Nr. 339» Z7. Jahrgang /lusgabe B Nr. 32 Bezugspreis i 33-rt-li»hrt.S0.— frei ins Saus, voraus zahlbar. Poft- demg Monalliil? Iii.— ML exkl. Au- iteQunqsnebUtic. Unrer Kreuzband für DeMichland und Oeiierreich IS�0 M!» für das übrige Ausland bei laglich einmal. Zullellunc 21 SO lü. Voftie- stellungen nehmen an Oesterreich, Ungarn, Tschecho-Slowale:, Dänemark öollano, u'emvurg. Schweden und Sie Schweiz.— üingeiragen in die Past-�eitungs-Preislilte. Der„Borwarts" mir der Sonntag»- beilage»Voll u. Zeit" erlcheint wachen» laglich zweimal. Sonntags und Moll- tag» einmal. Seiegramin-SUKefte .Sosialdotnolral Bettln". Abend-Ausgabe Vevlinev Volksblstt ( so pksnnla� Anzeigenpreis: Sie achtgefpaltene Nonpareillezeile lolteiZ.— M., Teuerungszuschlag So«/». »»leine Aiizelgen-, das tett» gedruckte Wort I,— M. lzuläfstg zwei «ettgedruckte Worte», jede» weilere Won 60 Psg. Stellengesuche und Schlafslellenanzeiaen das erste Morl SS Psg. Ildes«eitere Wort 40 Psg. Worte Uber 15 Buchstaben zählen füi lwet Worte. Teuerungszuschlag 50».» Familien-Anzeigen für Abonnenten geile 2,— M., politische und qe- wertschastliche Bereins- Anzeigen 3,— Ml. die geile ohne Aufschlag. Anzeigen für die n ä ch st e Nummer müssen di» S Ahr nachmittag» im Hauptgeschäft. Berlin SW SS, Linden- stratze Z, abgegeben werden. Geöffnet ooil ä Uhr früh bis 5 Uhr abends. Zentralorgan der rozialcUmokratifcbcn parte» Deutfcblands Neüaktio« und Expedition: SW. öS, Lindenstr.?. i rt tcnfttredier: Amt Morivplat», 1l>» 30— 15197. vorwa'rts»verlag G.m.b. H., SM. öS, �indenstr. 2. flernsvrccher: Amt Moribplat,, Rr. II 7 5Z— 51. Der kritische Tag von Spa. V.L. Spa, 7. Juli.(Eigener Drahtbericht de S„Borwart8".) Die gestrige Sitzung, die sich mit der EntwaffnungSfrage beschäf- tigtr, dauerte drei Stunden bis �8 Uhr abends. Es war eine ziemlich lange Teepause eingelegt worden, während welcher sich Lloyd Lleorge, Millerand und Delacroix zu einer gc- mernsamen Beratung zurückzogen. Die übrigen Delegierten nahmen mit den Deutschen gemeinsam de» Tee ein, es herrschte dabei strenge Reserve, nur Minister Dr. Simons kam mit dem fran» zösischen General Rollet, den er von früher her kennt, in Ge- svräch. General v. S e eck t war mit vier weiteren deutschen Ossi- zirren in Uniform und Ordensschmuck erschienen, militärische Ber» treter der Gegenseite waren Foch, Rollet, Wilson und Malcolm. Am Abend nach der Sitzung empfing Minister Dr. Simons die deutschen Pressevertreter. Cr berichtete ihnen über den Berlauf der Sitzung und seine Eindrücke und betonte, daß die Konferenz auf keinen Fall an dem schlechten Willen der Deutschen scheitern würde. Diese würden bis zur Grenze des Entgegenkommens gehen, um zu ersprießliche,, Ergebnissen zu gelangen. Es schien gestern von einer Sprengung der Konferenz nicht mehr weit entfernt zn sein. Daß eS nicht so weit kam, ist wohl das Verdienst des Ministers Simons. Die Ausführungen des Reichs- wehrministers Geßler machte» auf die Alliierten eine« un- günstigen Eindruck, was freilich jeder Diplomat und Politiker, der mit den Gedankengängen auch der uns günstiger gesinnten Entente- kreise vertraut'ist, von vornherein hätte sagen kännen. Es ist kemes- falls geschickt, den deutschen Standpunkt in der ReichSwehrfragc mit Argumenten zu verteidigen, die auch in weiten Kreisen des deutschen Bolle» zum mindeste» eine recht kühle Aufnahme finden. ES ist auch schiver, von vornherein zu behaupten, daß Deutschland 2 Uhr nachmittags an. Der Cntwaffnungstermm. S p a, 7. Juli.(HR.) In seiner gestrigeu Rede erklärte Lloyd George, die Deutschen sollten selbst dos Datum bekannt- geben, bis zu dem sie glauben, daß die Entwaffnung stattfinden kann. DaS Datum und alle anderen Einzelheiten soll in der heutigen Sitzung mitgeteilt werden. Wie verlautet, wird General Foch sobald wie möglich mit General v. Seeckt die technischen Einzelheiten in der Entwaff- nungsfrage behandeln. Ter neue englische Botschafter in Berlin Lord A b e r n o n und der englische Botschafter in Paris sind gestern in Spa eingerrosfen. Haag, 7. Juli. Ein Sonderbericht in der holländischen Presse besagt, daß nach Angabe verschiedener Delegierten die Alliierten nur die sofortige Auslieferung de? Kriegs- Materials verlangen. Deutschland könne dann die gewünsch- ten 200000 Mann behalten. Diese Annahme wird mit der Tatsache begründet, daß Lloyd George in seiner Rede an erster Stelle die Auslieferung von Geschützen, Maschinengewehren und Gewehren verlangte, und dast er auch in seiner zweiten Red: nicht die Herabsetzung der Truppen, sondern nur die Bernich- tung des Kriegsmaterials evwähnte. Ein hollanüisches Urtei!« Rotterdam, 7. Juli. Der Sonderberichterstatter des..Nieuwe Rotterdamfchen Courant" stellt der deutschen Delegation in Spa kein sehr ehrendes Zeugnis aus. Er sagt, Reichswehvminister Geh- l e r, der offenbar noch unter dem Eindruck seiner überstürzten Ab- reffe stand, antwortete mit einer sehr ausführlichen Rede, die aber nicht sehr klar war.--- Bor allem aber war es der Reichs- k a n zl e r. der den Hauptfehler beging. Denn nachdem Lloyd George den Deutschen noch einmal anheimgestellt hatte, wenigstens am Mittwoch die verlangten Einzelheiten zu geben, begann er eine lange, offenbar vorher vorbereitete Rede, die aber absolut nicht zur Lage patzte, mit der er aber offenbar beabsichtigte, einen tiefen Ein- druck hervorzurufen. ES war eine typischeReichStagSrede, auf die Sentimentalität der Zuhörerschaft berechnet und in FehrenbachS bekanntem weinerlichen Tone vorgetragen. Rücktritt öer �orthp-Regierung. Budapest, 7. Juli. Der ReichSverweser hat das Entlassungsgefuch der Regierung angenommen und daS Ministorium mit der vorlSufigrn Wetterführung der Ge- fchäfte betraut. Die Stellung der ungarischen Regierung war schon seit län- gerer Zeit erscbüttert, da es ihr trotz ihres diktatorischen Auf- trelens nicht gelang, die verrotteten Verhältnisse in Ungarn wieder zu regeln. Mit Judenpogromen, weißem Terror und Offiziers- degen allein läßt sich eben auf die Dauer nicht regieren. Der Boykott der G e w e r kf ch a ft s i n te r n a t i o n a!e trug ihr Teil dazu bei, dieses Kabinett der«starken Männer* zu erschüttern. Jetzt, wo es gilt, wirklich zu regieren und nicht nur zu terrorisieren, ist es mit seinem Latein am Ende. Neuwahlen in Dänemark. Kopenhagen, 6. Juli. Da die im Reichstag im Porigen Monat angenommenen Verfassungsänderungen infolge der Wieder- Vereinigung mit Sckflcswig erst Endgültigkeit erlangen, nachdem sie von einem neuen Reichstag angenommen worden sind, haben heute die Wahlen zum F o l k e t h i n g stattgefunden. Das neue Folke- thing wird sich wie folgt zusammensetzen: Erwerbsvartei 4, Konser- vative 26, Radikale 16. Sozialdemokraten 42, Linke 51? im ganzen 139. Tie Konservativen verloren 2, die Radikale« 1 und die Linke gewann 3 Sitze. Tie Regierungsparteien, die sich auS der Linken und den Konservativen zusammensetze«, haben demnach einen Titz gewonnen. ..Politiken" führ: die geringe Beteiligung bei den Reichstags- Wahlen darauf zurück, dast Ler neue Reichstag nur a!Z vorüber- gehend angesehen werde. Im H e r b st schon würde unter Be- teiligung der nordjchleÄvigschen Bevölkerung und der vier nach dem neuen Wahlgesetz wahlberechtigten Altersklassen ein neuer Reichstag gewähU werden. Erst diese Wahlen würden die Eni- scheidung darüber herbeiführen, welche Partei in den nächsten vier Jahren die Führung haben werde. Eox als präjiäentschaftskanAjAat. Zur Nominierung des Gouverneurs Tox zum Präsidentschaftskandidaten der Demokratischen Partei der Bereinigten Staaten schreibt»The foreign Preß Service": Der demokratische Präsidentschaftskandidat C o x hat sich bis- her in diesen Fragen nach keiner Richtung hin festgelegt. Mit dem Friedensvertrag hat er sich bis jetzt ebensowenig befaßt, wie mit dem irischen Problem, und in der Alkoholfrage hat er kürzlich erklärt, er unterwerfe sich dem 18. Berfassungs- zusatz— was aber nicht ausschließt, daß er etwaigen Versuchen deS Kongresses, jene Verfassungsbestimmung abzuschwächen, unter Umständen ruhig zusehen wird. So ist denn die Kandidatur Cox' ein lebendiges Zeichen der Zeit: ein Kompromiß, dem man die mühselige Vorarbeit des Zustandekommens deutlich anmerkt. Cox hat sich übrigens als Gouverneur von Ohio— er wurde dreimal als solcher gewählt— als ein fähiger und energischer Leiter der Staatsgeschäste gezeigt, dem liberale Regungen und ein ge- wisses Verständnis für die Anforderungen einer neuen Zeit nicht fremd sind._ Grey gegen Geheimverträge. Bei der Eröffnung de? englischen Instituts für internationale Angelegenheiten erklärte Lord Grey:„Ich möchte vorslblaaen, daß es Regel iür di« auS- wärlige Poliiik werde, in Friedenszeiten keine Geheimver- träge mehr zu schließen. Wenn wir den Frieden der Welt in Zukunft aufrecht erhalten wollen, müssen wir nicht nur nalional, sondern auch international denken. Eine der großen Lehren des Kriege« ist, daß nationales Denken ohne internatwnale Rück- sichten zu einer Katastrophe führt. J Gemeinsam leben oder sterben! Die WirtschaftSfrage» von Spa. Die Verhandlungen von Spa haben imtzor dem ungünsti- gen Eindruck begonnen, den die R ei ch s tag s w a h l e n im Ausland erzeugt haben, durch ihn werden offenbar au cd. die Verhandlungen über die Militärfrage ungünfng beeinflußt. Indes ist zu erlvarten, daß man nach llcbrnvii! dnng der kritischen Stimmungen, die der gestrige Tag ei zeugt hat, zur Behandlung der wichtigsten Fragen, d e- wirtschaftlichen, gelangen wivd. Es ist daher not- wendig, daß man sich in Teutschland auch auf dieser� Gehk: über Auffassungen und Absichten der Gegenseite klar wird. Die Alliierten haben die deutsche Regierung sicher niä nach Spa eingeladen, um ihnen dort Geschenke anzu- bieten. Sie wollen mit ihnen über die„strikte Durchfük rung" des Vertrages von Versailles verhandeln. Ja Wirp kichkeit wirb es sich in Spa viel weniger um die Durchs ii-- rung als um die Revidierung des Vertrages Händen'. Denn daß dieser in vielen Teilen undurchführbar ist. weiß heute jeder Politiker� in den Ententeländern. Mrv würde sich aber grünblich täuschen, wenn man annähme, da". die Alliierten an eine Revibierung des Vertraaes zngunstci' Deutschlands denken. Was sie im Auge haben, ist lediglich eine Revidierung zu i h re n Gunsten. Es mag paradox, ja ungeheuerlich klingen� es ist abc: wicht weniger richtig, daß in einigen Ententeländern, vornehmlich in Frankreich, die Meinung vielfach verbreitet ist daß der Vertrag von Versailles nicht die Interessen de- Ententeländer voll wahrnehme, ja direkt vernachlässige. Ur wenn man die nüchternen Interessen Frankreichs alle:!' ins Auge faßt, wenn man das kostspielige Beiwerk imperialistischer und miilitaristischer Genugtuungen beiseite läßt— und hierzu rechnen wir besonders das Recht, deutsches Gebiet 5 bis 15 Jahre lang mit alliierten Truppen besetzt zu halten. was eine unproduktive Last für alle und-eine zwecklose T' mütigung für Deutschland ist— wenn man rein rechnerint' verfährt und die wirtschaftliche Entwicklung voraussieht, dann begreift man, daß der Unwille gegen C l e m e n c e a und Tardieu in Frankreich wächst. Denn wie Her- Tardieu als Minister der befreiten Gebiete über sein annexionistüche Rheinlandspolitik den Wiederaufbau Nord- fran'kreichs vergaß, so hat er auch bei der Ausarbeitung ir Friedensvertrages über der Politik der Großmannssucht di' wirtschaftlichen Jiüeresssn Frankreichs geopfert. Und darin liegt in Spa und wird in Zuikunft unsere Stärke liegen. Denn wie man es auch anstellen mag, ob man uns LOOOOV oder 100 000 Mann Reichswehr zugesteht, ob man uns verbietet oder gestattet, sine Sicherheitswehr zu unte-. halten, ob wir schließlich als einzige bew-affnete Macht eine Miliz besitzen werden, wie es für einen Vvlksstaat natürlich ist, das sind Tagesfragen, über die später doch in unsere".? Sinne entschieden werden wird, die aber nur für den To? wichtig sind. Ganz anders verhält es sich aber mit der unverrückbaren Tatsache, daß der Vertrag von Versailles, gerade weil er willkürlich verfuhr und ins lebendige Fleisch der wirtschaftlichen, nationalen und geschichtlichen Zusammen- hänge schnitt, die Staaten, Sieger wie Besiegte, einander näher brachte und u n t e r e i n a:: d e r u n z e r t r e n n l i w verknüpfte. Nirgends aber tritt dies so deutlich in Er scheinung wie in dem Verhältnis zwischen Frankreich und Deutschland. Di» Träger aller modernen Wirtschaft sind Kohle un Eisen. Nun bestand schon vor dem Kriege zwischen Deutsih- land und Frankreich ein Mißverhältnis in der Verteilung vo� Kohle und Eisen, oder vielmehr ein Ergänzungsverhältnis. Frankreich hatte zuviel Eisen und zuwen- Kohlen: Deutschland hatte umgekehrt zuwenig Eisen und viel Kohlen. Frankreich mußte also Kohle einführen und Deutschland Eisen. Dieses Mißverhältnis bat der Nertra von Versailles noch ungemein verschärft. Deutsri- land und Frankreich sind in den leben swichtiaen Elementen der Wirtschaft noch weit mehr voneinander abhängig, d. K Frankreich und Deutschland ergänzen einander, sind wie die siamesischen Zwilling« untrennbar mitein- ander verbunden. Und der Vertrag von Versailles hat diese Tatsache fast unberücksichtigt gelassen.— Wohl verpflichtet der Vertrag Deutschland, an Frankreich 10 Jahre lang 7 Millionen Tonnen Kohlen jährlich zu liefern d. h. so viel, wie Deutschland bereits vor dem Kriege an Frankreich lieferte. Der Vertrag verpflichtet Deutschlard weiter, das Defizit, das durch die Zerstörung ber Kohler gruben Nordfrankreichs entstanden ist. während der ersten füni Jahre bis zu dem Marinrum von 30, während der zweiter fünf Jahre bis zu dem Marimum von 5 Millionen Tonnen jährlich zu decken. Aber für die 7 bis 8 Millionen Tonnen Schmtzlzkoks. di« die lotbringifchen Hochöfen und Stahlwerke vor dem Kriege au?» den? westfälischen Kohlenbecken bezog, sizhj der Vertrag k e i" � Lieferungspflicht vor. Nur Zollfreiheft für die a u s E l s a ß- Lothringen stammenden Erzeugnisse hat Deutschland füift Lahre hang zu gewähren, mb auch Ahne Ausfuhrzölle alle möglichen Erzeugnisse nach Elscch-Loihringen ausfuhren zu lassen. Unter den Produkten, die Deutschland wcthnend der kurzen Frist zollfrei nach Elsaß-Lothringen gelangen lassen n'uß, hat man aber gerade Kohle uudKoksverges s�en! Das Resultat ist denn auch für die lothringische E isenindustrie i.eradezu verhängnisvoll: Von 66 Hochöien sind 43 ausgelöscht; ,:c Produktion von Gußeisen sank von 4 1 65 000 Tonnen im Jahre 1013 auf 1 112 000 im Fahre 1919. Unter dem Gesichtswinkel dieser Tatsachen begreift man. weshalb geradG Herr Ch. Laurent als Botschafter der 'vanzösischen Republik nach Berlin geschickt wurde. Denn Herr Gh. Laurent ivar, als er nach Berlin entsandt wurde— und diesen Titel hat man sattderbarenveise zu nennen vergessen_—. Präsident der mächtigen Unimiebmerorganisation L'Union des Industries Metallurg iqu es minidres de. Franee. also die. repräsentativste Persönlichkeit der französischen Schiner- Industrie. Man nimmt an, daß in Spa die deutsche Schuldsumme festgesetzt inenden wird. In der Presse und in den Parla- menten der Entente sprach man von 100 oder 120 Milliarden Goldmark. Natürlich wird Deutschland nicht in Gold zahlen. Damit wäre den Alliierten wenig gedient. Man wird von uns bestimmte Produkte und Lieferungen verlangen, die im Vertrag von Versailles lischt festgelegt sind. Frankreich wird in erster Linie Kohlen verlangen. Darüber werden wir mit uns reden lassen. Denn wir brauchen die französischen, eng- lischen und italienischen Erzeugnisse, wie Frankreich, England, Italien unsere Erzeugnisse brauchen. Wir können aber nicht kaufen und verkaufen und darüber hinaus noch gratis liefern, wenn man uns mit unproduktiven, uvecklolen Ausgaben de- wstet und außerdem durch Wegnahme der Schiffe usw. unsere Produktivität unterbindet. Entweder wir werden wieder auf- l chcn und mit uns ganz Europa, oder ioir verfallen zusammen der Anarchie und dem Chaos. Mscht'eA von öen Unabhängigen. Heinrich Ströbel ist vom Lrisverein Steglitz der Unabhängigen Partei ausgeschlossen worden. Das gleiche Schicksal hat nun auch einen'der nächsten Freunde Kurt E i Z n e r s, einen seiner fleißigsten Mitar- beiter. den ehemaligen Benutzenden der Unabhängigen Partei in München, Fritz Schröder, getroffen. Fritz Schröder, der Wortführer der Unabhängigen im bayerischen Rätekongreß. bat iniwrem Münchener Partei- orgon folgendes mitgeteilt: Vor einigen Tagen ging mir folgende? Sckmeiben zv: Die Partskleitimg laßt Tie davon verständigen, daß in der -am Dienstag, den 8, d. M., stottgehmdenen NtionsauKschuß- iitzung ans Ihnen wohlbekannten Olründen der AuSscbkuß- an trag gegen Sie ans der Partei ein stimmig gefaßt wurde. Statutenmäßig steht Ihnen die Beschwerde zum Landes ixu-starb bzw. Parteitag offen. Aritz Schröder sagt dazu u. a.: Dieses Schreiben ist ein klassisde? Dokument. Ich febe von der rersönlichen Seite ab. lege amd keine Vernxchinung dagegen ein, daß man mich nicht gehört hat. Was es erfchreckcnid offenbart, ist der erschütternde Widerspruch zwischen Partei und Sozialismus. Tie II. S. P. ist so weit gekommen, die bescheidenste Meinungsfreiheit .'arteioffiziell zn unterdrücken. Eine sozialistische Partei, die nickt mehr die Meinungsfreiheit n.ertragen kann, ist wert, daß sie zugrunde geht, denn sie schändet den .nzialiSmus. SHkw dieses Sektentrrm offenbart auch, warum es nnter den Parte-ifühvern der U. S. P. keine Persönlichkeiten gibt, d-e den Mut haben, auszusprechen, was ist. Ihre ganze Existenz insten sie aus der demagogischen Phrase. Wenn wenigsten? ihre Daten mit ihren Worten im Einklang ständen, dann ließe sich i-ch darüber reden.?lber so ist selbst eine sachliche Diskussion un- möglich. In solchen Händen mich die erhabenste Idee zur Farce werden. Und ich wundere mich deshalb gar nicht, daß der.Kampf" das unabhängige Organ in München. Rod.) in seiner Erwiderung ruf meine Darlegungen auf Humanität und Menichsntum : öttelt, die blutige AuSeinanderkebung als„Notwendigkeit" be- Körperanfthauung und Kunstsinn. Von Max Klinger. Klinger hat in den neunziger Jahren sewe Eedanken über Kumt in ieiner schrlft»Malerei und Zeichnung" niedergelegt, b;c sich einen weiten Leserkreis erobern und jüngst auch�in die Jnielbücherei ausgenommen wurde. Wir geben hier die Schlug- säse dcö immer Gewinn säenden Buche? wieder. Man überblicke die Stilarkcn oller Zeit und man wird ohne nwueres ertcitnen, daß jede selbstbewußt auftretende Kunstepoche . ui menschlichen Körper aus ihre Weise aufzufassen und zu bil- ::n wußte. Aegypter oder Grieche, Japanese oder Renaissance- j äustler. jeder Hai die einfache, menschliche, die sich noch seit Jahr- lausenden gleichgeblieben ist, deren Rassenunterschiede so gering i bezug auf Form sind, daß sie durch Masse nur in minimalster Farm auszudrücken sind, präzis und trotzdem selbständig aufzu- ':!sen gewußt. Eine jede Epoche hat davon ihre eigene, von allen ndern verschiedene Auffassung gegeben, so daß das allen anschei- - e.nd gleiche Vorbild für jede Zeit dennoch als eigene Person»no eigener Charakter auftritt. Diese Körperanschauung ist nicht die Folge des Stile?, son- öern umgekehrt der Stil ist die Folge der Körperauschauung. Nur am freigegebenen Körper entwickelt sich ein gesunder Kunstsinn. Wollen wir diesen und einen gesunden Stil, so müssen mir gesunden Sinn genug haben, da? Nackie nicht nur zu ertra- re'n, sondern es sehen und schätzen zu lernen. Tie wunderbare .in'achheit de? menschlichen Körpers erduldet im Kunstwerk keine Künstelei, sie zwingt den Künstler auch zur Einfachheit, zum Auf- geben der kl-inlichrn Nebensachen und bereitet damit den ersten Schritt zu einem eigenen Stil vor. In der Weise, wie wir heute ..i arbeiten genötigt find, erhält sich die schlechte Berninische n öiperauffassung, in der die neuesten heutigen Künstler tief, aber n bewußt stecken, oder sie kommen nicht über eine flache und falsche Antikisierung nach schlechten Mustern hinaus. Denn nur n,er ganz frei vor dem menschlichen Körper gestanden und ge- arbeitet hat. kann die Höhe der Leistung anderer Stilepochen emp- ünden. deren Vorstellungswesse in eine Form gepreßt ist, die Zug um Zug, ahne die Natur zu verlassen, ohne sich kleinlich zu be- 'chnüsseln, sich neben die Entwicklung ihrer Zeit stellen kann, sich mit ihrer Höhe mißt, als ihre unverkennbare, unantastbare Ver- örperung im sichtbaren Menschen. Klinger und BrahinS. Die Kunst KiingcrS bat die mannig- nrchsten Anregungen von der Musik empfangen, und aus dieser engen Beziehung zu der Schwesternkunsi ist ein? der Hauptwerke . dahingegangenen Meisters entsprossen: die.BrahmS-Phantasse". Klinger wollte mit dieser einzigartigen Gabe den sechzigsten Ge- burtStag des von ihm hochverehrten Komponisten feiern. Aber die weist und damit die Bestialität ak? neuzeitliche Blüte de? Klassen- kämpfe? proklamiert. Ist es wirklich so schwer, zu begreifen, daß diese Art der Auf- klärung verbrecherisch ist, daß sie den Sozialismus kom- promittiert, der Arbeiterklasse sinnlose Opfer aufzwingt und di- Rettung au? dem Zusammenbruch hinauszögert? Man verhimmelt die Massen und dichtet ihnen Fähigketten an, die sie leider noch nicht besitzen. Aber Massen und Führer finden sich auf dem gleichen Niveau. Die Probleme unserer Zeit verlangen jedoch zu ihrer Lösung Wissen unter vollständigem Verzicht aller Demo- gogi e. Da man ersteres nickt besitzt, macht man einen verschwen- derisckcn Gebrauch von letzterer. Tic Unabhängigen sind der Hemmschuh eine? schnelleren sozialen Aufstiegs der Arbeiterklasse. Indem sie wie hypnotisiert aus die blutige Auseinandersetzung starren, die zur vollständigen Niederlage führen muß. verscherzen sie alle Möglichkeiten durch Gebrauch der friedlichen Methoden der Demokratie. Und damit bestätigt der „Kampf" die Richtigkeit meiner Problemstellung: Demokratie oder Diktatur. Eine blutige Auseinandersetzung ist die Lebensäußerung seiner Diltaturgelüstc. So will ich denn offen gestehen: Mein Sozialismus hat mit dem der Unabhängigen nichts gemein, und ich stehe weiter nick! an zu erklären, daß der vom„Kampf" proklamierte Sozialismus mir gestohlen werden kann. Für mich bleibt Verbrechen Ver« brechen, ob Szamueli oder H o r t b y die Verbrechen begeht. Sozialismus ist für mich eine M e n f ch h e i t? f r a g e. Der Sozialismus wäre nicht ebenso der Erbe des kommenden Deutschlands, wenn in ihm die großen Gedanken der Humanität nicht lebendig wären. Dadurch allein werden wir. Brücken finden zu den Herzen aller Menschen, die unier dem Joche dieser unbarm- herzigen Gesellschaftsordnung seufzen. Dieser Sozialismus wird einst da? Band sein, da» die siKenschcn der ganzen Welt eint. Euer Sozialismus ist meilenweit davon entfernt. Und wenn ihr einmal etwas darüber bei E i S n e r aus seinen Reden und Schriften ge- lesen habt und ihr beruft euch dann noch auf ihn. dann will ich nicht mehr mit euch rechten. Ihr habt mich ausgeschlossen. Da? ist mir eine E h r-e, denn ich war feit dem Tode EiSnerS ein Rebell in euren Reihen wegen eurer Metboden de? Wahnsinn? und Verbrechens. Mein sozialisti- scher Schild ist rein. Jbr könnt ihn nicht beflecken mit eurer Bor- niertheit. Ich bewundere jedock euren moralischen Mut, mich aus- zuschließen. Ihr habt da? Lager gewechselt, ich verdiene, von euch wieder bekämpft zu werden.— So gehl erner nach dem arideren. Und wie lange wird's noch mit Kaut's ky dauern? Die unabhängige Presse be- droht ihn täglich mit dem Hinauswurf. Nechtfsrtigung öer S. Z). d.-politik. Bekanntlich konnten sich die rechtsstehenden Parteien nicht genug über die Sozialdemokratie' empören, die»die Partei über das Vaterland" gestellt habe, indem sie es ablehnte, in eine gemeinsame Regierung mit der»Deutschen Volkspartei" einzutreten. Nun wird uns eine glänzende Rechtferti- gu ng unserer Politik zuieil, und zwar von einer Seite,, von der wir es am wenigsten erwartet hätten, von Herrn Wulle nämlich. In der„Deutschen Zeitung" schreibt dieser in einem»Das Vater- land über alles!" überschriebenen Leitartikel folgendes: In den dar t e i v o l i ti sch eingestellten Köpfen herrscht ia die merkwürdige Vorstellung, daß Opposition unfrucht- bar sei, womöglich auch nicht vaterländisch. Man kann sich gar nicht vorstellen, daß man Opposition treibe» muß, gerade weil uns daS Vaterland über der Partei steht. Jeder von uns möchte lieber heutenvie morgen seine ganze Kraft in schaffende Arbeit umsetzen. Diese Auffassung bezeichnet in der trefflichsten Weise die Meinung der Sozialdemokratie über diese Frage. Wir müssen uns jedoch berichtigen. Wie wir soeben erst bemerken, ist die glänzende Rechtfertigung von Herrn Wulle gar nickt für die Sozialdemokratie, sondern für die D c u) s ck n a t i o n a l c n ge- schrieben. Hier, gilt wieder einmal da? ein wenig abgenutzte Sprichwort:„Ja, Bauer, das ist freilich etwa? anderes." Fertigstellung verzögerte sich, und so traf das Werk bei Brahms erst um Neujahr tZS-l ein. BrahmS' Biograph Max Kalbeck hat uns geschildert, wie der Komponist diese herrliche Spende des No- bieners ausnahm: Er erzählt: .Mir war es ein doppelter Genuß, den Schatz an seiner Seite mit ihm zu betrachten. Er machte Platz auf dem Klavier, und wir vertiesten uns, über den Deckel gelehnt, in die Blätter so gründlich, daß wir beide das Mittagessen darüber versäumten. Er verweilre so lange mit Liebe bei jedem Blatt und begleitere da? Anschauen mit so treffen- den Bemerkungen, daß die Stunden, die darüber hingingen, mir zu Minuten wurden, und als er das letzre Blast zurückgelegt battc, hätte er am liebsten das erste wieder ausgeschlagen, um neue Fein- heilen und noch intimere Reize zn entdecken, die uns etwa ver- borgen geblieben sein könnten." Was Brahms persönlich am meisten an dem Kunstwerk rührte da§ war die Sorgfalt, mit der Klinger den Satz der Musiknoten geordnet, ja, wo es Not lai, eigenhändig kopiert unv eüigerraaen hatte.»Ein so großer Künstler konnte sich so weit herablassen, daß er wie ein handwerlsmäßiger Notenstecher die an sich langweiligen und nichtssagenden Linien, Striche und Kövfe mit derselben Ge- wissenhastigkeir kopierte, mir der er den Leib einer Venus, den Himmel oder das Meer aus die Piatie zauberte! Was sür ein Mensch muß das sein, der so etwa? aus Liebe oder Achtung vor einem anderen dieses anderen wegen tut! Während BrabmS so sprach, leuchtete sein Gesicht, da? dem eines seligen beschenkten KindeS glich, von Glück und Stolz." BrabmS war von bisset zeichnerischen Erfassung ferner Kunst ganz Begeistert und schrieb an seinen Freund Wiedmann:.Es sind ganz herrliche Blätter und wie gcniackt, alles mögliche Erbärmliche zu vergessen und sich in die lichtesten Höhen tragen zu lassen."' B Nassen!, iologischc Ausblicke gibt Prof. Emil Abderhalden in der.Franklurler Zeitung". Sie gehen von den Wirkungen des Kriege? aus und sind düster genug. Zum Schluß wendet der Forscher sich gegen die Gefahr, daß bei uns nach den alten Methoden weiicr gearbeitet werde. Was er dabei über die stekaliich veränlaßte staarliche und gemeindliche Förderung nichts einwandsfreier Volks- nnierhaltungen äußert, beschuldigt unseres Crachlens mehr, als die Sachlage gestattet. Aber die Sätze enthalten gleichwohl sehr Treffendes. Abderhaldens Aussatz schließt: Es wird nach den alten Methoden weiter gearbeitet. Der Staat und auch die städtischen Behörden versuchen sich Einnahmequellen zu schaffen, indem sie aus der einen Seite Lustbarkeiten usw. fördern und auf der andern Seite große Stenern zu erheben suchen. Sie lassen es ruhig geschehen, daß Taul'ende sich in wenig hygienischen Räumen zusammenpferchen, um mehr oder weniger zweifelhafte Ftlmdarstellungen über sich ergeben zu lassen. Sie baben alle ein Interesse daran, daß diese Unternehmungen möglichst große Einnahmen haben, damit ein großer Steuerertrag abfallt. Wawt lvird die Zeit kommen, in der eine Behörde sich überlegt, was billiger ist, augenblicklich bohe Steuern einzutreiben, um gpäter sür alle Schäden, die durch eine, liesstekende sogenannte Kunst hervorgerufen werden, Millionen hinzugeben, oder aber auf derartige Ernnabmequellen zu verzichten und dafür Die verleugnete Vergangenheit- Haase, Barth und Tittman« als Helfer der Bourgeoisie. In den ReickstagSreden des Revolutionsvaters Ledebour fehlt es selten an Hinweisen auf die stolze Vergangenheit, wobei nicht immer ganz klar wird, ob Ledebour seine eigene, neun- lich die als Schauspieler, Mitglied der Demokraiem usw., oder.oh er die der Unabhängigen meint. Tie„Freiheit" hat im Gegensatz zu ihm ein nicht ganz so gute? Gedächtnis, das beweist ihr heutiger Leitartikel, in dem sie ihre Vergangenheit bzw. die der unabhängigen Parteiführer völlig verleugnet. Die»Freiheit" geißelt die schweren Zuchtbausurteile, die fortgesetzt der Arbeiterschaft gegenüber ausgesprochen werden, als Ausbruch der Klassenjustiz, worin wir ihr nur zustimmen können. Wenn sie dagegen die Ereignisse des Novembers 1918' heute so ganz anders als wir beurteilt, so müssen wir sie doch an ihre«igen? Ver- gangenheit erinnern. Die.Freiheit" schreibt: Das Proletariat hat die Macht, dieses damals in den Händen hielt, wieder fortgegeben: aber die Nutznießer der Noveinbertagr bestiegen sonder Strupel die Regierungsseff-', griffen nach den hSchsten Stellen im Staatsleben. Zunächst muß erinnert werden, daß die»Nutznießer" der Novembertaye neben Eckert, Scheidemann und Landsberg von der Sozialdemokratie die Unabhängigen Haase, Dittmann und Barth waren, die„skrupellos nach den höchsten Stelleu m Staatsleben griffen", und auch die Behauptung, das Proletariat habe seine Macht, die es damals besaß, aus den Händen gegeben, ist nicht ganz ehrlich, wenn man an die jüngste Ver- gangenheit, die geistlose Abstinenzpolitik der U. S. P.. erinnert. Weiter wird von den Genossen, die im November 1918 als Beauftragte des Proletariats die Macht über- nahmen, gesagt: Jene haben der Bourgeoisie wieder in den Sattel geholfen, und deshalb ist es nur billig, wenn ibnen die Bourgeoisie dafür ihren Dank ausspricht, indem sie ihre Taten als Rettung des Staates anerkennen. Die Unabhängigen Barth vnd Dittmann weiden sehr überrascht sein, wenn sie sich in dieser Weise van ihrem Zentral- orgon als Platzhalter der Bourgeoisie bezeichnet sehen. Der Abgeordnete Haase hat leider die politische Entwicklung der letzten Zeit nicht mehr erlebt. Wir zweifeln jedoch nicht, daß auch er— wie so viele besonnenen Führer der U. S. P.— seine eigenen Gedanken über die gegenwärtige„Politik" der Unabhängigen, die kaum noch als Politik bezeichnet werden kann, gehabt hätte. Gepfeffertes. Hakenkreuze zu vergeben! Die„Essener Allgemeine Zeitung" bringt folgendes Inserat: Freikorps Pfeffer. Ehemalige Angehörige, die einen Anspruch auf Verleihung de? Valteukreuze? zu haben glauben, wollen sich unter genauer Angabe ihrer jetzigen Adresse und ihrer damaligen Kompagnie wenden an„Pfeffer", P a d e r b o rn(Wests.) postlagernd. Die»W. a. M." dürfte in ihrer Vermutung nicht fehlgehen, daß cS sich bei dem Pfeffer-Paderborn um den gleichen Haupt- manu Pfeffer vom»Bunde der Frontsoldaten" han- delt, hinter dem seinerzeit ein Steckbrief erlassen wurde. Da diese Steckbriefe nur selten ihr Ziel erreichen, sobald es sick um Offiziere handelt, so würde es uns nicht weiter wundernehmen, wenn Herr Pfeffer hinter der Vorgabe, Hakenkreuze zur Der- teilung zu bringen, geheime Werbungen vornehmen würde. Der Lanöarbeiterftrezk in Gommern. Nuwahrc Angriffe der Reaktionäre. Tie in Nr. 313 der»Neuen Preußischen 5lreuzzeitung' vom 3. Juli 1920, Nr. 306 der»Täglichen Rundschau", Morgenausgabe vom 3. Juli 1920, Nr. 309 der Morgenausgabe der„Post" vom 4. Juli 1920 gebrachte Nachricht, Reg.-Rat Dr. Grimm hätte in einer»in Verlin am DienSlag stattgehabten Sitzung geäußert, daß zu sorgen, daß dem Volk nur wahre Kunst und reine Vergnügungen zuteil werden? Dasjenige Volk wird rassenbiologiich am besten dastehen, da? in sich so gesund ist. daß«S von ielbst alle ihm zu- gemuteten Schädigungen seines Lebens und Geiste? von sich weist. Dasjenige Volk iit glücklich zu schätzen, bei dem Mitrel vorhanden sind, um die gesunden Individuen zu erhalten. Solange die Für- sorge deS Staates sich auf diejenigen Dolksleile einstellen mutz, die körperlich oder geistig minderwertig sind, wird ein raffenbiologischer Aufstieg niemals möglich sein. Ballett Blanvalet im Neuen Operettentheater. Operettentheater brauchen im Sommer neue Reize. Da die»Prinzeß F r i e d l" auch rn besserer Besetzung rbre Reize alle aus zweiicr Hand bat. muß modernerweise ein Ballett angehängr werden. Das verschlägt nichts, wenn zunächst in Altvälerweis' und mit ein paar kostümier- ten Nuancen gewalzert, gehoppst und gesprungen wird. Aber eS wird zur Grimasse, wenn es zum Selbstzweck ausartet, neben einer immer noch herrlichen Musik, wie der des T a n n h ä u s e r- Bacchanal. Die Frauen waren hier ziemlich aller Hüllen en:- kleidet und verloren dadurch ihren dekorarivsten Reiz. Unverhüllt kann geiagt werden: Diese Körper wirkten umioweniger anziehend. je mehr sie angezogen waren. Wagner aber vollends entbüllte ein unerlaubt schlechies Orchester aller künstlerischen Reize eines Tanzes. der hier, pomadig bingeschmiert, Granstn erregte. Die tanzenden Paare gaben sich alle Mübe, den Weg nach Paris schneller zu finden, als alle diplomatrschen Verhandlungen. Sie drehten sich zwar im rasenden Schwung: aber sie bemerkren wobl kaum, daß sich unter dem Beifall des Publikums der setige Richard Wagner im Grabe Herumdrehle._ K. 8. Tas erste Lnitteqräbni? ist der in Tan Franziska verstorbene» greifen Jugcndilb.riftiicllestn Sarah Vreivn zuteil geworden. Sie ließ ihre Aiche über die FrcibeitSsahnc in die Lüste sweurn. Das Münckiener Brinzregententheater ist verkauft worden und zwar an einen Triester Hotelier Schalk, der m jüngeren Jadren in Bayreuth als Tenor erste Wagnerrollen fang. Zunächst soll der Thcatcrbetrieb unverändert iortgesühri werden. Die Sommerbühnc«. Im Theater deS Westens wird am Freitag erstmals der Schwant»Der Rabenvater" von Fischer und Tärnö mir Pallenbcrg und Gisela Wcrbenitz gegeben.— DaS Ensemble der Komischer: Oper gibt am Freitag im Rosetheatcr daS.Schwarzwald- m ä d e I" zum SOO. Male. HauS Herzenstod heißt cstr von Bernard Sbaw wählend des .Krieges versaßlcs Drama, in dem daS verseinertc müßige Europa, wie es vor dem Kriege war, dargestellt ist. DaS von der Bühne jcrngebaUenc Sliick bat eine Vorrede voll ditlcrer Wabrbeiien, die den neuesten polüischen Illusionen lind SclhstläuiÄnngcn iorkuslisch zu Leibe gebt. Das Julihest der»Neuen Rundschau" teilt diese Vorrede mit. Tic letzten wilden Affen, die es noch in Europa gib!, die.Bar- baren-A'ien" aus dem Felsen von Gibraltar, iollen ausgerottet obn nach Afrika abgelchobel! werden. So bat der englische Gouverneur von Gibraltar kalcgorilch besohlen. Es dürste nicht ganz leicht sein, sie zu sangen, denn sie baben einen:>tekord im Klestern: Fn wenigen Sekunden können sie sich einen 100 Fuß tiejen Abhang hinadschwingcm Uedcr ein neues hochempfindliches Bbotomster ipricht S-Imuth Schering am S. tzuli. abends 7»/, Uhr, im großen Hörsaal des Phhfika. lischen JnstitiitS der Technischen Hochschul«, Charlottenburg, Berliner Str. 172. die S�netfcnniirtg der Arbeitnehmergruppe des Pommerschen �'.indbundes nicht erfolgen dürfe, da damit die S ozialdemo» tv arische Partei aii-Zeinanderfiel«". entspricht nicht den Tatsachen. In der fraglichen, im Reichsminiftertum des Innern ern 2�� Juni» siattgifundenen Sitzung, an der neben Ncriretern der Reichsmiinsterien und Regierungen mehrerer Länder der Staatssekretär deS Preugifchen Ministeriums des Innern und Mei Vertreter des Preußischen Landwirtschaftsministeriunis, darunter auch Reg.-Rat Dr. G r�i m m, teilnahmen, hat dieser lediglich ausgeführt, daß die Preifenachrichten über die Streiklage im Regierungsbezirk Kösliu stark gefärbt sein müßten, da der zuständige Regierungspräsident die Lage als ruhig schildert und die verhängung des Belagerungszustandes nicht für geboten erachtet. Reg-Rat Dr. Grimm hat dann, indem er über die Haltung der Gewerkschaften zur Lage referierte, auftragsgemäß gegen d.e in Erwägung gezogene Perhängung des Ausnahmezu- st an des. d:e nur geeignet sein könnte, die Sachlage zu ver- schärfen, Stellung genommen, ohne seine private Auffassung über die Vorgänge zum Ausdruck zu bringen. „Em Edelmann in Anterpsmmern". Ja Nr. 243 unseres Blattes vom 15. Mai hatten wir auf die jrosiiäsen Zustände hingewiesen, die ans dem Gute des Groß- cararierS Geheimen Rcgierungsrats von Pirch auf W o b e n s i n, flie s Laitan bürg, herrschten. Wie uns von der.Landwirt- schastskaa-mer für die Probmz Pommern" mitgeteilt wurde, han- delte es sich nicht um zwei, sondern um drei Tagelöhner, denen i:z Bändigung zuging, weil sie kontraktbrüchig geworden waren und der Vertragsbruch auch von dem Schlrchtungsaus- schuß anerkannt wurde. Wie uns weiter berichtigend mitge- Kit wird, wurden die Seme trotz ihre» Kontroktbruches genau wie die anderen Arbeiter behandelt und arbeiteten st ei willig Weiter, nachdem sie sich mit den von Herrn von Pirch gestellten Be- dingungen einverstanden erklärt hatten. Soweit ist also der Berichtigung nichts hinzuzufügen. Wenn daaezen behauptet wird, daß die Haushaltungsgegen- st ä ii d e der gekündigten Leute sorgfältig behandelt wur- den, so entspricht dies nicht den tatsächlichen Verbälhüssen. Wie uns vielmehr mitgeteilt wird, schleppten die Leute des Herrn v. Pirch auf dessen Befehl alle?, was sich in der Wohnung deS Tagelöhners N ah s befand, heraus, wobei sie mit den Sachen s ch o n u n g s I o s umgingen. Die Betten wurden gleich neben der Dunghaufen auf die schmutzige Erde geworfen, trotz- .dem sich einige Meter weiter entfernt der schönste Rasen befand. Dann stellten sie einen mit Brotteig gefüllten Trog direkt auf den Tunghaufen. Mit einigen zwanzig Litern Milch der- fuhren d.e Leute so, daß d'cse infolge Verschmutzung weg- gegossen werden mußte. Von einem sorgfältigen Verpacken der Sachen kann also Hiernack» wohl nicht die Rede sein. Die uns zugegangene Berichtigung entspricht also nur zum Tssi den Tacsacken. Wenn wir sie, ohne nach den Bestimmungen des'P r e ßg e s e tz e s hierzu verpflichtet zu sein, dennoch in ihren Ii sientlichen Punkten isier wiedergaben, so deshalb, um an Hand cinwatidkreier Aussagen den Beweis zu erbringen, daß doch .manches faul im Staate Dänemark" zu sein scheint. die Notlage öer JnvaUSenrentner. E n alier Arbeitsinvolide und Parteigenosse schreibt uns: ..Als ich vor 4 Jahren Invalide wurde, war ich im Besttzchon 24 Jnvalidenkarten; ich erhielt von der Landesversicherun- 22.80 M. Rente.— Ich zahlte für einen Zentner Kohle 1 M- sc ei ins Haus, für den Kubikmeter Gas 13 Pf. Jetzt bezahle ich 1? M, für den Zentner Kohle und 1,25 M. für den Kubikmeter Gas. Da ich monatlich 30— 40 Kubikmeter Gas Verbrauchs wegen Mangels an Kohlen, langt die Rente nicht einmal für Feuerung und Licht, wo bleibt da alles andere?— Es wird sich daher ein jeder denkende Mensch sogen 'Dissen daß fiter unbedingt Abhilfe geschafft werden muß. 'u.i mit noch arbeitsfähig waren, waren wir nützliche Glieder deS Staates; setz! sind wir alt und hilfsbedürftig, und der Staat bcn die gesetzliche und moralische Pflicht, mtS nicht umkommen zu lassen und dafür zu sorgen, daß wir ein menschen- würdiges Dasein fristen können. ' Ick ovvelliere daher an die Gewerkschaftsführer sowie on die Parteiführer und die Presse, ihrem Einfluß Geltung zu verschaffen, damit schnellstens Abhilfe geschaffen wird und eine Teuerungszulage von mindestens 200 M. gegeben wird." Wir sonnen uns diesem Appell nur aus vollem Herzen an- schließen. Kenners Volitik. Unfachkichx Llnariffe des„B. Der Wiener Berichterstatter des„Berliner Tageblattes" rerötsentlicht in der gestrig«! Abendausgabc des, berliner Tageblattes" einen Artikel über die österreickäsche Politik, insbesondere über die Politik des Genossen Dr. Renner. Wir hätten keine Ursache, auf den Bericht des näheren ein- zugehen, wenn der Artikel eine sachliche Kritik der Renner- scheu Politik enthalten würde. Er ist jedoch mit einer Fülle von Unsachlichkeiten und persönlichen Angrissen derartig ge- 'pickt, daß wir es uns nicht völlig versagen können, aus ihn kurz einzuPÄen. Ter Korrespondent des„Berliner Tage- blattes" ichreibt über Dr. Renner: „Ein österreichischer Tausendsassa".„Konnte alle? und machte nichts. Erst jetzt erkennt man in voller Schärfe die Verhängnis- vollen Wirkungen der Politik dieses Sanguinikers, der das furcht- bare Talent befaß, dem Todesfr'�den von St. Germain noch eine rosige Seite abzugewinnen. Er hat nicht einen einzigen Feind der Republik von seitdem Platz entfernt. Er hat Deutschösterreich in die vollkommenste Sklaverei gebracht, und er hat, was vielleicht tv'urchtbarste moralische Schädigung gewesen ist, jedes Selbst- bewußtfein nicht nur des deutfchösterreichischen Proletariats, son- dern de? DeutschästerreichcrS überhaupt gebrochen. Niemand tvirs die ungeheuren Schwierigkeiten verkennen, die die ganze Zeit der Kanzlerschaft Dr. Karl Nenners erfüllten. Aber«S ist einfach Ti4|t wahr, daß Deutschösterreich gezwungen gewesen ist, alles, was ihm von seinen Gegnern zugemutet wurde, kuschelnd hin- zunehmen." Diese Vorwitrse de? Korrespondenten des„Berliner Togeblattes" sind ebenso scharf w>ie unberechtigt. Sie beweisen. daß der Berichterstatter trotz seiner ggenteiligen Per- s-cherung die ungeheuren Schwiongfiten, mit denen der (Htaatskanzler zu kämpfen hatte und noch zu kämpfen hat, völlig verkennn Auch wir sind der Ansicht, daß die Politik des Genossen Dr. Renner mitunter zu sehr westlich orientrei t war, verschließen uni. aber nicht der Einsicht, daß dies durch die gesamte politische Lage mitunter bedingt wurde, und daß die Verhältnisse im ganz«n stärker waren, als der einzelne. Die Verbindung der gewaltigen Kindersterblichkeit in Wien mu der Rennerschon Politik ist ebenso bösartig wie un> sachlich und beweist, daß die� Kritik weniger von sächlichen Erwägungen als von persönlicher Gehässigkeit diktiert ist. l Neuer Streik iv Golpa. In G o l p a, das die ReiKshanptstadt mit elektrischem Strom versieht, sind die Belegschaften der Grube Golpa in den Ausstand getreten, da die Verhandlungen mit den Arbeitgebern über Lohnzulagen in irgendeiner Form zu einem Ziel führten. Durch diesen neuen Streik wird auch die Strombelieferung Berlins stark in Mitleidenschaft gezogen, da de? Strom aus Ehornowitz, der zur Aushilfe herangezogen werden soll, nicht ge- uügt, nm die Hauptstadt zu versorgen. s zu tun gehabt hatte. Die Fliegende Brigade der Berliner Kriminal- i Polizei ging diesen Dingen nach und cs gelang ihr jetzt Nach vielen ! und schwierigen Beobachtungen, die ganzen Schwindeleien aufzu- I decken und einen Teil der Täicr hinter Schloß und Riegel zu ' bringen. Verhaftet wurden ein früherer Unterzahlmeister Max Thiesis, ein Ingenieur Erich Schöner st edt und ein Kauf- manu Hans Hamann. Ihre Hand hatten außerdem im Spiel der Schankwirt Fritz K e g e I e r aus der Friedrichstraße 214, dessen Schwiegervater Fritz Düring, ein früherer Unterzahlmeister Bruno Fischer und ein Reinhold Walter. Die früheren Uuterzahlmeister waren natürlich mit dem Ge- preußische Lonöesversommlung. 149. Sitzung, Mittwoch, den 7. Juli. Am Regierungstisch: Haenisch, Oe s e r. Vizepräsident Dr. Koch eröffnet die Sitzung um 12 lkhr 20 Minuten. Das ganz schwach besetzte.Hau? erledigt zunächst ohne Aus- spuacke eine Reihe Vorlagen. Der Gesetzentwurf über eine vor- läufig« Regelung verschiedener Punkte des Gemeinde- abgabenreckts geht an den Gemeindeausfchuß. Der Gesetz- entwurf über die Durchführung des StaatLvertrages über die Ilebertragung der Eisenbahnen und der über die Bereitstellung von Staatsmitteln zur Ueöcrwachung der Moore gehen an den Hauptausschutz. Die Gesetzentwürfe über weitere Mittel zum Aus- bau der Wasserkräfte des Main? imd der Weser, ferner über die Aenderung des Pfandleihegesetzes werden in zweifer und dritter Beratung einstimmig angenommen. Danach wird die Aussprache über den Staatshaushaltsplan fortgesetzt. Abg. Dr. v. Richter(D. Vp.): Tie Unabhängigen stellen sich dauernd in den Dienst der Interessen der Gegner. Der Abge- ordnete Leid hat es für richtig gehalten, gerade im Augenblick der Verhandlungen in Spa die derainziatoriscke Behauptung aufzustellen, daß die Regierung mit unseren Wählern kein ehrliches Spiel treibe, lieber die Marburger Studentenange- legenheit sollte vorläufig dock geschwiegen werden, bis das Versahren abgeschlossen ist.(llnrufie b. d. 11. Soz.s Die Demokraten sagen trotz des Ausfalls der Wahlen, der demokratische Gedanke marschiere. Lassen Sie(zu den Demokralen) ihn nur marschieren und überlassen Sie uns die Mandate.(Heiterkeit.) De? Naffenmöröer Schumann vor€>er:cht. Im Mordpvozeß Schumann wurde heute vormittag die B e- Weisaufnahme fortgesetzt und auf Vorgänge eingegangen, die mehrere Jabre zurückliegen. Es war die Zeit, in der Schumann durch die Wälder Falkenhagens strich und auf h a r m l o s e Aus- f l ü g I.e r schoß, besonder? Frauen überfiel Schumänn, und sie mußten froh fein, wenn sie mit dem Leben davonkamen. Eine ganzck Re i h«. von Zeugen bekundeten, daß sie im Walde wiederholt trfchossen wurden, doch sind viele Zeugen nicht imstande, in dem Angeklagten den Mann, der sie überfiel, wieder zu erkennen. Schümann blieb bei diesem Zengcnrerhör völlig ruhig und tat. als ob ihn die ganze Sack? nichts anginge. (Fortsetzung in der Morgen-AuSgabe.) GroßSerün e Arbeit der Beamtenorganisationen gekümmert hat, sonst hätte er wissen müssen, daß lediglich die Personalschiebungen in den Ländern erst den berechtigten Unwillen der Postbeamtenschaft hervorgerufen haben. Die vom Reichspostminister im Brnchmen mit den Be- amtengewerkschaften aufgestellte Per'onalreform hätte den Wün» sehen der Beamten Rechnung getragen, wenn die BesoldungSord- nungen im Reich und in den Ländern einheitlich durchgeführt worden wären. So ist allerdings die monatelange Arbeit über den Haufen geworfen worden. Daß aber der Schreiber den„führenden Beamten" im Reichs. Postministerium einen Vorwurf macht, daß sie auch mit Schuld an den Verhältnissen seien, da auch für sie nur der„Kopf" matzgebend sei, ist geradezu kindisch. Hat es denn überhaupt mal eine Zeit gegeben, wo der Chef einer Verwaltung nicht maßgebend war? Ein großer Teil der Postbeamten steht auf dem Standpunkt, daß, wenn die„führenden Beamten" mehr nach dem Willen des Reichs- postministers arbeiteten, es erheblich anders-n der Verwaltung aussehen würde. Der Raubbau, der mit Menschen und VkateriÄ während des Krieges getrieben worden ist, läßt sich nicht mit einem Federstrich beseitigen, daS sollte auch dem Einsender einleuchten. der anscheinend in der Etappe ein feuchtfröhliches Dasein geführt hat, währenddem die in der Heimat verbliebenen Beamten bis zum letzten ausgepreßt wurden. Arbeitslose und Notstaudsarbeiten. Die Groß-Berliner Arbeitslosenvertretung hat sich an den Re- gierungspräsidenten gewandt und in einer Eingabe darauf hinge- wiesen, daß angesichts der im Herbst zu erwartenden starken Ar- beitslosigkeit der Regierungspräsident für Abhilfe sorgen müsse. Es wird betont, daß in der Provinz Brandenburg zum Teil seit einem Jahr öffentliche Bauten, Straßen, Chausseen usw. der Fertigstellung harren. Diese Bauten sind zurzeit nicht zu Ende geführt worden, da die in Betracht kommenden Kreise und Gemeinden die hohen Materialkosten und Arbeitslöhne scheuen. Es wird nun darum ge- beten, daß für diese Bauten, die zahllosen Arbeitswilligen Beschästi- gungsmäglichkeit geben würden, aus öffentlichen Mitteln Zuschüsse gewährt werden._ Zum Streik der Rechtsanwaltsangestellten! Die Ausstands beweguna nimmt an Umfang zu. Ein« Reihe weiterer Betriebe hat sich dem Streik angeschlossen. Trotzdem der Berliner Anwaltverein seinen Mitgliedern streng verbietet, irgendwelche Zugeständnisse ihren Angestellten zu machen, haben sich eine Reihe von Rechtsanwällen bereit erklärt, die durch. aus berechtigten Forderungen anzuerkennen. Weitere Zustimmungserklärungen werden bei der Streikleitung jederzeit entgegengenommen-_ Noch nichts bekannt? Obwohl der„Vorwärts" in Nr. 826 vom 30. Juni 1320 über den„Vergleich in der Metallindustrie" in klarer Weise berichtete, daß nach Mitteilung des Reichsarbeitsministeriums der am 26. Juni 1320 provisorisch geschlossene Vergleich nunmehr als von allen Parteien angenommen gelte, so daß Ende Juni die ersten Auszahlungen nach den neuen Tarifbc- stimmungen erfolgen müssen, scheinen sich einzelne Unternehmer nicht daran zu kehren. So wird unö von Angestellten der Osram- Kommandit-Gefellschaft m. b. H. geschrieben: Obgleich obiger Artikel klar und deutlich besagt, daß Ende Juni die erste Auszahlung nach der neuen Tarifbestimmung erfolgen muß, ist von feiten der Osram G. m. b. H., Kommanditgesellschait. die neue erhöhte Auszahlung abgelehnt worden, vielmehr ist das bis jetzt nicht? bekannt. Also nicht genug, daß man die volle Anzahlung des alten GchaltS am 24. Juni verweigert«, während ein großer Teil der Firmen auszahlte, man kürzt den Angestellten ihr Gehalt auch noch durch Abzug der 10 Proz. Steuern und der Krankenkassen- beitrage, die bei vielen Angestellten nach dem neuen Tarif in Foxtfall kommen. Zu dem Bericht über die Vollversammlung der Angestellten der Reichs- und Staatsbetriebe in der Morgennummer des„Vorwärts" vom 2. Juli erhalten wir vom Betriebsrat deS HeereSabwicklungs- amtS Preußen die Erklärung, daß die dortigen 1200 Angeftellwn die in- unserem Bericht wiedergegeben« Entschließung abgelehrt hätten.__ v Soziales. Krankenkaffeu und Aerzte— und der Kranke? ' Von einer.Vorwärts"-Abonnentin wird uns geschrieben: Mit Erleichterung las man in den Zeitungen, daß der Streit zwischen Kassen und Aerzten beigelegt sei. Die Mitglieder der Kassen lasen das mit gemischten Gefühlen: Siegen die Kassen, iö bleiben sie bei den meisten der Herren Aerzte Patienten zweiter Klasse, behaupten die Aerzte das Feld, dann werden sofort von den Kassen höhere Beitragssätze erhoben. Derjenige, der die Zeche be- zahlt, ist allemal da- Kassenmitglied und der Kranke. Bei dieser Gelegenheit möchte ich auf folgenden Mißstand hinweisen: Mit- unter bedienen sich KaffenangestÄte gegenüber vorsprechenden Mit- gliedern eines Tones, den man früber auf den Kasernen Höfen anzu- wenden pflegte. Warum schließen überdies die Kassen ihre Schalter um 1 Uhr, Sonnabends gar um 12 Uhr? Das ist geradezu ein mitgliederfeindlicher Mißbrauch. Wie soll«S z. B. die Frau eines Kranken möglich machen, in den Vormittagsstunden nötig« Gänge zur Kasse zu machen? Warum wird in den Kassen, wie«s das Interesse der Mitglieder verlangt, nicht in Ktvei Schichten ge- arbeitet? Warum muß serner der Krankenschein bei den meisten Kassen erst beim Eintritt einer Erkrankung von der Kasse geholt werden? Warum kann der Anfangsschein nicht von vornherein dem Mitglied mit dem Krankenbuch übergeben werden, wie dies bei einigen Kassen bereits eingeführt ist? In einem Fall gelangte der schriftlich als Drucksache unter Beifügung von Rückporto von einer kaufmännischen Krankenkasse erbetene Arztschein erst nach 7 Tagen in den Besitz des Mitgliedes, nachdem zweimal telephonifch daran erinnert und noch einmal schriftlich mit eingelegtem Rück- Porto darum gebeten worden war. Ter Schein kostet also dem Mi!» glied 1.70 Mk. Ich führe diese Nebelstände dier an, um die Kassenvorstände auf Beseitigung derselben zu drängen, und zwar im Interesse der Kassen und deren Mitglieder. Beranl», für ben rebar». STeU: Dr. Wcruer Pclser, Eharlonenbur.,: fLr Nnzeia««! Tb. Glockc. Berlin Verlag: NorwlirrZ-Beriag®. m. b. H., Berlin. Druck: Der- närls-Luchbruckerei u. VerlagSanslalt Paul Singer u. Co.. Berlin. Lindenstr. 3. Jeder Eisenbahner liest!! zur Förderung seiner beruflichen Kenntnisse die amtliche, von den höchsten Stellen im Eisenbahnwesen empfohlene Hochschulzeitung lesser »». Interessante Artikel. Lchrreicbe Abbandlungen. Konkurrenzlose Facbzcltung. Aas dem Inhalt; Demokratisierung Im Eisenbahnwesen.— Die Entw icklung der Siemenswerke.— Neuerungen inj Signslweseu,— Lokomcivkessel mit ücberhitier.— Wasserstandsanzeiger.— tlcktrlsches SehweiSen In Elsen- bahnwerkstätten.— Der Luftdruck, das Barometer, Die Verwendung von UuBelserneg Lokomoilv-FeuerbOcbsen.— Oleichtiimire Beweauns, ßeharruagsgesetz, freier Fall, Krait, Masse und Dichte. Bezugspreis direkt vom Verlag unter Kreuzband 4 M. pro Vierteljahr, durch die Rost 3 M. zuzügl. 30 PL Bestellg. Für Vereine billiger.— Probeuummern kostenlos. inerkaoBt vorziigMes. wirkungsvolles Iflserllonsorgan. f haben nachweisbar den ; die Leserschaft se __ snbahndiicktionen, Ober 12 000 HCrern der Fachhochtchulcn zusammen, die -' e Kl;■—--.-. ien n< setzt sich nachweisbar aus Aemtern, Verbänden und kaufkräftige Klasse der Eisenbahner verbürgt einen solchen. , höctisten EiseDiJühnsMen z. Insertion eniplohlen. zg A.Wesemana, KönÄzÄX'i«». on: Kurfürst 4015. Drahtanschrift: Diweanwo. 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Von Dr. gadek(1.45). Buchhandlung Vorwärts. Linde nftraße 3>83« Auge unb�ein/dftfrankwmen Da» (1.45). Buchhandwng wärt», Linbenstraße 3 Bor- �rdeitsrharfct k��p�T'.Tklüll.HM Schleifer, Sawantseur Vor. arbeitet, alleinstehend, tüchtig und energisch im Zack,/, weicher auch mit dem Schletsen pollig vertraut ist, gesucht. Derselde muß der Nelnen Abteilung einer Melallwarcnsabrit seid- ständig vorstehen können. Oflerie mit Rescrenzen erbeten an Ria,. ras, Berlw, Immanuel. '" itgev