342 ♦ 37. Jahrgang Ausgabe A Nr. 54 Bezugspreis: B erteljahrl. SO,— M!� monotUO,— 9K, f«t ins hau», voraus zahlbar. Post- dezugi Monatlich 10,— Mk» exkl. Au» ftellungsgrdithr. Unter ÄtoHban!) für Deuttchland unö Oesterreich 18rO Mb. für das itbrige Ausland dei täglich einmal. Anstellung 21.50 M. Postde- stellungen nehmen an Oesterreich, Ungarn, Tschecho-Slowalei, Däne- niart. Sollano.-.ugemburg, Schweden und die Schweiz.— Tingetragen in die lllost»-eitunqs. Preisliste. Der„Dorwörts� mit der Sonntags» beilage»Volt u. Aeif erlchein» Wochen- täglich zweimal. Sonntags und Man- tags-mmol. Telegramm-Adreffe: .Soziaidotaoerat Bertin", Morgen Ausgabe Berliner Volksblstt (30 Pfennig) Auzeigeupreis: Die achtgelpaltene Nonvareillezeile fofteiS�- M., Teuerungszuschlag 50%. »Mlein« Anzeigen", das!ett- gedrultte Wort I,— M.(zulüffig zwei fettgedruckte Worte), iedes wettere Wort SO Pfg. Stellengesuche und Schlasstellenanzeigen das erste Wort W Big. sedes weitere Wort« Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für >we> Worte. Teuernngszuschlon 50»/» Aamilien-An, eigen für Abonnenten geile 2,— M, politische und ge- werkfchaftliche Vereins- Anzeigen 3,- Ml. die gelle ohne Aufschlag Anzeigen sllr die nächste Rümmer muffen bis s Ahr nachmittags im vauvtqelchäft, Berlm SW KK. Linden- itrahe 3, abgegeben werden. Geöffnet von S Ahr früh bis 5 Ahr abends. Zentralorgan der rozialdemokratlfcben parte» Deutfcblands Neüaktion und Expedition: SW. öS, Ändenstr. Z. »ernivrecker: Amt Moritivlah. Nr. I5lS7. Freitag, de» 9. Juli 19£0 Vorwärts-Verlag G.m.b. h., SW. b8, Lindenstr. Z. tsernfvrecher: Amt Morittpla«, Nr. 117»Z— 54. Sechsmonatfrift für öie Reichswehr. Drohung mit dem Einmarsch in das Ruhrrevter. S p a, 8. Juli.(WTB.) Die heutige Sitzung der Kon- jrreuz wurde um 1�4 Uhr im Schloh de la Freineuse eröffnet. Lloyd George teilte sofort im Namen der Alliierten mit, daß Teutschland, soferu es sofort zur Entwaffnung der Einwohnerwehr und der Sicherheitspolizei schreite, für die Herabsetzung der Hecresstärke auf Illll GK> Mann eine 1 1 ft von sechs Monaten zugebilligt sei. Die Herabsetzung des Heeres habe in zwei Raten bis zum 1. Oktober 1320 auf 150 000, bis zum 1. Januar 1921 auf 100 000 Mann stattzufinden. Minister Dr. Simons betonte, daß eine so bedingte Fristverlängerung eine einseitigeAuflagedrr Entente darstellen würde, nicht ein Abkommen unter den verhandeln» den Parteien..... Lloyd George entgegnete, daß die Alliierten darauf beständen, daß wir das Programm mit diesen Abmachungen annehmen..... Demgegenüber erklärte Dr. S i in o« s, daß wir das nicht tun können, ohne vorher eingehend über die Angelegenheit beraten zu haben. Die Konserenz wurde darauf um 5 Uhr auf Freitag vor- mittag 11 Uhr v c r t a g t. Die Mitglieder der deutschen De» legation sind sofort»ach Rückkehr von der Konferenz zu einer Besprechung zusammengetreten. Der Wortlaut üer Erklärung. S p a, 8. Juli.(MTB.) Die in der heutige- Sitzung ls Ergebnis der Beratung der Wikorte» übergebeue Erkla- filÄg hat folgenden Wortlaut:' ' Unter der Bedingung, daß Deutschland n) sofort zur Entwaffnung der E i n w o h n e r- wehren und der Sicherheitspolizei schneitet, d)'eine Bekanntmachung veröffentlicht, in der die so- 'ortige Auslieferung aller Waffe« gefordert wird, die in den Händen der Zivilbevölkerung sind, und welche im Falle der Zuwiderhandlung wivksame Strafen vorsieht(Im Falle, daß die Befuginsic, die die Regie» rung kraft Gesebcs hat, nach dieser� Richtung hin unge» nügcnd sein sollten, müssen unverzüglich gesetzgebe» rische Maßnahmen geschaffen worden, die Befugnisse der vollziehenden Gewalt auf diesem Gebiet zu der- stärken.), c) sofort alle die Maßnahmen in Angriff nimmt und orgreist, die � notwendig sind, um die allgemeine Wehrpflicht abzuschaffen und um das Heer auf der Grundlage der langfristigic« Ticnstzclt aufzubauen, so wie es im Friedensvertrag vorgesehen ist, 6) den Alliierten alle in ihrem Besstz befindlichen Waffen und alles Kriegs gerät, das über die im Vertrage zugelassenen Mengen hinausgeht, zum Zwecke drr Zerstörung ausliefert, und den Alliierten bei der Zerstörung behilflich ist,. e) die Anwendung derjenigen Bestimmungen des Friedensvertrages über die Seemacht wie über die Lustfahrt sicherstellt, die noch keine Äussnhrung ge» fundcn haben,' erklären sich die AMierten damit einverstanden: 1. die Frist, die für die Verminderung der Streitkräfte der Reichswehr vorgesehen ist, bis zum 1. Oktober zu -verlängern. Zu diesem Zeitpunkt muß das Heer auf ' 50 000 Mann beschränkt sein und höchstens zehn Reichs» ochrbrigaden umfassen. Tie Alliierten erklären sich weiter nit einer zweiten am 1. I a n u a r 1321 ablaufenden Trift einverstanden. Zu diesem Zeitpunkt muß die Er» naßignng der Streitkräfte ans 100 000 Mann genau ,n er Zusammensetzung und der Organisation, wie im Fr-e» oensvertrag vorgescbcn, vollendet sein, 2. die deutsche Regierung zu ermächtigen, in der n e u» t r a l e n Z o u e bis zum 1. Oktober diejenigen Streitkräfte z» unterhalten, deren Zahl der Interalliierte militärische UeberwachungSauSschuß ihr bekanntgeben wird, um an der Sammlung der Waffen teilzunehmen, 3 alle notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, um den Waffenschmuggel aus dem besetzten Gebiet nach an» deren Teilen Teutschlands zu verhindern. Wenn zu irgendeinem Zeitpunkt vor dem 1. Januar 1921 die Alliierten UeberwachungSausschüsse in Deutschland feststelle», daß die Bedingungen der gegenwärtigen Verein» barung nicht loyal ausgeführt werde», z. B.» wen» am 1. September die vorgesehenen Verwalwngs» und gesetz» geberischen Maßnahmen nicht ergriffen worden sind, wenn die Zerstörung und die Auslieferung des Kriegsgeräts nicht nor- mal ihren Fortgang nehme«, wenn am 1. Oktober das deutsche Heer nicht auf eine Ziffer von 150 000 Mann beschränkt ist und höchstens zehn Reichswehrbrigaden umfaßt, werde« die Alliierten zur Besetzung tinti. usutu Teils des deutschen Gebiets schreiten, sei es des Ruhrgebiets, sei eS jeden anderen Ge- bietS, und werden dieses Gebiet erst an dem Tage räumen, wo alle Bedingungen der aegenwärtigen Vereinbarung restlos er» füllt sein werden. Schwere Entfckeiüung. V5. Spa, 8. Juli(Eigener Drahtbericht des.Vorwärts'.) Di« Krise erreichte heute abend ihren Höhepunkt. Die Alliierten haben eine Art Ultimatum überreicht, das in der Drohung der Besetzung deS Ruhrgebietes gipfelt. Dieses Ultimatum mutz bis morgen 11 Uhr vormittags beantwortet sein Die Forderungen sind sehr scharf formuliert, aber obwohl sie sehr schwer erfüllbar sind, bedrohen sie doch keine lebenswichtigen Interessen Deutsch» landS unmittelbar Rechtlich sind sie kaum anzufechten, da sie tat. sächlich auf dem Friedensvertrag-beruhen Sie sind übrigens zum grötzten Teil die Wiederholung der EntwaffnungZ» noien vom SS. Juni. Der schwerste Teil ist dabei natürlich die Forderung der Entwaffnung der Sicherheitspolizei. Was nun die Sicherheitspolizei anbelangt, so mutz gesagt werden datz deutscherseits der Fehler begangen- worden ist, diese Frage nicht selbst anzuschneiden, da«s die Entente ihrerseits nicht tat. Man besprach nur die ReichSweh rf rage, und das Ergebnis der Erörterungen ist das heutige Ultimatum. Jetzt ist et nun zu spät, noch für die Sicherheitspolizei zu plädieren. Di« matzgebenden Kreise der deutschen Delegation weistn allerdings demgegenüber darauf hin, datz der Rahmen der Besprechung streng von Llotch George vorge. zeichnet wurde. Aber auch hier scheint ein Regiefehler unsererseits begangen wovden zu sein. ES war niemand rechtzeitig da, um unseren Standpunkt in der SicherheitSpolizcifrage wirksam zu vertreten. Jetzt müssen wir uns damit begnügen zu hoffen, datz die alliierten Militärkommissionen unserem Wunsch in der Frage der Bewaffnung, der Kasernierung und der Zahl etwas entgegenkommen. Alle anderen Forderunyen der Alliierten sind theoretisch durchführbar, zum Teil sogar nicht unbillig. Die prak- tische Durchführung der Entwaffnung der Einwohnerwehr und der Waffen abgäbe ist eine Frage deS guten Willens der« i n z e l st a a t- l i ch e n Regierungen und der betreffenden Teile der Bevölkerung. ES mutzte also gegebenenfalls ein starker Druck auf Bayern in der ersten Frage ausgeübt werden, und was die zweite betrifft, so lastet nunmehr«in« schwere Verantwortung aus den Pommer- schen Gutsbesitzern und auf gewissen radikalen Kreisen. Di« Teilzugeständnisse der Alliierten sind nicht unwesentlich. Di« sechsmonatige Verminderungsfrist ist zweifellos ein« Entgegen» kommen, und wenn auch der Ssecktsche Vorschlag ander? lautet, so ist die Ansicht unserer Militärs ja kein Evangelium. Auf den zu erwartenden Proteststurm der rechtsstehenden Organe wird die Arbeiterschaft nicht hereinfallen. DaS Entgegenkommen wegen der Räumung der neutralen Zone ist um so wichtiger, als am 10. Juli 10 Uhr vormittags(also übermorgen) die Räumung�frist sonst abläuft. So schwierig also auch gewisse Verpflichtungen sein mögen, die uns die Alliierten auferlegen, so darf doch die Konferenz nicht an ihnen scheitern. Auf die Erklärung wurde schnellste Antwort verlangt. Es wurde der deutschen Vertretung anheimgestellt, sich in einen be- sonderen Raum im Haufe selbst zurückzuziehen, um über sie zu beraten. Reichsminister Dr. Simon? erklärte darauf, dies ginge nicht an, da sich die Vertretung, bevor sie endgültig Bescheid geben könne, mit den in Berlin verbliebenen Regierungsmitgliedern ver» ständigen müsse. Nach der Konferenz fand am Sitz der deutschen Delegation eine längere Beratung unter Vorsitz de? Reichskanzlers F e h r e n- b ach statt, an der auch Genosse S e v e r i n g teilnahm. Noch vor Schlutz dieser Beratung wurde Minister Simons zum General- fekreiär der Konferenz,«"dem belgischen Vertreter Rollin Jaquelin, zu einer Besprechung abgeholt und fuhr im Auto mit ihm fort. Ueber das Ergebnis der Beratungen, die wahrscheinlich morgen noch fortgesetzt werden, verlautet bisher nichts. Die S t i m« mung in den Kreisen der deutschen Delegation ist ernst. Tie Verhandlungen über die Waffenvernichtnng. Tva, 8. Juki.(HavaSmeldung.) Die militärischen Sach- verständige n,' unter denen Frankreich durch General Rollet und Deutschland durch General v. S e e ck t vertreten waren, berie- ten gestern lange unter Bergleichung der von den deutschen mili- tärischen Stellen und den beiden alliierten Delegierten«ingebrachten Zahlen über das zu vernichtende oder auSzu- liefernde Material. ES erfolgte ein« Einigung in dem Sinne, datz die Zerstörung von 14 VOv Geschützen, 5000 Maschinengewehren und 750 000 Handwaffen als erfolgt anerkannt wird, dagegen weigerten sich die Alliierten, den deutschen Ziffern b«- züglich des noch zu vernichtenden Materials zuzustimmen, da mau fortwährend»och weitere Vorräte aufdecke. Man wisse so, datz min» desten« die Hälfte des deutschen Wat'erialS noch Nicht ßerstört fe»,__________ Gestern um 9 Uhr abends fand in der Reichskanzlei eine Kabinettssitzung der in Berlin verbliebenen Regie- rungsmitglieder statt, der auch der Reichspräsident Eb e�r t beiwohnte. Den Gegenstand der Beratung bildete die in Spa entstandene Situation. Für 10 Uhr abends waren die Parteiführer des Reichstags zu einer Besprechung in der Reichskanzlei be- rufen, die sich mit dem gleichen Gegenstand beschäftigte. Heute 8 Uhr morgens wird dem Hauptausschntz des Reichstags und dem Reichsrat ein gemeinsamer Be- richt über den bisherigen Verlans der Verhandlungen gegeben werden. Die beiden Körperschaften dürften sich dann z-u be- sonderen Beratungen zurückziehen. Die deutschen Bedenken dürften sich in der Haupt- fache auf zwei Punkte konzentrieren: Erstens erscheint die Forderung der„Entwaffnung" der Sicherheits- Polizei im Zusammenhang mit der gleichzeitig geforderten „Entwaffnung" der Einwohnerwehr unverständlich, man neigt zu der Annahme, daß hier ein und dasselbe Wort auf zwei verschiodene Begriffe verwandt wird. Wäre dies der Fall, würde nur gefordert, daß die Sicherheitspolizei auf Groß- kampfwafsen verzichtet und würde die Art und das Maß der polizeilichen Bewaffnung im übrigen der Eutschei- dung der deutschen Behörden überlassen bleiben, so wären die Bedenken in diesem Punkt zu überwinden. Zweitens ober möchte die deutsche Regierung durch ihr Verhalten nicht den Am'chein des Zugeständnisses erwncken, als halt« sie die Besetzung weiterer deutscher Gebiete als Druckmittel zur Erfüllung des FriadenSver- trogeS von Versailles für zulässig. Die deutsche Regie- rung hat stets den Standpunkt vertreten, daß der Friedens- vertrag den Alliierten nicht das Recht gibt, noch andere Ge- biete, als die in ihm ausdrücklich bezeichneten, militärisch zu besetzen. Sie hat nicht die Absicht, eine Erklärung abzugeben, aus der geschlossen werden könnte, daß sie den von ihr bis- her stets festgehaltenen Rechtsstandpunkt aufgegeben hätte. Trotzdem ist zu erwarten, daß morgen in Spa die Lösung gefunden werden wird. Tie Alliierten haben die Bahn der Verständigung ver- lassen und wieder die Bahn des Diktats betreten, da- durch ähnelt die augenblickliche Situation von Spa der vor- jährigen von Versailles. Der Unterschied besteht aber darin, daß es sich in Versailles um ein Gcsamtdiktat handelte, das die ungeheuerlichen wirtschaftlichen Bedingungen enthielt, während es sich diesmal um eine„einseitige Auflage" dreht, die in einer Spezialfrage erlassen wird. Im Vorjahr stand das deutsche Volk auch vor einer neuen Situation, die ihm wie ein Stein auf den Kops fiel, diesmal war es darauf ge- faßt, daß man von ihm die Ausführung des Friedensv'er- träges fordern würde, der die Herabsetzung des stehenden Heeres auf 100 000 Mann eigentlich schon für den 1 März 1920 verlangt. Wenn die Forderung der Herabsetzung der Reichswehr ans 100 000 Mann binnen sechs Monaten auch der Form nach) wie Minister Dr. Simons sagt, eine„einieitige Auflage", ein Diktat, ist, so stellt sie doch in der Sache gegenüber der ur- sprünglichen Forderung, die einen Termin von drei Monaten setzte, e i n K o m p r o m i ß dar. Die Bedenken der deutschen Vertretung dürsten sich, wenn sie mit dm unseren parallel gehen, weniger gegen diese Terminfestsetzung richten, als geyen die gleichzeitig geforderte Entwaffnung der Sicherheitspolizei(die Einwohnerwehren sind nn größten Teil Deutschlands bereits entwaffnet). Die Alliierten scheinen nach dem vorliegenden Bericht die Reichswehr besser behandeln zu wollen als die Sicherheitspolizei, sie vermindern durch Verlängerung der Frist von drei auf sechs Monate die Unruhe, die in der Reichswehr hervorgerufen wird, tragen aber eine desto größere Unruhe in die Sicherheits- Polizei hinein. Und doch würde die Logik verlangen, daß man die örtlichen Sicherheitsorgane eher stärkt als schwächt, wenn man beabsichtigt, durch Entlassung von 100 000 Reichs- Wehrsoldaten binnm sechs Monaten die Zahl der rmruhigen Elemente in den Großstädten zu vermehren. Obwohl das Ergebnis der im Augenblick noch schdvelben- den Beratungen noch nickst bekannt ist, nehmen wir an, daß man um diesen Gefachrenpunkt herumkommen und cklsbadd «ur Beratung der wirtschaftlichen Probleme über- gehen wird, die das deutsche Volk hei weitem mehr irrter- essieren als die militärischen. Es wird sich dann zeigen, ob das Verständnis der Alliierten für die deutschen Sebensnot- wendigkeiten— hier handelt es sich um wirkliche— auf diesem Gebiet größer ist. Wenn nicht, dann werden eben wieder Diktat« erlassen und Protokolle.vorgelegt werden. man wird aber durch sie stichts an der Tatsache ändern, daß .noch niemals jemand, weder ein Mensch.noch ein SJaffi, mehr geleistet hat M er küm könnt läge('S) erklärte, bafc da? Stnlmm erst naä R iZ ck k« b r der Minister aus Spa der Frage Sleßunq nehmen könne. Im gleichen Sinne sprach der Abgeordneie Tern- bürg(Dem,), der sich scharr gegen eine vermeintliche Streik- drohung wandte. Schließlich wurde der Antrag Zieh mit 13 gegen 11 Stimmen S.P.D. und Il.S P, abgelehnt. Dasselbe Schicksal er- suhr ein� Antrag des Genossen Bauer, der aui eine klare Stellungnahme des Ausschusses in der Tarisfrage hinzielte. Trotz aller Warnung seitens der sozialistischen Abgeordneten wurde der Antrag B u r! a g e sZtr.) m't 13 gegen 12 Stimmen der S.P.T. und U.S.P. angenommen.„Der Ausschuß wolle beschließen, die Reichsregierung zu ersuchen: 1. soiort nach Rückkehr des Herrn Reichsfinanzministers die Tarifverhandlungen mit den Staats- arbeitern zum endgültigen Abschluß zu bringen, 2. dem Unterausschuß zur Nachprüfung der Besoldungsordnung möglichst bald das erforderliche Material zu unterbreiten.' ReichsarbeitsgemeinschastöerElektrizitäts-, Gas- und Wasserwerke. Essen, 8. Juli. Die Elektrizitäts-, Gas- und Wasserwerke Deutschlands haben entsprechend ihrer Bedeutung als Grundlage anderer Industrien sowie wegen ihrer Wichtigkeit für die Allgemein- heit als Kraft-, Licht-, Wärme- und Wasserspender eine„Reichs- arbeits Gemeinschaft der Elektrizitäts-, Ga s- und Wasserwerke' im Anschluß an die„Zentrolarbeits- gemeinschaft der industriellen und gewerblichen Arbeitgeber und Arbeitnehmer Deutschlands" gegründet. Die„Gemeinschaft der Arbeitgeberverbände der Elektrizitäts-, Gas- und Wasserwerke Teutschlands", in der die einzelnen Bezirk?- arbeitgeberverbände mit den Fachverbänden der Elektrizitäts-, Gas- und Wasserindustrie zu einer Organisation zusammengeschlossen sind, hat sich als Arbeitgeber mit den in Frage kommend«, Arbeit- nehmern dieser Industrien vereinigt, vor allem mit dem.Zentralverband der Maschinisten und Heizer Deutschlands". Sie wollen im Sinne der Arbeitsgemeinschaft überhaupt in gemeinsamer Arbeit die Wirtschafts- und sozialpolitischen Auf- gaben der in Frage kommenden Unternehmungen ihrer Lösung ent- gegenführen. Es sei nur u. a. hingewiesen auf die Frage der Au s n u tz u n g d'« r Kohle, auf den notwendigen Zu- sammenschluß der E I e k tr ich it ä t S ve r sto rg u ng e n und auf die fachliche Lösung der Berufsfragen. Wegen ihrer Bedeutung hatte deshalb diese Reichsarbeitsgemeinschaft durch die Zentralarbeitsgemeinschast einen Arbeitgeber und einen Arbeit- nehmer in den ReichswirtschaftSrat entsandt. Mostaus Bedingungen. 10 inhaltsschwere Punkte. In unserem Bericht im gestrigen Abendblatt„Eine tot- 'Gchwiegene Konferenz" hatten wir kurz auf die Be- > n g u n g e n hingewiesen, von deren vorbehaltloser An- c'-tnc die V o l s ch e w i st e n die Äufnahme der U n- .> h ä n g i g e n in die Dritte Internationale abhängig uchen. Die 10 Punkte, die sie aufstellen, sind so be- e'üungsvoll, daß wir es uns nicht versagen könne», sie in » nnn Wortlaut mitzuteilen. Sie lauten: 1. Die Diktatur bedeutet das Wegjagen der Bourgeoisie ' Liw eine revolutionäre Vorhut im Gegensatz i der Ausfasiung, daß man erst die Mehrheit bei den hlen haben müsse. Durch die Diktatur bekommt(? Die c i i man die Mehrheit und nicht durch die Mehrheit die i k t a t u r. 2. Die Diktatur bedeutet Anwendung von Gewalt und Terror. 3. Diejenigen, welche bei dem gegenwärtigen kapital isti- rl-n Terror und dessen Graasamkeiten den Bürgerkrieg e: u r t e i l e n und vor ihm zurückschrecken, sind in Wirklichkeit Ca k t i o n ä r geworden.\ 4. Die Diktatur des Proletariats und die Herrschaft der Sowjets '."gt die Notwendigkeit mit sich, den Apparat des bürgerlichen 'Maies auch dann zu vernichten, wenn er republikanisch- demo- r-'isch ist. 5. Jede Revolution bedeutet im Gegensatze zu dem Wege, -• die Reform einschlägt, eine außerordentliche radikale Mise, die die größten Opfer von uns fordert. 6. Freiheit der Presse und Bersammlungsfreiheit würden be- -"vten, daß man der Bourgeoisie das Recht einräumt, die öffentliche »hmng zu vergiften. 7. Nur durch die Enteignung der Enteigner kann man 'c Massen der Ausgebeuteten gewinnen. Nur nach dem Siege ir-d. das Proletariat die Teile der Bevölkerung hinter sich be- iMtrncn, die bisher in der Gefolgschast der B o u r g e o i si e waren. 8. Die deutschen Knab hängigen und die L o n g u e t i st e n M-rnehmen- nichts, um die Armee in eine Rote Armee zu • wandeln, und sie weigern sich, die ungesetzlichen Methoden der •reriing ihrerseits mit ungesetzlichen Methoden zu �-»antworten. 9. Die Enteignung des Kapitalismus darf nicht auf dem Wege • Reformen geschehen, sondern durch Beschlagnahme. 10: Die Unabhängigen müssen sich mit Spartakus vereinigen. Die deutschen Arbeiter, die mit Klara Zetkin hon ---Mm kommunistischen Paradies träumen, werden doch etwas '�rrascht sein, wenn sie diese russische Auffassung, wie sie : w in treffender Kürze niedergelegt ist, kennen lernen. Sie deutet mit einem Worte den restlosen Verzicht auf T z t ä l i st i s ch e Methoden zur Erreichung des So- -'.ismus und ihre Ersetzung durch den geistlosen Appell " die Waffen. All das, wogegen sich die Arbeiterschaft st allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln ihren -pitalistischen Feinden gegenüber gewandt hatte, nlich die B e r a u b u n g der Preß- und V e r s a m m- ' n g s f r e i h e i t, sowie Anwendung von Gewalt, wird "i den russischen„Marxisten" zum Prinzip erhoben. Die ''• sHH�'TKeorrei läuft— um es in einen Satz zusammenzufassen ans die E r se tz u n g des K ka s s e n kampfes durch - iz.'.B.Ü r g.e r k r i c g hinaus. Das ist der Gedanke, der -Ii durch.'die K) Punkte als Leitfaden hindurchzieht. Die "bester, die gerade ans Gründen des Klassenkampfes uaus sich als Gegner des Bürgerkrieges be- ichnen, werden nicht wenig überrascht sein, von dem "; ttator Lenin das Schimpfwort„Reaktionäre� an den > ovf geworfen z« erhalten, und die Moskaufreunde, von en nicht wenige— mögen sie es auch heute nicht ein- c. stehen wollen— in den Tagen des Kapp-Ver- rechens sich für die Erhaltung des demokra- Sozialistisches Werden. Von Dr. Eonrad Schmidt. Die hier mitgeteilten Ausstihrimgen wollen eine Ermunterung sein. Edmund Fischers bei'Heit». Ko. in Leipzig erschienenes Buch„Das sozialistische Werden" zu beachien. I. In der Geschichte des Sozialismus bildet die Geschichte der ..'orstellchmg vom Werden des Sozialismus eines der intereffan- '.sten, den jeweiligen Reife- und Entwicklungsgrad der realen ( Mialistischen Bewegung bedeutsam widerspiegelnden Momente. it jenen ersten Stadien, da der Sozialismus noch ohne nähere ''..'ziehung zu den Tendenzen des unmittelbar ans der Oekonomie ster erwachsenden proletarischen Klassenkampfes zunächst nur erst :.- rein ideeller Protest gegen die Unvernunft einer kapitalistischen ' enkurrenzwirtschaft existiert«, die Kraft und Gesundheit der jltsinasse zerrütten, fand er die Formen seiner?luÄ>ruckswei>se in ir. von der bürgerlichen. AufllärungSphilosophie ausgebildeten . r atstrrechllichen" Denkart vor; und dieser Art abstrakter un- ('storischer Begründung, entsprachen dann notwendig auch die i'-deen, die man sich vom Wachstum und Werden jenes anzu- >r-benden Gefellschartszustandes machte. Ter historischen, planlos unter dem Drucke von Gewaltverhült- nissen und unabsehbaren Zufälligkeiten geivordenen Rechtsordnung "e.- die Aufklärung— diese geistig« Parallelerscheinung zum .'laken Aufstiege der neuen bürgerlichen Welt— in ihrem Kampfe beer das Erbe des mittelalterlichen. Feudalismus und die Ge- -"alten des fürstlichen Absolutismus den großen Gedanken.ent- ..eustellt: daß unabhängig von aller äußeren Tradition und atzung die allgemeine menschliche Natur den höchsten Maßstab bilde, räch dem das gesellschastliche Zusammenleben vernünftigerweise -'.regelt werden müsse. Als Wesen, die überhaupt nicht isoliert . den, und ihre Anlagen entwickeln können, bedürfen die Menschen i i türnotwendig des Zusammenschlusses in sozialen Verbänden. Ist neS Zusammenschlusses, in welchem sie, uni_ sich vor Wechsel-' - stigen.Uebergrisfen und Vergewaltigung zu schützen, ein zentrales ..'lacklorgan, den Staat, bätten schassen müssen, das im Auftrag t r Gesellschaft und im kollektiven Interesse aller für das Verhalten .'her bindende Gefetze stellt und mit Zwangsmacht deren Befolgung t"rchietz't. Mit dieser Vorstellung verband sich jener von den "sttorikcrn später oft so abschätzig und selbstgefällig widerlegte stdanke eines ursprünglichen und ersten„Staatsvertrages". durch n die einzelnen, auf ihre frühere Willkürfreiheit verzichtend, rne ihnen übergeordnete, im wohlverstanidenen Interesse aller entbehrlichen Staatsgewalt als Mandatar des. gesellschaftlichen c zsamtwillens eingesetzt hätten. Eine Konstruktion, die geschichtlich ' ine Stützen hat. deren wesentlickie Bedeutung aber durch den i achweis dieser ihrer geschichtlichen Haltlosigkeit in keiner Weise rührt wird. Denn jene naturrcchtliche Denkart will ja in ihrem ■ rne gar nicht historisch? Erscheinungen erklären, sondern eine ' mm aufstellen, noch welcher geschichtlich Entstandenes auf seinen Wert beurteilt werden soll, gewisse Richtungsziele weiten, die als "rnnnftig und gereckt in de« geschichtlichen Fortgang anzustreben no. W'e immer a:»ch der Staat entstanden sein mag auf dem 'kksch-repnhfika Nischen Deutschland? einsetzten, werden nicht erfreut sein, wenn sie es als ihre Pflicht be- zeichnet sehen, den Staat auch dann zu zertrümmern� wenn er demvkratisch-repnblikanisch ist, also eine Struktur aufweist, ' die nach Kautsky die' Vorbedingung für den Aufbau der sozialistischen Gesellschaftsordnung ist. Das neue preußische Wahlgesetz. Dem Reichswahlgesetz nachgebildet. Im Preußischen Ministerium des Innern ist der Entwurf des preußischen Wahlgesetzes ausgearbeitet worden, der nach der Be- ratung im Staatsministerium der Landesveriammlung bei ihrem Wiederzuiammentritt am 15. September zugehen soll. Nach dem bisherigen Entwurf schließt sich das preußische Wahl- qesetz ziemlich eng an das Rcichswahlgeseh an: wesentliche Unter- schiede bestehen nur in der Einteilung der W a b I k r e i s e u n d Berbandswahl kreise. Entsprechend der Reichsverfassung find wahlberechtigt alle in Preußen wobnhaften deutschen Pkänner und Frauen. Jeder Wähler hat eine Stimme. Das Wahlrecht der politisckken S ch u tz h a ftg e ia n g en e n ist im Gegensatz zu den übrigen Strafen UnteriuchungSgefangenen ausdrücklich gesichert. Den Tag der Hauptwabl setzt das Staatsministerium im Einvernehmen mit dem Aeltesten-Rat der Landesversammlung fest. Die Vorlage sieht die Einteilung des Landes in 74 Wahlkreise vor: KönigSbera- Nord, Königsberg-Wesi, Gumbinnen, Allenstein, sieben Berliner Wahlkreise, Prenzlau. Poisdam, Frankfurt a. O., Cottbus, Stralsund. Stettin. Köslin. Schneidemübl, Oels, Schweid- nitz, Waldenburg, Görlitz. Liegnitz. Oppeln. Ratibor, Pleß. Beutben, Kattowitz, Stendal, Magdeburg, Halberstadt. Bitterfeld. Halle a. S.. Naumburg, Erfurt, Flensburg, Kiel, Altona, Aurich, Osnabrück. Hannover, Hildesbeim. Lüneburg, Stade. Münster. Recklingbausen. Minden, Bielefeld. Gelienkircken. Dortmund, Bochum, Hagen. Arnsberg, Kassel. Hanau. Limburg. Wiesbaden. Frankfurt a. M.. Wesel, Duisburg, Krefeld, Düsseldorf. Essen. Elberfeld-Barmen. Solingen, Köln. Gummersbach. Bonn, Coblenz. Trier, Aachen und Sigmaringen. In jedem dieser Wahlbezirke Werden vier bis sieben Abgeordnete gewählt. und zwar so, daß auf je 40 000 für die Liste einer Partei abgegebene Stimme« 1 Abgeordneter entfällt. Die Reststimmen werden den Verbandswahlkreisen zugeführt. Solcher Verbandswahlkreise gibt es 19, nämlich Ostpreußen, Berlin, Brandenburg, Pommern- Grenzmark. Nieder- schlesien l. Niederschlesien II. Oberschlesien. Magdeburg. Merseburg- Erfurt. Schleswig- Holstein, Hanssover I, Hannover II. Münster- Minden, Arnsberg, Hessen-Nassau und Rheinland I— IV. In diesen Verbandswahlkreisen entfällt wiederum auf je 40 000 Stimmen ein Mandat. Die Resistimmen der Verbands- Wahlkreise werden der Sandesliste zugeführt, bei der in der gleichen Weise aut 40 000 Stimmen ein Abgeordneter kommt. Der wesentliche Nnterschied vom Reichswahlgesetz besteht alio darin, daß auf 40 000(statt dort 60 000) Wähler ein Abgeordneter kommt und daß die llrwahkkreise wesent- lick kleiner sind, um eine bessere politische Fühlung zwischen den Wählern und den Abgeordneie» herzustellen. Die Be- stimmungen über die Wahlbandlung, die Ausübung des Wahlrechtes und die Ermittlung des Wahlergebnisses entsprechen den gleichen Bestimmungen zum Reichswahlgesetz. Ebenso wie dort ist auch das Wahlprüfungsgericht vorgesehen. Von den Kosten, die den Ge- meinden aus den Landtaaswablen �entstehen, werden ibnen vier Fünftel vom Lande ersetzt. Alle übrigen Wahlkosten trägt das Land allein.~___ Die Besoldung der Eisenbahner. Ablehnung dkir sozialdemokratischen Anträge. In der Sitzung de« H» up tu u S k ch»fseS des Reichs- t a g e s vom 8. kam die Tarif- und Besoldungsftage der ReichS- verkehrsarbeiter und Beamten zur eingehenden Erörterung. Ab- geordneter K o tz u r(Soz.) wies auf den Ernst der Lage bin und befürwortete die Annahme eines Antrages Zietz, der die Einstellung der erforderlichen Mittel in den N o t e t a't verlangte. Seitens der Regierung wurde die Notwendigkeit des Antrages Zietz be- stritten, weil§ 2 des Notetatgesetzes ganz generell die Mittel zur Ausführung von Vereinbarungen am gesetzlicher Grundlage oder aus Grund einer Verordnung vorsieht. Abgeordneter Bur- Weg« der Gewalt, er und die von ihm geschaffene Rechtsordnung sollte— das ist der eigentliche Kern jener naturrechtlichen Denkart— so geregelt sein, daß alle Gesellschcrstsglieder den Ge- setzen nicht bloß notgedrungen, aus Furcht vor Strafe, gehorchten, sondern stch bei vernünftiger Ueberlegung zur Befolgung derselben als Ausdruck ihres eigenen gesellschaftlichen Gesamtwillens ver- pflichtet und verbunden fühlen. Das gab der Forderung bürger- licher Freiheitsreckte den weitgesteckten philosophisch gefaßten Ge- dankenhintergrund. So sucht« der beispielsweise bahnbrechende Philosoph der Aui- klärungsphilc�ophie John Locke, der nach, einem Wort von Ma r x in allen Fragen den„bürgerlichen Verstand" repräsentiert«, nach der Revolution von 1688, sie Wilhelm den Oranier auf den englischen Thron brachte, die konstitutionelle Regierungsform mit ihrer Teilung der Gewalten gegenüber den Doktrinen des fürst- lichen Absolutismus als Folgerung aus dem Grundgedanken des Naturrechts herzuleiten. Nur indem die„Gesellschaft"(Locke meint damit die herrschenden Gesellschaftsklassen) durch ihr gewähltes Parlament die Gesetzgebung bestimmt, sei eine Gerantre dafür gegeben, daß nicht an Stelle des allgemeinen Interesses die- Will- kür des einzelnen herrscht, dem bloßer Zufall der Geburt das Zepter in die Hand gelegt hat. Und ähnlich wird die bürgerliche Freiheft(Freiheit der, wirtschaftlichen Erwerbsbetätigung wie Glaubens- und Gedankenfreiheit) in der Verfanung der Vereinigten Staaten und später in der französischen Revolution als eine Reihe von„Menschenrechten" in naturrechtlichem Sinne prokla- miert. Rousseaus berühmte Schrift über den.Gesellschaftsvertrag" vom Jabre 1761, die dann in der großen Revolution eine so einflußreiche Rolle spielte, sieht mit ihrer Forderung einer radikal-politsschen Demokratie, in der das souveräne Volk unmitkel- bar selber, nicht durch gewählte Parlamente, die Gesetze beschließt, nur gewisse äußerste, im allgemeinsten Prinzip jener naturrecht- lichen Richtung bereits angeleimte Konsequenzen. Aber seine Schrift enthüllt zugleich, und zwar bei der Schärfe ihrer begrifflichen Prä- zision nur um so deutlicher, die Schranken dieser Denkart, den Zug zum Utopismus, der ihr eigentümlich. Indem diese Denkmethode mit dem Allaemeinbegriss des Menschen operiert, schiebt sie unvcr- meidlich an Stelle der wirklichen Menschen und der Klassen in den gegebenen großen Staatswesen abstrakt-willkürlich konstruierte Schemen ein. So unterstellt Rousseau bei der Ausmalung seines demokratischen Staatsideals kleine agrarische Gemeinwesen, in denen annähernde Gleichheit bäuerlichen Besitzes herrscht, in denen also jene Klassenverhältnisse und Gegensätze, di? der historisch gewordenen Gesellschaft und damit auck der Forderung einer Demokratisierung dieser erst das entscheidende Gepräge geben, noch gar nicht existieren. Und in dem Stile einer solchen naturrechtlichen Denkart und Begründung traten großenteils auch hie ersten � sozialistischen Systeme auf. z. B. des Franzosen Morelly. einige Jahre vor dem Gesellschaftsvertrag erschienene, den Titel eines„Code de la nature", eines„Gesetzbuches der Natur" führende Schrift, die aus dem Elend,.webbes Habsucht und Anbäuiuna vrivaten Reichtums) über die Menschheit gchriacht. die Naturwidrigkeit aller aui privatem- Eigentumserwerb gegründeten Gesellschaftsordnung� und die Not- wendigkeit des Kommunismus als des einzig möglichen WegeS zum Glücke aller folgert. Aebnlich gehen, auch Owen und Fourier an die Probleme der sozialen Ethik heran. Ergriffen Verhaftungen in Bapern. Aus München wird gemeldet: Am Donnerstag früh ist der kommunistische Landtagsabgeordnete Eisenberger auf Veran- lassung der München-er Staatsanwaltschaft verhaftet worden.— In Würzburg wurde der Führer der unabhängigen Sozial. demokraten, Stadtrat S ch u w e r, verhaftet, weil er bei der Be- erdigung der Opfer der kürzlichen Unruhen in einer Rede auf- reizende Aeußerungen gemacht haben soll.« Das Würzburger Volksgericht verurteilte wegen der letzten Unruhen 7 Angeklagte zu Strafen von 5 Monaten bis zu 4 Jahren Gefängnis. Das Gericht betonte in der Urteilsbegrün- dung, daß die Teuerungsdemonstratianen berechtigt und ver- ständlich gewesen seien, oatz aber gemeingefährliche Personen die Volksmassen aufgehetzt imd zu Gewalttätigkeiten aufgestachelt haben.; Die Streikbewegung im Saargebiet. Weiteres Anwachsen der Bewegung. Saarbrücken, 8. Juli.(P.P.N.) Der Streik in der Metallindustrie, der sich zum Generalstreik auszudehnen droht, dauert an. In Saarbrücke» haben sich die Schmiede- gesellen angeschlossen. Die streikenden Malergesellen find zur Arbeit zurückgekehrt. von dem Geftihl des ungeheuren Widerspruches der gegebenen ökonomischen Verhältnisse zu einer idealen Ordnung, die Garantie für das Wohl aller schaffen müßte, suchen sie, abseits von dem großen Strome treibender sozialer Tendenzen, nach Wegen, die zu einer besseren, der menschlichen Natur in rationellerer Weise ange- paßten wirtschaftlichen Organisation hinüberzuführeu glauben, die Grundzüge einer solchen aus dem Kopfe entwerfen zu können. Wobei sie völlig übersehen, daß die kleinen, vorwiegend agrarischen Kommunen, die nach ihrer Lehre den Grundstock dieser besseren Zukunftsgesellschaft bilden sollten, für die Anwendung der neuen grotzindustriellen technischen Errunflenschaften und die dadurch be- dingte Steigerung der Produktivkraft der Arbeit von vornherein gar nicht den nötipen Spielraum lasten und schon aus diesem Grunde versagen. Das Werden des Sozialismus dachten sie als Resultat der Propaganda dieser ibrer Lehren, von deren Vortrefr- lichkeit die Anstellung einzelner Versuche die Welt bald überzeugen werde. Erst der Marxismus saßt die sozialistische Bewegung als Be- wegung auf, der ihre Ziele und. Bedingungen unvermeidlich durck die Klassenlage der Arbeiterschaft in der kapitalistischen Gesellschaft und die wirtschaftlichen Entwicklungstendenzen dieser kapitalistischen Gesellschaft selber im allgemeinen vorgezeichnet sind: er will durch bewußte Anknüpfung an die in der ökonomischen Bewegung selbst schon angelegten Umbildunflskräste und Richtungen zum Ziele einer allen Wohlfahrt und freie Entfaltungsmöglichkeiten ermöglichenden Form der Gesellschaft gelangen. Von diesem Standpunkt aus hat Marx auch immer jede nähere Ausmalung der Organssation des angestrebten Zukunftsstaates sRezepte ftir die Garküche der Zu- kunst", wie er es einmal nennt) abgelehnt. Was sein Denken ,n erster Reihe beschäftigt, ist der Nachweis der Gesetz« und Richtungs- kinien. denen der gegebene ökonomische Prozeß unterworfen ist. Und dieser Standpunkt schließt notwendig ein, daß sich das Bild vom Wachsen und Werden des Sozialismus mit dem Fortgang der Bewegung von Stuft zu Stufe ändern kann und muß. Die Flügel des Genter Altars, von denen dos Kaiser-Friedrich. Museum sich trennen mußte, sind ebenko Jvie die de? Löwener Altars in Brüssel eingetroffen und ins Brüsseler Muftum gebracht. Sie werden nun mit den übrigen Altarieilen-ous Gent. Löwen und den gleichfalls ausgelieftrten aus München zusammengestellt und mit anderen Werken der großen Altniederländer in Brüssel zu einer Ailsstellung vereinigt werden, die ein Ereignis in der Kunstwelt zu werden verspricht. Dann sollen die Altäre wieder ihre uriprüng» lichen Plätze in der Genter St. Bava-Kathedrale und in der Löwener Peterskirche einnehmen. Iommerbübne. Im Berliner Tbeater gelangt am Sonnabend die Operette„Der letzte Walzer» zum 150. Male mit Hilde Wörner zur Autzübrunq.— Das Neue BolkStbeater führt am 10. Juli den Schwank .Die 3 Zwillinge" zum 25. Male aus. Verickitigiinq. In der letzten Zeile de? in unserer vorigen Nummer oebrachtcn Artikels über HeilbornS Ichriit„Die Scartragödie ö r n st H a c ck e l s" mutz es statt„schwächt" beißen„schmückt". Treptow- Ster»».mrtc. Am 12. Juli, 7 Uhr. spricht Dr. Archenbold wieder über:„Das Einileiniche RelativitätSprinzip und seine astronnrntichen Beweise". Am 17. Juli, 5 Uhr,.AuS Srotzstadtmauer» m de» Schwarz- ward". Seilage öes Vorwärts Irektag, Juli 1920 3. Wiederausnahme der Arbeit: Das ist die Hauptsache! Wir lassen unS weder von der Arbeiterichaft, noch von der Afa, noch von den Arbeitgebern zur Wiederausnabme der Arbeit kommandieren. Erst dann arbeiten wir, wenn durch Verhandlungen klipp und klar festgestellt und niedergelegt ist. daß wir unsere gewerkichastliche Anschauung für alle Zukunft ungehindert vertreten können und daß wir nur zur Arbeitsniederlegung schreiten, wenn wir selber das be- schliefen. Garantien, dag wie ungehindert und restlos wieder in die Betrieb- können, sind zu verlangen. Arbeiter- oder sonstige Ge- richte über uns lehnen wir grundsätzlich ab. Diese allgemeinen Bestnnmungen werden durch ausführliche AuSsührungsbestimmungen ergänzt werden. Für Großstädte werden' besondere Bestimmungen getroffen. Für Gegenden, in denen wir nickt die Mehrheit haben, gleichialls. Ebenso werden wir die Haltung zu anderen Verbänden noch erläutern. Diese Richtlinien sind im Kreise vertrauter Obleute zu be- sprechen und die Organisation schnellstens durchzusühren. Vor- bereitende Arbeilen in den Betrieben, mit Bezug auf die Ziffern 1. 2. 3. t, 5 und 8 sind zu erledigen. Anfragen an die Gauleitung unter dem Stichwort„General« streik* erbeten. Deutschen Gruß! Der Gauvorstand. Wir brauchen wohl nicht besonders zu betonen, daß die Ar- bester- und Angestelltenschast der freigewerkschaitlicken Organisati- onen gegenüber Angehörigen anderer Gewerkschaftsrichlungen weitestgehende Duldsamkeit zu üben haben. Andererseits mutz aber auch verlangt werden, daß gegnerische Organisationen ihre eigenen Bestrebungen respektieren. WaS hier der Deutschnationale Handlungsgehilfenverband unternimmt, ist eine brüske Herausforderung der modernen Arbeiter- klaffe. Dieselben nationalen Helden, die nicht genug Heulmeiern können, wenn Arbeiter lebenswichtige Betriebe stillegen oder sich gar zu Sabotageakten hinreißen lassen, fordern hier ganz deutlich zur Stillegung lebenswichtiger Betriebe und zu Sabotageakten auf. Man sieht, wenn es gegen die Arbeiter geht, ist den Herren jedes Mittel recht. Ist es unter solchen Umständen zu verwundern, wenn die freigewerkichastlich organisierten Arbeiter und Angestellten mit solchen Leuten nicht zusammen arbeiten wollen? Nr. 342 �37. Fahrgang Der D. h.v. auf öem Kmgspfaö. Ter Teutschnationale Handlungsgehilfenverband predigt ' Sabotage! Gleich nach den Märzwochen wurde verschiedentlich darauf ver- wiesen, daß die Führer des Deulschnationalen Handlungsgehilfen- Verbandes in engster Freundschaft mit den Führern des Kapp- Putiches verbunden waren. Insbesondere wurde hervorgehoben, daß der Beamte des Deutschnationalen Handlungsgehilfenverbandes. Herr Thiel, der übrigens gleichzeitig zweiter Borsitzender der christ- lichsn Gewerkschaften ist, am 13. März bei der Kapp-Regierung war, um ihr seine Aufwartung zu machen. Für Berlin ist das Publi- kalionsorgan des Deutschnationalen Handlungsgehilfenverbandes die„Deutsche Zeitung*, dasselbe Blatt, in dessen Spalten ein Herr Zimmermann sich bitter darüber beklagte, daß Herr Kapp und seine Trabanten gegen die Arbeiter, Angestellten und Beamten nicht energisch genug vorgegangen seien, und zwischen den Zeilen allerlei Anweisungen gibt, wie es bei einem neuen reaktionären Militär- putsch gemacht werden mutz. Dieser Plan scheint jetzt fertig zu sein, und die sogenannten nationalen Organisationen rufen zum Kampf- Der Zentralverband der Angestellten gelangte in den Besitz eines Rundschreibens vom Juni d. I., das der Deutschnationale Handlungsgehilfenverband an seine Vertrauensmänner versandte. In dem Rundschreiben heißt es u. a: Wir haben streng vertrauliche Richtlinien ausgearbeitet, welche unserer Kollegenschaft in scharf umriffenen Zügen das Verholten während des Streiks und nach dem Generalstreik vor- schreiben. Die Richtlinien für einen eventuellen Generalstreik haben vorläufig nur unsere vertrautetsten Kollegen in der Bewegung erhalten. Unseren Betriebsvertrauensleuten werden diese Richtlinien, falls ein Generalstreik aus parteivolitifchen Gründen proklamiert werden sollte, sofort am ersten Tgge, an dem der Generalstreik in Wirksamkeit getreten ist, bekanntgegeben. Zu dieiem Zwecke versammeln sich alle unsere Betriebs- Vertrauensleute aller Gliederungen und aller Fachgruppen am ersten Generolstrcsttage pünktlich nachmittags 3 Uhr im Restaurant zum Schultheiß, Neue Jakobstr. 21, 2S(Berlin C). Dasselbe gilt vorläufig für den zweiten Tag des eventuellen Generalstreiks. Im weiteren Verlauf werden diesbezügliche Zusammenkünfte jeweils gelegentlich der letzten Zusammenkuntt bestimmt werden. Bis zur Ausgabe unserer offiziellen Parole am ersten Tage des eventuellen Generalstreiks im Schultheiß bitten wir Sie, sich grundsätzlich jeglicher Stellungnahme unserer Organisation zu den übrigen Organisationen in Ihrem Betriebe zu ent- halten, da wir den größten Wert darauf legen, daß der ganze Abwehrkampf gegen einen eventuellen Generalstreik auf breitester Grundlage nach einem beslimmlen. organisatorisch und taktisch bis iiis kleinste durchgearbeiteten System einheitlich geführt wird. Wir sind für alle Fälle gerüstet. Zur systematischen Durch- führung unseres Abwebrkampfes bedarf es nur Ihres pünktlichen Erscheinens an den oben erwähnten Versammlungen. Eine be- sondere Einladung ergeht also nickt. Die Tatsache des wirksam gewordenen Generalstreiks ist für Sie ohne weiteres der Ruf Ihrer Organisation, dem Sie bitte im Interesse unserer ganzen. Slandesbewegung unbedingt folgen wollen. Deutschen Gruß!..... Landesgeschäftsstelle Berlin gez. Wal,. Und wie lauten nun diese Richtlinien? Sie erscheinen uns so wichtig, daß wir sie un Wortlaut folgen lassen:, D. H. V. Gau Brandenburg. Berlin, Mai 1320.' Streng vertraulich! Betrifft General st reik! Soweit uns Nachrichten vorliegen, ist mit der Möglichkeit zu rechnen, daß je nach dem Ausfall der Wahlen die sozialsemokra« tischen Richtungen oder die freien Gewerkschaften politische Situa- tionen schaffen, die im Gegensatz zu der jetzt von ihnen soviel gevriesenen Verfassungstreue stehen. Un» sind aus den Gaugebieten Miiteilungen zugegangen, die befürchten lassen, daß bei einem ungünstigen Wahlausfall für die linksradikalen Richtungen a der sog. Generalstreik ausgerufen werden soll. 76] Segen öer Cröe. Roman von Knut Hamsun. Darm eilten sie davon und arbeiteten in den Birgen mit vielen Leuten den ganzen Sommer über, es war ein großer Betrieb. Inger hatte einen ausgebreiteten Handel- mit Milch und Käse, und sie fand es recht unterhaltend, Handel zu treiben und viele Menschen kommen und gehen zu sehen. Jsak schritt mit seinem dröhnenden Gang wert aus und be- stellte sein Land, er ließ sich durch nichts stören. Die zwei Maurer und Sivert bauten den Stall. Es wurde ein großer Bau; aber es dauerte lange, bis er Aufgerichtet war, es waren zu wenig Mann bei der Arbeit, und Sivert war außer- dem oft nicht dabei, weil er bei der Feldarbeit helfen mußte. Jetzt war es gut, daß sie eine Mähmaschine hatten und drei flinke Frauenzimmer beim Heuwenden. Alles war gut geworden, das Oedland war zum Leben erwacht, Geld blühte allenthalben. Seht doch nur den Handelsplatz Storborg, war daS nicht ein Geschäft im großen Stil? Dieser Aron mußte doch ein verfluchter Kerl sein, er mußte ein Vögelein haben singen hören von der bevorstehenden Grubenarbeit und war sofort herausgezogen mit seinem Kramladen: er handelte, oh. er handelte wi' eine Negierung, ja wie ein König. Zu allererst verkaufte er allerlei Haushaltungsgegenstände und Arbeiter- anzüge: aber die Grubenarbeiter, die Geld haben, sind nicht so sparsam damit, daß sie alle nur das Notwendigste kauten. nein, sie kaufen alles. Besonders cm den Sonntagabenden wimmelte es auf dem Handelsplatz Storborg von Käufern. und Aron strich Geld ein: er hatte seinen Ladendiener und seine Frau zur Hilfe hinter dem Lodentisch und verkaufte selbst, was er vermochte, aber es wurde nicht leer in seinein Laden bis tief in die Nacht hinein. Und es zeigte sich, daß die Pferdebesitzer im Torfe recht behielten, es gab ein ge- «altiges Gefahre mit Waren hinauf nach Storborg, die Straße mußte an verschiedenen Stellen verlegt und ordentlich instand gesetzt werden, jetzt war es etwas ganz anderes als Jsaks schmaler Fußweg durchs Oedlond. Aron wurde der reine Wohltäter für die Gegend mit seinem Handel und seiner Straße. Er hieß übrigens nickst Aron. das war nur sein Tautname. er hieß Aronsen, io nannte er sich wenigstens selbst, und so hieß ihn auch seine Frau. Die Familie tat recht großartig und hielt Kwei Dienstmädchen und einen Knecht.> Gleichviel wie die Wahlen ausfallen, wir machen diesen neuen politischen Wahnsinn nicht mit. Wir haben andererseits aber gesehen, daß unter dem Druck eines genieinen Terrors man unsere Mitglieder gezwungen hat die Arbeit niederzulegen. Tie Arbeitgeberichaft hat in mehr als trauriger Haltung die aus Ueberzeugung Arbeitswilligen nichl nur nicht zu schützen ver- suchi, sondern hat in thcaierhafl aufgemachten Arbeitergerichten über unsere Kollegen zu Gericht sitzen lassen. Sie hat nicht ein- mal den Mut aufgebracht, zuzugestehen, daß Maßnahmen über das zwischen der Arbeilgeberschaft und den Angestellten bestehende Vertragsverhältnis nur von den Vertragsparteien getroffen werden können, und daß über Entlassungen von Angestellten und Son- sugeS weder Arbeiter noch die Afa zu bestimmen haben. Wir haben zum Ueberfluß auch noch die Wahrnehmung machen können, daß für solche Generalstreiktheater die Streikenden belohnt worden siud. Wir haben bei kommenden gleichen Gelegenheiten gar keine Veranlassung, auf irgendeine Seite Rücksicht zu nehmen. Für»ns kommt einzig und allein in Frage, daß wir unsere gewerkschaftliche Ueberzeugung von keiner Seite terrorisieren lassen. Alle Mittel sind un§ recht, um unsere Anschauungen rücksichtslos durchzusetzen. Wir nehmen keinerlei Rücksicht auf lebenswichtige Betriebe, weil wir in der Abwehr stehen und um unser Bestehen kämpfen. Wir ordnen daher für unsere Organisation an: 1. Sofort bei Beginn eines solchen Streiks ist dem Arbeit- geber zu sagen, daß wir arbeitswillig stnd, daß er uuS aber klipp und stlar zu sagen hat, in welcher ausreichenden Weise er uns zu schützen gedenkt. Von Anfang an wird verlangt, daß wir spätere Arbeiter- oder sonstige Gerichte nicht anerkennen und uns diesen auch nicht fügen. 2. Beginnt auch nur der geringste gewalttätige Terror gegen uns, wird sofort in allen Beirieben und Werken die Arbeit voll- ständig niedergelegt. Es ist strikt verboten, daß irgendein Lobnbureau auch nur einen Federstrich macht. Die Lobnbureaus haben die Unterlagen für die Lobnberechnung so zu„sortieren*, daß kein Außenstehender, auch nicht Prokuristen oder Direktoren. sich durchfinden. Wir überlassen der Findigkeit unserer Kollegenichaft vie Art, wie sie diese Belege unübersichtlich machen wird. 3. In Jndustriebezirlen oder Revieren deS Bergbaues, wo die Artikel für Lebensbedürfnisse in VcrteilungSstellen verausgabt werden, hat die Kollegenschaft gleichfalls sofort vollständig die Arbeit niederzulegen. Unterlagen über Lagerorganisation und Bestände ver- schwinden sofort. Der Betrieb ruht völlig, selbst auf die Gefahr bin, daß die Betriebe gestürmt werde». Um so eher tritt das Bedürfnis nach geordneter Versorgung wieder ein. Im übrigen wird versucht, den Kleinhandel zur Schließung der Ge- schärte zu veranlassen.. Der nötige Druck kann dahinter gesetzt werden. Die besonderen Anordnungen darüber bitten wir ein- zufoidern, wo die Verhältnisse daS bedingen. Ebenso ist anzustreben, daß in solchen Gegenden oder Be- zirken, in denen die Kollegenschail den Einkauf und daS Anrollen der Lebensmittel unier sich hat, Dispositionen getroffen werden, daß. selbst wenn die Bahn nicht streikt, kein Waggon Lebens- mittel in den Bezn! rollt, ehe nicht die Sachlage nach unseren Wünschen geklärt ist. Wenn man nickt selber mir dem P-.-rsonal der Lieierungsfirmcn in Verbindung steht, ist Verbindung durch unsere Geichätisstellen aufzunehmen. Die Maßnahmen sind be- reils durchzusühren, wenn der Terror beginnt. Die ganze LebenSmitleiversorgung steht also still. 4. Erpeditionen: ES versteht sich am Rande, daß Wogen- bestellungen oder sonstige Arbeiten in der Expedition, selbst fertig versandbereite Sendungen liegen bleiben. Die„Sortierung* der vorhandenen Unierlagen ist gleichso vorzunehmen, wie in den LohnbureauS. Außenstehende dürfen sich in nicht- zurechtfinden. 5. Kassengeschäfte: Wir geben über die Handhabung dieses Teils unserer Tätigkeit noch besondere Richtlinien heraus 1 6. Lehrlinge müssen gleichfalls auS den Be- trieben. 7. In jedem Bezirk— Ortsgruppe— mehrere Ortsgruppen zu- sammcn— jedem Revier bilßen sich sofort LeillingSauSschüsie, die unter Berücksichtigung der Verhältnisse die Organisation durch- führen. Der Grund und Bsden auf Storborg blieb vorläufig unbebaut liegen, es blieb keine Zeit für Landwirtschaft übrig, wer hätte auch im Moor Gräben ziehen wollen! Dafür hatte Aronsen einen Garten mit einem Lattenzaun und Johannis- beersträuchcrn und Astern und Ebereschen und anderen ge- pflanzten Bäumen, einen feinen Garten. Es war ein breiter Gasig darin, auf dem Aronsen an den Sonntagen auf und ab gehen und eine lange Pfeife rauchen konnte. An der Hinterseite des Hauses war die Verauda des Hauses mit roten und gelben und blauen Scheiben. Storborg! Drei kleine hübsche Kinder liefen herum; das Mädlben sollte lernen, Haustochter eines Kaufmanns zu sein, die Söhne sollten selbst die Handels� sehest erlernen: o, drei Kinder mit einer Zukunft vor sich! Hätte Aronsen nicht an die Zukunft gedacht, so wäre er überhaupt nicht hierher gekommen. Er hätte bei seiner Fischerei bleiben, und wenn er Glück hotte, auch dabei viel Geld verdienen können, aber das war nicht so vornehm wie ein Handelsgeschäft, es brachte nicht soviel Hochachtung ein, die Hüte flogen da nichf vor einem von den Köpfen. Aronsen batte seither gerudert, in der Zukunft wollte er segeln. Er hatte eine Redensart: bom konstant. Seine Kinder sollten es mehr.chom konstant" haben, als er es gehabt hatte, sagte er, damit meinte er, sie sollten weniger hart arbeiten müssen. Und siehe da, die Sache ließ sich gut an. er und seine Frau, ja sogar seine Kinder wurden höflich gegrüßt. Man durfte es nicht gering anschlagen, daß sogar die Kinder ge- grüßt wurden. Di« Grubenarbeiter kamen vom Berg her- unter und hatten seit langer Zeit kein« Kinder mehr gesehen. Aronsens Kinder liefen ihnen bis vor den Hof entgegen.� und die Arbeiter redeten gleich so freundlich mit ihnen, als hätten sie drei Pudelhunde vor sich. Sie hätten den Kindern gerne Geld gZch-enkt, weil es aber die Kinder des Kaufmanns waren, spstlten sie ihnen statt dessen auf der Mundharmonika vor. Gustaf kam, der junge Wildfang mit dem Hut auf einem Ohre und dem munteren Geplauder ja er kam herbei und schäkerte eine(jute Weile mit den Kindern. Die Kinder kannten ihn gleich, wenn er ankam, und liefen ihm-entgegen, er lud sie sich alle drei auf den Rücken und tanzte mit ihnen herum.„Ho!" saate Gustaf und tanzte. Dann nahm er seine Mundharmomka und blies Lieder und Weisen, so schon. daß die beiden Dienstmädchen herauskamen und Gustafs Spiel mit nassen Augen zuhörten. Gustaf wußte, was er tat. der ausgelassene KerlI l Nach einer Weile ging er in den Loden und klimperte GroßSerüu Der heiße Weg. Verbreitet Flugblätter am Sounabend! Di« Hitze brütet über Berlin. Der Asphalt glüht und scheint unter den Tritten weich nachzugeben. Wer einige Stunden freie Zeit übrig hat, sieht ,zu. daß er diesem bro- dein den Kessel so schnell wie möglich entflieht, um sich im Wannsee und Mllggel abzukühlen. Nein, die Straßenpromenade gehört augenblicklich nicht zu einer besonderen Vergnüglichkeit Berlins. Und gerade in dieser Zeit fordert der Bezirksvorstand zu einer Flug- 5 blatt Verteilung auf. Es ist ein beschwerliches An- sinnen, daS da an die Genossen gestellt wird. Aber die Politik und das Geschick TeutichlandS steht heuer, weniger wie je, auch nur einen Augenblick still. Di? Sozialdemoirati« muß bei 20 Grad über Null genau so auf dem Posten fein und aufklärend wirken, wie bei 30 Gras unter Null. Sie darf keine Ermündung zeigen, auch wenn — es soll nicht„verrufen" werden— die Temperatur in Berlin amerikanische Maßstäbe erreicht. Darum und weil es nicht anders sein kann, weil keine Ruhepause im Werden des neuen Deutschland eintreten darf, macht Euch am Sonnabend nachmittag auk den„heißen"> Weg der Flugblattvertcilung. Ein kühlendes Lüstchen möge Euch der Himmel schicken. mit feinem Geld und füllte seinen ganzen Rucksack mit den verschiedensten Sachen, und als er dann wieder heim in die Berge ging, hatte er einen ganzen kleinen Kramladen bei sich, den er auf Sellanraa au-packte und vorwies.' Er hatte Briefpapier mit Blumen darauf und eine neue Pfeife und ein neues Hemd und ein Halstuch mit Fransen dran; er hatte glänzende Sachen, eine Uhrkette mit einem Kompaß daran, ein Federmesser: ja, er hatte eine Menge Sachen, unter anderem auch Raketen, die er sich für den Sonntag ge- kauft hatte, um sich und andere damit zu Unterhalten. Inger setzte ihm Milch zu trinken vor, und er spaßte mit Leopoldine und hob die kleine Rebekka hoch in die Luft.—„Na, steht der Stall bald?" fragte er seine Lands leute. die Maurer, und war auch mit diesen gut Freund.— Nein, sie hätten nicht Hilfe genug, sagten die Maurer.— Dann wolle er ihnen Helsen, sagte Gustaf zum Spaß.— Dos wäre sehr gut! meinte Inger, denn der Stall sollte bis Herbst fertig sein, wenn das Dieh hereingetan werden müsse. Nun ließ Gustaf eine Rakete steigen, und nachdem er einmal eine abgebrannt hatte, konnte er auch gleich alle sechst steigen lassen, und die Werherleute und die Kinder hielten den Atem an vor lauter Verwunderung über dieses Heren- werk und den Hexenmeister der es gemacht hatte; Inger hatte noch niemals eine Rakete gesehen, aber dieser sonder- � bare Blitz erinnerte sie an die große Wftt. Was wollte jetzt eine Nähmaschine bedeuten! Und als Gustaf schließlich auch noch die Mundharmonika spielte wäre ihm Inger am lieb- sten nachgezogen vor lauter Rührung... Die Grubenarbeit geht ihren Gang, und das Erz wird mit Pferden an die See heruntergefahren: ein Dampfschiff ist schon damit beladen worden und nach Südamer'ka abae- dampft, und dafür ist ein neues angekommen. Großer Be- trieb. Jedermann, der überhaupt gehen kann, ist in' den Bergen gewesen und bat sich die Wunder angeschaut, auch Brede Olsen ist mit ü ien Gesteinsproben dort gewestm ist jedoch abgewiesen worden, weil der Sachverständ'ge wieder nach Schweden abgereist war. An den Sonntagen war große Völkerwanderung anS dem Dorfe, ja sogar Axel Ström, der keine Zeit zu verlieren hat, ist die paar Male, wo er die Linie nachsah, an der Grube vorbeigegangen. Jetzt gibt eS bald niemand mehr, der die Wunder nicht gesehen hat. Da zieht wahrhaftig sogar Inger Sellanraa ihre schönen Kleider an, steckt den goldenen Ring an den Finger und geht in die Berge.(Forts, folgt.) Nttch für Sie Staüte. TZaS Landwirt.schtiftSrniriisterium schreibt unZ: Die in letzter Zeit an Schärfe zunehmenden Angriffe gegen die die Städte mit Milch versorgenden Landwirte laffen in vielen Fällen, von einigen nicht unberechtigten Kritiken abgesehen, die rechte Einsicht in die zurzeit bestehenden Schwierigkeiten der Milch- Versorgung vermissen. Bei Beurteilung der Sachlage dürfen folgende Tatsachen nicht unbeachtet bleiben: Die sich aus der Er- fiillung des Friedensvertrages ergebende Viehablieferung an den Feindbund zwingt uns, gerade die besten und leistungsfähigsten Milchtiere, die im jetzigen hochtragenden oder frischmilchenden Zu- srande die Milchversorgung für die nächsten Monate sicherzustellen ballen. abzuliefern. So muhte einzelneu LieferungS kreisen. zum Teil sogar im dichtbevölkerten Jndustriebezirk, ein Abgabesoll von 300 und mehr Milchtieren auferlegt werden. Schätzungsweise wird hierdurch der versorgungsberechtigten Bevölkerung eines Kreises eine wöchentliche Milch menge von rund 20 000 Liter entzogen. Dazu kommt ein zweites. In weilen Teilen des Reiches. zumal im Westen und Süden, herrscht zurzeit die Maul- und Klauenseuche in einer besonders schweren Form und fordert zahlreiche Opfer. Die von der Seuche befallenen Milchtiere gehen, sofern sie ihr nicht gar erliegen, in ihren Milcherträgen ganz bedeutend zurück, in vielen Fällen versiegt die Milch vollkommen. Neben dem Mangel an Kraftfutter kommt die zum Teil ungenügende Pflege und Wartung der Tiere hinzu. Gegen Mifzstände bei der Milchablieseruiig wird von den zuständigen Stellen mit allen Mineln vorgegangen und alles getan, um zum mindesten die Versorgung der Kranken und Säuglinge in den Städlen niil Vollmilch einigermahen sicherzustellen. Wir erkennen die Schwierigkeiten voll an, unler denen auch die Landivirtichaft heute zu kämpfen hat. Aber in ihrem Jnteresie sollten s'.t: die Landwirte gegen die schamlosen Nutznieher der Z�>lkSnot in ihren eigenen Reihen wenden. Die grohe Piasfe wird es nicht ver- flehen, wenn auf der einen Seite von M i I ch n o t gesprochen wird, 'auf der anderen Seite Milch zu Wucherpreisen von Be- güterlen des Berliner Westens in jeder. Menge entnommen ivird. Bevorstehende Elektrizitätscinschränkungen? Ter BelriebSral derStädtrschenElektrizitäts- w e r k e hält es, wie er uns schreibt, für leine Pflicht, über die be- vorltehsiiden«lroineinschränkungen in Berlin, die zweifellos auch ciiien Teil der werktätigen Bevölkerung betreffen werden, folgende Aufklärung zu geben. Die Grubenarbeiter deS BraunkohleniverkeS Golpa, das das Elekrrowerk Zschornewrtz mit Kohlen versorgt, stehen zurzeit im Lobiikaiiipf und haben die Arbeit niedergelegt. Dadurch wird das Eiekiriziiätswerk Zschernowrtz gezwungen, die Belieferung B e r l i n s mit Fernstrom einzustellen. Den Städtischen E'ektrizrtätswerken Berlins>st eS infolge der geringen Kohlenvor- räle und deren auherordentlrch schlechter Beichaffenheit auch bei Ausnutzung aller Beiriebseinrichlungen nicht möglich, die Slrom- Versorgung Berlins durch eigene Erzeugung sicherzustellen. Wenn es nicht im letzten Augenblick zur Einigung zwischen dem Arbeit- geber-Verband des Milieldeuiichen Braunkohlenreviers und den be- lerligien Gewerkschaften komml, ist damit zu rechnen, dah weitere Verdrauchsbeschränkungen und eventuell sogar vollständige Still- legung der Berliner Industrie die Folge sein werden. vorficht, Hausfrauen! Von der Konsumgenossenschaft wird uns mitgeteilt: «eit einiger Zeit wrrd beobachtet, dah aus jenen Kreisen, welche sich bei den letzten Wahlen ganz besonders unliebsam bemerkbar gemacht haben, junge Leute tätig sind, um ganz be- sonders untere Frauen für eine Bewegung zu begeistern, die in ihrer Endwirkung den Interessen der arbeilenden Bevölkerung feindlich gegenüber steht. In welch' gerissener Weise die Beanitragten der Hcrrschaslen vorgehen, zeigt die Meldung aus dem Südwesten Berlins. Kommt da ein junger Mann und ladet alle Frauen eines Hauses zil einer sofort starifindenden sehr wichtigen Besprechung in einer ini Hause befindlichen Gastwirtschaft ein. Hier läht er für die Eischienenen eme kleine Krfriichimg kommen, setzt sich ans Klavier und spielt einige lustige Weisen zur Einleitung. Dann folgt eine geschickte Rede über Lebensmittelpreise, Schieber- tum, Schleichhandel, schlechte Belieferung in Zucker ivw., die in Aussicht steh'ende Kürzung der Zuckerration muh ganz besonders herhalten und dann die Aufforderung, sich dem «chutzverband deutscher Konsumenten anzuschlietzen, inclcher dem Reichsverbande zum Schutze deutscher Konsumenten angegliedert ist. Diese Vereinigung soll allein imstande sein, endlich einmal öurchgreiseiiden Wandel zu schaffen. Alle Nahrungsmittel werden dann billiger, und die herrlichen Zeiten unter Wilhelm sind wieder da, wo auch.der ärmste Mann sein Huhn im Topfe" hatte. ES fehlt nur noch, dah der junge Mann einen Muster- toffer aufmacht und Zucker pfundweise für 2ö Pfennige verkauft. Zucker bringt er zwar nicht zum Vorschein, dafür aber Beitrills- erklärungen. Für 2 M. Einschreibegebühren und t M. für den ersten Monatsbeitrag erhält jede Frau oas Anrecht auf die ver- Iprochenen billigen Lebensmittel. Leider gelingt es dem jungen Mann, recht viele von den Frauen für sich eiiizn'nngeri. Sollen doch in einer solchen gemütlichen Sitzung von 32 Frauen gleich 27 dem Verein beigetreten sein und vor alle« Dingen gleich die geforderten 3 M. bezahlt haben. Zum Dank stravazieri der kühne Sänger noch einmal die Drahtkommode und empfiehlt sich mit den besten Wünschen auf baldiges Wieder- sehen. Gleiche Vorgänge werden uns aus den südöstlichen Vor- orten gemeldet. In Britz ist es allerdings einem dieser Herren rech: schlecht ergangen. Hier siel er dem Genoffen Krüger in die Hände, der dem sauberen Herrn in so gründlicher Weise gegen- über trat, dah er für Britz wohl immer erledigt ist. Ucberall ist aber kein Genosse oder Genossin zur Hand, um � einem solchen Heldensohne gleich an Ort und Stelle die ihm allein gebührende Antwort zu geben, die Frauen aufzuklären und sie vor solchen -Elementen zu warnen. Darum. Genossinnen und Genossen, habt acht auf diese Leute und laht keine Gelegenheit vorübergehen, auf- klärend zu wirken, dah es diele Leute nur auf Arbeiter- g r o s che» abgesehen haben, um sich ein bequemes Leben zu schaffen. Sagt allen, wo sie als Konsumenten ihre Bedürfnisse deckSn können, und wenn sie es noch nicht vergessen haben, wie sie in den glorreichen Kriegsjahren von den Händlern behandelt worden sind, dann werde« sie einsehen, dah nur ihre eigene Organisation. das fft die. K o n s u m g e n o s s e n s ch a f t B e r l i n und Um- g�e g e n d für sie in Frage kommen kann. Hier ist allein der Ort, praktisch mitzuarbeiten am grohen Werke der Befreiung der Arbeiterklasse aus den Fesseln des Kapitalismus. Cine Biertelmillion bei der Fahrkartenausgabe unterschlagen. Seit etwa Jahresstist war bei der Fahrkartenausgabe des An- Halter Bahnhofes ein Dienstanfänger Kurt Anders, der bei feinen Ellern in der Röblingstrahe 1 in Schöneberg wohnt, be« schästigt, der seinen Dienst auch anscheinend zur Zufriedenheit seiner Borgesetzten versah. Er meldete sich am 30. v. M. krank und blieb seiidem der Dienststelle fern. Vor einigen Tagen stellte es sich nun durch emc Rückirage heraus, dah er am Tage vor seiner Krank- Meldung seine Tageskasse nicht abgeliet'ert hatte, tn der sich buch« mähig etwa ein Bestand von 106 000 Mark befinden muhte. Sofort eingeleitete Ermittlungen ergaben, dah sich der angebliche Kranke gar nicht bei seinen Eltern aufhielt und dort auch seit 1t Tagen nicht gewesen ist. Nach weiteren Ermittlungen hat Anders in den ersten Tagen feiner„Krankheit" sich tn Berlin attfgehalien, wo er in verschiedenen Vergnügungslokalen in leichter Gesellschaft gesehen worden ist. Eine sofort angeordnete auherordentliche Prüfung der Fahrkartenbestände und der Buchführung des A. hat ergeben, dah er auher der letzten Tageseinnahme auch durch Fälschungen der Buch- sührung sowie durch andere geschickte Betrügereien im Laufe der letzten Monate mehr als 151000 Marl veruntreut Hai, so doh die veruntreute Summe, die genau noch nicht feststeht, weit über 200000 Mark beträgt. Die Eltern des erst neunzehn- jährigen Täters, der aus alter Beamientamilie stammt, hatten von dem Treiben ihres Sohnes keine Kenntnis. Die Eisenbahnverwaltung hat zur Ermittlung des Täters und der Wiederherbeischaffung des Geldes eine namhafte Belohnung ans- gesetzt. Anders ist etwa 1,80 Meler groh, schlank, träge Haltung, er hat ein längliches, blasses Gesicht und vorstehenden Unterkiefer; hellbraunes Haar, Anflug von Schnurrbart und graublaue Augen, Zweckdienliefie Mitteflungen, die zur Ergreifung des Täter? oder zur Herbeischnffung eines' Teils der Beule dienen lönnen, nimm! die Ueberwacbungsabieilung der Eisenbahndirekiion Berlin, König- grätzer Str. 105, Noll. 4512, entgegen. Warnung vor Wohlfahrtsschwindlern. Von zuständiger Stelle wird inilgeteilt: In ganz Deutschland sind zurzeit zahlreiche A g e n t e nZäiig. die insbesondere in Industriekreiselt unter den verschiedenartigsten Namen für angebliche Wohlfabrtszweckc fanimeln. Wie fesigestclll worden ist, handelt es sich dabei zum großen Teil um selbstsüchtige oder f ch w i n d e l h a s te Unternehmungen, deren eigenartiger Charakter häufig schon daraus hervorgeht, daß� den Agenten bzw. ihren Hintermännern als Entgelt 1�- 20 und sogar 60 Proz. der eingehenden Gelder zufliegen. Während cS der 'ernsthaften privaten Wohlfahrtspflege mehr und mehr erschwert wird, die für die Durchführung ihrer Aufgaben erforderlichen Mittel zu erlangen, sind nachgewiesenermaßen der Oeffentlichkeit im Laufe der letzten Wochen M i l l i o n e n b et r ä g« entzo- gen worden, die in die Tasche solcher seUsitsüchtigen Unternehmer geflossen sind. Tie Tatsache, daß die von den Agenten geführten Werbeaufrufc die Namen angesehener Persönlichkeiten, tragen, ist leider nicht immer ein Beweis für die Güte des Unternehmens. da derartige Unterschriften häufig gefälscht oder ohne ein- gehende Prüfung des Unternehmens abgegeben werden. Den angegangenen Kreisen kann in ihrem eigenen Interesse nur empfohlen werden, von den Agenten regelmäßig den Nachweis dar- über zu verlangen, daß die auf Grund der Bundesraisverordnung vom 15. Februar 1917 erforderliche Genehmigung zur Sammlung vorliegt. Wo ein solcher Nachweis nicht erbracht werden kann. wird es sich durchweg empfehlen, die betreffenden Unternebmungen als zweifelhaft und deshalb als nicht u n t e r st ü tz u n g s- bedürftig anzusehen._ Stadtrat Geh. Medizinalriit Dr. Weber, der Stadtmedizinalrat der Stadt Berlin, ist zum Präfideuten des Säwfischen Landesgesund- heitsamies in Dresden ernannt worden. Geheimrat Dr. Weber wurde 1912 zum Stadtmedizinalrat gewählt. Unter feiner Leitung wurde das Medisiralamt der Stadt Berlin ae'ck>affen und das städl. Gesundheitsweien erweitert, ausgebaut und uiugestaltcr. �iir die Gefangenen in«ibiricn. Aus Kopenhagen wird uns geschrieben�' Das Publikum in Teutschland wird darauf aufmerksam ge- macht, daß sich' in Kopenhagen unier dein Namen:„Dänische Hilfsaktion für die H e i in s e n d u n g K r i e g s g e- fangener* s„Danaktion") ein Komitee gebildet bat mit dem Ziel, Gelder für die Heimbasönderung Kriegsgefangener aus Sibiric« und Rußland, unangesehen ihrer Nätionalitäi, einzusammeln. Beiträge können auf daS Konto„D a n a k t i o n" eingezahlt werden bei der Deutschen Bank in Berlin, Bonn, Coblenz, Dresden, Frankfurt a. M.,.Hamburg. Köln und- München, bei der Dre sdner Bank in Cassel ttird Heidelberg, bei der Dis- l o n t o g e f e l l f ch a f t in Danztg, bei der Bank für Handel und I n d u st r i e in Breslau und Darmstadt, bei der O st b a u k für Handel und Gewerbe in Königsberg i. Pr. und.bei der W ü r t t e m b e r g i s ch e n V e r e i n s b a n k in Sttittgari oder bei der„Den D a n s k e Landmandsbank" in Kopenhagen. Tie Ad reffe des Komitees, dem auch unsere Genossin N:na Bang, M. d. R., Kopenhagen, angehört, ist: Danaktion, Barakkcn, Nikolai Plads, Kopenhagen X. Entgleisung im Stadtdnhnvcrkchr. Gestern nachmittag entgleiste auf der Strecke zwischen den Bahnhöfen Börse und Friedrich- st r a ß e von einem nach Westend bestimmten Stadtbahnzug die Lokomot-ive mtt der Lausacht'e infoige Bruchs der Federspann- schrauben. Per tonen wurden nicht verletzt. Der Stadl- bahnbetrieb war bis 6.20 Ubr nachmütags unterbrochen und wurde während dieser Zeit über die Ferngleise geleitet. Tic Leichen dreier jugendlicher Personen wurden an vor- schiedenen Stellen aus dem Wasser gezogen. Aus dem Verbtn- dunqskanal deS Spandauer Schtffabrtskanals wurde die Leiche deS 11 Jahre alten Schülers Georg Hornung aus der Brüsseler Siraße 8 gelandet, am Halleschen Ufer ans dem Landwehrkanal die eines noch unbckanmen etwa 14 bis 16 Jahre'Uten sungcn Mannes. In Plötzenfee hatte sich die 14 Jahre alte Schülerin Hildegard R a u aus der Mütclstraße 2 zu Berlin beim Boden zu- weit ins Waffer gewagt und so den Tod gefunden. Die Persönlich- keit des am Halle'chen Ufer gelandeten Knaben bat sich bisber noch nickt feststellen losien. Tie Leiche befindet sich im Berliner Schaubaus. Das Bier wird besser. Die Brauereien beabsichtigen, um den außerordentlichen Rückgang im Bierkousum aufzuhalten und ihn wieder zu beleben, den Slammwürzeqehalt des Bieres zu erhöhen und damit eine erhebliche Verbesierung des jetzige« Bieres berbeizuführen. Entsprechende Verhandlungen zwischen der Berliner Brauindustrie und den Vertretern der Gastwicts- verbände sind bereits eingeleitet. Enl« gleichzeitige Herab- s e y u n g der B i e r a u s s ch a n k p r e i s e ist ebenkalls vor- gesehen.— Die geplanten Maßnahmen sind allerdings abhängig von der ausreichenden Belieferung der Brauindustrie mit Roh- material, die für das neue Wirlschaftsiabr mit 15 Proz. in Aussicht. genommen ist. Zuteilung in dieser Höhe bat die bnperische Brau- rndustrie vorzugsweise berens im laufenden Jahre tatsächlich er- halten, während ihre Forderung für das neue Wirtschaftsjahr 40 Proz. beträgt. Das Apollothenter bat für seinen Spielplan im heißen Juli- monat ein unterhaltsames Programm ziiiammeirgestelli. In angenehmster Küble tauchen dem erhitzten Zuschauer die Kunsitaucher „Aegir" etwas vor. isie halten sicki lange unter Wasier und haben es in der Fischähnlichkeit zu ziemlicher Vollkommenheit gebracht. Eine verwgeene arlistische Leistung vollbringt Willy Maus mit seiner Todesfahrt in der Zentrirugalbahn. wäyrend die Prima Ballerina des Deutschen OpenzhauseS, Mary Zimmermann. sich irnt hervorragendem technischen Können in neuen Tanz- schöpfungen produziert. Henry de Voy stellt entkleidete Fräuleins zu plastischen Gruppen zusammen. bei denen das-Künstlerische besonders infolge der kitschigen Rot- und Grünbeleuchtung, nicht gerade gut wegkommt. Als tüchtige arti» stische Könner wären ferner zu erwähnen: Der Modelleur A. Trebla, die Eguilibristen 2 RudiS. die Erzentriker 2 LeytonS, die Akrobaten- familie 5 Dumazettis und der Dänische komische Radfahrakt Briston u. Gand. ttebrr„Ehriftentum und SozialiSmris'" spricht Genosse Pastor Franckc beute abend um 8 Uhr in einer öffentlichen Versammlung der Jung- fäzialiitischen Bereinigung. Ortsgruppe Lichterselde, in der Aula der Ober- realjchule, Ringstr. 3.— Säfte find herzlichst Willkomm«». Vilmersöorfer Sieülungspläne. Unzulängliche Wahllisten. Eine Kultnrtat für Sünder. Die Siedlungspläne zur Behebung der Wohnungsnot haben nach den Beratungen des Finanzausschusses der Siadt W ilm er s- d o r f einige Einschränkungen erfahren, deren wesentlichste in der vollständigen Aufgabe des Planes bestand, der die Errichiui� von 66 Wohnhäusern zwischen der Atzmannshausener, Hamburger and Johannisberger Straße vorsah. Diese Häuser, deren Kosten auf über 100 000 M. veranschlagt waren, wären der minderbemitlellen Bevölkerung nicht zugute gc- kommen, weil die Reflektanten auf diese Baunellen den vermögendcn Kreisen angehören, denen bei Annahme des Projektes das Bauen durch einen Znichuß der Stadl verbilligt würde. Die übrigen Bau- Pläne, nämltch die Hergabe eines Geländes an der Deimolder Straße in Erbpacht und eines Erbpachtgeländes an der Mecklen- burgischen Straße-zur Errichtung eines Bureauhauses wurden ohne Einwendungen gebilligt, ebenso die Uebernahme der Reslaitten der Heimsiättensiedlung durch die Stadt, die dadurch neben ihren Regie- bauten durch die Genossenschast zur Steuerung der Wohnungsnot zu- gleich Notstandsarbeiten ausführen lassen kann. Zu einer ziemlich f charsen Aussprache kam es bei einem weiteren Siedlungsprojekt an de r Hanauer Straße, zu dem ein Kostenzuschuß von rund 1,7 Mill. M. und die Garantie für die hypothekarische Belastung über 60 Prozent gefordert wurden, linier den 60 Siedlern befinden sich nämltch auch 9 Vertreter der sozialdemokraltschen F»a!tionen in der Siadt- verordnelensitzung und im Magistrat. Hi/rgegen wurde von der Rechten und den Deinolraten Sturm gelaufen und in einem formellen Protest zum Ausdruck gebracht, daß die'e Art der Verteilung der Siedlungshäuser zu beanstanden und die Folgen dem Vorstand der Heimstätren-Siedlnng allein zu überlasten feien.?kun liegen die Dinge aber to. daß bei der Vergebung von Siedlungssiellen nicht danach gefragt worden ist. ob die Antragsteller Sradrverord- nere sind, sondern einzig und allein, ob sie so bedürftig sind, ton eine Zuteilung erfolgen konnte. Diesen Siandpunlr verlra: Genosse Dr. Holz, der auch betonte, daß die betreffenden sozialdemokratischen>siadiverordneten und MagistraiSmirglieder zu den Gründern der Siedlungsgeselli'charr gehören und den Plan verfochten und praktisch gefördert haben, als die Rechte sich dem ganzen Projekte gegenüber ablehnend verhielt. Die Gründung gebt schon m das Jahr 19l8 zurück. Zu dieser Zeit hat aber noch keiner der sozialdemokratischen Slaoiverordneren ein Mandat gehabt. ES ist naiiirltch leickii, jetzt nach Jahren die Verteilung der Baustellen zu bekritteln. In der Tal aber haben särnt- liche Gründer dieser Eigenheimsiedlung seit Jahren Geld und Zcir ausgeoprerl, um sich ein Eigenheim zu schaffen. Endlich ist es auch nicht die Schuld der jetzt angegriffenen Stadtverordneten, daß sie zu den Volks,'chichren gehören, die wirklich bedürflig sind und unter der Wohnungsnot leiden müssen. Mir den papiernen Protesten der Rechten und der Demokraten wurde dann die ge- forderte Zuschußsumme bewilligt. Aus den übrigen Vorlagen ist die Errichtung eines Freibade-5 für Kinder am Grunewaldfee. für das 85 000 M. bewilligt wurden. zu erwähnen. Eine scharfe Auseinandersetzung brachte die Magistrats- vorläge, die die Kosten für eine Personenstandsaufnahme znr Schaffung einwandfreier Wahllisten forderte. In Wilmersdorf sind diese Listen zu den beiden letzten Wählest mit einer frevel- basten Leichtfertigkeit nach der vollständig unzulänglichen Karlolhck des MeldeamiS zurechigemurkst worden. Obwohl seil Januar Zeil für die beschloffene PerionenstandSaufnahme war, hat der Magistrat die Dinge einfach treiben laffen und dadurch Tausende von Wahl- berechtigten um ihr Bügerxecht gebracht. Ob der bureaukraniche Schlendrian jetzt brauchbare Wählerlisten zusammenbringt, kann nach den selbstherrlichen Proben, die von den verantwortlichen Stellen bis jetzt bei der ListeneinteiU»': an den Tag gc- legt wurden, füglich bezweifelt werden.. Ein Antrag, die für den Schlendrian veran! wörtlichen Beanzlenszchadensersotzpflichtig zumachen, wurde gegen die Summen der tozialdemokralifchen Parteien abgelehnt. Tie Rechte deckte geschlössen die Fehler ihre. trendeutichen Beamtengenoffen. Endlich wurde noch gegen die Stimmen der Sozialdemokratie -mit der evangelischen Kirchengemeinde ein Grundstückslauschvertrag geschloffen, damit eine neue Kirche in Wilmersdorf gebaut werden kansi. Dieie„Kulturtal"— wie ein Redner der Rechten den ge- planten Kirchenbau nannte— scheint als solche nur von den sünd- baslen Kreisen geschätzt zu werden, die ihrem Herrgort unheimlich viele Lügen und Verleumdungen aus der jüngsten Wahlzeit abzu- bitten haben. Laubenkolonien oder Kleinhaussiedlunqen. In den letzten Tagen hat der größte Teil der Laubenlolonisten jenseits des Kaner-Friedrich- Bahnhofes vom Magistrat Neukölln die Kündigung zum 1. Oktober erhaltend Etwa 2000 Kolonisten tollen schätzungsweise davon be- troffen sein. Die Gärien sollen geräumt werden. Große Unrube ist daher in diese Krerie der Laubenkolonisten getragen worden, die auch nicht durch den an und für sich guten Zweck, den der Magistrat dabei im Auge hat, gemildert wird. Es sollen nämlich auf dem Gelände Schwerkriegsbeschädigte angesiedelt werden. So sehr den Lanoentolonisten die Erhaltung ihrer Gärien zu wünschen ist. i'o schwer ist es, hier einen Ausweg zu finden. da auch die Kriegsbeschädigten berechtigte Aniprückie geltend machen können. Wer hier einen gangbaren Ausweg er- künden kann, wird sich sicher verdient machen. Zu den Wochenmarkworgängen in Potsdam schreibt man uns: Genau wie am vergangeiien Sonnabend hat die blaue Polizei im Verein mit der A r b e i: e r i 7�/, Uhr, Hubcrtusberger Sti> T:.Tie künftige Stellung der Soziaidemolratic". Reserent: Genosse Morgen, 10. Juli: An olle in der Iugendbeivegung mitarbeitenden Parteigenoffen, Referenten nsw.! Die für Sonnabend, den 10, d. A?,, in Aussicht ge- nommene Kon'erenz der erwachsenen Mitarbeiter sällt wegen der sflugblait- »erbreilunz ans und findet ininmebr am Dienstag, den 13, Juli, abends ' ,7 Uhr, im Zeniraljugendhcim, ttwdenftratze 3, Z, Hos links, 3 Treppen, statt, •!?. Abt. sBöhow-Biertel), T'/, Ubr, Sitzung der Bezirksiübrer und Betriebsvertrauensleute und Elternbeiräte bei Gott, Äniprodestrage, Ecke Bardelebenitragc. Tie Bezirkssühecr werden ersucht, ihr Marlcnmatcrial zwecks Revision mit�ubnngen, Ät. Abt. 7 Uhr bei Rösner, Jmmanuelkirchstraße ZZ, Sitzung der Funktionäre. Stellungnahme zu den neuen Satzunge», 33. Abt. 7 Uhr. Äonserenz der Bezirksführer und Bezirksverlraucns- leute bei Berger, Jagowstr. 21. Iugenöveranftaltungen. Heute'/»d» Uhr: Charlottcnburg. Rosinenstr, 4 iVolksbaus) Bortrag: Das will der Verein Arbeiter-Jugend?— Moabit, Jugendheim, Waldeniecstr, 20 « Schule), Vortrag: Warum mutz die Todesstrafe abgeschant werden?— Neukölln-Siid. Jugendheim. Nogatstr. 53, Mitgliederversammlung,— Nordosten. Jugendheim, Tberrealichnle Pasteuritr. 44/10. Tiskiissions- abend.— Liten tPelersdurger iviertel). Jugendheim, Stratzmaun- tiratze 20. DiskitssionSabend: Tie letzte Nummer der„Arbeiterjugend-,— Pankow. Jugondbeim, Zeichensaal Knabenmittelschulc Wollantilr. 13l, Vortrag: Augult Bebel.— Reinickendorf- Lft. Jugendheim, 3. Gc< meindcschule Letteallee, Bortrag: Körperkultur.— Rofentbal. Jugend- beim. Gemeindcichulc Kaftmrienallee, Mädcheuabend,— Spandau. Juzciidbeim, Oberlyzeum, AskanterrmgMitgllederverlammlung,— Treptow- PanmichiileuWcg. Jugendheim, Elsenstr, 3, Vortrag: Heinrich Heine. Sichtung k Jugendgenoisinnen und-genoise»!" Am Sonntag, den II. Jvtll er., findet in Meitzuers Hos em Daldsest, veranstaltet von der weiblichen Jugend Grotz-Berlins. statt. Tresipunkt 7 und 8 Uhr am Vor- ortbabnlteig des Stettincr Bahnhofs und um S Uhr am Bahnhof Stolpe. Nachzügler werden mittags I Uhr vom Bahnhos Stolpe abgeholt. Beginn der Bcranftaltungen 2 Uhr mittags. Wirtsehclst Feste Haltung der Berliner Börse. Günstigere Auffassung der Verhandlungen in spa, ferner die neuerliche Preissteigerung auf den Metall- und Häutemärkten und unsere guten ErnteauS- sichten veranlagten an der Börse eine zuversichtliche Stirn* mung. Bei etwas lebhafterem Geschäft als gestern war die Haltung vorwiegend fest, doch blieb die Preisgestaltung nickst einheitlich. Ter Textilmaschinenbau braucht den Gxvnrt. Auf der H.auptvorsommlung des GesamtverbawdeS des Tertil Maschinenbaues wurde nachstehende Eni schlteßunz eiistiimmig angenommen: „Der Geiamlverband ees Textilmaschtn.iibauos hat fest- gestellt, daß auch bei seinen Gnjeu. nifsen die aus GeslitzungS- koit.en aufgebauten Berkaufspreise die Weltmarktpreise überschritten haben. Ohne Verminderung der Gestehungs- foücn sind keine neuen Aufträge hereinzuholen. An- erkennend, daß Kurzeit dos Gesamteinkommen der Ar- heitnehmer nicht der ringe« werden kann, sieht der Gesamt- verband des Ddaschinenbaues die einzige Rettung aus der . katastrophalen Lage der exportierenden Jndiislrie tdarin, daß bei Beibehaltung des jetzigen Gesamt- einkommens vorübergehend die Wochenarbeil aus 6l>«tun- den erhöht wird. Aus der ausführlichen Begründung des Referenten ist fol- gendes zu entnehmen: Die Arbeitslosigkeit ist nicht hervor- ««rufen worden durch eine Sättigung des Weltmarktes, fondern lediglich dadurch, dag die forlgesetzlcn Steigerungen für Materialien, Löhne und Gehälter unsere Erzeugnisse so der- t euert haben, dag wir unter Berücksichtigung des gleichzeitigen Steigens der Mark mir unseren Preisen die Weltmarktpreise überschritten haben. B« darf ist genügend vorhanden, er wird ober zurzeit nur von dem billiger arbeitenden Ausland befriedigt. Wir müssen unsere Gestehungskosten verrin- gern, dann gibt es wieder Aufträge genug und an Stelle der 'Arbeitslosigkeit tritt erneut Bedarf an Arbeitskräften. Ein sie,- williges A bireben von Rechten in Zeiten der Not hat diese Rechte stets nur stark befestigt. Mögen auch die Arbeitnehmer nicht engherzig und zu ihrem Sckiaden am strengen Dogma hän- gen. sondern woilbUckend vorübergehend und freiwil- l ig die Arbeitszeit verlängern, um nach llrberwindung der Rot den Wabren Wert ihrer Rechte zu genießen." Der Gesomiverbond de? Texlilmasckinenbaue? ist ein feste: Zusammenschluß der Fabrikanten, die bis heute einseitig die Verkaufspreise festgesetzt haben. Wenn eine Industrie auf die Ausfuhr angewiesen ist, muß allerdings auch eine sozialistisch organiiierrc Wimschaft die Gestrhungskosten den Weltmarkts- Verhältnissen anpassen, wenn sie leben will. Aber die Herren llnkernebmer gehen immer noch von der falschen Bor- aussetzung aus. daß sich Arbeiter und Angestellte als Objekte der Wirtschaft jüblen. Dies ist nicht der Fall. Arbeiter»nd An- gestellte fordern heute, am Praduktions-prozeß» wenigstens mit- beteiligt zu werden, lieber Preise, Annahme und Ablehnung von Aufträgen und die Gewinnbeteiligung entscheiden doch heule die Unternehmer allein. Dieser Zustand inutz beseitigt wer- den. wenn die Unternehmer von der Arbeiterswaft höhere Leistvn- gen verlangen. Selbstverständlich hat hier«cht der einzelne Betrieb zu entscheiden, da sonst ein übler Betriebssondikalismu? entstehen würde, sondern die Fachgruppe. Die Forderung einer erhöbren Arbeitsleistung ist unseres Erachtens itride abzulehnen, solange die ilnrernebwer. verbände, die beure Monopole sind, sich nicht zu einer v ö l l i- gen Umgestaltung ihres Aufbaues entschließen. Es handelt stch hier um nichts anderes als um die Anerkennung der Arbeiter- fchaft als gleichberechtigten Faktor. Die Arbeiterschaft geht mit ihren berechtigten Forderungen über das. was bisher in den ArheitSgemeinschaffen und im Betri eb sr ät«- gesetz festgelegt wurde, weit hinaus. Wenn sie es bisher nicht erreicht hat, so deshalb nicht, woil sie im polili'chen Parlament in der Minderheit war. Bei einer Ablehnung einer verlängerten Arbeitszeit:riit sie aber den Unternehmern als mindestens gleichberechtigte und starke Macht gegenüber. Hoffen wir, daß die Unternehmer einsichtig genug sind, bald freiwillig zu tun, was später in bösen Kämpfen erfochten werden müßte. löstv Waggon Mais für Deutschland. Die rumänische Regierung hat der Firma Schuller, wie ein rumänischer Mitarbeiter dem„Berl. Tagebl." meldet, die Ausfuhr von�loOO Waggon Mais nach Deutschland unter der Bedingung gestattet, daß bierfür Komvensationsware geliefert wird. Man fabriziere Lokomotiven und Automobile, die deutschen Arbeiter verlangen ja nach Arbeit! Tie Kohlenprodnktion im Deutschen Reich. Nach einer Ber- öfienilickiuiig des Statistischen R e i ck> S a m I s betrug die Noblenprodultion im Deutschen Reith, ohne Saarrevier und Pfalz, im MailSLO an Steinkohlen 10,22 Millionen Tonnen, an Braunkohlen 8.7 Millionen Tonnen, an Koks 2,07 Millionen Tonnen und an Preßkohlen 2 4 Millionen Tonnen. In der Zeit vom Januar bis Mai 1820 an Steinkohlen 50.94 Millionen Tonnen, an Braunkohlen 42 6 Millionen Tonnen, an Koks 9,55 Millionen Tonnen und an Preßkohlen 11,05 Millionen Tonnen. Im Vergleiche hierzu betiug die Produktion im Januar bis Mai der Jahre 1919, 1918, 1917 und 1913<1919 ohne Elsaß Lothringen) an Steinkohlen 44.40, 70,21, 65,84 und 77,65 Millionen Tonnen, an Braunkohlen 36.32, 37, 37,25 und 35,04 Millionen Tonnen, an Koks 8.12, 14,32, 13,6 und 13,33 Millionen Tonnen und Preßkohlen 8,91, 12,08. 10,3 und 10,9 Millionen Tonnen. Tie Eisen-«nd Stahlpreise skr August. Der Eisen Wirt- schaitsbund tritt am 25. d. M. zusammen, um über die Preis- feslsetzungen für Eisen und Stahl im Monat A u g u st zu be- raten. Man rechnet mit der Möglichkeit einer weiteren Ermäßi- g u n g der Preise. Tie Finanzierung drS AußenhandslS in England. Der Ennvurf eines Kredit- und P e r s i ch e r u n g s g e i e tz e S für den lleberseehandel wurde vom englischen Unterhause in zweiler Lesung angenommen. Der Zweck der Maßnahme ist, fremden Ländern die Möglichkeit längerer Kredite zu gewähren, um sie in den Stand zu setzen, Zablunoen, die sie zum gegenwärtigen Wechselkurs nicht leisten können, erst dann zu erstatten, wenn ihr Wechselkurs sich gebessert bat. Gerichtszeitung. Der Maffenmorüer Schumann vor Gericht. (Fortsetzung au? dem Abendblatt.) Frau Biedermann, Mutter des ermordeten löjährigen Mädchens, das Kontoristin bei der A. E. G. gewesen ist, erkennt die angeblich von dem Angeklagten'„gefundenen" Ringe als ihrer Tochter gehörend mit aller Bestimmtheit wieder. Zeuge Gendarmeriewachimeistrr Geiseler schildert die Aus- f'ud'.ing oer Leichen in der sogenannten. Höhle, als die vom Krimi- naloberwachtmeister Lahmann zur Durchsuchung der Höhte ab- geordneten Berliner Kriminalbeamten dort angekommen waren. Frau Schumann bekundet noch aus Befragen, daß die in der Wohnung ausgefundenen Ohrringe ihr Mann als ein Andenken von ieiner Mutier erklärt habe. Tie von dem ermordeten Kiwitt herrührende 4IKr wollte er von seinem Onkel geschenkt bekoiiiiiien haben.— Vor f.; Angeklagter, weshalb haben Sie denn gesagt, daß die llkr, die Sie ja doch gefunden haben wollen, Ihnen von einem Onlel geschenkt worden sei?— An gell.: Meine Frau hat mich wegen der Ahr mit Fragen belästigt und da habe ich ihr ejne ausweichende Antwort gegeben. Nach der Mittagspause hält der Borsitzende dem �Angeklagten vor, daß er bezüglich der dem ermordeten Kiwitt gehörenden Uhr zuerst bei seiner ersten Vernehmung gesagt habe, er habe die Uhr von einem Soldaten in Spandau zum Pfand erhalten, während er später behauptete, sie gefunden zu haben.— Ter Angeklagte weiß dies nicht aufzuklären, behauptet aber immer wieder, er habe unter dem Z»w ange von Mißhandlungen� ausgesagt: er sei teilweise gezwungen worden, die Unwahrheit zu sagen. Auch bezüglich des ihm vorgehaltenen ausführlichen Geständnisses in den Fällen Kiwitt-Reich und Biedermann nach. dem von ihm unter- schriebenen Protokoll behauptet er dasselbe. Zeuge Lahmann: Das ist alles nicht wahr! Der Aizge- klagte hat überhaupt keine frechen Antworten gegeben, wir haben uns über die Dinge in ruhigster Weise unterhalten. Ich habe meine Beamten dringend ausgesordert, mit dem Angeklagten sehr bcbilt- sam umzugehen und bei der Knebelung auf dessen verletzte Schul- ter Rücksicht zu nehmen.— Slaa:sanw. H o r st m a n n(zum Angeklagten): Sie haben vorhin gesagt, der Zeuge Lahmann sei „der geistige Urheber" der Mißhandlungen. Was wollen Sie da- mit sagen?— Ange kl.: Daß die Polizeibeamteu dies berufsmäßig hefreiben; es ist gewissermaßen ihr Geschäft und sie haben eine Hebung darin.(Heiterkeit.) s Amtsrichter W i e lau hat den Angeklagten zuerst im Krimi- nalgericktsgebäude vernommen.' Er war fast entsetzt darüber, wie rnbg und sachlich der Angeklagte auftrat. Ter Angeklagte zeigte aueb nickt die geringste Erregung. Als ihm die Protokolle vorgehalten wurden und er befragt wurde, ob denn all da? Entsetzliche wabr sei, bat der Angeklagte die meisten Mordlaten glatiweg Zugegeben, bei der einen Mordtat aber den Raub bestritten und gesagt, er wollte die in Besitz genommenen Wertsachen oufl>ewabrcn,»m sie den Eltern der Ermordeten als Andenken an diese zuzustellen. Verschiedene der Noizuckifälle hat der Angeflagte bestritten: aber die Mordlaten Engel, Paul. Kiwi::, Nielbo.k, N'ilhosi, Biedermann nsw ohne Zilien zugegeben. Der Zeuge hält es für ganz ausge schloßen,.daß der Angeklagte das Geständnis abgelegt babc, obne daß.er die Taten wirklich begangen fiafi«..— Justizanwärter Nim ich, der bei der richterlichen Vernehmung zugegen gewesen, schließt stch dem Vorzeugen im allgc- meinen an.—'Aus Antrag de? Rechtsanwalts Dr. Frey wird so- dann ein Brief de» Angeklagten an seine Tante in Spandau verlesen. Es heißt da u. a.: Ich weiß''ehr gut. daß wegen meiner ein große? Geschrei entstanden ist, welches im der Zeit ficherlich bald' wieder berstummen wird. Ich habe im Augenblick die tröstliche Hoffnung, daß auch Du nicht schlecht von mir denke« wirst, im Gegensatz zu der von der Presse so künstlick aufgeregten� großen Masse..Ich habe nichts Derartiges getan, wie mir zur Last gelegt wird. Wenn ich mein Leben dein Förster gegen- über verteidigt habe, so finde ich dar« fein Verbrechen, Der Mann war selbst schuld an seinem Schicksal. Was die übrigen Fälle anbetrifft,'o kannst Tu unbesorgt sein, so wird sich alles näher aufilären. Trotz meines Geständnisses war ,ch doch nicht klar bei Verstand, schlieglich babe ich durch gewaltsamen Druck vieles ein- gestanden, wofür ich gar nicht ve' a itwortlich bin. Das Schwerste muß ich ja nun aus mir nebmen, es scheint mir auch das vom Schicksal chesliMMl zu sein, daß icki in meinem ganzen Leben nie glücklich sein sdll. Wie dem auch sei: trotz allem will jch mein Un- glück mit Geduld auf mir nehmen. Es hat alles einmal ein Ende." Es kommt dann noch ein Fall des E i n b r u ch s u u. o i. r Brandstiftung aus dem Jahre 1914 kurz zur Verhandlung. In der Villa Welzin in Falkenbagcn wurde im Jahr« 1914 eingebrochen. Ter als Täler verfolgte Angeklagte soll plötzlich im Walde flehen, geblieben sein, sich umgedreht und auf seinen Ver- iolger einen Schuß abgegeben haben, ohne zu treffen. Der Ange. klagte bat bestritten, der Täter zu sein, wird aber von zwei Per- soneii wiedererkannt. In einem anderen Falle wird er beschuldigt, ein der Zeugin Grantz gehösendes Solzgebäude in Brand gesetzt zu babeu. 3!ach Vernehmung der hierauf lezüglicheg Zeugen vertagt der Vorsitzende die Verhandlung auf Freitag 9!-- Ubr. Sport. Spalls— Eckerath. Räch taugen Verhandlungen ist es der Direltion der Rennbahn Treptow gelungen, die- wohl zurzeit größie Begegnung im Boxsport zustanoe.zu bringen. Der Kampf soll am 14. Juli auf der siteimbahn Treptow, abends 7 II kr, zum Austrag kommen. Es schiveben noch Verhandlungen über zwei weitere Kämpfe, die an diesem Tage zur Abhaltung kommen sollen. Die ElMrittspreiie bewegen sieb wegen der vorhandeiien hohen Anzahl der Zuschauervlätze in erträglicher Höhe. Billette ab Sonnabend mittags im Remibureau. Rennen zn Krmiewald, 8. Jnli. 1. H»o l u n d e r- I anbrennen. Ebrenpreis dem siegenden Reiter und 22 000 M. 4000 Meter. 1. Rbeinorciißen fMasei): 2. Rosenkönig. 3. Tantalns 59(Jzmenht). Tat.: Sieg 240:10, Pl 30, 19, 1». Ferner Helen: Piliao(4). Spreewald(5), Hunding(6), Cstrn füf.. liande'sw issenschaflen. Landw irischausschule. Acker- lauschule. Piäparand.. Konservatorium. Ausführliche bO S. uarKe Broschüre Ober bestandene Lzamen. Beförderungen m Amte, im kaufmännischen Leben usw. kostenlos durch Bonneß& Hachfeld, Potsdam, Postfach 224. Spczialarzt Dr. med. GiUterlng Haut-, Harn-, L'nterleibsleid b. V, Inn. u. Frauen, Bluiunters. InvalldenstrnBc 4S, Ecke Chausseestr, Stett Bhf. Spr. 11-1 u. 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Im Kleinverkauf können danach jetzt kosten: Korwegische Salzheringe{ Englische Salzheringe. je nach Qualität und Jahrgang. Großstückige Ware........... Mk. 1,33 je Stück Großstückige Ware...... 80 Pf. bis Mk. 1,15 je Stück j Mittelgroße Ware............„ 1,05„„ Kleinstückigere Ware.... 80„ und weniger„„ Kleinstückige Ware.............-.90 oder Mk. 2,10 bis Mk. 3- je Va kg Hering ohne Lake. 1 oder Mk. 4.20 bis Mk. 4,40 je Va kg Hering ohne Lake. Bei den Preisen können wegen der nicht ganz genau zu berechnenden Transportkosten, deren Verrechnung nach bestimmten Vorschriften erfolgt, und wegen sonstiger Abweichungen kleine Unterschiede von schätzungsweise bis zu 10 Prozent eintreten. Berlin, den 3. Juli 1920. 121/4 Reictisfisciimsorgung G. m. b. H. Salzherings-Einfuhr G. m. b. ü Staat!. Schauspielhaus. (Operellen-Gastspiel) llie Strohwitwe. Musik von Leo Blech. Großes Schaiispielhtiis. 7: Jul. Cäsar(20. Abt., 4 Ab.) So.; Lysistrala i32. Abt.,4.Afcd.) Dentsches Theater. Maria Orska suhr: WeibuHampeliiiaiiii Kammerspiele. Ahe!/ Kate Dorsch s u.: Leibgardist Kleines Scliauspieibans. Fasanenstr. I(Nähe ßh/. Zoo). 7v.u.: Büchse der Pandora. TheateröesWesteas Max Pallenber Gisela Werhezirl su�Rabenvater. Schiller-Theater. Sans WaSmann: s uhr: Der ebem. Lentnast Theater 1. d. KöniggrStzerStraße UzS Uhr: Oeständnis. Komödienhans 8: D.Reise in die Mädchenzeit. Berliner Theater VjS Uhr: Der letzte Walzer APOLLO 17»/, Theater T'/J 1 Direkt, lames Klein.| Juli 1920 Neue iNaturai lebende Kunstwerke Mauß tollkühne j TODESFÄHRTI 2 Aegirs am Meeresgrund. zinnImam! v. Dtsch. Opernhaus| in ihren Tänzen u. weitere Sensation Deutsch es Opernhaus 7 uhr: Die Fledermaus. Die Tribüne s uhr: Bunbury. rrledr.-WilhPlnist.Th. tv. uhr: Marzipan. Kleines Theater. 7«/, Uhr: SöSiatC. Komische Oper utu; Die Frau im Dunkeln. Lnetspieihans ftvDerungetreue Eckehart Metropol-Thoater. u�r Im weißen Röss'i Neues Central.Theater V Die Dame im Frack. NoneK OpprettenhanH L'riatural.-Phantast.Ballett Veues Tolhstheatcr �. Die 3 Zwillinge Volksbühne Theater am Bülowplatz. 7v, uhr: Bruder Martin Rose-Theater. 7Vj Uhr; Schwarzwaldmädcl Thalla-Theuter Uhr: Th U.: Tb.nraNollendorfplata N Eine Sackt im Paradies Theater i. d. Alt. Jakobstr. � Die yerseiiwund, Pauline. Wallner-Theater uhr: Tannhäuser. Walhalla-Theater. Tt/jUhr: Kasernenluft. Admlrais-Paiast- TV, Uhr: Die lustige Puppe. 1 fbeatsr Folies Ciprice Friedrich-.Ecke Linienstr. VI, Uhr; Flimmer- Klärchen Musikalischer Schwank. Theater««i Kottbaser Tor. . tmc-SIngtr JV Tierlich T*L Uhr. GL � GastspUl d. Original L«jpziter Wfjä Wtz-WelKif- )l¥ Sinflar. Vorrerlraiii 11-1V,> 4-6 Uhr. Winter- GalteiT Täglich 7.>8 Uhr: Variete-Spielplan Rauchen gestattet! THSATSH 5. Woche Zirhtis ffolfeoB w iteit WS. nstjltUiins Heim Frag Sie Film-Schaasgietorin Lustspiel mit Ossi Oswalda Mle Frau im Dokterhut Lustspiel mit Lotte Neumann Oer Liebe.! i» rief der Köittgln Ln-tspiel j�jj Das Maskenfes»«S des Lebens �3 Schauspiel Die Ciaudt vom Geiserhof Schauspiel ♦ Agnes Amau und ihre drei Freier Loatepiel r Klemand weiss es r Schauspiel ✓ Regie* Lupu Pick Hcuptd&rsteller: ' Edith Potca/ Johanne» Riewann �PÖTa Negri-ZyKlus" Der gelbe Schein goha-ispiel Rauschgold Schauspiel in 4 Akten Lottchens Heirat B. B. Lust«pi%l Der Galoaronsträfüng 9. bis 12. Jn i I. Teil 13. bü 1>. Juli II. Teil___ «vochcntagsabZUhf/ Sonntags: Beginn 4 ünr Lesslnp-Theater. Soramerapiclzftit Allabendlich 8 Uhr: Leopiinelioostaiii m D.filasdJungfrau Deutsches Künstler-Theater Allabendlich 7'/, Uhr: Die bessere Hälfte mit Max Adalbert. Eeichshall.-Tlieater Täglich VI, Ul)c: Stett. Sänger. Variete Dfinho.f-Brettl. Garten u. Saal. 71nf.6'/g,6onnt.- Residenz- Theater. Stadtbahn Jannowitzbrücke. Allabendlich Uhr: Der große Erfolg! Die Raschbofts von Hermann Sudermann. Sonntag 4: Der gute Ruf. Trianon-Theater. Bahnhol FriedrichstraBe Allabendlich 8 Uhr: Der große Erfolyl Ktaskeradc von Lucwig Fulda. Sonntag 4 Uhr: Störenfried. HierETBlEEI (Kliems) HasenheiCe 15, Tägl» U.: Operett.-Schiag. Was junce Slüdeben _ trfiqmfp? An->>/ brsiKbj|«iiajjiäien� WiTIlK Potsdamer Str. 38 Turmstr. 12 Uraufführung: Hauptdarsteller: Käthe Dorsch Magda Eigen Ellen Stawrides Reinh, Schünzel Harry Liedtke. Keua Welt Arnold Scholz Hasenhelde 108—114 räsrllch Konzert und Vordtellnng. Dienstags, Mittwochs, Donnerstags u. Sonntags: Großer Ball. Die Kaifeeküche ist täglich geöffnet Anfang w ochentags 5 Uhr, f Säuglings- ch-— � F&rsorae-Lolttrl« Ziehung am 29. und 21. Juli. ■75000 50000 E30000 20000 2574 Gew. n. 1 Prüm. 1. W. t. M. Höchster Gewinn im glückl.Fall [ W. T. M. 1 Hauptgewinn i. w. t. M. 1 Prämie L V. T. M. 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Juli erhoben, find jedoch gesondert auf den Beitragslisten in der Rubrik„Einschreibegeld" zu führen. Oer ffianootffanb. Raucht Ueberall erhältlich. Lieferung nur an Wiederverkäufer. „JRastia!'4- Tabakfabrik 87/14 Bremen 38. Zu verkaufen: I Drehstroms Turbogenerator, Fabrikat MAN und SSW, 5600 KW, 6000 Volt, 3000 Umdrehungen, 12 Atm. Fintritts- Spannung, 3250CUeberhitzung. Anfragen unter J. J. 21423 an Rudolf Masse, Berlin SW 19. Stelienangebote Mklger lorMer für Prehtorf zu sofort gesucht. Bewerber muffen in ähniidzen Betrieben schon tätig geweien sein. Offerten unter S. 53 Saupte�pebition d.„Borwärts". Sofort gesucht älteres, tüchtiges Alüdchei» für den tzaushult eines miitlereu Ciatea, das selbständig wirtschaften kann und auch im «lochen bewandert sein muff. 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Arrli. i m e s" meldet aus'S m y r n a vom 8. �duli: Tie Griechen haben Nazli, 30 Meilen östlich Aibin beseht. Vor der Räumung brannten die Nationalisten einen Teil der Stadt nieder und ermordeten eine Anzahl Griechen. die Kämpfe im Grient. Amsterdam. 8-Juli.»Daily Mail" meldet aus Kon» itantinopel vom 6. Juli: Hier liegt ein Bericht vor, wonach die Franzofen die Besetzung der arabischen Zone in Syrien einstblisstlich Aleppo und Horn mit starken Kräften vorbereiten und in Alexandrette 12 000 Mann gelandet haben. Konstantinopel, 8. Juli.(Reuter.) Englische Seestreitkräfte haben M udana und G�he mle k eingenommen. die Regierungswahl in deutsch ö'fterreich. Wie«, 8. Juli.(Eigener Draihtbericht des»Vorwärts".) B« den gestrigen Wahlen der Regierung von Deutschösterreich durch die Nationalversamimlung wurden von de« Sozialdemokraten die Ab- geordneten Hanusch, Dr. Renner, Dr. Deutsch und Dr. Ellenbogen, von den Thristlichsozialen Mahr, Brohsky, H a u« i s. Hei n l und ein Grostdeutscher. Roller, gewäblt. Als Ünterstaatsfekretäre wurden die beiden Sozialdemokraten Glöckl und Sonders?) iowi« die beiden Christkichsl�iolen Niklas und Resch gewählt. Das neue Kcrbiw.'tt ist also im wesentlichen wie das alte ein Koalitionskabinett, bestehend aus Sozialdemokraten und Christlichsozialen, wie vor der Krise. Ter gegenwärtige Regierunyszustand in Oesterreich ist ein Notbehelf, der verfassungsrechtlich zu dem schwersten Konflikten führen kann und mutz. Nachdem sich die alte Koalition nicht mehr stalten ließ und eine Mehrheflsregierung nicht zuslairde kam. hat man ssck, darauf geeinigt, ein« Zahl von Staatssekretären und Unter. itaatssekrctären nach dem Stärkwerhältnis der Parteien zu wäblen, die mit den Regie rungsgeschäftstn beauftragt werben. Die Mit- glieder dieser Regierung bilden nun kein Gesamtkabinett, das als solches dem Parlament gegenüber verantwortlich wäre, sondern sie sind � nur Mandatare ihrer Wählerschaft, d. h. der Partei, der sie zugchören. Dadurch ist eine einheitliche Mehrheitsbil- d u n g selbst in grundlegenden Fragen der Politik unmöglich, denn die Gegensätze, die im Kabinett zutage treten werden, müssen mit unverminderter Schärfe auseinanderplatzen. Zum Vorsitzenden des Kabinetts wurde der chri-stlichsoziale Michael M a y r, zu seinem Stellvertreter Genosse H a n u s ch gewählt. Nach der Erklärung. die die Regierung der Nationalversammlung abgab, sieht sie sich als unpolitische llebergangsregierung an, die nicht nach einem bestimmten Programm handeln könne. öolschewiftenprozejse in Ungarn. Anklage gegen die Volkskommissare. Budapest, 7. Juli. Das»Ungarische Telegr. Korr.-Bureau" meldet: Vor dem Budapester Strafgerichtshof begann die Verband« lung gegen die zehn bolschewistischen Volks- lommissare, denen eS nicht gelungen war. nach dem Sturz der Proletarierdiktatur aus Budapest zu flüchten. Die An- geklagten werde« beschudigt der Teilhaberschaft an den B/rbrechen des Hochverrats und des Aufruhrs sowie des MordeS in 167 Fällen, begangen zumeist anf Anordnung des Tibor Szamuely. Ferner werden sie beschuldigt, bei der Ueber- nähme der Geldinstitute unter Androhung der Todesstrafe an den Beamten Erpressungen begangen zu haben und Geldfälschungen durch Ausgabe von mehr als 31', Milliarden nachgeahmter Bank- noten der Oesterreichisch-Ungarischen Bank. Der Oberstaatsanwalt beantragte die Vernehmung von 400 Zeugen. polnische Verschwörung gegen Litauen. Organssatio« eines Aufstandes gegen die Regierung. Kown», 8. Juli.(T.U.) Der litauischen Sicherheits- v o t i z« i ist öS gelungen,«in« umfangreiche politische Verschwörung gegen die litauische Regierung zu entdecken. Die Seele der Bewegung war ein polnischer Offizier namens W a j s o- v i t sch, der eine amtliche Tätigkeit auSübie, indem er die Pässe für die o?ku vierten Gebiete visierte. Dieser Mann ist seit kurzem aus Kowno verschwunden. Es gelang ihm. unter dem Schutz seiner amtlichen Tätigkeit grotze Geldsummen zn Verschwörungszwecken nach Kowno eivzufchmuggeln. Di« Absicht der Verschwörer war jedenfalls, einen bswaffneten Ausstand zu organisieren und die litauische Regierung abzusetzen. Aus dem gesamten Aktenmaterial, das sehr umfangreich ist, geht hervor, dah ein vollständiger Plan für die Ein- setzung einer polnischen Verwaltung in Litauen vor- bereitet war. Es sind bereits in dieser Angelegenheit zahlreiche Verhaftungen vorgenommen worden. Die Verschwörer beabsich» igten. End« Juli loszuschlagen und es hat den Anschein, als ob gleichzeitig eine polnische Aktion gegen Kowno stattfinden sollte. Tie polnische Niederlage. London, 7. Juli. Retrtrr msldet ans Warschau: DaS polnische Kommunique gibt zu, dast die b o l s ch e w i- stischc Reiter ei Rowno desetit hat. Die Brosche- misten haben bei N i w o s i o l s k i und südlich, B o r i s s o w die Bcresina überschritten. vor öer Entscheidung� A?l enstein, 8. Juli.(Eigener Drahtbericht des.vorwärts".) Immer noch rollen die dollbesetzten Eisenbahnzüge, um die Ab- üimmungSberechtigten aus dem Rheinland und dem übrigen Reich zu bringen. Fast alles find Arbeiter und Arbeiter- froue». die sich bei ihrer Ankunft mit Eifer in die Agitation für Deutschland stürzen. Die Polen verlieren von Tag zu Tag. Es werden bereit« Güterverkäufe an Deutsckilaud gemacht. Nicht einmal die notwendigen Mandate für die UeberwachungS- autfchüsse kömieu die Polen aufbringen. Seitdem die Polen ihre Stotztrupps bewaffnet Haffen, meiden die Deuiick>en jede polnische Versammlung. Täglich warnen die deutschen Organiiationen ihre Anhänger vor Ausschreitungen, da diese den Polen als willkommener Anlatz zur Anfechtung des Wahlergebnisses dienen würden. Ter Verkehr mit der int er- alliierten Kommission vollzieht sich hier äutzerlich in den besten Formen, die Italiener stehen uns freundlich gegenüber und die Engländer zeigen den Polen die kühle Schulter. Ledig- lich die Franzosen gehen auf jeden polnischen Wunich ein. Do- hingegen hüllen sich die Japaner in vollkommenes Schweigen. Seit gestern hat die interalliierte Kommission ein S ch n a p s- verbot nach 9 Uhr abends erlassen. Die Versammlungs- t ä t i g k e i t ist auf beiden Seiten nicht mehr zu überbieten. Abend für Abend durchqueren zähllose Automobile das ganze Land, um die Referenten am Ort und Stelle zu bringen. Vor etwa drei Wochen gelang es den Polen, in Allen- siein die Mitglieder der Unabhängigen Partei zu gewinnen, die eine Studienreise nach Warschau unternahmen. Die Kreis- leitung der Unabhängigen Partei in Königsberg hatte diese Mit. glieder aus der Partei ausgeschlossen, während die hiesige OrtSleitung immer noch an ihnen f e st h ä l t und dies, trotzdem die Polen gegen die B o I s ch e w i st e n Krieg führen und trotzdem ste in ihrer schriftlichen Wahlpropaganda Märchen über den Sozia« lismuS verbreiten, in denen es heitzt, datz die Sonaldemokratie die Frauen. sozialisieren und jedem Wüstking wehrlos preisgeben wolle. Die sozialistischen Parteien veranstalten ebenfalls überall Versammlungen, und es ist besonders von den Anhängern der U. S. P. und den Kommunisten aus dem Rheinland-West- kalen zu bemerken, datz sie mit grotzer Treue und Liebe für die deutsche Sache sprechen. Von polnische Seife wird eine Denkschrift verbreitet für' den Hohen Rat in Paris, datz Oftpreutzen bei einem Verbleiben bei Deutschland zum Sammelpunkt real- tionärer Bestrebungen werden dürfe, während die An- gliederung an Polen das Abstimmungsgebiet der wahren Demokratie erschlietzen würde! Die Revision im Erzberger-Helfferich-Prvzest. Wie uns von unterrrichteter Seite mitgeteilt wird, trifft die von einigen Blättern gebrachte Meldung über Anberaumung der Revisionsver- Handlung vor dem Reichsgericht auf den 9. Juli nicht zu. Bisher sind die Prozetzakten des Landgerichts I dem Reichs- nericht noch gar nicht zugegangen. Ob eine Verhandlung nach den Gerichtsferien zustande kommen wird, ist auch noch sehr zweifelhaft, da He lfserich inzwischen in de« Reichstag ge- wählt worden und nun in seiner Eigenschaft als Abgeordneter immun ist. Eine Fortsetzung de« Verfahren« mutzte aUo erst beim Reichstag beantragt werden, der dann die Aushebung der Immunität deS Abgeordneten Dr. Helfferich beschlietzen kann. preußische Lanöesversammlunq. (Schluß aus dem Tbendblait.) 150. Eitzum g, Donnerstag, den 8. Juli 1920. Abg. Stendek(Dinrt. Vp.): Ich frage Herrn Ludwig: Ist es wahr, datz die«ngZffchen Be- idördem den Unabhängigem im Rheinland ein großes Lager von Waffen abgenommen haben?(Lärmende Zwischenrufe der <11. Saz.) Wir fordern schleunigst Neuwahlen. Unerhört ist die Presseäntzerung des Ministers Hönisch über das Mar- iburger Urteil, die in einem Berliner MenÄhlatt zu lesen -war. Aus Verle-umdun-gen, wie sie dort ausgesprochen sind, mützte Gefängnis stehen.(Grotze U-nrube.) Wir wenden uns nicht gegen die Ostjuden als solche, sondern gegen jede Mich« Zuwanderung. Die zahlreichen Amtsenthebungen vvn Landräten 'schädigen die Verwaltung. Ich mutz dem Mmster des Innern iSeverimg im Zusammenhang mit diesen Dingen Wortbruch vorwerfen.(Grotze Unruhe und Zwischenrufe.) Die Experiment« des Minister? des Innern haben die Agitation der Welsen autzer- «rdentkch gestärkt. Der llmiveosität Königsberg mmtz mehr Für- sorge gewidmet werden. Die Besetzung der Kreisschulinspektion erfolgt nach Parteirücksichten. Der Redner verwahrt seine Partei gegen den Vorwurf, die VerfassungSberatung zu verschleppen.(Bei- fall rechts.) Kultusminister Hae«isch:, Die Regievung wird alles tun. um die U-nlversttät Königsberg als Bollwerk deutschem Geistes und deutscher Kultur ausrecht zu erhalten. Bon den sechs Kreisschnlins pekrio-nen. die in Ostpreußen neu besetzt worden sind, sind vier mit Volkspart eilern, «nur zwei mit tüchtigen sozialdemokratischen Schul- männern besetzt.(Hört! Hört!) Von dem, was»ch gegen die Marburg er Studenten geschrieben habe, nehm« ich nicht«ine Silbe zurück.(Lärm rechts, lebhafter Beifall links.) Ich kann mir denken, daß e» Ihnen(nach rechts) das nicht gefällt; um so mehr bin ich über- -zeugt, daß ich mit dem, was ich geschrieben habe, der über- «wältigenden Mehrheit des Volkes aus dem Herzen gesprochen habe.(Lebhafter Beifall links, Lärm rechts.) Handelsminister Fischbeck: Die mir wegen der Ernennung der preußischen Mitglieder für den Reichswirtschaftsrat gemackuen SZorwürse sind zu- Unrecht erhoben. Abg. Spreng»(Ztr.): Tie Unabhängigen Leid und Ludwig haben ihrem voterlande keinen guten Dienst erwiesen.(Lebhafte Zustimmung.) In Dan-» tzig verlangten die Unabhängigen englische Soldaten anstatt Sicher- heitswehr. Ter englische Vertreter Tower hat dcsbolb mit Recht on ste die Frage gerichtet, ob die Unabhängigen über ihren erbärmlichen Sklovensimn denn keine Scham empfanden. kLeb- Haftes Hört! Hört!) Paxteiwillkür liegt uns völlig fern, weil wir «ja unter der> Parteiwillkür d» Rechten am meisten zu leiden gehabt haben.(Lebhafte Zustimmung im -Zentrum.) Tie Mitteilungen des FinamzmiuisterS über not- «wendige Eingriffe um dos Steuerrecht der Gemeinden müssen «stark beunruhigen. Wir machen das nicht mit. Di: iZwangstvirtschast. deren Abbau wir wünschen, darf nicht überstürzt ausgegeben werden. In ei« schwebendes Verfabven sollt« der Kultusminister nicht eingreisen. Damit schließt die Aussprach«. Abg. Heilmann(Soz.)(Persönlich): Ich hake ausrecht, datz die Deutsche Volkspartes die VerfassnngÄberatung verschleppt. Die Haushaltsvorlage wird dem Ausschuß überwiesen. Es folgt die erit« Berat-nng des Gesetzentwurfes über kdi« Vollendung des Mittollandkanais und die durch sie bedingten ErgänzungSbauten an vorhandenen Wasserstnatzen. Minister der öffentbcheo Arbeiten Leser: Die Kanalides, die schon 18S0 ausgetaucht ist und für die schon 1860 ein erster Entwurf vorlag, geh: nun ihrer Zff>llenbung entgegen, lieber die Baukosten läßt sich nichts Bestimmtes sagen. da mit einer Fortdauer im Schwanken der Preise zu rechnen ist. Tie Regierung hält die Mittellinie für vichtS«. Dch vorloye ist tn erst« Lim««ch erfolgt mit Rück- jicht auf die N ot K.a nd So eb eiste«, vor Mu» oder quch, tun die Eniwicklung her wirtschaftlichen Verhältrisse im gün- stigen Sinne zu beeinflussen. Die Eisenbahn wird durch den Kanal allerdings zunächst mit einem Ein« ahm enaussoll zu rech- nen baden; erfobvungSgemätz gleichen sich solche Erscheinungen aber nach nicht sehr langer Zeil aus. Tie Eisenbahnfrachten werden wegep der notwendigen baulichen Wiederherstellung�- arbeiten noch reckt lange Zeit recht hock bleibsn. Im Zusammen- hang damit haben auch die Kanal- und Wasserfrachten eine un- natürliche Höhe ermäst. Gegenwärtig sind sie sogar höher als die Eisenbahn frachien. Nach der Wtederherstelluug der»allen Betriebskrast der Eisenbahnen wird aber auch hier die natürliche Entwicklung wieder einsetzen. Tie Kanalvorlage'dient nicht nur dem preußischen, sondern auch dem ganzen deirlschen Volke. (Beifall.) Tie Vorlage gebt ohne Aussprache au einen besonderen AuS- schütz von 29 Mitgliedern. Der Gesetzentwurf über die Ncalreglarng der Vorfassung der evangelischen Landeskirche «der älteren Provinzen Preußens wiild in zweiter Lesung ohne Aussprache angenommen. Es folgt'die dritte Lesung. Unterstgatssekrerär Troeltfch: Eine Legend« ist es. der Re- cherung Kirchenfeindschaft nachzusagen. In dem vorliegenden -Falle handelt es fich um Mrchengesetze.«die von der Kirche er- 'lassen werden, aber der Zustimmüng des Staates bedürfen. In- so lg ed essen möckie ick bitten, die Vorlage schnell zu erledigen Abg. Kleinspahn lll. Soz.): Wir wollen in schärfster Weise betonen, datz die Vorlage berechtigten Ansprüchen nicht genüg: Und auch nicht im entferntesten der späteren Entwicklung gerecht «werden kann. Abg. Hanschild(Soz.): Auch meine Fraktion bat eine Anzahl erheblicher Bedenken, bei der Geschäftslage erheben wir ober keinen Widerspruch. Das Gesetz wird daranfl endgültig gegen die Stimmen der beiden sozialdemokratischen Gruppen ange- nommen. Da? AuSführungsgesetz zum Land essteuerge fetz geht an den Hauptausschutz. Einig« stein« Vorlagen werden ohne Aussprache angenommen, "Vnso das Gesetz über die Erhebung von Nachtragsum lagen trch die Geineinden für das Steuersahr 1919. ES folgt die zweite und dritte Beratung des Gesctzcnttmirks über die Abänderung des§ 10 des Gesetzes über die Befähigung znm höheren Berwastiingsdienst vom 10. August 1906 Abg. Weißcrmcl(Tnat.): Tie Haltung meiner Freunde gt geteilt. Im ganzen werden wir dein Gesetz zustimmen. Abg. Dr. von Richter(D. Vp.): Für die«stellen der höheren Derwaltungsbeamten müssen wir ein gründliches S t u d i u m ver- langen, wobei auch die Volkswirtschaftslehre zu ihrem Recht kom. men mutz. Ein Regierungsvrrtrcter: Tie Staalseegierung versteht unter dem Wort.Verwaltung" nicht nur die innere Bcrwaltung, sondern jede Verwaltung. Danach wird der Gesetzentwurf in zweiter Beratung nebst einem Zentrumscmtrage über besondere Erleichterungen-ür Kriegsteilnehmer angenommen. Nach unerheblicher Aussprache er- folgt die Armahme in dritter Lesung einstimmig.� Der Gesetzentwurs üb«', die Regelung verschiedener Punkte deS Gemeind eabgabenreckts wird angenommen irnwr Streichung der Abänderung des Ausschusses, nach dem die Gc- meindebeamten nicht höher besoldet sein sollen als die gleichartigen Staatsbeamten. Abg. v. Krirs(Tnat.) stellt zu dem Gesetzentwurf den Awraz aus Annahme einer Entschließung, nach der die Regierung halb- möglichst einen Gesetzentwurf über den Lastenausglcich zwischen Gemeinden und Gemeindeverbänden einbringen soll. Ein Regieruugsvertrrter erklärt dazu, daß ein solcher Lasten� auSyleich eine weitgehende Einschränkung der kontmunalen Selbst- vertvaltung zur Folg« haben würde. Die Entschließung wird gegen die beiden sozialdemokratischen Grupven angenommen. Abg. Ehlers(Dem.i begründet einen Antrag, der llniversstät Frankfurt a. M. jährliche Zuwendungen zu gewähren. Ter Antrag wird dem Hausbaltsansschuß überwiesen. Präsident Leinert teilt mit, daß sich das Hans bis zum 15. September vertage» wird; er richtet an die Ausschüsse die Aufforderung, bis dahin fhre Arbeil so weit zu erledigen, datz das Haus seine Beratungen de- gingen kann. Abg. Bcrghaus(Tem.) bittet, den Antrag seiner Partei auf die Tagesordnung zn stellen, nach dem bei der Rcichsrcgierung dahin gewirkt werden soll, die Seeslugstationen und die bislang militärischen Zwecken dienenden Gebäude in Badeorten soweit und so- bald wie möglich aufzulösen und die freirnerdenden militärischen Gebäude der Ges-undheitspslege, insbesondere für Kriegsbeschädigte und Minderbemittelte dienstbar zu machen, ferner dafür Sorge zu tragen, daß die Ge- bäude der Mari ne- F l i egerabtei lu ng in Norderney für die Zwecke der Behandlung und Heilung erkrankter Kinder der unbemittelten Bolkskreise zur Verfügung gestellt werden. Präsident Leinert mackst darauf aufmerksam, datz der Antrag nicht mehr auf die Tagesordnung gestellt werden, aber zur Ab- stimmung kommen kann, wenn kein Mitglied des Hauses ivider- spricht., Abg. Dr. Stendel(D. Vp.): Ich widersprecht!(Stürmische Pfuirufe. Rufe: Heuchelei! Pfui Deibel!) Daß hier der Versuch gemacht werden soll, die Gebäude der Ausnutzung durch die Entente zu entziehen, hat gar keinen Zweck. Wenn die Entent« in Spa davon erfahren sollte(die weiteren Worte de? Redners geben in einem ungeheuren Entrü st ungs stürm des unter. Zahlreiche Abgeordnete rufe» immer wieder: Sie schädigen das deutsche Volk! Pfui I Si« wollen Vertreter einer nationalen Partei sein?) Abg. Tr. Schicsimann(Dem.): Der Abgeordnet« Stendel hat vorhin zn einem unabhängigen Kollegen gesagt: Schämen S'e s'ck. Ich rufe dem Abgeordneten Stendel zu: Schämen Sie sich, Herr Stendel! (Stürmischer Beifall im ganzen Hanse.) VolkSwohlfahrtSminister Stegerwald: Ich nebwe zu dem Antrage nicht Stellung, da ich mit meinem Dezernenten darüber noch nickt sprechen konnte. Ich glaube aber, datz sich die Angelegenheit dadurch erledigen läßt, datz die S t a a t s r e g i e.r u n g� ohne Beschlutzfassung durch das.Haus von fich ans die Sache in die Wege leitet.(Lebhafter Beifall.) Abg. Stendel(D. Vp.): Ich habe ja nur dasselbe gesagt wie der Herr Minister.(Stürmisches Gelächter.) Unter wachsendem Lärm des Hauses versuchte der Abg. Stendel weiterzusprechen. immer wieder jedoch brechen die Rufe hindurch: Pfui! Schäu-en Sie sich!) Wenn. Sie mir gestatten, mit unserem Fraktwnsvor- fitzenden zu sprechen, bin ich bereit, meinen Widerspruch zurück- zuziehen.(Aha-Rufe und Lachen bei der Mehrheit.) Präsident Leinert: Ein Anerbieten können Sie dem.Hause nicht machen. Sie können nur erklären: Ja oder Nein.(Lebhafter Beifall.)'.'C Abg. Stendel(D. Vp.)t Ich erkläre, datz ich meinen Wider- spruch zurückziehe.(Laute Aha-Rus« und Lachen bei der Mehrheit.) Ter Antrag wird ohne Aussprache gegen die Stimme deS Abgeordneten Stendel angenommen. Das. Hans vertagt sich. Nächst« Sitzung am Id. September, nachmittags 3 Uhr. Schlich Uhr. GewerMafisbewegung Generaloers ammlung üer öuchürucker. Eine außerordentliche Generalversammlung deS Vereint Ber- liner Buchdrucker und Gchriftgießer tagte am Mittwoch im GeWerk- schaftthaut. Zu den Anträgen der Arbeitslosen und über die Erhebung einet Extrabeilroges führte der Vorsitzende A l b r e ch t aut: Sämtliche Bezirksversammlungen haben sich mit der Erhebung eines Extrabeitrage« einverstanden erklärt und die meisten für die Bemessung des Extrabeilrages auf 2 M., den olle die zahlen sollen, die Vollarbeiter sind. Der erzielte Betrag soll auf die Arbeits» losen verteilt werden. Nur im Bezirk i wurde noch ein anderer Antrag angenommen. Einig waren sich die Bezirke darin, daß die Zahlung der Extra-ArbeitSlosenunterstützung, die durch den Extra» beitrag ermöglicht wird, ohne Bindung an eine Karrenzzeit ge- zahlt wird. Der Gauvorstand schlägt nun vor, den Extrabeitrag von 2 M. pro Woche zu erheben und aus dem Erträgnis jedem arbeitslosen Mitgliede wöchentlich eine Exlraunterstützung von 20 Mark zu zahlen, ohne Rücksicht auf die Zahl der geleisteten Beiträge. Sollte die Einnahme aus den Extrabeiträgen ein Mehr ergeben, so soll dielet alt Mietsumerstützung verwandt werden. Bei einer Minder» einnähme soll das Fehlende von der Gaukasse getragen werden. In der folgenden Diskussion wurde die Schaffung von Arbeits- gelegenheit als Hauptsache betont, und verlangt, daß man sich die von der großen Arbeitslosenversammlung am S. Juli aufgestellten 8 Punkte zu eigen mache und die energische Vertretung der 8 Punkte vom Gewerkschafltbund verlange. Außerdem wurden noch ver- ichiedene neue weitergehende Anträge gestellt. Dat»Schieben von lleberstunden* wurde scharf verurteilt. Schließlich wurde gemäß den Borschlägen de« Gauvorstandes der Exlrabeilrag von 2 Mark und die wöchentliche Exrraunter» stützung von 20 Mark beichlosien. Ferner wurde beschloffen, daß sich bei Verdiensten von über 300 Mark der Extrabeitrag auf ö Marl erhöht. Außerdem sollen nach einem weiteren Beschluß die Kollegen, die Ueberstunden leisten, noch eine Extrasteuer in Höhe von öv Proz. des UeberstundengeldcS leisten. Diese Beschlüsse gelten zunächst für ein Vierteljahr. Der Exlrabeitrag wird zur Gewährung der Extra- Unterstützung in der nächstfolgenden Woche erstmalig in dieser Woche erhoben. Einstimmig angenommen wurde folgende Resolution: »In letzter Zeit mehren sich die Fälle, daß Druckereien still- gelegt werden, lediglich deswegen, weil die Ausichlachtung, Ver- bökerung und Verschiebung gewinnbringender sind als die geregelte Produktion. In dieier Zeit. in der uns von allen Seiten gepredigt wird, nur Arbeit könne uns retten, sieht die Regierung ratenlos zu, wie seitens der Unternehmer durch Schließung der Betriebe Sabotage der Arbeil betrieben wird, die Arbeitslosenzahl künstlich gesteigert wird und immer mehr Kollegen, Arbeiter und Ange- stellte dem Arbeirslosenelend überantwortet werden. Die Gene- ralversammlung fordert daher von den maßgebenden Stellen Taten, die die Stillegung der Betriebe verhindern, und sie ver- langt vom Gau- und Verbandsvorstand, zur Durchführung dieser Forderungen die erforderlichen Schritte zu unternehmen.' Die Beschlußfassung über die Gauzuschüsse zu den Unter st ützungen und die Festsetzung de« Beitrags war der nächste Punkt der Tagesordnung. Dazu sprach Schlefsler: Die Berbandsgeneralveri'ammlung in Nürnberg habe den Verbandsbeitrag erhöht und Aenderungen der Unter- stützungtiätze vorgenommen. Es frage sich, wie nun der Aaubeitrag zu bemessen sei und ob Aenderungen der Gauunlerstützungen vorzunehmen wären. Der Gauvorstand schlägt folgende« �vor: Der Beitrag im Berliner Gau soll in der bis- herigen Höhe weitererhoben werden. Der Zuschuß zur Arbeitt- losenunterstützung, den Berlin zahlt, soll gleichmäßig für alle Kollegen aus S0 Pf. pro Tag festgesetzt werden, unter Anwendung der Karenzen, die der Verband eingeführt habe. In Wegfall kommen soll die vorige« Jahr für Berlin beichloffen« Extraunter- stützung für Kranke von 7ö Pf. pro Tag und für Invaliden von 50 Pf. pro Tag. Diet wird mit Rücksicht darauf beantragt, daß nach den Beschlüffen det VerbandSlag« ab 1. Juli die Verbands- Unterstützungen für Kranke und Invaliden erhöht find, und weil auch inzwischen die Erhöhungen der Unterstützungen aut der staat- lichen Kranken« und Invalidenversicherung«intraten. Die Ver- sammlung stimmte den Vorschlägen des Gauvorstandes z u und beschloß ferner, daß die Berliner Verbandsangestellten ge- mäß den Nürnberger Beschlüffen zu besolden seien. Weshalb flrbeitsmangel tn öen Papier- Verarbeitungsbetrieben! Au» den Kreisen der Arbeiterschaft in den Papierver- arbeitungtbetrieben find mehrfach Klagen über bevorstehenden und auch schon vorhandenen Arbeittmangel laut geworden, der letzten Endet in einer gefährlichen Unsitte zahlreicher Geschäftsleute feine Ursache hat. Seit �einigen Monaten verwenden viele Lebensmittel-Ber- kaufigeschäfte zum Verpacken der gekauften Waren bedrucktes Zeitungtpapier. Auf die Gefahren, welche dieses VerpackungS- materiql in gesundheitlicher Beziehung in sich schließt, ist von be- rufener Seite schon wiederholt in der TageSpreffe hingewiesen wor- den. doch ist bisher trotz aller Ermahnung kaum zu beobachten, daß weniger Zeitungspapier zum Einpacken der Waren verwendet wird. Di« Nichtbeachtung der von ärztlicher Seite bereits erfolgten Er- Mahnung, Lebensmittel nicht in Verbindung zu bringen mit der auf Zeitungspapier befindlichen gesundheitsschädlichen Drucker» schwärze, ist um so mehr zu bedauern, als zum Verpacken durchaus geeignetes Papier in genügender Menge zur Verfügung steht. Die papiervsrarbeitenden Betriebe, namentlich die Tütensabriken, die die zur Verpackung von Lebensmitteln geeigneten Tüten früher herstellten, sehen sich in kurzer Zeit vor die Notwendigkeit gestellt, ihre Betriebe bedeutend einzuschränken, wenn nicht ganz zu schließen, da sie für ihre Produktion bei den in Frage kommenden Lebensmittelgeschäften infolge der vielfachen Verwendung von Zei- tungSpapier zum Verpacken kaum noch lohnenden Absatz finden Reben der Gefährdung der Gesundheit durch. daZ verwandte Zeitungspapier entsteht also auch noch die weiter« Gefahr der Ver- mebrung der Arbeitslosen durch Schließung der obengenannten Be- triebe, wenn nicht schleunigst Abhilfe geschaffen wird, daß zum Ver- packen nur einwandfreies, geeignetes Material verwendet werden darf. Andererseits kann aber auch das kaufende Publikum dieser gefährlichen Unsitte steuern, indem es Lebensmittel nur kauft, wenn diese in geeignetem Papier verpackt sind. Das Bestreben nach Er- sparniS durch Verwendung deS billigen ZsitungSpapiereS darf daher für den Verkäufer von Lebensmitteln nicht maßgebend sein, um dadurch ander« Kreise der Bevölkerung nach verschiedenen Rich- tungen hin zu schädigen._ Ueberstunden gegen Fcttzulage. Zu der unter obiger Ueber- schritt in Nr. 320 deS.Vorwärts' vom 23. Juni im Handelsteil veröffentlichten Notiz wird uns vom Deutschen TranSporiarbeiter- verband, Mitgliedschaft Binnenschiffer und Flößer deS Rheins und seiner Nebenflüffe, Duisburg, folgendes geschrieben: DaS in unserem Verbände organisierre Deckpersonal der Rhein- und Kanalsahrzeuge hat in den Mitgliederversammlungen die längere Fahrtdauer abgelehnt und damit auch die Fettzulage. Die Gründe, welche zur Ablehnung führten, find: Die durchschnittliche WochenarbeitSzeit des DcckpersonalS beträgt 60 Stunden. Die Schiffsmannschaften haben im Monat zwei freie Sonntage und an den übrigen Sonntagen im Monat fahren sie. Die Forderung der Regierung nach zwei Ueberstunden würde während der Fahrt 12 Stunden pro Woche bedeuten, e» käme al'o eine LrbetlSzeit von 72 Stunden pro Woche zusammen. Gibt es eine Arbeitergruppe in Deutschland, weicher man Aehnlicheo zumutet? Die Lebensmittelversorgung der Binnenschiffer ist völlig unge- regelt. Der Binnenschiffer kann erst immer abend» einkaufen und muß dann naturgemäß dt« höchsten Preise zahlen, außerdem sorgen alle Kommunolverbände zuerst für die Gemeindcmitglieder. der Binnenschiffer erhält in vielen Fällen nicht einmal seine rationierten Lebensmittel. Ferner ist festzustellen, daß die Ueberliegezeit der Schiffe außer- ordentlich groß ist. Nicht die verlängerte Fahrzeit wird die Kohlen- Versorgung Süddeutschlands heben, sondern zuiiächst die Ausnutzung aller vorhandenen UmichlagSoorrichtungen und die neuzeitliche Ein- richtung derselben. Der vorhandene Schiffsraum muß ausgenutzt werden. Hunderte von Kähnen liegen in Amsterdam und Rotter» dam seit Monaten und Jahren als Lagerschiffe. Beim Streik der holländischen Hafenarbeiter hat die Firma Ristelbuber-Köln Kähne als Streikbrecher-Wobnfchisse zur Verfügung gestellt. Fahrzeuge und Schiffe werden verkauft und verschoben trotz schärfster Bestimmungen Hat doch die Firma Carl Schroers-Duis» bürg u.a. rund 60000 Tonnen ihre» Schiffsraums an holländische Firmen übergeben laffen. Mit der Kapitalflucht verschwindet der Steuerzahler. Vom Binnenschiffer aber wird die längste Arbeitszeit in Deutichland verlangt._ Tarifliches aus dem Verfichcrungsgewerbe. Vom Zentra'verband der Angestellten wird uns berichtet: Im Aiiichluß an eine erledigte Tagesordnung fand am 7. d. M. eine Verhandlung zur Regelung der Ueberstundenentichädigung statt. Der Allgemeine Verband der BersicherungSangestellten versucht in Zeitungsnotizen die Sache so darzustellen, als wenn nun auf sein« Bemühungen hin diese Regelung erfolgt ist. Im Jntereffe der ge- iamren VersicherungSangestellten muß öffentlich festgestellt werden, daß außer ihm noch der GewerkschaflSbund kaufmännischer Ange- stelltenvcrbände, der GewerkschaflSbund der Angestellten und an führender Stelle der Zentralverband der Angestellten an dieser Verhandlung beteiligt waren. Der festen Hallung der letzteren in der Vorverbandlung am 2g. Mai ist e« denn auch zu verdanken. daß der Srbettgeberverband nunmehr folgenden verbefferten Vorschlag unterbreitet: Für Jugendliche 4 M., Angestellt« der Klaffe IV 4,30 M, der Klaffe III ö M.. der Klaff« II 6 M. und der Klaffe I 7,50 M. pro Stunde. Diese Sätze gelten«inbeitlich für da« ge» iamie Reich ohne OrtSklaffenabzug und find vorbehaltlich der Zu- stimmung unserer Mitglieder von unS angenommen. Die endgültige Regelung der OrtSklaffeneinteilung wird einem vom ReichSarbeilSministerium zu ernennenden Schiedsgericht unter- breitet. Die Arbeitnehmerbeifitzenden deSselb n werden durch je einen Vertreter deS Zentralverbandes der Angestellten, de« Gewerk- ichastSbundes der Angestellten und de« Gewerkschaftsbundes kauf- männischer Angestelltenverbände gestellt. Di« Firma Jünger u. Hahn, Prenzlauer Allee 86, ist ge« sperrtl Die Firma hat, nachdem von den dort Beschäftigten tarifliche Smlobnung verlangt wurde, dieselben auf die Straß« ge- setzt und versucht, ihre Arbeuen im Gefängnis Neukölln, Schönstedt» straße, fertigstellen zu laffen. Buchbinder-Berband. Zentralverdand ver Flelscher. Die Sektionen I und IV der« anltallen am Sonntag, den tl. Juli,»achmstiag« t Uhr, im Kriege,- vereinSl-auS, Ch iulseestr. S», ihr dieSjäkrige« Sommelsest. Eintritt 2,90 M. Um zahlreichen Besuch wird gebeten. Soziales. Mit der Zukunft der deutschen Sozialversicherung beschäftigte sich der Berein sozialistischer Aerzte Groß- Berlin« in seiner letzten Versammlung. Den einleitenden Bor- trag hielt Genosie Bürgernietster Kleeis aus Aschersleben. Er behandelte besonders die notwendige Verstaatlichung des Heil- Wesens, die nur durch Werterentwicklung der Sozialversicherung und ihr« Ueberleitung in eine allgemeine Staatsbürgerver- sorgung herbeigeführt werden kann. Man werde unterscheiden müssen zwischen einer baldigen Reugestaltung der Sozialver- sicherung, die zunächst die dringendsten Gegenwarlsforderungen berücksichtigt, und einem späteren Reubau des gesamten VersicherungS- weienS. Vor allem müsse dem jetzigen Wirrwarr in der Rechlslage eia Ende gemacht werden durch Hineinarbeilen der rund 120 Notgesetze. Notverordnungen usw. zur Reichsversicherungsordnung in diese. Redner entwarf dann einen Plan der Verstaatlichung der ärztlichen tilfe, der darin besteht, daß in jedem Stadt- und Landkreis die rankenkassen und das WohlfahrlSamt einen Zweckverband bilden, der die für die jeweilige Bevölkerungszahl erforderlichen Aerzte anstellt und die Kosten trägt, die auf die ein- zelnen Oranisationen»umgelegt' werden. An der Aussprache beteiligten sich die Genosien Dr. Zadel, Roeder, Drucker und so weiter. Zum Teil waren sie anderer Ansicht. Die Versicherung dürfe nicht zu einer Staatsbürger« Versorgung umgestaltet werden, sondern müffe selbständ'g bleiben, da sie nicht bureaukratisiert werden dürfe, auch in ab- sehbarer Zeit der Staat keine Mittel hierfür habe. Es wurden zwei Anträge eingebracht: der eine will die gesetzgebenden Siellen ersuchen, die unerläßliche Neugestaltung der Sozialversicherung so schnell als möglich vorzunehmen, der andere verlangt die Ein- setzung einer Lerzlekommission, die Vorschläge zur Neugcstaliunz vom Ärztstandpunkr aus ausstellt. Bis jetzt hätten sich die Aerzte immer im allgemeinen um die Reform der Sozialversicherung mSt gekümmert oder gar im Sinne einer Beschränkung gewirkt. Die Anträge fanden Zustimmung, doch sollen Einzelheiten erst in der nächsten Versammlung beraten werden. Knmkeilkasseu und Kranke. Zu der rn der Mittwoch-Abendausgabe des„Vorwärts" ent- halten« n Zuschrift einer Vorwärtsleserin erhalten wir von einem BetriebSratkmitglied der Allgemeinen Ortskrankenkasse der Stadt Berlin nachfolgende Entgegnung: Der Artikel ist geeignet, eine lunbegründete Voreingenommenheit gegen die Krankenkaffen und deren Angestellte im Publikum zu verbreiten. Im Namen aller dneiner Kollegen leg« ich Verwahrung gegen die Behauptung ein, idi« Angestellten bedienten sich den Mitgliedern gegenüber ein«? Kttsernenhostones". Jeder abfertigende Angestellte wird sich be- wüßt sein, daß er dazu da ist, die Interessen der Kasse sowohl als auch der erkrankten Mitglieder wahrzunehmen. Daß dabei manch- inaj, bei der Schwerfälligkeit eines Teils des Publikums, streng sachlich gehandelt werden muß, leuchtet manchem Menschen nicht ein, Munal, wenn er auf dem Standpunkt steht:„Die Kasse ist idoch unseretwegen da." Daß die verwaltungstechnischen Maß- wahmen der Kassenleitungen von den Abfertigern streng beachtet werden müssen, will sehr vielen Mitgliedern nicht behagen; jeder will fiir sich die größte Beguemlichkeit und den größten Vorzug haben. Daran, daß die Angestellten anch nur Menschen sind, denk: «niemand. Der Abfertiger in der Kasse ist für seinen Schalter mit taHern Drum und Dran der Geschästsleitung verantwortlich. Wer sollte bei einer schichtweisen Besetzung der Schalter wohl für Feh- itx, die bei einem Massenbetrieb vorkommen, verantwortlich ge- macht werden? Die Geschäftsleitung, die Kollejjenschaft und der Betriebsrat der Kasse, bei welcher ich im Dienst bin, haben sich wohl mit der Frage der Schichtarbeit befaßt, sie sind aber alle zur Ablehnung einer derartigen Einrichtung'gelangt, weil sie technisch «nicht durchführbor ist. Die Beschaifung der Krankenausweise ist bei einiger Ucberlegung auch nicht so gefährlich, wie die Sckirel- berin es darstellt. Heute ist in Grotz-Berlin fast jeder Arbeitgeber im Besitz von entsprechenden Formularen, welch« von den Kassen yrati» geliefert werden, es wird nur vom Arbeftgeber die Ge- währ gefordert, daß ein Mißbrauch mit den Scheinen nicht ge- trieben werden darf. Anderenfalls können erkrankte Mitglieder in der Zentralstelle ihrer Kasse gegen genaue Namensnennung, Angab« der MftgliedSnummer oder deS genauen Gebuvt»daN:mS und Beifügung eine? mit genauer Adresse versehenen Frei- Uwichlages Ausweise erhalten. Di« Erledigung dieser durch die Post geforderten Sckeine erfolgt möglichst postwendend. Für die Bewältigung dieser Arbeiten ist die Zeit nach 1 Uhr mittags bis Oienstschluß neben anderen sehr wichtigen Arbeiten bestimmt. Wer, wie die Artikelschreiberin, den Absertigungsdienst bei einer Krankenkasse nicht kennt, nimmt vielleicht an, daß die Angestellten bereit« um 1 Uhr Feierabend machen. Daß dann erst ein sehr Umfangreicher und wichtiger Teil de« Dienstes, Postverkehr mit >den Mitgliedern, Schriftverkehr mit den Zentralen, Jnftandhallung «der Journal« und Kartotheken und anderes mehr zu«rledigett »ift, muh dem Publikum ernstlich vor Augen geführt werden. Welche »traurigen Erfahrungen die Schreiberin bei einer„Kaufmännischen Kasse" gesammelt hat, daS sollte sie den Ortskassen nicht vorhalten, denn die Mitgliedschaft dort ist nicht Pflicht, sondern fretoilltg. Sriefkasten üer Redaktion. <8.®. 1880. Sie baden die Notiz tn Nr. ZZS falsch verstanden. Der i r a n z 5 s t s ch e Prosessor Duoal strebt nach Vereinfachung der Kurrent- schritt, daß sie die Stenograpbie ersetzt. Gegenwärtig wird auch in Deulsch- land eine Bereinsachung und Bereinbeitlichung der verschiedenen Steno- grapdiesyileme anzestrebt.— Schmidt. er-ohnungSnot. Wir werden die AngelegenheU prüsen und dem Wohnungsamt übergeben.— S. 3t. Ja. Leront». für den redall. Teilt Dr. Werner Vesser, Tharlottenburg: wr Anzeigen: ip. Slaeke, Berlin. Verlag: Vorn-Srls-Verlaa S. m. b. H.. Berlin. Druck: Vor. wirtS-Buchdruckerei u. Berlagsanstalt Paul Singer u. Co., Berlin. Lindenslr. 3. Hier»» t Vellage. Die Zukunft der deutschen Schule! Die deutsche Schulreform Mit einem Geleitwort von HEINRICH SCHULZ Qeheltet Mk. 22,50 Gebunden Mk. 30,— HEINRICH SCHULZ; Der Weg zum Reichsschulgesetz Geheftet Mk. 12.— Gebunden Mk. 18,— SICKINGER: Arbeitsunterricht* Einheitsschule Mannheimer Schujsystem Geheftet Mk. 9,— Gebunden Mk. 12,— QAUDIQ: Schulreform? Geheftet Mk. 9,— Bücher aus dem Verlag von Quelle 4 Meyer C. H.BECKER: Kulturpolitische Aufgaben des Reiches Geheftet Mk. 3,75 E. BAUF: Die methodische Grundform aller Pädagogik Geheftet Mk. 12,— O. KUIZNER: Der Weg zur Kultur Geheftet Mk. 10,50 Gebunden Mk. 13,50 ED. SPRANGER: Kultur und Erziehung Geheftet Mk. 4,20 Gebunden Mk. 5,70 K. REINHARDT: Neugestaltung des deutschen Schulwesens Geheftet Mk. 3,75 H. WEIMER: Schulzucht Gebunden Mk. 10,20 ED. SPRANGER: Gedanken über Lehrerbildung Geheftet Mk. 3,75 R.JAHNKE: Werden und Wirken# Gebunden Mk. SA) Auf alle Preise 20 Proeent Teuerungszuschlag» Schnellste Erledigung schriftlicher Bestellungen BuchhandlungV orwärts, Berlin S W68, Lindenstr. 2