Nr.5!S ♦ Z7. Jahrgang Ausgabe A Nr. 22 Bez«qSvreiS: V»rtellShrl. ZV,— M I..mon-it>.ia.— M. frei INS Haus, ixiraus zahlbar. Post- beMg Mouallich 10,— Mh. exkl-Zu- stelluugsgedüdr. Unler Kreuzband für Deutschland und Oesterreich Ichrv Mh, für da« übrige Ausland vei täglich einmal. Zustellung 21 SV M. Poftbe» stellungen nekmen an Oesterreich, Ungarn, Tschecho-SIowakei, Dänemark, Holland, cu�cmbucg, Achmeden und die Schweiz.— Eingetragen in die Post-�eitungs-PreisUste. Der„Barwärt?" mit der Sonntag«- bellage»Volt u. Zeit� erscheint wachen- täglich zweimal. Sonntage und Mon- tag» einmal. Telegramm-Adreste! .Zozialdemotrai Berlin-. Margen Ansgabe Devlinev VolKsblstt ( zs Pfennig) Anzeigenpreis: Di« achtgefnaltene NonrareNczeile losteiZ,— M., Teuerungezufchlag 50°/». »Kleine Anzeigen-, das fett- gedruckte Wort 1,— M. fzuläfsig zwet fettg ad ruckte Worte), jede« weitere Wort 00 ZZfg. Stellengesuche und Schlafstellenanzeigen da» erste Morl SS Pfg., fede» weitere Wort 10 Pfg, Worte über 15 Buchstaben zählen iur zwei Worte. Teuerungszuschlag 50»� ffamilien-Anzeigen für Abonnenten Zeile 2,— M» polltifch« und ae- werkschaftliche Verein«- An- eigen z,— Ml. die Reste ohne Aufschlag. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bi» S Ahr nachmittags im Hauptgeschäft. Berlin CW S8, Lindeil- strafte 3, abgegeben werden. Dcössnet von S Uhr früh bi» 5 Uhr abends. Zentralorgan der rozialdetnokrati fchen parte» Deutfchlands Reüaktioa und Expedition: EW. 6$, Ändenstr. 3. Fernsprecher: Amt Mprippla», Nr. stäl S«—»3l»7. Freitag, den ÄF. Juni IvÄv vorwärts-verlag G.m.d. H., EW. öS, Lindenstr. 5. Fernsprecher: Amt Moritzplau, Nr. lL7ö&—äl. Oer Reichstag öer Oeutjchen Republik« Der erste Reichstag der Deutschen Republik ist gestern, 3 Uhr nachmittags, eröfsnet worden. Die Berliner B e- völkerung empfindet die Bedeutimg des Tages, die Tri- bünen sind überfüllt, vor dem Portal II, durch das die Adge- ordneten eintreten, drängt sich einie neugierige Menge, Photo- graphen stehen zur Aufnahme der abgehenden und der kommenden Minister bereit. Drunten im Saale aber vollzieht sich nur das Notwendige mit geschäftlicher Nüchternheit. Der neugewählte Reichstag konstituiert sich. Obwohl 34 Mitglieder fehlen, ist der Saal überfüllt, die regelrechten Sitzplätze reichen nicht aus, hinter ihnen sind Stühle aufgestellt, die die Namen der neu- ewählten Abgeordneten tragen. Denn die Neulinge müssen im allgemeinen mit den schlechtesten Plätzen begnügen. Tie bisherigen sozialdemokratischen Minister haben wieder ihre Abgeordnetensitze eingenommen, auf der Regierungsbank thront der im Amt verbleibende Reichsminister Dr. K o ch in einsamer Größe. Unter den Fehlenden befindet sich auch Herr Fehrenbach, der vielleicht Dringenderes zu tun bat. Die sozialistischen Parteien füllen fast die Hälfte des Saales, der Mittelgang trennt sie von den Bürger- lichen. In der Sitzordnung drückt sich geometrisch der Wahl- ausfall aus. die 112 Sozialdemokraten sind gegen die M'.tte gedrückt, die 81 Unabhängigen thronen breit auf der äußersten Linken, in der letzten Bankreihe sitzt die Kommunistin Clara Zetkin und hinter ihr, ans einem Neulingsstuhl, ihr G-e- sinnungsgenosse, der Frankfurter Anwalt Dr. Paul Levü Im übrigen ist es merkwürdig, wie wenig Gesichter man bei den Unabhängigen sieht, die noch aus der alten Zeit der ge- meinsamen Partei bekannt sind. Dafür desto mehr junge Leute, die hier hoffentlich noch manches lernen werden. Einige Minuten nach drei besteigt der Altersvorsttzende den überragenden Platz des Präsidenten. Es ist wieder, wie bei der Eröffnung der Nationalversammlung, ein Sozial- demokrat, aber nicht mehr der Genosse Psannkuckv dessen eindrucksvolle Ansprache in Weimar unvergessen bleibt, son- dern der 77jährige Genosse R i e ck e aus Brauuschweig. Der Zufall will es, daß der älteste deutsche Reichstagsabgeordnete zugleich einer der allerjüngsten ist. und daß die ersten Worte des Alterspräsidenten Ungleich eine Jungfernrede werden. Genosse Riecke, seit vielen Jahren Stadtverordneter in Braunschweig, seit 1918 Landtogsabgeordneter, ist nämlich diesmal zum erstenmal in den Reichstag gewählt. Aber ein alter, im öffentlichen Leben großgewordener Sozialdemokrat läßt sich nicht verblüffen: mit ruhiger Festigkeit, als ob er es seit Jahren gewohnt wäre, leitet Genosse Riecke die erste Reichstagssitzung. Nach der vorläufigen Ernennung von Schnftfuhrern folgt die Monotonie des Namensaufrufs, die nur durch Zwischen- rufe der besonders hochgestirnmten Unabhängigen unter- vie Eröffnungssitzung. brachen wird. L e d e b o u r— er ist euch wieder da— macht einen entrüsteten Zuruf über das erzwungene Fernbleiben seines Fraktionskollegen Mittwoch, der am Tage vor der Reichstagseröffnung in Leipzig wegen Landesverrats verurteilt wurde. Der Mann muß natürlich freigelassen werden, er hat auch gewiß nicht die Absicht gehabt, Landes- verrat zu üben, sondern er wollte nur den„rechtssozialistischen Ministern" eins auswischen, indem er mit unerbörter Ge- wisscnlosigkeit einen von Anfang bis zu Ende gefälschten Bericht über eine angebliche Ministersikung veröffentlichte. Wo sich Ledebour bemerkbar macht, muß Adolf Soff- mann natürlich zeigen, daß auch er mit seinen Spaßen wieder da ist— er ist wenig feierlich! Da merkt man doch wieder unter den jungen Häuptern der U. S. P.— das „alte Regime".. Um 4 Uhr ist alles aus. Die Fraktioner ziehen sich zu Beratungen zurück und heute soll das Präsidium gewählt werden. Auch däS wird nicht sehr spannend werden, denn es steht setzt schon fest, daß Genosse Löbe Präsident wird, und daß Dittmonn(U.«. P.) Bell(Z.) und Dietrich (Dnat.) ihm als Vizepräsidenten beigegeben werden. Am Montag soll sich aber die Mimsterbank neubevölkern, von diesem Tage an soll die wie Teutschland wieder ohne Sozialdemokraten regiert wird. « 1. Sitzung Donnerstag, den 24. Juni 1S20, 8 Uhr. Das Hau« ist sehr out hesucht. Die Tribünen sind überfüllt, in der Diplomatenloge find zahl- reiche Vertreter fremder Staaten anwesend. Am Regierunaslisch: Vizekanzler Koch. Der Alterspräsident Riekc-Braimschweig sSoz.) eröffnet die Sitzung und erklärt den ersten deutschen republikanischen Reichstag für er- öffnet. Zu vorläufigen Schriftführern werden die Abgeordneten: Frau Bobm-Schnch sSoz.s Frau Agnes M. Soz.), Dr. Pfeiffer(Ztr.) und Malkewitz(Dnatl.) bestimmt. Es wird dann der N a m e n s a u fr u f der Abgeordneten vor« genommen. Es feblen u. a. noch die Abgeordneten: Erzberger(Ztr.), Dr. Seim(B. Vp.) und Dr. Hugenberg(Dnatl.). Beim Aufruf de? unabhängigen Abg. Mittwoch, der vom Reichsgericht wegen Landesverrat? zu zwei Jahren Festung verurteilt worden ist, ruft Abg. Ledebour(U. Soz.):»Der ist unter Rechtsbruch verurteilt worden und kann deshalb nicht hier fein."(Unruhe.) Bei Aufruf des Abg. Stinnes(D. Vp.) ruft Abg. Adolf Soffmann zesprochen werde. Daß die Gesetze den nach außen geschlossenen Verträgen entsprechen müssen, ist eine Selbstverstäirdlichkeit, der die Nationalversanimlung be- reits Rechnung getragen hat. Kennt man denn drüben die deutsche Verfassung nicht, in der ousdrücklich gesagt ist. daß das internationale lfteebt Bestandteil der Versasiung ist und daß gesetzlich nichts geschehen soll, tvas dem Friedens- vertrag zuwider ist? Wenn die Entente darüber binmiS noch dem Deutschen Reichstag den Wortlaut der Gesetze vor- schreiben will, die er zu beschließen hat, soll sie ihn einfach durch eine Interalliierte Kommission ersetzen, das ist dann wenigstens ein klares Verhältnis! Drei Noten! tlKXWM) Soldaten— 350 000 OrdnnngSPoliziften— Auflösung der SicherhcitSwehr. Berlin, 24. Juni. sWTB.) Von den drei dem Vor- ndendrn der deutschen Fricdensdclegation in chcr Frage der Entwaffnung von den alliierten Regierungen zugegangenen Noten jählt die erste die verschiedenen Verstöße gegen die militärischen Bestimmungea des Friedensvertrages auf, die Deutschland von den Alliierten zur Last gelegt werden. ES wird dann im einzelnen darauf hingewiesen, die Alliierte» seien darin einig, daß die Bestimmungen de? Friedensvertrages über die Entwaffnung Deutschlands, sowohl was dir HeereSstärke als auch was daö Kriegkgcrät betreffe, r e st- l o S durchgeführt werden müßten. Daher müsse eS bei der Herabsetzung der deutschen HeereSstärke mif hundert- tausend Mann verbleiben. Die Sicherheitspolizei fei innerhalb dreier Mo- nate aufzulösen, dafür könnte die schon vor dem Kriege bestandene OrdnnngSpolizei auf 150 000 Manu, somit um 70 000 Mann gegen ihren Stand von 131? erhöht werde». Ferner fordern die Alliierten, daß die deutsche G e s e b- gebuug ausdrücklich in Einklang mit den militärischen Be- stimmungen des Friedensvertrages gebracht werde, womit wie aus der zweiten Note hervorgeht, insbesondere die Ab- schafsung der allgemeinen Wehrpflicht durch& c. s e tz gemeint ist. Ferner werden in der Note gesetzliche Maßnahmen gegen die Ausfuhr von KricgSmatcrinl dmlangt. Endlich wird auf wirksame Maßnahmen zur Auflösung der Ein- wohnrr wehren bestanden. Die zweite Note gibt ins- besondere Einzclheiteck über den Ersatz der Sicherheitspolizei durch die 150 000 Mann Ordnungspolizei. Die dritte Note fordert mit Rücksicht auf die unvoll- kommen? Ausführung der Auölicfernng deö militärischen L« f t s a h r m a t c r i a l s, daß die Anfertigung von Lustfnhrmntcrial in Tenifchland, die an sich am 10. Juli wieder hatte beginnen lönnen, erst drei Monate nach vollständiger Durchführung der AuSliefernngSpslicht wieder aufgenommen neroen darf. Die drei Ententcnotcn sind die erste Quitturrg über die Iunstooblen, müii will ossrnbar«eigen, daß man Deutsch- die LuöenAorfferei üer U. S. J). Angnft Grdmann gegen das Zentralkomitee. Der ehemalige sozialdemokratische Abgeordnete Dr. August E r d m a n n. der der Ports! der Unabhängigen seit ihrer Gnindnu-g angehört, vervsscntlicht in einem ihrer Organe, der„Wcstdendschen Wochenschau", einen Aussatz, in dem er sich mit schärfster Scharfe gegen da? wahnsinnige Treiben seiner eigenen Partei wendet. Erdinairn nennt den Crispien» brief an Genossen Hermann Müller einen M„politischer Ludcndorfferei". Erdmann rühmt den Kampf seiner Parter gegen Lüdendorff und fährt dann fort: Und dock, wollen die Führer der Unabhängigen e» jetzt genau so machen wie die G r w a l t f r i« d r r che um Luden» d o r f f. Und dabei wupten die Ludendarffe wenigstens, was sie wogten, während daS Programm der Unabhängigen, da» die Grundlage der kommenden Politik sein soll, ja noch gar nicht nial vorhanden ist, weil bekannter- und eingestandenermaßen in der U. S. P. über all die grundsäntickien und taktischen Pläne und Vor» schlage, die man als„revolutionären Sozialismus" anpreist, srviel Meinungen nl» Köpfe vorbanden sind. Die U. S. P. war nicht gut beraten, als sie diesen Brief in dieser Fassung und mit diesem Tchlu ßs a tz auf die?lnfrafl« des Reichskanzlers Müller abgehen ließ. Ablehnung der Teilnahme an einer Koalitionsregierung— gut?(55 mag was Klügere» geben, aber wenn die beiden Parteien zusaarmcntyshen, kann«tn Fehler immer wieder gut gemacht werden. Die Ablehnung eines Zu» sammcngchenS zur Abwehr der Reaktion, die Fortsetzung deS ! Bruderkamp'e« bis zur Nicderzwiagung de» einen Teils, Perge- �waltigung statt Berständtgung— das ist«in Fehler, | über den wir nur unter großen Mühen und Opfern hinwegkommen, ein Fehler, der daS große Parteielend voerlängert und verschlimmert. Die parteioffizivse„Freiheit" meint« jüngst, nur die „politisch U n ge s ch u l t«n" seien eS, die mit der Post- tik des ZentrolkorniteeS nicht einverstanden seien. Di« Zahl dieser„politisch Ungcschiilten" vermehrt sich aber reißend, und mcrkwürdiflerweise sind es gerade die ältesten, erfahrensten Vorkämpfer der Arbeiterbewegimg, die am schärfsten gegen die Selbstmordpolitik des Zentral» komitces Stelli ng nelnnen. Wird nun die„Freiheit" wenigstens ihren Lesern txrn dem Artikel Erdmanns Kenntnis geben? Oder wird sie ihn ebenso unterdrücken wie den Artikel Kautskys, der daS Gerade von dem ,. Arbeite rverrcck". der durch eine Koalitionspolitik degangen werden soll, so erbarmumgsws zerpflückte?_ War veutschlanö geschlagen? Urteile feindlicher Heerführer. Der„TempS" veröffentlicht unter dem Wbel„La ba- taille de Foch" amtliche Schriftstücke über das Ende des ie q ' Am 25. 10. 18 erklärten die vi«r Hoerführer im Hauptquarkier zu Senli» über ihr« Auffassung der Kriegslage: H a i g h hält die deutsche Armee nicht für gebaKhen. Sie ist imstande, sich geordnet zurückzuziehen und den Kamps fortzusetzen. Die englische und französische Armee sind völlig erschöpft. Di« amerikvniscbe Arme« ist für den Bewegungskrieg nur unvollstän- big organisiert.(Diese Ansicht vertrat auch General Piu-mer, w'.e aus Lord Fishers Memoiren hervorgeht.) ES ist daher weife, Tcutscl-land nur annehmbare Dedingun- gen. vorzuschkagen: Räumung von Belgien und der franzöi'ichen Gelnete, Elsaß-Lotbringen eingeschlossen. Sofortige Herausgabe de» französische« rollenden BahnmoterralS.— Wenn man mehr fordert, wird das in die Enge getrjebene Deutschland noch auf lang« Zeit den Krieg fortsetzen. Foch hält dagegen die deutsch« Armee fiir überall mit den Waffen und auch moralisch geschlagen. Daß die Berbandstruppen am Abend der EntscheidunzSschlacht ermüdet sind, fäll: überhaupt nicht in? Gewicht. P e t a i n fordert die Besetzung deS linken Rhainufer« und der Brückenköpfe. In 14 Tagen sind 5000 Lokomotiven und 100 000 Wagen auszuliefern. P c r fhin g ist derselben Ansicht. Am folgenden Tag« überreicht Foch in PaciS die im Kriegs» rat geforderten Waffenstillstandsbedingungen. Diesen Urteilen der feindlichen Heerssihrvr ist zweck» mäßig daS der deutschen bcizusüsen. Indem die deick» schen Heerführer zu einer Zeit, in der von dem berühmten „Dolchstoß" noch gar nicht die Rede sein konnte, die deutsche Regierung dazu drängte, um Waffenstillstand zu bitten, gaben sie selbst ein Urteil über die Kriegslage ab, das demjenigen F o ch S entspricht. Die Sozialdemokratie hat zwar stets dazu gedrängt, die Friedensliebe des beut- sehen Volkes erkennen zu geben, nie aber dazm. um W a f- fenstillstand zu bitten. DaS überließ sie, falls e? not- wendig werden sollte, den militärischen Fachleuten. Hattm diese früher schon von bloßen Erklärungen der Fridensbe- reitschost gesagt, daß sie ans die Stimmung schädlich wirk- ten. so mußten sie genau wissen, wie, erst eine deutsche Biiie um Wassenstillstand hüben und drüben wirken würde. Sie konnte nicht ander? wirken denn als ein« Erklärung, daß Teutschland am En d-e sei. Der pommersche LtrnSbunü als Ankläger» Di« in Stettin tagenden ArbeitgeberauSfchüsse de» Pommer- schen LandbundeS haben an die SlaatZregkrung, den ReichSarbeitS- minrster, den SiaatSkommissor für öffentliche Ordnung sowie an de» vommerschen Obcrpräsidenien und die RegierungSprä'idenien der Provinz ein« Entschließung gerichtet, m der sie gegen den seit dem 17. Juni im Regierungsbezirk K ö S l i n ant>.?uernden Streik der Landarbciterfchafr protestieren. Die Land- bündler verlangen sofortige Maßnahmen der Regie rrng und erklären sich zu Verhandlungen erst nach bedingungsloser Aufnahme der Arbe't bereit. Di« pommerschen Agrarier haben keine Ursache, sich derart aufs hohe Pferd zu setzen, da sie durch ihre fortgesetzten Provoka- t ione n in der Londorbeiterschaft stärkste Erbitterung hervorgerufen haben. jackekzug. Pen Fried« Rudolph-Staubitz. E» gibt Tage und Stunden, wo das Leben fe schwer auf unb lastet, daß wir meinen, ihm erliegen au müssen. Und dann kommr «ine Freude, schlicht und golden wie ein Sonnenstrahl, die Wolken stieben auseinander, von bangem Druck befreit atmen wir auf. Kennst du diese Not und diese Erlösung? Just eben habe ich'» erlebt. Noch rang ich mit dem Leid, da» meine Seele schnürte und in vielerlei Gestalt sein« Krallen in mich einschlug. bald als Jammer um unser arme? Deutschland, bald als Haß und Streit in unseren eigenen Reihen, bald alö Verderben und Untergang, als rettungslose Nacht—, da klang Musik zu mir herauf, fröhliche Musik, und gebot den quälenden Gedanken ein «nergisches Halt. Ich trat ans Fenster, draußen lag heller Man- benschein auf den Bäumen, und die Kieswege des freien Platze» Mnkten, immer näher kamen die lustigen Klänge, und jetzt drang >h»ller Flackerschein au» der Seitenstraße. Dideldum kling, dazu Lachen und Jauchzen vergnügter Men- sehen und dos entzückende Bild in der Mondnacht. Voran die Mufilanten»m Dunkel. Ihre Lieder spielen sie auswendig, nur •iftie blinkenden Trompeten sind zu erkennen. Hinterdrein ein endloser Zug heller und dunkler Gestalten, über deren Köpfe Hunderte von bunten, glühenden Papierlaternen ranzen. Rote. gelb«, grüne, solche mit Fenstercken, andere mit Streifen, auch Teufelsfratzen grinsen, und dazwischen leuck'ten dicke rote Kugeln. Wirklich, ein prächtiges Bild. Ngber die Wege de? Platzes führen die Musikanten ihren Glnhiwürmchenzug, zum Takt ihrer Weise halten die Füße klingenden Rhythmus. Da luftige» Auflachen und heller Sckein, ein Papierlampchen hat Feuer gefangen. Wild sieben sie auS«n«-nder; denn die um ihr Laternchen Belrogenen versuchen mit ihrem Glühstnmmel andere anzuzünden, waS ihnen -lachend verwehrt wird. Ilnd überall klingend und singend das SiegeZiied der ConntagSfreude. WaS lag ich auch und stghnte über die 9!et unserer Zeit? Dideldum schrumm, der Zug hält. 'Aufreihen, heißt da§ Kommando und wird weiter gegeben bis zum letzten Mann. vierzehn Tage find eS her, da erlebte ich einen andern Fackel- zog, sengend und brennend, wie die Pechseckeln, die ihn begleite- ten. DaS war bei meinem ersten Besuch im besetzten Gebiet. Ein Samstagabend war e», ich ging durch ein« nicht sehr breite Straße. Da klang Musik heran, wild«, sprudelnde Musik. Die Straße war leer, nur vor mir ein Mann, der wie ich, zum ersten Male hier, erstaunend stehen hlicS. Wir schouien uns stumm an und schüttelten den Kopf. Immer die gleiche Weise, ohrenoeläu- Send, kau mzu Ende, von vorn beginnend; fast zermalmte sie unS. Jetzt bog sie um die Ecke, von Pechfackeln flankiert, eine Fahne in der Mitte. Die Fahne der Sieger. Roch weiß ich nicht recht, wie da» zuging; alZ dal eigentümlich« Gejauner mit der Fahne an uns vorbeizog, sprang«in bunter Soldat au» der Rech« und schlug dem Mann an meiner Seite den Hut vom Kops. Sechs, siebe« Füße stampften über ihn weg, unverständliche Laute gellten in unsevm Cffr— vorüber war der Spuk. Der Mann hob seines Hut wieder auf, cm» dem gegenüberliegenden Hause kam«in Alter auf uns zu:„Ja, wissen Sie nicht? Vor her Fahne soll man den Hut abnehmen. Das beste ist, man geht ihr aus dem Wege." HaS war der Fackelzug im besetzten Gebiet. Der Geßlerhut auf der Stange. Aber der Schöpfer de» Wilhelm Tell ist ein Kind unseres Volkes. Daran dacht« ich. da setzte sich der Glühwürmchenzug unter meinem Fenster wieder in Bewegung. Dideldum tsching! Immer ferner klingt dl« Musik, immer leiser da« Jauchzen der Kleinen, bis cS endlich ganz verhallt. Aber in meinem Herzen klingt e» weiter, da» Lied der Freude. Deutsches Volk, Volk der Besiegte«, deine Geßkerstang« hast du zerschellt, du brauchst dich nicht mehr vor ihr beugen. Fühlst du nicht, wo» daö bedeutet? Oder hast du da» alle» schon wieder vergessen? Kennst du nicht mehr die Männer, die diese Geßler- stange dir errichteten? Sie vor dir hertrugen? Jetzt soll deine Lieb« die Wunden besten, die da? Leid dir geschlagen, deine Kraft neu« Werte schassen. Erkennst du die Mission, die dir übertragen? Haß unb Rache diktieren dir harte Opfer, und die Angst de» Sieger? fürchtet dich. Aber diese deine . LebenZelement« wird er nicht unterjochen können. Die«erden hinüberschwingen und Widerhall finden, an dem dereinst auch ihre Beßlerpeftiik zerschellen wird. Da« wird«inen anderen Fackel» gug geben. Ad. Koclsch: Da» Erleben. Seit etwa anderthalb Jahrzehn- ten bat sich, besonders gcsördert durch amerikanisch« Naturforscher, ein Zweig der Lebensforschung ausgebreitet, der berufen zu sein scheint, durch seine frische Unvoreingenommercheit, die keine Vor- auZsetzungen kennt sondern sich ohne Skrupel aus die bloß« Be- schreibung de» Beobachteten beschränkt, die deutsche Art von Na- turforschura auf da? glücklichste zu, ergänzen. Deutsche Natur- sorschung ist es. von einem philosophischcn Svstem auSznaehen und nun au» der Natur pewstsennoßen Belege für den von vorn- herein angenommenen Mechanismus oder VftaliSmuS oder wie die jeweils befolgte Theorie sonst beißen mag, zu suchen. A»er«- kanisch ist eS, Tier und Pflanze, da» Objekt selbst zum Erbauer der Theorie zu machen, indem man mit ihm experimentiert und mit den registrierten Antworten dann unser Weftbstb kritisiert. Eine geschickte Popusarisierung der so erhaltenen Resultate, zu denen dann die Ergebnisse öcr Forsckrnng über vaS Innenleben der Pflanzen und der Vererbung und PeriodiznStSlebr« kommen. bietet neueftcnS Ad. Koelsch«n seinem Werk: DaS Erleben ppeIbÄd d«S Geistes, da! der Geist 1=3 da! Erleben) selbst produziert, nur ist da» bei Schölling mit unvergleichlich anderer philosophischer B-dachtsamken ausgeführt. Gewiß findet der Verfässer wieder eimnak zurück zu seiner eigentlichen Domäne, der papukären Schilderung heimischer Namr, und wird dann wieder den Ersolg finden, der ihm bei diesem Versuch leider versagt bleiben muß. 3t F. Hilfe für die Wissenschaft. Im ReichSmmisteriwm des Innern fand eine Bespreck'ung über die Notlage der deutschen Wissenschaft statt, an der auch Vertreter der deutschen Akademien unid der Vorsitzend« der neu gegründeten Notgemeinschaft der .deutschen Wissenschaft teilnahmen. Letztere hat dem Reich eine Denkschrift bergelegt, in der die Bewilligung eine? Reichszuschusses von L0 Millionen Mark als erforderlich nachge» wiesen whd, uw den drohenden Zusammenbruch der deutschen wissenschastlichen ForschungSarbeir abzuwenden. Allseitig wurde die Notwendigkeit betont, daß daS Reich hier miteinzutreten habe. Eine Zeitschrift für Filmrekvrm. Nachdem durch den Krieg die verschiedenen Zeitschriften, die s ch der Fil-.nreform widmeten, onm Büchermarki verschwunden sind, will jetzt tue MonoiSichrift „FrlMj und Wissen" von neuem einen geistigen Sammelpunkt für die Film 7-' form b-strebunaen schassen. Vom 1. Juli ab wird siq auch da» Organ der„Filmliga" sein, die sich in einer Beilage be- sonder? der Pflege einer objektiven Fiimkvitik widmen will. Theater. Im Deutschen Theater begümen Sonnabend die Ans- suhrungen der Kamödie.Da? Weib und der Hampelmann" mit Maria OrSt« atS„eronchc* und Julius SeiilNdSrser alt.Weteo*.— In der am Sonnabcnd slattfindendm Sr'tauiiührung von OsünbachS .Prinzessin von Traue, unt" sind die HauptroSeo bcscrt ir.it den Domen: Fink. Seeboid, Uhr, Wall und den Herren: Heyer.»andl Sitsch, Dteier.— Im Reuen Zentraltheater in der Kommandrntenslratze wird am Sonnabend.Die Dame tm Frack' erstausgesührt. «on mertheater. Im Schillertheater beginnt am l.JuN die Soonnerspielzrit mit der Erftaufsührung de« LuMpiei».Der ehe. maltge Leutnant» von Vnstav Radeibarg nnb Heinz«ordon rnH Han« Wahmann. StuSstellung deutscher Einbauvkuust. Im Lichthos de« Berlin« Kunstgewerbemuseum»»eranstallet im Herbst der Jakob-Krauste-Bund die Bereinigung deutscher«unstbuchbiuder. eme«luSstelUmg deutscher Einbandtuuft. Nr. 31 S ♦ 37. Jahrgang Beilage öes vorwärts 5re!tag. 2S.�unk 1Y20 Mrbeitersckast unö Kirche. Bon Pfarrer Bleier. Charlottenburg. An der Aussprache über dieses Thema, zu der der„Vor- wärts� in seiner Nummer vom 13. Mai auffordert, möchte ich mich beteiligen und aus meinen Erlebnissen mit der sozialisti- schen Arbeiterschaft etwas mitteilen. Ter Arbeiter, wie ich ihn kennen gelernt habe, ist tief religiös, denn in ihm lebt der Hunger nach Geist, nach Gerechtigkeit nach Liebe. Daher sein Kampf gegen Kapitalismus und Militarismus, für Menschenfreiheit und Menschenfrieden. In diesen Kampf ist echter christlicher Geist sein Verbündeter. Denn für Jesus von Nazareth waren Mammon und Gott Gegensätze, die sich ausschlössen; seine Freunde. Fischer und Zöllner„Enterbte".„Schwärmer",„Utopisten".— Aber sie glaubten mitten im imperialistischen Römerreich an das Reich Gottes, in dem Gerechtigkeit, Friede und Menschenliebe re- gieren. Deshalb hätten Christentum und Sozialismus Ver- bündete sein müssen, wenn die Kirche nicht Staatskirche gewesen wäre. Deshalb ist gerade im Namen der reinen Religion zu fordern: Trennung vonStaat undKtrche. Ist diese Trennung vollzogen, gibt es für die Sozialdeniokratie einen Grund mehr, das Christentum zu bekämpfen, das Christentum nämlick, dessen Bekenner nichts als Christen sein wollen, die die Grundsätze in der Welt der Wirklichkeit betätigen wollen. Im Gegenteil, Christentum und Sozialismus müssen Freunde werden. Oder nicht? Kann ein moderner Sozialdemokrat, der wissenschaftlich gebildet ist, der auf dem Boden der mo- dernen Weltanschauung steht, nicht Christ sein? Ja, wenn Christentum Orthodoxie ist, Festhalten am Dogma der alten Kirche, auf alle Fälle nicht. Wir modernen Pfarrer, die wir Gott erleben, in der Gegenwart, die wir die Bekenntnisse der Vergangenheit als für uns verpflichtend ablehnen, die wir die für fromm halten, die den Mut haben, Gott zu be- kennen, so wie sie ihn schen, die jeden Sucher, jeden ehrlichen Zweifler, jeden, der aus GewissenSgründen den Weg geht, den er gehen mutz, als ihren Freund ansehen, als tief religiös, sehen in Wissenschaft und Religion Freunde.— Denn das Wissen, die Erkenntnis sind Gottesgaben, und nicht die schlechtesten. Ich wützte nicht, welches Hindernis es noch für einen Sozialisten geben könnte, uns religiöse Sozia- listen zu unterstützen. Ich beobachte deshalb auch, datz in meine öffentlichen Diskussionsvorträge und Gottesdienste in der Trinitatiskirche Soziali st en aller Parteirichtungen kommen, nicht nur solche, die äutzerlich noch der Kirche angehören, sondern auch solche, die aus der Kirche ausgetreten sind, und zwar aus ganz Grotz-Berlin. Wenn dem so ist, dann mutz auch in der Sozialdemokratie Ernst gemacht werden mit dem Grundsatz: Religion, i st Privatsache.— Ich meine, dann darf nicht mehr venangt werden: Ihr mützt aus der Kirche austreten, wenn Ihr echte Sozialisten seid, sondern wenn Ihr als Sozialisten religiös seid, ist es Eure Pflicht, soweit Ihr in der Kirche seid, die Kirche zu reformieren im Geiste des Bundes religiöser Sozialisten. Dasselbe gilt auch von der Schule. Es ist selbst- verständlich, datz für einen Sozialisten nur die Einheitsschule möglich ist. Ebenso selbstverständlich ist es, datz in der Ein- heitsschule im obligatorischen Unterricht für den konfessionellen Religionsunterricht kein Platz ist. Was aber steht dem im Wege, so wie Adolf H o f f m a n n es beispielsweise auch in Steglitz vertreten hat, einen interkonfessionellen religions- kundlichcn Unterricht einzuführen, in dem die Jugend ein- geführt wird in den Geist aller Religionen, aller Völker und aller Zeiten. Wenn diese Forderung als klares sozialistisches Ziel auf- gestellt würde, dürfte iür viele Eltern, die am Religions- Unterricht für ihre Kinder festhalten, die Wahl nicht schwer fallen, bei den Elternbeiratswahlen die sozialistische Liste zu wählen. Das öde Katechismuspauken und sinnlose Aus- wendiglernen von Liederweisen und Bibelsprüchen ist vielen Eltern schon längst unsympathisch. Aber gerade bei der durch den Krieg hervorgerufenen Verrohung der Jugend möchten sie nicht auf die ethischen Werte verzichten, die in einem guten Religionsunterricht liegen können. Ein solcher aber könnte gerade ein religionskundlicher werden in dem gezeigt wird, das Wissen allein macht nicht den Menschen frei, sondern der Charakter, der getragen ist von der Liebe zur Gemein- schaft des Volkes, der Menschheit. Gro&Berlln Mf Serien in öer Mark. Die Verpflegung. Morgens, wenn die Sonne eben über die Kiefern- Wipfel lugt, grützt dich die Schinkenstulle. Im Plural, wohl- verstanden l Denn mit einer ist's nicht abgetan. Dazu Milch- kaffee mit Gcrstengeschmack. Das dritte, kahle Butterbrot schiebst du verächtlich zurück und blickst von der Gasthofterrasse aus das arbeitende Dorf. Du bist zum Schlemmen herge- kommen, zu Faulheit und Mast! Gegen elf verzehrst du unter Blaubeeren die oben verschmähten„kahlen Bolzen". Picknick im Walde: wie köstlich! Die Kiefern rauschen den Takt dazu und Fink und Kuckuck und Pfingstvogel wiegen dich in sanfte Sentimentalität. Dein Magen schickt dich endlich heim. Fettnudeln mit Zimt und Zucker, Kasseler und Stachelbeeren besänftigen ihn. Vergebens sucht dein Auge nach der roten Zahl am Kalender. Nein, nein, sowas gibt's hier alle Tage. Nach einem Schläfchen hängst du deinen er- hitzten Leib in die kühlen Fluten des nahen Sees. Ganz Freibad ohne Zcllenschlietzer und Garderobenfrau. Ein Hasel- strauch ist Ankleideraum für die wenigen Prüden... Vesper: Himmel, d.ie vier Omuletts sind alle dein? Gewitz, und nun den Schmachtriemen gelockert, denn es folgen die selbst gesammelten Pfcfferlinge, die dir die Wirtin freund- schaftlicher Weise mit Speck so knusprig aufgebraten... Her nun mit dem Angelzeug. Jetzt gehts ans Mühlenflietz. Viel fängst du zwar nicht,— dein magerer Köder ist Schuld— und wirfst grotzmütig die kleinen Biester wieder in ihr feuchtes Element zurück, aber Hunger hast du bekommen I— Speckscheiben mit Mostrichsotze, Kopssalat und eine tiefe Tasse Milch belohnen dich für deine Geduld, vier Stunden— nichts gegessen zu haben.... Die««fromme Hele«e. Unfromm, weil dick und nicht mal zu Streichen auf- gelegt. Unsere Stütze des Gasthofs. Nicht hätzlich und erst dreiundzwanzig. Sehr zutraulich, nur nicht zu Staubwedel und Scheuertuch. Aber wenn des Abends das Orchestrion dröhnt, mit Kastagnettenbegleituna. dann fordert sie mit Vor- liebe junge Männer zum Tanz! Und die Frauen kündigten empört die Pension... Nebenbei raucht dieser Engel, auch beim Servieren, und sichert sich ausreichende Kost, indem er die nichtbcwilligten Stullen in den Spinden der Stammgäste heimlich deponiert. Wird nicht satt, scheint's, und strebt dennoch in das magere Berlin zu„feinen Herrschaften". Die Ba«eruhochzeit. Zwar dauert sie nicht mehr drei Tage und ladet auch nicht mehr das ganze Dorf zu Gast. Im Gegenteil: Die Küche wird streng bewacht und auch das heut so teure Bier flietzt in Strömen nicht mehr. Aber deutungsreich ist noch immer der Gang zur Kirche.„Dreimal sprang ihr der Schnallenschuh auf," wispern die Zuschauer,„und an der Kirch Hofsmauer verfing sich der Schleier"... Da kehrt der Hochzeitszug zurück und nach kräftigem Mahl poltert das Piano, juchzt dudelnd die Flöte. Nun fliegen die Fähnchen der Jungen, rauschen protzig die Damastkleider der Aelteren.— „Ein Tanz für die Zuschauer!"... Hei. da lösen sich von den Fenstern die plattgedrückten Nasen und den Jubel um das Brautpaar würzt die Note der Dankbarkeit. Niemand schläft heute nacht, auch die Sommergäste nicht. Ein zungenfertiger Städter bringt ihre Glückwünsche dar. Spricht von der Verbrüderung von Stadt und Provinz und hofft.im Stillen eine„Verbindung" gekoppelt zu haben ums schweinerne Angedenken... Der neue Sahnhof Irieürichftraße. Verbcsserungen für den Fern- und Stadtbahnverkehr. Die Bauarbeiten zur Erweiterung des Bahnhofs Friedrichstraße nähern sich, wie man uns von zuständiger Seite mitteilt, in abieh- barer Zeit ihrem Ende. Borläufig zeugt davon nur der Brücken- bogen, dessen Fertigstellung in den nächsten Tagen eriolgt. Die neue Bahnsteipanlage weist zu dem bisher gewohnten Bild noch keinen wesentlichen Fortschritt auf.— Nach langer Projektierung wurde mit den ersten Arbeiten im Jahre 1914 begonnen. Bei normalen Verhältnissen konnte eine Fertigstellung und die damit verbundene Inbetriebnahme 191ö durchgeführt werden. In- folge der großen durch drn Krieg entstandenen technischen Schwierigkeiten, von denen ebenfalls die kurz vor dem Kriege be- gonnenen Arbeiten der Nord- Süd- und A.-E.-G.« Scdncll« bahn nicht verschont geblieben find, mußten die Bauarbeiten auf drei Jahre eingestellt werden.. Inzwischen ist der Kosten- anschlag um daS Acht- Bis Zehnfache gesteigert worden. Weniger sprechen hier die Lohnerhöhungen mit, als die bedeutende Verteuerung der Nohmaterialren, die während des Krieges unter großen Schwierigkeiten aus dem Aus- lande beschafft werden mußten und inzwischen auf das Zwanzig- fache des ursprünglichen Preises gestiegen sind. Nach Beendigung des Krieges wurden die Arbeiten wieder aufgenommen und es er- folgte die Einstellung neuer Arbeitskräfte in demselben Umfange wie vor dem Kriege. Der neue Bahnsteig wird nach seiner Fertigstellung dem Stadt- und Ringbahnverkehr übergeben werden. Da- für wird der bisherige Stadtbahnsteig künftighin für den Fern- verkehr dienlich gemacht. Der Bahnhof Frjedrichstraße wird dann zwei Fernbahn steige und einen Stadtbahn steig ausweisen. Eine Erweiterung weiterer Bahnhöfe, die für den Fernverkehr in Betracht kommen, ist vorläufig nicht in Aussicht genommen, da bis- her der Bahnhof Friedrichstraße daS engste Schiencnnetz für den Fernverkehr hatte. Die Anbauung deS neuen Bahnsteigs hat auch eine Erweiterung der Personenausgänge zur Folge. Es sind hier im ganzen vier Ausgänge vorgesehen, von denen zwei zur Friedrich st raße führen, während die beiden anderen wohl weniger in Benutzung kommenden Ausgänge auf das Reichs« t a g s u f e r hinausgehen. Das neu entstandene Schienennetz be« ginnt erst kurz vor der Einfahrt an der Friedrichstraße unik endet hinter der Bahnüberführung über die Spree. Besonders hervor- zuHeben ist der demnächst fertigwerdcnde Brückenbogen, der ein Meisterwerk der Jngenielirbaukunst darstellt. Mehr Vertrauen den Sicherheitsorgane». Zu der Betrachtung.Vor der StaatSoper erschossen" in Nr. SOö unseres Blattes schreibt uns ein Auslandsdeutscher: Die Ausführungen des Herrn R. K. find im allgemeinen gewiß nur zu billigen, aber eine grundlegende Aenderung wird nur eintreten können, wenn das deutsche Publikum sein Verhalten den öffentlichen Schutzorganen gegenüber grundlegend ändert. Dem au« dem Ausland Kommenden fällt es auf, daß in fast allen Fällen daS 64] Segen öer Cröe. Roman von Knut Hamsun. Als das Heu unter Dach war, fing ElefeuS an, sich zur Abreise zu rüsten. Er hotte dem Ingenieur geschrieben, er .komme jetzt wieder, aber darauf die sonderbare Antwort er- halten, datz die Zeiten schlecht seien, man müsse sich ein- schränken, der Ingenieur könne den Posten nicht mehr be- fetzen und müsse von nun an alles selbst schreiben. Das war doch eine. verfluchte Sache! Aber wozu brauchte auch dieser Bezirksmgenieur einen Schreiber? Damals, als er den kleinen Jungen ElefeuS von seinem Elternhaus weg nahm, wollte er sich wähl als grosser Mann in der Gegend zeigen, und wenn er ihn bis über die Konfirmation nährte und kleidete, so hatte er auch ein wenig Hilfe auf dem Bureau dafür gehabt. Jetzt ivar der Junge erwachsen, nun war es eine andere Sache. „Aber," schrieb der Ingenieur,„wenn Du zurückkommst, i«»ill ich tun, was ich kann, um Dich auf einem anderen Vureml unterzubringen, obgleich tt wahrscheinlich schwierit fsin wird. Es gibt so viele junge Leute, die dies« Lauchahn einschlagen. Freundliche Grütze." Gewiss wollte EleseuS zurück in die Stadt, ja ganz zweifellos. Sollte sr sich wegwerfen? Er wollte doch weiterkommen in der Welt. Und Elejeus sagte den Seinigen nichts von der vränderten Sachlage: da? führte doch zu nicht?, und ausserdem war er etwas schlapp, al'o schwieg er. Das Leben auf Sellonraa wirkte wieder auf ibn, es war ein ruhmloses und alltägliches Dasein, aber es war ruhig und wirkte stumpfsinnlig, da war niemand, vor dem er sich hätte haben, niemand, mit dem er sich bätte messen können. DaS Stadtleben hatte sein Wesen gespalten, hatte ihn vornehmer gemacht als die andern, aber auch schwächer, er fühlte sich setzt eigentlich überall heimatlos. Datz er wieder anfing, den Geruch de? Rainfarn angenehm zu finden— was sollte das heißen! Aber es hatte doch keinen Sinn, wenn ein Bauernjunge. der abend? seine Mutter die Kühe melken hörte, dabei auf folgende Sedanken kam: Jetzt wird ganol- ken, hör doch nur, es ist doch beinahe wunderbar anzuhören, e? ist wie eine Art Lied, in lauter einzelnen Strehlen, ganz ander? al? die Hornmustk in der Stadt oder die Heilsarmee ader die Pfeife de? Dampsschifks. Der Riickfftrahl, der in ein Gefätz rinnt... Es war nickst Brauch in Tellanraa. seine Gefüble sehr zu zeigen, und EleseuS fürchtete sich vor dem Augenblick des Haus ein.„Gehst du wieder fort, EleseuS? Ei, dann mutzt Er mar jetzt gut ausgestattet,«r feilte Mteder l£u hovamkommen und wenigstens eine Tasse Kaffee trinien." einen Ballen Leinwand zu Unterzeug mitbekommen, und der Dater hatte Geld bereit gxlegt, das Elesaus eingehändigt werden sollte, wenn er die Schwelle überschritt. Geld— konnte Jsak wirklich Geld entbehren? Aber es ging nichr anders. Inger deutete ja an, daß es zum letztenmal sei. Eleseus werde in nächster Bälde aufrücken und für sich selbst sorgen.—„So," sagte Jsak.— Die Stimmung wurde feier- lich, im Hause wurde es still, alle hatten zum Abschiedsessen ein gekochtes Ei bekommen, und Sivert stand schon draußen, fertig gerüstet, mitzugehen und das Gepäck zu tragen. Ele- seus konnte mit dem Abschied anfangen. Er fing bei Leopoldine an. Ja, sie sagte ihm auch Lebe- wohl und machte tws recht nett. Ebenso wiederholte die Magd Jensine, die eben Wolle kartätschte, seinen Abschieds- grutz. Aber beide Mädchen glotzten ihn ganz verflucht an, nur weil er vielleicht ein klein wenig rote Augen hatte. Er reichte seiner Mutter die Hand, und sie weinte natürlich laut auf und kümmerte sich den Henker darum, datz er das Weinen nicht leiden konnte.„Latz dir? gut gehen!" schluchzte sie. Dt Abschied vom Vater war der schlimmst«, unbedingt, au? tausend Gründen: er war so abgearbeitet und so unendlich getreu, hotte die Kinder auf den Armen getragen, ihnen von Möwen und änderen Vögeln erzählt und von Tieren und allen Wundern de? Felde?. Das war gar nicht lange her ein paar Jahre... Der Vater steht am Fenster, dann dreht er sich plötzlich um, ergreift die Hand des Sohnes und sagt laut und ärger- lich:„Jo, ja, leb wohl!" Ich sehe, das neue Pferd hat sich dort losgerissen!" Und hinaus läuft er und rennt davon. Ach. und er hatte sich ja selbst kurz vorher hingeschlichen und das Pferd losgebunden, und das wußte der Spitzbube Sivert recht gut. der draußen stand und dem Vater lächelnd nach- schaute. Und außerdem war ja das Pferd auf der Nachmahd. Dann war EtefeuS fertig. Doch da kam ihm die Mutter auf die Türschwelle nach. schluchzte noch mehr und sagte:„Gott sei mit dir!" und drückte ihm etwas in die Hand.„Dies hier— und du sollst ihm nicht danken. daS mag er nicht. Und schreib auch fleißig!" Zweihundert Kronen. EleseuS sah hinüber. Der Vater strengte sich ungeheuer an, einen Täderpflock in die Erde zu schlagen, was ihm an- steinend gar nicht gelingen wollte, obgleich«S doch weich« Wiesen grund war. Die Brüder schritten fleißig aus, sie kamen noch Maane� lond, da stand Barbro auf der Schwelle und lud sie ins 1 Sie gehen in die Gamme, und Eleseus ist nicht mehr vrrückt vor Liebe und will zum Fenster hinausspringen oder Gift nehmen, nein, er legt seinen hellen Uebcrrock über die Knie und sorgt dafür, daß däS silberne Schild obenhin zu liegen kommt, danach fährt er sich mit dem Taschentuch über? Haar, dann macht er die sehr feine Bemerkung:„Ein klassi- sches Wetter heute!" Barbro hat auch nicht die Fassung verloren, sie spielt mit ihrem silbernen Ring an der einen.Hand und mit dem goldenen an der andern— ja, sie hatte wahrhaftig jetzt auch den goldenen Ring bekommen— und sie hat eine Schürze an, die vom Hals bis zu den Füßen geht, so sieht man ihr wenigstens ihre Rundlichkeit nicht an.. Und nachdem sie den Kaffee gekocht hat und während die Gäste ihn trinken, näht sie erst ein bischen an einem weißen Tuch und häkelt dann ein bischen an einem Kragen und betreibt allerlei mädchen- haste Arbeiten. Barbro ist nicht in Verlegenheit über den Besuch, und das ist gut, dadurch wird der Ton natürlich, und EleseuS kann wieder so obenhin und einnehmend tun. „Wo ist denn Axel?" fragt Givert. „I3e er ist? Irgendwo," antwortet Barbr» und richtet flch auf.„Ja, jetzt kommst d« wohl nie wieder heim auf? Land?" fragt fie EleseuS.—„Da? ist höchst uuwahrschein« lich," erwidert er.—„Hier ist nicht der rechte Ort für jemand. der an die Stadt gewöhnt ist. Ich wär' froh, wenn ich m:t dir reisen könnte."—„Ach, da? ist dir nicht ernst."—„Nicht. meinst du? O, ich hob es erfahren, wie eS ist, wenn man in der Stadt wohnt, und wie e? auf dem Lande ist. Ich bin in größeren Städten gewesen al? du. Da ist eS kein Wun- der, wenn es mir hier nicht gefällt."—„Gewiß, so Hab ich es nicht gemeint, du bist ja sogar in Bergen gewesen." beeilte er sich zu sagen. ES war ja schrecklich, wie hochfahrend sie war!— ,La, wenn ich die Zeitung nicht hätte, so liefe ich sofort davon," sagte Barbro.—.Aber der Axel und alle? miteinander, das Hab ich gemeint."—„Ach, der Axel, da? ginge mich nichts an. Und du selbst, hast du nicht vielleicht jemand in der Stadt, der auf dich wartet?"— Nun konnte Eleieus nicht anders, er mutzte sich ein wenig aufspielen,« kniff die Augen zu und Uetz so sachte durchblicken, datz er allerdings dock, vielleicht jemand in der Stadt habe, der auf ihn warte. Ach ja, abe rer hätte daS alle? noch ganz ander? ausnützen können, wenn Sivert nicht dabeigesessen hätte, so konnte er nur sagen:„Ach. Unsinn!"—„Na." sa�te sie ver» letzt, und e? war eigentlich eine Schande, wie übellaunig sie war:„Unsinn! Ja, du kannst von den Leuten aus Maane- land nicssi mehr erwarten, wir sind nicht so großartig." (Forts, folgil deutsche Publikum, Besonders der Brrlmer, im Gegensatz ju dem anderer Lmider, auch wen» sich da» Sicherheitsorgan noch so angemessen be« nimmt, ohne weiteres gegen dieses Partei ergreist. Man komme nicht damit, dah eben bei uns die ausübenden Organe viel minderwertiger seien, als anderswo; die Zahl der lieber- und Mitzariffe der Polizei ist auch anderswo Legion, ohne datz daS PubHuin sich deswegen prinzipiell gegen die Polizei stellt. In dem Laude des freiesten Wahlrechts der Welt mutz ein jeder sich bewutzt werden, datz er mehr als irgend woanders Mitträger der Staatsgewalt ist und datz er als solcher zunächst einmal auf leiten der ausübenden Organe die'er Staatsgewalt zu stehen hat, soweit sie ordiiungSniätzig ihren Dienst versehen. DaS Bewuhtsein einer derartigen prinzipiellen Haltung des Publikums wird dem Schutz- mann ein ganz anderes Gefühl der Sicherheit und Ruhe geben, als wen» er sich sagen mutz, datz seine Tätigkeit ohne weiteres.von einer seusatlonSli'isternen Menge'" sabotiert wird, und damit wird in vielen Fällen einer der Gründe für überflüssige nervöse Schietzereien bereits wegesallen sein. Dann werden auch etwaige Äusftelluiigen des Publikums einen ganz anderen Eindruck machen und eine ganz andere Wirkung hervorrufen, als sie es jetzt zu tun imstande sind. Wir können uns diesen ÄuSführuugen nur änschiiehen, glauben aber, datz das Gefühl für den einzelnen, auch.Miuräger der Staatsgewalt" zu fein, sich von selbst einstellen wird, sobald geord- netere Verbältnisse den falschen und verderblichen Glauben zerstören, datz die Sicherheitsorgane Mittel einer Ctique seien. „Gegen die Wohnungsnot und für die Sozialiflemng" erlätzt der Deutsche Aauarbeilerverband einen fit« f ruf an die Bauhand- werker, Mieter, Siedler und Kleingänner zur Teilnahme au De» mon st ratio»S Versammlungen am l Juli. Die Ver- sanimlungen sollen Stellung nehmen gegen WohimngSelertd und Wohnungsnot, gegen Baustoffnot und Baustoffwucher, gegen die drohende Arbeitslosigkeit der Bauarbeiter und für die Sozialtfierung des Bau- und Wohnungswesens. Erhöhung des StrafbetrngeS bei der Straßenbahn. Vom 1. Juli ob wird mit Zustlnimiiug der filufsichtSbehördeii der Straf- betrag, den zahlungspflichtige Fahrgäste zu entrichten haben, die sich auf die Frage deS Schaffners, ob noch jemand ohne Fahrschein ist. nicht melden, von 1 Mark auf 3 Mark erhöht. Auch gilt von diesem Tage an die Bestimmung, datz die Fahrgäste das Fahrgeld.abgezählt"' bereit zu halten haben.— Wie sich die Stratzenbahi, die Ausführung dieser letzten Bestimmung unter dem zurzeit herrschenden Kleingeldmangel vorstellt, weiß sie wohl selbst nicht. Fahrpreisermäßigung für Jugendvereine. Eine Wiedereinführung der FahrpreiSermätzigung für Fahrten zu wiffenschaftlichen und be- lehrenden Zwecken und zugunsten der Jugendpflege soll erfolgen. Die FahrpreiSermätzigung beträgt Sv Prozent und wird den Schülern und Lehrern in der dritten Wagenklasse gewährt. Die Wieder- eimührnng gilt, soweit sie sich auf die FahrpreiSermätzigung zu- gunfteu der Jugendpflege bezieht, auch für den Verkehr aus der Berliner Stadt-, Ring- und Vorortbahn, wo a!so»eben den Schulen nun auch wieder Vereine für die jugendlichen Mitglieder eine FahtpreiSerleichterung bei Ausflügen uiw. beantragen können. Jugendliche im Sinne des Tarife« sind alle Personen unter 20 Jahren. Damit ist ein grotzeS Hindernis für die Fortentwicklung der Jugendpflege und Jugend- bewegung gefallen. Die unerhört hohen Fahrpreise trugen immer mehr und mehr dazu bei, datz das Wandern zurückging und in ganz ungesunde Formen gedrängt wurde. Gerade die Arbeiterjugend war seit der Aufhebung der Fahrpreisermäßigung der leidende Teil. DaS wird nnn hoffentlich wreder bester werden. Tie Lnzestellten der Reichs- und StaatSministerien fordern «ine Wrrtschaftsberhilfe von 1200 M. für verherratete und 1000 •Warf für Ledige, da sie trotz dem neuen ReichStarrf infolge der «rböhten Steuer- und Kaankenkassenabzüge vielfach schlechter stehen als vor dem Reichstarif. Die Versammlung aller ihrer -Betrieb Sräie am heutigen Freitag, 1% Uhr, Behrenstr. 21, Saal 73, soll auch eine GcfchäftSordnung dieser VctriebLeäte fest- log-n. Zur BolkSabstimmun, in Oft- nnd Weftpreußen! Für die am 11. Juli in Ost- und Westpreutzen stattfindende Abstimmung stellt aucd der Norddeutsche Lloyd seine Seebäderdampscr mit Ausnahme der Dampfer.Delphin' und.Lachs' zur Verfügung. Die Schiffe fahren in der Zeit vom 1. bis 23. Juli zwischen Swinemünde, Gtolp- .münde und P i! l a u Jnfolgedesien können die Nordsee- bätverfahrten über Bremerhaven stach Helgoland und Norderney mit Dampfer.Rajade' nicht, wie beabsichtigt, am 27. und 20. Juni, sondern erst am 29. Juli begiunen. Ans dem gleichen Grunde mutz auch die regelmätzige Passagierfahrt Swine in ünde-Danzig des DampscrS.Grütz Gott' für die Zeit vom 2. bis 22. Juli eingestellt werden. Der.Grütz Gott' wird nach Beendigung der AbstimmungSfahrten erstmalig am 24. Juli wieder von Swinemnnde nach Danzig iahren. Die Fahrten nach Wangeroog werden unverändert durchgeführt. Eine öffentliche Vensionärversammlung findet am A. Juni, abends K Ubr in den Eophiensälen. Sophlenftr. 17/16, statt. In der Versammlung, die vom Zentralverdaud de? penfioi.ierten deutschen Reichs- St-.iatS-. Ke- liietndcbeamten und Lehrer oeranstaltet wird, soll Bericht über die Be- rainngen und Bejchlüise deS DelegterteMageS erstattet werden, aunerdem sollen die Lage und die Wün'che der RuhestondSbeamten und Beamten- hinterbliebenen Deutschlands zur Besprechung gelangen. Verband sozialistischer Lehrer. Heute abend 6 Uhr Vollsitzung Hinler der Garnisonkirche. Uebcr„WeirkrjedenSbewegiiiig-- spricht«enoffe Pastor Francke fieuie abend 6 Uhr in einer öfsenllichen Versammlung der Hungsozia« listuchen Vereinigung, Ortsgruppe Lichterfelde, in der Aula der Oderreal« schule, Kingstr. S.— Jedermann ist herzlich willkommen. Maßnahmen gegen die WohuungSnot. Der Wilmersdorfer Magistrat will aus dem Terrain zwischen der AtzmannShausener, Homburger und Johanntsberger Gtratze 63 Wohnhäuser errichten lasten, die an Siedler verantzert werden sollen. Der Magistrat hat der Stadtverordnetenversammlung eine Vorlage zu- gehen lassen, in der für diese SiedlungSbauten ein UeberteuerungS« zuichutz von jeiiOOOM. für jedes Zimmer gejordert wird. Mit dem Bau derHämer, die dem Erwerber etwa je 100 00 0 M. kosten werden, soll erst begonnen werden, wenn die Kauflustigen eine entsprechende Sicherheit gestellt haben. Weiter plam der Magistrat die Fertigstellung der schon vor dem Kriege begonnenen Hochbauren zwischen der Spessart- und Burgunder Siratze, sowie des Hochbaues in der Kalharinenitratz« 7. Die für diesen Zweck erforderlichen Gelände der Stadt sollen zum Preise von 300 M. für die Ouadratrute verkauft werden, wozu die Genehmigung der Stadtverordneten erbeten wird.— Auch das auf dem städtischen Gelände in der Mecklenburgischen Siratze zu errichtende Bureau- gebaude wird sie nächste GilmerSdorfer Stadtverordnetenversammlung beschäftigen. In einer Vorlage ersucht der Magistrat um die Genehmigung, das Gelände der Heimstättenfiedlung Berlin- Wilmersdorf f ü r 80 Jahre in Erbpacht zu geben. Da in dem Bureauhause mindestens 800 Bureauräume enthalten fein werden, so würde bei voller Benutzung de« Gebäudes eine nicht unerhebliche Zahl von Wohngeleg-nheilen frei werden. Der Heim- ställenfiedlung soll auch da« städtische Trriain zwischen der Detmolder, Koblenzer und Saalfelder Stratze sowie das Grundstück zwischen Wilhelmsaue, Mannheimer Siratze und Seepark zur Errichtung von Flachbauren für 30 Jahre erbpachrweife überlassen werden. Auf dem Gelände sollen 20 Häuser in ein- falbster Ausführung mit fe drei Räumen erbaut werden. Die Häuier sollen von ungefähr 800 Ouadratmetern Garten- l a n d umgeben sein. Der kaum noch aufzubringende UeberteuerungS- zuschutz soll dadurch hereingebracht werden, datz die Siedler selbst Hand nalegen. StaStverorönetenversammlung. Der Ausbau der Ansckfflffungsämtcr.— Um die Arbeiterräte. — Die Neuregelung der Besoldungsordnung. Auch heute ist die Zuhörertribün« lange vor Dsginn der Sihung überfüllt und der Zugang geiverrt.— Ein Dringlich- keitSantrag der beiden sozialistischen Fraktionen, den Magi- strat zu ersuchen, aufs schleunigste mit der Versammlung in gemischter Deputation über Matzvegeln zu beraten, welche der ein- getretenen Arbeitslosigkeit zu steuern geeignet sind, wird obne Wtderspriich zu finden und ohne jede Erörterung zum Be- schlutz erhoben. Zur Verhandlung siebt zunächst der Antrag der II. Soz. wegen Ausbaues der Anschaffungsämter, den Kraaz be- gründet. Gegen die Forderung der Uebernahme der Ausführung der städtischerseitZ zu vergebenden Arbeiten in städtisch« Regie wendet sich Rosenthal sT-ern.) mit großer Entschiedimheit; er bestreitet, datz die Stadt billiger arbeiten kgsine als die Privaten, verweist auf die mit der Straßenbahn gemachten üblen Errahn-n. gen und hofft, daß sich eine einsichtige Mehrheit gegen diesen An- tra-t zusammenfinden wird.— Auch Linke(Bg. Vgg.), der dem Ausbau der Aemter freundlich gegenübersteht, warnt im Interesse d«S„bodensrändigen" Gewerbe- und Handelsstandes vor der AnS- dehnung der Negiearbeiten und vor jeder Komniunolisierung über. Haupt. Aohnlich R e t t ig(Dem.). Tagegen teilt WildeganS (Soz.) bezüglich der städtischen Regie den Standpunkt des Unabhängigen Dr. Hilferding, daß auch auf diesem Gebiete Planwirtschaft betrieben werden müsse, daß die eigene Regie da am Platze fft, wo die Allgemeinheit einen Vorteil davon hat. Cassel iDem.) verwirft den Antrag, der in seinen Konsequenzen zur Verfchleude- riing der städtischen Mittel und zur Auspowerung Berlins führen müsse. Der Antrag wird nnt den Stimmen der beiden sgziakistifchen Fraktionen angenommen. Die städtische DarlehnSkasse für Beamte usw. wckllen die Mit- glieder der Bg. Vga. auch für SiedelungSzwecke, die Demokraten auch für die Einrichtung von Kleingarten- und Lanbengelände nutzbar machen. Eine Vorlage des Magistrats bezweckt eine Eryän- MeisselseMkllsMWsMV!!llS.V.S. heute abend K Uhr, im Patzenhofer-Ansschank /.? Uhr Danziger., ecke Deitzenburger Stratze.»leintckendorf- Ost:'1,5 Uhr am Seebad. Reinickendorf-West i%7 Uhr am Jugendheim. Rosentvnl: h Uhr am Bahnhof. Rosenthaler Vorstadt: 8 Uhr Rosenthaler Platz lRormawkr).«chmargendrrf:'Iß Uhr Untergrundbahnhof, Heidel- berger Platz. SchSnederg: 0 Uhr am Kaiser- WUhclm- Platz. Schönhauser Vorstadt I:'-Li Uhr Bahnhof Schönhauser Allee. Schön. hanser Vorstadt El: ll,1 Uhr Bahnhof Echönbauier Allee. Spandnu: 'Iß Uhr Marktplatz. Sbde»; 6 Uhr fcörlihet Bahnhof. Südosten: 6 Uhr SrfrischungShalle am Spreewaldzelt. Südwesten: 7 Uhr Blücherplatz s?lo'.lnaluhr>. Staaken:'Iß Uhr am Bahnhof. Steglitz-Friedeuau: '1,1 Ucr Born stratze Ecke Kaiferallee. Tiegel: 6 Uhr am Bahnhof Tempel» Hof:'1,1 Uhr Bahnhof Tempel Hof. Treptow-Baumschnlenweg: 7 Uhr am Bahnhof. Wedding: b Uhr Nettelbeckplatz(Normaluhr). Weisiensee: 'Iß Uhr Antonplatz. Westen:'1,1 Uhr Bahnhof: otzzöffchenslratze. Wildau:'1,1 Uhr am Bahnhof. Wilmersdorf:'/,7 Uhr UtUergnuid- bahnhos Hohenzollernplatz. Eingang UHIandswatze. Briefkasten Ser Reöaktion. siebee ib den Briefkasten bestimmten«nf-ag, ftipe man ein,»«nchstabr» and ein« Ziummer bei.»rieslick« Au-iunft wird nicht erteUt. alli»« Ua- sragen ienae man in»er juristischen Sorechstundi. tindenfte. b, t. Hof par- terre link», vor. eweiiljtüae uno Vertrage stnd mitzubrinaen. «. R. Sv. 1. Rem. 2. Ja, vom 1. Mai ab.— s. W. 15. figenn die Velwaxsdauer abgelaufen ist, fo kann Ihr Sohn die Arbeil-ifielle ohne weitere« verlassen. Edt wenden Sie sich an den fiimtsvorfleber bzw. Land- rat.— K 35. 1. Rein, im Falle des Todes Ihrer Frau wird sie aber von ihren Kindern beerbt. 8. Keine.®.«. 100. Innerhalb zweier Jahre müssen mindestens für 20 veitragswochen Beiträge-.»richtet werden— 20 Vroz. Vorläufig überhaupt nicht. Es mutz zunächst-ine hähere Miete vereinbart werden.—{$.91.1863. Kommen Sie in die juristische Sprechst-un r. oder wiederholen St« Ihre Frage unter genauer Angabe de« Sachverhalts. —®. W. 33. 1. Ja. i Beim Tfchechoiwwatischen«onfulat, Oranien- bürg« Stratze 87.— R. S. stst. L uab 3. Ja. 8. Uubestimmt Ein politischer Morü v lFortsctzung aus dem Abendblatt.) Der Vorsitzende verkündet den Beschluß des Gertckts dahin: Der VertagnnqSantrac; wird insoweit abqelehmt. als er sich auf die behauptete unzulässige Beschränkung der Veneidigung bezieht. Die Verteidigung hat ausreichend Zeit und Gelegenheit ge- habt, sich auS den Akten zu insornnemi. Die Beschlußfassung auf Ladung der vier benannten sseugen bleibt vorbehalten, ebenso die Beschlußfassung über den Antrag auf Vertagung. Ter Staats- anwalr wird ersucht, sofort die erforderlichen Ermittelungen nach den genannten Zeugen anzustellen event. ihre Ladung zu Vera» lassen. Diese Vorverhandlungen dehnen sich bis 12� Ilor aus. Bis dahin ist es noch nicht zur Verlesung des Eroffnnngeßeschlusses gekommen. Es tritt dann eine balbnündige Pause ein, da die in- haftierten Angeklagten ihr Mittagessen entgegennehmen müssen. Die eigentliche Verhandlung beginnt eist in den Aachmittags- stunden. Nach der NachmittagSpauie begann LandgerichtSrat Joel mit der Brrnchmui'g der Angeklagten. Der Angeklagte Mar st- i ch tm a ,t n ist am 22. November 1899 geboren und mosaischer Religion. Er ist durch Urteil des außer- ordenil'chen Kriegsgerichts bei dem Landgericht II wegen versuchter räuberischer Erpressung und versuchten Mordes zu 12 Jahren Zuchthaus verurteilt worden.— Rechtsanwalt Siegfried Weinberg teilt hierzu mit. daß er in dieser Sache das Wieder- aufnabmeverfohren betreibe. Ter Angeklagte Hoppe ist wegen versuchter Wehrpflicht- e n tj i e 6 u n g von dem Landgericht Flensburg zu 9 Monaten KekäiigiiiS verurteilt werden; der Rest der Strafe ist ihm durch«ine KaisergeburtStogsamiiestic erlassen worden. Ferner ist H. wegen Vergehens gegen das Kapitalfluchtgesetz zu 899 Mark Geldstrafe ver« urteilt worden. Der Augeklagte W i n k l e r ist bisher unbestraft. Nach dem zur Verlesung gebrachten Ervffnungsbeschluß find Fichtmann und Hoppe des Mordes und Winkler der Bei- Hille zum Morde angeklagt. LandgerichtSrat Joel richtet an die Angeklagten die Mahnung. die reine Wahrheit zu sagen und nicht durch feige Winkelzüge die Schuld auf andere Personen abznschieben. Wenn sie etwa? be- gangen haben, so sollten sie auch den Mut hoben, für«ine von ihnen aus politischen oder sonstigen Gründen begangene Tat einzu- stehen.— Der Vorsitzende gibt sodann eine ausführliche Darstellung der Tat und der Borgrschichte, wie sie von der Anklageschrift behauptet wird. Nach dieser soll der Mord in der Nacht vom Sonnabend, den 2. August, zum Sonntag. den 3. Auaust. verübt worden sein. Die Leiche de« Blau wurde dann am 7. August ausgefischt. Erst nach dieser zur befieren Verständlichmachung für die G e- i ch w o r e n e n abgegebenen Erklärung beginnt die Vernehmung der?lnpeklagten über ihre persönlichen Verhältnisse. Ter jetzt 21 jäbrige Angeklagte Fichtmann, zuletzt Jüdenstraße 22 wohnhaft, hat trotz seiner Jugend die Schaukkonzession erlangt. Er hat nach seiner Angabe in seiner Jugend eine Gehirnerschütterung erlitten, sein Vater hat sich ichon mehrmals in der Irrenanstalt Dalldorf befunden, sein Onkel bat sich in der Geisteskrankheit erschossen. Er war wäbrend des Kriege« eingezogen, wurde aber, als er ins Feld sollte, fahnenflüchtig, da er sich nicht, wie er vor Gericht erklärte. für den Kapital, SiuitS totschießen lassen wollte. Als er dann zwangsweise ins sseld sollte, kam es infolge der Revolution nicht mehr dazu. Nach Ausbruch der Revolution wurde er K o m mu n i st und eröffnete als Zwanzig- jähriger eine Schankwirtschaft in der Jüdenstraße, welche bald als „Kommumstenkneipe* bekannt wurde. Hier bildete sich aus zumeist sehr jugendlicheii Leuten eine„Gruppe Fichtmann', eine Art OppositionSgruPpe innerhalb der Kommunistischen Partei sSpartakusbnnd). Dirie jungen Leute liefen ständig in einer Art Wandervogelkostüm herum, arbeiteten zumeist nicht, sondern saßen zumeist in der„Kommunistenkneipe�, wo sie politisierten und Mondoline und Gitarre, spielten. Wie F. behauptet, habe ein Polizeispitzel namens Otmar Teufel von seiner Behörde den Auftrag erbalten, den„Kommunisten Fichtmann" unschädlich zu machen. Teufel habe die Stahlhelme und Nnifonnen besorgt, mit denen die räuberische Erpressung gegen den Juwelen« Händler OrlowSky verübt worden lnar. wegen der er— unschuldig nach seiner Behauptung— zu 12 Jahren Zuchthaus verurteilt Worden sei..' Wie der Angrklogie behaupiet. habe er an jenem Abend die Schankwirtichast von O b st antgesiicht und dort Verlobung ge- feiert. E« sei desbalb unrichlig. daß ihn Zeugen am Abend de« 2. Auaust auS dem Mordhauie babcn herauskommen sehen, ebenso unrichtig sei eS, daß e: in der Mordnacht aus einem Hause der Teltower Straße Wein geholt habe. Tors.: Sie behaupten also. daß Sie bei zwei schweren Verbrechen, in denen Sie von Zeugen wiedererkannt werden, daS Opfer einer Personenverwechselung geworden sind? An a e kl.: Jawohl. Dr. Siegsried Weinberg: I" dem Fall OrlowSkh ist Fichtmann nach seiner Behauptung daS Ovier eine« Meineids des Belastungszeugen geworden. Auf die Frage de? Vorsitzenden erklärt der Angeklagte, daß ihm von dem Bestehen einer Terroristengruppe inner« halb seiner Partei, welche die Bcseitizung von Polizringcute» betrieben, nichts bekannt fei. Es sei auch nicht richtig, daß, wie in den Akten behauptet worden, während andere sich daran machten, or dem Schwurgericht. den Blau zu erwürgen, er den Blau auf die Knie geworfen habe. Der dann vernommene Angeklagte Hoppe ist der Sohn eines Tischlergesellen. Er ist nach Absolvierung der Gemcindeschule bezw. der Fortbildungsschule Lehrling bei einem Damenichnrider geworden und dann in diesem Berus« weiter tätig gewesen. Mit etwa 14 Jahren hat er sich der A r b e i t e rj u g e n d b e w e g u n g angeschlossen und bei großem BildungSdrang sich weiter zu bilden gesucht. Er bat sich mit Geschichte, Nationalökonomie, Englisch, wirtschaftlicher Geographie, Literatur usw. be« schäftigt. Nach seiner Entlassung vom Militär hat er sich der Organisation der„freien sozialistischen Jugend" an- geschlossen und sich dort bald eine hervorragende Position errungen. Er ist, wie er auf Befragen deS Vorsitzenden bekundet, überzeugter K v m m u n i st. stehe aber auf dem rechten Flügel der Partei. Er hat die Leitung des Jugendverlages„Junge Garde" unter sich. Einmal ist er als Delegierter einer Reichskonserenz nach Weimar entsandt worden, ein andere« Mal hat er im Auftrage des Exekutivkomitees der Jugend-Jnteriiotioncile eiwe Reise nach Hol» l a n d gemacht. Dieses Exekutivkomitee bäbe mit der Propaganda der Tat nichts zu tun. Er selbst bestreite, Mitglied irgend einer Terroristengruppe zu sein, bekämpfe im Gegenteil jeden Terror. Den Inspektor Blau habe er persönlich gar nicht gekannt. Zu der Bersammlung in der Mittenwalder Straße, die von Leusüuer, dem Vorsteher deS IL Bezirks, geleitet wurde, sei er erst spät gekommen. Als er dort angekommen, habe eine Gruppe den Blau umstanden, die ihn auf Grund eines Briefes, den Lcuscher in der Hand hielt, als Spitzel entlarvt hatte. Es war eine große Aufregung und man sagte ihm auf den Kopf die S p t tz e l e i zu und hielt ihm vor: wie er die Frechheit haben könne, noch in dieser Versammlung zu erscheinen. Blau habe sich gegen den Vorwurf gewehrt und sich auf einen gewissen Stroltz berufen, der beweisen könne, daß er lein Spitzel sei. Sehr erregt war besonders ern Mann, der Mendelsohn hieß und den Spitznamen Acosta führte. Der Stroltz sollte aus der Kaiserallee bei der Pariser Straße wohnen. Ein Mitglied der Ver« sammlung, der ein kleiner Mann und Ausländer gewesen sei, und er selbst feien dazu bestimmt worden, mit Blau in einem Auto nach der Wohnung des Stroltz zu fahren. Letzterer wurde nicht angetroffen und da Hab« man bescbloffen, mit Blau «ach der Croßberrenstraße bis zur Dorckstraße zu fahren und von dort mit ihm nach dem Kreuzberg zu gehen. Dort auf der Straße hatten sich einzelne Gruppen von Genossen cmgesammelt, die sehr erregt waren, weil St. nicht angetroffen worden war. Ts wurde der Vorschlag ge- macht, Blau emsach auf dem Tempelhofer Feld zu erschießen, aber eine Mehrheit war dagegen, nur eine Minderheit dafür. � Mittlerweile war es Nacht geworden und es wurde beschlossen, mit Blau in eine Wohnung zu gehen und ihn bort gefangen zu halten bis zum nächsten Tage, um ihn dann zu Stroltz zu bringen und Aufklärung zu erhalten. Er selbst habe eine Ermordung für ganz zwecklos gehalten, denn ein Spitzel, der einmal entlarvt sei, sei doch nicht mehr gefährlich. Andererseits fei Blau auch verdächtigt worden, den Auftrag übernomnien zu haben, gegen eine Belohnung von 89999 M. den Schweizer Nationalrat Platten zu ermorden. Um auch dies aufzuklären, erschien es ihm ganz zweckmäßig,. den Blau sestzuhalten. Pohl stellte seine Wohnung Gneisenaustroße 7 a zur Verfügung. Er ging dann mit Pohl, einem dritten, namens Geisler, und Blau m die Wohnung hinauf und blieben die Nacht dort. Als er selbst am Morgen aufwachte, sei ihm von Gcisler mitgeteilt worden, daß inzwischen schon der kleine AuS- länder dagewesen sei, um zu sagen, daß Stroltz noch nicht gefunden sei. Nachdem sie in aller Gemütlichkeit den von Frau Pohl gekochten Kaffee getrunken, hätten sie den Vor- mittag mit Lesen verbracht. Gegen Mittag sei ein großer Mensch gekommen und habe ihn heranSrusen lassen. Er habe ihm dann mitgeteilt, daß Stroltz noch immer nicht angetroffen worden sc« und Blau weiter festgehalten werden solle. DerMannbabedann noch er- erzählt: Blau sei auch Lockspitzel im Ruhrrevier gewesen und in den Januartagen bei der Besetzung der B ü x e n st e i n s ch e n Druckerei tätig gewesen. Mit einem Male habe der Mann au« seiner Tasche eine kleine Flasche mit Morphmm herausgeholt und gejagt: Macht doch kurzen Prozeß mit ihm! Dies Ansinnen babe er entschieden zurückgewiesen und der Mann Hobe das Morphium wieder eingesteckt und sich entfernt. Der An- geklagte schildert dann weiter, wie der Tag) eigentlich vollkommen harmonisch verlaufen sei. Er habe sich mit Blau, der ein gewisses Vertrauen zu ihm gefaßt hatte, ganz gut unterhalten und mit ihm zusammen einige Bücher gelesen. Blau habe ihm dabei unter anderem erzählt, er sei in München Spitzel für die antibolschewistische Bewegung gewesen, aber er habe seine Aufkraggeber belrogen. Auch habe er angedeutet, daß er seinerzeit im Edenhdtel sich aufgehalten und ihm die Pbotographien der Täler bringen könnte, die Rosa Luxemburg getöiet hallen. Blau sei durchaus nicht wie ein Gefangener gehalten worden, habe auch nie versucht, wegzugehen, sondern bekundete immer den lebhaften Wunsch. daß doch endlich Stroltz angetroffen werde» möchte. Da es zweck- mäßig erschien, bi» dahin Blau noch weiter festzuhalten, die Pohlücke Wohnung aber doch zu eng war und überdies ekn Wechsel de? Auf« eurhaltS ratsam erschien, weil es sich doch schon zu viel herum- gesprochen habeir konnte, daß in dieser Wohnung ein entlarvter Spitzel festgehalten würde, habe er sich entschlossen, Blau nach der Wohnung keines Freundee, des Angeklagten Winkler, Großbceren- straße 29. zu bringen. Hier brach der Vorsitzende die Verhandlung ab und vertagte die Sitzung auf Freitag 9V, Uhr. Die öeamtin als uneheliche Mutter. Von Jlka Schütze, Telegraphengehilfin a. D. Da mir die Zeitung unsere? Verbandes, in dem die auf dem kürzlich in Hamburg abgehaltenen VerbandSiage gefaßte Eni- schlreßung über„die Entlassung der unehelichen Mutter auS dem Dienst in jedem Falle" schriftlich medergelcgi ist, nicht zuging, wurde ich erst durch den mir von einem Bekannten zugesandten Artikel des Abgeordneten Steinkopf aus diese auf» merksam. Ist eS denn mirllich möglich, daß Frauen(289 an der Zahl) über den van einer Hamburger Kollegin„für Belastung der un- ehelichen Mutter im Dienst" eingebrachten Antrag für 3199 ihrer Mitschwesirrn mit„Rein" zu enticheiden wagten?!— Eine suhlende und denkende Frau empfindet eS als Schmach, daß ein Mann öffentlich für die heiligsten Rechte des weiblichen Geschlechtes et» treten muß! Ich war 15 Jahre im Dienst und habe in den vielen Ver- fammlungen, die ich besuchte(denn ich gehöre dem Berliner Verein deS Verbandes feit seiner Gründung an, war auch jahrelang im Borstand), soviel vom Kampf für di« sozialen Rechte., der Frau, soviel von Solidarität gehört, daß diese Entschließung mein Ver- evauea zu dem Verband vollständig erschüttert hat.— Einem verband, der— milde gesagt— so leichtfertig und in voll- ständiger Verkennung der Moralbegrifft über„Sein oder Nicht- sein" von Menschen von der Höhe einer eigenen, vorgetäuschten Sandermoral auS aburteilt, kann ich nicht mehr als Mit- glied an gehören. Bedenket Ihr nicht, Ihr ehemaligen Kolleginnen, daß Ihr mit einer solchen Entschließung ein« Mutter mit ihrem Kinde dem sozialen Elend preisgebt, sie eventuell erst der Unmoral oder gar der Prostitution in' die Arme treibt?! Seit Ihr wirklich so naiv oder so pharisäerhaft, zu behaupten, daß am«ner jeden außer- ehelichen Mutier ein.Makel' haftet? Ist nicht vielmelhr jede Frau, die ein Kind zur Welt bringt, noch nicht von der U» fittlichkeit und von dem moralischen Niedergange, den di« Kriegs- zeit mit sich gebracht hat, angesteckt, und gibt eS nicht auch Frauen. die in reiftren Jahren ans hohen sittlichen Gründen Mutter eines außerehelichen Kindes werden wollen? Und auch über sie wollt Ihr den Stob brechen, sie brotlos machon? Soll und muß die Frau, die nicht heiraten kann oder will, auch auf ein eigenes Kind verzichten? Wißt Ihr nicht, daß daS Kind das natürlich- sittliche Produkt einer physischen Liebe ist oder seid Ihr so kühn, zu behaupten, daß alle Beamtinnen, die keine.Kinder haben, dieser körperlichen Liebe entsage,»? Da sie nun des eventuellen KindcS wegen ihrer Stellung verlustig gehen, werden auch diejenigen unter ihnen aus Abwege der Unmoral getrieben, die sonst einem Kinde da? Leben geben würden! Eine solche Frau der sozialen Not auszusetzen, sie eventuell dadurch zum Verbrechen am eigenen Körper, zur Verzweiflung und anderen unabseh- baren Folgen zu treiben, ist nicht nur lieblos, sondern auch ge- wiffenloS. Diese Kinder, die ihr Lebe« oft ein« reinen Liebe verdanken. die fr« ist von allem unmoralischen MateriobiSmuS, der doch bei unseren heutigen Ehen so häufig dem Ausgang gibt, können ebeu- sogut wertvolle Glieder der Menschheit werden und an dem Wieder- oirfbau Deutschlands arbeiten helfen. Jchr wollt die Mäste zur körperlichen Entsagung alle« Ra- türlichsn zwingen und fördert dadurch die Heuchelei und daS Verbrechen. Statt, der Sittlichkeit zu dienen, hebt Ihr d i e 11 n. moral; denn ebensowenig, als sich in den Klöstern durch Kasteien oder anderen Perversitäten jedes menschliche Gefühl ersticken läßt, ebensowenig hebt Ihr die Sittlichkeit durch Eure Entschließung. ES ist tief zu beklagen, daß di« Frau, die die Rechft ihrer Mit- schweftern fördern will, diese mit Füßen tritt und sich somit in der Oeffentlichbeit alS ihre unbarmherzig«, gefühlsarme Feindin zeigt. Dieser Umstand kann mich auf die allgemeineren und materiellen Forderungen der Beamiimnen nur ungünstig wirken! Nicht nur„Entlassung nicht in jedem Fall", sondern „Entlassung auf keinen Fall", wenn nichts weiter gegen den Ruf der Beamtin«inzuwenden ist, als daß sie Mutter wird, müßte die Entschließung foridern, wenn die„Standesvertretung", di« sie aufstellte, für sozial, für gerecht, ja nur für klarsehend gelten will. Leben wir nach unserem Gewissen, aber richten wir nicht über unser« Mttschwestern! ES ist pharisäerhaft, in der außerehelichen Mutter grundsätzlich einen Makel zu sehen und unS bester zu dünken, als jene. Sehen wir uns lieber nach solchen Elementen um, die wirklich d-S Ansehen des Standes schädigen, die sich ihrer Frauenwürde nach außen vollständig begeben— und wir haben solch«. Kein Stand ist vor dem Eindringen wirklich unmoralischer Elemente gefeit— auch der unsere nicht. Ich habe die feste Hoffnung, daß gerecht- und klardenkende Männer, wie de: Abgeordnete Dteinkopf. im Reichs:ag für dieses heiligste oller Frauemrechte, da« Recht auf Mutterschaft, eintreten und die Frauen, vor allem auch die Beamtinnen, dadurch ge- zwungem werden, sich nach urch nach von mittelalterlichen, falschen und absurden Moralbegriffen zu lösen! Ich aber fühle mich nach dem Stande meiner jetzigen Erkennt- niZ, zu der ich mich auS prüder Erziehung hindurchgerungen habe, berufen, öffentlich einzutreten für die vielen, vielen Frauen, deren Leben durch eine solch« Entschließung ruiniert werden soll und meine Ansikit klarzulegen für jene, denen sie, gleich mir, die ZorneSröte inS Gesicht treibt.\ Soziales. Beiträge in der JnbalidenpersicherunK. Bekannilick» sind vom 1. Juli ob den Rentenbezicher« au? der Jnvalidenversich-rung ibre Zulagen erhöht und solche für Waue» renten neu gewährt worden. Jnfolgedesten tritt ab 1- August auch «ine Erhöhung der Beiträge für die Invalidenversicherung ein. ES werden dann folgende Wochenbeiträge erhoben: Lohnllaffe I 99 Pf., II 199 Pf.. Iii 119 Pf., IV 129 Pf. und V 149 Pf. Zu beachten ist, daß für die Zeit nach dem 1. August alte Marken nicht mehr verwendet werden dürfen. Selbstversicherten oder Weiter- versicherten ist zu empfehlen, ihre Karten, soweft noch alte Marken zu verwenden sind, baldigst in Ordnung zu bringen. Ungültig ge- wordene Marlen können binnen zwei Jahren nach Ablauf ihrer Gültigkeitsdauer bei den Markenverkaufsstellen gegen gültige Mark sn umgetauscht werden._ Schutz der Krieg Sttilnekj»«! gegen Zwangsvollstreckung. Die Geltungsdauer der vom Ra:e der BolkSbeauftragten am 14. Dezember 1913 erlassenen Verordnung zum Schutze der Kriegs- teilnehmer gegen Zwangsvollstreckungen ist abermals verlängert Vörden, und zwar bis zum 1. Januar 1921. Es find danach Zwangsvollstreckungen bei Kriegsteilnehmern nur mit Bewilligung de« VollstreckunqSgerichtF zulässig. Wird die Bewilligung nach Ablauf von seck« Monaten seit Bcendiguiß, der Kriegsteilnehmer- schaft de» Schuldners oder wird sie für eine Forderung nachgesucht, die nach Beendigung der KriegSieilnehmerschaft entstanden ist, so ist sie nur zu versagen, wen» ihre Erteilung nach den Umständen d-S Falle? offenbar unbillig wäre. Gedenkt daS BollstreckunoS» gericht die Bewilligung zu versagen, dann hat eS auf eine Einigung deS Schuldners mit dem Gläubiger hinzuwirken und, falls diese scheitert, zu beschließen, bis zu welchem Zeitpunkt der Schuldner die Leistung zu bewirken hat. Diese Frist darf nicht über den 1. Juli 1921 hinaus erstreckt werden. DaS VsllsUeckungSgerichr kann anordnen, daß innerhalb dieser Frist der Schuldner die Leistung in Teilbeträgen zu bewirken Hai. An den ftstaesetzten Fälligk-itSiorminen ist d'- Zwangsvollstreckung dann ohne weitere Bewilligung de« Vollstreckungsgerichts zulässig. Weibliche DtandeSboamte läßt d«S neue Gesetz über den Personenstand vom 11. Juni 1929 zu. Damit ist den Frauen theoretisch die Möglichkeit der Betäti- emug auch auf diesem Gebiet« gegeben. Bei den Eintragungen in die standesamtlichen Register fallen die Angaben über Religion?- zugehörigkmt fort. Beim Aufg-bm entfällt die Angabe des Wohnorts der Eltern. Eintragungen über Personalien der Eltern wer» den in die HeiratS. und Sterberegister nicht mehr gemacht. Wenn ein uneheliches Kind durch Heirat des Vater« mit der Mutter die Rechtsstellung einoS ehelichen Kindes erlangt bat, so hat das Vor- mundschaftSgerickit die? festzustellen und die Beischreibung der Fest- stellung am Rande der Geburtsurkunde auf Verlangen deS Gerichts anzuordnen. Bor Anordnung des Aufgebots soll der Standes- beamte den Verlobten und d-njenigei. deren Einwilligung noch dem Gesetz erforderlich ist, je ein Merkblatt aushändigen, in welchem auf die Wichtigkeit einer ärzlichen Beratung vor der Ehe- schließ, ing hingewiesen wird. Die Standesbeamten haben ferner statistische Erhebungen einschließlich solcher über die Zugehörig- keit zu einer Religionsgemeinschaft vorzunehmen. Der dem alten Gesetz vom 6. Februar 1375 angehängte Gebührentarif ist in der Weise erhöht worden, daß jetzt die Beträge verdoppelt sind. Sie betragen 1 M. für jeden beglaubigten?luSzug au? den Registern, Vorlegung eine» Jahrgangs der Register zur Einsicht usw., und steigen bis zu höchstens 3 und 4 M. Sport. 6 Graditzer sieg» eich. Bei deni am 23. d. MtS. in Hamburg- Horn abgehalteneu Renntag waren sechs in Grabitz gezogene Pferde siegreich und zwar Vergleich, Herold, Funlipruch,' Humboldt, Glimmer und Flamme. Von diesen Siegern befinden sich Vergleich und Herold, die beide ein Engagement im Derby haben, im staatlichen Rennstall. Freier Wanderbund« Sonnenwende in den Bic-cn-r Höllen: Ab- fahrt Zonnabcnd sriib 5,69 Uhr ab Alexandcrpleb bis fliwaenwald«, nach- miitags 3,19 und 5,59 ab Aiexandeiplatz bis piakobsdors. umsteigen tn Fürstenwaldc,»,59 und 7,29 ab Alexandcrplatz bis Jakobsdors(Fernzug). Arbeiter- Radkabrerbnud„Solidarität-, Ortsgruppe Berlin, 1.«bt. 27. Juni ftüb 5 Uhr: Nauen, mittags 1 Uhr: Finkentrug.— 8. Abt. Sonnabend, 26. Juni, abend» 6 Uhr. nach Teupitz(Sonnen- wendseter); Sonntag, 27., früh 5 Uhr, nach Teupitz. Beide Starts Fon- taneprommenade 18. Wetterbericht biS Souoabcnd mittag. Teilweise heirer, aber veränderlich ziemlich kühl, mit«mzeiueu leichten Regenjchaueru, bei frischen nordwestlichen Winden. » LM AM AM AM AMJ •M Grosse Preisermässigungen in|| Schuhwaren bei der städt. Bekleidungsstelle In Neukölln, Bergstr. 29 Damenstiefel moderne Fassons, extra gute Roßchevreaux- u. Rindledersorten 106,- Mark Herrenstiefel gediegene Arbelt IIS,. Mark la Rindbox, kurze moderne Form Kinderstiefel bequeme Form, dauerhafte Qualität von 44,- Mark an Verkauf an Jedermann. Auch an Nicht-Neuköllner. K K 1* f* ,Ay�AAA��>�/�A>SAA/�>v'�AAAA>�AA>v�>«'�AA>�A/�A>w�VV�AA1AAA••�/�AA�*A/�A/�/���A/�A����AAA>>sAAA/V� Ogembans. DieFrau ohne Schatten Antam gy, Uhr. Die Journalisten. Antan< 7 Uhr: Deatscäes Moster. Letzte AuftUiirung 7', uhr: Taifun. Ab Sonnabend; Uasttpiel Maria Orska Weib und HempeltaaBR Kammorsplela. Abel— Klte Dorsch t.•. Leibgardist Kleines Setiauspieliiaas, Pasatienstr. I fNähe Bhf. Zoo). Gastspiel Werbezirk �Z,: Moral d. Pfau Dulska. Theater desWestens Max Pallenberg: p/, uhr: ßoldeae Ritterzeit. Großes Scbsospleiliaiis. Ä: Lytistrata(23. Abt., 4. Ab.) 3o.7: Jul. CBaar(13.Abt., 4.A.) - K9nl0ffratzerStra8e 7 u; Geständnis Romödlenhaus 8:•.Reist In d!e Mldcbenzeit. Berliner Theater l,'JS Uhr: Der latete Walzer Ibentarite. Apenthaa. 7 uhr: la Traviata. I>1« TrlbBae 8 Uhr: BUEbHlT. Trledr.- W llfe alnat.Th. 7% uhr: Wie» Bninlireclil. Kleine. Theatep. uhr•. Die Pterriwnslioniödle Horn i.oke Oper 7.is y.: Die Frao Im Daiikeln La.t.pielhau. ['�Deruegetme Marl Wetropet-Th.nter. V Im weißen R9ss,l Neues CeDtral.Theater Heute tesehloss.— Sonnab. uü Die Dame fei Frack. Nene. Operettenhaue 7';uhr:ppiuessk Frledl. Vene« Talk.thenter 7/' Die 3 Zwillinge Uhr: •«banburs Keniet!rklz8r Str. 121. 7 tnr uüü ndrmig m Uö oette GekaDDtschalt. •eMller-Tlieat. Chart. pa*.-. Die RabensteiiierliL Vi�bu-'riwuw Zh ffifÄKSlSzerfB Fh.aiu Xollendorrplnt. u," Eine Kaelil im Paradies Theater i. d. Alt. Jakobstr. alDieverschwurilPauline. W allner-Theater 7,i3:D. lust. Weiber C» D.Glas dJängfras Deotscbes IDostler-TDeater Allabendlich T'AUhr: Die bessere Bßlfte mit Mai Adalbert. Trianon-Theater. Bahnhof Friedrichstraße. Täglich 7Vj Uhr: Uashersdc. Residenz-Theater. Stadtbahn Jannowitzbrücke. Täglich'/� Uhr; PaurWegineni.OlzaLiniburgin Die Rasclihoffs Friedr.-Wilhelmst.Theater 7'/, uhr: EYCliett fiutnlireclit. Der große Erfolg. Rose-Theater. 7'/« Uhr: Schwarzffaldsngdel Theater Folies Capriee Friedrich-, Ecke Linienstr. Vi, Uhr: Fiininier-KlärGlien MuslHäti�eber Sc�w�nk Ädmlrals-Palast VI, Uhr: Die luetlge Puppe. Theater a.Kottbus.Tor Tel.; Moritzplatz 14814. Jeden Abend?>/, Uhr: Elite-Sänger. Horst, Ruseili, R. Schräder, Riess Schubert usw. Bliithgen-Konzerf.' Vorvk. H-P/,. 4-6 U. 7'/, Tlieatcr 7>/,| | Direkt. James Klein, f Bui' fi, |iiochÖ�aSe! Natura- | lUtisch-pbantastisch. I Ballett rariMd-CaMtpUi Irene Groß I v. Theat. d. Westens 1 8 velt. Sensationen 6 EHRtflST. 53-54t 2 Lorleys t Dr. BennoWUnsch f Ciselatus| Rose! Dehny Martin Loewe 1 Annie Trautner* 2 Kajanows HioißriiGiistJerßerj Arthur Weinschenk! i» Coco u. Goca ReevesuReevesi Am Flügel; E. Hentschel.? Kapelle Muadi Neumann.» »...... Potsdamer Str. 38 Emil Jnnnlng» in Das große Licht. Turmstr. 12 Asta Nielsen im Drama Das Ende vom Liede. Friedenau, Rhelnstr. 14 Alezanderplatz-Pass. »er Hesesscne Schauspiel n. d. Novelle: ..Da; Ffluleln t. Scmleri' Jfrae Welt Arnold Scholz Hasenbelde 108-114 TäRllch Konzert und Vorstellnnjs- Dienstags, Witt /.ochs, Donnerstags U.Sonntags: Großer Ball. Die Kaffeeküche (St täglich geöffnet. Anfa ng wochentags 5 Uhr, BERLINS Tagesgespräch! 3, Woche ZIRKUS WOLFSON Sensati ons- Film Sszinn 7 und ali9 Uhr Vorverkauf 11-1 Uhr Sommer-Theater „Qroß-Berlin" vorm. Klient, fiasenheide. Freitags. Försterchristei. Sonnabd.8: Sens.-cchausp Krone und Fessel, Das Ende ein, Königskrone. Ab S1', Spezialitäten. 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Nachdem der für die Verfassungsgebende Preußische Landes- Versammlung im Bahikreisc Berlin gewählte Abgeordticle Rechisanwait Dr. fturt Nvienfeld seinen Wahlauflrug nieder- gelegt Hai, bentie ich auf Sirnnd des§ 59 der Wahlordnung vom 50. November 1918 und in GcmSßheif des ß 49 a. n. O. den Wahlausschuß zur Feslstellung des Eriahmannes, der gemäß S 21 des Belchswahlgeiehes vom 30 November 1318 an seine Stelle tritt, zu einer Sitzung aus Tonnabend, den 20. Jnni ISA0, vormittags 10 Uhr. nach dem Wahlbureau des Magistrats, C. Z, Stralauer Straße 41/45. 1 Treppe. Ummer 9. ein. Dies dringe ich hiermit zur dffcntlichen Rcnninis. Berlin, den 23. Ztmi 1920. Ter Wahlkommissar für den Wahlkreis Berlin für die Wuhsen hur Ber. fassnnggebenden Prenhifchen Landesversammlung. Lochning, Stadtrat. sTgb.-Rr 1074. Wahl. 29.1 Volllzmttsehattl. AaRhlldullgahukzu». Beginn: 20. Sunt 1020, abends 7 Uhr, im l-uther» l-�zeum, TempeIhoierU!er2 Ihemen: Geschichte des Sozialismus, Marxismus, Syndikalismus, Bolschewismus, Gewerkschaften, Betriebsräte u. a.— Uebungstage: Dienstags und Donnerstags von 7 bis 9 Uhr abends. Kursdauer 8 Wochen. Einmalige Einschreibegebühr 5 Mk. Meldungen erbeten an Ernst Mosich. Schmargendorf, Hundekehlestr. 11. Auch in der ersten Kursstunde werden Meldungen entgegengenommen. Die Kurse dienen keiner pnlltischen Partei I 744D muß heute die ganze Welt, je- dochgarmancher wird davon be- jonders schwer betroffen. Er muß den ihm lieb gewordenen Beruf aufgeben und steht damit vor einer fast unlöslichen Aufgabe. Das beste Mittel, sich einen neuen Beruf, eine bessere Stellung zu verschaffen, bietet die Methode Rustln (5 Direktoren höherer Lehranstalten. 22 Professoren als itarbeiter), ohne Lehrer durch Selbstunterricht unter energischer Förderung des einzelnen durch den persönlichen Fernunterricht. Wissenschaft!, geb. Mann, Wissensch, geb. 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Die Sozialdemokratische ReichStagSfraktion nahm Stellung zur Wohnungsfrage und beschloh, eine JnlerpeHauon einzubringen. Weiter beschäftigte sie sich mit der Arbeitslosenfrage und stimmte der Einbringung folgender Jnter- pellation zu: Was gedentt die Regierung gegen die zunehmende Arbeits- losigkeit zn tun, wie gedenkt sie, insbesondere in der jetzigen Ärise, die Stillegung von Betrieben zu verhindern, und Arbeits- gelegenheit zu beschaffen! Ferner wurden die Genossen Dr. Braun und Keil beauf- tragt, die Tteuerfragen, besonders aber die Einkommensteuer, ein- gehend zu prüfen und Vorschläge auszuarbeiten, nach denen die Härten beim Steuereinzug behoben werden können. Weiter wurde beschloffen, in eine Prüfung der Personalfragen anläßlich die!« Kabinettsbildung nicht einzutreten. Schließlich beauftragte die Fraktion die Genoffen Dr. R a d b r u ch und Dr. Borsch- mann und die Genossinnen Schröder, Schreiber und Vöhm-Schuch, ein Rotgesetz auszuarbeiten, das den unhalt- baren Zustand aufbebt, der sich aus den§S} 217— 22-0 des Strafgesetzbuchs(Tötung des keimenden Lebens) ergibt. die Thüringer Lotnütagswshlen. Aus Thüringen wird unS geschrieben: Die Thüringer LandtagSwaihlen haben den Unabhängigen eine Schlappe gebracht, die sie nicht wieder überwinden werden. Während sie am(3. Juni 227 603 Stimmen mustern konnten, brachten sie es am 20. Juni nur noch auf 183 239 Stimmen; das sind 44 364 oder 20 Proz. weniger als 14 Tage vorher! So harten sie sich ihre„ungestüme Vorwärtsentwicklung" sicher nicht gedacht. Es vollzog sich hier ein Vorgang, der überall dort zu bemerken war, wo die Unabhängigen, wie in Thüringen, bis dahin das Heft unbestritten in den Händen hielten. DaS sind die drei Wahl- kreise Gotha, Gera und SonderShausen. Dort waren sowohl Landtag wie Regierung unabhängig geeicht. Und die Entwicklung war folgende: 1919 zur Nationalversammlung er- hielten die Unabhängigen in Gotha 61861 Stimmen, am 6. Juni 1929 nur noch 41 866, und jetzt zur Landtagewahl gar bloß noch 36 392 Stimmen!, In der gleichen Zeit aber wuchsen dort die 'bürgerlichen Stimmen von 36 997 bei der Nationalversammlungs- wähl auf 69 444 am 6. Juni. In N e u ß rutschte die U. S. P. von 66 341 zur NationawersammIungSwahl aus 62 662 am 6. Juni, und auf 69 177 am 29. Juni herunter, während die Bür- gcrlichcn umgekehrt von 42 439 auf 68 331 am 6. Juni sich er- hoben und selbst am 29. Juni mit 62 296 die U.S.P.-Stimmen noch überholten. In SonderShausen das gleiche Bild: 1919: 18 669, am 6. Juni 22 898 bürgerliche Stimmen. Mit anderen Worten: Wo die Unabhängigen unbeschränkt schalteten und walteten, da trieben sie die Hasen in die Küche der Gegner, waren also die echten Schrittmacher der Reaktion. Un- l'ere Partei hat sich dagegen bei der LandtagSwahl tapfer gehalten, denn tpenn eS unS angesichts der etwa 19 Proz. schlechteren Wahl- beteiligung gegenüber dem 6. Juni gelang, u ns e r e Stimmen- zahl z u halten, so ist das schon ein absoluter Erfolg, der um so höher anzuschlagen ist, al? der Zusammenbruch der Un- abhängigen geradezu als Zatastreqchal zu bezeichnen ist. Uno «S ist sicher: Wären die Wahlen noch 14 Tage später vorgenom- w-n worden, die Folgen wären für die U.S.P.-Leute noch viel übler gewesen. Mit Abscheu«endet sich eben jetzt doch der Teil der denkenden Arbeiterschast, der sich zur U. T. P. verirrt, schleu- mgst wieder ab. Neben der U. S. P. haben die Demokraten wesentlich an Stimmen verloren. Di« Folge des Stimmenrückganges der U. S. P. ist, daß sie im neuen Landtage anstatt nach dem Re- feltat vom 6. Juni mit 19 jetzt nur mit 15 Sitzen vertreten sein wivd. Die 4 Demokraten bilden, wenn S. P. D. und U. S. P. im Landtage zusammengehen, was bisher im VolkSraie immer de: Fall war. das Zünglein an der Wage, denn 28 Volksparteilern, Landbündlern unl> Nationalen stehen die 16 Stimmen der U. S. P. und die 11 sozialdemokratischen Stimmen gegenüber. Demzufolge wird auch die Regierungsbildung einige Schwierigkeiten bereiten. Die stets polternde„Neue Zeitung" in 'Jena verkündet bereits als Dogma, daß die U. S. P. sich an der Regierung nicht beteiligen werde. Soöen unö Württemberg. Mannheim, 24. Juni. sEigener Drahtbericht de»„Vorwärts".) Die Erärt«ungen Über die Vereinigung v'it Württemberg im badischen Landtag haben im Württemberg große? Aufseben «regt. Da».Stuttgarter Neue Tageblatt" bemerkt zu dies« Frage, daß dieselbe, trotzdem sich Wirtschaft», und VerkebrZ- pol'.tiker, die Handelsorganisationen und die Industrie für eine Föiderung der Angelegenheit eingesetzt haben, über den Zustand der rein theoretischen Erwägung nickt hinauskomme. Der Eifer, mit dem die Sacke in Württemherg beirieben worden sei, habe in Baden ein gewisses Mißtrauen hervorgerufen. Man habe Württemberg gewissermaßen An n exionSchsichten auf Baden unter- stellt. Solche Absichten kälten in Württemberg schon aus dem Grunde nicht bestehen können, da der Plan einer badifch-württem- belgischen Zusammenlegung durch die auch don württembergischer Serie gewünschte Einbeziehung von Hohen zollern, Hessen und der Botzrischsn Pfalz aus ein« breitere Grundlage gestellt worden sei und sich in der Richtung d« Gründung eine» südwestdeutschen Grsl.staateS bewegt habe. Tie Entwiälixng der Finanzen, der bevorstehende Bau de» Reckar-Donau-Kanals und die politischen Bestrebungen der Franzose», die auf die Errichtung eines RheinbundstoateS unter Einbeziehung von Baden abzielten, legten auch in Boden den VcreinigungSgedanken nahe genug. Reichs- unö 5anüesbefolöung. Die in letzter Zeit von den Ländern erlassenen BesoldungS- «-setze stufen vielfach die Landesbeamten günstiger ein, als daS im Frühjahr zustand« gekommene Reichsgesetz gleichwertige Reichs- bramte. Für die Reichsbeamten wird der A u s g l e i ch bei der bevorstehenden, Revision de? Besoldungsgesetzes herbeizuführen sein. Diese umfangreiche und schiwierige Arbeit ist vom R'.ichSfiuonz- Ministerium bereits eingeleitet. Aus der Verschiedenheit der Be- I soldungSgesetz« der Länder und deS Reiche» ergeben sich aber auch jetzt bereit» unmittelbare Schwierigkeiten bei der Einstufung der Länderbeamten der Betriebe, die auf da? Reich übergegangen sind. ReichSve-kchrS-, ReichZpost- und ReichSfin anzm inister find überein- stimmend der Ansicht, daß nicht nur im Herbst die Folgsrungen ouS den L ander gesetzen für daS Reichsgesetz gezogen werden müssen, sondern daß auch schleunigst ei« Weg gesunden werden «riisse, wie schon jetzt die Einreihung der in den Reichsdienst zu übernehmenden Länderbeamten in der BessIdungSorkmung deS Reich» ohne Nachteil gegenüber den Lan-desbeamtso erfolgen kann. Diese Furage ist einer Kommission überwiesen, die ihre Ar- Zeiten beschleu«igt durchzuführen hat. Die Angelegenheit wird alsdann sofort dem neue« Kabinett und dem Reichstage mrterbreitet werden., Preußen im Reichsrat. Die preußische Landesversammlung hat am Donnerstag den Antrag deS Geschäfts ordnuug-ausschusscs auf sofortige Entlassung deS Abg. Kilian(U. S. P,), der gegenwärtig eine dreijährige Gesäntrnisstraie wegen Delikten ausschließlich politischer Art(Drohung mit Gewalt, Behörden zu einer ungesetzlichen Handlung zu veran- lassen, Bildung bewaffneter Banden, Freiheitsberaubung und ähn- licheßj verbüßr, gegen die beiden Parteien der Rechten unter leb- haflem Beifall angenommen. Es folgt der Antrag des.BerfassungSauSschusseS aus Abänderung der Reichsverfassung über die preußische» Stimmen im ReichSrat. Der Antrag bezweckt die L e r l ä n g e r u n g der in der Ver» fassung gegebenen Fristbestimmung für die Ernennung der Reichs- ra:smttglieder, damit die Neuregelung der Verhältnisse der Pro- v i n z i a l Verwaltungen berücksichtigt werden kann. Abg. Dr. Preuß(Dem.): Die Verlängerung der Gültigkeit der heutigen preußischen Stimmen im Reichsrar wird sich nickt umgehen lassen. Wir beamragen aber, eS lediglich bei der Veränderung der Friitbestimmung zu lassen und nicht darauf zu bezieben, daß die Pflichtstimmenzahl Preußens im ReichSrat und die Stimmen seiner Provinzen abgeändert werden. Diese Forderung würde im RüchSlage nicht die erforderliche Zweidritielmehrheit erhallen Außerdem würde durch Annahme de» Antrages des Ausschusses im Süden eine bedenkliche Slimmung erzeugt. Abg. v. Kries(Dnatl): Wir stimmen für den Ausschußantrag und lehnen den Antrag Preuß ab. Da wir sowieso wegen Ver- längerung der Frist an den Reichslag herantreten, so können wir auch die Aenderung der anderen einschlägigen Bestimmungen der Reichsverfassung beantragen. Unterstaatssekretär Dr. Frenud tritt ebenfalls für Annahme des AuSschahanirages ein; ebenso Abg. Scholich'Sog.). Danach wird der Antrag Preuß abgelehnt und die Borlage ein- stimmig angenommen. Mo» rag, 6. Juli, vormittags 11 Uhr: Uebergang der standes« herrlichen Bergregal« an den Staat, kleine Vorlagen. Schluß 8,46 Uhr. Eigenartige Irrtümer. Der„Populaire" vom 22. Juni bringt in einem Telegramm aus Berlin den Appell, den der.Vorwärts" am 19. Juni unter der Neberschrift:.Alles gefährdet!" anläßlich der Stadtverordnetenwahlen veröffentlicht hat. Einige Stellen davon haben aus dem Wege von Berlin nach Paris ganz merkwürdige Aenderungen erfahren. In unserem Wahlaufruf hieß es: „Ans doktrinärer Verranntheit und aus Haß gegen die Sozia- listen und Arbeitervertreter anderer Richtung hat das Zentralkomitee der U. S. P. die gemeinsame Beteiligung beider sozialistischer Parteien an der Regierung abgelehnt und damit die ganze politische Macht in die Hände der bürgerlichen Parteien gespielt." In der Meldung des Pariser Blattes lautet die be- treffende Stelle folgendermaßen: „Aus Haß und doktrinärer Verranntheit hat sich das Zentralkomitee der U. S. P. geweigert, mit xe» Rechtsparteien an der Re- gierung mitzuwirken und damit die politische Macht den reaktionären Parteien ausgeliefert," Wir muffen demnach feststellen', daß aus dem ursprünglichen Text einige Worte weggelassen worden sind und daß dafür die Worte„mit den Rechtsparteien" hinzugekommen sind, deren Bedeutung in diesem Zu- sammenyang wohl niemand wird bestreiten wollen: denn sie erwecken den Anschein, als machten wir den Unabhängigen den Vorwurf, daß sie sich nicht an einer Koalition mit den Deutschnationalen und den Volkspartcilern beteiligen wollten! Solche„Jrrtünier" sind besonders bedenklich, wenn sie m den Blättern erscheinen, die uns immer wieder mit Kot bewerfen, für die dagegen'jede Handlung der Unabhängigen von vorn- herein unantastbar ist. «.Revolutionäre� Kosuiftik. Nach einer Meldung der„Freiheit" au» Paris haibe» T a ch i n und F r o s s o r d, die sich nach Moskau bog�ben haben, um übe: die Aufnahme der französischen Sozialisten in die dritte Jnter- nationale zu verhandeln, von dort aus an die u m a n i t e" gedrahtet, daß die Bolschewiki diese Zulassung von dem V e r z i ch: auf jeden Gedanken an eine sogenannt« vierte Internationale abhängig gemacht haben. Ferner sollen die französischen Soziakisten ihren aufrichtigen Glauben an die Diktatur deS Proletariats durch revolutis- näre Propaganda und revolutionäre Aktion beweisen, Die Meldung der„Freiheit" besagt, daß die.Humanite' dieser Mitteilung ihrer Abgesandten hinzufüge, daß hier wohl ein Mißverständnis vorliegen müsse, da niemals ernst- lich an die Schaffung einer vierten Jnternatio- n a l e gedockt worden fei. Diese Bemerkung der �Hurnanite" ist nichts«sndereS als Wortklauberei. Wen» nicht an die Sckaffung einer vierten Internationale gedacht wurde, was hatte dann der Austritt aus der zweiten Internationale ohne den bedingungslosen und siffor- tigen Anschluß an die dritte für einen Sinn? Warum wurden dann die Resolution Stoecker in Leipzig und die Resolution Loriot in Straßburg zu Fall gebracht, die diesen sofortigen und bedin- gungSlosen Anschluß an MoÄau forderten. E? war vielmehr die ausdrückliche Parole des unabhängigen Partei Vorstandes und deS französischen„Komitee? für den Wiederaufbau der Internationale", zu dessen Führer Eachi» und Frossard gehören, und dessen Sprachrohr die ,„Humanite" war, daß, fall?— wte man erwartete— die Moskauer Herrschaften unmögliche Bedin- gungen an die. Ausnahm« der Franzosen und der deutschen Un» abhängigen in die dritte Internationale knirpsen würden, man de» Versuch machen würbe, alle„revolutionären" Sektionen der Internationale in einen neuen Organismus zusammenzufassen, der die Beteiligung von Sozialisten an einer Koalitionsregierung verwerfen und den„reinen Klassenkampf" führen würde.�. Jetzt soll plötzlich o emals„ernstlich" davon dm Rode gewesen sein. Da« Schauspiel, da» jene Parteien bieten, die die zweite International: verlassen hal-en, dieses Verleugnen der ureigensten Gedanken und Pläne bvim erste« Stirnrunzeln aineS Sinonjew ist einfach widerwärtig. Verbanölunaen m!t Ungarn. Wien, 24. Jil*i.(Eigener Drahtbericht de»„Aorwänts".) Amtlich wird mitgeteilt: I« einer Besprechung, die unmittelbar v»r Ausbruch pc» Boykotts zwischen de« StaatSka«zler Dr. Re««er und de« ungarische« Gesandten i» Wie« stattgffuvde« hat, ist der Gedanke einer Permittlimg deS deutsch- Zsterreichischen Staat»- kanzler? zwische» der ungarische« Regier««« u«d de« i»ter»a- ticinalen GewerkschaftShund aufgetaucht. Der ungarische Gesandte- erklärte dabei, daß füll dt: unearlsche Regierung, sobald eine solche Vermittlung stattfinde» sollte» der Erteil«», von Auf- (lärnngen«m die Vertreter de» GewerkschaftSbnndeS nicht entziehen werde. Drei Delegierte deS internationale» GewerkschaftkbundeS treffan nun Sonnabend abend von Amsterdam in Wien ei«, wv sie unter Vermittlung des StaatskanzlerS am Montag mit Per- trctcrn der ungarischen Regierung eine Aussprache liabe« werden. Ter tschechische sozialdemokratische Abg. S t■ v i n teilt mit: Die von der madjarischen Regierung amtlich verbreit:!« Nachricht über eine weiterbestehende Tele gr a pH en v c r b i n d u n g zwischen Berlin und Budapest über Prag ist tendenziös er- funden. Auf eine Anfrage bei der Leitung des lschecho-flowa- kischen PreßburoauS wurde dem Abg. Stivin erklärt: Di« madjarische Regierung habe sich zwar zweimal an dieses Bureau durch ihre Wiener Vertretung mit dem Ersuchen gewandt, den Nachrichtendienst über Prag zu vermitteln, aber dieses Gesuch wurde in beiden Fällen strikt abgewiesen. Auch alle übrigen Nachrichten über Nichteinhaltvng des Boykott? auf dem Gebiete der tschecho-slowvkischen Republik werden an offizieller Stelle be» stritten; besonders aus der Slowakei kommen Nachrichten, daß dort'das staatliche Verkehrspersonal den Boykott streng durchfährt� Die Wiener Permanenzkommission hat beschlossen, die Eisenbahner zu ersuchen, daß sie die auf den steirischen Strecken aufgehaltenen amerikanischen Mehltransporte für die amerikanische Kinderhilfsaktion in Ungarn passieren lassen. Dieses omerikarrsche Mehl ist ausschließlich für die Speisung der armen Bevölkerung unter amerikanischer Konirolle bestimmt. DaS Ersuchen bezieht sich aber ausschließlich auf die durch amen- kanische Bezettelung bezeichneten MehltranSporte der Hilfsaktion, im übrigen ist der Boykott auch weiterhin in voller Strenge fort» zusetzen. Auf dem O st bahnhof ist der normale Verkehr wieder eingeführt, nachdem die deutschnationalen Beamten die Erklärung abgegeben hatten, daß sie den Boykott gegen Ungarn nicht ver- hindern könnten, also auch nichts mehr gegen ihn unter- nehmen werden. Die Züge gehen jetzt ohne die Beamten voll- kommen regelmäßig ab. Aus Graz kommt die Meldung, daß an der stc irisch- unga- rtfchen Grenze ungarisches MilitHr zusammengezogen ist. Der Mörderhäuptling Oberleutnant H« i j a S hat einen offenen Brief im Befehlton gegen die ungarische Regierung ver- öffentlicht, was zu Gerüchten über oinen Anmarsch von Offiziers- dctachements auf Budapest und zu Pogrombefürchtungen Anlaß gegeben hat. Deutschland bedauert den U-Doot-Krieg. Genua, 23, Juni. Wie erst jetzt bekannt wird, erklärte Albert I b o m a s unter Bezugnabme auf den eng'isch-dcuischcn Zwischenfall im Verlauf der Seemannskonfercnz, daß der deutsche Delegierte W i s s e I l von seiner Regierung die Ermächtigung erhalten habe, folgende Erklärung abzugeben: „Ww beklagen mit Ihnen die zahlreichen Opfer des U-Boot-Krieges, den Deutschland in seiner Rot unternahm, um sich gegen die Blockade zur Wehr zu setzen. Die deutsche Regierung hat bereits Veranlassung genommen, ohne nach dieser Richtung irgend einen Widerspruch zu erheben, auf Arund des Annexe? I des Alt. 244 des Friedensvertrages, vornehmlich der Teile 1 und 2 de? erwähnten Annexes, alle Schäden wieder gutznn.achen, die die Führung des Seekriege« durch Deutschland den alliierten und assoziierten Mächten und ihren Staatsangehörigen verursacht hat. Ferner hat die deutsche Regierung, in Uebereilistimmung mit den Informationen, die sie uns vor unserer Abreise gab, hinsichtlich der Schadenersatzansprüche neutraler Staaten, deren Bürger in I«dem einzelnen Falle cntschädigl, sosern die beigebrachten Be-. gründungen die Ansprüche rechtfertigten." Der Führer der englischen Seeleute Havelock Wilson(ein Erznationalist, Red.) drückte im Anschluß an diese Erklärung seine Befriedigung darüber ans, daß daS deutsche Volk das don i h m(!). durch die Führung de? U-BootkriegeS begangene Unrecht anerkenne. Der ReichSrat hat mehrere neue Vorlagen den Ausschüssen überwiesen, darunter einen Gesetzentwurf über die Entschädigung der Mitglieder des Reichstags und den wiedereingebrachten Eni- Wurf über die Aufhebung der Militärgerichtsbarkeit. Der Entwurf eines ReichSwehrgesetzeS ist vom Wehrminister zurückgezogen wvr- den zu einer nockmaligen Ucberarbeitung. Auch in Bremen haben erregte Volksmengen Geschäftslager zu Friedenspreisen ausverkauft. Natürlich kann der Ruin einzelner Geschäftsleute dem Volksganzen gar nichts nützen. August Stein, der bisherige, Vertreter der„Frankfurter Zeitung", ist, wie uns ein Privattelsgramm auS Frankfurt a. M. moldet. nach 37jährige? Dienstzeit in den Ruhestand getreten. An seine Stell« tritt der frühere Londoner Vertreter des Blatte», Dr. Guttmann,— August Sbe-in hat jahrzehntelang in Berlin die Macht der Presse repräsentiert, neben Herrn v, Huhn von her — Kolnerin war er der einzige Berliner Pressevertreter, der un- mittelbar Mit den kaiserlichen Ministern berkehrte. Im demokrati- schon Deutschland sind die Beziehungen zwischen Rogterutug und Press- viel enger, da die Minister teils selber direkt von der Press« kommen, teils als Mitarbeiter und als bürgerliche L-ute den einst von Wilhelm II. sogenannten„verkrachten Existenzen" viel näher stshen. Besonders enge Beziehungen verbanden August Stein mit dem Fürsten Birlow— war doch Stckn der journalistisch« Hauptträger der fortschrittlich-konservativen Blockpolitik. Von jener Zeit weiß Stein viel Amüsantes zu erzählen, vielleicht tut er eS noch einmal in einem Buch? FrnktivnSspaltung in Waldeck? Räch der„Waldecksche» Ztg." haben im Landtag 6 Sozialdemokraten gegen und 2 für die Vorlage über die sehr reichliche Abfindung de» Fürsten gestimmt, die von der bürgerlichen Mehrheit angenommen wurde. Näherer Be- richt bleibt abzuwarten. Lohnbewegung der Bürgermeister. Die BeriifSbürgermeister der Pfalz verlangen u, a.: Neugestaltung ihrer Dienstverträge, Ilbschlüsse aus zehn Jahre, Regelung der Rücktrittsrechte, ach!-- wöchigen Urlaub, JahreSentschädwung einschl. Zulagen für mittlere Städte von 49 999 bis 43 999 M. Die Reguifition der Pfalzbahnen ist tun den Franzosen mit Rücksicht aus die Wiederaufnahme der Arbeit aufgehoben worden,— Den Mainzer Arbeiterserketär Karl Groetschner Häven sie nach Stellung einer Kaution aus der Haft enilassen, ?lus Eupen, Malmedv und M misch an werden Verhastun» gen van deutschen Beamten durch die belgischen BesatzungZbehör- den gemeldet wegen Verbreitung oder auch nur wegen deS Be. fitze»(!) von Flugblättern, die sich gegen die Belgier richten., Mit der Vildtmg des neuen polnische« Kabinett» wurde Grab ski beaustragt, der ein fa chnrä n n i sch- P art e ilo s eS Ministerium bildete, Die litauische Nationalversammlung sprach gogen die Stimmen der Sozialisten dem neuen Kabinett G r i n i u S das Vertrauen aus. In feiner Programmerklärung hatte Minister vräsident Gri» ninS die Räumung der von den Polen befttzien litauischen Ge- biete, vor allem Wilnas, als die Voraussetzung eines friedlichen N a chb a r v e r h ä l t n i ffe s zwischen Litauen und Polen bezeichnet. Zwischen Georgien»nd Aserbeidscha« ist der Friede unter» zeichnet worden. Georgien behält die Provinz Tifli». GewerMastsbewegung Streik in den Groß-öerliner Verkehrsbetrieben! Schon seit einem Jahr wird seitens der Bediensteten und Arbeiter der Groh-Berliner Verkehrsbetriebe die Gleichstellung in Lohn, Urlaub und sonstigen Bezügen mit den Arbeitern der Stadt Berlin erhoben. Diese tum 1. Juli 1920 erneut gestellte Forderung wurde vom Arbeitgeberverband in der Verhandlung am 23. Juni mit dem Hinweis auf die schlechte finanzielle Lage der Betriebe abgelehnt. Eine am 24. Juni stattgefundene Funktionärversammlung nahm zu dieser abiebnenden Frage Stellung. Es kam einmütig zum Ausdruck, daß die gestellte Forderung mit allen zu Gebote stehenden Mitteln durchgekochten werden müsse. Eine Eiltichließung, in welcher die Funktionäre das Angebot ablehnen und den Kollegen die Aufnahme des Kampfes empfehlen. fand einstimmige Annahme. Die Urabstimmung über Streik oder Arbeit muß spätestens bis Montag erledigt sein. Die gestellten Forderungen der Hochbahner, Arbeiter und Hand- werker, sind gleichfalls abgelehnt worden. Der pommersche LanbarbeiterauSstand. Wie WTV- meldet, hat der Landrat deS Kreises KöSlin nach langwierigen Verhandlungen mit den Ausständigen nunmehr die Technische Nothilfe angerufen. Daraufhin ist im Laufe deS Donnerstag die Nothilfe auf fünf Gütern des Kreises zur Verrichtung der NotswndSarbeiten einge- setzt worden. Da auch im Kreise Flatow ein neuer Landarbeiter- ausstand ausgebrochen ist, ftcht auch dort die Nothilfe bereit. Es wäre verfehlt, wenn die Nothilfe eingesetzt würde lediglich zu dem Dweck, berechtigte Forderungen der Landarbeiter durch ihre Hilf« bei anderen als Notstandsarbcitcn erdrosseln zu helfen. Denn die ungeheure Werbearbeit für dt« Nothilse auch in Bergen auf Rügen läßt darauf schlieszen, datz eS sich um eine umfassende L>r- ganisatirm deS StreiübruchS handelt. Essen ohne Wasser. Einer Meldung auS Essen zufolge Hafen die ausständigen städtischen Arbeiter das Wasserwerk stillgelegt. Die ganze Stadt ist ohne Wasser, auch die Krankenanstalten. Mehrere in- dustrielle Werke haben den Betrieb bereits einstellen müssen. llnter diesen Gesichtspunkten beauftragen die Angestellten s Angestellten, die sie„treue Mitarbeiter" betitelten, die geradezu des Werncrwerks die bei dem Tarifvertrag beteiligten Angestell- unwürdigen Gehälter aufzubessern. tenorganisationen. alles daranzusetzen, eine weitere Verelendung| Die.Harmonieverbände der Angestellten haben vollkommen der Angestelltenschaft zu verhindern und die Erfüllung des versagt, sehr zum Schaden der Angestellten, denn die Unternehmer Schiedsspruches zur restlosen Durchführung mit allen gewerk- denken nicht daran, ihren Angefteliten auch nur das Geringste ahne Kampf zuzugestehen. Der Zentralverband der Angestellten Tarifbewcgung der Angestellten im Butter-Kleinhandcl. In einer Versammlung in den Prabisälen„Nll-Bcrlin" reserierle A n d r ä e Über die Torisverhandlungen mit dem Verein der Butter- Kauilente. Er wies darauf hin, dast die Verhandlungen längere Zeil in Anspruch genommen haben, als seitens derOrganiiaiionerwariet wurde Onmals iah es ans, als ob die VerbanMungen scheitern würden. Di? Kolonialwarenbändler machten noch in letzter Stunde den Versuch, die Tari'verbandlungen zu himerlieiben. Der Referent machte darani aufmerksam, dag die Forderungen der Angestellten nicht ganz erfüllt würden, aber trotzdem bei de> Heuligen wirtschaftlichen Krise dl« Organisation die Annahme des Tarifvertrages empfehle. Man müsse auch anerkennen, dah die Arbeilgeber bei diesen Verband- lungen schon weitere Forderungen der Angestellten bewilligt baden. wie beim ersten Tariivernag. z. B. gleiche Bezablunq sür mann- liche und weibliche Angestellte Nach längerer Debatte wurde der Tarifvertrag und die Verfahrensordnung zum Schiedsgerichr ein- stimmig angenommen. Auskunft über diesen Tarifvertrag erleilt die Geschäftsstelle de? Zentralverbandcs der Angestellten, Belle-Alliance-Str. 7—10. Aus der Metallindustrie! .». In der Angestelltenschaft der Groß-Berliner Metallindustrie macht sich eine weitgehende Erregung bemerkbar, nachdem die Un° terrrehmer den Schiedsspruch, der den Tarifstreit beilegen sollte, abgelehnt haben, einen Schiedsspruch, der fast restlos die g r u n d- �s ä tz l i ch st e n Wüniche der Unternehmer erfüllte. Weil sie aber 'den Tarif ab 1. Mai gelten lassen sollten, was nach Lage der Dinge nur logisch war, und weil sie eine Erhöhung des Teuerungszu- fchlageS zubilligen sollten, wollen sie die Auge stellten bis zum „Aeußersten" treiben. Für die Stimmung der Angestellten ist besonders die Meinung der Betriebsversammlung der Firma Siemens u. Halskc, Werner- wert, kennzeichnend. Dieses Werk ist eines der größten der Metallindustrie. ES sind dort rund 3000 Angestellte beschäftigt. Die Betriebsversammlung faßt die Meinung über die Handlungsweise der Unternehmer wie folgt zusammen: „Die Angestellten deS Wernerwerks haben mit Entrüstung von der Ablehnung des Schiedsspruches durch die Arbeitgeber Kenntnis genommen. Sie betonen nachdrücklichst, daß sie der Annahme des Schiedsspruches nur zugestimmt haben, weil sie sich ihrer Verantwortung gegenüber dem deutschen Wirtschaftsleben bewußt waren. Dieses Verantwortlichkeitsgefühl scheint bei den Unternehmern nicht vorhanden zrr sein, sondern nur das Be- stveben, nach und nach die ihnen durch die Revolution abgerun- genen Vorrechte zurückzueroliern. schaftlichen Mitteln zu bringen." Achtung, Zimmerer! Wegen Nibtanerlennung des neuabgeschlossenen TciriUohneS wird über die Firma Otto Müller Akt.-Ges., Copenick, Branden« burger Platz, die Sperre verhängt. Die Arbeiten führt dort der Zwischenunternehmer Ernst Bretag aus. Die Firma versuchte, nach» dem die Zimmerer dort in den Streik getreten sind, Tischler einzustellen und die notwendigen Arbeiten vorläufig auszuführen. Wir warnen deshalb alle Zimmerer und Tischler, dort in Arbeit zu treten, da sie sich sonst des Streikbruches schuldig machen. Zentralverband der Zimmerer Deulschkands. Zahlstelle Berlin und Umgegend. Engelufer 15, III. I. A.: F. B e n a d a. Gegen zu hohe Löhne und kurze Arbeitszeit bei den städtische» Ztrastenbuhncn batte der Avbsitgcbcrverband der deutschen Straßenbahnen in diesen Tagen sich in einer Eingabe an tne Magistrate und Stadtverord- neterrverfammlungen der deutschen Städte gewendet. Diese Eingabe hat der Stadt Berlin zu einer Erwiderung Veranlassung gegeben, in der folgende» betont wird: „Niemand wird die mißliche Lag« verkennen, in der sich gegen- -hat natürlich sofort die Verbindlichkeitserklärung des Schieds- spruches beim Reichsarbeitsministerium beantragt, und es wird erwartet, daß diesem Antrage so schnell wie möglich entsprochen wird, da es sonst sehr leicht zu Differenzen kommen kann. Die Unternebmer irren sehr, wenn sie meinen, die Angestellten wür- den wester Schindluder mit sich treiben lassen. Eine Konferenz der Vertreter der PensionsregelungSbehörde« fand vor einigen Tagen in Berlin statt. Die Veranlassung zur Konferenz war, daß die zurzeit verschiedenen Verwaltungen unter« stehenden PenstonsregelungSbehörden jetzt zu den Versorgung�- bebörden gehören und jetzt dem Reichsarbcitsministerium unieistellt sind. Infolgedessen ist eine Umbildung des gesamten Apparats no:« wendig geworden, zu der die Angestellten Stellung nahmen Außer- dem wurde über Beamlenfragen und über den Rcichstarifoerlrag für bebördliche Angestellte gesprochen. Ein Referat über die Praxis der Betriebsräte bei Behörden vervollständigte die Tagesordnung. In einer einstimmig angenomnienen Resolution erkannten die An« wesenden die bisherige erfolgreiche Tätigkeit des ZcntralverbandeS der Angestellten an und bezeichneten denselben als die einzige in Frage kommende Jnteressenvertreiung und empfahlen allen An» gestellten sofortigen Beitritt. Zu dem beim Zenlralverband der Angestellteu bestehenden Relchsfachousilbuß der Angestellten der Ver» wärtig das deutsche Straßenbahnwesen befindet, abvr diese un- sorgungsdehörden wurde ein Angehöriger der PenfionsregelungS günstigen Verhältnisse sind doch koincswegs nur eine Erscheinung behörden hinzugelvühll. im Straßenbahngewerb« allein, unser gesamtes Wirtschaftsleben fe findet sich zurzeit in einer schweren Krise, deren Ueberwinirnng eine noch hoffentlich kurze Zeit auf sich warten lassen und die Eine Generalversaiumlunq der Gross-Berliner Betriebsräte nicht durch einen sofortigen, von der fonsttgen Pre,sentw.cklung t ie � gestrigen Donnerstag in der Unionsbrauerei, um zu dem unabhängigen Aboau der gegen.wart,gen Lohne, me er.n dem � het GewerkschaftZkommission und den R-nezentral-n geplanten Aufruf empfoqlen wird, befchleunrgt werden wurde. Die Aer- Zusammenschluß sowohl der Berliner als auch der deutschen Be- haltmsse stegen'n Berlm-uch kmn.Swegs ,o. datz d,e Arbeiter �-bSrät« Stellung zu nehmen. Richard Müller entwickelt? höhere Lohne bezrehen als die wÄche die Industrie zcchlt und fcine bekannten Auffassungen über die BeirieiSräteorganisation. wenn dort ein Vergleich mit den Lohnen der Vorkriegszeit ge-%m m � �sr Versammlung gelangte eine Entschließung zur zogen wird, so mug hierbei auch daraus hingewiesen werden, daß Annabwe in der eS heißt- düffe Löhne vom sozialen Standpunkt nicht eben als besonders„Die' Generalversammlung der Betriebsräte des WirtsckiaftS. hoch bezeichnet werden konnten. � bezirks Grvß-Berlin erklärt, daß kerne Instanz über die Form der Nachdem dann zu den in der Eingabe ausgesprochenen, an die Zusammenfassung der Betriebsräte zu entscheiden hat, daß darüber Tariferhöhung geknüpftcn Defürchstingen Stellung genommen wird, nur die Angestellten und Arbester durch ihre Betriebsräte selbst zu heißt es in der Erwiderung weiter:> entscheiden haben. Die Generalversammlung verlangt eine selb- „Andere Städte mit einer sicherlich nicht teuereren Leben-- ständige Organisation der Betriebsräte zur Wahrnehmung der Haltung als Berlin, wie z. B. Chemnitz. Köln-Mühlcheim, Brom- � wirtschaftSpolitischen Interessen der Arbeiterklasse, die außer- berg, Graudenz, Baden-Baden. Herne, Solingen-Eastrop, So- balb deS Rahmens der T ä t i g k e i r der GeWerk- lingen, Düsseldorf, Remscheid. Dortmund, ferner die Straßen- schatten liegen. Sie erkennt an. daß auck die Gewerkschaften bahnen im Saartal z. T. sind im übrigen ganz bedeutend üfer ihre Betriebsräte zusammenrufen müssen zur Regelung der in cht die Groß-Berliner Tarife schon hinausgegangen. Wenn dem- Tätigkeitsgebiet fallenden Aufgaben. Eine Verständigung über ß:e gegenüber andere Bahnen, wie in Jena, Lahr, Würzburg usw., Tätigkeit beider Organisationen ist norwendig und muß durch eine ihren Betrieb eingestellt haben, so kann d.escS Borgchen wohl Vereinbarung berbeipesührt werden � Ter� zwischen der Räte- kaum di- gesamte �Wirtschaftslage zutreffend kennzeichnen. Denn zentrale und dem Ausschuß der GewerksibaftSkommission auf- es handelt sich hier durchweg nur um ue' trieb sehr wohl sich in Zeiten, ein gewisser LuzuS darstellt und mit dem Betrieb eiitcr Groß-„.„. stadt, wo der Straßcnbabnverkehr LebenÄbedürftns ist. in keiner bleiben. Die Generalversammlun« verlangt von den beteiligten Weise in Vergleich gestellt werden kann. Daß im übr.gen in Berlin Körperickiaften den scfortigen ZlbMutz der Verernbarungen auf in Rücksicht auf die ungünstige Wirtschaftslage Betriebsein- dieser Grundlage."_ schränkungen vorgenommen worden sind, ist nicht zutreffend. 2L.n: halten diese Smrderorganisation der BetrichSrate durch Ebenso unzutreffend ist die dortige Annohme, daß der Betrieb der d'« Berliner Gewerk schaftskommission und die Rätezentrale im Erfurter Straßenbahn eingestellt worden sei.. Gegensatz zu der vom Deurschen Gewerkschastsbund geleiteten Be- __| triebSrätezentrale für eine große Gefahr, weil dadurch der Einfluß I der Arbeiterklasse im Wirtsckxlftsprozeß anstatt gestärkt, in bedauer- Ablehnung des Schiedsspruchs ,m E.uzelhnndel. � werden muß. Nur auf gewerkschaftlich:m Die Arbeitgeber im Einzelha-ndel, welche in der Einzel-! Boden können di- Betriebsräte ein gewaltiges Instrument im Be- Handelsgemeinschaft organisiert sind und zu den reaktronarsten! frzjungSkampf des Proletariats werden. Arbeitgebern gehören, haben den von dem SchlichtungsauSschug,_ des Neich�beitsminffteriumS über den Rahmen des Tarifes ge- � deutscher Eisenbahner-Verband. Ortsgruppe Berlin. Montag, den fällten Schie�spruch abgelehnt. Der Schiedsspruch stellt feit, da 3. og. Juni, abends 5V, Uhr. in den Pracht, älen, Alt-Berlin. Blumenür 10. Lehrlinge und zugendliche Angeztellte bis zum vollendeten 17. Le- M„sie Branchenverlammlung der Belriebshandine, ker und-arbeitcr. Tages- bensjahrc nicht zu Ueberstunden herangezogen werden dürfen, ordnung: 1. Branckienangelcgenheiten und Bernsssragen. 2. Freie Aus« Das ist ihnen natürlich unfaßbar, und sie wollen für die Ueber-. spräche. 3. Verschiedenes. stunden auf diejenigen, welche bisher ihre willigsten und billigsten! Zentralvcrband der Angestellte». Fachgrupde S»(Rechts- Arbeitskräfte waren, nicht verzichten. Ferner verlangen sie, daß anwalts- und Notariatsangestellte). Sonnabend. 20. Juni, für die kleineren Geschäfte 20 Proz. niedrigere Gehälter festge-' 4 Uhr: Mitgliederversammlung. Dresdener Kastno, Dresdener Str. 90.. setzt werden, als für die größeren. Das gehörte aber gar nicht �--—-- .gu diesem Schiedsspruch, denn der Schiedsspruch über die Ge hälter war bereits gefällt und von ihnen angenommen. Der Schiedsspruch setzte auch fest, daß alle Angestellten mit einem Ge» halt bis 18 000 M. pro Jahr Ileberstundcngelder erhalten sollen, iwejhrend die Unternehmer die Grenze bei 15 000 M. haben wollen. Alles in allem Gründe, die an den Haaren herbeigezogen sine, nur um der Ablehnung einen Schein von Berechtigung zu geben. Die Herren meinen, die wirtschaftlichen Verhältnisse liegen setz: >so, daß sie den Angestellten alles bieten dürfen. Sie befinden sich aber sehr un Irrtum, denn das kaufmännische Personal in den Geschifften deS Einzelhandels weiß ganz genau, daß seine Arbeit- geder zu denen gehören, die den meisten Nutzen aus der Kriegs- ckonjunktur und aus den Verhältnissen nach Ausbruch der Revo- lution gezogen haben, ohne daß sie sich bemüßigt fühlten, ihren Perantw. flir den redalt. Teil: Dr. Werner Pliscr, Tharlottenbura: für Aiuelaen: Th. Glocke, Berlin. Verlag: DorwLrts-Berlag G.m.b.H., Berlin. Druck: Vi-r- wärts-Buchdruckerei u. Berlazsanstalt Paul Singer u. Co., Lerli.i, Linden, lr. 3. Hierin 1 Beilage. Ntrvknschwiichk mid Enwästigung behebt man rasch und sicher mit Regipan-Tabletten. Aerzte und Publikum bringen diesem neuen Mittel grobe« Interesse entgegen. ES gibt nichts beffer-s. In allen Apotheken sowie Drogerien zum Preise von Mk. 7.— per Packung erhälllich. Alleinige Fabrikanten Kontor Pharmacia, München II. 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