Nr. 31 9■» 37. Jahrgang Busgabe V Nr. 22 BezogSpreiS: B«rWiahrl-W.-— Vi�monatl.M—Mi. frei ins Saus, voraus-ahlbar. Pofp bezug Monatlich Id.— M!» erkl. Ku- itellungsgebühr. Ilmer AreMbanb für Aeutichlan» und Oeiterreich 16,:0 für Sas iibrtgc Auslant bei taglich einmal. ZuÜellunc ZIZO in. Poüve« ftsllunqen nehmen an Oesterreich, Ungarn, Tschecha- Slowake-, Dane. ninr!, Sollanh. �Utemdurz. Schweden und»ie Schweiz.— Singetraqen m die Polt-?einina«-Pre!?liste. Der„Borwärts" mi! der Sonntag«. beilage„Volt n.Zein' ericheini wochen» täglich zweimal Sonntage und Mol» tags'mm aL Telegramm-Adrelsel .Sozialdemokrat Berlin". Abend Ausgabe c emiigj Veelinev VolKsblAtt Anzeige Sie nchtgelpaltene Nonpareillezeile koitsiS,— Ä!., Teuerungszuj ch lag SS .Klein« Anzeigen", dos fett» gedruckte Won I,— M. lzuliisstg zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere. Wort 60 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellcnanzeigen das erste Wo« 66 Pfg. iede« weitere Wort-10 Pfg. Wune über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Teuerungszuschlag k-O»/» dfamilien-Anzeigen für Abonnenten geile 2,— M., politifche und ge- werkschastliche Bererus-Au-eigen 3,— Ml. die geile ohne Aufschlag. Anzeigen für die nächste Nunimer müssen bis 5 Ahr nachmittags im Sauptgefchäft, Berlin 6 SB 68, Linden» ftruhe 3, abgegeben werden. Deöffnet von s Uhr früh di» 5 Uhr abends. Zentralorgan der fozialdemohratifchen partei Deutfcblands Reöaktion und Expedition: GW. 6$, Lindenstr. 3. rterniurerfiet:«mr Ä!or»tivla«, Rr. 11,1 iiv— lZl ii7. Die Minijterlifte. Ter ReichsprLsideut hat auf Vorschlag des Reichs- ka»»zlers Fehreubach folgeude Mnister ernaunt: R e i ch S j u st i z m i n i st e r, betraut mit der Vertretung des Neichskanzlers: Tr. H e i n z e, Reichsminister des Auswärtigen: Simons, Reichsminister des Innern:.Äoch, ReichSfinanzminifter: W i r t h, ReichsernährungSmioister: Hermes, Reichspostutinister: G i c s b e r t S, Reichsverkehrsminister: G r o e n e r � Reichswehrminister: Gestler, Reichsfinanzminister: Scholz, Rcichsschahminister: v. Räumer. Tie Besetzung des Wiederaufbau mini st eri» ums ist noch vorbehalten, die Verhandlungen über die Ve- setzuug des Reichsarbeitsministeriums werden bald abgeschloffen sein. Die Ernennung des Pfarrers Dr. Brauns wird erfolgen, sobald die Genehmigung des zu- ständigen Bischofs vorliegt. Dr. Brauns ist ein führender Mann von Münchcn-Gladbach und gilt als ein sortgeschritte- ncr christlicher Sozialpolitiker. Das Kabinett wird am Sonnabend zu seiner ersten Sitzung zusammentrete» und ffch entsprechend den Bcschlüffen des Seniorenkonvents dem Reichstag am Montag vorstellen. Unter der alten Regierung haben die Rechtsparteien immex nach„Fachministern" geschrien. Nachdem eine von ihnsn beiden zu mitbestimmendem Einfluß in der Regierung gelangt ist, ist man allgemein sehr neugierig, welche Kaya- züesten sie für die Ministerliste in Vorschlag imngen würden, es stellte sich aber alsbald heraus, daß sie keine hatten. Ter Ruf nach Fochministern erwies sich ebenso als bloßes Wahlgeschrei wie die„Befreiung von roten Ketten", die man sich jetzt so gern wieder anlegen lassen würde. Die„B. Z." gibt nun für das Ausbleiben der Fach» minister einen materialistischen Erklärungsgrund. Nachdem Wiedfeld abgelehnt habe, sei mit dem Direktor einer großen Maschinenfabrik verhandelt worden, der aber als Ge- halt sein bisheriges Einkommen—-100 000 M. im Jahr— verlangte. Daran seien die Verhandlungen gescheitert. Die. in Aussicht gestellte Rettung des Vaterlandes durch die rechts- varteilichen„Fachminister" muß also ausbleiben, weil den Herren das Ministergehalt zu niedrig ist. Ter Fall ist doppelt zu registrieren unter E(Rechtsparteien) und P(Patriotismus). Gwlittis Programm. R o m, ZS. Juni.(%. U.) Im italienische» Parlament hielt der neue Ministerprüsident Giolitti gestern seine Programmrede, in der er erklärte: Die Außenpolitik muß uns und Europa endlich de« Friede« sicher». Ohne diesen ist der Aufbau unmiig- sich. ES wird eine parlamentarische Kommission zur Kon- trolle der Außenpolitik eingesetzt werden. Dieser Kom Mission sind alle Dokumente auszuhändigen. Nm den völligen FriedcnSzustand zu erreichen, müssen wir unverzüglich frcundschaft- liche Beziehungen mit allen Völkern anknüpfen und ohne Einschrön- kuuz auch korrekte Beziehungen zur russischen Regierung aufneh meu. Sodann legte Giolitti sein gesetzgeberisches Pro- g r a m m dar: Konfiskation aller KricgSzewinne feit dem 1. August 1314, Verschärfung der Erbschafts- und SchenkungSstcuer sowie der LuzuLsteucr, Bestrafung und Ucberwachung der Zwischenhändler und PreiSwucherer. Heber Albanien sagte Giolitti: Dir itali- enische Regierung hat nicht die Absicht, daS Protektorat über Al banie« beizubehalten. Sic fordert einzig und allein die völlige Nnabhäugigkeit Albaniens. Die Erklärung wurde beifällig auf- genommen._ Spa am 5. Juli. Nach amtlicher Mitteilung des britischen Geschaftsträ» gers ist die Konfercnz in Spa endgültig auf den 5. Juli fest- gesetzt._ Zur Meöeeßuimachungsfrage. Amsterdam, 2ü. Juni. Die„Westntinsicr Gazette" schreibt zu de« verschiedenen Berichten Wer die in der W i e d e r g'u t- machungSfrag« von den alliierten Staatsmännern gefaßten Beschlüsse: Der Vorschlag, die deutschen Zahlungen Wer 35 bis 4l> Jahre zu»erteilen, bedeutet, daß man �die Regelung einer Schuld, die die gegenwärtige Generation von Staatsmännern nicht einbringen könne, einer unbekannten Zukunft überläßt. Die Frage, ob Deutschland zahlen werde, hänge davon ab, ob es sich einer Be- zahlung widersetzen könne, und um einen solchen Widerstand zu verhindern, würden die Alliierten die Besetzung des beut- schen Gebietes aufrechterhalten und solche militärischen und maritimen Vorkehrungen treffen müssen, daß ein großer Teil, wenn nicht die Gesamtheit der Entschädigungssumme darauf ver- wendet werden müßten. Das Blatt sagt: Wenn den alliierten Re- gierungen statt 4� Milliarden Pfund, die in 35 Jahren zu bezahlen sind, etwa zwei Milliarden Pfund angeboten werden, so würde jeder Geschäftsmann sie für verrückt erklaren, wenn sie dieses Anerbieten abweisen würden. Streikgefahr im �nüustriegebiet. Wegen der großen Erregung unter de« Bergarbei. t e r n über den zehnprozcntigen Steuerabzug haben sowohl der Bergarbeiterverbond, wie der Berein für bergbauliche Jnter- efle» Eingabe» an die Regierung gerichtet. Die Erregung wird durch die schlechten Ernährungsverhältnisse gesteigert. Auf der Zeche Hansa in Tortmund wird gestreikt, große Bersammlungcu in Herne, Bochum usw. haben mit dem Streik gedroht. Der Ge- mrindearbeiterstreik in Essen ist durch Berhandlunge« beendet. Eine militariftifthe Maßregelung. Der Belastungszeuge der Marburger Mörder entlassen l Kassel, 25. Juni.(Eigener Drahtberlcht des„Vorwärts".» Der Offizier-Stellvertreter Dahlheim deS Marburgcr Reichs» wchr-BataillonS, der bereits im 14. Dienstjahr steht und bei den KriegSgcrichtsverhandlunge« gegen die studentischen Z e i t fr e i> willige» als Belastungszeuge aufgetreten war, ist am Montag von dem Bataillonskommandeur Reinhard vou Schenk zu SchweinSberg feines Postens enthoben wor- den. Begründet wurde dieses Vorgehen durch den Major damit, daß Dahlem erstens gegen daS Offizierskorps Stellung genommen habe und zweitens, daß infolge seiner Beteiligung an den Kriegsgcrichtsverhandlungen-gcgen die Marburgcr Zeitfreiwilli- gen ein Teil der Unteroffiziere seine Entlassung fordere. Was die Stellungnahme gegen daS Offizierskorps betrifft, so hakbelt es sich um einen Bericht Dahlheims über das Verhalten einiger reaktionärer Offiziere während dar Kapp« T a g c, der auf Veranlassung des Abgcorducteu Prof. S ch ü k i» g« Marburg, dem Reichswehr Ministerium zugegangen ist. Was die zweite Forderung anlängt, so kann eS sich bei„einem Teil der Unteroffiziere" höchstens nm einen reaktionären Oberjäger bandeln, dem ebenso wie dem Major das energische, verfassungstreue Auftrete« des OffizierstcllvertreterS Dahlheim ein Dorn im Auge»st. Diese Maßropesung stellt ffch«ürdix den zohllosen Ueberzriffen dei Militarismus, die»ir feit den K a p p- Tagen erleben mußten, zur Seite. Ter einem jeden Zeu- gen abverlangte E i d fordert bekanntlich, du reine Wahrheit zu sagen, nichts hinzuzusetzen und nicksts zu verschwei- gen. Wenn das Verhalten des Herrn v. Schenk zur Norm erhoben wird— und wir zweifeln nicht, daß seine Hand- luugsweise vielen seiner Kameraden außerordentlich impo- nieren wird— so dürfte mancher �euqe sich gezwungenermaßen die Frage vorlegen, ob es nicht doch richtiger wäre, einiges hinzuzusetzen und manches zu verihweigen. DaS Vorgehen des Bataillonskommandeurs muß also, ganz ab- gesehen von der politischen Seite der Angelegenheit, schon aus Gründen der Aufrechterhaltuug einer objektiven Rechtsfindung schärfste Mißbilligung finden. Der Herr Kommandeur war klug genug, sich nicht durch vor- herige Mitteilung seines zweifellos feststehenden Be- schluffcs einer strafbaren Zeugenbeeinflussung auszusetzen. Wenngleich also ibm rechtlich nichts anzuhaben ist, so gibt es doch noch eine Behörde, die in der Lage ist. derartigen Un- geheuerlichkeiten einen Riegel vorzuschieben, und das ist das Reichswehrmini st erium. Allerdings ist gerade an dieses Ministerium seit Monaten so häufig und so erfolglos appelliert worden, daß wir uns auch diesesmal von unserem Appell nur geringe Wirkung versprechen. Billigung öer Parteihaltung. Kassel, 25. Juni.(Eigener Drahtbericht des„Vorwärts".) In einer außerordentlich guibesuchten Versammlung nahm gestern abend die Kasseler Parteigenossenschaft zum Ergebnis der Reichstagswahl und der politischen Lage Stel- lung. Nach einem vorzüglichen Referat des Genoffen Hauschild wurde einstimmig folgende Resolution angenommen: Die heutige Mitgliederversammlung der S. P. D. der Stadi Kassel begrüßt die Haltung des ParteivorstandeS und de? ReichStagSfraktion in der Frage der Regierung?- b i l d u n g und spricht ihnen daS volle Vertrauen auS. Die Versammlung verurteilt auf da» schärfste daS Mar-; burger Krieg»gericht«urteil und begrüßt den Antrag der sozialdemokratischen ReichStagSfraktion auf Aufhebung der Militärgerichtsbarkeit auf da» wärmste. Hillen Jubel löste die Mitteilung de»(Lensssen Hauschild au»,' daß vom 10. bi» 16. Oktober der Banestag der deutschen Sozial- demotraten in Kassel abgehalten werden soll. vorwärts-verlag G.m.b.H., EW. öS, Lindenstr.Z. Fernivrecher: Zlmt Moritzplav. Nr. 147 SS— 54. Wiederaufbau Nordfrankreichs. Der bekannte Großindustrielle Kommerzienrat Julius B e r g e r, der Mitglied der Sachverständigenkommission für den Wiederaufbau Nordfrank r ei ctss war, schneidet dies Thema in einem Artikel der„Vossischen Ztg." vom L3. Juni an. Die sachliche Darstellung, die Bergcr von dem ganzen Verlauf der Angelegenheit gibt und die bis auf einen Punkt richtig ist, widerlegt die Vorwürfe und Anwürfe, die in derselben„Vossischen Ztg." gegen die bisherige Re- gierung gemacht wurden. Berger stellt zunächst fest, daß die Verhandlungen zwischen Deutschland und Frankreich zu einem p o s i- t i v e n Ergebnis nicht geführt haben— Berger sagt nicht, warum—. daß man einen Strich unter die Vergangenheit machen müsse und sozusagen den Wiederaufbau auf einer neuen Grundlage beginnen müsse und zwar„um diese An- gelegenheit zu einem für Deutschland und Frankreich gleich annehmbaren und gleich ersprießlichen Ende zu führen". . Mit dieser allgemeinen Voraussetzung sind auch wir einverstanden. Wir sind gleichfalls der Ansicht, daß Frankreich„in absehbarer Zeit" nicht in der Lage sein wird, den äußerst dringenden Wiederaufbau selbst auszuführen. Wir finden es gleichfalls richtig, daß die Arbeitslosenkrise in Deutschland, als Folge der Demobilmachung, stgtt mit Not- standsarbeiten, die nur teilweise„werbende Werte" schufen, besser überwunden worden wäre und werden würde durch eine aktive Beteiligung am Wiederaufbau in Nordfrankreich. Bergcr kommt dann selbst zu dem Schluß:„Der Durch- führung dieses Gedankens stehen ernsthafte Hindernisse auf deutscher Seite nicht entgegen." Weder seitens der Unternehmer nock seitens der Arbeiter- schaft, sofern dieser„die Erfüllung ihrer berechtigten Ansprüche in sozialer und sinanzieller Hinsicht garantiert wird". Bergcr führt dann die Bedenken an, die angeblich von französischer Seite gegen eine aktive Be- teiligung Deutschlands am Wiederaufban geltend gemacht werden. Das eine wäre die wirtschaftliche Kr äs- tigung und dadurch„die Stärkung des nationalen Selbstbewußtseins und der kriegerischen Instinkte" Deutsch- lands. Obwohl uns nicht bekannt ist, daß ein solches Argument jemals geltend gemacht wurde, halten wir es doch für möglich. Denn den Nationalisten— und die regieren heute in Frankreich— ist das dümmste Argument noch lange nicht dumm genug. Was Herr Vergcr gegen die geplante internationale Anleihe vorbringt, ist durchaus begründet, wenigstens soweit es sich auf den Wieder- aiisban Nordfrankrcichs und nicht auf die Beschaffung von Rohmaterialien und Lebensmitteln bezieht. Von französischer Seite ist, wie Herr Berger weiter mit- teilt, die Befürchtung laut geworden,„daß infolge der Be- schäftigung deutscher Arbeitskräfte in Nordstankreich der Bolschewismus eine Eingangspforte finden könnte", und er bemüht sich, diese Befürchtung zu widerlegen. Diese angebliche Befürchtung ist eine L r n n d e. Vor dem Kriege arbeiteten zehntausende deutsch' cbciter in Frank reich, und den maßgebenden französischeu Behörden ist es nicht unbekannt, daß gerade diese deutschen Arbeiter sich gegenüber den anarcho-syndikalistischen Experimenten immer ablehnend verhielten. Sie wissen auch, daß die zu den Verhandlungen über den Wiederaufbau entsandten Vertreter der deutschen Arbeiter entschiedene Gegner der bolschewisti- schen Methoden und Theorien sind. Die französiscben Re- gierungsvertrcter konnten um so weniger diese Befürchtung haben, als gerade die deutschen Arbeitervertretcr verlangten, die am Wiederaufbau beschäftigten deutschen Arbeiter sollten nach wie vor den deutschen Gewerkschaften an- gehören, die im Wiederaufbaugebiet eigene Zahlstellen und Vertrauensleute unterhalten dürften, so daß der Kontakt zwischen deutschen und französischen Arbeitern nur ein sehr loser und indirekter sein würde. Und daß gerade unter der französischen, wie der an zweiter Stelle für den Wieder- aufbau in Frage kommenden italienischen Arbeiterschaft die Sympathien mit dem Bolschewismus besonders stark sind, daß also eine Ansteckungsgefahr, ivenn eine solche vor- Händen wäre, nur im umgekehrten Sinne befürchtet werden könnte, ist natürlich den französischen Behörden nicht unbekannt. Falsch ist aber, daß„die einzige bestimmte Forderung, die von Frankreich aufgestellt wurde, daß nämlich Deutschland Arbeiter stellt, die unter französischer Aussicht beim Wieder- aufbau mitwirken sollen", an der ablehnenden Haltung der deutschen Bauarbeiter gescheitert ist. 1. war dies nicht die einzige Forderung und 2. wurde nicht bestimmt, sondern nur so nebenbei, wenn auch nicht weniger deutlich gewünscht, daß man„provisorisch", zur Ersetzung der damals noch heimzu- schickenden Kriegsgefangenen Arbeiter schicken möge, die ohne die zugestandenen RechtSgarantien arbeiten sollen. Das wurde abgelehnt, und man kam auch nicht mehr darauf zurück. In Wirklichkeit ist daS Scheitern der Berhandlunzsn— und damit des Wiederaufbaues Nordsrankreichs, ü der ohne haben, im Wege der freien Vereinbarung Tarifverträge abzu- schließen— in vielen Kreisen sind die Verhandlungen berenS be- endet—, waren im Regierungsbezirk KöSlin die Arbeilgeber nicht dazu zu bewegen. Deshalb wurde versucht, in KöSlin ein Schiedsgericht zu bilden. Arbeitgeber- und Arbeitnehmer- Vertreter erschienen. Tie Arbeitgebervertreter machten aber sofort zur Bedingung, daß auch die Arbeitn'chmcrgruppe des„Pammerschcn LaiidbundeZ" als vollgültige Vertragspartei zugezogen werde und aus ihrer Mitte Beisitzer genommen würden. Diese Forderung konnte nicht erfüllt werden/ da durch Erlaß des Reichs- arbeitSministers vom 8. März 1980 die Arbeitnebmergrupve des Pommerschen Landbundes nicht als eine tariffähige Organisation im Sinne der Verordnung vom 23. Dezember 1318 anzusehen ist. Die Arbeitgebervertreter weigerten sich nachdrücklich, auf die Regelung irgendeiner materiellen Frage ein- zugehen. Dadurch war es dem Schiedsgericht, für das die Beisitzer ernannt waren, unmöglich, sich zu konstituieren, und ei wurden daher die weiteren Verhandlungen für den gesamten Regierung!- bezirk Köslin an die land- und forstwirtschaftliche Spruchkammer Köslin verwiesen, mit der Maßgabe, sowohl Arbeitgeber- als auch Arbeitnehmervertrcter aller Kreise daran zu beteiligen. Di« Ber- Handlungen in KLZlin verzögerten sich, weil zwischen den Parteien eine Einigung über verschieden« Vorfragen nicht herbeigeführt werden konnte. Inzwischen ist nun am Montag, den 21. Juni, ein Schiedsspruch gefällt worden, der aber bisher weder von den Parteien anerkannt, noch vom De m o>i lm a ch u ng S k o m- m i s s a r für rechtsverbindlich erklärt worden ist und auch nicht für rechtsverbindlich erklärt werden kann, weil formale Mängel vor- liegen. Unterdessen, haben sich hie Arbeitgeber einiger Kreise bereit ge- fund'.n, mit den Arbeitnehmerverbänden, und zwar'dem Zentral- verband der Land-, Forst- und WcinbergSarbeiter und dem Deut- schert Lendarbeiterverband, im Wege freier Vereinbarung unter Ausschaltung der nicht' tarisfähigen Arbeit» nehmcrgruppe des„Pommerscben Landbundes" Tarifverträge zu schließen. Die Verhandlungen hierüber sind vielerorts bereits zum Abschluß gelangt, so z. B. w den Kreisen Kolberg, Körlin, Dramburg, Stolp und Schlaw«-. in den Kreisen Lauenburg, Bublitz und Rummelsburg stehen sie dem Abschluß nahe. Wenn die Avbeitgeber in der Entschließung zum Ausdruck bringen, daß sie nur noch bereit seien, in Verhandlungen «inzutreten, nachdem die Arbeit wieder bedingungslos auf- genommen fei, so ist demgegenüber am, die Arbeitgeber die Forderunzs zu richten, endlich auch tatsächlich sich zu Verband- lungen bereit zu zeigen und zwar zu Verhandlungen mit solchen Organisationen, die als unabhängig und daher als alleinige Vertretungen der Arbeitnehmer gesetzlich an er- k a n n t sind. Tarifartige Abmachungen innerhalb des Pommer- scheu LandbundeS sind nur als Scheinverträge zu werten und der objektive Beschauer kann verstehen, daß die Arbeitnehmer in einem Falle, in dem sie seit sieben Monaten vergeben? ver- suchen, zu einem Tarifverträge zu gelangen, in der Rot zum äußersten Mittel, dem Streik, greisem. Der Verlauf des Streiks ist, von einigen gevingsügigen Fällen abgesehen, ein absolut ruhiger. Diese Darstellung, die den tatsächlichen Vorgängen in Pom- mern vollkommen entspricht, gibt von den Geschehnissen ein ganz- lich anderes Bild, eis man eS sich aus der Entschließung deS Pom- Meeschen Landbundes machen konnte. ES ist notwendig, den ar- beiterfeindlichen Landbündlern mit größter Energie entgegen- zutreten und weiteste Kreise der Bevölkerung darüber aufzuklären, daß an dem bedauerlicherweise zum Ausbruch gekommeneu Streik die Arbeiterschaft nicht die mindeste Schuld trägt. » Stettin, 24. Juni. Der Landatzbeiterstreik im Regierungsbezirk KSSlin umfaßd dem„Generalanzeiger" zufolge bis jetzt ungefähr ISO bis 200 Güter, davon allein im Kreise Slo! y 100 Güter. Seit gestern hat der Streik auch auf den Kreis Rummelsburg übergegriffen._ Cm Aufruf der K. p. d. Tie U. 3. P. warnt vor Torheiten. Die K. P. D. veröffeutlicht in der„Jsioten Fahne" exnsn Aufruf zu Versammlungen und Demonstrationen, für die folgende Parolen ausgibt: Gegen die Einschränkung und Stillegung der De:riebe. gegen die Arbeitslosigkeit durch die Kontrolle der Wirtschaft durch r o- lutionäre B e i r i e b s r ä r e! Gegen die Sabotage der Produftion durch die Kapualisten durcki die Bewaffnung des Proletariats! Gegen die Steuer aus den Hunger durch die Streichung sämtlicher Kriegsanleihen und die Konfrs- karion der kapital' st fschen Vermögen! Gegen die Zerstörung der Welt durch den Kapitalismus durch den. kommunistischen Wiederaufbau! Selbstverständlich hat die K. P. D. das R.'cht, für ihre Auffassungen in gesetzlichen Formen zu demonstrieren. Sie wird dadurch kaum etwas ändern können an der Ueberze-u- gung der ungeheuren Mehrheit des Proletariats, daß die von ihr empfohlenen Methoden nicht zum Wiederaufbau, sondern zur vollständigen Zerstörung führen. Zugleich erklärt die„Freiheit" einen Bericht des„Baye- rischen Kurier", wonach die U. S. P. einen Generalstreik plane, wobei es„auf einige tausend Menschenleben nicht an- komme", für Spitzelmache. Sie schreibt dazu: Unnötig zu sagen, daß in unserer Partei niemand daran denkt, politische Machtverhältnisse durch gewaltsame Putsche oder Sabotageakte zu ändern. Es verstärkt sich aber diesen sich täglich wiederholenden Sen- fationsberichten der Spitzelzentralen gegenüber der Eindruck, daß die Reaktionäre aller Schattierungen mit wahrer Inbrunst den Tag herbeisehnen, an dem di: Arbeiterschaft sich zu-Unbesonnenheiten hin- reißen läßt. DaS deutsche Proletariat macht die Hoffnungen der Reaktion zuschanden. Es läßt sich weder durch Spitzel noch durch sonstige Provokationen vor die Maschinengewehre der Soldateska treiben. Die Absicht der Militaristen und Gegen- revolutionäre, durch einen furchtbaren Aderlaß das Proletariat wehrlos zu machen, um über Blut und Leichen die Militär- diktatur zu errichten, scheitert an der Einsicht und Ueberlegeuheit der deutschen Arbeiterklasse. Hoffentlich steht die ganze U. S.P. auf diesen Stand- vunkt und hat sie auch den Mut, gegen Narren und Lock- spitzel, die behaupten werden, sie verrate damit die Revo- lutkm, an ihm festzuhalten. Gegen die �usweisungssthmach. Protest des FlenSburger Gewcrkschaftskartclls. An da? Bureau des Internationalen GcwerkschaftSbundeS in Amsterdam ist gegen die zu Unrecht erfolgten Ausweisungen deutscher Arbeiter aus der ersten Zone Schleswigs folgende Pro- testresolution abgesandt worden: Auf Grund des Verfailler Friedensvertrages hat in Nordschleswig in der ersten und zweiten Zone eine Volks- Abstimmung stattgefunden, nach deren Ergebnis die erste Zone an Dänemark gefallen ist. Die Arbeiterschaft Nord- s ch l« S w i g S, die von jeher den Schutz der Minderheiten in jedem Staate angestrebt hat, muß mit Bedauern feststellen, daß in der jetzt zu Dänemark gefallenen ersten Zone die Ausweisung von deut- schen Arbeitern in einem Maße erfolgt, dm den Grundsätzen des Minderheitsschutzes Hotn sprechen. Wir müssen feststellen, daß die um besser« Lohn- und Arbeitsbedingungen kämpfenden dänischen und deutschen Arbeiter in der ersten Zone der Unter- n e h m e r- und Polizeiwillkür vollständig ausgeliefert sind. Bedauerlicherweise hat die Internationale Kommission, deren Aufgabe die Verwaltung des Abstimmungsgebietes und die ruhig« Durchführung der Abstimmung war, dieser Willkürherrschaft Vorschub geleistet. An der Spitze dieser Kommission steht der Eng- länder Mister Bruce. Wir rufen die gesamte Internationale der Gewerkschaften auf. unsere nordschleswigschcn Arbeitsbrüder und deren Familien vor noch größerem Elend zu bewahren und hoffen, daß sie in allen Ländern ihr« Stimme gegen die hier geführie Willkürherr- sch a f t erheben und uns in unserem gerechten Kampf unterstützn." Mit der gleichen Angelegenheit beschäftigt sich nachstehende Rc- ,solution, die an die dänischen Genossen sowie an die deutsche und dänische Regierung appelliert: Deutschland nicht zustande kommen kann(wir sagen das nicht, um Herrn Verger zu beruhigen)— nicht in mutmocklichen Befürchtungen der Franzosen zu suchen, sondern einzig in der Tatsache, daß Herrn Loucheur, der dieWVerhandlungen führte, das Heft aus den Händen entwunden wurde, und zivar dadurch, daß man ein Ministerium der befreiten Gebiete schuf und damit Herrn T a r d i e u bedachte. Und Tardieu, der franzö- sische Autor deS Vertrages von Versailles, erst Berufs- diplomat, dann Journalist, Parlamentarier, Neichskommissar, Unterhändler, Minister usw., aber immer Geschäftsmann, hat eS ja in der Kammer selbst ausgeplaudert, daß er von Deutschland Lieferungen„unisonst" hätte haben können, je- doch vorgezogen habe, sie zu bezahlen. Man darf annehmen, daß Tardieu bei diesem Geschäft nicht gerade Verluste er-. litten hat. Seitdem st o ck t der Wiederaufbau— aber nicht das „Geschäft". Der Wiederaufbau ist zu einem französi- schen Finanzskandal geworden, wovon wir die Finger lassen wollen. In S p a haben unsere Unterhändler einzig über die Festsetzung der deutschen Schuld au die Alliierten— nicht an Frankreich— zu verhandeln. Aucb über die Kreditbeschaffung für Rohstoffe und Lebensmittel wird zu verhandeln sein. Der Rest ist eine interne Frage Frankreichs. Uebsr eventuelle Lieferungen für den Wiederaufbau wie über die Beschäftigung deutscher Arbeiter kann praktisch einzig bei den deutsch-französischen Wirtschafts- Verhandlungen gesprochen werden. Daß die deutsche Arbeiterschaft wie die deutschen Unternehmer und letzten Endes die deutsche Regierung bereit sind, den Franzosen entgegenzukommen, beim Wiederaufbau praktisch zu helfen, weiß die französische Regierung ganz genau. Wenn diese von Zeit zu Zeit das Gegenteil in der sranzösischcn Presse verbreiten läßt, so verfolgt sie damit einen bestimmten politischen Zweck. Mit diesem politischen Zweck stimmt es auch überein, daß die französische Regierung den deutschen Arbeitern die. R e ch t s g a r a n ti e n, auf die jeder freie Arbeiter in Frankreich wie anderwärts Anspruch hat, ver- weigert. Das haben die Vertreter der deutschen Arbeiter bei den Unterhandlungen mit der sranzöstschen Bauarbeiter- organisation erproben können. Solango die französische Regierung den politischen Agi- tationszweck noch höher belvertet als den Wiederaufbau der zerstörten Gebiete, nationalistische Hetzartikel inspiriert oder sich von ihnen inspirieren läßt, bleiben alle Angebole von deutscher Seite nur ganz aussichtslose Versuche. De? Landarbeiterftreik in Pommern. Die Rolle des„Pommerschen LandbundeS". Im heutigen Morgenblatt hatten wir kurz die Entschließung der ArbeilgeberauSschüsse de? Pommerschen LcmdbnndeS wieder- gegeben, die dieser an die StaatSrcgierung, dem ReichSarbeitS- minister, dem Staatskommissar für öffentliche Ordnung sowie an den pommerschen Oberpräsidertten und dl« Regierungspräsidenten der Provinz gerichtet hatte und iu der gegen den Streik der Landarbcitcrschaft protestiert wurde. Unsere ablehnende Stellungnahme dem Pommerschen Landbund gegenüber wird durch folgenden ausführlichen Bericht, den ww von zuständiger Stelle erhalten, in vollem Umfange bestätigt. Wir erfahren hierzu: Die in der Enrschließung gegebene Darstellung entspricht nicht dem wirklichen Sachverhalt. Di« Arbeitgeber waren nicht grund- sätzlich zu Verhandlungen bereit, die Regierung hat dem Ausbruch und dem Verlauf des Streiks nicht stillschweigend zugesehen; im Kreise KöSlin ist eS bisher noch zu keinem allgemein gültigen Tarifabschluß gekommen. Der Sachverhalt ist vielmehr folgender: Nach Aufhebung des Belagerungszustandes war den in Pom- mern erlassenen Zwangstarifen der Rechtsboden entzogen. Es bestand also ein tarifloser Zustand. Um diesen zu be- i'citigen, wurden Kommissare des DandwirtschaftsministeriumS enr- fandt. Während in den Regierungsbezirken Stralsund und Stettin Arbeitgeber und Arbeitnehmer fafr bereit gefunden Theater in der Provinz. Von MaxHochdorf.- Ich habe mir Vorstellungen in einigen Prodinztheatern angesehen. Es waren darunter ehemalige Restdenzthearer von iehr gutem Namen, größere Stadtiheater. auch ein paar Schmieren mit Wandertruppen. Ist da« lehrreich? Es ist vor allem tröstlich. Solche winzige Trudienfabrt zeigt� daß man jahraus jahrein unzufriedeu und verstimmt sein kann. weil so viel halbe Dichtung, weil so viel falsches Genie in Verlin verhätschelt' wird, während«in Häuflein der Ernstesten immer mehr, immer häufiger abi'eüs stehen muß. Aber das rein Theatralische, das Spiel auf der Bühne die gebildete Routine des Komödianten, die geschmackvolle und zweckentsprechende Ausstattung des Bühnenraumes, das machen die Leute aus der Provinz den Berlinern nicht nach. In Berlin wurden doch die großen Probleme gelöst. In Berlin löste man sich doch von einer Ueberlieferung, die da« Theater zum blassen, steifen Kulisiengefängnis machte. ES scheint, das viele fremde Direktoren- und Komödiantenblut, dies nach oben wurzellos aussehende Geschlecht eifriger C-mporkömmlinge, ist doch mehr wert als die artige Zukunft der Theaterleiter, die an ehemaligen Hojbühnen und ziemlich be- rühmten Stadttheatern heute noch ihre wohlmeinende und gut- gemeinte Kraft entfallen. Man sei nicht ungerecht, man ziehe nicht au« einem Dutzend durch Schnellzug und Hotelverdruß gewürzter Erfahrungen den eiligen Satz, daß Provinztheater eben schlankweg Provinz im Witz- blatisinne sei I Man überlege nur. daß jetzt, nach dem Verschwinden der Hostheater und ihrer Zuschüsse aus sürstlichen Schatullen die wirlschastlichen Lebensbedingungen für die Theater in der Provuiz ungeheuer verändert worden sind. In Berlin mußten sich bisher alle Theater, mit Ausnahme der kaiserlichen, aus eigenen Einkünften erhalten. Jede mittlere oder größere Provinzstadi, Fürstenresidenz oder auS anderen Gründen Landesmittelpunkl, unter- stützte dagegen ihre Theater mir beträchtlichen Summen. Der Direktor— heute heißt er meistenteils Intendant—, der Direktor in der Provinz hat gewiß auch seine wirtschaftliche Nor, er hat auch seinen Konkurrenzkampf. Aber er lebt dort ruhiger, er lebt doch furchtloser, er braucht nicht nach Talenten der f�eder urtd der Büone zu fiebern und fieberijch zu suchen. Er kann sich meistens die Qual schenke», Entdeckungen der Dichtkunst und des rheairaliichen Genies zu machen. Ihnen ist e-n gesetztes Leben erlaubt, ein arbeitsames v-amtenwm. So kommt es. daß sich gerade in den letzten Jahren die unternehmungslustigen Direiioren und Intendanten mchr lange halten konnten. In Berlin bleiben die Direktoren, die sich eüi Theater erobert haben, meist jahrzehntelang. Sie geben ihrer Bühne ihren ganz besonderen Stil. Sie kämpfen ein Menschen- alter lang für ihre Kunstaaschauuiig. In der Provinz wandern � die Mutigsten und Ersiuderischsteu. Ob sie es gern tun, rb sie einem Zwange gehorchen, e? ließe sich schwer enr» scheiden. Immerhin wird die Rot zum Wandern größer sein als die Lust. Denn bei jedem neueil Aufbruch sind Enttäuschungen ,u buchen, sind Hoffnungen, die oft sehr hoch gingen, zu begraben. Die wanderlustigen Konservativen gewinnen die Macht, sie gewinnen sogar den Frieden der Seßhaftigkeit. Die nach äußerer Seßhaftigkeit verlangenden innerlichen Stürmer kommen nicht in die fruchtbare Ruhe. DaS sind so Schicksale der Direktoren und Intendanten in der Provinz. Heute müssen nun i.e Landetverwaltungen in den deutschen VundeSrepubliken und die Stadtverwaltungen geineinsam -für die Unlerbilanz ihrer Theater anftsmmen. Und hört man, daß ern nicht großes, mäßig berühmtes Hofcheater aus alrer Zeit heule vier Millionen JahreSzuschuß braucht, dann zinerl man ein wenig, aber man ist nicht allzu sehr verwundert. In den Siadt» und Landesverwaltungen haben alle Parteien diese Summen au! der SlaatshaußhaltSsumnie zu bewilligen. Zentrum und Demokralen haben sich in einem besonderen süddeutschen Falle sehr widerspenstig benommen. Dagegen stimmten die sozialistischen Parteien beider Färbungen für das beträchtliche Theaternotopfer. Zu allen wirtschaftlichen und kulturellen Schwierigkeiten der Proviliztheater kommt noch der politische Druck, der auf den Theatern des besetzten Gebiete« lastet. Diese Bühnen nahmen bisher im deutschen Theaierleben einen nicht unbedeutenden Platz ein. Die Kölner Tvcater, die anderen Bühnen de« rheinischen Deutschlands gehörten gerade den freudigsten Freunden der Kunst. Und nun sind sie nicht nur wirtschaftlich geschädigt. Es kommt vor, daß der Tbearerdirektor einer besetzten Sladr gerüffelt wird, weil seine mlintere Liebhaberin einen schwarzen Rock und eine Weiße Bluse trägt. Der alliierte Zensor sieht in diesem Schwarzweiß eine Kundgebung für ehemaliges PreußciikviligStuni. Er wornr. er befiehlt, er droht. Die Deutschen haben übrigens in Brüssel die gleiche Duuimhe:l begangen und eine Schauipielerin von Ruf mir Haft bedroht, weil daZ Kleid der Dame den Dreifarbenklaiig der Trikolore zu verralen schien. Bürgermeister und Direktoren der beseyien Gebiete veriammelien sich, um ge- meiniam gegen solche Nor zu kämpfen. Ihre Arberl war schwierig sie wird noch sehr schwierig sein. Sozialdemokratie und Schule. Die so betitelte bekannte Schrift von Heinrich Schulz, sozusagen unsere Prozrammschrist zu den Frage» der Volkserziehung, ist zetzt im Verlag der Buchhandlung Vorwärts in dritter Auflage erschienen.(Breis 3B0 M.) Sie gibr bekanntlich das von Seliulz auf dem Mannheimer Parteitag 1000 gehaltene Referat wrcd?r. spricht einleitend über da?, was in der Partei nach dem Ausnahmegesetz aus dem Felde deS ErztehungS- wesenS gesprochen und.getan wurde, und ha: jetzt auch Partei- geschichtlich eine gute Abrunbung erfahren durch Hmzujügung per ! Mannheimer Leitsätze(unsere? zwar nie formell beschlossenen, aber dock stillschweigend anerkannten TchulaktionSprogrammS), sowie durch Angaben über die Mannheimer Beratungen zu diewn Sätzen und durch einig« Ausblicke aus daS Schulvrogra-nm. da? wir uns jetzt zu schaffen haben. Die Schrift ist lebendige- Wort durchdachter Sachlichkeit, geschrieben rn zusammenfassenden und dorfi_ eindringenden Darlegungen, ein Kursus in den Prinzipien der Sozialpädagogik. wie sie für den Sozialismus leitend sein müssen, wenn seine Praxis Hand und Fuß haben soll. Daß sie die Ausrnandersetzungen über Umgestaltung und Ausbau des sozialdemokratischen Schulprogramms anregen und fördern wird, darf man ohne Weitepcs für gewiß halten. Wo fester Grund zum Schreiten gelegt wird, dort fehlen auch die sicheren Schritte nicht. ge. Eine Berufsschule für Porzelkanarheit, r wurde in Rudolstadt «ingerichtet. Sie soll auch der in großem Umfange in Heimarbeit betriebenen Spieltvarenverfertigrmg künstlerisch nützen. Auch zwei Künstler wirken bereit? neben anderen Lehrkräften an der Schule. Eine Biograrhic Dostoiewskis,»ersaßt von der Tochter deS Dichters, wird demnächst bei Eugen Rcntsch:v. Erlenbach-Zürich erscheinen. Sväter wird«ine Ausga?« für Deutschland bei Ernst Reinhardt folgen. In dem Vorwort sagt die Berfasserin:»Ich habe mich entschlossen, die Biographie meines VaterS in Europa zu veröffentlichen, die ich ftüher in Rußland berauSzuacben dachte; paS um so mehr, als mein ganzes Vermögen in den Händen der Volsch?. wiken geblieben ist und ich gezwungen bin. selbst meinen Lebens- unterhalt zu verdienen." Felix Mendel lohn, der begabte Eeklist. dirigiert« im Blürbner- faal das Blüthnerarchester, daS fein ieik'veise in Berlic-'schen Spuren wandelndes recht charakteristisch«« Vorfpi.-l zu Georg Büchner?„DantonS Tod" gut wiedergab. Der Pianist Walter � Meißner gab da? Konzertstück in F-mokl mit Orchester- begleitung von W.b?r-Liszt temperamentvoll wieder. Die Sekchaste ber GefekEchaft für ctfiifchc Kntrur wurde in d-n »ertobenen•» Licbvcn von mebr ols'zwei Millionen Bewchern ansgelncht. und nind 152000 Leihkanen n-mden ni.fflcfjli. Im Jahre lSlft zählte iic 60t£7 Pefuchcr. und 43 818 Süchte wurden verlieben. Der nenernonnte erste Direktor de««K-r'nnniichen Mnieirms in Nürnberg. Dr. Heinrich Zimmermann, tritt(ein Amt am 1. Juli an. Zwei Dramen von August Stramm werden in der nächsten Dpiefzeit ipi Dresdener SchauspielbauS zur Urauiführung kommen. Die Gründni'g von Theatergemeinden regt der Direttor deS LeWz'ger Schaulmeldaule» an Dmch Ze-cknuna von 125 M. stir ieden Platz werden dleGenoiicrschaflZanleile erworben. Die Anregung entstningt den isinanznölen des Töcaiers. Adele Sandrock wird nächstens wieder in den Verband des Deutschen Bolkslheatcr-Z in Dien eintreten. Cpin archliolog lches Forich, ingSiuftitut dst Englände? in Jerusalem Wird unter de? Lestung John CaistangS von der Unwersstät !->vr>i'00l errichtet. Ts soll den Mitlclpuntt für alle erchäolagawen Forschungen im Heil gen bilden und auch der AusgangSounlt jür die Wrabunqcn werdeü. die in Sluicn, Ploab und>m Smaigeolet statt- finden. Für die boby onischen Ausgrabungen• tu die Gründung eines ZwciginftiMW in Lagdad geplant. »Das GeiverZichaftSkartell Flensburg, dem 12 000 organisierte Hund» und Kopfarbeiter angcschlosiea sind, protestiert auf das energischste gegen die Ausweisungen der deutschen Ar- bester, die in der ersten Abstimmungszone erfolgen. Das Gewerk- schaftslartell erblickt in den Ausweisungen eine einseitige Stellungnahme der dänischen Regierung für das Unternehmertum und erwarter, daß die organisierte Arbeiterschaft Dänemarks, dte Gewerkschaften sowohl wie die Soziäldemokrat ische Partei, die sckäristcn Maßnahmen ergreift und gegen die Polizei- und Unternehmerwillkür in dem setz: Dänemark angegliederten Senderjplland vorgeht. Wir appellreren an das Gerechtigkeitsgefühl und an die Solidarität unserer dänischen ArbeitSgenosfen und er- warten chre Unterstützung. Desgleichen ober rufen wir die d e u t s che und auch die d ä n i- sche Regierung auf, sofort Maßnähmen zu ergreifen, die zur Einstellung der Ausweisungen führen und zugleich VerHand- I u n g e n anbahnen, um die Rückkehr der Ausgewiesenen in ihre alten Wohnorte zu ermöglicken." Hoffentlich haben die beiden Proteste den erhofften Erfolg. Das Abstimmungsergebnis in der ersten Zone Schleswigs rechtferttg: keine VergewcrltigmtgSiiuißnahmen gegen freie Arbeiter. Wir er- warten von Dänemark und nehmen nach feiner politischen und ge- werkfchcftlichen Vergangenheit als selbstverständlich an, daß dieser Appell genügen wird, um keine neuen Bedrückungsmaßnahmen gegen die Arbeiter zu erlassen und um begangenes Unrecht wieder gutzumachen. Waffenstbieber. Die ueue Wrüstungsuote der Entente wird auch damit be- gründet, daß zahlreiche Heereswassen in Dentickiland im Privatbesitz vou Leuten sind, die damit jederzeit die öffeniliche Ordnung be« droben lönnen. Dieie Anklage ist leider vollkommen zutreffend und so trifft jene Waffenschiebcr in den ReichSwehrstcllen, die die Waffen .verwalte»"', die schwere Schuld, der Entente Vorwände zu neuem Druck auf Deuschland gegeben zu haben. Dieser Tage erst ist in Hangö, dem sinnischen Hafen, das deutsche Schiff.Mercur"', mit Waffen und Kriegsgerät beladen und mit deurschen Offizieren bemannt, festgenommen worden. Und vor kurzem erst sind von Bayern aus einige Waggons voll Kriegsgeräl nach Ungarn geschmuggelt worden; dem Fäbn- rich der bayerischen Reichswehr, der die Sendung begleiteis. ist es gelungen, durch eine falsche Angabe des Inhalts der Waggons die deutfchöstemichiichen Grenzorgonc zu täuschen. Der Vorsitzende der Sozialdemokratischen Fraktion in den Preußischen Landesversammlung Graes-Frankfurt hat wegon seiner Wahl zum Bürgermeister von Frankfurt das Amt dcs FräktionSvorsihenden und des parlamentarischen UnterstaatS- sekrerärs im Wohlfahrtkministerium niedergelegt. Zu Fraktion?- vorsistcnden wurden die Abg. H a u sch i I d- Kassel und Siering- Berlin gewählt. Als UntcrsdaatKsekrecär im WohlfahrtSmwistevluin wird die Fraktion den früheren preußischen Ministerpräsidenten Hirsch in Vorschlag.bringen. Sie wünscht dadurch zum Ausdruck zu bringen, daß der''Sechsel im Ministerpräsidium aus rein politischen Gründen vorgenommen- worden ist, daß aber Hirsch ihr Vertrauen auch weiterhin genießt. Hroß'Jtolw Magistrat«nd„Lanöwirte tn Pommern". Gegen die Lrdensmittelteucrung. Vor einigen Tagen erschien an den Berliner Anschlagsäulen ein anonymes Plakat, in dem„pommersche Landwirte" den Versuch unternahmen, der Zwangswirtschaft die Schuld an' der Teuerung zuzuschieben.»Das ganze Machwerk stellt eine grobe JrretührungundVerbetzungderBevölkerung dar. Es ist daher zu begrüßen, daß der M a g i st r a i sich endlich gegen diese Treibereien wendet und seinerseits die Verhältnisse klarstellt. In einem Plakat, da? heute morgen an den Anschlagsäulen Berlins erschien, und das sofort die Aufmerksamkeit der Bevölkerung er- regte, wendet er sich scharf gegen die schon erwähnten pommerschen Landwirte. Dyx Magistrat behauptet, daß die Zwangswirtschaft uns vor dem Verhungern gerettet bat und begründet die Beschlagnahme des gesamten Brotgetreides im Winter lS14/1S, indem er eine'Denkschrift der damaligen Regierung an den Reichstag heranzieht und daraus den Satz zitiert, daß./es trotz Belehrung, Kontrolle und auch Strafen sck'lechterdings nicht zu verhindern gewesen ist. daß namentlich kleinere Landwirte Brotgetreide an da? Bich verfütterten, solange sie nach über Getceidevorräte verfügen." Ohne die Brotkarte hätten nur jene Leute Brot gehabt, die die st ä r k st e n Ellbogen und das größte Porremonnaie ihr eigen nennen.„Auch heute noch," so heißt es in dem Plakat«örtlich,„ist die Zwangswirtschaft überall dort unentbehrlich, wo die Ware zu knapp ist, um daS Be- diirfniS zu decken.?.hre Auswuchs emüssen natürlichbe- kämpft i�nd beseitigt werden; wo genug Ware vorhanden ist. kann sie abgebaut werden." Dieser Ansicht können wir uns ohne Bedenken anschließen. Der Magistrat beantwortet dann die Frage der pommerschen Landwirte nach der Differenz von 70 Mark, die angeblich zwischen dem Getreide, und Brotpreis besteht. Wir müssen AuS- lanosgeireide zu teuren.Preisen einkaufen, weil unsere Landwirte Brotgetreide heimlich verkaufen und vrrfüktcrn, anstatt eS pflichtgemäß /ibzuliefern. Wenn wir das teure Auslondsgetreide nicht kaufen müßten, so würde unser Brot heute statt i,'.0 Mark nur 2,7V Mark kosten. Bei ihrer Fragestellung scheinen die„Landwirte in Pommern" aber auch ganz vergessen zu baben. daß daS Getreide von der Söheune bis auf den Tisch des Ver- brauckerS einen sehr langen Weg zu durchlaufen bat, daß es aus- gemahlen. daS Mehl transportiert und gelagert und das Brot schließ- .'ich gebacken werden muß. Die Kosten für den Produktionsprozeß sind natürlich im Laufe der Zeit auch erheblich gestiegen. Was hier von dem ausländischen Getreide gesagt wird, gilt auch iür Butter, Milch und andere Dinge, die im Inlands z u wenig produziert und daher vom Auslände eingestührt werden müssen. Das Plakat der Landwirte behauptet, der Landwirt erhalte für den Zeim-ee Hafer 20 Mark, während der Städter 300 Mark fiir den Zentner Haferflocken bezahlen müsse. Diese Angabe ist vollkommen irreführend und zeigt nur., wenn man ihr auf den Grund geht, zu welchen Folgen die Lockerung der Zwangswirtschaft für lebenZ. notwendige Produkte führt. Der von den Landwirten angeführte Preis voce 20 Mark bezieht sich auf den beschlagnahmten Hafer. Tie daraus mit großen Zi-often hergestellten Präparate be- zahlt der Städte mit 140 Mark. Der teure Preis, den das Plakat der Lsndwirte angibt, bezieht sich aber aus jene Hafer- Die Ermordung de Nach Eröffnung der Sitzung teilte Staatsanwalt Dr. Ort- mann zunächst das Ergebnis seiner Schritte zur Ermittlung des nichterfchienenen Zeugen Schreiber mir. Danach hat er sich gestern tclegraphifch an die Wünchener Polizeidirektion gewandt und von dort die telegraphifcha�Antwort erhalten, daß der Aufenthalt des Mechanikers Walter Schreiber, der seinerzeit nach Lindau abgeschoben worden sei, n i ch t bekannt sei. Der Staatsanwalt bat auch in Lindau telegraphisch angefragt, ebenso bei dem Generalkonsulat und der Polizeidirektion in Zürich, ohne Erfolg zu erzielen. ES soll nun noch auf Anregung des Rechts. anwaltS Dr. Weinberg bei der antibolfchetr-istischen Liga(Herr v. SalderSberg) angefragt werden. ES wird dann die Vernehmung des gestern schon zur Hälfte vernommenen Angeklagten Hoppe fortgesetzt.— Vors.: Ich möchte noch einen Punkt berühren. Haben Sie sich auch mit hypnotischen Fragen beschäftigt? Angekl.: Jawohl.— Auf Aufforderung deö Vorsitzenden erklärt der Angeklagte, daß er das erste Mal auf die Sache hingelenkt worden sei durch einen Vortrag, der von einem Jugendfreund in einem Verein gehalten worden sei. Darin war gesagt worden, daß die Hypnose erzieherisch verwendet werden könne. Nach dem Vortrage sei der Vortragende zu praktischen Versuchen übergegangen, dt: er an 10 Jugendlichen vornahm. Er selbst sei als Erster sofort eingeschlafen, nachdem er nach Anordnung fest auf ein Holg gesehen habe. Der Angeklagte erzählt dann mehrere Einzelfälle, in denen er in Hypnose versetzt worden sei. In einem Falle habe er in hypnotischem Zustande Freiübungen machen müssen, in einem anderen Falle nach drei Tagen bestimmte Fragen an einen Freund richten müssen?luch als er in Leipzig im Lazarett gelegen, sei er mehrmals hypnotisiert worden. Ein an- dereS Mal habe er in der Hypnose die Rolle des Minister- Präsidenten Scheidemann gespielt und eine P a r l a- mentSrede gehalten. Im Anschluß hieran stellen die Sachverständigen Dr. Krön. seid, Gefängnisarzt Dr. Hirsch und Sanitätsrat Dr. Lehn» 1 e n eine ganze Reihe von Fragen die sich auf die Handlungen des Angeklagten in hypnotischem Zustande, oie von ihm behauptete Gedankenübertragung durch andere usw. beziehen.— StaatSanw. Dr. O r t m a n n: Will der An- geklagte behaupten, daß er im vorliegenden Falle hypnotisiert worden sei oder sich im Schlafzntands befunden habe? Angekl.: Nein.— R.-A. Dr. Weinberg: Ein Beweis nach dieser Rich- tung hin ist auch gar nicht angetreten. Die ganze Sache von dem HhpnotismuS ist nur auf eine Anregung seiner Verwand- ten zur Sprache gebrockt worden.— Sachverst. Dr. Hirsch: Der Angeklagte ist während der Zeit seines Lazareitcmfenthalts wegen Ueberschreitung dcS Urlaubs bestraft worden. Hat er in dem Strafverfahren jemals behauptet, daß sein Vergehen auf die Ein» Wirkung eines Drittqj zurückzuiühren fei?— Angekl.: Nein. Bei der Wiederholung der gestern sthon erörterten Vorgänge bis zur llebcrführung des Blau yach der Wohnung des Wink- ler bringt der Angeklagte Hoppe u. a. zur Sprache, daß Men- d elsohn. �der sich Obersi nannte, ein Mann von mongolischem Typus mit stechendem Blick gewesen sei. vor dem er sich immer ge- fürchtet habe. Fernev sei auch ein„kleiner Ausländer" und ein großer Marin in braunem Anzüge, der„Georg" genannt wurde,_ nach der Poblscken Wohnung gekommen. Blau habe sich sehr wohl gefühlt und ihm erzählt, daß er für die„Antibolschewisbische Liga" in München die Kommunisten be- spitzeln sollte. Er babe die Liga jedoch betrogen und den Kom- muniften als Spitzel gegen die Liga gedient. Deshalb sei er auch von der Regierung verHaftel worden. Auf eine Frage des Vorsitzenden,«eichen Zweck denn das Gefangenhalten des Blau gehabt habe, erklärt Hoppe, daß «r damals an eine TötungLabi'.icht überhaupt nicht gedacht habe. Nack seiner Meinung sollte Blau als Spitzel zwang?- weife pbotochravhiert werden.— R.-A. Dr. Siegfr. Wein- b e r g weist darauf hin, daß es schon früher bei der Sozialdemokrat i-chen Partei, aus der die K. P. D. hervorgegangen sei, üblich gewesen sei, Polizeispitzel so lange festzuhalten, bis sie photo- graphiert worden waren, um dann mit Hilfe der Photographie Präparate, die aus dem Hafer gewonnen werden, der den Land- Wirten zur freienVerwendung überlassen ist. Also die Lockerung der Zwangswirtschaft verursacht den teuren Preis. Nachdem der Magistrat noch betont, daß die Preise der land- wirtschaftlichen Produkte keineswegs unzulänglich sind und die Ver- teuerung der Produkte nicht den Wuchergewinn über- flüssiger Kriegsorganisationen darstellt, schließt er: „... die Verbraucher müssen daran festhalten, daß auf eine b e- hördliche Erfassung und Verteilung bei unentbehr- lichen Lebensmitteln e r st dann verzichtet werden kann, wenn ge- nug von ihnen vorhanden sind, um das Bedürfnis eines jeden befriedigen zu können, und daß auch eine behördliche Preisfestsetzung erst dann entbehrlich ist, wenn die Nach- frage nicht mehr das Angebot übersteigt, so daß die Verbraucher dann nicht mehr der Willkür.der Produzenten auSge- liefert sind." Willkommen in der Heimat! Berlins Begrüßungsfeier für die Kriegsgefangenen. Zu Ehren der heimgekehrten Kriegsgefangenen veranstaltete die Berliner„KriegSgefangenenheimkehr" gestern in der Philharmonie einen Festabend. Die Beteiligung war sehr stark. Reichs» behördcn und die Stadt Berlin hatlen Vertreter entsandt; auch Fritjof Nansen war unter den Gästen. Im Namen der Berliner.KriegSgefangenenheimkehr� bewill- kommenete ihr Vorsitzender Dr. Kundt die Heimkehrer. Dann sprach als Vertreter der Reichsrcgierung unser Genosse S t ll ck l e n, Vorsitzender der ReichSzentralstelle für die Kriegs- und Zivil- gefangenen. Er überbrachte die Willkommcngrütze des Reichs- Präsidenten und der ReichSregierung und gedachte des langen und mühevollen Kampfes um die Befrei u.ng der Kriegsgefangenen, den die Regietung hat führen müssen. Für die noch in Sibirien schmachtenden Gefangenen konnte er in Aussicht stellen, daß bald auch ihnen die Heimkehr beschieden sein wird.(Lebhafter Beifall.) Die Stadt Berlin entbot den Heimgelehrlen ihren Gruß durch MagistratSrat C o l l a tz. Danach folgten ein paar im Programm nicht vorgesehene Ansprachen, die eine„politische Note" in die Veranstaltung hineintragen zu sollen schienen. Oberst Bauer aus dem KriegSministerium nahm das Wort, um Sincklens Ausführungen über die zu erwartende Heim- kehr der Gefangenen aus Sibirien zu unterstreichen. Daß er die Fesiteilnehmer als, Angehörige der alten glorreichen Aimee" begrüßte, fand Beifall, erregte aber auch merlliches Befremden. Ein Heimkehrer, der den Veranstaltern des Festes einige Dankesworte widmete, fühlte sich durch das Beispiel des Obersten angeregt, von.Segnungen der alten Regie« r u n g" zu reden. Vereinzelter Beifall ging unter in starkem Widerspruch, und der wunderliche Redner schloß dann, plötzlich auf die andere Seite fallend, mit' dem Ruf:.Heil dem neuen freien Deutschland!" Die Abschweifung in Poluijche wurde von Dr. Kundt gerügt. s Inspektors Dlau. die Genossen warnen zu können. Ich beantrage hierüber den ehe- maligen Polizeipräsidenten Eugen Ernst zu vernehmen, der früher Spezialist für Spiptlphotagraphie gewesen war.— Hoppe erzählt dann weiter, er habe Oberst» in blindem Gehorsam gefolgt und Blau auch enventuell acht Tage lang bewacht. Staatsanw.: Weshalb hat denn der Angeklagte nicht� seine eigene Wohnung zur Geiangenhaltung des Blau zur Verfügung gestellt und hat Winllers Wohnung hierzu ausgewählt.— Angekl.: Meine Eltern hätten ihre Wohnung unter keinen Umständen dazu hergegeben.— Aus weiteren Vorhalten des Staatsanwalts geht hervor, daß dieser es auffällig findet, daß der Angeklagte, der ja, behauptet, er habe es für feine Pflicht gehalten, nach den Anwei- fangen von A c o st a und L e u s ch n e r selbst zu bewachen, aus der Pohlschen Wohnung fortgegangen sei, um Winkler zur Hergabe seiner Wöknung zu bewegen. Der Anaeklagte sucht dies aufzuklären. Bezüglich der Ueberstedlung in die Winklersche Wohnung gibt der Angeklagte folgendes an: Winkler fei fein bester Freund. Als er zu ihm gekommen, habe er ihm gesagt, er möchte die Wohnung zu einer Sttzung haben; Winkler möchte sich entfernen und zu seinen Eltern oder sonst wohitt gehen. Winkler sei sofort bereit ge» Wesen und habe die Wohnung verlassen. Er habe Winkler gegen- über nicht von Blau gesprochen oder ihm gesagt, daß in der Woh- nung etivaS Unrechtes passieren sollte.— Der Vorsitzende hält es immerhin für etwas merkwürdig, daß Winkler, der damals an heftigen Zahnschmerzen litt, ohne weiteres sofort auS der Woh- nung sich entfernt habe.— Der Angeklagte sucht die? mit dem Pflichtgefühl des Winkl-r, F der ja doch sein bester Freund sei, zu erklären. Aus weiteren Vorhalt des Staatsanwalts und des Vorsitzenden bekundet der Angeklagte: er habe ten Winkler aus dem Grunde aus der Wohnung geschickt, damit Blau ihn nicht als Mitglied der Kommunistischen Partei erkennen könne. Ihm wird em- gegengehalten, daß dies doch zwecklos gewesen sein würde, wenn Blau, der ja doch nicht mit"verbundenen Augen zu Winkler gebracht worden sei, ohne Schivierigkeiten sich hätte merken können, um wessen Wohnung es sich handelte. Auf den Hinweis, daß der Angeklagte die ganze Sache doch wohl nicht so harmlos habe ausfassen können, wie er eS darstelle, da ja doch mindestens Freiheitsberaubung in Frage stand, wirft R..A. Dr. Weinberg dazwischen: der Angeklagte habe die Sache vielleicht als„Schutzhaft" angesehen, wie solche ja so oft unter dem Regime Noske verfügt worden sei. Als in der weiteren Venwhmung des Hoppe die Vermutung auftauchte, der angebliche Stolz sei in Wirklichkeit der bekannte Kommunistenführcr Dr. Levi, erklärt der Angeklagte, daß diese Vermutung völlig aus der Luft gegriffen sei. Nrch Bekanntwerden der Ermordung Blaus habe sich im Gegenteil die Zentralleitung der K. P. D. sehr abfällig über diese Tat geäußert. Der Angeklagte schildert sodann Einzelheiten unmittelbar vor dem Mord: selbst. Nachdem man Blau unter dem Vorhaben. eS handle sich um ein„neues Geschäft", in die Wohnung des Winkler gelockt hatte, erschienen drei Männer, die sehr brutal und gewöhnlich aus- gesehen, insbesondere babe der größte von ihnen ein direkt widerliches Gesicht gehabt. Es seien dies ein gewisser Franz, ein Feldgrauer und ein dritter gewesen.„Franz" schimpfte mit gemeinen Worten ans den„Spitzel Blau" und faßte, dieser habe sein sauberes Handwerk die längste Zeit, betrieben. „Das A— z muß weg, da? Biest haben wir lange genug verfolgt" u. a. Bei diesen Worten holte„Franz" die Flasche Morphium unv einen Strick hervor.„Ich' versuchte"— so fährt Angeklagter Hoppe fort„die drei von ihrer Absicht abzubringen und erklärte, daß ick von Blau schon sehr viel wertvolles Material erhalten habe. Die Leute lehnten in heftiger Weise ab, schimpften mich „Feigling" und einer zog sogar in drohender Haltung seinen Re- v o l v er. Ick sagte darauf:„Wenn Ihr es doch tun wollt, so tut es aber nicht in der Wohnung meines Freundes Winkler, sondern sonstwo!" Ich mußte schließlich die Wohnung verlassen, da die Haltung der drei immer drohender wurde. (Fortsetzung in der Morgen-Ausgabe.) Ein auserlesenes Programm künstlerischer Darbietungen um- rahmte die Ansprachen und Reden. Verdiente, i Beifall erntete daS Philharmonische Orchester, ebenso die Mitwirkenden Lillan von Granfeit und Josef Mann(Arien und Dueit). Kurt Vogel(Bioline), Hermann Boettcher(Rezitation) und das Kinderballett der Charlottenburger Oper).' Wer verteuert das Obst? Von einem Leser unseres Blatte? wird uns mitgeteilt: Eigenartige Zustände scheinen sich auf dem O b st m a r k t zu entwickeln. Am 23. Juni vormittags habe ich auf dem Schlesi- schen Güterbahnhof folgendes beobachtet: In Waggons kommen dorr Kirschen an. Händler kaufen diese mit vierzig Pfennig das Pfund auf und verkaufen dieselben mit 1.— und 1,20 M., wie sie auf ihren Wagenichildern ausschreiben, weiter. Allerdings sind diese Kirschen keine Oualitäis» wäre und werden fast ausschließlich in Arbeitervierteln gehandelt. Um etwas Abwechselung in dos ewige Einetlet des trockenen BroieS und der trockenen Rartoffel zu bringen, kaust natürlich der Arbeiter dieie Ware und ist immer in dem Glauben, daß nich: der Händler, sonder» der Produzent schuld an den hohen Preisen ist. Um Zwischenfälle oder LebenSniittelkrawalle wie in Süddeulsibland und Westdeutschland zu verhindern, wird es Zeit sein, die Machenschailen der Obst- und Gemüsehändler in Berlin zu überwachen und Bcwucherung des laufenden Publikums unmöglich zu macheu. AehnlicheS wurde uns bereits von verschiedenen Seiten mit- geteilt. Wir lönnen uns daher nur der Warnung unseres Gewähr-- manneS unter Hinweis auf die LebenSiitittelkrawalle ich Reiche anschließen und sotdetn mit ihm, daß die zuständigen Behörden alles tun, um derartige uiiliebsante Voifglle zu verhüten. ( WohnungSfürforge für Flüchtlinge. Der Minister für V o l k S w o'h l f a h r t hat auf Grund des Gesetzes über Maß- nahmen gegen Wohnung Smanyel vom 11. Mai!920 an geordnet, daß Flüchtlinge auS den abgetretenen Gebieten, die aus nachweislich dringend/n Gründen des Berufs in eine Gemeinde zuziehen, gegenüber den Einheimischen bei der Beschaf- fung einer Untrrkunft bevorzugt z u berücksichtigen sind. Den Kommunalauffichtsbehörden ist zur Pflicht gemacht, nachdrück- lich für die Durchführung dieser Anordnung Sorge zu tragen. „Volk und Zeit", unsere illustrierte Wochenschrist, liegt der heutigen Pnstaustage bei. „Pommerns Riviera, die Seebäder au? SBollin»nd Nsedom-, lautet das Tvema deS Vortlages mit vichtbildern, den Herr Leich- Ipitta am Sonnabend 7 Ubr im großen Höisal der Treplow-Sternwarte bätt. Sonntag 3 Ubr:„Durch den Schwarzwald ins Donautat", b Uhr:„Polar- jagden" lScclötven, Renntiere und Elche), 7 Uhr:„Eine Reise zum Südpol" und„Ein Blick ins Weltall". Monta-i, 7 uvr:„Da? Eiinleinscho RclalivitätSprinzip und seine aslronomlschc Bcs'äiigung'. 2l, ab- zugeben. Dalelbst wird auch Auskunft aUen AbflimmungSberechtigte« erteilt._ t GroK-Berliner Lebensmittel. Schöne borg. Bis 2g. Voranmeldung 125 Gramm Gerstengraupen oder Gerstengrütze oder Geisten stocken(3ti, 8g Gramm Bolleipulver(Ei- weiß und Eigelb(3S), 250 Gramm Marmelade(36). Groß-öerlmer parteinachrichten. Sozialöemokratisther verein öerlia! Freitag, den 23. Juli, abends 6 Uhr, Generalversamm. l u n g in den Musikcrsälen, Kaiscr-Wilhelm-Ztr. 31. Tagesordnung: 1. EcschästSdericht. 2. Sussprache. 3. Wahlen. 4. Stellungnahme zur neuen Organisation und zum Orgaaisationsstatut. Pünktlich antreten, Morgen, SS. Juni: Niederschö»Kausen. 7>/, Uhr, Restaurant Koch, TreSckowstr. 13: Wichtige Funltionärverfammwng. Treptow-Baumschulenweg. Die Gemeindevertretung behan« delte am 22. Juni in«iner sieden st ündigen Sitzung eine umfangreiche Tagesordnung. Der Bericht über die Leben?- mittelvers drgung brachte eine lebhafte Aussprache, die aber selbst bei den Gegnern der Zwangswirtschaft in einer Aner- kennung der Geschäftsführung ausklang. Die GcschästSfahre 1918/19 mit 9 Millionen und 1919-20 mit rund 19 Mllionen Mark Umsatz ergeben einen solchen Ueberfchuh, mit dem es möglich sein dürfte, einem Ausfall bei etwa eintretendem Preizsturz der natürlich erheblichen Lebensmittelbestände zu begegnen. Finanziell etwas weniger günstig schneidet die noch junge gemeindliche Äleidervertriebs stelle ab. deren preisregulierender Ein- flust aber ebenfalls feststeht. Ihr Erträgnis hängt von der Ver- Wertung der(am 1. April), vorhandenen 13 Millionen Mark Warenbestände ab. auf deren Verringerung hingearbeitet werden soll. Der Vertrieb, der bisher auf Gemeindeangebörige beschränk: war, soll nunmehr dem ganzen Verwaltungsbezirk IS zugängig gemacht werden. Hart stießen die Gemüter bei der von unseren Genossen im Verein mit der unabhängigen Fraktion erzwungenen Besprechung des E i n st e l 1 u n g s r e ich t s von Personal zusammen. Auf entschiedenes Drängen unserer Fraktion hat der Bürgermeister dieses ihm nach dem paviernen Reckst bis zum 1. Oktober d. I. noch persönlick zustehende Recht sckon vor längerer Zeit dem kollegialen Gemeindevorstand zugestanden. Der Durchsetzung dieses Willens wird aber von einzelnen Beamten immer wieder passiver Widerstand entgegengesetzt. Mußte doch jetzt wieder festgestellt werden, daß, entgegen dem Beschluß deS Ge- Tneindevorstandes. der zunächst Auslese unter den brauchbaren Hilfskräften und Einheimischen halten wollte, mehrere a u s w ä r- t i g e Beamtenanwärter«inberufen worden stnd. während zum andern die Verwandte eines Beamten als„Einheimiscks" eingestellt »ist, obgleich sie heute nocki außerhalb deS Ortes wohnt und für andere Bewerber immer»kein Bedarf" ist. Der verantwortliche Bureaudirektor will den Beschluß„eben so"(wie er ihn mag) aufgefaßt und von letzteren Tatsachen nichts gewußt laben. Der Gemeindevorsteher sagte Untersuchung zu. nachdem� unsere und die unabhängigen Gemeindevertreter ihrer Meinung über diese Aus- flüsse undemokratischen Geistes ziemlich unverblümt Ausdruck ge- geben batten. Der Beigeordnete Dr. Niese, der zum kam- missarischen Landrat in Schweinitz ernannt worden ist. wurde beurlaubt, über seine Vertretung soll Vorlage erfolgen. Der Milchteuerunnszusckiuß wird für das nächste Vierteljahr wie bisher mit 1 M. pro Liter festgesetzt, doch sollen die schärkeren Berliner Grundsätze über die Bedürftigkei�sprüfung Anwendung finden. An Notwohnungen sind bisher in Treptow rund IM geschaffen worden. Von den errichteten Baracken kosten die ersten mit 11 bzw. 8 Wohnungen 143 900 bzw. 140 000 M., die zwei jetzt im Ausbau befindlichen voraussichtlich zusammen SIS 000 M. Außerdem sind vier Kleinhäuser mit 24 Wohnungen in der Voll- endung. Für die Zukunft wird in Aussicht genommen, statt Da- ratfen' lieber Massivbauten zu errichten. Reinickendorf. Eine Wohlfahrts-WanderauSstellung heS Vereins gegen den Mißbrauch geistiger Getränke hat sich im Saale des „Seebades" anfgetan. Sie zeigt die verheerenden Wirkungen der Volkskrankheiten(Tuberkulose, MoholismuS, Säuglings- sterblichkeit usw.), gibt Einblick in das soziale Elend großstädtischer Wohnungsnöte, zeigt die Ausgaben der Jugend- p f l eg e u. dgl. mehr. An den Vormittagen werden die Oberklassen der Volksschulen, böbere Schulen, Fortbildungsschulen usw. unter Führung der Lehrer in der Ausstellung durch den Leiter sachgemäß belehrt. Nachmittags von S— 7 Uhr ist jedem Erwachsenen der Zu- tritt kostenfrei gestattet. Nach Bedarf finden auch zwischen 5— 7 Uhr Führungsvorträge statt. Ergötzliches aus dem Blumbergcr Gemcindcparlament. Vor kurzem fand in Blumberg(Be,. Potsdam) eine Gemeindevertreter- sitzung statt. Unter anderem stellte einer unserer Genosien an den Scböffen August Ebel(Dr. Vp.) die Anfrage, wie es käme, daß er den landwinickmiilichen Arbeiter Theodor Dietrick babe. exmittieren lassen und nickt das hier bestebende Mieteinigungsamt angerufen. Scköffe Ebel erklärte, daß er als Arbeilgeber einem Arbeiter aeaen- über, der bei ihm freie Wobnung bekäme, das Reckt der untreiwilligen HerauSietzung habe, da ja die Wohnung einen Teil des Arbeitslohnes auSmacke. Dadurck war die Sacke scheinbar erledigt. Darauf gab derGemeindevorsteherJuert(Dnnt.i folgende Erklärung ab, daß er den Arbeiter Tietrick(Familie von 7 Kopsen) in die Notwohnung im Ge- meindehause habe unterbringen müssen. Und dabei sckw'mmen die hiesigen Besitzer im Zimmerüberfluß! Nun crklärteder srühereAmtsvor- steher von Blumberg. Wilhelm Grün, daß der Gemeindevorsteher eine solche exmittierte Familie in jedem leeren Räume evtl. im Spritzenhaus oder gar in einem Stall unterbringen könne. Von einem unserer Genosien wurde treffend geantwortet. daß also 1'/, Jahr nach der Revolution die Menschen dem Vieh gleichgestellt wären. Blumberger Arbeiter, seht Ihr nun, wohin der Kur? geht? Und wie baben viele von Euch am 6. Juni gewählt? Deutsche Volkspartei! DeS Schöffen Ebel Partei! Und' sogar groch Deutsch- nationall Die Partei des früheren„Zaren" von Blumberg! DaS ist die Onittuirg Eures Wahlzettels! Wirtschoift. Produktionsbeschränkung der oberschlesischen Industrie durch Zementuiaugel. Die oberschlesische Montanindustrie leidet nach wie vor unter einem empfindlichen Mangel an Zement, so daß unter den gegebenen Verhältnissen wichtige Betriebsbauten unter- brachen oder ganz aufgegeben werden müssen. Trotz fort- gesetzter Eingaben an- die Zementverkaufsstellen ist eine ausreichende und rechtzeitige Belieferung nicht zu erreichen. Um so auffallender ist es, daß nach einer Meldung der.Telegraphen- Union" angeblich polnischer Zement unter der Hand zu Phantasiepreisen von 300 bis 400 M. pro Tonne angeboten wird, und zwar franko Schiffrecdereilager tranfit Oppeln. So wird der Zementhunger der cberschlesischen Industrie rücksichtslos ausgebeutet, und es entsteht die Frage au die verantwortlichen deutschen Regierungsstellen, auf welche Weife der polnische Zement nach Oppeln kommt. Es könnte zwar von Polen Zement im Aus- tausch gegen Kohle auf rechtmäßigem Wege erlangt werdon, doch müßte diese Kohle über das von der Ententekommission den Polen zugesicherte und in letzter Zeit erheblich erhöhte Kontingent hinaus geliefert werden�_ Wie die Entente die oberschlesische Kohle verteilt! Nachdem die Interalliierte Kommission in Oppeln die oberschiesischen Kohleniieferunoen an Polen erst vor einigen Tagen von 260 090 auf 499 099 Tonnen monatlich erböht hatte, hat sie bereits wieder erheblich über die oberschlesische Kohle verfügt, und zwar erhält Ungarn im Auslausch gegen Lebensmittel 39 990 Tonnen Gaskohle monatlich. Die eisorderlichen Eisenbahn« wagen zum Transvort werden von Ungarn gestellt. In Koiel- Oderbaien eriolgt serner der Umschlag von schivediscken Eisenerzen für das W i Ikowitzer Eisenwerk und von 100 Tonnen Kohle im Tag für Schweden, da das Witkowitzer Eiienweik mit Schweden einen Eisenerz« und Kohlenaustausch- vertrag abgeschlossen bat. AuS Obcrschlcsie» wird der Deutschen Bergwerks» Zeitung geichrieben: Wir sieben hier auf vulkanischem Boden, und in der Tal ist die Aufregung in der Bevölkerung sehr groß. Sebr unangenehm wirken die Betriebsräte. Zu all den Sorgen und dem A-rger, den man bat, treten nun noch die Belästrgungen dieser Körverschasten, die nur dazu da zu sein scheinen, um die Kohlenförderung noch mehr zu r e d u- zieren und die Ausgaben zu erhöhen. Ten Schaden wird wieder das Deutsche Reich zu tragen haben; denn nachdem die Koblenverteilung durch die Entente in dem Sinne geordnet worden ist, daß erü alle anderen Staaten zu beliefern sind und nur der Rest für Deutschland bleibt, vermindert jeder Rück- gang der Forderung die nach Deutschland abzuführenden Men« gen. Zum Ueberflusse ist nun die Verfügung gekommen. daß wir nach Polen, das übrigens seine Llckernngen nicht vromvt zu bezahlen beliebt, statt 300 000 Tonnen jetzt 4S0 000 Teiinen im Monat liefern müssen. Dieie'Mengen ericheinen an sich rür oberschlesische Berhältnisie nicht bedeutend; da aber die Per- sendung von Kobten per H a u p t b a h n in Oberschlesien monatlich nur 1,8 Mill. Tonnen beirägt und bestimmte Mengen immer in erster Linie an die Entente abzuliefern sind, verliert eben Deuisch- land noch 160 000 Tonnen. Das ist das Ouantum, das heute auf der Oder verfrachtet wird. Die Eisenbabn stellt Wagen in Hülle und Fülle, und wir tonnten ein gutes Geschält machen, und vor allen Dingen die Kohlennot in Dsulichland stillen, wenn nicht wieder dieser entsetzliche Eingriff der Entente ge- kommen wäre. Man steht möglicherweise vor einer großen Katastrophe._ Siedlung entlassener Soldaten. Es wird uns geschrieben: In großzügiaer Weise wird der Siedliingsvorichlag des preußischen Landwirtschaflsministeriums an die zur Auslösung kommenden Freikorps durch Siedlung auf Staatsländern, den zwangsweise Entlassenen eine Heimstätte und sichere Zukunft zu schaffen, im Locksledter Lager in Holstein in die Tat umgesetzt. Seit nahezu einem Monat schon ist hier das«tzemalige 3� Kur- ländiiche Jiifanierieregiment als Siedlungsgemeinsckast Kiewitz auf genossenschaftlicher Grundlage organisiert und eririg am Werk. Als Sicdlungsland hat das Landwirtickasis- Ministerium das L o ck st e d l e r Lager nebst Truppenübungsplatz und die st a a t l i ck e n T o r f m o o r e bei Itzehoe und Rendsburg zur Verfügung gestellt. Andererseits wird aus Siedlerkreisen lebhafte Klage geführt, daß die Freigabe der Remontedepots für Siedlungszwecke keine Forischritie macht. DaS W e h r m i n i st e r i u m und seine Bureaukratie scheint hier sehr erhebliche Schwierigkeiteir zu machen. Hoffentlich gelingt es schnellstens. dieie Widerstände zu be- ieirigen, da viele Siedlungsgcnossenschaflen an der Freigabe dieser Flächen interessiert sind. Dir Wandcrnusslellung der Deutschen LandvirtschaftS-Gcsellschaft, die für den 2.— 7. September d. I. in Nürnberg geplant war. muß wegen bedrohlicher Zunahme der Maul- und Klauenseuche in Sllddeuischiand aussallen. Zusammenschluß in der thüringischen Möbelindustrie. Die Möbelindustrien von Neustadt. Pößneck und Umgebuna, welche wegen Anfrraginangels vor der Schließung ihrer Betriebe stehen, schlössen sich zur Erlangung von Auslandsaufträgen und zur Uebernabrye von Arbeilen im Wiederaufbaugebiel in Frankreich zu einer Ar- beitsgemeinichaft zusammen. 140 000 Einladungen an ausländische Firmen hat das Metzaml in Leipzig zur diesjährigen Leipziger Herbstmesse ver- sandt. Die Einladungen gingen außer an alle europäischen Staaten auch nach dem fernsten Osten und nach Amerika. Mit den f n d« und mittelamerikanischen Staaten sind in weitestem Um- fange die Beziehungen wieder aufgenommen worden, nack China, Japan und Niederländisch-Fiidien, selbst nab Abesstnien sind die Aufforderungen zum Besuch der Meffe ergangen. Deutsch-französischcr Geschäftsverkehr. Die von der Schweiz nach Paris gereisten Deut'chen, die Pässe zur Erledigung geichäsl- sicher Angelegenheiten erhielten, berichten übe, einstimmend, daß ihre Behandlung von Seilen der französischen Behörden nicht? zu wünschen übrig ließ und auch die von ihnen au'gesuchten Firmen sich durchaus korrekt benommen haben. Zu bemerken war fast durchweg in der französischen Handelswelt ein starker Zug zur Wiederanknüpfung alter Handelsbeziebungen zu Deulsch- land. unter Ausschaltung des btshengen, meist schweizerischen Zwisckenbandels. OewerMastsbewegung verbanöstag öer Suchörucker. Nürnberg, 23. Juni. Bei der Abstimmung über die Anträge den„Korrespondent" betreffend wird ein Antrag, der Redaktion ein Mißtrauensvotum zu erteilen, abgelehnt, ebenso ein Antrag, die Redaktion unter die Zensur des ZentralvorsiandeS zu stellen. Der Abonnements- preis wird ab 1. Ollober auf 1.60 M. erböht, ebenso werden die Jnsertionspreise erhöht. Die Berlegnng des Redaklionssitzes nach Betlin soll erfolgen, wenn die derzeitigen Schwierigleiten behoben sind. Zum nächsten Punkt„Der Internationale Buch- drnckerkongretz und unser Verhältnis zum Jnler- nationalen Buchdruckersekretariat bzw. zu den gegenseitigen Verbänden" wird folgende Resolution der Redaktionskommission angenommen: „Die G.-v. deS Verbandes d. D. B., an welcher auck Ver« treter ausländischer Bruderorgani'ationen teilnebmen. entbietet der organisierten Arbeiterschaft der ganzen Welt brüderliche Grüße. Sie erklärt, daß nur durch einmütiges Zusammenarbeiten der internationalen organisierten Arbeiterichair die Befreiung der Arbeitcrllasie aus den Fesseln deS Kapitalismus erfolgen und dauernd erbalten werden kann. Sie erklärt sich frei von jeder nationalistischen Voreiiigcnommeiibeit und reickt den Bruder- organiiaiionen der ganzen Welt die Hand zur Wiederaunichtung der internationalen Beziebungen. Mit Entrüstung bat die General« veriammlunq aus den Berichten der Tagesprene über die Ungarische Nationalversammlung von der Schandwinichait in Ungarn Kenntnis genommen und spricht den ungarischen Brüdern ihre be- sondere Symvarkie aus. Sie erblickt in dem Kampfe der ungarischen Arbeiterscha't um ihre Exckte», auch ibren Kampf und ist bereit, zu ihrem Teil das ihr mögliche dazu beizutragen, daß der internationale Boykott gegen das jey'.ge Ungarn in voller Sckärfe zur Durchführung gebracht wird." Eine Resolution Böttcher-Leipzig, die in ihrem ersten Teile in Kow�etrußland das wirksamste Instrument zur Schwächung der internationalen Gegenrevolution erblickt und den Kamps kür die Sowjetrepublik zu führen gelobt, in ihrem zweiten Teile ebenfalls schart gegen die ungarische Schandwittichafl Stellung nimmt, wird abgelebnt. Ueber Punkt 8„Der Bildungsverband der Deutschen Buchdrucker" hält Dreßler-Leipziq ein kurzes Referat, dem eine teilweise lebhaste Diskussion folgt. Beschluß- fasiungen erfolgen nickt, da die zu dem Punkt vorliegenden Anträge im Laufe der Verhandlungen zuiückaeiogen werden. Punkt 9„DerZuiammenschluß der grapünSsn Organisationen" gibt ebenfalls Anlaß zu einer stellenweise leb- basten Diskussion. nachdem BorstandSinilgsied Schweinitz einen kurzen Ueberblick über die bisherige Tätig'eit des Graphischen Bundes und die Stellung des Vorstandes zu den vorliegenden An- trägen gegeben hat. Gegen eine Minderheit wird eine Resolution Ebel-Berlin angenommen, die in den bereits unternommenen Schritten die erste Eiapve zum Zusammenschluß aller grapbiscken Organisationen erblickt, die bereit? vereinbarten Satzungen des Graphischen Bundes und des Graphischen Kartells anerkennt und den Vorstand beauftragt, die ssir den organisatorischen Zu'amm/n- ickluß der graphischen Arbeiter notwendigen Vorbedingungen zu schaffen. Damit stnd alle anderen Anträge Erledigt. Sodann erfolgt die Erstallung dei Berichte durch die vorige Wocke eingesetzien Komtnissionen zur Bearbeitung der „Statiltenänderungs-Aniräge. Als erste berichtet die„ideelle" Kommission, der die zur Frage der Neuorientierung vorliegenden Anträge überwiesen worden sind. Tie Organisation der behördlichen Angestellten. Vom Zentralverband der Angestellien wird»ns oei'chrieben: Durch die Vertreterveriammlnng des Gewerkichaftsbundes der Kommmialbeamten und Angestellten Preußens soll der gewerkschasr- liche Zusammenschluß aller preußischen Kommunolbeamten und Daueranoestellien erfolgt kein. Demgegenüber ist festzustellen, daß kür olle K o m m u nalange st eilten, soweit Bnremiancestellte in Frag» kommen, seit Jahrzehnte» die gewcrkschofiliche Oroani- sation bereits vorbanden ist. Früher ivar es der Verband der Bureauonaestcllten Deutschland?, der am 1. Okiober 1919 in den Zentralverband der Angestellten ausgegangen ist. Eine Scheidung verschiedener Art von Angestellien sindet in dem freiaewerk» schaitlichen Zentralverband der Anye st eilten (Berlin SO. 26, O r a n i e n st r. 40/41) nicht statt; er nimm! die Interessen aller Kommunalangestellten wahr. Nus alier Welt. Der Geist deS HazardeurS Leriytold, der der Welt den Krieg eingebrockt hat»nd sich ietzt in der Schweiz andauernd von der Zerstörung deS ihm anverrraiiten Reiche? erholt, ist in seinem Wiener Palast weiter tätig; man hat darin einen vornebmen S p i e l k l u b eingerichtet. Die Vezirlsvertretung hat auf sozial- demolratischen Antrag gegen christlichsozialen WiderpmÄ der Gewerberetter verlangt, daß daS Gebäude gemeinnützigen und sozialen Zwecken dienstbar gemacht werde. Das deutsche U-Boot„0 20", welches die„Lnsttania" versenkte, strandete 1917 bei Brist an der».Westküste von Jütland. Eine Menge Eisen und alles, was im Innern von Wert war, ist bereits entfernt worden, und nur der Booikörper ist noch übria, der größten- teils von Sand überdeckt ist. Es besteht nun die Absicht, das Wrack zu sprengen, und zwar mir Minen, die noch häufig antreiben. Kriechervercine. Die Kriegervereinsiahnen der Kriegervereme von Saarlouis und Lisdorf, die dem Landratsamte in Saarlouis zur Aufhebung übergeben waren, sind von dem der- zeitigen kommisioriscken Bürgermeister von Lisdorf, Ruff, als Kreisdeputicrten dem s r an zö Micken Kommandlinien de Job geschenkt worden Ein amtliches Dohiment be'agt darüber: „DaS Landratsami bescheinigt hiermit dem Herrn Kommandanten de Job, daß er die Fahnen des KricgervcreinS von Saarlouis und Lisdorf als Andenken besitzt. SaorloutS, 6. März 1920. Der Landrat. I. A.: Ruff, Kreisdeputierter." Verantw. für den redott. Teil: Dr. Werner Pkifcr, Chorloltenbura: für Anzeigen: TV. Glocke. Verlin. Verlag: VorwärtS-Berlag«.m.b.H., Verlin. Druck: Vor- wärts-Vuchdruckcrei u. Jerlagsanftalt Paul Singer u. Co.. VerlI.i. Lindenttr. Z. Billige Tleiseh •Konserven, besonders geeignet füc wsnderoög-!. Ruderer. »osstttgler«nd Sonnver- wohnungoa, Äexe mit Eauerkobl l.Psd.-Dofe 3,« Kanin m. 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