Nr. 310<» Z7. Fahrgang Ausgabe H Nr.lS BezunSpretS: S erteljälicl. 30.-aiL,monan,10,-ani frei ins Haus, voraus zahlbar. Post- bezufl: Monatlich 10,— MI. exkl. Rh- stellungszebllhr. Unter Äcembnnb für Deutlchlans und Oesterreich lS.'O Bit, für das übrige Ausland bei täglich eimnal. Zusteiluna 2150 Ppftac- Itellungen nch-nen an Oesterreich. Ungarr. Tschecha-SIowale', Däne- Marl, Holland,.uzemdurg, Schweden und die Schweiz.— Eingetragen in die Post-'eitungS' Preisliste. Der„Vorwärts� mit der Canntaas- beUage»Voll n. Seit* ericheint wochentäglich zweimal Soimtagi und Montags»mmaL Telegramm-Adresse- jSojialOcinottai Berlin". Sonntags Ausgabe Beul inet Dolksblatt ( 3® Pfega�ig") NnzeigenchreiS; Die achtgewaltene Nonvareillezeile lost- Z.— W., Teuerungszuschlag 50°/». »Sleine Anzeigen", das seil- gedruckte Wort 1,— M. szulSisig zwei fettgedruckte Worte), ledes weitere Wort 60 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellenauzeigen das erste Wo« 65 Pfg.,)edes weitere Wort 40 Psg. Worte über 15 Buchstaden zählen silr zwei Worte. Teuerungszuschlaa 50°,». ssamilien-Aneeigen sllr Abonnenten geile 2,— M. politische und ge- werlschastlichc Vereins- Anzeigen 3.— Ml. die geile ohne Aufschlag. Anzeigen für die nächste Ztummer müssen bis.5 Ahr nachmittags im Hmiptgeichäst, Berlin EW K8, Linden- strotze 3. abgegeben werden. Geäffnet von 9 Uhr jrüh bis 5 Uhr abends. Zentralorgan der fosialdemokrati Tcben parte» Deutfcblands Neöaktion unä(Expedition: EW. 68, Linöenstr. Z. «ertttütetfier: lllittt tMJurtüylnit, Nr. ir>l SM)— l.'l»7. Sonntag, den£0. Inn! 19£0 vorwarts-verlag G.m.b.k., 603.68, Linöenftr. 3. Tvctuibrcdiec: Amt Murlkplati, Sir. 117 SZ— Sil. Die Regierung öer Mitte. Die Verhandlungen über die Bildung der neuen Regie- rung sind auch am gestrigen Tage noch nicht zum Abschluß gelangt. Die Demokraten halten heute vormittag noch eine Fraktionssitzung ab, deren Ergebnis, wie nach dem bisherigen Verlauf der Tinge angenommen werden kann, die endgültige Zustimmung zum Eintritt' ihrer Parteimitglieder in das Kabinett Fehrenbach sein wird. Nach der„Vossischen Zeitung" sollen die Demokraten ihren Eintritt von folgenden drei Voraussetzungen abhängig gemacht haben: 1. daß die Deulsche Volkspcirtei sich auf den Boden der Wei- inarer Verfassung stelle und sich bereit erkläre, diese Verfassung zu verteidige»; 2. daß bei der Besetzung der PorlefeuilleS in der neuen Re- gierung von den anderen Parteien keine Persönlichkeiten vorge- schlagen werden, die sich in einem allzu starken politischen Gegensatz zu den Demoirate» besinden l ii. daß von den Mehrheis�sozialisten die Zusicherung erlangt werde, daß sie im Reitüstage ein Vertrauensvotum für die neue Regierung ermöglickien würden. Es handelt sich hierbei nur um eine ungefähre Wieder- gäbe von Gedankengängen, die in den Reihen der Demokraten diskutiert wurden, nicht aber um eine offizielle Formulierung. Zwischen Demokraten und Volks- partcilern schweben noch Erörterungen über die Stilisierung des Punktes im Regierungsprogramm, der vom Schutz der Republik handelt. Es ist anzunehmen, daß diese Erörterungen im Laufe dieses Tages abgeschlossen werden und daß dann am Montag die Ernennung eines aus Demo- kraten, Zentrum und Volksparteilern be- stehenden Kabinetts mit Fehrenbach an der Spitze erfolgen wird. Die Deutsche Demokratische Partei beruft ihren P a rt e i- a u s s ch u ß auf nächsten Dienstag nach Berlin ins Reichs- tagsgcbäude zur Stellungnahme zur politischen Lage. Wie die„AugSburger Postzeitung" aus parlamentarischen Kreisen erfährt, ist die Bal/erische Volkspartei grund» sätzlich bereit, ein Kabinett Fehrenbach zu unterstützen. Jedoch sollen Bedingungen gestellt werden, die aber rein sachlicher Natur seien und eine geeignete Grundlage der Zusammenarbeit angeben würden. Die Forderung, in der neuen Regierung vertreten zu sein, habe die Bayerische Volkspartei nicht gestellt, sie stehe vielmehr auf dem Standpunkt, daß sachliche Mitarbeit das Gebot der Stunde sei. Spa verschoben. Paris, 1«. Juni.(WTB> Laut„Echo de Paris" wird die Lerschiebung der Konferenz in S»a auf den Ib. Juli wegen der Schwierigkeiten der Kabinettsbildung in Tentschland bestätigt. Zur Konferenz in Boulogne berichtet„Matin", man scheint sich entschlossen zu haben, die deutsche Armee auf lOllllOO Mann zu beschränken. Saargebiet ünü Pfalz. Nach wie vor regiert und judiziert im„freien Saarstaat" französisches Militär und diese Gerichte will man dauernd weiterbestehen lassen. Der General hat eine Anzahl strajinilde- rangen vorgenommen, aber Unrecht bleibt Unrecht. Die„Saar- division", die Gendarmerie dieses Völkerbiindgebildes, ist einfach aus französischen Reitertruppen gebildet. Laut Versaillcs-Tiktat besteht Zollfreiheit für deutsche Einfuhr. Tut nichts, die Iran- zosen verlangen 12 Frank Gebühr für ihr Einfuhrvisum. Havas meldet aus Saarbrücken: Die politischen Parteien des Saargebiets haben gegen die Berufung des Schweizer Pro- fcsfors Otfried Nippold zum Präsidenten des OberlandcsgerichtS für das Saargebiet gemeinsam beim Völkerbund schriftlich Wider- s p r u ch erhoben. Die vertriebenen Bewohner Elsaß-LothringenZ sollen ihre Möbel nachbeziehen können, aber man läßt sie sechs Wochen auf die Erledigung ihrer Aniräge warten. In der Protestversammlung der gesamten Arbeiterschaft Lud. wighafens referierten vier Redner, darunter zwei Unab- hängige. Den Ausführungen ist zu entnehmen, daß die Arbeiter verschiedene Kommissionen an die Interalliierte Oberkommission und an den Direktor der französischen Geheimpolizei geschicki hatten, um den Grund der Verhaftungen zu erfahren. Es touide ibnen lediglich gesagt, es handle sich um Sicherheitsmaßnahmen für die Besatzungstruppcn, da sich die Verhafteten an g e w a l t- samcn Umsturzbewegungen beteiligen wollten. Dem- gegenüber stellte die Versammlung fest, daß sich die Führer an keinerlei alldeutschen Machenschaften beteiligt hätten, sondern daß sich ihre Tätigkeit nur gegen die LoSlösungsbestrebuiigcn und gegen»Übergriffe der BefatzungSbehörden richtete. Die Verhafte- ten hätten im Einverständnis mit der gesamten Arbeiterschaft nur füp die Verteidigung ihrer staatsbürgerlichen Recht« gekämpft. Sic erstrebten ein gutes Einvernehmen mit den Nachbarstaaten, wären aber jederzeit bereit, Uebergriffe mit aller Energie zu be- kämpfen. Aus Biebrich wird gemeldet: Tie ehemalige Unteroffizier- schule, die zur Milderung der Wohnungsnot zu Wohnzwecken verwendet werden sollte, jst jetzt eine Offiziersschule, in der öie Offiziere der ganzen französischen Armee, natürlich auf Deutschlands Kosten, ausgebildet werden. Die Reserveoffiziers- kurfe dauern sechs Wochen. Frankfurt a. M., IS. Juni. Tie„Frankfurter Zeitung" «cldet aus Ludwigshafen: Dem Eisenbahnpersonal wurde auf Be- fehl der französischen Behörden von der Eisenbahndircktion bekannt- gegeben, dasieSfürdiefranzösischeBehördeinPflicht genommen sei und bei Verweigerung des Tienstes vor daS Kriegsgericht gestellt werden bürde. Auch auf die städtische« Beamten ist diese Mahregel ausgedehnt worden. Seit der Verfügung der Interalliierten hohen Kommission vom 14. Oktober ISIS war das deutsche Eisenbahnpersonal nicht mehr requiriert und hatte nur Befehle für militärische Zwecke zu befolgen. Der vor mehreren Motjcrtcu von den Franzoseu in der Ba- drschen Anilin- und Sodafabrik wegen angeblichen schweren Diebstahls und Plünderung während des Krieges in Frankreich verhaftete Diplomingenieur und Hauptinann der Reserve I m h o f ist als völlig unschuldig dieser Tage aus der Nntersilchiingyhatt in Lille entlassen worden und heimgekehrt. Probe auf öen Vöikerbunü- Im englischen Unterhaus kam es bei der zweiten Lefimg des Gesetzentwurfs über dos Abkommen betreffend die Nauruinlel zu einer lebhaften Debatte. Die frühere deutsche Südsee-Jnsel, die wertvolle PhoSpbatlagcr enthält, ist unter die Kontrolle der Regierungen GroszbritannienS, Australiens und Neuseelands gestellt. Die gewonnenen Phosphatmeugen sollen nach dem Gesetzentwurf diesen Regierungen gegen Selbstkostenpreise und anderen Ländern, also auch den Verbündeten, zu Marktpreisen verkauft werden. Lord Robert C e c i l erklärte, die Vorlage sei mit Artikel 22 der Völkerbundssatzung unvereinbar. DaS Gesetz werde im Auslande den Eindruck erwecken, daß eS sich hier um die alte Politik des Einsackens handele. Cecil verlangte, daß die Vorlage zurückgestellt werde, bis der Völkerbund über den Umfang der Rechte einer Mandat- macht entschieden habe. A S q u i t h bezweifelte die Korrektheit der Vorlage. Die Alliierten� und Assoziierten hätten überhaupt kein Recht, ein Mandat zu übertragen. Die Angelegenheit sei an sich nicht bedeutungsvoll, werde cS ober, weil sie für größere Fragen einen Berufungsfall bieten könnte. Nachdem Bonar Laiv die Vorloge verteidigt und die Beschuldigung sclbsüchtiger Bestrebungen zurückgewiesen hatte, bemerkte Lord Robert Cecil: Ich habe viele Regierungen gekannt, aber nicht eine, die bezüglich ihrer Wabrh eitsliebe und der Ehrlichkeit ihres Handelns in so schlechtem Rufe gestanden hätte, wie die gegenwärtige. Bonar Law erwiderte wahrheitsgemäß: Das sind sehr starke AuS- drück e. Die Vorlage Ivurde schließlich angenommen Wilson, der wieder akt'v sein soll, bricht in einem Interview eine Lanze für seine verbogenen und gefälschten Ideen, für daS Versailler Diktat und den Bölkerbund. Fach bleibt oben. Paris, 19. Juni.(HavaS.s Auf der Konferenz in Boulogne wird Frankreich durch Millerand, Foch, General Weygand und zwei Finanzleute vertreten sein. Giolitti kommt nicht. Nebcr den Korridor wird verhandelt und man hofft auf pol- nisches Entgegenkommen. Der aus dem Schlafwagen heraus unter elendem Bruch internatiotialen Rechts verhaftete Leiter der deutschen Abstinimungsarbei: in Marieuwerder Dr. Holtum ist nach Thor» gebracht worden. Die Enlentekommission will angeblich seine Frei- laffung bewirken. Belgischer Haß. DaS Schwurgericht zu Lüttich verurteilte den Direktor der während der deutschen Besetzung in Brüiiel herausgegebenen Zeitung„Telegraph", Fischer, zu einem Jahr Ge- fängnis. Das ermoröete Recht. Marburg, 18. Juni.(WTB.) Im Msrburger KriegSgerichtSprozeß wurden sämtliche Angeklagten freigesprochen. Das Gericht erkannte an. daß die Zeudcu BartS, Arnold und Frau Wolf beleidigt und mißhandelt worden seien. Dafür kämen nur der An- geklagte G o e b e l und weitere Zeitfreiwillige in Betracht, die nicht unter den Angeklagte» seien. Die Feflstellniig dieser Tatsache» wäre Aufgabe eincS weiteren Verfahrens. Dieser Ausgang des MordprozesseS von Thal bestätigt den Eindruck, den weite Kreise des Volkes seit Jadr und Tag in steigendem Maße gewonnen haben: das Rechts- bewußtsein wird durch Gerichtsurteile wie das vorstehende systematisch abgetötet, geradezu ermordet, wie die Arbeiter von Mechterstedt! Der Richter ist in Deutschland noch immer unabsetzbar und unbeeinflußbar in seinem Urteil. Unbeeinfluschar wenig- stens durch Vorgesetzte oder durch Volksmeinungen. Deshalb gibt der Richter nichts auf das. was außerhalb des Saales über sein Urteil geredet oder geschrieben wird. Er ist in seinem Amt nur sich selbst verantwort- lich. Wenigstens auf dem Papier sind verfassungs- gemäß. In der Praxis aber unterliegt jeder Richter und jedes Kollegium von Richtern der Anschauung und den Ein- flüsscn der Klasse, aus der sie hervorgegangen sind und in der sie leben. Wenn das für bürgerliche Richter gilt, so in erhöhtem Maße für die Militärgerichte, die außer � dem allgemeinen Klassengefuhl auch noch dem besonderen Einfluß des Offizierstandes unterworfen sind. Von einem solchen Militärgericht ist der Frcispruch aefälit, der die studen tischen Mörder vv« Warburg aller Schuld ledig spricht. Höchstens daß einige der„Mißhand- lung" verdächtig seien, aber daS müsse erst ein anderes Ver- fahren ergeben. Man muß gegenüber diesem Urteil wirklich alle Kalt- blutigkeit aufbringen, um es auch nur aus dem Milieu der Richter selbst begreifen zu können. Aber keine kühle Uebcr- legung. keip Verstehemvollen Hilst über den Berg: dieser Freispruch an den Mördern von Thal ermordet das Recht und das Rechtsgefiihl des Volkes! Sechzehn Arbeiter— vermeintliche Spartakisten— werden von der studentischen Zeitfreiwilligenkvmpagnic aus ihren Wohnungen geholt, nach Gotha mitgeschleppt, unterwegs, wie erwiesen ist, von den Musensöhnen in Stahlhelm in schäm- loser Weise mißhandelt, in den Chausseegrabcn getrieben und dann„aus der Flucht erschossen"! Nach dem Sachverständigen-Befund müssen ganze Salven auf die einzelnen Opfer� abgegeben sein, teils von hinten, teils von der Seite, teils von vorn, fast alle Schusse aber aus nächster Nähe. Das alles steht fest. ES steht nach seinem eigenen Zeugnis fest, daß der frühere Fregattenkapitän und jetzige Student, Selchow, als Bataillouskommaudant den Zeitfreiwilligen vorher befohlen hat, auf jeden Flie- h e n d e n zu schießen. Und daß dieser Befehl befolgt ist, wie die Studenten ihn als ehemalige Offiziere verstanden und verstehen wollten. Die Gefangenen wurden durch Kolbcnstöße vom Wege abgedrängt, um die„Flucht" zu erzwingen. Einige derjenigen, die dem Schicksal der Fliehenden entranuen, haben ausgesagt, Ivie sehr sie sich körperlich wehren mußten. um nicht auch in die„Flucht" zu geraten. Es steht weiter fest, daß sogar Offiziere der Nachbarkompagnien sich der Behandlung der Gefangenen durch den Transport Goebel ge- schämt haben und die Opfer aus dieser Behandlung heraus- genommen haben. Trotz alledem hat daS Militärgericht von Marburg den F r e i s p r u ch gefällt. In der Stunde, da diese Zeilen ge- schrieben werden, liegt eine Begründung des Urteils noch nicht vor. Wir können sie auch entbehren. Denn w.ie man diesen F r e i s p r u ch, der ein F e h l s P r u ch ist, auch be- gründen will, die Wirkung bleibt bestehen, daß er als ein Mord am Rechte erscheint. Seit dem Meltkrieg sind die Menschenleben billig ge- worden. Viele, die draußen gesehen, wie die Millionen kost- barer Menschenleiber vernichtet wurden, haben die natürliche Scheu vor dem Tode und dem Töten verloren. Deswegen hat die Nachkriegszeit weit mehr Menschenopfer in Deutsch- land gefordert, als in langen Friedensjahrcn jemals gefallen sind. Auf beiden Seiten sind diese Opfer gefordert worden. Im Bürgerkrieg wird sowenig wie im Völkerkrieg gefragt. welcher Kampfpartei der Mann angehört, den die tötende Kugel trifft. Aber trotz Neuring, trotz Klüver, trotz selbst der Münchener Geiseln muß man doch feststellen, daß die größere Zahl der Opfer auf der A r b e i t e r s e i t e liegt. Wer die Tötung der Münchcner Geiseln im Keller des Luitpold. Geht zur Wahl! helft bei öer Wahlarbeit! gymnasiums mit Abscheu und Empörung vernommen, wird über die Hinrichtungen nicht weniger empört sein, die die Standgerichte während der t'iapptage und nach ihnen anord- neten und vollziehen lieszen. Aber man vergleiche das Los, das die„Geiselmörder" von München traf, mit dem der Kappisten und der Studenten von Marburg! Man vergleiche die Urteile, die in: Ruhr- revier von Ausnahmegerichten in Massen gegen wirkliche und vermeintliche Angehörige der roten Armee gefällt wurden, mit den Urteilen der Kriegsgerichte gegen Marloh und Genossen, mit dem llrteil gegen die Studeutenmörder von Mar- bürg. Man denke nur daran, dag das Verfahren gegen die Kappisten dem Rcicksanwalt überwiesen ist und daß noch keinem der Prozeß gemacht wurde. Wer kann angesichts all dieser Versahren deni einfachen Mann aus dem Volke unrecht geben, wenn er meint, daß daß das Recht auS der Welt verschwunden sei. daß die Justitia ihre Blindheit verloren habe? Daß. nicht mehr allein nach der Tat, sondern nach dem Täter geurteilt werde? Alle objektive Begriindung eines Urteils kann mcht über den Gesamteindruck hinweghelfen, daß der Arbeiter an- geklagt und verurteilt wird, daß aber der Offizier und sein Klasscngcnofse straffrei ausgeht. Das Urteil von Marburg unterstreicht dies Empfinden, mildert es nicht. Wir Sozialdemokraten sind weit davon entfernt, Blut- urteile zu fordern, wie wir ja grundsätzlich Gegner der Todes- strafe sind. Aber daß wir die planvolle Mißachtung des Menschenlebens, die systematische Tötung„auf der Flucht" nicht iingesiihnt geschehen lassen wollen, bedarf nicht erst der Versicherung. Deswegen erwarten- wir, daß das Urteil von Marburg der Nachprüfung durch eine andere Instanz unterliegt, trotzdem unser Vertrauen auch zu einem höheren Militärgericht nur sehr gering ist. Worauf es aber ankommt, ist, daß das Weiterbestehen der Militärgerichte, die nicht einmal mehr in unserer Wehr- verfassung begründet sind, zur Ungeheuerlichkeit wird durch die Urteile, die sie in der Zeit der politischen Umgestaltung gefällt haben. Es ist ein bösartiges Verschulden der Rechtsparteien, daß sie die Aufhebung der Militärjustiz durch Obstruktion verhindert lwbeu. Aber es ist ein zu- mindest fahrlässiges Verschulden der alten Koalitions- Parteien, daß sie in den 1% Jahren nach der Revolution keine Zeit fanden, diesen Ueberrest aus der militärischen Epoche zu beseitigen, vor allem aber, daß sie durch Abwesen- hcit zahlreicher ihrer Abgeordneten selbst erst die deutsch- nationale Obstruktion erfolgreich werden ließen. Von dieser Schuld ist keine der Parteien freizusprechen. Tie Passivität gegen die Kappverbrecher, die unterschied- liche Behandlung der Arbeiter und der tötenden Offiziere vor den KviegAgenchten ertöten das Rechtsem p-, finden im Volke, ermorden letzten Endes das Recht selber. Erinnert man sich, daß in Bonn ein Arbeiter wegen Beschädi- gung von steinernen Denkmälern zu der unglaublichen Strafe von zwei Jahren Gefängnis verurteilt wurde, daß im Ruhr- revier die Todesurteile nur so Hagelten, und stellt demgegen- über die Tatsache, daß die studentischen Offiziere von Mar- bürg frei ausgehen, trotzdeni sie nnndestens 16 Menschen- leben auf dem Gewissen haben, daß die Mörder von Lieb- knecht und Luxemburg so wenig gepackt sind, wie die von Jogiches und anderen„Flüchtlingen", daß die Standrichter von Köpenick V»ute noch ihrer Anklage oder Aburteilung harren, dann muß man zu der Erkenntnis kommen, daß dieser systematischen Strangulation der Rechtsgleichheit Ein- halt getan werden muß. Die Sozialdemokratie scheidet aus der Rögiernvg aus, weil die Unabhängigen sich weigern, praktisch an der Beseitigung der Mißstände mitzuarbeiten, die alte Partei im Parlament und in der Regierung aber nicht stark genug wäre, alle Widerstände von rechts zu überwinden. Aber, wenn sie auch aus der Regierung scheidet, so gibt sie doch nicht ihre Forderungen preis. Eine der Lieö öer Arbeit. Von Karl Bröger. Ungezählte Hände sind bereit, sriitzen, heben, tragen unsre Zeit. Jeder Arm, der seinen Amboß schlägt, ist ein Atlas, der die Erde trägt. Was da surrt und schnurrt und klirrt und stampft, aus den Essen glühend loht und dampfl, Näderrasseln und Maschinenklang, ist der Arbeit mächtiger Gesang. Tausend Räder müssen sausend gehn, tausend Spindeln sich im Kreise drehn, Hämmer dröhnend fallen, Schlag um Schlag, daß die Welt nur erst bestehen mag. kanftnd Schläfen müssen fiebernd glühn, abertausend Hirne Funken sprühn, daß die ewige Fromme sich erhält, Licht und Wärme spendend aller Welt. Schttlandari* ItWiO. Dvs Bild einer solchen Andacht, das wir hier zur Kenntnis geben, hat ein Schüler entworfen. Vermutlich erregt die sarkastisch-grelle Porträtierung gewisser Lehrcrlypcn, die der Schüler mit dem Willen, die Wahrheit genau zu treffen, vor- genommen hat, i» den betroffenen Kreisen Anstoß. Aber sie Ver- stimmten und Empörten mögen das Bild mi merlin als ein Zeichen der Wirkung w-l*risn, die ihre Art in den Köpfen ihrer Zöglinge auslösen kan>� und mögen für sich idaraus lernen/ Weil das keines- falls schaden konnte, geben wir die Darstellung so, wie sie uns zuging. Sir lautet: Schuürndacht! Mit einem murmelnden Strom hinein in den gähnend weiten Raum, Endlos braune Sitzreihen fresien den selÄvarzcn Strom in sich, bis die Weite summend gefüllt ist. Klappend schließen sich die Türen wie die Kinnbacken eines Rachens, unv nur ein sanftes Dämmerlicht flügeli durch die buntgroßen gotischen Fenster herein. Vor mir das unruhige Wimmelheer der Köpfe. Ab und zu, aufragend zwischen Kleineren, ein Lehrer. Dann Orgelspiel, dünner, schläfriger Gesang, aus- tastend aus den bunten Reihen. Danach vom Rednerpult ein Räuspern,»aS»uftauchen eines schwarzen, rundlichen Fleckes mit einem weihen H««dkleckz in der Mibe und gelblichem Gesichts- klecks darüber.>nb dann die Rede. Knarrend wie eine Kinder- klapper in»»mfhörlich plätscherndem Tonfall, Eine zermürbte, graue Müdigkeit kriecht alle an. Kennt man doch längst auswendig, was man seit 114 Jahren zu hören gewohnt ist. Der Ekel nagt an mir. Ich schließe die Augen und lasse mich duselig hineinrutschen in lamoarme Müdigkeit. Ab und zu sticht doch ein Redesctzen, grotesk abgeriffen, in mein Bewußtsein. ersten, die sie stellen muß an j e d e Regierung, die kommen mag, ist die Beseitigung der Militärgerichte und die Umgestaltung der bürgerlichen Gerichte durch ver- stärkte Hinzuziehung von Volksrichtern. Kein Demo- krat, vor allem kein Sozialdemokrat kann es dulden, daß das Recht ermordet wird. Wir erstreben in der Demokratie dk höchste Form des Rechts, die jede Klassenjustiz unmöglich macht. Diese Form zu finden, ist Aufgabe des neuen Reichs- tags. Führerin und Pfadfinderin zu sein, ist Aufgabe der Sozialdemokratie. Lezchenmüllers Einftampfung. Unsere Mitteilung von der Tatsache, daß im gesegneten Zeit- alier unabhängiger Herrschast in den Gewerkschaften die„Metall- arbeiterzeitnng" konfisziert und eingestampft werden mußte, nicht etwa durch den Machtspruch einer reaktionären Regierung, sondern auf Veranlassung des unabhängigen Gewerkschastsvorstandes selbst, und die weitere Mitteilung, daß der Redakteur der„Metall- arbeiterzeitung", Herr Richard Müller, wegen des konfiszierten Artikels ein Mißtrauensvotum erholten und daraufhin die Redaktion niedergelegt habe, diese Mitteilungen haben uns eine zornige Abkanzelung durch die„Freiheit" eingetragen. Was die„Freiheit" gegen uns im allgemeinen zu sagen bat, interessiert hier nicht. Die Leser können es sich schon ohnehin denken. Wichtig ist aber die neue Tarstellung der Aufgaben einer Gewerkschaftsleitung. Wir hatten gesagt, daß das Verhalten des unabhängigen Hauptvorstandes des Metallarbeiterverbandes sich in bezug auf seine Berhandlungstäiigkeit kaum von derjenigen uutcrscheide, die der frühere, harmonieduselige", aus Sozial- demokraten bestehende Vorstand geübt habe. Die„Freiheit" belehrt uns, daß da? zwei ganz verschiedene Dinge find: Keine Gewerkschaft kann sich der Notwendigkeit ent- ziehen, die ihnen die soziale Machwerteilang, die die kapitalistische Ordnung hervorruft, diktiert. Es ist aber ein Unterschied, ob sich eine OrganisationSIeitimg jederzeit willig dem Unternehmertum in die Arme wirst und mit ihm gemeinsam willig eine Taktik des sozialen Ausgleichs anbahnt, der zuliebe die klare Kampfesstellung der Arbeiterorgamsatton völlig preisgegeben, der Kampseswillen bewußt gebemmt wird, oder ob ein Verbandsvorstand sich zu einer gewissen taktischen Elastizität entschließt, die der Brrhandlungöbctrieb, der besonders in Zeiten der wirtschaftlichen Depression»nentbchrlich ist, erfordert. Nur gegen die erste Methode wendet sich die Kritik unserer Parteigenossen in den Gewerkschaften. Das andere ergibt sich aus dem Zwang, dem die Gewertschaftstaktik durch die kapitalistische Umwelt aus sozialen Gründen unterworfen ist... Der Fehler ist nur. daß der plumpe Sinn der Gewerkschasts- routiniers. für die der„Vorwärts" schreibt, diesen Unter- schied nicht zu erfassen vermag. Wenn man dieses unabhängige Kauderwelsch in klares, verständliches Deutsch übersetzt, so soll es etwa so viel heißen: Wenn ein GeiverkschaflSvorstand, dessen Mitglieder Sozialdemokraten find, mit den Unternehmern verhandelt. Tarifabschlüsse herbeiführt und diese Tarife durch SchlichtnngSinstanzen zu sichern sucht, so hemmt er bewußt den Kampfeswillen der Arbeitcrklasie, gibt die klare Kampfcsstelliing der Arbeiterorganisation völlig preis, kurzum verrät seine Auftraggeber nach allen Regeln der Kunst. Wenn aber unabhängige Vorstandsmitglieder, die ihr Amt nur auf Grund revolutionärer Redensarten erhalten haben, mit den Unternehmern zu gleichen Zwecken verhandeln, so können sie sich eben den„Notwendigkeiten, die ihnen die soziale Machtvetteilung, die die kapitalistische Ordnung hervorruft, diktiert, nicht entziehen". Dieser unabhängige Bot- stand entschließt sich nur zu einer„gewisien taktischen Elastizität". die der„VerhandlungSbetrieb erfordert, der besonder» in Zeiten der wirtschaftlichen Depression unentbehrlich ist". Und wenn der Redakteur, der von den revolutionären Redens- arten überzeugt war, nicht die„taktische Elastizität" aufbringen kann, in wenigen Wochen umzulernen, und dementsprechend in alter Tonart von„Unternehmerfrechheit" schreibt, so wird der Artikel eingestampft, ohne Rücksicht auf die Kosten, die bei den heutigen Papictpreisen nicht unerheblich sind, und schließlich wird „... die herrlichen äh Zeiten, wo noch die Flagge schwarz-weiß- rot!— über den Meeren wehtä-i..." Der picklige Oberlehrer, Reserveleutnant a. D., mir gegenüber wirst sich in die Brust und läßt herausfordernde Blicke in die dösende Runde schweifen. ..... das verhetztä Volk, unta Führung mändaweeatiga Fremden..." Der antisemitische Professorensohn vor mir rutscht beifällig grunzend auf seinem Platz, taucht seinen Blick tief in den des neben ihm sitzenden Lehrers. Ach, sie wissen sich eins, diese echten Christenseelen, die so wahr und aufrecht den Pfaden des allgütigen Gottessohnes folgen! Ach ja! ..... da uns leider das Heer genommen ist, das bestää Er- ziehungSmittel des deutschen Volkäs.. Ob man außerhalb Preußens auch so viel von Erziehung plärrt? Sie müssen sich doch sehr unerzogen fühlen. Meine Müdigkeit ist verschwunden. Von der Kanzel quäkt der gelbe Fleck Er- imterungen„aus der großen Zeit des Weltkrieges", sucht ein Blinder, ein Verworfener der Zesi nach letzten Funken des Blut- rauschs, sucht sie der keimenden Jugend einzupflanzen. Und Plötz- lich sehe ick ein gespenstisches Spinnennetz ausgespannt im Raum. Weihe, dicke, lickttölcnde Fäden, ttitd Kncckenseelen zappelnd darin, verstrickt in die Schlangcnfäden, die sich so schmeichelnd an sie schmiegen. Und immer ist ein Gift im Raum, ein namenloses, entsetzlickes Gift, das den Händen zerfließt, wenn sie es fassen wollen. Ein Sonnenslrahl blinzelt ironisch herein ans die Glatze des Kathcdermannes.„Und nun geht in Eure Klassään!" Tie Kinnbacken des Saales öffnen sick knarrend. Müde, zer- brachen taumelt nian hinaus. Draußen, in weißen Gängen flutet eoldcnes Sonnenlicht, allversöhiiendcs, allverhrißewdes Sonnen- licht. Einen Augenblick bleibe ich an ein Fenster gelehnt und starre hinaus, wo aus dem Rangierbahnbof schaffende Arbeit de» Volke» sich regt. Schaffende Arbeit! Ich fühle mich ausgestoßen unter Ausgestoßenen. Wann brichst du auch hier ein,«onne? Wann werden deine Strablen die giftigen Dünste vertreiben, die sich um unsere WissenZquelten gelagert haben, die alles Schassen lähmen, die jegluben aufrechten Geist aufreiben, zum Ekel reizen? Wann werde-. Männer der Zeit unsere Lehrer, wann wird die Schule eine Vorbereitang fiirS Leben sein und nicht mehr ein letzter ver- zweiseltcr Fangarm de? Versinkenden? „Na, wollen Sn nücht ün dü Klasse gehn?" Lang, schwarz. Brille, erhobener Zeigefinger—, so steht er vor mir. 1920?—— oder 1913? Ich lasse m-ch von dem brabbelnden Strom in die Klasse schwemmen.--- xy. Geständnis. Unter diesem Titel wurde im Tbeater in der K ö n i g g r ä tz e r Straße ein amerikanisches Sensationsdrama S V d n e b G a r r i ck s. bearbeitet von W a j d a, aufgeführt, das am Schlüsse einen geräuschvollen Thcaterskarrdal hervorrief. Ein Dnl de» Publikums demonstrieris mit Pfeifen und Zischen gegen die Zumutung, die die raffinierte Mache an sssti« Gutgläubigkeit stellte. Dabei zeigte da? Stück, gemessen am Maßstab dieses rein nur ör.ste- So a n n u n gSeffe k! e eingestellten Genr'S, bemerkenswerte Verve und Geschicklichkeit und wurde außerdem durch eine glän- zende Ausführung unterstützt. Die Hauptrollen hatten Luch Höf- lich, Harta-u, Theodor Bechen uritz Eise Was a im«. e r s e l b e r durch daS Mißtrauensvotum gleichfalls einge- stampft. Daß hierzu auck noch beigetragen bat die Stellung Richard Müllers in der BetriebSrätezentrale, sei nur nebenher erwähnt. Praktisch liegen die Dinge also so, daß der Meiallarbeiterverband unter großen revolutionären Gesten sich einen„unabhängigen" Hauptvorstand gewählt hat, dieser aber die„harmonieduselige" Tätigkeit des alten Vorstandes fortsetzen muß. weil die Tatsachen härter sind als die Theorien, und daß Richard Müller deswegen über die Klinge springen muß, weil er nicht so schnell umlernen kann wie die neuen Hauptvorstandsgrößen Brandes und Dißmann. Von den Mitgliedern aber wird die.taktische Elastizität" ver- langt, alle diese Seitensprünge leicht zu begreifen und als revo- tionäre Praxis willig in Kauf zu nehmen! Das ist unabhängige Theorie und unabhängige Praxi«. Regierungsfrage in üen Ländern. Württemberg und Anhalr. Stuttgart, 19. Juni.(TU.) Tie Fraktion der Partei deZ BauernbundcS im Württemberg! scheu Landtag hat gestern angesichts der schwierigen Lage, in der sich da» deutsche Volk befindet, sich bereit erklärt, an der Bildung einer Regierung mit den Sozialdemokraten mitzuwirken. Sollten die Sozialdemo- k r a t e n eine Mitwirkung an der Regierung ablehnen, so hält die Fraktion eilte bürgerliche Regierung für das Gebot der Stunde, weshalb die Fraktion auch zur Mitwirkung au einer rein bürgerlichen Regierung bereit ist. Da die alte Koalition noch eine Mehrheit in Württemberg erhalten hat, so sei es zunächst die Pflicht der in ihr vereinigten Parteien, sich zu erklären, ob fie an der bis- herigen Koalitioa festhalten wollen, oder ob sie geneigt sind, in Ver- Handlungen über die Bildung einer anderen Regierung einzutreten. Die Verhandlungen zwischen den Mehrheitssozialisten und den Unabhängigen zum Zwecke der Regierungsbildung einschließlich der Demokraten in Anhalt scheiterten, wie sich die„Franks. Ztg." melden läßt, an den unerfüllbaren Forderungen der Un- abhängigen. Es bleibt nur die Möglichkeit der bisherigen mehrheits sozialistischen und demokratischen Koalitionsregierung, der die Unabhängigen ihre objektive parlamenta- rische Mitarbeit zusicherten. potsöamer Monarchiftenparaüe. Sie wollen Prensten bleiben! Vom Preußenbund hatte man lange nichts gehört. Er war schon nach seiner GründungSversamntlung— in Friedenszeilen — in die Versenkung verschwunden, nachdem dort der General v. Kracht die Taten der herrlichen Preußen und das Versagen der elendigen Bayern bei Orleans in echt preußischen Farben ge- schildert hatte.(„Wenn wir kommen, kriegen sie wieder Courage.") Nun hat sich am letzten Freitag diqse nützliche Vereinigung wieder gemeldet, und zwar in Form einer Protestversammlung gegen alles. Tagungsort natürlich nicht der Wasserkopf Berlin, sondern Pots- dam. ES sprachen der ehemalige preußische Herrenhäusler Graf Uorckvon Wartenburg, Rechtsanwalt Everling, Dr. Wild. g r u b e- Dresden und zum Schluß Gras Westarp. Superinten- dent Roedcnbcck gedachte Sc. Majestät, zu dessen Ehre mau sich von den Plätzen erhob— aber im übrigen sehnte man sich doch mehr nach„der" starken Hand Bismarcks". Die Ziele der Ver- einigung formulierte Herr Everling so: Unsere Aufgabe ist, das neue Preußen, das kommen soll, vorzubereiten, die Güter des alten Preußen wie einen heiligen Graal durch den Sumpf der Revolution zu tragen und den Weg vorzubereiten für die Hohrnzollernmvnarchie! Da lvar natürlich der Jubel groß. Für uns ist aber doch der Gedanke herzstärkend, daß das nur Gespenster sind und daß wir — stehen wir nur fest zu ihr— für immer die Staatsform er. rungen haben, die eines freien Volkes am würdigsten ist: die Republik! Bezeichnend für das Raffinement der Szenenführung war schon die Exposition: Eine SchwurgerichtSberhandlung gegen eine der Ermordung ihres Liebhabers angeklagte Milliardärsgaitin, die, durch das Erscheinen ihres kleinen Töchterchcns erschüttert, sich endlich zum Geständnis der Motive, die sie zur Tat getrie- bcn, bereit erklärt, woraus nach ihren ersten Worten der Vorhang fällt,«tatt der Erzählung iolgt die Handlung selber und am «chlussc der Freispruch. Der eifersüchtige Gemahl, der von ihrer Jugendliebe zu einem kranken jungen Maler gehört, überhäuft sie jiiti den schmählichsten Beschuldigungen und dingt in seinein eiser>üchtigen Hasse obendrein mit ein paar hunderttausend Dol- lar einen verlumpten Don Juan, der für einige hundertlausend Dollar der Verhaßten den Kopf verdreht und sie vor seinen Augen des Treubruch» überführen soll. Wie der Schuft die sentimentalen Erinnerungen der Frau an jene erste Liebe aus- nutzt, um sich in ihr Vertrauen einzuschleichen, das ist mit kecker Virtuosität geschildert, die auch ein psychologisches Interesse wach- ruft. Dann folgen jene fatalen Ueberspannungen in der Ver- Wicklung, die zum Protest reizten, und der Pistolenschuß. ck�, Die Frau im Tunkeln. In der Komischen Oper wurde gestern zum ersten Male„Dte Frau im Du.ikcln" von Siegfried Schulz, Text von Erich II r b a n, Gesangstexte von Eddy B e u t h mit dem üblichen lauten„Erfolg" aufgeführt. Die Musik erfreute durch einzelne ganz nette Weisen, bot aber im allgetuetnen die bei Operetten unvermeidlich erscheinenden Wiederholungen. Die so- genannte Handlung dient lediglich dem Zwecke, den verschiedenen Tatizduetten einen tlechernen Rahmen zu verleihen. Tie ersten beiden Akte bieten Ccrnevals mit Ltebcsszenen, der dritte Akt spielt in einer Redaktion. Fräulein Luise T i r s ch kann man sich als Kollegin noch gefallen lassen, auch Oskar Sabo beleidigte den Journalismus nicht, weil man sich den Komiker als Journalisten, tvenn cr so flott gespielt wird, ruhig bieten lassen darf, während in der Szene am Schlüsse der Operette die Redaktion zum Kasperle- Theater wurde. Lederbock als Chefredakteur im Kreise seiner Ge- treuen gleichen Kalibers ist eine Erscheinung, die über den Spaß geht. Man sollte doch endlich einmal derartige klägliche Versuche, den Journalismus zu persiflieren, unterlassen. Bei den Duetten waren die Tänze besser als der Gesang. Trude Hesterberg scheint sich das Sagen itbecbanpt abgewöhnen zu wollen und Carl Beckcrsachs wäre ein gründlicher Gesangsunterricht auss drin- gendste zu empfehlen. Tie Ausstattung ist glänzend. Das Or- chester stand unter der flotten Leitung von Arthur Guttmann. AuSlandshilfe für die deutsche vbvsiologische Forschung. Verschiedene Forscher de? neutralen Auslandes lim betonderen Hollancs» haben auf Vernnlnsiung»on Stoim van Leenwen Gelten! eine Organi'alion gegründet, welche den deutschen Physiologen die ausländische L terawr zu- gänglich machen will. die bei dein Stande der Valuta von den meisten Instituten und Biblidtbeken nicht mehr gehalten werden können. Ein Jnftitn» für Faserftoffchcmie ssl mit Mitteln des Reichs und Spenden aus den Kreisen der beteiligten Industriezweige von der Kalter- Wilhelm- Gesellichast zur Förderung der Wisicnschasten in Berlin-Dahlem begründet worden. Zum Direktor ist Prof. Dr. Herzog, früher an der deutschen Zechniichen Hochichme in Prag, öerusen tvordcn. Fräuze Roioff von der.Tribüne", deren Küiisttcrkrast auch wir wiederholt anerkannt haben, wurde tür die nächste Spielzeit an das De-ne B olkStheater verpflichtet. ttr. 310> 37. Jahrgang SssmtKA 20. Jurt' ■wrw»—«..«■■.■ i.'iaiMwianaan-- außerhalb Rußlands eine solche Konstellation fünstliu, schaffen, sind gescheitert, wie jeder PutschisnuiS scheitern Die ganze Klassenlage des Proletariat? ist eine artige, daß es nicht die geringste Aussicht hat, unter malen lim ständen die Kraft zur Aufrichtung einer Ar kratie zu erlangen, außer dort, wo es an Zahl, Geschlossen heit und SelbMndigkeit so sehr allen anderen Klassen über legen ist, daß es der Privilegierung durch eine aristokratisch! StaatSforin nickt bedarf, da es auf dem Wege der Dem� kratie unter diesen Umständen seine Ziele ebenso sicher m besser erreicht. Die Klassenlage des Proletariats erschwert ihm ab nicht nur aufs äußerste, eine aristokratische Stellung Staate zu erringen. Sie ist auch unvereinbar mit der hauptung dieser Stellung. Die bisherigen Aristokraten waren alle solche von aus» beutenden Klassen. Dank der Ausbeutung gewannen sie Mittel und Muße, die für den Bestand des Staates wich- tigen Fähigkeiten in höherem Grade zu entwickeln, als die Masse der Ausgebeuteten. Im Mittelalter verstand der Adel allein die Waffen zu sübren, war die Kirche, auch eine Aristokratie, im Besitz höheren Wissens. Die fas esnfUche Demokratie unö Demokratie. Von Karl Kautsky. Die folgenden Ausführungen sind ein Auszug aus einem Arlikel KautSIyS, der im Jumheft der Wiener Zeilschiist.Der Kampf" erschien. Wer die Demokratie verwirft, muß eine andere Staatsverfassung anstreben. Außer der Form der Demo- kratie kommen nur noch zwei große Ty�en von Staatsformen in Betracht: die Autokratie und die Aristokratie. Die Autokratie finden wir dort, wo die verschiedenen Gc- sellschaftsklassen, auch die oberen, so schwach sind und der Staatsapparat, Militär und Bureaulratie, ihnen gegenüber so stark, daß dieser sich über alle Klassen erhebt, sie alle be- herrscht. Da Bureaukratie und Militär stets hierarchisch organisiert sind, eine oberste persönliche Spitze haben, wir) diese zum Alleinherrscher, zum Autokraten, in dem alle politische Macht und alle politischen Rechte konzentriert sind. Es hängt von seinem Belieben ab, ob und wieviel davon er mit seinen Günstlingen teilen-will. In der A r i st o k r a t ie dagegen finden wir eine ein- zelne Klasse so stark, daß sie imstande ist für sich alle poli- tischen Rechte zu monopolisieren und dieses Monopol in der Staatsverfassung festzulegen. Von der Aristokratie unterscheidet sich die Demokratie nicht dadurch, daß nur jene eine Klassenherrschaft darstellt, diese nicht, sondern dadurch, daß in der Aristokratie die Herrschaft einer bestimmten Klasse verfassungsmäßig festgelegt und von Staats wegen geschützt wird, in der Demokratie nicht. In der letzteren Wechsel» mit dem Wandet der sozialen Machtverhältnlsse auch die herrschenden Klassen, in der Aristokratie bleibt stets dieselbe bestimmte Klasse im Besitz der Staatsgewalt. Ist es widersinnig, der Demokratie als Staatsverfassung einen bestimmten Klassencharakter beizulegen, so bildet dieser Charakter gerade das Wesen der Aristokratie. Die Demokratie ist weit entfernt davon, durch sich allein schon die Klassengegensätze aufzuheben! sie äußern sich in ihr vielmehr am schärfsten, weil sie durch kein anderes Moment verdeckt werden. In der Aristokratie werden die Klassengegensätze unter den nicht bevorrechteten Klassen zurückgedrängt durch den gemeinsamen Kampf gegen die aristokratische Klasse. Und dieser Kampf wird vor allem ein Kampf zum Umsturz der Verfassung, während in der Demokratie der Ktassenkampf auf dem Boden der Verfassung vor sich geht. Die Demokratie ist elastisch. Sie paßt sich den aus der ökonomischen Entwicklung hervorgehenden Veränderungen in den sozialen Machtverhältnissen an. Die Aristokratie ist starr, in ihr vermag sich die Anpassung nur durch einen ge- waltsamen Bruch, eine Katastrophe zu vollziehen. Aber dafür ist die Aristokratie für die aristokratische Klasse die bequemste Staatsform. In der Demokratie ist keine Partei oder Klasse sicher, sich zu belsaupten, in ihr ver- dient nur der die Freiheit und das Leben, der täglich sie erobern muß. In der Aristokratie hat die herrschende Klasse das nicht notwendig, sobald es ihr einmal gelungen ist, die Staatsmacht an sich zu reißen und den Staat in ihrem Sinne zu gestalten. Alle anderen sind ihr gegenüber rechtlos und waffenlos. Es muß schon eine ganz ungeheure Verschiebung in den sozialen Macht- Verhältnissen eintreten, ehe es gelingt, die aristokratische Ver- sassung umzuwälzen. Um so gründlicher wird dann freilich Ii die Umwälzung, während die Demokratie nur selten große Ueberraschungen bringt. Die verschiedensten Klassen haben, wenn die Verhält- nisse ihnen günstig waren, Aristokratien gebildet. Am häu- figsten finden wir die Erbaristokratie, in der eine Reihe von Familien die politischen Rechte für sich und ihre legitime Nachkommenschaft monopolisieren. Es sind in der Regel Fa- Milien des großen Grundbesitzes, die in dieser Weise eine Feudalaristokratie bilden. Sobald die k p i t a l i st i s ch e Bourgeoisie auskommt, strebt sie ebenfalls nach politischer Macht. Zum Teil verbindet sie sich mit den arbeitenden Klassen, den Klein- bürgern, Bauern, Proletariern, um das politische Monopol der Erbaristokratie zu brechen, und bildet so die Partei der bürgerlichen Deniokratie. Zum Teil aber fürchtet sie bereits die Möglichkeit einer Herrschaft der arbeitenden Klassen, die durch die Demokratie herbeigeführt wird, und sucht die G e- s chle ch t e ra r i st o k r a t ie bloß durch eine neue Art der Aristokratie zu ersetzen, die Geldaristokratie, die sich auf Maßregeln, wie das Zensuswahlrecht und Beschrünkun- gen der Presse durch Kautionen und Stempel stützt, Maß- regeln, die den Besitzlosen den Anteil am politischen Kampf unendlich erschweren, oft ganz unmöglich machen. Nichts ist irriger als die Behauptung der Kommunisten, daß die Bour- geoisie von Anfang an in der Demokratie die für ihre Herr- schaft geeignetste Staatsform gesehen hat. � Im Gegenteil hat überall die große Mehrheit der Bourgeoisie das Zensus- Wahlrecht gegen den Ansturm des Proletariats mit größter Zähigkeit verteidigt. Dagegen war der Klassenkampfs des Proletariats von seinen Ansängen an identisch mit einem erbitterten Kampf ums allgemeine, gleiche Wahlrecht und um die vollste Demokratie überhaupt. Um so erstaunlicher wirkte es, daß die russische sozial- demokratische Partei der Bolschewici, als sie 191.7 ans Ruder kam, nichts Eiligeres zu tun wußte, als die eben erst durch den Sturz des Zarismus errungene Demokratie mit dem allgemeinen Wahlrecht, der allgemeinen Preß- und Vereins- freiheit usw. abzuschaffen und an Stelle der Demokratie eine neue Aristokratie zu setzen, eine der erstaunlichsten Art, eine proletarische A r i st o k r a t i e. Vis dahin hätte niemand an sine solche gedacht. Der Begriff des Proletariats ist io eng mit der Demokratie ver- wachsen, daß die Neuen Machthaber selbst nickt wagten, das Kind beim richtigen Namen zu nennen. Sie suchten den Typus der demokratischen Staatsverfassung bei den Arbitern dadurch zu diskreditieren, daß sie ihn als„bürgerliche Demokratie" bezeichneten. Und die Form der neuen Sowjet-' aristokratie sollte dadurch schmackhaft gemacht werden, daß man sie zur proletarischen Demokratie stempelte. Aber wir.wissen, daß die Identifizierung der demokratische:. Staatsform mit der Herrschaft einer bestimmten Klasse eim Sinnlosigkeit ist. Eine Verfassung, d i e a u s d r ü ck- lich die Herrschaft einer bestimmten Klasse f e st le g t, i st stets eine Aristokratie. So befremdend die Vorstellung einer proletarischen Aristokratie war, hat sie doch sehr an Popularität gewonnen in Staaten, in denen die augenblicklichen sozialen Machtver- Hältnisse nicht der Art sind, daß das Proletariat Aussicht hätte, demnächst auf dem Wege der Demokratie die Staats- macht zu erobern. Wer aber in solchen Staaten glaubt, die russische Methode führe leichter zum Ziel, vergißt, daß sie das Produkt eimer außerordentlichen Konstellation war, die nicht so leicht wiederkehrt. Alle Versuche, Volksmasse war unwissend und wehrlos. Darauf beruht? die Kraft der mittelalterlichen Aristokratie. Der arbeitende Proletarier von he weder die Mittel noch die Muße, die bisher über ihr den Klassen an allgemeiner Bildung oder an Spe- nissen in Bezug auf Kriegführung oder Staats«. zu übertreffen. Die proletarische Aristokratie muß die Führung der Armee den alten Offizien Verwaltung des Staates den a u s d e r B o u r � stammenden Intellektuellen überlassen... aber die Proletarier setzen sich selbst in de» Besitz der nötig? Kenntnisse und Höven dann auf, in der Produktion tätft Proletarier zu sein. Diese Entwicklung geht dann ai Kosten des Produktionsprozesses, der vernachlässigt wird ur verfällt. Eine Klasse von Handarbeitern kann wohl dahin komm?' daß sie den anderen Klassen an politischer Bildung e b e b ü r t i g ist. was in einem demokratischen Staatswesen ihrer Herrschaft führt, sobald sie die zahlreichste Klasse bi� namentlich wenn das Hoer sin bloßes Milizheer ist. wird es nie erreichen, daß sie, gleich einer Ausbeutern kratie, die anderen Klassen alle an. Bildung überragt daß diese ihr wehrlos als der einzigen bewaffneten 3. gegenüberstehen. Je mehr die Sowjetaristokrati« ihren H. schastscharakter betont, desto mehr muß sie die besten t? mente des Proletariats der Industrie entziehen und d.> Armee und Bureaukratie zuführen. Je mehr sie den Pro dnktionsprozeß fördern will, desto mehr müssen die Proü tarier ihre Herrschaftsaufgaben nichtproletarischen ElcmenA überlassen. So schwankt eine proletarische Aristokratie in den se nen Fällen, in denen sie möglich wird. r'fp zw'-'-chen Szylla des industriellen Verkommens der Unterjochung durch eine neue mi. tische Autokratie. Den normalen Weg de? Pro Gewinnung und dauernden Fe politischen Macht bildet nur die Natürlich kann die Staatsverfassung i sie noch so vollkommen ist. nicht den Bedürft tariats genügen. Die Schäden der kapitali tnng werden dadurch nicht aufgehoben. W i D e m o k r a t i e n i ch t a n, w e i l s i e u n s erscheint, sondern weil sie den b r bildet yi r die A u s k ä m p f u n g b es. gegensatzes zwischen Kapital' un t a r i a t. Wir sehen auch in der bloßen Demokratie nicht dik Lösung aller Probleme der Staatspolitik, die heute im Zeft alter der Sozialisierung auftauchen und die man kurz dabft zusammenfassen kann, daß sie der Aufgabe entsvringen, der. Staat aus einem Herrschaftsapparat in einen Verwaltungs- apparat für soziale Zwecks umzuwandeln. Neb?» Körrer- fchaften, die dem allgemeinen gle-ckien Wahlrecht entft n- gen. werden da Korporationen von Fachleuten, Bcrufson sationen, wie Gewerkschaften, Arbeiterräte. Gilden, eine Rolle spielen. Auf diesem Gebiet laben wir mach- vi. lernen, werden wft auch aus den Erfahrungen der imssisa Sowjets manche nützliche Lehre ziehen können. m Also mit der bloßen Demokratie reichen wir zur-- ganisierung der sozialistischen Produktion nicht aus. A wo die Frage lautet: Gleichlerechtiguna aller oder All berechtigung einer einzelnen Klasse, Demokratie oder A kratie. müssen w i r u n s f ü r d i e D e m o k r a t i e scheiden, selbst gegenüber einer Prolet scheu Aristokratie. Wer arbeitet, muß ungestört arbeiten. Nichts stört mehr, als ein schlcchtsitzendcr Knciser, der ein klares Sehen verhindert und ein fort- währendes Zurechtrücken erfordert. Der Lohmann- Kneifer hat diese Fehler nicht. Er ist eine Wohltat für die Augen, weil er fest und sicher sitz:, ohne lästigen Druck, und weit er wisfcnschafilich richtig zentriert ist. Er vereinigt die hygienischen Vor- züge der Brille mit den ästhetischen des Kneifers. Nach auswärls verlange man kostenfrei Prospelt II. 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T jUt)t: Jreitap, 25! mit dem Männer-Gesangvercin „kerllner hieder-ijuarlei:" Dirigent: Paul Sd einpflug. Karten i. Vorwärts. Lmdenstr. 2, und Abendkasse. 717D Potsdamer Str. 38 Turmstr. 12 Der Besesseue Schausp. n. d. Novelle: I i Das Fräulein vonScuderi{ 1 Alezanderplatz.Pass. Friedenau, Rheinstr. 14.( Dagny Servaes Theodor Loos im Drama: f Die Nacht der Prütungl Sonntag, den 20 I»ni, nachm. 24, Uhr: Deutsches Opernhaus: Der Zigeuncrbaron. Sd)a»iviclhaus: Minna oon Barnhelm. Nachm. 3 Uhr: Voiisb.: Göh von Berlichingen. Schilier-Tb. Chariottendurg. Wie es euch gefiiilt. Lefsing-Theatcr: Der rote Hahn. Klinstier-Thraier: Dies irae. Friedr.-Wiidelmst. Th.: Dieziirt. iichen Derwandtcn. DeleliZlmII.-II'.ezIeF Täolich 7l/2 Uhr: Stell. Sänger. Variete Dönho.f-Brettl. Garten n. Saal. A n f. 6' /».Sonnt. 5 «M logischer Garten. Täglich- Sommer-Theater „Qroß-Berlin44 vorm. Kliem, Hasenheide. TSBI Fcrsterchrists! �•Erstkl. 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Begrüßungsfeier für die heim-\ ggkehrten Kriegsgefangenen unter Mitwirkung des Philharm.Orchestcrs u. I. Künslier, Donnerstag, den 24. Juni 1920, abends 7 Uhr, in der Philharmonie, Bernburger Str. 22 23.— Jeder Berliner Kriegsgei. erb. 2 Freikaaea u. I Gutschein i. Zigarren u. Zigaretten b.d.Kriegsgef.-Heimk., Berlin,?chIoßplatz 1,1. i®si leae Welt I lorp, Hootag, 8 1 BüpT Große Volksoper, Berlin. KodnezsertPhilharni.Orchesters unter Leiiang Richard«nxel. Solistin: Ernestine Färber-Strasser, Altistin vom Müncbener National.Theater. Wagner— Humperdinck— Verdi— Llszt. Kart. Mk. 4,— u. 3, So(einschl. Steuer) Bergwaldsche BuchbandlÄ., Neukölln, Berliner Str., Weinstube der NeuenWelt, Hasenheide, A. Wertheim u. Abdk KordiieutsEli£r£'ioad8refflec Die regelmäßiges Jährten •.»WargercGge haben begonnen. 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Der b- kannte Ha'lemer Physiologe Gehelmraf Prof. Dr Abderhalden urteilte kürzlich, dafe über 100000 Kinder unweigerlich dem Hun ertode verfallen sind, wenn nicht sofort mit allen �ttteln gegen die Untere nShrung eingeschritten wird, und daß Rachiiis und Tub rku'ose In erschreckender Welse unter der deuLchen Ju e d wüten. Viele andere unan echtbare deutsche Au'oiltöten und zu Sfudlenzweden hier wellende ausländische Aerztekomrrlssloren sind zu den gleichen Ergebnissen gekommen. Ta isende Kinder sind bereits an UnieremÄhrung zugrunde gegangen oder siechen einem jammervollen Ende entgegen. Nur schnelle und tatkräftige Hilfe kann dieses Leiden und Kindersterben aufholten Die Lei ung der Heilsarmee ha! Im Auslände eln�Sammlung für deutsene Kinder veranlaßt, die in Engknd allein bereits über 6 Millionen Mark erbrachte. 22 000 Groß-Lerliner Kinder, ohne Unterschied des Standes, von Sch dSrzlen und rustSndfgen Behörden nur nach ihrer ßedü: ftl�kell ausgewählt, können dadurch während 13 Wochen wöchentlich je eine Büchse gezuckerte Kondens-Vollmllch umsonst erhalten. Bis Ende April waren bereits fad 100 000 Büchsen*) ausgegeben. Dieses ungemein notwendige Hiltswerk sollte jedoch noch länger fortgesetzt und möglichst auch in anderen Großstädten ausgeübt werden. Die ausländischen Freunde unseres Hills Werkes haben sich bereit erklärt, auch fernerhin zu helfen, wenn man deutscherseits zur Mitwirkung und Unterstützung willig ist Es liegt somit Im eigensten vaterländischen Interesse, diese Frelmllchspende so tatkräftig und reichlich als möglich zu unterstützen. Je reichlicher die deutschen Spenden, um so größer werden die ausländischen Zuschüsse sein, so daß wir um so länger und um so mehr deutsche unterernährte Kinder mit Milch versorgen und dem Siech um enirtiß-n können. Auch erklären sich einige Leiter der Heilsarmee in benachbarten Ländern bereit, kostenlos deutsche Kinder zur Erholung aulzunehmen. Gaben können bei allen größeren Banken auf Konto;„Kommandeur Job. Ögrim, Frei-Mdchspende der Heilsarmee" od r auf„Posticbeckkonlc Berlin Nr. 81378, Kommandeur Joh. Ögrim. Frei• Milchspende der Heilsarmee", eingezahlt werden. w Joh. ögrim, Kommandeur der Kcllsaimee. Berlin C IS Gertraudensir. 1— 3. *1 Bis Anfang Juni ca. 400000 BUdisea. Diese Bitte unterstützt aufs wärmste Die Vereinigung für Klnderh'lfe. Deutsche Zentrale der Internationalen Verewigung für Kinderhilfe. Obigen Aufruf befürworten: Hemm Abraham, Vor». d. Vrr. l. KJndcrTolkskOAcn n. VolksWndCThorte, Alb.H, Unterstaatssckr. L 4 RHchs- B.rnhad, Chefred d.„Voss Ztg", PceUca« y. olssfog, geb. GrSfln Kflnlgsmarck, Geheimrai P n? n'"?' Li:1,=f d- Chart. Sgugl.-K lnlk, Miss Ray BavrHdge, Prof. Dr N. Ca. o, Berlin, Geheimrai Proi D. A. Dcämann, Herausgeber d.„Er. Wochenbrirfe", Staatsminister a. D. Dr. Dernbar*. M. d R. poehriag, Hof- u Domoredlger. Prof. Dr. A. Ein,»ein Dr. ütMer, Reldiswehrmli.jter, f-leibert., Reichs. postminister. Hae llch, Preu.s. Min. t Wissen«tu. Kunst u. Volksbildg., V Hsnlel, StaalssekrcWr, r. Har ack Generaldlr. d. Preuss. Staatsblbl., Dr. h. c, Hedwig Heyl, Weslend, Kempuer, Reglerungsrai L d. Reldiskansl Professor Dr. D Kabl, M.d. IL, Prot Dr. h. c. Armur Kampf. Dir. d. akad. Hodisdc f. d blld Künste An n. j v',» d,sA-,.9f5- f.»•'»'sbflrgerl. Erziehung, Kort,. Relchsmlnlsler des Innern, Prof. Dr. tin«In K-ls-rtn-Augus a-VIkfortehauses. Bertin. Pau Le Stur, Herausgeber des„Hoehvcr, Sdiriflsl.,„ul Undeoberg, Paul mifngmn r.cr.mj n. Dlrckfor d Deutschen Bank, Hen.y Nathan, Direkt, d. Dresd. Bank, Pfarrer NHhack-Stnha. Dr. Mcffiitar. Minfsferlnldirflrf.» Rflm« H____ � Dlskonloge», Schlicke. Rclchsar scitsmJnlsfer,'ob rl Schm dl Reldiswlrtschaftsmln'ster, Srts!z. Staatssekretär InA rr wlswacrra IraietAriiam rl I rs rs wr-ra Fl p A.-ea r 1«, FS\__ S~* L__)_at__>•.~.... Im Reichsministerium des Innern, Dr Srtsnl«. Oherhürsermeisler von Charlollenbura, Llc F Sl-gmund.Srh Vorsllsender d. Deulsdu Zentrale t Jugendfürsorge. Ahl GroS-Berlln, W. Sollmann, M. d. IL. Stadl» In Köln! Luise Zlelz. M. d. R. OOOOOGOOOOOGOOGOOGGOGOOOOGGOOOOOOOGOOOOOOOCDGGOGGGGGGOOGOCW�? ei und kompL Wohnunoselnrlchfungen Eüerren-«„Speisezimmer WotisX" u. Sehlfkfzlmmer Hervorragend scfiOn und preiswert iE czIteoPreiUtogen u-Sdlarto» Klubsessel und Sofas In Oobelin und Leder g'frcsg.-AtotelüMJütg».Vermiemung kompletter Einrichtungen, daher stets viele Gelegenheitskäufe Kostenlose Lagerung für beliebige Zeit M. 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Alle wichtigen Mitteilungen sowie die Wahlresnltate lasse man auf dem schnellsten Wege dorthin gelangen. Telephon: Hansa 1424, 1425, 1444, 1445, 1449. S.-p.-d.-�entra!wahlloka!e: Berlin-Mitte. v-iscrlands Festsäle, Neue Friedrich st r. 85 (Norden 4864). Krüger, Gngelufcr 18(Mpl. 11768). Droste, Dlumenstr. 88. Pfeiffer, Homburger Str. 2. Biirgcrheim. Alte Schönhauser Str. 23/24(Norden 1387 Därivalde, Schlegclstr. 8(Norden 4452); Tobrohlaw, Swinemünder Str. 11(Humb. 271). Berlin-Tiergartcn. Patzenhofer Brauerei, Turmstra�e, Ecke Strom- st raste(Hansa 163). Ernst Kracht, Lützowstr. 166(Lbw. 8712). Nationalhof, Bülowstr. 36(Kurf. 364). triebSzweige gemacht, welche von den reaktionären Anhängern der „Deutschen Tageszeilung" abgelehnt wurden. Sie hat während des Kapp-Putsches gemeinsam mit dem Magistrat die Lebensmittelver sorgung der Bevölkerung sichergestellt, sie ist allen Hilfesuchenden ein Wegweiser in dem großen Verwaltungsapparat des Magistrats gewesen, Gleichzeitig erhalten wir vom Geschäftsführenden Ausschuß der Betriebsräte der städtischenGas- werke eine Zuschrift, die auf die oben mitgeteilten Anfragen mit einigen Gegenfragen antwortet. Der Inhalt ist folgender: 32 Arbeiter, die sich beim Kapp-Putsch als Streikbrecher zur Verfügung gestellt haben, sind von der Arbeit entfernt und erhalten bis heute den vollen Lohn einschließlich Wirtschaftsbeihilfe. Im Gaswerk IV erhalten 26 Streikbrecher allein 67 653,85 M.. ohne für die Stadt produktive Arbeit zu leisten; einer davon ist schon in der Privatindustrie beschäftigt. Einer wurde vom Portierposten ent- hoben, um wieder als Maurer zu arbeiten, wurde auf Grund der Verfügung deS Magistrats beurlaubt und hat bis jetzt 2986 M. für Nichtstun erhalten. Am 16. April 1929 hat der Gastwirt Noack, Köpenicker Chaussee 1, der Zentrale Rummelsburg eine durch die Technische Nothilfe entstandene Rechnung von 1847,79 M. für Bier, Zigarren usw. präsentiert. Die Technische Notbilie hat für ibre Tätigkeit bezw, Nichttätigkeit während des Kapp-Putsches dem Ma gistrat eine Rechnung von 273 431,45 M. präsentiert. „Pattlochscher Schwindel� ist nach der„Freiheit� unsere in Nr, 391 unter der Ueberschrift„Das unabhängige Doppelgesicht gebrachte Mitteilung über das Verhalten der Unabhängigen bei der Verabschiedung der Magistratsvorlage betreffend den 59prozentigen Zuschlag zur Gemeindeeinkommensteuer. Wie uns Genosse Pattloch mitteilt, wird er der„Freiheit" Gelegenheit geben, vor Gerickit den Beweis für ihre Behauptung anzutreten. Wir wünschen ihr dazu viel Glück! Zur Wciterführung der Freimilchverteilung an unterernährte deutsche Kinder erläßt die H e? l s a r m e e, die durch die Hilfe ihrer ausländischen Mitglieder und Freunde bereits imstande war, elwa % Million Büchsen gesüßter Kondensmilch gratis zu verabfolgen, einen von den Reichs- und Staatsbehörden gebillig- ten und geförderten Aufruf. Je mehr Geldmittel zusammenkam mcn, desto größer werden die ausländischen Zuschüsse sein, die der Heilsarmee im Aklslaud bei entsprechender deurscher Selbsthilfe weiter zugesichert sind. Die Spenden, die jede größere Bank ent gegennimmt, können auch durch„Postscheckkonto Berlin, Nr. 81 378, Kommandeur Joh, Oegrim, Freimilchspcnde der Heilsarin«", ein gezahlt werden. Die eingehenden Beträge werden im Zusammen wirken mit den kommunalen Jugendämtern und im Einvernehmen mit dem Reichsernährungsministerium Verwender. Wahlplakate der U. S. P, D. in den städtischen Straßenbahnen. Die bekannten„gelben" Zettel mit der Aufforderung,„Wählt nur U. S. P. D." prangten gestern nackimiitag an allen Wagen der Linien Treptow— Behrenstraße, Stadl. Ost-Ring usw. Daß die Ver waltung die Genehmigung hierzu nicht erteilt bat, darf man wohl annehmen, ebenso muß bezweifelt werden, daß die Zettel von Passanten angebracht sind, denn dieselben waren so hoch und genau an die Scheiben geklebt, daß dies nur auf den Betriebs bahn Höfen geschehen sein kann. Daß die Wagen der städtischen Straßenbahnen nur der Wahlreklame einer Partei dienstbar ge macht werden— und dann ausgerechnet den Unabhängigen—, ist eine Ungchörigkeit. Daß die meist„unabhängigen" Straßenbahner die gelbe Farbe bevorzugen, ist wohl nur ein Zeichen dafür, daß sie ihre frühere Gesinnung auch heute noch nicht verleugnen können. Eine abermalige Erhöhung der Tarife für Wasser, GaS und Kanalisation von 6 auf 8 Proz. des Grundstücksnutzungswertes will der Magistrat im Einverständnis mit der Deputation für die Kanalisationswerke und Güter der Stadt den Stadlverordneten vor schlagen. Mit diesen Erhöhungen werden sich die Stadtverordneten am nächsten Donnerstag schon beschäftigen. Ein Einbruch in die versiegelte Wohnung rineS MillionendiebeS brachte zwei junge Burschen ins Gcsängnis. Wie wir mitteilten, wurden zu Anfang dieses Monats wegen des Millionendiebstahls an dem rumänischen Gelde auf der Spandauer Zitadelle vier Mann verhaftet, darunter auch ein gewisser Heinrich Peschges aus der Berlichingenstraße. Später wurde auch Frau Peschge, die die Geld- quelle ihres Mannes kannte, festgenommen und in Untersuchungs- Haft gesetzt. Von diesen Vorgängen lasen und hörten auch Max F. und Otto W. Diese beschlossen, die verschlossene Wohnung, deren ganze Ausstattung beschlagnahmt war, auszuräumen. Sie schnitten aus der Eingangstür eine Füllung heraus, die sie nach jedem Be- such wieder einschieben tonnten, und holten nun nacheinander alles heraus, was sie unausfällig wegschaffen tonnten, um e§_ zu Geld zu machen. Bei dem Versuch, Sachen auö diesen Diebstählen in der Grenadierstraße zu verkaufen, wurden sie zusammen mit dem Auskäufer ertappt und festgenommen. Ein Führer durch baS Reichseinkommensteuergesetz von Rudolf Wisse ll ist soeben bei der Buchhandlung„Vorwärts" erschienen. Die einschneidenden Wirkungen des Reichseinkommensteuergesetzes werden sich bei allen Arbeitern am 26. Juni d. I. zum ersten Male fühlbar machen. An diesem Tage tritt der zehnprozentige Steuerabzug vom Lohn oder Gehalt in Kraft. Auch der Natural- oder Geldlohn der Haus angestellten unterliegt dieser Bestim- mung. In Kürze wird dann die Veranlagung der Reichs- einkommensteuer folgen. Sonach erlangen die Fragen über die Handhabung der Steuerkarten, über richtige Einschätzung, ver- steuerbares und steuerfreies Einkommen, über abzugsfähige und nicht abziehbare Beträge für jeden Einkommensteuerpflichtigen h ö ch st e Bedeutung. Ueber alle diese Bestimmungen des Ge setzes gibt das Wissellsche Buch zuverlässige Aufklärung. 2,59 M. Die Berpflegungssätzr in den städtischen Heimstätten 5 M. für Erwachsene und 4 M. für Kinder pro Tag worden. Das 6. städtische BolkSkonzert des Blüthner-Orchesters findet Montag, �l|, Ubr. in den Gcrmaniaiälcn unter Leitung von Paul schein- p s I u g statt, Karten im„Vorwärts", Lindensir, 2, und an der Abendkasse, Auf Veranlassung des Jugendpflcgeamtes spricht Dienstag. den 22. Juni, abends 8 Uhr in der Aula des Realgymnasiums zu Karlshorst Herr Direktor K n o f f vom Provinzial-BerufSamt über Notwendigkeit der Berufsbevatung im Interesse des einzelnen und der Gesamtheil". Mit Rücksicht auf die Wichtigkeit des The- mas werden alle Eltern sowie sonstige Interessenten, denen das l ihrer einen Beruf ergreifenden Angehörigen am Herzen liegt, dringend gebeten, zu erscheinen. Neukölln. Ferienspiele. Die städtifchen Körperschaften haben beschlossen, die im vergangenen Sommer so erfolgreich durchgeführ- ten Ferien spiele mich in diesem Jahre zu veranstalten. Die Spiele beginnen am 5. Juli und erstrecken sich auf die Dauer von fünf Wochen. Als Plätze kommen der zirka 149 Morgen große Platz w der Königsheide und die Abtei-Jnsel Trep- Es kostet sind ans festgesetzt low in Betracht. Die Beteiligung an den Ferienspielen in der Königsheide steht eilen Schulkindern ftei, für die Abtei erfolgt die Auswahl durch die Schulpslegerinnen. Die Mnder versam- mein sick) morgens 7 Uhr auf folgenden Sammelplätzen: 1. Schul- Haus Donaustr. 129— 126.— 2. Hertz bergplatz.— 3. Albrecht-Dürer- Oberrealschule, Emserstr.— 4. Realschule Boddinftr.— 5. Warthsstraße, Ecke Hermannstr.— 6. Knesebeck- Ecke Hermannstr.— 7. Schulhaus Elbestraßc Für die Abtei ist Sammelplatz Kaiser-Fried- rich-Straße, Ecke Wildenbruchstraße. Die Kinder werden mit Sonderzügen bis Bahnhos Johannistbal und mit der Straßenbahn bis Treptow befördert. Als Verpflegung wird reich- liches Mittagessen und nachmittags Kaffee mit Schrippen gewährt. Als Beitrag zu den Unkosten sind wöchentlich 4 Mark, und für jedes weitere Kind einer Fa- milie 2 Mark zu zahlen. Wochenkarten zu dem angegebenen Preise sind in den Schulen sowie im Rathaus, Jugendamt, Abteilung Jugendpflege, Zimmer 223, zu haben. Die Karten für Geschwister werden nur zusammenhängend in einer Schule ausgegeben. Es empfiehlt sich, Karten für alle fünf Wochen gleichzeitig zu ent- nehmen. Anträge auf Freikarten können im Rathaus, Zim- mer 223, gestellt werden. «« — In der städtischen WaldertzolungSstätte Königsheid: können noch eine Anzahl erholungsbedürftiger weiblicher Personen und Kinder gegen Zahlung eines täglichen Verpfiegungsgelbsatzes van 4 M. bzw. 8 M. für Kinder Aufnahme finden. Gewährt wird Mittagessen und Milch. Anmeldungen nimmt das Bureau der Er- holungsstätte, Neukölln, Richardstr. 118, Qu. 1 Tr� von 9— 1 Uhr entgegen. Stundenlange Lebensmitteldebatten mit nicht sehr erfteulichcn Resultaten gab es in der letzten Potsdamer Stadtverordneten- sitzung. Um es vorweg zu nehmen: Es ist vieles faul im Staate Potsdam. Kartoffel« sind große Mengen verfault, Rinderpökelfleisch zum Teil ungenießbar, ein Teil teurer Heringe tonnenweise ranzig gewordein Und das alles in einer Zeit, wo die Bevölkerung mit Mühe und Not für teures Geld hintenherum Kartoffeln, Fleisch und Heringe kaufen mußte. Waggonweise werden die verdorbenen Kartoffeln nach Brandenburg zur Stärkefabrik geschafft. Zwanzig Pfund sollen auf einmal pro Kopf der Bevölkerung abgegeben werden. Ter Lebensmitteldezernent hatte die Uebersicht verloren. Der Stadt- verordnete Bodenstengel fragte in der vorhergehenden Sitzung den Magistrat an, wieviel und zu welchem Preise städtische Lebensmittel noch vorhanden seien; er forderte öffentliche Erklärung. In der letzten Sitzung teilte der Lebensmitteldezernent, Stadtrat Pauli, mit, daß der Ausschuß es nicht für richtig halte, Auskunft darüber zu geben._ «roh-Berliner Lebensmittel. Brotkarteiistichwort: Wald. In dieser Woche gelangen zur Verteilung m: Berlin. 1 Liter sauere Voll, oder Magermilch aus die Abschnitte B II und C I der Magermilchkartcn, Serie I und II. Eharlottenburg. 509 Gramm Haferflocken(32 u. 33), 125 Gramm Reis(305), 250 Gramm Zcrealienmcbl(300). Schönebcrg. Boranmeldunq 125 Gramm Teigwaren oder Sago(30), 250 Gramm Hascrslockcn(32), 2 Päckchen PenncrS Rote Grütze und 1 Päck- chen PenncrS Sossenpulver(33), 2 Päckchen Penners Rote Grütze(33>. Ausgegeben werden 125 Gramm Haserfiocken(29). 250 Gramm ouSl.(bcl- gische)'Marmelade(28), Fortsetzung des Verkauss von 200 Gramm Linsen (27), 125 Gramm Gerslensabrlkate(28), 1 Päckchen P-nners Rote Grütze und Soßenpulver(lö), 1 Päckchen Penners Rote Grütze(10).— Für die Entnahme von Brotkarlenmeht gilt neben der Brotkarte für die Woche vom 2t. bis 27. Juni der Abschnitt 34 der roten und grüuen Schöuebergcr Bezugskarte. Steglitz. 250 Gramm Teigwaren, 400 Gramm Weizenküchenmeht, 125 Gramm Maismehl._„.. Lichterfelde. 125 Gramm Nudeln(31), bis zum 25. 6. 4 Packchen Süßstoff(89), 375 Gramm Zucker(89). Wilmersdorf. 125 Gramm Teigwaren(30). Voranmeldung von 250 Grainm Haserfiocken(32). 1 Päckchen Panin für Kinder im 6. Lebens. jähre(53 0 II). Für werdende Mütter; 3 Psund Nährmittel. 50 bis 200'ramm TrockenganSet, 1 Dose Malzextrakt, 3 Dosen Kondensmilch (nur im 4. bis einschl. 6. Monat). Für stillende Mütter: 2 Psund Nähr- mittel. 50 biS 200 Gramm Trockcnganzei, 1 Dose Malzextrakt 3 Mark. Dahlem. 250 G.amm Nudeln(33). Neukölln. Fortsetzung des Verkauss von Haferslocken(17(8). Aus die Warenbczugskarte 39 X Ausgabe von Bonbons jür Kinder von 3 bis 0 Jabren. Treptow. 125 Gramm(31).„,„ Britz,'h Psund Nudeln(29 u. 30), 1 Psund Marmelade und 1 Pfund Edamer Käse'(37). Für Kriegsbeschädigte: 1 Psund Haferflocken. Für werdende Mütter und Kinder: Psund Haferflocken und Psund Kacis. Milchkarte B und 0 I u. II:»/. Psund Kaets. Lichtenberg. Voranmeldung bis 23. 250 Gramm Haferflocken(49t E, J, G, K it. S), 250 Gramm Bohnen(492 E, J, G, K u. S). Reinickendorf.'/, Psund Haferflocken(240), 2 Pakete Mitchsüßspeiic. Für schwerbeschädigte Kriegsteilnehmer>(, Psund Talg(56), 1 Psund Linsen (57), 1 Psund Gerstenflocken(58), 1 Psund Teigwaren(59), 1 Psund Haser- flocken(00). Frtedrichsfelde. 250 Gramm Haferflocken(27), 250 Gramm weiße Bohnen, 250 Gramm Marmelade(G). Zllt Glienicke. Psund Reis und'(.Psund Nudeln(125).'(.Piuiid Maisflocken(120), 1 Psund Marmelade und Psund Kunsthonig(127), 15 Psund Kartoffeln, 1 Psund Saubohnen(128), 1 Psund Erbsen(32). Für Kriegsbeschädigle: 1 Psund Zerealmehl. Aus LebensMiltcllaUcn V, Psund Grieß. Groß-Serliner parteinachrichten. Heute, 20. Juni: 8. Abt. Zentralwahtoureau: Wölfl, Grase-, Ecke Müllenhoffstvaße Die Bezirlssührer tönnen ihre Billetts zum Sommersest bei Drogge, DieLen- bachstr. 57, am Sonntag abhole— 37. Abt. Wahlhelfer ab 7 Uhr bei Hübner, WilSnacker Str. 34. 46. Abt. Wahlbureau.Patzenhoser', Schwedenstr. Iis. Die Wahl- heiser treffen sich dort. Frauenabende am Montag, den Sl. Juni, abds. T'/o Uhr: 29. Abt.: Schulaula Senesclder Str. 6. Res.: GeumfinDr. Whgodzinsli. 61. Abt.: bei Goldschmidt, Stolpische Str. 35. Ref.: Genosse Meile. 33. Abt.: bei Gillwaldt, Puttbuser Str. 24. Res.: Genossin Weide. 36. Abt.: bei Bärwalde, Schlcgelstr. 8. Ref.: Genossin Kiesel. 44. Abt.: bei Terfin, Pantstr. 00. Ref.: Genosse Kabelitz. Thema: „Die Frau und die neue Versaffung". Sport. Im Großen Hansa-Preis, der am Sonntag in Hamburg- Horn zum Austrag kommt, gelten als voraussichlliche Starler: Friedensfürst 54(Rastenberger), Wanderfalke 54(KaSper), Vergleich 51(Kaiser), Einsiedler 65(Janek), Leichtsinn 65(Saager), Alamund 53(Olejnit),' Bogarwo 53(Korb), Skarabae 63'/,(Zimmermann), Turban 61(Kühl), Hallunke 61 oder Blindgänger 59(Schläske), Rosenrilier 62(O. Schmidt). Internationale Boxkämpfe im ZirkuS Busch. Der letzte Groß- kampftag in dieser Saison wird von der Nationalen Vereinigung zur Förderung des Boxsports am Dienstag, den 29. Juni, abends 7,39 Uhr, im Zirkus Busch abgehalten. Unser Schwergewichts- meister Hans B r e i t e n st r ä t e r trifft auf den italienischen Schwergewichtsmeister Guiseppe S p a l l a, der bei seinem letzten Kampf gegen P o d z u h n eine glänzende Form zeigte. Alles den- tet darauf hin, daß wir einen erbitterten Kampf zu sehen bekam- wen, da Breitensträter alles daransetzen wird, den Sieg für sich zu errmgen. Weitere gute Kämpfe vervollständigen das Pro- gramm. Der Vorverkauf beginnt bereits Dienstag. Die Box- sportfreunde werden gut tun, sich Eintrittskarten möglichst sofort zn besorgen. Nr. Z1S�Z7.�ahrgaag 3. Seilage öes Vorwärts Sonntag, 20. Junk 1020 G@idillftibericlit dar ümcimr Bank fir WM D*s Ja!ir 1919 war-wirtscbaftlich �ad politisch eines der schwersten in BeutsciUaads Goscblclite. Unruhen und Streiks in großer Ausdehnung, Verkehrsstörungen, lliuigel an Kohlen und Kohstoffen, Hungersnot und seolische Erreguugszustiindo der Bevölkerung als Folgen des Krieges und eines durch Blnckado grausam verschärften Waffenstillstandes, und ein BeutschJaad mit völliger Vernichtung bedrohender Friedensvertrag er- edaütterteu die Grundlagen der deutschen Wirtschaft. Erst einem kleinen Teil des Auslandes sind die Widersprüche in den wirtsc baltliohcQ Bedingungen dieses Friedensvertrages und die Ünmög- lichkclt ihrer Erfüllung zum Bcwußtein gekommen. Die Zukunft Deirtsch- lands, mit der die Europa* eng verknüpft ist, kann nicht mit Zuversicht betrachtet werden, solange nicht oinc Aenderung derjenigen Bedingungen dec Vertrages erfolgt, welche eine Wiederherstellung des Gleichgewichts der deutschen Wirtschaft unmöglich machen. Dia Bevölkerung Deutschlands war im Frieden auf einem relativ kleinen und von der Natur ver- bältaismäßig wenig begünstigten Boden nur innerhalb eines wohlorganS- sierten Systems internationalen Güterausta uschs iebeusfilhig, bei dem Nahrungsmittel und Koluitoffc, soweit sie aus dem Ausland bezogen wurden, aus den Erträgnissen der deutschen Arbeit, der deutschen Seeschiffahrt und der deutschen Kapitalsanlage im Auslände gedeckt wurden. Durch den Krieg und den Friedensvertrag sind die Einnahmen Deutschlands aus Schiffahrt und ausländische.» Kapitalsani agen zum grüßten Teil vernichtet, sind uns wichtige Produkfionsgebieto sowohl laudwirt- scbaftlichor wie industrieller Art genommen, so daß das durch den Krieg ausgesogene Land sich einem vermehrten Einfuhrbedarf gegenüber sieht, für den eine Deckung zurzeit nicht besteht Auch abgesehen von den noch zu leistenden Verpflichtungen aus dorn Friedensverträge kann das Gleichgewicht der deutschen Zahlungsbilanz mit dem Ausland nicht wieder erreicht werden, wenn nicht Wege für die Linderung der«ncr- trägllchca Lage Deutschlands gefunden werden, wozu in erster Linie dio Wiederherstellung internationaler Kreditbeziehungen gehört. Es wird abzuwartcu sein, ob die bevorstehenden Konferenzen in Spa und Brüssel auf diesem Wege einen Fortschritt bedeuten. Die Entwicklang der deutschen Valuta spiegelt die oben angedeuteten Schwierigkeiten der wirtschaftlichen Lago wider. Während sie noch Anfang 1919 im Auslande mit etwa der Hälfte ihres Pari- Standes bewertet wurde, trat im zweiten Halbjahr ein starker Fall ein. der dia Mark am Jahresende bis etwa auf ein Zwölftel ihres Fricdois wertes herabdrückte. Ein weiterer Bück gang im neuen Jahre wurde im Frühjahr 1920 wieder ausgeglichen. Neben(loa allgemeinen Gründen des Mißtrauens in Deutechlands Zukunft ist als unmittelbare Ursache dieser Valutaverschlechterung auf die Politik der Besetzungsmächte hinzuweisen, die es monatelang unmöglich machte, ein Ueherwachung der deutschen Zollgrenzen durchzuführen. Durch das„Loch im Westen" fand nicht nur eine sowohl der Menge wie der Art nach unkontrollierbare übermäßige Einfuhr von Waren statt, sondern es wurde auch der Ausgangsweg für Kapitalflucht und ungesetzliche Exports. Neben der Valutaentwertnng wirkte auf die Lebenshaltung verteuernd eine unnatürliche Grldflüssigkeit, eine Begleiterscheinung der Inflation, die durch die Kreditwirtschaft des Reiches herbeigeführt werden mußte. Die Ausgaben des Reiches stiegen von Monat zu Monat, ohne daß es seit dem Herbst 1018 möglich gewesen wäre, sie anders als durch kurzfristige Sei atzwechsrl zu decken, wodurch Endo März 19.0 die Reichsschuld auf nahezu 200 Milliarden Mark, davon 105 Milliarden Mark un- fundiert, angewachsen war. Die im Herbst 1919 aufgelegte Sparpriimien- anlcihe erbrachte an neuem Geld noch nicht 2 Milliarden Mark. Die von der Nationalversammlung beschlossenen Steuern konnten wegen des Fehlens der dazu nötigen Organisation noch nicht erhoben werden, so daß die Möglichkeit, die Inflation abzubauen oder zum wenigsten ihrer Fortsetzung durch Sanierung der Reichsfluanzsn und durch Eindämmung einer cich zum Teil in ungesunden Formen bewegenden Kaufkraft und Kauflust der Bevokerung vorzubeugen, nicht genützt werden ist. Unter solchen Verhältnissen wurde der allgemeine inländische Preisstand, der sich zu Beginn des zweiten Halbjahres noch erheblich unter der Parität der Weltmarktpreise hielt und dem Ausland den Ankauf deutscher Waren und Fabrikate zu einem Bruchteil der dort gültigen Preise zu unserem Schaden ermöglicht hatte, zu schnell und übertrieben in die Höhe gesetzt. Der mit der Besserung der Valuta jetzt cii.vi Izondc, not- wendige Preisabbau kann sich daher nicht bne'chwierigkeiten vollziehen. Auch in Deutschland wird unter dam Eindruck einer Hoffnung auf Ermäßigung der Preise Zurückhaltung der Käufer und eine Absatzstockung im inländischen Geschäfte beobachtet, während gleichzeitig der Export erschwert ist. Wenn Deutschland von diesen Zuckungen einer ungesunden Wirtschaft auch am härtesten getroffen wird, so ist nicht zu übersehen, daß die Stockung im Warenabsatz eine internationale Erscheinung ist. die mit dem Erlahmen der Kaufkraft weiter Verbraucher- kreise zusammenhängt. In Deutschland darf diese Stockung nicht darüber hinwegtäuschen, daß das eigentliche Ucbel, an dem unsere Wirtschaft krankt, nicht Warenüberschuß, sondern nicht ausreichende Erzeugung von Gütern ist. Wenn auf der einen Seite eine Gesundung unserer Verhältnisse nur dadurch herbeigeführt werden kann, daß wir durch Aenderung des Friedensvertrages überhaupt die Möglichkeit zu leben und zu arbeiten Uohalten,*o wird auf der anderen Seite nur intensivste Steigerung unserer produktiven Tätigkeit au! allen Wirtschaftsgebieten uns dio Mittel zum inneren Wiederaufbau geben können. Der Glaube, daß mit einer gegenüber dem Frieden herabgesetzten Arbeitszeit die Bedürfnisse eines durch den Krieg und die Losreißung wichtiger Wirtschaftsgebiete geschwächten Landes befriedigt und der vervlclfr.chto Geldbedarf des Reiches aufgebracht werden kann, ist ein vgrdcrblioh�r Irrtum. Der Geldmarkt und die Anspannung der Banken im Kreditgeschäft boten während des Jahres 1919 ein eigenartiges Bild, das dio ungesunden Verhältnisse widerspiegelt, unter denen sieb unser Wirtschaftsleben vollzieht. Während noch zu Beginn des Jahres Industrie und Handel umfangreiche Bankguthaben unterhielten, führte die durch die Steigerung der Preise und Löhne notwendig gewordene Erhöhung der Betriebskapi- t&iien zu vermehrten Kreditansprüchen, die unter normalen Verhältnissen, ebenso wie die Inanspruchnahme des Kapitalmarktes durch neue Ausgabe von Obligationen und Aktien eine starke Versteifung des Geldmarktes hätte bewirken müssen. Trotzdem war Geld wahrend des ganzen Jahres fast gleichmäßig flüssig, und der Reichsbauk-Plskont betrug unverändert 5%. Die Rückkehr zu normalen Verbältnissen ist nur möglich, wenn es gelingt, in unsere Finanzgebarung Ordnung zu bringen und den Notenumlauf einzudämmen. Wenn damit— ähnlich wie in England und Amerika— auch in Deutschland eine Geldknappheit eintritt, die sich angesichts unserer Verarmung besonders fühlbar machen müßte, so darf nicht übersehen werden, daß nur dieser Weg zur Gesundung führt. Der Gesamtumsatz der Dresdner Bank auf einer Seite des Hauptbuches belief sich auf M. S99 809 415 001,30 gegen M. 192 689 191 0(56,90 im Vorjahre. Die Zahl der Konten stieg von 370 460 in 1918 auf 427 850. Dio Zahl der Angestellten betrug am Jahresschluß 9310 gegen 9539 im Vorjahre. Nach Vornahme umfangreicher Abschreibungen und Rückstellungen vorbleibt ein Rohgewinn von M. 133 007 231,70(gegen M. 74 143 606,15 in 1018). Im einzelnen betragen die erzielten Gewinne 1919 gegen 1918 Sorten- und Kupons-Konto...... M. 2 972 026,25 M. t 334 716,35 Wechsel- und Ziueen-Konto....„ 81 061 450,35 46 �15 724.65 Provisions-Konto-........... 48 227 023.15'.. 22 647 872,50 Konto Dauernde Beteiligungen.. �. ,. 2 364 310,45„ 2 626 607,25 Den erhöhten Einnahmen stehen wesentlich gestiegene Steuern und Unkosten— M. 85 349 192,30 gegen M. 83 940 726,95 in 1913— gegenüber. Die Aufwärtsbewegung der Unkosten erklärt sich vor allem aus den unseren Angestellten gewährten höhereu Gehältern und Teuerungszulagen, deren Steigerung im laufenden Jahre noch anhält, ferner aus dem Umstände, daß die Tantiemen der Filialleiter von den Erträgnissen der Niederlassungen in Abzug gebracht und Uber Handlungs-Unkosieo- Konto verbucht worden sind. Es verbleibt ein Reingewinn von M. 50 658 039,40(gegen M. 34 202 879,20 in 1918)), aus dem wir die Aus-' schüttung einer Dividende von 9%, gegen 7% im Vorjahr, beantragen. Infolge der durch die Steuergesetzgebung und andere behördliche Massnahmen den Banken aufgebürdeten ArbcltslJfst und des zeitweise außerordentlich lebhaften Geschäfts war dessen Erledigung und selbst die Bereitstellung der dazu nötigen Räumlichkeiten in Berlin und an verschiedenen Filialplätzen nur unter größten Schwierigkeiten möglich. Namentlich das Effekten-Kommissionsgeschäft nahm in den letzten Monaten des Jahres einen grösseren Umfang an und steigerte sich im cucn Jahre im Zusammenhang mit der weiteren Entwertung unserer Valuta zu einer solchen Höhe, daß die Bewältigung der Arbeit, selbst nachdem einzelne Wochentage für den Börsenverkehr ausfielen, nur unter größten Anstrengungen und Verzögerungen erfolgen konnte. Seit unserem letzten Bericht sind neue Niederlassungen eröffnet. ordon u a. in Ludwigshafen a. Rh., in Königsberg i. Pr.(unter Uebernahme der Firma Gebrüder Schlimm), in Konstanz und in Mainz(unter Uebernahme der Firma Lebrecht& Bcnfcy). Die Liquidation unserer"«Tllalo London hat weiter Fortschritte gemacht, ohne daß sieh Indessen ois jetzt der Zeitpunkt für dio Beendigung derselben auch nur annähernd übersehen läßt. Durch dio an verschiedenen Plätzen erforderlich gewordenen Neuerwerbungen von Bankgrundstückcn und Erweiterungsbauten um! durch die Rückzahlung von zwei fällig gewordenen Hypotheken erhöhte sich unser Immobilien-Konto auf M. 43 164 230,35. Unser gesamter Immohilfccsitz bleibt mit vertragsmäßig noch nicht ablösbaren Hypotheken im Betrage von 4 001 873,30 belastet. Mit Rücksicht auf Jas stärkere Anwachsen dieses Kontos schlagen wir eine Abschreibung in Höhe von M. 3 000 000,— vor. Die Deutach-SUdamorikanlsche Bank hat, nachdem die bis jetzt fehlenden Zahlen ihrer überseeischen Niederlassungen eingetroffen sind, Ihre rückständigen Bilanzen aufgestellt und verteilt für das Jahr 1919 eine Dividende von 8%. Bezüglich der Deutschen Orientbank Ist im Anschluß an das im vorjährigen Bericht Gezagte hervorzuheben, daß ihre Niederlassungen in Berlin und Hamburg eine befriedigende Tätigkeit entfalten, die Bank aber dio Veröffentlichung von Bilanzen bisher noch nicht wieder aufnehmen konnte. Die Bestrebungen, mit den Organisationen der Angestellten zu inom Reichstarif zu gelangen, sind bisher ergebnislos gebliGben. weil der im März 1050 ergangene Scl'.icdsrprueh weder von den Banken, noch von den Angestellten als geeignete Grundlage betrachtet wurde. Geleitet von dem Wunsche, eine durchgreifende Erhöhung der Einkoramen trotzdem herbeizuführen, beschlossen dio Banken eine Neuregelung, die in Ihrer matcrlelleA Auswirkung dem oben erwähnten Schiedsspruch annähernd entspricht. Diese Neuregelung sowie die inzwischen erfolgte Erhöhung der Teuerungszulagen bringt uns eine sehr beträchtliche Vermehrung der Harsdlungsunkosten im neuen Jahre. üeber einzelne Bilanzposten ist folgendes zur Erläuterung ru bemerken: Wei'tpnpüero und rtaueraelc ISetcJUgnugrcn. Die eigenen Wertpapiere bestanden am 31. Dezember 1910 aus: a) Anleihen und verzinsliche Schatzanweisungen dos Reichs und der Bundesstaaten..... M. 55 499 274,85 (dav. verzinsl. Schatzanweisimg. M. 44 154 138,65) b) sonstigen bei der Reichsbank und anderen Zentralnotenbanken beleihbarcn Wertpapieren.•„ 6 210 857,35 c) sonstigen börsengängigen Wertpapieren..... 54 420 313,40 d) sonstigen Wertpapieren 5 871 553.50 M. 132 001 799,10 In dieser Summe befinden sich Insgesamt ca. M. 83 000 000,— festverzinsliche Werte. Dauernde Beteiligungen bei anderen Banken...........•. M, 53 718 053,15 Konsortlalfoetelllgungs-Konto- Der Gewinn aus Konsortial-Gcschäften und derjenige des Effekten- Kontos ist nach Abzug von 4% Goldzinsen, welche dem Zinsen-Konto zugute gekommen sind, zu Abschreibungen verwandt worden. Der Reicbsanleihe-Aktiengcsellschaft. die von der Reicbsbank in Gemeinschaft mit der gesamten deutschen Bankwelt für die Regelung des Marktes der deutschen Keicbsanleihen errichtet wurde, sind wir mit einer erheblichen Quote beigetreten. Unser Konsortialbetciiigungs-Konto zeigt folgende Zusammensetzung: 1. Acht Beteiligungen an festverzinslichen Werten.. M. 20 977 709,55 2. Dreizehn Beteiligungen an Eisenbahn- und Straßenbahn-Unternehmungen.............. 5 600 074,75 3. Zwölf Beteiligungen an Bankaktien......... 6 592 703,60 4. Drei Beteiligungen an VersicherungB-Gesellschaften.„ 826 573,85 5. Dreiundzwanzig Beteiligungen an Terrains und Terrain-Gesellschaften................ 5 956 991,55 6. Vier Beteiligungen an überseeischen Unternehmungen„ 452 165,— 7. Acht Beteiligungen an elektrischen und Kabel-Unternehmungen................... 2 411 326,25 8. Sieben Beteiligungen an Bergwerks- und Hütten-Unternehmungen................... L 658 008,55 9. Sechsundzwanzig Beteiligungen an anderweitigen Unternehmungen �.„ 5 376 809.80 M. 53 847 857,00 Avale. Die erhebliche Steigerung dieses Kontos Ist ausschließlich eine Folge der innerhalb des Berichtsjahres eingetretenen Entwertung der Mark. Ein nennenswerter Teil der von uns verbürgten Verpflichtungen des Reiches und der Reicbsbank sowie unserer Kundschaft Ist inzwischen im neuen Jahre erledigt worden. Pensipns-Foods-Konto. Das Guthaben dos im Jahre 1879 begründeten Pensionsfonds betrug am 31. Dezember 1913. hierzu. kamen Zinsen im Jahre 1019....... Rückvergütungen des Bcamtcnvcrsicherungsvcreina. M. 7 000 OOO,— 369 849,60 28 785,76 hiervon ab gewährte Pensionen » a• 8» i B Durch die von uns beantragte Zuweisung von.•. wird er die Höhe von............. erreichen. Die von uns an den Beamten Versicherung? verein des Deutschen Bank- und Bankiorgewerhea im Jahre 1919 gezahlten Prämien bcliefen sich auf M. 1 392 363,85. In Uehorcinstlmmung mit dem Aufsichtsratc beantragen wir, den als Ueberschiiö der Aktiva über dio Passiva sich ergebenden Reingewinn von M. 50 653 039.40 wie folgt zu verwenden: Abschreibung auf Bankgehäude.. M. 3 000 000,— „„ Mobilien-Konto.„ 2 218 501,90 Zuweisung zum Pensionsfonds...„ 3 158 540.40 Rückstellung für die Talonsteuer..„ 500 000,— 4% Dividende auf M. 200 000 000,—... in.<00 000.— M. 19 277 042.SO- M. 81 380 907,10 Satzungsgemäßcr Gewinnanteil an den Aufsichtsrat.......... M. 1 900 717,— Vertragsmäßige Gewinnanteile an dio Direktoren und stellvertretenden Direktoren............ 8 742 172,— Gratifikationen an die Beamten,••„ 9 000 000,— 5% weitere Dividende auf M. 260 000 000,—.......„ 13 000 000,— Vortrag............ 3 738 103,10 M. 31 380 997,10 Berlin, im Juni 1020. Der Vorstand. E. Gutmaun. Nathan. JüdelL Ilerberi M. Guimann. Hrdina. Kienmann. Ritscher* Frisch, Enorm billige Angebote! W asch- Blusen Damen- Bekleidung ir 28" ZK" Verschiedene Formen in Voile, BaHst' und anderen Stoffen, in weiß und gemustert. Moderne Formen, auchScho�fasson in Voll- Voile, Batiit und vielen anderen Stoffen. 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Für die vielen Beweis herz- lichster Teilnahme bei der Einä!chetung meines lieben Mannes, des Gewcrlschasts» angestellten Encii Luck !owie(iit die herzlichen Kranz- pende» sagen wir allen, de» 'Ubers den Angestellten der B.ztrksverwallung des r eut- scheu Transparlarbester, Ler- bandes sowie den Sänge, n und Rednern des Wahlvereins und den Mietern des Hauses Dossestr. 6 utt>ern hcrzlir. nen Dank. 14b3d Im Namen der Hinler dl'ebenen Slnilia Ltuk. Nebenverdienst bis 1000 M. monatlich, leicht, zuhause, ohne Vorkenntnisse. Dauernde Existenz. Näheres auf briefliche Anfrage durch: S. Welii'el& Co., Q. m. b. H., BerHn-Llcliterfelde, Postfach 220. , aucherdanh! | DassicherstJWiuel,das Rauchen ganzod-teilw. einzustell Wirkg verblüffend. Ausk. ums. I Inst. Englbrecht, V\ün hen R Kaouzinerstr 9. den vertriebensn Ausland Neulichen u HEINRICH HENNES Alexanderstrasse 54 aem. üflsflssfen- ksßs füt ZsiliöWülf und MlUW. 3> der am Mil: noch, den 30. Juni, abends s Uhr, in der An-a der h esigen Gemeinde- schule, Potsdamer Straße 7, ftattsindenden l4K/l2 AllsschuWtzmig werben die Mitglieder des Ausschusses hierdurch eingeladeu. Tagesordnung: 1. Abnahme der Jahres- rechnung für lgtS. 2 Aende- rnng der Satzung. Z. Illach- bewilligungen zum Boianschiag sllr illlli). gehlendorf, 18. Juni 192». Vor Vorsitzende. R. Richter. Wlfsordcrung Die Witwe Marie Luise Ilaita henrion. geb. Steuzel, aevoren um l Fe.ruar lllbl zu Berl n, preußische Stau sauge- hörige, ist am?9 Dezem. er 1918 veistiUben und wohnte zulert in Berim-Tegei. Schliep rstr.Sl. Geietzliche odcrdurchVeriügung von Todes wegen eingesetzte Erben sind nicht ermitielt worden. Etwaige Erben der Verstorbe- nen werden hiermit auig.» lordsrt. ihre Erbrechte'väteftens am I. November 1920 bei dem unterzeillmeien Nachlaßgericht zu den Akten 19. Vi 301, ib atizumelden. B rliu, den 12. Juni 1920. Amtsgericht Beeiin-Weddin:. Abt 22. ! 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Ferner ist bei Weiteranhalten des augenblicklicken günstigen Weilers mit einem zeitigen Eintritt der deutschen Frühkartoffel- ernte zu rechnen. Aus diesen Gründen braucht in diesem Jahr nicht in demselben Umfang wie in den vergangenen Jahren auf die holländischen Frühkartoffeln für die Versorgung der Be> völkerung zurückgegriffen zu werden. Das Retcbsministerium für Er- nährung und Landwirtschafr hat sich daher entschlossen, von einem zentralisierten Ankauf der Frühkartoffeln in Holland Ab- stand zu nehmen und die Einfuhr der Frühkartoffeln aus Holland und den übrigen angrenzenden westlichen Ländern freizugeben. Da voraussichtlich von Mitte Juli ab deutsche Frühkartoffeln in ausreichendem Umfang für die Versorgung der Bedarfsstellen zur Verfügung stehen, ist jedoch zunächst die Einfuhr biszumLO. Juli befristet mit der Mastgabe, dast nach diesem Zeitpunkt Wagen nicht mehr über die Grenze gelassen werden. Jeder Händler, der beabsichtigt, Frühkartoffeln aus Holland oder den übrigen westlichen Ländern einzuführen, hat einen Antrag an die ReichSkartosfelstelle zu richten, in dem die An- zahl der einzuführenden Wagen und die Grcnzstellen, über die die Transporte geleitet werden sollen, anzugeben sind. Seitens der Reichskartoffelstelle werden hierauf die Grenzstellen mit größter Beschleunigung angewiesen werden, die angemeldeten Wagen über die Grenze zu lassen. Gleichzeitig wird die Frist für die Einfuhr italienischer und spanischer Kartoffeln, die bisher mit dem 3l1. d. MtS. ab- lief, ebenfalls bis zum 20. Juli verlängert. Hollands Brennstoffnot. Die Frage der Kohlenzufuhr bildet in Holland eine graste Sorge für die Zukunft. Die ungenügende Produktion in Deutsch- land und Frankreich zwingt zu Zufuhren aus Amerika, während England, durch die hohen Frachten aus Amerika gestützt, auster« gewöhnliche Preise für Bunkerkohlen ausbedingen kann. Der holländische Reeder zahlt infolgedessen bedeutend mehr als seine englischen und amerikanischen Konkurrenten. Um dem Mangel an Kohlen abzuhelfen, haben sich die Niederlande jetzt gezwungen gesehen, Kohlen aus den entferntesten Gegenden herbei- zubolen. So werden in letzter Zeit beispielsweise Kohlen aus Südafrika und demnächst auch aus Spitzbergen eingeführt. Die Feuerung mit Erdölrückständen hat bisher im allgemeinen nur wenig zur Verbilligung der Heizstoffe beigetragen, da der Mangel an Tankschiffen, die diesen Heizstoff auS dem Erzeugungsland herbeischaffen, sehr grost und die Beförderung sehr teuer ist. Trotzdem haben verschiedene Schiffahrtsgesellschasten ihre neuen Schiffe für Oelfeuerung eingerichtet, in der Erwartung, dast sie bielfach die niedrige« Oekpreise i» den in der TOlhe von Del- gebieten gelegenen Häfen werden ausnützen können. Deutsche Kabelwerke Akt.- Ges. i» Berlin. Ueberschnst 1 332 733(1313: 896 563) Mark. Dividende von 10 Proz. wie im Vorjahre, außerdem aber noch einen Bonus von 5 Proz. Die bei der englischen Tochtergesellschaft des Unternehmens in- vestierten Kapitalien werden chr auf Grund des Valuteuaus gleichgesetzes im laufenden Jahre wieder zufliesten. DaS neue Geschäftsjahr sei bisher sehr lebhaft gewesen, die Umsätze seien über neunmal so hoch als zur gleich«! Vorjahrszeit, und die Gesellschaft sei noch für mehrere Monate mit Aufträgen versehen._ Aus der LuxuSPorzellauindustrie wird von zuständiger Seite berichtet, daß dieser Zweig vom Konjunkturumschwung sehr erhell lich betroffen worden ist. Die fortdauernden Steigerungen der Rohmaterialpreise und die starken Lohnerhöhungen hatten in diesem Frühjahre noch eine Preiserhöhung erforderlich gemacht, die im Zusammenhang mit der allgemeinen Flaute zu erheblichen Annullierungen führte. Wie überall ist zurzeit die Nachfrage schwach. Das Angebot an Ware ist aber auch nicht grost. da infolge der eingeschränkten Kohlenlieferung nur beschränkt gearbeitet werden kann. An eine Ermähigung der Preise ist vorläufig nicht zu denken, da auch die neuesten Lohn- Verhandlungen noch zu einer Lohnerhöhung geführt haben. Vorträge, vereine unü Versammlungen. Reichsbund der Kriegsbeschädigten, Bezirk 9, ÄlO. Dienstag 7 Uhr: Austerordentliche Generalversammlung in den Union- Festsälen, Kreisswalder Str. 22.— Micterverband Graft- Berlin, Gruppe Norden. Generalversammlung in der Brauerei Königstadt,— Der Schulreformer Robert Seidel(Zürich) spricht Dienstag b'L Uhr im Nosenthaler Hos, Rosenthaler Str. 11/12, über daS.Sozialdemokratische Schuldeal'. Die Elternbeiräte sind besonders eingeladen.— Neukölln. Für die Eltern der die 11. Gemeindeschule an der Jonasftraste besuchenden Kinder Montag 7 Uhr. Aula Oberrealschule Emser Straste, Elternversammlung.— Berlin- Lichterfelde. Ocffcntliche Versammlung der Volkshochschule:.Unsere Voltshochschule in Gefahr', Dienstag 8 Uhr im Realgymnasium, Drale- straste. Gerichtszeitung. Das Urteil im Brandenburger Meutcreiprozeff. Brandenburg, 13. Juni. Der Prozeß gegen die Rädelsführer der großen Meuterei im hiesigen Zuchthaus hat heute abend seinen Abschluß gefunden. Die Schuldfrage auf Zusammenrottung, gewaltsamen Ausbruch, Gewaltätigkeit und Widerstand gegen die A n st a lt s b ea m i e n wurde in vollem Umfange von den Geschworenen bejaht. Der Staats- a n w a l t beantragte gegen Anton drei Jahre, gegen Sänger 5 Jahre, gegen Kratzenberg drei Jahre, gegen S ch ü k r i zwei Jahre Zuchthaus, gegen Garsch, Wolff und Jstel je ein Jahr sechs Monate, gegen Gontkiewitz ein Jahr Gefängnis. Das Urteil lautete wegen schwerer Meurerei gegen Anton auf zwei Jahre, gegen Sänger drei Jahre, gegen Kratzenberg eineinhalb Jahre, gegen S ch ü k r i eineinhalb Jahre Zuchthaus, gegen Garsch ein Jahr, gegen Gontkiewitz 6 Monate, gegen Jsaac und Wolff 3 Monate und gegen Jstel eiu Jahr Ge- fängnis. Man vergleiche damft das Urteil im Prozeß gegen die Mar- burger Studenten und man wird zu der Ueberzeugung kommen, dast Justitia immer noch beide Augen fest ver- b u nden hat. Mus aller Welt. Moorbrände i» Hannover. Der feit drei Tagen wütend« Brand des Rissendorjer Moors bei Hannover vernichtete gewaltige Torf- Vorräte. Bei Lehe brennt seit fünf Tagen das Moor. In der Lüneburger Heide steht der ganze Waldbestand zwischen Ilsede, Heinenbruch und Heinkoethen in Flammen. Die Waldungen bei Einen, Haverbeck sind niedergebrannt, wobei viel Wild um- gekommen ist. Der schöne Wald des Jlseder Berges ist gänzlich vernichtet. Auch an der O l d e n b u r g e r Grenze, bei Kuhlen« berg in der Umgegend des Aussichtsturmes auf Schalke und un- weit Hahnenkler im Oberharz haben größere Waldbrände gewütet. Rur starker Regen kann gründlich helfen. Bei dem Großfener ans dem Kruppschen Gelinde in Effen wurden alle Kranken unversehrt gerettet. Verbrechen oder Irrsinn? In Görlitz wurde Freitag die Tochter eines Stadtgartenbesitzers beerdigt. In der Nacht ist von unbekannten Tälern das Grab aufgeschanfelt, der Sarg erbrochen, die Leiche vollständig entkleidet und der Sachen beraubt worden. Die Leiche wurde früh nackt am Grabe aufgefunden. Gar zu wenig Butter hatten lange Zeit die Kattowitzer erhalten. Jetzt ist gegen den auf großem Fuße lebenden Leiter des Lebensmittelamts, Magistratssekretär Pasdziornik. der mit seiner Frau in Bad Reinerz weilte, von dort aber iv-ahr schein«, lich geflüchtet ist, ein Haftbefehl wegen Butterschiebun, gen erlassen worden. Er versuchte vor kurzem einen Waggon gute inländische Butter, weil die Stadt„überversorg t" sei, als„holländische Margarine" an Kattowitzer Kaufleute zu verkaufen. Es handelte sich um SO Zentner, an denen er 73 000 M. verdienen wollte. Wahrscheinlich ist diese Schiebung die letzte von einer großen Anzahl Schiebungen gewesen. Gattenmordprozeß. Das pfälzische Schwurgericht in Zwei- brücken verurteilte den 13jShrigen Hilfsdreher Franz Adam Magin aus Eppstein, der im November auf Bitten und Versprechungen der Frau Barbara Schmitt deren Gatten, den Eisenbahner Peter Schmitt durch drei Axtschläge auf den Kopf getötet hatte, wegen Mordes zum Tode, die Barbara Schmitt wegen Anstiftung zum Totschlag unter Zubilligung mildernder Umstände zu 6 Jahre» Gefängnis. 13 600 Obdachlose hat der Riesenllrand in Kowno zur Folge. öriefkasten Ser Reöaktioa. John, Reinickendorf. Ihr Vorschlag' ist ganz gut, aber wir haben den Roman schon veröffentlicht. A. B. 8700. Ja.— Ma. S. 100. 1. Ja. 812 ff. B.G.v. 2. Das hängt von den Umständen deS Falles ab.— Nt. S. 88. Ja.— G. R. Z. Die Höchstmiete setzt sich aus der Grundmiete, d. i. die Miete, die am 1. Juli 1914 gezahlt wurde, und den Höchstzuschlag zusammen.— G. 43. Zunächst müssen Sie sich an diejenige Stelle wenden, der die Zahlung der Pension obliegt. Erhalten Sie von dort keinen Bescheid, so schreiben Sie an den Regierungspräsidenten.— I. R. 10. 1. Die Steuer- Pflicht beginnt sosort, die Steuerschuld wird aber nur jür volle Monate erhoben. 2. Ja, vom 2S. 6. ab. 3. Ja. 4. An Ihrem Truppenteil. 5. Ja, Volksbund zum Schutze der Kriegsgesanaenen, Lindcnstr. 35. 6. Fragen Sie beim Heeresabwicklungsamt, Berlin, Leipziger Platz 13. an,— H. 1 18. Ja. Wenden Sie sich an die Berussgenoffenschast.— G. 34. 1. 20—60 M. 2. Nein.— K. 36. 1. Richten Sic an den Landrat einen Antrag aus Be. richttgung. Sosern als Geburtsort eine Stadtgemeindc in Frage kommt. muffen Sie sich an den Regierungspräsidenten wenden. 2. Sie haben keinen Anspruch aus das erhöhte Krankengeld.— A. R. 38. Nein — D. K. 6. Jungsozialislische Vereinigung, Fritz Schiost, SO. 16, Schmid- straste 8 a.— A. 37. Fragen Sie beim Verband Gemeinnütziaer Sied- lungsoereine, Berlin, Jägerstr. 13, an'. aunlich billige preise Durch lsebernahme enorm großer Fabrlktäger aus den renommiertesten deutschen SchuHfabriten bringen wir ohne Rücksicht auf die ftüheren Werte nur erstklassige Fabrikate neuester Saison-Artikel zu erstaunlich billigen preisen zum Verkauf leipziger Straße Ecke Zerusalemer Straße Potsdamer Straße 2 Königstraße 25/26 Shausseestr. 114/115 Iriebrich. 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Ein Arbeitgeber, der solche Versuche machen würde, ist nach dem Ein- konlmensteuergesctz persönlich hastbar und macht sich über- dies der Steuerhinterziehung schuldig. Die Vorstände der einzelnen Behörden würden im Falle solcher Vorauszahlungen vermögensrechtlich und strafrechtlich zur Verantwortung gezogen werden. Katholischer Schulstreik. Bon 8000 Kindern katholischer Volksschulen in Herne lWcst- falen) befinden sich seit dem 1. Juni 7500 im Streik. Der Hcrner Zentral-Ellernausichuh verlangt die anderweitige �Verwendung von vier Lehrern, die nicht mehr aus dem Boden der katholischen Weltanschauung stehen! Diese Lehrer haben weitere Erteilung des Religions- Unterrichts abgelehnt. Nach der Reichsverfassung sind sie dazu berechtigt. Der preußische Kultusminister steht auf dem Stand- Punkt, daß unter diesen Umständen es nicht möglich sei, unter dem Druck eines Streiks, den er als ein gesetzlich zulässiges Kampf- mittel unter keinen Umständen anerkennen könne, irgendwelche Schritte zu unternehmen. Dagegen hat er eine Verfügung an die Regierung in Arnsberg erlasien, sofort nach A b- bruch des-" Schulstreiks eine Untersuchung zu veranlassen, ob einer dieser Lehrer im Schulunterricht Aeußerungen getan hat, durch welche die Enipfindungen des gläubigen katholischen Volks verletzt werden. Den Lehrern soll zur Pflicht ge- macht werden, innerhalb und außerhalb der Schule die berechtigten Gefühle Andersdenkender möglichst rücksichtsvoll zu schonen. Zum Schluß wird in dem Erlaß erklärt: so scharf der Minister den Schulstreik mißbillige, so würde er doch zunächst davon absehen, mit P o l i z eistr a s e in einen derartigen Streik ein- zugreifen. Er mache aber ernst und bestimmt darauf aufmerksam, daß die Eltern die schulmäßigen Folgen eines Schulstreiks, ins- besondere die Gefahr einer Nichtversetzung der Kinder, zu tragen haben. Abhilfe des jetzigen unhaltbaren Zustandes erwartet das Kultus- Ministerium von dem Erlaß eines Ndtgesetzes durch das Reich, das die Errichtung weltlicher Schulen zuläßt. tzölz geisteskrank! Nach einer Prager T.-U.-Meldung ist der Untersuchungsgefangene H ö l z in der Strafanstalt Karthaus an einem schweren Nerven- leiden mit Bewußtseinsstörungen erkrankt. Nicht bei allen Gewaltmenschen, die sich als.Politiker' aus« ge�en, ist die Geisteskrankheit, die sie und— ihre Anhänger leitete, so rasch zum allgemein erkennbaren Ausbruch gelangt. Kein Staatsprästüent, kein Oberhaus! Im V e r fa f s u n g S au s schu h der Preußischen Landesver- fammlung gab für die Sozialdemokraten Genosse Hirsch die Er- klärung ab, daß sie bereit seien, vorbehaltlich der Zustimmung ihrer Fraktion an der Einrichtung eines Staatsrats mitzuarbeiten, falls dieser lediglich aus Vertretern bestünde, die von den Pro- vinziallandtagen nach dem Verhältnis wähl recht gewählt würden und falls die Proviniziallandtage selbst direkt nach dem Landtagswahlrecht zustande kämen; dieser Staatsrat dürfe lediglich ein ausschiebendes Veto haben und in keiner Weise durch Mitwirkung bei der Bildung der Regierung, durch die Befugnis zur Auflösung des Landtags oder durch andere besondere Rechte zu einer ersten Kammer ausgeba st Wersen. Gegenüber den Red- nern der Rechten empfahl Genosse Heil mann eindringlich das reine Einkammersystem. Ter Staatsrat, nur aus Provinzvertretern gewählt nach dem allgemeinen Wahlrecht, werde ja nicht viel scha- den, aber noch weniger nützen. Tie»cm Hirsch abgegebenen Be- dingungen /seien die ä u ß e r st e Grenze, bis zu der die Sozial- Demokratie nach Ablehnung ihres grundsätzlichen Standpunkts in ihrer Mitarbeit überhaupt gehen könne. In der Abstimmung wurde die Schaffung eines besonderen Staatspräsidenten abgelehnt, ebenso die Schaffung einer E r st e n Kammer und die Hinzuziehung berufsständischer Per- tretcr oder der Inhaber hoher Staatsämter zum Staatsrat. Hin- gegen wurde grundsätzlich der Staatsratpräsident mit er- weitertcn Befugnissen und gegen die Stimmen der Sozialdcmo- krateu und Unabhängigen bcichlosscn. Die Sozialdemokraten stimm- ten danach auch gegen den ganzen Staatsrat, der von a l l e n b ü r- �«rlichen Parteien grundsätzlich angenommen Ivurdc. Revision ües Türkeivertrags? Trotz aller Truppensendungen nach Kleinasien, wobei Frankreich höflicherweise der Vortritt gelassen wird, geht es dem Entcntemilitär gegenüber der türkischen Arnice herz- lich schlecht. Die Scheinregierung in Konstantinopel hat gar nichts zu sagen, ihre englischen Herren besitzen nur noch ein winziges Stück der asiatischen Marmaraküste, französische Einzelmeldungen beWeifen eine Reihe schwerer Niederlagen, und in Mesopotamien ist es noch lange nicht ruhig. Ob die Armee Mustafa Kemals wirklich sowjetrussische Hilfe genießt, ist angesichts der eigenen Bedrängnis Rußlands fraglich, aber ein wenigstens moralisches Zusammenwirken mit Moskau gegen den gemein- sanien Feind liegt zu nahe, Ucberdies sitzen die Bolschewiki fest in Baku, ini Kaukasus und in Persien. Die Meldung, daß die Entente zu einer Milderung des Türkei- diktats schreitet, ist unter diesen Umständen recht ivahr- scheinlich, zumal eine völlige Niederwerfung Polens, die bevor- zustehen scheint, große russische Heeresmassen zu weiterer Per- Wendung freimachen würde._ Ungarns Gegenbopkott. Budapest, IS. Juni. Hier sind 200 Waggons Weizen und 200 Waggons Mais ans Schleppern ans Jugoslavien ringe- troffen. Diese find sür D e u t s ch ö st e rr r i ch bestimmt, werden aber nicht wehr weiter defördert, wril mit der Boykotticrung Ungarns schon vor dem 20. begonnen wurde, und zwar mit der Zurückhaltung von 20 Waggons Zucker in Wiener Neustadt. In ungarischen Häfen find erhebliche Mengen von Gasöl aus Rumänien ringe- troffen, die von Deutschösterreich sür 52 Millionen gelaust und be- reits bezahlt wurden. Auch diese Sendungen werde» zurückgehalten. A m st e r d a m, IS. Juni. Der Internationale GcwcrkschaftS- bund hat durch Sekretär F i m m e n ein Telegramm an die nngarische Regierung richten lassen, in dem er vor dem am 20. Jnni beginnenden Boykott noch einmal dringend an die ungarische Re- gierung appelliert, genügend Sicherheiten sür die sofortige Be- eadigung jeden terroristischen BorgeheuS und für die Möglichkeit der strie» Entwicklung der Arbeiterbewegung zu gebe». Die Reichs� Letzter Tag. Zu unserem Sonnabendberichl tragen wir noch die Erklärung nach, die der Vertrner des Allgemeinen deutschen Gewer k s ch a f t s b u» d e s zugleich im Namen der Arbeitsgemein- schaft freier Augestellienverbände und der deutschen, preußischen. bayerischen und sächsischen Foribildungsschulvereine zur Frage deS Berufsschulunterrichts abgab. Sie betrifft die Frage der Anrechnung der Unterrichtszeit in den Berufsschtilen(den Fortbildungsschulen) auf die Arbeitszeit und ihre dementsprechende Bezahlung. Diese Forderung wird von der gesamten Arbeiter- und Angestelltcnschaft gestellt. Sie entipringt der Sorge»m das leibliche und sittliche Wohl der jugendlichen Arbeiter. Lehrlinge und Angestellten, sie ist in so hohem Maße deren Gemeingut, daß die Nichtaufnahme einer derartigen Bestimmung in das Gelctz dessen Durchführung zu einem Kampf- o b j e k t machen würde. In der letzten Sitzung am Sonnabendvorniittag wurde zmiächst der Bericht des Ausschusies der Elternbeiräte erstattet. ES waren zwei Berichterstatter bestellt, da eine Einigung über die Zusammensetzung des Elternbeirates nicht erzielt werden konnte. Die Mehrheit will den Elleinbeirat jeder Schule aus den gewählten Vertretern der Elternschaft zusammensetzen und den Lehrern beratende Stimme geben. Die Minderheit, zu der namentlich die Vertreter der katholischen Organisationen ge- hören, will an Stelle der Elternbeiräte sogenannte Schulpfleg- s ch a f t e n setzen, in denen außer den Eltern auch Lehrer, Reli- gionsgemeinschaften, Gemeinden und Staat stimmberechtigt sein'ollen. Es folgt die Berichterstattung über die Verwaltung des öffentlichen Schulwesens im Reich. Hierzu werden folgende Grundsätze aufgestellt: Das Reich stellt einheitliche, für alle Länder verbindliche Grundsätze iiir einen organischen Aufbau und Ausbau des nationalen Erzichungs- und Unterrrchtswosens auf. Insbesondere sind reichsgeseylich und rerchseinheitlich festzulegen die Grund- sätze für die Lehrerbildung, sür das Mindestmaß des Schulziels der einzelnen Schulgattungen, für das Mindestmaß der Förde- rungs- und Uebergangseinrichlungen zwischen den einzelnen Schul- gattungen zur Verwirklichung der Einheitsschule, für Einführung eines einheitlichen Schuljahres und einheitlicher Bezeichnungen, sür wechselseitige Gültigkeit der Zeugnisse und für Ausstellung einer einheitlichen Schulstatistik. Zur Erfüllung dieser Aufgaben ist die Schulabteilung im Reichsministerium des Innern zu einem selbständigen Rcichsschul- amt auszubauen, dem ein ständiger Reichsschulrat an die Seite zu stellen ist. In den Ländern bewährte Einrichtungen find, soweit es mir der Einheitlichkeit irgendwie verträglich ist, zu schonen. In welchem Umfange die Gemeinden an der Verwaltung der Schulangelegenheiten zu beteiligen sind, entscheidet die Landes- gesetzgebung. Auch diese Gelegenheit benutzen wieder die konfessionellen Vertreter, um die Frage der konfessionellen Schule auf- zurollen. Sie fordern insbesondere einen Kongreß zur Borbereitung des AusführungSgesetzes zum§ 146 der Reichsverfassunq. UnterüuatSsekrelär S ck u l z betont, daß es absichtlich vermieden worden sei, die konfessionellen Gegen- sätze auf dem Gebiet des Schulwesens in diese Konferenz hinein- zutragen, und bittet die Teilnehiner, siib a u ck> daran zu halten. Ein Kongreß zur Vorbereitung des erwähnten Ausführungsgeietzes sei unmöglick!, da er notwendigerweise zu einem Kriegs schau- v l a tz der Weltanschauungen werden müßte. Die Forderung eines R e i ch s s ch u l o m t s fei nadb Errichtung der selbständigen Schul- abteilung im Reicbsministerium nicht inehr zeitgemäß. Es folgt die Berichterstattung des Ausschusses für den Schltlaufba». Oberstudienrat Kerschen st einer gibt ein Bild der zutage ge- tretenen Gegensätze, zwischen denen eine Einigung nicht er- zielt werden konnte. So kann denn dieser Ausschuß als ein- ziger von allen dem Pleniim keine Leitsätze vorlegen, sondern über- reicht nur eine Zusammenstellung der 66 Anträge. Im Anschlliß an den Bericht werden, entsprechend den vor- handenen gegensätzlichen Anschaliungcn, nicht weniger als 23 f o r m u- lierte Erklärungen abgegeben. Von den Vertretern der Kirche, die auch hier wieder sür Konfessionalität eintreten, den Sprechern der Philologenverbände und der Universitäten, die die alte Schule erhalten wissen wollen, geht es bis zu den K o m- m u n i st e n, die darauf hinweisen, daß die Machtposition der noch immer herrschenden Klassen nur von der kämpfenden Arbeiterschaft beseitigt werden lönnte. Aus der Erklärung, die Professor O e st r c i ch sür die entschiedenen Schul- r e s o r m e r abgibt, beben wir folgende Sätze heraus: Wir fordern nach wie vor die eine große Schule des Volkes, welche sich inner- lich in Arbeitsgemeinichaften gliedert. Die in starren oder festen Strängen äußerlich differenzierte Standes-. Klassen- und Lern» schule lehnen wir ab, wir verlangen die Arbeits- und LebenSschule, die Schule als Jugendleben, zugleich als Produklionsschule. Die allniählich einsetzende innere Differenzierung nach umstellbaren Arbeitsgemeinschaften hat in tvahlfreien Kursen um einen nach und nach immer weniger Stunden unifassenden«Kern'-(Mtniinal-) Unterricht zu erfolgen. Für die Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Lehrer fordert Dr. L o h m a n n die Verlegung des Schulbeginns auf das sie- beute Lebensjahr»nter Voraussetzung eines vorhergehenden obligatorischen Kindergartens. Die Grundschule selbst muß. solange eine wirkliche GcmeinichafissSule nicht allgemein durchführbar ist, mindestens s e ch s j ä h rig sein. Die Erziehung der Geschlechter soll grundsätzlich gemeinschaftlich sein. Die lange Reihe der Berichte schließt mit der Berichterstattung des Ausschusses sür Lehrerbildung. Hier hat man sich grundsätzlich auf die Forderung des einheitlichen LchrerstaiideS und der Hochschulbildung für alle Lehrer aeeiniat. Differenzen bestehen nur darüber, ob die Vorbildung als Volksschnllehrer auf den bestehenden Universitäten und Hoch'chulen oder auf besonderen pädagogischen Akademien erfolgen wird. Die Um Irland. London, IS. Juni. lRenter.) Der Eisenbahnerführer Thomas teilt mit, die Eisenbahnerabordnung habe Lloyd George vor- geschlagen, die Regierung möchte die Sendung von Truppen und Munition nach Irland e i n st e l l e n. Dafür würden die Eisen« babner an daS irische Volk einen Aufruf richten, Verbrechen, Ge- waltiätigkeiten und Ausschreitungen jeder Art zu unterdrücken. Während dieses Waffenstillstandes würden die englischen und die irischen Gewerkschaftskongresse zusammenkommen. Hier- auf solle die Regierung mit den Vollzugsausschüssen der zwei Kongresse beraten, um eine endgültige Lösung der irischen Frage anzustreben. Die Regierung lehnte es ob, die Entsendung von Truppen und Munition einzustellen, sie werde aber alles tun, um eine Herausforderung zu ver- meiden und werde mit jedem Vertreter englischer und irischer Körperschaften einschließlich von Vertretern der S i n n f e i n e r Be- sprechungen abhalten. Weiter könne die Regierung nicht gehen. Thomas fügte hinzu, die Regierung beabsichtige, falls die Eise«- �**1� Vttl vorhandenen Gegensätze in der Anschauung sind auch unüber« b r ü ck b a r. Mit lebhaftestem Beifall begrüßt und unterstützt die Konferenz die folgende Anregung Wynelens; Die Reichsschiilkonferenz richtet an das deutsche Volk, die Regierungen, Parlamente, Städte, Industrie, Handel, Landwirt- schast, Arbeiterschaft usw. die dringende Bitte, alsbald durch Stis- tungen und Sammlungen— jeder gebe nach seinem Vermögen: viel oder wenig!— einen Vielmillionenfonds für Versuchsschulen zu schaffen, damit für bedeutsame Erzieherperiönlichkeiten und neue Auffassungen von der Schule die Möglichkeit der praktischen Erprobung bestehe. Einem vom Reichstag proportional der Varteienslärke zu besetzenden Kulturrat wäre die Entscheidung über die Verteilung der zur Verfügung stehenden Summen zu übertragen. Er hätte dabei möglichst den pädagogischen Neu- versuchen aller Richtungen gleichmäßig gerecht zu werden. Es folgen die Erklärungen der Vertreter verschiedener Grupve», die zu dem Gesamtergebnis der Konsereuz Siellung nehmen. Die Erklärung der sozialistischen Fraktion, die Nydahl abgibt, stellt nach einer Anerkennung des erzielten FoUschriltes fest, daß die Konferenz nach ihrer Zusammensetzung wie nach der Art ihrer Beratungen nicht imstande gewesen sei, den auf durchgreifende Erneuerungen der Schule gerichleten leiden- schaftlichen Streben weiter Kreise der Lehrerschaft und breiter, auf- wärtsstrebender Volksschichten gerecht zu werden. Und fährt fort: In den großen Streitfragen der Lehrerbildung und des Schulaufbaus sind keine entscheidenden Ergebnisse erzielt worden. Auf die Abstimmung über die wichtigsten Fragen wurde verzichtet. Die überwiegend auf Organisationssragen ge- richtete Tätigkeit der Konferenz hat eine Reihe der bedeutsamsten Fragen, so die der W e l t 1 i ch k e i t der Sämle, des G e- » schichtsunterrichts und der materiellen Versorgung der Schüler nicht zur Verhandlung kommen lassen. Die Erklärung schließt mit der Versicherung, daß nur eine durchgreifende Umgestaltung der Schule im Geiste der vollen Demokratie und des Sozialismus imstande ist, der Ausgabe der Erneuerung unseres Volkslebens mit Hilfe vertiefter und erweiterter Schulbildung voll gerecht zu werden. Der Erzbischof von Bamberg fordert namens des Ept- flopats religiösen Bekenntnisunterricht, wenig st ens in bis- herigem Umffange, und die Bestellung nur kirchlich gläu- btger Männer zu Schulleitern. Dieser Erklärung schließt sich Marx namens der katholischen Organisationen an. Als letzten Punkt der Tagesordnung n.mmt die ffionfereuz daS Referat über das Auslandss chulwesen entgegen. Im Anschluß hieran führt Professor Ludo Hart- mann, der deutschösterreichische Gesandte, mit lebhaftem Beifall und Händeklatschen begrüßt, etwa folgendes aus: Deutschösterreich fühlt sich nicht als Ausland, und nur mit Widerstreben berichte ich also an dieser Stelle der Tagesordnung über unser Schulwesen. Die Schule ist der Spiegel der K u l- t u r eines Staates. In gewissen Punkten war das österreichische Schulwesen dem reichsdeutschen bereits seit langem überlegen. Wir haben die interkonfessionelle Schule schon seit fünfzig Jahren.(Lebhaftes Hört! hört! und Bravo!) Die Entwicklung der Schule wurde aber gehemmt, weil der bankerotte Staat die Schul- lasten auf die nicht leistungsfähigen Gemeinden abwälzen müßte. Dazu kommt, daß das Kulturniveau innerhalb Oester re ich--U ngarns äußerst ungleich war. Das Kulturniveau eines Landes richtet sich aber nicht nach der besten, sondern nach der schlechte- st e n Schule, die es besitzt. Deutschösterreich will nun den Neubau seiner Schule gemeinsam mit dem seiner deutschen Brüder unter- nehmen. Es muß jedoch gesagt werden, daß ein gewisser Zunft» g e i st dem kulturellen Zusammenschluß hinderlich werden kann. Wir müssen aber zusammenarbeiten. Wir wollen keine Wieder«'? aufrrchtung des Metternichs chen Systems. Wir wollen� auch nicht den alien gotischen Bau aufs neue errichten, sondern einen neuen Bau, der auf den gemeinsamen nationalen F u n d a m e n t en ruht, um über sie hinauszu streben zur Intern ationalttät.(Stürmischer Beifall auf allen Seiten des Hauses.) Reichsminister des Innern Koch: Die Konferenz konnte nicht besser ausklingen, als daß am Schluß ein Vertreter unserer Brüder sprach, die keine staatliche oder überstaatliche Willkür von ihrer inneren Zusammengehörigkeit mit uns lösen kann. (Lcbh. Zustimmung.) Trotz mancher Zusammenstöße sind wir uns darin einig, daß die Konferenz uns vieles gebracht hat. Unsere Hofsming, einen Grundstein legen zu können für die Aufgaben der Schulgesctzgebung, hat uns nicht getrogen. Wir haben in enger Zusammenarbeit die Grenzen des Möglichen kennengelernt. Unendliche sachliche Schwierigkeiten sind noch zu überwinden. Unser Volk ist in seiner kulturellen Auffassung weniger einheitlich als die anderen Völker. Der Kampf kann und wird nicht ruhen, �ber er muß versöhnlichere Formen annehmen. Wir müssOi erkennen, so bitter es auck sein mag: Deutschland ist das Land der begrenzten Möglichkeiten.' Versöhnung und Ausgleich braucht unser armes Vaterland so not- wendig, wie nichts anderes. Gerade die Erzieher des Volkes sind berufen, daran mitzuarbeiten. Die kulturellen Fragen dürfen nicht in den Hintergrund treten gegenüber den wirtschaftlicben und politischen. Der erste deutsche Reichswirtschaftsrat tritt soeben zu- sammen, der deutsche Neichskulturrat muß ihm folgen.(Lebhafter Bestall.) Oberstudienrat Kerschen st einer dankt dem O r t s a u S- s ch u ß für die treffliche Vorbereitung der Konferenz und dem Unterstaatssekretär Schulz für die ausgezeichnete Leitung der Verhandlungen. Wir alle haben vor der Konserenz ein leises Gruseln verspürt. Der Leiter der Verhandlungen hat es aber ver- standen, den Sandbänken auszuweichen, die sich der Fahrt entgegenzustellen drohten. Er hat in konzilianter Weise das Steuer unseres Schiffes geführt und im Sturm Oel auf die Wogen gegossen, so daß das Schiff nicht untergegangen ist. Darauf schloß RetchSminister Koch die Konferenz kurz vor 3 Uhr. Sahner auf ihrer Weigerung. Truppen und Munition zu befördern. verharren, die irischen Eisenbahnen stillzulegen, was eine äußerst ernste Lage hervorrufen würde. Irland macht sich selbständig. Rotterdam, IS. Juni.(W.T.B.) DaS offizielle Organ der Sinn- feiner meldet, daß die irischen Freiwilligen zwischen dem 3. und 15. Juni„84 Berhaftunaen" vorgenommen haben. Es seien nun- mehr 41 republikanische Gerichte in Tätigkeit. Zur Sklarzuntcrsuchung wird offiziös gemeldet: Die Sache wird von der zuständigen Staatsanwaltichait mit tunlichster Be- schleunigung betrieben, hat aber bei der Fülle des zu untersuchen- den Stoffes noch nicht zum Abschluß gebracht werden können. Die bisherigen Ermittlungsergebnrffe haben� der Staatsanwaltschaft noch keinen Anlaß zur Erhebung einer Anklage ergeben. Ter frühere bayerische Justizminister v. M i l t n e r ist, 64 Jahre alt, gestorben. Er hatte seinerzeit auf sozialdemolrarische Anregung die öffentliche Befragung»ach de» Borprasen abgeschafft. OewerMastsbewegung verbanöstag öer Suchörucker. Nürnberg, 18. Juni. Nock den ganzen gestrigen Nackmittag wogte der DkeinungS. kämpf über die NenorientierungSfrage hin und her. Auster weiteren Rednern beider Richtungen kamen auch der Vertreter des GeWerk- fchaftSbimdeS Gratzmann- Berlin und die Vertreter der anderen graphischen Verbände zum Wort, um ihreu Standpunkt zur Frage des Induitrieverbandes darzulegen. Nack beendeter Debatte wurden alle Anträge, die sich mit dem Unterstützungswesenl und dergleichen befasse», einer„inaieriellen" Kommission und die Antrage, die sich auf die prinzipiellen Fragen beziehen, einer.ideellen" Kommission überwiesen, ebenso wurde eine Kommission zur Vorbereitung der Wahlen gebildet Der fünfte Verhandlungstag beginnt mit einer nachträglichen Begrüstung deS Verbandstages durch den Vertreter des Schweizer Thpographenbundes Schlumpt-Bern ini Namen der Schweizer Kollegen und der Sckrolariatbkommission des internationalen Buch- druckersekretariats. Er weist darauf hin. dast auch die Schweiz die Kriegsfolgeu schwer zu verspüren hat. In politischer Be- ziehung liegen die Verhältnisse ähnlich wie in Deritschland: die Arbeiterschaft ist in verschiedene Richtungen zersplittert, was ihr schon schwere Niederlagen eingebracht bat. Redner hebt die schwierige Lage des intern. Sekretariats helvor, das mit Schulden wirtschaften mnst und nur schwer die serbischen Buchdrucker in ihrem Existenz- kämpf unterstützeil kann. Wenn auch die internationaleii Be- ziehungeu zurzeit noch sehr locker und zerrissen sind, so ist der Redner doch der festen Ueberzeugung, dast die Zeit kommen»mst, wo man überall in allen Ländern einsehen wird, dast der inter- nationale Auiainmenichlust der Arbeiter notwendiger ist als je zuvor. Die grasten Probleme, die ans der Tagung der deutschen Buch- drucker ausgeworfen wurden, lönnen nicht in einem einzigen Lande allein, sondern nur international geregelt werden. Es folgen dann die Schtustworte der beiden Referenten. Kor- reterent Böttcher- Leipzig bemüht sich, die Einwände gegen seine Ausführungen zu entkräften und beharrt auf seinen Forderungen, während nach ibm der Referent F Ü l l e diesen Forderungen in ein- aeheude» Ausführunaen entgegentrilt und die Argumente der Oppoiirioiisiedner zurückweist. Damit ist dieser Punkr erledigt bis auf die Abstimmung, die erst erfolgen kann, wenn die Kommission mit ihrer Durcharbeitung der Anträge fertig ist. Neber den nächsten Punkt.Anträge znnl Statut" hält Vorstands- Mitglied Glaser ein kurzes Referat. SsMerkschaftlichs /trbe»terbeWeZung in polen. Kürzlich lagte in Warschau der Kongrest der freieu Gewerk» schafieu Polens. Als erster allgemeiner Geweitschaftskongrest halte er über Richtlinien, Zentralisation und Organisationsiorm der polnischen freien Gcwerlschaftsbewegnng zu bestimmen. Es traten talttschc Än'chauungen zutage, die sich von denen der westeuropäischen GewerkickaflSbewegung merklich umericheiden, doch wurde im allge- meinen anerkannt, dast die Gewerkschaften sich j e d e r ll t o p i st e r e i zu e n t h a l l e n und sich hinsichtlich der proletarischen Daseins- bedingniigen aus den Boden der Talsachen zu stellen haben. In dieser Richtung bewegen sich auch die Beschlüsse und Resolutionen. Die Kommunisten versuchten, dem Kongrest ihren negierenden �.andpunkt in gewerkschaftlicher Beziehung aufzudrängen, was ihnen indessen nicht gelang. Ihr kommunistisches GewerkichaftS« Programm fand nicht die Billigung der Delegierten, desgleichen wurde ihre Kandidatenliste zur Zentralkominissioil mit groster Sliminenmehrheit verworfen. Die sogenonnten Scheidemannv er bände in Preuhisch- Polen wurden vom Kongrest vorläufig anerkannr. bis die Zentral- kommission diese Angelegeichcit an Ort und Stelle unlersuchr haben wird. Dann sollen diese Verbände, also die deutschen ireien Gewerk- schalten, der Zentralkommission in Warschan angegliedert werden, denn zwei Richtungen innelhalb der freien Gewerkschaftsbewegung könnten nur die notwendige Einigkeit des Proletariats stören. Bemerkenswert ist die Feststellung, dast der Kommunismus in Polen immer mehr an Anhängern verliert. Die früber indifferenten Massen sind ihm scharenweise zugeströmt. jetzt aber, wo sich die auf ihn geletzten Hoffnungen nickt vor- wirklichr haben, schwenken sie wieder ah und schliehen sich den gelbnationalistischen Organisationen an. Sie haben den SozialtsmuS nach wie vor nicht begriffen und gleichen darin den deutschen Konimiinisten, die sich ja auck meist aus ehemals gelben und indifferenten Elementen zusammensetzen. Im Kohlen- revier Donibrowa z. B. sind viele kommunistische Gewerkschasts- filialen zum gelben nationalen Arbeiterverbande übergetreten, ebenso in Lodz.>vo die gelbe nationale Arbeiter- Partei im ichnellen Wachstum begriffen ist. Die angenommenen Entschliestnngen fordern die Arbeiterklasse aus, den Kampf um eine neue Gesellichaltsordnung niit xillcr Energie zu tübren und sich auf die führende Rolle im Wirtschaftsleben durch rastlose Schulung und Aufklärung vorzubereiten. Weiter verlangt der Kongrest stufenweisen Abbau der Kapitalmacht zugunsten der Arbeite» klasse durch Einsübrung der Betriebsräte, Wort-, Bersamm« lungs- und Slreikfreiheit, kurzfristige Tarifverträge, gleitende Löhne, Arbeitsnachweise unter Führung der Arbeiter, Mitbestimmungsrecht bei Einstellungen und Entlastungen, wirlsamen Arbeiterschuy, Ar- beitsverbot für Jugendliche beiderlei Geschlechts bis zu 16 Jahren, stufenweise Verkürzung der Arbeitszeit, Zwangsurlaub, soziale Versicherung auf Staatskosten. Uin diesen Forderungen Geltung zu verschaffen, sei>ein lückenloser Zusammenschluh des gesamten Proletariats notwendig, was erreicht werden kann durch starke Judustrieverbände mir zentraler Grundlage. Diele Verbände dürfen aber nicht als llilterstützungsvereine angesehen werden, sondern als reine Kampforganisalionen. Darum müsse vor allen, der Kampffonds genärkt und aufgefüllt werden. Nach einer Statistik des Arbeitsmiiiisterinnis sind in Polen 917 6(X> Arbeiter gewerkschaftlich organisiert. Davon gehören nur 59 v. H. den freien Gewerkschaften an mit Emschlust von 92 609 jüdischen Arbeitern, die wiederum in drei Richtungen zerspllltert sind. Reaktionäre Lüsten. Rechtsstehende Blätter haben behauptet, dast in einer Versamm« lung im pommeifchen Kreise Franzburg die ioziaidemolrati- scheu Landarbeiter den Beschlust gefastt hätten, dast sich alle im Landbund organisierten Arbeiter bis zum 15. Juni„rot" zu organ- sieren hätten, anderenfalls sollten die Arbeitgeber geznurngen werden, die sich Sträubenden unbarmherzig auf die Siraste zu setzen. Der Landrat des Kreises Franzburg, Bülow, sollte an dieser Versammlung teilgenommen haben. Jetzt hak Landrat Bülow demgegenüber festgestellt, dast die Berichte über die Veriaiiiinluiig in vollen II m f a n g e unwahr sind. Tatsache ist denn auch, dast Landrat Bülows Bestreben dahin geht, wilde Streiks in seinem Kreise zu verhindern. Es ist daher gerade anlästlich der neuen Hommerschen LandarbeiterstreikS wertvoll, festzustellen, wie die Er- regung unter der Arbeiterschaft inimer wieder künstlich durch rechts- radikale deinagogische Elstudungen geschürt wird. Die Lage der Ncchtsanwaltsanstestellten. Wohl in keinem Beri/fSzweige dürste die Entlohnung der Ange- stellten als so miserabel angesprochen werden können, wie dies bei den Angestellten der RechtsannKilte in Groß-Berlin der Fall ist. Man sollte meinen, dast die Herren Arbeitgeber durch die einge- tretenen Perhältnisse nach Kriegsende umgelernt hätten. Aber weit gefehlt! Nach langen Kämpfen Ivurde erreicht, dast die Ang'e- stellten mit ihren Arbeitgebern zuin Abschluh eures Tarifvertrages kamen, in dem Gehälter festgesetzt wurden, die so niedrig gehalten waren, dast sie den gesteigerten Lebensbedürfnissen in keiner Weise gerecht wurden So erhalten z. B. Lehrlinge im ersten Lehrjahr 76 M., im zweiten 95 M., im dritten 126 M., Angestellte, die mit Kanzleiarbeiten und dergleichen beschäftigt werden, Bezüge von monatlich 226 M. und schliestlich nach 9 Berufsjahren 116 M. An- gestellte, die oualifizierte Arbcitcar auszuführen haben, bezkbeir im Alter bis zu 25 Jahren 516 M., b s zu 36 Jahren 586 M. und über dixscs Alter hinaus schliestlich 656 M. Endlich erhalten Angestellte, die in leitender und verantwortlicher Stellung sich befinden, soivcit sie unter 36 Jahre alt sind, 716 SR., ältere Angestellte 825 M. Gehalt. Irgendwelche Teuerungszulagen oder Zuschläge für ver- heiratete Angestellte sowie für solche, die unterhaltsberechtigte Kinder haben, werden nicht gewährt. Die Angestellten hatten nunmehr, um eine einigermaßen an- ständige Regelung ihrer Gehaltsbezüge zu erzielen, das Reichs- arbeitSininisterium angerufen und gebeten, dast dieses sür� eine Besserstellung der Gehaltsbezüge der Angestellten eintreten sollte. Am 18. d. Ms. hat vor dem Reichsarbeitsininisterinm unter Bor- sitz des Geb. Regierungörats Wulff als unparteiischein Vorsitzen- den eine Schlichtungsausschustsitzung stattgefunden. Die Angestellten hatetn unter Beibringung von ausreichendem Material eine Eni- lohnung gefordert, welck�e den heutigen Verhältnissen einigermahcn Rechnung trägt, und den SchlichtungSauSschust gebeten, an Hand dieses Materials den Angestellten solche Einkommen zu bestimmen, die ein Existenzminimum gewährleisten. Trotz stundenlanger Verhandlung ist eS nicht gelungen, zu einer Einigung zu kommen, auch ist eS nicht möglich gewesen, dast der SchlichtungSauSschust zu einem Schiedsspruch, kam. Die Anwaltsangestellten sollen also mit ihren sctzigen Hunger- löhnen weiter abgespeist werden, trotzdem die Rechtsanwälte und Notare eine Erhöhung ihrer Gebühren von 166 bis 266 Proz. durchgesetzt haben und trotzdem sie noch zu den gesetzlichen Gebühren von ihren Auftraggebern einen Teuerungszuschlag von 56 P:oz. und in einem erheblichen Teil von Prozessen auch noch Extrahouorare sich zahlen lassen mit der Begründung, dast die Unkosten, insbe- sondere die Gehälter ihrer Angestellten, in solch er- heblichem Mäste gestiegen seien, dast sie nicht in der Lage wären, mit den gesetzlichen Gebühren ein standcsgemästes Dasein zu führen. An den Angestellten der Rechtsanwälte- und Notare wird es nun liegen, sich endlich aufzuraffen und zu zeigen, dast sie nicht länger gewillt sind, zu solchen menschcnunwüroigen Gehältern sich ausnutzen zu lassen_ Rochmals das soziale Empfinden des„Freiheit"-Verlages. Die.Freiheit' antwortet in ihrer Sonnabend-Abendausgabe auf unsere Darlegung des unio palen Verhaltens ihrer Geschäfts- leitung gelegentlich der Errichtung der eigenen Druckerei wieder in der bei ibr üblichen Manier. Sie vorenthält ihren Leiern auch weiierhiir den Sachverhalt und schimpft erneut wie ein Fischioeib seligen Angedenkens. Der Ruhm soll ihr neidlos bleiben! 'Zur Sache selbst ermcht uns unser Geivährsmann um Auf- nähme folgender Erklärung: Obgleich ick mich gegenüber Herrn Dr. Hertz, Redalieur der .Freiheit", als Gewährsmann des.Vorwärts" für die beiden unier .Soziales Empfinden des.Freiheli"-VerlaaeS" erschienenen Ver- öffenilichungen bezeichnet habe, bringt die Abendausgabe der.Frei- heit' vom 19. Juni die unwahre Behauptung dast der Verfasser der.Lügen" diese nicht mir seiner Person deckt. Die.Freiheil" ziebi eS noch immer vor, dieie.Lügen" ihren Leiern vorzueuthatten. Karl Fritsch, Mitglied des Betriebsrats der Lindendruck:«!. Quittung. Für den in bedürftige» Perbältnisieu lebenden Genossen Zimmermann M ar zia n ii. Notiz.Aus den Kindheitstagen der Gelverkschaftsblwepung" in Nr. 867> giiigen bei uns ein: Doppelt gibt, wer schnell gibt 5 M., H. W. 5 M. Berbond der Fabl'iknrl'citer. Für die in Parfümsabriken be- libästigten ktallegen uns Kolleaimicn sindel am Montag, den 2t. d. M. abends 7'/, Uhr, in der Schnlaula der 123. AeineinSelchule. Annenftr. Ib. eine äußerst wicliligc Brancheuoersammluliz stait. TagcöorditiUig: Unser Lohntaris. Aiitgliedsbiich legitinüert.tz Zriilrnlverband der Angestellte». Versammlungen am Monlag, den 2l. Jim!. Fachgruppe 2a tMagistrotsbilssträstes: nachmittags 5'/, Ubr, in den Kninmersälei'. Zeltomer Siraste, Lcke BelIe-AlIiance,S>la>!?, Mit- glieder-PolloersainmIung. Aus der Tagesordnung ilcht die Nichtanerkennung des SchiedSsprilcheZ durch den Magistrat.— Fachgruppe 6 b(IpeSitions- nngosfcÖlc): Betriebsräte! Funktionäre! Wichtige Belvrechmig, 7 Ubr, bei Porler. Weberstraste, mit den Funkllonärcn der Rollkulichcr»nd Truns- portarbeiler.— Fachgruppe 17 IIa lTabak): Mitgliederveriammlulig, 7'/, Uhr, Mllsikcriäic. Kaiser-Wilhelm-Straste 31. WaS gebt in der SigaicÜen-Fndiisliie vor?— Abends 7 Ubr im Ortsbureau, Berlin 81V6l, PelIe-?Iiiiance-S!r. 7/10, 2. Hos links 3 Treppen(rolcr Saal). Bersamm- >ung aller Mitglieder, die in der Beleuchtungskörper-, Bronze- und Metall- warensabrikntioii beschäiligt find.— Deisammlungen am Dienstag, den 22. Juni. Fachgruppe It g IBerband-Zellitoffe): Mitglicdervcriammiung 7". Uhr, Musiker che. Kaiskl-Wilhclm-Str. 31.— Fachgruppe 17 l Butter): össcntltchc Versa nun lung. S Uhr. Prachtiäie Alt-Berlin, Blumenflr. 10.— Versaininliingeii am Mitlivow, den 23. Juni. Fachgruppe 1 ü(Krankel!- lassen): Be'prichungen der Gcichästssiibrer, Zabiilellen- und Abteilung-?- Vorsteher der Grost-Berliner Krankenkassen, 1 Uhr, Zum Kuimbacher. Friedrichsgracht 50. Betriebsräte der graphischen Industrie l Dienstag, den 22. ds, nachm. 5 Ubr, im Saal 1 des(SewelllchaslShauses, Engeluser 15: Boll- vcriamniluiig aller in der graphische» Industrie beschäsliglen Belriebsräle, Graphisches Kartell. Die Rätc-Ze»lrale. Ter Srenerabzug und seine Wirkung für die Angestellten. lieber dieies Thema wird in einer Bersamm. ung aller BclrirbSräle. An- geslelltenräte, Velrilbeodicul« und aller Funltionäre der Asa-Berbande uächslcii Donnerstag, den 21. ds., abends 7 Ubr im KriegervereinShaus, Chauiieesw St, RcchtSatNvalt Richard Becher sprechen. Gruppcnrätr der Asa! Die neulich gcivlihUcn Gruppenräte aller Gruppe»»criammeln sich Montag, den 21. ds., nachm.. 511, Uhr, in der Bierglocke. Bcllc-Alliance-Slr. 106. Asa, Ortskartell Grost-Berlin. Teutschcr Werkineisterverband. Versammlung aller Werkmeister der G e s u n d h c i t s- J n d u st r i e Dicnslag, den 22. Funi, abends 5 Ubr, im Bureau, stralauer Str. 56.— Versammlung aller Werkmci-er und Ableilungsoorsleher der Buchdnickereien und GelchästSbüchcriabrikeu Dienstag, den 22. Juni, abends 5 Uhr. Stallschreibcrstr. 5. Triitichcr Trane-Portarbeiter> Verbnnd. Tiausporlarbeiter in städiischcn Betrieben, Hasen, und Speicherarbeitcr, Sameiidaudl ingen, Zcmeiitzciitrale, Freitag,»en 25. Juni, abends 6 Uhr, im Köuigstadtkajino, Holzmurllfir. 72, Ecke Alexanderstraste: Brunchenveisammiung. Tages- ordnung: l. Bericht über die Bcrhandlung über§ 16 de? Tarif« Beitrages. 2. Stellungnahme zum neuen Lohuiaris.— Gewerbliche An- gestellte der Kricgsorgaiilsalionen. Montag, den 2l. Juni, nach- mittags 5 Ubr, im Friedrich-Wslhelm-Gymiiasium, iiochsw. 13: Vollversammlung. Tagesordnung: Bericht über die VerhnndilutGrn. Lerantw. sür den rcda't. Teil: Dr. Weriilr Pciscr, Ebarlottcvl'urg: für Anzeigen: Tb. Gloite, Perlin. Verlag: Vorwäris-Verlaa G.m.b.H., Berlin. Druck: Vor- Wärts-Luchdruckerei u. Berlagsaniialt Paul Zinger it. Co., Berlin, Lindensir. 3. "IHM 3 Pellantn. 1 älne* u. T ZKK. mit Trisdenshantsehuh 5 Jahre schriftl. Garantie. Zahnziehen mit Betäubung bei Bestellung von Gebissen gratis. Kronen v. 30 Mk. an. Spez.: Zahne ohne Gaumen. Keine Luxuspreise. ahn-Praxis Kstüani, teiger Sirajlß 1. Neue Preise! Stoffhandschuhe �25 für Damen, farbig, mit zwei'/ DruckknSpfen...»»«.»«e go»lrvM u. tcsrisrt «vM v. färb., 60 em br. Bastseide etwa»s«m breit Halbseidener Kte®® In vlslen Psrben........ Tüffef für Unterrocke, etwa 60 cm breit. Baumw�ll-Musseüne........... OedfUCkS®!1 In groüer Musterauswahi Weißer belekter Batist e;waiiocm breit W®P�0r �©ü'Je etwa IIS cm breit....... bedruckt, viele Muster, etwa 100 cm br. iCßeiÖerSeSSteSI fraise, mode, lila IIS cm breit, weiß, rosa, hellblau, lila 95 Farbige DsmenhMchche Spangen-, Knöchel- und Schnürschuhe, aus grauem und braunem Wildleder, kurze, moderne Formen.. 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