Nr. 324■» 37. Jahrgang fiusgabe A Nr. 25 Bezugspreis: V stte!1ährU 30,— Mt., motiatLIO,— Mi. fcei ms 5) aus. voraus zoWdar. Post» oezug. Monatlich 10,— ML. e�fl. Zu» nellungsgedühr. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich 16/ 0 nir üas übrige Ausland bei raglich einmal. Zustellung 21 S0 'tellungen nebmen an Oesterreich, Ungarn, Tschecho» Slowake«, Dane» mark, voll an o..u�embucg. Schweden und die Schwerz.— Eingetragen in die Post» �.eimnqs- Preisliste. Der �VorwSns" mir der Sonntag». beilage �Volt m Zei� ericheinr wochen- täglich zweimal Sonnmgs und Mon» tags e'nmat. Te'egramm.Adresie: �Sozialdemokrat verlin-. Morgen-Ansgalie berliner Nolksblerit � 20 Pfennig) Anzeigenpreis: Die achtgelpaltene Nonpavrillezeil« tofte> Z,— M., Teuerungszuschlag 50°/«. »Sleiae Anzeigen", das fett- gedruckte Wort I.— M.'(juläffig zwei iettged ruckte Worte), jedes weitere Wort SO Pfg. Etellengefuche und Schiafstellenanzeigen das erste Wort «ö Pfz.. jedes weitere Wort 4L Pfg. 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Er riet dem Reichstag, nach kurzen Debatten gute Beschlüsse zu fassen; er versprach, selber durch Kürze ein gutes Beispiel zu geben, und er hielt auch sein Wort, indeni er in kaum 40 Minuten knapp, klar und treffend vorbrachte, was zur neuen Regierung und ihrem Progranim zu sagen war. _ Es wäre ein Segen, wenn es dem Genossen Scheidemann gelänge, in dieser Richtung bahnbrechend zu wirken, ein Segen für den Parlamentarismus, dessen Ruf durch eine gewohn- kvitsmäßige Viel- und Langrednerei ins Wanken gekommen ist. Das Parlament der Republik soll ein Instrument p o l i- tischen Handelns werden und Willen zeigen, nicht aber in ermüdenden Redebreiten sich erschöpfen. Durch Beispiel und Gegenbeispiel wurde gestern gezeigt, wie es gemacht und wie es nicht gemacht werden soll. Denn nach Scheidemann kam Ledebour zu Wort, der durch die �ehauptunc; verblüsfte, Scheidemann habe seine Rede abge- lesen und sich dann eine Viertelstunde in Witzeleien über seine Behauptung Übte, nachher schwammig, zerflatternd und zer- fahrend sich in endlosen Einzelheiten erging und ein halbtot langweiltes Haus zurückließ. Ledebour verträgt es nicht, 'daß die Welt Scheidemann für einen besseren Redner hält als 'bn— aber was gehen diese seine persönlichen Schmerzen die Oeffentlichkeit an? Auch sonst waren die beiden Redner der beiden sozialistischen sB'.aktionen Beispiel und Gegenbeispiel. In Scheidemanns Rede kam klar der Wille zum Ausdruck, auf dem Wege der De- mokratie die Macht zu erobern. Was aber will Ledebour? Der :"abhängige Redner verwandte einen großen Teil seiner Aus- fiihrungen— und der war noch der Interessanteste— darauf, den bündigen Beweis Scheidemonns zu widerlegen, daß die Unabhängigen an der Bildung einer Regierung, aus der die Arbeiterklasse ausgeschaltet ist, die Schuld trügen. Er ging dabei von der Voraussetzung aus. daß eine neue Koalition mit den Unabhängigen.dasselbe hätte werden müssen wie die alte Koalition ohne die Unabhängigen. Das wißt sehr schlecht zu dem Auftreten der Unabhängigen im Wahl- kämpf, in dem sie sich gegenüber der waschlappigen„Rechts- sozialisten" als so erschrecklich forsche Kerls aufspielten, als Leute, die zugunsten der Arbeiterklasse wer weiß was durchsetzen könnten. Nichts können sie, eine Fraktion, die sich der Führung Ledcbours überläßt, ist von vornherein zur Un- fruchtbarkeit verurteilt. In die Regierung wollen sie nicht geben, solange sie dort nicht, auch gegenüber den Sozialdemo- Katen, alles aenau so. wie sie es wollen, durchsetzen können. Aber die Wahlen, deren Erfolg Ledebour so rühmte, haben ihnen noch nicht ein Fünftel aller Stimmen gebracht. Wenn die Arbeiterklasse solange warten will, bis ein Reichstag bei- sammen ist, der alles nach Ledebours Wünschen macht, wird sie sich noch lanae in Geduld üben und manckfe Schlappe bis dahin ertragen müssen. Oder soll die>, R ä t e b e r r s ch a f t", von der bei Ledebour nicht die Rede war, den Entwicklungsprozeß beschleunigen? Mit Vertröstunaen auf den St. Nimmerteins- tag wird sich die Arbeiterschaft nicht lange zufrieden geben! Da ist Herr H e r a t von dtzn Deutschnationalen ein an- derer Mann. Er fällt nämlich in das entgegengesetzte Ertrem, und während Ledebour, ungeachtet der brennenden sachlichen Interessen, die er zu pertreten hätte, bis Tausend warten kann, kann es-Hergt gar nicht erwarten, bis alle konservativen Minister a. D. wieder in Amt und Würden sind, und bitter beklagt er sich über die Uebwgehung seiner Partei bei der Rc- gierungsbildung. Ja, was können wir dafür, daß die b ürg e r- lickicn Parteien von den Deutschnationalen nichts wissen wollen, daß sie samt und sonders zu verstehen gegeben haben: mit denen nicht!! Herr Hergt mag einen Taktkehler begangen haben, indem er dem gierigen Streben seiner Partei nach Wiederherstellung ibrer Macht allzu offenkundigen Ausdruck gab. im Grunde ge- nommen aber sind die ostelbischen Großgrundbesitzer, deren Sachwolter er ist, viel praktischere Politiker als jene Arbeiter, denen eine Ledebour-Rede mit ihren nicht mebr ganz neuen Späßen lieber ist als die Ergreifung eines Stücks politischer Macht. Im übriaen zeigte sick> das augenblickliche Gleichgewicht der Kräfte, auf dem die neue Rcgieruna bglanziert, darin, daß sich H-rgt von rechts her aanz die Erklärung zu e!gen machte, die Scheidemonn von links ber abgegeben hatte. Was die neue Regierung will, ist trotz der kumtvoll vorgetragenen Rede Fahrenbachs nicht ganz klar, sollte sie dasselbe wollen, wie wir. dann werden wir mit ihr, sollte sie aber etwas unserem Willen und unserer Ueberzeugung Entgegengesetztes wollen, dann wer- denden wir gegen sie sein. Das sagen die Sozialdemokraten, das sagen auch die Deutschnationalen, auf beiden Seiten also eine abwartende Haltung, die gerade noch dazu ausreicht, ein verfassungsmäßiges Dasein der Regierung bis auf weiteres zu ermöglichen. Auch die Unabhängigen scheinen auf einen Versuch, die Regierung gleich nach ihrer Geburt wieder durch ein Miß- trauensvotum zu stürzen, verzichten zu wollen, und das ist schließlich auch konsequent, denn diese rein bürgerliche Regie- rung ist ja ihr eigenes Kind. Die Sozialdemokratie wäre schon eher geneigt, ihr ein möglichst kurzes Dasein zu gewähren, wenn nur die Unabhängigen die Güte hätten, zu sagen, was nach ihrer Vorstellung dann kommen soll. Ledebour bat es nicht gesagt, also warten wir auf H e n k e! » Präsident Löbe eröffnet die Sitzung mn 9Vi Uhr. Abg. Schcidenmnn(Soz.): DieZ ist der erste Reichstag des deutschen Volkes, der nicht nur zu reden, sondern auch etwas zu sagen hat. So möge er auch seine Technik modernisieren, indem er mit dem möglichst geringsten Kraftauswand die möglichst grogte Leistung anstrebt. Mögen seine Debatten kurz und seine Beschlüsse gut sein. Ein heftiger Wahlkampf liegt hinter uns, die Kräfte, die in ihm urfd nach ibm wirkten, haben die neue Regierung geschaffen, die mit so großen Schwierigkeiten zustande kam, und deren Pro- gramm wir heute kennen lernten. Dieses Programm läßt man- cheS vermissen, was wir gern darin festgslegt sähen, aber eS enthält doch manches, dem wir zustimmen können. So bleibt uns nur übrig, abzutvarten, ob die Handlungen der Regierung ihrer heute abgegebenen Er- klärung entsprecken werden, und wie sie sich zu drängenden TageSfragen stellen wird, die in ihrem Programm nicht be- richrt sinld. Wir haben zu Herrn Fehrenbach das Vertrauen, daß er für die Ausrechterhaltung der freien Staatsform, deren Schutz ibm anvertraut ist, mit seiner ganzen Person und seiner ganzen Kraft einstehen wird. lBeifall.) Im übrigen werden wir seine Taten unbefangen prüfen. Er und seine Regierung werden unS an seiner Seite finden, wenn sie tun, was nach unserer Ueberzeugung dem Wohl der breiten Masse des Volkes dient; er und seine Regierung kennen uns aber auch genug, um zu wissen, daß ibnen unser stärkster Widerstand sicher ist, wenn sie die Bahnen verlassen, auf der allein nach unserer Mei» nunq eine bessere Zukunft unseres Volkes erreicht werden kann. (Beifall bei den Soz.) Nicht ohne schwere Bedenken scben wir die Veränderungen, die sich auf der Regierungsbank vollzogen haben. Ginge eS nach unseren Wünschen, so dürften nickit Sie, sondern nur Vertreter der sozialistisch denkenden, ar- beitendcn Massen dort sitzen.(Beifall bei den Soz.— Aharufe bei den übriaen Parteien.) Sie haben Ihren Willen ausge- sprachen, nicht gegen die Arbeiter, sondern mit den Arbeitern zu regieren, und sieb glaube, daß Sie sich der Gefahr bewußt sind, die daraus entstehen möchte, wenn der Versuch eines Re- gierens gegen die Arbeiter gemacht werden würde. Wenn aber Deutschland zum ersten Male wieder seit der Revolution eine sozialistrnreine Regierung hat. so ist da?, wie alle Welt weih, keine Verschiebung der Kräfte, die sich im Klassenkampf vollzogen hat, sondern lediglich der Politik der Unabhängigen zu danken. 'Widerspruch bei den U. Soz.) Die Kosten werden die Ar- beiter zu trogen haben. Für jeden Schaden, der ihnen daraus erwächst, daß ssc keine Vertreter in der Regierung.haben, sind Sie haftbar.(Beifall und Sehr rickltig! bei den Soz.— Unruhe bei den U. Sog.) DaS ist ein Zustand, den ich tief beklage, da nach meiner Meinung eine Zukunft nicht mebr ferne ist, die ein gemeinsames Handeln der gesamten Arbeiterklasse notwendiger machen wird denn je. Glauben Sie aber doch ja nicht, daß wir jemals zu dieser Gemeinsamkeit gelangen könnten durch die Vergewaltigung der Meinung Andersdenkender. Gemeinsames Raten und gemeinsame Taten, wenn der gute Wille dazu vor- handen ist— ja; daß wir uns Ihnen aber unterwerfen, wie es der größenwahnsinnige Erispienbrief von uns, der Mehrheit, verlangte— niemals! Dazu ist die Revolution nickt gewesen, daß der abgeschaffte Kadavergehorsam wieder eingeführt wird von der anderen Seite.(Sehr richtig! bei den Soz.— Lachen bei den U. Soz.) Inzwischen haben die entschiedensten Gegner der Arbeiterbewegung au? ihrer poli- tischen Zersplitterung sibon so viel Vorteile gezogen, daß es wahrscheinlich an der Zeit wäre, durch festen Insammephglt den entstandenen Schaden' wieder wettzumachen. Wer die Arbeiter- schaft zu unbedachten Aktionen auffordert— das ächtet sich gegen keinen, der hier im Saal« sitzt— ber macht sich, bewußt oder ■UMfrewlißl, beKcchkt oder uwbezahlt zum Helfer ihrer Feinde. Ich warne ganz besonders in jetziger Zeit vor unüberlegtem Tun. gibt es doch Menschen, denen Unbesonnenheiten gerade jetzt be- sonders willkommen wären.(Sehr richtig! bei den Sog.) Wenn ein Teil der Arbeiterschaft den ihm nach demokratischem Recht gebührenden Anteil an der Macht nur aufgegeben haben würde, um aus gewaltsamem Wege mehr zu erreichen, als ihm gebührt, so würde er die erldrückende Mehrheft des Volkes gegen sich haben, und die Herren von dort drüben(nach rechts) hätten Sie szu den Unabh.) dann, wo sie Sie haben wollen! Auch die Re- gierung wird sich keinem Zweifel darüber hingeben dürfen, daß ldie Herren von rechts— von der Deutschen und Deutschnationalen sogenannten„Volks"partei— alle Anstrengungen machen wer- den, um sie mit List und Gewalt ganz zu sich hinüberzuzieben. Da kann ich Ihnen nur zurufen: Meine Herren von der Re- gierung, hüten Sie sich! Vergessen Sie nicht, daß Sie für jede» Stein, den Sie auf Ihrer Seite nach rechts rücken, auff der anderen Seite mehrere Steine nach links rücken, Von den Herren aber, die wir nicht aus gemeinsamer Arbeit, sondern nur aus den Erfahrungen des W a h l k.a m p s e s kennen, möchte ich dringend wünschen, daß ihnen mit dem Amt die bessere Einsicht käme.(Heiterkeit.) Gewisse Ansätze sind ja schon vorhanden. Vor der Wahl waren wir für Sie— Herr Kollege Rippler wird es gern bezeugen■— Analphabrteu, Zuhälter, Kneipwirte, Reifende in Spülklosetts. Als aber die Wahlen vorüber waren, versicherte einer Ihrer Füh- rer dem„Kneipwirt", daß er die ihm von diesem angebotene Re- gierungsbildung nur dann übernehmen könne, wenn die Reisenden in Spülklosetts unbedingt mitmachen. Reden wir ernst, meine Herren von den Rechtsparteien, miteinander: wir wissen sehr genau, daß Ihnen gegenüber die Rechte der Arbeiterschaft nur so weit geschützt sind als ihr« Macht reicht!(Sehr richtig! b. d. Soz.) Um � die Leitung der deutschen Volksgeschicke wird zwischen Ihnen und uns ein Kamps geführt werden, der ein Kernstück deS Klasseo-- kampfes sein wird, den wir mit den gesetzlichen Mitteln der Demo- kratie zu führen gedenken und jn dem wir Sie schlagen werden, wxil die Kräfte der.gesellschaftlichen Entwicklung mit uns im Bunde sind.(Lebh. Beifall b. d. Soz.) In der Koalftion waren wir bestrebt. Formen zu finden, unter denen sich unvermeidliche Verschiebungen der Machtverhältnisse mit möglichst geringer Reibung vollziehen konnten. Wenn wir aus der Koalition herausgegangen sind, so bedeutet das nicht, daß wir unS von unserer Vergangenheit abwenden, um in Sack und Asche Buße zu tun. Nein, wir sind dieselben geblieben. Wir stehen zu unseren Taten, und wir zweifeln nicht daran, daß diejenigen, die sich von uns abgewandt haben, wieder zu uns zu- rückkehren werden. Sie werden das tun, sobald sie begriffen haben werden, wie töricht es ist, den Sperling in der Hand— den parlamentarischen Machtanteil— fliegen zu lassen, um der Taube auf dem Dache— der Rätsdiktatur— nachzujagen.(Heiterkeit und Sebr gut! b. d. Soz.) Wir werden bestrebt sein, hier die prak- tischen Interessen deS arbeitenden Volkes wahrzunehmen und Hindernisse aus dem Weg zu räumen, die sich der organischen Entwicklung von der kapitalistischen Wirtschaftsordnung zu der höheren des Sozialismus entgegenstellen.(Sehr gut! b. d. Soz.) Deutschland soll keine Gelbsackrepublik werden. Von der Regierung fordern wir, daß sie die demokratisch- republikanische Staatsform gegen alle Antastungen von allen Seiten schützt. Daran halten wir unbedingt fest. Das ist uns auch zugesagt worden. Wir fordern die Nepnblikanisicrung des Heeres und des polizeilichen Sicherheitsdienstes, wir fordern die Ab- schaffung der Militärgerichtsbarkeit, die sich eben erst wiedep durch die Marburgrr Schmach ihr eigenes Urteil gesprochen hat. Die Freisprechung der Mar- burger Zeitfreiwilligen, die nach dem Vorbild der Ermordung Lieb- knechtS, der Frau Luremburg usw. IS Männer„auf der Flucht erschossen", wäre gewiß unmöglich gewesen, wenn die Rechte der Nationalversammlung die Abschaffung der Militärgerichts- barkeit nickt in letzter Stunde vereitelt hätte. Wie viele andere schwere Sünden, so kommt der Freispruch der Marburger Zeit- freiwilligen in letzter Linie auch auf das Schuldkonto der Rech- t e n. Meine Partei empfindet den Freispruch als ein« Schmach� die dem ganzen Lande angetan worden ist. Es widerstrebt mir, Einzelheiten über die Vorgänge hier vorzutragen, Ivest ich die Schmach nicht auch noch von dieser Stelle aus aller Welt verkünden will!(Lebh. Zustimmung.) Wir fordern den Ausbau unserer demokratischen Einrichtungen, die Ausführungsgesetze der verfassungsmäßigen Bestimmungen über Volksentscheid und Volksbegehren und ein Reichsschulgesetz, das die Erziehung unserer Jugend im Geiste freiheitlicher Entwick- lung� aus gesunde Bahnen lenkt. Die Einbringung dieser Eni- würfe ist gleichfalls zugesagt. Aus wirtschaftlichem Gebiete fordern wir die Ueberführung der dazu reisen Betriebszweige, insbesondere der Ausbeutung der Erdschätze und ihrer Ueberleituag zur Pro- duktion in öffentliche Bewirtschaftung. Wenn ich recht ge- hört habe, war die programmatische Erklärung gerade m vezug auf diese Aufgaben von einer geradezu mimosenhaften Z««ückhastllng. (Sehr richtig? b. d. Soz.) Wir fordern die Beseitigung des privaten Großgrundbesitzes, dessen politilches Herrentum mit dom Geiste der Republik ebenso unvereinbar ist wie seine wirtschaftliche Monopobftelknng mit dem Interesse der Gemeinschaft. Wir fordern tt fül<3ße ds» WmHHM, Z!ff»«tKche oder private, den Aus- :>« d»s S«rb i ,b«st»«mn«s�«�taK dsr wir« ich Schaffenden. In er- K&MdmbMn Wahe nimmt die Arbeitslosigkeit IM, die nicht«eu S s ch l i e tz l i ch aui Arbeitsmangel und Mangel an VKchftttst«, z»rckrk?'.l sichren ist. Die Schließung von Be- trieb«», besowfccrS tb SrrUn, vermehrt die Zahl der Erwerbslosen derart, dr,ß»s««« dcmgtlche Ausgebe der Regierung geworden ist, diesen Crschciniuige« ihre größte Aufmerksamkeit zu widmen. Die Ursachen der Arbeitslosigkeit müssen festgestellt und, soweit das menschenmöglich ist, schleunigst beseitigt oder eingedämmt werden. Daß die Gemeinden bemüht sind, nach Möglichkeir für Arbe'tZ- gelcgenheit zu sorgen, genügt mcht. Es fehlt den Gemeinden, die fast ausnahmslos schwer notleiSeiür sind, infolge des Krieges an den Mitteln für Unternehmungen in größtem Maßstabe. Das Reich hat in erster Linie die Pflicht, die Arbeitslosigkeit zu bc- kämpfen und den Arbeitslosen ausreichend zu Helsen. Seibstver- ständlich ist die ArbeitZbeschasfunz der Nnterstntuinz bei weitem vorzuziehen. Jede Stunde der Arbeitslosigkeit ist unwiederbringlich verloren, ist ein unerfeschicher Verlust für unser Volk. Hunderttausende hausen in Löchern, weil es an Wohnungen fehlt..Es muß versucht werden/ daß Reich, Staat und Gemeinden anstatt sich durch die Zahlung von Erwerbslosenunterstühung immer mehr zu belasten, die Entlassung von Arbeitern im besonderen Falle auch dadurch verhüte», daß sie als Abnehmer der Fabrikate austreten, Jahre- lang ist fast nichts gebaut worden. Tn? WshnungSclend, wie eS früher nur in Weltstädten bekannt war. herrscht seht auch in Mittel- und selbst in Kleinstädten. In vielen Städten ist man mit der Wohnungsbeichlaänahme bereits bis an die Grenze des Möglichen gelangt. Der Ausbau von Notwohnungen ist zumeist vollkommen unrentabel, keinesfalls aber genügend, um der furcht- baren Wohnungsnot erusthaßl zu steuern. Arbeitsgelegenheit könnte durch Wohnungsbau in Hülle und Füll« beschafft werden. Ich weiß, daß es an Rohstoffen fehlt, daß der Bau von Wohnungen und der ebenfalls dringliche Straßenbau j-tzt unverhältnismäßig leuer ist, aber da? teuerste, weil vollkommen u n p r o d u k t i v, ist doch die Arbeitslosenunterstützung, die ohnedies keinen Erwerbslosen mit seinem Lose aussöhnt. War es früher schon Pflicht des Reichs, hier durchgveisend z» helfeg, so jetzt— nachdem die Gliedstaaten und die Gemeinden nur noch Kostgänger des Reiches sind— in viel höherem Maße. Ich kann der Regierung nicht dringend genug empfehlen, der Arbeitslosigkeit und der Wohnungsnot sofort mit aller Macht zu La'he zu gehen. Jede? Versäumnis auf diesen Ge- bieten müßte sich über kurz oder lang rücken. In der auswärtigen Politik! stehen wir auf dem Standpunkt, daß es Pflicht der Regierung ist, die Welt von der ehrlichen Absicht des deutschen Botkes zu überzeugen, i»«nzerstörbarem Frieden zu leben— vor allem auch mir dem russische» Volke— und den von ihm über- nmnmenen Pflichte« bis an die äußerste Grenze seines Könnens nachzukommen. Wir sind aber auch damit einverstanden, daß diese Grenzen deutlich gezeigt werden und daß in der Welt die schon aufdämmernde Erkenntnis gefördert wird, daß«S eine Illusion und ein Verbrechen ist, von eineni Vojfls mehr zu verlangen, als es leisten kann. Zu len integrierenden Bestandteilen des Vertrages von Versailles ge- ären neben anderen weniger klugen und erfreulichen Bestim- "jungen auch jene über den internationalen Arbeiterschütz. Sagen nt den Herren in Spa, daß es Deutschland mit allen Verpslich- ungcn ernst nimmt, die ihm der Friedensvertrag auferlegt, auch .nt denen über den Schul' seiner Arbeiter. Sagen Sie ihnen, daß 'ickn das Diktat der Sieger, sondern nur die internakionale Soli- zritlit de? arbeitenden Volkes die Wunden, die der Weltkrieg allen esch lagen, z» heilen vermag. Wenn die Negierung in dies. ein Zinne die Interessen des deutschen. Volkes wahrzunehmen gesonnen t, io kan» sie davon überzeugt sein, daß sie in diesen Tagen— wie ucb später d-.e Wege sich scheiden mögen— die Nation in ihrer er- ' rückenden Mehrheit hinter sich haben wird. Mögen am 11. Juli !e deutschen Männer und Frauen in Ost- und Westpreußen treu � im Vaterlande siehe«! Das gleiche erwarten wir von den Ober- ' hlesiern. Möge die Leidenszeit, die sie jetzt unter dem Druck des an' isischen Militarismus durchmachen müssen, bald für immer -«rüber sein. Die Regierung wind in Spa das Selbstbestimmungs- Sechs Streckenarbeiter. Won Erna Büsing. In einem Abteil der St«dtbahg sitzen secks Streckenarbeiter. ES sind urgesunde Gestalten, durch Namr und Körperarbeit ge- ä.fügt Sie haben einen freien Tag- und fahren nun dahin, von o tnt Staub der Arbeit und des Alltags gereinigt. Ihre dichten Z'.e hat reichlich viel Wasser und ein breiter Kamm geglättet, , j der Wuschelkops, der mir gegenübersitzt, ist so sorgfältig zu- :. �gemacht wie der Garlenweg eines Schrebergärtners vor hohem nntag, wenn er besonderen Besuch aus der Stadt erwartet- ! Zeug der Arbeiter aber— sie tragen weiße Hosen— glänzten. wollten sie Reklame siir irgendein Putzmiltel machen. Ihre « gen sind das Spiegelbild innerer Freude. Und von dem Wüsche!» >. s, dem lebendigsten der Sechs, höre ich— er sprudelts hervor—, , die Fahrt»ach Treptow geht.«Wir haben zusammengelegt. . o haben ein Ruderboot, es gehören noch mehrere dazu, wir ■ eru umschichtig." Ich freue mich mit, und die helle Freude i,: mit uns im rumpelige» Ttadtbahnabteil. Glückliche Menschen ihr, die ihr gesund seid, im Bewußtsein ei Kraft lebt, euch eurer Kraft freut, euch, tu eurer Kraft aus- und dazu den Sport wählt und ihn bctrackitet als das, was .« einzig und allein ist oder wenigstens sein sollte: Höchslleistung! Uu j glückliche Menschen ihr, die ihr Freunde der Natur seid! Denn r echre Sporlsmann ist, Naturfreund. Die Natur jedoch ist eine unndtn, die gar verschwenderisch ihre Gaben auf uns stregt. Nach i-.r Gemeinschaft mit ihr nämlich wird es in uns muckmäuschcn» , wie in einer Kinderstube vor der WeihnachtSbesckierung, und u loir dann in unS hineinhorcheit, klrngen>n uns nur gute Saiten an. Und höhnend denke ich an gewisse Kreise, die heutigentages i. r oft mit ihrem Einfluß den Sport Überwuchern und ihn als ihr oalcigentum betrachten. Das sind die von Geburt Reichen, die � u Reichen, die ohne inneres Verständnis und irgendwelche persön- . t Änteilnahme den Sport pflegen, weil das zum guten Ton ge- . und die Kriegsgewinnler, die daS Leben als einen Lui-us be- ;.. st!!!, den eigentlich nur sie sich erlauben dürfen. Beide stemmen « dagegen, wenn der»Arbeiter sich viel herausnimmt", wenn eine ■ he populär wird. Aber, Herrschaften, ibr seid blutleer, und alles, was ihr be- luß:, ist fade«nd»nschmackhaft. Und wir brauchen, wenngleich i euch s» breit macht, ur» den Sport wirflich nicht zu bangen, -n ihm s» urgeftind« Blntströme aus Kreisen arbeitender Menschen ..ieß�n.. Die sächsische« Lehrer gezen den Religionsunterricht. Der hsiiche Lehr»rve»etn veranstaKste unter seinen Mitgliedern eine t.mnilin� über die Stellung zum Retigionsunterricht. Zwei recht auch des deutschen Volkes«nergisth betonen müssen. Wir sind nicht geneigt, die schwere Situation, in der sich unser Volk beftndet, ans rein agitatorischen Gefichtspuntten zu betrachten, und wir können darum dem Volke nicht neue Leiden wünschen, dle ihm zum Lehrmeister werden sollen. Es liegt uns nichts daran, Gelegenheiten zu finden, bei denen wir schaden- froh sagen können:„Seht, wie schlecht sie es machen I" Solche Ge- legenheilen wären zu teuer bezahlt. Zeigen Sie, was Sie können, nach Ihren Taten werden wir Sie beurteilen. Aber an unserer Ucberzeugsing können Sic nicht' ändern, daß Sie leine Erfolge er- zielen können, di? nicht- zugleich'euch unsere Erfolge wären. Er- folge der Vorarbeit, die wir zur Errichtung eines neuen ccuischland«geleistet haben: daß aber Ihre Mißer so llge Ihnen allein gehören werden, weil sie einer Ihnen eigenen, uns fremden Dcnklvcfle entspringen. Denn, meine Damen und Herren, man kann nicht mehr regieren gegen die Arbeiter, man kann nicht mehr regieren gegen die En vvicklung. die zu neuen freien Formen des staatlichen, gesellschastli:n und'wirtschaftlichen Lebens hindrängt. Tie sozialistische Nrbesterbewegutlg ist unzerstörbar, sie hat im bürgerlichen Ansturm von außen, in der Selbstzersleischnng von °nnen diesmal die stfirtste Probe bestanden, und sie ist stehen ge- , blieben als eine imvonierxnde Macht. Ihr Fortschritt wird sich un- lvider sieblick fortsetzen, sobald sie ihre augenblickliche Verirrung überwunden und ihre innere Einheit wiederhergestellt haben wird. Dann spätestens wird iür Sie die Stunde der Ablösung ge- kommen sein, sind wir sind aufrichtig genug. Ihnen zu sagen, daß wir diese Stunde herbeisehnen, ihr Kommen dünkt uns gewiß. Denn dieses Nr(6. wie es aus den Trümmern des Wcltkrieaes erstanden ist, muß den Grietzen seiner Entwicklung folgen; entstanden ist es aber in seisier neuen Form aus dem Willen de? arbeitenden Volke? und der Geist einer neuen Zeit stand an seiner Wiege: Deutsch- land, Nevublil und Sozialismus gehören zusainmen!(Stürmischer anhgltender Beisgll bei den Sozinldemokraten.) (Schluß in der Beilage.) Detitftbteö in Spa. Wie im Aeltcstenrat des Reichstages mitgeteilt wurde, werden an de» Verhandlungen in Spa voraussichtlich Reichskanzler Fchren- bach, Minister des Arußcr«» Simons und der Ncichsfinanzminister Wirth teilnehmen. * Cine Ncichäikanzlcrrcde in Köln? Im Aukirage weiter Bevvlkerungskreise der besetzten rheinischen Gebiete chatte der Kölner Oberbürgermeister den trüberen Reichs- kanzler Gen. Hermann Müller gebeten, die Reise nach Spa zu einer Rede in Köln, der Hauptstadt des besetzten Rheinlandcs, zu benutzen. Müßer hatte diese Rede zugesagt. Man darf hosten, daß sein Amtsnachfolger F ehre»bach dieie Zusage erfüllen wird, wenn es seine Reisedispositionen irgend ermöglichen sollten. Felnenbach gedenkt, aus der Rückreise von Spa im altehr- würdigen Gürzenich zu Köln zu den Vertretern des besetzten Rhein- landes zu reden. Reichsardeitsmwisters Zeichte. Von den: bisherigen Arbeitsminister Genossen Schlicke wird uns geschrieben: Auf dem Sterbebett hat der Mensch nicht selten das Be- dürfnis, sein Gewissen zu erleichtern. Das will auch ick! ans meinem M i n i st e r- S k e r b e b e t t tun. Dabei beschränke ich.mich auf vier Verb reckten, die seit Wochen die Oeffenklichkeit beschäftigen und auch im Wahlranipf eine Rolle spielten. 1. Verbrechen: Der Reichsarbeitsminister Schlicke hat die gelben Organisationen anerkannt. Tatbestand: Ein Verband, der Bund der Bäcker- und Konditorgesellen, hat von mir auf seine Vor- stellung hin die Mitteilung erhalten, daß ich ineine frühere Auffassung, wonach er kein Verein zur Wahrung und Förde- rung der Arbeits- und Wirtschaftsbedingungen sei, nicht mehr aufrechterhalten kann. Genannter Bund hatte seine Satzungen umgeändert, in dieser die Streikunterstützung ein- Fragen wurden gestelli: 1. Smd Sie bereit, einen konfessionellen Religionsunterricht unter Aussicht oder Mübestimmung der Kirche in irgendeiner Form zu erteilen. 2. Sind Sie bereit, einen religionsgeschichtlichen Unterricht, der dos religiöse Kulturgut in anschaulicher Form vermittelt, und einen Unterricht, der die Er- ziehung zur sittlichen Persönlichkeit fördert, zu erteilen? Es wurden insgesamt 13 314 Stimmzettel abgegeben. Frage t bejahten 370, während 12 713 mit Nein antworteten, 46 sich einer Stellungnahme enthielten und 185 Antworten unklar waren. Auf Frage 2 antworteten 11 361 mir Ja und 1516 mit Nein, 52 ent- hielten sich der Abstimmung und 475 Antworten mußten als un« klar bewertet werden. Die Erteilung eines konfessionellen Neligioiis- Unterrichts in Uebercinstimmuiig mit den Grundsätzen der betreffen- den Religionsgesellschaft lehnt also die sächsische Lehrerschaft fast einmütig(95,5 Proz.) ab. Ernst Stern, der Maler Reinhardts, scheidet aus dem Verbände des Deutschen Theaters. In der Zeit, da dort alle Künste zum stimmungsvollen Einklang aufgeboten wurden, hat die.Farbe ans der Bühne zum rauschenden Siege geführt. Seine dekorativen Ent- würfe, die von zarten Naturklängen bis zur Uebcrstilisicrung reichten, haben zu dem Triumpf des malerischen Bühnenstils ihr gut Teil beigetragen. Jetzt, da der Puritanismus auf der Bühne ausgebrochen ist, verklingt sein Farbenspiel. Salamon Dcmvitzer: lieber die Liebe. Dies Buch, eben im Verlage Schwetichke, Berlin, erschiene», sagt nicht auf seinent Titel- blatte, daß es Erzählungen bietet. Etwa deshalb, weil dies Wort gar so nüchtern hart klingt? Des Dichters Ihrisch gestimmte Seele mag von diesem Empfinden geleitet worden sein, aber Erzählungen bietet er gleichwobl. Freilich sehr eigenartige, die durch Form, Ton, Duft etwas Besonderes sind und wirklich eine Bucheinheit er- geben haben, die ihren Titel rechtfertigt, lieber die Liebe! Dem- intzer ist ein Mensch voll fragender Unruhe. Die ist sein Wesen, und ob sie tausend Fragen in ihm auslöst, die letzte abschließende gibt sie ihm nicht. Kann das befriedigen? Doch so darf man nicht fragen, denn, was hier berichtet wird, sind innere Bewegungen, und alle? äußere Geschehen, von dem sonst so tziele Erzählungen leben, ist für Dembitzer nicht das Wesentliche. Innerstes Verhalten und Handeln also, belauscht in den ge« heimnisvollen Augenblicken, wo das Liebesverlangen in der Seele aufdämmert und fortan unwiderstehlich alles Einzelne des Lebens bestimmt. Tieibender Schicklaiszwang. In dem Wirken dieser Kraft hat DembitzerS Buch seine Seele. Was uns reizt, ist gar nicht das Ich, das diesem Zwang verfällt, dies immer in be- drückten, wehmutsvoll duldenden, bisweilen lebensfeindlichen Srimmiingen binlebende Ich. Diese Natur verstärkt nur den Ein- druck der Abhängigkeit von dem erwachten, oft nocki nicht bewußt gewordenen Liebesbegehrcn, das gehemmte Naturen schwer unter das Joch melancholischer Tragik, lähmender Tatlosig- keit, seltsam fassungsloser, selbsiqualeiischer Torheit des Tuns und Denkens beugt. Es ist dieser seelischen Art angepaßt, daß in dem Buche so viel rückgewandtes Leben fft, dem einmal in heilioer UeberzsUgung die Frage sich ablöst, was denn der Mensch Wer:- volleres habe �ls feine Erinnerungen. Tatfähigere Naturen wer- den diese Ueberzeugung für sich ablehnen, aber jenes anders ge- y geführt, selbständige Tarifverträge abgeschloffen und von den freien Gewerkschaften abgeschlossene für sich als b i n d e n d angenommen. Er erhielt auch keine Zuwendungen mehr von den Arbeitgebern. Aenderung dieser meiner Stellung wurde von mir zugesagt, wenn mir der angebotene Beweis. daß die Umstellung des Bundes nur Schein sei,� erbracht würde. Das ist nicht einmal versucht worden. 2. Verbrechen: Ter Reichsarbeitsminister Schlicke hat einen Erlaß herausgegeben, wonach Arbeitgeber Arbeit- nehmer, die sie infolge Arbeits mangels und nach Ver- kürzung der wöchentlichen Arbeitszeit auf 24 Stunden entlassen lxiben. später, nach Wegsall der Entlassungsgründe, nicht wieder einstellen müssen. Tatbestand: Kein Erlaß, sondern Antwort auf ein? vom Leipziger Prinzipalsverein im Buchdrucker- gcwcrbe gestellte Anfrage, ob eine gesetzliche Bestimmung bc- steht, wonach der Arbeitgeber zur Einstellung verpflichtet sei. Antwort: Eine solche gesetzliche Bestimmung besteht nicht. Auch die Arbeitnehmervertreter konnten eine solche Bestimmung in der Verordnung nicht ausfindig machen. 3. Verbrechen: Ter Reichsarbeitsminister Sckflicke hat die bisherige Uebung in bezug auf di? Regelung des Lehr- Verhältnisses durch Tarifverträge verlassen. Tatbestand: Das Reichsarbeitsministerium hat nach wie vor Tarifverträge und Vereinbarungen zustande gebracht und auch für allgemeinverbindlich erklärt, in denen das Lehrverhältnis geregelt wird. Das geschieht heute noch. In einem Falle hat das Reichsarbeitsministerium einen Tarif- Vertrag für allgemeinverbindlich erklärt, davon aber die Lk- stimmungen über die Regelung der Lehrlingsfragen ausgenom- mcn. Allgemeinverbindlichcrklärung nach Gesetz nur zulässig. wenn Tarifverträge„für die Gestaltung der Arbeitsbedingun«' gen des Berufskrcises in dem Tarifgebiet überwiegende Bedeutung erlangt haben". Diese Frage war für die ausgenom- mene Bestimmung zu verneinen. 4. Verbrechen: Nach dem Bericht der„Freilfeit" üb er den Verbandstag der Buchdrucker trägt der Reichsarbeits- minister Schlicke die Schuld, daß bei den Schlichtin'gsvrrhand- lungen vor dem Reichsarbeitsministerium für die Buch- druckergebilfen nicht mehr herausgesprnngen ist. Tatbestand: Ter Reichsarbeitsminister hat bei den Streitigkeiten der Buchdrucker, wie bei allen andern, in dk sachliche Erledigung überhaupt nicht eingegriffen, sondern sik lediglich darauf beschränkt, den Schiedsrichter und. wenn es gewünscht wird, das Tempo der geschäftlichen Erledigung zu bestimmen. Nach dieser Klarstellung glaube ich erleichterten Herzen? zu der großen Armee erledigter Minister abreisen zu dürsw NajsTnöemonftratlon m ßrankfurt. Frankfurt o. M., 58. Juni.(Eigener Trvhtbericht VN „Vorwärts".) Die Bewegung für den Alibini oller Preise i>!: Lebensmittel und GcbrniichZgegenstLndc führte heute nochmittog<» einer gewaltigen Demonstration der Arbeiter- bcvölkcrung ans dem Römrrderg. Die Redner nein Gewerk schaftskartcsl und der beiden sozialdemokratischen Parteien Orderten in Ansprachen den sofortigen Ab bau der Preise. eine rücksichtslose Vekämpfung des Schieber- nnd Wuchrrtums, die Festsetzung von Richtpreise« und die sofortige Schließung solcher Geschäfte nnd ihre VMvrntzuns zu Wohnzwecken, falls sie die fest- gesetzten Preise überschreiten und Wucher treiben. Rech der Kr:- gebiing zogen die Massen in einer Stärke von etwa 46 666 Pro- sonen in mehreren Dcmonstrations- ügcn durch dir«Laup:, straßc» der Stadt. Nach den Demonstrationen sammelte,, sich r-r dem Lebcnsmittclamt nnd bei den Kaffeehäusern an der Gallus- anlage grosie Menschenmassen. Auf die Gerüchte, daß sie Plünde- r, ingcn beabsichtigten, rückten einige Hnndcrtschastcn der Sicher- heitSpolizci an die bedrohten Stellen nnd schafften mühelos Or r nnng. Tie Straßen wurden noch mehrere Stunden liindurch von starken Polizeiaufgeboten durchzogen. Ruhestörungen und Znsom- menrottnngcn kamen nirgends vor. Tic Arbeiterschaft zeigte ci-.e glänzende Disziplin. richtete Leben findet darin die Sicherung und die Möglichtc- seines Seins, und das spiegelt sick nun in der Eigenart der 1. zäblungen, diesem Gewebe empsindsamer Bewegung, die im« r voll unruhiger Ungewißheit ist und sich nie über ein vorsichu Vielleicht hinauswagt. Im Grunde iil also dieS Buch ein lynsch-dichtensches Erschlr• verborgensten Erlebens, und aus manchen Blättern spinnt es>, w/, Szenen so merkwürdig zart deriniierl'cheud aus. daß die Witt keilen den wachen Sinnen plötzlich in Märchenland zu enitve: scheinen. Doch Dembitzer will nicht Märchen gebe». Ergib.»»" anderes als die Wirklichkeil seines DichlerwesenS, das lein Düio harter Begrenzung sehen mag, weil die inuersre Bewegung sei«« Natur sich in Fragen auslebt und garuickt darauf ausist, durch a- schliekende Antworten zur Ruhe zu gelangen. eck. Bon NmniidsenS Nordpolexpcdition. Wie früher gemeldet, l: der norwegische Nordpolsohrcr Amundsen sich, nachdem sei» lei.. Versuch, den Pol zu erreichen, mißglückt war, aus dem Weg> Name in Alaska begeben, um sich für die neue Expedition zu v. provianriereii. Das norwegische Außenministerium erhielt jetzt iir« Washington eine Mitteilung auS Rome, wonach eines der Mitglie der Erpedilion, Tennelen, sich bereilS dort befindet und d«e Re: nach Norwegen fortsetzt. Er verließ daS Schiff Anuiudiens, d? Maud. zusammen mit. Hamen und Vistnia im Dezember und kifl»!« später zu dem Schiff zurück. Tenneien ist also nicht verunglückr wie vermutet wurde. Die beiden ExpeditionSmiiglieder Tesseu nuc« Knildien, die vermißt werden uns nach einer Mitteilung au � Rußland umS Leben gekommen sind, baben, wie Tenneien ang>>. eine- Route über Taimir versolgr. Sie hatten fünf Hunde und Karlen bd sich.* i Tie Sammsung Verbrechergeschichten, die der VorfrfärtS--Verla' zur Unterstützung des Kampfes g-cgen die Schundliteratur au? unseren besten E rzäb lu ngsschä tzeu baut, ist um einen neuen Band vermehrt worden. Wieder ist der Inhalt durch ein bestimmtes Thema zusammengeschlossen. Diesmal betrifft eS das Vorurteil als Verbrechen, worüber Franz Diedcrich einheiter. de Ausführungen geschrieben hat. Drei fesselnde Erzählungen von Anzengruber, Storm und Hartmann füllen den Band aus und sind durch Einführungen dem Verständnis näher gebracht. Eine Kundgebung zur Notlage der Studeiite» und Zlkadcmiker findet am i. Juli abends 8 Ubr pünktlich in der neuen Aula der Berliner Universität(Zlulage bäudc gegenüber der Uiiiversiiät; statt. Karten werden noch ausgegeben. Ein„Wissenschaftliches Institut kür die Eliaß-Lothringer im Reiche" wurde in Kassel gegründet. Es will die gemeinsamen wisseuschast- lichen und kulturellen. Jnleressen der aus Elsag-Lothringen Verdrängten unter Ausschluß politischer Bestrebuizgen pflegen. G-neralsekretäc ist der frühere Direllor der straßburgcr Universitäts- und LandeSbibliothek Pros. Dr. Wolfram. Die Tätigkeit begann mit einer Äanaerauslellung über Kunst und Allertun» in Eisaß-Lolhrinzen, für die das Kasel er UandcS- mnseum die Räume hergab. Der Kampf um daS Bauhaus in Weimar bat nun die parla- mentarische Phase erreicht. Die Regierung kündigte im Landtag an, daß sie die von Mropius geleitete Anstalt zu erkalten und auszubauen gedentt. Es soll eine halbe Million dafür aufgewendet werden. �' Nr. Z24» Z7. Jahrgang dkeostag, 2�.?iiri> 192» programmöebatte im Reichstag. (Schluß aus dem Hcmptblatt.) Abg. Ledebmir(U. Soz.): Die wohlwollenden Lehren des Ab- geontmeten Schevdsmann für die parlamentarische Avbeit der jün- geren Kolkaen muß ich bei aller Bescheidenheit ergänzen: nehmen Sie sich Schsidemann iricht darin zum Muster, daß er eine vorher gut vorbereitete Rede wörtlich abwiesen hat.(Heiterkeit.) Denn das ist nach der Geschäftsordnung verboten. Ausnahmen sind nur zulässig für Herren, die der deutschen Sprache nicht genügend mächtig sind. Präsident Lüb«: Die Geschäftsordnung hat nur der Präsident zu handhaben. Der Herr Abgeordnete Scheidemann hat sein Manu- skript nur bei Zitaten benutzt und das ist durch die Geschäftsord- nung erlaubt. Abg. Ledcbour(fortfahrend): Gr hat nicht nur Zitate, sondern den Text ctbgelefen(Große Unruhe und Widerspruch.) Da Prä- stdent Fehrenbach daS früher auch zugelassen hat, so enwehm« ich daraus, daß Sie(zum Präsidenten) und Ihr Vorgänger der An- ficht sind, d«ß Herr Scheidemann der deurschrn Sprache nicht ge- nagend mächtig ist.(Erneute große llnimche, lebhafte Rufe rechts: Schluß! RauS!) Ich lese nicht ab. sjl't sehe mir meine Rede über- hcmpt nicht wörtlich auf.(Zuruf: Sie ist auch danach!— Stür- mische Heiterkeit.) Scheidemann sagt, wir seien schuld daran, daß dib Arbeiterschaft nicht in gebührendem Maße in der Regierung vertreten sei. Die Wahl bedeutete eine Verurteilung der bisherigen Koalitionsregierung. Alle Koalitionsparteien, insbesondere die des Herrn Scheidemann, sind nach allen Rageln zusammengehauen worden.(Lachen.) Diese Art Koalitionsregierung muß doch also wohl nicht erfüllen, waS ein Teil ihrer Anhänger früher von ihr erwartet hat. Nun haben sich die Mehrheitssozialisten der Beteili- gung entzogen, weil wir nicht in die Rcgierung eintraten. Wir würden ja unserer ganzen Börgangenhsit ins Gesicht geschlagen haben, wenn wir in eine solche Koalitionsregierung eingetreten wären.(Zustimmung bei den U. Soz.) Wir mußten die B-cteili- gung ablehnen, weil wir einer solchen Koalitionsregierung als ent- schiedenste Gegner gegenübergestanden haben. Auch wir würden in die Regierung eintreten, aber nur unter der selbstverständlichen Voraussetzung, daß wir in ihr ausschlaggebend sind und die Re- gierung in unserem Sinne führen können.(Heiterkeit.). Wir be- harren bei der Politik, die uns in wachsendem Maße das Ver» trauen der Arbeiterschaft erworben und zu einer Verdoppelung unserer Stimmen, zu einer Venviersachung unserer Mandate ge- führt hat. Wir halten fest am Klassenkampfstandpunkt und treten nur in eine Regierung ein, die die proletarischen Forderunycn bis zum letzte» Punkt durchsetzen will und kann. Die jetzige Regierung kann den Arbeiterforderungen nicht mehr Rechnung tragen, als es die früheren Regierungen, auch die des Herrn Scheideinann, getan haben. Die Sozialdemokratische Partei hat in der Regierung nur die bürgerliche Politik der Demokraten mitgemacht. NoSke und Heine haben reaktionärer gawirtschaftet als irgendein anderer. Mit einer so vamponürten Partei(Heiterkeit) können wir nicht zu- sammengehen. Die Einigkeit des Proletariats kann nur auf der Basis unseres Programms erfolgen.(Beifall bei den U. Soz.) Die optimistischen Erwartungen Scheidemanns kann ich nicht teilen. Herr Fehrenbach bat Front gemacht gegen die Leute, die Mißtrauen gegen Deutschland wecken. Er sollte sich zunächst den � ReichSwehvminister Dr. Ge ß ler vorknöpfen, dessen Redewendun-! gen einem solchen Miß trauen den größten Anlaß geben. Er hat- die Verschiebung der Marbuvger Zeitfreiwilligen an ein Militär- gericht entschuldigt(Minister Geßler: Nach den damals geltenden Vorschriften war das berechtigt. Diese Vorschriften gelten heute nicht mehr.) Diese damals geltenden Borschristen haben gegen den Friedensvertrag verstoßen. Die Militärs swd ihren zivilen � Vorgesetzten über den Kopf gewachsen. Herr Ehrhardt, der Döberitzer Generalreldmarschall, kommandiert nach wie vor in Wil-; belmshaven mit Ihrer Zustimmung, Herr Dr. Gexler.(Minister Dr. Eeßler widerspricht.) Wenn i ch ihn finde, werden S i e ihn doch auch finden können, Herr Minister. Der„Vorein ehe- maliiger Angehöriger der Eisernen Division" ersticht den„Natio- nalen Heimarb und" einfach um AuSsolgung von Militärfahrkarten an einzelne Leute. Wir haben eine Fülle von Material zum Be- weise dafür, daß von den Militärs ein neuer reaktionärer Putsch vorbereitet wird. Ich fordere schon jetzt die klassenbewußte Ar- beiterschaft auf, sich zur Abwehr durch den politischen Generalstreik zu rüsten.(Beifall bei den U. Soz.) Nicht Abbau der Zwcmgswirt- schaft, wie dar Reichskanzler, fordern wir, sondern ihre B ervoll- ständigung. Die Sozialisierung des Großgrundbesitzes läßt sich ebenso durchführen wie die Sozialisierung der Bergwerk«. DaS gesamte Wohnungswesen in den Großstädten bedarf dringend der Ueberführung in die Gemeinwirtfchaft. Es stimmt unS sehr bedenklich, daß der Reichskanzler sagte, die Regierung sei gegen joden Rassen- und Klassenhatz. Gegen Rassen haß sind wir auch. Der Reichskanzler scheint sich aber der Illusion hinzugeben, daß die Klassenkämpfe sich beseitigen lassen. Die Kriegshetzer spielen ja heute noch eine bedeutende Rolle in den Regierungsparteien. Der Senat der Universität Berlin hat Professor Nicolai für unwürdig erklärt, an der Universität zu lehren. Das ist ein deutlicher Be- weis dafür, daß die Professoren jedes Rechts« und Anstandsgefühl verloren haben. Di« Ermordung meines Freundes Paasche wird ja nicht der letzte Fall fein, den die irgendwo in Berlin sitzende Mörder» zentrale auf dem'Gewissen hat. Paasche hat nämlich während des vergangenen Winters eine Anzahl Hirsche geschossen und seinen in Not besindlichen Landarbeitern zur Nahrung gegeben. DaS haben ihm seine Gutsnachbarn nicht veigeben. sondern ihn wegen seiner menschenfreundlichen Handlung als Wilddieb und Inhaber eines WaffenlagerS verleumdet, und dann bat man 60 Schwer- bewaffnete gegen den völlig waffenlosen Paasche ausgesandt. Ein Teil des Klassenkampfes wird sich auch um die Beseitigung des Illproz. Lohnabzugs drehen, die der Reichskanzler nicht in Aussicht gestellt hat. Die auswärtige Politik der Unabhängigen besteht darin, mit den ar- beitenden Klassen des AuSlanidcs Fühlung zu nehmen, well sich nur durch gegenseitige Verbrüderung ein Ende der Ausbeutung er- reichen läßt. Bei einem deutschen Siege iväre die Lage ebenso ge- raffen. Darum sind wir schon während des Kriegs gegen die Herr- schenden Klassen in Deutschland aufgetreten. Hätten wir im Früh- jähr 1913 mit dem Generalstreik Erfolg gehabt, und hätten wir die herrschenden Klassen damals auf die Knie gezwungen, dann wäre ein Friedensschluß in dem Augenblick möglich gewesen, als Deutschland militärisch noch auf der Höhe war. Die geschichtliche Entwicklung hat uns immer Recht gegeben. Sofort nach der Revolution, als daS Bürgertum am Boden lag, bätte sich der Sozialismus noch durchführen lassen. Daran, daß das nicht gelungen ist, trägt die Sozialdemokratisch« Partei die Schuld. Die Sozialdemokraten müßten sich, ebenso wie sie sich von Noske und Heine ffeigemacht Haben, auch von Scheide- mann befreien, dann werden sie vielleicht für uns bündnisfähig. Unser Ziel ist d:e Verbrüderung der Arbeiterschaft.(Beifall und Händeklatschen bei den U. Soz.) Reichswehrminister Dr. Gestler stellt gegenüber Ledebour fest, daß die Zeitfreiwilligen in Thal damals ein Bestand der Reichswehr waren. Abg. Hergt(Dnat. Vp.): Das parlamentarische System mit seiner absolutistischen Omnipotenz hat Fiasko gemacht, es hat hinsichtlich der Bildung der Regierung nach dem eigenen Verhalten seiner Väter bankrott gemacht. Im Auslände sind die Parteiprogramme nicht so verschieden wie bei uns, daß man nicht mit wechselnder Mehrheit arbeiten könnte. Bei uns klafft aber zwischen rechts und links eine zu große Kluft. Unter Zurückstellung parteipolitischer Interessen müssen darum die Parteien dazu beitragen, ein« trag- fähige Mehrheit zu bilden. Gegen diese Forderung haben alle Parteien mehr oder minder verstoßen. Die Unabhängige Partei hat sich schroff ausgesprochen gegen jede formale Demokratie und Koalitionsb ldung; sie setz: sich ein für eine revolutionäre, sozio- listische Demokratie, für die Diktatur des Proletariats. Das zeigen ja auch neuerdings die Kundgebungen aus München. Mit ihrer Haltung haben sich die Unabhängigen austcrbalb der Verfassung ge- stellt.(Sehr richtigl rechts, Lärm und Gelächter bei den U. Soz.) An eine große Koalition, der fast das gesamte Volk angehörte, konnten nur Ideologen glauben, denn dem Gedanken des natio» nalen Aufbaues/ dem wir in unierm Ordnungsprogramm Ausdruck gegeben haben, haben die Mehrheitssozialisten sich ver- schlosschi und den Beweis erbracht, daß sie u n f ä h i g zu jeder posi- tiven Mitarbeit sind.(Sehr richtig! rechts, Lachen bei den Soz.) Nachdem sie in der Regierungsbildung versagt haben, wäre ein« bürgerliche Gesamtkoalition das Gegebene gewesen. Hier war es die Schuld der Demokraten, die ja schon in der früheren Koalition das Bürgertum verraten haben, daß unsere Partei nicht einmal gefragt wurde.(Sehr richtig? rechts, Gelächter bei den Dem.) Wir haben ein Aufbauprogramm, und das kann sich sehen lassen.(Unruhe und Gelächter.) Die Demokraten haben die Per- antwortung, daß daS Bürgertum nicht geschlossen auftritt.(Lebhafte Zustimmung rechts.) Auch das Zentrum, das uns in der Ver- gangenheit so vieles zu danken hat, trägt ebenfalls mit d« Ver- antwortung am Scheitern der gesamten bürgerlichen Koalition. Und selbst die Deutsche Volkspartei, mit der wir gemeinsam den Wahlkampf gegen die alte Koalition geführt haben, hat nicht energisch genug auf diese breite und allein richtige Basis hinge- arbeitet.(Sehr richtigl rechts.) Wir hoffen aber trotzdem, daß sich alle Parteien, die diesen Willen und die Fähigkeil zum nationalen Aufbau haben, der untrennbar verbunden ist mit dem ideellen und moralischen Wiederaufbau, sich zusammensinken werden in diesem großen Ziel.(Lebhafter Beifall rechts.) Minister des Auswärtigen Simons: Die vom Herrn Borredner geforderte Veröffentlichung der Ententenoten erfolgt in den morgigen Morgenblättern. ES wird mein Bestreben sein, der Oeffenttichkeit stets die zwar harte aber notwendig« Wahrheit zu geben.(Lebhafter Beifall.) Ein Antrag Schultz und Genossen(Dnatl. Vp.) auf Einstellung der Voruntersuchung gegen den deutschnationalen Abg. Kerkhoff wird dem GeschäftsordnungSausschuß überwiesen. Der Präsident verliest die eingegangenen Interpellationen. Mittwoch 1 Uhr: Interpellationen, Berichte des GeschäftSord- nungsausfchusses über den Antrag Ledebour(U. Soz.) auf Haftent- lassung des Abg. Mittwoch(U. Soz.) und des obigen Antrags Schultz- Bromberg(Dnatl. Vp.), Fortsetzung der Besprechung der Regie- rungscrklärung. Schluß 7 Uhr. » Der Aeltcstenrat beschloß, die politische Debalte am Donnerstag zu beenden, so daß am Freitag der Notetat und die kleinen Sachen erledigt würden. Der Vorsitz in den Ausschüssen wird so verteilt: Reichshaushalt— Sozialdemokraten, Volkswirt. schaft— Unabhängige, Soziales— Zentrum, Untersuchungsaus- schuß— Demokraten, Auswärtiges— Deutsche Volkspartei, Ausführung des Friedensvertrages— Bayerische Volkspartei f Ge- schäftsordnung— Deutschnationale; Petitionen— Demokraten; Ucberwachungsausschutz— Sozialdemokraten; Kapital- � flucht— Unabhängige; Rechnungen— Zentrum. GroßSerlln Die Polizei in der neuen Staötgemeinüe. Genosse Wilhelm Richter, der dieser Tage definitiv zum Polizeipräsidenten- von Berlin ernannt wurde, gewährte einem Mitglied unserer Redaktion«ine Unterredung, in der über die Polizei in Groß-Berlin. von der Entente geforderte Auflösung der Sicherheitspolizei und die M ö g- lichkeit eventueller LebenSmittelunruhen ge- sprochen wurde. Zur Neuorgänisterung der Polizei bemerkte der Polizeipräsident: Die Polizeipräsidien in Charlottenburg, Schöneberg, Lichten- beug und Neukölln werden a u f g e I ö st. Si« gehen in die zu schaffenden Bezirksämter über. TnS Groß- Berliner Polizeiwesen wird also zentral vom Alexanderplatz aus geleitet werden. Dadurch wird in erster Linie ein besserer Polizei- licher Schutz der Außenbezirke, die über einen sehr mangelhaften Polizetdienst klagen, erreicht. Diese Bezirke, in denen daS lichtscheue Gesindel in der Hauptsache haust und Schutz findet, werden nach demselben System wie Berlin mit Kriminalpolizei belegt werden. Dadurch, so hoffe ich, kann der Kampf gegen das Verbrechertum erfolgreicher noch als bisher geführt und ein Rückgang der Verbrechen selbst erzielt werden. 67) Segen der Eröe. Roman von Knut Hamsun. Are! wollte nicht weiter mit ihr rechten, aber er konnte doch nicht ganz verschweigen, daß sie ihn einigermaßen in Ver- wunderung gesetzt habe, und so sagte er:„Du wirst immer halsstarriger und verstockter, aber du meinst es nicht so."— /Fch meine alles, was ich sage." entgegnete sie.„Und nun sag' mir einmal, warum konnten meine Leute nicht lieber hierher ziehen? Tann hätte ich doch etwas Hilfe von meiner Mutter gehabt. Aber du meinst ja, ich hätte nicht soviel zu tun, daß ich Hilfe brauche." Sie hatte damit natürlich einigermaßen reckt, aber auch sehr viel unrecht: Die Familie Brede hätte ja dann in der Gamme wohnen müssen, und Axel hätte wieder nicht gewußt, wohin mit seinem Vieh. Wo wollte sie denn hinaus, fehlte ihr denn aller Sinn und Verstand?—„Ich will dir etwas sagen, es ist besser, du bekommst eine Magd."—«Jetzt im Winter, wo es nicht mehr soviel zu tun gibt? Nein, ich danke. Damals, wo ich eine brauchte, da hätte ich eine bekommen sollen, jawohl." Wieder hatte sie einigermaßen recht: Sie hätte eine Magd haben müssen, als sie nicht wohl und in gesegneten Umständen Mr. Aber Barbro war ja niemals mit ihrer Arbeit im Rück- stand geblieben, sie war eigentlich jetzt ebenso flink und tüchtig, tat alles, was geschehen mußte, und ließ niemals ein Wort von einer Magd verlauten. Aber sie hätte eine haben sollen. „Ja, dann verstehe ich es nicht," sagte er mutlos. Schweigen., Tann fragte Barbro:„Ich habe sagen hören, du wollest den Telegraphen übernehmen, den mein Vater hat?"—„Wie- so, wer hat das gesagt?"—„Es geht das Gerede."—„Ja, es ist nicht unmöglich." erklärte Axel.—„So."—„Warum fragst du?"—„Ich frage, weil du meinem Vater Haus und Hof abgenommen hast und ihm mm auch noch seinen Lebens- unterhalt nehmen willst." Schweigen. Aber nun wollte sich Axel doch nicht noch mehr gefallen lasien, und er rief:„Ich will dir etwas sagen, du bist das gar nicht wert, was ich für dich und die Deinen tue." „So," ioßte Barbro. „Nein!" rief er nnd schlug mit der Faust auf den Tisch. Tann stand er auf. „Du brauchst nicht zu meinen, daß du mir Angst machen kannst," piepste sie mit schwacher Stimme und drückte sich näher an die Wand. „Dir Angst machen!" machte er ihr nach und blies ver- ächtlich.„Aber jetzt ist es ernst, und ich will wissen, wie es mit dem Kind gewesen ist. Hast du es ertränkt?" „Ertränkt?" „Ja, es ist doch im Wasser gewesen." „So, du hast das gesehen?" sagte sie.„Du hast wohl— daran gerochen," hätte sie beinahe gesagt, wagte es aber nicht, denn es Mr vielleicht jetzt gerade nicht mit ihm zu spaßen. „Du hast es also gesehen?" „Ich habe gesehen, daß es im Wasser gelegen hat." „Ach, daS hast du wohl sehen dürfen," versetzte sie.„Es wurde im Wasser geboren, ich glitt aus und konnte nicht mehr aufstehen." „So, du bist ausgeglitten?" „Ja, und in demselben Augenblick kam auch dos Kind." „So," sagte er.„Aber du hast doch einen Lappen mit- genommen.„Hast du geahnt, daß du ausgleiten würdest?" „Einen Lappen mitgenommen?" wiederholte sie. „Einen großen weißen Lapven, eines von meinen Hemden, das du quer abgeschnitten hast." „Jäwohl, den Lappen Hab' ich mitgenommen, um Wachol- der drin nach Hause zu tragen," sägte Barbro. „Wacholder?" „Ja, Wacholder. Hab' ich dir nicht gesagt, daß ich Wachol- der holen wollte!" „Ja, oder Besenreis." „Ach, das ist doch einerlei. Ms es war"... Allein trotz dieses starken Zusammenstoßes wurde es wieder gut zwischen den beiden, das heißt, es wurde nicht mehr gut, aber erträglichs Barbro war klug und zeigte sich wich- giebiger, sie witterte Gefahr. Aber unter diesen Verhältnissen wurde ja das Leben auf Maaneland immer gezwungener und unerträglicher, ohne Vertrauen, ohne Freude, immer auf der Wacht. Es ging immer nur einen Tag um den andern, aber solange es überhaupt ging, mußte Axel zufrieden sein. Er hatte nun einmal dieses Mädchen zu sich genommen, er brauchte es, hatte ein Verhältnis mit ihr gehabt, sich an sie gebunden; es Mr keine leichte Sache, sich und sein ganzes Leben zu ändern. Barbro wußte alles, was mit dem Neubau zusammen- hing, wo Hab und Gut aufbewahrt war, wann die Kühe und Geißen werfen würden, ob das Winterfutter kärglich oder reichlich Mr, welche Milch zu Käsen bestimmt Mr und welche im Haushalt derbraucht werden durfte— eine Fremde würoe von nichts eine Ahnung haben, und eine Fremde war vielleicht gar nicht aufzutreiben, Ach, aber oft schon hatte doch Axel daran gedacht, Barbro fortzutun und ein anderes Mädchen dafür zu nehmen; sie war zuweilen ein Mhrer Zankapfel, und er fürchtete sich beinahe vor ihr. Selbst zu der Zeit, wo er das Unglück gehabt hatte, Glück bei ihr zu haben, wich er bisweilen vor ihr zurück, weil sie chn allzu derb abfahren ließ. Allein sie Mr schön und konnte zuzeiten lieb und gut sein und ihn fest in ihre Arme schließen. Doch das Mr einmal, jetzt hatte es aufgehört. Nein, danke schön, diese elende Geschichte wollte sie nicht noch einmal durchmachen! Aber es ist nicht so leicht, sich und sein ganzes Leben umzuformen.„Dann wollen wir sofort heiraten," sagte Axel dringend.—„Sofort?" erwiderte sie.„Nein, ich fahre zuerst in die Stadt und lasse meine Zähne Herrichten. Ich habe sie ja vor lauter Zahnweh beinahe alle verloren." Da mußte es nun eben weitergehen wie seither: Barbro bekam keinen bestimmten Lohn mehr, aber sie bekam viel mehr als ihren Lohn, und sooft sie Geld begehrte und es auch be- kam, dankte sie dafür, als ob es ein Geschenk wäre. Uebrigens begriff Axel nicht, wozu sie das Geld brauchte; was sollte sie hier auf dem Lande mit Geld? Sparte sie es zusammen? Aber wozu in aller Welt sparte sie jahraus, jahrein zusammen? Es war da sehr viel, was Axel nicht begriff: hatte sie denn nicht den Verlobungsring, ja sogar einen goldenen Ring be- kommen? ES hatte doch auch lange Zeit nach diesem letzten großen Geschenk ein gutes Verhältnis zwischen ihnen geherrscht, aber in alle Ewigkeit wirkte es doch nicht, keineswegs, und er konnte ihr doch nicht immer wieder Ringe kaufen. Kurz und gut: wollte ihn Barbro nicht? Frauenzimmer sind doch merk- würdige Geschöpfe! Stand sonst noch irgendwo ein Mann mit schönem Viehstand und einem neuen Wohnhaus für sie bereit? Axel hatte alles Recht, mit der Faust auf den Tisch zu schlagen über der Weiber Dummheit und Launenhaftigkeit. (Forts, folgt.? Fraglich bleibt/ ob bis zum 1. Oktober die Bezirksämter rmd Polizeiwachen errichtet werden können. Tie Schwierigkeit liegt in der Beschaffung von Tien st räumen. Tie schnelle Erledigung dieser Angelegenheit bängt von Berlin und den Einzelgeineinden ab. Ohne deren Unterstützung lägt sich der 1. Oktober als Termin nicht einhalten. Der Groß-Berliner Polizeiapparat wird sehr umfang- reich werden. Nach Uebernahme der Polizeiorgane der Vororte wird das Polizeipräsidium zirka 24 000 bis 25 000 Beamte zäblen. Im Interesse eines gedeihlichen Zusammenwirkens von Polizei und Bevölkerung ist notwendig, daß das Publikum die Polizei, jeden einzelnen Beamten, bei ihren im Interesse des Allgemeinwohls liegenden Maßnahmen unterstützt. In dieser Beziehung kann schon eine erfreuliche Besserung festgestellt werden. Während früher die Fälle nicht selten waren, in denen das Publi- kum gegen die Beamten bei der Ausübung irgendwelcher dienst- liehen Handlungen Stellung nahmen, kann man jetzt konstatieren, daß sich mehr nnd mehr die Erkenntnis von der Notwendig- k e i t d e S P o l i z e i d i e st e s in der Bevölkerung Babn bricht. Die Achtung vor dem Gesetz muß jede« Bürger veranlassen, die Beamten in Ausübung ihres schweren und verantwortungsvollen Dienstes zu unterstützen, wie das auch in anderen Ländern der Fall ist. Tann wird es auch bsi uns möglich sein, mit der gering st en Zahl von Be- a m i e n auszukommen. Auf die Frage: Welche Folgen wird die von der.Entente ge» forderte Auflösung der Sicherheitspolizei habe«? antwortete Richter sehr bestimmt: Die Auflösung kann gar nicht in Frage komme». Sie hätte für Berlin geradezu katastrophale Folgen. Es ist ein I r r t u in, zu glauben, die Sicherheitspolizei sei eine militärische Formation oder sie auch nur mit einer solchen gleichzustellen. Sie hat einzig und allein polizeiliche Auf- gaben. Sie dient ausschließlich dem Schutze der Bevölkerung vor Verbrechern. Seit ihrem Besteben ist es mein Bestreben, sie zu dem zu machen, was sie ist: eine reine Polizeitri,»»- Mit dem Ausbruch von Lebcnsmittelunruhen größeren Umfangcv rechnet der Polizeipräsident nicht. Nach seiner Meinung wird bei der politischen Reife des größten Teils der Berliner Bevölkerung die Agitation unverantwortlicher Ele- mente keinen geeigneten Boden finden. Sollte aber trotzdem versucht werden, Gewalttätigkeiten zu inszenieren, so ist da- für gesorgt, daß schnell und ausreichend polizeiliche Hilfe zut� Stelle ist. Llohlinge in der Kinoversammlung. Am Sonntagvormittag<21. Juni) riefen die Kinobesitzer„ihr" Publikum zu einer„Protestaktion" gegen das Lichtspielgesetz, das Jugendlichen unter 13 Jahren verbietet, in die Erwachscnenvor- stellungen gehen.zu dürfen, und gegen die hohe Eintrittskarten- besteuerung aus. Die Versammlung, die im Ufa-Palast am Zoo stattsamd, war durchweg von Herren und Damen de: besseren Gesellschaft be- sucht.„Jugendliche", die doch vor allem den Protest unterstützen sollten, waren gar nicht zu sehen. Rur wenige Burschen und Mädels aus der Arbeiterschaft waren erschienen, freilich nicht um diesen Protest zu unterstützen, sondern ihre Stimmen zu erheben gegen den Kino schund! Der Schriftleiter der„Freien Jugend", Ernst Friedrich, er- suchte vor Beginn der Versammlung um das Wort in der Tis- kussion, was ober abgelehnt wurde. Auf die Referate der einzelnen Redner einzugehen lolnt sich nicht, es hagelte von Schlagworten, man sprach von der„Erholung der Jugend im Kino", vom Film als vom„Retter des geistigen Arbeiters(wörtlich:„Wenn der Film tot ist, ist das geistige Leben Deutschlands tot!"> und anderes mehr. Als einige Mitglieder der anwesenden „anarchistischen Jugend" gegen diesen Unsinn Zwischenrufe machten, wurden aus der Versammlung Rufe laut, wie„Raus mit dem Lümmel",„Es gibt gleich Ohrfeigen" usw. Den Höhepunkt erreichte ober Ellen Richter,„der große Film- stern", die behauptete,„d i e I u g e d habe ihr in Taufen- den von Briefen gedankt, daß der Film so schön von des Tages Last und Mühe ablenke". Als endlich der Versamlunmgsleiter erklärte, die Versammlung sei ein- stimmig in dem Protest und untersftitze die Aktion der Kino- bescher usw., erhob sich Ernst Friedrich und protestierte im Namen seiner Genossen gegen«ine derartige Behauptung. Nun erhob sich ein mächtiger Lärm, Rufe ertönten, wie„Raus mit dem Lümmel!",„Werft den Wandervogel raus! Lausbub! Ha- I u n k e!" Im Nu wurden die" drei Burschen und Mädel von den Anwesenden umringt und mit Stöcken uns Fäusten bar- barisch zugerichtet. Ernst Friedrich blutete bald aus Mund und Nase und nur dem Dazwischentreten eines großen Serrn von der '„Filmliga", der den Helden zurief:„Aber, meine Herren, so viele gegen einen, ist denn das Deutsch?" ist es zu verdanken, daß Friedrich nicht noch mehr zugerichtet wurde. Endlich wurde eine Seilentür geöffnet und er nnd seine Freunde rausgeivorfen. Friedrich wurde auf die Unfall statt m, gebracht, wo ihm die erste Hilfe zuteil wurde. Soweit eine Zuschrift der Beteil'gü n, der wft um io lieber Raum geben, als eine unterer vornehmsten Pflichten die Be- kämpfung des Kinoschundes ist. Interessant ist, was die Ullsti i tische„Montags post" über diesen ffandalöken Vorfall zu be- richte« weiß. Dieses Blatt schreibt fast trümphkerenZ: „Ein ungekämmter Jünq-ing ohne Strümpfe, obne .Kragen und ohne Krawatte erklärte nach Schluß ber Bersamm- lung, daß er im Namen der gesamten deutschen Jugend gegen dt« Protestversammlung protestierte. Begeisterte Kinofreunde mußten ihn einige Minuten später nach der in der Nähe ge- legenen Unfallstation schaffen, tvo er nach Anlage eines Naiver- bandeS wieder entlassen werden konnte." Kein Wort des Protestes gegen diese Roheit der Filmenthu- siasten findet dieses„demokratische" Blatt aus dem Hause Ullstein. Vielleicht merken sich die Arbeiter, um deren Gunst dieser Verlag so sehr buhlt, einmal die Freundschaft mit den Kino- kapitalisten.___ Tic Arbciislosenfrage in Schöneberg. Die Schöneberger Stadtverordnetenversammlung beriet gestern einen dringlichen Antrag der sozial. demokratischen Fraktion, der den Magistrat um Maß- nahmen zur Linderung der Arbeitslosigkeit er- suchte. Gefordert wird, 1. in den städtischen Verwaltungszweigen keine Arbeiter zu entlassen, 2. alle beschlossenen Arbeiten mit Be- schleuriiguug unter Einstellung möglichst vieler Arbeiter auszu- sichren und neue Notstandsarbeiten vorzubereiten, 3. bei den Groß- Berliner Gemeinden auf angemessene Erhöhung der Arbeitslosen- Unterstützung hinzuwirken. D�. Bendiner(Soz.s wie? zur Be- grürrdung darauf hin, daß wir am Vorabend einer Wirt- schaftskrisi» stehen, wie Teutschland sie noch nie erlebt hat. Die Höhe der Ausfuhr täuschte zunächst über die wabre Lage hin- weg, jetzt aher stehen ojjc Exportindustrien vor ärgsten Schwierig- Moröpro� Zu Beginn de: Montag-Verbandlung de? Mordprozcsses Ficht- mann und Genossen verlas Staalsanwaltscbaftsrat Tr. Ort- mann eine Drahlung des deutschen Generalkonsuls in Zürich, wo- nach Schreiber sein Erscheinen vor Gericht von folgenden Bedingungen abhängig macht: Zahlung von 4000 M., Entschädigung für 20 Franken tägliche Dienstgelder. Schutz während der Reise und vor Gericht. Erlaubnis zum Waffentragen.— Staatsanwalt O r t m a n n erklärt hierzu, daß dem Gerichi nichts anderes übrig bleiben werde, als aus diese Bedingungen einzn- gehen, da irgendeine gesetzliche Handhabe, den Zeugen hierher zu schaffen, fehlt. R.-A. Dr. Siegfr. Weinberg protestiert gegen die Zahlung der 4000 M., die man sehr leicht als Bestechungs- geld ansehen könne. Nach einer bängeren Erörterung beschloß dos Gericht, den Staatsanwalt zu ermächtigen, den Zeugen herbei- zuschafsen. Das Gericht lehnte es aber ab, die 4000 M. zu zahlen. Der Staatsantvalt erklärt, daß er dann die 4000 M. aus dem ihm zur Verfügung stehenden Fonds entnehmen werde. R.-A. Tr. Rosenfeld bittet um Auskunft darüber, aus welchem Fonds der Staatsanwalt die 4000 M. für Schreiber entnehmen wolle. Seines Wissens sei doch ein Spitzelsonds nicht vorhanden. Staatsanwalt Dr. Ortmann: Ich babe auch keinen Spitzelsonds hinter mir. Im Interesse der Ermittlung der Wahrheit ist in einem Mord- Prozeß, wo es sich um Tod und Leben bandelt, dock> Pflicht der Staatsanwaltschaft, alle Miftel zu ergreifen, die der Ermittlung der Wahrheit dienen. Vors. L.-G.-R. Joel: Das Gericht hat seinen Beschluß gefaßt; er schneide weitere Erörterungen darüber ab. Als erster Zeuge wird der Redakteur Psotenhauer aus Jena vernommen. Dieser hat nach einer Reichskonferenz in Berlin einen Vortrag über Hypnose mit daran schließenden Ex- perimenten gehalten. Der Angekl. Hoppe sei der erste gewesen, der nach ganz kurzer Zeit eingeschlafen war. Nach kaum einer halben Minute war er schon in das tieffte Stadium der Hypnose geraten. Der Zeuge erklärt, er könne sich denken, daß, wenn in einer Versammlung einer shreien würde:„Da ist ein Spitzel, schlagt den Spitzel tor!" Hoppe vielleicht infolge der Suggestion eine solche Tat ausführen könnte. Ter Zeuge gibt weitere Beispiele für die leichte Beeinflussung und fügt hinzu, daß er Hoppe als milden, weichherzigen Menschen kennen gelernt habe. Kriminalkommisstr Maslack sagt auf Befragen aus: Die Spuren auf die Angeklagten sind durch eine aus München einge- gangen e Nichricht gelenkt worden, worin mitgeteilt wurde, daß an Blauvon einer bestimmten Gruppe ein Todesurteil vollzo- gen worden, zugleich wurden die' Namen der Täter mitgeteilt. Der Zeuge Säreiber ist seines Wissens zur Zeit der Tat nicht in Berlin gewesen. Ihm ist auch wenigstens nichls davon bekannt, ebenso wenig ist ihm bekannt, daß Acosta(Mendelsohn) bei der Polizei beschäftigt gewesen ist. Schreiber ist dann von Maslack bei den weiteren Ermittelungen mit hinzugezogen worden.— R.-A. Dr. R o s e n f e l d will von dem Zeugen Auskunft darüber haben, welche Summen an den Schreiber gezahlt worden sind. Der Zeuge erklärt zunächst, daß ihm von seiner vorgesetzten Behörde die Aussage nur im Nahmen des§ 53 gestattet sei und er zunächst die Eenehnngung zur Beantwortung dieser Frage einholen müsse.— Es erhebt sich hierüber ein langes Hin und Her; die Verteidiger Rosenfeld. Weinberg und Liebknecht bleiben dabei, daß der Zeuge kein Recht zur Verweigerung der Aussage habe, Staatsanwalt Dr. O r l m a n n hält die ganze Frage für unerheblich. Zeuge Maslack erklärt schließlich nach längerem Be- sinnen, daß er gewillt sei, die Frage zu beantworten.— Das Gericht zieht sich zur Beratung zurück und lehnt dann den Antrag des Verteidigers ab mit der Begründung: Es sei ja bekannt, daß Agenten bei der Polizei bezahlt werden. Welche Höhe die Bezablung erreicht hat, die an den Agenton Schreiber gegeben ist, ist für die Frage der Glaubwürdigkeil Schreibers und des Zeugen MaSlack unerheblich.— Aus die Frage Dr. Weinbergs, ob dem Zeugen bekannt sei, daß der Spiliel Toifl in die Zelle des Leuschncr gesperrt worden sei, um diesen auf zuhorchen, erklärt der Zeuge: er sei nicht in der Lag:, darüber Auskunft zu geben. Ueber die Mittel, deren sich die Polizei bedient, um ein Verbrechen aufzuklären, könne er keine Auskunft geben. Er selbst weiß aus eige- ner Wissenschaft nichts davon.— R.-A. Liebknecht: Ist dem Zeugen bekannt', daß die a n t i b o l s ch e w i st i' ch e Liga mit Spitzeln, wie dem Spitzel Eiebel und dem Leutnant Bach mann zusammengearbeitet hat? Ter Zeuge erklärt, daß er einen Siebet nicht kenne. Weitere Fragen des R.-A. Liebknecht an den Zeugen beziehen sich darauf, ob ihm die Namen der Personen bekannt sind, die an der Spitze der Ilgentenabteilung de: bolschewistischen Liga stehen. Staatsanwalt Dr. Ort mann be- antragt, diese Fragen abzulehnen. Wenn hier solche politischen Dinge erörtert werden sollen, so würde dies doch zu weit fiihren, und es gehört doch nicht zur Entstheidung der Frage, cb die An- geklagten des Mordes oder der Beteiligung daran schuldig sind. Wenn das alles hier aufgerollt werden solle, dann müßte man doch auch weiter aufrollen, inwieweit die Kommunistische Partei an der Straftat beteiligt sein kann.— Das Gericht lehnt die Frage ab, da sie aus politischen Gründen gestellt sei und mit der Schuldfrage nichts zu tun habe.— R.-A. Tr. Weinberg: Ist dem Zeugen bekannt, daß aus Anwei- sung militärpolizeilicher Stellen Blau bei der Besetzung der Büxen- steinschen Druckerei als Kommandant tätig gewesen ist und ein Auto des Berliner Magistrats gestohlen hat?— Zeuge: Nein, davon ist mir nichts bekannt. Zeuge Blumen seid aus Darmstadt ist seinerzeit Leiter der Rcchtsschutzstelle der U. S. P. D. in München gewesen. Er berichtet Verschiedenes über die Spitzeltätigkeit Blaus, der sich als Kommunist ausgegeben und gesagt habe, er habe seine Spiyeltäligkcit für die antibolschcwistische Liga nur zum Schein ausgeübt. Der Zeuge er- klärt die Erzählung Schreibers über die stattgebabie„Verschwö- nrng", bei der er in so romantischer Weise auf die Kommunistische Partei vereidigt worden sei, für die Phantasie Schreibers. Ein solcher Porgang habe nicht stattgefunden und sei ganz ausge- ketten. Der Arbeitsmangel nimmt ,u, die Arbeitslosig- keit ist in den letzten Wochen erschreckend ge- wachsen. Berlin hat Ende der vorigen Woche 147 800 Arbeits- lose gehabt, und die Zahl steigt weiter von Tag zu Tag. Viele Be- triebe arbeiten pro Woche nur noch 20— 25 Stunden, da kann selbst bei hohen Stundenlöhnen eine Arbeiterfamilie nicht mehr exi- stieren. Arbeitslosigkeit muß bei der Lebensmfttclteucrung be- sonders bari wirken. Wir gehen sehr ernsten Zeiten ent- gegen. Helfen kann nur großzügige Wirtschaftspolitik des Reichs. Wir aber müssen unsererseits jetzt zur Linderung tun, was wir können. Genosse Bendiner begründete dann näher die einzelnen Forderungen des Antrages und schloß mit dem Ausdruck der Hoff- nung, daß alle Parteien sie unterstützen würden. Diese Hoffnung erfüllte sich nur zum Teil. Die Redner aller bürgerlichen Parteien, von den Demokraten bi�' zu den Deutschnationalen, wollten höchstens die beiden ersten Forderungen unterstützen, die erste auch nur in einer Abschtvächung. Einmütig erklärte:: sie sich gegen Erböhung der Arbeits loscnunterstützung. Nur die Unabhängigen stimmten dem ganzen An! rage zu. Ange- nommen wurde der zweite Teil unverändert, der erste Teil mit der lAenderung, daß von Arbeiterentlassungen zurzeit schlössen. Blau sei aus seinen eigenen Wunsch zusammen mtt Herm. Schuster und Schreber nach Berlin abgereist. Er(Zeuge> habe �cn Blau überhaupt nicht gekannt und sei mit ihm erst auf dem Munche- ner Bahnhof zusammengetroffen. Schreiber habe er für einen Ge- nossen gehalten. Schreiber habe binsichtlich Blaus keinerlei Aunrag seitens irgendeiner Münchencr Parteistellc erhalten. In einem Mitte August von Her.m eingegangenen Brief hat dieser dem Zeugen geschrieben, daß er Blau unterwegs versetzt und Schreiber und Schuster untergebracht habe.— S t aa�s a n- walt: Ist Ihnen bekannt, daß, bevor Herrn mit Blau und erchuster wegfuhr, irgendwer davon gesprochen höt, daß Blau beseitigt werden solle?— Zeuge: Nein. Herrn hat Wohl einmal einen Ausdruck gebraucht, daß Blau uuschädlich gemacht werden müßte. Ter Vorsitzende hält dem Zeugen Blumenseld aus dem Protokoll über seine Vernehmung vor dem Untersuchungsrichter vor, � daß er früher erklärt habe, Herm habe einmal geäußert,„Blau müsse unschädlich gemacht weben". Der Zeuge erklärt letzt, daß er eine g e- waltsame Beiseiteschaffung damit nicht gemeint habe.— R.-A. Dr. Weinberg: bemerkt hierzu, daß" unter Unschädlickz- machung die Bekanntgabe des Namens und der Photographie e'.nes Spitzels in Parteikreisen verstanden werde.— Ter Zeuge Blumenfeld erklärt auf Fragen des Vorsitzenden, daß er Blau für einen ganz gefährlichen Spitzel gehalten habe. Frau Mathilde Baumeister aus München bekundet, daß sie als Beisitzerin des Revolutionstribunals den flüchtigen Herm während der Mümhener Rätezeit kennen gelernt habe. Die Zeugin hat früher bekundet, daß Herm nach seiner Rück- kehr aus Berlin geäußert habe,„Blau sei in Berlin erladigt wor- den". Außerdem habe ihr ein gewisser Prell erzählt, daß in eine« kommunistischen Versammlung, in der ein besonderes Kommunisten tribunal gebildet ivorden sei, über Blau dos Todesurteil verhängt wurde. Die ganze Art. in welcher die Zeugin ihre Aussagen macht, scheint den Prozeßbeteiligten etwa? sonderbar. Schließlich stellt sich heraus, daß die Zeugin sich längere Zeit in einer Nerven- Heilanstalt befunden bat. Sft erklärt dies damit, daß sie nacki ihrer belastenden Aussage in der Sache Blau von den Kommunisten als Verräterin bezeichnet und wiederholt bedroht worden sei, daß sie völlig nervös geworden sei und in ein-- Anstalt gebracht werden mußte. Staatsanwalt O r t m a n n: Hier liegt also ein Fall vor, daß eine Zeugin infolge der Drohungen von kommunistischer Seite sogar in eine Anstalt gebracht werden mußte. Einige weitere Zeugenaussaeen sind ohne erhebliches Interesse. Zeuge P e t e r Z, Parteisekretär der U. S. P. D. in Magde- bürg, der am 1. August 1910 von mehreren Personen, darunter Herm und Schreiber, ausgesucht worden ist, hat dem Schreiber auf sein Gesuch eine Reiseunterftützung gewährt. Ten Blau habe er nicht gekannt. Er bestreitet entschieden'die Behauptung, die Schreiber zu Protokoll gegeben, daß Schreiber im Auftrag des Herm nach Magdeburg gekommen sei und ihn bewogen habe, die bei ihm niedergelegten Notizen über Blaus Leben und Treiben zu vernichten. Der Zeuge erklärt dies ftir puren Schwindel und Phantastegebildr. Der Zeuge Georg Pohl, Mitglied der K. P. D., wird au?- führlich über die Versammlung befragt, in �der Blau als Svitzel entlarvt Inorden ist, ferner über die daran sich schließenden Vor- gänge. Tie Versammlung habe unter Vorsitz des Bezirksführers Leusthner stattgefunden und den Zweck gehabst eine Neuwahl vor- zunehmen. Er bekstndet u. a.: Als man im Anschluß an die Ver- sammluug in Grnvven nach dem Kreugberg gegangen war, wurde dort über Blaus Tätigkeit als Svitzel diskutiert. Blau Hab: diese Tätigkeit bestritten und erklärt:„Ich bleibe so lang- bei euch bis die Sache von Stroltz ausgeklärt ist." Als dann die Nachricht kam, daß der Stroltz nicht angetrofren sei. erklärie Blau: er möchte, da er von der Reise noch ermüdet fti, nicht auf der Straß- bleiben, und fragte, ob man nicht ein Unterkommen für ibn habe. Tann ha' sich der Zeuge, wie er sagt, aus.Menschenfreundlichkeit, bereit e-k'ärt, ihm Nachtauartier'n seiner Wobnuna m geben. Geisler und Hevve gingen mit dortbin. Der Zeuge schildert die Vorgänge in der Wohnung nnd in wesentlicher Uebereinsti�m-.mg mit d-- Dar- stellung des Angeklagten Hopvc die Ueberführnng d-Z Blau am nächsten Abend nach der Großbeeren itt:. 20. Er, Zeuge, ie: b's dortbin mitgegangen, dann wisi: er nicht, was geschehen sei. Er sei in ein Lokal gegangen, wo sein Vater sich aufhielt, und erst in der zwölften Stunde sei er Wied- nach der Großbeerenstraße a-- gangen, um zu hören, wie sich die Sache Mau weiter entwickelt habe. In der Großbeerenstraße au' der Brücke babe er Schröder getroffen, mit dem er auf und ab gegangen sei. Dö sei ein Mann gekommen und babe gesaat: Blau sei erked'-st Bald darauf H eine Gruppe herangekommen, die ein Bündel schleppten nnd in? Wasser warfen. Was darin war. w'ste er nickst.— Der Po-sitzende stellt aus dem Protokoll über die Berne�muna de? Zeug n im Barver» fahren fest, daß er dort von der D-Grmvve aesvrochen und daß ibm auch Hoppe einmal erzäblk babe. es best'be ein- Grnvve znr Be- seitigamg der Spitzel. Ter Zeuge kann sich darauf nickst besinnen. Er sei infolge seiner Verbaftung so niedergedrückt a-mff-n. daß er tftcht mebr wisse, was � damals ausgesagt babe. Da? aleicke erklärt er bei den verschiedenen Einzelheiten, die ihm anS der Voruntersuchung vorgebalten werden. Er bat in der Voruntersuchung den Mord in allen Einzelheiten geschildert, wie er ibm von den Beteiligten dargestellt worden sei, setz! kann er sich auf alle diese seine Aussagen vom November v. I. nicht mehr besinnen und gibt überall nur die„Möglichkeit" zu. Insbesondere hat er in seinen früheren Vernehmungen bezüglich Fickstmann? ansaeiaat. daß d'eser bei dem Transport des Bündels nach der Brück- dem tra"Zvortierenden Trupv vorausgegangen sei. Er erkennt setzt Fichtmann vi bt wieder nnd bezeichnet den betr. Mann nur als d-n„kleinen Schwarzen". Der Zeuge erklärt noch auf Betragen, daß er vor sein-- ietzigen Vernehmung von keiner Seit- Drohbrief- oder Eiu'chü:''er'tnas- Briefe erhalten babe und daß von keiner Seite auf'hn e'">ae-v'rkt sei Er sei aus der K. V. D. ausaetteten. weil er hier in d'.ste Ge- schichte unschuldig mit hineingezogen worden sei und viel Kummer und materielle Nachteile gehabt babe, Die Verhandlung wurde hierauf um 4)4 Uhr auf Dienstag 'Uh Uhr vertag! nach Möglichkeit abgesehen werden soll. Ter dritte Teil wurde von der bürgerlichen Mehrheit abgelehnt.— Aus der überaus umsangreichen Tagesordnung kann die Berichte rstattting nur einige Punkte wiedergeben. Eine Anfrage der Deutsch itatio- nalen rügte, daß �ei der ReichstagSwabl die Demokraten im Rathaus einen Raum zm Wahlbureau benutzt haben. Ober- bürgermeister Domin icus versprach, so etwas werde nicht wieder vorkommen. Für die sozialdemolrattsche Fraktion erklärte Obst, man sollte ruhig allen Parteien bei solchen'Anlässen die Rathausräume überlassen. Die Baukosten der M ü l l v e r- b r e n n n u n g s a n st alt werden infolge der Preis- und Lohn» «rhöhungen jetzt auf 14 Millionen Mark berechnet, so daß gegen- über dem früheren Kostenanschlag von etwa 5 Millionen eine Nachbewilligung von noch über K Millionen nötig wird. Die rechtsstehenden Fraktionen bekundeten wieder einmal ihre Ab- neigung gegen Kommunnlbetriebe. Fri-tzsch(Soz) und Erb- mann lSoz.s gaben ik.nen die richtige Antwort. Eine Belastung des Steuersäcke's tritt nickst ein, da das Unternehmen bei ent» sprechender Festsetzung der Gebühren sich selber erhält und die aus Anleihe zu deckenden Baukosten verzinst. Die Vorlage wurde an» genommen: Trci schwere Verbrechen aufgeklärt. In der Nachl zum 15. Mai v. I. wurde in B u ch K o l z ein tfilürwerl gestohlen. Die drei Diebe fubrcn damit nach Berlin. Hier der folgte sie der Kriminalwachlmcister 3! o d e mit einem Auto und holte sie ein. Als er sie aufforderte, sich auszuweisen, stieg einer ab, iiin Anskuitst zu geben. Unterdessen mochlen die beiden Anderen ihre Pistolen fertig und schössen den Beamten nieder. Di� drei jagten davon und enikamen. Kurz daraus beobachtete dei� EendarmeriewachlmeisterBünger inNarisborsiLauben- rinbrecher an der Kaulsdorier Bahnstrecke und geriet mit ihnen in ein fseuergefechi. Es endete damit, dag der Wachtmeister schwerverletzt rieaen blieb. Ein Kamerad, der bei ibnr war. veriolalc die Verbrecher, lonnte ihrer aber nicht habhaft werden. Kurze Zeit nach dieiem Zusannnenstog überraschte der Gendarmeriewachiincisicr Schulz rn� Lübbenau� zwei Fuhrwerksdiebe mit dem erbeuteten Gespann. Uls er sie festnehinen wollte, schössen sie aus rhu und trafen ihn so s ch wer, das; er st a r b. . Äolizeiinspekior S t e l s o in Karlshorst ermittelte und der- ha!te.ice jetzt einen Arbeiter Frenz Sommerfeld aus der Cuvrhltr. 13, den er nach seinen Ermittelungen im Verdacht hatte, nn dem Anschlag auf den Gendarmcriewachtmeister Bünger be- .teiligt gewesen zu sein. Dieser Verdacht erwies sich als richtig. Aber nicht nur das allein, sondern Sommerfeld geborte auch zu cher Bande, die die Wachtmeister Rode und Schulz erschossen hatten. Der Verhnflele gestand, dag zu dieser Bande außer ihm noch ein Kellner Kurt Richter und ein Arbeiter Richard Mosch, die wegen Einbruchs und Diebstahls bereits im Gefängnis sitzen, und ein gewisser Paul Förster auS der Hohelobestrage gehörten. Auch dieser Förster wurde in Verlin ermittelt und festgenommen. J FriedrichShagen. Ter Tag der Jugend. Das war für r i e d r i chs h aL e n der letzte Sonntag. Zu einer einzigartigen Veranstaltung hatten sich die Gemeindeverwaltung, der Kultur- ausschuß, der Jugendpflegeausschug und die Kunstgemeinde zu- sammengetan. Ein Gemeinde- Kinderfe st! Es wurde etwas Großes uno Schönes. Fahnen wehten und Blumen sandten ihre farbenfreudigen Grütze, namentlich in der Seestratze, wo der endlose� Festzuq seinen Ansang nahm. Ueberhaupt dieser Festzng im Rosenmond. Was Flora an Blumen hergeben konnte, das gab sie. Blumen an den Wagen mit ihren schönen Märchengruppcn, gestellt von den Helden des Tages, den Kindern selber. Blumen an den vielen Wägelchen, in denen die Kleinen gezogen wurden, und Blumen im Haar, vor allem Rosen. So zogen die Tausende, denen das Fest geweiht war, durch die Straßen, umsäumt vom Spalier der Erwachseren. Natürlich auch Musik. Es ging zum Kurpark und dem anschließenden Walde. Was gab es nicht dort für vielerlei Veranstaltungen für unsere l>cbe Jugend. Ein buntes, vielgestaltiges Bild. Reizend waren die Volkstänze. Hans Sachs wurde gespielt. Turnsport gab e-Z und vieles, vieles andere. Ganz Friedrichsbagcn nahm teil am Fest, am Gemeinde-Kinderfest. das zum Vclkssest wurde.— Aus, ihr anderen Vororte um den Stein- klotz Altberlin, macht's nach! Die Personalausweise für die zur Abstimmung fahrenden Ost- unh Westpreußen werden nur bei den zuständigen Polizei- regieren ausgestellt. Das nächste Städtische Volkskonzert des Vbilharmonsiihen Orchesters unter Leitung von Richard Haacl findet am Mittwoch, ti Vchr, in der Pbilhaimonie. Bernburger Straße 92/23. statt. Vorverkauf in der Zentralstelle für Volkswobhohrt, Aiigsburper Straße Kl. in der Berliner Gewcrkichaftskommifsion, Engcluser 15, im Zigarcengefchäjt von Harsch und im Konzertsaal. Straubes Märkisches Wanderbuch, dieser seit Jahren vergriffene Neisefübrer durch die Mark Brandenburg, ist jetzt endlich wieder in den Schaufenstern dcr Buchläden, auch der Buchhandlung V o r w ä r ts, auigelaucht. � Wer die Vorzüge dieses vom Geographischen Institut Julius Slcanbc. Bülowilr 58, in drei Bänden mit hv farbigen Karten und Plänen übersichllich geordneten Buches kennt, wird bereit sein, den natürlich erheb« bch gewachsenen Preis zu verschmerzen. Man hat es hier inlt einem D c i m a l b u ch zu tun, das als Wegweiser und durch die Fülle seiner � ist an! 50 Pi. tcstgeictzt. über Landschaft und Orte gcogravhisch, geschichtlich nnd wanderpraklitch i die sich mit dem Thema: Ssziakösmokrct'eunKRTglexyngsbzlö�Kg beschäftigen, finden am Mittwoch abend 7 Uhr statt, und zwar für Serttn: Mnsilcr-Vcrcinshans, Knücr-Wilhclm- Straße 31. Schulaula, Elisabetbstr. 57/58. Schulaula. Grünthalcr Straße 5. Schulanla, Pafteurstr. 4146. Kirchuer-Ohrrrealschnle, Zwinglistr. 2. Böhmisches Brauhaus, Landsberger Allee 11 13. Pharnssäle. Müllerstr 113. Pahenbofer Ausschank lBockdronerci), Fidicinfir. 2/3. Andrcas-Fcstsäle, Andrcasftr. 21. Gcwerkschaft-Haus, Engelufrr 15. HN öen Vororten: C ö v k n i rk: Stadttheater. Neukölln: Schultheist-Ausschank, Hasenbeide. Schöncberg: Hohenzollernichnle, Belziger Str. 18/52. Steglitz: Aula dcr Obcrrealschnle, Elisrnstrasie. Wilmersdorf: Rnla der Biktoria-Luisc-Schule, Gasteiner Str. Wildau: Kasino am Bahnhof. Reinickendorf 0: Bürgergarten,.Hanptstr. 52 53. Lichtenberg: Cäcilien-Lyzeum, Rathausstraße. Mnricndorl: Gvmnasinm, Kaiscritraßc. Teltow: Weißen Schwan, Ruhlsdorfcr Platz, Löwcnbruch: Loka! Steffen. Oranienburg: Restaurant Schützenhaus. Birkenwerder: Restaurant Bergschloß. Liellenwalde: Nene Straße. B c e§ k o w: Restaurant Stadt Bceskow. Neu- Zittau: Ncstauruut zum Syrccdorf. Ketschendorf: Chausseestr. 66. Am 1. Juli, abends 7'/, Uhr: Charlotten bürg: Volkshaus, Rosincnstr. 3. Bernau: Restaurant Elysinm. Lleseretiten sind die Genosien: Beniner, Breuer, Beßm- Schlich. Erwin Barth, Brückner. Rich. Fischer, Gnske, Heller, ! Harnisch. Holst, Joachim, Inchac?., Koblenzer, Krätzig. Kall- mann. Kaniann, Kreutzige". Obcr>':et>er, Pßilippsborn. Rausch, . Rauscher, Ritter, Ried müller, Simon, Sicring, Stampfer, ! Strienwr, Vogel, Wissel!., t&UZZ&ttSiSSi unterrichtenden?lnenben a'e. unentbehrlilli gelten darf, um so mehr.-als es nicht nur die vieldciuchten Strecken der Mark, sondern auch weniger be- suchte Teile berücksichtigt und— was bcachie: werden möge— eir-r neuen Bearbeitung unterzogen wurde. Der erste Band betrifft den Osten und i Südo-'en. der zweite den Norden und angrenzende Teile von Mecklenburg. ! dcr diitte den Westen und Süden nnd angrenzende säckisiche Teste Die Bände sind in scstem Umschlag gebunden und einzeln läuslich(12 Ast.). Im Dbeater am Kottbnfcr Tor aeben im Monat Juli die Original- Leipzig er-Weber-Sänger während des Erholungsurlaubs dcr El'tc-Sängcr ein Gastspiel.__ ©rofcTcrlnicr Lebensmittel. Perliu. Ab Donner-t-a aus dw Abschnitte 28» und b der Beiliner Kaitöffelkartc 2 Pid. Frühlarlo st-ln. Der Preis für 1 Pfd. Frühkarlosjetn Neinickcndorf.'/< Vlund Graupen 431),'!, Pfund Haierffockcn(32) Johannisthal. 125 Gramm Grieß(31). Für Kricgsbeschädigi» 2 Psund Zerealiknmehl und 2 Pfund Teigwaren(7). Für alte Leute 25V Gramm Zereaiienmebl(7). Treptow. oOO Gramm Haferflocken(32 und 33), 250 Gramm Küchemueh!(311, 375 Gramm Zucker. Kwder im 1.— 2, Jahre IVO» Gramm Haserfloiten und 2 Pakete Zwieback(A I und II der Milchkarte). Im 3.— 6. Jahre 500 Gramm Haferflocken und 2 Pakeic Zwieback,(B I und B II, C i und C II). Für Personen über 05 Jahre 25V Gramm Kartoffel. stärlenrehl und 2 Dosen Malzertrakt. Sport. Das Harzburger Bollblutmatcrial, mit Ausnahme von einem Deckhengst und sechs Mutterstuten, gelangt am 25. Juli in Harz- bürg zur Auktion.— Der R e n n kl u b Wiesbaden wird sein» Renntage am 26., 29. und 31. August höchstwahrscheinlich in Frank- iurt a. M. abhalten müssen, da die eigene Bahn des Klubs durch die fremden Besatzungstruppen in einen derartigen Zustand versetzt worden ist, daß sie für Rennzwecke so gut wie unbrauchbar ist. Sreß-Serliner parteinachrich�en. Heute, 29. Juni: II. Abt. 5 Uhr Slreuzetteivcrtcilung. Erscheinen der Funktionäre und iihelser im Lokal von Krüger, Engeluser 13, dringend notwendig. 15. Abr. st, 6 Uhr: Hcmdzcttclvertcilimg. Treffpunkt: Restaurant Grohse, Blumenstr. 33. Sämtliche Bczirkssührcr haben zu cricheinett. 25. Abt. 7 Uhr, Erternversammlung jür die 33/30. Gemeindeschule, Friedenstraße. Schöneberg. Die Mitgliederversammlung sällt auS. Jnngsozialtftische Vereinigung. Vorlesung und Aussprache über Hermann Hesse:.Zaratbustras Wiederkehr", 7 Uhr, Saal der Juristischen Sprechstunde, Linoenstr. 8. Teilnehmer willkommen.— Ortsgruppe Lichtenberg: 7'/, Uhr bei Schlenkrich, Simplonflr. 42. Vortrag über:.Di« Entstebung des kommunistischen Manisest".— Ortsgruppe Tempelbof: 7'/? Ubr bei Buic, Werder-, Ecke Kaiscr-Wilbelm-Straße. Vorckrag über: .Das Tahlorshstem".— Die anderen Mitglieder verweilen wir aus die öffentlichen Versammlungen dcr Gesellschast:.Ausbau und Werden". Tenipclhof. Anmeldungen für Ferienipicle bei: Frau Harsdorf, Werdcrstr. 31plr., Frau Bundelach, Werderslr. Zill, rechter Ausgang, Frau Bänsch, Manteuffelstr. 57 a. Frau Hemmerling, Albrccht«, Ecke Berliner Straße, Frau Lohrengel. Ringbahnftr. 59. Ortsgruppe Moabit, 37.-11. Zldt. Handzettel und Plakate bei Hübner abholen und verteilen. Jugenöveranstaltunzen. Heute'/sH Nhr: Britz: Jugendheim. Chaussrestr. 132. Diskuisionsabend: Warum sind wir im Verein Zlrbcilerjugend?—.Gesundbrunnen: 208. Gemeinde- ichuie, Gotenburgsir. 2, Mädchenabend.— Neukölln: Nogatstr. 58, Mädchenabcnd.— Reinickeiidorf-Ost: Seebad(Residenzstr. Ecke Pankower Allee) Lescabeird.— Schöneberg: Rubcnsstr., Ecke Hauptstr., Lesenbend.— Spandau: Oberlvzeüni, Askanierring. Vortiag:.Ferdinand Lassalle. Staaken: Gartenstadtjchme, Vortrag. Verträge, Vereine unö Versammlungen. Jricdcncbund der Kwiegsteilnehwer, Bcztrksgruppe st.Zcsten. Dienstag st, 8 Uhr Casö Autzria, Potsdamer Str. 23: ilameradenabend. Referent P> os. Dr. Berger. Tbema:„Sozialismus und Pazisismus."— Verein hcimattrciicr O!rersc>ilrsier. Versammlung l. Juli, abends 8 Uur, in Bep>er§ Gescllichasthculs. Am Treptower Park 20.— Oder- ichlrsicr der Ortsgruppe Zentrum werden gebeten, ihre Gchurts- bezw. Heiratsurkunden in der Geschäslsstelle Dircksenstr. 20 bei dcr Firma Bauin Co. abzugeben. Tase.bn wird auch Auskunft allen Abslimmungs- berechtiglen erteilt.— lieber»Gcschlechtskrankhiiteu und ihre Be- kämpfung- hält Herr Dr. Pflanz am Mittwoch'�S Ubr in der Aula der Rcalschiil.-, Boddiiiuraste, Neulölln, einen Vortrag linit Lichtbildern). Dcr Bestick dieses Vortrags wird angetegcnllichst einpfohien. Der Eintritt ist lostenjrei._ Wetterbericht biS Mittwoch mittag. Zcitiveise heiter, ziemlich warm, weit verbreitete Gewitter und Regcnsalle, bei schwachen westlichen Winden. Sszialüemolikst. verein iZ-riin(S. F. D.) 40. Ab«. Unser Mitglied MeöFicIiBölMe,1 Modelltischler,[ wohnhast Emdener Str. 39, si ist am 23. Juni verstorben.! Ehce feinem lllndcnieu. i Die Einäscherung erfolgt I ; am Mittrovch, den 80 d. M.,| J vormittags U Uhr, im Kre- � matorium. Eericti'.straße. Zahii.elche Leteiligunq er- manet 100/6 1 Der Vorstand. MW«. - File die vielen Beweise herz- ticher Teilnahme aniSzlich der Briseinuig meines lieben Man- ncs. des Eastwirtes psu! Kriinlllsl, iaqe ich allen Verwandten und Tekanm en, besonders demWahl- verein, 7. Adw meinen besten Tank. lt78d Fra» Ki'iintlisck. kr.ksrivdLlllli, Speziaiarzt für tvS/4a Haut- u. LSeschlcchts- krankheitcn, straste 2öa N'.cdergelaffen. LZZETZSZSI'si liest!-, ilarn-straucn leilli-n. 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Schlüsse des Geschchts- sanreo 1918... 1 772 400 R sie hat sich ver- mehrt um.... 882 800, Gesamt- Sastsumtne am Schlüsse des Geschästsj. 1919 2155200 R Der Vorstand. L. Schmidt. Ernst Rosche S ParabeHwm» iPlstoleu, Cewcbre aller Art kauten| Frank 4t Co., W. 8z Markarafen.tr. 50.- >»»«»«W»»WWWW> WW< Teurungskratvalle. Ausnahmezustand über Hamburg. Hamburg, 28. Juni.(Eigener Drahtbericht des„VorwZrtS.) In Hamburg und Altona kam es im Lause des Sonnabends gleichzeitig an verschiedenen Stellen zu großen ZAcnschcnansamm- lungen. Tie Menge wandte sich zners: gegen die Straßen- Händler und erzwang eine H e r a b s e!? u n g der Obst- Preise. Tarauf wurden verschiedene S ch u h w a r e n I ä d e n geplündert und Zwangsverkäufe zu bedeutend ßerabacscvten Preisen vorgenommen. In einem Geschäft in Eimsbüttel r.rm e.- dabei zu einer folgenschwere» Schießerei. Ein Lndcnin Haber, in dessen Geschäft die Menge eingebrochen war, gab ans seiner Wohnung Gewchrschiifsc auf die Menge ab. Dabei wurde e>n siebenjähriges K i,n d erschösse n und ein junger Bursche schwer verlebt. Auch in Altona mußten SicherheitZtrupprn von der Waffe Gebrauch machen, wobei zwei Personen ge- tötet wurden. Es wurden zahlreiche Verhaftungen vorgenommen. Im Lause des Sonntags erschien eine Bekanntmachung des Senats, durch die der Ausnahmezustand über Hamburg verhängt wurde. T;e VoUzugIgcwa.lt ist dem Polizcihcrrn Hcnsel über- -ragen worden. Größere Ansammlungen sind verboten. Plünderer werden crschsfscn. Infolge dieser scharfen Maßnahmen ist jetzt Ruhe eingetreten. Eine genaue Angabe über die Zahl der Toten und Verwundeten bei de» Unruhen am Sonnabend ist bis jetzt noch nicht Möglich./ Unruhen in Mainz, 28. Juni. immelt, meist Janhagel, darunter viele der Polizei wohlbekannte Brrsönlichkeilen. Zu Störungen von Ruhe und Ordnung ist es bis- lex noch nicht gekommen. Französische Gendarmerie- Patrouillen durchziehen die Stadt. Außerdem sind 3 Panzer- antos i nd 3 Tanks in der Nähe des Marktplatzes aufgestellt. Unter dem Druse dex Z w n n g s v c r! ä u f e wurden die Preise der meisten Verhrauchsortikel ganz wesentlich heruntergesetzt. Am Srunabendiiachmiitag wurden Kirschen zß 1,5g M., Erbsen zu 80 find 3 Pf. das Pfund verkauft. das„srm Spie!" bankerott. Wenn wir aus dem nunmelzr bekannt gewordenen Programm der neuen bürgerlichen Regierung die. Teile zusammenstellen, d.' die Richtung der zukünftigen Wirtschaftspolitik ab- stechen, so geben sie insgesamt ein recht dürftiges Bild. Der Entwertung des Geldes und der Steigerung der Warenpreise soll von der Geldseite aus durch eine Fortführung der Steuer- rcform bcigekomnien werden. Das Riesendefizit bei Post und Eisenbahn wird beklagt, die Stencrsabotage wird. verurteilt. Steige- rung der Gütererzeugvng wird gefordert, technische, soziale und wirtschaftliche Maßnahmen zur Steigerung der Kohlen- und Kali- wrderung werden versprochen. Ueber die Zwangswirtschaft sagt das Programm: Eine Besseruno unserer Versorgung darf besonders von der besonnenen Lockerung der Zwangswirtschaft erwartet werden. Allerdings kann heute die Forderung auf völlige "Wiederherstellung des freien Verkehrs für die wichtige,' ikahvungsmittel noch nicht erfüllt werden. Unsere Er- nährungSpolitik muß von dem Grundsaß geleitet sein, daß in der Zeit der Küaopheit ein jeder Befriedigung seiner drin- gendsten Bedürfnisse zu erschwinglichen Preisen erbält. Es kann nur ein planmäßiger Abbau in szrage kommen, der deni jeweiligen Stande der Produktion gereckt wird und auf-den zahl- reichen Gebieten, wo die öffentliche Wirtschaft unbedingtes Er- fordernis nicht mehr ist, dem freien Handel die Möglichkeit gibt, ■ine bessere und billigere Versorgung herbeizu- "chrrn. Auf diese Weise, wird drs�Schieber- und Wucherbum am ■rsien der Boden, entzogen und im Volke die Moral wieder ge- '»oben werden. Ter Handel aber soll seine Kenntnisse in er- 'ähwr" Maße m den Dienst der LebcnSmittelzufuhr stellen. Die Regierung wird auf die Erhaltung einer Pfunden Gliederung unseres Wirtschaftslebens achten und deshalb 'en gewerblichen und kaufmännischen Mittel- and unterstützen in dem Bestreben, sich durch zweckmäßige "rganisationSeinrichtungen lebensfähig zu erhalten. Vbei wird der genossenschaftliche Zusammenschluß ein 'esentliches Mittel der Selbsthilfe bilden Die Probleme nsercr Wirtschaft sind ans dem Boden des -gl Iii? freien Spiels der Kräfte nicht zu lösen. 'S bedarf dazu einer zielbewußten Volkswirtschaftspolitik, die in jeder Weise aus das Volkswohl einwirkt. Das Wichtigste in diesen Ausführungen ist das Bekenntnis, daß Probleme unserer Wirtschaft auf dem Boden des völlig freien 'v-iclä der Kräfte nicht zu lösen sind. Wir stehen zurzeit in einer schweren.Krisis, die Arbeitslosigkeit wächst zu- s'bends, die kapitalistischen Selbstfahrer, das sind die einzelnen Wirtschaftszweige, sind aus Mangel an Betriebskapital teil- ■ei'e e n t g l e i st, Möbel-, Schuh-, Bauindustrie usw. Das auf den wgnkcn liegende Privotkapital entzieht sich de: Produktion, weil es i ort unter den gegenwärtigen Krisenvcrhältnissen keine Renten ver- ivricht. Die Kaufkraft sinkt infolge der L o h n a u s f ä l l e. Die Demonstrationen mehren sich. Da wäre es wohl dringend not- '■■'"dig gewesen, daß das neue Regierungkvrogramm klar ausgc- '"rochen hätte, daß dort, wo Material beschafft und produziert ■erden kann, produziert werden muß, und die Regierung ■ ese Produktion finanzieren wird. Hier liegt der Brennpunkt Dr gegenwärtigen wirtschaftlichen und auch politischen Schwierigkeiten und E> e s a b r c n. TaS Programm sagt ■: Millionen Arbeitswilliger werden schwer enttäuscht' «'ein. Im wirtschaftlichen D.'il drS Programms fehlt das kraftvolle, energisch? Bekenntnis, e'nen den. völlig veränderten öe?- ■ unischen Grundlagen entsprechenden neuen Weg zu gehen. Bc- steM hier r-gierungsseitig keine Klarheit'und lein einheitlicher, machtvoller Wille, wie er auf sozialistischer Seite sich cnt- ck.rlt hat. so müssen wir m t einstehen Besorgnissen der aller- ■chsten Zukunft entgegensehen. Die Deutsche Volkspartei, die im ".Abskamps am lautesten die„Beseitigung der Zwangswirtschaft" gefordert bat, muß nun hekennen, daß auch ihre Vertreter in der Regie- rng, die das Wirtschaftsministerium an sich rissen, da;„freie Svi.'l d-r Kräfte" nick-k wieder«iniühren können. So düster d-e Zukunft, um so Heller muß W Mick des Volkes worden für die Daren, die die Stinneslcutc jetzt acisten werden.. Die sozigldcmokrgtischc» Interpellationen über die Arbeitslosigkeil und die Wobnunasnot sind im Reichslagsbericht unserer gestrigen ■ ckiendausgabe versehentlich al-s Interpellationen A n s o r g c iU. Soz.) bezeichnet. Genossin Ansorge gehört der coozialdenro- trat! s ch e n Reichstagsiraklion an. Berichtigung. Wie uns das Gewerkschaftskartev K r e r e l d mii» tci't, ist die von uns von einer Nachrichtenagentur übermittelie Met- dung von einem Krefclder Ultimatum an die Belgier unrichtig gewesen. Sieg der Konfeigonsschille. Mit Ausnahme von München und Nürnberg wird in Bayern die Simultanschule zunächst nicht weiter -■in-refübrt. Die neue N e i ch s r e g i e r u n g''oll damit ein- verstanden sein, daß erst die.R'chtsfrage" gekiä-r wird.— Das schwarze Oesterreich führte die Simultapichute 1809 ein. Gegen die Ausweisungen aus Südjütland protestierte eine große sozialdemokratische Versammlung in Kopenhagen. Deutscher Konsul i» Danzig ist der Amtsrichter Dr. Siedtke- Die Entwaff Die dem Vorsitzenden der deutschen Friedensdeleaation in Paris übermittelten drei sttotsn über die Entwaffnung lauten in Uebersetzung: I. Die Alliierten Regierungen haben mit dem größten Bedauern die Langsamkeit und den Mangel an gutem Willen festgestellt, mit dem- die Deutsche Itegieruüg an die Ausführung der Bestimmungen des Friedensvortrags über Landheer, Luftfahrt und Marine heran- gegangen ist. Am Lt. Juni, nach Ablauf von beinahe K Monaten seit Inkrafttreten des Friedensvertrages, sind die wichtigsten dieser Bestimmun- gen noch unausgeführt oder unvollständig ausgeführt. So kommt es, daß das stehende Heer soeben er st aus 200 000 Mann zurück- gefübrt worden ist, eine Zahl, aus die es a m 10. April hätte ge- bracht sein müssen, und daß seine Gliederung mit der im FnedenZ'e'ericag vorgesehenen nicht im Einklang steht; daß keinerlei .Gesetz erlassen worden ist, um in Teutschland ein dem Friedens- vertrag entsprechendes Heerwesen einzurichten; daß durch den Per- trag verbotene militärische Formationen, wie die S i ch e r h e i t s- Polizei und die Einwohnerwehr, trotz wiederholter Auf- forderungen noch fortbestehen; daß die Zerstörung des Kriegs- Materials, die am 10. März hätte beendet sein sollen, noch nicht zur Hälfte durchgeführt ist, und daß die Ausfuhr von Waffen nach dem Ausland andauert. Die Alliierten Regierungen haben nach ernsthafter Prüfung dieser Sachtage einstimmig beschlossen, die in dem von Deutschland unterzeichneten Friedensvertrag enthaltenen Bestimmungen über die Entwaffnung, sowohl' was die Hccresstärke, als auch was das Kriegsmaterial betrifft, in vollem Umfange aufrech tzuer- halten, und deren schon allzulange verzögerte unvollständige Durchführung unverzüglich zu betreiben. In gleicher Weise erwarten die Alliierten Regierungen, daß die Deutsche Regierung ihnen keinen Antrag auf Abänderung der militärischen- Bestim- mungen des Vertrags mehr vorlegen wird, da solche Anträge nur abschlägig beschieden werden könnten und daher nutzlose neue Verzögerungen mit sich bringen würden. Die Antwort der Alliierten Regierungen auf den Antrag der Deutschen Regierung wegen Beibehaltung eines Heeres von 200 000 Mann geht dahin, daß die militärischen Kräfte Teutchslands auf der durch den Friedensvertrag bestimmten Stärke von 100 000 Mann und in der durch diesen Vertrag vorgesehenen Gliederung zu belassen sind, daß die Sicherheitspolizei innerhalb von drei Monaten vollständig aufzulösen ist, und daß andererseits die Stärke der Polizeikräftc auf 150 000 Mann erhöht, somit um 70 000 Mann im Vergleich zu der Stärke von 1913 vermehrt wird. Des weiteren fordern die Alliierten Regierungen die Deutsche Regierung auf, unverzüglich die deutsche Gesetzgebung entsprechend der Bestimmung des Artikels 211 mit den militärischen Bestimmun- gen des Vertrags in Einklang zu bringen, gesetzliche Maßregeln zu treffen, um entsprechend dem Artikel 170 die Aussuhr von Kriegsmaterial nach dem Auslände zu verbieten, die Formationen der„Einwohnerwehren", die im Widerspruch mit der Entschließung vom 8'. April noch fortbestehen, tatsächlich aufzulösen und die Aus- liefernng der Waffen dieser Formationen durchzuführen. Die Alliierten Regierungen erwarten, daß bei der Zerstörung des Kriegsmaterials keine neue Verzögerung eintritt und daß die AuSftihrungen aller Bestimmungen über die Enttvafsnung sowohl hinsichtlich der Truppenstärken als auch hinsichtlich des Kriegsg-eräts ohne weiteren Aufschub erfolgt; andernfalls würden sich die Alliierten Regierungen gezwungen sehen, die geeigneten Mittel zu prüfen, um die vollständige Ausführung der Bestimmungen des Per- trag'cs sicherzustellen. II. Mit einer Note vom 4. Juni hat sich die Deutsche Regierung unter Berufung darauf, daß die Alliierten Mächte auf ihren am 20. April gestellten Antrag, ihr die Unterhaltung eines ständigen Heeres von 200 000 Manu zu gestatten, eine endgültige Antwort nicht erteilt haben, an die Konferenz gewandt, um eine vor- läufige Verlängerung der ihr gestellten, am 10. Juli ab- laufenden F r i st herbeizuführen, binnen der die Heercsstärke in Deutschland auf 100 000 Mann herabgesetzt werden soll. Zur Be- griindung ihres Antrages macksi die Dentscke Regierung ins- besondere geltend, daß„nach dem, was die Alliierten Regierungen ihr auf der Konferenz von San Remo mitgeteilt hatten, sie er- warten mußte, daß erst die Konferenz in Spa endgültig über dieses Ersuchen bestimmen würde". Die Alliierten Mächte können diese Auslegung der von San Reino aus an die Deutsche Regierung gerichteten Note nicht gelten lasten. Sie haben damals deutlich erklärt, daß sie das in der deutschen Denkschrift vom 20. April gestellte Ersuchen nicht prüfen tonnten, solange Deutschland den wichtigsten Ver- p f l i ck t u n g e n des Friedensvertrages nicht nachkomme und die Entwaffnung seines Heeres nicht in Angriff nchlne. Nichts in der-Antwort der Alliierten Mächte erlaubte der Deutschen Regie- rung, sich für ermächtigt zu halten, die Durchführung der zur Ver- ringcruug der Heeresstärke auf 100 000 Mann erforderlichen Maßnahmen, die seit dem 10. April hätten im Gange sein müssen, auszusetzen. Im übrigen haben die Alliierten, indem sie die für diese Maß- nähme bewilligte Frist bis zum 10. Juli verlängerten, den Schwierigkeiten vollauf Rechnung getragen, auf die Deutschland sich billigerweise berufen kannte. linier diesen Umständen haben dir Zllliierten Regierungen keine Veranlassung, einer erneuten Verlängerung der Frist zuzustimmen. Sie bestätigen vielmehr klar und einfach ihre früheren Erklärungen: Tie militärischen Bestimmungen des Vertrag?, vpn Versailles über das deutsche Heer werden sowohl hinsichtl ch seiner Stärke als auch seiner'G l ie d c r u n g und Bewaffnung in vollem Umfange aufrecht erhalten; sie müssen aut das genaueste ausgeführt werden. Wenn die Mächte auch entschlossen sind, die Abrüstung Deutsch- lands den Vertragsbestimmllngen gemäß durchzuführen, so ver- .kennen sie doch nicht die Notwendigkeit, der Deut- scheu Regierung zur Anfrecksterbattiing der Ordnung im Innern ausreichende Polizeikräftc zu belassen. Sie erkennen gern an. daß die normalen Polizeikräfte nach dem Stande von 1913 nicht allen Bedürfnissen genügen können. Tic AlliieUen Negierungen sind bereit, eine Vcrmehrnng der Polizei- kräftc zu genehiiiigen. Sie können aber unter keinem Bor- wände zulassen, daß diese Vermehrung durch Beide- Giolitti geht doch nach Spa? Einem Telegramm der Dena aus Batet zufolge soll sich Giolitti nun doch als, Fübrer-dc� it-alienischen Teleaation selbst nach Spa begeben. Mille- r a n d reist am 1. Juli nach Brüssel ab. wo er nochmals mit Lloyd George vor Spa zusammentreffen soll. Wilson ist durch die Alliierten ersucht worden, die erste Ver- sammlung des Völkerbundes einzuberufen. Ob der Tagungsort Genf oder Brüssel sein wird, ist noch unbestimmt. U H t ir 4 ♦ Haltung der Sicherheitspolizei, einer Polizeitruppe von ausgesprochen militärischer Art und Organi- sation, stattfindet, zu deren. Auflösung Deutschland bereits vom Dezember 1919 ab aufgefordert werdep war. Die Auflösung der Sicherheitspolizei muß binnen einer Frist von drei Monaten von der Absendung dieser Note ab gerechnet beendet sein. Die Alliierten sind mit der Verstärkung der alten,„Ordnungspolizei" genannten Polizeitruppe einverstanden. Die Ordnungspolizei zählt gegenwärtig 92 000 Mann, Die Mächte geben ihre Zustimmung, daß sie bis auf 150 000 Mann vermehrt wird. Sie cknüpfen jebock an diese Zustimmung folgende Bedingungen, die strengstens durchgeführt werden müssen: Tie Ordnungspolizei muß ihren Charakter als ort- liche und Gemeindepolizei wahren. Sie erhält in keinem Umfang und in keiner Weise eine zentrale Organisation. Sie wird mir einer Bewaffnung ausgerüstet, die ihrem Zwecke entspricht und von dem Interalliierten Ueber- wachungsa-usschuß festgesetzt werden wird. Andererseits �wird ausdrücklich festgestellt, daß in dem Bestände von 150 000 Mann Ovd- nungspelizei die 10 000 Mann einbegriffen sind, die von dem Interalliierten Ucberwachungsausschuß für Polizeizwecke in der neutralen Zone g'en-rbmig-t wyrden sind. Die Vermehrung der Ordnungspolizei erstreckt sich übrigens weder auf die l i n k s r b e i n i s ch e n Gebiete, in denen die Hohe Rheinlandskommission allein die erforderlichen Stärken festzusetzen befugt ist, noch auf die Abstimmungsgebiete, es sei denn, daß die Jnteralliieyien Regierungs- und Plebiszttausschüsse dies ausdrücklich verlangen, Schließlich wird die Vermehrung der Stärke der Ordnungs- Polizei in dem Maße erfolgen, in dem die Auflösung der Sicher- heitspolizci fortschreitet, und zwar derart, daß in keinem Zeitpunkt die Stärke der Sicherheitspolizei und der Ordnungspolizei zu- sammen 150 000 Mann überschreiten darf. Andererseits haben die- Mächte beschlossen, die Deutsche Regie- rung ihrem an den Ueberwachungsausschuß gerichteten Ersuchen ge- mäß zu ermächtigen, den. Bestand der Gendarmerie von 12 000 aus. 1 7 000 Mann zu erhöhen, Die Alliierten möchten schließlich die Aufmerksamkeit der Deutscher» Regierung'auf die Tatsache lenken, daß sie während der drei von der Absendung der gegenwärtigen Note an bis zur end- gültigen Auflösung der Sicherheitspolizei laufenden Monate es nicht znlassen werden, daß Soldaten der Reichswehr in die Sicher- heitspolizci übernommen werden. Die derzeitige Stärke der Sicher- heitspolizei steift eine Höchstzahl dar, die fortschreitend vermindert werden mutz. Der Interalliierte Militärübe r'wachungS- a u s s ch u ß ist befugt, die Anwendung dieser verschiedenen Maß- nahmen, die den berechtigten Wünschen der Deutschen Regierung in vollem Umfange Rechnung tragen(?!), zu überwachen. III. Jlrtikel 201 des Vertrages von Versailles untersagt für die Dauer von sechs Monaten nach Inkrafttreten des Friedensver- träges die Herstellung von Luftsahrtmatertal foder Art und seine Einführung nach Deutschland. Andererseits bestimmt Artikel 202, daß Deutschland den allnerten und assoziierten Hauptmächten innerhalb von drei Monaten nach Inkrafttreten des Ver- träges das ganze Luftsah rtmaterial des HeereS und der Marine ausliefert. Diese beiden Artikel zusam-engenommen ergeben, daß der Interalliierten Luftfahrtüberwachungskommission ein Zeitraum von drei Monaten, beginnend mit dem Augenblick, an dem sie das deutsche Luftsahrtmaterlal abgenommen hat, und endigend mit dem Zeitpunkte, zu dem Deutschland seine Fabrikation wieder auf- zunehmen ermächtigt ist, zur Verfügung steht. Diese Frist soll dazu dienen, um die Durchführung der die Luftfahrt betreffenden Bestimmungen und insbesondere den Transport oder die Unbrauch- barmachung des Materials zu sichern. Da Deutschland sein Lustfahrtmaterial innerhalb der fest- gesetzten Frist nicht abgeliefert bat, wird die UebertvachungSkom- Mission nicht in der Lage sein,' ihre Arbeiten vor Ablauf der in Artikel 201 vorgesehenen sechsmonatigen Frist zu beendigen. Würde die Herstellung von Luftfahrtmaterial vom 10. Juli ab wiet>er--ge- stattet, so würde es also praktisch unmöglich werden, die Aus- ftihrung des Artikels 202 zu überwachen. I Die alliierten Mächte stellen fest, daß diese Sachlage die un- mittelbare Folge des Verzugs ist, in den Deutschland hinsichtlich der Ausführung der Bestimmungen des Vertrages geraten ist; sie sind andererseits der Ansicht, daß jedenfalls drei Monäte zwischen dem Zeitpunkt, in dem Artikel 202 voll zur?lnniendung gekomme» ist, und dem Tage, von dem an Deutschland di-e Fabr-tkation wieder ausnehmen darf, verstreichen müssen.� Die Konferenz bat daher entschieden, daß die Her- stellung und Einfuhr von Lustfahrtmaterial, wie sie im Artikel 201 des Vertrages von Versailles vorgesehen ist, innerhalb von drei Monaten beginnend mit dem Augenblick,«m dem diese Macht daZ gesamte Luftfabrimatcrial des Heeres und der Marine abgeliefert hat, und den die Interalliierte Luftfahrt- übcrwachungskommission offiziell anzeigen wird, im gesamte« Ge- biet von Deutschland untersagt bleibt. Diese drei Noten beschwören für Deutschland neue Ge- fahren herauf, von denen bis alliierten Staatsmänner offenbar n i ch t d i e b l a s s e st e A h n u n g haben. Aufgabe unserer Unterhändler in Spa wird es sein, der Gegenseite klarzumachen, daß sie sich selbst inS Fleisch schnei- d et, indem sie Deutschland diesen schweren neuen Erschüdte- rungen ausliefert. Die„Dena" will aus wohlunterrichteten Neutralen diplomatischen Kreisen erfahren haben, daß diese drei Noten noch nicht das letzte Wort der Entente' bilden, namentlich bezüglich der geforderten Aufiösun-g der Sicherheitspolizei. Das wollen wir im Interesse der ganzen Welt auch hassen. Indessen zeigt der Ton der Noten, und besonders die hochtrabende, einseitige Be- h a u p t n n g, daß die neuen Forderungen der Entente „den berechtigten Wünschen Teutschlands in vollem Umfange Rechnung tragen", daß der Geist, der vor einem Jahre in Versailles berrschte, sich kaum verändert hat. Das ist auch kein Wunder, denn noch immer ist drüben Fo ch der ent- scheidende Mann.____ Bestrittene Legitimation. Die„Freiheft" stellt fest, daß cm der Sitzung der Moskauer Internationale kein Vertreter der deutschen Unabhängigen teilgenommen hat; das könnte höchstens Wilhelm Herzog sein, dessen Absäguug ja bekannt sei. DaS ist.sie wohl— aber nicht durch die„Freiheit", sondern durch d-n „Vorwärts". Aufhebung des Bifumzwenges für Auslandsreisen durcki Verband- »ngen mit den Nachbarstaaten verlangt ein deutschbürgerlicher Antrag im P r a g e r Parlament. OewerMostsbowegung Streiklage im Regierungsbezirk Köslin. Heber die Streiklage in Pommern wird uns von zuständiger Stelle geschrieben: Gestreikt wird nur noch in den Kreisen Rummelsburg und Köslin. Da die Verhandlungen in Bublitz infolge der von dem Pommerschen Landbund Stettin ausgegebenen verschärften Parole ge- scheitert sind, ist mit dem Streikausbruch in dem Kreise Bublitz mit dem heutigen Tage zu rechnen. In Bublitz hatten sich die Arbeitgeber bereit erklärt, in Sonderverhandlungen mit den Gewerkschaften einzutreten, haben aber diese Verhandlungen infolge de? Stettiner Einwirkung zurückgezogen. Der schon unter dem 26. Juni gemeldeten freiwilligen Tarifvereinbarung im Kreise Lauenburg ging eine 21stündige Verhandlung unter dem Vorsitz des Rechtsan» walts Dörfer voran. Für den Kreis Belgard finden Verbandlungen vor der Spruchkammer am kommenden Donnerstag statt. In den Kreisen Neustettin und Bütow wird ohne Streik verhandelt. Eine Reihe von Ar- beitgebern in den Kreisen Neustettin und Bütow haben mit den Gewerkschaften unter Umgehung der Landbundparole Einzelverträge abgeschlossen. Im Kreise Bütow sind stellenweise noch Teilstreiks im Gange. Die Verhandlungen über einen Tarifabschlus; für den Kreis Köslin nehmen ihren Fort- gang. Ungünstig auf ihre weitere Führung hat die scharf- machcrische Art des Landbundes eingewirkt. Das Verholten der Sicherheitspolizei wird von der zu- ständigen Stelle als tadellos bezeichnet. Im Kreise Gummelsburg hat ein Kommando der Sicherheitsvolizei eine Entwaffnungsaktion durchgeführt, bei der es ;u einem Zusammenstoß mit einer auf den Gütern dieses Kreises befindlichen Schar ehemaliger Ange- höriger der Abteilung Lützow kam, die b e- waffneten Widerstand leisteten. Die Ange- hörigen der Abteilung Lützow, die sich als technische Nothilse bezeichneten, wurden von der Sicherheitspolizei entwaffnet. Im Bezirk herrscht vollkommene Ruhe. Es sind jedoch Komplikationen zu befürchten, da der Landbund bis zum äußersten durchhalten und die Anerkennung seiner Arbeit- nehmergruppe mit allen Mitteln erzwingen will. Die Beschlüsse der Teeleute. (Von u ns e r em B e r i ch t e rst a t t e r.) Genua, 24. Juni. Nachdem der internationale Kon- greß der Seeleute durch Annahme des Berichts der Man- datsprüsungslommission die deutsche Delegation anerkannt hatte, kennten die zur Vorberatung der Tagesordnungspunkte einge- setzten Kommissionen zusammentreten. In der wichtigsten Kom- Mission„Internationale Gesetzgebung für die Seeleute" sind drei deutsche Vertreter, von jeder Gruppe einer. gewählt. Gleich zu Anfang wurde beantragt, die ganze Materi# zwecks nochmaliger Prüfung und Sammlung weiteren Materials an da? Arbeitsamt zurückzuverweisen. Der Antrag wurde. von den Arbeitervertretern stark bekämpft und schließlich a b g e, lehnt. Um die ziemlich weit auseinandergehenden Auffassungen über das Prinzip und die Materie zu klären, wurden zwei Unter- kommissionen gewählt, die der Kommission Vorschläge zu unter- breiten haben. Die Kommission für die Einführung der acht st ün- digen Arbeitszeit in der Schiffahrt(Drei-Wacheshstem) ist zu einer endgültigen Beschlußfassung nicht gekommen. Beschlossen ist. daß ei» eventuell zu schaffendes Gesetz Anwendung haben soll aus alle auf der Fahrt an Bord arbeitenden Personen mit Aus- tuchme der nicht wachegehenden Offiziere. Es besteht leider die Gefahr, daß die gesamte Segelschiffahrt ausge- novrmen wird, da die gesamten Arbeitgeber gegen die AuSdeh- nung des Drei-WachesystemS auf die Segelschaffahrt sind. Die Kömmission für Arbeit»Vermittlung hat sich— allerdings ohne direkten Beschluß— bereits dafür ausgesprochen, daß sie nicht die staatliche, sondern die aus freier Vereinbarung eingerichtete Stellenvermittlung für die bessere hält. Das Plenum wird erst wieder zusammentreten, wenn die großen Kommissionen mit ihren Arbeiten fertig sind. Der Streik in potsöam. Trotz aller Bemühungen der versckuedencn Behörden ist es nicht gelungen, den Streik der städtistben Arbeiter in Potsdam zu beenden. In den Mittagsstunden des gestrigen Tages gab die Streikleitung ein Flugblatt heraus, um die Bürgerickiait über die Ursacb e des Streiks au'zuklären. Das Flugblatt besagt folgendes: Die Arbeiter haben durch den zentralen Schlichtungsaust'ckmß als verciubarle letzte Instanz einen Schiedsspruch erhalten, welchen die Arbeiter und sogar der Magistrat an- erkannt haben. Nur die Stadtverordneten haben abgelehnt. Jeht bestehen die Arbeiter auf ihren alten Forderungen. Die An- gestellten versuchen, seit Oktober einen Tarif abzuschließen, haben viele zwecklose Verhandlungen qeiübrt und leben seit acht Monaien vom Vorschuß. Auch sie fordern die berliner Sätze, welche bereits für 70 Groß- Berliner Gemeinden laut Schiedsipruch beivilligt sind. Die Arbeiterschaft siebt auf dem Standpunkt, daß der Streik hätte vermieden werden können, wenn das Siadloberbaupt sich entgegenkommender gezeigt hätte. Nicht wenig baben auch die Vorgänge bei der städtischen Lebens mittelverteilung den Unmut der Beamten und Arbeiter hervorgerufen. Negierungspräfident Schleusener ist bis zur Stunde bemüht, den Streik zu beenden,, was ibm aber nicht gelingen wird. Tie Arbeiter erklären, nicht eher die Arbeit wieder aufzunehmen, bis ihnen die Stadtverordneten ibre Wünsche erfüllen. Auch die Zeitungen in Potsdam haben ihr Erscheinen für heute eingestellt. Wie uns in später Abendstunde gemeldet wird, baben die Magisti atsbeamten in Polsdom soeben ein provisorisches Abkommen ! mit dem Magistrat getroffen und werden daher am Dienstag die Arbeit unter Vorbehalt auinehmen. Die Arbeiterschaft dagegen beharit weiter im Streik. ilw Sie Löhne öe? Verkehrsarbeiter unü Angestellten. Der Arbeitgeberverband der Deutschen Straßenbahnen. Klein- Hahnen uud Privatbabnen hat aui die Antwort deS Oberbürgermeisters Mermuth nochmals eine Eingabe an letzteren gerichtet, in welcher betonr wird, daß die Verkehrsnnternehmungen ihre Tarife nicht so leicht erhöben könnten, wie die Industrie ibre Verkauksvreiie. Anstalt eine Erhöhung der Arbeiter- und Angestelltenlöhne müßte ein Abbau derselben voigenommen werden- Berlin sei in der Art der Bewilligungen allen anderen Städten vorangegangen. Ein Uebergreifen der neuerdings von den städtischen Arbeitern gestellten Lohn- forderuugen auf die Verkehrsbetriebe niüßte den völligen Ruin der lctztereir zur Folge haben. Sowohl die erste Denkschrist de? ArbeitgeberverbandeS alS auch das jetzige Schreiben auf die Antwort des OberbüraermeisterS Mermuth erwähnen nur immer die angeblich bohen Löhne, ohne auch nur mit einem Worte anzudeuten, daß die Verkehrsunter- nehiriungen in erster Linie unter der beispiellosen Steige- rung der Material- und Strompreise leiden, die prozentual die Steigerung der Arbeiterlöhne um das Mehrfache überragt. Es wird weiter völlig außer acht gelassen, daß die Erhöhung der Löhne lediglich eisten bescheidenen Ausgleich gegen« über der un geheuren Preissteigerung aller Leben?- mittel und Bedarfsartikel des täglichen Gebrauchs darstellt. So- lange bier keine Preissenkung, sondern sogar immer noch eine Preissteigung wahrzunehmen ist, kann man doch nicht verlangen, daß die Löhne abgebaut werden äollen. Bleibt übrig das von dem Arbeitgeberverband beanstandete Maß von bezahlten Lei st ungseinschränkungen, wie Höher- bezahlung von Sonntagsarbeit. Gewährung von Urlaub, Bezahlung der in die Woche fallenden Feiertage usw. Daß durch Rückgängigmachung dieser sozialen Leistungen den VerkebrSunternebmungen ein erheblicher vorteil erwachsen würde, kann nicht angenommen werden. Und es spräche auch unserer Zeit Hohn, wenn die Gemeinden sich dieser Pflicht gegenüber den Arbeiterri und Angestellten weiter entziehen wollten. Sollen die Verkebrsunternehmungen wieder rentabel gestaltet werden, so muß zunächst an einen Abbau der Rohmaterialien und Strompreise gedacht werden, denn es ist doch sicher auch dem Arbeitgeberverband der deutschen Straßenbahnen usw. kein Ge« beimnis, daß die Preisspelulation einflußreicher Kapitalistenkreise die Verkehrsuniernehmungen in jene unhaltbare Lage gebracht hat. Bei den wirtschaftlich Schwachen zuerst sparen zu wollen, mag höchst bequem sein, hilft aber aus der gegenwärtigen Misere nicht heraus._ Plenarversammlung der Berliner Gewertschaftskommission. Am Tonnerstag, den 1. Juli, nachmittags 6 Uhr, findet im Saal l/des Gewerkschaftshauses, Engelufer 15, eine Plenarver- sammlung der Berliner Getverkschastskommission statt. Aus der Tagesordnung steht die Fortsetzung deS Berichts über die E i n i g u n g s v e r h a n dl u n g e n mit den Betriebs- rätezentralen. Nur Delegierte haben Zutritt. Achtung, T.-P.-D.-Betriebsräte! Die Verhandlungen der letzten Wochen über den gemein- kamen Zusammenschluß der Betriebsräte mit der Gcwerkschafts- kommission und Zentrale Münzstraße konnten leider immer noch nicht zu Ende geführt werden. Wir werden aber in der nächsten Zeit in einer Vcvsammlung der S.-P.-D.-Betriebsr weiß KKso mit marine Ueberkragen und Manschetten für das Alfer von 3 Jahren Jede weitere Größe 5,— M. bzw. 7,— M. mehr Knaben°Stoffanzüge Serie I: Blusen- und laekenformen£Moo für das Alter von 4 bis 8 Jahren....... Einheitspreis Serie II: Jacken- und ip©p2ff©58�esra für das Alter von 9 bis 11 Jahren...... 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