Nr. ZI 5>37. Jahrgang Ausgabe B Nr. 20 Bezugspreis: Verteljährl. W.— M!. mlmati.Iv,— Mi. frei ms Saus, voraus, ahlbau Post- be'.uq Monatlich Ist,— Mi. eril. Au- ltellungsgedühr. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich IS�st Mt, für das übrige Ausland bei raglich einmal. Zustelluno 21.50 iP. Poll Bestellungen nehmen an Oesterreich, Ungarn, Tfchecho- Slowakei, Däne- mar!, Hollano,.uxemburz, Schweden und die Schweis— Singetragen in die Post- �eimngvVreisliste. Der„Borwärts" mit der Sonntag» beilage.Volt u. Zeir� ericheint wochen- täglich zweimal Sonntags und Mon- tags einmal. Telegramm-Adrestei �Sozialoemokrat Barlin Abenv-Altsgade c ) Berliner Dolksblntt Zentralorgan der rozialdemokratifchen parte! Deutfcblands AnzetaenpreiS: Die achtgefpaltene NonparrAezeile lost-iz.— M., Teuerungszufchlag 50% .kleine Anzeigen" da- iett- gedruckte Wort 1,— M. lzulässtg zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort S0 Pfg. Etslengefuche und Echlafstellenanzeiyen da« erste Wort SS Pfg. ied-s weitere«ort«0 Pfg. Worte über 15 Vuchftaban zählen für zwei Worte. Teuernngi-ptschlag S0°/� ffamilien-Anzeigen für Abonnenten geile 2,— 3*., politische und gewerkschaftliche Vereiit»- Anzeigen 3,— iUii. die geile ohne Aufschlag. Anzeigen für die n ä ch st e Zlummer müssen bis S Ahr nachmittags im Sauvtgeschäst, Berlin SW S8, Linden. strage 3, abgegeben werde». SeöMet von S Uhr früh bis S Uhr abends. Reüaktion unü Expedition: SW. öS, ÄnSenstr. Z. aernivrecher: Amt Moristvla«, Nr. i.'»! ÜV— tlil!)?. vorwärts-verlag G.m.b.H., SW.HZ, �müenstr. Z. Fernsprecher: Amt Moristplast, Nr. 117 53—34. elt weiter. In Berlin wurde heute morgen erzählt, Fehrenbach habe seinen Auftrag in die Hände des Reichspräsidenten zurück- gelegt. Tos war falsch. Fehrenbach i st durch Ernennung Reichskanzler geworden, er kann nicht den ihm erteilten Austrag zurückgeben, sondern nur demissionieren. Das hat er nicht getan. Er ist vielmehr weiter bestrebt, eine Regierung z u s ch a f f e n, die im Reichstag die nach der Verfassung notwendige Vertrauensgrundlage findet. Darüber wird weiter verhandelt, und wenn über die Verhandlungen in diesem Augenblick noch nichts gesagt werden kann, so steht doch soviel fest: Das allgemeine Bewußtsein, daß schließlich und zwar sehr bald eine Regierung zustande gebracht werden muß, ist ihren Aussichten förderlich. Einstweilen besteht, wie gesagt, der Zustand, daß Fehren- bach Reichskanzler ist. Selbst wenn er demissionierte, würde er mit der Wetterführung der Geschäfte des Reichskanzlers beauftragt werden, so wie ja auch die Minister des Kabinetts Hermann Müller, solange ihre Nachfolger nicht ernannt find, die Geschäfte weiterführen. Vielstich ist die Meinung vcr- breitet, daß während einer Krise oben alles drüber und drunter gehe. Das ist keineswegs der Fall, die laufenden Geschäfte werden, unbeeinflußt von den Stürmen der Politik, weiter- geführt, nur natürlich große politische Entschsidnngen müssen vertagt werden, bis wieder eine„richtige" Regierung da ist, die sich auf das Vertrauen der Volksvertretung stützt. Die Doppelkrisc, die gestern ausgebrochen ist, hat nur nach der deutsch-volksparteilichen Seite hin klare Meinungsdifferen- zen zur Ursache. Die Deutsche Volkspartci, von ihrem rechten Flügel und den Dewschnatwnalen getrieben, versucht in der Regierung der Mitte ihre Diktatur aufzurichten, die in Wirklichkeit nichts anderes wäre als eine Diktatur des Industriekapitals. Ihre Haltung ist der beste Beweis dafür, daß die Sozialdemokratische Fraktion einer Regierung, in der diese Partei sitzt, ihr Vertrauen nicht aussprechen kann. Zu bemerken ist dazu weiter, daß der gestrige Beschluß der sozialdemokratischen Fraktion auf Stimmenthaltung von der Voraussetzung ausgegangen ist, daß den bisherigen bürger- lichew Koalitionsparteien der ihnen gebührende Einfluß auf die Regierung eingeräumt werden soll. Gelänge es der Deutschen Volkspartei, die bisherigen bürgerlichen Koalitions- Parteien zu ihren bloßen Anhängseln zu erniedrigen, so stände auch die sozialdemokratische Fraktion„vor eiwer neuen Situation". Verwickelter ist die Frage des Vertrauensvotums, Hier stellen sich die Demokraten auf den Standpunkt, daß Stimm- enthaltung und Mißtrauensvotum nur zwei voneinander verschiedene Formen der VertrauenSverweigernng sind. Sie meinen, daß eine Regierung nickst faltbar sei, wenn die Summe der abgegebenen Mißtranensstimmen und der Enthaltungen größer sei als die Summe der abgegebenen Vertrauenssttmmen. Die Enthaltung bei ei«er nament- lichen Abstimmung wird bekanntlich so ausgedrückt, daß der Abgeordnete, der weder Ja noch Rein sagen will, einen blauen Zettel abgibt. dieser Form der Enthaltung, die durch die Lex Aichbichler während der Zollttri-fkämpfe vsn 1902 geschaffen worden ist, liegt für die Demokraten der .Tailptpunkt des Anstoßes. Neben den reinpolitischen Grün- den liegt aber auch ein Grund für die entstandenen Schwierig- keitcn darin, daß die parlamentarischen Formen des Reichs- tags aus einer Zeit stammen, die ein parlamentarische- System und die mit ihm verbundenen Goburtswehen einer neuen Regierungsbildung noch nicht kannte. Die Wahl öes Reichstagspräsiüenten. Löüe vorgeschlagen. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktton hat rn ihrer heutigen BormittagSsitzung einstimmig beschlossen, ihren An- spruch als stärkste Fraktion aus den Platz des Reichstags- Präsidenten dringend zu erheben und für diesen den bis- herigen Vizepräsidenten der Nationalversammlung, Genossen L ö b e, vorzuschlagen. Als Schriftführer bringt die Fraktion den Genossen Richard Fischer und die Genossin Bohm-Schuch in Vorschlag. � x Lebensmittelunruhen in Württemberg. Zusammenstöße mit Polizei und Reichswehr. Stuttgart, 22. Juni. Um gegen die drückende Notlage der großen Masse des Volkes infolge der jüngsten P r e i s st e i g e- r u n g und de« LebeuSmittelwucher im allgemeinen zu demonstriere», hatten die Bereinigten Gewerkschaften für DienStag Nachmittag zu Kundgebungen in allen größeren Orten des Lande? aufgerufen, die die U. S. P. dazu benutzte, um ihre Forderung der Diktatur des Proletariats aufs neue zu erheben. Während in Stuttgart und in den meisten Orten die Kundgebungen ohne RuhestSrungen verliefen, kam es in Ulm und Ravensburg zu Zusammenstößen mit der Polizei bzw. der Reichswehr. In U l m wurden der Oberamtmann und der Oberbürger- meistcr mißhandelt. Im Rathaus, das von der Polizeiwchr mit Waffengewalt in Besitz genommen werden mußte, worden alle Fenster eingeschlagen und Akten auf die Straße geworfr». Beim Sturm aufS Rathans gab es unter den Menge Tote und Verwundete. Einige Polizciwehrmannschasten wurden schon beim Anmarsch erheblich verwundet. In Ravensburg wurde das Tberamtmannsgebäude beträchtlich beschädigt, sodaß Reichs- wehr einschreiten mußte. Auch hier gab eS Verluste auf Seite« der Aufrülzrrr. In Ulm und Ravensburg wurde die Ein- wohuerwehr mobilisiert. In Aalen bemächtigten sich radikale Ele- mcnte mit Gewalt des WaffendcpotS der Einwohnerwehr, das sie vollständig ausraubten. Der dortige Oberamttnann ver- handelt mit den Aufruhrern über die Herausgabe dex Waffen durch Bermittelmig der Gewerkschaftsführer. Keine Einigung in Doulogne. Dtt Konferenz in»B»ulogne wurde gestern nachmittag beendet. In der Frage der von Deutschland zu zahlenden E n t s ch ä d i- gung, um derentwillen man eigentlich in Boulogne zusamemge- treten war, wurde keine Einigung erzielt. Die SaHverstän- digen der Gläubiger sollen noch einmal in Paris gehört und über ihre Vorschläge dann später kurz vor der Konferenz von Spa in Brüssel beraten werden. Aus französischer, wahrscheinlich offiziös beoinflußter Quelle erfahren wir, wie sich etwa Frankreich den Zah- lungsmodus der Entschädigung denkt. Die Schuld wäre in etwa 40 Jahreszahlungen abzutragen. Im übrigen überiieße man es uns sekbst, in Spa Vorschläge zu unterbwitzen. DaS!vär« ganz annehmbar, wsnn man nicht zu gleicher Zeit die Schuld frage mit der Frage der internationale» Anleihen, die man unS gestatten will, verguickte. Danach sollen unsere Zolleinnahinen als Garantie für Erfüllung unserer finanziellen Verpslnbtungeu in die K«sse eines Delegierten des WiedergutmarhungSnuSschusses abgeführt und im Fall einer Nichterfüllung aller Verpflichtungen beschlagnahmt werden. Also auf gut deutsch eine verschleierte interalliierte Kon- trolle über eine« Teil der deutschen Finanzen. Aber es handelt sich vorläufig um französische Wünsche, mit denen die anderen Alliierten nicht einverstanden zu sein scheinen, und die Verteilung des Taren- fettes scheitert nach wie vor an de«: zu großen Appetit jedes ein- gelnen. In der Entwaffnungsfrage ist man nach einer Aussprache Mä- lerands tatsächlich darin übereingekommen, den Essektivbe- stand des deutschen Heeres auf IM l1 Wann anzistsetzen, nur wird man in der Frage der A b r ü st u» g s s r i st großmütigst mit sich verhandeln lassen. Das Dunkel, das über der in Boulogne genehmigten Entwaffnungsnote der Alliierten schwebt, wird von der Agence HadaS nur wenig gelüftet. Sie kündigt Zwangsmaßnahmen im Falle der Nichtausführung der militärischen Klauseln an,„ohne allerdings über die Modalitäten zu sprechen". Jedoch könne man glauben,„daß es sich um neue militärische Be- setzungen handeln werde, wie sie die Konferenz von San Ren» entschieden habe". Wir kennen diese Art Noten und diese Tonart bereits. Ader auch sie können au den Tatsachen nichts ändern, daß wir über unsere LeistungSsähigleit hinaus nichts leiste» können. Das isolierte Ungarn. Wien, 22.»Juwi. Zum Dotzkott erfährt die Korrespondenz Herzog, daß der Eisenbahnfrachtverkehr nach Ungarn vollkommen ruht. Di« Versendung von Post und Güisrn sei ledig- lich auf dem Donau weg« möglich. Auch in Wien habe wie i« Graz eine Bewegung des technischen Personals der Ziitungen eingesetzt, die dahin ziele, unrichtige Angaben über den Stand des Boykotts zu verhindern. Pflicht der Solidarität der Zei- tungss etzer sei es, die Boykottdewsguug nicht mittelbar zu schädigen. In Trieft habe am Sonntag eine große Arbeiter- kundgebung zugunsten des Boykotts stattgefunden, insbesondere hätten die Hafenarbeiiter den Anschluß an den Boykott aus- gesprochen. Auch die organisierten Post- und Telezraphensngestell- ten in Rom hätten einhellig die Teilnahme an dem Boykott be- schlössen. Wien, 23. Juni.(T. U.) Wie das„Neue Wiener Jsurnnl" erfährt, ist eine große aktiviftijche Aktion im Zuge, welche darauf hinausläuft, die Wiener Gewerkschaften mit ihrem Ge- sami vermögen für die durch den Boykott gegen Ungarn verursach- ten bedeutenden Schäden hast bar zu machen, Die preußische Verfassung. Seit dem März 1913 tagt die verfassunggebende Preußische Laudesversammluns; aber erst jetzt ist sie in der Lage, die Berfassungsarbeit ernsthaft zu fördern. Schuld daran trägt nicht ein Versagen der Regierung oder der MehrheAs- Parteien, sondern die inneren Schwierigkeiten§er Lage Preußens und der Frage selber. Zunächst waren sich Regierung und Laydesversammlung Preußens darüber einig, mit dem preußischen Versassungswerk zu warten, bis in Weimar die ReichSversassung ihre endgültige Gestalt erhalten hätte. Ms dies im August 1919 geschehen Uoar, ging man an die Aufstellung des Entwurfes für Preußen. Aber es stellte sich alsbald heraus, daß, unter den Mehrhettsp«rtei«n starke Mei- nungsverschiedenbeit-en obwalteten. Demokrat«:>««d Ze«tnim wollten möglichst viele Gegengewichte g«s»n die Alleinherrschaft des Landtages, während die Sozialdemokraten mit Rachdruck für das reine Einkammersystem ein- traten. Unter den zahlreichen Putschan verging die Zeit, bis man sich schließlich auf einen Finanzrat einigte, der a«S ein igen hohen Beamten, einigen Vertretern der Provinzen und einer Anzahl von Landtagsabgeordneten bestehen sollte. Aber diese Lösung hat Niemanden recht befriedigt: den Sozialdemokraten ging sie zu weit, den bürgerlichen Koalitionspartetan längst nicht weit genug. Um die Macht des Landtages wird jetzt im Versasstings- ausschuß der Kampf geführt. Sehr rasch wurde Einigkeit dar- über erzielt, daß auch in die preußische Verfassung ValkS- begehren und Volksentscheid, das heißt, die mnmttalbare Ge- setzgebung durch das Volk aufgenommen werden,'Aber darüber hinaus wollten die Rechtsparteien dem Landtag eine erste Kammer zur Seite setzen, die au? Bertretern der Provinzen und aus Abgeordneten der einzelnen BsrufSklassan besieh»» sollte. In einer solchen ersten Kammer wäre eine bürgerliche Mehrheit für unabsehbar lange Zeit gesichert, Aber damit nicht genug, wollten die Rechtsparteien auch einen Staats- Präsidenten mit möglichst ausgebildeten Befugnissen. Die bürgerlichen Mittelparteien lebnten zwar diese extremen Forderungen ab, aber sie setzten sich mit großem Eifer für einen Staatsrat ein, der von den Provinziallandtagen gewählt werden soll, die ihrerseits wiederum auf Grund des allgemeinen, gleichen, geheimen und direkten Wahlrechtes aler über zwanzig Jahre alten Männer und Frauen gewähst werden sollen. Durch diese Beteiligung der Provinzen an der Staats'leitung will man den Anfang machen mit der ErstlLnng ihres Wunsches nach größerer Selbständigkeit und von Los- lösungsbestrebimgcn entgegenwirken. Wer diesem Waatsrat wollen Demokraten und Zentrum so weitgehende Be- f u g n i s s e verleihen, daß er beinahe an Macht den Landtag überragt, mindestens ihm aber gleichsteht. Der Staatsratspräsident soll von Staatsrat und Laadtag gemeinsam gewählt werden«rtd dann einen wesentlich« Teil der Befugnisse ausüben, die sonst ein Staatspräsident bifäße. Der Staatsrat soll sogar die Möglichkeit hgben, ourch � Beschluß dan Landtag aufzulösen, während umgekehrt sin gleiches Recht des Landtages gegen den Staatsrat nicht vorgesehan ist. Die Sozialdemokratie lehnt den Gedanken eine? zweiten Gesetzgebungssaktors neben dem Landtag grundsätzlich ab. Wer eine Ahnung davon hat, wie schwer es ist, die stark zer- splitterten deutschen Parteien auf eine Regiwmng zu einigen und für jede Borlage eine Mehrheft— mägliclK oft dieselbe Koalitionsmehrheit wie bei der RegierunaNbildving— zu finden, wer die ganze Schwerfältta'eft der parlandcwtarischen Arbeit kennt, der wird sich ängsLich hüten, ohne zwingend- Not neue Instanzen zu schaffen, welche die Verahschiedung neuer Gesetze noch erschweren. Tatsächlich hört man viel seltener den Dovnurs, daß ein Parlament überstürzt und unüberlegt anheftet wie den, daß eS die Uftmg dringender Fragen allzu lang« hinauszögert. Der prwißische GtaatS- rot wäre ähnlich zusammengesetzt wie im Reiche der Reichs» rat. Aber dieser hat sich als eine durchaus rec>ktt«näre Körperschaft erwiesen, so noch jüngst bei der Bestellung seiner Vertreter im ReichSwirtschaftSrat, in den er lauter Unternehmer entsandt bat Der preußische Stgatsrat müßte nicht gleich rückschrittlich sein, weil in ihm nicht wie wt'Rckchsral die alten reaktionären Beamten ans d« wilhelminstcho« Zeit sitzen würden, aber daß er i«n Sinne der Arbeit evtl»sse-in vorwärt s.t reibendes Element wäre ist n i-ch t an- zunehmen. Gleichwohl muß die Sozialdemokratie damit rechnen, daß sich für den Naatsrat eine Mchrheit findet. Dann werden sich ihre Anstrengungen daraus richten müssen, seine Macht wenigstens nicht ins Gefährliche wachsen zu lassen. Er muß sireng beschrankt werben auf ein bloßes Mnspruchsrecht mit aufschiebender Wirkung, darf aber nicht selbst an der Gesetz- gebung, Regierung und Verwaiciing aktiv mitwirken. Sein Präsident kann während der Zeit einer Landtagswahl den Laridtagspräsidenten vertreten, darf ihn aber sonst nicht verdrängen wollen. So wird die Sozialdemokratie dafür kämp- fen, das Hebel einer zweiten Instanz wenigstens mcht allzu groß werben zu lassen. Gechr merkwürdig ist gegenüber dem Staatsrat die Ha!- tung der beiden Rechtsparteien. Ihre Redner haben mit grobemiicke gebe» wir de« Anstände ein vNd. wie es jämmerlicher nicht gedachr werde, kann. Sozialdemokraten nnd Demokrat«, zeigen, daß sie härter de« Interesse des Vaterlandes parteipolitische Gründe nicht zurücktreten lassen wollen. Bei den Sozial- demokrat«» konnte man»ach ihrer Haltung in den letzten zwei Woche, aus eine derartige Stellungnahme gefaßt sein. Die Demokraten Huden sich beeilt, sich ihnen anzuschließen. Da- mit haben sie sich selbst gerichtet. Wir gelben gern zu, daß da? gegenwärtige Bild ein ä u ß e r st j ä m m e r l i ch e S ist. Durch wessen schuld aber? Noch niemals haben die bürgerlichen Parteien, und insbesondere die„Sieger" von gestern, ihr- hilflose Unsicihigkeit.zum Regieren deutlicher gezeigt, als in den letzten Tagen. Kein Zweifel, daß in den breiten Massen des wäh- lenden Volkes, das sich zum Teil durch die tönenden Phrasen der reaktionären Parteien in deren Lager hinüberlocken ließ. sich schon jetzt diese Erkenntnis Bahn gebrochen hat. Erve kleine Geschichtsfälschung, wie sie bei diesem Matt an der Tagesordnung sind, leistet sich die schwerindustnelle „Post". Sie schreibt: Neues von Lassalle. Ei,«ndeka»nt«r Jugendb rief. Ein«ndeforonfer Jugendbvicf Ferdinand Lassolles wird von Gustcw Matzer, dem Biographen Schweitzers und Engels', soeben in Martin Bubers Monatsschrift.Der Jude""(Jüdischer Verlag, Berlin) mi-tgoteilt, ein erstes Zeichen wohl, daß die feit dem Tode unseres große» Aorkämpfer» eingesargt verschlossen gehauenen Rachlaßschätze jetzt gtt thter. Rechte gelange« werben. Der Brief st««ut von 1848, alsoe auch da« aufzusuchen, wa»«mdere«icht beachte«, weil« abseits vom Kege liegt, oder wa« sie im Bahnwazen ohne viel Hinschauen durchsausen. Ja. Deutschland hat viele Paradiese und sie liegen «f so nah und in Fülle nah beieinander. Es kommt nur daraus an, die Augen und alle Sinne offen zu halten und das Geschaute zu verarbeiten in sich. Sich einleben i« die Landschaft, bi« man den Zusammenhang zwischen ihr und der Art ibrer Mensche« gewahrt, wer das kann, bat maicht, was da« Wandern zu einer Aanderkmst macht. Lesse« ist diesem Ziel sehr nah gekommen. Die Verwirrung ist m den letzten Tagen kaum geringer geWorten. Wir betonen nochmals, daß wir die gegenwärtige Verlegenheit der bürgerlichen Parteien ohne Schaden- s r e u d e betrachten. Je unklarer die Gesamtlage ist, umso deutlicher zeigt sich jedoch das eine:DieRichtlgkeitder sozialdemokratischen P o l i t i k, die sich durch keine Verlockungen dazu verleiten ließ, einen Gang anzutreten, der sich nachgerate für sämtliche Parteien als Gang nach C a n o s s a erwiesen hat._ Die Komöüie öes Rechts. Sin Nachwort zum Marburger Prozess. Von einem Zuhörer im Prozeß gegen die Marburger Studenten wird uns aus Marburg(Lahn) noch geschrieben: Am 19. Juni 1820, mittags%1 Uhr. fand- die Thüringer Tragödie auf dem Landgericht in Marburg vor einer Kriegs- gerichtsfitzung ibr erwartetes Ende. Gewitiersiimmung draußen und im Saal. Während der Verkündung des Urteils, als lehne die Natnr sich gegen dasselbe auf, donnerte es draußen.— Die Beweisaufnahme ergab, daß sämtliche Gefangenen auf der Flucht erschossen wurden. Daß auch nicht einer bei der Auffindung lebte, ist nach Aussage des Vorsitzenden ein grausamer Zufall. Wahrlich ein' grausamer Zufall.— Stolz erhobenen Hauptes ob der Reinwaschung ihrer Ehre verließen die Angeklagten ihre Plätze. Wer wagt es, sie jetzt noch irgendwie zu verdächtigen? Sie taten nur ihre Schuldigkeit als Soldaten.(I) Die Aussagen des durch den Fall Träger bekannten Leutnants d. R. und Studenten Lemmer, der die Stimmung der ausziehenden Studenten schildern wollte, wurden vom Vorsitzenden als un- wesentlich unterbrochen. Ist eS wirklich„unwesentlich", daß von den Studenten Reden geführt wurden wie:„Wir geben keinen Pardon, wir schießen die Schweinebande nicht tot, wir schlagen sie tot." Ich persönlich habe dieses und ähnliche? mehr als einmal ge- hört. Mir klingen noch heute die Worte im Ohr, die der Rektor der hiesigen Universität an uns richtete:„Ihr zieht hinaus gegen den inneren Feind, d-r Geist von 1914 ist der gleiche ge- blieben" usw. Also mit dem draufgängerischen Geist von 1914 rückten sie gegen ihre Brüder und eigenen Landsleute, blumengeschmückt, mit Fahnen und klingendem Spiele. Wer sich von den Angehörigen der Korpo- rationen auszuschließen gewagt hätte, wäre in schwersten Verdacht gekommen. Mit dieser KampfeSstimmung betraten sie den Thüringer Boden. Wie enttäuscht mögen viele gewesen sein über die Ruhe, die fast überall herrschte? Da kam die Nachricht, in Settelstädt würde geraubt und geplündert. Die in Verdacht kommen- den Leute wurde« verhaftet und mitgenommen. Schonende Bc- Handlung wurde den„Spartakisten" natürlich nicht zuteil. Die G«- Wehrkolben traten oft in Tätigkeit. Der Angeklagte Göbel, der doch die KorpSstudentenerziehung hinter sich hat, drohte der S9 Jahre alten abgearbeiteten Fron Wolf mit hochgehobenem Gewehrkolben:„D u altes Biest, ich schlage dich tot." Er wurde an der Ablegnng eines Zeichens seiner Tapferkeit von anderen zurückgehalten. Anständig Denkenoe, deren es ja auch unter seinen Kameraden gibt, empörten sich über die Mißhandlungen der Gefangenen. Einem Offizier wurde deswegen' der Vorwurf ge- macht, kein„Patriot" zu sein. Die Freiwilligen erreichten ihren Bestimmungsort, aber ohne die Gefangenen. Die lagen längst in ihrem Blute an der Land- stratze. Fünfzehn Menschenleben waren vernichtet. Ein Vater be- klagte den Verlust seiner beiden Söhne— die beiden anderen waren im Felde gefallen!—, eine Frau mit mehreren Kindern ihren erst kurz vorher au» der Gefangenschaft zurückgekehrten Ernährer. Der Freispruch de? Kriegsgerichts war hart für die Auge- hörigen der Erschossenen, die nach übereinstimmenden ZeugenauS- sagen fleißige und anständige Menschen gewesen sinv. Wenn man den Verhandlungen beigewohnt hat, muß einen Ingrimm er- fassen gegen alles, was Kriegsgericht heißt. Warum wurden die oft sehr wichtigen Aussagen der Zeugen als unwesentlich abgelehnt? Warum gestattete der Vorsitzende nicht, daß der eine Zeuge die Leute, die ihn mißhandelten, hervorholte? Di« Verhandlungen sind zu Ende. DaS Urteil lautet auf Frei- spruch. Die Toten werden ungesühnt bleiben. Gegen die Zeugen und deshalb ist sein Buch ein freudiges Buch geworden. Er schlürft ieine vielen, vielen Wege reckt in allen Sckönheiten aus, ihre Flußstraßen und ihre Landpfade, ihre Wälderliist und ihren Slädieschmli�. Er weiß, was norddeuliche Niederung und niilteldeuticke Hügelweft ist, kennt tbre Nähen und ibre Fernen. ibre Farven und Linien und Formen, liebt ibre segnende Stille, ihre befreiende Weite und ihr Grüßen aus läugn verrauschten Zeiten, wenn er durch alteriümlicke Städte ziehl i>» denen so viel gesunde Behaglichkeit noch siedelt, die den großen Städten längst verloren ging. Sein Bück ist voll Bewegung,'ver- weilt und sckreiiet zugleich, wird vielen ein Bück frohen Erinnerns sein, vielen ein Führer und Ziclrater und in all dem paßt es als ein Heiinatbuch ebenso gut nach Nord», wie Minel- und Süddeulich- land. Ein Vorzug aber vor allem: es suckt Anschluß an den wan- dcrnden Arbeiler lind hat auch in seiner ganze» friichleb-ndigen Art schon erprobte Nähe zu ihm. „Ihre Hoheit— die Tänzerin" hatte im Thalia-Tbecrter einen sogenannten Bombenerfolg, der ganz besonders auch der guten Besetzung der Hauvrrollen mit zu verdanken ist. Walter W. Götze hat eine gute Musik gemacht:„Wo alles schiebt, kann'S Karl allein nicht lassen!"— vieles ist ja entlehnt, aber am Schlüsse des ersten Aktes erhebt sich dc? musikalische Teil sogar ins mufikdrarnatiiche Gelnet und die zahlreichen Schlager zeigen guten musikalischen Gescknnack— auch in der„Schiebung", die sich aus alle nur erdenklichen fremden Federn erstreckt. Der letzte Akt ist in Musik und Handlung süßlich ausgefallen, aber dem Publikum ist in seiner Masse so etwas gerade recht. Inge va,n der Straaten verkör- perte die„Hocheil" rwrt soviel Charme, ganz besonders in der ge- sanglichen Wiedergabe, daß sie sich auch bei minder byzantinisch angebauchten Gemütern Symixttbien holte..Ihr Gagenspieler, Herr J a h r b e ck, war i-m Gesang besser als NN Spiel. Den Vogel schoß die graziöse und schelmische Betty Feiner ab, die in Hans Schneider einen gewandten Partner hatte. Kurt Mikulski verkörperte die komische Figur eines herzoglichen Haushofmeisters mit einiger Uebertteitmng. Kapellmeister Ewald Hu th leitete das Orchester mit großer Umsicht. Die.Hauptpersonen konnten sich häufig vor dem Vorhange zeigen; zu ihnen gehören auch die Text- dichter OSkar Felix und Richard Braß, denen neben manchen Gemeinplätzen auch nette„Schlager" glückten.— tr— lieber Natunin und Lenin spricht in russischcr Sprache Dr. M. Schwarz auf Veranlassung des russischen Bereins„Friede und Arbeit" morgen. Mitt- woch, abends Tll, Uhr, in den Florasälen, Halens«. Johann-Georg-Str. 19. zrra.tiluß v»n der«raklquelle bi» zum Werkzeug. Ueber diese» Thema werden am 24. und Lb. Juni vom Groß-Bcrlwer Techntschen Bor» leiuna« Wesen im Jugememchnuie, N W. 7, Sommer str. 4a, unter Leitung von Dir. Hellmich Vorträge mit Erörternnzen abgehalteu. Beginn um 19 bzw. 9 Uhr vormittags. Teilnehmergebühr 20 M. Ueber Urachcomie im Dienste der Reklcknc spricht am 24. Juni, nachmittags 4 Uhr, Direlor Waltcr-Rünchen in der FilmauSstellnng, Mauerstraße v2. Die ssuanzielle Lage der Universität Frankfurt hat sich noch weilcrhiw verschlechtert. In diesem Jahre hat der Lehrkörper bereits eine ganze Anzahl wertvoller Lehrkräfte verloren, und weitere Verluste stehen bevor. Zemmer und DuderstaR, die sich in selbstloser Weife der Aufdeckung der Angelegenheit widmeten, wird wahrscheinlich Klage wegen.Skr» leumdung" erhoben werben. Denn es geht alles gerecht zu im Teutschland Oes 20. Jahrhunderts! • Ein Verherrlicher des Arbeitermordes. In beb ober hessischen Zeitung schreibt Universitätsprofessor Maatz, Marburg(Hessen): „Die Prozessverhandlnngen gegen unser tapferes Mar- burger Studentenkorps sind eben zu Ende. Sie haben, wie anders kein Vernünftiger hier erwartet hat, geendet mit. bedingungsloser F r e i s p r e ch u n g. Die Sache ist damit aber nicht zu Ende. Jetzt haben unsere Studenten das Wor� Anders liegt dies für die Marburger Univer- s i t ä t s l e h r e r, die teils unmittelbar nach den Thüringer Vorgängen, teils wenig später, jcdensalls bevor ihnen amtliche Feststellungen bekannt waren, gestützt auf privaten Klatsch und mißverstandene Mitteilungen verschiedener Art, Verurteilungen oder Verdächtigungen des Studentenkorps Marburgs öffentlichen Blättern ihrer Partei zuführten, so daß in Marburg und anders- wo die Zeitungen vor Abscheu über die Marburger akademischen„Bluthunde" überflössen. Damit, daß der Sachverhalt jetzt zugunsten allein des Studentenkorps aufgeklärt ist, ist diese Parteinahme nicht erledigt. Sie bleibt abscheulich, um so mehr, als sie jetzt in die allergrellste Beleuchtung tritt. Unsere Studenten haben von jenen Herren Genugtuung, eine, die wirklich genügt, zu verlangen, und zwar sofort. Das muß gerade ein Marburger Universitätslehrer der miß- geleiteten Lessen llicbkeir gegenüber sofort nach dem Prozeßende aussprechen, ohne Rücksicht aus Personen oder Amt." Das kann sich nur gegen die Professoren Hermelink. S ch ü ck i n g und Rabe richten. Das Niveau, das der Artikelschreiber in diesen Sätzen ein» nimmt, ist ein denkbar niedriges. Wenn man schon aus innerer Sympathie für die Marburger Bluttat und ihre Tater keine Neigung hat, seinem Abscheu über den 16 fachen Mord Ausdruck zu geben, so sollte man lieber schweigen, nicht aber noch der ohne- hin übet den kaum faßbaren Freispruch erregten Bevölkerung durch derartige Provokationen einen neuen Schlag ins Ge» ficht versetzend Das Urteil von Marburg schreit zum Himmel, und traurig mutz es um den Mut eines Umversitäts- Professors bestellt sein, der unter Hintansetzung aller Begriffe von Recht und Sittlichkeit nicht nur warme Worte der Ver- t e i d i g u n g für die Tätor findet, sondern es auch wagt, gegen seine Kollegen, die zu dem Fall eine andere Stellung einnahmen, wüite Beschimpfungen auszustoßen. Auch wir hoffen, daß den .tapferen" Marburger Studenten volle Genugtuung wird, aber in einem Sinne, daß auch ihren unschuldigen Opfern zu- gleich Geuugtuung wird. Kulturträger in Gberftblesien. Vom Werkstätten ami Oppeln werden uns folgende VerHand- lungsberichte mit der Bitte um Aufnahme zur Verfügung gestellt, die auf die Zustände im oberschlesischon Abstimmungsgebiet ein empörendes Licht werfen. Es erscheint der Oberbahnassistent Ernst Hahnel und gibt folgendes an: Als üb am 14. d.M nach 8 Uhr abends mit dem Kollegen Rak aus dem Dienst nach Hause ging, begegneten wir in der Nähe des Jfolierhauses auf der Porschstraße etwa 12 französischen Soldaten. letzte Soldat aus dieser vorbeigehenden Gruppe sprach den Kollegen Rak an und fragte ihn, ob er P o l e ist. Dieser antwcrtste in polnischer Sprache, daß er polnisch ver» st e h e. Dann wandte sich der Fragende auch an mich. Ich er» klärte ihm, daß ich nicht polnisch könne. Darauf holte er mit der Hand aus und gab mir einen wuchtigen Schlag ins Gesicht, daß rch taumelte und mein goldenes Pinoenez verlor. Daraufhin bemerkte ich, daß dieser Soldat den Revolver zog und wiederholt abdrückte. Aus einer mir unbekannte« Ursache versagte der Revolver imd ich flüchtete zu einer Gruppe von Leuten, die in der Nähe des Krankenhauses standen. Ich bat diese Leute, mir bei der Feststellung der Personalien des sranzöstschen Ssldaten behilflich zu fein, doch diese erklärten, daß sie als Kranke den Bevsich des Krankenhauses nicht verlassen dürsten. Einige dabeistehe«de Leute aus der Stadt erklärten mir, daß dieser eine Franzose schon in der Stadt, aut dem Wilhelmsplatz und aus der Porschstraße etliche andere Zivilisten belästigt hätte, was der Student Woschnh bestätigen kann. Zeug« deS Vorfalls war auch der Vorstand des Eisenbahnwerkstättenamts b, Herr In» genisur S ch i f f l e r. und dessen Dienstmädchen Herr Rak sagt folgendes auS: Ich schließe mich den Aussagen deS Herrn Hahnel an und b«. merke nech folgendes: Ms Herr Hahnel ins Geficht geschlagen wurde, versuchte ich, den schlagenden Franzosen abzuwehren und brauchte dazu die p o l. nische Sprache, weil ich dadurch beruhigen wollte. Jetzt hielt mir nun der französische Soldat seinen Revolver direkt vor meine Brust und drückte abermals los. Da der Schuß nicht los ging, benutzte ich die Gelegenheit, den Re- voldsr zur Seite zu schieben und ergriff die Flucht. Der Franzose verfolgte mich mit drei Schritt Abstand etwa 200 Meter weit und versuchte istmier wieder zu schießen. Der Revolver versagte jedoch aus mir unbekannter Ursache. Darauf kam ein zweiter französischer Soldat hinterhergelaufen, der de» Revoldcrhelden einholte und ihm mst Gewalt den Revolver aus der Hand nahm. Ich blieb, weil ich vollständig erschöpft war,'stehen. Ich wurde nun von den beiden Franzofen gepackt und mit den ärgsten Schimpfworten wie „Deutsches Schwein, Kaserne kommen" u. a. m. aufgefordert, in die Kaserne mitzugehen. Hierbei bin ich durch einen der fran- zösischen Soldaten mit Füßen stark getreten und m i t einem gefährlichen Gegenstand derart an den Kopf geschlagen worden, daß ich für de» Augen« blick ganz besinnungslos wurde und eine blu- tende Wunde an der rechten Schläfe erhielt. Als ich noch innner weiter nach der Kaserne gezerrt wurde, benutzte ich einen günstigen Augenblick, um zu fliehen. Ich flüchtete in die in der Nähe liegende Wohnung des Herrn AmtSvorstandeS des WerkstättenamtS d, woselbst ich mich etwas erholte und meinen Zustand dem Genannten schildert«. Bei de» vorstehend beschriebenen Vorgängen scheint es sich um verkappte Polen zu handeln, die unter Mißbrauch der französischen Uniform chrem Deutschenhaß Aus- druck gebe« iootten. SchweAijche SozialisierungskommWon. Stockholm, 23. Juni. Mc die Telegraphen-Union meldet, hat die bei Beendigung der ReichStagsseffion drei Kam- mijponen»rnamit. Die erste, dieser Kommissionen soll das Problem der Volksabstimmung untersuchen, die zweite.Kommission beschäftigt sich mit dem Sozialisierungsproblem unv die dritte soll möglichst bald Vorschläge mnchen für die provisorische G-sate-öuvg«t»ezug auf die Kostkoutrolle. 'I HroßIerlln Wer wuchert...? Vor den Litfaßsäulen sah man in diesen Tagen große Menschen- ansammlungen. Durch gelbe Anschläge„belehrten" die Pommer- c sehen Landwirts die Berliner über die Ursachen der LebenSmittelte»erung. Sie taten es auf ihre Weise. Ein- ' fache Zahlengegenüberstellungen brachen dem schwierigen Problem ' der Zwangswirtschaft das Genick mit Unwissenschaftlich- t brutalem Polizeigriff nach Jagowscher Lapidarmanier. i Zunächst ließen sich die Hausfrauen verblüffen. Wie toll > schimpften sie auf die Regierung, und die.„braven uneigennützigen : Landwirte" hob man in den Himmel. Dann aber traten die ' Männer zu den Streitenden. Sprachen von bäuerlicher. Gewinn- ' sucht und Preiswucherei, die durch keine Zwangserfassung � entschuldigt würde, von riesigen Mengen versteckter Kar- 1 t o f f e l n, von zurückgehaltenem Getreide und weiten � Strecken ans Trotz unbebaut gebliebenen Bodens. Und schließlich von der Notwendigkeit der Ratisnierung.— Davon, wie der Mensch es im Kriege gelernt habe, nur den , eigenen Vorteil zu verfolgen. Wie Moral und sozia- - listisches Gemeinschaftsgefühl geschwunden seien ' unter der steten Feindgefahr. Wie alles auseinander zu fallen drohte, als das morsche Kaiserieich zusammenstürzte und eine straffe Zusammenfassung aller Ernähr üngs- quellen gebieterisch erheischte, sollten nicht Mord und Bürger- krieg im eigenen Lande jählings entfachen.... Auch von der moralischen Pflicht der Sozialisten, die da- mals im November 19l8 die Zügel der Regierung beklommenen Herzens ergriffen, sprachen die Männer. Aber die Frauen zuckten die Achseln.... Und das ist nur zu verständlich. Sie wurzeln zu sehr in der Gegenwart, fühlen als Hatusfrau und Mutter am deut- lichsten die Teuerung, den Lebensmittelmangel und sehen mit Sorge neue Arbeitslosigkeit hereinbrechen.... Einige Außenseiter gabs natürlich auch. Den reich g e- wordenen Seifenhändler, der zur Abhilfe den lieben Gott empfahl, den grimmen Antisemiten mit dem eisen- beschlagenen Etchenknüppel und andere mehr. Sie wertete man aber nicht höher wie jenen Spaßmacher von 70, den berühmten Eckensteher Nante..., E. H. Meyer. > Tie Eröfte des neuen Berkin. Die an? SStädten, 50 Landgemeinden und 27 Gut s- ' bewirken gebildete EinheitSgemeinde Graß-Berlin sollte nach dem RegierungSentwurf eineFlächevon 756 Ouadratkilo- meter bedecke«. Nachdem, durch die Preußische L«nde»vers«unm- lung im Osten und Westen noch mehrere«mfanzreiche Gebiete mit den Dauerwäldern deS ZmsckverbavdeS in das neue Berlin ein- ' bezogen worden find, ist daS Gebiet der Einhe-ikgemeinds auf nicht ' weniger als 877,66 Quadratkilometer angewachsen. Damit ' ist die neue Reichshcmptstadt noch größer geworden als Groß- Neuyork mit seinen 840 Ouadvaikilometern und übertrifft bei � weitem die Verwaltungsbezirke London mit 303, Wien mit 276 und Paris mit 480 Quadratkilometern. Zur Linderung der Arbettsloffgkeit. In der nächsten Sitzung der Berliner Dtadtversrdnetenver- scrmmlung gelangt folgend« D? i n g l i ch k e i t s a n t r a g der sozialdemokratischen Fraktion zur Beratung:„Die Stadt- verordnetenversammlung wolle beschließen, den Magistrat zu er- suchen, in gemischter Deputation auf das schleunigste über g e- eignete Maßnahmen zur Linderung der einge- tretenen Arbeitslosigkeit zu beschließen." Aus der Berliner Verbrecherwelt.% Die Ermittlungen der Kriminalpolizei zur Aufklärung des Raubmordes an dem Teppichhändler Neißer in der Steglitzer Straße haben Mar noch nich» zur Ergreifung des Täters geführt, wohl aber in das unheimliche Treiben des Berliner Verbrechertums hineingeleuchtet und verschiedene Verhaftun- gen zur Folge gehabt. Dabei wurde u. a. auch ein Komplott aufgedeckt, das die Be. raubung und unter Umständen auch die Tötung deS AlihändlsrS. Paul Thiel m der Belle-Alliauee-Str. 11 zum Ziel hatte. Der An- schlag erinnert in seinem Plan« ganz an den Aeißerschcn Raubmord, wurde aber in letzter Stunde vereitelt. Hinter diesem verbreche» rischen Plane stand eine Frau Spanier, die die Kriminalpolizei schon einmal beschäftigt hat. Durch ei» Fräulein Z., das den Althändler Thiel hei rat su sollte, von diesem aber abgelehnt wurde, ließ sich Frau Spanier über die Verkällniffe des Mannes unterrichten. Er sollte in seinem Gelds chrcnck hohe Werse an Juwelen und barem Gelde haben. B»n ihr angestiftet wallte zunächst ein Bäcker Rudels Bothe,' der fitzt im Gefängnis ermittelt wurde, den Althändler Werfällen. Bathe suchte den Friseur Willi Wer- nicke für seinen Plan zu gewinnen. Wermcke ging auch darauf ein und mrni fertigte Stricke und Schlingen an, von denen eine dem Althändler um den HalS gelegt und zugezogen werden sollte, falls er nicht ruhig Riebe. Am 27. Dezember fvllie das Verbrechen ausgeführt werde«. Die beiden mußten aber unverrichteter Sache umkehre«. Eine Wiederholung lehnte Bothe ab, ging vielmehr nach- träglich zu Thiel und erzählte ihm, daß ein lieber fall aus ihn ge- plant gewesen setz Frau Spanier gswunu jetzt»in«« 34 Iah«« alten Paul Ticke und einen Wjährigen Walior K i e i ch k e. Nun verkaufte aber Thiel zuletzt nur noch an Ehepaare und Brautleute. Deshalb mußte einer im Verbrecher ein« Braut stellen. Diese fand er auch in einem Fräulein K-, daZ mau aber in ven verbrecherische« Plan n i cht einweihte. An«in«« Fch-navtage machte das Konsortium sich aus den Weg. Fräulein.Apz/khielte die Braut in der Meinung, daß sie ihrem„Bräutigam" lediglich zu Möbeln verhelfen sollte, die er wieder verlausen wollte. Sie sollte dafür eine Entschädigung erhalten. Auf dem Weg« nach der Belleallianoestvaße fegten ihr Eicks und Kieschk«, sie würden mit Thiel einen Augenblick jus Hin- terziminer gehen. Wen» sie etwas Unengenchmeti köre, so s»lle sie arur unbesorgt sein, eS passiere nichts und ihr Geld bekomme sie nachher. Di« beiden Mäuner schickte« dann die Braut voraus, damit sie sich zunächst dann»iiuwal Stühle ansehen solle. Sie sollte dann berichten, ckb Thiel«llein fei ober nicht. Auf der Treppe kam dem Mädchen die ganz« Sache dach etwas unheimlich vor. Sie»er- mute!««inen bösen Plan und vereitelte ihn, indem sie den Män» n»rn bei der Rückkehr verspiegelt-:, Thiel ssi nicht allein, sondern habe«och sein ganzes Verfenal bei'ich. Eick« und Kieschke de» stellten die„Bvaut" für den nächstin Tag, nm mm nSurm ans Werk zu geben. Sie ging aber«icht hin und der Plan, kam«ich zur Ausführung. Di« Beschufd igten gebe« den verabredei.m Anschlag zu. Wer- nicke sitzt jetzt wegen HeUerei im Untersuchungsgefängnis. Bothe verbüßt jn Plötzenf»« wegen Hehlerei«in Fabr stflffängms. fiaichfe, ei» früherer Töpferlehrling, sitzt wepen Diebstahls sbeafavS in Plötzense». Eick, der setz« bei de« Ermitrlungon zur Aufklärung deS Mordes an Neißer verhaftet wurde, befaß bei feiner Festnabinc noch ein« Pistole, die seinerzeit bei einem Ueb«rfaL im Asukellner Z!oliz.eipräkaö'u»ssstohl«» llmrde. Abstimmungsberechtigte Westpreusten! Die Ausweise für die Abstimmungsberechtigten laufen tag« lich aus oer Heimat ein und werden sofort den Bezirks- gruppen übergeben. Werdet nicht ungeduldig, wartet ab. Ohne diesen Ausweis haben die Fahrscheine keine Gültig- keit; darum oarf keiner ohne ihn abfahren. Jeder bekommt Kartennachricht, wann er fahren soll und wo er feine Fahr- karte gegen Vorlegung des Ausweises in Emv'ang nehmen soll. Die Rückseite des Ausweises muß daS polizeilich beglaubigte Bild tragen. Wenig Gepäck mitnehmen. Jeder AbstimmungS- Berechtigte ist 10 bis 12 Tage von Berlin entrernt. Alle Zeitungs- Nachrichten über Pässe gelten nicht ftir Abstimmungsberechtigte. Freie Verpflegung und freie Unterkunft werden erst vom 1. Juli ab gewährt. Von dieser Zeit dürfen N i cf�i st i m m- berechtigte, darunter auck Kinder über 4 Jabre, auf keinen Fall mitgenommen werden. Alle Nachrichten� betr. U e b e r- füllungderSonderzügeund, Dampfer sind vollkommen ausderLuftgegriffen. Ein Erholungsheim für Kinder und Jugendliche schaffen die englischen Quäker für Berlin in den drei Häusern deS frü- Heren See manns erholungSheims zu Machnow, die von der Stadt Berlin gem redet sind und für den neuen Zweck den Quäkern zur Verfügung gestellt werden. E? soll IlB Erbvlamgo- bedürftige aufnehmen, gegen Zahlung von 5 M. pro Tag 40 bleich- sucht ge Mädchen von 14—18 Fabren aus mittleren und höheren Schulen, unentyelilich 60 jüngere Mädch-en und Knaben. Eisenbahndirektio« und Stadtkinder. Wie dem Lichtenberger' Wohlfahrtsamt mitgeteilt wird, werden in der Zeit vom 29. I u n i b i s 10. I u l i d. I. von der Eisenbahndirektion Berlin wegen der immer noch beschränkten Betriebsmittel Fahrpreis- ermäßigungen bei Reisen zur vorübergebenden Unterbringung von Stadtkindern auf dem Lande nicht bewilligt. Ob diese Maßnahme den so nötigen Wiederaufbau unserer BolkVgesundheit beschleunigt, möchten wir bezweifeln. Aber wir sind es nachgerade gewöhnt, daß eine Behörde illusori'ch macht, was die andere bezweckt. Man nennt daS ja Wohl auch Sabotage.... Ein Wohnhaus ohne Bewohner ist das vierstöckige SauS Simeon st r. 19 in Berlin. Der Eigentümer, ein Möbelb'-ndler Wich. Lambrecht, benutzt eS nur zur Unterbringung von Möbeln. Sämtliche Stockwerke vom Erdgeschoß bis zum Dach sind mit Möbeln vollgestopft. Schon se.t vielen Jahren dient da? ursprünglich als Wohnhaus errichtete Gebäude als MtLuilspeicher. Will man nicht in dieser Zeit der W o h- nungsnot es seinem früheren Zweck zurückgeben? Vielleicht siecht sich einmal das Wohnungsamt die Sache an. Die Unier- bringung von Wochnungfuchenden ist doch wohl wichtiger als di« Lagerung von Möbeln. Für di« Möbel werden sich ja noch ander« Lagerräume befchessen lassen. Fssr unsere ReichStagSebseorbncten. Diejemgen Parteigenossen, die ein möbliertes Zimmer für einen Abgeordneten de? Reicks tageS unserer Fraktion absebon können, Inerden gebeten, nähere Angabe, an daS Sekretariat der sozialdemo- kratischen ReichStagsfraktion. Reichstag, zu fendan. Tie SeuvwirtlKefNiche Hocklchale Berlin verinllaltct in den Nämwn der virwerlckrenftait zu Dabl-m am 2. und S. Angult enun «ehranng über Bienenzucht. Meldunnsn zur T-llnadm- lind unter Einznblnng der Kzebübr von 5 llll. an die Kasse der Landiv'.rtjchast» tichcn Hochschule(tznvalidenstr. 42) zu richien. Bon der Post. Postpakete nach den von Rumänien besetzten Teilen Ungarns sind auf dem Wege über Rumänien zur Beförderung zugelassen. AuS der Auffchrift muß zu erkennen se:ii, paß der Bestimmungsort in dem von Rumänien besetzten ungarische« Gebiete liegt. Die Bersendungsbedingungen sind die gleichen wie für die Postpakete Nack Rumänien. Der am 8. Juli vonGothen- bürg nach New Jork abgehend« schwedisch« Postdampfer 'Drottningholm wird zur Beförderung von Brwfftndungen mü Leitvermerk nach den Vereinigten Staaten von Amerika und Durchgangsländern benutzt; Postschluß beim Postamt 1 in Hamburg am 29. Juni abends. S-mmernnchtStraum, d-s Fest zum Besten der vertriebenen Auslandsdeutschen, wirb von dem Bezirksausschuß Greß-Berlin am .Donnerstag, den 24. Juni d. I., im Lunapark ver- amtallet. Die Direktion deS LunaparkeS hat für d«« wohltätigen Zweck den gesamten Park zur Verfügung gestellt, und soll die Per- anstaltnng ellergrößten Stils sein. Es werden geboten: Japan,- scheS Dagfeusrwerk, Groß-Nack.jfeuerwsrk, große japanische Illumination' deS ganzen Parkes, Doppelkonzert verschiedener Orchester. Kabarett unier Mitwirkung beliiebter namhafter Künstler, die sich für den wohltätigen Zweck kostenlos zur Verfügung gestellt haben. Kinderballett unter Leitung von Mary Zimmermann, Tanz ,n Sälen und im Freien uftv. usw. DaS Fest beginnt um 4 Uhr nach- mittags. Der Reinertrag fließt der BolkSspertde zu und wird für die nach ihrer früheren Heimstätte m Ausland zurückkehrenden Deutschen verwandt. Der Eintrittspreis beträgt 10 Mark, Kinder 2,50 Mark. Lichtenberg. Die Stadtverorbnet«« werden sich mn Donnerstag mit dem Tarif der Arbeiter auf dem städtischen RieselgutTaSdorf beschäftigen. � Der Entwurf lehnt sich an den zurzeit für den Kreiö Nicderbarnim bestehenden und, soweit die Löhne in Fra« kommen, an den für die Güter der Stadt Berlin geltenden Lehntarif am Die Arbeiter, die Deputat er- halten, sollen einen Darlohn von 4900 Mk. jährlich bekommen., zu dem noch prozentuale Lohnzuschläg« für den Rieselmeister und die gehobenen Arbeiter kommen. Das Deputat ist mit 4978 Mk. be- wertet, so daß das Gesamtinindeswinkomme« sich auf rund 9009 Mark b raufen wird. Für frsntde Arbeiter üb'er 20 Jahre ist dementsprechend ein Stundenlohn von 8 40 Mk. festgesetzt. Auf Wunsch ist diesen Arbeitern Deputat in Höhe von L Pfund Kartoffeln für den Arbeitstag zum Erzeuperpreis zu gewahren. „Tas Einsteinsche MelativitAtSpriiiziP nick seine astronomische Beftätigiin,,- lautet das Tbema d-s Vortraaes mit Lichtbildern, den Herr Dir. Dr. Slrchenhold am Donnerstag 7 Uhr im großen Hörsaal der Treptower Sternwarte hält._ Groß-SerZiner parteinachrichten. Morgen, 24. Juni: 8. Abt. 70, Uhr Tlternversammlung der 144. u. 176. Gemeindeschule ht der Ani� ffiräfetr. 85—88. Jnngiozinlibtsche Bereinigung Neukölln. 7Mr im Lugendheim, Nogatstr. 52: Funklionärsitzung; um 8 Uhr: Bortrag über.Planwirtschaft. öilüungsveranftaltungen. Konferenz der BildueigSanSschüffe. Freitag. 7 Uhr, im Zeirtzenlaal der Wemcindelchule. Hoitstttratze tAäki« Bahnhof«ot ralau-Nummclsiingl: Konferenz der Btldcmgeaeslchüffe von AdlersM, Bohnsdorf. Biesdorf. Cöpenick, FroderSd»:!. Friedrichstegen, Friedrichsseide. Onrn««, stohaimiSibel, KaiuSdorf, KöntgS-Wusterbauf-n, pichte riber». Nicderlcköneweide. Oderfchöneweibe, Peterstagen, Schmöckwitz. Strelau, Zeuthen. Alle Mitglleder der Ansschttsie und der Vorstände find freundlichst eingeladen. Fragebogen ausgefüllt mitbringen! Der BildungSauSschufz Grotz-Beriin. I. A.: Albert Horlitz. Geschäftliche Mitteilungen. Die städtilchc BekleidungSftelle Nenkölln, Bergstr.2S, blatet Herren., Damen, und Ktnderfltesel zu äutzertt günstigen P: eisen an. Dar Verkauf ist tür. jedermann. Auch für Nicht- Siontolluor. Näheres aus dem Inserat Wirtschaft Betriebsräte auf der Suche nach Betriebskapital. In der Berliner Möbeltischlerei haben die Bctricbseinstellun- gen großen llmfctr.g angenommen. Dcch es die Betriebsräte an Be- müihungen nicht fehlen lassen, die Betrieibe ausrecht zu erhalten, Zeigt folgender Kall. Eine Mübcilfalbrtk mit mehreren hundert Arbeitern und Material für eine Jahresproduktion sah sich gezwungen, die Arbeiterschaft wegen Mangel an Absatz und Betriebskapital zu entlassen. Der Inhaber erklärte seinen Arbeitern, daß er dm Betrieb aufrechterhalten wolle, wenn er ein Darlehen von 500 ODO M. als Betriebskapital erhalten könne. Daraufhin wandten sich die Betriebsräte an das Demobilmachungs- amt. das Landesarbeitsamt und an das Reichsamt für Arbeits- Vermittlung. Die Fabrik wurde besichtigt und für kreditfähig be- funden, Vertreter der Stadt und der Handelskammer waren an der Prüfung beteiligt. Da die Mittel für die produktive Er- werbslosenfüvsorge von Stadt und Reich gemeinsam aufzubringen sind, so ging die Angelegenheit an den Demobilmachungskommissar zürück. Ein Fall ohne Vorgang lag vor, die Hilflosigkeit der Buraaukratie offenbarte sich schnell, die Akten wanderten hin und her, bis sie zur Hilfskasse für gewerbliche Betriebe gelangten. Hier soll nun die Angelegenheit weiter bearbeitet wer- den; der große Betrieb ruht jedoch seit dem 14. Juni vollständig. Da bereits eine große AlhI von Betrieben verkürzt arbeitet oder stillgelegt worden ist, haben u. E. die Betriebsräte deS obigen Unternehmens den Fehler begangen, daß sie nicht die gesamten Betriebsräte der Holzindustrie haben zusammenrufen lassen, um sofort eine gemeinschaftliche Aktion einzuleiten. Hier muß das W i r t f ch a f t s m i n i st e r i u m eingreifen, eine Treuhandgesell- schuft schaffen, die die Betviebo mit dem notwendigen Kapital ausstattet, um alle Betriebe des Wirtschaftszweiges mit Betriebs- kapital zu versorgen. Die mit Hilfe der Treuhandgesellschaft be- trtebenen Werke sind ihrer Kontrolle zu unterstellen, sie hat anzu- geben, was und wie produziert werden soll. Solche Treuhawdigesellschaften ließen sich in ganz kurzer Zeit wrganifieren, an ihrer Geschäftsführung wären dte Unternehmer und Arbeiter paritätisch zu beteiltgen. Selbst wenn die Kaufkraft des Volkes zurzeit nicht ausreichen sollte, um die Produktion in Gebvauchsmöbeln abzunehmen, so könnte der Absatz durch Gewährung von Teilzahlungen erleichtert werden. Auch die Anfertigung von Gebrauchswaren auf Vorrai Würde nur ein kleines Risiko einschließen. Unverantwortlich ist es aber. Arbeitskräfte dort, wo Material vorhanden ist, brach liegen zu lasten. Kann oder will der einzelne Unternehmer die Produktion nicht fortfetzen, so ist es Pflicht der Gesamtheit dafür zu sorgen, daß die Gütererzeuguno aufrecht erhalten wird. Geschieht nach dieser Richtung hin nicht sehr schnell eüvas, dann besteht die Riesengefahr, daß sich dar Arbeiterschaft dte Ueberzeugung bemächtigt, daß vielleicht erst alles zusammen- krachen muß, um neu ausbauen zu können. Ob der Ausbau aus einem Trümmevhaufen heraus so ohne weiteres gelingen kann, muß aber doch stark bezweisielt werden. Eine zielklare, planmäßige Umstellung der jetzigen anarchischen Produktion dürfte doch wohl den Porzug verdienen. Gemeinwirtschaftliche Papiererzcugung. � An den Reichswirtschaftsrat Berlin. Die„Vereinigung Großstädtischer Zeitungs- Verleger" und der„Verein von Verlagern Deutscher Illustrier- ten Zeitschriften" richten an den Reichswirtschaftsrat die Bitte, sofort in eine Untersuchung der Papierwirtschaft ein- Zutreten, die Aufhebung überftüssiger und, verteuernd wirkender BeWirtschaftsformen zu veranlassen, vor allem aber die Frage zu prüfen, ob ein Einheitspreis für Druckpapier aufvechterhalten wer- Heu kann, ohne daß man die gofamte Druckpapier- e.rz eugung zu einem einheitlichen W i r tf ch aft s k ör p»r zusammenfügt. Mangels einer solchen Vereinheitlichung ,der Produktion bildet sich jetzt der Preis für Zeitungsdruckpapier nach den Produktionskosten der am unwirtschaftlichsten arbeitenden Fabriken, während die anderen große und zmn Teil so übermäßige Gc- Winne erzielen, daß sie diese kaum mehr durch Abschreibungen, Kapitalvevbesserungen und dergl. verbergcin können. Der übermäßig hohe Papierpreis hat den Bedarf so gedrosselt, daß jetzt auf dem ganzen Druckpapievmarkt eine Absatzstockung hei den Papiererzeugern eingetreten ist. Ohne den Einheitspreis für Zeitungsdruckpapier würde jetzt, sicher wenigstens auf den: Gebiete des Buch- und Zeitschrifren Verlag es, eine rasche Preissenkung zu erwarten sein- Ein Blick in die Fachpresse zeigt, in welchem Um- fang jetzt an allen möglichen Stellen Vorräte zutage treten, ein Beweis dafür, daß die Verbrauchs- und Bezugsregelung durch die WirtschaftSstelle in Zeiten des Papiexmangels vollkommen versogt hat, wahrend sie jetzt angesichts der veränderten Marktlage voll- kommen überflüssig und geeignet erscheint, � besonders durch die Kontingentierung die Marktlage aufs neue zu verdunkeln. Angesichts der veränderten Verhältnisse wird von den Er- zeugern sehr dringend erweiterte Ausfuhrerlaubnis ver- langt werden. Die Erzeuger pflogen darin auch noch die Zustim- mung der Papierverbraucher zu erbitten, indem si« ihnen eine Berbilligung des Inlandspreises auf Grund der Ausmhrgewinne in Aussicht stellen und umgekehrt ihnen mit einer Verteuerung deS Inlandspreises drohen, wenn wicht die Ausftrhrmöglichkeiten ge- geben werden. Anch in solche Aussuhrverhandlungen dürfte aber nicht eingetreten werden, ohne vorher eine wirkliche Kontrolle und Zusammenlegung der Produktiv- nen herbeizuführen, damit die Ausfuhrgewinne nicht als Zufallsgewinne diesem oder jenem einzelnen Fabrikanten zugute kommen, sondern wirklich der Gesamtproduktion und damit auch dcu Papierverbrauchern, wie überhaupt der Gesamtheit. Hamburg? Gasversorgung. Wie bekannt geworden ist, wurden in Hamburg bei Anlage eines Versuchs-Tiefürunnens Erdgasquellen erschlossen. Hamburg erhält jetzt täglich IM 000 Kubikmeter Gas aus diesen in einer Tiefe von 280 Metern erbohrten Gasquellen. Kleine Besserung des Markkurses. Der amerikanisch: Dollar kostet 36,60 M. Das englische Pfund 14S M. Die Sparprämienanleihe hat einen Kurs von 91,50 Proz.. Kriegsanleihe 79,75 Proz., 314proz. Preuh. Konsols 61,50 Proz. GewseMsstsbowegirng verbanöstag der Suchöeucker. Nürnberg, 20. Juni. E i fl e r(Hauptvorstand) behandelt die Stellungnahme zu oen Anträgen der von den Gebietsabtretungen öeirossenen Kollegen und betont, daß die elsässischcn Kollegen, die nun dem französischen Verbände angehören, bereits mit 209 000 M. abge- funden worden sind. Für die Kollegen in NordfchleSwig, Ost- und Westprcußen usw., die aus dem Verbände ausscheiden müssen, schlägt er einen Beitrag von 50 Pf. wöchentlich vor. um die Rechte au der Jnvalidenunterstützung den bezugsberechtigten Kollegen dieser Ge- biete zu wahren. P r ü t e r- Kiel unterstützt diese VorstanoZvorlage und Reu- l a n d- Saarbrücken betont im Auftruge der dortigen Kollegen ihre Anhänglichkeit an den deutschen Verband und schildert den über- preußischen Militaristengeist der Ententeherrscher. Wagner- Posen schildert die Verhältnisse in Polen uns bittst ebenialls um Aufxechterhaltung ihrer Rechte an der Jnvalidenkasse. In ahn- lichem Sinne berichtet D a v i d- Danzig, das ein selbständiger Gau vorerst bleiben soll. Hof- Karlsruhe bespricht die elsatz-lothringischen Verhältnisse. R e i s n e r- Königsberg: Memel und Hrydekrug s60 Kollegen) wollen ebenfalls beim deutschen Verbände bleiben. May-Kattowitz konstatiert dasselbe für die oberschlesischen Kol- legen und schildert die Schwierigkeiten mit der Entcntekommission und die polnische Hetze. Oberschlesien dürste ein Freistaat mit An- lehnung an Deutschland werden. Auch Greeven- Aachen belegt die Hetze und Drangsalierung gegen die deutschen Arbeiter mit ent- sprechenden Ausführungen und btttet um moralische und finanzielle Unterstützung der Kollegen in Eupen und Malmedy. Nach klärenden Ausführungen vom Vorsitzenden S e i tz wird be- schlössen, dem Verbandsvorst-and Vollmacht zu erteilen, die Ver- Hältnisse mit den Kollegen in den abgetretenen Gebieten auf gut- lichem Wege und in entgegenkommender Weise zu regeln. Ter Vor- standsantrag wird hieraus angenommen. Es folgt die Besprechung des Berhältnisses znm Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbund in Verbindung mit den Anträgen zu den Wahlen der Delegierten zum Gewerkschaftskongreß, auf Ausgestaltung der Sozialversicherung usw., wobei wieder die gegensätzlichen Anschauungen scharf hervor- treten. S e i tz lVorsitzender) referiert über die einzelnen Punkte in eingehender Wefle, während Böttcher- Leipzig erklärt, daß der Deutsche Gewerkschaftsbund nicht dos Vertrauen der revolutionären Arbeiterschaft genieße. Er bemängelt die bisherige Vertretungs- weise asif den Gcweikschaftskongrcssen und verlangt Neuwahl für diese Vertretungen, damit die G e w e r k s cb a st s- b o n z e n möglichst ausgeschaltet werden. Der Gewerkschaftsbund habe die Betriebsräte zu seinen Filialen gestempelt, w«s beseitigt werden müßte. N a p p- Berlin verlangt die Aufhebung der Ar- beitsgemeinsckaft des Deutschen Gewerkschaftsbundes mit den Unter- nehmecn. Für die Invaliden der Arbeit müsse besser gesorgt wer- den, und hier habe der GcwerkschaftSbund versagt. Der Entwurf für die Erwerbslosenfürsorge sei reaktionär, er müsse von den Ar- beitern abgelehnt werden. Ebel-Bcrlin: Der Gewerkschaftsbund besitzt daS Vertrauen des größten Teils der Buchdrucker, weil er d:e Erfolge der Revolution sehr wohl gewahrt habe, soweit er die Macht dazu hatte infolge' der Zerrissenheit der deutschen Arbeiter, zu der die Richtung der beiden Vorredner wesentlich beigetragen habe. G r a ß'm a n n lVertreter des Gewerkschaftsbundes) widerlegt die gemachten Einwände gegen den Bund, insbesondere daß er den Vorgängen im März dieses Jahre? unvorbereitet gegenübergestanden habe. Mit dem Wort„revolutionär" wird zuviel Schindluder ge- trieben. Bei aller revolutionären Theorie würden wir ver- hungern, WSnn es nicht gelingt, den verfahrenen Kfcrren aus dem Kot herauszuziehen. Der Bund sei unausgesetzt bemüht, für die Arbeiter und Invaliden das Beste auf sozialpolitischem Gebiet zu schaffen. Die Gcwerkschaftsfübrer sind nicht in. der Lage und gewillt, den Massen alles mögliche zu versvrechen. weil sie im Gegensatz zu den politischen Führern zur Rechenschaft ge- zogen werden und die Einlösung des Versprechens verlangt wird. Die Betriebsräte und ihre Organisation kennen nicht autonom ge- stellt werden, sie können nur in enger Anlehnung an die Gcwerk- schaften erfolgreich für die Arbeiter wirken. F e u ste l- Gera, Rose- Berlin, Zadut- Berlin sprechen gegen den bisherigen DelegationsmoduS zu den Gewerkschafts- kongressen und verurteilen die Volilik des Gew-rlschaftSbundes.. S e i tz- widerlegt die gegen ibn erhobenen Vorwürfe der Vppo- sition bezüglich seiner Stellungnahme cruf dem Amsterdamer Jnter- nationalen Gcwerlschastskongrcß.— S e i w e r t- Ludwigshafcn vlädiert für die Wahl der Delegierten zum Estwerkschaftslongreß auf der Generalversammlung.— P i«. c z h l- Hamburg tritt dafür ein, daß die Arbeitsinvaliden vpm Reich ebenso behandelt werden wie die Kriegsinvaliden, und hier habe der Gewerfschastsbund ein iebr dankbares Feld.— M ö l l- r- Zossen, G r a e f-Tüsseldorf. Sö ld- ner-Miinchen, Baufeld-Leipzig sprechen in ihren Auffassungen noch zu der Sache, worauf die Sitzung um 1 Uhr auf Montag früh vertagt wurde. Nürnberg, 21. Juni. Tie Debatte über daS Verhältnis zum Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbund wird fortgesetzt. Es sprechen noch Redner beider Richtungen, bis zuletzt die. Diskussion durch einen Schlußantrag abgeschnitten w�ird. Dann folgen die Abstimmungen. Einstimmig angenommen tvird der Antrag Berlin: „Der Verband der Deutschen Buchdrucker spricht sich iür eine baldige zeitgemäße Reform der sozialen Gesetz- gebung, insbesondere der Alters-, Invaliden- und� Hinter« bliebeneuversicherung aus Er erblickt in der Herabsetzung der Altersgrenze für den Bezug der Altersrente vom 65. auf das 60. ebensjahr unter entsprechender zeitgemäßer lHerauf- setzung der Rentenbeträge auch für die übrigen VersicherungS- zweige eine der dringendsten Forderungen der deutschen Arbeiter- schaft zur Sicherstellung gegen die durch Alter und Invalidität bedingten Zukunftssgrgen"der in den freien Berufen werktätigen versicherungspflichtigen Arbeiter und Arbeiterinnen analog der für die Beamtenschast bestehenden Pensions- usw. Gesetzgebung. Der Verband fordert volle Anrechnung der auf Grund der früheren Wehrordnung oder des Hilfsdienstpflcchtgesetzcs geleisteten Mili- tärzeit in der Versicherunqsllasse, jn welcher der Militärpflichtige vor seiner Einberufung versichert war, für alle aus Grund beider 'w—m.,,i»,-"-ag, Gefetze zum Heeres- oder Hilfsdienst einberufenen berncherungs- Pflichtigen Arbeiter und Arbeiterinnen,-rwartet die Unterstützung dieser Forderungen durch alle dem Allgemeinen Deutscbeg Ge- werkschaftSbund angeschlossenen Verbände und ersucht dieses zen- trale Arbeiterparlament als höchste Instanz der Jnteressenvertre- tung der deuticben Arbeiterschaft, bei den zuständigen maßgeben- den Reichsbebörden rnii allem Nachdruck auf baldigste' großzügige Reform der sozialen Gesetzgebung in oben angedeutetem Sinne zu drängen." Von den im Laufe der Verhandlungen eingelaufenen Anträgen ist der weitgehendste �er Antrag auf Vornahme der Wahlen zum Gewerkschaftskongreß dureb U r w a h l e n. Hiorüber ist namentliche Abstimmung beantragt. Mit 76 gegen 67 Stimmen entscheidet sich der�Verbandstag prinzipiell gegen die UrWahle«. Damit sind verschiedene andere Anträge erledigt. Ein Antrag Ebel- Berlin, di- Delegierten durch die Gaue oder Orte bestimmen zu lassen, wird der Statutenberatungskommission überwiesen. Einstimmig angenommen wird ein Antrag Poschmann- Berlin, beim Eewerkschaftsbund dabin zu wirken, daß dem Reichs- bund der Arbeitsinvaliden weitgehendste materielle und moralische Unterstützung zuteil wird. Tarauf wird in geschlossener Sitzung die Beratung �iiber den 3. Punkt:„Besprechung über die Lage auf dem Tarifgebi�t" wieder ausgenommen. Die Betriebsräte der graphischen Industrie hatten sich am Dienstag zahlreich zu einer Vollversammlung zu- lämmenge'unden, die gemeinschaftlich vom graphischen Kartell und der Betriebscätezentrale einberuien worden war. Den Bericht über die Einigungsverhandlungen(Zusammenfassung der Betriebsräte) gab Wegmann in ausführlichen Darlegungen. Einleitend sprach er seine freudige Genugtuung darüber aus, daß es möglich war, im graphischen Gewerbe eine Versammlung der Betriebsräte zu- sammen zu rufen, in der möglichst olle Richtungen Verlreken sind. An das Reierar schloß sich eine sebr lebhafte Debatte, in der das endgültige Zustandekommen der Einigung gewünscht wurde. Ein Redner meinte, man möge sich deir Meinung der Berliner Gewerl- schastskommiision anschließen, daß es aufhören müsse, daß es außerhalb der ordnungsmäßigen Vertretung der Gewerk« ichaftsbewegnng noch andere Vertretungen gebe. Schließlich schritt man zur Wahl von 75 Delegierten zu einer General- Versammlung der Berliner Betriebsräte, die am Donnerstag statt« findet und die nach Ausführungen von Wegmann namentlich die Frage, wie sie sich die Einigung denke. beant- Worten soll. Das Resultat iolle der Gewerkschafskommission unterbreitet werden. Bei der Wahl der Delegierten kam es zu Unstimmsgleiten wegen der dem Bureau vorliegenden Vorschlags- liste für 16?u wählende Buchdrucker. Ein Buchdrucker proresrierie gegen diele Liste, weil sie ausschließlich Anhänger der Opvo- sition im Buchdruckerverband ausweise. Auch ovposilionelle Buch- drucker verlangten eine paritätische Beteiligung beider Richtungen, ebenso Weqmann. Verschiedene Vorschläge, die das ermöglichen sollten, führten zu keinem prnklischen Resultat. Eine Liste von sieben nichtoppositianellen Buchdruckern, die Ekström aufgestellt hatte, zog er wieder zurück. Vorsitzender C z e r n y bemerkte darauf, daß sei eine Sabotage der Buchdrucker von rechts, denn sie hätten angesichts der Tatsache, daß die vorgeschlagenen Oppositionellen in Nürnberg seien, ihre Vorschläge ohne weiteres durchbringen können.— Schließlich wurden die 75 Delegierten gewählt, darunter 18 Buchdrucker, aber eine gegen die ursprünglich vorgeschlagene Luchdruckerliste veränderte Liste. Wie dii Unternehmer die Koalitionsfreiheit respektieren. Ein drastisches Beispiel wie vom Arbeitgebertum gegen die den Arbeitern und Angestellten verfassungsmäßig garantierte Koali- tionSireiheit Hintenberum gearbeitet wird, beweist das Vorgeben des Deutschen Mineralöl-Verkaufsvereins, Berlin-Wilmersdorf, Kaiser« aller 26 ein dem Dea-Konzern angeböriges Unternehmen. Bei dieser Firma besteht nämlich die Gepflogenheit, bei Bewer- bringen von Angestellten bei der früheren Firma anzufragen, ob der Bewerber sich in hervorragender Weise an den jetzt an der Tagesordnung befindlichen Lobnkämvfen beteilige oder ob der Bewerber ein Angestellter sei, der der radikaleren Rich« tung der Angestelltenftewequng zuneige. Gegen ein derartiges Verhalten muß der schärfste Prolest eingelegt werden, da auch nach dem Betriebsrätegesetz die Einstellung eines Arbeitnehmers nicht von seiner Zugehörigkeit zu einer polikischen, gewerkschaftlichen oder religiösen Vereinigung abhängig gemacht werden darf. Dem Be- tricbsral der Firtzra ist zu empfehlen, ein besonders scharfes Auge hierauf zu haben. Die Eharlottenlnirger Gewerkschaftskommission beherndelte in ihrer letzten Bollversatiunlung die Lrganisationsfrage der Betriebsräte, worüber Flemming referierte. Jn der Diskussion wurde von Hränkel, Herzog, Bollentin und Z i�p P e I auf die unliebsamen Zerfoürfwiffe innerhalb der Arbeiterschaft hin- gewiesen, die hindernd die Ausammenfastung der Betriebsräte be- einflusien. Ein Bericht über die letzte Sitzung dcS Kuratoriums flir Kriegsbeschädigten- und Hintepbliebenonfürsorge, der von Behrendt erstattet wurde, löste eine längere Debatte aus. Jn dieser Sitzung wurden von den Vertretern des Internationalen Bundes für Kriegsbeschädigte Anträge gestellt, dte er nicht befür- Worten komrte. Vmi H e i d r i ck und Storch wird auf die schlechte Finanzlage der hiesigen städtischen Verwaltung hingewiesen, es sei Pflicht des Reiches und Staates, sich für die Kriegsbeschädigten mid HinteMiebenen mehr ins Zeug zu legen. Die Versanimlung tvar mit der Tätigkeit Behrendts einverstanden und erteilte ihm ein BertvaueiiSvotum. Hieraus besprach Flemming die. Abändc- vung des Gesetzes betreffend Gewerbe- und Kaufmannsgerichte imd bedauerte, daß man den Frauen nur da? aktive und nicht auch dos passive Wohlrecht gegeben habe. Wenn die grauen jetzt fähig seien, an der Gesetzgebung mitzuarbeiten, wieviolmehr müßte man sie auch konscquenterweise an der gewerblichen und karismännischen Recht- svrechung teilnehmen lassen. Eine Proteftrcisolution gegen die darin enthaltene Erdrosselung des KoalirionsrechtS wurde einstimmig angenommen. Serantw. für den r-d-N. Teil: Dr. Werner Pcsscr, Tharlsttenburq: für Anzewen: TI>. Glocke, Berlin. Berla«: Lorwärts-Vcrlan Ö. m. 6. H., Berlin. Druck: Bor« >»ärts>Buch»ruckcrei u. Berlagsanstnlt Paul Singer u. Co.. Berlin. Cmdewir. 3. Sozlaldem. lüatilvcrcin lleuüSIIn(S.?. D). Den Mitgliedern die trau- rige Nachricht, daß unser langjähriger Genosse, der Gewerkschasts angestellte Fritz Wappler 3. Bez., I. Abt. verstorben ist. Ehre feinem Andenken! Die Einäscherung findet Donnerstag, den 24. d. M., nachm. 2V, Uhr, im Krema» torium Baumschulenweg, »iesholzstraße, statt. Rege Beteiligung erwartet vor vorstand. WPerserteppiclie sis 3X4 aus Privathand ge- lucht. John Rosentha). perltnW. S.Taaheostr. 10, f ernsprecher Zentrum 7791. Verkäufe Schughundc, Stubendiind che», sunge Forterrier, Pint- scher, Echäsorhunde verkaust SchafNand, Palisadenstraße 25._ 34/14* Sardinen, KUnstlergarni- tut, Stores, Bettdecken, alle- t-rware preiswert. Lands- beraerstraste 13. 1Z25t* Kellner. Jacken, Schllrzen, Stiefel 42. Schröck, Zylinder. Alle, Mittelgröße verkauft Schulz, Neukölln, Selchower Straße 6 II._ 47/19 Zwei LkyfhIkhtSr/ striche 53, Stfl. 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