Nr.3N �Z7.�ahrgaag Ausgabe B Hr. 18 Bezugspreis: BertrljLhri. 30.— SR L, monatLM,— SSS. frei in» Saus, voran, zahlbar. Pak» bezug: Monatlich 10,— Mt. eM. Zu» ftellungsgedühr. Unter Kreuzband für DeMIchland und Oesterreich 16,50 Mi« für das übrige Ausland bei täglich einmal. Zustellung 21S0 M. Pastde- stellungen nehmen an Oesterreich Ungarn, Tfchech»- Elowalei, Däne- mari,?ollan!>, augemdurg, Schweden und sie Eckweiz.— Eingetragen in die Vast» Leitung». Preisliste. Der«Vorwärts� mit der Sonntag», deilage.Volt u-Zeit* erlcheini modien» täglich zweimal, Sonntags und Mo»- tag» einmal. Telegramm-Adreste: Sozialdemokrat Verllee-. Abend-Ansgabe Derlinev Volksblstt (20 Pfennig� SuzeigeupretS: Die achtgefpaitene Nonpareillezeile kasteiS,— üil., Teuerungszuschlag SU»/» .klein««uzeigen-, das srtt- gedruckte Wort U— M.(zulässig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 60 Dfg. Stellengesuche und Echlasstellenanzeigen das erste Wart 66 Psg. jedes weitere Wo« 40 Psg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Motte. Teuerungszuschlag 60%, ffamilien-Anzeigen für Abonnenten Zeile ll.— M. politische und ge- werischästliche Vereins- Anzeigen Ml. die geilt ohne Aufschlag. Anzeige« für die nächste Nummer müssen b!« 6 Ahr nachmittags wi Hauvtaeschäft, Berli» EW 68, Lwden- ftratze 3, abgegeben werden. Geöffnet 00» S Uhr früh bis 5 Uhr abends. Zentralorgan der rozialdemokratifchen partei Deutfd�lands Rae Neüaktion und Expedition: Sw. v8,£indcn|tr. 3. theruivrecher: Amt Mortttpiatz. Nr. 15 1 90—15 1 97. Montag, den äl. Juni 1920 vorwärts-verlag G.m.b.H.. SM. missen Auf die Schultern der beiden sozialistischen �rak- tiowen im Groß-Berliner Stadtparlament. die nur gemein- i a m ihren Willen durchzusetzen imstande sein weisen, ist eine große Verantwortung gelegt. Mögen beide sie tragen in dem gemeinsamen Bewußtsein wie unendlich viel für die Sache der Arbeiterbewegung und des Sozialismus von ihrer Arbeit und ihren praktischen Erfolgen abhängt. * Bürgerblock. Robert Irieöberg gestorben. Der StcmtSmmister a. D. Prof. Dr. Robert Friedberg ist in der Nacht vom Sonntag zum Montag in Berlin gestorben. Der Verstorbene hat viele Jahre hindurch in der P o l i t i k Preußens eine bedeutende Rolle gespielt. Er war im Jahre 18S1 in Berlin geboren, hatte hier, in Leipzig und Heidelberg Rechte- und Staatswissenschast studiert und auf wissenschaftlichem Gebiete, besonders auf finanzwissenschastlichem sich betätigt. Von ISL-j siiz iggj wirkte er als Professor der Volkswirtschaft an der Universiät Halle. Schon im Jahre 1886 war er als National- liberaler in das preußische Dreiklassenhaus gewählt worden, dem er bis zum November 1913««gehörte. Neben Schiffer war er der Führer der national! iberalen Landtagsfraktion, seine rednerische Fähigkeit, die dialektische Schärfe seiner Polemik machten ihn zu einem der hervorragendsten Sprecher feiner Partei. Seit Sozialdemokraten im Landtage saßen, stand er in lebhas- tem Kampfe mit ihnen, namentlich auch auf dein Gebiet der W a h l- reform, auf dem er, getreu den Parteibeschlüssen, die haltlose, für ewige Zeit begrabene Idee des Ddchrstimmenrechts vertrat. Während des Krieges rang er sich jedoch zu der lleberze-ugung durch, daß dem Siegeszug des gleichen Wahlrechts nicht wehr Einhalt zu gebieten sei. In der Regierung HcrUing wurde er preußischer Staatsminister, und da sich der Bayer Hertling vorwiegend den Reichsgeschäften widmete, ffsl ihm in der vrcußi- schen Staatsregierung, vornehmlich im Kampf um die Wahlresorin, die Führung zu. 'Es war daher nur eine logische Entwicklung, daß Fricdberg — wie auch Schiffer— nach der Revolution seinen Platz bei den Demokraten nahm. AIS ihr Vertreter zog er in die Preußische Nationalversammlung ein. Seine Ge-stlndheit war jedoch schon geschwächt, an der vollen Entfaltung seiner Aktivität hinderte ihn sein Leiden, dem er jetzt, 69jährig, erlegen ist. Lanötagswahlen in Thüringen. Am Sonnia» fanden die Wahlen zum neuen T h ü r i n g i- scheu Landtag statt. Endgültige Ergebnisse liegen noch nicht vor. Bon Teilresultatc» verzeichnen wir folgende: In Jena wurden gezählt für Sozialdemokraten.... 7o02 flLLlj 1,. S.»........... 4232(5682) Kommunisten......... 461(614) . Dcutschnationale........ 2180(2302) Deutsche Voltspartei...... 6588(7183) Landbund.......... 97.(55) Demokraten......... 3164(3020) Die eingekla», Merten Zahlen bedeuten das Resultat bei den Reichstagswahlen. Die«»zinldcmvkraten sind die einzigen die zugcnoinmcn Huden, während alle übrigen Parteien, am stürksicn die Unabhängigen, abnahmen. Apolda: S. P. D. 2226,«. S. P. 1»5Z, De«. 990, Dnatl. 935, D. Bp. 196, Bauernvund 40. Weimar: S. P. D. 3341. K.®. P. 1896,.Dnatl. 2920, D. Bp. 5121, Bauernbund 59, Dem. 2314, 3t. 79. Regierungskrise in Württemberg. Austritt der Sozialdemokraten. Sinti gart, 21. Juni.(Eigener Drahtbericht de»„vor- wärte".) Die Landeskonferenz der Sozialdemokratischen Partei hat mit 56 ecge« 27 Stimmen entschiede«, daß die Partei an der neue» Regierungsbildung in Württemberg nicht teilzuncliinrn habe. Es scheiden deSbalb die Genossen Staatspräsident B l o s, H e p- mann und Leipart aus. DaS Präsidium des Landtags dürste aus das Zentrum übergehen. Bon der Haltung des Zentrums hängt eS ab, ob an die Stelle der Kvalition ein« extreme RechtSregiernng tritt» soll. Tie Basis der bisherigen Koalition ist also breit genug, um auch fernerhin die oldenburgische Politik entscheidend zu beeinflussen bzw. die Regierung stellen zu können. Nichtsdestoweniger liebäugelt das Zentrum stark mit der Deutschen Volkspartei und ihre Preß- organe vertreten die Notwendigkeit einer Verbreiterung der alten Koalition. Das Zentrum wünscht die Einbeziehung der zoir stärksten Partei gewordenen Volkspartei�er; da sie ja schließlich zu einem Teil Fleisch von seinem Fleisch find, ist dies Liebeswerben nicht ganz unverständlich. Im Wahlkampfe verschmähte es auch die klerikale«Oldenburgische Volkszeitung", das offizielle Zentrums- ovgan. nicht, die Sozialdemokraten als die„Feinde aller Kultur" und als die„Totengräber der menschlichen Ge- sellschast" zu bezeichnen. Unsere Partei läßt keinen Zweifel dar- über, daß sie nicht im geringsten an irgendwelche Konzessionen an die berüchtigte„Partei des Wiederaufbaus" denkt. Obwohl stärkste Partei innerhalb der alten Koalition, wird sie auch fernerhin den stark geschwächten Demokraten den Ministerpräsidentenposten zu- billigen. Besonders schon deshalb, weil Herr Tantzen- Heering in den Kapptagen sehr entschieden und mit gutem Erfolge seinen Mann gestanden hat. Wir beanspruchen wie bisher das Ministerium für soziale Fürsorge, während dem Zentrum gleichfalls wie bisher das Justizministerium derbleibt. Ter noch aus des gegangeuen Friedrich Augusts Tagen übernommene vierte unpolitische Fach- minister, der in seinem Tun natürlich der Koalitionspolitik verant. wortlich ist, soll beibehalten werden. Daß die Unabhängigen auf den Boden der Koalitionspolitik treten werden, ist nicht zu er- lvarten, zumal nach den Berliner Parolen der letzten Tage. Wie zu den Reichs-, so ist auch zu den Landeswahlcn unsere Partei an einer Siimmeneinbutze nicht vorbeigekommen. Sie hat drei Mandate an die Unabhängigen abgeben müssen. Im alten Landtage besaß sie 14 Abgeordnete, im neuen zählt sie 11, die Un- abhängigen brachten ihren Besitzstand von 2 auf 5. Die beiden Parteien besitzen also nach wie vor 16 Mandate; es fand lediglich eine Verschiebung innerhalb der beiden Parteien statt. Di« Gründe liegen ähnlich denen im Reich. Nicht zuletzt m militärischen Fragen. Kurz vor den Wahlen wurde das Freikorps Schulz nach Oldenburg verlegt, dessen Angehörige sich maßlose Ausschrei- tungen zu schulden kommen ließen. Sogar vor einem Mord schreck- ten sie nicht zurück. Jetzt hat der Rcichswehrminister den Ko m- mandeur, Major Schulz, beurlaubt, die Truppe soll nach der Konferenz von Spa verlegt werden. Flugs hat die Deutsche Bolkspartei nach Berlin telegraphiert, daß ihre Anhänger die Ver- legung nicht wünschen. Solche und ähnliche unpolitische Dinge sind in unserer mit Verdrossenheit durchsetzten Zeit leicht geeignet, die Wählerschaft verdrießlich zu machen. Den Schaden haben die Re- gierungsparteien. der Ooztfott gegen Ungarn. Wien, 20. Juni. Die K»rres»o»d«nz Herzog meldet, daß seit Mitternacht der Boykott auf den Bahnen mit Ausnahme des Personenverkehrs und im Post-, Telegraphen- und Telcphonvcrkehr in Kraft ist. Wie verlautet, wurden die Tclcphonlcitungen an der Grenze unbrauchbar gemacht. Eine ein- zige Leitung dient noch dem intcrurbonen Tclephonverkchr der Re- gierung«nd der diplomatische» Vertreter«nd Missionen. Bon Te- lezramme» gehen nur StaatSdepesche», diplomatische Korrespondenzen und Trausitdepeschen. Der nn. garische Gesandte in Wim, Dr. Grat?, bespricht in Budapest die Boykottfrage. Budapest, Zg. Juni. Der Standpunkt der«ngarische« Regierung zum Boykott gegen Ungarn ist, wir das Ungarische Korr.-Bureau erfährt, der, daß die ungarische Regierung gegen alle Staaten, welche die Blockade tatsächlich durchführen, von ihrem vollen Rechte, Repressalien z« ergreifen, Gebrauch machen und dieselben Maßnahmen durchführen wird, welche gegen Ungarn in den betreffenden Staaten tatsächlich durchgeführt werden. Der Amsterdamer Beschluß, als Repressalie gegen daS Wüten des weißen Terrors in Ungarn den Welt- b o y k o t t über dieses reaktionärste aller Länder Europas zu verhängen, beginnt weitere Kreise zu ziehen. In den letzten vierundzwanzig Stunden haben eine ganze Reihe außerdeutschcr sozialistischer und nichtsozialistischer Arbeile-- organsationen Stellung zu dem Beschluß, genommen. Ter Boykott gegen Ungarn begann in der Nacht vom Sonnabend zum Sonntag. Die Wiener„Arbeiterzeitung" schreibt hierzu: Zum ersten Male greift die Internationale der Ge- werkschaften mit einer großen Aktion m das Gelriebe der europäischen Politik ein. Der Boykott, den die Gewerl- schaflsinternanonale über Ungarn verhängt, stellt den e r st e n Versuch dar, die gewerkschaftlichen Kampfmittel in den Dienst der internationalen politischen Aktion zu stellen. Es wird, wenn nicht alle Zeichen täuschen, sehr bald die Gelegen- heit zum Eingreisen auch in andere Angelegenheiten ge- geben sein. Daß die„Christlich-Sozialen" in Wien dem Boykott gegen die Reaktionäre in Ungarn abgeneigt sein würden, war von vornherein vorauszusehen. Eine Obmann- sitzun(j der Wiener Bezirksleitungen der Christlichsozialen Partei stellte bezüglich des Boykotts gegen Ungarn fest, daß dieser eine schwere Schädigung der Ernährungslage Wiens sowie des Produktionslebens Oesterreichs bedeute, und drückte das Bedauern darüber aus, daß die österreichische Regierung dieser Einmengung in die innerpolitischen Perhältnisse eines anderen Staates, die von jüdischer Rache(!) diktiert sei, vollständig tatenlos gegenüberstehe. Die Versammlung sprach den christlichen P o st- und Eisen- b a h n b« a m t e n, die den Anschluß an den Boykott a b- lehnten, ihren Dank aus. Die deutschösterreichische Arbeiterschaft legt sich durch den Boykott gegen Ungarn schwere Opfer auf, da der Boy- kott natürlich mit aller Schärfe erwidert werden wird. Tie tapferen Genossen in Oesterreich und ihre Mitkämpfer in den anderen Ländern können unserer herzlichsten Sympathien gewiß sein! Das Programm öer Alliierten. P«ris, 20. Juni. Eine HavaSnote erklärt, daß eS sich bei de: Besprechung in Folkestone hauptsächlich um finanzielle Fraaen handeln wird, vornehmlich um ote Entschädigungs- und die Wieder. gutmachungsfrage; aber auch die russische Frage werde erörlcrr werden. Wenn eine Uebereinstimmung auf der Grundiage des vorliegenden Entwurfs, mit dem übrigens die französischen wie die englischen Sachverständigen sehr zufrieden seien, m Folkestone und B o u lo g n e erzielt würde, wäre das ein großer Fortschritt und würde ein« Regelung der finanziellen uno der wirtschaftlichen Fragen in einem für Frankreich, England, Belgien sowie auch für Italien, das durch Annahme des' Vorschlages Frankreich und England entgegenkommen würde, günsti- gem Sinne bedeuten. Der wichtigste Punkt sei, daß der F i n a n z- plan ohne Rücksicht auf politische und nameni- liche innerpolitische Erwägungen angenommen werde. Die russische Frage sei weniger gut vorbereitet. Von französischer und englischer Seite werde zugegeben, daß auf diesem Gebiet nicht weiter zu kommen sei. Krassin könne nichts bieten und trachte nur deshalb, seinen Aufenthalt auszudehnen, um zu sehen, wie sich die Sache gestalte, während die Sowjet- Regierung ihre Operationen im Orient fortsetze, die die englisöbe Politik sehr gefährdeten. England werde jedenfalls durch seine Haltung den Abschluß eines Uebereinkommens mit Frank- reich und den übrigen Verbündeten hinsichtliu; der auswärtigen Politik erleichtern. Die Tatsache, daß Marschall Foch auf An- suchen Lloyd Georges an den Besprechungen teilnehme, deute an, daß England die militärische Frage aufrollen wolle. Eine WirtschaftSnotc der Entente. Der Lo! schafterrat hat den Text einer Ncte an die deutsche Regierung wegen der angeblich unterschiedlichen Behandlung bei der Ausfuhr und der Zollzahlung festgesetzt. Blankovollmacht auf Vertrauen. Das Verhalten der nichtsozialistischen Presse in den neun Tagen der Krise zu beobachten, ist überaus amüsant. Peitsche und Zuckerbrot wurden der Sozialdemokratie abwechselnd vor- gehalten, und je nach der augenblicklichen Situation schob man das eine Mal mehr die Peitsche, das andere Mal mehr das Zuckerbrot in den Vordergrund. Jetzt aber, da der Beschluß der Sozialdemo- kratie feststeht, sich nicht an der Regierungsbildung zu beteiligen, sucht man mit der Peitsche größeren Eindruck hervorzurufen. Man droht der Sozialdemokratie mit der Verantwortung für alles mlig- liche und unmögliche, falls sie nicht der kommenden Negierung ihr unbedingtes Vertrauen ausspricht. Der„Lokal-Anzeiger" weiß zu berichten, in demokratischen Kreisen werde betont, daß die Sozialdemokratie„wohlwollende Neutralität für alle Fälle" zusagen müsse. Das ist denn doch etwa? unbescheiden und zu viel verlangt. Wir können dem gegen- über nur wiederholen, was an dieser Stelle schon öfter ausgesprochen wurde: Die Sozialdemokratie behält sich ihre endgültige Enlschei- dung vor, bis die Fraktion das letzte Wort gesprochen hat. Die Entscheidung der Fraktion aber ist abbängig von dem Programm, das die bürgerlichen Regie- rungsparteicn ihr präsentieren werden. Durch ein Vertrauensvotum auf Blankokredit, wie es vom „L.-A." gefordert wird, könnte die Sozialdemokratie in eine unange- nehme Lage kommen: falls sie sich von vornherein festlegte, wären ihr auf alle Fälle die Hände gebunden, gleichgültig, wie das Programm der neuen Regierung auch ausfallen würde. Daß die Sozialdemokratie es ablehnen muß, sich unnötigerweise der- artigen Eventualitäten und den mit ihnen verbundenen Gefahren auszusetzen, sollte auch den demokratischen Kreisen, von denen der „L--A." diese höchst naiven Informationen erhalten haben will, klar sein._ Em Rüffel. Die Angst vor der Demokratie. Die„Kölnische Zeitung", die zwar nicht offizielles Organ der ..Deutschen VokkSpartei" ist, ihr aber geistig sehr nahesteht, brachte kürzlich in einem Artikel den Gedanken einer Verschmelzung der Deutschen Volkspartei mit der demokratischen Partei zum Ausdruck. Hierauf erhielt sie vo-m Vorstande deS Provinzialver- bandsS der Deutschen Volkspartei in Rhcvchessen ein Schreiben, in dem es hieß: Die NuSfühnma war nur geeignet, hier im weitesten Kreis« der Partei den lebhaftesten Unwillen und eine sehr tiefgehende Verstimmung zu erregen. Wir finden das Verhalten der„.Kölnischen Zeitung" sehr un- vorsichtig. Wie kann ein Blatt, das der Partei der„liberalen Weltanschauung" nahesteht, demokratische Gedanken propagieren? Daß sie hierfür sofort eins auf die unbotmäßigen Finger bekom- men würde, war doch vorauszusehen. Das Ganze ist zwar eine innere Angelegenheit der Deutschen Volkspartei, wirft aber doch ein bemerkenswertes Schlaglicht auf die Toleranz und die demokratische Gesinnung der„Partei des Wit�derausbaues". Regierungsfragen in Glüenburg. Aus Oldenburg wird uns geschrieben: Am kommenden Donnerstag wird der am 6. Juni ncugewähl'e oldenburgische Landtag erstmalig zusammentreten. Die erste an ihn herantretende Frage wird die der Regierungsbildung sein. In Oldenburg liegen die Dinge ähnlich wie im Reich, nur mit dem Unterschied, daß hier die bisherige aus Sozialdemokraten, Demokraten und Zentrum besthende Koalition mich weiterhin v.ber eine sichere Mehrheit verfügt. Sie besitzt 23 von 48 Mandaten; die 20 außerhalb der Regierungskoalition stehenden Abgeordneten entfallen zu 13 auf die Deutsche Volkspartei, zu b auf die Unab- hangigen und je ein Mandat auf die Deutschnationalen und den Landbund. Die Koalitionspartcien haben zusammen an Stimmen erhalten 120 000, die übrigen Parteien 37 0. Zrieörich Engels' Augenöglaube. Dem ersten Bande der meisterhasten Lebensdarstellunji, die Gustav Mayer dem Borkämpfer und Mstklärer deS wlssemchaft» lichcn Sozialismus Friedrich Engels gewidmet hat. folgt nun ein ergänzender Band, der angefüllt ist mit Aussätzen, Briefen, Dich- tungen aus den Jugendjahren vor dem Zulammenlchlui; mit Karl Marx. Verschollenes und bisher ganz unbekannt Gebliebenes, mit großem Spürsinn ans Licht geHost, stellt ein JiingiingSbild von drausgängerifchcr Frische vor uns hin. Wagendes, tähn« kritisches, witzsprühendes Stürmen, ein Mite, leben und Mttftreiten der Bewegung des„Jungen Deutschland" füllt MeS Buch, das eine Fundgrube wichtigen Slop für die Piyche des geistigen Werden? der Generalion ist, die zum Träger einer Revolution werden sollte. WaS wir hier in Ausichnitten von diesem jungen Geiste geben, ist von Engel» als Bremer Handelslehrling ge< schrieben und in Gutzkows„Telegraph" 1840 unter dem Namen Friedrich Oswald verössentlicht worden. Der Sinn der Siegfriedsage. Ich ging vor die Stadt Tanten und bestieg einen Sandberg, die einzige natürliche Erhöhung in weitem Kreise. Das ist der Berg, wo nach der Sage Siegfrieds Burg gestanden hat. Am Eingang eines Fichtenwaldes setzte ich mich nieder und sah auf die Stadt herab. Von allen Seiten durch Dämme umgeben, lag sie in einem Kessel, über dessen Rand sich nur die Kirche majestätisch erhob. Rechts des Rheins, der mit breiten, blinkenden Armen eine grüne Insel umschließt, links die clevischen Berge in blauer Ferne. Was ist es. das ltnS in der Sage von Siegfried so mächtig er- greift? Nicht der Verlauf der Geschichte an sich, nicht der schmäh- lichste Verrat, dem der jugendliche Held unterliegt; es ist die tiefe Bedeutsamkeit, die m seine Person gelegt ist. Siegfried ist der Repräsentant der deutschen Jugend. Wir alle, die wir ein von den Beschränkungen des Lebens noch ungebändigtes Herz im Busen tragen, wissen. Ivas daS sagen will. Wir fühlen alle denfckben Tatendurst, denselben Trotz gegen das Herkommen in unS, der Siegfried aus der. Burg seines Vaters trieb; das ewige Ueberlegen, die philiströse Furcht vor der frischen Tat ist uns von ganzer Seele zuwider, wir' wollen hinaus in die freie Welt, wir wollen die Schranken der Bedächtigkeit umrennen un>d ringen um die Krane des Lebens, die Tat. Mr Riesen und Drachen haben die Philister auch gesorgt, namentlich auf dem Gebiete von Kirche und Staat. Aber das Zeitalter ist nicht mehr; man steckt uns in Gefängnisse, Schulen genannt, wo wir, statt selber um uns zu schlagen, das Zeit- wort schlagen so recht zum Spott durch olle Modi und Tempora griechisch durchkonjugieren müssen, und wenn man uns aus der Disziplin losläßt, so fallen wir der Göttin des Jahrhunderls, der Polizei, in die Arme. Polizei beim Denken, Polizei beim Sprechen, Polizei beim Gehen, Reiten und Fahren, Pässe, Ausenthaltskarten und Douanenscheine—«s schlage der Teufel Riesen und Drachen totl Nur den Schein der Tat hoben sie uns gelassen, das Rapier statt de? Schwertes, und was soll alle Fechikunst mit de-m Rapier, wenn wir ße nicht mit de« Schwste Mwf.nten dürft»?. Und wenn einmal die Schranken durchbrochen werden, wenn die Phi« listeroi und der Jndifferentismus einmal überrrtten wird, wenn der Tatendrang sich Luft macht— seht Ihr dort jenseits des Rheins den Turm von Wesel? Die Zitadelle jener Stadt, die eine Burg der deutschen Freiheit genannt wird, sie ist ein Grab der deutschen Jugend geworden, und sie muß der Wiege des größten deutschen Jünglings gerade gegenüberliegen.... Doch ich will hinuntergehen an den Rhein und lauschen, waZ d!« abcnbrotumfirahlten Wellen der Muttererde Siegfrieds er- zählen von seinem Grabe zu Worms und vom versenkten Horte. Vielleicht das«ine gütige Fee Morgana mir das Schloß Siegfrieds neu erstehen läßt und mir vorspiegelt, was feinen Zähnen im neunzehnten Jahrhundarr für Heldentaten vorbehalten sind. Epoche der Jugend. Jmmermann sagt, der Tharakter jener Epoche, die er in den „Memvrabilien" schildert, sei vorzugsweise jugendlich gewesen; ju- gendliche Motive seio» in Bewegung gesetzt und Jugendstimmungen angeschlagen worden. Jssss mit unserer Epoche nicht ebenso? Die alte Generation m der Literatur ist ausgestorben, die Jugend Hot sich des Worts bemächtigt. Von dem heranwachsenden Geschlecht hängt mehr als je unsere Zukunft ab, denn dieses wird über Gegen- sätze zu entscheiden haben, die sich immer höher hinaufgipfeln. Die Allen klage« zwar entsetzlich über die Jugend, und es ist wahr, sie ist sehr unfolgsam; laßt sie aber nur ihre eigenen Wege gehen, sie wird sich schon zurechtfinden, und die sich verirren, sind selbst schuld daran. Denn wir haben einen Prüfstein für. die-Jugend an der neuen Philosophie; es gilt, sich durch sie hindurchzuarbeiten und doch die jugendlich« Begeisterung nicht zu verlieren. Wer sich scheut vor dem dichten Wald, in dem der Palast der Idee steht, wer sich nicht durchhaut mit dem Schwarte und küssend die schlafende Königstochter weckt, der ist ihrer und ihres Reiches nicht wert, der mag hingehen, Landpastor, Kaufmann, Assessor oder was er sonst will, werden, ein Weib nehmen, Kinder zeugen in aller Gotficlig- keit und Ehrbarkeit, aber das Jahrhundert erkennt ihn nicht als seinen Sohn an. Ihr braucht darum keine Atthegelicmer zu werden, mit An-und-sür-sich, Totalität und Diesigkeit um Euch zu versen, aber Ihr sollt die Arbeit des Gedankens nicht scheuen; denn nur! die Begeisterung ist echt, die wie der Adler die trüben Wolken der! Spekulation, die dünn« verfeinerte Luf: in den oberen Regionen der Abstraktion nich: scheut, wenn es gilt, der WahrheitZsonn« ent- gegenzusliegcn. Und in diesem Sinne hat denn auch die Jugend von heute die Schule Hegels durchgemacht, und manches Samen- korn aus den wirren Fruchtkapseln des Systems ist herrlich auf- gegangen in der jugendlichen Brust. Das aber gibt auch da» größer« Vertrauen auf die Gegenwart, daß ihr Schicksal nicht von der tatscheuen Bedächtigkeit, der gewohnheitsmäßigen Vhilistcrei des Alters, sondern von dem edlen, ungcbändigien Feuer der JuHQch abhängt. Darum laßt uus jür die Freiheit kämpfen, so lange wir jung und voll glühender Kraft sind; wer weiß, ob wir'» noch können, wenn daS Alter uns beschleicht. Der halbe Himmel strahlt.. Doch wann wird jene Sonn' neu erstehen, Wann wird die alle Zeit zusammenkrachen? Wir sah'n die alte Sonne uniergehen, Wie lang wird uns die finstre Nacht umdachen? Durch Wolkenschleier lugt der trübe Mond, Der Nebel lagert auf den Tälergründen; Im Nebel ruht, was auf der Erde wohnt. Wir, die wir wachen, tappen wie die Blinden. Geduld, die Wolken, die den Mond umringen, Scheucht vor sich her die Sonne schon im Steigen, Die Nebel, die sich durch die Täler schlingen, Sind Morgenhauch-gewcckle Geisterreigen. Im Osten tanzt der Morgenstern empor, Blutrote Strahlen durch die Nebel schießen— Sehl Ihr nicht Blumen schon den Kelch erschließen, Schmettert nicht schon der Vöglein froher Chor? Der halbe Himmel strahlt im.lichte» Scheine, Schneegipfel werden Rosenedelsteine; Die goldnen Wolken, die dort aufgeschossen, Die Hänpter sind's von edlen Sonnenrossen; Schaut dorthin, wo die dichl'sten Strahlen fließen, Die junge Sonne jubelnd zu begrüßen! Eine Gcschmackswondlnng des Bücherpublikum« glaubt der Ver- leger Ikurt Wolfs, dessen Tätigkeit seit Jahren mir der Dichtung der jungen Generation eng verbunden war, feststellen zu können. Nach seinen Erfahringen steht ein starkes Sinken der Nachfrage nach Werken schöngeistiger Literatur und ein Abschwenken zu philo- sophischen und wissenschaftlichen Werken bevor. Es wird wohl nicht fchlgegrisfen sein, wenn man diese Wahrnehmungen insbesondere aufid'ie von Kurt Wolfs geförderte schönliterarischc Strömung be- ziebt. Da der Verlagsbuchhandel beule mehr als je auf Massen- umsatz rechnen muß, wird man schließen dürfen, daß es jener Strömung nicht gelungen ist, Massen von Lesern länger als eine kurze, jetzt zu Ende gehende Frist, wo sie Mode war. an ihre Ufer zu bannen. Kurt Wolfs drückt das so aus: die alten und neuen Reichen hätten jetzt ihren literarischen Bedarf auf längere Zeit ge- deckt undd as Publikum, das in Friedenszeiten vor allem als Käufer schöngeistiger Literatur in Betracht kam, könne sich heute den Luxus eines Buchkauses längst nickt mehr gestatten. Die Bücherpreise wirken also bei der„Gcichmackswandlung" immerhin mit und es ist in der Tat unheimlich, zu hören, daß ein jetzt 10 M. kostendes Buch im Herbst etwa 25 bis 30 M. kosten werde. Ein Bnck der Arbeiterdicktungen wird Fritz Droop im Verlage der Dcutschrn Tichter-Gedächtnis-Tliilunq herausgegeben. Schönste Ge. dichte sollen darin verewigt sein, aber da die Stiftung sich von allen voll- tischen und retigiösen Sondcrbestrcbunaen grundiätzlich sernbält, kann die Auslese bei allen künstlerischeu Vorzügen, die sie vermutlich haben wird, doch nicht ein Bild geben, da» die Arbeiterdichtung i» allen wichtigen Züge» spiegelt. Vs!? Zer Reichstagsfraktion. Nachdem Genosse Erhart Auer auf die Wahl zum Reichstag derzichtet hat, rückt für ihn als Ersatzmann Genosse Martin G r u- b e r, Redakteur der„Münchener Post", ein. Aus der Ncichsliste haben verzichtet die Genossen Otto Wels. Marie I u ch a c z und Toni P f ü l f, die gleichzeitig in ihren Wahlkreisen gewählt sind, es rücken infolgedessen nach die Genossen Louis Brunner, Dr. Georg Gradnauer und Friedrich Stampfer. Volksabstimmung imö �rdeiterwtersste. Für die bevorstehende Volksabstimmung in den an Polen grenzenden Gebieten kann ohne meiteres die Be- hauptung aufgestellt werden, daß in diesem Falle das wirt- schaftliche Interesse der zur Abstimmung berufenen Arbeiter- fchafr mit dem allgemeinen deutschen Interesse durchaus zusammenfällt. Die deutsche Arbeiterschaft, und zwar sowohl die in den Abstimmungsgebieten wohnhafte, als auch die im übrigen Deutschland, hat nur zu gewinnen, wenn die zur Abstimmung stehenden Gebiete bei Deutschland bleiben— sie Hab nur zu verlieren, wenn diese Gebiete an Polen fallen würden! Wie sah es noch vor wenigen Jahrzehnten in Ost- und Westprcußen und in Oberschlesien aus? Die Lohn- und Ar- beitsbedingungen waren so ungünstig, daß alle, die es nur möglich machen konnten, der Heimat den Rücken kehrten und nach den Großstädten und Industriegebieten des Westens aus- wanderten, in der Hoffnung, dort bessere Lohn- und Arbeits- bedingungen und ein menschenwürdigeres Leben vorzufinden. Die Tatsache, daß an 400000 Volksgenossen und-genossinnen, die heute außerhalb des Abstimmungsgebietes wohnen, dort stimmberechtigt sind, ist der beste Beweis für diese Behauptung. Sie alle sind nicht ausgewandert, weil sie Wander- und Aben- tcuerlust getrieben hat, sondern der Drang nach besseren und auskömmlichen Lebensverhältnissen war die Ursache. Tie Massenwanderung nach dem Westen hatte aufgehört, als auch im Osten die Arbeitsverhältnisse erträglicher und auskömmlicher wurden, als endlich die jahrzehntelangen Be- niühungen der Gewerksckiaften auch im Osten auf fruchtbaren Boden zu fallen begannen. Wenn auch im Osten in den letzten zwei Jahrzehnten mehr und mehr an die Stelle des individu- ecken Arbeitsvertrages, bei dessen Abschluß der Arbeiter immer der schwächere und unterliegende Teil war, der kollektive Ar- beiis- oder Tarifvertrag getreten ist, dann ist das einzig und allein dem Wirken der Gewerkschaften zu danken. � Wenn das Deutsche Reich mit Recht sich rühmen konnte, hinsichtlich. des gesetzlichen Arbeiterschutzes an der Spitze zu marschieren, so ist auch das auf das unablässige Wirken und Drängen der Gewerkschaften zurückzuführen. In keinem Lande der Welt, mit Ausnahme des kleinen Deutschösterreichs, haben die Arbeiter ein so weitreichendes Mitbestimmungsrecht im Betriebe, ja selbst auf die Betriebsleitung gewonnen, wie durch das deutsche Betriebsrätegesetz. Und dies ist erst der Anfang einer gesetzlichen Vertretung der Arbeiterschaft im Wirtschaftsleben. Weitere Gesetze, die weit über den Betrieb hinaus in das gesamte Wirtschaftsleben hineinstreben, sind in Vorbereitung. In Deutschland sind also, dank seiner demo- kratischen Verfassung, die Arbeiter so weit, daß sie nicht mehr Objekte der wirtschaftlichen Gesetzgebung, sondern an derselben mitzuwirken berufen sind. Wie sieht es in dieser Hinsicht in Polen aus? Was ist da auf diesem Gebiet vorhanden? Antwort: Nichts! Polen mit seiner mangelhaften industriellen Entwicklung, seinen erst im Entstehen begriffenen Gewerkschaften, die nebenbei weit mehr politisch zerklüftet und zerrissen sind als die festgeschlosse- neu deutschen Gewerkschaften, hat nichts dergleichen zu bieten. Wer also am Entscheidungstage für Polen stimmt, der sorgt dafür, hiß die Arbeiterschaft in den etwa polnftch wer- denden Teilen Deutschlands um mindestens 50 Jahre zurückgeworfen wird. Daraus erwüchse aber auch für Deutschland und seine Arbeiterschaft selbst eine große Gefahr. Denn es dürfte nicht schwer sein, zu begreifen, daß, je größer der polnische Staat mit seinen rückständigen wirtschaftlichen und sozialpolitischen Einrichtungen wird, und je tiefer er sich namentlich in Teutschland hineinfrißt, um so größer auch die Gefahr wird, daß die besseren Verhältnisse in Deutschland selber nicht aufrechterhalten werden können, und daß zum min- desten jeder weitere wirtschaftliche und sozialpolitisch Fort- schritt damit unterbunden wird. Aus allen diesen Gründen kann es für keinen Arbeiter und Angestellten schwer sein, wie er sich bei der Abstimmung zu entscheiden hat. Wer nicht leinen eigenen Untergong, ieine eigene Verarmung absichtlich herbeiführen will, der muß sich an der Abstimmung beteiligen, sofern er stimm- berechtigt ist, und er muß deutsch stimmen! Cs bleibt bei 100000! Pari». 20. Juni. Die B o ts ch a f t e r k o n f e r e n z bat die Entscheidung über die Frage der Entwaffnung Deutschlands getroffen. Die Entscheidung entspricht der der interalliierten militärischen Komitees und wird den Regierungs» chcfs in Boulogne mitgeteilt werden. Dieser amtlichen Mit- teilung fügt„Temps" hinzu, daß das deutsche Heer bis zum 10. Juli auf 100000 Mann vermindert werden müsse. Sollte dies Heer nicht genügen, um die innere Ordnung aufrecht- zuerhaltcn, so würde man zur Scheffnng regionaler Poli- zeitrnppen schreiten müssen. Prinz Schönaich-Earolath gestorben. Am Sonntag entschlief nach längerem Leiden der langjährige frühere ReichStagsab- geordnete Prinq Heinrich zu Schönaich-Earolath im Alter von 08 Jahren. Prinz Earolath ist in den letzten Jahren politisch nicht mebr viel hervorgetreten. Er gehörte in der Vor- kriegsperiode des RcichSiags der aationalliberalen Fraktion an, zu deren linkem Flügel er gehörte. D'e lebendige Gestalt des Prinzen mit dem schneeweißen Haupthaar gehörte zu den be- kanntesten Erscheinungen des alten ReichZiwgS. Ter Verstorbene gehörte auck dem durch die Revolution hinweggefegien Preußischen Herrenhamc als Mitglied an. Die Rheinlandlommission hat dem Delegierten für den R c- gierungsbezirk Düsseldorf und dem KreiSdele- gierten in Moers das Recht erteilt, für einen Monat alle Persommlungen und Zusammenkünfte sowie Menschen- anstimmlungen zu v e r fi i e i e_n, welche die Sicherheit der Truppen zu gefährden geeigner sind. Ebenso kann der Aufenthalt auf der Straße verboten werden. Deutschs Ansprüche gegen Britannien. Die Frist zur Aumsl- dung von Rechten, Gütern und Interessen deutscher Reichs- ange höriger-m Gebiet des britischen Reiches gemäß ? lsi �Absatz 2 der Anlogn zu Artikel 288 des Friedensvertrages ein- schließlich der Kolonien und Protektoratslänoer ist bis zum 15. Juli verlängert worden GroßSerün wahlspaziergang. Das Wetter wackelte zwacken Lachen und Weinen. Man hätte meinen tonnen, das wäre gar nichr so ungünstig gewesen für eine ausgiebige Wahlbeteiligung. Aber die Sommerfonntagswahlen haben so ihren Haken. Ani die unentwegten Wandererfexen inußls man sowieso verzichten, die wären mit den berühmten zehn Pferden nicht z» halten gewesen. Sie tippelten barhäuptig, mi: entblößter Brust, trotz Regenschauer in den trüben Morgen hinein. Die anderen wieder konnten ihre Lauben nicht allein lassen, denn bekanntlich geht Kohlbauen vor Wählen. Blieb also übrig, was Verantwortungsgefühl und politische Schulung genug besaß, um dem jungen Kinde Berlin eine nicht gar zu windschiefe Wiege zu zimmern. Das wai en im großen und ganzen genommen etwa 6 0 P r o z. aller Wahlberechtigten. Bis zum Mittag läpperte sick das Wahlgeschäst so hin. Die Stimmzettelverieiler vor den Wahllokalen einiger wahlmüder Bezirke hauen vor Langeweile und ans Galgenhunior eine Art Bündnis geichlosien. Sie vrägten ein Berslein und übten es sich ein nach einem besonderen Rhriihmus zu singen, wenn einer der langerwarleten Wähler sich glücklich einfand:.Schon wieder eine Seele für Groß-Berlin gerettet". Der also Begrüßte war hoch- erfreut ob der allieiligen Anerkenntnis seines Pflichtbewußtseins. Er ließ sich ausgiebig mit Stimmzetteln versehen, trank ein GlaS Bier, um sich schließlich zu überzeugen, daß er in einem anderen Bezirk wahlberechtigt war. Sonst waren es allein die Slimmzettclvertciler Vor den Wahl- lokalen, die den sonnläglichen Berliner Straßen die Note eines be- sonderen Tages prägten. Da hatte de? Fräuleins v. Gierke parieilose Frauenvereinigung kleine, weißgekleidete Mädchen hin- gestellt. Sie schenkien dem Wahlwütigen nicht nur einen Siimmzettel, sondern gleich dazu eine Blume, eine Rose, ein Veilchen oder sonst etwas bunt Gemaltes auf einer Karte. Die Deutschnaiionalen waren besonders im Westen durch Fräuleins in schönsten Sommerkostümen vertreten. Und da es meist sehr nette und gar nicht zu prüde Fräuleins waren, so bildeten fie bald den Mitielpunkt des ganzen Stimmzeiielbundes. Selbst der U.S.P.-Mann konnte da nicht zurückstehen, und tat sein Möglichstes bei dieser„RechtSpoussadc". Tüchtige kleine Knirpse halte sich die ZenirumSpartei ausgesucht. Da sagte einer, der schon seine zehn Jahre aus dem Buckel halte:„Mein Herr, wählen Sie Zentrum, die einzige richtige Miltclpartei, hier ist der Zettel." Nachmittags machten sich die Bürgerlichen, wohl gerüstet, national und volksparteilich gespickt, satt und ausgeschlafen auf den Weg. Da spazierten die sozialistischen Wähler schon zwischen Wannsee und Grünau und als eS sieben schlug, hatte die Wahlurne bereits seit fast einer Stunde bewaist dagestanden. X. Lür Deutschland. Zur Abstiurmung in den Grenzlanden. Eine Groß-Berliner Kundgebung gegen die Vergewaltigung der Deutschen in den Abstimmungsgebieten fand gestern im Zirkus Busch unter Beteiligung vieler Tausender von Männern, und Frauen statt. Veranstaltet wurde sie von einer unter Leitung de? Grasen Bernstorff stehenden„Verwaltungs- stelle vaterländischer Verbände". Viele der in Groß-Berlin wohnen- den Oberschlesier, Ostpreußen, Westprcußen und Schleswig- Holsteiner marschierten in ihren Vereinigungen mit Musikkapellen nach dem Versammlungsort. In den Zügen wurden Jnschristtafeln getragen, die auf die Wichtigkeit der bevorstehenden Abstimmungen hinwiesen. Der Versammlungsleiter. Ad Mira l Graf B a u d i s s i n, betonte in feiner Begrüßungsansprache, daß in der vorliegenden Frage das deutsche Volk über alle Parteiungcn hmweg einig sei.(Beisall.s Der erste Redner, Herr Jessen aus Schleswig, wies darauf hin, daß mit der Abstimmung, die ja dort schon stattgesunden hat, der Kampf nicht beendet ist, sondern eigentlich erst beginnt. Die Schles- Wig-Holsteiner werden die festgesetzte Grenzführung nie als zu Recht bestehend anerkennen.(Lebhafte Zustimmung.) Möge die in der , zweiten.Zone bekundete deutsebe Gesinnung sich in allen Ab- stimmungSgebicten zeigen.(Stürmischer Beifall.) Für Eupen- Malmedy sprach der Arzt Dr. Krieger, der wegen seiner Werbe- arbeit für Deutschland von dort hat flüchten müssen. Er schilderte die Drangsalierungen, durch die das Recht der freien Abstimmung vernichtet werden soll. In den Grenzlanden ist, führte er aus, die Abstimmungssrage losgelöst von Parteistreiiigkeiten. Die ganze Bevölkerung von der äußersten Rechten bis zur äußersten Linken hält einträchtig zusammen.(Beifall.) Der Versaillcr Bertrag ist die Quelle zu ne uen Streitigkeiten.(Lebhafter Beifall.) Die Reden der Herren C z i b o d d a aus Ostpreußen und Schwochow aus Westpreußen zeichneten in kräftigen Strichen den Gegensatz gwiscken deutscher Kultur und polnischer Unkultur. Unter sich oft wiederholendem stürmischen Beifall schilderten sie, was deutsck'er Fleiß und deutsche Arbeit in der Ostmark geschaffen haben. In Ostpreußen habe auch ein Fübrer der unabhängigen Sozialdemo- kraten erklärt, daß in der Frage der Abstimmungsgebiete alle Deut- schen einig seien. Dr. Kleiner aus Oberschlesicn, der gleichfalls 'betonte, daß hierin alle Deutscken zusammenstehen müssen, ent- fesselte neue Beifallsstürme. Frau Dr. Käthe Schirrmacher, die den Reigen de: Redner schloß, stellte sich als„erste und vor- läufig(? Die Red.) letzte deutsch nationale Abgeordnete für Danzig" vor. Durch diese lächerliche Hervorhebung ihres parteipolitischen Standpunktes braucht sich niemand abhalten zu lassen, bei der Abstimmung seine Pslutt zu tun. Einmütig wurde eine Resolution angenommen. De spricht die Zuversicht aus, daß am Entscheidungstage kein Mann und keine Frau fehlen wird, erhebt schärfsten Einspruch gegen jede mit Frieden, Völkerbund und Sclöstbestimmungsrecht unvereinbare Vergewalti- gung. erwartet von der Regierung di« Wahrung unserer Rechte aus dem Friedensvertrag und fordert unbeeinflußte Abstimmung. Sie schließt:„Das ganze deutsche Volt, ohne Unterschied der Parteien, rufen wir aus, mit uns fest und einig zusammonzustchen." Vom sterbenden WohnungSvcrband. Der Wohnungsverband G�oß-Berlin hat in seiner Vollver- sammlung am 5. d. Mts. einen NachtragzurHöch st mieten. o r d n u n g vom 14. April 1820 zwecks Abgeltung der erhöhten öf- fentlichen flbgctbe beschlossen. Er hat die hierfür gesetzlich vorge- cchrieben bcrige Anhörung des Sachverständigen-Ausschusses und des Vo' n der Einigungsämter bereits eingeleitet. Hinter diesem verbirgt sich die Absicht des organisierten Haus- besitze: einmal mit Hilfe des Wohnungsverbandes Groß- Berlin rstotz gegen das Portemonnaie der M i e. zu machen. h, hatte der WohnungSverband Groß-Berlin, als ih gestellt war, d-ie Zuschtagsätzc zu der Höchst- grenz: stimmen, sich schon die allergrößten Schw"wt. Er war nicht davor zurückge- schreck'setzesumgehung einen Beschlutz zu fassci n Ausgabe unvereinbar war. Er n me Regierung Einspruch erhoben m Beschluß nochmals. 2Ut{ Veranlassung des Wohlsahrts-Ministers mußte erst der Bezirksausschuß einberufen werden, um gegen den widerspenstigen Wohnungsverband Beschlüsse, die dem Gesetz entsprechen, festzusetzen. Dieses Verhalten des Wohnungsverbandes war nicht weiter verwunderlich, denn er ist eine reine FriederiSware, noch unverändert in alter Verfassung. In ihm sind enthalten allein etwa 25 Proz. Architekten, 50 Proz. sind Hausinter- essenten, so daß hierzu sein Beschluß den berechtigten Interessen der Mieterschast gerecht zu werden vermag. Eine feiiiidliche Stellung gegenüber den Mietern und den Gesetzen kam am unverfälschtesten tn der Art und Weise zum Ausdruck, in der der Wohnungsverband den Beschluß des Bezirks- Ausschusses, der laut gesetzlicher Bestimmung endgültig ist, bekannt machte. Er mengelte in diese Fassung die Beschränkung hin- ein, daß die festgesetzten Zuschüsse mit dem 3 0. September 1920 ihre Gesetzesberechtigung verlieren. Da aber der Bezirksausschuß, der allein zu dieser Bestimmung berechtigt war, dieselbe nicht getroffen hatte, war und blieb diese unge- s e tz l i ch. Alle Ersuchen der Mieterschaft, zu ihrem Recht zu kommen, waren vergeblich. Dem Oberpräsidenten von Berlin muß zuge- geben werden, daß er die G e s e tz e s w i d r ig k e i t der Handlung des Wshnungsverbandes erkennt und von ihm Abhilfe gefordert ha:, natürlich vergeblich. Der Wohnungsverband lehnte eine Ad- änderung seiner Beschlüsse trotzig ab. Gegen diese Sabotage der Höchstgrcnzenanordnung wußte die Regierung sich nicht anders zu helfen, als»m Reichsanzeiger unter dem 5. Juni bekannt zu geben, daß die Publikation des Wohnungsverbandes soweit sie die Geltung der Anordnung auf die Zeit bis zum 3 0. Septem- ber beschränkt, ungesetzlich und daher unwirksam sei. Von den Einigungsämtern und den anderen Behörden forderte die Regierung diese ungesetzliche Zeitbeschränkung unberücksich- tigt zu lassen. Es ist als etwas ganz Unerhörtes zu bezeichnen, daß ein Ober- Präsident gezwungen war, gegen eine ihm unterstellte B e- Hörde in dieser Weise vorzugchen. Es macht das geradezu den Eindruck, als ob der WohnungZvcrband sick) überhaupt nicht mehr dessen bewußt war, daß er eine Behörde ist. Er fühlt sich wie eine Hausbesitzcrgesellschaft mit beschränkter Verantwortlichkeit. Von einem anständigen Geschäftsunternehmer könnte man wohl erwarten, daß, wenn er unmittelbar vor der Liquida- t i o n steht, er sein Geschäft derart abzuschließen sucht, daß er keinerlei Schwierigkeiten hinterläßt! Er weiß ganz genau, daß sein Dasein am 1. Oktober 1820 durch die Schassung der Ein- heitsgemeinde Berlin sein Ende findet. Diesen Umstand benutzt -r, mit aller Gewalt noch möglichst viele Beschlüsse durchzupeitschen, die die Mieterschaft schädigen sollen. Zur Klarstellung sei also betont, daß die Höchstgrenzenanord- nung auch über den 1. Oktober 1920 hinaus gilt und selbst, wenn ein neuer Beschluß vom Wohnungsverband heraus- kommt, so greift dieser in laufende Verträge nicht ein. Wie wir hören, beabsichtigt der Micterveüband Groß-Berlin große Protestvcrsammlungen einzuberufen, die gegen die Umtriebe des Wohnungsverbandes Protest einlegen sollen. Einkommenstenermarken. Die Postanstalien haben mit dem Verkauf der neuen Einkonimensicuermarken b-gonnen. S:e werden in den Werten von 10 und 50 Pf., l. 2, 5, 10 und 25 M. au'- gegeben. Da der Vorrat bei den Postaiistalteil vorläufig nock gering iii, kann jeder Arbeitgeber zunäckst nur erwa ein Vierlel des VierteljahrsbedariS beziehen. Voraussichtlich am 20. Juli werden die Postanstalien die weiteren Marken abgeben können. Falsche amerikanische Dollarnoten sind in Berlin aufgetaucht und erfolgreich an den Mann gebracht worden. Dieses Geld stammt aus der Zeit der amerikanischen Bürgerkriege, während welcher es als Zahlungsmittel der„Couksdoratiz St&tos of America" ausgegeben wurde. Die Amerikanische Handels- lammer warnt hiermit alle Geschäftsleute, diese Roten, welche ibre Gültigkeit verloren baben, in Zahlung zu nehmen. Bei dieser Gelegenheit weist die Amerikanische Handelskammer erneut darauf hin, in Zweifelsfällen ausländisches Papiergeld erst einer Bank zur Prüfung einzureichen. Rückgang dcS PostvcrkchrS. In letzter Zeit sind in den Zeitimgen mehrfach Nachrichten verbreitet worden, wonach der Post- verkehr infolge der Gebührenerhöhungen sehr stark zurück- gegangen iei. Die Postverwaltung steht diesen Mitteilungen fern. Die Wirkung der Gebührenerhöhungen läßt sich erst i n einigen Monaten mit Sicherheit beurteilen, wenn daS Er- gebnis der vom Reickspostministerin: angeordneten amtlichen Fest- stellungen vorliegen wird. Es unterliegt aber keinem Zweifel, daß eine wesentliche Ursache des gegenwäriig bemerkbaren Verkehrs- rückgangs in den Stockungen liegt, unter denen da? gesamte Wirr- schastsleüen seit einigen Wochen leidet. Grosi-Berliner Lebensmittel. Lankwitz. 125 Gramm Nudeln(31), 50 Gramm Maismehl(13), 250 Gramm gelbe Erbsen(14). Hermsdorf. 125 Gramm Erbsen(4), 125 Gramm Gerstenflocken(5). Für Personen im Alter von 60 bis 70 Jahren bis 23. eine Büchse iond. Vollmilch. Bezugscheine sind gegen Vorzeigung eines AltersauSweiscs im LcbenSmittclburcau, Zimmer S, erhältüch. Tempelho:. 75 Gramm Kartoffelstärkemehl und 50 Gramm Hafer- flocken(30). Für Kinder 250 Gramm Haferflocken(A 7 und K 7) An> Meldung: 250 Erainm Teigwaren(31). Verkaus: 500 Gramm Marmelade(4) Groß-Ssrliner paeteinachrichten. Hente, 21. Juni: 21. Abt. 7 Uhr: Parteisunklionäre und BetricbSvertrauenSleute Sitzung bei Pfeiffer, Hausburgstr. 2. Morgen, SÄ. Juni: Borsigwalde.?>/» Ubr Mitgliederversammlung bei Heider. Neuibllil. 7>/z Uhr für die Eltern und Ettcrnbeiräte der 4. Ge- meiudeschule in der Aula der städtischen Realschule Ellernversammlung. Spülst. Radrennen in Treptow.„M e m e n t o", Dauemennen in zwei Läufen über je 40 Kilometer. 1. Lauf: 1. Thomas 37 Min. 10 Sek., 2. Wittig 1110, 3. Krupkat 3300, 4. Lewanow(Motsr- und�Radschaden) 3740 Meter zurück. 2. Lauf: 1. Thomas LS Min 47 Sek., 2. Krupkat 530, 3. Lewanow 7120 Meter zurück; Wittig aufgegeben. G c s a m t k l a s s e m e n i: 1. Thomas 80 Kilometer. 2. Krupkat 76,170 Kilometer, 3. Lewanow 68.090 Kilometer.— Handicap, 3 Runden: 1. Stolz 1 Min. 5 Sek.(85). 2. Amor: ilOO), 3. Radomsii(90), 4. Schulz(65), 5. Vinzelberg(85 Meter Vorgabe); Arend, Ostermeier und Stake unterlagen schon in den Vorläufen, Rütt und Bcttinger im Endlaus.— Hauptfahren. Endlauf über-6 Runden: 1. Stabe 3 Min. 14 Sek., 2. Rüii, 3. Arend, 4. Tadewald, 5. Stolz.— Kleines Malfahren, 8 Runden: 1. Ostermeier 1 Min. 32 Sek., 2. Amort, 3. Häusler, 4. Abraham, 5. Kudela.— P x am i e n f a h h e n, 20 Runden: 1. Rütt 8 Min. 23 Sek., 2. Tadewald, 3. Stabe, 4. Abraham. 5. O'termeier.— Zweisitzerfahrcn, 6 Runden: 1. Rüti- Stabe 2 Min. 29 Sek., 2. Gebr. Tietz, 3. Häusler-Wegener. 4. Tetzlass-Kendelbachsr, 5. Ostettneier-Abraham. Wirtschaft Abschluß der Tarmstödter Bank. Die Bank für Handel und I n d u st r i e, die man an der Börse kurz Darmstädter Bank n?nnt. hat ihre Hauptsitze in Berlin am Schinkelplatz und in D a r m st a d t. Sie tvuroe lLb3 konzessioniert und arbeitet heute mit 160 Millionen Mark Aktienkapital. Der Abschlust 1013 zeitigt einen doppelt so hohen Reingewinn als das Vorjahr, nämlich L0 Millionen Mark, aus dem statt 6 Proz. jetzt 8 Proz. Dividende gezahlt werden sollen. Wie sich bereits aus den Abschlüssen der anderen mit einem D im Namen beginnenden Banken ergeben hat, weisen auch die der Darmstädtcr Bank übergebenen fremden Einlagen eine ganz gewaltige Steigerung auf von 2 auf 4 Milliarden Mark."Der Spekulationstaumel cm der Börse mit seinen Niesen- umsähen hat den Banken ein geradezu glänzendes Konjunkturlahr gebracht. So zeigen dennoch auch die folgenden Zahlen, wie dre großen Gewinne entstanden sind: Einnahmen: 1013 1318 1317 ISIS M. M. M. M. Provisianen... 27 4W3i6 15 704 403 13 188 217 10 244 880 Zinsen..... 57 587 204 26 342 573 22 053 344 16 894 442 Bruttogewinn T. 85 721 533 43 770 174 35 904 469 27 757 041 Ausgaben: HandlungS-Unkosten 54 647 277 23 183 335 20 326 117 15 177 248 Steuern.... 6 135 529 2 780 677 1 280 842 1 834 228 Reingewinn Dividende. Kapitalisten Profite und Konjunkturgewinne herausholen zu wollen, dieses Streben muß unter allen Umständen auSgeschlosien werden. Der Aufbau der neuen sflotte ist Sache des ganzen Volkes. Die Erzeugung des Sctr.ffbcmmatemls und seine Verarbeitung zu Schiffen sollte in Wirtschaftseinheiten, in sogen, gemischten Werken erfolgen, um alle Zwischengewinne zu ersparen. ... 21) 876 205 .,. 8 Proz. in M. 12 800 000 10433 928 6 Proz. 9 600 000 13 253 836 10 468 301 7 Proz. 6 Pro,. 11200 000 9 600 000 2 Millionen Mark erhalten die Astpensionäre. Wenn man die Einlagen bei den 8 Berliner Großbanken zusammenzählt, so erhält man den gewaltigen Betrag von 46 Mil- liarden Mark Privatkaprtal, von dem allerdings ein Teil ausländi- scheu Ursprungs ist. Mit diesen Kapitalien haben die Banken m großen Beträgen Schatzwechsel des Reiches gekaust, damit das Reich aus diesen Barmitteln seine laufenden Verpflichtungen erfüllen kann. Man erkennt aus diesem gewaltigen Anschwellen des Privatkapitals bei den Banken, daß die Steuerverwaltung infolge der riesigen technischen Schwierigkeiten bei dem Einziehen der Kapital st euern bisher oersagt hat. Während Arbeitern und Angestellten der Steuerabzug vom Lohn auferlegt wcrd, uer- dient das Privatkapital erkleckliche Zinsen, das Reich mutz aber die Reichsbank zu ununterbrochenem Neudruck von Papcergelo veranlassen._____ Zum Aufbau der Handelsflotte. Wir brachleu kürzlich eine Mineilung über die schlechteBe» lieferung der Wersten mit Walzmaterial. Zu der außerordentlich wichtigen Frage des Wiederauf« baueS der Handelsflotte bringt die„Voss." folgende Ans« jührungen: Bisher wurden den Reedern als Ersatz für verlorene oder genommene Schiffe der Friedenspreis zuzüglich eines Auf- schlages von 50—70 Proz. zugebilligt. Der BanpreiS eines Schiffes ist aber annähernd um das Z w a n z i g s a ch e gestiegen. Die unvermeidlichen Lasten deS Wiederaufbaues einer Handelsflotte werden verteil! werden müssen auf das zur Enlschädigung verpflichtete Reich, auf die interessierten Reedereien und in Form von Lohnminderung, Akkordarbeit und Arbeitsfleiß, aus die W e r st e n und A r b e i t e r. See- fahrt ist not und ist Voraussetzung für arbeils'chaffenden Roh- stoffimport und gewinnbringend« Exporte. Regierung und Volk müssen zusammen neue Schiffe bauen, muffen so den brach- liegenden Arbeilskräften Lohn und Brot schaffen. Schiffsbau- malerialexporte ins Ausland bringen nur einigen wenigen Jntcr- esienten momentane Gewinne, stärken die Konkurrenz der anderen und machen uns dauernd t r i b u r v f l i ch t i g der Frachtlyrannei der Welt und abhängig von dem Wohlwollen anderer. Diese Ausführungen lassen mit vollster Deullichkeit erkennen. daß der Wiederaufbau der Handelsflotte nur auf gemein Wirt- schaftlicher Grundlage erfolgen darf, d. hi daß das Unier- nehmcrinieresse in engsten Schranken gehalten werden muß. Die Konkurrenz im Schiffbau sollie wohl erhalten weiden, um zur Erzielung der technisch billigsten Produltion zu gelangen, aber dieser Wettstreit muß innerbalb einer Produktions- g e m e i n s ch a f t der Werften und Reedereien ausgcfochtcn werden. auf die da» Reich einen en-scheidenden Einfluß ausüben kann. Aus Kosten der Kovf« und Haiivarbe ter zugunsten der beteiligien Der Kampf um das Brot in Frankreich und Jtasten. Die Bewirlschafiimg des BrotgelreideS in Frankreich. Der von der französischen Regierung eingebrachle Geseizeinwurs über die A e- wirlschaftuiig der diesjährigen Brolgelreideernre ist nach langen Erwägungen der zuständigen Ministerien laut ZeituiigSnaÄrichlei! nunmehr in verschiedenen Punkten geändert lverden. Die Regien, ng beabsichngt, die gesamte iulandische Wcizenrrute in dicicui Jahr auszukaufen und sich gieichzenig das Recht der Einfuhr von ailsländischem Weizen vorzubehallen. �Der Preis für Weizen foll durch eine außerparlamen- arische Kommission bestehend aus Abgeordneten, Senatoren, Vertretern der Ministerien, des Landbaues, des Handels und der Müllerei, mir Gültigkeit für ein Jahr festgesetzt weiden, und man nimmt an, daß er sich zwischen 36 und 95 Fr. für den Zeniner<230 M.> bewegen wird. ,Le Soir" erklärt, daß die französische Landwirtschaft durch die Festsetzung der Höchst- preise das Interesse an einem rationellen Anbau des Brot- getreides verloren habe. In Frankreich würden nur 14 Doppel- zeniner je Hekiar bebauler Fläche erzielt, während der Hektar in D ä n e m a r k 3l, in H o l l a n d 23, in Deutichland 22 und in England 21 Doppelzentner bringe. Das gleiche Verhälinis bestehe hinsichtlich der anderen Getreideanen und der Kartoffeln, obgleich der Boden Frankreichs fruchtbarer als der Tenlsch- landS fei Die geringeren Ergebnisse seien daran? zurückzutübren, daß die Forschungsergebnisse der Chemie und die M a- schinenarbeit noch keine genügende Anwendung ,n Frankreich fänden. In Italien tobt der Kampf um die Verdoppelung des Brotpreises. Das erschütterte Kabinelt hatte den Gesetzentwurf vor seinem Rück- tritt zurückgezogen. Gegen die Erhöhung des Broipreises kämpften vor allen Dingen die Sozialisten. Als N i t t i am 30. Mai bei der Besprechung des Budgets Andeutungen machte, die Negierung sehe fich gezwungen, den Broiprers zu erhöhen, wenn sie über- Haupt aus dem täglich wachsenden Fehlbetrag berauS- kommen wolle, erzwangen die Sozialisten die Annahme einer Tages- ordnung. in der die Kammer anerkannte, daß für die arbeiten- den Klaffen der heutige politische Brotpreis beibehalten werden solle, und daß der Staat die dadurch erwachsenden Ausgaben durch st raff st es Heranziehen der Kxiegsgewinne und der großen Vermögen decken solle. Es ro'i: die Besprechung über die Lage auf btjt Tarif- gebiete usw.? ieser Gegenstand- wird in g e s ch l» s s e v e r Sitzung behandelt._ Trrcik der Zimmerer i» Frankfurt a. M. Nach einer Drahtmeldung aus Frankfurt a. M. waren die Zimmerlente im Bereich des mitteldeutschen Arbeitgeberverbandes um Erhöhung der Slundenlöhirc vorstellig geworden, was abze» lehnt wurde. Die Unternehmer stellten das Ansinnen, der ge- genwärtige Tarifvertrag möge zwei wertere Monate Gültigkeit: haben. Dieses Ansinnen lehnten die Gehilsen des Baugewerbes ab. wcs.ialö es in den einzelnen benachbarten Städten bereits zu Ar» b e i r s e i n st e l l u n g e n kam. Da für das Frankfurter Wr'sf. schastsgsbiet keine friedliche Einigung zu erzielen ist, wollen o« Gehilfen aus dem Wege des Streiks ihre Forderungen mit all«-« Nachdruck von heute, Montag, ab durchsetzen. GewerMaftsbewegung vecbanöstag öer SuchK?ucker. Nürnberg, 16. Juni. Auf den Vorschlag deS Vorsitzenden wende» alle Statuten- änderungs- und Unterstützungsanträge einer Kommission zur Be- ratung und Entscheidung überwiesen. Eine Erhöbung der Reisetage- und Arbeitslosengelder soll vorgenommen werden. D r e ß l e r- Leipzig resertent über Scha-sung einer Lehrlingsabteilung unter eirigeR-ndcr Würdigung der Lehrlingsordnung. DaS Referat löst eine längere Debatte aus. ES folgt die Beratung der Anträge, die die S P a r t e n be- treffen. Nach Entgegennahme eines kurze» Referats begründet V i e r a t h- Berlin einen Antrag der Zentrutkommissionen der Sparten, der ein ersprießliches Arbeiten der Zentrallommissionen der Sparten mit dem Haupivorstand hcrbeifiihren soll. In der Dis- kussion tritt D o m i n s- Frankfurt für Zulassung der Freien Faktorenvereinigung ein. Verschiedene Anträge verlangen die Aushebung deS Kölner Beschlusses, der das Verhältnis der Sparten zum Verbände regelt. Vors. S e i tz betont den ablehnenden Standpunkt des Vorstandes gegen die Zulassung der Fakwrenver- einigung und erklärt die Aushebung des Kölner Beschlusses für un. tunlich. Er empfiehlt, die Defotte über diesen Punkt vorläufig zu schließen und die Anträge- einer Kommission zu überweisen. Der Antrag auf Schluß der Debatte wird abgelehnt, aber nachdem einige Redner gesprochen, aus der Dersanimlung heraus von neuem ge- stellt und angenommen. Angenommen wird ein Antrag Hamburg- Altona, den Kölner Beschluß auizuhebon und durch neue, den Zeitverhältnissen entsprechende Bestimmungen zu ersetzen. Die übrigen Anträge gehen an die Kommission. "W Achtung Zimmerer! Wogen Nichtanerkennung des neuabgeschlosseneii Tariflohns wird biermit über die Werkzeugfabrik Stock u. Co., Berlin-Marienselde, flroßbeerenstraße 43, Abteilung Modell- und Fabriktischlerei Adolf Allivardr, und den Villen-Rcubau in Müncbendorf. ausgeführt von derselben Firma, die Sperre verhängt. Kein Zimmerer darf dorr in Arbeit treten. Zentralverbcmd der Zimmerer.Deutschland«. Zahlstelle Berlrn und Umgegend. Ter Tarifvertrag im Friseurgewerbe. Nach den? rssultaloS verlaufenen Streik ist tl nunmehr doch gelungen, wieder zu einem Vertragsverhältnis im Friseurgewerbe zu kommen. Danach betragen die Mindestlohne für Herren- iuiseure 185 Rk., für Tamenfrissuve 145 Mk., für gelernte Fri- seusen 145 Mk., für Friseusen ohne regelrechte Lehrzeit nach ein. jähriger Tätigkeit als Gehilfin 95 Mk., nach zwei Jahren 120 Mk.. nach drei Jahren 145 Mk., kür Haararbeiter und-arbeiterinnen 120 Mk.. qualifizierte 145 Mk.. für Haarpräparatoure und Ein- richter 175 Mk. sbej Akkordarbeit tritt«in Aufschlag von 80 Praz. «ruf den Stundenlohn ein). Handpflegerinnen werden mit 165 Mk. entlohnt. Für Aushilfe betragen die Stundenlöhn« für Herren- frifeure 3,90 Mr., für Damensriseure 4,50 Mk. Sonna-bcnd- und Sonntag-AuSh.lfen von Sonnabcnd l Uhr ab werden mit 37/50 M!. entlobnt Verkaufsprozente werden mindestens 10 Praz. bezahl:. Die Lohnwoche endet am Mittwochabend: an diesem Tage findet auch die Lohnzahlung statt. Bessere Verhältnisse in der Bezahlung dürfen nicht herabgesetzt oder i» Anvcchnung gebracht wer- den, ebenso dürfen auch kürzere Arbeitszeiten nicht verlängert we» den. Die Arbeitszeit ist dieselbe wie im alten Tarifvertrag. Der Vertrag gilt vom 21. Juni ab bis 1. Oktober 1620, Ei« verständiger Entscheid. Frankfurt a. M., 20. Juni.(Eigener Drahtbericht des„Bor- warrs".) Eine wichtige Entscheidung fällte der Schlichtungsaus- schütz. Die„Adlerwerle" hatten infolge zu geringer Beschäftigung. besonders in der Abteilung Automobiiibau, 340 Arbeiter entlasse». denen jetzt weitere 135 folgen sollten. Der SchlichtungSausschuh versagte die Zustimmung zw den Entlassungen und hob hervor, daß in der gegenwärtigen Zeil nichts unversucht bleiben dürfe, um durch A r b ei t S str e ck u ng oder Unter. bringung in andere nach gut beschäftigte Ab- t e i l u n g e» die überflüssig werdenden ArbeitÄcäfte zu halte«. Bund der technische« AngrftrSten und Beamte«. Fachzruppen. Versammlung privater Verkehrsuntcrnehnumgcn am DonnerStaglden 21, Finr, nbenas Y'/jUtr im Nationaibos. Büiowstr. 37.— Versainml>lng der Be- liördeiiangcstelten in Havcrlands Festsälen. Neu« Friedrichftr. 35, am Mitt- woch, den 23. Juni, abends 7 Uhr. Deutscher Werkmeisterverband. K-ntonI Dienstag, den 22, Juni, nachm. 5 Uhr, Restaurant Wichtige Beschlufsassung._ brauche. Beriammlung am t Schultheiß, Brückenstr. 6b. Wettcransffchren für das mittlere Rorddentschland dts Mittwoch iiilillig. Mähig warm, zeiiweise heiter, jedoch überwiegend demvitt, mit wiedeiholten leichten Regeissällen und größtenteil« schwachen, im Binneniande veränderlichen, an der Küste meist östlichen Winden Jerantw, für de» redalt, Teil: Dr. Werner Pctser, Charlottenburg: für!l»zeigen: Tu. Gleite, Berlin. Vertag: VorirärtS-Berlag ip. NI. 6. Sx, Berlin, Druck: Var- würts-Buchdruckerei u, BerlazsanfiaU Vaul Singer u, Ca,, Berlin, Livdenttr. L, Lvmmer-I'keater' „LroL-Lsrlin" vorrn.Kliern, Hasenheide. � Fßrsterchristel �-Erslkl.Spezialitä!EDj Ka 1 se vorm, 10- 1 u. ah 3 U I 1 7»/, Theater Ist | Direkt. James Klein, j I letzte Tage! Natura- | ilstlscb-phantastlsch. 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