Ifo 514 ♦ 57.�ahryang Ausgabe A Nr. 10 BeMqSpreiS: S stWiS�rUSOt— äRUmnnatUO,— 9R5. frei ins San», voraus zahlbar. Post- dezug: Monatlich 10,— Ml.«xkl. Zu» stellungsgebühr. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich 1S,r0 Md. für das übrige Ausland bei täglich einmal. Zustelluna 21S0 M. Vostde» ftellungen nehmen an Oesterreich, Unzarn, Tschecho-Slowaiei, Däne- marl, öolland. Luxemburg, Schweden uud die Schweiz.— Tmgetrazen in die Post-?eitung»-PreisIifti. Der„Vorwärts* mit der Sonntagsbeilage„Volt u. Zeit* erscheint wachen- täglich zweimal, Sonntags und Man- tags einmal. Telegramm-Adreste: „Sozialdemokrat Secfla'. Morgen Ausgabe Derltnev Nolksblatt (20 Pfennig) Anzeigenpreis: Die achtgespaltene Nonpareillezeile koftei»,— M., Teuerungszuschlag 50°/» Kleine Anzeigen-, das fett- gedruckte War! 1,— M. szuläfsig zwel fettgedruckte-Wortes, jedes weitere Borr SO Pfg. Siellengesuche und Schlafstillenanzeigen das erste Wort IS Pfg. jedes weitere Wort 40 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Teuerungszuschlag 50%. �amllien-Anzeigen für Abonnenten Feile%— M., politische und ge- werkschaftliche Vereins- Anzeigen 8,— Ml. die geile ohne Aufschlag. Anzeigen für die nächste Nummer Müssen bis 8 Ahr nachmittags im Hauptgeschäft, Berlin SW 68, Linden- ftraße 3, abgegeben werden. Seöfinei oon S Uhr früh bis 5 Uhr abends. �entralorgan der rozialdcmokrati fchcn Partei Dcutfchlands Neüaktion und Expedition: SM. 6$, Lindenstc. 3. aernivrecher: Amt MorlSPla«, Nr. Lal SO— Talg?. Mittwoch, den Ü3. Juni 1»20 vorwärts-verlag G.m. d. tz., Ew. es, Lmüenstr. S. Frrusprecher: Amt Moridplaü, Nr. 117 53— 54. ßchrenbachs Schwierigkeiten. Sozialdemokratisthe Erklärung.— Demokratische öedenken. Neue Forderungen der Deutschen volkspartet. Die sozialdemokratische Ncichstagssraktion beschäftigte sich in ihrer Sitzung am Dienstag mit der Frage der grund- sätzlichcn Stellungnahme zu der in Bildung begriffenen neuen Regierung. Nachdem die Genossen Hermann Müller und Loebe über die bisherigen Verhandlungen berichtet hatten, wurde nach mehrstündiger Debatte, an der sich etwa 20 Redner be- tciligten, gegen 5 Stimmen bcschlosicn, beihder Vertraucnsab- stimmung, die der Abgabe der Regierungserklärung folgen wird, Stimmenthaltung zu übe«. Die Fraktion glaubte nach Erwägung aller Gcgengründe nicht weiter gehen zu können, da sich die Abgabe eines V c r- trauensootums für eine Regierung, der Mitglieder der Deutschen Volkspartei angehören, mit ihren Auffassungen nicht verträgt. Die Fraktion beabsichtigt ihre Stimmenthaltung so zu motivieren, dasi der neuen Regierung in ihrer Stellung der Entente gegenüber i n S p a keine Schwierigkeiten erwuchsidt. Ausierdem hat die Fraktion beschlossen, die von der Na- tionalversammlung infolge der Obstruktion der Rechten nicht erledigten Ansschnsibcschlüsse über die Abschaffung der Militärgerichtsbarkeit als Initiativantrag einzubringen und zu beantragen, daß von einer neuen Änsschußbcratung abgesehen werde. Heute vormittag 11 Uhr tritt die Fraktion zu einer neuen Sitzung zusammen, in der sie sich voraussichtlich auch mit der Frage des Reichstagspräsidiums zum erstenmal beschäftigen wird.(Zeitungsmcldungen, wonach sie zu dieser Angelegenheit schon Stellung genommen haben sollte, waren falsch.) Die demokratische ReichstagSfraktion trat, nachdem sie von der Stellungnahme der sozialdemokrati- scheu Fraktion Kenntnis erhalten hatte, zu einer Sitzung zu- sammen. Man war sich darüber klar, daß unter diesen Um- ständen eine Regierung, die, vom Vertrauen der Mehrheit des Parlaments getragen, in Spa zu verhandeln vermöchte, auk der beabsichtigten Grundlage nicht gebildet werden könne, und man vor einer ganz neuen Situation stehe. Von diesem Beschluß wurde dem Parteiausschnß Kenntnis gegeben, der auch angesichts der neuen Situation das der Fraktion ausgesprochene Vertrauen ausdrücklich erneuerte. Die Fraktion der Deutschen Volkspartei ist sich am Dienstag im Verlans ihrer Aussprache darüber klar geworden, daß die vom Reichskanzler Fehrenbach vorge- schlagcnr M i n i st e r l i st e für sie nicht annehmbar ist. Die Fraktion hält nach wie vor daran fest, daß das große Gebiet der Wirtschaft ein einheitliches Arbeitsgebiet ist, und daß deshalb die Fragen des Verkebrs, der Post, der Wirtschaft und der Finanz im Ausammenhang gelöst werden müssen, und daß zu diesem Zweck hervorragende, fachmännisch geeignete Persönlichkeiten, unbeschadet der Par- teistellung, für die Lösung dieser Aufgabe gewonnen werden müssen. Die Fraktion der Deutschen Volkspartei will, diesem Grundsatz entsprechend, dem Reichskanzler ihre Vorschlags- liste überreichen. Das Schiff Constantin F e h r e n b a ch ist gestern abend kurz vor dem Hafen zugleich auf zwei Minen aufgelaufen. Der heutige Tag muß enffcheiden, ob es scheitert, oder ob hie Schäden reparierbar sind.. Es ist zur Stunde noch nicht festzustellen, ob die De- mokraten in der Frage des Mittelbtocks wirklich schon das letzte Wort gesvrochen haben. Wäre dem�so, so wäre das einigermaßen überraschend. Nachdem die Sozial- demokratische Partei zuerst die Beteiligung an einer Regie- rung, die von der Deuffchen Volkspartei gebildet wird, dann aber auch die Beteiligung an einer Regierung, in der diese Partei vertreten ist, abgelehnt hatte, konnten die Domo kraten kaum erwarten, daß die sozialdemokratiiche Fraktion einer Regierung, in der die Deutsche Volkspartei sitzt, ihr Vertrauen aussprechen würde. Hätte unsere Fraktion zu einer solchen Regierung Vertrauen, was hinderte sie, in ihr mitzutun? Verweigert sie diese Beteiligung, so drückt sie schon dadurch aus, daß ein Vertrauensverhältnis nicht besteht — wie kann sie dann, ohne sich mit sich selbst in Widerspruch "pi setzen, ihr Vertrauen votieren? DaL Verlangen der Demokraten nach einer sozialdenw* kratischen VertrauenSzusage in diesem Augenblick eilte zudem den Ereignissen weit voraus. Weder lag der sozialdemokra- tischen Fraktion eine endgültige Ministerliste noch der endgültige Text der RegierungZerklärung vor. Selbst wenn nicht grundsätzliche Bedenken den Ausschlag gegeben hätten, was tatsächlich der Fall war, so hätte die sozialdemokratische Fraktion einer Regierung dienoch garnicht gebildet i.st, und deren Programm noch gar nicht feststeht, unmög- lich das Versprechen geben können, sie werde ihr in Lffent- licher Sitzung ein Vertrauensvotum ausstellen. Denn das hätte ungefähr geheißen:„Wir kennen zwar die Absichten der Regierung noch nickst, wir kennen sogar die Regierung selber noch nicht, aber wir billigen sie." Konnte eine solche Zumutung ernstlich gestellt werden? Von der neuen Regierung war der Fraktion— außer einigen Bruchstücken— zuverlässig nur soviel bekannt, daß die Deutsche Volkspartei an ihr teilnehmen werde, und diese Tatsache genügte ihr, um zu dem Beschluß zu kommen, daß der Regierung ein Vertrauensvotum nicht gegeben werden könne— so sehr man auch den Wunsch hatte, ihr Gelegenheit zu geben, zu zeigen, was sie kann und was sie nicht kann. Wie wenig es angebracht war, der Deuffchen Volkspartei mit blindem Vertrauen zu begegnen, zeigt ihr eigenes Ver- 'halten. Die Kombination Fehrenbach ist Heute aufs äußerste gefährdet, auch ohne den Beschluß der sozialdemokratischen Fraktion durch die neueste taktische Schwenkung der Volkspartei. Gestern 9 Uhr abends schien folgende Ministerliste festzustehen: Aeußeres Simons, Justiz H e i n z e, Finanzen W i r t h, Post G i e s b e r t s, Emährung Hermes, Reichs- wehr G e ß l e r. Inneres Koch, Verkehr G r ö n e r. Noch nicht enffchieden war über Wirffchost, Schatz, Wiederaufbau und Arbeit. Das letztere Ressort sollte auf alle Fäll« an einen christlichen Gewerkschaftsvertreter fallen. Bezüglich des Regierungsprogramms war eine Einigung wenigstens über den verfassungsrechtlichen Text zustande gekommen. Er sollte folgenden Wortlaut haben: Die vordrnnglichste Sovge ist der Wiederaufbau des zu- sammengebrochenen Vaterlandes. Ihn ans dem Boden der be- stehenden republikanischen StaatSform tatkräftig zu fördern, ist der einheitliche und feste Wille der Regierung. Alle Parteien fordern wir auf, in einer Zeit, in der es um Leben und Sterben des Volkes geht, i-n der auswärtige wirtschaftliche und finanzielle Fragen unsere gesamte Kraft in Anspruch nehmen müssen, verfassungsrechtliche Kämpf« zurücktreten zu lassen. Die Regierung wird mit Entschiebenheit alle Versuche einer gewaltsamen Umwälzung, woher sie auch komme, be- kämpfen. Wir stehen auf dem Boden der politischen Gleich- berechtigung aller Deutschen und lehnen daher jeden Versuch der Aufrichtung einer Klassenherrschaft oder die Bewilligung von Vorrechten an eine Klasse ab. Unser Ziel ist eine Politik der Ver- söhnung und des Ausgleichs auf politischem, sozialem und kultu- rellem Gebiet. Deswegen bekämpfen wir jeden Klassen- und Rassenhaß, jede soziale und religiöse Vergewaltigung. Der entscheidende Gesichtspunkt bei Besetzung der nicht vein politischen Aemter wird für uns die persönliche Tüchtigkeit, nicht die Partei- zugehörigkett sein. Von den Beamten und von den Angehörigen der Reichswehr verlangen wir, daß sie, auf dem Boden der Verfassung stehend, gewillt sind, in ihrer dienstlichen Tätig- keit die Regierimg rückhaltlos zu unterstützen. Inzwischen hat die Deuffchc Volkspartei gegen die Mi- msterliste Einspruch erhoben. Aendert sich aber die Zu- scmrmensetzimg der Regierung, so ändert sich naturgemäß auch das Programm. Und nach welcher Richtung die von der Deutschen Volks- Partei erstrebte Aenderung erfolgen soll, ist wirklich nicht schwer zu erraten. In welcher Lage wäre die sozialdemokratische Fraktion heute, wenn sie gestern, dem Wunsch der Demokraten ent- sprechend, beschlossen hätte, der neuen Regierung ihr Ver- trauen auszusprechen? Wären wir dem Wunsche der Demokraten nachgekommen, was wir, wie gesagt, ans grundsätzlichen Erwägungen nicht konnten, so waren wir, auch rein takffsch genommen, die blamierten Europäer gewesen— und die Bildung einer wirk- lich mittleren und nicht rechten Regierung wäre dann wahr- scheinlich erst recht noch an den übertriebenen Forderungen der Deutschen Volkspartei gescheitert. Durch das demokratische Drängen noch einer sozialdemo- kratischen Vvrtrauenserktärung, die nach Lage der Dinge gar nicht gegeben werden konnte, und mehr noch durch dos unge. stüme Rechtsdräugen der Deuffchen Volkspartei ist abermals eine überauskritischeSituation entstanden. Die drei Parteien, die gestern noch zur gemeinsamen Regierungsbildung fest entschlossen zu sein schienen, müssen selber sehen, wie sie ans ihr wieder herauskommen, wenn anders sie nicht den Beweis erbringen wollen, daß das Bürgertum in Deuffchland überhaupt nicht mehr imstande ist, eine Regierung zustande zu bringen. Die Sozialdemokratische Partei lwt dem Zu- standekommen einer bürgerlichen Regierung wahrhastig keine Schwierigkeiten in den Weg gelegt— wenn aber schon ihre Neutralität genügen sollte, diese Regier» i:g unmöglich zu inachen, dann ist eine weiter nach rechts gerichtete Regie- rung, wie sie die Deutsche Volkspartei anstrebt, die dann naturgemäß die schärffte sozialidemokratijche Opposition her- ausfordern würde, e r st recht nicht möglich. Wenn sich also die Deuffche Volkspartei nicht bescheidet und wenn sich die Demokraten nicht mit einer abwartenden Neutralität der Sozialdemokratischen Partei begnügen wollen, dann ist die Krise Pap neuem eröffnet, und alles ist wieder ins llnaewisse gestellt. * Im Reichstag sollte am Donnerstag die Konstituierung, am Freitag die Wahl des Präsidenten erfolgen. Für den Sonnabend wurde dann die Regierungserklärung und die Programmdebatte in Aussicht genommen. Ob angesichts der neu enfftandenen Schwierigkeiten dieser Plan anfrechlerhalten werden kann, steht dahin. Selbsthilfe gegen üen Wucher. Lebensmittelnnruhen im Weste». Ueber die LebenSmittelunruheu, die sich in Osnabrück ab- spielten, haben wir bereits kurz berichtet. Die Lage bat sich dort in den letzten Tagen außerordentlich tuuachärst. Selbst die Scherl- Presse, die im Dienste des Grotzkavitais den Kampf gegen die „Zwangswirtschaft" und für die Autzbeutungsfreibeit des„freien Handels" führt, muß heute aus Osnabrück berichten: Die Unruhen mrEpnen ihren Ausgang auf dem Wochen- markte, wo eine Anzahl von Landleutcn und hiesigen Lebens- mittelbändlern für Kirschen, Erdbeeren usw. ganz austerordeutlich hohe Preise forderten. Es kam zunächst zu einein Käuferstreik und dann wurde, allerdings reichlich spät, durch die Polizei eine erhebliche Herabsetzung der Preise für die genannten Obstsorten angeordnet. Infolge einer unvorsichtigen Aeußerung einer Geinüsehändle- rin stürmte die Bevölkerung deren Laden und plün- derte ihn aus. Dann ging man in die nächsten Lebens- mittelläden und verfuhr dort in derselben Weise. Wo nicht alles geraubt wurde, da wurde von einsichtigen Leuten zugunsten der Geschäftsinhaber die Ware zu angemessenen Preisen verkauft und der Erlös dein Geschäftsinhaber übergeben. Schließlich griff diese Selbsthilfe, an der sich eine große Menschenmenge beteiligte, auch auf die Schuhwarengeschäste über. Einige wurden fast gänzlich ausgeräumt uud ausverkauft, und zwar das Paar Stiefel oder Schuhe, aus die Preise von 200 M: und darüber stan- den, zu dem Einheitspreise von 50 M, Auch die Gastwirtschaften und Hotels wurden nach Lebensmitteln Untersucht uud„aus- verkauft", wo sich Vorräte vorfanden. Gestern waren die Hauptgeschäftsstraßen von einer erregten Menschenmenge besetzt. Zpm Schutze der Geschäftswelt wurde aus Hannover eine H u n- oertschast der grünen Sicherheitspolizei herbei- gerufen, der es im Verein mit der hiesigen Polizei und der Orts- wehr gelang die Hauptgeschäftsstraßen gänzlich abzusperren und weitere Plünderungen und Selbsthilfen zu verhüten. Nachmittags fanden große Ansammlungen vor dem Gcrichtsgesängnis statt, die sich abends wiederholten. Da die Menge eine drobendc Haltung annahm, sab sich die Ortswebr genötigt, einige, Schüsse abzugeben, durch die eine Anzahl Einwohner vcrwnndet wurde. Die Lebensmittelunruhen haben bis jetzt offenbar keinen politischen Ebaraktcr, da die»rganisiertc Arbeiterschaft der Bewegung fernsteht und das ungesehliche Treiben mistbilligt. Die Unabhängigen Osnabrücks ließen ein Flugblatt verbreiten, in dem es u. a. beißt: „Laßt Euch von den Hetzern nicht zu Gewairtätigkeiten hinreißen, denn diese Schurken versuchen hier wie schon in vielen anderen Städten ein Blutbad unter dem Volke anzurichten. Wir fordern Euch auf, die Straße zu verkassen! Wahrt Ruhe und Besonnen- heit! Auch in Krefeld ist es zu ähnlichen Vorkommnissen gckom- mcn wie in Osnabrück, Es wird von dort berichtet: Nach einer Massenkundgebung gegen die Teue- rung zog eine große Menge zur Marltyalle und plünderte sie vollständig aus. Gegen abend stürmte die Menge das Waren- bans von Leovbard Tietz, zertrümmerte sämtliche Schaufenster. warf sämtliche Waren ans allen Stockwerken ans den Fenstern auf die Straße und verschleppte sie dann. Auch mehrere «rttdere Geschäftshäuser, vorwiegend Schuhwarengeschäfte, üMxcn bft Wut der aufgeregten Rengs ausgesetzt, die auch hier die Schaufenster einschlug und die Auslagen raubte. Die Schutzmann- fchaft war dem Treiben gegenüber vollständig machtlos. Erst in den Abendstunden gelang es der belgischen BesatzungZ- ibehörde, mit einem starken Truppenaufgebot die Ruhe und Ordnung wiederherzustellen� Bei den Zusammenstößen wurden zahlrcichc Personen mehr oder minder erheblich verletzt. Der durch die Plünderungen angerichtete Schaden wird auf mebrere Milli» nen Mark gesclzätzt. Di« hiesige Lebensmittrlkommission hat be« schwssen. Ob st. Gemüse und andere Lebensmittel in großen Mengen aufzukaufen und zum Selbstkostenpreis« an die Bevölkerung abzugeben. Aufkäufer dürfen vor Ist Uhr vormittag» den Markt nicht mehr betreten. u Infolge der hohen Obstpreise entstand auch in Frankfurt /Main) auf dem Markt ein großer Krawall, der dazu führie, daß die erregte Menge die Obstständ« stürmte, die Körbe umstülpte und das Obst, Kirschen, Erdbeeren und Heidelbeeren, zertrat. Auch in den einzelnen vests ä-lischen Städten sind OebcnS- mittelunruhen ausgebrochen. In Stuttgart fanden große D e m o n st r a t i o n e n der Iln- abhängigen und Kommunisten vor dem Rathause statt, die sich hauptsächlich gogen die Lebensmittelteuerung rich- tetcn. Die preußisthe preßyesetzgebung. Bon juristischer Seite wird uns geschrieben: Zur preußischen Verfassungsberatung empfiehlt es sich, die Aufmerksamkeit auf die noch bestehende preußische Preß- gcsetzgebung zu lenken. ES handelt sich um die ZS st und Ist des preußischen Preßgesetzes vom 4. Juni 1851, welche nach§ 30 Abs. 2 des Reichspretzgcsctzes in Kraft geblieben sind und auch durch die Revolutionsgesetzgebung bisher nicht beseitigt wur- den. Diese Vorschriften, die aus der Reaktionszeit nach 184 8 stammen, verbieten alle Plakat«, welche einen anderen In halt haben, als Ankündigungen über gesetzlich nicht verbotene Per» sammlungen, öffentliche Vergnügungen, gestohlene und gefundene Sachen, Verkäufe und andere Nachrichten für den goweMichen Verkehr. Danach sind alle Plakate, die daß politisch« Gebiet berühren, unbedingt verboten. Plakate, die den zulässigen Inhalt haben, sind allerdings erlaubt, bedürfen aber in jedem ein» zelncn Falle polizeilicher Genehmigung. Da die? natürlich praktisch nicht durchführbar ist, so ist für lediglich gewerb liche Ankündigungen durch die allgemeinen Strahenpolizeiorrokd nungcn in gewissem Umfange eine generrlle Genehmigung erteilt. Das preußische Preßgesctz verbietet ferner die unentgeltliche öfsentliche Verteilung von Druckschriften. Die Porschriften de» preußischen Preßgesetze» sind bekanntlich vor der Revolution von den Polizeibehörden sehr scharf zur Bekämpfung o p p o s i i i o- neller Parteien benutzt worden. Seit der Revolution sind sie tatsächlich fast ganz außer Uebung gekommen. Von der tat» sächlichen Platatfreiheit haben übrigen» di« rechtsstehenden Parteien mit ihren zahllosen antibolschewistischen Aufrufen und da» Militär mit seinen Werbeplakaten besonders weitgehenden Gebrauch gemacht. Dieselben Parteien zeichneten stch auch durch Verteilung von Flugblättern au», besonder» die Antisemit««. Trotzdem ist da» Gesetz nicht abgeschafft worden. Die Reichsverfassung, soweit st« sich mit der Preß» freiheit beschäftigt, Artikel IlZ, gewährleistet diese nur innerhalb der Schranken der bestehenden Gesetze, zu denen das preußisch« Preßgesetz gehört. In Preußen sind nach der Revolutton alle nicht besonders aufgehobenen Gesetze ausdrücklich aufrechterhalten worden. Andererseits überläßt daS Reichspreßgesetz§ 3st Abs. 2 — der Landesgesetzgebung da« Recht, Vorschriften über daS öffentliche Anschlagwcsen und die öffentliche unentgeltliche Per» teilung von Druckschriften zu erlassen. Unter diesen Umständen könnte bei der Beratung der preußischen Verfassung eine Regelung der Materie erfolgen, die freiheitlichen Ansprüchen Rechnung trägt. Man könnte danach unbedenklich die öffentliche Verteilung von Druckschriften freigeben und für Plakate ledig- lieh die Einwilligung des durch da» Ankleben betroffenen Eigen- Himers fordern und die Strafverfolgung vom Antrag desselben abhängig machen. Eine Reform der Materie liegt zurzeit im Interesse sämtlicher politischer Parteien und würde deshalb kaum auf großen Wider- stand stoßen. vierjähriger Landtag. Im Verfassungsau« schütz der Preußischen LandeSver- iammtung entspann sich beim Z 9(Dauer der TagungS»eit des Land» lageS) ein« umfangreiche Debatte darüber, ob die TagungSdauer nicht auf drei Jahre abgekürzt werden könne, und ob e» nicht möglich iei, eine grötzere Anzahl von Wahlen, etwa die zum Landtag, zum Provinziallandtag, zum Kreistag und zu den Gemeinden am gleichen Tage vorzunehmen. Gegen die sozialistischen Stimmen wurde schließlich die Legislaturperiode auf vier Jahre festgesetzt. Die Bestimmung«» über die Auflösung de< Landtag» wurden zurückgestellt, bis die Beratung über den Staatsrat im NnterauSschutz erfolgt ist. Im§ 11 wurde bestimmt, datz bei regelmäßigem Ablauf der Wahlperioden die Neuwahl vor dem Ablauf der vier Jahre statt- zufiuden hat. Entgegen dem Entwurf wurde beschlossen, datz nicht der Präsident des letzten Landtages, sondern die Regierung den neugewählten Landtag beruff. Während der Entwurf vorsteht, datz der Landtag autzer zu den festaesetzien Terminen auf Verlangen eines Drittels der Abgeordneten jederzeit einberufen werden mutz, beschloß der Ausschluß, daß schon daS Verlangen eines Fünftels genügen soll. die Relchsverkehrspleite. Der ReichSrat hat einen Notetat angenommen, der sofort dem neuen Reichstag vorgelegt werden soll. Die Ausschüsse des Reichsrats haben auch den Monat Oktober noch mit in diesen Notctat hineingenommen, an der Regierungsvorlage selbst aber nur wenige Acnderungen vorgenommen. Ter Notetat enthält u. a. eine beträchtliche Stellenvermehrung bei den Verkehrs- beamten der früheren Eisenbahnstaaten, deren Eisenbahnen nun» nichr auf daS Reich übergegangen sind, ebenso auch bei der Post. Der Bcnchterstatter wie« darauf hin. daß der Fehlbetrag für die ReichSpost und die Eisenbahnen in Höhe von 6,1 Milliarden Mark im Notctat festgesctzt sei, und gab der Hoffnung AuSdruck, daß es doch allmählich gelingen werde, über diese» schreckenerrcgende Defi- zit hinwegzukommen. Finanvminister Dr. W!rth unterstrich diese Ausführungen. Insgesamt würden wir allein im ordentlichen Budget der Reichkeisenbahnen einen Fehlbetrag von 15 Milliarden Mark haben, und dazu komme noch der Fehlbetrag der Post. Er benutze die Gelegenheit, um dem ReichSrat zu sagen, daß wir v o r neuen großen Zuwächsen!n den Fehlbeträgen ständen, die au« den BesoldunaSresormen der Länder hervorgingen. Tie Beamten der Länder, die in den ReichSdieirst übernommen würden. verlangten, daß sie in Zukunft ihr Gedalt so empfingen, als wenn sie noch in den Ländern verblivben wären. Damit stehen wir vor der betrübenden Tatsache, daß die ReichkebesoldungSordnung, noch ehe sie wirksam werden follte, aufgehoben ist durch die weiter» gehenden BesoldungSordnungen der Länder. Außerdem stehen wir vor dem Abschluß eines Lohntarif» für die Reichseifen» bahnen, wobei eS sich um aetvaliig« Forderungen der Organisa» tionen handelt. DaS Defizit wird sich dadurch noch« r h S h e n. Unser Schicksal teilten... Unser Kölner Parteibkatt, die»Rheinische Zeitung", war von der-Hohen Rheinkandkommission" auf fünf Tage ver« boten worden. Nachdem st« wieder erscheinen darf, dankt si« den Lesern für ihre Treue und fügt lakonisch hinzu: -Unser Schicksal teilten die„Kölnische PokkSzeitung", die„Wiesbadener Neuesten Nachrichten" und einige Pfälzer Zeitun» ritt, die alle wegen der Veröffentlichung von Artikeln»er- oten wurden, in denen die Besatzungtbehörde eine Beleidigung der schwarzen französischen Truppen er» blickte. Außerdem wurden in den füngsten Taaett unter anderm verurteilt: Fritz Blaufuß. Verleger de«„NordpsSIzer Tageblatts" in Rockenhausen, zu Iststvst M. Geldstrafe, Peter Stein, Ne» dakteue dieser Zeitung, zu gststst M. Gcldstrast. Buchdruckerelbe» kitzer und Verleger de«»Kirchheimbolanbener Anze'gers" Ao. Thieme zu einem Monat Gefängnt« und Istststst M. Geldstrafe, Karl Müller vom-Kuseler Tageblatt" zu 1000 M. Geldstrafe. Friedrich Portb, Verleger de«-Lskalanzeigcr« Cderrtheim am Glan", zu Iststst M. Geldstrafe." E« lebe dt« interalliitrte FrciheitI Hurra l der geprellte Kriegsgewinner. Die Sucht nach Orden und Titeln treibt wunderbare Blüten. Selb« in dem neuen Staatswesen ist sie nicht ausgestorben. Die Münchhausen, die republikanische Orden entrüstet zurückgeben. find nur dünn gesät. Desto zahlreicher aber sind wahrscheinlich die anderen, die auch heute noch einen Titel oder ein Bändchen im Knopfloch haben möchten, Ter nachfolgende Brief, der uns auf den Redaktionstisch flattert, spricht Bände: Schulz u. Sackur. Berlin, OHL. den 5. Mai 20. Masch.-Fabr. u. Apparatebau. Frankfurter Allee 234. An da» Reichswehrministerium Versorgungsstelle, Berlin. Dur» Herrn Oberst Lange, welcher einen Herrn Schütte be» auftragt halte, sich mit mir zwecks Hergabe größerer Beträge für oie K r i e g S p a t e n s ch a s t e n, das Tageoheun für S oldaienkinder und Offizierwitwen und-woisen. in Verbindung zu setzen, habe ich eine Summe von zusammen 90 000 M. gestiftet.... Mir wurde durch Ne»liu>igsrat Ruch des oitercn mitgeteilt. datz ich bestimmt den Titel K o m m e r z i e n r a i erhalreir sollte, was auch H-rr Major Hülsmann bestäligre. Nachdem ich dann den Beirag von 90 000 M. tm Jahr« 1917 gezahlt oarte, wurde mir mitgeteilt, datz ich wegen noch nickt erreichten Alters den vor- erwähnte» Titel noch nichr erhalten lönnte. Man vertröstet« mich auf da» Jahr lSl9.. Ich erlaube mir nunmehr darauf aufmerksam zu machen. datz die Zeil verstriche» ist. und bitte um Ernennung. Sollte sedoch wider Erwarten die Ernennung insolac der polr» tischen Umwelzungc» nicht mehr möglich sein, so bitte ich um Rück- zahlung der Beträge in Höhe von 90 000 M. Ich bemerke nock. daß ich a u f Erledigung in meinem Sinne bestehe und die Sache nicht ruhen lassen werde. Hochachtungsvoll gez. A. Kerlin. In feiner Art ist dieser-beinahe gewordene Kommerzienra:" wohl einzig dastehcnd. Seine unbegrenzte Wohltätigkeit für Soldaten- linder und Offizierswilwen in der.Schiebermonarchie" ist ihm nun leid geworden, da er nicht Kommerzienrat werden konnte. Jetzt möchte er zu den übrigen KriegSgewinnen auch noch oie wohltätigen Spenden von 90 000 M. zurückhaben. Geschäft ist Geschäft, und was tu ich mit der Wohltätigkeit, wenn ich dafür keinen Titel haben darf! Der Brief zeigt aber auch auss neue, wie notwendig die Heranziehung der grotzen Einkommen zu kräftiger„Dpferfreudigkeil" Ist. ohn« datz man durch die Wohltätigkeit stch«emter und Würdeu dafür kaufen kann._ Sozialiftenregierung in Sraunsthweig. Im Braunschweig haben die Bürgerliche» ihre antidemokratische Obfruktion gegen die Bildung der Regierung endlich aufgegeben und sich mit der Abgabe weiße» Zettel begnügt. Zu Minister» wurden gewählt di« Sozialdemokraten Antrick und«ttiubrecher, die Unabhängigen Oerter, Junke und SieverS. die Thüringer Wahlen. Weimar, SS. Juni.(WTB.) Bei den Wahlen zum Thüringischen Landtag wurden nach den bisherigen Feststellungen abgegeben: Für die Dsutschnationalen 84 128. die Deutsche Volkkpartet 90 125, Demokraten 49 921, Sandbund 92 745, Sozialdemokraten 87 720, Unabhängige 159 512, Kommunisten 5858. Es fehlen noch die alten- burgischen und die meisten meinigensche» Landorte. Repubttkanisch-öeutschnational. Dessau, 22. Juni. sEigencr Drahtbericht deS„Vorwärts") Eine aus Deutschnationalen und der Deutschen Volks- parte! gebildet« anhaltische ivirffchaftltche Frakbion des Land:.grs gab die Erklärung ab, daß die Fraktion unbedingt auf»ein Boden der Reich»- und Landesverfassung stehe. „Gazetten sollen nicht geniret werden", dachte die Besatzii« 4- behörde uno verbot den„Wahren Jakob' und de».Kladderadatsch" für den flrei« Kreuznach. Wege zuw Sozialismus. Unter diesem Titel tvird im Verlag von Paul Casstrer, Berlin,«ine Sanimlung von'Schriften herausgegeben, die jeweils eine Auswahl aus den Werken hervorragender Sozialisten mit einer Einführung vereinigt. lJeder Band kartoniert 4 M.) tt« liegen vor: Heinrich Heine, Owen, Saint-Simon,.Kant, Fichte, Hegel, Marx als Geschichtsphilosoph, Lassalle. Dies« Schriktett- reihe, die fortgesetzt werden wivd, sollte in sozialistischen und in bürgerlichen Kreisen gleich willkommen sein. Denn auch wer den Sozialismus bekämpfen will, sollte sich billig bemühen. Ihn zu kennen. Damit steht es freilich nach der Revolution noch nickt viel besser als vorher. Als ich einmal vor 30 Jahren in einem Brief« an Bebel Verwunderung darüber aussprach, daß die Schriften F. A. Langes so spurlo« an der Bourgeoisie vorübergegangen seien, awtnwrtete er mir, sie werde dieselben eben nicht gelesen haben; e« sei erstaunlich, wi« wenig man dort überhaupt lese. Desto schlimmer für die BürgerlickM! In sozialistischen Kreisen wird man die hanMchen gelben Heftchen gewiß würdigen. St« sind wicht nach einem Schema gearbeitet. Bei denen über Heine, Otoen, Saint-Simon und Laffalle bilden Auszüge aus deren Schrifien die Hauptsache, wozu dann Einleitungen von sehr verschiedenem Umfang kommen. Wendel» Aufsatz Über Heine umfaßt 28 Seiten, und waS darin von Heine« Beziehungen zu den Saint- Simomisten, Enfantin und Chevalier und von den späteren zu Marx und Laffalle erzählt wird, ist gewift für viele neu. VoK Heines politischen Gedichten sind wohl bh beiden gewaltigsten „Die schlesischen Weber" und»Die Wanderratten". Beide fehlen natllrttch Nicht; den Hauvttcrl in der Auswahl aber bilden Stücke aus den„französischen Zuständen" und au»„Zur Geschichte der Religion und Philosophie in Deutschland". Helene Simon« Ginleitung zu dem Owen-Hefi ist kürzer(13 S.); dafür erhalten wir große Abschnitte au» dessen äußerst interessanter Autobio- gravhi«. Kennt den Dichter Heine in Deutschland jedes Kind, so dürften bezeichnenderweise von dem große»«irgsischrn Menschen« freunde viele Gebildete schlechterdings»tchts Wissen, so»achdrück ich auch Longe auf ihn hiißzewiesen hat. Owens u>, ermüdete und Unermüdliche Tatkraft, sein durch keinen Mtzerfolg zu lähmender Glaube an seine gute Sache erinnern an unseren ZeppKiN, der auf einem ganz anderen GeMeie di« gleichen Eigenschaften an den Tag gelegt hat. Eine verwandt« ffunzösische Ratüt war Saint- Simon, dessen ramanenhaft wechselvolles und tragisches Lebe» uns Gottfried Salonion auf wenigen Seiten erzählt, um dann ausführlicher über sein« Lehre lPositibiSmUS, JndUstrialidlnuS, Sozialismus) zu sprechen und schließlich etwa 80 Seiten ftu» seinen .Hauptschriften zu bringen. Im Gegensatz zu Owen und S»'N» Simon ist Lassall« bei uns Deutschen gewiß tn weitesten Kreisen bekannt; aber auch er ist eben doch weit mehr bekannt«ls ge» kennt, um ilrn tvenigstens einigermaßen kennen zu lernen, bin fr n die»orliegendm Auszüge au» selben Volksivirtschaftlichen Schriften gut gMiguet sein, die Eduard Bernstein hergestellt t»nd mir «wem ganz kurzen Vorwort versehen hat. In einem späreren Hefte soll der Philosoph und Politiker Lassvlle zu seinem Recht kommen. Karl Vorländer und Alfred Brauntcha! Hoven nicht Auözüge, sondern selbständige Schriften gellefcrt. und zwar vortreffliche. Die kleine Schrift des erster«« über Kant, Fichte, Hegel hat den Referenten mit um so größerer Genugtuung erfüllt, als, wie ihm scheint, Vorländer hier mehr als in dem früheren umfangreichen Werk„Kant und Marx" sich dem Standpunkt Hermann Cohen« nähen, wonach such ein htsto- ri scher Zusammenhang zwischen Kamt und dem SozialiiSmuS besteht. In ver Tat kann man doch den kategorischen Imperativ in der Form!...Handle so, daß du di« Menschheit sowohl in deiner Person al« in der Person eine» seden anderen jeder«'! zugleich alt Zweck, niemal» bloß al« Mittel brauchst" al» ethischen Traapfeiler des ganzen Sozialismus hinstellen. Daß aber ohne Ethik der Sszialitnru« nicht bestehen kann, diese Ueberzeugiing dürfte sich mehr und mehr Bahn brechen. Sie durchleuchtet er» freulicherweise auch die Schrift Braunthal«„Marx al« GeschichtSphitosoph". Marx hat bekanntlich seine GeschichtS» Philosophie nicht in einer besonderen Scknft zur Darstellung gebracht, aber Taffach« ist noch Braunihal„datz alle Werke Marxen« und Engels", vom Elend der Vbilosophie angefangen, in ihren Grundgedanken und in allen Ewzelheiten bis WS kleinste Detail so vom Gedanken der materialistischen Geschichtsauffassung durchdrungen sind, daß dem, der die Schriften der beiden Denker etwas genauer kennt» die Methode der materialistische» Ge- Ichichtsauffassutig ganz lebendig vor Augen steht und e« anderer- eit« möglich ist— und«» ist dies die»ufgÄe dieser Schrift—, ein, der sie nicht so eingehend kennt, au« einzelnen Stellen und der Besprechung der wichiigsten Gedanken tbrer Werke ein klar«» Bild der materialistischen Geschichtsauffassung zu geben. Waren früher dir wirtichaftlichen Grundlage» bei Ausfassung unb Dar- stellung der Geickichte ungebührlich vernachlässigt, so wurden sie, von� Marx besonder«, in den ersten schroffen Formulierung»», Aüfkassuiig allzu einseitig als alleinbestimmend hingestellt, ccer tn Wahrheit sind auck bei ihm die ideellen Faktoren keineswegs mehr bedeutungslos. Ob freilich jedem Leser!ws Bild de« eigen» tümiicheu und tomplizieilcn Zusammenwirkens der verschiedenen Elemente so„klar" wird, wie Brauuthal annimmt, möchten wir bezweifeln._ C. A. Sllissen. Ruhm ober Geld? Vor eine grundsätzliche Beantwortung dieser ff rage werden jetzt in Frankreich die Erben deS Alexander D u. m a? B a t e r gestellt, diese« fruchtbarsten französischen Rswan- i'ckriftsteller», dessen fünfzigster Tosesiag auf Ende Dezember d. I. fälli. � Zit müßten nämlich, da die Schutzfrist für das Urbeberrech, im näcksten Jahre abläuft, auf weüere Tantiemen au« den Wer- keN de« Dichters verzichten, wenn fts nicht öffentlich zugeben, er sei nicht der alleinss**---------— Nun:____________________ August N a g ue t, der erst im Jähre 1888 gestorben ist, und rnaacit allen Ernstes den Vorschlag, Sit Dumässchen Werke mit den Namen der betsen Verfasser, Dumas und Msquet, well« tt- scheinen zu lassen, um IL Jahr« länger die Honorare dafür zu beziehen. ES scheint kaum zwcifeckaft, daß in dem heute mehr als je kapitalistischen Frankreich die Entscheidung der Gewissensfrago lauten wird: Geld! Toni? Kellen, der in der neuesten Nummer des..Literarischen Echo«" diesen ftiieressanlen literarischen Fall ckttSk-uxlich beban- bell, gibt bei dieser Gelegenheit eine umkassende Uebersicht über die Werke des älteren Dumas unter Mitteilung der zahlreichen Mitarbeiter, die DumaS außer Maguet gehabt hat. Datz sich aber Dumas Nicht nur der Phantasie französischer Kollegen bedient hat, sonder» auch diejenigo längst verstorbener deutscher Romanciers in den Dienst seiner Rufe gestellt hat, durfte die deutschen Leser besonders interessieren. DumaS Hatto nämlich eine Zeitlang«ine junge Elsässerin zur Geliebten, die für ihn alte Abenteurer- uno Ritterromane der deutschen Vergangenheit lesen und exzerpieren muht«. Manch seltsame» Stückchen aus diesen Werken ist so in die Dumasschen Roman« übergegangen. Da« indische Sibirien. Die indische Strafkolonie, die England in dem auf der Inselgruppe der Andamanen im Bengalischen ßw.'f gelegenen Blain unterhält, vereint mit dem Vorteil der verhälinis- mäßig billigen Verwaltung den anderen, den zumeist auf Lebens- zeit verurteilten Indern� die Möglichkeit zu gewähren, sich nuy« bringend für die Gesellschaft zu betätigen. Die Bewohner der Kolonie setzen sich zurzeit au» 12 000 Sträflingen zusammen, unter denen sich 270 Frauen befinden. Nominell bestehen zwar. ein Gouverneur sowie Gerichte zur Schlichtung von Streitigkeiten und eine kleine englische Garnison, in Wahrheit aber regieren sich die Tträflinge selbst. Sie erfreuen sich vollständiger Solbstder- waltung und bilden eine Gemeinschaft, die von den tüchtigsten der Genossen geleitet wird. Nach einer zehnjährigen Probezeit er- hält der Deportierte die Erlaubnis, seine Familie nack der Kolonie nachkommen zu lassen oder eine Strafgefangene zu herraren. Und daß von letzterer Vergünstigung weitläufig Gebrauch gemackr wird, beweist der Umstand, baß man Im Jahre durchschnittlich 30 solcher SträflirigSsheur zählt. Die Sträflinge beschäftigen sich mit den verschisdensts» Ardetten. Die Frauen werden in Baumwoll- Webereien heschäftigt, die Märtner arbeiten al» Zimmerleute. Fabrikant«». Mattenfiechier oder beschäftigen sich mir der Herstellung von HauSgeräion. Der Stbeater- und Getgencksr der ItzU. Gemeindeschiffe fühff morgitt, Mittwoch, nachmittags«st, Ubr, im Humvoldt-Xheater, Bavstr. 1», ein» Kindersymphonil von R. Thiel» und ein Zwcrgensptei»Im Märchenwald" von Otto Kalt aus. Eintritt chr Kinder 1,10 M. Karl Drvgcr lägt deminichtt ein neues Gedtchtwert unter dtin Titel „Flamme' in Eugen DivdrnchS Berlag erscheinen. Ein Institut sstr Saserstoffchemte ist w Dahlem begrltudet worden. E» soll»er»tochemlschen Ersorfchunq 0« Faserstoff« dienen. Dt« Grundlage der Aefthettt wird ein Vortrag von Dr. O«km Döring- ÜliSeck«m 24. ffunl, 7st, Uhr abeud», in der Kautgesellschust IM Neuen NulegebSud« bespiechen. Eine Tragikomödie„Die International«--, g-schNebeN von Ewil Halupp.««langt am 87. 3uiii, nachmstiag» ö Uhr, im.Walhalla- Thentrr" zur Urilufftthrung. Da« vteretttge Stück knüpft«1 dir Boraäua« tn der sozialistisch«» Arbeiterschast während d«S Welltriege» an. Nr. 314 ♦ 37. Iahrgasg Seilage ües vorwärts Mlttwoch, 23. 7tml 1920 Die staöträtliche Eheverirrung. Eine lustige Geschichte aus Baden von Theodor Thomas. In welcher Gemeinde sich diese Komödie abgespielt hat, will ich heute noch nicht verraten, vielleicht hören es feinhörige Leser am Dialekt— vielleicht auch» nicht.... Lor dem ersten Bürgermeister Brambach sahen auf roten Plüsch- fesseln der Herr und die Frau Stadtrat. Der weibliche Teil der roten Plüschbesetzung war aber nicht.Frau Stadtrat" geworden durch die Würde ihres Mannes, sondern kraft eigner geistigen Qualitäten und das Vertrauen der Bürgerschaft. Er und sie waren beide regelrecht als Stadträte gewählt worden— keilicb zu einer Zeit, da sie noch nicht verkopuliert waren. Aber das ist ja gerade der Witz dieser Geschichte, denn deswegen sahen sie hier vor dem Ersten zum peinlichen Verhör. Der Bürgermeister spielte nervös mit dem Federhalter. In seinem Grohhirn wälzte er die Frage um und um: Wie sag ich's der Frau Stadtrat? Die beiden Angeklagten sahen ergebungsvoll aus den Stühlen und harrten der Dinge,' die da kommen sollten. Es war, was man so nennt, eine peinliche Verlegenheitspause. Endlich nahm der erste Bürgermeister wieder das Wort: „Mir isch dös au' recht saudumm, aber i' kann halt nit an- nersch, vom Minischterium wird's verlangt. Die drobe wölle wisse, wer zeersckt Schuld gehabt hält, dah es zur stadträtliche Eh' komme isch zwischen Ihne." Gottseidank, nun war eS doch endlich heraus. Er wischte sich umständlich die Platte ab und schneuzte sich geräuschvoll. Der männliche Stadtrat strich sich den Schnurbart, sah seine Frau lächelnd an, dann lachten sie alle drei recht herzhaft. „Herr Bürgermeischter, sell isch zum heule'. Wer kann heint noch wisse, wer a'gefange hat? Mer Hamm uns halt gern gehätt un da Hamm mer halt jeder Schuld." Die junge Frau Stadtrat sah verschämt zur Seite; und be- trachtete sich angelegentlich das grohe Bild des.Ersten", das über seinem Schreiblisch hing. „Alsdann müsse mer die Sach schriftlich mache. Mer schreibe. dah sich kein.Aerschulde" feschtstelle läht. Von mir aus, mir isch es recht. Aber vie schteht denn in die Akten? Schaue mir mal nach, wo isch's denrM Hier hawwe mersch, isch wills vorlese: „Wenn zwischen zwei Mitglieder eines Stadtrates im Laufe der Wahlperiode eine Ehe entsteht, ist dasjenige Mitglied, durch welches..." Jetzt kommt'S, passe Se auf: „ist dasjenige Mitglied, durch welches das Hindernis entstanden oder herbeigeführt worden ist, als ausgeschieden zu betrachten.... Da hawwe mersch I" ES entstand zwischen den Dreien eine Pause. Die beiden Herren putzten wie auf Kommando ihre Brillen lange und um- ständlich, endlich nahm die Frau Stadtrat das Wort: .Wenn ich nicht irre, ist diese Bestimmung auch vor der Re- volution schon dagewesen, aber da hat sie etwas anders geklungen." .Richtig," ergänzte der Bürgermeister,.da bätse die Bestim- nmng a' schon gehätt, aber damals hat's so geheihen: ... Wenn zwischen zwei Mitgliedern eines Stadtrates im Laufe der Wahlperiode eine Schwägerschaft entsteht, ist dasjenige Mitglied als ausgeschieden zu betrachten.... ,Se hawwe," bemerkte der Stadtrat,.einfach aus dem Wörtle .Schwägerschafl" nach der Revolution eine„Ehe" gemacht." „Nu soll der Teufel ausknoble, wer„das Hinternis" herbei- geführt hat." ergänzte der Bürgermeister.„Wie soll ich denn dös mache? Wie kann ich feschtstelle, wer den ersten„zärtliche Blick" geworfe hat, oder wer dem Annern das erschte„Schmätzi" uf- gepappt hat." „Ich nicht," protestierte die Frau Stadtrat. „Sell isch gut, nachher warn Sie das Karnickel, Herr Kollege." Wieder lachten alle drei. „Ich mein halt, dös Gesetz is a' saubere Dummheit. Da bäl mer den Frauen Rechte geben wolle, un nu hat man in der Fixig- keit eifach blos e Wörtle geändert. Die G'schicht is zum Lache." „Leider ist sie das nicht," sagte der Bürgermeister ernst, indem er den Akt wieder und wieder durchblätterte. Wenn er dienstlich redete, nahm er das Hochdeutsche zwischen die Zähne..Wir müssen der Slädteordnung gerecht werden und versuchen, auS der Geschichte herauszukommen." ,J mein halt, dann tret ich z'rück," wandte die Frau Stadt- rat ein. „Grat nit", unterbrach sie der„Erste",„sell grab net. Wir müsse dem Gesetz ein Schnippchen schlagen." Er überlegte.„Ich find' scho was." Zwischen dem Kleeblatt entstand Widder eine Pause..Er" und „Sie" sahen sich gegenseitig schelmisch lächelnd an, während der Bürgermeister angestrengt in die Kastanienallee hinunter blickte, als müsse von da die Lösung kommen. Aus einmal kehrte er sich schnell um, schritt zum Schreibtisch und kritzelte auf den weißen Bogen folgendes: „Urschriftlich zurück mit dem ergebenen Bemerken, daß sich im vorliegenden Falle leider nicht feststellen läßt, wer das Hindernis herbeigeführt hat. Beide haben sich gleichzeitig ineinander verliebt, gleichzeitig haben sie sich das süße Geheimnis in die Ohren ge- flüstert, sodass keiner von beiden schuld ist. Das.Hindernis" kann aber bestimmt in dem engen Beiemandersitzen im MagistratssitzungS- saal erblickt werden, wo die erste Gelegenheit zum Verlieben kam. Da« Hindernis ist dadurch beseitigt worden, dass der Herr Bürger- meister angeordnet hat, die Sessel sollen künftig nicht so eng bti- einander stehen. vorgelesen, genehmigt und unterschrieben." „So, i mein, die Herrschaften in Karlsruh' wärn daran zu knappern hawwe. Für uns ist die Sach erledigt." Er liess unterschreiben und noch am selben Tag ging das Aktenbündel.Stadtrat kontra Stadtrat' in die Hauptstadt zurück. Dort zerbrechen sich jetzt gelehrte Häupter den Kopf, wie die Geschichte in die Reih' gebracht werden kann. GrofrBerlw Sommersonnenwende. IM) wied>sr ist die Zeit gekommen, daß die Sonne ihren höckisten Stand am Himmelszelt einnimmt, wieder ist Sommersonnenwende. Alle germanischen Völker vom Polar- kreis bis zu den Alpen feiern dieses Fest. Aus grauer Vorzeit stammen die eigenartigen Festbräuche, die es verherrlichen. Bei unseren Altvordern war die Sonnenwende ein Fest zu Ehren des Lichtgottes Baldur, der zur Sommerzeit auf der Höhe seines Sieges über die Dunkelheit stand. Heute ist das Bewußtsein an die alten Götter und Helden geschwunden. Die Form der Feier ist jedoch noch ziemlich un- verändert erholten geblieben. Wer heute in frohem Jubel durch die Sonnenwendfeuer springt, wer mit Spiel und Tanz den flammenden Holzstoß umkreist, der weiß wohl nur, daß dieses Fest am Wendepunkt des Frühlings zum Sommer liegt. Die Zeit des Blühens und Wachsens ist abgelöst worden von der des Reifens. Allmählich geht im Naturgeschehen der eine Zustand in den anderen über. Kein sprunghaftes Vorwärtsstürmen, son- dern ein stetes Weitergleiten stm Sinne einer Höherentwick- lung. Die frühere Katastrophentheorie ist von der Entwick- lungslehre berichtigt worden. Wir haben aus der Natur ge- leimt, die Entwicklungsgesetze auch auf das wirtschaftliche Leben der Menschheit anzuwenden. Und so wissen wir denn, daß auch hier das Neue nicht sprunghast, gleichsam über Nacht kommt, daß wir es nicht durch gewaltsames Wollen herbei- führen können, wenn es uns beliebt. Gleichwie wir jetzt an einem Wechsel der Jahreszeiten stehen, also können wir auch in der Geschichte der Menschheit einen Wendepunkt feststellen. Auch hier bricht die Zeit des Reifens an. Mit Geduld müssen wir sie sich vollenden sehen, denn was sind die kleinen Zeitmaße unseres gewöhnlichen Lebens, verglichen mit den Zeiträumen, die bei dem West- geschehen als Maßstab anzulegen sind. Die wirtschaftlichen Verhältnisse bedingen unsere gesamte Kultur. Je mehr es uns gelingt, die Fesseln abzustreifen, in die uns wirtschaftliche Nöte und Sorgen schmieden, desto freier wird unser Geist, desto höher unsere Fähigkeit, am wahren Kulturleben teilzuhaben. Der Glaube an die Vor- wärtsentwicklung ist der Trost, der uns in diesen trüben Tagen den Mut bewahren läßt, der Hoffnungsschimmer, der den neu anbrechenden Freiheitstag der Menschheit schon ahnen läßt. _ Und so begehen wst das Sonnenwendfest in der rechten Weise, wenn wir bei seiner Feier diese Gedanken in uns wach werden und wirken lassen. « Die Sonnenwendfeier beS Vereins Arbeiterjugend Grotz- L erlin findet am Sonnabend, den 26. Juni, nachts 12 Uhr, am Wernsdorfer See(Restaurant zum Oder-Spree-Kanal) statt. Das Programm besteht aus Gesangsvorträgen. Rezitationen, Ansprachen, Reigentänzen u. a. Die Treffpunkte werden am Frei- tag veröffentlicht. Lehrlinge, jugendliche Arbeiter und Arbeite- rinnen, gestaltet die Sonnenwende zu einer wuchtigen Kund- gebung der arbeitenden Jugend. Arbeitereltern, Par- teigenossen, unterstützt das Fest Eurer Jugend! Der„Freie W a n d e r b u n d" feiert die diesjährige Sommer- sonncnwende mit den Ortsgruppen Frankfurt(Oder) und Kottbus am Sonnabend, den 26., und Sonntag, den 27. Juni in der Biegener Hölle zwischen Fürstenwalde und Frankfurt(Oder). Das Staütparlament üer 225. Die 226 Mitglieder der neuen Berliner Stadtverordnetenver- fammlung dürften in nicht zu ferner Zeit vom Oberpräsidenten Dr. Maier zu ihrer ersten Sitzung nach dem Festsaal des Ber- liwer Rathauses einberufen, in ihre Aemter eingeführt und durch Handschlag an Eidesstatt verpflichtet werden. Bis zum 1. Oktober bleiben aber noch die bisherigen einzelnen Stadtverordnete-nver- sammlungen und Gemeindevertretungen bestehen. Da die amtliche Feststellung des Wahlergebnisses und die Verteilung der Stadtver- ordnetensitze erst im Laufe der nächsten Woche durchgeführt werden kann und für die Erledigung der Formfachen noch etwa acht Tage erforderlich sind, w-ird die erste Sitzung des neuem Stadtparlaments, deren Einberufung immerhin beschleunigt werden soll, Voraussicht- lich Anfang Juli oder doch in der ersten Hälfte des Juli statt- finden. Die erste Aufgab« der Gross-Berliner Stadtverordneten- Versammlung ist die Wahl des Vorstandes und der Mit- glteder für das endgültige Schiedsgericht im Auseinandersetzung«- verfahren mit den Restverbänden, vor allem aber die Beschluß- fassung über die Größe des Magistrats, dessen Mitgliederzahl höchstens 36 betragen darf, die Verteilung der Magistratssitze auf die besoldeten und unbesoldeten Magfftratsmitglieder und die Wahl des neuen Magistrats. Für diese Aufgabe wirb Voraussicht- lich ein besonderer Ausschuß eingesetzt werden, der sein« Arbeiten trotz der Sommerscrien derart wird fördern müssen, daß der n e tte Magistrat im Laufe des August gewählt werden kann. Bis Anfang September müssen die Vorbereitungen für daS neue Berlin wenigstens so weit gefördert sein, daß für die ersten Uebergangsarbeiteu die erforderlichen Stellen geschaffen und be- setzt sind. * Die Frauen bei der Stadtverordnetenwahl. Auch für die Stadt- und Bezirksverordnete mvahl war in der Stadtgemeinde Berlin- Lichtenberg eine Tvenmung der Frauen- und Männerstimmen angeordnet, die die bei der Reichstagswahl gemachte Erfahrung, nämlich regere Beteiligung der Frauen als der Männer, bestätigte. Bai den beiden sozialistischen Parteien, ebenso wie bei � Segen der Cröe. Roman von Knut Hamsun. Zweiter Teil. 1. Sellanraa ist nicht länger eine unbewohnte Stätte, sieben Menschen leben hier mit groß und klein. Wer während der kurzen Zeit der Heuernte kam auch noch der eine oder andere Besuch dazu. Leute, die gerne die Mähmaschine sehen wollten, Brede natürlich als der erste; aber auch Axel Ström kam und die Nachbarn bis zum Dorf hinirnter. Und von der anderen Seite des Gebirges kam Oline; sie war unvermeidlich. Auch diesmal kam Oline nicht obne Neuigkeiten aus ihrem Dorfe; sie stellte sich nie leer ein: Jetzt war die Verrechnung von des alten Siverts Nachlaß fertig geworden, und es blieb kein Vermögen übrig! Gar keines! Hier kniff Oline den Mund zusammen, und ihre Blicke schweiften gespannt von einem zum andern. Na, tönte denn kein Seufzer durch die Stube, fiel nicht die Decke ein, Eleseus war der erste, der lächelte.„Wie ist'S denn, bist du nicht mach dem Ohm Sivert getaust?" fragte er mit gedämpfter Stimme. Und Klein-Sivert antwortete ebenso gedampft:„Doch. Aber ich Hab' ja seinen ganzen Nachlaß dir verehrt."—„Wieviec war's denn?"—„Zwischen fünf- und zehntausend."— „Taler?" rief Eleseus schnell und machte Sivert genau nach. Oline meinte, es sei jetzt nicht Zeit zu spaßen, ach, wie war sie selbst geprellt worden, und sie hatte doch an des alten Sinerts Sarg ihre ganze zähe Willenskrast aufgeboten und heiße Tränen geweint Eleseus wußte ja selbst am besten, was er geschrieben hatte:„Soundso viel für Offne, als �rtab und Stütze für ihr Alter." Was war aus diesem Stab gewor- den? Uebers Knie gelegt und abgebrochen! Arme Offne, sie hätte wohl eine Kleinigkeit erben dürfen, das wäre der einzige lichte Punkt in ihrem Leben gewesen! Sie war nicht verwöhnt. Geübt im Bösen, jawohl, daran ge- wöhnt, sich von Tag zu Tag mit Kniffen und kleinen Be- trüqercien durchzuschlagen, ihre Zunge gefürchtet zu machen, jawohl O. nichts hatte sie schlimmer machen können, eine Erbschaft noch weniger als alles andere. Sie hatte ihr ganzes Leben lang gearbeitet, hatte Kinder geboren und ihnen ihre eigenen paar Handfertigkeiten beigebracht, hatte für sie ge- bettelt, vielleicht auch gestohlen, aber sie doch ernährt als eine Mutter in kleinen Verhältnissen. Ihre. Gaben waren nicht geringer als die anderer weltkluger Köpfe, sie wirkte und schaffte für sich und die Ihrigen, richtete sich nach dem Auge»- blick und brachte sich durch, verdiente ein Käschen da und eine Handvoll Wolle dort und würde in alltäglicher und unausnch- liflnr Schlagsertigkeit leben und sterben. Offne— vielleicht hatte sich der alte Sivert an die Zeit erinnert, wo er sie noch als jung, rotwangig und hübsch gekannt hatte. Wer nun war sie alt und häßlich, ein Bild der Vergänglichkeit, sie sollte lieber tot sein. Wo wird sie begraben? Sie besitzt kein eigenes Erbbegräbnis, wahrscheinlich wird sie einmal in irgendeinem Kirchhof bei lauter fremden und unbekannten Knochenresten unter den Boden gebracht, da wird sie einmal landen. Offne, geboren und gestorben. Auch sie war einmal jung. Eine Erb- schast für sie jetzt noch zur eisten Stunde! Jawohl, ein einziger lichter Punkt, und die Hände einer Sklavin der Arbeit würden sich für einen Augenblick gefaltet haben. Die Gerechtigkeit häfie ihr noch einen verspäteten Lohn gespendet, weil sie für ihre Kinder gebettelt, vielleicht auch gestohlen, sie aber jedenfalls ernährt hatte. Für einen Augenblick— und wieder hätte Dunkel in ihr geherrscht, die Augen hätten geschielt, die Hände gesucht und getastet:„Wieviel ist es?" würde sie sagen.„Was, nicht mehr?" würde sie sagen. Und sie hätte wieder recht. Sie war vielfach Mutter und verstand das Leben einzuschätzen, das war großen Lohnes wert. Alles schlug fehl. Die Rechnungen des alten Sivert wtren jetzt, nachdem Eleseus sie durchgesehen hatte, wohl etwas ver- wirrt, aber das Gut und die Kuh, das Fährhaus und die Aus- stände deckten sehr knapp den Fehlbetrag in der Kasse. Und daß es überhaupt einigennaßen so gut ging, wie es ging, das war zum Teil Oline zu verdanken; sie war sehr versessen darauf, daß ein Rest für sie übrig bleibe, und so zog sie ver- gessene Posten, von denen sie als alte Klatschbase wußte, oder Posten, die der Revisor absichtlich übersehen hatte, um nicht achtenswerte Dorfgeuossen in Schaden zu dringen, ans Licht. Diese verflixte Offne! Und sie beschuldigte nicht eisimal den alten Sivert selbst; er hatte ja sicherlich aus gutem Herzen testiert und hätte auch reichlich Geld hinterlassen, jawohl; nein. die beiden Herren deS Bezirksamts, die die Sache zi: ordnen hatten, die hatten sie geprellt.„Wer einst wird auch dies dem Allmissenden zu Ohren kommen!" sagte Oline drohend. Merkwürdigerweise sah sie nichts Lächerliches darin, daß sie im Testamente genannt war; das war trotz allem eine Ehre, niemand sonst von den Ihrigen stand darin. Die Leute von Sellanraa trugen das Unglück mit Geduld, sie waren ja auch nicht ganz unvorbereitet. Inger konnte es allerdings nicht recht fassen:„Der Oheim Sivert, der seiner Lebtag so reich gewesen ist!" sagte sie.—„Er hätte als auf- rechter und reicher Mann vor den Thron des Lammes treten können, aber sie haben ihn beraubt!" behauptete Oline.— Jsak war im Begriff, über Feld zu gehen. Du hast doch eine Mähmaschine, nicht wahr?"—„Jawohl."—„Ja, jedermann spricht davon. Und daß sie rascher mäht als hundert Sensen. Was du dir nicht alles anschaffen kannst, Jsak. mit deinem Geld und deinem Vermögen! Unser Pfarrer hat einen neuen Pflug mit zwei Pflugschoren/ aber was ist der Pfarrer neben dir! Das würde ich ihm offen ins Gesicht sagen."—„Sivert kann dir mit der Maschine vormähen, er kann es schon viel besser als ich," sagte Jsak und ging fort. Jsak ging fort. Auf Breidablick ist Versteigerung gerade um die Mittagsstunde, und er will dorthin. Nicht, als ob Jsak noch daran dachte, die Ansiedlung zu kaufen, aber das ist nun die erste Versteigerung in der Gegend. und da will er dabei sein. Als er bis nach Maaneland gekommen ist und Barbro da sieht, will er nur grüßen und weitergehen, aber Barbro redet ihn an und fragt ihn, ob er dort hinunter wolle?—„Ja," antwortet er und will weitergehen. Es ist Barbros Kinder- Heimat, die versteigert wird, deshalb antwortet er so kurz angebunden.-»„Willst du zur Versteigerung?" fragt sie.— „Zur Versteigerung? Na, ich gehe eben einmal hinunter. Wo ist denn Axel?"—„Axel? Ich weiß nicht, wo er ist. Er ist zur Versteigerung gegangen, er will wobt auch dies oder jenes zu einem Spottpreis ergattern." Wie dick doch Barbro war, und wie bissig, ganz rasend! Die Versteigerung hat schon angefangen. Jsak hört des Schultheißen Aufrufe und sieht viele Leute. Als er näher kommt, sieht er, daß er nicht alle kennt; es find verschiedene Leute von auswärts da, aber Brede treibt sich in seinem besten Anzug herum und ist lebhaft und gesprächig:„Guten Tag, Jsak! So, du erzeigst mir auch die Ebre und kommst zu meiner Versteigerung. Ich danke dir! Wir sind viele Jahre lang Nachbarn und gute Freunde gewesen, und niemals hat es ein böses Wort zwischen uns gegeben."— Brede wird ganz ge- rührt:„Es ist ja sonderbar, wenn man sich vorstellt, daß man einen Ort verlassen soll, für den man gelebt und gestrebt und den man liebgewonnen hat. Wer was hilft es, wenn es einem nun einmal so bestimmt ist."—„Vielleicht wird es jetzt für dich viel besser," tröstet Jsak.—„Ja, weißt du, das glaube ich auch," erwidert Brede rasch gefaßt.„Es ist mir nicht leid, durchaus nicht. Ich habe hier auf dem Lande keine Seide ge-. spönnen, das wird setzt besser werden, die Kinder werden größer und fliegen aus dem Nest— na, die Frau sorgt ja wieder für ein Kleines, aber trotzdem!" Und plötzlich sagt Brede klipp und klar:„Ich Hab' den Telegraphen aufgekün- digt."—„Was?" fragt Jsak.—„Ich Hab' den Telegraphen aufgekündigt."—„Du hast den Telegraphen aufgekündigt?"— „Ja, zu Neujahr. � Was soll ich weiter damit? Und wenn ich im Verdienen wäre und den Schultheiß oder den Pfarrer fahren müßte, dann hätte immer der Telegraph zu allererst kommen müssen. Nein, das gibt es nicht. Das kann einer machen, der überflüssige Zeit hat: die Telegraphenlinie ent- lang rennen, über Berg und Tal ft'ir eine kleine oder gar keine Bezahlung, das tut der Brede nicht! Und außerdem Hab' ich mich mit dem Vorstand, der mein Vorgesetzter ist, verkracht." kForts. folgt.) Jen Demokraten übertrumpft allerdings daZ starke Geschlecht oie Frauen um ein geringes. Für die U. S. P. D. stimmten I4!X>4 Männer und 140Ö8 Frauen, was einer prozentualen Ver- rertung von 51,6 auf in« Männerstimmen und 46w auf die Frauen- stimmen entspricht. Die S. P. D. erhielt 6116 Männer- und 8467 Fvoucnstimmen, also 62,8 gegen 47,2 vom Hundert. Fast dasselbe Verhältnis ergübt sich für die De u t sch d e m o k ra ti schc Partei, für die 1373 Männer und 1226 Frauen stimmten, da» ä'igt 62, g bAv. 47,1 Proz. Auf die Wirtschaftliche Der- e i n l g u n g entfielen 2126 Männer» und 2173 Frauenstimmen. 43.4 bzw. 53,6 vom Hundert. Bei der Deutschen BolkS- Partei ist bei 3633 Männer- und 4626 Frauenstimmen daS pro- zentualc Verhältnis 46,6 und 63,6, bei der Dcutschnatio- nalen VolkSparien— 1207 Männer- und 1630 Frauenstimmen— 42,5 zu 67,5 Proz. Der größte Unterschied ergibt sich. wie auch bei der RcichstagSivechl, wieder beim Zentrum, für dos 1643 Vlanner und 1473 Frauen stimmten, was einem prozentualen Verhältnis von 41,6 zu!V,4 entspricht, d. h. der größte Unterschied, wenn man von der Liste Gierteic„Friiheit" zwar schon früher einmal behauptet, den Beweis dafür ist fic aber schuldig geblieben.«ie kann ihn auch nicht bringen, denn der Verband der Gemei wdoarbei der gehört einer solchen Arheitsgemcinschaft nicht an! Wenn mir weiter ange- dichtet wurde, ich hätte den»Beitritt der Berliner Kommune zum Arbertgcbcrverband der Gemeinden".zustand« gebracht, so ist daS zwar ganz schmeichelhaft, trifft aber nicht zu. Die Angelegenheit ist bis Ml Bildung von Groß-Berlin vertagt und in der betreffenden DeputatioirSsitzung waren die U Z.P.-Anhängcr vernünfirg genug, «ich',u ersuchen, das Maierial über den Standpunkt der Gemeinde- a'heiter ve,n ganz Deutschland zu dieser Frage einzubringen. Im übrigen enthält der»fürchterliche" RrichSmanteldarif mlSdrücklich den 8 15, wonach besser« Berhältniffc ohne weiteres bestehen bleiben.— Daß der hervorragenden Tätigkeit Sassenbachs im s rüderen Waise:ramt sowie im jetzigen Jugendamt von den U.S.P.- Mitgliedern in diesen Konnnissionen wiederholt Anerkennung ge- zoll: wurde, ist unbestreitbar, aber wie kann die„Freiheit" so etwas zugchen?(?5 wäre ibr ja die Wahlpoint« verloren gegangen, die da lautete:»Jeder wirkliche Fortschritt in der Gemeinde ist auf die Tätigkeit der 11, S. P, zurückzuführen." DaS glaubt zwar kein denkender Mensch, aber der»Zweck" mußte doch erreicht werden, mochten auch die Mittel weniyer heilig sein. Tie teure«„Mei"'Bäder. Reben anderen populären SportS erfreut sich das Schwimm- we-en in diesem Jahre eines ganz besondeven Zuspruchs, Da die Bodeoerwaltungen in diesem Jabre mu einem starken Besuch der Flußbadeanstalten rechnen mußten, sind d« Besuchszeiten ausgedehnt und teilweise Gvlandeerweitcrungen vorgenommen worden. Dsc Bade Verwaltungen konnten trotz der getroffenen Barkehrunqen des Zuspruch« nicht Herr werden.' Ganz besonders stark wird das Freibad Grünau benutzt. Dieses Bad ist da? größte Freibad tn der Umgebung Berlin« und verfügt über oesondorte.Herren, und Damenabteikungx'n sowie über ein Familienvad. Selbst die ersten Tage der Woche bringen einen derartigen Zustrom, daß der Strand einem Ameisenhaufen gbeicht. Da sich das angrenzende Gelände für«ine Erweiterung sebr gut eignet, wäre es im allgemeinen und besoriders im sportlichen Jnter- esse erwünscht, die Fläche d«S ftretfwdrs so zu vergrößern, daß es künftighin allen Anforderungen gerecht werden kann. Die Eintrittspreise und damit verbundene Gebühren bewegen sich allerding« in einer Höhe, die dem Charakter eines FvmbadeS durchaus nicht entsprechen. So beträgt h. B. der Eintrittspreis 25 Pf., die Gaderrbenaebühr 40 Pf. und da? Entgelt für Wert. sachenauwewahntng 40 Pf., zusammen also 1 Mk. Ebenso verhält es sich mit dem Wannfte-Freibad. Es erweckt den Eindruck, al« sollten die FreidSder zu einer indirekten Steuerquell« heran. yegvaen werden, zumal der Kostenaufwand eine? Freibades weit geringer ist als der einer städtischen Badeanstalt, diese aber nur eine Benutzungsgebühr van 70 Pf. erheben. Die Bauarbeiten an der Rurb-Eüd-Bahn in der Friedrichstraße zwischen der Slroßc Unter den Einden und der DorotHeensfccße sind TPunnrcihT wieder in vollem Umfange aufgenommen worden. Bei der Stillegung des Baubetriebe«, di« miS Mangel an Baustoffen erfolgen mußte, waren die Seitenwände und di« Tunnel» iohle größtenteils fertiggestellt, so daß rs sich nur noch um die Her- stellung der Tunne'deckr handelt, die in kurzer Zeit beendet sein wird. Di« zurzeit gesperrte Friedrichstraße kann dann in diesem Teile wieder für den B�rkehr freigegeben werden.— Gleichzeitig find auch die Arbeiten am dritten Bmiabschnitt de« Spreemnnel» gefördert worden, wo man zurzeit die südlichen Land- und Strom« pjeiler zur Herstellung der Baugrube sprengt. Eine„Sxtraportion Speck" versprach eine gemeingefährliche Schwindlerin einer 72 Jahre alten Witwe Rowoldt vom.Koitbuser Damm 160. Bei der Greisin erschien eine 22—25 Jabre alt« FrauenS- Person unter der Vorspiegelung, daß sie vom Magistrat komm«. Die alte Dame solle ein«»Ertraportion Speck" erhalten. Frau Rowoldt war über diese Mitteilung s«hr erfreut und knüpfte mit der Besucherin eine Unterhaltung an. Im Berlaufe dieser zog die Be'uchcrin ihr Taschentuch und HH« es der alten Frau mit dem Bemerken, der Geruch fei gu! für die Nerven, unter die Zlase. Di« Greisin aber war bald betäubt und verlor das Be> wußtsein. AlS sie nach ganz kurzer Zeit wieder zu sich kam, sah si« die Besucherin nock gerat»« eiligst zur Tür hinausgehen. Erst nachträglich entdeckt« die Greisin, daß der Besuch ihr 110 M. und sämtlich« Lebensmittelkarten au? dem Küchenspind« g e st o h- len hatte. Gin Raubüberfoll auf der Landstraße wurde bei Buchholz verübt. Die Unternehmerfirma Epner. Nieder-Sckönhausen, hatte dort einige Bauten in den Rieselanlagen auSzumhren. Zu der LobnauSzahlung sollte der Angestellt« Alfred Knorr 6006 M. nach der Baustelle überbringen. In der Hobe des rDemeindeiried- bot? wurde der junge Mann von zwei Unbekannten angeftilten, pe fei seit und der Barschost nrvst den Papieren von scckk zur Entlassung kommenden Arbeitern betr. übt. Bon den Tätern f«hlt zurzeit noch jode Spur. In Frage kommen zwei Burschen im Alter von 24 biS 36 Jahren, die nach der Tat durch die Roggen- leider flüchteten und von Unbeteiligten gesehen wurden. Zweck- di-nliche Angaben werden vom AmtSvorsteher zu Buchholz ent- gegengenommen. Das Graben von Frühkartasfeln ist laut Anordnung de« KreiS- auSschusieS dcS Kreise« Teltow bis auf weiteres verboten. Ausnahmen sind nur mit Genehmigung de« Kommunalvcrbande« Teltow zulässig. Den pensionierten Beamten deutscher Abstammung in Elsas». Lothringen, die durch die Markentwertung in ein« große Rotlage geraten sind, werden, wie un« vom ReichSvertehrsministerium mit- geteilt worden, Beihilfen mit Wirkung vom 1 Februar 1326 bi» zum Ablauf d«S Monats gewährt, in welchem der EmpfangSberech. tigte cheinen Umzug nach Deutschland bewirkt, längstens jedoch bis 31. Juli 1320. Außerdem sollen den Pensionären die in tschland gewährten Teuerungszulagen und Kriegsbeihilfen nachgezahlt werden. Die Zahlungen sind bald zu erirarten. Eine gewissenlose Fölschung. Ein Kaufmann Thaler auS der Jakavitirchstratz« verbreitet ein Flugblatt, in dem unsere Mitglieder und» B or wä r tS"-Leser aufgefordert werden. sich nicht»von Juden und ihren Genossen an der Rase herumführen zu lassen und sich von i>em jüdischen Einfluß frei zu machen". Solange gesetzlich gegen diesen verhetzenden Unfug nicht aufgetreten wird, ließe sich wenig dazu sogen, wenn Herr Thaler nicht di« Un. verfrorenheit besäße, dieses Flugblatt mit:»Einige denkende Ge- nassen" zu unterzeichnen. Damit soll der Eindruck erweckt werden, als wenn Mitglieder unserer Partei die Herausgeber sind. Auch scheut sich der Herr nicht, Zeitungsfrauen, die unier Blatt aus. tragen, zu bestechen, um so zu erreichen, daß sei« Flugblatt in die Hände der S. P. D.-Anhänger kommt. DaS nächste Städtische Boskskonzert deS Philharmonischen Trchestcrs unter Leitung von Richard Hagel findet heut« in der Philbarinonie, Bernbuvger Straße 22/23, statt. Beginn de# Konzertes 8 Uhr. Die im Vorverkauf nicht untergebrachten Karten iverdcn abends an der Kasse verkauft. Der Eintrittspreis beträgt 1 Mk. Kasfeneröffnung 7 Uhr. Eine»Pachfistischr Feierstunde" hält haute abend ft8 Uhr der sozialistisch« Pfarrer Bleier to der Aula des Kaiserin-Äugnsta- Gymnasiums, ChaÄotienburg. Cauerstr. 36, ab. Eintritt frei. RowowrS. Gemeindevertretung. Bei der Beratung deS Ge« meindehauShaltungsvoranfchlagS wies der Kam- merer aus die bedeutenden Rachbewilligungen durch Steigerung der Gehälter. Mebrausgaben für Materialien, Papier usw. hin. Durch die neuen ReichLsieuergesetz« sind der Gemeinde bedeutende Ein» nahmequellen, die Zuschläge zur staatlichen Einkommensteuer, verschlossen. Die II e Verweisungen auS der Reichsein- MWMMMMWlklizöM.� am Freitag, den Ä.?. �ani, abends« Uhr, im Patzen- Hofer-Äusschank(Bockbraucrei), Kidtcmstr. S/3. Tagesordnung: Die neue Regierung unö unsere Partei. Referenten: Eduard Bernstein und Hugo Heimann. Tie Parieifnnktioajire, Brtriedsvcrtraiunsleate, Angestellten und Kramteuvcrtretrr werden ersucht, vollzShig anwesend zu sein. Mitgliedsbuch und AuSweiSkarte legitimiert. Achtung, HenvDaaeal Wichtige Konferenz der Berliner?tzunktionlirinnen am Sonnabend, den ti«.. nachm. 5 Uhr, im Jugendheim, Lindenstr. 3, S. Hof, links, 3 Treppen. Da« Ergebnis öer Wahlen and unsere weitere strbeit. Refercntin: Genossin Bohm-Tchuck», M. d. R. Der KrzirkSdorstnnd. kommen st eure betragen für unsere Gemeinde zuzüglich eine« Zuschlage? von 26 Proz. auf da« Steueraufkommen de« abgelaufe- n«n Jahres 2 756 666 Mk.. während die G-saMteuSgaben auf 6 116 766 Mk. veranschlagt sind. Ts ist mithin ein« Steigerung oeaeu da» Borjahr um 4 Mill. Mar? eingetreten. Der Gesämtctat schließt mi: 8 110 706 Mk. ab. Die Aufnahme einer Anleihe von 2 Mill. Mark wird beantragt. Gemeinde- Vertreter Rathan(Dem.) erwähnt, dast nnsenr Finanzen ange- spannt aber gesund seien. Während de« ganzen Krieges sei kein« Anleihe aufgenommen, sondern erst nach dem Kriege 1506 600 Mk. Er begrüßt die Reichscinkommensteuer, die es verhindert, daß in einigen Lrtcn Zuschläge von 40 Praz. bestehen,� während andere gezwungen sind, 300 Proz. zu nehmen. Es müsse eine Siedlungspolitik getrieben werden, da die großen Jndustrieort« die Arbeiter nicht nacht ernähren können. Die größten Ausgaben der Gemeinde bildeten Schulen, Löhn« und Gehälter. Die Ein- nabme aus dem Pertrag mit der GaSgesellschaft bringt der Ge- meind« 260 060 Mk. ein. Bei der Kriegsfürsorge haben wir keinen Pfennig zugesetzt(ein Gcoüchr sprach von Millioneni. Gcmeindcvcrtreter Alperstädt(Soz.i begrüßt die Anstellung eines Kommunalarzte», sonst lass« di« Wohl- fahrtspfleae noch viel zu wünschen übrig. Ein Antrag.Karpu« auf en bloc-Annahme de« EtatS fand Annahme.— Zur Neuregelung der Veioldung der Lehrer an der FortbildungS- schule und oer E-meindebeamten wird die grundsätzliche Annahme beschlossen, jedoch die Eingruppierung dem Finanzausschuß über- lassen.— Ein Gesuch um Gewährung einer nußerordent- l i ch e n B e i h i l i e an die PoftSschulpresonen wird in der Fassung de« UnftrausschuffeS angenommen, wähnend ein weitergehender Antrag abgelehnt wurde mit der Begründung, daß keine Deckung vorhanden sei, man auch den Lehrern nicht 100 000 Mk. geben könne, während die Arbeitslosen bittere Rot leiden.— Zur Anstellung eine? zweiten Fürsorgeschwe stier werden die Mittel de- reitgesteltt.— Ueber die Art der Verwendung der Siedlung«. Häuser wird mit 14 gegcm 17 Stimmen der Beschluß gefaßt, erst zu vermieten und später auf Wunsch von Kanteten stu derka e-cn. Die Fraktion der 1l. 3. P. stellte sich auf den Standpunkt, daß da« Eigentum an Grund und Boden abgeschafft werden müsse, um die Arbeiter nicht daran zu binden.— Beschlossen wurde der Ankauf des Jnvalidenheim« unter der Voraussetzung, daß dak Pachtverhältnis mit der Forst auf die Gemeinde übertragen wird. — Einem TringlichkeüSantrage der 11.®. P, die Publikattonen in der»Potsdamer Tageszeitung" aufzuheben, wird zugestimmt. Wirtfchcrst Rur Arbeit kau» un« retten! Wenn einst die Wirtschaftsgeschichte unserer Zeit geschrieben wird, dann wird wohl sicher beklagend fciige stellt werden, daß man zwar die Mauern mit der Aufschrift:»Rur Arbelt ian?: un« retten" beklebte, aber sich unfähig crwie«, in der kapita» listischen Anarchie die Mittel zu ftod-n, um einer halben Million, ja vielleicht bald der doppelten Zahl arbeitSwilli. ge r Arbeitsgelegenheit zu schaffen. In einer Zeit de« größten Warenhungers, in einer Zeit, in der mehr al« 120 Milliar« den Goldmark in Waren gefordert werden zur Tilgung der Kriegsschuld, zahlt da» deutsch: Volk bei einer inneren Ter- schuldung von 235 Milliarden Mark täglich an Hunderttausende Erwerbslosenunterstützung. Genügt diese Tatsache nicht, um zu erkennen, daß das Wirtschafltsystem, das unsere heutige Wirtschaft beherrscht, falsch ist, daß daS P r i d a t i n te r> esse deS arbeiigcbcnden Unternehmertum«, das heute entscheidet. ob und was produziert wird, einer g-meinwirtschastlicheo Oberleitung unterstellt werden muß, soweit ei au« technisch-n und wirtschaftlichen Gründen vorerst nicht entbehrt werden kann? In dem von Rudolf Wissel! aufgestellten Plan für de« Wiederaufbau war ein Milliardenfonds als Kreditquelke vorgesehen, um dort die Produktion zu ermöglichen, wo da« Be- triebSiapital fehlte. Privater Kredit ist an die Stell« de» Reichtkredils getreten, Milliarde» Papiergewinn« find erzielt worden, unverkäufliche überteuerte Ware» liege» auf Vorrat und de« Bolk fehlt e? an Hemden»nd Betfste??««, an Schuhen und Kleidern. Die Produzenten und Händler haben unerhörte Gewinne erzielt, die ein« schlecht funktionierende Steuerverwaltung nieht hat erfassen können. Der Ausgang der Wahlen hat gezeigt, daß weite Kreise des Bürgertums und auch der A r b e ii e r s ch a f t mangels Wirtschaft- licher Schulung und Erkenntnis nicht sehen, daß die Ursache un- serer großen Rot darin liegt, daß man eben unter völlig v e r ä n- d e r t e n ökonomischen Verhältnissen auch zu einem anderen. diesen Veränderungen entsprechenden Wirtschaftssystem kommen muß. Weil sich diese Tatsache offenbart hat, ist eS richtig und notwendig, die wirtschaftliche Leitung in, die Hände derjenigen ausschließlich zu legen, die nicht glauben löollen, daß«S so nicht gehen kann. vielleicht kommen wir so schneller zum Ziel, d. h. zu der Er- kennlni« in den Kreisen der Vertreter der freien kapita- listischen Wirtschaft, daß ohne planmäßige Wirtschaftsführung die deutsche Wirtschaft dem Unteryang geweiht ist. Die Angehöri- gen dcS Kleinhandels, die auß Furcht vor Kommunalisierun- gen den bürgerlichen Parteien die Stimm« gegeben haben, werden auch zu der Erkenntnis kommen, daß ihre Einschaltung in einen BerteilungSorganiSmuS nicht nur der Bolksgesamtheit, sondern ihnen selbst zum Nutzen gereicht und sie selbst sich am schwersten geschädigt haben durch ihr Eintrete« für die Aufrechterhaltung der wirtschaftlichen Anarchie. Rur die Arbeit kann un« rette», denn Ware, die erzeugt wird, ist Gold. Die deutschen Arbeiter wollen arbeiten, ober si« wollen wissen, wofür, nicht nur für die Erhaltung deS eigenen Lebens, sondern für eine bessere Zukunft. Heut« arbeite: der deutsche Arbeiter für die Erzeugung von papiernen Mil- liardenqewinnen, die einen unerhörten Luxus für eine Netoe Schicht gestatten und auch di« bürgerliche Intelligenz, die nicht« als ihre geistige Arbeitskraft hat, der Verelendung ausliefert. Die Vertreter der freien Wirtschaft, di« da« Schiff steuern wollen, mögen schnellsten» dafür sorgen, daß das private Kapital zur Arbeitsbeschaffung dienstbar gemacht wird, sonst dürfte daS Schiff auf Grund geraten.— astr. Versteigerung der KriegSmetnll-A.-S. Wir verweisen auf die im Inseratenteil dieses Blattes erschienene Veröftentlichung der KMA. über deren 5. Submission. Auch diesmal bändelt es sich. wie bei den früheren Eubmissionen» hauptsächlich chn ungängige bzw. Abfallmetalte, jedoch entfallen diesmal eine Anzahl Posi- lionen auch Materialien, die besonder» für Selb st ver- brauch er iWeiterverarbeiter) von Interesse sein dürfton, bei- spielsweise Messingstangen, Zinkstangen, Alumi- n i u m s« i l e u. dgl.__ Gerichtszeitung. Milll0p.e»prodisionktt bei einer KriegSgesellschast. Di« Riesenprovisivnen de« Prokuristen Hans Plate von der Reich« st rll« für Gemüse und Obst bildeten den Ausgangspunkt einer Anklage wegen unlauieren Wettbewerb», die den Direktor der Versicherungsgesellschaft..Allianz", Herrn Gr u m b t, vor die 7. Strafkammer de« Landgerichts! unter Bor- sitz de» LandgerilfitSdieettorS Dr. Weigert führte. Der Perein gegen da« BesiechungZweseN hatte durch seinen Generalsekretär Dr. Pohle den Strafantrag gestellt, der sich auch auf den Pro- kuristen Plate erstreckte. Das Verfahren gegen den letzteren ist aber eingestellt Wochen, weil auf ihn al» Kriegvbcscyäd igten die Amnestie Anwendung fand. Plate war bi« Ende August 1013 Prokurist de» Reichsstelle kür Gemüse und Obst. Er war dort zunächst bei der Kasse und Buch- Haltern beschäftigt und wurde später Pro'urtst. Er war gleich- zerfig Agent der Versicherungsanstalt.Allianz". Alz da« Tätig- reitSfeld der Reichsstelle einen immer größeren Umfang annahm und die Versicherung der Transporte in riesigem Umfange geregelt werden mußte, vermittelte Plate, der ja Fachmann war, die»« ver- sicherungen zwischen der RcichSstclle und der.Allianz": e« wurde auch de, anderen Versicherungsgesellschaften seitens der Berwaiwnq angefragt, doch wurden di« umfangreichen Transportversicherungen zunächst nur der.Allianz" zugewiesen. Diese gewährte Herrn Plate dafür für sich persönlich eine Provision von 15 Proz. Dieiee Satz wurde später ermäßigt. Plate erhielt im Laufe der Jahr« von der..Allianz" im ganzen Million Mark Provision. Im Laufe der Zeit ist dann die Reichsstelle bei dem Gewinn der ..Allianz" beteiligt worden.— In dieser Transaktion des Plate in seiner Stellung chS Angestellter der Reichsstclle erblickte der Verein gegen das Besteckningswelen die Gewäbrung resp. Annahme von Bestechungsgeldern im Sinn« de? ß 12 des WeltbewerbsgesetzeS. Die ReichSstell«. so wurde ausgeführt, sei keine Behörde, sondern nur ein geschäftlicher Betrieb in Form einer G. m. h. tz. Plate habe nicht objektiv verfahren, sondern aus Gewinnsucht die»Allianz" bevorzugt und sich damit unlauter gegen die Wettbewerber der ..Allianz" verhalten. In der Verhandlung, in der auch mehrere Sachverständige vernommen wurden, kam zur Sprache, daß Plate dem Angeklagten au? seiner Riesenprovision den Betrag von 140 060 Mark zurück-e rgütet hatte. Staatsanwalt Schott meinte, daß die zur Sprache gebrachten Borgänae rn bezeichnendes Licht auf die Zustände bei manchen Kriegsgesellschaften werfen, die ja in der Notlage waren, Personen zu beschäftigen, die noch eine andere geschäftliche Stellung innehatten. Da« Verhalten de« Angeklagten und Plates sei nicht einwandfrei, ebenso hätte die Leitung der ReichSstell«. di« di« Interessen des Staates wahrzunehmen hatte. ganz besonders vorsichtig sein müssen, wie ja auch der Zeuge Di- vektor Kvhlmann zugegeben habe, daß«r eingegriffen hätte, wenn er die ganze Trogweii« der Geschäfte de« Herrn Plate übersehen hätte. Der Angeklagte Grumbt habe sich auch strafbar gemacht. Im ganzen sei er aber bedeutend weniger belastet als Plate. Da» Gericht verurteilte den Angeklagten zu SOOO M. Geldstraf« eventuell 200 Tcge Gefängnis. Mus alier weit. Ein Schinheitsinstitut. Als ein Schmutznest allerersten Range« entpuppte fich das Institut für Schönheitspflege der Frau Züge in Frankfurt a. M, Friedenstr. st. Zahlreiche junge Mädchen im Alter von 14— Ist Jahren fanden hier, von reichen Lüstlingen. Adligen. Rechtsanwälten, Assessoren, GerichtSbeamten, Kaufleuten uiw.. syste- malisch verführt, ihren moralischen Untergang. Zu den Güsten dcS Institut«, da? Tageseinnahmen von über 1060 R. erzielie, geborten außer den jungen Mädchen auch Krankenschwestern und junge Frauen. Die Sittenpolizei machte jetzt mit harter Hand dem SchönheitZinstitut ein Ende. Di« Schmutzastäre zieht, da der Polizei die Liste der B« s u ch« r in die Hände gefallen ist, weitest« Kreise nach sich. Ein Reklamestugzeug-bzcsiirz,. Wie au« Drnlo in Holland gemeldei wird, stürzte ein Flugzeug, dos AetlamedillcllS ausitieute auf da« Dach etn-SHausesod. Die Insassen, zwei Herren und eine Dame, wurden zerschmettert. DaS Fluozeua ist vollständig vorbrannt. Grehe Waldbrände i« Skandinavien. Christiama. 22. Juni (T. ll.» Die schwedischen wie die norwegischen Wälder werden zurzeit von großen Bränden heimgesucht, die durch Funken der Lokoinouven, die zum gl ätzten Teil mit Holz gefeuert werde» müssen, entstehe». Ja Schwede« wüten die Brände besonder« in Noorland. aber auch« Mittelschweden sind weite Ge- Wrfe zerstört. In Norwegen wütet ein grober Brand stet Renda!. Bisher stnd 20 Millionen Quadratkilometer Wald» bestand dem Feuer zum Opfer gefallen. Z200 Menschen versuchen, bisher vergebens, das Feuer zu löschen. Der kemmende Winter in Petersburg..Petrogradskaja Prawda' räumt in der Nummer vom 6. Juni ein, dag der vergangene Winter in Petersburg„furchtbar" war, und macht den Borschlag. der Borbeugung einer Wiederholung der Mißstände in den Peters» burger Häusern, die Wiederinstandsetzung der Wasserleiiungcn und der Abtritte den Hausbewohnern selbst zu überlassen. Um daS aber zu ermöglichen— bemeikt der Amor diele? Vorschlags—, müssen die Hausbewohner offizielle Garantien dafür haben, daß sie nach Ausführung der erforderlichen Arbeiten anS ihren Wohnungen nicht exmittiert werden können. Er stellt fest. daß die städtische Verwaltung in Petersburg jedenfakks außer- stände ist, die notwendigen Reparaturen auszuführen. Marokkanische Grcurl. In einem Gebüsch nahe der Stadtbahn bei Saarlouis wurden schwarze Franzosen beobachtet, wie sie eine» schwachsinnigen Greis zu ihren scheußlichen Gelüsten miß- brauchten.— In Saarbrücken entstanden am Freitag abend wieder Austritte mit betrunkenen Marokkanern, die die Zivilbevölkerung be- lästigten. Rur die Besonnenheit der deutschen Polizeiorgane konnte Ernsteres verhüten. Reger, inruhen in Amerika. Chicago, 22. Juni./, Uhr im Realgymnasium Kaiserin- Augusle-Straße. Referent! Genosse Meise. Steglich. 8 Uhr, Sitzung der Bezirlssllhrer im Restaurant Müller, Albrechtstr. 52. Morgen, 24. Juni: 14. Abt. 7>/z Uhr, Funktionärsitzung bei Krüger, Engelufer 13. Marlen, Bezirkssübrcibüchcr und Samwcltistcn sind mitzubringen. 80. Abt."i'l, Uhr Eliernversammlung in der Schulaula Tilsiter Strage 4,5. Referent: Genosse Lehrer Schröder. � 81. Abt. 7 Uhr, Mltglledelversammlung im Elhsium, Landsberger Gruppe Moabit 137.— 41. Abt.). 7 Uhr: Versammlung in der Aulader Kirchner-Lberi ealschuli, Zwinglistr. 2. Gen. Theodor Wolfs-Tilsil, M. d. R., spricht über die politische Lage. Wetterbericht bis Tonnerstag mittag. Vielfach heiter, etwas wärmer, meist trocken, bei mäßigen nordwestlichen Winden. AAtvi aßoWOVdtits Warnung vor Zuzug nach Greifstvald. Die Wohnungsnot in Greif,. «ald hat einen derartigen Um- fang angenommen, daß zun» wieverholten Mal« vor itnem ßutNg nach chreifswald drin- El gewarnt«erden muh. el enden droht Qbd»chl-sig- Ohn« Zustimmung de, Wvh> mtngaainto edgelchlosseneAltlt- vertrüge N»d rccht-ungstltig. siliwiderdaitdelnde haben»ebr» hoher Geldstrafe oder Haft xwangeweise«vsschung zu gewärtige». 7Z3D Gre!f»wolh, 14. Juni 1920. Ter Magistrat. __ Wohnungeamt._ ■pezialarzt Dr. meS. 6r0ter!ng Haut-, Harn-, Unterleibileid b.Männ.u. Frauen, Blatunters. IcvuIldenstroBe 3g, Ecke Chauiseestr- Stett BM. Spr. ll-l u. Sonnt, 12-1 �"•füf'lschias In Hüften, Ge«!iS und Beinen. D; schwere Fälle in 15 Tag. beseitigt werden, hietüberua- entastbare Heilerfolge beliehen und Referenten 'nÄ�acobs Spezialarzt Dr. med* Wockenffuß FriölHchsir.Ü Ecnnt. 11—1. Lnuhliis, Hak!-. Fraucnleiden, Wutnntersuül. schNelle.sichere.schmeriioseHeilg. ohne Bernfestärung.?ei!»ahlg.» [«Sffiirda«® D«»»ichers'.Vlttil,(lei Rauchen ganz od.teilw. ei-tu-ileil. Wiikg, verblüffend. Ausk. um». In«. E«|lbrccht,'rtOn den R. Kapuaintrstr 9. mm oich das Raicds- Elakommensteoer- RUDOLF W1SSELL gibt über aste Beetimmungen de» Qesetie», wie: LoHnatnug u.Sleutrkartt, steuerpflichtige!, u. Steuer- frtlts Einkorn msn, A hxBgt iiiw., unter Anwendung praktischer BeUplele und Tabellen sichere Auskunlt Preis Mk. 2,50+ 20»/, BucähiRiüiifig Voralrts Berlin SW 6t, Llndcnttr. 2 rei erhalten Sie in kurzer Zeit durch meine Spetialmethode. Sommersprossen, Pickel, Mitesser, Leberflecke, Warzen, Gesichts- und Nssenröt«, lästige Haare, schlechter Teint usw. verachwlnde« bald. Auf Wunsch Blutuntersuchung. C.WsisserUnvaüdenstr.U? I, Ecke Bergsiraiie, Viele jähre In Kliniken und Krankenhäusern tätig gewesen. Sprechstunden: in-12u. 4-8, Sonntags 10-1. Auskunft kostenlos M ""'KöbeLl billiger geworden 1 Kommen Sie zu uns I und übet sengen Sie sich) von nen außerordentHeh. billigen Preisen zu denen wir er$tklasiie gearüeit. Qualitäitmöbel Herrenzimmer Speisezimmer Schiafzlmmsf Küchen und Einzel-Möbei jetzt zum Verkauf stellen. Eigene GrofifabriHatlon MöbtlfnUrtk UEäHT OLEiSEii BERLIN C. 3i Alczanderpla'z AltxcnderstraBe 42. Verlangen Sie sofort 1 Drucksachen. [Nicht b. bis] j Kupfer 8,- J Messing 4, > Rotguß.. 7,—| I Metannandlung 5 1.0' hr! n get gn-rtc Tf._ Erfinder bedienen(ich zur Anmeldung "ni Berkauf ihrer Erfindungen, Veen ewes Patemfachmanne«. gl und Auskunft kn�cnl»»! t f o I g: it. a. Setlauf eine» latente» durch unteren Mitarbeiter fttr• 860 090 At. F. Erdm-ann A Co., ierlln, KSnlggrltzer Str. 7<. Sciiokoladen Kekse, Kosserren In alten OrOtcn und Preislagen St reich» hölzcr Ich. Loa!« XVI. Scblakztoimer Joseph VrsxkS KitrtBratcatlnioni 213 StciBpfiiz 53 88.• iii.rolstnn I Kasse und Teilzahlung Snnfi?} Hcriift SW. 48, 1 ■< Q ft H U, f rlsdrlchstr. 7,; ' nahe Relic-Ailiance-0l«ii. 1 B«, Nervositftt Bleichsucht Unterernährung »erlangen 51» Qratis-Broschüre über Dr. Hoffbauer*# jjes.(»ach. Lecithin«Präparate In Pilieu», Pulverform u. fl&M. Pom, Aus reinstem, dem Hühnerei cntiogenem Nervsloff oder Lecithin bestehend, daher eine natürliche, vollwertige Ergänzung des Im 3== KCrper verbrauchten Ne. vstofics.----- Elefanten* Apotheke, Berlin SVT. Amt Ztr. 7102 Leipziger Straße 7l(DCnhoflplatz). iiniiif ron Bant-, Harn-" und CnterlelbsleideiiL ohne BerufsstOfung. Aufklärende, belehrende Broschüre für 1 Mk. portofrei in verschlossenem ümsehlag ohne Aufdruck durch Spezialarzt Dr. med. Dammann» Berlin II, Potsdamer Straße IZ3B. Spreohzeib; P— 11. 2—4, Sonntags 10— 11 Workseugmaschinen neu und gebraucht Handwagen, and vierrädrige, mit und ohne Federn, oeofchi-dene chrühen und Aueführungen. Großes Lager. Nähig» Preise. G. Wagner, Cöpenicker Str. 71. _ �„(Boif* Hof"(Belli gabengefchäftl ho» M- imii KaniipnM an Private gibt MEß, ad CM* Goldstein, ftnfianienaDII 21. I lolierten Kupterdraiit, Fzen und Wachsdraiif, kauft höchttzahlend■ enieurbureau Scblicbting riifl W LinkstraEe 10. L: Lützo* 3705 und 8918. Möbel «um Siigtoäpteif» biwft ' alt Ptidatn— Rltlin- ausmnbl. 1»chlatz. tüSC-IMM«.] SpcifC). 1710—18870 Je. 1 wochnj, 875- 5880 51 «üche» 048—08851.., Lieferung rlo. Lagerung lostenl. Ütjühr. Gernnlis. s Rbdel-kksus Kelevoh »ertln. vabftr. SS Kupfer, Messing, Zinn, gwt Ü?»«St,a.u�Pl�SoA.«. lausi ' �tkll-iüii!i?.sk-heiit!'il!ö. äk»eil»H«i»apvnn»ns«A icherinannpldh). LtvI. 10580 Zchwle. Zürn. sowie siimilich, MeldÜ« laust oödistzdhl. Metall. Aeulrate. StdUichreiberltrahe 43,49.* rui>A-n zur ,---- JeM PrtWe«l------ �ts»>»i»fdl|cher M Ne ttgemiitbenSrenmeuchler preis 2 Mark und io'it'£rutr»»g,jufchl«s BUCHHANDLUNG RVÄRT« Krlegsaniolhe wird zu 84'/, in fahlung genommen. ABnoMrelreü! Reise-Meü! QioOer finirans RBisemftntel..... 156.— Reise-Kostüma... 188.— Sportjacken..... 29.75 Tricoljacken..... 51,— Modell-Sportjacken 325.— KürsIhIH, Sportjacken 395.— Lodenmäntel____ 300.— Reise-Ulster____ 259.— Modell-Kostüme.. 745.— Coverlcoat- Mäntel 297.50 Reiseröcke...... 66.— Seidenröcke.... 132.— Gnimnlmiiilei lur lZziiiS» 425.— etmiRSiBfinlel Nr Hsrr«n 585.— Jetzt; Ausnultmeprelse! Pehmäntei Piüschmäntei Wiuter-Üister 4000 1660 225. 375, 490 Westmann t Geschäft; Berlin W, 2. Geschäft: Berlin NO, Mohrenstrasse 37 a Gr. Frarkfurter Str. 115 Sonntags geschlossen! Drehbänke mit telt-u.Ziigsplndsl in verschiedenen Größen ; Bohroinscblncn für Kraft- und Fußbetrieb, Fräsmaschinen, horizontal, vertikal und universal. Revelvcrbänke in verschiedenen Größen, E.-rztnter, und Friktionsspindel-Presbcn, gchriubenautomaten, Rundschlelfmaschiaca, universal, Mecbeclkerbänke und so weiter verkauft preiswert ab Lager Felix Kohls, Berlin 8 14, Alte Jzikobfttr. CO. Tel.; Amt Moritzplatz 12072, 12073. Sekretär gesuekt! Für die Fllhrnng dezirt Ehemmtz wirb der Betriebsriitebcwegung im Inbustrle- eine erste Krast als Sekretär verlangL ......«t* JJftfcibt 1 beftben�und ndiigenfalls anch Kertretung für ä.'w«rtjchast«. «rdeiterketretariat übernehmen könne». Voitswirrichafllichc Kenntnis erwünscht. Bewerber, bie minbestenz 3 Jahre einer freien Tewertfchaft angehSren, wollen ihr?I,>gedot mit Dehalto- anlvrüchen und spütcitem Antritlodatiim bis:!l>. 5. t»M mit btt Wlffchtifv.Sekretär" an TL Franz, Ehemnllt, gwickauer Str. ISA richteit.. 330/2 Leistungsfähige all renommierte Zioam'nfobüt. welche in Verlin Fabrik- lager unterdäil, sucht für ihre preic-merien. rein Überseeischen Fabrikate, in der Preisiaar von 675— MiV M. versteuert, in '/«.Verpackung und tadelloser Aufmachung. Daurcabnehmer. PerioSter für alle Bezirke gesucht Offerten unter B � die Expedition dieser Zeitung. Veriin EM 68. Lrilllireliei- SchivsseTmeisker Jfeue Welt Arnold Scholz Hasenheide 108—114 Tüglich Konr.ert nntl Vorstcllang. Dienstags, Mittwochs. Donnerstags u. Sonntags: tiroSer Ball. Che KafteekUche ist täglich geöffnet. Anfing wochentags I Uhr, lSonntTit n, Volksbühne Theater am BQIowplatz. S.'iDerRiehtervonZalaniea. Lesslog-Ttieater. SommerHpielzrit Allabendlich 8 Uhr: «M "> D.Glas dJunglrau Denlsches Künstler-Theater Allabendlich 7'/? Uhr: Die bessere Eöllte mit Max Adalbert. Trianon-Theater. Bahnhof Friedrichs trabe. Täglich 8 Uhr: Iftaskerade. Friedr.- W ii helmst.T heater 7-/. uhr: Evchen Humbrecht. Der große Erfolg. Rose-Theater. T/t Uhr; Schwarzwaldmädel Residenz- Theater. Stadtbahn jannowitzbrücke. Täglich V�Uhr: PaulWegeneru.OlgaLimburgin Die Raschtt neiler Polles Capriee Friedrich-, Ecke Linienstr. ?>/- Uhr; Flimmer- Kiärchen Musikalischer Schwank. Admirals-Paiast VI, U.: Flirt In St. MoHtz. 7'/, Theater T'/J I Direkt. James Klein, j | letzte Tage! Natura- isliscb-pbantastlsch. Ballett Varletd-Oastspiel Jranz Groß v. Theat. d. Westens 18 weit. Sensationen ♦ Allabendlich 7 Uhr:« 2 Lorleys Dr. BennoWflnsch| Ciselatus j Rosel Dehny t Martin Loewe Annie Trautner 2 Kajanows MimiBriiGustlernerf in Coco u. Coca\ Reeves u Reeves i Am FISgel: E. Henlschel. t Kapelle Mundi Neumann, t ♦ Sommer-Theater „Groß-Berlin" vorm. Kliem, Hasenheide. Mittwochs: FOrsterchristel. Don nerst. 8: Sens.-ichausp. Krone und Fessel. Das Ende ein. Königskrone. Ab SV, Spezialitäten. JCasjywmMj�HJtb�J. BegtOhaitgsfeiet für Me hclmgekehrteit Rtiegsgefangenen in der Philharmonie. Bernburger Straße LS SS I. vonnersiag, den 24. Juni, adend« 7 Uhr 2. Sonnabend, den ZS. Juni, abends 7 Uhr Mitwirlende RÜnstler: 7AD UHIan y. Granlelde, Mafalda Salratinl, Josel Mann, Hermann BiJttcher, Johannes Riemann, Cnrt Vogel, Ballet- schule Marie Zimmermann, Philharmonisches Orchester Zeder Bertiner Rrteasgefangene erhält 2 Frelfarten und 1 Gutschein für Sirtorten uitd zigaretten bei der Rriegsgefongenenhelmkehr, Berlin, Schloßplatz t� Vsrietö'Lstß ZKirit�ptst? 1 Oranlenatr. 88—51 Dir. R. Korant, KBnstl.Lelt. Hellmuth Bemdsen. Drehest. Georg Wählen| Da« yroBe Weltatadt-Programm! H.rry M.lt« Bnin0 STrad Sc|l|Hw, und das große Varlett-Programm I Jeden 1. und 14. Programmwechsel. ----- 4'/,— 7: Tanz-Vorführungen; | 5 Neufiuflen«Blllards Ltkörstube| Theater a. Kottbua.Tor Tel.: Moritzplatz 1(814. Jeden Abend 7V, Uhr: f Elite-Sänger. Horst, Ruselli, R. Schräder, Riesa Schubert usw. Blüthgen-Konzert Vorvk. II-IV,. 4-5 U. Reiciishall.-Theater -"illch 7>/, Uh: StettSäny Varietö Dtnhoit-Brettl. Garten n. Saal. gnt.6V„Sonnt6 Dr. med. Holländer, Spczlalarzt Cur Haut., Frauen, und Blasenleiden i ohne Quecksilber, ohne Berufsstörung, Blutuntersuchung. Aufkl. Broschüre Nr. 10. diskret verschlossen Mk. 2,50. Berlin W 8, Leipziger Straße 108 IL Täglich 11-1, 5-7, Sonntags 11-1. 187/4*| V. SubmWon. Die Kriegsmetall Aktiengesellschaft in Liquidation Berlin W. 9, Potsdamer Straße 10*11, verkauft auf dem SubmisfionSwege nur fiir Verwendung im ZoUinlande Positionen 1—58. lagernd auf den Lägern der RriegsmeioII Aktiengesellschofi in Hornburg. (Anmeldung zur Besichtigung Dooensieth 20.) a) Positionen 1—36, lagernd aus dem Lager Tankweg I. Ungänglge bzw. Adfollmoterialien. 1. en. 2.. 4*' 5: ?;: 3;: : 12.. 18.„ 14... 15. 18. 17. 18. 19. 20. 21. 22. 28. 24. 25. 28. 27. 28. 29. 30. 3L 32. 33. 2500 kg olie verzinnte Rupferdräht« unreine Rupiethülsen „ nnreine Zupserspäne „ alte Bronzesiebe „ unreine Roigutzspäne . souetstoffholiigr- Rotguß „ souersioffhaliiger Roiguß „ beschädigte Rotguß- u. Messingspäne „ unreine Messingspäne „ Messingkrotze „ Messingkehricht „ tu:rclnes Messing „ Eisen mit Messing u. Rotguß behaftet „ gemischte Rupfet., Nickel- und Stahl- mautelhülsen, unrein ..»nreincs Rofünierneusilder unreine Reusilber» u. Refistinspäne unreines Altzinj unreines Alizini unreine» Alizint unreine» Altzink unreine» Alizin! Zinilegiernng si'nklegieruna unlurante» Ho Hortzinkschlockcn Zinnosche zinnosche zinnhaltige vfenschlocke olle gemischte ginn- u. Aluminium- Folien olle Aluminium- Folien unreines Alioluminwm Alteisen mit onhoftendein Blei mireine» Nickel. Nickelguß und Nickelkehrrichi II. Für Seldswerorbeiter.teilweise und ohne Gewähr" verwendbare Materialien. 34. ca. 4000 kg Restslm-Bronzestongen 35.. 8V0V. Ninl-Imessing 36.. 20 000. verzinnte Messingrohr, d) Posiiionen37— 58, lagernd auf dem Loger Rnhwärder. I. Ungängige bezw. Abfollmoieriolien. 20000 kg olle verzinnte Rupferdräht« u.-feil« 10 000 7 000 15000 15000 50 000 50<«0 7000 20 000 50 000 5000 8000 25 000 25000 12000 2000 25 000 50 000 50 000 50 000 50 000 50 000 50000 15 00O 5000 12 000 12 000 6 000 8 000 2 000 4 000 8000 500 37. 88. 39. 40. 41. 42. 43. 44. 45. 48. 47. 48. 49. 5 000 4 500 1000 50 000 1ÜW« 6000 2000 2000 8 000 25 000 300O0 5 003 unreine Rnptergronolien Eisendroht mtt anhaftendem Rupfer olle» isoliert Erdtobel aus Trommeln unreiner Roiguß und Tombok unreiner Messing- u. r Messina-:_____ J unreine Messtnahülten u.-adfälle unreines Neusilber unkurante Ruxiernickellegierung unreine» AU-Hariblei bin. Altblei Hartzint Graphittiegelbruch II. Für Eeldstverarbeiter,„teilweise und ohne Gewährt verwendbare Materialien. 50. ea. 5003 kg Tombatftreiten 5L 52.. 53.. 54.. 55.. 56., 57.. 58.. 2500 20 000. 12000. 12000„ 7000„ 15000„ 2300, 3000„ JPcrliu, verzinnte Rupferdrähte und Seile Meisingrundstangen ca. 31-36 mm Dnrchmetter Melüngrundttongen ca. 35— 56 mm Durchmesser Messingeundsiangen ca. 55— 105 mm Durchmesser Messingsechotantstanoen ca. 26 di, 45 mm Durchmcsicr Mcsiingsechstantstanaen ca. 66 di» 85 mm Durchmesser Metsingaiertanlstangen und Flach- siongcn Weißbleche, teilweise beschädigt Positionen 59—102, lagernd auf dem Loger der Rrlegimetall Altiengesellschost in Leipzig. (Anmeldung znr Besichtigung Reitzenhoiner Straße 168/172 I. Ungängige bzw. Abfollmoieriolien. ca. 50 000 kg unrein c» Roffinertnvfer Mcidllgemitch au» Rupfer, Messing und sonstige» Fremdteilen „ unreine» Rlischeetupfer , unreiner Rotguß „ unreiner Olotonß- und Messingdruch . unreine» Messing . unreine» Rossiniermessing . monganhotiig..oroßsiück>getMesstng. und Rotgußbruch zurückgezogen . ZinHegierungsdlock« . ungängige» Horizint . nnreine gint- u.gtnnlea!erungsfpän» . Alible! . Bleiofche . unturonte« antwionholtioe» Blei . Altblei . bes�ädigte« W-ichblei I irreguläre« Hortblei , beschädigtes Weichdlei . beschädigte» Hartblei . Horibleigeträz . unreine Aluminwmspän« . Aluminiumlegierungsbläck« . Aluminiumleoierung . unreine« Weißmeioll . Weißmetollgeträ» , irreguläre, Weißmetall zurückgezogen , irreguläre, Antimon regulus , Elsen- und Stohlhülsen mit Bletkera . Metalllehticht ll. Für Eeldstverarbeitrr.teilweise und ohne Gewährt verwendbare Moteriolien. VI. ca. 15700 kg Messingrundsiongen ca. 5—16 mm SO. 61. 62. SS. 64. 65. 66. 67. 68. 69. 70. 71. 73. 78. 74 75. 76. 77. 78. 79. SO. 8L 82. 83. 84. 85. 86. 87. 88. 89. 90. 31500 500 20 000 3 200 17 000 40 000 10 500 11000 65000 3000 47 000 12000 73 000 6 50) 18000 1500 10500 78 700 55 200 13 300 3 900 16000 2 600 10 200 32 700 9400 3000 2000 30 000 92. 93. 94. 95. 96 97. 98. 100. 101. 102. Durchmesser 15000, Messingrundliangen ca. 10—37 mm Durchmesser 16000, Messingeundstongen ea. 14— ZO ckirn Durchmesser 15 000. Mc!singruudstong.«d.Z5mmHurchm. 15 000, Messiugrundsiongen ca. 30— 40 mm Durchmesser 1»«0. Mefsingrundsto ng. ea.3S mm Dttrchm. 20 000. Mesiingrundltang. ea.40mm Durchin. 15 500. Messingrundsiongen ca. 30— 105 mm Durchmesier 15000, Me Ising sechstontsiongen ca. 25 Ma 65 mm Durd:mcsser 14 500„ diverse Mesüngscchstonisiangen, Fasson- und Prostlmeissng 12 000. Zinkfimtgen ca. 25 mm Durchmesser 2000„ Aluminiumseilr c) Posiiim.en 103— 107, lagernd on verschiedenen Lager- plägen.(Nähere Angaben auf Wunschi 103, ca. 108 OOO kg Obfenbruch 104.„ 207 000. Zinn-, dlei- u. silberhaltige Rückstände 105.„ 300 000, nickelholiige Rupferschlocken 106., 300 000, Ehromerze 107.. 500 000. Ferrvchromschlocken. Für den Bertaui sind die gedruQen bei der KMA erhält- lichcn Eudmifsionsdedmoungen maßgebend. Bcsichtiauug der Pos, ti-Uten 1—102 tonn nur am Dienstag. den 29. Juni, und Mittwoch, den 90. Juni 1920, und zwar in der Zeit von 9—1 Udr vortnittoga erfolgen, unier Vorzeigung der von de? KMA adaegedenen Bedtngur.gshrmuiore. Es werden ausschließlich schriftliche Seboic dcrücknchtigt, die in ordnungsgemäßer Weile lt. Punti 6 der allgemeinen Sud- missionsbcdiugungen eingerichtet werden. Mundliche und telephonisckie Gebote finde» leine Berücksichtigung. Die Gebote find unter Benutzung der von der KMA mit den MA—-------—*" � 1920 gebunden holten. 15. Juni 1920. Kriegsmetall Aktiengesellschaft in Liquidation« SB*« JMer BOüßtÖritet-BftfiflBD Verein Berlin= Sektion der Zementieret. Donnerzioz, den 24. Zmti, abends 7 Uhr, im Roseniholer Hof, Rosenihaler Straße 11/12 Mitglieder-Versammlung. Tagesordnung: 1. Wie stellen wir uns zur Auslegung de» Schiedsspruches vom 21. Mai durch die Unternehmer. 2s Dis- tussiou. 3. Wie führen wir unseren Torifvcrirog im Tiefbau durch? 4. Verschiedenes. 14318 Bei der Wichiigteii der Tagesordnung isi es Pflicht oller Rollegcn. zu erscheinen._ Me Settionsleiiunn. Jeder Eisenbaliner liest!! zur Förderung seiner beruflichen Kenntnisse die amtliche, von den höchsten Stellen im Eisenbahnwesen empfohlene Hochschulzeitung imi Ii »MMWU. Interessante Artikel. Lehrreiche Abhandlungen, Konkarrenzlose Facbzeitnng. Aus dem Inhalt: Demokratisierung im Eisenbahn wesen.— Die Entwicklung der Siemenswerke.— Neuerungel im Signalwesen.— Lokomotivkessel mit Ueberhitzcr.— Wasserstandsanzeiger.— Elektrisches Schweißen in Eisen bahnverkstätten.— Der Luftdruck, das Barometer, Dil Verwendung von tlußeiserncn Lokomotiv-Feuerbfichscn.— Gleichförmige Bewegung, Beharrungsgesetz, freier Fall Kraft, Masse und Dichte. Bezugspreis direkt vom Verlag unter Kreuzband 4 H pro Vierteljahr, durch die Post 3 M. zuzügl. 30 Pf. Besteilg Für Vereine billiger.— Probenummern kostenlos. Änerkanni»orziiglieliES. sifkungsfoCes insmionsorp Inserate in den Jrtitteilungenu haben nachweisbar det größten Erfolg; die Leserschaft setzt sich nachweisbar aui sämtlichen Eisenbahndirektionen, Aemtern, Verbänden un4 über 12 OOO Hörern der Fachhochschulen zusammen, dil kaufkräftige Klasse der Eisenbahner verbürgt einen solchen Von d. boelisfen EisenbalinstelleD z. Insertion empfehlen Verlag IWesemann, Telephon; Kurfürst 4015, Berlin SW II/ISO, Königgrätzer Straße 10» Drahtanschrift: Diweanwq Ankauf Brillanten Juwelen ii Platin:: fioid-Bruch L. Mull, Leipziger Str. 60/1 ■x a f l'nlon-Klab, Berlin. Annahme für Vorwetten I fttr Rennen In Berlin und Im Reiche Schadowstrsße 8 für persönliche und PostauftrRge. Neukölln, Bergstr. 43 Potsdamer Straße 23 a Kunürstendamm 65 Kurtürstcndamm 234 Bayerischer Platz 9 Oranienburger Str. 48'49 Schöneberg, Hauptstr. 9 und Theaterkassen der Firma A. Werthelm> .—-----.. Tauentiienstrdße 12« Nollendorfplatz 7 Rathenower Straß« 2 Plamuer 24 — c ii 3.7 Leipziger Straße>20 Rosenthaler Straße 29 31 Moritzplatz Könlgstraße 31/32 Amuhmesohluß t Für Berliner Rennen 3 Stunden vor Beginn des ersten Rennens. Für auswärtige Rennplätze abends vor dem Renntag. Postaufträge werden nur SchadowstraBe 8 angenommen. Ausführliche Wettbedinpungen In allen Wettannahmestellen erhältlich. teStsMauenlotM 214 OOO Gewinne und 2 Prämie« in 5 Klassen mit rund 97MiilioneciMark IMIili�Hark Ziehung Her l.Rte: 13. und 14. M Sl; 1QOOÖO Mark j n c p''°------.32 LU«C. 7.30 14.60 20.20 58.40 M. (Postgebühr u. List« 60 PL beaondera) Erhältlich bei den PreussMerSe-ElnneliinernGroS-Berllns Möglicher Höchatgew. Die Note öer alten Staatsöiener. Vom Zentralverdand pensionierter deutscher Reichs-, Staats«, Temeindebeamten und Lehrer werden wir um Abdruck folgender Zeilen gebeten: Was Reich, Staat und Gemeinden ihren Beamten i. R. an Ruhegehalt in Zukunft zahlen wollen, ist das Existenz- Minimum. Nicht mehr, eher weniger. Die jetzt vor der end- gültigen Nachprüfung stehenden neuen PensionSgesetze wollen aber den vor dem 1. April Illtv pensionierten Beamten dies Existenzminimum kürzen! Dies Minimum braucht jeder Pensionär, ob er am 1. April 1919 oder einige Monate früher in den Ruhestand getreten ist. Enthält man ihm einen Teil, hier etwa ein Viertel, vor, dann leidet er Not und verelendet. DaS hat sich der Erfinder des gesetzlich un- zulässigen Begriffs„Altpenfioi.är" nicht klar gemacht. Rabe genug freilich hätte eS gelegen. Denn der Pensionär von 1918 musz für alle Lebensbedürfnisse dieselben Preise zahlen wie der von 1919. Der erster« hat gesetzlichen Anspruch auf genau dasselbe Ruhe- gehalr wie der letztere. Staat, Reich, Gemeinden haben ihm bei der Anstellung auf Lebenszeit auskömmliches Gehalt auf Lebenszeit dem Gesetz entsprechend zugesichert. DaS ist aber, ob Gehalt oder im Alter Ruhegehall, eben immer nur daS Existenz» Minimum, niemals mehr. Der Begriff.AltpensionZr", den bisher die PensionSgesetzgcbung nicht kannte, darf jetzt nicht in daS Gesetz hineingebracht werden. Sonst hat auch die zurzeit noch Dienst tuende Beamtenschast später unter dieser Begriffsverwirrung ebenso zu leiden wie ihr« jetzigen älteren AmtSgenoffen. Deshalb erheben nicht nur die gesamten Pensionäre, sondern auch alle im.Deutschen Beamtenbund'■ vereinigten aktiven Beamten flammenden Protest gegen diese Ver- gewaltigung der alten Pensionäre. Die Mehrkosten, die dadurch entstehen, dast man allen Pensionären das ihrer Ge- Hallsgruppe und ihrem Dienstalter entsprechend« Ruhegehalt pe- währt, find im Verhältnis zu den durch die neuen BesoldungS» Ordnungen verursachten Kosten so geringfügig, dast sie kaum der Rede wert sind. Jedenfalls dürfen finanzielle Rücksichten niemals dazu führen, datz von der Rechtsprechung der höchsten Gerichtshöfe und in der einschlägigen Literatur als gerecht an« erkannte Ansprüche unerfüllt bleiben. Und bekanntlich hat die Deutsche Reichsverfassung vom 11. August 1919 im Artikel 129 die wohlerworbenen Rechte der Beamten, und damit auch die ihrer Hinterbliebenen, für unverletzlich erklärt, deren Bezüge sich nach dem Ruhegehalt des Ehemannes und Vaters richten. Die gefährdeten Ruhestandsbeamten, Witwen und Waiien erwarten, die Landesversammlung werde befchlictzen, dag die Unterscheidung zwischen Alt- und Neupensionären, zwischen Alt- und Neuhtnterbliebenen au» den Gesetzen verschwindet, und dad«ine Verkürzung rrdienter Pensionen. Witwen- und Waisengelder unter keinen Um» st ä n d e n stattfinden darf._ Kein Steuerabzug in Gberschlesien! Hindenburg, 22. Juni. Gewaltige Arbeitermasien aus dem Ort und dem Krei» Hindenburg durchzogen Hindenburg. Sie begaben sich zu der interalliierten Kommission, um gegen den zehnprczentigen Lohnabzug zur Steuerzahlung zu protestieren. Eine Abordnung wurde von dem interalliierten Kreiskontrolleur empfangen. Dieser teilte mit, dah die interalliierte Äommisiion sich bereit? wegen der Außerkraftsetzung deS Lohnabzuges mit der ReichSregierung in Verbindung gesetzt habe. Mittwoch sollen in Oppeln die Vertreter von General Le Rond empfangen werden, um ihre Forderungen, die u. a. Lohnerhöhungen betreffen, zu unterbreiten. Deutschlanü unter Zwangsverwaltung. Pari», 22. Juni.(HavaS.) Zur Flüssigmachung der deutschen Verpflichtungen haben die Alliierten sich entschlossen, der intcrnatio- nalen Finanzkonferenz in Brüssel die Ausgabe internationaler An« leihen zu empfehlen, für welche die Einkünfte Deutschlands alö Pfand dienen sollen. Der Vorrang der in die Hände der Sllt» i e r< e n Übergehenden Anleihen soll gewährleistet werden. Wenn Deutschland bei Ausführung des Friedensvertrages bösen Willen zeige, könnten Zwonqsmaxnahmen» die bis zur Besetzung deutschen Gebietes führen tönnlen, angewandt werden. Ueber die Verteilung der deutschen Zahlungen sei Endgültiges noch nicht beschlossen. Aber auch Italien meldet sich kräftig. Der vielerfahrende P e r t i n a x berichtet im.Echo de Paris', auk Italiens Forderung nach einer 20prozeniigen Beteiligung an den Zahlungen Deutsch- lands habe man geanlwortet, dag die an sich wohl berechtigte Forderung aus dem Friedensvertrage nicht abgeleitet werden könnte; man dürfe den Vertrag nicht von Grund auf umstürzen. Graf Sforza entgegnete, datz Italien 39 Milliarden Militär- Pensionen zu zahlen Hab». Man erwiderte ihm mit dem Hinweise auf Italiens Annexionen, die mit der Wiedererlangung von Ersaß- Lothringen gar nicht verglichen werden könnten, weil Frankreich nur ehemaliges Eigentum wiedergewonnen habe. In der WiedergutmackungSfrage beschloß die Konferenz grund- sätzlich, sür die Gesamtentschädigung einen Höchstbetrog festzusetzen, der in jährlichen Teilzahlungen von mindestens 3 Milliarden Goldmark zu erstatten ist. Wenn Deutschlands Wohltahrt eine«ende- ruiig zulasse, so werden die Jahreszahlungen, nichr aber der Ge- famibetrag erhöht werden. Der sozialistische Londoner.Daily Herald' betont die Zwecklosigkeit aller Beschlüsse, auS Deutschlands und Rußlands Elendskrämpfen Milliarden über Milliarden herausschinden zu wollen. oüer IOC 000? Bon zuständiger Seite wird mitgeteilt: Einschließlich der Truppen in der neutralen Zone betrug die Heeresstärke am 6. Mai 218 OtiS Mann, am 31. Mai 200 000 Mann. Da die Konferenz in S p a über den Antrag der deulschcn Regierung, dauernd ein 200000-Mann-Heer haften zu dürfen, entscheiden soll, die Herab- Minderung de» Heeres auf 100 000 Mann aber nach dem Friedens» vertrag« bereits am 10. Juni durchgeführt sein sollte, während die Konferenz auf den 5. Juli oder noch weiter verschoben wird, hat die Reichsregierung am 8. Juni eine Verlängerung der Frist beantragt. Pari», 22. Juni.(WTB.) Wie der Berichterstatter der.Jnfor- mation' aus BoulögNe Mitteilt, ist die Frist für die Entwaffnung Deutschlands über den 10. Juli hinaus verlängert worden, weil eS biS zu diesem Tag« durchaus unmöglich sei, da» gesamte Kriegs- Material zu zerstören. PariS, 22. Juni.(WTB.) Die französische Delegation ist um 1 Uhr' nach Pari» zurückgereist. Ministerpräsident Mille- r a n d erklärte den Pertrelern der Pariser Presse, man habe ein- stiuilltlS beschlossen, daß der effektive Bestand deS deutfö�en Heeres auf 100000 Maua zurückgeführt werde* soll, i,_; Württembergs Rechtsfthwenkung. Stuttgart, 22. Juni. W. T. B. Der neue Landtag wählte mit 67 von 99 abgegebenen Stimmen den ZentrumSabgeordneten Walter zum LandtagSpräsidenten. Zum 1. Vizepräsidenten wurde Abg. Dr. R o t lBauernbund) mit 78 Stimmen und zum 2. Vizepräsidenten Abg. Keiler der anderen Partei hat aber jede der drei Parteien abgelehnt. Der Hauptausschuß ist somit nicht in der Lage, der Nationalversammlung ein Kabinett vorzuschlagen. Dieser Fall ist nun in der provisorischen Verfassung nicht vorge- sehen. Die VersassungSIücke muß ausgefüllt werden. Dazu sind zwei Maßnahmen erforderlich: erstens sofortige Ausschreibung der Neuwablen, zweitens Bildung eines UebergangskabinettS zur Fortführung der Geschäfte bis zu den Neuwahlen, daS auf Grund eines anderen Verfahrens zustande kommt. Unter den hierfür bestehenden Möglichkeiten ist die Schaffung eines ProporzkabinettS, welches aus Proporzwahl durch die Na- tionalversammlung hervorgeht, die einfachst«. Die Bildung der Regierung würde in der Form der Listenwahl durch dir Rational- Versammlung erfolgen. Durch den Vorschlag der Sozialdemokraten würden, zwei Schwie- rigkeitcn, die aufgetaucht sind, überwunden: Erstens: Jede Partei ist in der Auswahl der Personen, die sie in daS Kabinett entsenden will, frei, ein Einspruchsrecht anderer Parteien en! fallt. Zweitens: Keine Partei ist gezwungen, die ihr nicht genehmen Vertreter der anderen Parteien oder überhaupt Angehörige fremder Parteien zu wählen. Die Vertreter der anderen Parteien nahmen den Vorschlag zur Berichterstattung an ihre Fraktionen entgegen, die Verhandlungen werden fortgesetzt. Durch den Vorschlag der Sozialdemokraten würden zwei Schwie- werden fortgesetzt, Die Proporzregierung würde rniS 7 Sozialdemokraten, 6 Christlichsoziaten und 3 Großdeutschen bestehen. Dr. R e n ne r sagte in einer Versammlung, wenn die Proporz- «gierung gewählt werde, könnten die Neuwahlen schon am S.August stattfinden und das neue Parlament am 31. Oktober zusammen- treten. Der �orthp-Dopkott. Wien, 22. Juni.(Eigener Drahtbericht de«„Vorwärts".) Fol- gen der Funkspruch der ungarischen Regirrnng, der über Warschau nach Amsterdam an den Internationalen Gewerkschastsbund ge- richtet ist, wurde aufgefangen: Daten, auf Grund welcher Boykottbaschluß gefaßt wurde de- ruhen auf Unwahrheiten oder Mrßverständnrssen. Ungarische Regierung hat auch bisher alleS getan, U-m in diesem Lande, welche» nach dem Krieg zwei Revolutionen und außerdem ein« Invasion durch fremde Hee« mitgemacht hat, die Ord- nung wiederherzustellen und zu sichern. In der ungarischen Nation, welche biS zuletzt die yoffnung auf den Sieg der Ge- rechtigkeit nicht verlieren vermochte und schließlich den ihr diktierten Frieden in seiner ganzen Grau- samkeit zur Wirklichkeit werden sah. machen sich stärkste An- zeichen moralischer Konvulsion bemerkbar. Ungarische Regierung beschloß sofort energische Maßnahmen, um Ordnung wiederherzustellen. Durch Boykottbeschluß jedoch Regierung vor ganz neue Situation gestellt, welche zur Folge haben kann, daß Erregung des Volkes wieder zu stärkerem Aufflackern kommt durch eventuell eintretende Entbehrungen, von welchen industrielle Arbeiterschaft am meisten betroffen werden könnte. Ungarische Regierung tut natürlich auch heut« alle« und wird auch" weiter alles für Sicherheit, Ordnung, Schutz persönlicher Freiheit jede» Mitbürgers tun. Wenn ihr jedoch die» nicht gelingen sollte, so muß Regierung schon von vornherein Veoantivortung auf chne schieben, die unbedachterweise durch den Boykott da« vielgeprüfte Ungar tum in neue Verzweiflung stürzen. Gegenüber diesem Appell und gegenüber der auch von der Ber- ttner ungarischen Vertretung durch WTB. verbreiteten Vertkidi- gungSschrist sei lediglich auf die ein« Tatsachs hingewiesen, daß die Budapsster Sozialdemokratie erklart, sich von den Gemeinde- wählen am 11. Juli aus denselben Gründen fernzuhalten, wie seinerzeit don den Parlaments Wahlen— d. h. wegen de» hemmungslosen, ungehinderten und wahrhaft bestialischen weißen Terror« der OffizierSbanden und sonstigen Pogromistenk Der Boykott in Wien und in Deutscheste mich ist v o l l st ä N- d ig. Der Telegraphen- und Telephon verkehr ist restlos stillgelegt. Auch. die Bankbeamten haben einstimmig beschlossen, sich dem Boykott anzuschließen. In einzelnen Kreditinstituten haben die Be» amten schon am Sonnabend den GelbWerweisungSverkehr nach Ungarn eingestellt.— DadiedeutschnativnalenDeamten provozierten und die gewerkschaftlich organisierten Beamten und Arbeiter an der Durchführung de» Boykott» behindern wollten, hat Dienstag vormittag eine stark besuchte Versammlung de» Per- sonals deS Ostbahnhofs einstimmig den Beschluß gefaßt, auch den Personenzugverkehr nach der ungarischen Grenze einzu- stellen. Sie erklärte aber» zur Wiederaufnahm« des Personenzug- verkehr» bereit zu sein, wenn die Beamten die Versuche ausgeben, die Durchführung des Boykotts zu verhindern. Auch der Schiffs» verkehraufderDonüu ist seit zwei Tagen eingestellt. Lenin über Sowjetrußlanö. Am 17. Mai hielt Lenin auf dem dritten Flußschiffahrtikongreß eine längere Rede, in der er den AvVeitern den Uebergang don dem R ä t« s y st e m in den Fabriken zur Wiederherstellung der Macht der individuellen Leiter, die jetzt in Rußland mit einer unbeschränkten Gewalt ausgestattet find, plausibel machte. Bemerkenswert aber ist,!vi« Lenin selbst di« Lage Sowjetrußlands schildert.„Wir können nicht warten— sagte er—, dai Land ist zerstört, das Elend, die Kälte, der Hunger und die allgemetne Desorganisation haben«inen solchen Grad erreicht, daß«» nicht so weiter gehe« kann. Keine Selbstaufopferung kann uns retten, wenn wir nicht die physische Existenz der Arbeiter sicherstellen, wenn wir ihneu nicht Brot geben, weit» wir nicht Salzvorräte beschaffen werden, die wir den Bauern atr Stolle von Lunten Papierfetzen geben könnten. Wenn die Verwaltung nickt in den Händen von Fachleuten liegt, wenn Heizmeuerial nicht rechtzeitig eirflnfft, wen» Lokomotidem Dampfer und Barken nicht repariert werden, so ist die ganze Existenz Soiojotrußlands aufs Spiel gesetzt. Die Bevölkerung wird noch einen Winter, wie der letzte«ar, nicht Mehr ertragen können. Kein Heroismus der Arbeiter kann sie instand setzen, die Qualen der Kälte, d,» Typhu«, de» Hunger» usw. auSzuhaltea.' Umfrage über Kriegsabwehr. Amsterdam, 22. Juni.(WTB) Der Bollzugsausschuß deS Internationale» Transportarbeiterhundes hat an die Transportarbeiter und Eisenbahnorganisatioacn aller Länder eine Mitteilung gerichtet, worin sie unter Hinweis auf dir von dem Kongreß in Kristiania angenommenen Resolution gegen Krieg, Militarismus und Kapitalismus aufgefor- dert werben, über folgende zwei Punkte Bericht zu erstatte«: 1 Ob die Organisation bereit ist, die in den Resolutionen niedergelegte» Gedanken und Forderungen zu propagieren; 2. ob sie bereit ist, im Falle eines drohenden Krieges einem euentuellrn Anftuf des GeneralrateS des Interalliierten Transportarbritrrbundes zum Generalstreik in allen TranSPorthrtrirden Folge zu leisten. Polens Rückzug. Warschau, LS. Juni. Nach einer halbamtlichen Meldung sind die bolschewistischen Truppen bereits in unm.itelbarer Nähe von Minsk und P o d o I S k. Die polnischen Truppen haben die beiden Städte geräumt. In Südrußland weiden dir Angriff der Bolschewisleu immer stärker. Westlich von Odessa sind die u k r a i n i s ch en Hilfstruppen der Polen zum Rückzug gezwungen worden. Zranzösifche Enthüllungen. „Matin" veröffentlichte vor kurzem ein Interview mit dem Ab- geordneten Benaget, der einmal eine Mission im Orient hatte und angeblich jetzt die historische Wahrheit ans Tageslicht ziehen will. Er erklärte auf Befragen, daß General Franchet d'CSpereh nicht Anhänger einer militärischen Aktion gegen Rußland und die Türkei gewesen sei, sondern daß er für ein« Aktion gegen Oesterreich eingetreten fei. Politisch sei diese Politik unterstützt worden von Briand und Poinrarö. aber Clömenrcau, unterstützt vom Großen Genevulstab, sei dagegen■ gewesen. Auch Delcasse habe eine derartige Politik unterstützt. Benuzet erklärt alSdann, daß nach seiner Ansicht Ludendorf? sich für besiegt erflärte, al S die französischen Trup» Pen an der Donau angekommen seien. Schon im Oktober 1918 habe Franchet d'Esperey seine Division gegen Buda- Pest und Wien orientiert gehabt. Aber es sei anders gekommen. Franchet d'Espcrch habe nicht nur nach Budapest und Wien mar- schieren wollen, sein italienischer linker Flügel habe auch spater bi» gegen München vorrücken sollen. Jedoch am 3. Ok- tober 1918 habe er den formellen Befehl aus Pairis erhalten» die britischen Divisionen, die seinen rechten Flügel bildeten, für einen Marsch nach Konstantmopel unter dem Befehl eines englischen Generals herzugeben, und später habe ihm in einen: Brief vom 27. Oktober 1918 Clömenceau den Plan eines Vormarsches gegen Südrußland auseinandergesetzt, der den Zweck hätte haben sollen, den Bolschewismus wirtschaftlich einzuschließen. Elemenreau habe hinzugefügt, daß der Plan jetzt der Prüfung dyr englischen Regierung unterliege. Diesen letzten Satz hebt der „Matin" besonders hervor und er erklärt, ohne Lloyd George intcr- viewen zu müssen, fei er überzeugt, sogen zu können, daß dieser dem Vorschlag zugestimmt habe. Im Zusammenhang mit dieser Meldung ist eine Deröffeut- lichung des„Eclair" von Interesse.„Eclair" behauptet von dem Ukrainer AkplhanRi ein«« Brief LudendorffS an General Hofsmanst erhalten zu haben, der daS Datum vom 28. November 1918 trägt und allen Ernstes ein Zusammengehen mit Rußland propagiert zwecks eines Revanche- kriegeS der roten Armeen gegen Frankreich. Der Brief trägt den Vermerk„streng geheim, persönlich zu überreichen" und soll im Besitze des ukrainischen Generalstabes in Kiew sein. ES ist kaum anzunehmen, daß diese Angaben den Tatsachen entsprechen. Irischer Straßenkkimpf: London, LI. Juni. sWTB.) In Loudouderry waren am DtenStag die Hauptstraßen von bewaffneten und maslierten Männern besetzt, Mittags Überfielen starke Abteilungen Sinnfeiner aus dem Hinterhalt die Arbeiter, die sich nach den Schiffs- werften begaben. Herbeieilende Truppen wurden beschossen, wobei ein Soldat getroffen wurde. Das Feuer des Militärs zer- streute die Menge, alle Geschäfte und Läden sind geschloffen, Handel und Vertebr sind lahmgelegt. Soweit feststeht, wurdest dabei zwei Personen gerötet und viele verwundet. Die Truppen verwendeten verschiedentlich Panzerwagen und suchten die Kämpsenden zu trennen; jedoch erneuerten sich die Gefechte immer wieder an anderen Stellen. Zum ersten Male haben die Nationalisten Gewehre benutzt. In Dublin wurde ein Automobil, in dem der Ass'üent des Generalinspekteurs der Polizeitruppen Roberts und drei Polizisten .saßen, von Bewaffneten aus dem Hinterhalt überfallen. Roberts und der Chauffeur wurden durch Revolverschüsse verwundet. Königlich britannischer König.- Rotterdam, 22. Juni.(WTB.)„Daily Expreß" meldet: Erster Souverän in dem neu zu errichtenden Königreich Mesopotamien wird wahrscheinlich Abdul, der Sohn des Königs von H e d s ch a s werden. Die englische Garnison soll vier Jahrein Mesopo- tamien bleiben, bis inländische» Militär und Polizeitruppen organifirrt find. Scheidemanns Rössrr. Genosse Scheidemann schreibt unS- Durch die Presse läuft eine Notiz, nach der ich jüngst von einem Gutsbesitzer zwei Luxuspferde gekauft Huben soll, und zwar zum Preise von B2 300 M. Ich habe in meinem Leben nichteinmal ein Karnickel besessen, viel weniger ein Pferd. Die Notiz ist vom ersten bis Zum letzten Wort erlogen. Die unabhängige Rcichstagsfraktion wählte zu Vorsitzenden Senke, Cri spien, Ledebour und zu Beisitzern Zietz, Rosenfeld und Dittmann. Rosenfeld und Stöcker sind infolge ihrer Wahl in den Reichstag ans der preußischen Lande»- verfwMmÄrng ausgetreten, deren Ärflöftmg zum 10. Juli die Un- abhängigen beantragen wollen. Dr. v. Holtum, der von den Polen im Korridor verhaftet« Leiter der deutschen Abstimmungspropaganda, soll in Freiheit ge- setzt werden. Die» hat der polnische Außenminister dem italienischen Vorsitzenden der Abstimmnngskommission auf seine Forderung mit» tetlung lassen. Einschränkung de» Fremdenverkehrs. AuS AugSburg wird uns gedrahtet: Da eine Verschlechterung der Ernährungsfrage in Bavern eingetreten ist, so wird der Fremdenverkehr vom 1. Juli ab in dem Umfang« deS Borjahres zugelassen. Die Fremden können sich in Bayer« 14 Tag« aufhalt«« b«»«imc B«h«rb«gu«g«ziff«r von ckv v. H. OewerWastsbewegung ftuf üem Wege zur Einheit. Der Verband des Deutschen Verkehrspersonals hält zurzeii in Aug-burc, seine 7. ordentliche General- Versammlung ab. Bei Eröffnung wies der Volsitzende des Hauplvorstandes Hermann darauf hin, dah die Organisation im Jahre 1913 bereus 13(XXI Mitglieder habe aufweisen tonnen. Trotz der Absplmerung der nichtfachmagigen Elienbahiier habe sich die Organisation immer weiter verbreitet. Auf Grund der scharfen Stellungnahme der Organisation für die Wirt- schaftlichen Forderungen habe dann die bayerische Regierung mit der Unterstützung der christlichen Organisation den sfampf gegen unsere Organisation aufgenommen. Die bayerische Regierung war aber nicht in der Lage, den Nachweis zu erbringen, dast sich die Bestrebungen der Organisation auf Ungesetzlichem Wege bewegten. Erst der Einsetzung einer reinen Zentrumsregierung lMinister Seidlein) sei es damals gelungen, mit einem Revers gegen die Organisation vorzugehen. Dieser Schandrevers, welcher im Jahre 1912 eingeführt'wurde, mutzte im Jahre 1916 wieder aufge- hoben werden. Zurzeit zählt die Organisation 109999 Mit- g lieber. Die heutige Generalversammlung wird sich damit zu befassen haben, dasj innerhalb des ganzen Reiches eine Einheitsorganisation geschaffen werde. Hierzu ist dcr Gesamtvorstand des deutschen Eisen- bahnerverbandes erschienen, den er neben den Delegierten auf das herzlichste begrüßte. ...Der Vorsitzende des Deutschen Eisenbahner-VerbandeS begrüßt ebenfalls im Namen des Vorstandes die.Versammlung des deutschen Verkehrspersonal-Verbandes. Die Anwesenheit des Gesalvorstandes dürfte bezeugen, welch' großes Interesse dem Zusammenschluß bei- gemessen tvird. Diese Generalversammlung ist die bedeutungsvollste seit einigen Jahrzehnten, da es sich in dieser um die Einigung der ganzen Eisenbahner innerhalb des Deut- schen Reiches handle. Auch in Norddeutschland wurde deren Organisation früher von feiten der Regierung mit allen erdenklichen Unterdrückungsmaßnahmen bekämpft. Der Deutsche Eisenbahner-Verband habe sich nach der Revolution un- geheuer vergrößert. Heute handle es sich nicht nur um die Verbefferung der Einkommens- und Dienstverhältniffe, sondern man müffe auch maßgebenden Einfluß auf die innen- und außenpolitischen Verhältnisse des gesamten Staates haben. Hierzu sei notwendig, daß wir alle noch bestehende Beamtenver- bände in die E i n h e i t s o r g a n i s a t i o n zu bringen versuchen müssen. Das freiorganisierle Postpersonal müsse ebenfalls auf freigeweiftschaftliche Grundlage gestellt werden. Der Vorsitzende der Verwaltungsstelle Augsburg, Quell, fteut sich, die Delegierten in Augsburg begrüßen zu können. Augsburg sei für die Arbeiterbewegung schon deshalb von historischer Be- deutung. weil hier seinerzeit der Herd der gelben Gewerk- schaften war. Er wünsche, daß diese Tagung zur Einheits- organisation führe, im Interesse der Mitglieder und der Organisation, Im gleichen Sinne begrüßt der Gewerkschaftsvorsitzende Edelmann-AugSburg die Generalversammlung. Als Tagesordnung wird vorgeschlagen: 1. Geschäftsbericht, 2. Verschmelzung mit dem DEV., 8. Referat über das Besoldungs- gefetz, 4. Referat über den Lohntarif. Kammerer-München bedauert, daß auf der Tagesordnung das Beiriebsrätegesetz fehle. Er beantragt, daß dieses unter allen Umständen behandelt werden müsse. Dieiem Antrag wird Rechnung getragen und als ö. Punkt das Betriebsrätegesetz auf die Tages- ordnung gesetzt. Soc- Internationale Seemannskonferenz in Genua. Die vom internationalen Arbeitsamt einberufene internationale Tagung zur Prüfung, wie die den Achtstundentag betreffen« den Washingtoner Beschlüsse auf die Schiffahrt anzuwenden sind, hat am 16. Juni in Genua ihre Sitzungen begonnen. Ver« treten sind 22 Nationen, und zwar, den Washingtoner Beschlüffen entsprechend, durch zwei Regierungsvertreter und je einem der Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Ihnen stehen Sachverständige zur Seite. Von deutscher Seite nehmen an der Konferenz teil: die Ministerialräte Bergmann und Werner, Rud. W i s s e l l als Vertreter der Arbeitnehmer, Reeder Holm als Vertreter der Arbeit- geber. Die Arbeitnehmersachverständigen sind Döring, Lorenz, Rudeltsch, Gieseler, Schlichting und Hartmann. Ber- hindert am Erscheinen waren Paul Müller und Schumann. Die drei ersten Tage der Konferenz wurden mit der Erledigung rein formaler Fragen ausgefüllt. Das Schwergewicht der zu leistenden Arbeit wird in den Kommissionen liegen. Es wurden derer eine ganze Reihe gebildet, so außer den mit rein formalen Fragen beschäftigten, eine zur Ausarbeitung von Richtlinien für die nationale Regelung der Hochsee- und Küstenfischerei. Eine andere soll prüfen, ob die Konferenz auch die Anwendung der Washingtoner Beschlüsse auf die Binnenschiffahrt erörtern soll, und, einerlei zu welchem Ergebnis sie kommt, wie die Binnenschiffahrt von der Hochseeschiffahrt abzugrenzen ist. Auch die Hauptfrage der Konferenz, die Durchführung der Washingtoner Beschlüsse für die Schiffahrt, wurde zur Vorprüfung einer Kommission überwiesen. Desgleichen die mit der Arbeitslosigkeit im S-biffahrtSgewerbe im Zusammenhang stehenden Fragen, wie insbesondere die Arbeits- lysenversicherung. Welches Ergebnis die Tagung zeitigen wird, ist natürlich nicht abzusehen. Wir werden über den Verlaus weiter berichten, fobald etwas Sachliches zu berichten ist. Sie wittern Morgenlust! Nach wochenlangen Verhandlungen legten die Unternehmer der Metallindustrie einen Gegenvorschlag vor, der so aussah, als ob überhaupt nicht verhandelt worden wäre. Keine Forderung der Angestellten war berücksichtigt worden. Nachfolgende nochmalige 'Besprechungen führten auch zu keiner Annäherung. Die Ange- stellten riefen deshalb das Reichsarbeitsministerium um Vermitt- lung an. Ein von diesem eingesetzter Schlichtungsausschuß hat nach drei- tägiger Verhandlung am 16. Juni einen Schiedsspruch gefällt, welcher stark im Sinne der Arbeitgeber gehalten ist; nur die eigent- lich selbstverständliche Rückwirkung ab 1. Mai und eine unwesent- liche Erhöhung des prozentualen Teuerungszuschlages wurden er- reicht. Ein Vertreter der Angestellten bezeichnete in einer Ver- sammlung der Funktionäre diesen Schiedsspruch mit Recht als ein Dokument einer gewerkschaftlichen Niederlage. Er wies darauf hin. daß der Ausgang dieses Schiedsstreites eine Mahnung für die Angestellten bedeute, zu überlegen, wie in Zu- kunfl wirkungsvoller derartige Tarifdifferenzen zum Ausgleich ge- bracht werden könnten. Damit aber die Gewerkschaften und ihre Mitglieder gerade in der gegenwärtigen Zeit freigemacht werden könnten für die größeren Aufgaben, die angesichts des Ansturmes der Reaktion gelöst werden müßten, empfahl er die Annahme des Schiedsspruchs. Diese erfolgte durch die Funktionäre, mit ge- ringer Majorität auch durch die gesamten Betriebsangestellten. Der vielgerühmte„Wirtschaflsfriede" war also wieder einmal hergestellt. So schien es wenigstens, aber es kam anders. Die Metallindustriellen lehnen den Schiedsspruch ab. In-' den Betrieben sind Unruhen entstanden, und der Unter- nehmerverband bittet die Angestelltenvertretung um Vermittlung zum Zwecke der Beilegung dieser Unruhen— die er selbst geschaffen hat. Daß die Angestelltenvertretung diese Vermittlung, wie auch jede Verantwortung für das Kommende ablehnt, liegt auf der Hand. Was hier von der Metallindustrie gesagt ist, gilt auch für die große Branche des gesamten Einzelhandels. Die Unternehmer des Einzelhandels haben sich ihres großen Vorbildes würdig gezeigt. Sie machen nach, was die Industriellen ihnen vorgemacht haben. Sonst schreien die Unternehmer immer von der Erschütterung des Wirtschaftslebens, für dessen Festigung sie die verlängerte Ar- beitszeit gefordert und auch zugebilligt erhielten. Und was sehen wir jetzt? Mit einer Handbewegung lehnt man diese Schiedssprüche ab. Und warum das? Man wittert MorgenluftI All die Worte vom Wiederaufbau, von der Vermeidung der Erschütterung des Wirtschaftslebens sind Redensarten. Um das Bild noch grotesker zu gestalten, brauchte jetzt bloß noch vielleicht die Er- nennung des demokratischen Abgeordneten Carl Friedrich von Siemens zum Reichsarbeitsminister zu erfolgen. Dieser müßte dann vor die Frage gestellt werden, ob er diese Schiedssprüche für verbindlich erklärt oder nicht. Die Angestellten können gerade in diesen Tagen beweisen, ob sie gewerkschaftlich geschult sind oder nicht. Das Reichsarbeits- Ministerium ist benachrichtigt. Die Entscheidungen dürften jetzt sehr schnell fallen. Die Angestellten werden von allem Wichtigen sofort benachrichtigt werden._« Christlicher Arbeiterverrat. Von einem Gewerkschaflssekretär des RheinlanbeS wird un« geschrieben: Das große Drama des sozialen KampteS äußert sich zur Zeit wieder in besonder« scharfen Zuckungen unsere» GeiellschaftskörperS. Ueberall ist noch die Reaktion am Werke, sie sucht mit allen Mitteln und zäbft: BoSheit an ihrem ererbten Vorurteil und dem Reckt der Ausbeutung der Aermsten festzuhalten. Die Vorstöße gegen die so schwer erkämpften Arbeiterreckte werden immer stärker und rück- sicktsloser. Zuweilen halten auch christliche Gewerkschaftsführer dem Unternehmertum die Steigbügel. Am 7. d. Mts. traten sämtliche Steinarbeiter des Basaltlava- gebiete« von Mayen und Umgegend in einen Abwehrstreik, weil der Unternehmerverband beschlossen hatte, mit dem Abbau der Löhne sowohl in der Steinindustrie, als auch in der Bims- und Schieferindustrie unseres Gebiets den flnfang zu machen. In der Bims- und Sckieferindustrie herrscht zurzeit noch sehr flotter Ge- schäftSgang. Zur Verwirklichung seines Planes suchte sich das Unternehmertum ein Gebiet aus, in welchem die Arbeiterschaft den modernen Gewerkschaftsgedanken noch nickt so richtig erfaßt hat und stark von christlich-gewerkschaftlich-organifierten Arbeitern durch- setzt ist. Die Führer der Christen erklärten sich bei Anbeginn des Streikes bereit, mit dem freien Verbände Schulter an Schulter zu kämpfen. Doch schon nach dreitägigem Streike kapitulierten sie und fielen ihren kämpfenden Arbeitsbrüdern in den Rücken. Sie hatten es sehr eilig, wieder in ihre alten Stellen unterzukommen, da Ge« rüchte laut wurden, daß zahlreiche Arbeiter nickt mehr eingestellt werden sollten. Eine große Anzahl christlicher Steinarbeiter ist mit der sonderbaren Taktik ihrer Führer nicht einverstanden und viele zogen es vor. abzureisen, andere kamen der Parole ihrer Führer, die Arbeit aufzunehmen, nicht nach, sondern kämpften Schuber an Schulter mit ihren Arbeitsgenossen weiter. Vor dem Schlich- tungsauSschusse erklärte der Bezirkssekretär Brendel vom christlichen Keram- und Steinarbeiterverbande:»Ich lege großen Wert auf die Fällung eines Schiedsspruchs und werde unter allen Umständen dasilr eintreten, daß er von den Arbeitern anerkannt wird.* Den gefällten Schiedsspruch lehnte der Arbeitgeberverband jedoch ab, hatte doch der Vorsitzende des ArbeistjeberverbandeS von Mayen in einer vorherigen Sitzung erklart:»Die Instanz der SchlichtungSauSschüsse erkennen wir in der Folge überhaupt nicht mehr an." Di« Unternehmer hatten schon vor Beginn des Streikes erflärt:„Wenn ihr streiken wollt, arbeiten wir mit den Christlichen". Mitten im heißen Kampfe, wo der Zusammenhalt der Steinarbeiter am notwendigsten war, suchten die M.-Gladbacker ihre Schäfchen vor dem Abwandern zu retten, da erfahrungsgemäß diejenigen ihrer Mitglieder, welche auswärts mit aufgeklärten und zielbewußten Arbeitern in Berüh- rung kommen, für sie verloren find. Die Unternehmer haben es nun nach dem Streikbruch fertig gebracht, den Arbeitern bis zu 16 Proz. vom Gesamtverdienst ab- zuziehen. Die Christen scheinen es indessen als einen großen Sieg zu betrachten, daß eine Anzahl Kollegen de? freien Verbandes auf der Strecke blieben. An diesem Arbeiterverrat werden die christ« lichen Führer, keine Freude erleben; früher, als sie selbst ahnen, werden die christlichen Arbeiter gegen die Verschlechterung der Ar» beitSbedingungen rebellieren. WTV. alS Arbeitgeber. Nach dem Gehaltstarif vom 1. Februar 1920 erhalten in der Berliner Redaktion der Continental-Telegraphen-Compagnie lWolff« bureau) Hauptdienstleiter einschließlich der Vergütung für Nacht- und Sonntagsdienst Gehälter, die nach zwei Dienstjahren 799 M. monat- lich und nach LOjähriger Dienstzeit 1000 M. monatlich betragen, stellvertretende Dienstleiter 676—926 M., Redakteure mit englisch- französischen Sprachkenntnissen, akademischer oder sonstiger Vor- bildung 669—869 M., selbständig arbeitende Telephonstenographen und Maschinenschreiber 469—669 M. In den Agemuren im Reiche wird noch' weniger bezahlt. Und bei diesen H u n g e r l ö h n e n hat die Direktion einen von den Berliner Angestellten des WTB. erzielten Schiedsspruch des Arbeitsministeriums bisher nicht angenommen. Nach diesen Tatsachen versteht man die Behandlung von Lohnkämpfen durch das WTB. I Zur Lohnbewegung in der Parfümerieindnstrie. Die im Verband der Fabrikarbeiter oryanisierten Arbeiter und Arbeiterinnen der Parfiimerieindustri« waren am Montag abend vesammelt, um den Bericht der Lohnkmmntsswn entgegenzunehmen. Bekanntlich besteht bei den Parfümeriefabrikaräen das Be- streben, niedrigere Löhne zu zahlen, wie solche für die chemische Industrie durch Schiedsspruch festgelegt wurden. Vor dem Kriege wurden in diesem Industriezweig gute Gewinne erzielt, d. h. ftir die Unternehmer. Die Arbeiterschaft dieser Branche gehörte dessen- ungeachtet zu der schlech bezahltesten. Verhandlungen, welche vor einigen Tagen mit dem Vebband der Foinfeifen- und Parfümerie- fabrikanten stattfanden, haben zu keinem zufriedenstellenden Er- gebnis geführt. Die Versammlung lehnt« das Verhandlung«- ergebnis einstimmig ab. Die Arbeiterschaft der Parfümerinindustrie steht nach wie vor auf dem Standpunkt, daß der Lohntairf der chemischen Industrie auch weiterhin für sie Geltung haben muß. Die Branchenleitung wurde beauftragt, weitere Schritte zu unternehmen und den SchlichtungSausfchuß anzurufen. Die Versammelten verpflichten sich, alleS daranzusetzen, um auch für sich auskömmliche Löhne zu erkämpfen, und rechnen dabei aus die Solidarität der Arbeiterschaft der gesamten chemischen Industrie, die nicht tatenlos zusehen wird, wie Stück für Stück von dem Gefamtvertrag abgerissen werden soll. Der Vertrag für die chemische Industrie ist und bleibt ein Ganzes. verband der Sattler, Tapezierer und Portefeniller. Verwallung Berlin. Donnerstag, den 24. Juni, abends 7 Uhr, Generalversammlung im.Deutschen Hos". Luckauer Straße 15. Tagesordnung: Vorstands- und Kassenbericht. Nochmalige Stellung zum Ortsstatut. Anträge: a) Der Reise- artikelbranchc aus Ausschluß der Kollegen Hinz und Poslednlk wegen Streik- bruchs: d) Sonstige Anwäge. Nur Mitglieder, welche sich durch Mitglieds- buch, Mitglieds« oder Konwollkarte ausweisen können, haben Zutritt. Zentralvcrband der Angestellten. Fachgruppe 3 a, Kriegs- Organisationen. Heute, Mittwoch,'1,5 Uhr, Vollversammlung der frei- gewerkschastlich organisserten, kausmäunischen und gewerblichen Betriebsräte in der Aula des Friedrich-WUhelm-Gymnafiums, Kochsw. 13. Wichtige TageS- ordnung. Zentralverband der Angestellten! Fachgruppe 14 b. Heute, Mittwoch, nachmittags 7 Uhr, im Berbandsbureau. Belle-Allianeefw. 7— 10 (Roter Saal): Versammlung sämtlicher in der Glühkörperbranche beschäs- ttgten Mitglieder unseres Verbandes. Mitgliedsbuch tegtttmiert. Achtung! Metabeko-Mitglicder der Afa! Mittwoch, den LS. Juni, nachmittags Punkt 4 Uhr, im Zentralverband der Angestellten, Belle-Alliance- Swaße 7/10, wichtige Sitzung. Jeder mutz kommen. Buchbinder in der Dietallinduftrie! Donnerstag, den 24. Juni, nachmittags 5 Uhr, im.Alexandriner", Alexandrineiislraße 37», Versamm- lung aller unter den Kolleltivverwag lallenden Buchbinder und Buch- bindereiarbeiterinnen. Tagesordnung: Stellungnahme zur Tarifberatung. Deutscher Werkmeifter-Berband. Elemente- und Batterie- i n d u st r t e. Versammlung der technischen und kausmännislben An- gestellten am Freitag den 25., nachmittags 6 Uhr, bei Brandenburg, Swalauerftr. 3._ Jugenüveranftaltungen. Verein Arbeiter-Jugend. Heute, Uhr abends: Köpenick. Jugendheim, Bayernhof, Rudower Straße. Vorwag: Kon- sumgenossenschastswesen.— Lichtenderg. Jugendheim, Parkaue 10: Vor- wag.— Mahlsdorf. Jugendheim, Gemeindeschule Walderseestraße. Vor-� trag: Die internationale Jugendbewegung.— Martendorf. Jugendheim, Gesangsaal des Lyzeums in der Ringstraße. Diskussionsabcnd:»Unsere Ziele".— Prenzlauer Borftadt. Jugendheim, Jugendklubzimmer, Schule senejelderswaße. DiskusfionSabend:.Das Bewiebsrätegejetz".— Rosen- thal. Jugendheim, Gemeindeschule Kastanienallee. Diskussionsabend: Geg- nerische Jugendbewegungen.— Staaten. Jugendheim, Gartenstadtschulc: Mädchenabend.— Dcmpelhof. Jugendheim, Lyzeum Germaniastr. 5/6. DiSlussionsabend: Die letzte Nummer der.Arbeiterjugend".— Wedding. Jugendheim, Gesangssaal der 14. Realschule, Lütticher Str. 38. Vorwag: .Die Reichsversassung".— Westen. Jugendbeim, Kantinenraum der Bau- gewerlschule, Kursürstensw. 141. Vorwog:»Die Bedeutung der Sonnen- wende". Sriefkasten üer Reüaktion. Jeder NW den Briefkasten bestimmten Anfrage füge man einen Buchstaben und eine Rummer bei. Brieflich» Auskunft wird nicht»teilt. Eilige Au- fragen wage man in der Juristischen Sprechstunde. Lindenftr. 3. 1. Pos parterre links, vor. Schriftstllck« und Beiträge find mitzubringen. Esti B. Wenden Sie sich an das Reichswanderungsami. WUbelm- straße 6L.— H. 27 und A. B. C. Solche Mttei find unS nicht bekannt; fragen Sie einen Drogisten oder Apotheker.— B. ffl. 35. In beiden Füllen haben die Kinder'/, und der Vater zu beanspruchen.— F. I. 87. 1. Erheben Sie Klage aus Rücknahme der Sachen. 2. Ja; vom l. Mai lstLO ab.— Sch. 5. Königsberger VolkSzeitung. Königsberg, Vorderroßga: ten 61/62.— G. 18. 1. Miete vom 1. Juli 1914. 2. Wir raten, das Ver- langen deS Vermieters abzutehnen.— E. Z. 41. 1. An sich nicht, zur- zeit ist dagegen nichts zu machen. 2. Ja, wenn das Miewerhältnis über den 1. Oltober 1921 seslgesetzt und vorher keine Aenderung ersolgl. Im übrigen muß die neue Verordnung abgewartet werden. Vorher läßt sich nichts Bestimmtes sagen.— M. 8. Lt«. S. Ja. erlundigen Sie sich aber bei der Ortswantentasse.— A. B. 112. 1. Mit der Eisenbahn oder dem Schiff. 2. Nicht bekannt. 3. Wenn Sie den polnischen Korri- dar benutzen wollen, müssen Sie eine DurchreiseerlaubniS haben. — Z. L. Wegen Raummangels nicht möglich. R.G.Bl. 1919, S. 298. Hier,» t Beilage. Kriegsbeschädigte, Hinterbliebene, Behörden, Verbände _ a_ überhaupt jeder, der sich mit dem neuen Militärversorgungsgesetz befassen muß, findet über alle Fragen gründliche Auskunft in dem soeben erschienenen Kommentar zum ßeiehsversorgungsgesetz von HERMANN MÜLLER Die Mitwirkung des Verfassers an dem Gesetz als Berichterstatter des 7. Ausschusses verbürgt zuverlässige Erläuterung des Gesetzes. Somit ist der Kommentar nicht nur ein unentbehrlicher Ratgeber für die Versorgungsberechtigten, sondern gleichermaßen nützlich als Nachschlagebuch für Behörden, Verbände, Ausschüsse usw. zumal ihn ein Anhang mit den wichtigsten, einschlägigen Gesetzen und Ausführungsbestimmungen vorteilhaft ergänzt. Preis Mark 7,-- ff 2O0l0 Teuer ungszuschlag. BUCHHANDLUNG VORWÄRTS, BERLIN SW 68. L I N D E N S T R A S S E 2 BESTELLSCHEIN An die Buchhandlung Vorwärts, Berlin SW 68 LindenstraBe 2 Ich ersuche um Zusendung durch---------------- ................................ von_________ Ex. M ö Her: Kommeatar zum Relcbsrersorguags- gesetz. Preis Mk. 7,-- f- 20% und Porto, Unterschrift:_______--------- Ort:..................... StraBe;. Ausschneiden, ausfüllen und als Drucksache einsenden.