Nr. 31 6■» 37. Jahrgang Ausgabe A Nr. 21 Bezugspreis: 95 etttliäfitLSO,— aRU,monatL10,— Sft ft«i ins ÖDue, coccns zahlbar."Coli- teiat|. Monatlich 10,— M— ertl. Sn- ftellilnysaedühr. Umecfftfinbanft ft: Deutlchlans und Ocriettci* IS.' 0 Sit- lue das übrige Ausland bei tdgltd) tinma!, Suftelluna 2150 M.?i>ii>r. itelhingen nehmtn an Oesierreich, Ungarn, Tschecho-Slowalei, Dane» ntart, Holland.-Wernburg, Lchwsden und die Schweir.— chingeiraaen in die i>Dft-5eitungs-93t«tsliftt. Der.Soraiirts* mit der Soniöogs' b erlöge»Voll u. zeit" errcheinr wacher.» täglich zweimal Sonntags und Mon- tags-inmal. Telegramni-Abrelle- .SozialSamotra: verlin- Morgen-Ansgabe berliner Volksbleitt � ZO Pfennig) Anzeigenpreis: Die achtgeipaltene Noirpareillezeil« ioiteiZ.— M., Tenerungszrtjchll>gS0°/» «Kleine Anzeigen-, das lett» gedruckte Wort ls- M.(zulllfstg zwei iettgedruckte Worte), jedes weiter« Wo««0 Pfg. Etellengofttche nnb öchlafftellenanzeigrn das erste Wort 65 Pfg- jedes weitere Wort<0 Pfg. Worte Uber 15 Buchstaben zählen für wei Worte. Teurrnngszuschlag 50»/» jhaniilien-Lnzeigen für Wonnoeitrn geile 2y— M- poltttiche und ge» wertjchastliche Vereins- Anzeigen Z.— Ml. die gelle ohne Aufschlag. Anzeigen für die nächste Stummer müssen bis 6 Ahr nachmittags im Hauptgeschäft. Berlin EW W, Anden- strahe 8, abgegeben werden. Daifffnrt von 9 Uhr früh bis b Uhr abends. Zentralorgan der fozialdemokrat» Tchen Partei DeutPchlands Neüaktion und Expedition: SW. 6$,£indsn(h. 3. jvrrnivrrcher- ttmi Morihvlah. 71 1. 15190—15197. Jehrenbachs Zortsthritte. 55. T. S. meldet: Die Verhandlungen des Reichskanzlers über die Bildung des Kabinetts haben heute ihren Fortgang genom- meu, ohne das irgendeine Stockung eingetreten ist. Es dars mit Sicherheit angenommen werde», daß in kürzester Zeit das Kabinett zum mindesten in den entscheidenden Mini- sterien besetzt sein wird. Uebrr die wesentlichen Fragen ist zwischen de» an den Verhandlungen beteiligten Parteien Uebcreinstimmung erzielt worden, besonders auch insofern, als die bisherigen demokratischen und Zen- trumSmini st er in ihren Aemtern verbleiben. Die Besetzung dcS Auswärtigen Amtes mit dem frühe- rcn Ministerialdirektor Simons hat allgemeine Zustim- mung gefunden. Infolge der endgültigen Absage des Ge- KeimratS W i e d f e l d wird bereits mit einer anderen be- deutenden Persönlichkeit des Wirtschaftsleben» verhandelt. Der Abgeordnete Becker- Hesse« hat auS pcrsön- lichen Gründen die Uebcrnahme eineS AmteS ablehnen nüssen.« Der Minister S t c g c r w a l d, der für das Ar- leitSministcrium in Frage kam, hat gewünscht, sein preuhi- heS Portefeuille zu behalten. Der für dasselbe Ministerium vrgcschlagenr Abgeordnete B a e ck e r- Arnsberg hat gleich- iills auS persönlichen Gründe» gebeten, von ihm absehen zu wollen. Der optimistische Don, in dem diese offiziöse Mitteilung deS in Bildung begriffenen Kabinetts Fehrenbach gehalten ist. ist nach unseren JnlSrmationen nicht unberech- tigt. Die Nachricht, daß die bisherigen Minister aus den Reihen der Demokratischen Partei und deS Zentrums in ihren Aemtern verbleiben, läßt darauf schließen, daß der Ver'uch der Deutschen Volkspartei, eine ganz neue Regierung nach ihrem EbenbiJde zu schaffen, mißlungen ist. Auch die Erregung über das Verhalten der Sozialdemo- kratischen RcichStagSfroktion scheint sich zu legen und der besseren Einsicht zu weithen. daß es durchaus nicht in der Absicht der Fraktion liegt, die Bildung einer Regierung der bürgerlichen Mitte durch irgendwelche taktische Kreuz- und Quersprünge zu verhindern. Man beginnt zu erkennen. daß die Linie der sozialdemokratischen Politik ganz gerade vorgezeichnet ist, und daß taktische Meinungsverschiedenhei- ten. soweit sie vorhanden waren, nur die Mittel betrafen, aber nicht den Z w e ck. Da durch daS Verhalten der Nnksimabhängigen eine Kombination, in der die sozialistische Arbaiterschaft den stärksten Einfluß gehabt hätte, aus dem Bereich der Möglich- koiten ausgeschieden ist, da ferner die Wiederherstellung der asten Koalition gegenwärtig als unmöglich betrachtet wird. da schließlich auch eine Regierung weder wünschenswert noch möglich ist, in der die äußerste Reaktion ausschlaggebenden Einfluß besäße, ist tatsächlich nur noch eine Regierung der bürgerlichen Mitte möglich. Sie auf die Beine zu stellen, ist die Aufgabe der an ihr beteiligten Parteien, nicht der Sozialdemokratie. Von diefer kann nur verlangt werden, daß sie das Werk anderer nicht wieder in Trümmer schlägt, solange sie nichts Besser«? an seine Stelle zu setzen hat oder solange sie nicht durch die Taten der neuen Re- gierung zur schärfsten Opposition herausgefordert wird. Diese Einsicht ist in der Sozialdemokratischen Partei allgemein, und allgemein ist auch die Absicht, ihr entsprechend zu handeln. Die Demokraten haben, indem sie sich auf For- derungen versteiften, deren Ablehnung durch die sozial- demokratische Fraktion vorauszusehen war, sich selber k ü n st- liche Hindernisse geschaffen. Nach ihrer Beseitigung wird der Weg für sie wieder frei. Es war utopisch, von einer Partei, die sich an der Regierung nicht beteiligt ein positives Handeln zu deren Gunsten zu verlangen! das Höchste, was gefordert werden durfte, konnte doch nur ein Unterlassen sein. Die Sozialdemokratische Partei wird es unterlassen, diejenigen bürgerlichen Politiker, die in die Regierung gehen, weil sie ihre Entwicklung nach rechts der- hindern wollen, deswegen anzugreifen. Sie wird es unterfassen, den Werdeprozeß der neuen Regierung absicht- lich zu unterbinden. Sie wird eS unterlassen, der neuen Re- gierung ein Mißtrauensvotum auSzuftÄlen. sofern ihre Zu- sammensetzung mrd ihr Programm dem entspricht, waS bis- her darüber bekannt geworden ist. Wenn eS trotzdem sich als unmöglich herausstellen würde, die Regierung zustande zu bringen, so könnte man wirklich nicht behaupten, daß die Sozialdemokraten die Schuld daran trügen, sondern es würde dadurch nur die Unsähigkeit der bürgerlichen Parteien erwiefm sein, ohne die Hilfe der Sozialdemokratie eine Re- gierung zustande zu bringen. O Ter Rvichsousschuß der ZentnimSparter trat gestern zu einer für zwei Tage berechneten Tagung zusammen. Wie die„Germania" berichtet, erstattete Abg. Dr. T r i m b o r n ein ausführliches Referat über die Politische Lage. Der ReichsauSschuß sprach darauf der Fraktion sein Vertrauen aus und dankte den Abgeordneten Trimborn und Fehren- bach für ihre Bemühungon zum Zustandekommen der Re- gierung. fiue der Reichstagsfraktion. Ein Amnestieerlatz. Die sozialdemokratische ReichStagifrakiion wäblte in ihrer gestrigen Sitzung zu Vorsitzenden die Genosien Hermann Müller, Scheide mann und W e I«. In den ftraklionsvorstand wurden weiter gewählt die Genpsien st i s ch e r-Berlin, Hoch.Loebe, Molkenbubr. Juckaez, Stalten. Hildenbrand und S ch« m a n n-Berlin. In den Seniorenkonvent delegiert wurden: Loebe, Molkenbubr. Hoch, Hermann Müller. Scheide- mann, Iuchacz und Wels, als Vorsitzender des NeichSbauS- ballSauSschusieS wurde wieder der Genosse Heimann-Berlin in Aussicht genommen. Die Sozialdemokratisch« ReichliagSfraktion hat beschlossen, fol« genden Antrag einzubringen: Der Reichstag»olle beschließen: Die Regierung wird ersucht, den Entwurf eine» gll gemeinen AmnestiegesetzcS vorzulegen, durch den die Straffreiheit entsprechend der Birlefeldcr Vereinbarung vom 29. März grwährleistc�wird. Durch diesen Antrag wird eine für da» gonzr Reich geltende Amnestie im Geiste de» Bielefelder Abkommens gefordert. Die schwäbischen Unruhen. Belagerungszustand in Ulm. Stuttgart. 23. Juni. WTv. Bei den Unruhen in Ulm wurden, soweit bi» jetzt feststeht, acht Polizeiwehrleute zum Teil erheblich verletzt. Fünf Demonstranten sind tot.— Au» Ravensburg werden insgesamt zwei Tote und 2v Verwundete gemeldet. Stuttgart, N. Juni. Zur Wiederherstellung der gefährdeten Sicherheit und Ordnung hat das GtaatSmini stertuur i« LlberamtS. bezirk Ulm den BelageoungSzustand»erhängt. Redakteur Th. Körner von der bauernbündlerifchen..Schwäbi- fchen Tageszeitung" ist wegen Aufforderung zum Liefer- streik in Nahrungsmitteln an Stuttgart oder sonstige Industrie- bogirke, m denen Unruhen irgendwelcher Art entstehen sollten, in Schutzhaft genommen worden. Ergebnis von Soulogne. Paris, 22. Juni. H a V a S meldet aus Boulogne: Da» deutliche Ergebnis der Konferenz in Boulogne ist die vollkommene Uebereinftimmung der Alliierten in der Frage der Herab- Minderung de? deutschen HeereS auf lOOOOO Mann. Die Stärke der Polizeilruppen darf nicht über die im Friedensvertrag vorge« sehen« Anzahl hinausgehen. Die Konferenz billigte den Vorschlag der französischen und englischen Sachverständigen für die Ausarbeitung der finanzi- e l l e n Klauseln de« VerirageS. Die Alliierten werden am 5. Juli in Spa die Borschläge der deutschen Delegierten über die Art, in der Deutschland seinen Verpflichtungen nachkommen will, entgegennehmen. Die veröffentlichten Schätzungen der vor« läufig geheim gehaltenen Summe, die die Alliierten feslge- stellt haben, schwanken zwischen 90 � und 120 Milliarden Goldmark. Deutschland wird den Betrag in 37 Jahres- raten zu zahlen haben, von denen die ersten fünf nicht unter 3 Milliarden betrogen sollen. Die anderen werden sich automatisch, se nach der Wiederaufrichtung der wirtschaftlichen Verhältnisse Deutschlands, erhöhen. Völlige Uebereinftimmung wurde über die Art der Mastnahmen erzielt, die getroffen werden sollen, fall« Deutschland seine Verpflichtungen nicht erfüllt. Sie weiden wirtschaftlicher und militärischer Natur sein. . Londo», 23. Juni. G a r d i n e r beschließt die Reihe seiner Berichie über Deutschland an �die„Daily News" mit einem Brief aus Köln, in dem er ausführt: Der preußische Militarismus ist aus der Seele des Deutschen heranSgerissen und vernichtet. Das deutsche Boll zittert vor dem Bolschewismus. Die Bezeichnung „Militarist" ist zum Schimpfwort geworden. Der Krieg und die Blockade waren eine heilsame Lehre für daS deutsche Volk. Der Militarismus wirb nie mehr die Oberhand gewinnen. Dauerkrise auch in Polen. Nach zweitägigen Beratungen mit dem Zentrum und den Linksparteien, die das neue Kabinett bilden sollten, hat Abg. WitoS gestern abend die Unmöglichkeit festgestellt, ein positives Ergebnis zu erzielen und feinen Auftrag in die Hände des Staatschefs zurückgehegt. vonvärts»verlag G.m. b. ß., EW. bS, �inöenstr. 3. Ecrniprecher:«nrt Moritzpla». Str. 117 53— 54. kautsktz Über Koalition. Auf dem richtungsnevtrvlen Boden der Wiener Port»«- presse entfaüet Karl K a u t s k tz seit einiger Zeit eine rag» schriststellerifche Tätigkeit, an der nur das e i n e zn bedauern ist: nämlich, daß ihre Früchte immer erst nach Berlin zurück- importiert werden müssen. WaS Kautsky zu sagen hat, v«r- dient seinen Platz in der deutschen sozialdemokratische« Parteipresie, es verdiente vor allem den Unabhängigen vorgehalten zu werden, die ihrem Parteigenossen(wenn wir nicht irren, ist Kautsky formell immer noch Mitglied der U. S. P.) längst die Spalten ihrer Zeitungen verschlofsen haben. Begreiflicherweise! Denn die Aufsätze, die der berühmt« Theoretiker deS Sozialismus, der vordem gerade von den Radikalen fast für unfehlbar erklärte imsien schaftliche Verfechter marxistischer Lehren, jetzt im„Kampf" und in der Wiener„Arbeiterzeitung" veröffentlicht, sind jeder ein Keulenschlag gegen die konfuse»nwahrhaftige Politik der U. S. P. Kautsky hat nach dem Crispien-Brief an Müller der Leichtfertigkeit, mit der die Unabhängigen errungene Machtpositionen preisgeben, Worte schärfster Kritik gewidmet. Er hat den Mut gehabt, offen gegen den Mißverstzand oder die Demagogie derer anzukämpfen, die so tun, als wäre es für sie eine Kleinigkeit, die ganz« kapitalistische Wirtschaft sofort in eine sozialistische zu verwandeln. Er hat in einem „Kampf"-Artikel, den wir am Sonntag auszugsweise per- offentlichten, noch einmal mit der Fackel der Kritik in die dunklen Jrrgäng« des Diktaturaberglaubens hin- eingeleuchtet und ausgesprochen, was für jeden Sozialdem«- kraten eine Sekbstverständlichkeit, für den U.-S.-P.-Mnnn aber schlimmste Ketzerei ist— daß es für den proletarischen Klassenkampf keinen günstigeren Bad« gibt al» den der Demokratie. In einem Artikel„Klassenkampf und Koali- t i o n", der in der Wiener„Arbeiterzeitung" vom 18. Juni erschienen ist, setzt sich nun Kautsky mit der Koalitionsfrage auseinander. Sein Artikel ist die schlagendste Widerlegung all der Albernheiten, mit denen die unabhängige Agitation gegen die grundsätzliche Stellungnahme der Sozialdemokrati- scheu Partei vorzugchen liebt. .KautSky wendet sich gegen iene Unabhängigen und Kommunisten, die es als einen Verrat an den sozialistischen Grundsätzen, als ein Aufgeben des Klassenkampfes betrach- ten, wenn sich eine sozialistische Partei mit Bürgerlichen in einer Regierung koaliert. Er schreibt dazu: Diejenigen, die jede solche Regierung von vornherein als elenden Verrat brandmarken, scheinen anzunehmen, dieser Verrat sei so offenkundig, daß er irgend eines Beweises nicht erst bedürfe. Mir ist wenigsten« kein Versuch bekannt, die»bsolute Verwerflichkeit jeglicher Koalitionsregierung eingehend zu be- gründen. So viel ich weiß, begnügt man sich einfach damit, ans die Prinzipien des Klassenkampfes und Klaffen- gegen fatzes hinzuweisen, die ein Zusammenwirken mit dem Klassengegner ausschließen. Jede derartig« Zusammenarbeit bedeute ein Aufgeben doS grundlegenden Prinzips de« Klassen- kämpfe?. KautSky weist dagegen darauf hin, daß die Lage im poli- tischen Kampf nicht so einfach ist, da die Welt der Bourgeois wiederum in zahlreiche, gegensätzliche Klassen zerfalle. Darum habe Marx auch stets die Auffassung Lassalles abgelehnt, daß dem Proletariat gegenülier alle anderen Klassen„eine reak- tionäre Masse" seien. Er erinnert an die Parteidifferenzen, die es schon früher gab. wenn es galt, sich bei Stichwahlen zn entscheiden oder eine freiheitliche bürgerliche Regierung gegen eine reaktionäre Opposition zu unterstützen. Er erinnert weiter an die von ihm beantragte und angenommene Pariser Resolution von 19Wl über den Ministerialismus. die den Ein- tritt einzelner sozialistischer Minister in eine bürgerliche Re- gierung als„ausnahmsweisen Notbehelf in einer Zwang?- läge" zuließ. Guesde hat damals diese Resolution bekämpft und sie später übertreten, als er selber 1314 Minister wurde. Kautsky hält seine Auffassung von damals auch heute noch für zutreffend. Er sagt darüber: Nach wie vor halte ich ein Zusinn irre narbei ten von Sozialisten mit bürgerlichen Elementen in einer Regierung für ein gefähr- licheS Experiment, das man auf keinen Fall suchen, son- dein viiilmehr nach Tunlichkeit meiden soll. Doch zeigte mir die historiische Erfahrung und da? Durchdenken aller künftigen Mög- lichkoiten, baß Zwangslagen eintrete» können, in denen für eine sozialistische Partei die Zusammenarbeit mit bürgerlichen Ele- mentrn in einer gemeinsamen Regierung da» fleinere Nrbel»ur Abwehr größerer wird. Durch die Flucht zum„Rätesystem" könne»t»n diesem Zwang nicht entgehen: In Westeuropa ist eine Rätediktatur heut« nicht«ehr mög- lich; findet hier ein sozialistisches Regime nicht eine Mehrheit sozialistischer Wähler hinter sich, dann muß eS, will eS nicht ab- danken, sich zu einer Koalition verstehe«. E-in« solche wird möglich mit Elementen, die zum mindesten«in Interesse antzer De- mokratie, an der Zurückd rängung der Herrschast tyc Stzuoeau- tik bekommen aucki wir unseren lebhaftesten Tadel. Nach Mei- nung der„Post" ist das Chaos das uns erwünschte Ziel: Niemals ist außer der Sozialdemokratie eine andere Partei in Deutschland mit gleicher Frivolität den nationalen Staatsnotwendigkeiten gegenübergetreten. Hier offenbart sich der Geist dieser Partei, wie er in den letzten Kriegsjahren unbekümmert um da? Vaterland die Heimat zermürbt und uns in frevelhaftem Parteiintereffe vor den Tisch von BersailleZ gezwungen hat. Di« neue Quertreiberei der Sozialdemokraten wird ihnen nicht vergessen bleiben. Dieselbe Partei also, die sich nach Meinung aller Deutsch- nationalen und Tchwerindustricllen als vollständig unfähig zur Negierung gezeigt habe, die weiter nichts getan hat als „die Schiebenvirtschaft großzuziehen", deren Führer sich angeb- lich bereichert haben und in Saus und Braus leben, dieselbe Partei wird nun getadelt, weil sie bei der Regierungsbildung Gewehr bei Fuß stehen will. Sic kann es den Tcutschnatio- nalcn also niemals recht machen. Daß die„Deutsche Tageszeitung" in daS gleiche Horn bläst, ist bei ibrer Scclenverwandtschast mit der„Post" selbstverständlich. Ammerhin liest die„Tageszeitung" den.Demo- traten noch mehr den Text als den Sozialdemokraten. Tie kann daS Verlangen der Demokraten absolut nickt begreifen,, das von der sozialdemokratischen Fraktion ohne weiteres ein VertrauenSvotUtn für die Regierung Fehrenbach fordert: Die Demokraten haben doch wohl gewußt, was die ganze Ocffentlichkeit weiß, daß die Sozialdemokratie die Be- ! e i I i ff u n g an der Regierung für den Fall einer Mitheranziehung der Deutschen Volkspartei grundsätzlich abgelehnt hat, durch ihre Fraktion und durch ihre Parteikonferenz. Sie hätten sich daher immerhin sagen' können, daß damit a'uch die Möglich- keil beseitigt war, ein sozialdemokratisches Vertr«uens- vvtum für ein Kabinett mit volksparteilichem Einschlag zu ver- langen. Sic scheinen aber— da? ist noch die wohlwollendste Bcur- teilung ihrer jetzigen angeblichen Ilcberraschung— über den Plock- verhandlungen der lctzwn Tage diese«infachen Konse- q u e n z e n aus der ganzen Anlage der sozialdemokratischen Politik übersehen oder vergessen zu haben. Sonst könnten sie die Weigerung der Sozialdemokratie, einen logischen Salto Mortale zu, begehen, nicht als eine neue Situation bezeichnen. Die„Bossische Zeitung", die von ihrem„auch-demokrati- scheu" Standpunkt ans mit derselben Wärnie und Inbrunst wie die Stresemänner und die Westarp? für„Fachminister nno Wirtschaftspolitik" eintritt, findet die Verstimmung der demokratischen Fraktion begreiflich, weil sie angeblich Zu- geständmsse der iozialdeniokratischcn Fraktionsführer erhalten habe, die weit über das hinausgehen, was die Fraktion beschloß. Aber, so fährt sie fort: Dre B e r st i in m u n g i st kein politischer Grund. Wenn die Sozialdemokraten eS für richtig halten, in einem Augen- blick der schwersten Gefährdung von Land und Volk p a rt c i e g o- i st i s ch e Sonderpolitik zu machen, so mögen sie die Verant» wortung tragen, wenn sie können. Di« Leute, die jeden Tag einen Rechtsputsch an die Wand malen, bereiten selbst die Gegenrevolution vor, wenn sie durch ihr Vcrbalten. durch ihr Nichtwollen inid Nichtkönnen den Glauben dem Volt erschüttern, daß die Re- publik und die Demokratie seinen Lebensintcreffen entsprechen. Diese unfre-i willige Propaganda nützt den Monarchisten mehr als ihre eigenen Anstrengungen. Je länger die Krise dguert, desto größer die Gesahr nach innen und außen. Da? demokratische„Berliner Tageblatt" beschäftigt sieh in einem Leitartikel mit den Ausführungen deS„Vorwärts" über daS Verhalten der Demokraten und meint, diese konnten imi so mehr ein Vertrauensvotum der sozialdemokratischen Fraktion erwarten, als sie„von den führenden Sozialdemokraten dringend gebeten worden find, in die Regierung mit der Deutschen Vol�' Partei einzutreten. Gewiß, die führenden Sozialdcmo- kraten haben, wenn die Frage auf das Vertrauensvotum kam, erklärt, sie könnten sich noch nicht verpflichten, sie müßten erst die FraklionSsitzung abwarten, aber sie haben versprochen, ihren ganzen Einfluß für die Gewährung de? Vertrauensvotums auszubieten, ihr möglichstes zu tun". Das„Tageblatt" meint, daß die Fübrcr„unter den Rede-' ergüssen derjenigen, die unermüdlich den Anschluß an die Unabbängigen suchen, schnell matt geworden" seien und es jetzt für loyal hielten, sich so zu stellen, als bättcn sie nie etwas anderes gesagt. Zum Schluß versichert dasJÖlatt indessen, daß die Deutsche Demokratische Partei den sozial- dcmokraten nicht nachlaufe. Aber wenn die Sozial- dcmokratie nicht nur an ihre Partcimtcressen denke, wenn sie nicht die von ihr so oft bemängelte unfruchtbare D e in a- gogie der Unabhängigen nachahmen wolle, dann müsse sie dafür sorgen, daß für die Regierung eine genügend starke, nach innen und außen hin eindrucksvolle Majorität entsteht. In besonders aufgeregter Weise beschäftigt sich der Abgc- ordnete Gothcin in der„Nationalzeitung" mit dem Be- schluß unserer Fraktion. Er bezeichnet diesen Beschluß wiederholt als„unerhört", versichert, daß eine große Po- litische Partei Pflichten nicht nur gepe nicker ihren Wählern, sondern auch gegenüber der Allgemeinheit habe, mw daß diese letzteren Pflichten durch die sozialdemokratische Fraktion auf das gröblichste verletzt würden. Wenn die Sozialdemokratie der Rcgiening Fcbrcnbach kein Vertrauen aussprechen wolle, so müsse sie selbst die Regierung bilden. Es gehe nicht an, daß die stärkste Fraktion des Reichstags jede andere Regierung unmöglich mache, sich selbst aber davor drücke. Das sei Sabotage des Parlamentarismus, des demokratischen Systems, zu dem die Sozialdemokratie sich noch im Wahlkampf bekannt habe. Gothein erörtert dann die Möglichkeit einer Regterung aller bürgerlichen Parteien unter Heranziehung auch der Deutschnationalcn. Er erklärt diesen Weg für die Dcmokraten von vornherein für ungangbar aus inneren wie ans äußeren Gründen: Wenn eine mit den Tcntschnationcr!:n gebildete Regierung nach Spa geht, so ist da? Wasser aus die Mühle der M i l l e r a n d und F o ch. Dann haben Ivir dort statt einer Mil- derung eine Verschärfung der Friedensbedingungen zu erwarten. Eine solche Lektion wäre wohl den Schreiern von rechts zu gönnen, die nun einmal zeigen müßten, wie ihre Poliiik� praktisch völlig versagt. Aber das ganze deutsche Volk, die Existenz unsere? Vaterlandes wird davon aufs schwerste bedroht. Gegenüber dienen demokratischen Klagen und Vorwürfen nimmt sich ein Leitartikel der„Freiheit" ausnahmsweise ver- ständig auS. Er betont, daß sich keine Partei ans irgendeine Dauer da? Recht nehmen lassen kann, gegen eine Regie- mng zu stimmen und wenn sie Montag daS Vertrauen hat, Dienstag ihr ein Mißtrauensvotum zu geben: Die bürgerlichen Parteien haben nicht nur jeoe rein so- zialistijche Regierung für unmöglich erklärt, sindern auch alle einzelnen sozialistischen Maßnahmen»er- hindert. Unter diesen Umständen müssen sie schon zeigen, wie sie Deutschland ohne sozialistische Methoden aus büxgerliche Weise regieren wolle». Aber siehe da, die Herrschaften, die nicht genug ihre geistige, sachmämüsche und politische Uebcrlegenheif über den Sozialismus betonen konnten, demonstrieren nur das eine deut- lich, vaß sie jeden Tag nach neuen AusflüchteA suchen, um nur den Beweis ihrer Fähigkeiten nicht erbringen zu müssen. Dieselben Gründe, die die Demokraten veranlassen, eine Koalition mit den Deutschnationalen abzulehnen, haben unsere Partei bekanntlich voranlaßt, eine Koalition mit den ebenso kriegshetzerischen Deutschen Volksparteilern nicht einzugehen. Und es ist sckon recht, was die Reaktionären den Temokraten sagen, daß inan einer Partei, mit der man nicht zusammen in einer Regierung sitzen will, auch nicht das Vertrauen'ns- sprechen kann. Nichtsdestoweniger hat die Sozialdemokrat' keinen Zweifel gelassen, daß sie der Regierung Fehccnbach nicht von vornherein Schwierigkeiten bereiten will, schon um die Verhandlungen in Spa zu ermöglich.». Darüber hinaus ka»n die Sozialdemokratie nicht gehen, und die Verantwortung für die Verlxindlungen mit der En- tcnte müssen nun schon die bürgerlichen Regierungsparteien selber trage«. krackie kirch die SeWstverwvltuAg.«TS die kapitalistischen, also zum Beispiel den Vauev« für d« gieich« Menyi tandlicher Produkte mehr indu- j: riefte Skate ali«Hede« lieser«. ttuch etoe solche.Koalition«>irt>>«'>«« ihre gr»ßen Män- g e l Hab«,, wirft noturtich nie für da« Proletariat soviel leisten tön- nen wie dessen Alleinherrschaft. Aber wenn diese nicht möglich tsl, oder nur in Formen, Die da? ökonomische Leben ruinieren und � n5 Proletariat«19 Herrschemde Klasse korrumpieren— und da? tut«als die Daner jede schrankenlose Gewaltherrschaft—, dann bleibt nur die Koalition al? kleineres Rcbcl übrig, wenn der völlige Verzicht»nf die Macht da? größere wäre. KmetSky fübrt dann weiter sehr treffend an?, daß die Ar- heit in einer Koalition an die beteiligten Sozialisten d i o fl ochsten Anforderungen stelle. Ob die Tätigkeit unserer Genossen in der Regierung, denen wir für ihre hin- gebende Arbeit Dank schulden, immer diesen Anforderungen entsprochen hat, sp.tzt hier nicht zur Diskussion. Kritik an ihr i'i ja auch au? der Sozialdemokratischen Partei selbst geübt worden. Diese sozialdemokratische Kritik unterscheidet sich ober von der unabhängigen grundsätzlieb dadurch, daß sie die Art der Ausführung im einzelnen tadelte, nicht aber die Papa- geicnphmse nachplapperte jede Koalition sei„Verrat an den Grundsätzen de? Sozialismus",„Aufgeben de? Klassen- kämpfe«". Wo immer man un« mit solche« leeren Redensarten kommt, werden wft im? zu ihrer Widerlegung auf die Aus- siihrungen eine? so gennegken Theoretikers de? Sozialismus. eines so erfahrenen und erprobten Vorkämpstrs der Arbeiter- lewcgunz wie Karl KautSky berufen dürfen. Zu dem Artikel KautSkyS„WaS nun?" schreibt da? Gerasr unabhängige Blatt: Sein Artikel ist»IS Ganzes betrachtet und selbst wenn-r in Qesterreich geschrieben«ntrde, eine Preisgabe der Unab- hängige» Sozi«Idetns?ratte zugunsten der Rechissistialisten. Die Partei wird früher oder später genötigt sein, sich mit dem Verhalte« KautSkhS, der ihr während der Revskutton bei alle« großen Entscheidungen i» den R ü u c n gefalle» ist, den RechtSsoftialiste» und dem Bürgertum die billigsten Argumente gelieserl hat, eingehend zu beschästtgen. Im Interesse der Klarheit»>är« e» besser,»enn KautSkh dar- au? die Kvniequenzen zöge und f» die Partei Ednord Bernstein? einträte.... C-S märe darin nicht mehr möglich, daß Kerit.Siy ei? angeblicher Vertreter der lt. S. P, zu deren ge- häsiiger Bekämpfung Argumente liefern köimte. Da? hätte sich auch kürzer fassen lassen, z. B.:„Schratnm ab!"„Mach dich dünne!"„Tort Hot der Zimmermann das Loch gelassen!" ES ist aber auch so deutlich genug und chübsch gesegt. Der wiöerhall. Blätterstimme« zur MegicrungSkrisc. Die politische Lage hat sich durch die Stellungnahme der zzialdemokrgtischcn Fraktion ganz zusehends verwirrt. Diese Verwirrung findet in der bürgerlichen Presse ihren ehataktm- Äschen Ausdruck. Sowohl die demokratischen als die reaktiv- tären Blätter schelten auf die Sozialdemokratie, ie nur parteiegoistische Ziele verfolge. Die reaktionären per- öhncn danefien ftie Demokraten, die sie.«!» politische Kinder initollm. So z. Y. sagt die„Post": Sie tu« so,«lz wenn ihnen die«o»z« Wenbit»« überraschend ime. Wer«der»ur ein weniz politische? Urteilsvermögen besitzt. at von v»r»herein«iffen müssen, daß die Sozialdemokratie algerichtiA Oemäß ihrer Gisamtbaltung in den Krisenlagen i dem Gestrige» vntsch.üß ffel«n>t ist. Trotz dieser Folgerichtigkeit der soziakdemokmtischon Poli- Der§achmensth. Von Paul v» t m« n». «efU« Prührct der GiiellichcisttftentwilMuxG«ar der«in- � stre MeMsch«fte». Cr war Jäger, Fischer, Zinontmmaitn, Stein- :tz, Siichdecst»»ltzyer in Fragen der«ngeiet» Aemeinschasi, RechtK- «diger. lvei«»-tt«»em Fortschreiten sonverte» sich die Berufe, i« der ve�ihasti-gkeit der Beoolieraing mehrten sich die Bedürfnisse, d ma»«ntfteckie. daß es»»ueilhafter sei, Guben gege» Gaben tausche». Aber im einfachen Menschet», dem Lrmdrnann, dem «letarter, ist diese»rsprüngUche Beschoffercheit seiner Natur noch mar k«be»v�, ebenö, wie im Kint>. da« i« seiner frischen Leb- ckigkeit. mmr.:; e»«Ie äußer>n Eindrücke in sich aufnimmt, noch i primittve» Bild de?«niversellen Menschen darstellt. Der Krieg, f« ffew-.tlksa«ne Rückkchr zu roden tlrMstsinbe», w» der«inGeln« tfig zsnz«dein«nf seine Fcthigleide»«ngewiese» ist, hat ge- zi,«ulche Fülle üverraschemder Begobmagen im M<»nn«ruS dem ike steckt. Ueber aiele fconn das feefreienbe Gefühl, der unnalär- en Eng« bei BerasS entronnen und auf die ursprünglichen iiste gestellt zm sein. Denn auf alle» Berufen lag der jähr- nie alte Eiaub der Gemohnlwt. Der einzelne halte nicht mehr i beglückende Geküsff, Schöpfer zu sei«, wie der Urmensch oder ■ Künstler, der schwer für sein« Freiheit büßende Wildling der stigen Gesellschaft. Die Eignuerg für«inen bestimmten Beruf : ja nichts anderes«is die Marivneltensch-nur, woran da? In- chmim sich Kappelns bewegte. Di« Grenzen wulden vo» Jahr zu i' fr enger Gey«ge>t, der Blick für dir Umwelt mwer mehr«inge- tänll. DaS ltcbevoll« Vielehe!« auf den Mitmenschen war für ; i Erwachs«»en Verl»«». So starn«S, daß jeder«iiigriee mehr«der mi»d«r er» beruflich jst qualifizierter Idiot«nirde. Universalität galt als minder- -tig. Ma» erinnert sich noch jenes Staatsanwalts, der im Leip» er Gitttichkeitsprozitz Gegen naturalistische Dichter die beleidigte »ge siektet„Hebbel, xta wohnt ftenn der Mann?" Fachmenichen r:tih«9, die»nS den ll-B»»i-Kr'!tg auf fton Hal« luden, politische ch!»ä»»»er, d»« ihtten blind»ertrauien. Ter Gymnasiallehrer, ': Vm heute n»ch ein» groß» Zahl»ertritt, ist in fast allen Fragen, cfüßerhn® feinet» engen Horizonts liegen, ei» Monstrum an wisse»heit, Bleichgültigteit, Feindseligkeit gegen da? Werdende. V.n Fc»chme»sche» weiden Fach«nenschen gezüchtet, und so die An- �»örigen der bisher herrschenden Jntellrgenj einer immer fort- teilende« Bevblöd»ng«udgelresorl. Sllft ftie Nevotutioii ausgebrochen>v«, da Gin« ei« befreiender i.. ftstro« durch di» d««tscheit Lande. Di« Demackrat-i«, die Haupt- jlich ftKtch die MehrheitSfozialiften vertreten war. brachte inner in die R«»er,n� die nur durch öftre überragende Tatkraft ;. d Jnteftiq«» sich choen Wes, gebahnt hatten. Die ursprüngliche .«tfnttog schien eine» Sieg über daS verheerende Prinzip des aus- ! steßliche« Menschentums errungen zu haben. In Frankreich, in glandj r» Amerika wurde ja seit langem der Mensch nach seinen türliche« Fähigkeiten und Leistungen bewertet, aber in Deutsch- ' wo die höhe« Bildung vor allem zur Aufrechterhaltung von • iffc/nprtchsefli«« fttente, galt nur der abgestempelte Fachin em'ch, :««ch Ayftjeichtuntäe« haschende Sklave der Autooität. Aber dieser Sieg de? demokratischen Gedanken?, fand hämische Ber- svottung, pöbefttasteste Begeiferung und rief alle dunklen Kräfte der Roaksio« zur Ilbtrechr zuscanmen. ES sammelte sich alle Welt gegen die Demokratie in dem einen Ruf nach Fachminiftern. Diese schein- bar ideale und unverfängliche Forderung der Kapv-Putschistcn. waS ist sie andere» als der Schrei nach der Wiederausrichtung von Privilegie»? Unter dwi geistigen Berufes deren Vertreter nicht Fachmenschen zu ietn brauche«, ja. nicht Fachmensche» sein dürfen, stehen obenan der Schriftsteller und der Künstler. Solange noch das Bedürfnis nach der uvgehemmtcu Bekundung der Wahrheit aus innerstem Drang vorhanden ist, solange wird man diese beiden Repräsentanten der Menschheit nicht missen können. Sie sind die leuchtendsten Be- weise dafür, daß alles Schöpferische au? dem unbewußten Urgrund der Menschennatur bervargeht. Sie find, im Vergleich zu den an- deren Berufe«, Dilettanten, Liebhaber ihrer Sache. Die Wertung dieser freien Berufe, die in Deutschland lange nicht aus der Höhe steht wie i« älteren Demokratien, spricht zugleich die Hochschätzung des Fachmenschen cm?-. Der Dichter oder Philosoph in der wallen- de« Toga, diese verlogen« Fdcalftgur des deutschen LberlehrerS. ist dazu bestimmt, den lebenden Kämpfer für Wahrheit und Recht herabzudrücken. Aber ihr Lobredner des Alten, habt ihr nicht Kant zum Widerruf cruicdrigt, Fichte aus dem Amt gejagt, versteht ihr etwa den großen Relbcllen Schiller, den erhabensten aller Revo- lutionä« Goethe? Aualphabeteu der Statistik, bramarbasierende Literaturprofessoren, trabende ZirkuSgäule irgendeiner gleichgültigen Disziplin sind eure Sehnsucht. „Du kerkerst den? Geist in ein tönende? Wort, Doch der frei« wandelt im Sturme fort." D«S Theater in der Svwjet-Rcpublik. Ueber die gegenwärt!- gen Verhältnisse im Alexandertheater in Petersburg, der aitbc- rühmten Pflegestälte russiscker dramatischer Kunst, entnimmt die „Franks. Ztg." dem finnischen„HufvudsstadSbladet' wisienswertc Einzelheiten. DaS Theater untersteht der Leitung von drei aus der Künstlerschaft hervorgegangenen Personen. Der Spielplan trägt im allgemeinen noch denselben Charakter wie zur Zeit des RevolutionSauSbrucheS. Seit dem großen politischen Umsturz ist nur eine einzige Erstaufführung üoer die Bühne gegatigsn. Ais- mannS Stück:„Der lichte Gott". Es blieb aber ohne dauernden Erfolg. Ausgesprochen kommunistische Partcistücke finden keine Aufnahme. Solche werden indessen von der Arbeiterschaft in eige- neu Veranstaltungen viel ausgeführt. Jedenfalls steht da? Alexan- dertheater auch heute noch aus einer solchen künstlerischen Höhe, daß die Theaterleitung die Vorbereitung euroväischer Gastspiel- reise» ins Auge gesaßt hat. Das Alexandertheater ist für das Publikum allerdings nur zweimal die Woche geöffnet. Dafür stehen die Künstler an den übrigen Abenden zu Vorführungen für die rote Armee und Gewerkschaften zur Verfügung. Die Aufführungen für die rote Armee baben für die Künstler- schaft den Vorzug, daß sie hierdurch ihre LebenSmittelanteile von dem siebenten Armeekorps beziehen können, wodurch sie weit besser gestellt sind als die meisten Einwohner der Newastadt. Die Ge- hälter bewegen sich je nach Leistung und Alrersstufe zwischen 5003 und 15 000 Rubel im Monat. Mit diesen Beträgen auszukommen, ist bei der Höhe der Lebensmittelpreise allerdings unmöglich. So bezahlt man in Petersburg für ein russisches Pfund Butter(400 Gramm) etwa 3000 Rubel, die gleiche GewichtSmengh Zucker Z500 Rubel, Schweinefleisch 1800 Rubel. Grieß 600 Rubel usw. Tagegen erhalten die Schauspieler aus Grund ihrer Mitarbeit in der Armee jeden Monat kostenlos folgenden Anteil: 18 Pfund Roggen- mekst, 12 Pfund Brot, 554 Pfund(Schweinefleisch, 4 Pfund Grieß, 1 2 Pfund Zucker. 2 Pfund Cel, J-s Pfund Seife, 4 Schachteln Streichhölzer usw. Ter Kampf um die schwarze Liste. In dem Prozeß de? Dr. Robert gegen die Bühnengenossensihaft. oie ihn bekanntlich aus ihrer schwarzen Liste iührt. tvurde am Mittwoch nach mehreren, zum Teil dramatisch belebten Terminen vom Landgericht l das Urteil gefällt. Das Gericht kam zu der Erkenntnis, daß der Bühnengeitossenschaft aus den angeblichen Verfehlungen Dr. Roberts nicht das Recht erstand, ihn auf die schwere Warnung?- liste zu setzen. Die gegen die Bühnengenossenschaft erlassene einst- weilige Verfügung besteht daher zu Recht. Wir können hier die Berechtigung der gegen Dr. Robert cr-- hobenen Beschuldigungen nicht im ein-elncn nachprüfen, aber d'e Genossenschasl hat jedenfalls im Interesse ihrer Mitglieder ia handeln zu müssen geglaubt. Bezeichnenderweise war der Hauw- belastungSzeuge rechtzeitig umgrtallen. Die berufene Vertretung der Bühnenkünstler wird auch in Zukunft auf die Wafte d-r schwarzen Liste nicht verzichten können. Ihre gewerkschaftliche Taktik erscheint manchen Kreisen, nicht nur den Bübnendiktawren, unerhört; leider ist auch unter den Künstlern selbst noch nicht immer daS richtige SolidaritätSgefühl vorhanden. Tie GobelinauSstellung in Wien. In den Prunkräumen d-S oberen Belvedere'chlosscS in Wien ist eine Ausstellung von Taoisse- rien aus ehemals kaiserlichem Besitz eröffnet, die in ihrer Reichhaltigkeit und Kostbarkeit ihresgleichen fucktt. Ter Hanvtterl der mehr als 900 stücke umfassenden Sammlung war bislang in Schönbrunn verwahrt und nie gezeigt worden. Durch Meister- werke höchsten Ranges ist die niederländische und französische Bild- Wirkerei des 16-. 1'- und 18. Jahrhunderts vertreten, namentlich die Brüsseler und Pariser Ateliers. Die meisten Tavisserien sind erhalten unfo feuchten in ihrer ursprünglichen �aröen- Pracht.. Tie JnSttellnngj gewährt in ihrer sorgfältigen Auswahl cm amchauliches Vtld der Entwicklung diese? KunstzweigcS. Ein Denkmal für Bertha von Suttner. Bertha v. Suttner. die am 25. stuni i9I4, kurz vor Kriegsausbruch, in Gotha ver- brannt wurde, toll dort nach der Absicht der Friedensgesellschaften ein großes Denkmal erhalten. Tie Gothaer Stadtverwaltung ist gebeten worden, die Atche aufzubewahren, bis aie Friedensgesell- 1 chaften aller Länder näheres beschlössen haben. ®lts Neue Zcntraltbe«tcr in der Kowmandanterttraße VIciM vomier. tag und(jecitag wegen Borbercitung der Premiere ge- ifljloiiCn. föcjfcrärfj tnU Fränlein HanS ReimannS 5eipziaer„Drache" entwirf� soigende Cbarakterjüit deS gemeinten Gesprächs und Fräuleins: Wenn fie von Pmlosvphie redet, meint sie ieruelle Probleme. Wenn sie von Eoetbe spricht, meint iie Wedcklnd. Bcnn sie von«reihest i.ttcht, meint sie Nacktheit. Wenn sie von Liebe spricht,»eint sie Sinnlichkeit. r klr. 316 ❖ 57. Jahrgang Beilage ües Vorwärts donnerstag, 24. Fun! 1926 Das öerliner öetriebsräteelenö. Von unfmn Genossen aus dem Betriebsrätesekretaiat jvsrd uns geschrieben: Seit sechs Wochen schweben Verhandlungen zwischen den Vertretern der S.P.T.- und U.S.P.D.-Vetriebsräte und der Getverk'chaftskommission zwecks Zusammenfassung der Betriebsräte in eine freigewerkschaftliche Zentrale. Veranlaßt wurden die Verhandlungen nach dem Kapp-Putsch durch den dringenden Wunsch der Betriebs- räte beider Richtungen in den Betrieben sich untereinander zu verständigen. Die Vertreter der S. P. D. ergriffen sofort die Gelegenheit und verhandelten mit Vertretern der U. S. P. D. in der Münzstraße. In dieser ersten Verhandlung enthüllten nun die Ver- treter der Münzstraße reftlos ihre Pläne, deren Verwirk- lichung neue Zersplitterung und Zersetzung in die gewchck- schastlichen und politischen Organisationen der Arbeiter hineintragen müßte. Ma l z a h n führte den Vorsitz und erklärte die Stellung- nähme der Betriebsrätezentrale in der Münzstratze. Sein Vorschlag ging auf Schaffung einer neuen Betriebsräte- > organisation hinaus. Mitglieder dieser Organisation sind alle auf Grund des B.R.G. gewählten Betriebsräte. Diese Organisation muß in ihrer Bewegung gegenüber den Ge- werkschaften völlig frei sein. Die Grundlage der Selbständig- keit wird durch die Erhebung von Beiträgen der Anhänger der neuen Betriebsräteorganisation gewährleistet. Wenn der Aufbau der Organisation fertiggestellt ist, wird mit den Ge- werkschaften über die Abgrenzung der gegenseitigen Tätigkeitsgebiete verhandelt. Das Weiterverhandeln wurde von den Vertretern der S. P. D. sofort von der �Hinzuziehung der Vertreter der Ber- liner Gcwerkschaftskommission und der Afa abhängig gemacht. Dieses selbstverständliche Verlangen wurde zunächst von ollen Vertretern der Münzstraße hartnäckig abge- lehnte Es müsse erst der organisatorische Aufbau der Be- triebsräte vollendet sein, dann erst könne-mit den GeWerk- schaften über die Feststellung der Kompetenzgvenzen verhan- belt werden. Dabei müßten Kompensationen gegeben sein. um die Gewerkschaften zu zwingen, sich der Betriebsräte- organisation anzupassen. Als Grund der Abneigung gegen die Gewerkschaften tmirde das Versagen aller Gewerkschaftsinstanzen ange- ' führt. Die Gewerkschaften, durch ihren riesigen Apparat zu schwerfälligem Verhalten verurteilt, wären völlig unfähig, die großen Aufgaben, die der Fortschritt der sozialen Revolution stellt, zu bewältigen. Der drängenden Notwendigkeit der Zusammenfassung aller"Hand- und Kopfarbeiter zu großen Industrieorgonjsationen stünden der Partikularismus und nackte Egoismus der Gewerkschaftler, auch solcher, die voll- ständig aufdem Boden derU. S. P. st ehe n, entgegen. Nach stundenlangem Verhandeln erklärten sich schließlich die Vertreter der Minzstraße bereit, die Gewerkschaftskom- -uission teilnehmen zu lassen. Um die Verhandlungen nicht heitern zu lassen, mußten wir auf die Beteiligung der Afa, .wen Führer als ganz reaktionär und rückständig bezeichnet wurden, verzichten. In den darauffolgenden Wochen fanden dann lang- nsierige Verhandlungen statt, die immer wieder von den Ver- i/etern der Münzstraße durch zähes Festhalten an ihren alten Plänen, wenn auch in verschleierter Form, hinausgezögert wurden. Die Frage, die den schwierigsten Gegenstand der Vorhand» lungen bildete, war die Finanzierung. Die Gswerk- schgstskommission schlug vor, pro Mitglied und Jahr 1 M. auf dem Wege des Umlageverfobrens von den Berliner Ge- werkschaften zur Verfügung zu stellen. Ueber die Verwen- dung dieser Gelder, 200 lXX) M. pro Quartal, verlangte aber die Gcwerkschaftskommission restlose Kontrolle. Die Vertreter der Zentrale verlangten die Aufbringung der Mittel durch den Vertrieb von Rätemarken, heraus- gegeben von der neuen Betriebsrätezentrale und vertrieben durch die Berliner Gewerkschaftskommission. Den Unorgani- sierten soll dadurch Gelegenheit gegeben werden zur Finon- zierung der Zentrale beizutragen. Diese Gelder müssen dann i zur freien Verfügung ber_ Betriebsrätezentrale stehen. D i e Unorganisierten! Seit dem ersten Tage ; der Verhandlungen vertraten die Vertreter der S. P. D. den i Standpunkt, daß für die Zusammenfassung und Delegation � in die Generalversammlung nur f r e i g ew e r k s ch a f t- liche Betriebsräte in Frage kommen könnten. Die Zu- lassung Unorganisierter zur Generalversammlung und der Vertrieb von Rätemarken unter Unorganisierten bedeute geradezu ein� Prämie für gewerkschaftsfcindliche Tendenzen und Förderung der Indifferenz unter den unorganisierten Massen. Alle Hinweise auf Unorganisierte, die in der Ber- öezirkstag für Groß-öerlin. Aus einstimmigen Veslbluß de? Besirk?vorstnnde§ findet der ordentliive Bezirkstag der S.P.D. Groß-Berlin für da? Geschäfts-- jähr IfUS/LO am Sonntag, den 8. August, vormittags O Nhr in den Germania-Ffestsälen, Chauffeestr. litt statt. Vorläufige Tagescrdnung: t. Geschäftsbericht des Bezirksvorstandes. 2. Kassenbericht. 3. Die Neuorganisation de» Bezirksverbandes und Beschlußfassung über das neue Organisationsstntut. 4. Wahl der Vorsitzenden und der Schriftführer des Bezirks- Vorstandes, sowie der ö Revisoren. 5. Erledigung der sonstigen Anträge. Die Parteigenossen werden ersucht, zu der Tagesordnung Stellung zu nebmen. Der Entwurf de? neuen OrganisationS- statutS wird den OrtSvercinen rechtzeitig zugchen. liner Rätebewcgung des letzten Jahres eine große Rolle ge- spielt und mittlerweile, wie die„Freiheit" feststellen mußte, als P o l i z e i s p i tz e l entlarvt worden sind, prallten bei den Vertretern der Münzstraße wirkungslos ab. Trotz all dieser Gegensätze schien in der letzten Zeit eine Einigung doch noch möglich. Malzahn erklärte in der vorletzten Sitzung, daß an der Frage der Finanzierung die Einigung schließlich nicht scheitern würde. Eine scharfeJBen- dung nahmen dann die Dinge in der letzten Sitzung mn Sonn- abend. Richard Müller, der nur an der ersten Sitzung mit teilgenommen hatte, mittlerweile aber aus Stuttstart zurückgekehrt war, erklärte, pochend aus seine 20 000 Berliner Betriebsräte, die er angeblich in der Hand haben will:„Wenn die Gewerkschaftskommission die Geldfrage so regeln will, dann machen wir nicht mit." Um dem ganzen Skandal noch die Krone aufzusetzen, ver- anstalteten die Vertreter der Münzstraße hinter dem Rücken der S. V. D. und jedenfalls auch der Gcwerkschaftskommission sogenannte Vollversammlungen der Jndustriegrnppen und verbreiteten die Unwahrheit, die Einigung sei perfekt und sie seien berechtigt, die Delegiertenwahlen zur Gcneralversamm- lung vorzunehmen. Fertige Listen der Delegierten sind zur .Hand, und einS. zwei, drei, eine„Generalversammlung der Betriebsräle" ist fertig, die heute schon stattfinden soll, in der dann fürchterlich drohende Beschlüsse gefaßt werden, be- stimmt, der Gewerkschaftskommission den Revolver auf die Brust zu setzen, um zu erzwingen, was zu erreichen durch loyale Verhandlungen nickst möglich war. Wie lang? noch will sich die Berliner Arbeiterschaft dieses Treiben gefallen lassen? S. P. D.-Betriebsräte, soweit Ihr durch die unwahren Mitteilungen der Vertreter der Münzstraße irregeleitet seid, bleibt diesen Versa m in lungen fern! a.'.— HroMerlm Das Fräulein vom fimt spricht. Tic Ursachen der falschen Verbindungen.— Die Fehler des DicnstleitungSsystrmS.— Tie Unzufriedenheit mit der»ciHM ZahlcuauSsprache. Eine Berliner Fernsprechbeamtin äußert sich ouS ihren Erfahrungen heraus in dem folgenden Artikel zu dem vor kurzem hier angeschnittenen Thema: In erster Lmie ist die Ursache der falschen Verbindungen di« Schuw des Dienstleitungssystems. Sie beruhen in oen jetzt Mangel- harten technischen Einrichtungen und rn den unzureichenden Matz- nahmen, die die Verwaltung bis jetzt getroffen hat. Jeder Ar» beitsplatz ist überlastet. Er ist mit mehr Teilnehmern beschältet als m Friedenszeit und die Inanspruchnahme der Anschlüsse durch dte Teilnehmer jst bebeutend gestiegen. Infolge der erhöhten. Fernsprechgebühren sind die billigeren Nebenanschlüsse sehr begehrt, und so kommt es, datz viele Hauptanschlüsse noch fünf Nebenanschlüsse baben, und diese sechs Anschlüsse werden als ein Anschluß gerechnet. ES ist bei dieser Mehr- Belastung gar nicht möglich, die Teilnehmer so schnell abzufertigen wie früher, es kommt auch sehr häiufig vor, datz alle Verbindungs- schnüre eines Arbeitsplatzes besetzt sind. In den Dienstleitungen — wo oie Verbindungen mit dem gewünschten Teilnehmeranschlutz hergestellt werden— werden drei, vier und noch mehr Nummern zu gleicher Zeit angesagt. Datz bei diesem Durcheinandersprechen die Nummer falsch verstanden und verbunden wird/ ist doch ver- ständlich. Alio die Ursache ber Fernsprechmängel liegt einzig und allem in der Ueberlastung de S' Personals und den nicht mehr ausreichenden technischen Einrichtungen. Dies ist auch der Postverwaltung genau so bekannt wie dem Personal. Aber anstatt das Publikum darauf hinzuweisen, datz es durch den entstanoenen Materialmangel nicht möglich ist, eine bessere Abwicklung des Fernsprechverkehrs herbeizuführen, wird alle Schuld auf das Per- sonal abgewälzt, trotzdem es sein Menschenmöglichstes tut, um den Verkehr zu bewältigen.(Da? ist nicht wahr, liebe? Fräulein vom Amt. Die Poßverwaltung hat kürzlich den Beamtinnen in einer Besprechung alle Gerechtigkeit widerfahren lassen. T. Red.Z Als letztes Allheilmittel für eine gute Abwicklung oeS Fern- sprechverkchrs griff min die Verwaltung dazu, die bisherig«, sich ein Jahrzehnt bewährte Zahlenaussprache umzuändern und die kaum leserliche— geschweige denn auszusprechende Zahlenaus- spräche einzuführen. Noch vor ganz kurzer Zeit gab«S für «ine andere als die vorgeschriebene Amtssprache Ermahnungen, Warnungen und andere schriftlich« Rügen: denn nur die vorge- schriebene Aussprache war oie allein verständlich«, ein« aridere hätte unweigerlich. ein« Falchverbindung zur Folg« gehabt. Und jetzt plötzlich wird die gut bewährte alte Aussprache für undeutlich und zu Falschverbindungen führend erklärt. Bei oer Durchführung der neuen Zahlenausprache wird aber eine gute Abwicklung de» Verkehrs direkt un» möglich. Wie ich anfangs anführte, wivd ourch die Ueberlastung der Arbeitsplätze und deS Personals ein Durchemandersvrechcn in den Dienstleitungen verursacht. Nach der neuen Methode erfordert aber die Aussprach- einer Nummer mehr Zeit, wodurch nur ei« langsameres Arbeiten möglich ist, und da? Ergebnis wäre, datz der Verlehr überhaupt nicht mehr bewältigt werden könnte. Durch dte folgenden Beispiele werden meine Ausführungen bewiesen. ES geht doch schneller, wenn ich sag- f40S0) vierzig— neun— null, al» wenn ich fteärr— nuhl— noin— nuhl sage, oder(BOOT), biSber: sechgig —null— sieben, jetzt: tz-chS— nuhl— nuhl— tziebänn.(149) frühere 1. 4--9, jetzt: eintz— noihnunfieärzich, was auch noch in d« Dienst- leitung sehr schlecht zu verstehen ist. Mit diesen wenigen Beispielen, die ich hier anführte, glaub« ich bewiesen zu haben, datz die neue Zahlenaussprache sehr un- zweckmätzig ist im Interesse der Teilnehmer sowohl wie im Interesse des Personals. Die örtlichen Beamtenausschüsse samt- licher Fernsprechämter Grotz-Berlins haben miS der Erkenntnis heraus, datz die neue Zahlenaussprache ungeeignet ist, einstimmig dagegen protestiert. Die Behörde hat natürlich danauf nicht reagiert und sich auch vpn den Beschwerden der Tetlnihmer, die anlätzlich dieser Aussprache einliefen, nicht davon überzeugen lassen. Im Gegenteil! Um das Personal— da? doch durch die praktische Arbeit beurteilen kann, ob diese Neuerung eine BetriebSverbesie- rung oder ein Betriebshemmnis ist— von der Güte der neuen Zahlenaussprache zu überzeugen, sind mehrere AussichtSbeamnnnen yii«Mi— 63] Ssgen öer Cröe. Roman von Knut Hamsun. Der Schultheiß wiederholt immer noch die Angebote auf die Ansiedlung. und sie haben nun die wenigen hundert Kro- ncn erreicht, die das Gut geschätzt wird, deshalb werden jetzt nur noch fünf oder zehn Kronen mehr auf einmal geboten. „Ich glaube wahrhaftig, jetzt bietet der Axel!" sagt Brede Plötz- lich und eilt neugierig zu ihm hinüber.„Willst du meinen Hof kaufen? Jst dir deiner nirbt groß genug?"—„Ich biete für einen anderen Mann," erwidert Axel etwas ausweichend. „Pn ja. das ist mir einerlei, so ist das nicht gemeint."— Der Schultheiß hebt den-Hammer, ein neueS Gebot wird gemacht. hundert Kronen mehr auf einmal: niemand geht höher, .vr Schultheiß nennt daS letzte Angebot noch ein vaarmal. - artet eine Weile- mit erhobenem Hammer und ichlägt zu. Wer hatte geboten? Arcl Ström: für einen andern Mann. Der Schuttheiß schreibt ins Protokoll:„Axel Ström pr. .Kommission." „Für wen kaufst du?" fragt Brede.„Nicht, als ob es mir nicht aenz coal wäre." Aber nun stecken einige Herren am Tisch? des Schultheißen d�e Köpfe zusammen. Da sitzt ein Vertreter der Bank, der Kmiftnann mit seinem Ladendiener, etwas hat sich ereignet, die Forderungen der Gläubiger sind nicht gedeckt! Brede wird gcricken, leicht und sorglos kommt er daher und nickt nur. jawohl, ganz derselben Ansicht.„Wer hätte auch denken können, daß der Hof nicht mehr bringen werde." sagt er. Und plötzlich verkündet er allen Anwesenden mit lauter Stimme: „Da wir nun mit der Versteigerung fertig sind und ich doch einmal den Herrn Schultheiß herbemüht habe, so will ich alles Merkausen, was ich hier habe. Den Wagen, die"Tiere, ein: Mistgabel, den Schleifstein, das brauche ich alles nicht mehr, ich verkaufe Rumv und Stumv." Geringe Angebote. Bredes Frau, auch sie leichtfüßig und sorglos, trotz ihres ungeheuren Umfangs, hat inzwischen be- gönnen, an einem Tisch Kaffee zn verkaufen: sie findet bicie Beschäftigung uüterhaltend, sie lächelt, und als Brede selbst kommt und Kaffee trinkt, verlangt sie zum Spaß auch von ihm Bezahlung. Und Brede zieht wirklich seinen mageren Beutel und bezahlt.„Seht doch nur die' Frau an!" sagt er zu der ganzen Versammlung.„Sie versteht'sl" sagt er Der Wagen ist nicht viel wert, er bat zu oft unter freiem Himmel gestanden-, aber Axel bietet schließlich noch ganze fünf Kronen mehr und ersteht auch den Waaen. Tann kauft Axel nichts mehr. Mer alles verwundert sich, daß der vorsichtige Mann so viel gekauft hat. Nun ging's an die Tiere. Sie standen heute im Stall, um in der Nähe zu sein. Was sollte Brede mit Tieren, wenn er kein Weideland mehr dafür hatte! Kühe hatte er gar nicht, er hatte seine Landwirtschaft mit zwei Geißen begonnen, sitzt hatte er viere. Außerdem hatte er sechs Schafe. Ein Pferd besaß er nicht. Jsak kaufte ein gewisses Schaf mit flachen Ohren. Als Bredes Kinder dieses Schaf aus dem Stall herausführten, bot er sofort darauf: dos erweckte Aufmerksamkeit, Jsak von Sellanraa war ja ein reicher und angesehener Mann, der braucht? doch nickst noch mebr Schafe, als-r schon hatte, Brede? Frau hält einen Aug-enblick mit ihrem Kaffeeverkauf inne und sogt:„Tu diesem Schaf kann min dir nur zureden, Jsak: es ist.zwar alt, aber es wirft iedes Jahr zwei oder drei Lämmer." —„Ja, das wc'ß ich," erwidert Jsak und sieht sie voll an.„Ich kenne das Schal." Er macht sich mit Axel Ström zusammen auf den-Heim- weg und führt sein Schaf am Strick. Axel ist schweigsam, uckd irgend etwas scheint ihn zu wurmen. Aber er bat doch eigentlich keine Ursache, nsidergcichlagen zu sein, denkt Jsak. Seine Wirtschaft ist in gutem Stande, er hat das meist? Futter schon hereingebrocht und er ist eben dabei, sein Wobn- haus aufzurichten. Es gebt bei Axel Ström, wie es gehen soll, ein wenig langsam, aber sicher. Jetzt hat er sich auch ein Pkerd einaetan. „Tu hast Bredes Sof gekauft," sagt Jsak.„Willst du ihn bewirtschaften?"—„Nein, ich will ihn nicht bewirtschaften. Ich habe ihn für einen andern gekauft.—„So."—„Was meinst du. hob ich zuviel bezahlt?"—„O nein. Er hat gut' Moore, wenn sie entwässert werden."—„Ich habe den Hai für meinen Bruder in Helgeland gekauft."—„So."— „Aber ich Hab so Mb und halb daran gedacht, mit ihm zn tauschen."—„Du willst mit ihm tauschen?"—„Wenn Barbro lieber da unten wohnen möchte." Schweigend gehen sie ein gutes Stück. Dann sagt Axel: „Man ist sehr hinter mir her. ich soll den Telegraphen über- nehmen."—„ Ten Telegraphen? So. Ja, ich Hab gehört. der Brede Hab ilm aufgekündigt."—„So." antwortet Axel lächelnd:„das ist nicht ganz genau so gewesen, ihm, dem Brede, ist aufgekündigt worden."—„Na ja," sogt? Jsak mit für Brede entschuldigendem Ton,„der Telegraph nimmt vier Zeit weg."—„Sie haben ihm zu Neujahr gekündigt wenn er sich nicht bessere."—„So."—„Meinst du nicht, ich könnte den Posten übernehmen?— Jsak dachte lange nach und ont- wartete dann:„Ja, ja, das bringt Geld."—„Sie wollen mir mehr geben."—„Wieviel?"—„Das Doppelte."— „Das Doppelte? Ja, dann meine ich. du könntest es dir übe'-- legen."—„Aber die Strecke ist länger geworden. Nein, ich weiß doch nicht, was ich tun soll; es läßt sich jedoch jetzt wein- ger aus dsm Wald herausschlagen, als zu deiner Zeit, und ich muß mir noch mehr Geräte anschassen, ich hob sitzt zu wenig. An bar Geld fehlt es immer, und mein Wehstand ist nicht so groß, daß ich davon verkaufen könnte. Ich meine, ich sollsi es einmal ein Jahr mit dem Telegraphen versuchen." Keinem der beiden fiel es ein, daß Brede sich bessern und seinen Posten behalten könnte.' Als sie nach Maayeland kamen, ist auch Olin« aus un Heimweg dort angelangt, ja. Olin« ist merkwürdig, sie krie'st fett und rund daher wie eine Raupe und ist doch über siebzig Jakre, aber sie kommt weiter. Sie sitzt in der Gamme und trinkt Kaffee, aber als sie die Männer gewalir wird. läßt i» alles liegen und stehen und kommt heraus,„Guten Tag. Arel. zurück von der Versteigerung?" fraat sie.„Du hast doch nichts dagegen, dgß ich Bnrbro einen Besuch mache? Und du haust ein Wohnhaus und w''st ein immer größerer Herr? Du hast ein Sckzaf gekauft. Jsak?"—„Ja." erwidert Jsak „kommt es dir nicht bekannt vor?"—„Ob es mir bekannt vorkommt? Nein."—„Es hat aber doch diese flachen Obren. sieh nur."—„Flache Obren, wieso denn? Und wenn auch? Ja, was ich sagen wallte: Wer bat denn dem lieben Wed« seinen.Hof gekauft? Ehen hob ich zu der Barbro artagt mrr wohl ihr Nachbar sein würde, l-ab ich gesagt. Die arme Barbro sitzt nur da und weint, wie nicht anders zu erwarten ist. Aber der Allmächtiae bat ibr eine zweit' Heimat hier auf Maaneland beschert. Flache Ohren? Ich Hab in meinem Leben schon viele Schafe mit flachen Ohren gesehen. Und das ist wahr, Jsak, diese Maschine, die du hast, ist fast mehr als meine alten Augen fassen können. Und was sie gekostet hat. danach will ich lieber gar nicht fragen, so hoch kann ich gar nicht mhlen. Wenn du sie gescben hast, Arel, dann weißt du, was ich meine, es war mir, als sähe ich Elias in seinem feurigen Wagen, Gott verzeih mir die Sünde.. (Forti folgt 1 damit beauftragt, in der neuen Zahlenaussprache zu unterrichten — ganz wie in der Schule. Sas dienjtaltc Personal ist natürlich dieser Aufklärungsarbeit unzugängl'ch, Wir möchten der Postverwaltung empfehlen, auf Grund obiger ?luSführungen die angeschlagenen Punkte nochmals einer gründ- lichen Prüfung zu unterziehen. Die neue NummernauSsprache und der DienstlettungSbetrieb scheinen sich zu einer besonderen Art von Steckenpferden der Postverwaltung entwickelt zu haben, über die ihre Erfinder toohl viele Worte machen, ohne den Ruhen dieser Einrichtungen aber bisher beweisen zu können, vie hohen Lebensmittelpreise. Ein Magistratsprotest an den Ernährungsminister. Der Magistrat Berlin bat bei dem Ernährungsminister dringende Borstellung erhoben gegen die unerträgliche Hohe und weitere Steigerung der Lebensmittelpreise, die einmütigen Wider» spruch der städtischen Verbraucher hervorrufe und neuerdings in dielen Slädten zu schweren Unruhen geführt babe. Der Magistrat Wendel sich insbesondere dagegen, dost in den letzten Tagen die sogenannte Jndexkommission eine wehere enorme Erhöhung der Getreidepreise befürwortet habe, und gleichzemg die Reichsgetrcidestclle eine Frühdruschprämie für Getreide in- Aussicht nebme. Diele doppelte Erhöhung müsse zur Beibehaltung, wenn mcht gar weiteren Erhöhung des jetzigen über- mäßig hoben und nur für kurze Frist erträglichen Brotpreises führen. Außerdem bittet der Magistrat um Herabsetzung des für das nächste Jahr in Aussicht genommenen Kartoffel- Preises, der angesichts der günstigen Ernteaussichten sich in keiner Weise mehr rechtfertigen läßt. Unsere Stadtverordneten. Bisher gelten von unseren Kandidaten als gewählt in Berlin Mitte.- Adoli Ritter, Dr. Martha WoggodzinZki. Tiergarten: Hugo H e i m a n n, Arlhur Schul dt. Wcddiug: Dito Frank, Liesbelh R i e d g e r, Fritz Brokat, Prenzlauer Tor: Karl Koblenzer, Helene S ch m i Y, Hugo P 0 e l s ch, Friedrichshain; Eugen B r ü ck n e r. Fritz M ü n t n e r, Martha Hoppe. HallcschcS Tor: Bernhard Bruns, Martha Schröder, Wilhelm P s a n ii k u ch, Emil D i t I m e r. Jetzt naht dein Wahlkampf, Arbeiterjugend! Der erste Reichstag der deutschen Republik hat abermals eine bürgerliche Mehrheit. Damit wird in den nächsten vier Jahren kaum aus eine große Reform der Jugend schutzge setze zu hoffen sein. Aber auch das Schulwesen und die anderen für die Arbeitersugend wichtigen und reformbedürftigen Gebiete werden noch lange einer systematischen Umgestaltung im Sinne des Er- furter Programms harren, wenn nicht— d i e Jugend selbst energisch für ihre Rechte eintritt Und als junge Generation s o r- dernd vor das Parlament der Altem, vor das Forum der Allge- meinheit iritt. Mehr denn je hängt heule vieles von der Jugend desPro- letariats ab! Auf die jungen Mitstreiter blicken heute nach dem Wahltag die erwachsenen Genossen, auf die Arbeiterjugend blickt heute voller Erwartung und Zukunstshvssnung die sozialisti- siche Arbeiterbewegung der ganzen Welt! Wir Jungen sind die Träger der Zukunft, laßt uns in gegenwärtiger Stunde den Feuer- wein der Begeisterung durch die Adern strömen- fassen wir nun erst recht jauchzenden Mut zum befreibcnden Handeln, zur bahn- brechenden Tat! Brüder, laßt uns mit klaren Köpfen die Mög- lichkeiten wägen, die Grenzen unseres vorwärts- drängenden Wollen» bedenken, um dann mit dem flammenden Schwert der Wahrheit die Torbrecher der Zu- k u n f t zu sein! Wir wollen wissen und erkennen, wir wollen dieses Wissen erkämpfen und erringen unter Mühe und Qualen, in durchwachten Rächten und den Feierstunden des TagcS, bis wir einem tapferen Siegfried gleich die Drachenbrut de» Götzen Kapital zu Boden schlagen können, um den lichten Fackel- brand des Sozialismus in das Dunkel der Ferne zu tragen! Der Wahlkampf der Parteien ist vorbei— ein neuer Wahlkampf letzt ein: der Wahlkampf der Jugend!— Wir Jungen wählen keine Parlamente, wir haben keine Vertretung �v� Reichstag, die direkt aus unseren eigenen Reihen delegiert wurde. Wohl fühlt sich so mancher unier uns, der mitten im'All- tagkgellisbe des feindlichen Leben- steht, reif zu eigenem Urteil — doch er hat zu w a r t e n, bis er das„nötige Alter" erreicht hat. — Wir Jungen haben keine Vertretung im Reichstage als lie älteren Genossen— wir wählen uns eigene Organi- sationen, die iür unsere Rechte kämpfen!— Die Organisation des schaffenden Jungproletariats ist die deutsche Arbeiterbewegung. Sich ihr anzuschließen, ist heilige Pflicht der klassenbewußitn Arbeiterjugend. Der 6, Juni ist vorbei: jeder Tag von heute ab ist ein Wahl- tag der Jugend! Unermüdlich werden wir Jungen treppauf, treppab die Flugblätter unserer Organisation verteilen, verbreiten, bi§ der letzte Arbeiterjunge und da» letzte Arbeiter- mädel seine Stimme abgab für den Verein„Arbeiter- jugcnd", bis das gesamte Jungproletariat unter dem sturmerprobten t Danner der Arbeiterjugendbewcgung vereinigt ist. Ihr Jungen. Euer Wahlkampf naht! Arbeitersugend h e r a u Sl W. Sch. Kontrollmastnahmen auf der Stadtbahn. Um geordnete Zustände auf der Stadt- und Ringbahn herbei- zuführen, will die Eisenbahnverwalmng zu außerordentlichen Maß- nahmen schreiten. Bereits in den nächsten Tagen werden auf der Stadt-, Ring- und Vorortbahn verschärfte Zugkontrollcn eingerichtet, die die Aufgabe haben, in den Zügen ans Ordnung zu sehen, vor allen die zahlreichen Fahrgeldhinte rziehun- gen in der zweiten, wie auch in der dritten Wagcnklasse zu ver- folgen. Weitere Aufgaben di- ser neuen Kontrollen bestehen darin, diejenigen Reisende festzustellen, die in den Nichtraucher- abteilen rauchen oder mit Tragelasten(Holzsäcke, Obst- und Wäichekiepen usw.j nicht die hierfür vorgeseheneu Abteile be- nutzen usw. Die neuen Kontrollen, die in Gruppen von sechs oder mehr Beamten zusammenarbeiten, um die einzelnen Züge möglichst lchnell revidieren zu können, werden zum Teil in Uniform, zum Teil in Zivilkleidern ihren Dienst ausüben und mit den crtt- sprechenden Ausweisen ersehen sein. Zur Erleichterung der Ein- ztehunq der verwirkten Strafen sind die Beamten zur sosorti- gen Erhebung berechtigt und daher mit entsprechenden Nach- lösekarten zu je 3 ll Mark ausgerüstet. Die Eisenbahnverwaltung hofft, durch diese neue Maßnahme endlich der vielen Betrügereien im Personenverkehr Herr werden zu können und damit den vielfachen Wün'cken der R-eikenden entsprechen zu können. Sicher wird jeder Vernünftige gegen die oben geschilderten Maßnahmen Nichts einzuwenden haben. Die Hauptsache ist aber zunächst, daß die Eisenbahnverloaltung die Vorbedingungen schafft, die notwendig sind, damit sich eingeregelter Betrieb ent- wickeln kann. DaS scheint nach uns�xen bisherigen Ersahrungen nicht der Fall zu sein, wie auch die folgende Zuschrift beweift: Wer glaubte, daß der neu« Fahrplan ab 1. Juni d, I. Ver- kehrs„verbcsserungen" gder„erleichterungen" dem Publikum bringen sollte, ist jetzt nach fast vicrivöchiger praktischer Durch- sübrung des„Reformwerks" arg enttäuscht. Also nachmittags, während de» stärksten Vcrkehrsandtangs, wo dichte Massen von Angestellten und Arbeitern nach Arbeitsleistung zur Heimfahrt zum Bahnhof eilen, läßt man zur Bewältigung diese» Andrang» nach der Richtung Neukölln 4,87 einen natürlich vollständig überfüllten Zug fahren, um dann erst nach 2 0 Minuten— nämlich um 4,57— einen weiteren Zug folgen zu lassen. Der letztgenannte Zug, der 15 Minuten vor offiziellem Abgang auf dem Potsdamer Ring- bahnhof steht, ist natürlich vollständig überfüllt. Was für widerliche Szenen sich täglich auf den Zwischenstationcn Sckoneberg, General-Papc-Straß« und Tempclhos abspielen, ist unbeschreiblich. Also Einlegung eines weheren Zuges um 4,47 vom Potsdamer Ringbahnbof iRichtung Neukölln» ist nubedingt und soscrt erforderlich.— Ferner wäre es angebracht, die voll- ständig unzulänglichen Fahrkartenkontrollen in den Berufsverkehrsstunden aus dem Potsdamer Ringbahnhof und Hermannstraße vollständig durch Kontrollpersonen zu bc- setzen. Der vierte Ausgang de» Bahnhofs Hermannstraße, der zurzeit mit Brettern kunstgerecht vernagelt ist, müßte natürlich erst freigemacht werden._ Ter Bannkreis um das Reichstagsgcbäudc. Mh dem Zusammentritt des neuen Reichstages gewinnt das Gesetz über die Befriedung des Reich»tag sgebän des vom 8, Mai 1920 erböhte Bedeuiung. Roch dem Gesetz dürien innerhalb des befriedeten Bannkreises V e r s a m m- lungen unter freie ni Himmel und Umzüge n i cv t stattfinden. Für die Uebertretung des Verbote» sintKziemlich erhebliche Strafen angedrohl. Der befriedete Bannkreis ist von der Reichsregiernng durckT eine Linie umgrenzt worden, die vom Großen Stern zum Lügowplatz, von dort zum Hallcschen Tor, vom MMeliieziiiikieiillkkviismliz SttS.V.D. am Jreikflst, den 25. Juni, abends 6 liste, im Pasten- hofer-Äusschank(Bockbraucrci), Jidicinstr. 2/Z. Tagesordnung: Die neue Negierunx? unö unsere Partei. Referenten: Eduard Bernstein und Hngo Heimann. Tie Parteifunktionäre, VetrirbsvertraiicnSlciite, Angestellten und Bcaintenvertreter werden ersucht, vollzählig anwesend zu sein. Mitgliedsbuch und Austveiskarte legitimiert. Der Bezirksvorstand. ■asMBBaaBa»tgraaL-ii.aBZB3taawrrnswrtgaMMiMM™wMgBi«B■■ m—>»» Hallescheu Tor die gaüze Friedrichstraße hinunter bis zur Karl- siraße und von dort längs des Kronprinzenuiers zum Großen Slern zurückführt. Zwei neue Nanbiiberfäkle. Die Raubübersälle in Groß-Berlin häufen sich in erschrecken- dem Matze. So wurde ein schwerer Raubüberfall gestern nach- miuag in der 39, B r o t k o in m i s s i o u am G Ö r l i tz e r Ufer 2 verübt. Nach Schluß der Bioikommisfion war der Hilfsbeamte Walter Böttcher noch mit dem Sortieren von Karten beschäftigt. Plötzlich erschienen zwei Männer, und ohne etwas zu sagen, stürzten sieb beide auf den ahnungslosen Böttcher, versetzten ihm wuchugc Stöße, daß er zu Boden schlug, knebellcn ihn und würgten ihn, um ihn am Schreien zu hnider». Die beiden Räuber stahlen dann LchenSmittelkarten aller Art, die für 15 Häuser fertiggestellt waren, und entflohen, ohne daß sie ergriffen werden konnten. Später wurde Böttcher besinnungslos aufgefunden und nach dem Krankenhaus gebracht. Ein zweiter Raubüberfall wird aus der Motzstraße gemeldet. In der Wohnung eines Herrn v. DombrowSki in der Motzstraße 8 erschienen zwei Männer bei der Wirtichafterin, die sich allein in der Wohnung befand, und sagten, sie kämen von Herrn v. DombrowSki und sollten sich Teppiche ansehen. Die Wirt- schaftcrin, Fräulein Reinbold, ließ sie eintreten, als plötzlich beide über sie herstürzten und sie knebelten. Tie Räuber eulkamen mü 5 Pcrscrteppichen und einer grauen Sammeidecke, die mit silbernen Störchen gestickt ist, unbemerkt. Frit, Felgentrcsf, einer unserer ältesten Berliner Partei- genossen, der vor allen Dingen unter dem Sozialistengesetz i in ersten Kreis seinen Mann stand und Stein auf Stein zum Bau dcS swkzen Gebäudes unserer Partei herbcitrug, ist am Sonn- tag im Alter von 74 Jahren an den Folgen einer Leistenbruch- opcration verschieden. Am Freitag 12 Uhr wird sein Leichnam im Krematorium in der Gerichtstratze den Flammen übergeben.— Ruhe sanft, Du wackrer Streiter! Wir werden Deiner stets in Dankbarkeit gedenken und nach Deinem Vorbild unerschrocken weiter kämpfen bis zum endgültigen Siege! Keine Soldatenbriefe mehr. Vom 1. Juli ab sind alle auf Grund des Porlofreiheitgesetzes von 1369 bestebende» Gebühren- f r e i h e i t e n und Vergünsti inngen aufgehoben. Dazu gehören auch die Vergünstigungen für Senduiigeii an Angehörige de» Soldatcnstandes und der Marine, die künslig den vollen Gebühren- sätzen unierliegen. Das Lcbciisrätscl einer Geretteten. Am 27. Februar stürzte sich an der Bendlerbrücke ein junges Mädchen in die Spree. Es wulde gerettet und in ein Krankenhaus gebracht. Aber niemand war imstande, etwas aus dem Mädchen über ihren Namen und ihre Vergangenheit herauszubekommen. Es schwieg beharrlich und hüllte sich dauernd in den dunklen Maniel eines unergründlichen Geheimnisses. Zur Beobachtung ibres GeisteSznstandes'wurde daS Mädchen dann nach der Jrrenonanstalt Dalldorf gebracht. Der Er- kennungsdiensl des Volizetpräsidiums bat sich bisher vergeblich be- müht, ihre Persönlichkeit festzustellen. Das Mädchen ist etwa 1,69 m groß iiiid fehlem! und hat dunkelbraunes Haar und blaue Augen und lückenhaste Zähne. Ein städtisches Fuhrwerk, mit 89 Zentner Hafer beladen, wurde vor dem Hause Alt-Moabh 134 gestohlen. Der grau-grün ge- strichene Kastenwagen war beipannt intt einer schwarzbraunen Stute und einem Fuchswallach mit Blende und 39 Zentimeier langer Narbe auf der linken Hüfle. Der Waaen trug link» die Adresse des Landwirts Marelscheck, Buckow. Für die Wiederbeichoffung des Ge'panns einschließlich Ladung, das einen Wert von 49— 59 999 M, rcpräsenlierte, bat der Magistrat Neukölln eine Beloh� n u n g von 3999 M. ausgesetzt. Beschlagnahmte Tpargtithabcn in Elsaß-Lothringen. Nach einer vom Reicksminister für Wiederaufbau erlassenen Bekanutinachung find G e l d f o r d e r u n g e n, die die in Eliaß-Lothringen beichlag- nahmien Sparguthaben betreffen— also nicht etwaige Ansprüche auf Herausgabe oder Lieferung von Sachen, insbesondere nicht An- sprüche ans Herausgabe oder Licielung von Wertpapieren und sonstigen Urkunden—, umgehend bei der zuständigen Stelle des Reichsausgleichsamtes anzumelden. Mnsilalilebes Jobannissest. Für das beute in dem Konzertgalten „Zilui Patzcnboscc' tFidicinslraßei stattfindende Konzert mit dem B l ii t b n e r o r ch c st e r hat Kapellmeister C, Eichel ein dem Johannistag cntir» echendes Prograinm zusammengestellt. Eine beiondere Vergünstigung erhalten an diesem Abend alle dem Buchdruckergewerbe ange- hörigen Angestellten mit ihren Familienmitgliede'N. die an dichem Abend nur 1 M.(und 10 Ps. Steuer) Eintritt zu bezahle» brauchen. Republikanischer Fi'ihrerbnnd. Ortsgruppe Cbarlottenburg. Heute 7 Uhr: Bczirksversammlung Tegeler Weg 5 bei Siclher. Berband sozialistischer Lehrer. Freitag um 6 Uhr Sitzung, Hinter der Eiarilisoiltirchc.* Tos 2. Städtische Volks-Sinfoniekonzert des Blüthner» Orchesters findet am Freitag, abends l'U Uhr, in der Berliner Bockdrauereß Fidicuistr. 2/8, Natt. Karten find zu haben im.Vorwärts", Lindenjtr. 2. Grost-Berliner Lebensmittel. Milchbelieferung. Bon beule ab wird aus die st.-Lller-Krankenkarts Liter Vollmilch verabfolgt. Die übrige Beliejerung bleibt wie bisher. Steglitz. Von beute bis zum 26, d,:?!ts. finden»olgendc Verteilungen statt: 4 Gramm Weizenküchenmehl, 126 Gramm Maismehl, 259 Gramm Teiglvarcn._ Die Wohnungssorgen der Gemeinde Fnedrichshagen. Uebcr die bisherige Tätigkeit de» Wohnungsamtes und die Lage des Woh- nungsmarktc» berichtete in der Friedrichshagener Gemeindever- iretung der Schöffe Genosse Heck er. Im Berichtsabschnitt bc:rug die Zahl der gesuchten Wohnungen in Friedrichshagen 649, Das Angebot an Wohnungen war demgegenüber so gering, daß noch 400 Wohnungsbedürstige a m Ort verblieben, deren Bedürftn» auf absehbore Ze-it nicht befriedigt werden kann. Drei Wohnungen mußten sogar wegen ihres Zustandes beanstandet werden und 17 WobnungeA sind als gesundheitsschädlich mo- rriert. Durch Abtrennung kleiner Wohnungen von größern könnten im kommenden Halbjahr noch 25 Wohnungen geschassen werden. Dann sind das aber immer noch Wohnungen, die nicht al» einwandfrei angesehen werden koirnen. Man müsse den Blick aus Neubauten richten. Die Bauausführungen im vorigen Jahre(die kleinen Siedlung Zhäuscr) hätten sich als Nieten erwiesen. Sie ließen sich schwer an den Mann bringen, denn für Anspruchsvollere seien sie zu wenig komfortabel und für die kleinen Leute, für die sie ge- dcrcht seien, wären sie zu teuer. Der Gememdevorstand glaube, daß nur Hochbauten helfen könnten. Der nächsten Sitzung werde deshalb ein größeres Projekt, nämlieb die Errichtung eines GebäudeS mit etwa 49 Wohnungen, vorgelegt werden. Heraus- gestellt habe sich noch, daß ein größerer Teil Wohnungen in einem Zustande sei, der nicht mehr mit angesehen werden kann. Es gäbe Kellerwohnungen, die naß seien und wo der Fußboden so schleckt sei, daß die Leute mit den Möbeln durchbrechen. E» müsse versucht werden, solche Wohnungen in einen einigermaßen bewohnbaren Zustand zu versetzen. Das werde sich am leicbtesten durch Gewährung von Gemeindebei Hilfen durchsetzen lassen. Deshalb stelle der Gememdevorstand den Antrag, in solchen Fällen, wo gesundheitsschädliche Wohnungen durch größerem Ausbau ver- bessert werden können, einen Zuschuß au» Gemeinde- mittein zu gewähren. Diesen Antrag nahm die Gemeindever- tretung an. Ferner wurde beschlossen, von der strengen Durch- führung der Wohnungsordnung, mit Ausnahme der§8 ll bis 19, mit Rücksicht auf die Wohnungsnot aus die Dauer eines Jahre» zu verzichten. Der Gehaltsaufbesserung der Angestellten nach Berliner Muster stimmte die Gemeindevertretung zu, ebenso dem erweiterten Mitbestimmungsrecht. Zur Frage der Besoldungsreform für die Beamten wird be- schlössen, sich nach den bevorstehenden Berliner Beschlüssen zu richten und Vorschüsse bis zu 1999 llll. zu geben. Für N o t st a u d»- arbeiten wurden 43 199 M. bewilligt. Dafür soll der südliche Teil der Promenade der Friedrichstraße ebenso befestigt werden wie der nördliche und eine Aufschüttung der Seitenwege der Kolonie Wiesengrund erfolgen. Den sürsorgebedürftigen Krie. g e r w i t w e n wurde eine sofortige außerordentliche Bei- Hilfe von 199 M. und jeder Kriegerwaise eine solche von 59 M. bewilligt. Der Tarif für die Gemcindesähre wurde um 199 Proz. erhöht, so daß der Preis für das Uebersetzen von Per- simen nuiimehr 29 Pf. betragen wird. Tegel. Gcmeindcvcrtrrtcrsitzung. Die Erhöhung de? von den Banken eingeröliniten Kredits wurde bejchlvssen, da infotge des tehlenden Eingangs der Stenern Einnahmen nie! i vorhanden find; ebenso wurde dem Wirtichastsamt der Kredit ans 2 Millionen Mark erhöht. Ter Bürgermeister ging daiiii auf die Angriffe der bürgerlichen Tegeler Blätter und ddr Deulschnationalen Partei ein, die als Wahlmache zu belrachten seien. Es war behauptet worden, es herische eine große Miß- wirtschafr in der Tcaclcr Verwaltung. Der Jahr:-:- abschluß balanziere in E»nähme und Ausgabe. Ebenso erfordere das Wirlichaftsaiiit keinen Zuschuß. sondern bringe einen Ueberichuß. Der Bürgermeister teionte weher die Schwierigkehen des Einlaufens in der jetzigen Zeh und wie? daraut Hin, daß dabei auch Verluste entstehen köinien. Die anderen Vorwürfe wurden ebenfall-? als vollständig unbcrech'.igt von den Bertrelern aller Parteien erklärt. Der Einreihung der nicht stäudug Angestellten in den neuen VergütungStaris wurde zugestimmt, Tie Gehälter der Beamten, ständig Anapstellten iind Lehrkräfte sollen nach den vom Reich beschlossenen Emtzen gezahlt werden nach den Vorschlägen der Zwölierkommission. Die II. S, P wandte sich dagegen, daß als Tenrungszulage 59 Proz. de» Gchalis gelten soll, da die« unio-'ial sei: ffe beanirage für alle Klassen gleiche Teuerungszulagen. Der Vorlage wurde zuge- stimmt, die R e g c l u n a der Teuerungszulagen wurde aber an die Kommission zurückverlviesen, zur beschleuingien Beratung, lieber die Täligkeir deS ArbeiterraiS wurde Benchi et» stauet und beschlossen, die Jnslitution in bisheriger Weise beizube- Haltern Für die Fei ienwanderunge» wurden 12 999 M. bewilligr. Dem Zoologiichen Garten werden 1500 M. gemhlt gegen freien Eintritt der Schulkinder und der Besucher de? Jugendheims. Das Urheberrecht der„Geschichte Tegels" von Herrn Wiedholz tür 5999 M. zu erwerben wuide beschlossen, die Sache aber noch- mal der Kommission überwiesen. Da die Volksküche jetzt zu große Zuschüsse er'orderi, wird die Schließung zum 1. Juli beschlossen. Für dos Freibad am Tegeler See wetden die Mittel bewilligt. ES soll verlegt tind noch vor Vcgiiin der Fetieit eröffnet werden._*- Zur Bcdarfsdccknngswirtschaft. Die sich häufig wiederholenden G e lv a 1 1 a l t e der Vetbrancher dem Handel und den Kommunalverwaltungcii gegenüber wegen der uuetttäglichen Verteuerung der Lebensunterhalttz» mittel solltest eigentlich den Vertretern de» freien Handels zu denken geben und ihnen offenbaren, daß der Druck zu größeren Explosionen sich überraschend steigern kann. Die Gewaltakte richten sich gegen die der Zwangc-bcwirischaftung nicht unterworfenen Waren, bei denen die Marktpreise nicht mehr Pro- d u k t i o n s k o st e ii preise, sondern Monopol preise sin», deren Höhe allein durch die Kaujkraft begrenzt ist, wie z. B. die Preise süc Eier und O b st. Unser heulig-S Verkaufssysteiii, wie es im freien Einzelhandel und auch bei den Konsumvereinen besteht, kenn- zeichnet sich dadurch, daß der Verkäufer den Bedarf der Käufer nicht übersehen kann, und zwar deshalb, weil die Verkäufer keine feste Kundschaft haben oder, selbst dort, wo sie sie haben, wie beim Konsumverein, dieser doch nicht weiß, in welchem Umfang und was die Mitglieder laufen werden. Wenii man da» gegen in einzelne Fabrikations- und Handelszweige sieht, so zeigt sich hier ein andere» Bild. Eine Hutfabril z, B. bringt für die Winter» oder Sommersaii'oit neue Modelle heraus. Diese legt sie den Händlern vor und sammelt die Austräge. Aus Gtund der vor liegenden 9tuftrnge setzt dann die Erzeugnng ein. AchnlicSeZ geschieht auf den M eisen, wo die Muster gezeigt und auf Grund derselben die Aufträge erteilt werden. Während also hier K u n d e n p r o d u k t i o n oder Kunden Handel vorliegt, ist Der Absatz de? Kleinhandels, au.ti der Konsumvereine, in sehr hohem Motze unübersehbar und beruht aus Schätzung und Spelulation. Der Einzelhandel greift zum Mittel der N e' l a m e, um mit ibr die eingekauften Waren zu verschleitzen, gegebenenfalls die W a r e n r e st e unter Preis zu verschlendern. Das hierin liegende Risiko mutz der Käufer selbstverständlich mitbezahlen. Es ergibt sich nun die Frage, ob es nicht technisch möglich ist, diese K u n d e n w i r t s ch a f t oder echte Bcdarfsdeckungs- Wirtschaft und ihre sehr erheblichen Vorteile auch im Emzel- Handel zur Geltung zu bringen. Warum sollie nicht z. B. ein Konsumverein an«eine Mitglieder herantreten und sie ausfordern, ihren voraussichtlichen Jahresbedars anzugeben, z. B. se Mitglied x Manner- und Frauenhemden, 7 Paar Strümpfe, Regenschirme usw. Wenn auf diesem Wege der Konsumverein er'ähri, datz 1l) OVO Mitglieder z. B. je einen Regenschirm benötigen und zu kaufen sich verpflichten wollen, so kommt der Perein, der heule ein Lager für unbekannten Bedarf unterhält, in die Lage, einen Abschlutz auf 10 ovo Regenschirme, oder sonstige Bedarfsartikel direkt mit einer Fabrik machen zu können. Es ist meines Erachtens ein grotzer Fehler, datz die Kon- sumgenosienschaften für ihre Eigen bei riebe diesen Weg der p l a n m ä tz i g e n, der Bedarfsanmeldung entsprechenden Produktion noch nicht beschritten haben. Run schwanken allerdings innerhalb eines Jahres die Preise für Rohstoffe, die Löhne und sonstigen Kosten, und es wird sich zeigen, datz Waren, die anfangs des JahrcS hergestellt sind, sich billiger oder teurer stellen als die, die am Schlutz des Jahres er- zeugt werden. Darin liegt ja aber gerade die grotze Bedeutung der konsum- genossenschaftlichen Organisation, datz ein A u§ g l e i ch sich fest- stellen lätzt und U e b e r s ch ü s s e allen Mitgliedern wieder zugute kommen. Voraussetzung ist allerdings für ein solches System, datz die Leitung der Konsumvereine in den sachverständigste» Händen liegt, die in der Lage ist, die Preisentwicklung der Rohstoffe richtig zu überblicken. Aber gerade dann, wenn durch solche grotzen Abschlüsse dauernde Beschäftigung der Fabriken gesichert wird, ergibt sich die Möglichkeit zur Berechnung von Mittelpreisen. Unsere Koniumvereinsbewegung ist trotz ihres gewaltigen Um- fanges noch technisch sehr verbesserungsbedürftig und verbesserungsfähig. Lebhafte Klagen werden laut ins- besondere über die Behandlung der Kunden seitens des Personals, das es an freundlichem Entgegenkommen und sichtbarem Interesse für die Berücksichtigung einzelner Wünsche sehr fehlen lätzt. Die Einführung von Umsatzprämien könnte hier viel- leicht helfen, das Verkaufspersonal anzuspornen, weil der sozialistische Geist noch ungenügend entwickelt ist. Zu wünschen ist auch eine K o k u r r e n z der Konsumvercine am gleichen Ort, nicht nach privatkapitalistischen Vorbildern, sondern als I d e a l k o n k u r r e n z zur Anspornung der Vereins zu höchsten Leistungen. Vielleicht nehmen die Konsumvercine. auch andere Praktiker des Geichäftslebens zu dieser ungemein wichtigen Frage Stellung, damit wir den besten Weg finden, um die Gütererzeugung und -Verteilung zu verbilligen._ Dr. A. Strienicr. Zur Verstaatlichung des Kohlenbergbaues in Sachsen. Wir entnehmen der„Post"' folgende Ausführungen: .Die sächsiiche Regierung bat eine» Gesetzentwurf ausgearbeitet, der dem Gcsamtminisieriun, das Recht erteilt, private Kohlenbergwerke zu verstaatlichen, wenn dies notwendig ist, um den Abbau angrenzender fr aallich er Kohlenwerle rentabel zu machen. Diese Nachricht ist geeignet, d.'in Gesetzenltvurf eine Seite zn geben, die in ihm nicht einhalten ist. Der gedachte Entwurf, den das sächsische Finanp»'nst-rlum ohne Zulu u des Wirtscha'tSministenums ausgeaii itei hat, besagt in§ 1: Der Staat ist bestigt, zum Wohle der A l t g e m e i n h e i t das Eigentum an Stein- und Braiinlohienbergwerken, soweit sie im Gebiete deS Landes Sachsen gelegen sind, gegen atigeincssene Entschädigung zu übernehmen. Und in fj 10: Ob die Uebernahme eines Bergwerkes durch den Staat zum Wohle der Allgemeinheit geboten ist. stellt aus Antrag des Finanz- Ministeriums das G e s a m t m i n r st e r i u m fest. Damit ist alles gesagt, und es braucht auf die sonstigen Be- stimmuiigen hier nickt eingegangen zu werden. Einmal wird das Allgemeinwohl in§ 1 iu de» Vordergrund gerückt, in Sj 10 dann aber unverhohlen zum Ausdruck gebracht, was die Herren im Finanzministerium bezwecken, iliaiib ist es. nichts>v i e Raub am Prrvatunternehinerrum, das mit vieler Mühe und emsiger Arbeit zwar nickt die Hunderle von Millionen gleich dem iächsiichen Staate ausgegeben Hai. daillr aber Anlagen geschaffen, die heule dem Wirtschansleben Millionen von Tonnen Brennstoff zmühren, was bekanntlich der sächsische Staat noch nicht zuwege ge- bracht bat. Leider waren die Värer des Gesetzes in der vom Wirt- schahSmiuisteruini einberufenen Besprechung nicht anwescnd, aber die Ohren düifien ihnen doch geliungen haben. Einmütiger ist wohl selten eine Borlage abgelehnt und als wirtichatlSreindlich wie diese bezeichnet worden. Seitens eines Redners wurde aus- geführt, datz Sachsen seit 191 1 nach und nach 85 Millionen Mark(ohne Zinsen) zum Erwerb von Braunkoblenfcldcrn aus- gegeben habe, ohne bis heute auch nur eine Tonne Kohle freigelegt oder gefördert zu haben. Hätte man die Privat- indnstrie ffck betätigen lassen, dann würden heute in Sachsen verschiedene grotze Werke neu dastehen, die der darbenden Industrie die benöligicu Brennmaterialien liefern könnten. Tie bergbau- kicke Abteilung im Finanzminisierinm möge e r st m a l d e n Befähigungsnachweis dafür erbringen, datz sie halb- >o e g s i o gut Bergbau treiben könne, wie der Privatunternehmer, von Besserlönnen wolle man gar nicht reden. Wenn man den Bc- sähigungSnackweis etwa mit dem staallichen Werk Hirschfelde glaube erbracht zu haben, so sei es in Fachkreisen lein Geheim- ni s, datz die daselbst investierten etwa 100 Millioiutr ziemlich nutzlos verpulvert worden seien. Hat aber die Negienmg die obige Nachricht veraulatzt, so spricht diese Mitteilung für die staatliche Fähigkeiten Bände. Nachdem eS also dem Staat glücklich gelungen sein wird, ern Werk aufzumachen, io setzt er schon voran?, datz es nickr rentier!, und um es rentabel zu machen, will er das Recht habe», ein benachbartes Privatwerk, das doch jedenfalls rentiert, zu so- z i a l i s t e r e n, um sein eigenes Werk rentabel zu ge- stalten— oder, wie Fachkreise meinen, nun in Kürze beide Werke unrerrtabel zu machen." Das sächsische Ministerium wird zu dieser Kritik vermutlich Stellung nehmen. Datz der Staat mit seinem veralteten Der- waltungssystem nicht geeignet ist, wirl'chastliche Arbeil mit dem h ö ck st e n lechniieven Nutzeffekt zu leisten, ist wohl bekannt. Auch die SozialisierungSkommission hatte ja die Verstaatlichung des Bergbaues abgelehnt. Es gibt ober doch andere Formen für die G e m e i n w ir t s ch a s l, die dem Wirtichafts- oder Be- triebssührer ein Hobes Matz von Selbständigkeit sichern, um die höchste Wirtschaftlichkeit zu erreichen, ihn andererseits von. der Fessel frei machen, nur die Interessen der beieiligten K a v i- l a l i st e n vertreten zu müssen, die schroff im strikien G e g e n i a tz zu den lebenswichtigsten Interessen der VolkSgcsamtheit' stehen. Ausgabe der zurzeit tagenden SozialisierungSkommission wird es sein, jene z e i t g e m ä tz e Form für die gemcintvirtsckaflliche Produktion zu finden. Zum Abbau der Lederprcisc. Der Zentralverein der Deutschen Loder- indnstrie hat folgende Eutschlietzung, angenommen: „Die am 13. Juni 1020 in Leipzig tagende autzerordentlich zahlreich besuchte Hauptversammlung crklärr, datz die deutsche lederhcrstelleiide Industrie nach wie vor bereit ist, die Lederpreise so zu gestalten, wie sie sich aufbauen am den jewcitigen W c I l- Marktpreisen der Rohwaren und des fertigen Leders, und zwar ohne Rücklicht aus di-e in den Betrieben befindlichen wesentlich teueren B e st ä:> d e. Die Versammlung befindet sich damit im Einvernehmen mit einem Beschlutz derFachgruvpeLederherstellung in derReichsarbeiisgemein- ichait der Lederwirischasl. Der Zentralverein der Deutschen Lederindustrie erhofft, datz auch die lederverarbeitende Judlistrie»nd der Handel sich diesen Gesichtspunkten an- schlietzen werden. Wenn sich alle Kreise der verarbeitenden In- dustrie und deS Handels den Grundsatz des Zentralverbandes der Deutschen Lederindustrie vorbehaltlos und sofort zu eigen machen, erhofft die Mitgliederversammlung deS ZentralversinS dadurch eine Hebung der Kauflust des Publikum? und da- mit eine Wiederbelebung der Beschäftigung aller Betriebe der Lederwirtichaft." Am Schlüsse der mehrtägigen Verhandlungen hielt Profeffor Dr. Pactzler-Freiberg einen interessanten Vortrag über den Anbau von Edelkastanien in Deutschland im Interesse der Gerbstoffgewinnung. Der Vortragende hat durck Versuche festgestellt, datz die Edelkastanie ein ähnliches Gerbstoffproduki wie die Eichenrinde ergibt. E? sollen deshalb die forstlichen Kreise zu dem Anbau»au Edelkastanien veraulatzt werden Tic Krisis in der Offenbaiher Lederwareninbustrie spitzt sich immer mehr zu. Wie uns aus Frankfurt gedrahtet wird, arbeiten die Arbeiter nur noch 2 4 Stunden. Es sind Streitigkeiten darüber entstanden, ob den Arbeitern die ausfallenden Arl�its- stunden' entschädigt werden sollen. Die Unternehmer weigern sich dessen. Tie Angelegenheit ist nunmehr den jetzigen Tarifverhand- lungen in Berlin unterbreitet worden. Die Bewegung der Hopfrnprcisc. 50 Kilogramm Hopsen kosteten in Nürnberg die verschiedenen Sorten einer Oualität im Monats- durchschnitt: «eptember 19l9: 626— 823 M. Oktober 1919: 1060—1162, November 1019: 2106—2196. ferner am 1. Februar 1920: 4450— 4500 M. am 1. März 1920:7100— 7250„ am 1. April 1920:6000—6250. Dezember Januar « 1919: 2703—2830 M. 1020: 3371-3403. am 1. Mai 1920:5400- 5500 M. am 1. Juni 1920:5250— 5750„ Die Drohungen der Fleischermeister. Der Brandenburgische Bemlsverein im Deutschen Fleischer- Verbände hat folgende Eutschlietzung angenommen: Ter Zusaminciibruch der jetzigen Flcischvcrsorgung ist nicht mehr aufzuhalten. Während durch die amtlichen Verteilungsstellen den Verbrauchern zeitweise gar kein fnicheS Fleisch zugeteilt werden kann, wird im Schleichhandel Fleisch in grotzen Mengen angeboten. Ter Bezirksverein Brandenburg steht einmütig hinter der Forderung des deutschen Fleischerverbaudes ans Aushebung der ZwangSwirlichaft bis t 2. August d. I. Auch protestieren die heule versammelten Fleischcrmcister der Provinz Brandenburg undBcrtreler der Landwirtschaft entschieden gegen jeden Versuch, d u r ch II m- gestaltung der Fleischversorgung die ZwangSwirt- schuft zum Schaden der Allgemeinheit, der Laudwirlichaft und des FlcischergelverbeS beizubehälleii. Die Fleiicker verlangen für ihr Gewerbe die ihnen durch Gesetz zustehende Gewerbe- freiheit. Sollte dieser Forderung nicht stattgegeben werden, so zwingt man sie, zur S e l b sl h i l s e zu greifen und die be- stehenden Bestimmungen für Vieh und Fleischtvareu unbeachtet z Ii lasse n." Die Fleischermeisicr sollten die Drohungen wohl hesser unter- lassen, denn die llnzusriedcnheit der ii n v e in i t l e l l e n Massen, die heule kaum die Karreupieise erichw Upen können, steht auf Siedchitzel Datz die kommunale Beivirtschaftung ein wenig befriedigendes System darstellt, mag zugegeben werden, aber solange nicht ein törperschaftlicher Zutammenschlutz des Gewerbes vorliegt, der nach dem Grundsatz„Grotzer II m s a tz— kleiner N n tz cn" zu arbciren vermag, ist die Zwangswirtschaft gegenüber der freien Wirtschast das viel kleinere llebcl. Dcutsch-englischer Handel. Wie„T e l« g r a a f" au? London. meldet, belief sich der Wert der deutschen Ausfuhr nach England im Februar, März und'April auf 5 460 000 Pfund Sterling, Englands Ausfuhr noch Teutschland betrug in der gleichen Zeit 5 400 000 Pfund Sterling. In der Vorkriegszeit waren eutschland und England bekanntlich gegenseitig die besten Kunden. Sszialcs. Eiulgnng zwischen Aerzten und Krankenkassen. Die am 21. Juni im Reichsarbcitsmvtistcrium zur Bei- legiing der Streitigkeiten der Kassenärzte mit den Kranken- kassen stattgesundenen Verhandlungen haben zn einer völligen Ucbereinslimmnng geführt. Die beiderseitigen Organisationen werden die nötigen Weisungen ergchen lassen, wann der vcrtragslose Zustand aufzuheben ist. Maschinen ohne Schutzvorrichtungen? Vor uns liegt der Bericht über die Tätigkeit der technischen Aufsichlsbeamten der NahrungSmittel-Jndustrie-Berufsgenossen- schuft vom Jahre 1919. Wir haben schon in den Vorjahren auf diese Berichte hingewiesen, denn der Verfasser, Herr Oberingenieur Urban- Berlin, zeigt ein soziales Verständnis auf dem Gebtete des Arbeiterschutzes und der Unfallverhütung, dos zeigt auch, datz iu dem Berichtsjahr allein 8257 Anordnungen getroffen worden sind. ES sind in dieser BerufSgenossenschaft, der 40 592 Betrkbe angeschlossen sind, 2736 Betriebe revidiert worden. Unfälle sind an- gemeldet 6584, davon waren 6l mit tödlichem Ausfall zu vir- zeichnen. Wenn auch die Unfälle Wage halten mit 1918, so mutz jedoch bemerkt werden, datz im Berichtsjahre ganze Industrien wegen Rohstoff- und Kohlen man zel längere Zeit stillgelegen haben. Leider mutz deshalb von einem Anwachsen der Unfälle ge- sprachen wenden. In dem Bericht heitzt es u, a.: Der Verkehr mit den Betriebs- Unternehmern wickelt sich im allgemeinen in angemessener Form ab. In einigen Fällen haben die Beamten bei Betriobsvevistonen über ablehnendes und ausfallendes Verhalten von sei- ten der Betriebsunternehmcr zu berichten gehabt. In einem Falle wurde dem Berichterstatter der Zutritt zu dem Betriebe der Keks- sabrik in Schötmar i. Lippe während der Arbeitszeit verwei- gert. Trotz wiederholten Anrufens des zuständigen Vcrsiche- rungsamtes in Schötmar, den Betnebsuntemekiner zur Pflichterfüllung anzuhalten, hat das Versicherung Samt dem Antrag nicht nur nicht stattgegeben, es hat dem Berichterstatter überhaupt keine Antwort ertvilt. Man mutzte sich deshalb erst bc- schwerdeführend an die ReichSgeireidestelle wenden, um die Frei- gäbe des Betriebes zwecks Revifion durch die BerufSgenossenschaft vornehmen zu können. Ed ist aber auch kaum begreiflich, wie weltfremd Behörden und Gerichte der Materie der berufSgenossestschaftlichen Unfall- Verhütungen gegenüberstehen. Sonst könnt? es nicht vorkommen, datz der Berichterstatter der Berussgenossenschaft gefragt wird, ob die NabrungSmittel-Jndustrie-Berufs-genossenschaft«ine Gesellschaft mit beschränkter Haftung sei, ferner ein»ernehmendir Richter den Berichterstatter fragt, ob die BenifSgenossenschast ein Konkurrenzunternehmen der beklagten Firma darstelle. Ein wer- terer Fall ist auch recht bezeichnend. Ein Bäckermeister wird auf- gefordert, an einer Knetmaschine ein« Schutzvorrichtung anzu- bringen, woraus die VerufSgenossenschast folgende befremdliche Zeilen erhielt:„Ter Bäckermeister N. R. Hierselbst ist nach seinen VermögenSverhältnisse nicht imstande, die angeforderten Schutzvorrichtunien anzuschaffen. Tie Polizeiverwaltung." Gegen derartige Einmischungen der Berw�ltuagSbehörden mutz die schärfste Verwahrung eingelegt werden. Wenn der Bäcker- meister, der einen Gesellen und zwei Lehrlinge in seinem Betriebe beschäftigt, den gesetzlichen Vorschriften über„Arbeiterschutz und Unfallverhütungen" auS pekuniären Gründen nicht nachyukommvn in der Lag? ist, mutz«r seinen Betrieb schliefen. Es ist mcht Sache der Polizetverwalwng, dem ungesetzlichen Zustande das Wort zu reden. Der Berichterstatter nimmt im Berichtsjahre wiederum V-r- anlassung, an das zuständige Oberverfiche ruagSaru t und das Reichs- versicherungSamt die Bitte zu richten, Befch»erdeu von Betriebs- Unternehmern, die wegen Vergehen zegex die 1! nfailv erb ü t u n gs» Vorschriften von de» BerufSgeriossenschast bestraft worden sind, mr beschleunigten Verfahren zur Entscheidung zu bringen. ES mach« sich notwendig, datz die über die BetriebSuxiernehmer ausgesprochenen Strafen schnellstens vollzogen werden, um ein? er- ziehe rische Wirkung auszuüben. Ein Bäckermeister und früherer Reichstagsabgeordneter in Quedlinburg, in dessen Betrieb ein schwerer Unfall wegen nicht genügend geschützter Knetmaschine vor- gekommen war, wurde durch eingeschriebenen Brief zur sofortigen Anbringung der Schutzvorrichtung aufgefordert. Der Bäckermeister und frühere ReichStagSabgeordnete hat es nicht für nötig befunden, darauf zu antworten, er wurde deshalb in eine Geldstrafe von 50 Mark genommin. Trotz der Strafverfirgung hüllte er sich der Berufsgenossenschaft gegenüber immer noch in Schweigen, er legt« ober bei dem zuständigen Oberveisicherungsami Beschwerbe über die über ihn verhängte Strafe ein, mit der Begründung, datz er nicht geneigt sei, eine Schutzvorrichtung, weil sie der Arbeit hinderlich sei, anzubringen, im übrigen sei die? Sache der Maschinenfabrik. �Der Gesetzgeber wird sich wohl überlegen müssen,»b nirbt eine Verschärfung der betreffenden Bestimmungen für derartiges Ver- gehen gegen die zum Schutze der Arbeiter erlassenen Unfall- vcrhütungSvorschristen zu erfolgen Hab«. Sozialpolitische Schriften. Die Buchhandlung Vorwärts hat soeben drei wichtige Schriften herausgegeben, deren Verkäster der bekannte Sekretär des ZenlralarbeiteriekretariatS Hermann Müller und der Postsekretär Willi S t e i n k o p f sind. Hermann Müller hat einen Kommentar'z idm Reich s- versorgungSgesetz und einen Führer durch das ReichsversorgungSgesetz und da? Gesetz über die Beschäftigung Schwerbeschädigter herausgegeben. Beide Schriften dürften in Anbetiacht ihrer leicht verständlichen Ueberficht und Gliederung der GesegeSmaterie ven den grotzen Interessentenkreisen aufS freudigste begrützt werden. Willi Steinkopf bebandelt in einer Schrift die Frage: Was m n tz der Beamte von dem Besoldungsgesetz wissen? Die hlinderttau'ende von Beamten können sich durch die Sckrift eine klare und erschöpfende Auskunit holen. Der Werfasier gliedert darin die unter die einzelnen Besoldungsgruppen anffallendeir Bcamtenkategorien und berücksichtigt auch in eingehender Weise die Umstände, unter denen das Gesetz zustande gekommen ist. Sport. Alrtinuild, der NeberralchunaSneger im Grotzen Hanla-Pre!?, wird nm tt. Juti den Grotzen BrciS von Berlin bestreiten.— E n de g n t ikt von einer unbedeutenden Schulte.rjMimheit befallen, er kann infolgedessen nur leickte Arbeit verrichten.— Der Nennstallbellizer W. L i n d e n fl a e d t ver- kaufte Friedenstaube. Leichtsinn und Mariita an den Leutnant Arnold.— Der Teckbengst Lc Mötöore, der auf französischen Reimtahneu 55562 Frcs., in Deüiichlaiid aber nur 2405 M. gewinnen konnie, mutzte getötet werden. Le Mstöore, selbst Schimmel, Ist der Vater der bildschönen Fulda, die allen Gruncwaldrennbahübcsuchern bekannt ist. Groß-Serlmer parteinacheichten. Heute, 24. Juni: Britz. 7 tlbr!m Lehrerzimmer der t. Gemeinde-Schule Ebaussecftr. Versammlung aller sozialistischen Elternbeiräte.. Fredersdorf stDirbalm). S Uhr bei Heine. Schwarzer D?g, Zahl» abend. Vortrag und Zlussprache über die jünzstcn Vorgänge. Abrech- nungen. Jiiiigiozinlistikehe Bereinigung. 7st, Uhr im Jugendheim. Nog-rt- siratze SL, Vortrag über Planwirlichast— Ortsgruppe 7. Th Uiic im Saal der Juristiichen Sprechstunde Lindenstr. 8. Tertmisgabc zu Wiih. m Tell mitbringen.—'Abteilung«üben. Lindenstr. 3. Jurisliiche Sprechstunde. 7'/, Uhr: Vortrag. 6 Uhr: Erweiterte ArbeitSausschutz- sitzung. Jntercisiene Mitglieder willkommen.— Orlsgruape Lichter- i e l d e. Freilag abend 8 Uhr öffentliche Versammlung in der Aula der Oberreallchule vimgitr. 3. Thema: Die Wcltsriedenlbewegung. Ref. Gen. Pastor Franke. Jedermann ist herzlich eingeladen. Mor-ze», 25. Juni: Achtung. Polizeibcairne! Tie für den 25 Juni in HavcrlandZ Feitsälen sestgesetzte ikonserenz der Obleute und Vel trauenslcute der grünen, blauen und Shiminalpotizei fällt au?. An diesem Tage findet eine all- gemeine Funklioiiärionserenz der S P. D.(siehe Inserat vom Mittwoch, den 23. Juni) statt. Wir btlien, diese Konferenz unier allen Umständen zu be'vchen. 7. Abt. 7 Ubr Zusammenkunft der Bezirksfährer zur Abrechmmg bei Engelhardt, Friesenstr. 9. X.,!!>.—?Jfc. Abt. 7'/, Uhr Sitzung der Sommersestkommtssion im Steuerbans, Landsberger Allee. Tempelhof. 8 Uhr im Lyzeum Tempelbos, Kermmiiaftratze, Eltern- Versammlung aller Gemcindrschulen Tempelhoss. Jugenüveranftaltunxen. X Heute H'/j Nhr: Charlattenburg: Jugendheim Rosincnllr. 4(Volksbaus) Mädchen- abend. Lichtenberg: Jngendö'imMügaelstr.l* Mädchenabend. Aen ex« bagen: Jugendheim öSemeindeichuleNiedtrhaidenstratze. Vortrag: Der Wert der Bildung. Sira lauer Viertel: Jugexdheim Jugeiid.'iudzimmer der 220. Gemeindojchule, Naqlerstr. 3. Vortrag: Die(Seschichie der h'.oletanichen Jugendbewegung. S ch ö n b a u I- r Vorstadt 1: Jugendheim Ge- meindeichule Sonnenburg er Str. 20, Kinderbortziinxier. Vortrag: Volks- wirtschitst. Schönhauser Vorstadt II: Jutexdhemr Jugendklub- klubzimmer der 2222238. Gemeindeichiile, Paphela?»« 41/42 DiskussjoaS- abend: Die letzlc Nummer der„Arbeiter-chizexd". Gteßlitz-Frie» iennu: Jugendheim Kemeindeschulejchule Offexbach« Swotze Mädchex- abend. Srisfkaften dsr Neüaktion. _ SI. K. SS. Nähere? erfahren Sie im Auskunstsbureau, Schöneborzer Str. 9.— Sri). Gemeinnütziger Bauvcrein„Kriegerheim", Lichtcrseld« b. V., Berliner Str. 438. Wetterbericht bis Freitag mittag. Meist bewälki. oeoanietTich, etwas kühler, leichte Regensälle bei mätzigen nordwestlühen Äiuden. Operahacs. Schahrazade. _ Anfang 7 Uhn Schaaspieläans. Maria Stuart. Anfang t'/i Chr. Deitsches Theater. 7i/,uhri Taifua. Ab Sonnabend: Gastspiel Maria Orska Weib und Hampelmann Kammeripiele. 7v,: Leibgardist (Alfred Abel, Klle Dorsch). TbeaterdesWestens Nax PaHenberg: 7 Verwickelte Geacbiclite. NeueWelt Ltsslng-Tlieater. SommerNpielzrlt Ailabendlicn 8 Uhr: ll!9|!i!iS0ilSlaDÜII m D.Glas d. Jungfrau Dratsclies Eönstler-TiiEatcr Allabendlich 7'/? Uhr: Die bessere Bälfte mit Kai Adalbert. Arnold Scholz Basenheide 103,'114 Jeden Donnerstag: Elite=Tag! Großes Gala-Parade-Feuerwerk auBerdem: Konzert i: Vorstellung im Rlesen-Festsnai: ÖrOßCf Bsll« Die Weinterrasse ist eröffnet! Anfang 5 Uhr._ Anfang 5 Uhr. Abstimmung in Ostpreußen! Abftimmungsbrrrchligt», die In bei Zell oom 30. 6. bis S. 7. I! mit dem Londerzuae nach Ostpreußen durch den polnischen > Korridor reisen, müssen sich mit einem polizeilich abgeftempelien ' � Lichtbiide nersebcm Anmeldungen für die Fahrt oom SO. 6. bis 8. 7. sind mindestens sechs Tage vor der Abreise bei bem Obmann de» Bezirks anzubringen. Der Wohlausweis ist hierbei Bund heintattreuer Ostprcuhen. W Ii, Hallefches Afer 24. Geöffnet 9-6 Uhr. SHV W7TOSW ■>» TriasJu-Theater. Bahnhol FriedrichstraBe. Täglich VI, Uhr: JAiiskerade. Imlilrnz-Tr. sater. Stadtbahn JannowitzbrUcke. Täglich>,zS Uhr: PaulWeteneru.Oigalimburgin Dil RascMiofrs Friedr.-Wilhelmst.Theater m, uhr: Ercfeen SGahreclit. Der große Erfolg.. UiseTicater. 7'/, Uhr: Schwarzwiidmadel TlieilerSsW� Friedrich-�ckc Linienstr. 7% Uhr; Flimmer- Klirchen dntrais-Ptlast VI, U.: Flirt In St. Moritz. tSdtietb.Wofi SemmraocMi- Traum das Fett zum Btslcn l dcr„VoJks»p«ndc für die vertriebenen Ans- land-Vsskcbcn" am DoranerafsS, 24. Juni Japan iöcheaTaglwiervBrk /Große. japanische IHnrainatioD des Parkes| Groß-Nachtleuervrcrk/ 8 Or-� ehester; Metrepollheator-Orcheßter. Kapellmeister Etlhn, Luna- Blas. Orchester, Kapollaieister Schter- horn. 35 Mann BoJaleika-Orchester, Leitung Romanoff. Ferner: Extra- Kabarett namhafter Künstler. Kinder-Ballett von Mary Zuamerraßon. 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Juni d. 1, wonach das Vermögen dieser Gesellschaft als Ganzes, einschfleBlich des Ergelinisscs für das lautende Geschäitsjahr(vom t. Oktober 1919 bis 30. Sepiember 1920), unter Ausschlug der Liquidation auf die Schultheiß' Brauerei Acticn-Geselischaft übergeht und dagegen den AKiionären der Patzenhofer Brauerei Aktiengesellschaft, deren Grundkapital M. 13 200( 00,— beträgt, neue Aktien unserer Gesellschaft mi' Dividendenberechtigung vom 1. S-ptember 1919 ab dergestalt gewählt werden, daß auf jeM 6000,— nom. Aktien der Patzenhofer Brauerei Aktiengesellschaft mit Dividendenscheinen für das vom 1. Oktober 1919 laufende Geschäitsjahr und die folgenden Geschäftsjahre sowie Erneuerungsscheinen>e M. 5000,- nom Aktien unserer Qesellschalt mit Dividendenscheinen für das vom t. September 1919 ab laufende Geschäftsjahr und die folgenden Geschäftsjahre sowie mit Erneuerungs scheinen entfallen. Außerdem werden auf jede Patzenhofer Aktie zwanzig vom Hundert ihres Nennwertes bär ausgezahlt. 2. Beschlußfassung Uber Erhöhung des Grundkapitals entsprechend dem Beschlüsse zu I. um M. 1IOCOOOO,— durch Ausgabe von 11 000 auf den Inhaber lautenden Aktien über je M. 1009— sow ie Ober eine weitere Erhöhung unseres Grundkapitals um eine Million Mark mit halber Dividendenberechtigung IQr das laufende Geschäftsjahr durch Ausgabe von 1000 auf den Inhaber lautenden Aktien Uber je M. 1000,— qnter Ausschluß des Bezegsrechtes der Aktionäre sowie über die Festsetzung der Einzelhelten der Ausgabe der neuen Aktien. 3. Ermächtigung des Aufsichtsrates, nach Durchführung der Erhöhung des Grund ka.itais dem§ 5 des Geseilschaftsvertrages durch Einstellung der neuen Ziffer des Grundkapitals die erforderliche neue t-assung zu geben. 4. Beschlußfassung über Aenderuug des Geseilschaftsvertrages, und zwar: al Aenderung der Firma unserer Gesellschaft, bi Berechtigung der Gesellschaft auch zu G rund Stücksveräußerungen, c) Ernennung eines Vorsitzenden des Vorstanees mit alleiniger Vertretungs- bcfugr.is sowie stellvertretender Vorstandsmitglieder. d) Regelung der Zelchnungsberechticung der enigen Prokuristen, welchen vom Aufsichtstat die Stellung als stellvertietender Direktor oder vom Aufsichts- raie die Vo imacht Übertiasen ist, auch mit einem andeten Prokuristen die Firma verbindlieh zu zeichnen, e) anbei weitiee Festsetzung der Mindest- und Höchstzahl für die Mitglieder des Auisichtsrates sowie für seine Beschlußfähigkeit, f) Neuregelung der Stellvertretung des Vorsittenden des Aufsichfsrates, g) Feststellung, daß der Anteil am Jahresgewinn auch die Ver gütung für die Tätigkeit eines Aufsichtsratsmitgliedes bildet, welches in der Zeit vom Ende des Geschäftsjahres bis zum Schiuse der ordentlichen Generalversammlung desselben ausscheidet, h) Erstreckung der Frist, welche zwischen der Bekanntmachung Oder Einberufung von ordemilcben sowie außerordentlichen Oeneioiveisammtungen und dem Taäe der Abhaltung liegen muß, von 16 auf 21 Tage, I) anderweitig. Festsetzung der Akllenhinteriequngsfnstenfürdie e inenAkt-onäre. welche an der Generalversammlung teilnehmen wo len, dahin, daß die Astlen In Zukunft spätestens am dritten Werktags vor der Generalversammlung hinterlegt werden müssen, k) Erhönung des dem Aufsichtsrate zustehenden Gewinnanteils von 71/, Proz auf 10 Proz. j. Erteilung der Ermächtigung an den Aufsichtstat. die Neufassung des Geseilschaftsvertrages gemäß den lle.chlüssen Ziffer 4 vorzimthmen und gleichzeitig cgn gc samten Gesellschaftsvertrag In neuer Hechtschreihung und unter Bt rdckslchtiguijg, der T tc-Iänderung der lür.e VerOffeniiichung bestimmten Blä-.ter zu redigieren I 6. Zuwchl von Mitgliedern des A.f jichtsraies der Patzeuhoier Blauere! Aktien-, gzsejlschaft In den Aufsichtsrat unser r Oeselitcb.-tft. D'ejenlien Aktionäre, we che an der a-Kctordemllebcn Generalversammlung teilnehmen wollen, werden mit Bezug auf Jj§ 23 end 24 d-s Gesellsehailsvcrtra es ersucht ihre Aktien mit doppeliam Nummernvetzeichnis oder die Uber d'e Aktien lautenden Depotscheine der Reichsbank oder«Ines deuisrhen Notars, welche die Hinteilegung be Urkunden, bis spätesten» Freitag, den 9. Juli, mittags 12 Uhr, •" Berüü beider D6lt8€hCR Bank, ueh enstr-e»»-I6, ..,. SckaitiielfrBranerelÄClien SöseÜscliaft, Zcutralhuredii, Roonr treB« 6—7, » Dessau,, Schultiielli' Brnuerd Abtciluup III, Drnuer.lstraBe, , Breslau„, bchnlthed:' Brauerei Abteilucg V, Matthlas- siralie 204-208, während der üblichen CescbäF.sstunden zu hinterlegen. D e Depot: Cheine eines Notars müssen die Ecschelmgung enih alten, djß die darauf nach Nun mern verzeichneten Aktien Nut aegen Rtlckgtb» res Hinterlegungsscheines oder erst nach Schluß der üencralv;rsammlung ausgeliefert werden. Beritn, den 17. Juni 1920. Der iufsiebtsrat der Schultheiß' Erauerei Aetien-Gesellschafl DasChPiiiiisprohlemjstösi! In sssoasr eiiton nrisanto I'.c/*na>n I Sseb.M'scülcniVorlWOJahr.fd Wer war Jesu« Christus?l in einer alten onentalicnen Bibliothek ist ein Dokumentl geiund. worden, das ganz genau mitteilt, wer Jesus Christusl war: ein Bundesbruder des Essäerbundes, einer Art! Freimaurervereinigung. Es ist der Berieht des Aeltesten[ diesesBundes injerusalem an denAeltesten in Alexandrien, j Ein christlicher Priester versuchte bei der Entdeckung das| Dokument zu vernichten, da sich die ganzen mystischen Wundergeschichten auf einmal ganz natürlich erklären. Die Vernichtung gelang ihm aber nicht Dieser Bericht ist von Fern. Schmidt ins Deutsche übersetzt. Kein| Denkender wird das Werk unbefriedigt aus der Hand legen � Preis Mk. 6.30 und Mk. 1,10(r. Nachnahme. W Gr. Bücherkatalog»ratls. Albrecht Dorath. Verlag. Leipzla42 MUS? 12000 Ml Preisausschreiben für die Leset von Kürschners Bücherschatz (Roman- und Nooellensammlung. Jeder Band 8b Pf., m. Teuerung». »ufchlag I A.). Bebinaungen für das Preisausschreiben iteaen allen > neuen Bänden von Kürschner» Bücherschatz bei und sind durch jede Buchhandlung oder von- SemäßSlöinökklßz verlin W 0, kostenlos zu beziehen. ZKsins großen Zllödsi- Lsgsr f! mit Spcllezimmeca, Herrenzimmer». SU immern. Leber» u.(Bobelln-tBacaitutcn, piüfut asns. Xtumeau., Sthränken, Vertikos, kompletten Kiicheneinrichtunger, o(mu stehen zur ae- älligen zwanqlojen Bejrchttgung in der vriinnenjlrnst-. Zlr. 7. 3lr. 6 tu 31 c. 186 nahe Rolenihale: Piah de Mödel-I�ectintt-,; I(fieöffnet von �— 6 I .kV-�.vVv�-- � Aufarbeiten der Federn. Waschen der Iniettö Abholung und Zuatellung ..,. ifr.l in Orosa-aerlin kostenf Hopotaky, VOKhaender. Paul Hera, fteliv. Vorsitzender, 1 I Nutzelsen Ankauf Verkauf Stabeisen. 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Der Cesc�entwnrf über die Standesvorrechte des Adels und die Auflösung der Hausvermögen wird danach ohne wesentliche Aussprache in zweiter und driller Beratung gegen die D e u t s ch n a I i o n a l e n angenommen. Es folg: die erste Beratung des Gesetzentwurfs über die Ab- cnderung des§ lO des Gesetzes betr. die Befähigung zum höheren Verwaltungsdienst. Ein Regierung-Zvertretcr: Der Entwurf beseitigt schweres Un- recht beispielsweise gegen die SchNllmänNer, die bisher nicht in leitende Stellungen kommen konnten. Abg. Kran Tr. Wegscheidel(Soz.): Wir erwarten von dem Entwurf die wünschenswerte Herstellung des Gleichgewichts zwi- schen Schulmännern und Vcrwallungsbeamten. Mittlere Beamte, die über große Ersahnungen verfügen und ihre organi- sawrrschen Fähigkeiten erwiesen haben, müssen in leitende Stellungen kommen. Der Entwurf wird schließlich einem Ausschuß von 28 Mitgliedern überwiesen. Donnerstag, 214 Uhr: Beratung über die preußischen Siim- men im Neichsrat. Schluß: i'/i Uhr. Die Spitze'lvirtschaft geht weiter. In der.Freiheit" ist fvlgendei erbauliche Mitteilung zu lesen: Seil dem Svätfrühjahr löin war im Auftrage der Korn- m u n i sl i i ch e n Zentrale in Dst- und Westpreußen ein Kam- munist tälig. der sich Morberg nannte. Der richtige Nam�foll Burgner sein. Burgner- Marberg war Wanderrcdner: er erblickte ueben der Hetze gegen Unabhängige und Rechtssozialisten seine Aufgabe darin, ständig nach Putschen zu drängen. Viele hielten ihn für einen Spitzel, andere für einen unfähigen Renom- misten. Im Frühjahr 1920 enthob ihn die Zentrale der Kom- niiinrsteir seiner Stellung. Im April d. I. Harle Marberg sein Tärrgkeilsaebiet in den polnischen Staat, nach Graudenz. ver- legi. In der Nacht voni 24. zum 26. April ivlirde die gesamte Graudenzer O r t s v e r w a l t u n g aus den Betten her- aus vcrhasiet. außerdem Dutzende anderer Genossen. In Klein-Tarpen bei Graudenz sind die Vcrhaitungen so gründlich besorgt worden, daß von allen SZ Mitgliedern nicht eins vergessen wurde. Marberg ist damals m i t v e r h a f t e I worden. Einige Tage später war er aber bereits wieder in Danstg in Freiheit. Dorr wurde er am 14. Mut aus Anordnung des rechtssozialistischen Polizeipräsidenien Frnngel festgenommen und nach Lauenburg tu Pommern abgeschoben. Was dann aus ihm geworden ist. ist unbekannt. Im Anschluß beeran sei noch mitgeteilt, daß die K o m m u n i st i s ch e Zentrale im vorigen Jahre einen gewissen Morl nach Memel schickte snicht mit Marberg identisch.) Morl sollte als Sekretär die Verbindung mit Sowjet-Rußland aufrechterhalten. Er war ein Spitzel, ließ die ganze Leitung der Memeler Kommunisten verhalten und ist während de? Kapp-Putschcs als Offizierstellvcrtreler in Königsberg eingetreten. In der sozialdemokratischen Presse ist seit langer Zeit vor den Spitzeln gewarnt worden, aber die Kommunisten und Unabhängigen waren blind gegen diese Gesahr. Wer einmal sich auf Dntaturgeiüste eingestellt hat, ist nicht sicher vor den Eindringlingen mit der dunklen Vergangenheit. Tie Geschichte von Hans Most und den Zlnarchisten wahrend des Sozialistengesetzes lehrte Bände, aber die braven Linksradikalen kannten diese Bände nichi. Erst nachdem der Ar- :''.erschaft unendlicher Schaden zugefügt, Ivird bei ihnen„vor Spitzeln gewarnt"!_ Zur voiksentftheiö gegen Militärgerichte. Folgender Aufruf geht uns zu: Wieder ruft ein furchtbares Urteil des Mililärgerichts in jedem fühlenden Menichen tiefste Enipörung wach. 16 Arbeiter, die kein anderes Verbrechen begingen, als daß sie reaktionären DülitärS als .Svartakisten" erschienen, werden von studentischen Zeitfrei- ivitligen verhailet, auf dem Transport durch rohe Mißhandlung zur Seite gestoßen und dann als angeblich„Flüchiige" niedergeschossen. Ein 16 facher Mord, feiger und niederträchiiger, alS ihn der elendeste Verbrecher begehen kann. Und das Militärgericht spricht die Mörder i r e i.„Daß Menschen von Bildung. Akademiker. Mißhandlungen vorgenommen haben sollten." meinte der Herr Verteidiger, halte er „sür ausgeschlossen". Der Herzickuß von vorn, den die Leiche de? e-uen Gemordeten zeigle, sei„vielleicht aui eine NotationSbewegung zurückzuillhren". Wir fragen: Ist das deutsche Volk deshalb durch das Elend der KriegSjahre gegangen, hat es deshalb Opfer und Kämpfe der Revolulionizeil gciragen, um sich, s ch l i mm e r noch als früher, rober militärischer Gewalt unierwersen zu müssen? ES ist ein schweres Vergeben der Nationalversammlung, daß sie nicht längst die Militärgerichtsbarkeit abschasile, die setzt ein um so schlinimeies Ausnahmerecht darstellt, als wir lein Heer im a.ien Sinne mehr haben. Aber die Berfasiung gibt jetzt dem Kolke die Möglichkeit, in eigener Enncheidung Recht z u i cha sfen. Wenn ein Zehntet der Wahlberechtigten in Deutsch- Luid Volksentscheid Über die Abiwasiung der Miiilärgerichle fordert. io muß ein solches Gesetz dem Reichstag und— lehnt er es ad— dem Votum des Volkes vorgelegt werden. Wir rufen deshalb olle Männer und Frauen im Deutsche» Reiche, die noch Gefühl für Menschlichkeit und Recht besitzen, auf. sofort ihre Stimmen zu der Forderung eines VolkSenischeids sür Äbschaffung der Mili'.ä igerichtS- barkeit zu vereinigen. So ivird das Volk selbst das llrieil über die INöidcr von Thai sprechen. Walltz Zcpler. Kate Kollwitz. Inzwischen hat die Sozialdemokratische Reichstagsfraktion diese Angelegenheit auf den kürzesten Weg der parlamen- tarischen Gesetzgebung geleitet. Dem sympathischen Gedanken, ans diesem Gebiet zum erstenmal die Macht des Volks- enischeids anzurufen, steht die Schwierigkeit im Wege, daß die gesetzlichen A u s f ü h r u n g s b e st i in m n n g e n zu den emschlägigcn Artikeln der Verfassung noch nicht er- lassen sind._ Die Plünderungen in Osnabrück. Ikeber die Ursachen der LebenSmittelouS schreitun. gen gibt unS ein Oisnabrücker Parteigenosse n»ch folgende Schil- derung: Bei uns wurden gewaltige Mengen Obst zu Wucher- preisen angeboren, so forderte man 4 bis 5 Mark für das Pfund Kirschen. In ähnlichen Grenzen bewegten sich die Preise für da? übrig« Obst. Ter OZnabrückcr Bürger, der nicht cchiehm konnte, weshalb man da» Otft«erf diesen Preis hinauf- getrieben hat, griff zum Kä u f e r st c e i!. Tru,»«eiie imm dw ' Käufer durch die Straßen und ünierhielten sich über diese Wucher- preise. Die Inhaberin eines ObstgeschäftcS, Frau Breitenkemp, der die Aufregung der Käufer sichtlich Befriedigung verschaffte, äußerte plötzlich:„Die Kirschen sind auch nicht für den Pöbel da." Infolge dieser Provokation griff die Menge zur Selbsthilfe, st ü r m t e den Laden und verkaufte das Obst sür den Preis von 56 Pf. bis 1,66 M. Spargel, der aus 3 bis 4 M. stand, wurde für 1 M. von der Menge verkauft Unter der Führung einer ganzen Reibe ortsfremder Personen griffen plötzlich die Plünde- rungen mit rasender Sbbnelllgkcit um sich, und in einem Fleischer- laden wurde das Schweinefleisch mit 3 M. pro Kilo verkauft. Hier- bei äußerte der Vorsitzende der U. S. P., Kolbrecher, am Monrag gäbe.eZ mehr Fleisch. Am Sonntag zogen einige als Matrosen verkleidete Individuen in verschiedene Hotels, uin hier zu„requirieren", meist jedoch mit negativem Erfolg.?1m Montag sammelte sich wiederum eine größere Menschenmenge an, zog vor das Schuhgeschäft von Markus, sandte eine Deputation zum Istihaber und forderte ihn aus, feine Waren zu erschwinglichen Preisen zu verkaufen. Markus war bereit, seine Schuhe für 66 M. zu verkaufen, stellic jedoch die Bedingung, daß die Käufer ewen von der Ortsbehörde ausgestellten Bedürstigkeitsschcin vorlegten. Etwa 266 Paar soll Markus auf diese Art verkauft haben. Noch immer wogte die Menge hin und her und gab ihrer Entrüstung über die hohen Lobensinittelpreise Ausdruck. Da griff wider Erwarten die Einwohnerwehr ein, die nur aus bürgerlichen Elementen besieht, und schlug mit Gummiknüppeln, Eichenstöcken und ähnlichem fest aus die Menge «in. Der Deutschnationale Brandhorst fuchtelte fortwäh- rcnd mit seinen: Revolver umher. Schüler der höheren Schulen tauchten in Menge auf hielten?lnsprachen, und einer dieser jungen Burschen, Beckmann ist sein Name, stieß fortwährend den Schlacht- ruf aus:„Leute, laßt euch nicht auf Versprechungen ein, ran an die Juden, die müssen bluten!" Unser Gewährsmann führt bitter Beschwerde über die wenig mannhafte Haltung der unabhängigen Partei, die wohl in einem Ansruf die?tusschrcitungen verurteilte, jedoch während der An- sammlungen unsere Partei für die OeHenSmittelteuerung in der allerschvselsten Form verantwortlich machte. Die sozialdemokra- tische Stadtverordnetotfraktion tat alles, um diese bedauerlichen Vorgänge verebben zu lassen. Sie erließ folgenden Aufruf an die Bürgerschaft: „Seit Sonnabend herrscht in unserer Stadt Unruhe, die durch eine ungeheure Preissteigerung der notwendigsten Lebensmittel und durch Verhöhnung der Not hervorgernfen worden ist. Die Empörung der Bevölkerung über die wucherische Preisgestal- timg ist durchaus verständlich, und wir haben in der ietzten Sitzung hiergegen schärfsten Protest eingelegt und verlangt, daß . die Preise für alle wichtigen Lebensmittel auf ein erträgliches Maß reduziert werden. In derselben Richtung sind die freien Gcwerlswaften, Angestellten- und Beamtenverbände tätig gewesen. Der Unwille der notleidenden Bevölkerung hat sich auf dem letzten Wochenmarkt Luft gemacht. Leider baben sich u n- lauierc Elemente und antisemitische Hetzer der Situation beinächiigt, und diese versuchen die berechtigte Ernpö- rung der Bevölkerung für ihre dunklen Zwecke auszunutzen. Ihre Wstcht ist. keine Ruhe und Ordnung zurückkehren zu lassen, da- mit sie Plünderungen und Erpressungen fortsetzen können. Diesen Leuten muß das Handwerk gelegt werden. Veranlaßt die Festnahme aller derjenigen, die zu Plünderungen auf- reizen. Ruhe und Ordnung muß unter allen Umständen zu- rückkehren, wenn nicht unabsehbarer Schaden für die Gesamt- bevölkerung eintreten soll." In den folgenden Tagen hat sich die Erregung in der Stadt denn auch wieder verlaufen und sind Zivischenfälle äbnflcher Art nicht mehr eingetreten. Krefelöer Ultimatum an öle Belgier. Krefeld, 23. Juni.- Dem belgisckcu Kommandeur wurde folgen- des Ultimanim überreicht: Die Betnebsvertrnuensleute des Krefelder Industriegebietes verlangen von der belgischen Besatzung 1. die soforiige Z» r n ck z i e h u n g der Truppen, die von der Bevölkerung als Wachthabende des Schiebertums be- lrachtet werden, auS der inneren Stadt, 2. Sühne für die Er- schießung und Niedermetzelung unschuldiger Passanten, darunler eines zehnjährigen Kinde«, durch belgische Sol- baten, 3. Garantie für bnreicheiide Lebensmittel, deren Preise im Einvernehmen mit den Konsiimenten festzusetzeii sind, widrigen- falls die Krefelder Arbeiterschaft in den Generalstreik treten wird, für den Sympathieerklärungen des gesamten linken Nieder- rheinZ vorliegen._ Verurteilung eines ftl. ü. R. ■ Leipzig, 23. Juni. i'WTB.) Der vereinigte zweite und dritte Strafsenat des Reichsgerichts verurteilte den Redakteur der Königsberger„Freiheit". Hans Mittwoch, der jetzt zum Reichs- tagsabgeordneten gewählt ist, wegen versuchten Landesverrats .mey 8 62,1 St. G. B.(Veröfsentüchung von Staatsgeheimmpen zum Nachteil de» Deutschen Reichs) sowie wegen übler Nachrede in bezug auf den früheren Neichsweihrminister Noske, den Oberst Hesse und das Auswärtige Amt zu zwei Jahren Festnngshaft unter ?snrcchn>lng von sechs Monaten der Ilntersnch-uiigShaft. Die Straf tat wurde begangen durch die am 22. Oktober 1616 durch den An- geklagten bowirkte Verösfentlickaing des„Protokolls" über eine angeblich am 3. Juni 1619 abgehatlene Sitzung im Auswärtigen Amt. Das Proiokoll erwies sich hinterher als plumpe Fol- s ch u n g," wurde aber vom Angeklagten für echt gehalten und hätte dem Deutschen Reiche großen Schaden zufügen können. Die Thüringer LanötagswLhien. Weimar, 24. Juni.er Unternehmer Differenzen auf. Einer Anzahl unsozial denkender Ujiternehmer war der Nachweis schon lange ein Dorn im Auge, In Ven Jmmngsveriammliingen und den Verbands- versammlunaen liefen sie unier Führung des Hetrn Töpfermeister Hugo Hopp, Charloitenburg, Sturm. ES gelang ihnen> die Kündigung des ArbeilSuachweiSverirogeS zum l.Juli l920darchzusetzen. Allerlei saden- icheinige Sachen mußten herhalten; in Wirklichkeit ist ihnen der Nachweis im Wege, weil sie nickt die ihnen genehmen Gesellen er- halten, dmen sie am Wochenichlust weniger als den Tariilohn in die Hände drücke» können. Der Zenlralverband der Tövier hat dnrch seine Berlreter lviederhoit unter der Leitung eines Unparlei- licken wie Herrn MagistraiSrat Dr. Wölbling u. a. versucht, zu einem neuen Veitrage nill den Unternehmern zu kommen, die Ge- iellen waren zu grostem Eiilgegenkommen bereit, StelS wurde von den Unlernehmern rundweg erklärt, es bleibt bei der Kündigung. trotzdem die llnvarteiischen feststellten, daß die angegebenen Gründe für dw Kündignng nickt zuträfen,, Die Gesellen wissen ganz genau, dast nicht alle Unternehmer de» Standpunkt der Herren Hopp und Genossen teilen und einen Arbeitsvertrag wünschen. Um nun zu verhüten, dast es gänzlich zum BruS kommt, unter dem alle Beteiligten und nicht zuletzt die Töpfermeister leiden würden, ladet die Organisation alle sozial- denkenden Töpfermeister und Unternehmer des Töpferberuss, auch die'B-rtreter der in Regie arbeitenden Gemeinden, ein, sich an einer Ber'ammlnng und Aussprache mit dem Vorstand der Filiale Berlin des Zentralverbandes der Töpwr zu beteiligen. Diese Versammlung findet am Montag, den 23, Juni 1920, nachmittags oZ, Uhr im GewerkschafiShause, Saal 10, sta:t, Vierffunderttnusend! t\l Z l l k K-, ViZ Itl Osl-lj fc VZ# Utl, vsUtzt ermahnt in seiner neuesten Nummer alle männlichen und weib-. licken Mitglieder, den Kampf schätz der Vierhundert- tausend zu stärken und durch UeberzeugnngSireue und Opier- Willigkeit der Organisation jenen ge'.stigen und materiellen Rückhalt zu verschaffen, den sie zur Wahrnehmung der Angestellreninteressen gegenüber dem stark organisierten Unternehmertum haben muß. Zentralverband der Fleischer. Vertrauensleuts. B-trieSsräte, Ob- lente und Vorstandsmitglieser der Zettion I(Wurst- und Konleroen- sabriken, Fleischereien) am Freitag, den 25. Juni, abends 7 Uhr, in BoekerS Festsälen, Koberstr. t7: Vcrsa»ninlung. Zentraiverband der Angestellten. Fachgruppe 10.(B e- kleioungs- und Textilindustrie- und Handel).� Fach- gruppevversammlung am2Z, S., 7 Nbr, Mufikerürle, Kaiser-Wllhelm-Ztr. 3l. Achtung, Buchbinder i» der Nierallindustrie! Donnerstag, abends 5 11 br, Alexandrilienstr. 37a, Versammlung aller unter den Kollctlm- vertrag fallenden Buchbinder und Buchbindereiarbeitcrinnen, Tagesordnung: .Tarifbcratung. Erscheinen aller Kolleginnen und Kollegen undedingt Pflicht. Ziis aller Weit. Wie Carraaza ermordet wurde. Die.Deutsche Zeitung von Mexiko" vom 25. Mai lichiet daS Dunkel, daS bisher die Bluttat von Tlaxcalatongo umschwebte. Danach wurde der Präsident Carranza von dem früheren Rebellen- nibrer Rovolso H e r r e r o ermordet,, der sich ans der Flucht deS Präsidenten nach der Niederlage bei Rinconadu mit seiner ungeiähr 150 Mann starken Truppe diesem angeschlossen hatte. In Tlaxcalatongo übernahm Herrero, der schon seit zehn Wochen übergetreten war und für dessen Treue sich General Francisco de P. Mariel mir seinem Kopse verbürgt haiie, die Wache. Earranza hatte eine Hülle als Onartier für die Nackt gewählt und ictlie den kleiiien Raum mit seinem Privatsekcetär Pedro Gil Farias, dem Adjutanten Kapitän Juare,. zwei Assistenten und dem Hausmeister Sccundino ReyeS. Um 9 llhr begab sich der Präsident zur Rube, und auch seine Begleituiig suchte bald die benachbarten Hütten aus. Gegen t Uhr liest sich ein Ossizier der Truvpe Ro- doi a HerreroS mit zwei Mann melden, um dem Präsidenten die Meldung zu erstaiten, dast— nichts vorgesallen wäre. Erst ipäier erkannte man. dast diese nichtssagende Meldung nur den Zweck hatte, die L a g e x it ä t t e des Präsidenten genau festzustellen. Ein« halbe Stunde später schlichen sich zahlreiche Sol- dalen HerreroS in die Nähe der Hütte und nahmen in kurzem Ab- stände Stellung. Dann gaben sie die erste Salve ans die dünne Stelle der Brelteiwand ab, hinter der sich die Lagerstall des Präsi- denien befand. Carranza füblte sofort, dast er getroffen war und rief seinem Privatselretär zu:»Ich bin verwundet, geben Sie mir meinen Karabiner, ick must mich verleidigen!" In diesem Augenblicke krachte die zweite Salve, und der Präsident sank tot ans sein Lager zurück. Mit ihm starben die zwei Assistenten, Kopikän Juarez und fünf weitere Personen austerhalb der Hürte. Der von dem Rickter in Villa Juarez aufgenommene amtliche Be- fund hat ergeben, daß die Leiche des Präsidenten im ganzen sieben Scknßwunden ausweist. In ver Frühe des 24, Mai wurde die Lerche de» Präsidenten in einem primitiven Holzsorge räch der Hauptstadt Mexiko über« geführt. Erschütternd waren d:e Szenen, die sich bei der Antunft des Sarge« in der Privatwohmmg des Präsidenten abipielleir. Die beiden �Töchter des Ermordeten brachen unter herzzerreißendem Schluchzen zusammen. Die Leiche wurde in einear der Zimmer zu ebener Erde ausaebabrr. Unter ungeheuver Bereiligmig wurde die Leiche des Präsidenten »achmiliags auf dem Armenfriedhof begraben, Earranza hatte vor seiner Flucht ans Mexiko noch dieien Wunsch geäußert, als er leinen Töchtern erklärte, nur als Sieger oder tot werde er nach der Hauptstadt zurückkehren und im letzten Falle möchte er unter den Aermsten des Volkes bestaltet werden. Eine MunitionScxplofion ereignete sich auf dem Artillerie- Munilionsdepot Uhlerborn der Mainz. DaS Uebergreiien ans andere Teile des Lager? wurde von französischen Soldaten ver- hindert. Hierbei fand der Adjutant deS 150. französischen Infanterieregiments den Tod. Die Gefahr weiteren Umsichgreifens der Explosion ist beieitigt. Der Zugverkehr, der auf einige Stunden über andere Strecken umgeleiiet werden mußte, wurde wieder ans- genommen. Auf offener Straße nicderieschsssc» wurde in Reichenberg, der deulichböhmlfchen Jnsustriestadt,«in Polizist, als er einen unbe- kannten Mann, der gestohlene Wäsche verkaufte, festnehmen wollte. Der Verbrecher feuert« zwei Schüsse gegen den Beamten ob. von denen einer in die Brust traf. ES besteht wenig Hoffnung, ihn am Leben zu erhalten. Der Verbrecher entkam, indem er seine Ver- iolger mit dem Revolver in Schach hielt. Verantw. für den redakt, Teil: Dr, Werner(tzeiser, Epnrlottenbura! für wnzeiaen: TP. Glocke, tvertin. yerlag: Dorlrürts-Verlog 8. m, b, H,, Berlin, Druck: Vor- wärlS-Buchdruckerei u, Berlagsanstalt Paul Tinger u, Co.. Berli.l, llindenstr. 6. Hierzu t Bcllalie. 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