118091 148-51 191147 3495 31683 61309 91735 119507 148859 191467 3802 31793 61534 922:2 119669 148925 191716 3905 31874 61677 9226 130911 150667 192011 4609 32056 62'*0 92286 110224 150682 192826 4755 33519 622*11 92408 126409 15119« 194040 5334 344-16 62595 03693 121149 151718 194247 5555 34580 62603 03182 121352 151851 194424 5704 34878 62616 9)222 121412 152458 104857 5727 34942 62807 95232 121536 152477 196205 5756 3506« 62828 93320 121693 152661 197019 6372 35200 62833 05545 122419 152795 197449 6607 354)8 63412 9)550 122574 153031 198133 6«04 35451 63639 0.1636 122865 153423 199823 74?4 golfi 63907 93737 123034 153491 200219 7771 35725 63525 95810 12�056 153845 201910 8005 35840 63930 94255 123217 153660 202336 8172 36192 64083 95146 123366 153850 203407 ,S'l77 36340 64239 96639 12)753 15-1-53 203610 84.36 37013 65233 96656 123883 154272 204102 «523 37088 65999 97046 124103 154708 204258 8S57 37235 66234 97157 124186 154779 204431 9155 3754,3 66,319 97191 124301 155304 204527 9364 37576 66398 97244 124631 155X3 7,07835 <7)4. 37597 67.352 98311 124955 1556i7 207959 10057 37617 67624 9837?-.2,-202 155975 208222 10692 37813 67910 98)50 12554)-15)841 209204 11449 37963 67989 98589 125657 156961 209478 11084 38202 68115 98871 126378 157030 210063 119-9 38203 68:40 99117 126443 I 57215 210082 12088 38649 69329 99122 126477 157250 210566 12121 39868 69510 59893 126605 157575 21076« 12483 40049 69612 99951 126o38 157684 210940 12820 40120 69974' 00013 126749 153857 211546 13233 40*88 70371'XI 90 127205 158«-,« 212320 13467 40*11 70459'00877 127382 159046 213295 13900 40-56 70504'00936 12*184 159294 213298 14053 40?'4» 70828' 01071 128785 159401 213352 MOS.« 40889 71008 101256 129)73 159460 213408 14341 41615 71660'<[1633 129661 159472 213413 14534 41767 72118>0!82, 130401 159724 213436 15385 41776 72122> 02323 1X663 159665 213464 15517 41813 72261'02358 13-S94- 16077 1 213471 15766 41873 72939> 02945 1.-61 1(0908 213726 13693 43050 7304«»6965 131.96 161342 213809 15977 43410 73262'03211 132125 161712 213823 16179 43740 73376'03302 132369 161859 213827 16506 44452 73454' 03464 132464 161975 213828 I,Zj7o*1519 73702' 03746 132571'62195 213829 166% 44528 73785'04145'32821'63013 213058 17052 447*8 73C44' 04161 1X20-'6)079 215314 17139 44926 73896>04482 133688*.54458 215477 17389 44952 73948>04769 1337*« 165182 215481 17633 45327 74003' 04777 133871 165262 215489 18171 45510 74(53'04811 134414 165341 216314 1M211 45649 74071'04826 1)4611 16)504 216379 11561 45Hr-i 74279' 04829 134612 165557 216900 18612 46012 74124 105119 134719 16)889 217001 18854 4 6 53 74427'05252 1)5094 165912 217251 >5884 460*2 74*48' 06344'35153 16611? 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L Zun: 19üa Knraiorium der Sparkasse der Ttadt Berlin. Rosenow. Tdb. Rr. 88« Sp.»?. k'S I�utTsisen z�nkauk Verkau? StahsUen, Bleche, I-Träger, U-Eisen, Rohre, ketten, Lagertöcke, Riemenscheiben, Fad- sianivn ctc. in verscbicdcncn Oimousionen haben ab Lager abzugeben Cohn& Borchardt, Bln.-JMtenherg Ifittergutstr. 47,48. Tel.: Lichtenberg 6467647. MutielsenabtcilDNg: 838b* Maybach-Uicr 18 19, Nähe der Kottbuser Brücke. + Spezial-Behandlung•§• u. Haut-, Ha»».. UatetUiluKleihCB. neroäscr Schwäche.(Sräfetl S.-tlccfotge! Befohders Kennte, weich- anderwärts nicht auo pehedl worden stttd. BchchHUtcHfachnna, tithrttsonne-Berrraiilg Ankauf ven fioldbruch, Platin und Juwetrn.— Zahle die höchaeen Tagespreise. iO09~ Stet« am Lager Dukat. WJ ger.t., Stck. v. I®,- an 14 kn. 585„... 70,— 8" 6" n„ M 46,—„ W| HAXS BOCK, Berlin O, Andreasstr. 44. H' Trauringe I SpsziaS-Hrzl Tür Eiaut= u. alle Karnleiden� Harn, uad Blntuntereucfiaageii. Dr. med. Karl fMnfoardt, Potsrlamer Straße 117, Lut,'«!".--. Sprechstunden: VaU— 2,'V*—'.t'O abdf. Sonnt. 9,11—1 Uhr Aufklarende Broschüre mit Beschreibung sämtU Heilvep fahren in verschl. Kuvert geg. Einsend, v. 2— M ponefr«! �analorium Feidbery KMcGkib �Nerven, innere, StoHwechselKranke, Erholunggbedtirftfgl Prospekte* 29/6* S.'Kat Dr. Kauseöu Regeneration in der preußischen Verwaltung Lehrer Otto P a u t s ch ist zum kommissarischen Landrat im Kreise LebuS bestellt, Rechtsanwalt und Notar B o l ck aus Tilsit zum kommissarischen Regierungspräsidenten in Königsberg, der Oberbürgermeister Ro senkrantz aus Jnsterburg zum Regierungs- Präsidenten in Gumbinnen, der Rechtsanwalt Tiedemann aus Erfurt zum kommissarischen Regierungspräsidenten in Erfurt, sowie der der sozialdemokratische Stadtrat und Abgeordnete Gebhardt (Burg, Jerichow I) zum Landrat ernannt worden. Unabhängige für das Vaterland. In Ostpreußen stehen von Anfang an die Unabhängigen in der Einheitsfront gegendicpolnischenAnnektionsgelüste. Vor einigen Wochen allerdings sind einige Unabhängig« aus Allen- stein nach Warschau gefahren, um dort rätselhafte Verhandlungen mit den Polen zu führen. Diese Unterhändler haben nun aber von ihrer eigenen Partei eine wohlverdiente Zurückweisung erfahren. In einer öffentlichen Versammlung der Unabhängigen in Allenstein ging der Referent scharf mit ihnen ins Gericht. Er führte u. a. aus: „Vom Deutschnationalen bis zum Spartakisten werden sich alle Parteien darin einig sein, daß nicht ein Spatenstich von Ermlandund Masurenan Polen abgetreten wird. Ein deutscher Sozialist darf nickst auf eigene Faust nach Warschau gehen und internationale Politik treiben. Diese Vcr- räter haben behauptet, daß sie im Interesse der Partei dorthin gefahren wären. Sie sind aber nurgefahren, um Geldzu verdienen und ihre eigenen Taschen zu füllen. Als sie dann sahen, daß man ihr Treiben durchschaute, haben sie den Partei- lassen der Ortsgruppen Schmiergelder angeboten, die jedoch mit Entrüstung zurückgewiesen wurden. Wir wollen Ma- suren und Ermland nicht an Polen verschachern. Rechtfertigen können sich die Leute nicht, und wenn sie in der Partei bleiben, dann treten wir aus" Inzwischen hat die Zentralleitung der U. S. P. Ostpreußen? die Ortsgruppen, denen die„Warschaufahrer" angehören, auf- gefordert, diese auszuschließen. Der„Königsberger Volkszeirung" ist über Elbing von einem Flüchtling eine Aursehen erregende Nachricht übermittelt worden, die auch von polnischen Blättern bestät'gt wird. Am 8. Mai hatten in Graudcnz die politischen Parteien Plakate angeheftet, die gegen ein weiteres Verbleiben der Polen in Westpreußcn protestierten. Daraufhin wurden in der Zeit vom 3. bis 17. Mai 17 Ange- börig« der U.S. P.D. vcühaftet, nach Thorn übergeführt, dort durch Standgericht verurteilt und am 25. Mai erschossen. Unter den Erschossenen befindet sich auch ein Anhänger der alten Sozialdemokratie. Was mögen wohl die unabhängigen Warschaufahrer aus Allenstein zu dieser polnischen Justiz gegenüber ihren engsten Partei- genossen sagen? Ob ihre Polenbegeisterung dadurch ein wenig ab- gekühlt wird? Zur Abstimmung in Ostpreußen. Wie das WTB. erfährt, muß jeder stimmberechtigte O st p r e u ß e, der bis jetzt noch nickt bei dem Abstimmungsaus- ausschuß seiner Geburtsgemeinde in die Listen der Stimmberecktigten aufgenommen worden ist, bis spätestens zum 2t). Juni bei der für ihn zuständigen Kontrollkommission für Volksabstimmung schriftlich oder telegraphisch Einspruch wegen nicht erfolgter Eintragung in die Listen erheben, und zwar in folgender Form: Ich bin am..... in Kreis..... geboren, bin also laut Artikel SS deS Versailler Friedensvertrages berechtigt, an der Volks- Abstimmung in Ostpreußen teilzunehmen. Ich erhebe hiermit Ein- spruch wegen Nichteintragung in die Stimmlisten. Diesem Einspruch füge ich in der Anlage eine polizeilich beglaubigte Ab- schrift meiner Geburtsurkunde bei....... Eigenhändige Unterschrift und Adresse. Falls der Einspruch telegraphisch erhoben wird, muß die Ge- buriSurkunde sogleich nachgesandt werden. Bei schriftlichem Ein- spruch empfiehlt sich die Absendung unter.Einschreiben und durch Eilboten". Die zuständige Kontrollkommission für Volksabstimmung bat ihren Sitz in der Kreishauptstadt desjenigen Kreises, in welchem der betreffende Abstimmungsberechtigte geboren ist._ Die Leiden deo Seseßten. Die Besatzungsbehörden und Bcsatzungstruppen der Franzosen im Rheinland und in Schlesien scheinen Langeweile zu haben; Roheiten und Drangsalierunxen sind die beliebtesten Mittel, sie zu verscheuchen. An die letzte Serie von Uebergriffen reiht sich eine neue. Die„Neu« Badische Landcszeitung" meldet: An die Stadt LudwigShafen haben dre Franzosen neue unerfüllbare Forderungen gestellt. Sie verlangen für ihre Familien, die bei deutschen Familien untergebracht sind, eine eigene Küche. Wei- trr sollen innerhalb ganz kurzer Zeit 12 geräumige Wohnungen für französische Familien zur Verfügung gestellt werden. Ohne Rücksicht auf den Wohnung? mangel wird be, Nichterfüllung mit Ausweisung der verantwortlichen Bürgermeister gedroht. Tie französische Grubenverwaltung verlangt von den Pfalzwerken für die zur Stromversorgung der Pfalz be- stimmten Kohlen«inen PrdiS von 450 Franken pro Tonne, d. h. das r Fünffache des bisherigen Preises. ES ist voraus- zusehen, daß infolge dieser Maßnahmen der Straßenbahnbetrieb eingestellt werden muß und daß auch die Industrie bei derartigen Kohlen, bzw. Strompreisen nicht mehr existieren kann. AuS Oppeln wird gemeldet: Auf der Malakaner Straße wurde ein Lehrer ohne jede Veranlassung von einer An- zahl Franzosen von hinten angefallen, gestoßen wird schließ- lich von einem von ihnen geohrfeigt. Trotzdem die Offiziere sich täglich von dem empörenden Verhalten der Truppen über- zeugen kiRmen, werden die Uebergriffe von Tag zu Tag schlimmer, ohne daß von höherer Stelle Einhalt geboten wird.— Der an dem Zusammenstoß auf der Bolkeinsel beteiligt gewesene gänzlich unschuldige Fährmann ist in Haft genornmen und in das GerichtSgefängniS in Oppeln eingeliefert worden. Die Wache im Gefängnis, die aus Sicherheitspolizei und foanzösischcn Truppen besteht, ist bedeutend verstärkt worden, oa eine gewaltsame Be- fremng deS Verhafteten befürchtet wird. Auch aus dem amerikanischen BcsatzungSgebiet werden recht eigenartige Fälle gemeldet: DaS amerikanische Militärgericht in Koblenz verurteilte einen Mann, in dessen Wohnung eine deutsche Pistole, zwei deutsche Säbel und ein deutscher Militärrock gesun- den worden waren, wegen Verletzung des amerikanischen Verbots betr. den Waffenbesitz zu 6 Monaten Zwangsarbeit. Ein Mann aus Koblenz, der erne Flasche Kognak an einen Deutschen verkaufte, dkß dieser oann mrr Wissen des Vor- käufcrs einem amerikanischen Soldaren wieder verkaufen wollte, �elt vo» demjelbar Gericht 1090. Vi. Geldstrafe. Die, Die ReichsfthultonferenA. Letzter Tag der Ausschntzberatungen. Der gestrige zweite Tag der Ausschußberatungen hat im Schul aufbauausschuß die erwünschte Klärung gebracht. Es zeigte sich auch bier wie im Plenum, daß in dem großen Ringen zwischen den Bildungsidealen zweier Zeiten die entscheidende Werbckraft schon jetzt bei den Vertretern des neuen Ideals''egt. Selbst in diesem reaktionärsten aller Ausschüsse hat sich auf Grund der Heu- tigen tiefergehenden Aussprachen eine alle Erwartungen überstci- gende Zahl von Teilnehmern zu den Verfechtern dieses neuen Ideals geschlagen. Anfangs sah es freilich auck heute trübe genug aus. Der Tag wurde mit der überraschenden Erklärung begonnen, daß T e w s, in dem man wohl nicht mit Unrecht den typischen Vertreter des deutschen Lehrervereins zu sehen gewöhnt ist, sich mit Professor Deutschbein zu einem Kompromißantrage vereinigt habe. In diesem Kompromiß gibt der langjährige und wohl wirkungsvollste Verfechter der sechsjährigen Grundschule diese seine Forderung restlos preis, um damit von der anderen Seite her die Anerken- nung eines für alle höheren Schulen gemeinsam dreijährigen Mittelbaues zu erreichen. Wenn Herr Tews geglaubt hatte, durch dieses allzu- schnell geschlossene Kompromiß wenigstens ein Stück der im Aus- schuß zu verteidigenden Positionen gerettet zu haben, so hatte er die Rechnung ohne Berücksichtigung der überlegenen Di- plomatie der äußersten Rechten gemacht. Dem selt- samen Zweigespann Tews— Deutschbein gesellte sich als noch un- gleicherer Bundesgenosse der Berichterstatter des Philologenver- bnndes Professor Binder hinzu, der in einem„Zusatzan- trag" die Erhaltung der„bewährten Schulen alten Stils" mit neunjährigem Lehrgang zugestanden wissen will. So wurde der Kompromißantrag dadurch, daß die Rechte ge- schickt auf ihn einzugehen wußte, in das genaue Gegenteil dessen verkehrt, gas die Verfechter eines neuen Mldungsziekes und mit ihnen Herr Tews ursprünglich auf der Reichsschulkonferenz vertreten hatten. Da Tews selbst trotz des von ihm mitvertretenen schlimmen Kompromisses auch im Ausschuß schon für die ur- sprünglich viel weiter gehenden Anträge stimmte, so ist zu hoffen, daß die gesamte deutsche Lehrerslbakt im Plenum den Schachzug der Reaktion durchschauen und für die O e st r e i ch- Hierlschen Anträge bzw. bei deren Ablehnung für die mindestens sechsjährige Grundschule stimmen wird. Die Begründung, die Tews für sein Kompromiß anführte:„Ich habe geglaubt, mich dem anbequemen zu müssen, was von den betrefsinden Fachleuten gefordert wird", steht doch ans reckt schwachen Füßen. Für die Vertreter einer wirklichen Schulreform mußte vielmehr gerade in diesem Ausschuß unein- geschränkt der Gesichtspunkt gelten, den H i e r l- München in die trefflichen Worte kleidete:„Es gibt Situationen im Leben, in denen dem Menschen nichts weiter übrig bleibt als zu d e m o n st r i e r e n". Eingeleitet wurde der Tag mit drei charakteristischen War- nungen. Binder glaubt-, auch vor bloßen Versuchen mit einer neuen Schule warnen zu sollen, gerade„wegen des Geistes unserer Zeit". L o b m a n n warnte vor der sogenannten„Plan- Wirtschaft des Versuches", wie sie Goldbcck besürwortete, da sie uns von der Reichsschulgesetzgebung rückwärts führe zum SchulchaoS. Man dürfe wohl den Versuch neben dem Sy- stem zulassen, aber den Versuch nicht zum System erheben. Und Oe st reich warnte davor, im Ausschuß nur mit der Erhal- tung deS Alten zu rechnen, das würde im Plenum zu Eruptionen führen, die diese Art praktischer Arbeit höchst unpraktisch«schönen lassen könnten. Sehr interessant waren die Ausführungen des Pros. Stock. der im Namen der Industrie oder, wie er sich wenig geschmackvoll ausdrückte, vom Standpunkt des Abnehmers aus statt von dem des Produzenten sprach. Er sah in den jungen Menschen nur das Rohmaterial für die künftige Verwertung im indu- striellen Betriebe:„Die Industrie hat von der alten Schule vor- zugliches Material an Arbeitskräften erhalten, man soll dieses Rohmaterial nicht durch umstürzlerische Verallgemeinerungen ge- fährden". Der entscheidende Umschwung in den Stimmungen und Meinungen trat erst ein, als gegen Mittag die Linke es durchgesetzt hatte, daß man wenigstens eine Stunde allgemei- ner Debatte auch dem Gedanken der neuen Schule über- Haupt widmete. Vorbereitet war dieser Umschwung durch ein kurzes Bekenntnis Kcrschensteiners, der erklärte, daß die Gemeinscbastssthule mick sein Ideal sei und sich dann zum Bildungsideal der neuen Zeit bekannte:«Wir sind so im alten Gleise, daß wir gar nicht merken, daß wir uns bier zwei Tage lang nur über Intellektualismus unterhalten". H a r n a ck, der sich im Plenum so erfreulich auf die Seite der Re- former gestellt hatte, erschöpfte sich im Ausschuß in Warnungen vor„Sprüngen" in der Entwicklung. Das hinderte nicht,- daß der Gedanke der neuen Schule, nach- dem man ihren Vertretern endlich die Möglichkeit ergehender Begründung gegeben hatte, nun auch im Zlusschuß einen breiteren Resonanzboden fand. Die endgültige Abstimmung ergab für den weitestgehenden Antrag Oestreich-Hierl-Karsen: Frühestens nach vier Schuljahren setzt innerhalb der einen Schule des Volkes die erste Differenzierung ein, indem durch Ein- richtung eines nach örtlicher Möglichkeit reichen Systems wähl» freier Kurse um eine K e rnsMinimal-sschulung die Entwich- limgsmöglkchkeiten den Kindern aller Klassen in Stadt und Land gleichmäßm weit geöffnet werden. Die Gesamtheit übernimmt die Pflicht, den Bildungsweg fedeS einzelnen von materiellen Umständen unabhängig zu machen eine knappe Ablehnung mit 36 gegen 20 Stimmen. Etwa dasselbe Stimmenverhältnis ekpab sich dann auch bei dem Lobmann- s ch e n Eventualantrag einer mindestens sechsjähr ig«n Grundschule. Konnte man in den Abteilunaen der Linken den Ausdruck eines klaren und entschiedenen Willens erkenÄtn, so zeigte sich dafür auf der Rechten eine um so größere Konfusion und Unklarheit. Dieselben Stimmen, die eben für den gemeinsamen drei- jährigen Mittelbau aller höheren Schulen abgegeben waren, wur» den kurz darauf auch für die Erhaltung der neunjährigen Schulen alten Systems oder für ein neues neunjähriges deutsches Gymnasium abgegeben. Namentlich die Abstimmung über den Tews-Deutschbein-Binderschen Kompro- mißantrag ergab ein Bild heillosester Verworrenheit, wie ja auch kaum anders zu erwarten war, da an ihm alle Schattierungen von der äußerster Reaktion bis zu den Freunden einer fortschritt- lichen Entwicklung mitgearbeitet und ihre besonderen Ziele und Wünsche unter allerlei Klauseln bineingeheimnist batten. Nun� hat das Plenum das Wort. Es wird sich am DonnerS- tag zunächst mit den Ergebnissen anderer Ausschüsse beschäftigen, bei denen die Gegensätze der Weltanschauungen nicht so kratz in die Erscheinung tieten dürften. Am Freitag wird dann die ent- scheidende Schlacht geschlagen. deutschen Besatzungsbehörde-n haben sich seinerzeit nicht beliebt jje- macht. Man kann nicht sagen, daß die Ententisten aus ihren Fehlern gelernt haben. Protest gegen die Zknechtung der Preffe. Düsseldorf, 16. Juni. Im Hinblick auf die durch die Besatzung-- behörden erfolgten Verbote von Zeitungen im besetzten Gebiet, die mit der Veröffentlichung unfreundlicher Artikel über die s ch w a r- zcn französischen Truppen begründet werden, hat der Verband der rheinisch-wefffälischen Presse folgende Erklärung beschlossen: Der Vorstand des Verbandes der rheinisch-westfälischen Presse erhebt Einspruch gegen die Knechtung der freien Meinungsäußerung, die durch daS Vorgehen der obersten Rheinlandkommifsicm gegen eine Anzahl von Zeitungen im besetz- ton Gebiet erreicht werden soll. Die Kommunistenjagd der Franzosen. Mannheim, 16. Juni.(Eigener Drahtbericht des„Vorwärts".) Zu den Verhaftungen in der Badischen- Anilin- und S o d a f a b r i k wird noch bekannt, daß die Franzosen die der- hafteten Genossen Sickinger, Schäffer und Feig nach Mainz geschafft haben. Heber den Grund dieser Verhaftung heißt es, die Verhafteten hätten sich in Versammlungen über die schikanösen Wohnungsforderungen der Franzosen abfällig geäußert. Es wird aber vermutet, daß die Franzosen kommunistische Fährten auszuspüren gedachten. Was die Wohnungsforderungen der Franzosen betrifft, so haben die Genossen, soweit sie die Aeutzcruagen in den Versammlungen getan haben, wie aus- der Ludwigsburgeer Meldung hervor- geht, tatsächlich Recht. Verhaftung deutscher Studenten. Brüssel, 16. Juni.(Hollandsch Nicuwsbureau.)„Libre belgique" meldet, daß gestern in Eupen 11 deutsche Studenten per- haftet wurden, die den Auftrag hatten, nachts in den annektierten Orten Broschüren gegen die belgische Regierung und gegen die Volksabstimmung zu verbreiten. Das Selbftbeftimmungsrecht der Entente. Was die Saardeutschcn Savon halten. Auf der Tagung der christlichen Gewerkschaften in Saarbrücken sagte ein Redner u. a.: „Zum ersten Male seit Bestehen der deutscken Parlamente war es uns am 6. Juni nickt vergönnt, ein wichnges Volksrecht, daS Wahlrecht zum neuen Deutscken Reickstag auszuüben. Welch ein Hohn auf das Selb st be stimmungsrecht der Völker liegt in dieser Talsache. Jene, die der Welt die Freiheit und Selbstbestimmung bringen wollten, brachten ihr in Wahrheit Bedrückung aus allen Seilen. Es wird im Saargebict allgemein bedauert, daß das Gebiet im neuen Teulschen ReickSlag ohne jede Vertretung ge» blieben ist. Keine der Parteien konnte einen ihrer ehemaligen Ab- geordneten in das Parlament entsenden. Die auf den Reichs- Wahllisten stehenden Verlreter der einzelnen Paneien sind infolge ihrer ungünstigen Plazierung an sehr weit zurückliegenden Stellen nicht gewählt worden. Das Saargebiet»st damir den anderen ab- getrennten Gebieten gegenüber, die im Reichstag eine Vertretung haben, sehr im Nachteil. Verhaftung belgischer �nduftrieller. Weil sie mit Deutschland Handel trieben! Brüssel, 16. Juni.(Hollandsch Nieuwsbbureem.) Gestern wurde in N a m u r. eine Anzahl Industrieller verhaftet, die mit den Deutschen Hansel getrieben haben sollen. Unter den Verhafteten befinden sich drei Direktoren von Berg- Werken, verschiedene Auffichtsräte von Gesellschaften, darunter der Direktor der Wasserleitung Prooyen-Keyser, der gleichzeitig hol- l ä n d i s ch e r Vizekonsul ist, ferner der italienische Vizekonsul und der Vorsitzende der Handels- k a m m e r. Die Mandfrage. Stockholm, 13. Juni.(TU) Die schwedische Regie- r u n g hat den fünf Mächten Frankreich, England, Japan, Italien und den Vereinigten Staaten eine Note zugehen lassen, in der es diese darum ersucht, die Alandsfrage zum Gegenstand eines Gedankenaustausches der Kabinette dieser Länder zu machen, wenn zu einer Behandlung dieser Frage im Obersten Rat keine Zeit sei. Kristiania, 16. Juni.(TU.) Die Zeitung„VerdsnSgang" veröffentlicht einen Leitartikel, in dem sie vorschlägt, Schweden solle die AlandSinfeln kaufen. Rechtsregierung in Norwegen. Kopenhagen, 16. Juni.„Bevlingske Tidende" meldet aus Kristiania, daß die Rechte deS Storting sich Bereit erklärte, die Bildung der neuen Regierung zu übernehmen. Als Mitglieder der neuen Regierung werden genannt: Halvorsen, Mi- nisterpräsident und Justizminister. Michelot, Minister bei Aeußern, Lykkc, Handclsminister, und Riddervold-Jcnsen, Unterrichtsminister. Die SicherheitSpolizeibeainteii gegen den Frontbnnd. Der zweite Vertretertaq des Wutschaftöverbandes der Beamten der Sicherheits- Polizeien Deutschlands, der vom 10. bis 14. Juni in Stettin tagte, nahm auch gegen bis zersetzenden Bestrebungen des Front- b u n d e S und zu den gegen die Sickerheitspolizei gerichteten An- griffen Stellung. Es wurde eine Entschließung angenommen, in der gegen das Verfahren des Fronlbnndcs schärfste Verwahrung eingelegt und zum Ausdruck gebracht wird, daß den gegen die Existenz und das Ansehen der Sicherheiispolizeibeamten gerichteten Machenschaften de§ FronrbundeS mit allen Mitteln ent- gegengetreten werden soll. Wie sich England den Judcnstaat Palästina denkt, geht aus einer Erklärung des zum Gouverneur von Palästina ausersehenen Herbert Samuel hervor. An die Stelle der Militär« wird eine Zivilverwaltung treten, bei der die höheren Posten von englischen Beamten besetzt werden. Die unteren Posten sieben„Angehörigen der örtlichen Bevölkerung ohne Rücksicht auf das Glaubensbekenntnis" offen. Vor Tisch las man'S anders! Neue Niederlage der Koalition in England. Wie bei den letzten Ersatzwahlen wurde auck bei der Ersatzwahl in Loutb ein unabhängiger liberaler Wintringbam mit 9859 Stimmen gewählt. Turner(Koalitionsunionist) erhielt 8754 Stimmen. Anschlag ans den japanischen Ministerpräsidenten, lieber New Dork tvird auö Tokio gemeldet, daß auf den japanischen M i n i st e r p r ä s i d e n t e n ein erfolgloser Anschlag gemacht worden sei; der Täter, ein Japaner, sei verhaftet. GeVerMostsbeVegung Verbanüstag öer Deutschen öuchdrucker. Nürnberg, IS. Jnm. NuS der NrnhmittngSsitzung des ersten VerhandlungZtagek ist noch folgende? nachzutragen: Ueber eine von Bö t t ge r-Leipzig eingebrachte Resolution entwickelt stch eine längere T-ebatte. Die Generalversammlung sollte den Arbeitern Sowjetrustland? und den unter dem weiften Terror leidenden Arbeitern Ungarn? herzlichste Grüfte ent- bieten. Die als Begrüftungdadress« begründete Entschlieftung ent» hielt in ihren weitschweifigen AuZführungen derartige Formeln, daft sie von der Mehrheit der Delegierten nicht als Shmpath:«?und- gebung, sondern als Demonstration k-objest im kommunistischen Sinne betrachtet wird, weshalb gegen die sofortige Annahme lebhaft protestiert wird. Ein Antrag Seih- Berlin, eine Redaktionskommission zu bilden und ihr d:« Entschlieftung zu überweisen, findet Annahme. Im Prinzip wird eine Bcgrüftung de? internationalen Proletariats anerkannt. Einige Anträge aut Abänderung der Tagesordnung lehnt 1 die Versammlung ab. Damit beginnt die eigentliche Tagesordnung und Seih- Berlin erstattet den Ge- schästkbcricht, der den Delegierten gedruckt vorliegt. � J(n der Nachmittag Ssihung gibt S ch w e i n i h- Berlin Ergänzungen zu dem ebenfalls gedruckt vorliegenden Kassenbe eicht. Bor Eintritt in die Debatte stellt N e u m a n n- Berlin den Antrag, der Opposition längere Redezeit zu gewähren, wa? ange- nommcn wird. Als erster Redner sprich! Ka t t e- Berlin: Der Gc- schäftSbericht ist auf einer Basis entstanden, die seine Freunde alS klassenbetvuftte Arbeiter nicht anerkennen können. Die Getoerk. schastSkührer hätten durch daS Eingehen auf den Burgfrieden die Arbeiter an da« Mesier der Kriegsbcper geliefert. Au verurteilen fei die Bildung wirtschaftlicher Einigungsorganisationen zwischen den Gewerkschaften und den Unternehmern, Tie Organisation bedarf einer vollständig neuen Grundlage, in der sich die Tarif- gemeinschaft überflüsfia machen wird, weil dieselbe von den Unternebmern in ihrem neuzeitlichen Gewände nicht anerkannt werden wird. An ihrer Stelle müftte eine ganz neue Institution treten. Die Wirkung des Generalstreiks sollte die Gewerkschaften von der Kraft dieser Waffe für alle weiteren Entwicklungen über. zeugt haben. Der Regieruna ist der Vorwurf zu machen, daft sie nich!» getan hat, die 8 Punk:e des GewerkichastSbundeZ zu realisieren. Da? DetriebSrätegesctz sei eine Siran gu- l i« r u n g für die Weiterentwicklung der Arbsiterrechte. iWider« spruml Die Lehrlingsordnung bleibe eine leere Formali- tat. weil die Unternehmer bei der Gestaltung der Lebrverträge alle Rechte im Vesift haben. Erfreulich ist die Ablehnung der geseplichen Anerkennung des Tarifvertrages durch die Regierung. Die Haltung de»...Korrespondent" und der Gewerkschaftsführer vom Hauptvor- stand bi» berab zu den OrtSgruppenleitern bei Kriegsausbruch war schwächlich und chauvinistisch. Ter Redner bcmübte sich in längeren Ausführungen unter dem Widerspruch der Versammlung, alle Schuld am Kriege Deutschland beizumessen. Bewiesen sei, daft der Parlamentarismus da? deutsche Wirtschaftsleben nicht retten könne, denn lewst Seip sprach sich für ein„Auch"rädcshstem, die ArbeitSaemeinschasten auS. Der Industrieverband muft in kürzester Zeit als Konseauenz in der wirtschaftlichen Entwicklung kommen. Zum Schlaft legt der Redner noch eine umfangreiche Resolution mit dem Extrakt seiner Ausführungen vor und empfiehlt sie der Versammlung zur Annahme. Der weitere Versauf der Diskussion gzsialtcte sich manchmal ziemlich lebbaft, die Gegensäfte prallen scharf aufeinander. Die Opposition schickt weitere Redner vor, auf d�r anderen Seite ent- stehen der VerbandSIeilung Verteidiger, N-chen P i e e z y k- Ham- bürg rechterigt besonder? wirkungsvoll?l I b r? ch t- Köln die Ver- bandStaktik in den KriegSfabren und seit der Revolution. Als der leftte Redner des beutigen Tage«. B 3 t t ch e r- Leipzig, eingangs seiner Rede dem Vertreter der ungarischen Buchdrucker. Rothenstein- Vudavest, wcacn desien AnSführnnaen über den Bolschewisten- schrecken in Ungarn„unerhörten Mftbrauch des GastrechtS" zum Vorwurf macht, kommt e? zu lärmenden Auftritten. Erst nach einiger Zeit legt sich die Unruhe, so daft Böttcher weitersprechen kann. Er greift ebensall? die Haltung der Verbandsleitung heftig an und fegt am Sckluft seiner Ausführungen ein« Resolution vor, durch die die Haltung beim Ausbruch eines erneuten Generalstreiks festgelegt tverden soll. In der DicnStagsitzung wird die Diskussion über die Vorstands- berichte fortgesetzt, ohne beendet zu werden. Der eigentliche Gegen- stand der Verhandlungen, die Berichte selbst, wird dabei selten be- rührt, da immer noch Reden und Gegenreden über die grohen �»»ipiellen Streitpunkte der Aussprach« daS Gepräge geben. Vorsitz des früheren FinanzministerS S ü dekum hat am Mittwoch mittag seinen Spruck, dahin verkündet, daft die Teuerungszulage aus die ab 1. Juli 191» festgesetzten Tarifeinkowmen unter Fort- fall der inzwischen gewährten Zulagen für alle Ange- stellten 1 10 Prozent, für Lehrlinge 90 Prozent betragen soll. Daneben soll die bisherige Verheirateten« und Kinderzulage in Höhe von je 00 M. monatlich gezahlt werden. Die neuen Einkommen sollen für die Monaie Mai bis cinschlieftlich August 1920 gellen, während im übrigen der Tarif- verlrag bis zum 31. März 1921 laufen soll. Die ArbeüSzeit ist nach dem Schiedsspruch in allen Betrieben für säuitliche Angestellle die gleiche, wie sie jeweils als normale für die Arbeiterschaft gilr, das heiftt gegenwärtig eine 4f0/,siändige in der Woche. In allen Fragen des sogenannten MlbestimmungSrcchtes toll eS bei den Bestimmungen deS BetriebSrätegesetzeS sein Bewenden haben. Die Parteien haben sich bis zum Dienstag. 22. d, M.. mittag? 12 Uhr, über Annahme oder Ablehnung des Schiedssprüche? zu erklären. Schiedsspruch für dle�ngeftellteu der Metallindustrie. Das vom ReichSarbeiiSministerium zur Beilegung der Tarif« vertragZstrertigkeiten zwischen den Angestellten und den Arbeitgebern in der Berliner Metallindustrie eingesetzte Schiedsgericht unter dem i Das soziale Empfinden des„ftfre,heit"-VerlageS. Man schreibt unS: Ganz eigenartige Prinzipien sucht die Ge- schäftSleitung der„Freiheit" bei der Einstellung von Personal für die eigene Druckerei in Anwendung zu bringen. Am 1. Juli geht die Freiheit" von der Lindendruckerei in den eigenen Betrieb. An der Herstellung der„Freiheit" war«in Personal von 8S Mann aller Kategorien beteiligt. Aus d«S Verlangen de» Betriebsrat». dieses Personal mit zu' übernehmen, wurde zunächst geantwortet, daft znan gar nicht daran denke, allen Bruch zu übernehmen und dann, daft man überhaupt nicht daran denke, weil, nach An- ficht der Geschäftsleitung der„Freiheit", dieser bei Verhandlun- gen mit dem Betriebsrat über anteilige Bezahlung der Generalstreiktage und de? 1. Mat die Pistole auf die Brust gesetzt worden sei. Schlieftlich wollte man, da schon reich- sich Personal ohne Berücksichtigung der Arbeitsnachweise engagiert ist. einen Teil der noch fehlenden 30 Arbeitskräfte über- nehmen, ES kämen aber nur Leute in Fraß«, die im Falle der Gefahr mit der Waffe in der Hand fich für di« Druckerei einsetzen. Blaupfeifer und Kanarienvögel seien ausgeschlossen. Ein 50 Proz, kriegSbeschädigter Korrektor wurde abgelehnt, weil er S.-P.-D,-Mitglied ist. MS Blaupfeifcr und Gelbe müssen fich von Herrn Küter, der in einem nationalistischen Echwimmverein einmal dieselbe grofte Geige spielte wie jetzt in der„Freiheit" und unter dem Protektorat deS Kronprinzen schwamm, als alle klassenbewuftten Arbeiter diesem Verein den Rücken kehrten, Leute beschimpfen lassen, die in den Generalstreiktagen gut genug waren und den Mut halten, die„Freiheit" herzustellen. In den Tagen der ver- schiedenen Putsche waren e? immer die Ardeiter, die in dem gefährlichen Haus« am Schiffbauerdamm aushalten muftten; die mit der Feder so tapferen Helden waren immer schnellwieder verschwunden oder sahen sich rechtzeitig nach einem Setzer- kittel um. um Arbeiter unter Arbeitern zu sein. Wie würde cS die„Freiheit" beurteilen, wenn ein bürger- licheS oder rechtssozialistisches Geschäft verlang«» würde, daft der Arbeiter mit seiner Arbeitskraft auch politische Gesinnung, Lew und Leben verkaufen muft?_ Vcrichtigunz. In Nr. 302 de?„Vorwärts" vom 16. Juni d. I. ist unter der Spitzmarke„Konflikt im Eisenbahnbetrieb" ein Artikel erschienen, der die Deutung zuläftt, als ob in der vorgestrigen Verhandlung in Gegenwart der zuständigen Minister erklärt worden sei, daft die Vorschläge der Verwaltung nicht«in- mal die Zustimmung der Ressortminister gesunden haben. Der betreffend« Artikel ist bereits am Abend des 10. Juni dem„Vor- wärt»" zugegangen, infolge Raummangels jedoch erst gestern«r- schienen. In der Dienstagverhandlung erklärten die Miniiter, daft sie da? Resultat über die Lohnverhandlungen dem Reichs- kabinett unterbreiten werden und daft der Reichstag in letzter Die Verhandlungen F. Scheffel. Linie die nötigen Mittel zu bewilligen habe. werden fortgesetzt. Verband der Puch- und Stesndrutf ereibilfSarbetter und.arde it«- rtuuen. OrtSverwaUung Berlin. Betriebsräte und Stellvertreter. Freitag, den 18. Juni, nachm. 5 Uhr, Versammlung im Graphischen VereinShauS, Alexandrinenstr. 44. Zentralverband der Slngeftellten. Versammlungen am Freitag, den 18. Juni 19i0. Jugendliche Vertrauensleute: Vollverlammlimg 7 Ubr im OrlSbureau. Fachgruppe 7.(Kaut- und Warenbäuscr. Spezialgeschäfte.) Mitgliederversammlung 71/i Uhr, Gcrmaniasüle, Chansseenr. 110.(An- nabme oder Ablehnung de? Schiedssprüche«.) Fachgruppe 13ä.(Ebeml- lcher Kleinhandel.) Mitgliederversammlung 8 Uhr, Alexandriner, Alcxan- drinenstr. 37».(Der neue Tarifvertrag.) Deutsche Delephoiiwerke, Abt. NlederschSncweide. Sämtliche in der Abteilung Nicderschönewcide beschäftigt gewesenen Kollegen und Kalle- ginnen, soscrn sie an der Klage beteiligt sind, und die nicht länger aiS sechs Wochen mit ihrem VerbandSbcltrag riickitändig sind, werden auf- gefordert, fich bis ipätestenS Donnerslag, i Uhr nachmittag«, auf dem Buieau des Deutschen Melallarbeiter-BerbandeS, Berlin. Liniemir. 63, Zimmer 4, zu melden unter Vorlegung ihres Mitgliedsbuches zwecks Rechtsschutzes. Genossenftbaftstag Ses Zentralverbanües üeutsther Konsumvereine. Am S. VerhandlungStag« sprach Heinrich Lorenz- Hamburg über: Internationale genossenschait- liche Angelegenheiten. Der Grundsatz der Genossenschaften sei Selbständigkeit und Freiheit. Die russischen Genosienschafler wenden fich daher gegen die Diktatur der Sowjetregierung. Auch die ungarischen Konsumgenossenschaften hatten unier der kommunistischen Räteregierung ihres Lande« zu leiden und fiihrten Klage über die Eingriffe in ihre Rechte und Freiheit. Im übr, gen sei zu konstatieren, daft die komsumgenossenichastliche Bewegung in allen Ländern erfreuliche Fortschritte mache. Viele gingen an die Lösung neuer Aufgaben heran. Man könne heule sagen, die KonsiimgenossenschaflSbewegung ist die gröftte Bewegung der Welt. Der Redner streifte dann die früheren Tagungen deS Jnter- nationalen GenosienichaftsbundeS. Bel den srübeien Kongressen habe die Frage der Gewinnbeteiligung der Arbeiter eine grofte Rolle gespielt, di« hauptsächlich von den Engländern und Fianzosen propagiert wurde. Man glaubte, durch die Gewinnbeteiligung die Arbeiter an der Produktion zu interesfieren. Während die Deutschen auf dem Standpunkt? standen, daft es sehr viel richtiger ser, die Arbeiter auskömmlich zu bezahlen, Gegenwärtig beschäftigt den Internationalen GenossenschaftS- bund die Frage der Schaffung einer Internationalen GroßeinkaufSgenossenschaft. Diesem groftzügigen Gedanken steht aber noch das Hindernis im Wege, daft in den Ländern, die am Wellkriege beteiligt waren, die Wtllschaft daniederliegt und es deshalb an AiiSiauschmitteln fehlt. Zu dem Punkte: Abschlutz eines Reichsrahmen- tarifeS mit denBäckern und Transportarbeitern, referierte August Kafch-Hamburg. Hierzu wurde folgende Resolution gegen 3 Stimmen angenommen: „Die Genoffenschaften find der Auffassung, daft genossenschakt- liche ReichStanfe keine Berechtigung mehr, haben und in der Praxi« im allgemeinen durch einheitliche Abmachungen für das Gesamtgewerbc durch Reichstarife oder durch Abmachungen an den einzelnen Orten erfaftt werden. Di« Genossenschaften ver- langen, daft ihre gemeinwirtschostlichen Uuiernehmungen hierbei keine ungünstigere Behandlung erfahren, als die privatkapitalistischen Betriebe. Sie lehnen ein« unterschiedliche Bewertung von Graft- und Kleinbetrieben als unveramworlliche Heinmung de« AuS- baueS der Gemeinwirtschaft grundsätzlich ab. Die Genossen« schaften erklären sich ausdrücklich bereit, wie bisher über dir all- gemeinen Berpfitchtungen hinaus ihr« sozialen Fürsorgeeinrich- tungrn zu erhalten und auszubauen." Die vom Bäckcrverband in den Groftstädten beantragte und gegen die Gesetzesbestimmung durchgeführte Meblkon» tigentierung fand auf dem GenoffenfchaflStag von keiner Seite Gegenliebe, sondern wurde allgemein scharf ver- urteilt, weil sie die Großbetriebe einschnürt und zur Ver- reuerung des Brote« wesentlich beiträgt. Diese Mebllontingentierung erscheint als kein geeignetes Mittel zur Beseitigung der Arbeitslosigkeit. DaSkonsumgenofse'nschaftlicheFortbildungS« Wesen behandelte S i e r a ko w S k y-Hamburg. Die FortbildungS- kommiifion de« Zentrolverbande? setzt sich mit der Einrichtung von HalbzahrSkursen daS Ziel, befähigte Leuten im Alter von etwa 26—40 Jahren, die mit der genoffenschaftlichen Praxis hinreichend vertraut find, mit jenem Wissen auszustatten, da» notwendig ist. in der KonsumgetioffenschaitSbewegung verantwortliche Stellungen einzunehmen. In einer zu diesem Punkte angenommenen Resolution wird unier anderem gesagt: „Der GenosiemchaftStag betont wiederholt mit Nachdruck die Bedeutung der genofienichaftlichen Bildungsarbeit für die weitere Ausbreitung der konsumgenoffenschastlichen Bewegung und erklär» sich mit dem weiteren Plan der Fortbildungskommission auf Ab» Haltung von Wander- und Spezialkursen für die Funktionäre der Konsumvereine einverstanden. Hierauf wurden noch eine Reihe geschäftlicher Angelegenheiten erledigt. Die Jahresrechnung wurde genehmigt, dem Vorstande Entlastung erteilt und die Verteilung der Zuwendungen an die Revisionsverbände vorgenommen. Bei der darausfolgenden Dahl wurden ble alten Borstands" Mitglieder und AuSschuftmitglieder wiedergewählt und an Stellt des' ausgeschiedenen früheren Unterstaatsickretär» August Müller August Kasch-Hamburg gewählt. Wegen ArbeitSanbäuiung im Vorstand« wurde H o f s m a n n- M a g d e b u rg als weiteres Vorstandsmitglied gewählt. Damit waren die Verhandlungen deS Kongresse» beendet. Mit anfeliernden Worten zum tatkräftigen Auf» und Ausbau der Genossen- schaflSbewegung schloß der Vorsitzende Hoffmann den Genossen- schastStag. Jterirnllv. für bm reboft. teil:®t, Wrtnrr tzjrifer, Ttzartottenbur«: für Snj|«i(ien: Th. Klocki, Berlin. Verlag: VorwärtS-Verlag G.m.b.H.. Berlin. Druck: V�r> wärtS'vuchbruck-rei n. LrrlagSonltalt Daul Singer u. So., Verli.i, Luibenstr. J. Hierzu 1 veilage. Billig# Angebole Korsette tkOPSSti mole Baomwollrtoff,«I(£00 Imc* Porta, 1 Haitat...........<9«9 grames Leine», mit �<5)50 LangeUe, 2 Halter.............<31 3- BCföJ'SiiiSS nole SatUt, halbhohe �'500 Konn................... RrÖ Korso�'ä wel Bor Dren, mit Stielt erev DO saraieruritf................%}\3 ÄOfjtßtS wc(6er Batist, geiado Form/«! C 00 mit Splteengarnierung.......... t?«ä? KOI'SGÜ grauer Drei], für etarke RPAOO MtfureB, i Hairer............ MV BÜStGnRfölt®? rrelB, not«OPMO EüeWenschluQ............... 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