Nr. 320» 37. Jahrgang Ausgabe A Nr. 23 Bezugspreis: Bert->IZHr!.Z0.— M!.,mimatl�0,-M!. ftii ins Hans, voraus zahlbar. Poft- beMg� Monatlich 10,— Mch.-M. Zn- slellunaszedllhr. Unter Krrntband fü: Deutschland und Oesterreich 16,50 M!., für das übrige Ausland bei täglich einmal. Zustellung 21150 M. Pollde- itellungen nehmen an Oesterreich, Ungarn, Tschecho-Sloioakei, Däne- wart, Holland,-u�emdurg. Schweden und die Schweis.— Eingetraqeu in die Polt- �eitungs- Preisliste. Der.Vorwärts� mit der Sonntags. beilage»Volk u. Zeit� erscheint wölben- täglich zweimal Sonntags und Man- tags einmal. Telegramm-Adreffe: „Sozialbrutcrtcat Bern»" Morgen Ausgabe Berliner DolKsblatt ( 30 Pfennig') Anzeigenpreis; ®te achtzespaltene Nonpareillezeile koste! 3,— M.,TeurrungszuschIag50«/1 Sil— 15197. lültillWIWMiW!»» IIHII IB HIHI UlBIIWMHIBWHOi Sonnabend, den ÄC Jnni 1920 vorwärts-verlag EW. öS, Lindendr. 3. Fernsprecher: Amt Morivplan, Str. 1 17-HZ— 7,1. Präsidentenwahl im Reichstag. Der neue Reichstag>hat am gestrigen Nachmittag die Wahl seines Präsidiums vorgenommen. Gegen wenige Stimmen wurde unser Genosse Löbe zum Rochfolgcr Fehrenbachs im Reichs tagspräsidium gewählt. Er dankte für diese Wahl in einer ausgezeichneten Ansprache, die den Beifall des ganzen Hauses fand. Nur an einer Stelle gab es einen kleinen Zwischenfall. Es war bei einem Sah des neuen Präsidenten, der mit folgenden Worten begann:„Schon bisher hat am ehesten dann ein gemeinsames Band die äußerste Rechte mit der äußer st en Linken umschlungen—" Hier setzten Ohorufe der Unabhängigen ein, Löbe aber fuhr fort: „... wenn es galt, irgendwo in unserem Lande plötzlich auf- getretene Not helfend zu lindern." Was war es. das den Un- abhängigen da widerfuhr: Ein Mißverständnis aus Selbst- erkenntnis./ Bei der Wahl DittmannJ zum Vizepräsidenten de- monstricrte ein großer Teil des Hauses rechts durch Abgabe von weißen Zetteln. Die Unabhängigen nahmen ihre Revanche, indem sie bei der Wahl des Deutschnationalen Dietrich gleichfalls weiße Zettel abgaben. Schließlich waren alle— dazwischen der Zentrumsmann Bell— richtig gewählt. Nun sollte Schristführerwahl durch einfachen Zuruf vor genommen werden, aber Ledebour, der mit großer Selbst- gefällt gf eit die Fübrung seiner Fraktion übernommen lx-t. er hebt Einspruch. Zum fünften Male erfolgt der ernt" Namensaufruf, flattern die weißen Zettel in die Urne. Dann beantragt wieder Ledebour die Freilassung seines verurteilten Fraktionskollegen Mittwoch.»Das Haus de- schließt, die Angelegenheit auf den kürzesten geschästsordnungs- mäßigen Weg zu leiten. Am Montag aber soll es seinen ersten „großen" Tag erleben._ Keins Lösung öer wiener Krise. TU. W i c n, 23. Juni. Im Streite der Parteien um den für die Renwahlrn wichtigen Posten des Ministers des Innern sind die Verhandlungen zur Losung der Krise nach 14- tägiger Dauer heute endgültig gescheitert. Tie ch r i st- l i chs o z i a l e ir Staatssekretäre nnd Nnterstaatssekretare, zu- fatrmen 8 an der Zahl, hohen an den Präsidenten Seift heute ein Schreiben gerichtet, sieansdemAmtezu entlassen. Prä- sibent Seift hat danach die venvaisten StaatSämter unter die im Amte verbliebenen acht sozialdemokratischen Staatssekretär« aufge- teilt. Man hat es aber mit einem ans diesen acht und den drei unpolitischen Fachministern für Finanzen, Volkscrnährnng»nd Berkehr zusaormengcseftten Rnmpfkabinett Renner zu tun, das bis auf weiteres die Geschiiste führen wird. Die Labour Partp verlangt Revision. Protest gegen die farbigen.— Ablehnung der direkten Aktion.� L u n d» n, 23. Jnni. lHollandsch NcwSbureau.) Der Kongreß der englischen Arbeiterpartei in Scarborongh nahm eiw: Ent- schlicßung an, in der erklärt wird, der Friedensvertrag sei eine grobe Berlcftung nicht nur der angeblichen Ziel- der .... �> Alliierten, sondern auch der Bedingungen, unter denen ermuo der W-fsenstillstand abgeschlossen wurde. Die?nt- schließung verlangt die sofortige Revision des BertrageS in Urbereinstimmiing mit diesen Bedingungen. Ein Redner erhod unter lebhaftem r i f a?, der Versammlung Einspruch gegen die Verwendung farbiger Trnvven. Der Kon- grcß verwarf schließlich mit überwältigender?Rrhr- heit eine,, Antrag zugunsten der direkten Aktion. Die Teueruugsunruhen. Nach einem Bericht der„Freiheit" sind die Plünderungen in Bremen von antisemitischen Hetzern veranlaßt' worden. Eine U.-S.-P.-Persammlung hat sich in gleichem Sinne geäußert. 50 Verhaftungen wurden vorgenommen. Verletzt wurde durch die äußerst geduldigen Polizeibcamten kein Mensch. In Köln wurden bäuerliche Kirschenwucherer am Tage nach der Verhaftung bereits vom Kriegsgericht erheblich verurteilt. Tie Städte des befetzten Gebiets haben sich zu einheitlichem Vorgeben verständigt. Sollten die Obstt�ucherer die Früchte auf den Bäumen verfaulen lassen wollen, so wird zwangsweise gepflückt. In einer von Belgiern abgesperrten Straße in Krefeld wurde ein gewisser Josef Fröhlich von einem Posten zum Wci- tergehen aufgefordert- Aus seine Weigerung gab der Posten einen Schuß ab, der Fröhlich in die Herzgegend traf und' auf der Stelle tötete. Bisher sind von der Polizei 30 Personen, die an den Plünderungen beteiligt gewesen sind, festgenommen. Ein großer Teil der geraubten Sachen wurde beschlagnahmt. Es finden noch fortgesetzt Haussuchungen statt, weitere Verhaftungen stehen bevor. Für den Regierungsbezirk Düsseldorf hat infolge der Vor- gänge in Krefeld die Interalliierte Rheinlandkommission das Per- bot jeder Versammlung, Ansammlung und jeden• Auflaufs von mehr als sechs Personen ausgesprochen. Tie Schließung der Lokal« ist auf 0.80 Uhr festgestetzt und der Aufenthalt auf den Straßen von 10 Uhr abends bis 8 Uhr morgens- verboten. Die Wirkung der Unruhen auf d!e Berliner Obstpreise ist unverkennbar. Besser beizeiten einlenken, als solche Folgen heraufbeschwören. In Mainz wurden die Obstpriis« ,w«rngSw»ise bedeutend herabgesetzt. In Oldenburg versammelt« sich eine große nach Tau- senden zählend« Menschenmenge auf dem Pfevdcmarkt, zog von dort truppweise durch die Geschäfte und stellte an die Geschäfts- inhaber die Forderung, die Preise um ein Drittel herabzusetzen. Ein« Kontrollkommission werde in kurzer Zeit die Ge- schäfte wieder kontrollieren und zu Zwangsmaßnahmen greifen, wenn die Geschäftsinhaber der Aufforderung nicht nachgekommen sein sollten. Ter Zug bewegte sich dann zum Marktplatz, wo in Ansprachen zur Ruhe und Ordnung ausgefordcrt� und wo- bei betont wurde, daß sich diese Demonstration nicht gegen den Lohnabzug und auch nicht gegen die Reichswehr und die Sicherheitspolizei, sondern lediglich gegen die Wucher. preise richte. Man verhandelt mit' dem Magistrat und mit dem Ministerium zu eventueller Festsetzung der Preise. Sollte bis Sonnabend keine Herabsetzung erfolgt sein, so soll in den Betrieben die Arbeit niedergelegt werden. Keine Revision in Spa. Brüssel, 23. Juni.(WTB.) Die von Boulogne zurückgekehr- ten belgischn Minister des AuSwärtig-n und de? Innern er- klärten sich von den in Boulogne gefaßten Beschlüssen b e- friedigt. Sie fügten hinzu, daß entgegen der Ansich: gewisser Persönlichkeiten in Deutschland von einer Revision deS Friedens- Vertrages auf der Konferenz von Spa nicht die Rede sein könne. LiopK Garges Mißtrcmen. Amsterdam, 23. Juni. Lloyd George erklärte gestern im Nnterbause zu der Frage über Deutschlands Eintritt in den B ö l k c r b» n d auf die Anregung eines Abgeordneten, er habe sicher nicht gesagt, daß Deeitschland den ernsten Willen zeige, seine Versprechungen zu erfüllen. Bezüglich der Entivaff- nilng habe er den starken Eindruck, daß De„t schlank es nicht tue. Auf eine Vemetkvng KcnworthyS, daß Ehurchill sich doch wiederhast in dem erwähnten Sinne im Nnterhause gc- äußert hätte, entgegnete Lloyd George, er wäre sicher, daß Ehurchill i daS nicht getan habe. Dss Lleinüsiatische Wespenneft. Kcmals Truppen in Europa gckaudetZ? London, 23. Juni.„Evcning NewS" veröffentlicht eine Meldung aus Konstantinopel vom 21. Juni, wonach'eine Abteilung Truppen M u st a p h a K c m a l Paschas in Bäjük-Tschek- m c d z c westlich von Konstantinopel ans dem c u r o p ä isch r n Ufer des M a r m a r a in c e r c s gelandet ist. Eine weitere Truppenmacht wurde von den fryn-ö fischen Truppe« bei Jsmid gesichtet. Britische Schlachtschiffe nahmen die nationalistischen Truppen ans eine Entfernung von acht Meilen unter Feuer und fügten ihnen schwere Verluste bei. Die Be- schiejjung wird fortgesetzt. Griechische Dsfensive bei Smpr«a. Paris, 23. Juni. Nach einer Ga»aS«eldung aus Konftan- tinopel hat die griechische Armee, die die O s f e R s i v« an der Front von L m Y r n a ergriffen habe, das DirektionS�ebäudr deS Hafens von Smyrua und da? Gebäude der«Smanischen Post beseht. Konstantinopel, 23. Juni. Der britische Oberkomman- dierende der l�denttruppen hat über K o n st a n t i n o p e I und die D a r d a n e l»i den verschärften Kriegszustand verhängt. Um den fforthp-Hopkott. Haag, 23. Juni.(H.R.1 F i m m c n, der Sekretär de? Jnter- i nationalen Gewerkschatfsbundes, hat vor seiner Wiener Reise folgend-' Erklärung abzcgrbcn: Ter Boykott toll ungrschwächt fortgesetzt werden, nur die verschärften Maßnahmen, die am Sonnabend beginnen sollten, fallen vorläufig solengr, bis die Per- Handlungen beendet sind, nicht angewandt werden. Soweit ich Be- richte crhalt-'n habe, wird der Boykott in Deutschland, Frank- reich, Belgien, Oeüer�r'ch und der Dechcchoslowakei streng durchgeführt. Zuverlässige Berichte aus Südffawicn und aus Polen habe ich noch nicht erhalten. Wenn ich nicht glaubte, daß die Verhandlungen eine Grundlage bilde» könnten für die Auf- Hebung de? VaykottS, dann würde ich nicht nach Wien gehen. Den von unserem Verband gestellten Forderungen hebe ich nichts hinzu- zufügen. Ich habe onch bereits de? ungarischen Regierung mit- geteilt, daü dieser Boykott nicht enm aus die ungarische Politik im weiten. Sinne Einfluß ausüben, sondern lediglich dem weißen Terror ein Ende mache» soll, damit die Arbcitcrbcwcgung in Ungarn sich in derselben Weise entwickeln kann, wir i» anderen Ländern. Unsere bürgerliche Regierung. Ter Reichspräsident hat also gestern die Ernennung der neuen Regierung entsprechend den Vorschlägen des Reichs- kanzlers Fehrenbach vollzogen, nnd Deutschland steht zuin erstenmal wieder seit der Herbstkatastrophe von 1318 unter einer rein bürgerlichen Regierung. Jeder direkte Einfluß der Arbeiterklasse und des Sozialismus auf die Regierungshand- lungen ist ausgeschaltet, die wichtigsten Wirtschaftsämter sind Mit Vertretern des hochkapitalistischen Systems volks Partei- licher Prägung besetzt. Nack dem Versagen der Unabhängigen bei der Regier, ings- bildiing bleibt auch der Sozialdemokratie nur noch übrig, die erfolgten Ministerernennungen vorläufig als vollendete"Tat- fachen anzusehen. Am Ende der Programmdebatte, die am nächsten Montag beginnt, wird es sich darum handeln, eine purlontentarische Form zu finden, ihn auszudrücken, daß es im Reichstag keine Mehrheit gibt, die das»ciie Kabinett sofort wieder durch ein Mitztrauensvotunt zu'stürzen lmibsichtigt. Warum? Weil in den leeren Raum, der durch den Regie- rungssturz entstehen würde, angenbli-llich nichts Bessere? ge- stellt werden kann— und genau eine Woche nach der Vor- stellung der neuen Regierung beginnen die V c r h n n d tun- gen in Spa! Wenige werden im November 1918 die Möglichkeit einer solchen Entwicklung vorausgesehen haben. Sie bedeutet im Vormarsch der Arbeiterklasse zweifellos einen schweren Rückschlag, der durch ihre Zersplitterung hervorgerufen ist. Es ist schwer zu fassen, daß nocki immer viele Arbeiter in Deutschland ibr Vertrauen Leuten schenken, die, wie die Tat- fachen jetzt beweisen, nur die Totengräber der deutschen Ar- beiterinarbt sind. Indes die Geschichte kennt, am wenigsten in so Kirmssche» Zeiten wie diesen, kein Beharren, und die Hoffnung ist er- lgubft daß der gegenwärtige Stand der Tinge n u r eine Episode bleiben wird, wenn nur die Arbeiterklasse aus ihm etwas gelernt bat..Hat sie aus ihm nichts geleimt, gibt es noch immer einen einflußreichen Teil in ihr. der auf den alten iibelerprobten setbstinordmethoden bestebt, dann ist die Z e r- störung der ganzen Bewegung für alle absehbar? Zeit ge- wiß. Dieser Gefahr ins Auge zu sehen, ist das ernste siiebot des Augenblicks. Wie sicher sich die Reaktion ihrer Sache fühlt, Uviß jeder, der ibre Presse zu verfolgen Gelegenheit hat. Ans ihren Spalten klingt-m man kann es nickst anders nennen gerade- zu ein brünstiges Sehnen nach einer gewaltsamen Erhebung von links. Ihre Niederschlagung wird als ein gewisses Er- eiguis vorausgesehen, und dann hofft man den Zeitpunkt gekommen, in dem man Deutschland nach HorthyMetboden zu regieren gedenkt. Darum wird aus jeder Giftblüte, kommunistischer Per- wirrimg gierig Honig gesogen, werden die harmlosesten Vor- kommnisse aufgebauscht und entstellt. Daraus entsteht dann folgendes Bild: Teutschland steht am Vorabend einer neuen gewaltsamen Erhebung, in deren Vorbereitung?o.zialde:no- kraten. Unabhängige und Koininumsteu einig sind. An allen Ecken und Enden werden Verschwörungen aufgedeckt, überall schießen„Rote Armeen" wie Pilze aus der Erde--- so soll der großen Mehrheit des Volkes, die eine ruhige Entwicklung ersehnt, himmelangst gemacht, sollen alle Repressalien als „Vorsichtsmaßregeln" im voraus gerechtfertigt wer- den, wenn sie auch, wie sie sollen als Hvrausfprdrrungen wir- fcn. die schließlich zu«xm erwünschten Ergebnis führen. Unter diesen Umständen ist es ustwendict, mit schärfster Energie die niederträchtige Lüge zurückzuweisen, dgtz sich die Sozialdemmratio an einem Versuch zum gewaltstimen Umsturz der von ihr selbst mitgeschaffenen republikanisch benis- kratischen Verfassung zu beteiligni gedenke. Er muß ausgesprochen werden, daß die angebliche Erhebung nur in der Phantasie derer besteht, die sie haben wollen, um sie niederschlagen zu können, und außerdem noch in den Hirnen einiger geistig anormaler Individuen und Lockspitzel. Die Sozialdemokratie, die der Regierung eine gewisse Schonzeit zu bewilligen genötigt ist, wird wahrscheinlich bald mit ihr, namentlich mit ihrem rechten Flügel im Kampfe stehen. Tann wird es gelten, den verlorenen Einfluß wieder zu gewinnen versuchen— was freilich nur möglich fein wird, wenn die Unabhängigen ihre Politik des Zwifchen-zwei-Stühle-Sitzens aufgeben und sich der parla- mentarisch-dcmokratischen Methoden der Mcichtgewinnim e u t i ch l a n d kann nicht gesunden ohne eine gesunde Ar- bette rdewegung. Khwe Zerfchkagimg kann nur das Ziel von/„Patri»ten" sein, die nur oara» denken, über Trum- mern zu herrschen. Wer dieien„Patrioten" ihr Handverk erleichtert durch Herausforderung hier, durch geivissenlofe Hetze dort, der nimmt eine Verantwortung auf sich, die kein Mensch zu tragen imstande ist. ES gibt für die Arbeiterklasse und den Soz-alisnnis nur einen Weg zur Macht, und der geht durch den Volks- willen. Ihn nach nnsem Zielen hinzulenken, muß unser heißestes Bemühen fein. Ter Versuch einer Minberljert, durch Ueberrumpelung ihre Herrschaft ü b e r das arbeitende Volk aufzurichten, ist von vornherein zum Scheitern verikt- teilt und muß schließlich zum Siege fener führen, die in der Kunst, das Volk durch Äewalt zu beherrschen, eine viel besser- Uebung haben, als alle Eewaltvolitki� von unten. Tie Sozialdemokratische Partei wird, außerhalb der Re- gierung stehend, erst recht ihren alten Grund jähen treu bleiben. Jeder, der es nnternimmt, die Tomokratie an- zutasten, sei es von rechts oder von links, wird sie als seinen entschlossenen Gegner finden. * Ta die Liste der bis gestern mittag ernannten Mi- nister nur in einem Teil unserer gestrigen Ausgabe enthalten war, sei sie an dieser Stelle noch einmal wiedergegeben: Reichsjuskizminister(betraut mit der Vertretung des Reichskanzlers): Tr. H e i n z e, Neichsminister des Auswärtigen: Simon:. ReichSminifter dcS Innern: Koch, Reichssinanzminister: W i r t h, ReichSernährungsminlster: Hermes, Neichsuostmitiistkr: G i e s b e r t s, Reichsverkehrsminister: G r o e n e r, Reichswehrminister: G e ß l e r, ReichSwirtschaftsmiiiister: Scholz, Reichsschatzminisi'r: v. R a u m e r. Tie Besetzung de' W i e d e r a u f b a u m i n i st e- r i u m§ ist noch vorbehalten. Tie Verhandlungen über die Besetzung des Reichs- arbeitSmini st eriu ms werden in Bälde abgeschlossen sein. Tr. Braun vo-m Zentrum ist. wie schon gemeldet. dafür in Aussicht genommen. Für den Wiedei-aufbau soll K e m p k c S(Deutsche Volkspartei) in Aussicht genommen sein. Das Kabinett wird sich am Montag. 11 Uhr vormittags dem Reichstag vorstellen. Nach einer Pause beginnt dann die Aussprache der Parteien, sür die die Sozialdemokratische Reichstagsfrakticn die Genossen Scheidemann und Hermann Müller bestimmt hat. Leöebours SdbftporLrät. Stolz auf den Jannarputfch. Das Bureau des Reichstags bereitet ein Reichstagsband- buch vor, da§ biographische Mitteilungen über die Abgeord- neten enthält und mit deren Photographien geschmückt ist. Tie Biographien sind von den Abgeordneten selbst verfaßt. Tn liest man unter L e d e bo u r, Georg, das Folgende: -Sprach sich bereits während der.IlriegSzclt für die Beseitigung der monarchischen Einrichtungen und für die sozialistische Revo- lution ous und wirkte demgemäß mit der erfolgreichen Erhebung am S. November 1918. Lehnte den Eintritt in das re- Deutsthe �ufbauj« unterste Klasse eintreten können. 2. Nur eine fremde Sprache ist obligata- lisch. Hierzu haben Sie solgcndcu Erwägungen geführt: Unter den Volksschüleru gibt eS viele, die keine böhere Schule besucht haben, weil ihre Eltern nicht die Mittel dazu besaßen. Soll man aber einem 13- bi? 14jährigen Schüler, welcher reich begabt ist, deSpwgen eine'einen Anlagen entsvrechende Bildung versagen, weil etwa lein Vater im Wellkrieg gefallen ist und die Mutter in dürftiaen VermögenSverhältnissen zurückgelossen hat? Oft zeiot sich auch die Begabung eines KindeS verhältnismäßig spät, nicht schon mit 8»der 9. sondern erst mit 13 oder 14 Jahren. Sollen n- n lasche Kinder nicht Elelegenbeit zu einer ihrer Begabung entsprechenden Bildung erhalten? Ta? wäre eine Ungerechtigkeit. ES wäre auch im Interesse der ktzelemt- beit zu bedauern, da wir alle im Volke schlummernden Geisteskräfte ausbilden müssen, um uns wieder emporzuarheiten. Nun wird in Berlin das Köllnifche Gymnasium in eine solche Aufbmtschnle umgebaut. Sie soll sich» Jahrgänge umfassen und hat einen simeig aymnasialer und einen realgvmnasialer Richtung. Außerdem sollen begabte Vo!k«schüler auf der Kämpf- Realschule in drei Jahren das-Lehrziel der Realschule er. reichen können. Die Gründung dieser Schulen ist mrt Freuden zu begrüßen. publikanifche Kabinett der B o l k s b e a u f t rag t e n ab, da d es s e n v a r i t ä t i s ch e Zusammensetzung sei- ner Ausfassung noch in allenentscheidenden Fra. gen zu fruchtlosen Beschlüssen führen mußte. Beteiligt an der Erhebung im Januar 1919 zur Durchführung des Sozialismus. Des ist doch der echte Ledebourl Eitle Selbstbespiege- lung und spitzzüngig« HerauSfoi-derung der eigenen Partei- genossen l Triumph, daß er nach seiner eigenen Meinung gegen Haase und Tittmann recht behalten hat! Stolz au' eine Tat, die Hilferding die Marneschlacht der Revo- lution nannte, von der Emil Barth sagte, sie bedeute die Geburt des neuen Militarismus, und Richard Müller, sie sei ein Streich politischer Narren gewesen, von der selbst die..Rote Fahne" neulich zugab, bei ihrer Vvrberei- tnng hätten Lockspitzel eine entscheidende Nolle gespielt! Dieser Ledebour ist Redner der unabhängigen Fraktion in der Programmdebatte am nächsten Montag! Sanmbach contra(i�vussiil. Die Begründung deS Urteils ist ein sehr umfangreiches Schriftstück von mehr als 299 Schreib- maschinrnseiten. Sie wird jetzt in tendenziösem Autzug durch eine Berliner Äorrcspokidenz verbreitet, die sich schon durch systeinatische Verbreitung der Skandal Nachrichten über Sklarz-ParvuS-Tch�idemann usw. im Geiste Helfserichs einen Namen gemacht hat. Jetzt erfahren wir durch diese Karra- spoildenz, waS Baumbach und seine Richlerkollegen Über Erzberger Uebles denken. WaS sie etwa Günstiges gesagt haben, wird nicht mitgeteilt. Danach beurteile man den Auszug au« dem Urte l. Ter Hauptieil umfaßt die Würdigung dcS Wahrheitsbeweises. Zu der dem Reichsminister Erzberger zum Vorwurf gemachten „unsauberen Vermischung politischer Tätigkeit und privater Geld- mtmssen" stellt daS Urteil fest, daß der Wahrheitsbeweis in einer Reibe von Fällen erbracht worden sei. nämlich) in je zwei Fällen. die sich auf Erzberger» Verhältnis zu Thyssen beziehen, zur Berger Tiefbau-Aktiengesellschaft und im Fall Anhydatleder sowie im Fall« der Spekulation in Aktien der Hamburg-Amerika-Linie. Im An- schluß daran sagt da» Urteil: „Diese Fäll« rechtfertigen auch die Bezeichnung als„politisch- parlamentarischer Geschäftemacher", denn sie sind nichsi Einz.-l- vorgänge, sondern Erscheinungsformen deS sich gleich bleibenden Charakters. Ebenso wird der mit Boziiig auf dies« Geschäfts- Politik gebrauchte Begriif der„politisch-parlamentariseben Korruption" durch sie ausgefüllt, da eine Verquickung von Handlungen alk Parlamentarier mit eigenen Geldintercssen den bei Ausübung der Abgeordnetentätigkcit zu beachtenden sittlichen Erfor- dernissen widerstrebt.' Ueber die Erzberger �ur Last gelegte U nwahrhastigkeit sagt daS Urteil: „Die Beweisaufnahme hat in einer Reih« von Fallen b e. wußte Unwahrheit dcS Nebenklägers(Erzberger) ergeben. Auch in ihnen erblickt daS Gericht nicht Einzelfälle, son- dern den Einfluß einer inneren Unwohrhaftigkeit, ein« Beurteilung, die durch die mehrfachen inkorrekten Aussagen im jetzigen Perfabrcn weiter unterstützt wird. Die Unwahrheiten sind zu den verschiedensten Zeiten und in den verschiedensten Situationen, bei Zeugenaussagen, bei parlamentarischer Tätig. keit, bei politischen Gesprächen, im Pressekampf ausgesprochen worden. Sie lassen erkennen, daß c» dein Nebenkläger, wenn er etwas erreichen wollte oder e? ihm sonst zweckdienlich erschien, auch nicht darauf ankam, von der Wahrheit abzuweichen. Wie sich bei der Prüfung des Vorwurfes der GeschästSpoliti? eine Un- genauigkcit in geschäftlichen Dingen und auch aus mannigfachen Vorfällen seine ungenaue Auffassung von Rechten und Pflichten ergab, so zeigen diese Fälle eine Ungenauigkeit in Fragen der Wahrheit. Es muß daher der Nachweis eines Hanges zur Unwahrheit und damit der Beweis der Wahrheit der vom Angeklagten behcrupteten Totsache als erbracht angeschen tverdcn." Aber hei näherer Betrachtung muß ein Bedenken geltend gemacht werden. Die Schüler sollen das ganze fremdsprachliche Wissen, daS sich die Schüler der höheren Schulen in neun Jahren aneignen, in secbs Jahren erwerben. Gewiß sollen sich die VolkSschüler, die mit 13, 14 Jahren in eine solche Schule eintreten, in den sechs Jahren Kenntnisse aneignen, die denen der Abiturienten der höhe- rcn Schulen gleichwertig sind. Aber da« Wissen braucht kein gleichartige» zu sein. ES genügt, daß eine fremde Sprache obligatorisch ist und daß die sprachlich begabten Schüler Gelegenheit zur Aneianung einer zweiten fremden Sprach« haben, wie dies für die Ausbauschule in d?n ministeriellen Richtlinien vorgesehen ist. Die durch Beschränkung de? fremdsprachlichen Unterrichts freig-uvordene Zeit wird auf eingehendere Beschäftigung mit dem Deutschen, der Geschichte, der Erdkunde und den Natur- Wissenschaften verwandt. Auch ili der zukünftigen Einheitsschule sind solch« Auf- bauschuleii vorgesehen. Es sollen dann alle bis zum 13. oder 14. Lebensjahre dieselbe Schule und nur die geistig besonders Ver- anlagien eine selche Aufbauschule besuchen. Solange wir aber noch nicht die Einheitsschule und daher auch nicht einen einheitlichen Lehrerstand haben, sind solche Schulen besonders für die Vorbildung der Volksschullehrer geeignet. Diese können dort gemeinschaftlich mit anderen Schülern eine allgemeine Bildung etwerhcn. bevor sie die Hoch- stbule oder eine pädagogische Akademie besuchen. Au? diesem Grunde ist man auch auf der Reichsschulkonferenz für solche deutsche Ober'ckulen eingetreten. Da nur bestehende höhere Schulen In Aufbauschule» verwandelt werden sollen, bestehen die Unkosten im wesentlichen in den ErziehungSbcSbiffen, die den unbemittelten Eltern gewährt werden. i.' Vorm Schwurgericht. Die gedrungene Kürze ist ein Kennzeichen der neuen dramanschen Form. Bis zu welchem Gipfel diese Be- schränk,-ng des Dialog? auf bloße Ausrufe peiübrt werden kann. möge eine Szene a»? HaieneleverS Drama„Die Menschen" zeipen. ES ist eine SchwiirgcnchtS'zene dargestellt. lDer Angeklagte hat den üovf ei ii-S Ermordeten in einem Sack mit sich geführt). Präsident lbölt den Sack in der Hand): Der Kopf ist Zeuoe. Gerichtshof snicktl. Präsident: Angeklagter I Alcrander(sieht a»i>. Präsident: Sind Sie schuldig. Ruf: Mörder! Agathe: Nein! V.'äsident: Ruhe! Der alte Kellner«bebt die Finger): Ich schwöre! Präsident:„So wahr mir Gott helfe!" Der alte Kellner: Amen. Präsident: Der Staatsanwalt! Staatsanwalt(erhebt sich): Hohes Gericht— Geschworene ssebeu auf). �taattanwalt: Ein Mensch ist ermordet. Acerander(siebt ihn an«. Staatsanwalt: Auge um Auge. PMikmn(beugt sich vor). Von besonderer Bedeutung ist, daß das Urteil den Nachweis auch dafür als erbracht cmsieh:, daß Erzberger bei seinen unter E i d gemachten Zeugenaussagen mehrfach die Unwahrheit gesagt habe. Im Falle Berger-Tiefbcru heißt-S in der Begründung: „D Nationaloew'ammlung den Dank des ganzen Haufts ausgesprochen bat. Unser allverehrter Präsident Fehren dach hat sich ent- schlössen, eine schwerere Bürde im Dienste deS deutschen Volkes � zu ubernehmen(Sehr richtig! im Zentrum) und deshalb muß ich Die bitten, mir Zeit zu gewähren, eine ähnliche Uebung, wenn auch nicht die gleiche Meisterschaft in der Führung der Geschäfte mir zu erwerben. Ohne Ansehen der Partei und ohne Ansehen der Person seines Amtes zu walten, ist des Präsidenten selbswerständ- liche Pflichl. Wenn die Ausführung nicht immer an den guten Willen heranreicht, dann werde ich auch für Rat und Kritik Ihnen dankbar sein.(Bravo? bei den. Soz.) Mit diesen Bitten trete ich mein Amt an und danke zunächst dem Alterspräsidenten, Herrn Abg. Ricke für seine bisherige Mühewaltung.(Lebhafter Beifall.) Es folgt die Wahl des ersten der drei Vizepräsidenten durch Stimmzettel mit Namensausruf. Von den abgegebenen 397 Siim- men erhält der Abg. Dittmann(U. Soz.) 236; 1ö6 Zettel sind weiß, die übrigen zersplittert, davon fallen auf die Abgg. Levi (K. P. D.), Erzberger(Zenit.) und Stinnes lD Vp.) je eine. Abg. Lcdebour(U. Soz.) stellt zur Geschäftsordnung fest, daß die Parteien, wie die große Anzahl der weißen Stimmzettel be- weist, die abgeschlossenen Vereinbarungen nicht innegehalten haben. Die Unabhängigen sähen sich deshalb.'benfalls nicht mehr an die Vereinbarung gebunden. Abg. Schultz-Bromberg(Dnat.) widerspricht dem Vorhanden- sein bcscrnderer Abmachungen. Nachdem Abg. Geyer(U. Soz.) die Ausführungen Ledebours bekräftigt hatte, folgte die Wahl des zweiten Vizepräsidenten. Von 367 abgegebenen Stimmen waren acht Zettel weiß, 856 fielen auf Abg. Dr. Bell(Zentr.). drei sind zersplittert. �Zuin �dritten Vizepräsidenten wird mit 266 von 384 abgc- gebcnon Stimmen geivählt der Abg. Dietrich-Prenzlau(Dnat.), weiße Zettel wurden 83 abgegeben, die übrigen waren zersplittert, davon erhielten die Abgg. v Gräfe und Helsferich(Dnat.), Zieh (U. Soz.) und Zetkin(K. P� D.) je eine Stimme. Der Antrag Kahl(D. Vp.), die Wabl der Schriftführer durch Zuruf vorzunehmen, scheitert am Einspruch des Abg. L e d e. baut(U. Soz.)! Die Wahlen müssen als Einzelwahlen vorgenommen werden. Wegen der langdauernden Zählung wird das Ergebnis erst in der nächsten Sitzung bekanntgegeben. Abg. Ledebonr(IX. Soz.) begründet einen Antrag auf Haft- entlassung des zu zwei Jahren Festung verurteilten Königsberger „Freiheit"-Redakteur?, Abg. Mittwoch. Der Antrag wird auf Vor» schlag Müller- Franken(Soz.) dem zu bildenden Geschäfts- ordnungsausschuß überwiesen. Montag, 28. Juni, 11 Uhr: Entgegennahme der Regie- rungserklärung; Interpellationen, darunter Interpellation Lede- bour und Genossen über die Thal er Affäre und Aufhebung der Militärgerichtsbarkeit; erste Beratung des Not-Etats, Initiativ- antrag über Gewährung einer Entschädigung an die Reichstags- abgeordneten. Schluß 7 Uhr. » Das Rcichstagsprogrctmm. Der Aeltestenrat des Reichstags stielt unter dem Vorsitz des Zlstg. Dr. Spahn Aussprache über die Geschäftslage und Behandlung des Beratungsstoffes. Nach Mitteilungen eines Reg ierungsvert reters will der Reichskanzler am kom- menden Montag um 11 Uhr das neue Kabinett vorstellen und eine programmatische Erklärung abgeben. Am Nachmittag des- selben Tages lvird dann in einer erneut anberaumten Sitzung Gelegenheit zur Aussprache und Stellungnahme gegeben. Wegen de? katholischen Miertags am Dienstag sollen die Verhand- lungen erst Mittwoch weitergeführt werden. Da nun endgültig feststeht, daß am 6. Juli die Verhandlungen in Spa beginnen, sollen die Verhandlungen de? Reichstags bis dahin a b g e- schlössen werden. Als dringlich kommt in Betracht die Erledi- gung des Not- und NachtragZetais. Schließlich einigte sich der Aeltestenrat dahin, daß die neu beginnende Legislatur- Periode des Reichstags nicht den ftüheren Perioden nach- nummeriert, sondern im Hinblick auf die völlig veränderte Rechts. läge und auf die neue Verfassung als 1. Legislaturperiode bezeich- net wird; die jetzige kurze Tagung soll der für den Herbst vor- gesehenen ersten Sesswn zugezähli werden. In der weiteren ge» schaftlichcn Aussprache wurde noch die Frage erörtert, wie Plätze iür 22 Abgeordnete im Sitzungssaal neu geschaffen werden können. Die Lösung der Frage steht noch aus. GroßSerün fim Stienitzsee. Eine SonntagSwnnderung. Von den Fenrbcihnhofen der Stadtbahn fahren wir mit dem Vorortzug nach Strausberg, i'iberschreitsn ösilich des Bahn- Hofs die Babn und wandern auf der Chaussee gen Süd. Durch ein liebliches Waldtal, das vom Bäckcrfließ durchflössen wird, führt unser Weg. Buchen und Erlen, Birken und Ebereschen sowie Kaselgebiisch besäumen das Fließ. Die Talhänge sind mit hochstämmigem Kiefernwald bedeckt, der viele Wacholder- büsche aufweist. Auf den: Westufer des Fließes' wandern wir durch den kühlfestchtcn Wald, überschreiten die Chaussee und halten uns auf demselben Ufer weiterhin in der Nähe des Fließes. Wir kommen in ein wildes Erlenbruch, wie wir es in gleicher Wildheit und Schönheit im norddeutschen Tiefland selten an- treffen. Ter Vfüd bringt uns an das Nordufer des Stienitzsecs. Ein prächtiger Erleichruchwald bedeckt hier ebenfalls die Uferniederung, während die Höhe, auf der wir wandern. Kiefernhochwald trägt. Zu Beginn kommen wir durch eine Eichenwaldzone. Ter Weg führt wieder hinab zum Sceuser und am Rande des Erlenbruchwalds weiter. Rechts liegt eine alte Kiesgrube, die des"Sonntags von vielen Wanderlustigen zimi Lagerplatz gewählt wird. Ter Seestrand gibt einen recht geeigneten Badeplatz, und so spielt sich denn hier an schönen Sommersonntagen ein reges Frcibadleben und-trechen ab. Aus den Uferhängen treten vielfach Quellen zutage, deren i Wasser in kurzem Lauf dem nahen See zueilen. Der rochraune ' Ueberzug der vielfach in den Rinnsalen liegenden Gerölle und Holzstücke verrät uns, daß das Wasser stark eisenhaltig ist. Das Eisen schlägt sich überall als rotbraune Kruste nieder. Von dem Quellenreichtum dieser Gegend zeugt auch der Rüders- dorfer Sprudel, der im Süden des Stienitzsees entspringt. Er wird aufgefangen, auf Flaschen gezogen und als wohlbekanntes Taselgetränk weithin versandt. Der Stiemtzsee liegt in einer Talsenke, die sich gen Nord durch das Tal des Bäckerfließes bis nach Strausberg hinzieht. Durch die Rüdersdorfer Gewässer, den Kalksce und den Flakcn- see, steht die Senke mit dem Sprcetal, dem alten Warschau- Berliner Urstromtal, in Verbindung. Der gesamte Talzug bildet eine Schmelzwasserrinne des Inlandeises, die tief in die Hochfläche des Barnim eingeschnitten ist. Vom Südufer des Stienitzsees führt der Weg durch den von Wirken lieblich eingefaßten Wald nach Tasdorf. In süd- lichet Richtung durchwandern wir diesen Ort und kommen bald zum Bahnhof Rüdersdorf. Von hier treten wir die Heimfahrt über Fredersdorf nach Berlin an. du * Eine geologisch-botanische Wanderung, veranstaltet von der Ar« Leiter«Hochickule, findet am Sonntag an der Seenrinne statt. Leitung Dr. R. Potoniö. Tresipunkt Bahnhof Grunewald, 3 Uhr. Tie„positive" Mitarbeit der U. S. P. In der letzten Berliner Sdwdtvevordnetensitzunq gaben die N n» abhängigen wieder einmal einen Beweis für den großen Ernst und den Eifer, mit dem sie sich ihrer Pflichten der Allgemeinheit gegenüber entledigen. In später Abendstunde kam die Magistrats- Vorlage über die Erhöhung des Gaspreises auf 1,25 M. pro Kubikmeter zur Beratung. Während der Rede unseres Gc- nassen Koblenzer verließen die Unabhängigen, einer nach dem anderen, den Saal. Diese Flucht dauerte so lange, wie der unabhängige Vorstshsr durch Nicken mit dem Kopf das Zeichen dafür gab. Nach der Rede unseres Genossen sollte dann zur Abstimmung geschritten werden. Sofort sprang die im Saal zurückgebliebene„Feuerwache" der Unabhängigen auf und � bezweifelte die Beschlußfähigkeit des Hauses, die sich dann auch � ergab. Sofort schloß Herr Wey! die Sitzung, und nun kehrten auch die geflüchteten unabhängigen Stadtväter schmunzelnd an die Stätten ihrer Tätigkeit zurück, denn sie hatten in der Eile der Flucht ihre großen Mappen vergessen. Das ist positive Mitarbeit der Unabhängigen an der Arbeit für die Allgemeinheit. In Wahlzeiten brüsten sie sich'damit und bezeichnen sich als die einzige Partei, die imstande ist, den Wiederaufbau zu vollenden. Nachher aber haben sie das alles wieder vergessen und treiben dann, wenn es heißt, die nicht zuletzt durch die von ihnen unterstützten Forderungen entstandenen Mehr- kosten zu'decken, Obstruktion. Zur nächsten Sitzung wird man dann die Straße wieder mobit machen, die Tribünen füllen und den Per- such unternehmen, durch deren„Mitwirkung" die Vorlage zu Fall zu bringen, zum mindesten aber wieder eines jener bekannten un- abhängigen Spektakel stücke aufzusuchren. Aus der Holzhauskolonie. Die Mieter der durch den Wohnungsverband Groß-Bevlin auf dem ehemaligen Exerzierplatz an der Schönhauser ?l l l c e errichteten Gruppe von Holzhäusern klagen über allerle» U e b e l st ä n d e. lieber eine Versammlung der Mieter, in der die Klagen vorgebracht wurden, geht uns ein Bericht zu. Wir entnehmen ihm folgendes: Die 37 Häuser für 74 Familien- sind seit März d. I. bewohnt. Die Mieter haben zwar alle Gas in ihren Wohnungen, aber das ganze Gelände ist in Dunkel gehüllt. Hydranten sind nicht in der Nähe, den nächsten Feuermelder kann man frühestens in 5 Mi- 65) Segen öe? Cröe. Roman von Knut Hamsun. After Eleseus kümnierte sich den Henker um sie, sie war reckst fleckig im Gesicht geworden, und ihr Zustand war jetzt sogar seinen Kinderaugen aufgegangen.—„Willst du nicht ein wenig Gitarre spielen?" fragte er.—„Nein," erwiderte sie kurz angebunden.„Was ich sogen wollte, Sivert, kan-nst du nickst kommen und Axel ein paar Tage beim Aufrichten des neuen Hauses helfen? Wie wär's, wenn du gleich nwr- gen dabliebst, wenn du vom Dorf zurückkommst?"— Sivert überlegte:„Ja/aber ich Hab keinen Arbeitsanzug da," sagte er.— ,lIch will heut abend hinlaufen und döine Werktags- kreider holen, daß du sie hast, wenn du zurückkommst."— „Na ja," sag!« Tivirt,„ich will mir'S überlegen."— Barbro wurft«»nnotig eifrig. D* mußt$S aber gern tun! Der Gonrmer vergebt, und daS Wo-hnhauS sollte noch vor den Herbsttagen ausgerichtet und gedeckt sein. Axel hat dich schon oft darum bitten wollen, aber er kommt immer nickst dazu. Nein, du mußt unS diese.Handreichung gern tun." '—„Wenn ich etwas helfen kann, dann tu ich es auch gern." erwiderte Sivert. Das war alio abgemacht. Aber nun ist Eleseus wirklich berechtigt, sich beleidigt zu fühlen. Er sieht ja ein, daß es von Barbro recht klug ist, wenn sie um ihrer selbst und um Axels willen darauf aus ist, Hilfe für den Hausbau zu bekommen; aber sie tut das zu offenkundig. Sie ist noch nicht die.Hausfrau auf dem Hos, und es ist noch keine Ewigkeit her, seit er selbst sie ge- küßt hat, dieses Frauenzimmer! Hatte sie denn gar keine Scham im Leibe?—„Doch," sagt er darum plötzlich,„ich werde wiederkommen und bei dir Gevatler sieben."— Barbro warf ihm einen bösen Bl'ck zu und sagte ärgerlich: „Gevatter? Und du willst von Jnsinn sprechen! Außerdem werde ich dir Nachricht schicken, wenn ich einmal einen Gevatter brauche."— Was konnte Eleseus anderes tun, als verlegen lächeln und sich weit weg wünschen!—„Besten «frank für den Kossee," sagte Sivert.— ,Ha. Dark für den Kaffee," sagte aueb Eleseus, aber er stand nicht aus' und per- beugte sich auch nicht, nein, zum Henker; sie schwoll ja oo. Gift und Galle!.!. „Laß doch einmal sehen," sagte Barbro.„Ja, die Kontorherren, bei denen ich war, die hatten auch silberne Schild» chen in den Röcken, noch viel größere," sagte sie.„Nun, also du kommst zurück und bleibst hier über Nacht, Sivert? Ich hole deine Kleider." Das Ivar der Abschied. Die Brüder gingen weiter, von Eleseus wegen konnte Barbro der Kuckuck holen, und der hatte noch außerdem zwei- große Banknoten in der Brusttaschel Die Brüder hüteten sich wohl, auf irgendeinen rührenden Gesprächston zu kom- � men, auf des Vaters sonderbaren Abschied und der Mutter ' Tränen, sie machten einen Umweg um Breidablick heruin. ! um dort nicht angehalten zu werden, nnd führten scherzhafte � Reden über diesen Streich. Als sie so weit hinuntergekom- rnnen waren, daß sie das Dorf sehen konnten, wo Sivert um- drehen sollte, übermannte eS sie beide doch ein wenig. Sivert sagte;„Es kann wohl sein, daß eS jetzt ohne dich«in wenig einförmig wird."— Da fing Eleseu« an zu pfeifen und seine Tckrnbe zu untersuchen, und er sah, daß er einen Spreißel im Finger hatte, und sucht« in seinen Taschen—„nach Papieren", sagte er—, oh, wie schlau! Aber es wäre dennoch schlimm gegangen, wenn nicht Sivert sie beide gerettet hätte- „Den Letzten!" rief er, gab dem Bruder»inen Schlag auf den Rücken und lief davon. Das half, sie riefen einander noch einige Abschiedsworte zu, und dann zog jeder seines Weges.. Schicksal oder Glückszusall! Eleseus kehrte trotz allem | in die Stadt zurück aus einrn Posten, den er nicht mehr hatte aber durch dieselbe besondere Fügung bekam Axel Ström einen Arbeiter. Am 21. August fingen sie an das Blockhaus aufzurichten, und zehn Tage später war es unter Dach. Ach es war kein großartiges Wohnhaus und nur ein paar Bal- kenlagen hoch aber es war doch ein Blockhaus und keine Erdhütte, und das Vieh konnte nun in dem Raum, der seit- her menschliche Wohnung gewesen war, einen herrlichen Wintorstall bekommen. 2. Am dritten September verschwand Barbro. das heißt. ganz verschwand sie nicht, sie war mrr bei den Gebäuden nirgend? zu finden. Axel schreinerte so gut er konnte, er war dabei, ein Fenster und eine Tür in dep Neubau cinzüsetzen und war jsebr in seine Arbeit vertieft. Als aber die Mittagszeit vor- bei war und man ihn noch immer nicht hereinrief, ging er ! iin die Gamme. Niemand war da. Er suchte sich selbst etwas Essen zusammen und schaute sich um, während er aß; Bvrbros Kleider hingen alle da, sie konnte also nur draußen irgendwo sein. ,Er ging wieder an seine Arbeft im Neubau und schaffte dort eine Weile, dann schaute er wieder in die Gamme— noch immer niemand da. Sie mußte irgendwo liegengeblieben sein. „Barbro!" ruft er. Nichts. Er sucht in der Umgebung der Häuser, geht hinüber zu einigen Gebüschen bei den Fel- dern, er sucht lange, vielleicht eine Stunde, er ruft— nichts! Endlich findet er sie weit entfernt; sie liegr auf der Erde hinter Gebüsch versteckt, der Bach läuft an iyren Füßen vor- bei, sie ist barhäuptig und barfuß, und sie ist bis in dm Rücken hinaus tropfnaß. „Hier liegst du?" sagt er.„Warum hast du keine Ant- wort gegeben?"— ,�jch konnte nicht," flüsterte sie und war stockheiser.—„WaS— hast du denn im Wasser gelegen?" —„Ja, ich bin ausgeglitten. Oh!"— ,Jst dir schlecht?" —„Ja. ES ist vorbei."—„Ist es vorbei?" fragt er.— ,Ja. Jetzt mußt du mir helfen, daß ich nach-Hause komme." —„Wo ist—?"—„Was?"—„Wo ist das Kind?"—„Eck war tot."—„War es tot?"— jJa." Axel rührt sich nicht, er bleibt stehen. ,LLo ist es?" fragt er. „Das brauchst du nicht zu wissen," erwidert sie.„Hilf mir nach Hause. Es war tot. Fch kann selbst gehen, wenn du mich nur ein wenig unter dem Arme faßt." Arel trägt sie noch Haus und setzt sie auf einen Stuhl, das Wasser läuft an ihr herab..Ist es tot gewesen?" fragi er.—„Du hörst es ja," erwidert sie.—„Wo hast du es?" —„Du willst es wohl ausschnüffeln? Hast du etwas zu essen gefunden, während ich fort war?"—„Was wolltest du denn dort am Bach?"—„Was ich am Bach wollte? Ich wollte Wacholder holen."—„Wacholder?"—„Für die Milcheimer."—„Dort wächst doch kein Wacholder." sagt er.— „So geh' doch an deine Arbeit!" ruft er heiser und unge» duldig.„Was ich am Bach wollte? Ich wollte mir Besen- reis holen. Ob du gegessen hast? frag' ich."—„Gegessen?" wiederHoll er..�Jst eS dir sehr schlecht?—„Ach nein!"— .Ich will den Doktor holen."—„DaS versuche einmal!" erwidert sie. Damit steht sie auf und fänat an, sich trockene Kleider zum Umziehen herbeizuholen.„Weißt du sonst gar nicht, wie du dem Geld wegwerfen sollst?" lForts. folgt.) Die Ermordung de T'-Leute.— Nuffenrubel.- (Fortsetzung aus dem Abendblatt.) Angekr Hoppe gibt weiter an: Auf der Straße traf ich Äeosta. Erst jetzt wurde mir Ilar, daß man mich betrogen hatte, ich halte bis dahin geglaubt, daß es sich lediglich um eine Kon« ferenz handeln sollte. Vors.: Daß die Gesellschaft Mord absichten halte, wußten Sie, und nur um den Namen Ihres Freundes nichl preisgeben zu müssen, ließen Sie den Mord geschehen? A n a e k l.: Jawohl. Vors.: Sie hätten zu diesem geilpunkr den Mord doch noch verhindern können, indem Sie die Polizei benachrichtigten. Das hoben Sie nicht gclan? Angekl.: Nein!— Der Angeklagte erzählt dann weiter: Ich irrte auf der Straße herum und langte erst nach einer Stunde wieder in der Großbeerenstraße an. ES kamen gerade zwei Männer herunter und sahen, mit den: Be« merken, die Leiche sei schon auf der Treppe, nach, ob die Straße frei war. Gleich darauf kam semand mit der in ein» Decke eingepackten Leiche die Treppe hinunter und legte sie in dem Haus» flur nieder. Auf der Straße kam„Schröder", ein großer kräftiger Mensch, hinzu und nahm die Leiche aus die Schulter. Wir gingen dann bis zum Kanal. Schröder schmiß die Leiche über das Gitter auf die Rasenböschung, wo sie zuerst liegen blieb. Ich regte an die schöne Wolldecke nicht mit ins Wasser zu werfen, aber da gab schon einer der Leiche einen Schubs so daß sie ins Wasser rollte. Vors.: Angeklagter! Es handelt sich um einen Mord und un, Ihr Leben. Können Sie un§ die Leute, die bei der Tat zugegen gewesen find, nicht namhaft machen? Angekl.: Nein. Hoppe schildert sodann, wie.Franzi ihm den Hergang dcß Mordes selbst auf der Straße erzählt habe. Er habe von Franz gehört, daß man Wein geholt habe, dann sei Morphium hinein gegossen und man habe dann den Blau erdrosselt. Auf seine Entgegnung, daß da? doch nicht recht gewesen sei, habe Franz erklärt: es sei notwendig gewesen, denn Blau sei den Kom- munisten schädlich.— Bors.: Wie kamen Sie dann aber dazu, einen Kassiber an Winklrr ausderHaft abzusenden, der Sie doch schwer belasten muß?— Angekl.: Ich habe, als ich in Haft genommen worden war, die Befürchtung gehabt, daß ich vor das Kriegsgericht komme, zu dem ich be- greifkicherweise kein Vertrauen haben konnte. Ich gebe zu, daß ich in einen starken Verdacht der Beteiligung am Morde kommen konnte und da ich keinen anderen Bekannten herbeizuschaffen wußte, der mich entlasten konnte, habe ich m>ch an Winkler gewandt. In dem Kassiber, den Winkler aber nicht zum Lesen be- kam, da er ihm vorher von dem Gefängnisbeamten abgenommen wurde, heißt eS u. a.: „Ich bitte Dich dringend, um da» Schlimmste zu verhindern, mich so weit als möglich zu entlasten, wie ich eS Dir gegenüber auch dauernd bestrebt bin. Gestehe Du bei der Verhandlung ein, daß Du die WohnungSschlüffel auf mein Geheiß einem Menschen in brailiiem Anzug(Dir unbekannt) auf ein be- stimmteS Pnrokewort, das Du aber vergeffen hast, an der Hagclbcrger Straße, Ecke Großbeerenstraße, ausgehändigt baft.(Zeitpunkt etwa'/o Stunde nach meinem Besuch in Deiner Wohnung.) Grund: Da" ich noch etwas zu erledigen hatte und Du aber noch nicht angezogen warst, um mit herunterzugehen, wir also die Schlüssel nicht gleich mitgeben konnten. Es kommt hier darauf an, das Leben zu rette», alles andere wäre doch nur von kurzer Dauer, denn die Zeit arbeitet doch für uns. Mit dieser Hoffnung will ich Dir gleich meine zweite Bitte Vortragtin. Ich habe alles eingestanden,' bin auch zu Deiner Wohnung mit raufgegangen, aber nach 1I3 Stunde wieder runtergekommen; da ich oben merkte, daß die I-Leute schlechte Absichten hatten und ich damit nicht einverstanden war, sondern dafür war. Blau nur festzuhalten und den, Siroltz u. a. gegenüberzustellen. Ich äußerte also meine Bedenken, worauf man niich als Feigling runterschickte. Ich bin also nach einer halben Stunde runtergekommen und nach Haus ge- gangen und in den Straßen umhergeirrt»ud bin dann erst halb aus Neugier, halb aus Angst eine halbe Stunde bevor die T-Leute mit Blau herunterkamen, wieder vor DeinemHause angelangt und habedortgestanden, bis man von oben runterkam. Ich brauche entweder Dich oder Schröder als kllibizeugen usw. Mit kommunistischem Gruß! Erwin." Nach der Mittagspause bleibt Hoppe dabei, daß der Kassiber nur den Zweck hatte, das Erinnerungsvermögen des Winkler über wahre Tatsachen aufzufrischen. In einer großen Zahl von Fragen sucht Staatsanwalt Dr. Ortmann die Nnwahrscheinlich- keit der Aussagen des Angeklagten über die Borgänge bei der Mordtat darzulegen. Der Angeklagt« hat, wie er weiter er« zählt, nach allen diesen Vorgängen noch lange Zeit an vericktiedenen Stellen gearbeitet. Dann hat er eines Tages von dem Exekutiv- koniitee auf Grund einer Einladung den Auftrag erhalten, zu einer Konferenz nach Holland zu gehen. Einen Paß habe er nicht ge- habt, da die Kommunisten einen Paß sick nicht verschaffen konnten und so ist?r denn an der Grenze verhaftet worden. Er hatte S Inspektors Hlau. Selbftmorü ausgefthloffen. zweitausend Rubel bei sich. Wie er behauptet, ist ihm das Geld abgenommen, er aber dann wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Er habe nicht die Absicht gehabt, auS Deutschland zu verschwinden, nachdem nun durch die Polizei schon gewisse Feststellungen über den Tod BlauS getroffen worden waren; seine Reise nach Holland habe nur den Zweck gehabt, Propaganda zu treiben. Daß er lein böses Gewissen gehabt, gehe wohl daraus hervor, daß er in einer andern Sache mehrmals freiwillig anfS Gericht zu ein-r Vernehmung gegangen sei.— Staatsanw. Dr. O r t m a n n hält dem Angeklagten vor, daß er behaupte, er habe dem Franz seinen Abscheu gegen das Vorgefallene ausgedrückt. Damit im Widerspruch stehe die Tatsache," daß er mit demselben Franz dann nächtlicherweile noch gezecht hat. Der Angeklagte bestreitet dies und behauptet, daß er nur ein GlaZ Limonade getrunken habe.. Er ist am 1. November festgenommen worden. Der Angeklagte Winkler hat bei seinem Vater das Stnerderhandwerk erlernt. Er hat sich schon früh der sozialdemokratischen Jugendbewegung angeschlosien. Besonderen Eindruck Hot auf ihn eine Broschüre»Der Haupt- feind steht im eigenen Land" gemacht. Er hat sich dann weiterzubilden gesucht und für das Problem intcreisiert wie die heutige Gesellschaftsordnung zu überwinden sei, ist dann Anyänger der kommunistischen Weltanschauung geworden, stehe auf dem Boden des Parlamentarismus und lehne die Propaganda der Tat ab. An dem kriliichen 1. August seien seine Eltern in ihrer Laube gewesen. Die Eltern waren mit seiner politischen lieber- zeugung nicht einverstanden. Am Nachmittage des 1. August habe Hoppe ihn gebeten, ihm seine Wohnung zu einer Führer- ji tz u n g zur Verfügung zu stellen. Dabei habe ihm Hoppe kein Wort von der FesthaUung eines Spitzels oder der Absicht eines Mordes gesagt. Winkler trnll auch gar keine Kenntnis von den Vor- gängen in seiner Wohnung gehabt haben, als er in diese zurück- kehrte. Erst am übernächsten Tage habe ihm Hoppe davon erzählt, daß es sich an jenem Tage um einen Spitzel gehandelt habe, der ein schlechter Mensch sei und in der Wohnung abgetan worden sei. Winkler bestätigt unter Hinweis auf Einzelbeispiele, daß Hoppe ein gutes Medium sei und die Angewohnheit hatte, sich hypnotisieren zulassen. Winller, der nur wegen Beihilfe angeklagt ist, versichert, daß er seine Wohnung nicht zu einer Mordtat hergegeben habe und weder direkt »och indirekt mit der Tat etwas zu tun gehabt habe.— Bei dem Vorhalt verschiedener Widersprüche zwischen seinen früheren Aus- sagen und den heutigen erklärt Winller: er habe aus Vorhalten des Untersuchungsrichters manchmal das Gefühl der Bedrückung oe- habt, denn er habe manche Aeußerung so aufgeiaßt, als ob er auS dem Zucblhause nicht mehr herauskommen würde. Hierzu bemerkt der Angekl. Hoppe: Auch er yabe das Gefühl der Bedrohung gehabt, denn der KriegSgerichtsrat habe ihm mehrfach vorgehalten: Es geht um Ihren Kopf l Die Vernehmung der Angeklagten ist hiermit beendet und der Vorsitzende geht zur Beweisaufnahme über. Sachverständiger Prof. Dr. Strauch, der zusammen mit Geh. Medizinalrai Dr. H osfm au n st Z. die Obduktion der Leiibe vorgenommen hat, bekundet, daß die am Halse vorgefundene ftarls StraiigulatiouSmarke, die dem Blau bei Lebzeiten beigebracht fein muß, mit großer Wahrscheinlichkeit darauf hinweist, daß Blau durch Erdrosselung getötet worden ist. ES ist k e i n A n h a l t dafür da, daß er noch gelebt hat, als er von der Winlierschen Wohnung nach dem Kanal transportiert wurde, so daß er etwa den Tod erst im Waffer gefunden haben könnte. Der erhobene Befund entspreche dem Befunde, wie er sich der eiziem ErdrosielungStode zu zeigen pflegt.— R.-A. Dr. Weinberg und Dr. Liebknecht rollen die Frage auf, ob nicht auch die Möglichkeit gegeben fei, daß der Tod durch Selbstmord oder erst im a f f e r eingetrelen fei. Sie berufen sich darauf, daß der erste Obduktionsbericht der beiden Oöduzenten die beiden Möglichkeiten offen gelassen habe und bleiben schließlich dabei, daß nur von einer „Wahrscheinlichkeit" über die Todesursache gcsprochc» werden könne.— Der Sachverständige Sanitätsrat Dr. L« h n sie n. der unter Widerspruch der Verteidiger vom Gericht zu dieser Frage vernommen wird, schließt aus der Tatsache de« Vorhandensein» einer lehr scharfen, schon blutunterlaufe. len Strangulationsmarke, daß der Tod nicht erst im Wasser ei»« getreten ist, sondern schon vorher.— Sachverständig«« Dr. Brüning, Chemiker beim Polizeipräsidium, gibt an der Hand de? den Ge- schworen«» vorgezeigten Stricks, der um den Hais des Blau gelegt worden war, sein Gutachten dahin ab: Es ist kein Anhalispui>:l dafür vorhanden, daß die Verschlingunq de« Stricks um den HaU von Blau selbst ausgeführt worden ist; im Gegenteil weist die ganze Art der Verknüpfung des Stricks entschieden darauf hin, daß dies von anderer Seite geschehen ist. Sonnabend g'/» Uhr Weiterderhandlung. nuten erreichen. Da- ist beängstigend für die Mieter, da die Häuser aus Holz gebaut sind. Die Küchen haben keine W rasen- klappe. Die Kammern unterm Dach entwickeln im Sommer eine Backosenhitze. Den medri«» Schornsteinen fehlen Schutzvorrich- tungen. Feuer auf dem Herd anzumachen, ist bei Sonnenbra.rd fast unmöglich. Waschküchen und Trockenränme sind versprochen, aber bis jetzt noch nicht in Angriff gciiommen. Dachrinnen fehlen. Das Regenwasser läufl an den Hausfeiten herab, so haß die Keller un:cr Wasser stehen. In verschiedenen Häusern regnet es sogar durch bis in die Küche. Dem WohnungSverband sind alle diese Mängel schon durch seinen Vcnnalter bekanntgegeben. Die Mieter haben auch eine gemeinsame Eingabe gemacht und schriftlich daran gemahnt. Sie haben die BerbandSleitung zu der Mietcrversamm- lung eingeladen. Aber der Wohn u ng Sv e ck and reagiert auf nichts. Die von fast allen Mietern besuchte Versammlung äußerte sich erregt über den Mangel an Entgegenkommen., das(wie wir in Nr. 315 mitteilten) vom Erd- geschoß bis unter» Dach mit Möbeln vollgestopft ist, be. st« ig: in einer Zuschrift unsere Angabe, daß er schon seit vielen Jahren(er sagt: seit zirka 1900) sämtliche Räume in dieser Weise benutzt. Er fügt hinzu, daß er 1000 und 1910 dieses Gebäude auf Anordnung der Baupolizei aus Gründen der Feuersicherheit zu einem Geschäftshaus umgebaut und daß im vorigen Jahre daS Wohnungsamt sich die Sache angesehen, aber die Räume nicht zu Wohnzwecken bennspruck: hat. Wir empfehlen dem Woh- nungSamt, sich die Sache nochmals anzusehen. Soll ein aus einem Wohnhaus entstandenes„Geschäftshaus", das zur Unterstellung von Möbeln dient, nicht in ein Wohnhaus zurückver- wandelt werden können? Einen Beitrag zur Geistesgeschichte der Berliner Studenten- Vertretung lieserle die gestrige Sitzung dieser Vertreiung. Die sozialistische Frailion hotte den Antrag eingebracht, de» Redner aufzufordern, sich zu den Vorwürfen der bewußten Verleumdung und oer Lockipitzelei zu äußern, die Presessor Nicolai im„Vorwärls" Nr. 177 vom 7.. April 1920 gegen den Redner erhoben halte. Nicht nur, daß die Studenten- vertretiiilg über diesen Antrag zur Tagesordnung überging und damit neuerdings die„Eigentümlichkeit" ihre« Ehrbegriffes dokumentierte, fo wurde in der Begründung zum Uebergana zur Tagesordnung von Herrn Conto die loztelistffche Presse als Gossenpresse bezeichnet, welcher Ausdruck vom Borsitzenden Walter Schulz erst auf aus- drücklichcs Verlangen der Versammlung gerügt wurde, UebrigenZ war jener„Held" derselbe Herr Conto, gegen den sowohl in der Siudentenvertretniig von der sozialistilchen Fraktion als auch in der„Freiheit" der Vorwurf der Lockipitzelei erhoben wurde, ohne daß er diese» Vorwurf bislang widerlegt hätte. � Der Zusammenschluß der staiitlichc« Kriminal- und Kommunal- polizeibc-mten Deutschlands ist nunmehr, wie uns aus Frank- furt a. M. gedrahiet wird, nach langjährigen Bemühungen auf einer gemeinsamen Reichskonferenz vollzogen word-n. Auch die grüne Sicherheitspolizei hat sich dem Reichsverbande, der ledig« lich wirtschaftlich« Zwecke verfolgt, angeichlossen. Der NeübSverband iü auf gewerkschaiilicher Grundlage errichiet und tritt am 1. Ottober 1920 in Ärafl. Er ist nach dem Vorbilde der großen deutschen Ge- werkschastSorganisatioiien in Gau-, Reichs- und Bezirksverbande eingeteilt. Der Privatdetektiv al? Einbrecher. Bei einem versuchten Ein- brück wurde in der vorvergangenen Nacht ein Einbrecher angeschossen, der sich als ein Privatdetektiv Otto R e u in a n n herauSstellle. Dieser schlug mir einem unbekannten Helfershelfer an dem Schuh- Warengeschäft Kirschstein in der Rückerstraße 5 die Sckm»feiijler- scheiden ein, um den Laden auszuplündern. Frau Kirschstein und der Kaufmann Spitz auS dem Hause hörten gegen 2 Nhrü früh das Klirren der Scherben. Spitz bewaffnet« sich mit einem Revolver und ging auf die Straße hinaus. Da trat ihm einer der Einbrecher entgegen. Spitz vermutete einen Angriff, kam dem Verbrecher zuvor, schoß zweimal auf ihn und traf ihn io schwer, daß er zusammenbrach. Der Spießgeselle ergriff jetzt die Flucht und entkam. Der Verletzte wurde von zwei Beamten der Sicherheitspolizei, die auf die Schüsse herbeikamen, als Polizei» gefangener nach der Cbaritö gebracht. Dort stellten die Aerzte einen Lungenschuß fest. Der Verhaftete nannte sich Rollmann, wurde aber vom Erkennungsdienst der Kriminalpolizei als der Privatdetekiiv Oito Regmann festg-siellt. der schon wiederholt, zu- lotzt wegen Diebstahls im Rückfall bestraft ist. Weslpmißen! Stimmberechtigte Westpreußen der Bezirke Süden. Südosten und Südwesten erhalten Abstimmungsausweise und Fahrscheine im Marklhallen-Restaurant am Marheineke-Platz, Ecke Zoffener Straße. Achtung, Buchbinder! Die Sperre über die Buchbinderei EmA Vetter ist hiermit aufgehoben. Die Differenzen in der betreffenden Firma sind nicht beseitigt, trotzdem erklärt die Branchenleitung der Buchbinder, Ortsverwalwng Berlin, die Sperr« für aufge- hoben. Die Branchen sei tung. Ein Führer durch da? Geietz über die neue Stadtaemeiude Berlin au» der Feder unseres Genossen Paul Hirsch erscheint in den nnchiUii Taaen Im Verlag der Puchhandlung Vorwärts. In gemeinver- ständllcher ffieüe ei läutert der Veifchsec, auf dessen Initiative in der Regierung die Ausarbeitung und Einbringung des Entwurfs zurückzusühren ist. die einzelnen Abschnitte des Gesetzes an der Hand der Akten des Porta- mer.tä und der AussilhrungSbeftimmungen de» Ministeriums'. Die Ein- leltung gibt einen erschöpfenden geschichtlichen Ueberblick über die Frage Groß- Berlin von AAsrng der 70 er Jahre des vorigen LabrbnndertS an bis in die ncuefle Zeit. Die Schrift wird nicht nnr den Mitgliedern der städtischen Körperschaften und den Bezirksämtern, und Bezirtsveisammlungen ein willkommenes Hilfsmittel fein, sondern sie bietet auch darüber hinaus jeden, der sich für baS Wesen der neue» Stadtgemeinde mteresftert, wert» volle Anregungen. Freireligiöse Gemeinde. Sonntag vonn. 11 Uhr in der Stadt- halle,»losterstr. bO, Vortrag de« Herrn Dr. B. Krifche:.Neue» zur Ge- schichte der Urgesellschast". Harmonium: Ich grolle nicht lSchumannl. Gäste tvilltommen.— Vom 4. Juli bis 8. August lein Vortrag. Republikanischer Fübrerbnnd. OetSzmpp« Cöpemck. Heut« abend 7>/, Uhr im Bayernhos, Killnischer Platz, MUgliederversammllmg. DaS Kartell Grost-Bertiu de» Deutschen BramtrnbuubeS vdr- anstaltet am PienSIag. den SS. Juni, abends 7 Uhr in den Sopbiensälen, Sopbienstrahe 17/18 lichc byzantinische Purzelbäume gesehen bat. Der Start tlt gegenübei Marientust, das Ziel an den Tribünen des Berliner Regattavereins ir Grüna». Die Rennen beginnen um 2 Uhr. Vorher findet eine Ansfahr. der Damen-Mannschasten statt. Ein stark besetztes Orchester sorgt für must- kaiische Unlerdallung. Rechtzeitiges Kommen stchett einen guten Plett Stehplätze zu 1 Mark und Tribünen-Sitzplätze zu 2 Mark sind im Vorvei kauf in den Bundesvereinen zu baden. Ebensalls findet am Sonntag de Verlaus von Eintrittskarten an der Kasse statt. Wir weisen hierdurch au> die Anzeige in heutiger Nummer besonders hin. Groster Jnbiläumsprcis. Di« Olhmpia-Bahn will dw Wjährige Rennfahrer- Jubiläum von Willi Arend am Sonntag.de' 27. Juni, nachm. 4 Udr. als Einleitung zu dem Rennen seitlich begehe» Im Judiläumspreis trifft Arend mit Sennecke, Schwab, Tadewald, Packt busch, Abraham, Bettinger, Stolz usw. zusammen. Kartell der freien Sportvereinigungen. Freie Durnerschaft Berlin. Sonnabend 7 Uhr: Außerordeiit liche Vereintversammiung Stralauer Str. 3.— Sonntag: 1. Knabe- Abt. Badepartie nach dem Krossinsee. Treffpunkt 71/, Uhr früh Görlitz Bahnhos.— 1. Mädchen-Abt. Turnsahrt Grünau, Müggelsee, Friedrich Hagen. Treffpunkt 7 Uhr früh Aörlttzer Bahnhos. Touriftenverein«Naturfreunde«, Berlin Ostbahn, Vororte. San tag Treffahrt mit Ortsgruppe TSpenick am Norduser des Sticnitzsee. A> Schief. Bahnh. 5,55 früh bis Fredersdorf. Groß-Serliner parteinachrichten. Heute, Ä«. Juni: Oberschöneweide. Elternbeiräte. Für alle gewählten, sowie die zi« darauffolgenden Kandidaten um 8 Uhr Sitzung bei Jmbnrg, Wilhelms hoser Straße. Arbeitegemelnschaft sozialdemokratischer Lehrer. Sitzung find, nicht heilte, sondern DonnorStag, 1. Juli, 7 Uhr, Zimmer 4 und 5 de LehrcrvereinshauscS statt. Jiingsozialistii'che Bereinigung. Die junzsozialistische Vereinigun, beteiligt sich geschloffen an der Somienweudseier der Arbcitmjngens. Tres punkte der Ortsgruppen: Süden: 8 Uhr Unfallstalloii Görlitzer Bahnhoj Tempelhos: 7'/, Uhr Bahnhos Tempelhos; Neulölln, 6 Uhr Hermannpia� Lichtenberg: 69» Uhr Bahnhos Stralau-Rummelsburg; Lichterseloe: 8 15, Bahnhof Dil. Für anderen Ortsgruppen gelten die Treffpunkte der'Arbeite! jugend._ Sriefkasten öer Reöaktwa. fitder cht den Briefkastc» bestlmmlcn Ansrage sttge man einen Buchsta! und«in« Nummer bei. Briesliche Auskunft wird nicht erteilt. Eilige i, i ragen trage man in der Juristischen-Sprechstunde, Lindenstr. 8, 1. Hos»v teilt lints, vor. Echrifistiick« und Vcrtriige Nnd miizubrinae». H. v. 100. Ja; sie untersteht dem Finanzminillcrimn.— Mrsii Werk. Nach Austritt erlischt jedes Anrecht.— Siichsische Schweiz, l t 2. JandratSamt de« Kreises Teltow; außerdem Visum des Tschechoilawakisch? Konsulals, Oranienburger Straß« 67. 3. Wissen wir nicht, aber ziemlich ho- Wciterbericht bis Sonntag inittag. Vorwiegend bewöl Temperatur wenig verändert, im Binnonlande meist trocken, an der Kü> leichte Regensällc, bei mäßigen westlichen Winden. BSE* !? iencißl- ÜÄWÄU „Cmpor" '■ r. tnntiijize Sisdluugegrnoffeaschost Eingetragene Eenavenschaii mit deschränltrr Haiipsticht am Sonnndend, den 3. Juli>W. in der Aula der Ariedria;, Werderschen Oder- Ii- alschule. Berlin C., Nicdcrwallstratze ig, nachmittags s Uhr. Tagesordnung! 1. Bericht des Vorstandes über das adaewuscue Geschast-jahr. 2. Bericht des Aumchtsrairs. L.»euehmiguug der Bilanz. 4. Entlastung de« allen Vor- ftandev und Auijichwraies. 5. Entlasmng des neuen Vor- ftandes und Antstchisrates. 6. Ersatzwahl für die tu-nus- müßig ausicheipenden Auslich>«- rarsmilgliedec. 7. Beschluß- faffung übet crdnlnifsaeiiiäs gestellte Anträge. Z-.Uriit nur m. gerichil. Ausweis! „Empor" S-meinniitzige Siedlung»- genofienschair. Eingetragene »er.ols-nschaft mit beschräntter Haftpflicht. Auerbach. Schmidt. Kriegsanleihe. Wertoavier«. Pfandscheine taust, beleiht. ipsandschei» tz-mg».»ei rlit», Qranienstraße l'.lllibar«. hriklig» Lloik», gu'.s kniiersecliev. woäc-rao Vsrarbelinax....«ov t 1 dl),— eyk �. äXS�£st> Kai r»lT..r» f» 1189 i Stu-h iieaen Prowekt« bei all.» freigewer!- lwastliche» Betriebsritten u. allen«ertaufs» stellen der.chonsumaenosientchait au».— Wewertschaftler in allen«tabtteilea«er«»» und der Borort« als Mitarbeiter gesucht. »erlin W?, l.inkstr.; Tel, l.ütrow 3705 und AULissi Sämtliche Allmetallt bß- aahlenct.■> Fritz Behren 8Utimei«*traUz: V JKr.Ji« Hai-kniaeili-al !.'!Ge!d' ftirjede Wertsache. Sjlichu l»u!sp:ei-e für Piandi.- Brillm:,«,. Eoldgege: Teppiche. Bücher niw. U triecieickele.41 Iii, Ecke Tritsdrehiank, Werkzeug poeth«, Grüner Weg IL leute Opfertag für die vertriebenen Auslandsdeutschen. Ouernium idatne Butterfly. _ Anten; 7 Uhr: ichansplelhans. Die Rfiuber. _Anfan� j Uhr__ utsches Theater. üaswptel Maria Orska Weib d. Hampelmann iatnmerspieie. ;1— Kätc Dorsch Leibgardist aines Scbasspieliiaus. ■ti.mtr.>(Whe Bh(. itoo). tsplel Werbezlrk (ioral der Frau Cülska. iterdesWestens .« Pallenberg: nr; klliliene RitterzslL oSes Sebauspielbans. • llinCiw(lAAtt.. 4 AK) ; Jul.CftMT(N.-A.C 4.V,) lus Cäsar(14. Abt., 4. A.) Theater 1. d. ligarätzerStraße leständnis iinßdieniiaus Seite In die M9dchcazett. Kilver Theater Uhr; Der ietate WaUer nreehr» Opcrahniie Piinzess.».Trapezont N>lc Tribtin« r; Bimhary. c4r.- Wiiitelmst.TlL. f*r\ Efcbei! Hnrnbrecht. Ipint»» Theater. Die Plarpbaüskoniaoie "tomiAehe Oper •: Die Frau Im Dunkeln I�UMtfeptelhniin ttropol-TIieater. Ä weißen RSss'l es Central'Theater üe Dame im Frack. 3» OperettenhauH ..r: Prinzessin Frledl. ••• Tojkafheater He 3 Zwillinge Ichsuburs ' in�rätzer Str. 121. W Därting m e«eue Bekasnlscbatt. Illar-Ttaent. Chart. ihr: Ber Mgeprille. rhalla-Theater •lire islsit die Tänzerin im Eine liebt Ii Pamlies rter i. d. 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Tiefbclriibt: Witwe Berta Stüaelmaier nebst Ptindcrn und Enkeln Berlin S. 59,©nmmftc. 27. 14636 Die Einäscherung sind et am Montag, den 23. Juni, nachmittags 3 Uhr, im Krematorium Trcptou>»BaumjchuIenu>eg statt. Kranzspenden dankend verbeten. CfteristiltesgsfiaWsrst äußert, sachgemäße Rechtsderatung, Abwicklung ichwierigsier Fälle. Ehe, Alimenten, Vertraüenstachen, Ermittelungen. Fotzdamer Str. 115, Lüzow 2494, Direktor Fabisch.• L d. BorKnor Brockenhaus Latierle Genehm igt Illr Brandeaburg und Stadtkreis Berlin Ziehung sm 7. und 8. Juii 100000 Lose, 4832 Gewinne und 1 Frlmie L W. Jllt. lOOOOO <2» ► i i-.ss 60000 5000Q KVMMD 1 Pr&mle L W. Md. Wohltätigkeits• Lose M.. 3,60 Liste und Porto 90 Flg. extra — tO Los« sortiert aus versch. Taus. IM. 36,—— Lud. Müller& Co. BERLIN W., V/erderscher Markt 10. In allen LoUerleaeschSften u. Lossverkaufsst. zu haben. im&m SABARETI# >6tMRemi.5W4�� orleys f ir. 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Ich bedauere jed Herrn, dem es noch heut so erßM w. mir, ehe ich a. I Mulcuto hingewi es. wurde, der sich sein Gesicht mit Marter- instrum. zcrsctiind., die Ihn zur Vcr- zweiiiuifg treiben. AU diesen Unglücki. wäre m. ein. Schlage feholf� sobald sie I. vortreffl. Mulcuto in Benutzung nähmen. Konnte man doch diese objektive Wahrheit aügem« bekannt machen. Sedanstr. 7. Dr. Konr. Wolter. wym Itaniütobl* gMckliüHH MULDttT*. Rasier- Apparate bleiben dauerad brauchbar, rasleren sarametwelch und entfernen mit der größten Schnelligkeit und Sauberkeit jeden beliebigen Bartwuchs. Verletzen rninlpli! Große Zeit* und Geld. ersparnis. Selbstrasieren ein Vergnügen. Apparat mit Abziehh. 29 M. Apparat mit Abzishhalter.j in Etui, Nr. 71 41 M. i Apparat mit Abziehhaiter,! echt. Leder- Streichriemen. inEtuiNo.91 u. echter Mal! cuto-Kasierseife t>9 M. I Durch die Geschäfte oderl portofrei direkt durch I mCOTO-WEEs! SOLINGEtf. Versand täglichl Wiederverkäufer gesucht Hir seliiagenjeile Kostoenz! 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Wir wollen unsere Leser mit einer Kostprobe erfrenen und entnehmen der Nr. 17 rolgende Notiz: .Unser Kronprinz bei der Wabl. Kronprinz N n v p r e ch t bat seiner Wablpssicht als guter Staatsbürger in Bischofswiesen Genii.se geleistet: er bat dort im Schulhause, wo sich da« Wahlloial beiand. seinen Wahlzettel abgcgebei'. Bilrgermcister L u t b e r er als Vorsitzender nabm den Zettel in Empfang. Der Hobe Wähler wurde v o in Wablausschntz in würdiger Weise empfangen.* .Der hohe Wähler* wird sich über die Kriecherei der ihn „in würdiger Weise* empfangenden Krähwinkler, nicht ininder aber auch über die ihm vom.Bahrischen Königsboten* cheute noch, nach 20 monatigem Bestehen der Republik, zugebilligte Bc- zcichnung.unser Kronprinz* hoffentlich recht huldvoll gefreut haben. Die Schuiüeputationen. Der verstärkte Unterrichtsausschusi der Breusiischen Landesversammlung beriet das ßlesetz über die Schuldepntationen zu Ende. Es wurde nunmehr in voller Einmütigkeit aller Parteien angenommen. Die Geistlichen haben nach dem inzwi'chen ein« gegangenen RechtSantachten des Neichsillstizmiiiisterinms wstterhin Nnteil an den Schuldeputatianen. Das Rechtsgutachten verlanat. daß die Sperrvaragravben der.Reichsverfasiung auch ans da? preuhi- iche Gesetz über die Schuldepntationen Anwendung finden sollen. Die wesentlichste Aenderung. die das Gesetz durch die Ausschuß- beratungen erfahren hat. ist die. dast in den Schuldeputationen, Schulkommissionen und Schulvorständcn die Lehrer und Laien größeren Einfluß erhalten sollen. Infolge der zablreichen tcrtlichen Slendeningen, die an dem Gesetz vorgenommen wurden, ist seine völlige Neuformu- lierung notwendig geworden, die die Regierung am ll. Juli vor- legen wird._ Polens Zweifrontenkrieg. Danzig, A. Juni. Der Traudenzer„Gesellige" ist durch die interalliierte Militärbehörde beschlagnahmt worden, weil er Einzelheiten über die Ermordung eine? Arbeiters durch volnische Soldaten gebracht hat. Die Militärbe« Hörde hatte die Leiche beschlagnahmt und wollte sie heimlich be- graben lassen. Die Beisetzung fand schließlich doch öffentlich statt unter Beteiligung der Arbeiterschaft und der Vereinigung ehe- maliger Angehöriger der Marine, zu der der Ermordete geHärte. Die polnische Besatzung von Graudenz ist bis auf 400 Mann, drei leichte Geschütze französischen Ursprungs mit zirka 20 Mann Bedienung, 25 Pionier«, 4 Cffiziere und 40 Mann zurückgezogen worden lwahrscbeinlicki an die Ostfront), Die Fest« Courbiere ist sehr stark mit Verwundeten von der Ostfront belegt. Ferner waren 400 Gefangene, all«? Leute, die siefi geweigert hatten, an die Front zu geben, und Meuterer van den Haller-Truppen drrt untergebracht. Die Gefangenen sind in ein anderes Ge- senzenenloger gebrackst worden, nachdem infolge mangelhafter Be- wachung neunzig Mann ausgebrochen waren. Zwischen den französischen Besatzungetruppen und polnischen Soldaten war es zu ernsten Tätlichkeiten gekommen. Bei einer Messerstecherei wurde ein französischer Offizier getötet. lWa.S muß Polen dafür zahlen?) Infolgedessen sind die französischen Truppen abgezogen. Am 1. Juli sollen auch die polnischen Truppen zurückgezogen und durch 80 Mann amerikanische Truppen ersetzt werden. Katwwitz, 24. Juni. Zu dem Meuchelmord in Gogölin teilt die.„Kattowitzer Zeitung" noch mit, daß dem ermordeten Schlächter Georg Pilawa vor kurzer Zeit vom Apotheker Michalski ein Be- trag von 10 000 M. versprochen worden ist, wenn er zu den Polen übergehe. Dies hielt ihm der Ermordete vor der zahlreich ver- sammelten Menschenmenge, die sich an dem verhängnisvollen Tage vor der Apotheke aufhielt, laut vor; fünf Minuten später war Pilawa eine Leiche. Der Mörder ist der Sohn eines GastzwtrlS aus Groß-Echimnitz bei Oppeln und in Breslau am Gericht be- schäftigt. Dr. v..Holtum- Marienwerder ist trotz d'm angeblichen Befehl des polnischen Außenministers, ihn freizulassen, noch immer nicht zurückgekehrt. «teci! Sie Abenteuerpolitik. Rotterdam, 25. Juni. Lord Robert Cecil erörtert in den ..Evcning? New?" die englische auswärtige Politik im Zusammen- hang mit der finanziellen Frage. Er sagt u. a.: wenn die wirt- schaftlichen Schwierigkeiten nicht behoben wer- den könnten, bestehe keine Hoffnung auf«inen daiiern- den Frieden. Robert Cecil dringt auf äußerste Sparsamkeit. Zu diesem Zwecke sei eine andere äußere Politik nötig. Vor allem müsse gegen alle militärischen Abenteuer, sowohl von englischer Seite wie von anderen Ländern Widerstand geleistet werden. Bei der heutigen Weltlage sei eine militärische Aktion au? politischen Gründen kaum zu recht- fertigen. Daher bedauert Cccil die Politik gegenüber Ruß- l a n d und der Türkei. Der i)ort des Islams. Der Hort des Islams— wer sollte es ander? sein als England! Ueberall, wo eS sein siegreiches Beniner aufpflanzt, in Afrika. in Indien, ist die Befreiung heS JflamS und her islamitischen Volksstämme seine erste Sorge. So auch in Mesopotamien, wo laut amtlicher Meldung unter dem britischen Mandat das DtaatSgrundgefetz unter beratender Minvirkung der Bevölkerung aufgestellt werden wird,' durch daS die Entwicklung bei Landes zu einem Staat nrit Selbstregierung erleichtert wird, damit e? bei Ab- lauf des Mandats iaistande ist,-.auf eigenen Füßen zu st e h e n". Zu diesem Bebut hat das KricgSamt in London einen Aufruf an die«ihemaligen Soldaten erlassen, bei der Rekerve Dienste zu nehmen. Eine Verstärkung der Heeres reserve im Orient um 15 000 bi» 20 000 Mann sei erforderlich. Auch im Keinafiarischen Bannkreis von Konstantinopel hat man jetzt die Befreiung der Türkei von der türkischen Pest«nerzisch im die Hand genommen. Nach einer Meldung des„Journal des DäüatS" hat die griechische Arme« unter englischer Acgid« gegen die Srcett- kräfle von Muftapha Kemal Pascha die Offensive begonnen. Di« Operationen sollen einen günstigen Verlauf nehmen. Gelungen ist die Befreiung bereits in Arabien, wo ein„vorläufiger" Staatsrat unter einem arabischen Präsidenten mitsamt einer frei- gewählten Nationalversammlung Hüter der englischen Freiheit sei» werden. Wir hoffen, daß sich auch noch w den übrigen Teilen Klein- asiens der ebenso unbegreifliche tvk handgreifliche Widerstand gegen dies« Frecheit bald legen wird. Die mm Regi Eine allgemeine Funktionärkonferenz der Sozialdemokrati- scheu Partei für Groß-Berlin fand am Freitag statt. Als Referent Genosse Eduard Bernstein, oft von Beifallskundgebungen unterbrochen, aus: Es ist wohl nie- mand voll von bem Resultat der Wahl befriedigt, und doch haben wir auch keinen Grund, entmutigt zu sein. Trotz der schweren An- griffe von allen Seilen haben wir über 5 Millionen Stimmen er- hallen. Am schärfsten waren die von links. Gewiß, es sind Fehler gemacht worden, aber wie sollten in der Situation, in die wir ge- grängi waren, nicht Fehler gemacht werden? Wenn ich jedoch die Wahl habe zwischen einer Partei, die wie die Unabhängigen sich vor jeder Mitarbeit drücken, und einer Partei, die bestrebt ist, die Interessen der Bevölkerung zu wahren, dabei aber einige Fehler macht, so wähle ich trotz der Fehler die letztere. Der Redner wandte sich dann gegen jene Presse, die stets und ständig nur Kritik an unserer Regierung ge- übt, aber nie gezeigt bat, was wirklich erreicht worden ist. Unter solchen Verhältn-ssen sind die Berliner Resultate geradezu noch Erfolge. Durch den Ausfall der Wahl ist die früher« Koalition in die Minderheit gedrängt. Trotzdem gab es Leute, die da glaubten, daß wir in die Regierung eintreten könnte», und auch ich gehörte dazu.(Zurufe: Wir nicht?) Aber in der Fraktionssitzung hat eins auf mich großen Eindruck gemacht, näm- lich, daß gerade die Genossen, die bisher Ministerposten inne hotten, am lebhaftesten für den Austritt aus der Regierung eintraten. Nach dem Beschluß der Fraktion sage aber auch ich: es ist ganz gut, daß wir nun mal eine Zeitlang der Regierung fernbleiben. Wir mußten natürlich als Bürger der Republik wünschen, daß überhaupt eine Negierung kam. Der Redner er- innert in diesem Zusammenhange an S p a. Jetzt freilich erhalten wir eine Regierung, wie wir sie nicht wünschen können, eine Ne- gierung mit einem Herrn v. Räumer und Herrn Scholz. Aber, nachdem wir auf die Beteiligung verzichtet haben, müssen wir eS den beteiligten Parteien überlassen, die Personen zu nehmen, die sie für geeignet halten Wir aber werden uns die Dinge an- sehen und stets auf der Wacht stehen, damit der Allgemeinheit kein Schaden geschieht. Genosse Bernstein erörtert dann die Not- wendigkeit der Anträge, die unsere Fraktion stellt. Pom heutigen Tage an müssen wir in eine lebhafte Tätigkeit für unsere Partei eintreten, denn wir wissen nicht, wie lange dieser Reichstag dauern wird und wie rasch wir wieder vor Neuwahlen stehen. Sorgen wir dafür, daß wir immer die alte Mehrhetts- Partei bleiben!(Lebhafter Bcisall.) Zweiter Referent Genosse Hugo Heimann: Ich ljabe keiner der grundsätzlichen Ausführungen des Gen. Bernstein zu widersprechen. Der Zweck der heutigen Konferenz ist ja e'nrnal, festzustellen, ob die Berliner Parteifunktionäre mit unserer Taktik einverstan- den sind. Mit der unter dem Druck des Kapp-Putsckes heraus- gegebenen Parole war ich nickt ganz einverstanden. Es mußte nicht heißen: der Feind steht rechts, sondern der Feind steht rechts und der Gegner link?. In all den Dutzenden von Versammlungen, die ich abgehalten habe, sind unzählige Ilnabhängige als Diskussionsredner aufgetreten, aber keiner bat ein Wort gegen die bürgerlichen Parteien gesagt, dafür aber war unsere Partei das �iel der gröbsten Angriffe.— In längeren Ausführungen rechtfertigt der Redner die bisherige Politik der Partei und sagt: Jede spa'ere unparteiische Geschichts- Schreibung wird unsere Tätigkeit anerkennen. Wir haben keine Ursache, von unserer bisherigen grundsätzlichen Politik abzu- gehen. Als Ihr Vertreter gebe ich Ihnen daS Versprechen, daß ich niemals einer Regwning, in der Vertreter der deutschen Volks- Partei oder gar der Deutschnationalen sitzen, ein Vertrauensvotum ausstellen werde.(Sehr lebhaftes Bravo!) Die kommenden Zeiten werden schwer werden, aber wir müssen durchl(Lebhafter Beifall.) In der DiSkussson spricht zunächst Fränkcl: Der Weg, den die Zentrasstelle für die Einigung einschlug, war falsch. Die Gegensätze müssen ausgekämpft werden. Der Redner wendet sich schaff gegen die Tätigkeit der LinkSradi- kalen in den Werkstuben. lVcifall.) H e tz s ch o l d: Mich tat die Wahl durchaus nicht enttäuscht. Nach dieser Hetze, wie sie gegen uns getrieben wurde und geradezu einzig dasteht, konnten wir ein anderes Resultat nicht erwarten. Aber die Unabhängigen hatten auf die Mehrheit gehofft. Daß unsere Genossen aus der Regierung traten, war richtig ge- handelt. Bedauerlich ist es. daß gerade unsere Genossen in der schlimmsten Zeit dort tätig sein mußten. Der Redner er- wähnt einen Auspruch D ä u m i g S, der gesagt habe: Man solle in die Gewerkschaften Bohrlöcher machen, Pulver hineintun und die Gewerkschaften auseinander- sprengen. Gegen solche Leute.nüssen wir uns wehren. �Beifall.) Bernhard Krüger: Die einzige Sorge, die ich hatte, war die, daß unsere Genossen gezwungen werden könnten, wieder in die Regierung zu gehen. Deshalb habe ich den Beschluß der Fraktion mit Freuden begrüßt. So wie vor dem Kriege kann KrLegsanleihefolgen. Gegen die Stimmen der Deutschen hat dag Präger Parka- ment ein Ge'etz beschlossen, daS die Besitzer österreichischer Krieg!- anlcihe vor die Wahl stellt, ihr Geld zu verlieren oder unter drücke n d st cn Bedingungen tschechoslowakische Anleihe zu zeich- neu. DaS ganze E g c r l a n d ist zum Protest gegen das Gesetz in einen eintägigen Generalstreik getreten. Sollte dieser nicht die gewünschte Wirkung ausüben, soll in ganz Deutsch- b ö h m« n der Generalstreik erklärt werden. Milleranb lehnte neuerdings in der Kammer die Forderung der Sozialisten ob, die durch den Genossen La fo n vertreten wurde, daß Frankreich die russische Sowjet-Republik an- erkenne und die Beziehungen zu ihr aufnehme. Er tat die? unter Hinweis auf die Botschaft Lenin? an die englische Arbeiterschaft, in der der russische Tikwtor das englische Proletariat zur Revolution aufgerufen bat. Ferner verlangt er, daß Sowjet-Rußland vorher die finanziellen Verpflichtungen des zaristischen Rußlands übernehme. Wilson will daS demokratischc Konvent, da» in San Francisco zusammentritt, von Washington aus telephonisch eröffnen und eine.persönliche Botschaft an die Doiegierten richten.— B r y a n hat eine PrästdentschaftSkandchatur für die Demokraten abgelehnt. Abkommen über Deutsch-Ostafrita. Zwischen England und Belgien ist ein Abkommen über Deutsch-Ostafrika geschlossen worden, daß der. belgischen Kolonien nach den Grund- sätzen des freien Du rchsuhrbcmdels unter Fortfall aller Zoll- schrank?» eine Verbindung mit dem indischen Ozean durch Nutzbarmachung der großen Eisenbahnlinie Daresalaam— Kigoma mit Abzweigungen an beiden Enden und durch Errichtung von Freihäfen eröffnet. D«? deutsch« pazifistische«tudentenbunb, Gvupp« Handels- Hochschule Berlin wurde in diesen Tagen ins Leben gerufen. Der Bund hat sich die Verbreitung de? pazifistischen Gedanken?, sowie die Anbahmiirg und Pflege von Beziehungen gleichgerichteter Be- strabungon tm Uu»la«d« zum Ziel gesetzt. erung yUA wir. die Reaktion setzt doch nicht wieder auftreten. Das würde sich daS Volk nicht gefallen lassen. Vor allen Dingen müssen jetzt unsere Genoffen in den Betriebs- und Werkstattversamm- l u n g e n unsere Ideen mit Energie und Leidenschaft ver- treten.(Bravo!) Ein Antrag auff Schluß der Debatte wird angenommen. Genosse Bernstein betont in einem kurzen Schlußwort nochmals, daß jetzt cin« energische Arbeit für unsere Partei einsetzen müsse. Die folgende Entschließung wird mit pllen— es waren üder 1000 Funktionäre und Vertrauensleute anwesend— gegen eine Stimme angenommen. Die Versammlung ist sich des Ernstes der Tatsache bewußt, daß bei den RcichStagswahlc» vom 6. Juni d. I. nahezu 2 Mit- lioncn Stimmen weniger für sozialistische Kandidaten abgegelx« worden sind, als am 19. Januar 1919. Sie bedauert auß�rden» daß von den für die Sozialisten abgegebenen 11 Millionen Stim- nien diesmal ein so großer Prozentsatz für die Listen derjenige» Partei abgegeben wurden, die sich von dem alten sozialdemokrati- scheu Programm abgewendet hat und zur demokratischen Republik eine feindselige Haltung einnimmt. Sie sieht indes in dieser Stimmabgabe mehr die Bekundung einer starken Nnzufriedcn- heit im arbeitenden Volke, als die wohlüberlegte Bekennerschast zu einer Politik der Diktatur, die bei der schwierigen Wirffchafts- läge Deutschlands»ilid im Augesicht seiner sozialen Zusammen- setzung nur den erbitterten Bürgerkrieg mit»er- beerenden Wirkungen für die Arbeiterklasse selbst, die Zerreißung Deutschlands und den Sturz feiner Kaufkraft auf dem Weltmarkt zur Folge haben würde. Die Berfammlung billigt durchaus den Brief des Genossen Hermann Müller an den Vorsitzenden der Unabhängigen Sozialdemokratie Artur Crispien, worin er die Leitung dieser Partei zu einer Besprechung einlädt über die Bedingungen von deren Eintritt in die Regierung und für eiiz Zusammengehen der beiden sozialdemokratischen Parteien zur Verteidigung der Errungenschaften der Republik gegen alle Angriffe von rechts. Sie drückt insbesondere ihre Genugtuung ans über den versöhn- lichen, vom Geist der Brüderlichkeit getragenen Ton dieses Brieses. Um so mehr fcrdonert sie die hochfahrend ab- weisende Antwort, die dem Genossen H. Müller von feite» der Unabhängigen Parteileitung gegeben worden ist und einen völligen Mangel an Verständnis für die politi- s ch e ii Aufgaben erkennen läßt, welche die Parteien der Ar- beiterklaffe in der gegenwärtigen schwierigen Lage der deutsche» Republik zu erfüllen haben. Die Versammlung erkennt an, daß nach dieser Kampfansage der Unabhängigen die Sozialdemokratische Fraktion des Reichstags in eine Lage versetzt wurde, die ihr, da die bisherige Regicrungs- koalition über keine Mehrheit mehr verfügt, den Austritt aus der Regierung nahegelegt hat. Sie ist mit der Fraktion der Meinung, daß Vertreter der Sozialdemokratie, der Partei der Völkcrveisöhniing und strengen Friedenspolitik, unter keine» Umständen m it Vertretern derDeutschen Volk?- Partei einer Koalition angehörrn tonne», und daß die Sozial- drmokratie einer Koalition, der diese Partei angehört, kein Vertrauensvotum ausstellen kann. Sie billigt es aber, baß die Sozial- demokratische Fraktion im Interesse der Ermöglich»»» einer republikanischen Rezicriiiig der neuen Koalition gegenüber eine abwartende Haltung einnimmt, zumal in dieser Koalition die beiden Parteien die Mehrheit haben, mit denen zusammen die Sozialdemokratie bisher die Regierung gebildet, die demokratische Verfassung der Republik und eine Reihe bedeutsamer Gesetze zum Schutz und zur Erweiterung der wirtschaftlich-sozialen Rechte der Arbeiter zur Annahme gebracht hat. Wenn die Berfammlung den Ausfall der dieSmaltgea Reichs» tagswahlcn bedauert, so ist sie jedoch durch ihn in keiner Weise entmutigt. Mehr a l S zwei Drittel der Wähler haben für Parteien gestimmt, die a u f d e m B o d e n der demokratischen Republik stehen, und in 27 von im ganzen 35 Wahlkreisen hat die sozialistische Wählerschaft für die S. P. D. gestimmt, die an den Grundsätzen und der Kampfesweife festhält, i» denen die großen Vorkämpfer des Sozialismus in Deutschland diese erzogen und in Jahrzehnten des Kampfes unter be« fchwimgftcn Berhält- nisscii von Sieg zu Sieg gefjihrt haben. Die Versammlung schöpft aus dieser Tatsache die Ermutigung, unerschüttcrt organisatorisch und erzieherisch im gleichen Sinne� weiterzuarbeiten, übc-zeugt, baß die große Mehrheit der Arbeiter, die diesmal ihr die Stimme versagt haben, bald erkennen iverde», daß ihre Politik die rich- tige ist, und sich ihr von neuem anschließen werden. Genosse Fiucrnzminister Lüdcmaim richtete zu in Schluß einen ivaruren Appell an die Parteigenossen, Äertrarie-n zu bewahren und fester denn je zu s-amm anzuhalten. und brachte ein dreifaches Hoch auf die alte sdurmbc-währte Sozialdemokratische Partei Deutschlands aus. In dieses stirrwnten die Anwesenden mit Begeisterung ein. Die Versammlung bezeugte so die ungebrochene Kampfes» l u st der Berliner Parteiorganisation. In gehobener Stim» m u n g verließen die Teilnehmer unter Msingung der 2t r- ve-itermarsellaise den Saal. DaS Berliner ,.8-llhr-Abciidblatt" bringt nach der Wiener „Morgen-Zeitung'" die Nachricht, daß der berühmte französische Hauptmann D r e y f u S, der Held jenes antisemitischen HockverratSprozesseS, der fünf Jahre lang ganz Frankreich in zwei Lager spaltete und die ganz« Welt ig Sltem hielt, in Paris ge- storben sei. Die Meldung de? Wietier Blatte« ist offenbar auf eine N a m e n S v c r w e ch s e l u n g zurückzuführen: Vor einigen Tagen brachte der„TcmpS" unter den Familienanzeigrn die Nach» rickt deS HinscheidcnL eines x beliebigen Kaufmanns namens Alfred DreyfuS. Daraus hat wohl ein in der Schweiz sitzender übereifriger Korrespondent das Ableben des ehemaligen Gener rlstcibshaupt- manns, jetzwen Obersten a. D, gleichen Rameno gemacht. Da uns durch einen Zufall diese Todesanzeige im„TempS" aufgufallen war, glauben wir die Richtigkeit der Nachricht auf das Bestimmteste be- zweifeln zu dürfen, um so mehr, als sie nicht direkt aus Paris kommt. Neue Berhandlungsmetbobr. Aus Frankfurt a. M wird unS gedrahtet: Eine Versammlung hiesiger und auswärtigcr Baiinnter- nehm er im RarbauS, die über die von den Bauarbeitern des Frank- furter Wirtschaftsgebietes erhobenen Lohnforderungen verhandeln wollle, wurde gestern mittag kurz nach 12 Uhr von demonstrierenden Bauarbeitern gestört. Die Versammlung mußte auf- gehoben iverben. Die Aroeitgeber verließen das Rathaus und be- gaben sich zur Fortsetzung der Verhandlungen im Zuge nach Friedberg. Die Demonstranten zogen später in einer Stärke von mehr als 1000 Plann über die Kaiserstraße nach dem Bahn-' Hofsplatz, wo sie auseinandergingen. Die Haftentlassung d s Abg. Kilian(N Soz.), der«ine länger« Gefängnisstrafe zu verbüßen hat, ward« in der Donnerstagsitzung der Landesversammlung von einer Mehrheit gcfondeci, die aus den Sozialdemokraten, Unabhängigen, Demokraten und einem Teil bei Zentrums'bestand. • Da? Verbot der„Frankfurter Zeitung" für die Pfalz ist wieder aufgehoben worden. Nach vudapester Muster. Die Leiche de« bisher vermißten Re- dakteur? der unabhängigen„Schiesischen Arbeiterzeitung", Bernhard Schottländer, ist am Mittwoch in OSwih, einem Vorort von Breslau, g c l a n d e r. Die Leickie wurde von der Mutter re- kognotziert. Di« Todesursache wird die gerichtliche Sektion ergeben. GSwsvkschsstsbsDSMNß Die gegenwärtige �age in öer Metallinünstrie. Am Freitag versammelten sich vormittags in Haverland- Festsälen die Angestelltenmitglieder der Betriebsvertretungen und die Verbandsfunktionäre, soweit sie der Asa angehören, um einen Bericht über die gegenwärtige Situation in der Metallindustrie entgegenzunehmen und einen Beschlutz über die weiteren Matz- nahmen zu fassen. F l a t a u referierte über den Stand der Dinge. Das in Form und Inhalt charakteristische Schreiben der Metallindustriellen an die Verbände und an das ReichsarKeitsministeriuin wurde ver- lesen. Gegenüber den Behauptungen der Unternehmer, die Be- triebe könnten bei der gegenwärtigen Konjunktur erhöhte Angc- stelltenlöhne nicht zahlen, wurde darauf hingewiesen, datz einzelne Unternehmer, trotz der Möglichkeit, ihre Lagerbestände mit aus- gezeichnetem Verdienst an das Ausland verkaufen zu können, dies nicht t-un, weit sie eben mit einem bedeutend höheren Gewinn gt> rechnet haben. Sie wellen den Lauf der Dinge abwarten und können sich nicht daran gewöhnen, datz die Zeiten unnatürlicher, zum Schaden der Allgemeinheit erzielter Kriegs-, RevolutionS- und Konjunkturgewinne auch einmal vorübergeht. Man mutz hier also von einer„k ü n st I i ch e n Zurückhaltung" sprechen. Es wurde auch darauf hingewiesen, in welcher Weise einzelne Unler- nehmer die offiziellen Vertreter der Angestclltenfchaft gegen die Angestellten auszuspielen versuchen. Aus der Versammlung heraus wurde nachgewiesen, datz sie damit nur zeigen, datz die Führerschaft die richtige war. Mit besonderem Interesse wurden auch die Berichte über ein- zelne Vorkommnisse in verschiedenen Werken entgegengenomnien. Die Unternehmer haben es sich selbst zuzuschreiben, wenn jetzt in diesem Falle den Angestellten-Gewerkschaften eine Vermittelung Htnmöglich ist. Die Meinung der Versammlung gibt folgende, mit überwälti- gender Mehrheit angenommene Resolution wieder: „Die anwesenden Bctriebsvertretungen und Verbandsfunk- tionäre der Afa erklären, von den Mindestforderungen des Schiedsspruches vom 1ö. ß. 20 unter keinen Umständen eiwcs nachlassen zu können. Sie verpflichten sich, innerhalb der Be- triebe dafür voll und ganz einzutreten." Zum Schluß wurde bekanntgegeben, datz nochmals betreffs der Verbindlichkeitserklärung des Schiedsspruches am Sonnabend bor- mittag 10 Uhr im Reichsarbeitsministerium eine Besprechung dec beiden Parteien stattfindet. Eine neue Zusammenkunft soll ermöglicht werden, sobald die Entscheidung des Reichsarbeitsministeriums vorliegt. Die dann zu treffenden Entschlüsse dürften von weittragender Be- deutung sein. Tie Oeffentlichkeit hat ein Interesse daran, die Entwicklung der Dinge in der Metallindustrie aufmerksam zu verfolgen. Es könnte hier nämlich die Möglichkeit eintreten, daß aus anscheinend kleinen Ursachen sich eine Bewegung ent- wickelt, die über den Rahmen des rein Wirtschaftlichen hinaus- reichen könnte. Auch der neuen Reichsregierung wird eine be- sondere Beachtung dieser Angelegenheit schon jetzt empfohlen, Die Ablehnung des Schiedsspruchs in der Metallindustrie ver- urteilten die Angestellten der Gesellschaft für drahtlose Telegraphie m. b. H. sTelefunken) in einer Versammlung in nachstehender Reso- lution: Die Angestelllen der Gesellschaft für drahllose Telegraphie m. b. H. lTelefunken) nehuien mit Enirttstung davon Kenntnis, datz die Arbeitgeber sich dem Schiedsspruch des Jchlichtungsausichusies nicht fügen wollen. Wir erblicken darin nicht nur eine absichttiche Herausforderung der gesamten Angestelllenschaft, sondern den Ver- such ein erSabotage des ganzenWirtschaftslebens von seilen der Meiallindustriellen. Eingedenk des Ausspruches von Arbeitgeberseite:„Nur Arbeit kann uns retten!" find wir der Ansicht, datz nur eine der Zeit entsprechend bezahlte Arbeit uns retten kann, um eine Verelendung der Angestelltenschaft zu ver- hindern. Wir fordern von unseren Gewerkschaftsvertretern, mit allen geschlichen und gewerkschaftlichen Mitteln dahin zu wirken, datz der gefällte Schiedsspruch chon den Arbeilgebern ancrkannr wird. Die Wahrheit übe? öen Lanöarbeiterlkreik in Hinterpommern. lieber den Streik der hinterpommerschen Landarbeiter werden sehr viele falsche Nachrichten verbreitet. Die Organisation der Landarbeiter wird öffentlich beschuldigt, den Streik seit langem vorbereitet und ohne Grund provoziert zu haben. Wenn man erfährt, datz all diese Nachrichten aus ein und derselben Quelle, aus der Geschäftsstelle des Pommer schen Landbundes, stammen, dann weiß man ihren Wert richtig einzuschätzen. Der Landarbeiterverband hat weder den Streik in Hinter- Pommern vorbereitet, noch hat er durch eine einzige Handlung zu dem Streik aufgerufen. Die hinterpommerschen Landarbeiter sind ganz elementar zur Arbeitseinstellung geschritten, ehe alle Schieds- instanzen durchlaufen waren, weil sie seit Monaten von dem Pommerfchen Landbvnd in der unverantwortlichsten Weise be- handelt wurden. Sie haben seit Monaten auf eine Vcrbesse- rung des sogenan.nren Zwangstarifs gedrungen, dessen Lohnsätze durch die fortschreitende Steigerung der Preise I gerade für die unentbehrlichsten Bedarfsartikel de? Landarbeiters ! längst überholt waren. In allen übrigen Provinzen Preußens und im übrigen Deutschland haben die landwirtschaftlichen Arbeit- geber im Laufe der letzten Monate anerkannt, daß die Verhältnisse sich zu Ungunsten der Landarbeiter verändert haben und haben sich zu einer verhältnismäßigen Erhöhung der Barlöhne verstanden. In Hinterpommern hatte es aber der Pommersche Landbund sich vorgenommen, die Organisation der Arbeiter zu zertrümmern, um wieder die unbeschränkte Macht über die Arbeitskräfte zu erlangen. Als die Rechtsgrundlage des Zwangstarifs aufgehoben war, weigerten sich die Arbeitgeber, in Verhandlungen über den Abschluß eines neuen Vertrages einzutreten. Ter Schlich- tungsausstbutz wurde angerufen, in dem die Arbeitgeber und einige Arbeitnehmervertreier vom Pommerfchen Landbund sich dafür entschieden, nicht einen Tarif für den ganzen Regierunos- bezirk, sondern durch die Spruchkammern der einzelnen Kreise Tarife abschließen zu lassen. Es bestand nun nach Ansicht der Landarbeiter die Gefahr, daß die Arbeitnehmerbeisitzer des Pommerfchen LandbnndeS in den einzelnen Spruchkammern mit den Arbeitgebern zusammen eine Mehrheit bilden und in allen Kreisen sehr ungünstige Tarife ob- schließen würden. Sie verlangten von ihrer Orgamsationsleitung die Genebmigung zum Eintritt in den Streik. Auck> jetzt versagte dies die Orgamsationsleitung und gab den telegraphiscßen Bescheid: Borstand und Beirat verlangen, datz Sckied-sprücbe der .Kreisspruchkammern abaewartet werden. Befürchtung, datz Schiedssprüche wegen Teilnahme von Landbundarbeiknehmern ungünstig ausfallen, wird von uns nicht geteilt. Auf rasche Erledigung durch Kreisspruchkammern ist hinzuwirken. Sollten einzelne Kreise ungünstig ausfallen, kann mit größerem Nach- druck kreisweiie Kampf geführt werden. Dte Befürchtungen der Landarbeiter bestätigten sich im Kreise Köslin. Hier fand sich ein Arbeitnehmervertreter in der Sitzung der Spruchkammer am 21. Juni, der mit den Arbeitgebern zu- sammen eine Verlängerung der Arbeitszeit um 137 A r b e i ts st u n d e n bewilligte, der gegenüber nur ein geringer Ausgleich in der Barlohnvergüiung Platz greifen sollte. Ter Bar- lohnsatz soll 1400 Ml. betragen. Durch den geschlossenen Streik sind nun die Arbeitgeber in den anderen Kreisen doch zu der Einsicht gekommen, datz man es nicht auf einen für die Arbeiter ungünstigen Entscheid der Kreissvruch- kümmern ankommen lassen dürfe. Es haben mittlerweile direkte Verhandlungen zwischen Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertretern stattgefunden, die zu dem Abschluß von Tarifverträgen in den Kreisen Drainburg: Kolbe, rg, S to l p und Schlei lue süorten. In den Kreisen Rummclsburg, Bublitz, Lauen bürg und Bntow ist am 26. Juni verhandelt worden. Ebenso soll in Bclaard und Neustettin verhandelt werden. Aus vorstehendem ist fiir die Bevölkerung ersichtlich, datz nicht, wie eine gewisse Presse behauptet, verbrecherische Absichten der Organisation d-er Landarbeiter dem Streik und einer Schädigung der Volksernährung zugrunde liegen, � sondern datz nur der man- gelnde Wille der Arbeitgeber bisher eine Einigung mit den hinter- pmnmerschen Landarbeitern vereitelt hat. «- Die Streiklai�e im Ncgierunasbczir? Köslin. Von zuständiger Seite wird uns über den Stand des Land- arbeiterstreiks in Pommern geschrieben: Infolge der an dem Widerstand der Arbeitgeber in dem Kreis Rummelsburg gescheiterten Verhandlungen kamen>in R n m in e l S b u r g A u s s ch r e i r u n a e n vor. Der Regierung� Präsident ist diesen begegnet, indem er oaS bisher in Stolp befind- liche Kommando der Sicherheitspolizei nach Rummelsburg gezogen bat. In Stolp herrscht nach Tarifabschlutz vollkommene Ruhe. Im übrigen Bezirk Herrschi ebenfalls Ruhe, a u ck in Köslin. Störend aus die Verhandlungen hat die erneute Presse- aktion des Pommerscheu Landbundes gewirkt, der nach Angabe des Regierungspräsidenten seine Mitglieder im Kreise Kolberg, in dem vor wenigen Tagen eine freiwillige Tarisvereibarung zustande kam, zu beeinflussen versucht, diese Vereinbarung nicht zu halten. Entgegen den Zeitungsmeldungen stellt der Regierunaspräsident fest, datz � eine Einsetzung der Technischen Nothilfe im Kreise Köslin nicht erfolgt ist. Die Technische Not- Hilfe war aus einigen Gütern des Kreises Stolp tätig, hat aber ihre dortige Tätigkeit, da der Streik durch Tarifabschlutz beendet wurde, bereits eingestellt._ Die Verschmelzung See ÄsenbahnsrorgKulssüsinen. Die in Augsburg abgehaltene Generalversammlung des Ver- bandes des deutschen Verkehrs Personals hat ein- stimmig die Verschmelzung mit dem Deutschen Eiscnbahnerverband beschlossen. Letzterer hat eine Ntitgliederzahl von aber 4 00 0 0 0, der Ver'band des deutschen Verkehrsversonals über 10 0 0 0 0. Mit der Verschmelzung dieser beiden Verbände wurde die stärkste Eisenbahnerorganisation der Welt geschaffen. Die Vertreter des Postversonals, das im Verband des deutschen Berkehrspersonals stark vertreten ist, erklären, datz das Postpcrsonal unler allen Um- ständen im großen Verband bleiben wird. Generalversammlung der Sattler u»d Tapezierer. Eine zahlreich besuchte Generalversammlung des Verbandes der Sattler, Tapezierer und Poneieniller lOrtsvcrwaltung Berlin) nabin zunächst den Kassenbericht für die vier Monate Januar bis ein- schließlich April entgegen. Ter Bericht mutzte diesmal noch getrennt erstattet werden für Sattler und Portc'cuillcr einerseits und für die Tapezierer andererseits.— Aus dem Bericht von Karl Weyhe» betreffend die Sattler und Portefeuiller, ergibt sich, daß deren Mitgliederzahl von 4702 am 1. Januar bis zum 30. Avril auf 6058 gestiegen war, worunter sich 717 weibliche Mitglieder befanden. Der Beschäiligungsgrad war in jener Zeit verhältnismäßig günstig. Leider ist die Ärbeitsgelegenheit seitdem lehr schlecht geworden. Es sind jetzt über 1000 Sattler und Porieseniller imAr- beitsnachweis eingeschrieben.— Der Bestand der Lokal- lasse betrug Ende Avril 51920 M.— Für die gleichen vier Monate gab Osten den Bericht der verflossenen Verwaltung Berlin des fetzt mit dem Verbände der Sattler und Portefeuiller verschmolzeneu Taveziererverbandes. Bei den Tapezierern war die wirt- ickaftliche Lage in den abgelauienen vier Monaten die beste seit der Revolution. Die Finanrgebarung war deshalb auch Verhältnis- mätzig günstig. Beim Zusammenschlug der Verbände hatte die Lokalkasse der Tapezierer einen Bestand von 43462 M. und Mit- glicder waren 2596 vorhanden.— Für die politisch Inhaftierten und für die Opfer des Kavp-Liittwitz-Putsches brachten die Tapezierer in der Berichtszeil 15614 M. auf. � x Beiden Kassierern wurde Dechnrge erteilt. Es folgte die noch- malige Stellungnahme zum Lokalkassenstatut. Weyher legte namens der Ort- verwaltuna dar, datz sich bei der vor einiger Zeit erfolgten Festsetzung der Streikunterstiitznngsiätze ein Irrtum in der Decklingsfrage eingeschlichen habe. Der angenommene Unter- stntzilngssatz bat sich als zu hoch erwiesen.»— Nach einer Debaite nalun die Versammlung den Antrag der Orrsverwaltung auf eine entsprechende Ermäßigung des Unterstützungssatzes an. Auf Antrag der Betriebsräte beautiragte die Versammlung einstimmig die Ortsverwaltiing, unverzüglich an die Stadtverordneten« Versammlung Grotz-Berlrn den Anlrag zu stellen, daß sämtliche Tapeziererarbeiten d e r n e u e n Gemeinde G r o tz- B e r l i n s in Kraitkcnbäilsern, Ratbäitsern, öffentlichen Anstalten, Amtsgebäuden ustv. in eigene städtische Regie zu übernehmen seien, uni dadurch der Sozialisierung''näherzukommen. ' Der A ll S s ch l u tz des Reichspräsidenten Ebert aus dem Verband und die Aufhebung deS Ansschliltzbeschlusses des Verbaiidsvorstandes durch den VerbandSauSschutz wurde dann be- sprechen. Gott schalk iVorsitzender der OltSberwaltung) meinte zu dem Beschlutz des Verband? a u s ich u s s e s ans Wieder- eiusetzung Eberts in seine Rechte, der bis zum nächsten Verbands- tag gilt, datz er vorschlage, unter keinen Umständen Eberl als Mitglied der Berliner Verwaltung zu betrachten.— Dieser Vorschlag wurde schon aus statutarischen Gillnden von Schulze, Dönert und Spliedt Mitglied des Hauptvor- staudsS) bekämpft. Es wurden von ihnen aber auch sachliche Gründe zugunsten der Stellungnahme des Verbandsausschusscs geltend gemacht. Ein Anlrag, die Angelegeubeit Ebert bis znin nächsten Nerbandstag zu verschieben, wurde mit 392 gegen 193 Stimmen abgelehnt. Der Lorsitzende bemerkte darauf, datz es somit bei dec Stellungnahnie der Ortsverwaltiing verbleibe. Der Ausschutz könne nicht die Berliner Ver Wal- t u n g zwingen, daß gerode iie den Kollegen Ebert als Milglied führe ui'.d seine Beiträge entgegennehme. Zwei Vollversammlungen der Magistratshilfskräste in de: Bötzowbrauerei nabmen zw, der Verschleppungstaktik des Mafn- itrats Berlin gegenüber ihrer bereits Mitte März begonnenen Gehaltsbewegung Stellung. Die Versammlungen nahmen nach dem Reserar von Burkert folgende Ernschiietzung an: „Die in der Bötzowbrauerei v-xsammelten nicht ständig An- gestellten des Magistrats Berlin stellen mit Entrüstung die in der Regelung der Eehaltsbezüge seitens des Magistrats geübte Verschleppungstaktik feit. Sie-ordern unverzügliche Regelung der seit Anfang März schwebenden Geoaltssrage und verlangen Respektierung der Beschlüsse der Stadtverordnetenversammlung." Auch zu den Angriffen gegenüber der Arbeitsgemeinschaft und des Zentralen Ausschusses durch den Pfarrer Koch winde Stellung genommen und eine scharfe Protestresolution zur Annahme gebracht. Die Persammeitcu fordern ip der Resolution von den sozialistischen Fraktionen-wie vom Magistrat der Stav: Berlin, daß die Angriffe de? reaktionären Siadtverordueten Koch in gebührender Weise zurückgewiesen werden, und sprechen er- neut obengenannten Körperschaften ihr v-olles Vertrauen aus. Im Anschluß an diese Resolution wurde von einem Tis- kussionsredner unter großem Beifall der Versammelten empfokstert, alle bürgerlichen Blatter aus den Kreisen der Hilfskräfte heraus- zuwerfen und als Lektüre eine Arbeiterzeitung zu abonnieren. Danach nahm die Versammlung mit Genugtuung den Be- richt des Kollegen Heinrich! von dem Ergebnis der Verhandlungen über das Mitbestimmungsrecht auf. welches den Hilfskräften weit über den Rahmen des Betriebsrätegesetzes hinausgehende Be- sugniffe einräumt. Zum Schluß der Versammlung wurden noch die Marburgcr Vorgänge einer kritischen Besprechung unterzogen und folgende Resolution angenommen: „Tie versoii-i» eilen Hilfskräfte des Magistrats Berlin erheben den schärfsten Protest gegen die Freisprechung der Marburger Ar- beitermörder. Wir verlangen, datz die sozialistischen Fraktionen des Reichstages bei der Regierung den schärfsten Protest gegen dieses Urteil erheben." Achtung, Zimmerer! Wir biiten die im Tiefbau beschäftigten Mitglieder, die den durch Schiedsspruch festgesetzten Lohn nicht erhalten. zu der am Sonntag, vormittags lU/z Uhr, einberufenen Tiefbanarbeiterversammlung in BökerS Festsäleü, Weberstr. 17, sstp einzufinden. Zentralverband der Zimmerer DeulschlandS. Zahlstelle Berlin und Umgegend. Verciniw wr den cedett. Teil: Dr. Werner Pcisir. Ch-rwttenkn-rg: für Sin;, einen: Th. Glackc. Berlin. Verlag: VorwatiS-Verlag G.m.b.H.. Berlin. Druck: Ver- wärts-Vuchdruckerei u. 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