Nr. Z05 4- Z7.Jahrgang Msgabe B Nr. 15 Bezn�svreiS: B Tttl'ähr'.SO,—'"„raor.S! 10— SDU. fte! m»»out ootmi« aoioar- Post» oezuq Mvnolstcl 10.— e?kl. Zu- >t«llunz«ye»i'.i!r. UmerSr«u»«n» für Leutlistiauo»nd Sesterre>ä> 10.' 0 Ml» iüi da« übriqr Ausland: c; lägUch einmal. Zustellung 2150>' 7ost1>- stellunqcn nostnlen an Oesterreich. Unzaru, Tlchecho-SIowaiei, üane» muri,>5olllmc>.»luremvura, ächwedeu und die SchvetZj.— Einaetrao.e« in die Vost-steinluci«»Preisliste. Der„BorwäNs" Mi! der Eonniaa«- deilaze»Boll u. Zeit� erickelni wochen- tilglich zweunol Sonniaqe und Vion- tags"nmat Tele.icamm-Adrellei .Sozialvomolrat verlla". Abend-Ansgave Verl in ev DolKsblnti � 20 Pfennig) NnzeigenpreiS; Sie achtqewaltene Nonvareilleeeile to S s.S.—»Ost., Teuerunnszuichlrig 50% „Sleinc Wnzoixen-, Ca« irti» gedruckte War: 1.— M.(jutijfig zwei lettgedruckte Worte), iede« wettere »Wori SO Pfg. Etellengeiurde und Hchiasstellenanzetgeu da« erste Wort SS Pjg» jede- weitere Won 10 Pfg. Worte über 15 PuKstaben zählen für zwei Worte. Tcnernnaszuschlag 50»'» Awniiien-Anzeizen Istr Abonnenten gerl« 2.— M, polttilche und ge. werifchasttiche Bereino» Anzeigen Z.— Mk. dü! Zeile ohne Aufschlag. Anzeigen für die nächste Stummer müssen bi» ö Ahr nachmittag« im Sauptgeschäst, Berlin EWOZ, Linden» strage S, abgegeben werden. Deöffnet von S Uhr früh bis ö Uhr abend». Zentralorgan der rozialdemokrattfchen Partei Deutfcb lande Neöaktion und Expedition: SA). b8, Lindenstr. o. aernivrerder:»Amt Morttivla«, Rr. lSIilv— IS1V7. Vorwärts-Verlag G.m.d. H., SM. PS, Lindenstr. 5. Fernivrecher: Zlmt Morittplatt, Nr. 117 38—.51. Jn öer Schwebe. Maper!ehnt ab.— Schiffer in Aussicht. Tie Regierungskrise, die ihrer Lösung entgegen» zugehen schien, hat sich neuerdings wieder kompliziert, da der als Reichskanzler vorgeschlagene Geschäftsträger in Paris, Ab- geordneter Mayer- Kaufbeuren, es abgelehnt hat, die Regierungsbildung zu übernehmen. Mau ist nunmehr wieder auf den Präsidenten der Ratio? nalvcrsammlung, Abgeordneten Fehrenbach, zurückgekom- men, der früher einer derartigen Anregung gegenüber sich ab- lehnend verhalten hatte. Er scheint jetzt nicht absolut abgeneigt zu sein, den Auftrag zu übernehmen, macht seinen Eintritt in die Regierung jedoch von einigen Bedingungen abhängig, über deren Charakter im Augenblick noch nichts mitgeteilt werden kann. Wie wir hören, wendet sich Fehrcnbach zunächst an die Temokraten und die Tentsche Bvlkspartri. Von dem Ergebnis dieser Besprechungen wird die Weiterentwicklung nbhimgcn. Jn letzter Stunde taucht noch eine neue Meldung auf, wonach die Demokraten nicht abgeneigt wären, den Ber» such zu machen, durch de» Abgeordneten Schiffer ein Kabi- nett zustandezubringen._ Giolittw yroaramm. Rom, 16. Juni.(Stefani.) Gioliiti übersandte allen Präfcktcn ein Rundschreiben, in dem er darauf hinweist, daß die schwierige Lage, in der sich das Land gegenwärtig befindet, nur durch die Anspannung allrr Kräfte behoben werden kann. Zum Schluß betonte er, daß das von ihm beabsichtigte Pro- schaft. g und in gramm in der sozialen Gerechtigkeit, Wirt lichcn und finanziellen Wiederaufrichtun der Beachtung der Gesetze gipfle. LanÄratswahl in Sasel-LanA. Basel, 15. Juni.(Eigener Bericht dcS„Vorwärts".) Jn unserm Nachbarkanton Basel-Land war der Landrat— die gesetzgebende Behörde dieses Halbkantons— neu zu wählen. Die Be- völkerung dieses Landesteils treibt vorwiegend Landwirtschaft, nur ein kleiner Teil derselben in den Orten nächst Basel ist induftria- lisiert. Bisher war die Vertretung der Sozialdemokratie im Kanton Vasel-Land nur gering. Vier Sozialdemokraten zählte das basel- landschaftliche Parlament, wozu allerdings noch drei Grütlianer — Nationalsozialisten— kamen. Die Wahlen am Sonntag brachten hierin eine überraschende Acilderung. Es wurden 10 Sozialdemokraten und 8 Grütlianer in den Landrat gewählt; die Mehrzahl der Gewählten kommt allerdings aus den Gemeinden der Umgebung Basels, die schon ein starkes Jndustrieproletariat aufweist. Aber selbst ganz ländliche Gemeinden, die noch nicht vom Jndustrialismus angekränkelt sind, weisen schon gewaltige Zahlen von sozialistischen Stimmen auf. Von 96 Landräten gehören 88 zur Sozialdemokratie; die bürgerlichen Parteien haben Kvar immer noch eine ansehnliche Mehrheit im Rate und einen starken Rückhalt an der Bauern- schaft. Aber die Industrialisierung des Kantons dringt immer weiter ins Land hinein, was gleichbedeutend ist mit dem Vormarsch der Sozialdemokratie. Scheiöemann gegen Sonnenfeld. Vor der vierten Strafkammer des Landgericht? I unter Vorsitz des Landgerichlsdirektors Schulze begann heute die Verhand- lung gegen Hermann Sonnenfeld fem, der der Beleidi- g u n g des jetzigen Oberbürgermeisters von Kassel, Philipp Scheidemann, beschuldigt ist. Jn der„Deutschen Zeitung'" war unter der Ueberschrift „Der Fall Scheidemann- Tklarz" nn Artikel erschienen, in welchem eine Erklärung des Angeklagten Sonnenfeld sen. wiedergegeben wurde �dcs Inhalts: vatz auch ihm gegenüber seinerzeit von einer Herrn ischeidemann sehr nahe- stehenden Seite erklärt worden sei, das; für die Tötung von Dr. Liebknecht und Rosa L u x e in b e r g 100 000 M. von Scheidemann und Sklarz bereitgestelli worden seien. Die Vorgeschichte des Artikels Ist die folgende: Der�junge Sonnenfeld, der damals in Solland interniert war, hatte seinem Verteidiger Rechtsanwalt Grünspach einen ausführlichen Bericht geschickt, in welchem es bieg:„Ich kann unter Eid und unter Angabe von Zeugen aussagen, dag ich seinerzeit alz Zahl- meister unserer Regierungsbrigade den Auftrag erhalten hatte, demjenigen eine Prämie von 50000 M..auszuzahlen, der Liebknecht oder die Luxemburg tot in den Reichstag einliefern würde. Ick kann diesen Besehl, der mit Erläuterung-en gegeben wurde, in allen Einzelheiten genau detaillieren. Später erzählte mir der Sohn von Sklarz, daß sein Vater und Scheidemann gemeinsam 100 000 M. für dies« Tat ausgesetzt hätten, dah sich daraufhin ein gewisser Alfred Popp Scheidemann zu der Tat an- geboten habe, aber als zu unsicher abgelehyt worden sei.— Gegenüber vielfachen Prcsseangriffen hatte der Angeklagte diesen Bericht der Presse, insbesondere auch Maximilian H a r d e n zugänglich gemacht. Scheidemann hat auf diese Veröffentlichung mit einer Erklärung im„Vorwärts" geantwortet, in der er diese Behauptung als unwahr und als Phantasie eines gehirnkranken, lügnerischen Menschen erklärte. Deshalb erklärte nun der Vater Sonnenfeld, daß auch ihm von seinem Sohne gesagt worden sei, es sei eine Kopfprämie von je 50 000 M. für die Tötung von Liebknecht und Rosa Luxemburg ausgelobt worden. Im heutigen Termin wird der Nebenkläger Scheidemann durch Justizrat Dr Wertbauer vertreten, die Verteidigung des An- geklagten führt Rechtsanwalt Fritz G r ü.n s p a ch. Dieser hat eine Reihe von Zeugen geladen, darunter der Schwiegersohn Scheide- mann?. Fritz Henk, Sonnenfeld jun., seinerzeit Kassenführer der..Repnbsikanischen Schutztruppe Reichstag", Leon Sklarz, der Chauffeur R a s ck k e, Albert Wolfs, Davidsohn, der durck Krankheit am Ericheinen verhindert ist, Redakteur Bau- m e i st e r, Siegfried I a c o b i, Oberleutnant Rödels, Hilfs» operateur Berg. Kaufmann I e i d e l? u. ct. Nachträglich ist noch der Redakteur Dombrowski geladen. Der Nebenkläger Scheidemann ist persönlich nicht anwesend; eS liegt von ihm eine eidlickkommifsarische Vernehmung vor. Die Anklage, die dem»Angeklagten Beleidigung nach§ 186 StGB, vorwirst, wird vom Staatsanwalt Gerl cKv vertreten. Der Vorsitzende versuchte, einen B e r g l e i ck zwischen den Parteien herbeizufübren. Er wies darauf hin. daß es für das Vaterland n»cht eripriestlich iei. wenn in volitisch so unruhigen Zeiten derartige»Prozesse aeführt würden. Der Angeklagte betonte sedoch, daß es ihm unmöglich iei,«inen Vergleich zu schließen Seine Ehre sei monatelang durch den Kot gezogen worden.. ES stehe in dlSfem Prozeß auch mehr auf dem Spiel als ein Recont« zwischen dem Angeklagten und Scheidemann. Der Verteidiger des Beklagten riet ebenfalls zu einem Vergleich, doch weigert« sich Sonnenfeld hartnäckig und bestand darauf, den Wahrheits- be w e i s führen zu können. Es erfolgt dann die Vernehmung de? Angeklagten Sonnen- f«ld, der sich ausführlich über seine persönlichen Perhältnisse auS- läßt und deshalb vom»Vorsitzenden in sehr konzilianter Weise unter- brachen und ermahnt wird, mehr zur Sache zu kommen. Sonnen- feld gibt an, daß er gelernter Kaufmann ist, aber auch zwei Jahre als Arbeiter praktisch tätig war, Direktorstellungen in größeren Betrieben bekleidet und ein Jahr vor dem Kriege ein Papier- geschäft gegründet habe. Er habe sich von Jugend auf sehr für Li- teratur, aber auch ebenso sehr für die Politik interessiert. Er habe erkannt, daß ber Sozilllismus notwendig sei, habe auch der sozialistischen Mehrheitspartei angehört, ohne sich jedoch die»Anschauungen und Handlungen der Partei sämtlich zu eigen zu macken. Auf die Frage des Vorsitzenden zu seinen Beziehungen zu Scheidemann erklart der Angeklagte, daß er niemals mit Scheidemann in persönliche Beziehungen gekommen sei. In seiner Schilderung über seine sachlichen Differenzen mit Scheidemann greift der Angeklagte bis auf die ersten Spgrta- kistenunruhen zurück. Als damals im Reichstag eine Trupps zum Schutze der Re- gierung gebildet wurde, zu deren Organisation auch er, der An- geklagte, hinzugezogen worden sei, habe er Georg Sklarz kennen gelernt. Als er gegen die Korruption, die er damals � in der ReichstagStruppe bemerkt hatte, aufgetreten fei, habe ihm Georg Sklarz ein Gehalt von 2000 M. angeboten. Das Angebot habe er abgelehnt. Inzwischen habe er durch Einsicht in Vollmachten, die Scheidemann Georg Sklarz gegeben hatte, erkannt, daß sich da Dinge abspielten, die das Licht des Tages zu scheuen hatten, und die dem deutschen Volke Millionen kosten mußten. Er habe Georg Sklarz Vorhaltungen gemacht, dieser habe ihn jedoch ge- warnt, etwas zu unternehmen, da er, Sklarz, über Leichen gehen würde. Jn einer Zusammenkunft von Personen, die mit Vorgängen innerhalb der Sozialdemokratischen Partei unzufrieden waren, habe er dringend Scheidemann vor feinem Verkehr mit Sklarz gewarnt, sowohl im Interesse der Partei, als.auch des ganzen deutschen Volkes. Während sich der»Angeklagte fast den ganzen Sommer über im Bade befand, erhielt er von seinem Sohne, der in Diensten von Sklarz stand, die Mitteilung, daß sein Sohn nach Holland zu fahren beabsichtige. Auf Wunsch seines Sohnes traf er sich mit seinem Sohne in Hannover und be- gleitete ihn auf der Reife bis nach Bentheim. Unterwegs erzählte sein Sohn ihm, daß er von einer Summe von anderthalb Millio- neu Mark, die er von Sklarz erhalten habe, eine Million zwe»- hunderttausend Mark zurückbehalten wolle, weil er in Höhe dieser Summe von Gläubigern Sklarz' regreßpflichtig gemacht werde. Hier wird der Angeklagte von dem Vorsitzenden wiederum unter- brachen, der ihn ersucht, nun endlich auf die Sache sefbst, d. h. den Vorwurf gegen Scheidemann, einzugehen. Der Angeklagte führt hierzu aus. dah er nach feiner Rückkehr auS dexn Bad« mehreren Persönlichkeiten. Mitgliedern der Sozialdemokratischen Partei, sein Material vorgelegr habe, und daß dieses Material dann auch einem größeren Kreise unterbreitet wurde. Nachdem Scheidemann trni diesen Dingen erfahren. hatte, wurde der Angeklagte, wie er erklärt, plötzlich verhaftet. Aortsstznna aus dex dofttzen Seite.) Groß'öerliner Sozialpolitik. Von Paul Hirsch. Der kommenden Sozialpolitik werden die berufenen Or- gane der neuen Stadtgemeinde Berlin ihre besondere Auf- merksamkeit zuzuwenden haben, nicht nur, weil es sich hierbei um Aufgaben handelt, deren Lösung nach dem Kriege vor- nehnistx Pflicht der Gesetzgebung und Verwaltung ist, son» dern vor allem auch, weit die Leistungen des grWen deut- scheu Gemeinwesens vorbildlich fitr ganz Deutsch- � l a n d, ja darüber hinaus für die gesamte KulturwÄt sein i werden. Magistrat und Stadtverordnetenversammlung � müssen ihren Stolz darin erblicken, auf diesem Gebiete bahn- ; brechend voranzugehen und sich von keiner anderen Gemeinde übertrumpfen zu lassen. Unter kommunaler Sozialpolitik ist nicht mir die Ar- b e i t e r p o l i t i k im engeren Sinne zu verstehen. Daß eine Stadt wie Verlin ihren Beamten und Angesteil- ten eine auskömmliche, den heutigen Verhältnissen ange- paßte Existenz gewährleistet, daß sie das große Heer ihrer Arbeiter auskömmlich entlohnt, ist ebenso. selbstverständlich wie daß sie ihnen ein weitgehendes M i t b e ft i m m u n g s- recht einräumt, daß sie ihnen ihre staatsbürgerlichen Rechte nicht verkümmert oder daß sie der Uebertragung der gewerk- schaftlichen Grundsätze in die Praxis keine Schwierigkeiten bereitet. Das sind Dinge, über die man heute kein»Wort mehr verliert. Darüber hinaus aber gibt es eine große Fülle von Aufgaben kommunalpolitischer Natur, zu deren Lösung ein Maß von sozialer Einsicht gehört, wie wir es eigentlich nur ber geschulten Sozialdemokraten voraussetzen können. Ja. im Grunds genommen muß die gesamte gemeindliche Tätigkeit von sozialem Geiste beseelt sein. Nur wer sozial fühlt und denkt und sich in diesem Sinne betätigt, wird als Gemeindevertreter sein Amt so verwalten können, wie es das werktätige Volk von Groß-Berlin»mit Fug und Recht verlangen kann. Der Krieg mit feinen Folgeerscheinungen bat die Ge- meinden vor schwierige Probleme» gestellt. Mit veralteten Vorurteilen ist gründlich aufgeräumt; manches, wogegen unter dem früheren Dreiklassenwahlsysiem die Sozialdemokraten vergebens angekämpft haben, gehört beute auf ewig der Geschichte an, ein neuer Geist ist in die Gemeinden ein» gezogen, der Gedanke der Demokratie hat sich durchgesetzt, und Sache der„Vertretung der Wählerschaft wird es sein, zu beweisen, daß es eine soziale Demokratie ist. Der Krieg hat, um nur einige Punkte kurz zu streifen, mit erschreckender Deutlichkeit gezeigt, wie gering im Grunde genommen der Kreis derer ist, die imstande sind, für die Zeiten der Not Vorsorge zu treffen. Die Familien des weit- aus größten Prozentsatzes der Kriegsteilnehmer waren auf die Familienunterstützung angewiesen, sie waren bedürftig, wenn auch nicht im armenrechtlichen'Sinne. Daß es in dieser Hinsicht heute besser geworden ist, wird niemand zu behaupten wagen. Wie im Jahre 1311 bei Ausbruch de? Krieges, so wird heute bei Ausbruch einer wirtschaftlichen Krisis Not und Elend in die meisten Familien einziehen. Diese Opfer einer Wirtschaftspolitik, die durch das Zusammenwirken einer ganzen Reihe von Faktoren verursacht ist. an der der Einzelne aber jedenfalls kein»? Schuld trägt, einfach ihrem Geschick zu überlassen, sie vielleicht der Armen- pflege zu überweisen und mit»Bettelpfennigen abzusveisew ist schlechterdings unmöglich. Gegen ein solches Versahren würde sich ieder auch nur halbwegs so.sial Empfindende mit Fug und Recht aufbäumen. Ihnen die ArbeUslosenunter- stützung zu geben, die in ihrer heutigen rohen Form ihrem Wesen nach sich von der Armenunterstützung kaum unter- scheidet, ist nur ein schwacher Notbehelf, wobei es dahinge- stellt bleiben»mag, ab ein solches Verfahren gesetzlich über- Haupt zulässig wäre. Schon dies Beispiel zeigt uns die Notwendigkeit einer grundlegenden Reform unserer Armenpflege, einer Reform, die nur in der Richtung der Ausgestaltung der Armenpflege zur Wohlfahrtspflege liegen kann. Wie das im einzelnen zu psicheben hat. gehört nicht hierher; nur soviel sei gesagt, daß die Reform im engsten Zusammenhang stehen muß mit einer Arbeitslosen- für sorge, deren Ziel die Beschaffung und Vermittelung von Arbeit und die Vei-sicherung gegen Arbeitslosigk-eit ist. Niemand darf in Zukunft mehr wegen Arbeitslosigkeit der Armenpfleae anheimfallen. Andererseits aber muß für»die Arbeitsunfähigen in großzügiger Weise gesorgt werden, die Gemeinde darf»diese Fürsorge nicht als unangenehme Pflicht betrachten, der sie sich am liebsten entziehen möchte, sondern sie muß eine Ehrenpflicht darin erblicken, sich derer anzu- nebmen. die, sei es aus Alter, aus Krankheit oder sonstigen Gründen, ihren Lebensunterhalt iicht selbst erwerben können. Von dem-gleichen Gefiibl sozialer Pftichtersüllung muß die Fürsorge für unsere Waisen getragen sein. .Hand in Hand damit geht der Kampf gegen die Fol- gen der Unterernährung, ein Kampf, der schon vor der Geburt der Kinder einsetzen muß. Wie oft haben nicht wir SozialdemokvatzsU hje Roftvendigkeft der Ergreifung ■- energischer'Mahnahmen gegen die S ä n g l i n g S st e r b> 116'''! U-lüiit! Wie oft haben wir nicht die Errichtung von Schwangeren- und Säuglingsheimen, von Stillstuben und ähnlichen Maßnahmen gefordert, und wie selten haben '.vir für unsere dahingehenden Anträge die Zustimmung der bürgerlichen Vertreter gewinnen.können! Ohne Uebertrei- Imng können wir sagen, daß daS. was in dieser Hinsicht bisher in Berlin geschehen ist, auf unsere Initiative. zurückzuführen ist. Aber noch find es nur bescheidene Anfänge, und wenn ihr Ausbau schon vor dem Kriege eine zwingende Notwen- digkeit war, so erst recht heute, wo die jahrelange Anter- ernährung den Körper der werdenden Mutter geschwächt und die Gefahr der Verkümmerung unserer Jugend in er- schreckende Ztähe gerückt hat. Dieser Gefahr mit allen Mitteln in begegnen, kein noch so großes Opfer zu scheuen, ist vaterländische Pflicht, der wir Sozialdemokraten uns zu allerletzt entziehen werden. Gewaltig find die Aufgaben, die ihrer Lösting auf dem Gebiete der der foßalen Hygiene harren, die Inzell! aufzuzählen zu weit führen würde, aber sie werden gelöst werden, die Sozialdemokratie wird ihre Ehre darin erblicken, in zäher Friedensarbeit wieder gut zu machen. was der Kriegswahnsinn verdorben hat. * Welche Aufgaben den Gemeinden isi Zukunft auf dem Gebiete der V 0 l i s e r n ä Ii r 11 n g zufallen, wird von der reichsgesetzlichen Regelung dieser Frage abhängen. Gänzlich aber werden sie sich von diesem Zweig kommunaler Sozial- Politik niemals wieder abwenden können, die Sorge für die Ernährung der Bevölkerung wird ihnen bleiben, und wenn sie sich hierbei die Erfahrungen des Krieges zunutze machen und im Sinne der schon vor dem Kriege erhobenen program- niatifchen Forderungen der Sozialdemokratie vorgehen, dann werden sie der Gesamtheit den größten Dienst erweisen. Daß die Sozialdemokratie in einer Zeit, wo ebenso wie Reich und Staat auch die Gemeinden überschuldet sind, zur Äsung der großen sozialen Aufgab»« berufen wird, darf sie nicht abhalten, ihre Pflicht in vollem Umfange zu erfüllen. Was hier angedeutet ist. ist naturgemäß nur ein kleiner Ans- i chsiftt aiis dem großen Kreise der kommunalen Sozialpolitik. Gewiß, ohne Mittel läßt sich keine Sozialpolitik treiben, aber ';-J Geld, das hierfür notwendig ist. muß aufgebracht werden, und eS wird aufgebracht werden, denn es ist nicht unnütz ans- gegeben:- im Gegenteil, es ist die beste Kapitalsanlage. Von den-Gemeinden wird die Gesundung des deutschen Volkes, wird der Wiederaufbau deutscher Wirtschaft ausgehen. Sor- gen wir'dafür, daß die neu«-Gemeinde Berlin hierbei die Führung übernimmt. Zeigen wir der Welt, was eine sozial- demokratische Mehrheit trotz aller Schwierigkeiten und trotz der Not der Zeit zu leisten vermag! Kühle Nlsrgengniße. Wie wir an anderer Stelle des Blattes mitteilen, hat Dr. M.atz.e r- Kaufbeureu den ibni angetragenen Reichs- tanzlerposten abgelehnt. Wenngleich, bic-rmit die bis- - e eigen Kcnn-binätioneu zum Teil wieder-hinfällig werden, so läßt sich doch sagen, daß das konttnende Kabinett— wenig- siens in seinen.Konturen— erkennbar zu werden, beginnt. Die Ausnahme, die ihm von der Morgenpresse bereitet wird, ist eine sehr kühle. Am- gereiztesten sind natürlich die beiden R e ch t Z p a r t e i e n, von denen die Deutschnationale owlf spartet nach wie vor die Rolle des beleidigten Kindes spielt, das man in den-Schinollwinkel gestellt hat und nicht wieder hervorholen will, während die Deutsche Volkspartei nunmehr erklärt, nicht mitmachen zu wollen. Die„National- l i hetale Korrespondenz" veröffentlicht folgende Auslassimg, oer man offiziellen Charakter-beizulegen berechtigt ist: -In einem Teil bn AbenLÄätter ist die Ncchncht verbreitet, d-aß eine Regierungsbildung von Zentrum, Demokratisch er Partei roib Deutscher V 0 l.k s p a r t e i zusta-nbe gekommen sei. Diese Nachricht wird urrs von zuständiger Seite als unzn- : r c f f e n b bezeichnet. ExjVhmW lmö Erkenntnis. Ge danken zur Schulreform von Pank Guimann. Wie läßt sich- der Begriff der Wissenschaft definieren?. Wissen- tast ist, wenn eine Sache gebucht u-nd womöglich gedruckt ist. Das Urbild des sogenannten Wissenschaftlers ist für mich jener Ober- .-«rer, der fein gesamtes Hausgerät vom Nachtgeschirr bis zum Naiserbild an der'Wand in ein Register eingetragen und numeriert rat. So weiß er ganz genau, iva-nn er sich der Nummer 1 bedient, wann er mit dem Besteck 223» und b zu Mittag ißt, wann er seine blicke ehrfurchtsvoll zu dem Bild 1018 erhebt. Er hat seine Be- - annten in Langschädel und Rundschädel eingeteilt und fuhrt genau »wer ibre Bemerkungen und Handlungen Buch. T-je Wirkung -einer- Verdauung auf seine Gchirntätigkeit, ebenso der tägliche Luftdruck und Feuchtigkeitsgehalt der Atmosphäre wird gewissen- i'-ftt von ihm eingetragen. Seinem Verhältnis zu seiner Frau lugt ein genau festgestelltes Koordinatensystem zugrunde, das zu sehr schwierigen Rechnungen führt. Seme Kinder erzieht er. nach der Formel x—(»-l-eju, wobei a das Alter, c die Enahrunz nid 11 Unterricht bedeutet... Der Mann ist bei all seiner -si issenschastl ichkeit nicht imstande, einen Ludendorff v-on einem Politiker, einen Helfterich von einem ehrlichen Redner, einen Patrioten von einem Geschäftemacher zu unterscheiden. Das deutsche Volk glich in feinen sogenannten Führern nur allzusehr jenem Professor. Es hat vor hundert Jahren einmal e-nen nickt unbeträchtlichen Deutschen gegeben, der diese Eigenart seines Volkes erkannte und der die folgenden Sätze schrieb:„Wer dem Gang« einer höheren ErlemrtniS und Einsicht getreulich folgt, wird zu bemerken haben, daß Erfahrung und Wissen fortschreiten .ind sich bereichern können, daß jedoch das Denken und die eigent- ilchste Einsicht keineswegs in gleichem Maße vollkommener wird, und zwar aus der ganz natürlichen Ursache, weil das Wissen un- e ud-lich und jedem neugierig Umherstehenden zugänglich, das Ueber- legen. Denken und Verknüpfen aber innerhalb eines gewissen Krei- se's der menschlichen Fähigkeiten«ing-sschlossen ist; dergestalt, daß das Erkennen der vorliegenden W: ltgegenstände, vom Fixstern bis -am kleinsten lebendigen Lebepunkt,-mme: deutlicher und aus- sührlicher werden kann, die wahre Ein ficht in die Natur dieser Dinge jedoch in sich selbst gebindert ist." Der Deutsche, der dies schrieb, hieß Goethe. Wer daS poli-tische Treiben der Gegenwart beoibachtet, der muß die Empfindnng haben, vor einer unheimlich komplizierten, mit rasender Anstrengung aller eingel-nen Teile sich bewegenden Maschine zu stehen, die aber nichi das geringste leistet. Tie Gc- l-.imc, übermäßig darauf gedrillt. Erfahrungen aufzuspeichern, find jeglicher Erkenntnistätigkeit entwöhnt. Wie wäre es fönst denkbar, daß das Bürgertum die Anstifter jener entseistichen Kata- firophe, worun-ter doch jeder einzelne- leidet, wieder zu seinen Füb- rern wählt. Wie wäre e? möglich, Ursache und Wirkung in so groleskem Maß zu verwechseln, toie es täglich geschieht, und die Wirkung all jenes Jammers, nämlich die Revolution, als die Nr- fache hinzustellen. Ein System von teuflischer Eigenart, dem Ge. Der Kontmentcrr, den die„Tägliche Rundschau" hierzu gibt, läßt keinen Zweifel daran bestehen, daß die Deutsche VolkZpartei nicht mitmachen null. Außerordentlich belustigend ist mm, daß die Deutsche Volkspartei ihren Streikbe- s ch l u ß damit begründet— daß die Sozialdemokratie sich nicht beteiligen wolle! Man sollte doch annehmen, daß die „Partei des Wiederaufbtuis" voller Sehnsucht auf die B e- sreiung von den roten Ketten gehofft hätte, um jetzt, wo sie, von diesen lästigen Ketten frei ist, zeigen zu können, wie sie das deutsche Volk aus der„demokratisch- klerika-l-sozialistischen Mißwirtschast" herauszuführen imstande sei; statt dessen jammert sie plötzlich nach denen, die sie bis gestern noch verschmäht hat. Tie Liebe der Deutschen Volks- Partei zu uns ließe den Schluß auf ein inniges Verhältnis zu, wenn nicht eben yur Liebe immer ztoei gehörten. Der Volkswille, so meint die„Tägliche. Rundschau", verlangte, daß „die künftige Regierung von ernstem Staatsbewußtsein und V«rantwprtungsgefühl getragen"'ein müsse. Da nun gerade von diesem Blatte Staatsbewußtsein und Verantwortungsgefühl der Sozialdemokratie von jeher abge- sprachen wurde, müßte man annehmen, daß die Deutsche Volksvartei nichts lieber als eine Regierung ohne die Roten wünschte. Doch weit gefehlt: Dieser Wille des Volkes ist» wie man noch einim-al mit aller Schärfe feststellen muß. von den links st ehenden Par- teien sabotiert worden. Man verhinderte die Schaffung einer von r e�ckiks her göbtfdrten Regierung, indem zunächst die Mehrheit Asozial ist en erklärten, sie würden sich in die O p p 0 s i ti 0 n»/zurückziehen. Hiernach wäre also eine Rechtsregicrung nur unter Einschluß der Sozialdemokratie möglich gewesen. Sollte noch ein Zweifel an der Richtigkeit unserer Beschlüsse vom Sonntag best eben. Io dürste er durch diese Auslastung beseitigt werden, die den Höhepunkt volspartei- lichtr Zumutung an die Opserbereitschaft der Sozialdemo- kratte bedeutet. Es wäre jedoch nicht- verfehlter als die Annahme, als habe die„Tägliche Rundschau" diese Politik„nur m i t der Sozialdemokratie" schon immer vertreten. Am 12. Juni morgens schrieb sie noch: An die bürgerlichen Parteien tritt nach dem bisherigen Verhalten der Sozialdemokratie, die sich ausschalten will, die Pflicht heran, dm Versuch der Regierungsbil- dnng zu übernehmen, auck wenn durch Absplitternng einzelner bürgerlicher Abgeordneter oder selbst einer bürgerlichen Partei die Regierung nur eine zifse-rranaß-ige Minderheit oder zunächst nur ein« knappe oder unsichere Mehrheit hinter sich bätbe. Und am selben Tage abends:<- Die Sozialdemokratie verzichtet also ibrerseits darauf, soweit sie in der Regierung vertreten ist, mit der Deutschen Velkspartei direkt in Verbindung zu treten. Im benttgen Morgenblatt baben wir uns eingebend zu der' Frage der Kabinettsbildung geäußert, und nachdem die Angelegenheit jetzt mit bioser Schnellig- keit in Gang gekommen ist, genügt es, nur nochmals darauf hin- zuweisen, daß, falls die Sozialdemokratie abseits stehen bleibt, die bürgerlichen Parteien die Verpflichtung lmben, an die Bildung einer rein bürgerlichen Regien, ng heranzugehen und den Versuch dazu auch gegen den Widerstand der Sozialdemokratie zn unternehmen. _' Diese Beispiele ließen sick, hesiebig vermehren. Sie zeigen die ganze irmere Haltlosigkeit der Deutschen Volks- Partei,-der es nicht darauf ankommt, in 24 oder etwas mehr Stunden ihren„grundsätzlichen" Stawdyimkt anfzngeben und einen anderen, ebenso„grmchsatztreuen" einzunelnnen. Man wird noch diesen Stichproben wissen, was man von den„Er- klärnngen" der Deutschen Volkspartei zn balten hat. Auch der„Tag", der infolge seiner schwerindustriellen Interessenvertretung dere des parlam enkaris eben Systems zugrunde gelegt wer» den sollen, auf das ja mit den Parteien der Linken auch das Zen« trum seit den Novembertagen des Jahre? 1918 geradezu ei, ige- schworen ist. Daß diese Not- und Spottgeburt eine Folge des„Sieges" der Rechtsparteien ist, wird hierbei bemußt übersehen. Die„Deutsche Zeitung" leidet infolge der Erregung der letzten Tage an Halluzinationen. Die verhaßten Farben der Republik schweben vor ihren Augen und zitternd sieht sie„ein schwarz-rot-goldenes Ministerium" seinen Ein- zu-g ins Kabinett halten. Die„Rotscheu", an der die Kon- servativen von jeher litten, ist jedoch diesmal nicht begründet, da die Sozialdemokratie nicht mitzumachen gedenkt. Wie man sieht, ist die Verlegenheft auf Seiten der„Sieger" groß. Wir können nicht sagen, daß wir hierüber reine Freude empfinden. Lieber hätten wir es gesehen, wenn dicsse Verlegenheit durch Erweiterung der Koalition nach links. das heißt durch praktische und positiv? Mitarbeft der U n 0 b- hängigen, entstanden und gewachsen wäre. Daß diese in der entscheidenden Stunde es ablehnten, die während des Wahlkampfes unaufhörlich gegebenen Versprechungen einzulösen, wird ihnen von der Arbeiterschaft nicht vergessen werden.___ Der l>lmKertü?eizehttte! Genosse S i d a w ziebt als 113. Abgeordneter der sozraldemo- kretischen Fraktion in den Reichstag ein. Die 4000 Stimmen Ueberschuß sind der Reichswahlliste überwiesen worden. Danack sind im Wahlkreise Potsdam l von Sozialdemokraien die drei ersten Abgeordneten der Liste, nämlich Wissell, Genossin I u ch a e z und S i d 0 w gewählt. Im Bezirk Magdeburg ist eine Aenderung insofern eingetrekcn, als bei der Verrechnung der Reststimmcn aus dem Wahlkreisverband nicht die Genossin Boll- in ann-H a Iber stad t gewählt worden ist, sondern der in Thüringen aufgestellte Genosse K ä p p I e r, dem die Magdeburger Reftstimmeu zufielen. Dos Stuöentenverbrechen von Thal. In Ergänzung unseres Berichtes in der heutigen Morgenausgabe geht uns die folgende weitere Mitteilung zu:.- Cassel, 17. Jimi.(Eigener Drahtbericht des„Vorwärts".) Obwohl die Angeklagten mich weiterhin bei ibren Aussagen verblieben, daß die Gefangenen sämtlich auf der Flucht erschossen werden seien, find doch bereit? eins ganze Reihe bisber migelSstrr Widersprüche zu verzeichnen. Während vongestern der Angeklagte Goeb el auf die Frhge des Anklagevertreters, ob die Erschießung des Horn- schuh von den beiden letzten Gefangenen bemerkt worden sein könne, dies verneinte, sagte bereits vorgestern Jahn, daß sie mit Hornschuh in einer Entfernung von nur 100 Metern hinter der übrigen Kolonne gefolgt seien. Ein Teil der Angeklagten stellte sich auf den Standpunkt, daß erst durch die Flucht des-Horn ich 11b die anderen Gefangenen»nrnhig und zur Flucht veranlaßt worden seien. Weiter sagte der Zeuge B a r t s- Eisenach gestern ans, daß die Gefangenen in geschlossener Marschkolonne geführt worden seien, während der Angeklagte Goebel behauptete, die Gesänge- neu seien je zu zwei Mann marschiert. Der Angenscheintermin wurde um WA Uhr vormittag? beenoet. Die Zeugend eruehmnnsten werden heute früh in Marburg fortgesetzt. Levi statt Hcckert. Wie die„Rote Fahne' mitteilt, hat der in Cbemnitz gewäblte Kommunist H e ck e r t entsprechend einem fiüheren Beschluß des Spartakusbundes auf sein Mandat verzichten müssen. An seine Stelle tritt der gegenwärnge Zentralleiter bes. Spartalusbunde? Paul Levi, der sich gemeinsam mit Klara Zetkin zu„parlamentarischen KrelinS" entwickeln will, wie die„Rote Fahne" heule schon— Karl Kautsky bezeichnet. Weitere Zeitungsverbote. Zu den vom Rhcinland-Kommisiar neuerdings für einige Tage verbotenen Tageszeitungen gehören auch die„Wiesbadener Neuesten Nachrichten". SchisberS, der sich ans Furcht vor drohenden Enthüllungen der Zeitung aus dem Stairbo macht, revolvorbewaffnet aus die Re- daktion, den Angreifer über den Haufen zu schießen. Mit dem Erfolge, daß sie sick in chn- verliebt. So überlegen rntid unwider. itehtich charmant ist der Herr. Dabei ein Ausbund von Anständig- kcit. Einem Anbeter der Dame, der ihr die Palme der Verrücktheit in dem Stücke streitig macht, legt er oh»,c weiteres den Brief vor. der seinen Angriffen zur Stütze dienen soll, und läßt sich über- zeugen, daß das Dokument auch eine andere Deutung zuläßt. Worauf er auf der Stelle den geplanten Feldzug abbricht. Den Rekord an Großmut erreicht er, indem er die eheliche Eifersucht des zurückgekehrten Banditen durch seine eigene Verlobung mit einem Bühneiistern beruhigt. Herr Treptow spielte die Konversat, one- rolls des glorreichen RitterS von-der Feder mit routinierter Sicher- hcit und Eleganz. Sonst ließ die Besetzung namentlich der Fra-ucn- rollen mancherlei zu wünschen übrig.<1,. „Tie 3 Zwillinge" im Neuen Bolkstheater. Was ist etn Schwank? Wenn man nach dem Sommerstück von Impekoven und Mathern urteilen darf, eine von aller Wahrscheinlichkcii und Psychologie absehende Veranstaltung, durch Situationskomi? und auf den Gipfel getriebenen Wirrwarr tolle Belustigung zu erregen. Dagegen wäre nichts zu sagen, wenn nur nicht auch das Thema: Standesdünkel des Adels und Kriecherei des Bürgertums so abgedroschen wäre und die Anrührung des Breies gar so umständlich ausfiele. Man kürzt also, bcschleunige das Spieltempo, und das Lachschiff wird flotte Fahrt baben. War doch auch so schon dank der trefflich.-n Aufmachung>n,d alle Komik herausholenden Besetzung das Publikum in danioarster Laune. Der Weinreisende Knäblein, der in seinem 30. Lebensjahr und bei mehrfacher Vater. fchaft sich als vertauschten Adelssproß herausstellt und in der vor- nehmen Sippschaft nun das tollste Durcheinander anrichtet, aber schließlich reumütig ins Bürgerliche zurückkehrt, war aber auch von Georg B a s e l t mit allem Humor gespickt. Der Schelm lachte ihm aus den Augen, und mft seinem rheinischen Dialett gewann er sich aller Herzen. Eine meister-lich gekennzeichnet« Adeksmumie steuerte Friedrich Lobe bei, eine prächtige Junggesellin Josesine Dora. Paula Batzer vergaß zwar ganz ibr adliges Milieu, Ivar aber ein Ausbund von Wirvelwind. Auch die kleineren Par- tien waren durchweg gut schwantmäßig herausgearbeitet.— r. Tie Volksbühne bat aus ihrem Spielplan für das' nächste Spieljahr folgende Stücke: Sophokles: Antigone, Sbaleweare: Winlermärchen. Die lustige,, Weiber von Windsor, Goethe: Faust. Schiller: Kabale und Liebe, Wallenstein. Grillparzer: Die Jüdin von Toledo. Anzengmber: Das vierte Gebot, Der G'wissenswurm, Björnson: lieber die Kraft, Strindbcrg; Nach Damaskus(II.!Md III. Teils. Shaw: Kavitän Bratzbouuds Be- kchrung,-lle(-ich: Der tote Tag. Karl 5-a,i>-!mann: Ephraims Tochter. Bulver: R« rt der Teufel, Zvff: Kerker und Erlösung. Tagorc: Das Postamt, Der Sanyast. Gine Professur für soziale Hygiene iit an der Berliner Universität errichtet worden, Alsrcd Grotjabn wurde mit ihr betraut. Der großen Be- deutung. die dies Gebiet für sich beanspruchen muß, ist somit Rechnung getragen und ein anerkannter Meister des Fachs für die sorschende und lehrende Tätigkeit gewonnen worden. Pros. Grotjahu war bislang schon als Prwatdozeut für das gleiche Fach tätig. Die ReichsfthultonserenA. Wiederanfnahme der PtenarsiHmigen. Scheiöemann gegen Sonnenfelö. (Fortsetzung tim der ersten©tiie.) Nach 14 Tatzen gelang es ibm.�seine Haftentlassung durchzusetzen. Inzwischen habe sein i�ohn aus Holland in einem Briese an seinen Verteidiger. R.-A.� Gr ii n s p a ch, u. c. mitge- leilr, bast er seinerzeit den Austrag erhalten hätte, Liebknecht und Rosa Luxemburg vu crinorden. und daß sowohl»on Schsidemann wie von Sklarz für die Beseitigung Liebknechts und der Rosa Luxemburg IM(XX).M. ausgeworfen seien. Diese Mitteilungen hatte der Angeklagte verbreitet, und diese Verbreitung bitdet den Gegenstand der beutigen Anklage. Im Ein- Verständnis der Parteien wird daraus vow Vorsitzenden aus dem -Vorwärts' vom 20. Dezember 1019 ein Artikel verlesen, der sich mir diesen Dingen beschäftigt.- Ter Angeklagte schüdert dann, warum er den Brief seines Sohnes, trotz der Warnung seines Rechtsbeistandes, auszugsweise in der-.Zukunft" veröffentlicht habe. Er nahe sich in die Oeffem- lichkeit geflüchtet uud habe nun seinerseits den Brief seines Sohnes. bekanntgegeben, um die ungeheuerlichen Korruptionen aufzudecken. Der Vorfitzende verliest hierauf die in Frage stehende Erklärung Sennenselds. in welcher Sormenirfd sagte, er könne die Erklärung seines Sohnes unterstützen, da auch ihm von dem SchtviegerkoSn Scheide- manns mitgeteilt worden sei, Scheidemann habe auf die Beseitigung Liebknechts und Rosa Luxemburg eine Prämie von 1.00 000 M. ausgesetzt. Weiter verliest der Vorfitzende einen Artikel aus dem ..Vorwärts" vom 31. Dezember 1919, m welchem Scheide- rrbnn in der Seffent lichkeit erklärt, dm? er wegen der Behauptung Sonnemfelds gegen sich ein Verfahren bei der Staats- a n w a l t lch a t t beantragt habe. ReMSartKvalt Grünspack: Wenn ein solches Berrahren gegen Herrn Scheidemann schwebt, dann nmsi diese Berhandiung hier ausgesetzt werden. V a r s.: Da? Verfahren schwebt aber nicht. Denn aus einer Mitteilung des-Lokalanzeigers" ersehe ich. dast. der.Vorwärts" seine erste BedanpOuig ividerrusen hat, daß Herr- Scheidemann kein Verfahren gegen sich beantragt hat. Rechts- anwält Grünspack bittet sodanä die Artikel zu verlesen, die uumiüelbar nach den Veröffentlichungen Sonnenfelds am 23. Dezember erschienen sind. Zustizrai Werthauer vrotcsriert hiergegen, da hierdurch ein falsches Bild entstehen könne. Der Brief des jungen Sonnenfeld m:S Holland fei nichts als ein Erpressungsversuch und der Vater des jungen Sonnenfeld habe ihn deshalb der Seffen!- ltchkeit übergeben, weil die Ervresfung erzwungen war. Recht?- anwalt Grünfpack: Das ist eine ganz phantastische Be- auptung, da der Brief an mich adressiert war und ich den Inhalt v-wau kernte.— Henk, so erklärt der Angeklagte, stand damals im Dienste scheidemannö und Srlarz', in dessen Dienste m noch heute steht. Er bezeichnete sich ats Verbindungsoffizier Scheide- manns. Ich habe nicht behauptet, daß Scheidemann die Prämie ausgesetzt habe. Ich habe lediglich nur immer behauplle. daß- Hent mir gegenüber derartige Aeusterungen getan hat. Ich' weise auch den Vorwurf zurück, dag ich eine Er- Pressung begangen habe. Ich wurde erst drei Wachen später verhaftet, nachdem ich mein Mäteriak der Partei, dem Abgeordneten Tav'dsöbn zur Verfügung gestellt hatte. Im Reichstag sind im vorigen Jahre 66 Morde begangen worden. Henk erklärte immer nur wieder:„Schafft uns Liebknecht und die Luxemburg heran, und um zahlen 100 000 Mark!" Fortsetzung In der Morgenausgabe.) Die RunKstaatenpolitik im Zaltikum. »epenhasxn, 17. Juni. Nach einem Telegramm der.25er, lingske Tiden de" aus Heisingfers ist kürzlich in Riga eine Ä o n- scxcnz der Randstaaten abgehalten worden, in der über die Bildung einer permanenten W i rt scha f l s ko n fer e n z der Randstaaten beraten wurde. Es standen u. a. zur Verhandlung eine Zollunion, ein Finanzübereinkommcn. eine gegenseitige Mo- nopöl- und Bankpolitik, einheitliche Eisenbahn-, Post-- und Tele- grammgebühren sowie Errichtung eines Obersten Wirt» schgft: rot für die Randstaaten. RuMat?ös GrienSpslitik. Paris, 16. Juni. Nach einer Havasmcltmng auS Teheran hat die S o wjetregierung auf die Note der persischen Regierung mit einer Erklärung geantwortet. Die Unternehmung, die die Sowjetregicrung eingeleitet habe, richte sich nicht gegen die Unabhängigkeit PerfienS, jedoch fei es kotwendüg ge- wescn, die' russische Schiffahrt im Kaspischen Meer zu schützen. Die Sowjetregicrung verpflichte sich, Ensell an dem Tage zu verlassen, au dem die Unabhängigkeit Persiens sichergestellt sei und Persien nicht mehr unter fremder Beeinflussung stehe.- Dir Polen melden, daß sie nun wieder die Beresinalinie beherrschen und an der P r y p e t m ü nd u n g stehen. In der Ukraine sind sie noch immer»im Begriff", ihre Streitkräfte „umzugruppieren". Im Haager Friedensvalast eröffnete der Ausschuß int er- nationaler Juristen eine Tagung. Er will den Entwurf für einen ständigen internationalen Ji� st izhof aus- arbeiten. GerichtsMtung. eamserajustiz. Ter Mord aus politischen Motive». Die geheimnisvolle Mordtat an dem Landwirtschaftsinfvektor Karl- Blau wird am 24. Juni der Gegenstand einer Verhandlung vor dem Schwurgericht des Landgerichts II bilden. Die von Staats- anwakt Dominik vertretene Anklage lautet auf Mord und Beibilse dazu und richtet sich gegen drei Mitglieder der K- P. D. l Spartakusbund), den Lederarbeiter(Schankwirt) Max Ficht- mann, zurzeit im Zuchthause in Brandenburg, den Kaufmann iBroschürenverkäuscr) Erwin Hoppe und den Schneidergesellen Willi' Win Her. Die Angeklagten sind 21 und 22 Jahre alt. Am 7. August 1919 wurde vor dem Hause Äönigin-Augusta- Straße- 81 die Leiche des Landwirtschastsinspektors Karl Blau aus der Bavreuther Straße 10 zu Charlottenburg aus dem Landwehr» '.mal gelandet. Die Leiche war mit einer Wäscheleine derart zii- 'ämmeirgcbundcu, daß der Hals in einer Schlinge lag und die -Knie bis zur Brust heraufgezogen waren. Tie Ermittlungen der -Kriminalpolizei führten zu dem Ergebnis, daß festgestellt wurde, daß ein von k o m m u n i st i s ch- t c r r o r i st i s ch c r fee i t c sorgsam vorbereiteter und mit größter Kaltblütigkeit ausgeführter ?Nord aus politischen Gründen vorlag. Blau hatte in München in Kommunistenkreisen berkehrt und war dort als Spitzel entlarvt ! oorden. In einer geheimen Sitzung der Münchcner Kommunisten wprde beschloffen, den Spitzel Blau gewaltsam beiscitezuschaften. Tic Anklage' behauptet weiter, daß Blau, bevor zu der eigent- lichcn Mordtat geschritten wurde, in einer Wohnung in der Gnei- senauitraße. bewacht von Kommunisten, gesangen gehalten wurde.— Die von den Rechtsanwälten Dr. Siegfried Weinberg und Theodor Liebknecht verieidigicu Angeklagten bestreiten jede schuld. Sehr belastend für die Angeklagte» ist ein „Kassiber", den Hoppe dem Wiukler im Untersuchungsgefängnis zuzustecken versuchte und der die Hauptstütze der Anklage bildet. Tic heutige Plenarsitzung beginnt mit eißcc großen Uetz errasch ung. Schon bor Beginn der Titz mg, der sich um Vi Stunde verzögert, merkt mau aus der Bclvegung in dem wieder überfüllten Haufe, daß eine grundsätzlich wichtigere Entscheidung als die Entgegennahme. irgendwelcher Aus- schußbcrichte bevorsteht. Unterstaatssekrctär Schulz eröffnet nm 1914 Uhr die Sitzung mit folgender Erkliirunii: Die Ausschußai b- ir ist beendet. In ewigen Ausschüssen ist man zu ein wütigen Leitsätzen gekommen, in anderen Ausschüssen bieten die. Ergebnisse ein außcrovdentlich buntes Bild, und die A b st i m m u ng würde außerordentliche g e s ch ä f i s- ordnungsmäßige Schwierigkeiten machen. Ich schlage deshalb vor. nich-t sofort in die Entgegennahme der Berichte und in die Beschlußfassung einzutreten, sondern die Art der geschäftSordungsmäßigen Lehasidlung zunächst in (leinerem Kreise msiznlegcn. Hierzu kann der bestehende Fünfer- ausschuß: Sköv!(Lebrerverein), Möllmann(Philologe.nverbaud), Matschoß(wirtsch. Jvieresse, Fachschulwesen), Rheinländer(kon- fesffonelle Gruppch, Pfülf kentschiedcne Reformer) durch Hinzu- Wahl je eines Vertreters jeder Gruppe und durch 6 Vertreter der Regierungen zu einem Fünfzehnerausschuß crweiiart ivcrden. Die einzelnen Gruppen treten jetzt sofort zu der vorgeschlagenen Hinzu. Wahl zusammen, der FünfzehueranSfchuß berä: mit den Regie» rnngsveri retern um 11 Uhr. Die einzelnen Gruppen treten dann um 12 Uhr zur Eutgegennahme der Berichte ihrer AuSschnhvertret�r und zur Stellungnahme dazu zusammen. Um 1 Uhr beginnt die Plenarberatung. Dic AuSftihrungen und Vorschläge des Siaatssckrctärs Tosen eine große Bewegung in der Versammlung aus. Schon die. Tatsache, daß eine eigentliche F ra k: i o»Sb i ld nng nicht be- steht, fübrt zu erheblichen Schwierigkeiten, weil eins ganze Reihe von Gruppen sich nur schwer in das vorgeschlagene Schema ein-' ordnen läßt. Besonders aber beschäftigt die Frage, ob unter den gegebenen Verhältnissen überhaupt Abstimmungen stattfinden »verden, die Gemüter aufs lebhafteste, als nun die einzelnen Gruppen zu ihrer ersten StSbungnahme zusammentreten. ES herrscht noch Unklarheit darüber, ob es sich Her Jim rein te. ch- nische Fragen oder um einen Vorstoß der Reaktion — entsprechend den einleitenden Erklärungen von M u m m u«d Marx— Handel!. Soweit bis setzt erkennbar ist, wird die Zinke unter allen Umständen aus dm Forderung klarer Abstimmungen bestehen. Man hält es hier iiir die kommende ReichSs ch» i« gesetzgebung schon für sehr wesentlich, wo»» die praktischen Politiker die klare Willens Meinung und Fachanficht kennen, die ihre Gesinnungsfreunde unier den Fachleute» auf der ReichSichwionicrenz durch ihre Abstimmung bekundet, haben. Außerocm würde die namentliche Abstimmung ei» klares Bild darüber ergeben, von welchen Gruppen schop fetzt das neu. BildungZiboal anerhnnt und vertret-en wird. So wenig also die Abstimmungen als solche, die reinen Mehr- bei t s b t l du nge n bei der Art der Zufammensetz-ung der Kon- ferenz irge.ndlvie entscheidend sein können, so wertvoll würde doch eine Entscheidung über die wichtigste» Fragen im Plenum sei»— um so mehr, als die Ergebnisse der Ausschnßberatnnge« Zufallsentscheidungeu gebracht haben, die für die praktische Politik uud Gesetzgebung nur schwer auszuwerten sind. Man dart mittr diesen Umständen auf die grundsätzlichen Be- schlüsse, die das Plenum über die Art der Abstimmung fassen wird, außerordentlich gespannt sein. GroKSerün „Vor öer Staatsoper erschossen'! Bor der Ztaetsovcr wurde ein armer Schlucker dabei ertappl, wie er ein Paar Stiefel zum Pertaus anbot. In der Annahme, daß eS sich um einen Dicbnabl bandle, schritten zwei Eicherheits- bznmie zur Verhaftung des UebellSterS. Von eine.- sensations- lüsternen Wenge ermuntert, vermchte der„Schübhändlcr" zu ent- weichen. Er würde„aus der ftlucht" erschossen. So der nackte Tatbesland, zu dem man-WS schreibt; Ter Krieg wirkt nach. Auf die Kricgspstjchvse folgt die Psychose der Menschenlebenscntwertuug. Tie Ermordung politisch mißliebiger Personen ist zum Gesellschaftsspiel ge- worden. Märtyrer- und Nationalheldenkronen stehen über- reichlich zur Verfügung. Das reizt'natürlich. Die Technik des„offiziellen" gesetzlichen Mordes von Seiten der«Soldateska ist bekannt: Flucht mit allen Provokationen und Erleichterungen dazu und das Preisschießen auf Menschen kann beginnen. Eine Kugel ist immer schneller als Menschenbeine und fast so schnell wie ein Gedanke, bei vielen sogar schneller, denn, wenn sie denken könnten, wenn sie Phantasie und Vorstellungsvermögen hätten und dann nicht unheilbar, krankhaft verroht sind, dann würden sie lieber lausen als schießen. Die berüchtigte Langsamkeit der Justiz darf nicht aus geglichen werden durch die flotte Vollstreckung der Todesstrafe von feiten der unteren Exekuüvorgane. Der Schutzmann soll sich nicht nur als Mann der Waffen- glone fühlen, sondern an den ersten Bestandteil seiner Funk- tionSbczeichnung denken. Wenn einer Schuhe gestohlen hat. verhaftet wird und dann entwi'cht. so sollen die zwei Be- amten der Sicherheitspolizei, denen er entläuft, ihre Dienst eignung durch größere Schnelligkeit beweisen und nicht die Sicherheit auf Schießresultate beziehen. Da- für sind unS Menschenleben zu kostbar, selbst wenn sie sich am geheiligten Eigentum vergangen haben. senken die SichcrhcitSlcute wohl an die ökonomischen und psychologischen Grundlagen dieses Diebstahls, die selbst in Gottes(der Gott heißt Mammon) und gotteLfürchtigcn Ge- mütern für mildernde Ilmstände plädieren würden? Gewiß, gewiß, die Beamten haben„ihre Pflicht getan", dann ist's verdammt Zeit, daß ihnen eine andere Pflichtanffassung beigebracht wird. Auch die bürgerlichen Ideologen sprechen vom Staat des „sozialen Rechts", sie sollen daran denken, daß dieser Staat (wie jeder andere! mit dem Menschen anfängt und wieder aufhört. Und daß wir zuerst„Menschenötonomie" brauchen. nachdem wir- mit diesem kostbaren Gut so lange Ranbbmi getrieben haben. Wer gegen die Politik der Straße ist, der sollte auch gegen die Kapitalerekution der Straße sein, Kapi- talexekution• in jeder Beziehung. Lehrt die Sicherheits- „organe" ihre Lauforgane brauchen, nicht nur„Auge und Hand" zum maschinenmäßigen Morden, oder gebt ihnen einen dressierten Hund bei, der kann wenigstens laufen und wird nie schießen lernen! Schutz den Menschenleben von allen Seiten! U. K. Pläne Ssr Wiimersöorfer Reaktion! Tie Einwohnerwehr liefert ihre Waffen nicht ab. Die Frage, in welch eigentümlicher Weife die Wilmersdorfer Einwohnerwehr die gesetzmäßig-befohlene Wa-ffenablieserung be- handelt, kam gestern in der Wilmersdorfer Stadtver» ordnetenver'sammlung zur Sprache. Das Thema wuchs sich zu einer sehr stürmischen Debatte ans, die ihr.eu Ausgang von einer Interpellation unserer Genossen nahm. Der Magistrat wurde um Ausknuft ersucht, ob er unierrichtet sei, aus welchem Grunde die früheren Mitglieder der aufgelösten Einwohnerwehren ihre Waffen noch»ich! adgeliescr: hänen. Bar- germeifter PeterS gab darauf eine höchst eigentümliche Erklö- rnng ab, die darin gipfelt, daß sich die Regierungsverfügung Laer die abzuliefernden Waffen nur auf die in den Depots befindlichen bezrehe. Ueber die Waffen in Händen der Mitglieder der Ein« wohnerwehr sei nichts verfügt worden. Da anzunehmen ist, daß sich die Mehrzahl der Waffen überhaupt niemals in den Depots befanden, so tönnt« also nast-diesem weisen Bescheid des Wilmers» dorfer Bürgermeisters die Einwohnerwehr ganz einfach ein begründetes Recht auf die Wassencinbehalmng erheben. Der Stadwerardnete Breit scheid(U. 5. P.) brachie dann geheime Zufammenküuftr zur Sprache, Sie:n der Wobnungs eines Soerleutnaur- Graf Alten in der Pariser Straße stattfinden sollte». Auch hätte der frühere Kommandeur der Wilmersdorfer Einwohnerwehr, Haupt» mann Baver, mit dem Kommandeur der Sicherheitspolizei Ver- abrödung-en über die Eingliederung der Einwohnerwehr in d" Sicherheitswehr im Falle eines Liuksputsches gerroften. Bon bürgerlicher Seite konnte nicht abgestrilten wer- den, daß solche Zusammenkünfte in der Tat stati gefunden haben. Ja, der Stadtverordnete Fabian(Fre- Vereinigung) erklärte in edler klnveriroxenhsit, daß man gar nicht daran dächt«, die Waffen abzuliefern, so- lan. ge dic Arbeiter das nicht auch täten.„ Sehr'eigentümlich berührten dann Aeußernngen der Rechleu. daß die getroffenen Maßnahmen, soweit sie. sich auf die Eingliederung der Einwohnerwehr in die. Sicherheitspolizei beziehen, ch k e i r der sämtlichen Industrien deS Oel- und Fcttgebietcs. ES muß daher erwartet werden, daß vor der Eni- scheidung über irgendivelche Maßnahmen eingehende Verhandlungen mit allen beteiligten Kreisen gepflogen werden." Wivtfcfyaft Abschloß der DiSeonto-Gesellschast. 10 Prozent Dividende, 6,4 Millionen Mark Reserve. Die Discoilto-Gcsellschaft, deren eingetragene Firma: Direk- tion der Disconto-Gesellschast" lauter, ist eine Kom- manditgesellschafr auf Aktien mit persönlich haftenden Gesell- schaitern und Aktionären. Sie wurde 1851 gegründet Und verfügt über 810 Millionen Mark Aktienkapital und 140 Millionen Mark Reserven. Nachstehende Zahlen aus der Bilanz beanspruchen be- sondereS Interesse: Einnahmen. 1919 1913 1917 1916 Wechsel und Zinsen Coupons... Provision... Rohgewinn... Verwaltungskosten Steuern.... Reingewinn... in Millionen Mark 81.04 40.88 85,20 29,27 5.10 1.07 0,77 0,09 24,88 14,53 13,50 11.51 1915 24,55 0,69 10,28 . 128,67 72,12 Ausgaben. . 54,00 81,95 15,30• 0,29 08,88" 66,43 57,66 49,63 Dividenden.. Dividenden in Mill. Mark Geschäftsinhaber... AufstchtSrat..... Pension...... .. 58,50 Gewinnverteilung. 22,43 8,61 40,89 17,83 8,47 14,00 2,86 86,86 80,18 10% 9% 11% 10% 8%% 81,00 27,90 84,10 80, Off 25,50 6,95 2,80 8,31 2,74 2,06 0,93 0,73 1,02 0,85 0,71 1,40 0,40 0,40 0,40 0,80 Auch bei dieser Bank haben sich die fremden Gelder, die ihr zur Verwallung übergeben wurden, von 3.6 Milliarden im Vor- jähr aus 8,1 Milliarden im letzten Jahr erhöht. Die Bank hat mit diesen Einlagen haupiiächlich Reichsschatzwcchsel gelaust(Wechsel und «chatzanweis'ungen erscheinen unter den Aktiven mit 4,2 Milliarden). Der Reingewinn hat sich von 83,8 aus 53,5 Millionen erhöht. Der Betrag an ausgeliehenem Geld(Debitoren) hat sich auch be- trächtlich erhöht, auf 2'/, Milliarden. Zur Aufhebung der Zwangswirtschaft. Der Vorstand der Fach- gruppe der Oel- und Fettindustrie beim Reichsverbande der deulickien Industrie hat in seiner Sitzung am 9. Juni 1920 zu der Frage der Aufhebung der Z w a n g« w i r t s ch a f t wie folgt Stellung genommen:„In letzter Zeit sind in der Presse Nachrichten ver- breitet worden, wonach Verhandlungen über eine Neuregelung der Feltwirtschait im Gange sein sollen. Die an dem Gebiet der Oele und Fette beteiligten Industrien sind zu Verhandlungen irgendwelcher Art bisher nicht zugezogen worden. Wie Soziales. die Ausdehnung öer versicherungspfikcht in öer Mgestelltenversicherung. Die Versicherungspflicht nach dem Versicherungsgesetz für An- gestellte erstreckte sich ursprünglich auf Angesrellie mit einem Jahresarbeitsverdienst von 5000 M. Diese Verdienstgrenze wurde durch eine Verordnung vom 23. August 1918 auf 7000 M. erhöht. Ein neues Gesetz über weitere Ausdehnung der Versicherungs- Pflicht vom 31, Mai 1920(ReichS-Gesetzbla:t Nr. 128, S. 114-t, dehnt die Versichcrungspslicht auf Angestellte aus, deren Jahres- arbeitsverdienst 15 000 M. nicht übersteigt. Kalendermonaie, in denen nach dem neuen Gesetz wiederversicherungspflichtige Ange- stellte aus der Versicherung ausgeschieden waren, weil ihr Jahres- arbeitsverdienst mehr als 7000 M. betrug, werden als Bei'ragS» monate aus die Erhaltung der Anwartschaft angerechnet. Wenn ein solcher Angestellter von dem Rechte der freiwilligen Ver- sicherung für. die zurückliegende Zeit, während welcher er nach' dem 1. September 1918 nicht versicherungspflichtig war, Gebrauw macht oder gemacht hat, so gelten die für diese Zeit entrichteten Beiträge als Pflichtbeiträge im Sinne des§ 48 deS Versicherungsgesetzes für Angestellte, betreffend Wartezeit, nicht aber im Sinne des§ 898, betreffend Erstattung von Beiträgen, jedoch nur iuso- weit, als ihre Beiträge mindestens in der Gehaltsklasse des letzte» Pflichtbeitrags vor dem Ausscheiden aus der Versicherungspfncht entrichtet sind oder gültig nachentrichtet werden. Angestellte, die infolge der Erweiterung der Versicherung-- Pflicht versicherungspflichtig werden, ohne bereits versichert zu sein, werden auf Antrag von der Beitragsleistung befreit, wenn für sie bis einschließlich 30. Juni 1920 bei öffentlichen oder pri- vaten Lebensversicherungsunternehmungen der Abschluß eines Versicherungsvertrags beantragt worden ist und der Jahresbeirag der Beiträge für dies« Versicherung am Tage des Befrciungs- antrags mindestens ihrem Anteil an dem Beitrag der Gehaus» klaffe J gleichkommt. Tasselbe gilt für die infolge Erhöhung ihres JahreSarbeitSverdiensteZ aus der Versicherungspflicht aus- geschiedenen, jetzt wieder versicherungspflichtig gewordenen Ange- stellten. Der Antrag muß bis zum 1. September 1920 gestellt sein. Angestellte, die wegen Erhöhung ihres Verdienstes nach dein 1. September 1918 aus der Versicherung ausgeschieden waren, sind auch dann zur Weiterversicherung berechtigt, wenn sich ihr Jahresarbeitsverdienst auf über 16 000 M. nach dem 1. Mai 1920 erhöht hat oder noch erhöht. Die Reichsversicherungsanstalt kann in den ersten drei Jahren nach dem Inkrafttreten deS neuen Gesetzes einzelnen neu ver- sicherungSpflichtig gewordenen Angestellten nach vorhergehendes Untersuchung gestatten, die Wartezeit zum Bezug« der Leistun- gen durch Einzahlung der entsprechenden Prämienreserve abzu- kürzen. Für infolge der Erweiterung der VersicherungZpflicht ver- sicherungspflichtig gewordene Angestellte genügt in den ersten 10 Jahren nach dem Eintritt in die Versicherung zur Erfüllung der Wartezeit bei den Hinterbliebenenrenten das Zurücklegen von 00 Beitragsmonaten auf Grund der Versicherungsvflichi. Ferner steht bei ihrem Ableben innerhalb der ersten 15 Jahre der hinter- lassenen Witwe oder dem Witwer oder den hinterlassenen Kin- dern unter 18 Jahren ein Anspruch auf Erstattung der Hälfte der für den Verstorbenen eingezahlten Beiträge zu, bei der freiwilli- gen Versicherung drei Viertel. Neu auf Grund dieses Gesetzes versicherungspflichtig gewor- den« Angestellt«, die beim Inkrafttreten desselben das 55. Lebens- jähr bereits vollendet haben, werden auf ihren Antrag von der BersicherungSpflicht befreit; doch ist der Befreiungsantrag inner- halb der ersten drei Jahre nach dem Inkrafttreten deS Gesetze- zu stellen. Wenn die Entrichtung der zur Erhaltung der Anwaltschaft erforderlichen Beiträge für einen versicherungspflichtigen Ange- stellten aus einem nicht in seiner Person liegenden Grunde unter- blieben ist, so erlischt die Anwartschaft nicht, wenn der Versichert: bis zum 31. Dezember 1921 die Aufrechterhaltung der Anwari- schaft bei der Reichsversicherungsanstalt für Angestellte beantrag!. Der Versicherte kann auch innerhalb der gleichen Frist Pflicht- beitrüge, deren Entrichtung aus einem nicht in seiner Person liegenden Grunde unterblieben ist, sämtlich oder teilweise nach- entrichten. DaS Gesetz tritt mit Wirkung vom 1. Mai 1920 in Kraft. Veraatw, kür den redalt, Teil: Dr, Werner Peller, Charlottendurg: für klnzeiaen! Td. SleSr, Berlin. Verlagl BorwiirlS-Berlag s, m, b, H„ Berlin, Trucki Ver- Würts-Buchdruckerdi u, BsrlagSanltalt Paul Singer u, Co,, Berli.i, ÜindcnM. S Jeder Eisenbahner liest!! zur Förderung seiner beruflichen Kenntnisse die amtliche, von den höchsten Stellen im Eisenbahnwesen empfohlene Hochschulzcitung Interessante Artikel. Lehrreiche Abbandlangen. Konkurrenzlose Fachzeitung. Aus dem Inhalt: Demokratisierung im Elsenbahn- wesea-— Die Entwicklung der Siemenswerke.— Neuerungen Im Slgnalweseit.— lokomotivkessel mit Ueberliltrer.— Wosserstandsantelger.— Elektrisches Schweißen In Elsen- balinwerkstaifen.— Der Luttdruck, das Barometer,'Die Verwendung von flußeisemcn Lokomotlv-Feuerhflctisen.— CiddiiOTn�te jBewe�ing, Eeharrungsgesetz, freier Fall, aeruasurois direkt vom Verlag unter Kreuzband 4 M. > Vlgrfniihr, durch die P6st 3 M. zuzügl. 30 Dl. Bestellg. Für Vereine billiger.— Probenummern kostenlos. 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