Nr. 343 ♦ 37» �ahrgasg Ausgabe B Nr. 54 Bezugspreis» B zrteIii!hrI.Z0.— Ml�monatlUi.— MI. frei ins Haus, oonrn».ahlbnr. Post» itvoa: Monatlich 10,— MI» nfL Zu- ftellungszebühr. Unter Kreuzband ftir Demichland und Oesterreich IS.�O M!, für das übrige Ausland de, täglich einmal. Zustelluna 21.50 M. Poltbe- ftellnngen nebmen an Oesterreich, Ungarn, Tschecho-SIowalei, Säue- mart, Rolland. ru;e«durg. Schweden und die Schweiz.— ckingetrage» in die Post--eitungs-Preisliste. Der.Vorwärts' mit der Sonntag» beilage»Boll u. Zeit' erscheint wachen» täglich zweimal. Sonntags und Man- tag» einmal. Telegramm-?! dreffe- .Sozialdernatrert Berlin". Abend-Ansgabe Beritner VolltsblAtt Zentralorgan der sozialdemokratischen parte» Deutschlands AnzeigeupreiS: SM* achtgespaltene RonpareMezeile kosteiZ.— M., Tenerungszus chlag 50 »Uloin« Anzeigen-, das seit- gedruckte Wort h— SOI szulässtg zwei fettgedruckte Worte), sedes weitere Wort 00 Bfg. Stellengesuche und Schlafftellenanzeigen da» erste Wo« 05 Pig. sedes weitere Wo« 40 Pfg. Wo«e übet 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Teuerunqszuschlaq 50°/». Familien-Anzeige» für Monnenten geil» 2,— M. politische und ge» wertschaftiiche Vereins- stlnzcigen 5�- MI. die geile ohne Aufschlag. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis 5 Ahr nachmittag» im Sauptgefchäst. Berlin Sffi 08, Linden- strage 8, abgegeben werden. Deäffne! »o» 9 Uhr früh di» 5 Uhr abend». Reüaktton unü Expeüition: EW. 68, LinSenstr. 3. p ernsprecher: Amt Morihplatz» Nr. ISFSv— IlilS?. Freitag, den 9. Juli INSv Sereitfthast Zur Entwaffnung. Protest gegen Sie Einmarsthörohung. S p(t, 9. Juli. Wie der Vertreter des WTB erfährt, ist die deutsche Regierung ein st immig zu dem Ent- schluh gekommen, die von der Entente in der gestrigen Kon» fercnz gestellten Mdingimgen in der Frn�e dcr Eiltwosfnnng und der Herabsetzung dar Hvcrcsstärke anzunehmen. Tie vorg>esehene» S t r a f b e st i m m u n g e n bei Nichterfüllung dieser Bedingungen seien jedoch eine Abänderung des Versailler Friedensvertrages, zu deren Unter. zeichnung die deutsche Regierung der vorherigen Z u st i m- mung der gesetzgeberischen Faktoren bedürfe. Man hofft, dah in der heilti�cn Sitzung dcr Konferenz eine Formel gesunden wird, welche diesen Bedenben der deutschen Regierung Rechnung tragt. . Berlin,?. Juli. In den mit den Parteiführern, dem Hauptausschuß und dem N e i ch s r a t gepflogenen Be- sprcchnngen über dje Bedingungen der Entente betreffend die Ent- waffnung wurde von Rcichsministrr Koch einleitend hervorgehoben, daß der Reichskanzler und die i» Spa anwesenden Mitglieder der Reichöregicrung über die Auffaffungcn dieser Organe unterrichtet sein müßten, bevor eine Entscheidung getroffen wird.— Die Beratungen zogen sich gestern bis nach Mitternacht hin und wurden heute früh um 8 Uhr wieder aufgenommen. Tic Bedin- gungen der Entente lösten die schwer st en Bedenken aus. Jnöbcsondere erblickten die Parteien einmütig in der Drohung mit der Besetzung deutschen Gebietes eine schwere Bedrohung unserer staatlichen Existenz und der Herstellung eines ehrlichen und frittlichen Znsammcnarbeitens. Die Vertreter der Regierung in Spot sind von dem Ergebnis der Besprechungen unvcr- züglich in Kenntnis gesetzt worden. Geüankenlofes Treiben. Entwaffnnngsfrage und Rechtspresse. Wie unler Berichterstatter aus S p a zutreffend in der in unserem heutigen Morgcnblatte wiedergegebenen Depesche be- merkte, bedeutet die von dcr Entente gewährte sechsmonatige Entwaffnungssrist, so hart sie auch an sich noch sein mag, ein Entgegenkommen der Entente. Dcr von unserem Mit- arbeiter erwartete P r o t e st st u r m der rechtsstehenden Presse hat bereits programmäßig eingesetzt, und die Tonart unserer reaktionären Blätter deutet auf alles andere als auf einen ehrlichen Willen zur Verständigung hin. Der starke Mann in der Redaktion der„Deutschen Tages- zcitung", Herr Graf Reventlvw, weist höhnend auf die Eile hin, die die Vertreter der Entente zu haben scheinen und erklärt stolz: .Deutschland hat keine Eile, und eine eilige Behand- lung der deutschen Lebensfragen in Spa läuft dem deutschen Interesse durchaus zuwider. Wir nehmen bis auf weiteres als s e I b ft v e r st ä n d l i ch an, datz die deutschenRegierungS- Vertreter sich dieser Tatsache klar bewutzl sind und ihrer Bedeu» tung entsprechend handeln werden." Unserer Ansicht nach ist, wenn die Alliierten nun einmal auf eiliger Verhandlung bestehen, diese keiner Verhandlung weitaus vorzuziehen. Herrn Revent- lows Stärke liegt überhaupt mehr im bonibastischen Wort als im Politischen Tiefblick, beurteilt er doch � die Forde- rung der Entente folgendermaßen: Die Absicht ist offenbar, Deutschland durch innere lln- ruhe» dafür zu bestrafen, datz das Frankreich ver. bündete.starke Polen' dieses sein Epitheton von Tag zu Tag weniger rechtfertigt. Jede Absicht, die man der Entente unterschiebt, würde den tatsächlichen Erwägungen dcr Entente näher kommen, als gerade diese. Ans den Gedanken, daß gerade er und seine militari st ischonF reu ndedieHauptursache für das scharfe Vorgehen dcr Entente und für ihr M�ß» trauen sind, kommt der selbstbewußte Graf natürlich nicht. In dem Neigen der alldeutschen P r o t e st l e r tiarf natürlich die„Deutsche Zeitung' nicht fehlen. Obwohl man noch nicht in eine Beratung der wirtschaftlichen Fragen eingetreten iit, ist für dieses Militaristenblatt bereits alles zerstört, bevor noch die Diskussion begonnen hat. Man könnte sich mit der Stellungnahme der„Deutschen Zeitung', wenn man sich die Mühe gibt, sich in den Seelenzustand dieser Leute hineinzuversetzen, allenfalls abfinden, falls als Argument für die notwendige Beibehaltung von 200 OOO Mann elidtich einmal neben dem Bolschewismus auch etwas anderes, zum Beispiel die soziale Seite der Angefc-genHeii. ins Feld geführt würde. Das ist natürlich nicht dcr Fall, und mit_ starker Geste, die nur schlecht die tönende Phrase verhüllt, schreibt sie in völlig verantwortungs- Iosr,r Weise: Ltir erwarten, datz unsere Abgesandten in Spa da? Vertrauen rechtfertigen werden, da» man in sie setzt: Daß siede» franzöfisch-englische» BernichtungSwahnsin» mit einem glatten„Rein" beantworten. Daß dieses„Nein" uns vielleicht erst recht in den B o l- s ch e w i L m u s— dcr diesesmal nicht nur ein Schreck- g e s p e n st wäre— hineinstürzen würde, das will die „Deutsche Zeitung' nicht sehen. Hofft sie noch immer auf den„starken Mann", der uns als Militärdiktator dem Paradies Deutschland cntgegenführcn soll? Kapp und L ü t t w i tz, die doch der„Deutschen Zeitung" sehr nahe stehen, waren nur wenig erfreuliche Borbilder hierfür. Aus der schivermdustriellen„Post" spricht der— aller- dings bei unserer Lage kaum begreifliche— Widerwille gegen eine Verständigung. Sie schreibt: ES wäre grundfalsch, ein Entgegenkommen der Alliierten, oder Berständnis für unsere Lage in dem Vorschlag einer sechsmonatigen Frist zur Durchführung dcr Eni- waffnung erblicken zu wollen. LViXXX) Mann sind das M i n i» m u m zur Ausrechterhaltnng der inneren Ordnung. Allerdings mögen sie das sein, solange die Kon- s e r V a t i V e n und die Berfas sungsfeindc ini Lande auf einen gewaltsamen Umsturz hinarbeiten. Darüber täuscht auch nicht folgender Ablenkungsversuch des reaktionären Blattes hinwei.: Wie soll übrigens ausgelöster Sicherheitswehr und in Auflösung befinh. cr R e. ch s web'- di« Entwafknunz der liukSradikalen Arbelterjchaft durchgeführt werden? Hier befindet sich doch die grotze Mehrzahl der Gewehre, die Lloyd George soviel Kopfzerbrechen machen, datz er behauptet. Deutschland bedrohe seine Nachbarn mit bolschewistischen Angriffen I Wir selbst haben niemals einen Zweifel daran gelassen, daß wir Gegner seglichcr Wasfenlager sind, wo immer sich diese befinden mögen, und daß wir von der Arbeiterschaft die freiwillige Abgabe der Waffen erwarten. Gerade die„Post" aber ist in allerletzter Linie berechtigt, mit besonderem Nachdruck diese Forderung zu vertreten. Den Meinungsaustausch mit der Arbeiterschaft hierüber soll sie unS nur ruhig überlassen und sich selbst einmal ein wenig die Rittergüter in Pommern und Mecklenburg ansehen— falls ihr Einfluß soweit reicht. Wie wir bereits betonten, halten auch wir die Stellung- nähme der Entente, obwohl sie fornialjuristisch einwandfrei ist. für hart und konflikrbergend. Allerdings sehen wir die Sache von einer anderen Seite an. Für uns i st die Frage der Entwaffnung— wie schon oben kurz ange- deutet— mindestens so sehr eine so ziale wie eine militärische Frage. Unsere Sorge besteht weniger darin, wie wir mit 100 000 Mann auskommen sollen, als vielmehr in der Frage: Wie und wo schaffen wir den 100000 brotlos gemachten Reichswehr. soldaten ein Unteriommen und eine Exi- stenz? Die alldeutsche Presse würde sich ein Verdienst erwerben, wenn sie mit uns zusammen an die Lösung dieses Problems herantreten würde; jedoch haben wir Grund zu der Annahme, daß gerade diese Seite der Frage sie a m w e n i g st c n interessiert. Die Arbeiterschaft wünscht, daß durch die Entlassung von-100 000 Soldaten keine neuen Herde für militaristische Beunruhigungen geschaffen werden; diese Erwägung ist für sie c n t s ch e i» d e n d, und nur eine Politik, die sich sorgsam von jeglichem Chauvinismus freihält, ist geeignet, einigermaßen eine befriedigende Lösung der Frage herbeizuführen und uns vor dem Chaos zu retten.__ Württembergs Stanöpunkt. Verzicht auf Polizei und Einwohnerwehr nnmöglich. Stuttgart, 9. Juli. Zu. Beginn der heutigen Landtags. s i tz u n g teilte Staatspräsident Dr. v. H i e b c r mit, datz am Donnerstagabend von der Reichsregierung ein Telegramm einging, worin dir württembrrgiiche Regierung um Stellungnahme z» dem Deutschland in Spa gefielltcn Ultimatum aufgefordert wird. Der Ministerrat habe dem württembergischen Bevollmächtigten in Berlin fobgenden einstimmige» Beschluß des Kabincttö über- mittelt: „Verzicht auf Polizei und Einwohnerwehr un- möglich, wäre gleichbedeutend mit der Auflösung jeder staatlichen Ordnung. Bezüglich der Reichswehr wird die Entscheidung der deutschen Regierung überlasten." Das HauS nahm diese Erklärung beifällig auf. Japan und Sibirien. Amtliche Berichte besagen, datz die P o s s i e t- B u ch t, der letzte nördlich Port Arthur gelegene Hafen, der sich noch im Besitz Rußlands befindet, von japanischen Truppen besetzt worden ist. vorwärtsrverlag G.m.b. tz., SM. 68, Linöenstr. 3. Fernsprecher:«mt Morinpla», Nr. 117»»—34. '•*»*-• der halbgeöffnete ssanustempel. Auf alle Einwendungen, die gegen eine formale Zustimmung zu der Erklärung der Entente erhoben werden. gibt es nur eine Frage als Antwort:„Was sollen wir tun? Sollen wir etwa Krieg führen?" Da kein Mensch mutig oder irrsinnig genug ist, diese Frage mit Ja zu beantworten, so werden alle Einwendungen hinfällig. Gewiß, es gibt noch eine andere Form des Widerstandes. Das ist die Verweigerung jedes der inneren Gesinnung wider- sf rechenden Lippenbekenntnisses, das heroisch geduldige Er» tragen aller Leiden, die sich aus jener Weigerung ergeben. bis zu dem Punkt, an dem der Gegner unter dem Druck der öfsentlichen Meinung sein Verhalten ändern und, mildere Seiten aufziehen muß. Eine solche Politik konnte vor einem Jahr ernstlich in Erwägung gezogen werden, als man vor der Frage stand. ob der Friedensvertrag unterzeichnet-werden solle oder nicln. War sie damals unmöglich, so ist sie heute erst recht unmöglich. Glaubt irgend jemand, daß das deutsche Volk bereit sei. neue Leiden auf sich zu nehmen, mn zu verhindern, daß die| Reichswehr auf 100 000 Mann reduziert oder daß di Sicherheitspolizei in die Ordmingspolizei einge- gliedert wird? Glaubt irgend jemand, das deutsche Vo>k könnte in einem solchen R i n g e n d e s pa ss i V e n W i d e r- fla ndcS gegen die Entwaffnung die Sympathien der Weit für sich gewinnen und hätte irgendeine Aussicht auf Erfolg? Was heute vormittag in Spa geschehen ist. war einsäst -das Notwendige und Unerläßliche. Daß es uns aber in dieser Form aufgezwungen wurde, ist ein Zeichen dafür, tvie .starr drüben noch der m i l i t a r i st i s ch c Geist ist, der bei uns den Militarismus mit der Blendlaterne in alle Schlupfwinkeln sucht. Die Alliierten konnten, wenn sie wollten, diese öffentliche BrüSkievung vermeiden, eine w- trauliche Mitteilung, daß ein solcher Schritt unausbleiblist sei, wenn sich die deutsche Regierung nicht zu einer Verstän«. digung bequem«, würde sicherlich genügt haben, um den Willen d?r Sieger mich ohne össenkliche Bloßstellung der siegten zur Geltung zu bringen. Das Austreten der Alliierten zeigt, daß drüben�immer noch für ein Publikum gespielt wird, das äußere schneid! gkeit der ruhigen Sachlichkeit vorzieht. Es klafft in diesem Verhalten ein innerer Widersprust. Auf der einen Seite zeigt man die größte Sorge, dan Deutschland noch nicht genügend entwaffnet sei, auf der anderen Seite aber behandelt man es so, wie man Nur einen -Staat behandelt, von dem man genau weiß, daß er sich nicht mehr wehren kann. Tie Alliierten würden die Drohung mit der fortschreitenden Besatzung nicht ausgesprochen haben, wüßten sie nicht, daß Deutschland Krieg führen weder will noch kann. Denn in der Tat ist die fortschreitende Besatzung ein Mittel, nicht um einen geschlossenen Vertrag mit friedlichen Misteln durchzuführen, sondern ein Mistel der fortgesetzte i einseitigen K r i e g f ü h ru n g. Der Friedensvertrag bestimmt genau das Gebiet, das die Alliieretn besetzt halten dürfen und die Zeitpunkte, zu denen dieses Gebiet abschnitl-. weise unter bestimmten Bedingungen geräumt werden soll. Die Alliierten sind durch den Friedensvertrag unter bestimmten Voraussetzungen berechtigt, die Räumungstermine hinauszuschieben, und dies ist das starke Druckmittel, das si; in der Hand haben, um die Durchführung des Vertrages zu erzwingen. Sie sind wicht dazu berechtigt, das Besetzung?- gebiet räumlich weiter auszudehnen: dieses Reckst können sie sich nicht aus Grund des FriedensvertrageZ zusprechen, son- dcrn nur auf Grund der tatsächlichen Macht, die sie besitzen, und darum bedeutet Völkervechtlich die fortschreitende Besatzung tatsächlich nichts anderes als die Aushebung des Friedenszustandes und die Wiedereinführimg des Kriegs- z u st a n d e s. An diesem völkerrechtlichen Tatbestand wird nichts durch den Umstand geändert, daß dieser Art von Kriegszustand das äußere B i l d d e s Krieges fehlt, weil der angegriffene Staat weder den Willen noch die Macht hat. sich mit kriegerischen Mitteln gegen den Einmarsch des Gegners in sein vertraglich umfriedetes Gebiet zur Wehr zu setzen. Wenn man aber den Versuch macht, den Friedensvertrog so auszulegen, als ob er dem Vertragsgegner das Recht gäbe. jederzeit nach eigenem Ermessen jedes beliebige Gebiet, etwa auch die Reichshauptstadt selbst zu besetzen— bann löst sist dieser„Friedensvertrag" eben in eitel Dunst auf. Ein Vertrag, der so olles in die Willkür der einen Seite stellt. der andern Seite aber die Pflicht auferlegt, jede Willkür zu dulden, würde auch jeden Schein einer zweiseitigen Verein- barung verlieren und nichts sein, als ein Ausdruck eines Machtverhältnisses, der eben genau so lange Gültigkeit hat, wie dieses Machtverhältnis selbst besteht. Am 2.-Juli d. I. hat der neue englische Botschafter in Berlin, Lord d' A b e r n o n. dem Reichspräsidenten sein Beglaubigungsschreiben überreicht und dabei eine Ansprache gehalten, in der die folgende ausgezeichnete Bemerkung zu finden ist:. (?? ist wohl beiamt. daß in den früheren Tagen die Toxe de? 7?N-Usicmpols«niwedsr geöffnet oder geschlossen waren. Einen .! w i sche n z u sta n d gab«? nicht. Bei Ausführung meiner ..'c issum werde ich stets dessen eingedenk sein, daß Frieden gc- ch l o s s c n worden ist. Zu diesen klaren und trefflichen Weichen stellt der Schlust- ssus der Entente-Erklärung im allerschärfsten Gegensatz. " mn er bedeutet tatsächlich, um im Bilde des englischen Bot- ' asters zu bleiben, den ewig halbgeöffneten a n u s t e m p e l, einen Zwischen- und Zivitterzuswnd ' N icken Krieg und Frieden. Daß ein solcher Zustand dreißig • ahre oder noch länger dauern könnte, ist ein Gedanke, der gar nicht auszudenken ist. Tic Frage der Entwaffming darf kein„Kriegs- all" werden, auch nicht in, Sinne jener einseitigen Krieg- iihruug, die dem einen Teil das Recht zu jedem Handeln aibt, dem andern die Pflicht zu jedem Dulden auferlegt. Es am aber auch nickt der Anschein erweckt wenden, als ob das ' witsche Volk etwas als Recht annähme. Ions niemals in der 'Weltgeschichte als Recht gegölten hat. niemals als Recht gel- n kann. Wir halten es mit dem Lord d'Abernon: Krieg ist ineg, und Flieden ist Frieden, einen Zunschenzilstand gibt .- nicht. Zum Schutze des Friedens, zur Beilegung inter- ationaler Sti'citigkeiten oline militärische Gcwaltanwen- ung. soll, wie eine fromnie Sage berichtet, ein sogenannter iölkerbilnd" bestehen. Wo ist er? * In der Enöwaffnungsfrage machen sich zwischen Nnab- ängigen und.Kommunisten die allerschärfften Gegensätze �-merkbar. Während nämlich die Unabhängigen als Pazi- 'len für die Entwaffnung eintreten, sehen die Kommu- . iiren in der Forderung der Entente nur ein Manöver der Gegenrevolution, um den Fortschritt der Weltrevolution � uszichalten. In diesem Sinne schreibt die„Rote Fahne" nter der Ueberschrist„Die Verschwörung gegen die deutsche ' ovolution in Spa": Die herannahende deutsche Revolution soll keine Waffen orfinden. S ow j et r u h la n d soll keinen militä- isch starken Verbündeten an seiner Seite haben. .'r französische Jmperialisenus will keinen nennenswerten i'iderswnd in Deutschland vorfinden. Das sind die leitenden stüchtspunktr ffiiglands unld Frankreicks in Spa. Unseren Dank i Herrn Llovd George, daß er sie offen ausgesprochen hat! Die Kommunisten haben, wie immer, vor den Unab- - ängigen die Konsequenz voraus, wie wollen die Bewaff- ••■•tng des Proletariats und erkennen richtig— daß dazu ach Wasseu gehören. Die Nnabliöngigen rufen: llcwaffmmg des Proletariats!" meinen zugleich aber auch. ! eß aus den Besitz von Waffen gar nickt schnell und restlos nug verzichtet werden kann. Wir für unseren Teil eben schon aflärt, daß die Bewaffnung des Proletariat-- it dem Friedensvertrag unvereinbar ist. Will man seine .'usführung, so soll man sie nicht verlangcnl lanKwirtschsftsminifter Sraun gegen öie Irühöruschprämie. Durch Verordnung vom M. Juni d. I. hat der Neichsminister r Ernähr u Ulf und Landwirtschaft abermals Frubdruslbprämicn --Sgesetzt. Es soll für Brolgetreide und Gerste au? der diesjährigen rate pro Tonne ein LieserungSzu schlag von 2(i'. ge- -!t werden, falls die Ablieferung vor dem 1. August rnolgt, und ' Äieferungszuschlag von 150 M., Ivenn die Ablieferung n dem 16. September erfolgt. Die Landeszenlralbehvrdcn können - Teil« ihres �stbietes mit Rücksicht auf späte Ernte oder sonstige /sondere, den Frühdrusch''erschwerende Umstände mit Geuehmi- ng des Reichsernährungsministers die Fristen bis um vier Wochen nangern. Die Gründe für die abermalige Aussetzung der Ibekämpftcn F r ü b d r u s ch p r ä m i e n hat Reichsminister ' e r m e s jüngst dargelegt, es ist aber bekannt, daß sehr weite /eise der Landwirtschaft und fast sämtliche Landwirtschasts- Die JugenZbeichte eines Arbeiters. Bücher, die den Werdegang klassenbewußter Arbeiter schildern, .hren sich seit Jahr und Tag glücklicherweise ständig. Sie sind ickt nur als literarische Erscheinungen zu würdigen, sondern zu- -.ich auch als Dokumente einer ringenden, stark revolunoär durch- Mcn Zeit. Aber das Einzelerlebnis gibt doch schließlieh immer ' n cöacipiton an. Das trifft in hohem Maße auch für jene üzeichnungen zu, die unser Genosse Nikolaus Osirrroth - längst unter dem charaklerfifisckien' Titel„Vom Beter zum a m p f e t" im Verlag der Buchhandlung Vorwärts sBcrlin) her- . i Sgcbrachi. hat. Es ist die Geschichte eines pfälzischen Arbeiterkindes, das seinen n- durch Not und Entbehrungen und durch die lastenden Unduld- aleiten eine? streng katholisch-kirchlichen Elternhauses machen ußte. Hemmungen über Hemmungen wollten überwunden wer- >, bis schließlich dem aufgeweckten Jüngling der Weg frei lag: v.s Engumgrcnzte der dörflichen Heimat mit dem Menschenraub- ;i einer primitiven heimischen Industrie, die jede gedankliche Selb- ändigkeit niederdrückende Kleruswirtschaft, die geistige Nnintcr- c'iicrtheit des ganzen Bekanntenkreises, das mangelnde oder doch , geweckte Selbstbewußtsein. Wie das alles kam. daß Schranc um l tränke fiel, ist in einer launigen, fesselnden An erzählt. Ter -eufel und die Erbsünde, wüstester Aberglaube und blinde,, lächer- ne Heiligenverhimmelung spuen durch die Seiten des Buche?. .* er eins nach dem anderen geht in die Brüche. Der Glaube des terS, der die Augen offen behält, gerät allmählich ins Wanken- "ebcr des Preußenfrcssers Dr. Sigls bayerischer Bauernbündelei ' nmt er zur Sozialdemokratie, wird er ein moderner Gcwerk- : notier und ein braver Kämpter für die Ziele der Partei. Die Tendenz des Buches ist eine überaus ernste, lind doch ist ■ w? so launig und lebfrisch erzählt, so schnurrenartig geplaudert, r.ig man seine helle Freude an die>er Beichte hat. Es steckt eine ge- fise Verwandtschaft in dem Buche zu zwei ganz ähnlichen Ver- Icntlichungcn der jüngsten Vergangenheit. Man mutz an die iöffcläner Lausbubengeichichten" in Philipp Scheidemanns„Zivi- scheu den Gefechten" denken; und auch Wilhelm Reimes Buch„Durch ' r Drahtverhaue des Lebens" komnit einem unwillkürlich kns Ge- t ichtnis, der aus einem ähnlich unduldsamen zentrumsrheinischen p-'den wuchs wie Ostenroth. Es ist dem Buch zu wünschen, daß es , recht viele Hände kommt; die ganze Art seines Erzählens kenn- ichnet es als Unterhaltungslektüre im besten Sinne des Wortes. Gar vielen Arbeitern wird es ein Spiegel der eigenen Eni- wicklung sein. L. L. Tee Ein-akeitSwillc des Arbeitersängerbundcs. Die General- rcrsammliing des Arbcrt'rsängerbundes, deren Delegiert« etwa - 160 000 Arbeitersängenazerireten, hat in Kassel getagt. Ein« Reihe kammern Gegner der Frühdrufchvrämie find und sie bekämpfen. Auch der preußische Landwirtschaftsminister Braun hat sich gegen die erneute Frühdruschprämie gewandt und beim Reichser- nährungsminister seine Bedenken gegen sie geltend gemacht. Nachlassen öer Koblenforöerung. Zur Verkebrslage im Ruhrrevier wird aus Es'en gemeldet: Die Kohlenförderung der Zechen im Ruhrrcvier ging in der ver- gangenen Woche(28. 6.-8. 7.) noch wencr zurück. Die Beteiligung an den vertraglich zu verfahrenden II eberschichten nimmt ab. Eine Reihe von Belegschaften stellte auf Beschluß de? Betriebsrats die Ueberschichtcn ein. Als Hauptgrund hierfür wird die schlechte Brotversorgung bezeichnet. Kommunistischer Unterftnhunasmißbrauch. Magdeburg, 0. Juli.(Eigener Drahtbcricht des„Vorwärts".) Der Magdeburger„Volksstimme" ist es durch einen Zufall gelungen, Licht in das dunkle Treiben der in Massen auftauchenden b o I s ch e- wistischen Ruhrflüchtlinge zu bringen. Nach den un- bedingt ziioerlässigen Feststellungen sind es diirchaii? nicht einzeln- verbrecherische Elemente, welche die Unterstüdungskaffen plündern. Die K. A. P. D. und die Stindikalilten haben zur Ausnutzung der UnterstütziingSsonds ein richiiges System ausgearbeitet. Ihre Funktionäre besitzen in Massen folgenden Blanko«»sweis oder habe» entsprechende Stempel: Der revolutionäre Vollzugsrat DniSbnrg,....... Duisburg. Bescheinigung. Der— die Genosien......... von der Roten Armee sind Flüchtlinge ans dem Rnhrgebiet. Es wird gebeten, dieselben zu unterstützen. Der revolutionär« VollzngSrat Duisburg. I. A.: Kempa. Diese-AuSweise werden an Anhänger der K. A. P. D. und der Syndikalisten oder an solche, die sich so nennen, ausgegeben, mit der Anweisung, den Zettel mit Namen auszufüllen, das Datum de? 2. April zu setzen, weil von diesem Tage an die echten Aus- weise ausgegeben worden sind. Ebenso wird aufgefordert, den Zettel mit dem Namen zu unterzeichnen. Mit Hilfe der Unter- stützung, die Inhaber solcher Ausweise erkalten, reisen die Agi- t a t o r e n umher. Es werden aber auch Anhänger in größerer Zahl nach bestimmten Orten im Rnhrgebiet dirigiert, mit der Anweisung, sich dort auf den Sekretariaten der Syndikalisten und der K. A. P. D. zu melden. In Magdeburg praktiziert die K. A. P. D. diese Methode. Wahllos werden die Blaukomisweise von dem Funktionär Hanschmann verteilt, auch in mehreren Exemplaren, mit der Ausfordening. recht viel« Gesinnung S- genossen zu lverben und mit Hilfe der erschwindelten Unter- stützungcn nach W e st f a l-e n zu reisen. Dieses B e t r u g s m a n ö V c r ist um so verwerflicher, alS da- durch infolge der Schwächung der Kassen die wirklich unter- stütziingsbedürftigen Arbeiter benachteiligt wer dem Der verbotene„vorwärts". Man schreibt uns: „Ich fühle mich veranlaßt, Ihnen folgendes mitzuteilen: Ter Gastwirt Sck. in H a i n z e l c, Kreis Fulda, und ich selbst hielten im ersten Vierteljahr den„Vorwärts". Ter hiesige Pfarrer Bar- big konnte e? nicht unterlassen, gegen das Halten dieser Zeitung Stellung zu nehmen. So wurde mir von verschiedenen Obren- zeugen absolut glaubwürdig mitgeteilt, Herr Barbig hätte solange auf den Landbriefträger a. D. Adalbert Sch. eingewirkt, bis er das Blatt wieder a b b e st c ll t e. Zeugen hierfür kann ich be- nennen. Gehört das auch zur Scelsorg«, Herr Pfarrer? Die Tierärzte wünschen, wie sie in einer Resolution zum Ausdruck bringen, Aufnahme eines Vertreters in den Reichs- wirtschastSrat. von weittragenden Beschlüssen wurde gefaßt, die den Arbeitcrgesang und die Pflege der Musiklultur im Volke zu fördern geeignet sind »nd zum Teil in organisatorischer wie künstlerischer Hinsicht neue Wege bedeuten. Folgende höchst erfreuliche Resolution wurde mit allen gegen drei Stimmen angenommen: „Die sünfle Generalversammlung des Deutschen Arbeiter- sängerbundeß legt das Bekenntnis ab, mit der gesamten arbeiten- den Klasse(Hand- und Kopsarbeiter) in ihrem Befreiungskampfc zu fühlen und zu denken. Der Arbeitersängerbund fühlt sich eins mit dem Proletariat im Kampf um die Erringirng der politischen Macht und will durch seine Tätigkeit neben den hohen künstlerischen Idealen diese? Ziel erreichen. Hierzu ist aber notwendig, alle sangesfähigen Arbeiter und Angestellten in seinen Reihen zu ver- einigen. Nicht soll der Bund für eine Partei allein bestimmt sein, sondern alle Sozialisten sind uns herzlichst willkommen und sollen mit dazu beitragen, baldigst eine Einigung und Erstarkung des Proletariats herbeizuführen, weil eine solche im Interesse der ar- beitenden Klasse unbedingt von Nöten ist. Der Deutsche Arbeiter- längerbund ist eine Organisation zur Weckung und Verbreitung rünstlerjschcr Kultur in der Arbeitcrscbasi und weist alle Zcrsplittc- rungsversicche mit Entschiedenheit zurück." Dieser Beschluß reitet der deutschen sozialistischen Arbeiter- sckiaft beider Ricbtnngcn aus frischem Geiste eine Sängerschaft von ungebrochener Leistungskraft und. ungehemmter Entwicklungs- sähigkcit. Max Klingers Bestattung geschah gestern abend. Da« Erab, das der Meister gewünscht hat, liegt in seinem Garten zu Grogjcna aus einer Anhöhe mit weitem Fernblick nach Naumburg hin. Leipziger Abordnungen sprachen und legten Kränze nieder. Für die Berliner Freie Sczesiion trat Käthe Kollwlp an den Sarg, und sie sprach im Geiste derer, die Ende der achtziger Jahre erlebt haben, was Klingcr der jungen stiirmberciten Generation als Deuter des Lebens gewesen ist. Die Keberriccher. Im 18. Jahrhundert gabs Kafieeriechcr, die herumschnüffelten, ob eine Privatperson Kaffee im eigenen Heim brannte, anstatt ihn von der staatlich» konzessionierten Stelle zu be-. zielen: heute givts Kctzerriecher, die herumschnüffeln, ob Kinder ihre Unterweisung in religiösen und Lebensfragen auch von der staatlich konzcisioniertcu Stelle beziehen— oder etwa aus anderer Quelle! Und wird eine solche Quelle ermittelt, dann wird sie ver- giftet, zugeschüttet, irgendwie verdorben. Wie nun�aber, wenn die gleiche Person einmal an staatlich konzessionierter Stelle steht und Religionsunterricht gibt und außerdem..Moral"unierricht oder besser Lcbenskirnde außerhalb der Schule erteilt? Ja dann, dann kann ihr Religionsunterricht natürlich nicht? taugen!' So dachten die Eltern der Ocherlyzeumsklasse IT in Spandau und hetzten ihre Kinder auf— und diese streiften! Ersten» erweckte Fräulein Panten— das ist die gefährliche Person— in ihnen religiöse Zweifel(d h. in gutem Deutsch: sie regt zun, Nacb. denken an), zweiten» bringe sie Politik in die RcligionSstundc. (Sollte sie ciwa Lutbers inneren Zusammenbruch im Bauernkrieg erwähnt haben? Hat sie vielleichi ihn als den Urheber der wider- lieben kirckUicki-böfischcn GejinnungSkriecherei gekennzeichnet, indem er die Obrigkeit, jede Obrigkeit, als von Gott eingesetzt bezeichnete? Oder ist ihr Bismarck nicht das Muster eine? ftommen Mannes? internationale posttonferenz. � Die Internationale Konferenz der Pofiber- w a l t u n g e n ist vorgestern im Ministerium der Oeffenllichen Arbeiten in Paris zusammengetreten, alle Länder Europas sind vertreten. Dre iKoinmiisionen wurden eingesetzt. Sie beschäftigen sich mit der Wiederherstellung des internationalen Telegraphen- und Telephonverkehrs und mit der Frage de? internatio- nalen Funkendiensies. Deutschland ist ans der Konferenz durch sieben Delegierte vertreten. Rvsenbanü unS Galgenftrick. Lcvi kontra iRadeck. In der neneften Nummer öer Zeitschrift„Die Internationale" setzt sich der kommirnistifche Reichstagsabgeordnete Dr. Paul Lev i mit Karl Ra det auseinander, �der im vor- angegangenen Heft das'irnqarische Räteerperiment verherrlicht und an ihm u. a. nur bedauert hatte, Haß damals bie ungarischen Komm» nisten nicht gleich neben dem Regierung s- gcbaude den Galgen aufrichteten für die schwankenden Elemente.der Sozialdemokrati e". Daraus ant- wortete Levi: Ich lmlic in der proletarischen.Diktatur einschne-idende upd schwere Maßnahmen für nötig gegen die Bourgeoisie, ich kann mir auch vorstellen, daß in schweren Augenblicken das Proletariat isch durch b rassische Rdaßnähmen ausrecht erhalten miuß gegen .Hasenherzen oder Verräter in den eigenen Rethen: aber im Äugenblick der.sionftituievuwg der Rätcherrschaft den Galgen zur Maihode der Einigung und �usaimmenschli-ßung de? Proletariats zu erbeben, die Organisierung und Konsolidierung he? Prole- rariats nicht aus der Basis des„klaren unld um zweideutigen Willen? der großen Mehrheit des Proletariats", �ihrer bewußten Zustimmung zm den Ansichten, Zielen und Kgrnpftne ihode n" der Kommunisten Das Baad, daS die proletarfflhe Klaffe al? solche zusammen- hält, kann vielleicht kein Rosanband sein, aber flcheelich auch kern (Yalgen strick. Im Gegenfatz zu Rabe? mid beu ihm gleichgefmrtten Münckener Kvmmunrsten glaubt Levi nickt an bie Z&mrder- dätigkeit der Niederlage. Er schreibt darüber:.. Ich glaube nicht, daß Man gut llut, über so schwere Nie» d e r l o g e n leicht hinwegglugehen wie Rädel über die ungarische. indem er konstatiert, daß dort„nicht nur der Wille des un- garischen ProleKiriatS ßnr Befreiung ausgedrückt, sondern ver- stärh und vertieft wockden sei". Ich liege, wie die Dinge liegen, die Befürchiung, daß die Verhältnisse in Ungarn dem dortigen Proletariat aus laurie hinaus nicht gestatten, diesen verstärkten ■und vertieften" Willen zu entfalten. Ich empfinde Ungarn wie München als einen Passiv-, keinen Aktivposten dar Weltrlvolution, ■und kann mich nicht davon überzeuaen, daß es kommunistische Führung sei, so die Aktionen zu treiben, als sei es gleichgültig. ab ein Aktiv- oder ein Passivposten Heranskommt, geschweige denn, daß ich sogen könnte: man mutz auch eine Niekderlbge herbeiführen. wenn man keinen Sieg herbeifiibren kann;— denn auch die Niederhag« hat ja ihr Gutes. Ich halte es auch nicht ftir zweckmäßig, wenn Ge nasse Rade? versucht, solche Gedanken dadurch iabFuschneiden, daß er diese Kritik identisizicrt damit, daß man Märtyrer wie Levine oder Bela Knn äls revolutionäre Abenteurer hinstelle. Ihre Wundmale sinkd mir ebenso teuer wie dem Genossen Radek. Und ich kann ja nur immer fagcn: würde ich an ihrer Stelle ,im Kampfe, umgeben von Pnlverdampf, gestanden haben, vielleicht bätt«-ch auch nicht anders entschieden. Aber richtig wäre auch meine Enlfcleidung dann nicht gewesen. Also nichts sei mir ferner, als daß ich auch nur ein Wörtlein sage darüber, daß sie geirrt haben. Nur dagegen wollie ich ein Wörtlein sagen, das? mau, wie Genosse Ratoek tut, den Jrrtntn zur komm»rnistifchen Theorie erhebt. Man sieht aus diesen klugen Ausführungen, daß äuck die nock überlegungsfähigcen Führer der deutschen Bolsche- wiften die Neigung verloren.haben, sich uttd ihre Anhänger als Kanonenfutter für eine hasardierende russische Außen- Politik mißbrauchen zu lassen. Der„gute" Bürger bekreuzige sich!) Und drittens und letztens: es vertrüge sich nicht, daß Fräulein Ponten Religionsunterricht und Moralunterricht erteile lund da? heißt aus gut Deusich: da haben Kirche und Eltern Flöh? geheckt und den Kindern ins Ohr gesetzt). TicfKIassc bat das Provinzialschnlkollegium nm eine andere Leh» traft; die durch den Streik wahrscheinlich höchst überraschten Eltern bezwangen ihren Unwillen und billigten ihn schweren Herzens. denn ihre Töchter hätten recht, das vertrüge sich nicht: Religions- nnierricht und Moralunterrickt!(Wahrscheinlich verträgt sich bei diesen Eltern die Religion nicht mit der Moral!) Auk diesen Stoßtrupp der„Handgranaten" werfenden Eltern und höheren Töchter folgte der Generaliturm de? ganzen schwarzen Heeres: Eingaben der Spandauer kirchlichen Gemeindevereine, der Kreissynode, des Konsistoriums, diesem„Uebelstand" möge abge- Holsen werden. Tie reaktionäre Presse ließ ihre Batterien spielen, die„gute" Gesellschaft stellt? sich in den Dienst der„guten" Sache: die kirchlichen Gcmeindeverbändc, die Pfarrer, der Superintendent de» Ortes. Es stand übrigen? Fräulein Pantens Wabl zur sozialdemokratischen Stadtverordneten bevor lwer sagt da: Aha?!), aber nein, das lmt ja nichts„mit der Sache" zu tun. Tie Elternbeirats. wablen, bei denen Fräulein Panten angeblich..Listen gefälscht" hatte, ein junge» Mädchen„gemißhandclt" und andere fürchterliche Tinge getan, hatten den Auftakt gegeben. Das übrige war regel. rechter Feldzugsplan, so hat es da?„Spandauer Tageblatt" selber eingestanden. Wie wehrt man sich nun gegen eine solch« feine Gesellschaft? Man iagt einfach, wie die Dinge liegen. Die Darlegung de? Sach- verhalt? bei den ElternbeiratSwablen hatte bereits die öffentliche Meinung„entgiftet"; die Seminarüass« trat dann für ihre Lehrerin ein. man fing an. daß allzu durchsichtige Spiel zu durchschauen- Run kommt es zur Entscheidung: da? Provinzialschnlkollegium hat erstens die Pfiicht, einem tapferen Menschen auf einsamem Posten aiMn die Meute beizustehen, es bat zi veitens die Pfiicht— und da? iinhe prinzipielle Seite der Sache— zu erklären: solang« nicht die Kircbe erklärt, daß Religion und Moral'm Widerspruch zueinander sieben, la lange haben loir nichts dagegen, daß dieselbe Lehrperson Religionsunterricht und Moralunterricht erteilt. Und zum Schluß: könnte man nicht Fräulein Panten zur Provinzialschulrätin machen? Menschen solcher Art, die Religion und Moral vslegen. die Inn uns not!_ Der Wechsel in der Generaldtrektion der Museen. Die Be- lusllNfl von~T, G. F. Hartlaub aus Mannheim, der als Naifisol-i-r de« an« Nürnberger Germanische Museum gekommenen Dr. Heinrich.Zimmermann genannt wurde, ist vorläusiz mir eine Kombination. Der neue Gcncraldirettor Otto v. l-alke wird schon vor seinem Amts- antritt die groxe Alisgabe beginnen, deren Vorbereitung seit der Umwälzung nn Gange ist. Für den August und Scvl-mbcr ist die llebersübrung de:: Sammlungen de- Kunstgewerbemuseums aus der Prinz-?llbrecht- Strohe in'da? Tckloh an der Spree vorgesehen. Die Alisitellung der schon seht etwa 80000 Nummern zählenden Sammlimgen dürste sich durch den Winter hinziehen., Tie neue Altersgrenze siir Hochschullehrer wird für die Derlmer Universität die Folge haben, dag nicht weniger als 37 Ordinariale soso:! »u emeritiere?!, das heißt 37 neue ordentliche Professoren zu ernennen sind, falls man nicht gewisse persäntiche Ordinariate eingehen lassen will. die Krage öer Kriegsfchulülgen. Paris, 8. Juli. Wie der Berichterstatter deS„Jntrausigeout" »ittteitt, soll die F r a g e d c r B e s ck> u l d i g t c n jedenfalls nicht in Epa erörtert werden.?cr belgische Minister des Aeußern n? m a n n sei bcanfiragt worden, namens der Alliierten einen Beliebt zu erstatten, der den Dcntschcii einfach übermittelt werde. Noch eine Kaiseröebatte. twndot», 8. Juli. sRcuier.l linterhaus. Vottomleys fragte, ob S>c!land Mitglied des Bölterbundes sei und ob die englische Regierung an den Bund herangetreten wäre, um einen IT> u ck auf Holland herbeizuführen, damit es seine Weigerung, d-n vormaligen deutslben Kaiser auszuliefern, aufgebe. Bonor Law bejahte die erste und verneinte die zweite Frage. Viijf ein? weitere Frage Bottomlehs sagte Bonar Law, er glaube r-rfü, daß irgendwelche Vorstellungen- des Völkerbundes mehr Er- folg babcn würden, ol? die Vorstellungen, die von den alliierten Bi.achten gemaöbt worden feien. durchbruch üer Russen. HelfingforS,?. Juli.(TU.) Südlich von Pro?- k u r»w twelllich der galizifchen Grenze, an der Eisenbahnlinie Kiew— Lemberg) sind die Russen erneut dnrchzcbrochen, und zwar in der Richtung auf Tarnopol und Lemberg. Da? alte Festung?- dreierf R» w n o— B u b n o— L u ck ist jetzt ohne jeden Schutz. Von den Karpathen bis zur Brrcsina befinden sich dir polnischen .» i b i r i e n heimgekehrter ehemaliger Kriegs« und Zidilgefangener ist es gelungen, neuere Nachrichten aus dortigen Lagern sowie über das Schicksal einzelner noch zurückgebliebener Kriegsgefangenen zu erhalten Es haben sich außerdem eine ganze Reihe Heimgekehrter bereit erklärt, Auskunft über ihre Kameraden, soweit sie hierzu imstande sind, den Angehörigen zu erteilen. Die letzte Nummer der„Mitteilungen" des Volksbundes zum Schutze der deutschen Kriegs- und Zivilgefangencn, Berlin SlV 08, Linden» straße 35, enthält die näheren Daten hierüber und ist vom Heeres- abwickelungsamt Preußen gegen Nachnahme(50 Pf.) zu erhalten. „Kaiserlich" heißt das Postamt des Neuköllner Post- bezirks 1 noch auf gestempelten Oblaten, mit denen amtliche Briefe dieses Postamts verschlossen wurden. Der Empfänger Von zwei solchen im Jum 1020 aufgegebenen Briefen überreicht uns die Umschläge, ans deren Rückseite prangt:„Kaiserliches Postamt Neukölln". Daß die von früher noch vorhandenen Zettelchen au> gebraucht werden sollen, kann bei der'Papierteuerung verstäiodltch siheinen. Tann, möge man aber mit einem dicken Sttich dem Postamt seine..Kaiserlichkeit" nehmen, wie da? deutsche Volk sie Wil- Helm dem Letzten genommen hat. Auch für das Berliner Post- a m t 01 am Tempelbofer Ufer empfehlen wir eine Korrektur. An der Außenseite des Gebäudes liest mau immer noch die Inschrift: „Kaiserliches Postamt". Herunter mit der.Kaiserlichkeit"! Mutterschulkursus. Im Kaiserin-Anguste-Vikt'orio- Haus, Eharlottenburg, Frankstraße, beginnt am 8. Juli 1920 ein Kuri'us für Mütter und Mädchen, in dem all das theoretisch und praktisch gelehrt werden wird, waZ eine Frau von der Pflege und Ernährung des Säuglings wissen muß. Der Kursus umfaßt chier Stunden: jeweilig Donnerstag von 5— 6>/z Uhr. Es wird großer Wert auf praktische Nebimgen am lebenden Kinde gelegt. Am Schlüsse des Kursus Repetition des Gelernten am Säuglings- Pflege-Lehrfilm des Kaiserin-Augnste-Viltoria-Hauses. Einschreibe- gebübr für den Gcsamtknr'uS M. 15,—. Meldungen im Bureau der Anstalt. „Dolk und Zeit", unsere illustrierte Wochenschrist, stegi der heutigen Pastauflage bei. Grost-Berliner Lebensmittel. Stralau. Anmeldung bis Montag: 37S Gramm Zucker(14), 125 Gramm Grieß(35), 125 Gramm Erbjen(36). Groß-Serliner Partewachrichten. Heute, 9. Juli: 2. Nbt. Die zur Flugblattverteilung am Sonnabend bestimmten Flugblätter sind beim Genossen Lucht, Lindcnslr. 2, baldigst abzuholeo. Morgen, 10. Juli: 24. Dbt. 5 Uhr Flugblattverbreitung von den bekannten Lokalen. 7 Uhr bei Rösner. Emanuelkirchstr. 25, Fwiltionärversammlung. Besprechung über die Statuten. 21». Abt. 7 Uhr bei W. Burg, Prenzlauer dlllee 189, Sitzung der Bezirtssührcr._ Vorträge, Vereine und Versammlungen. KeichSdnnd der Kriegsbeschädigte», Bezirk Lichtenberg. Am 13 Juli im Lyzeum, RathauSstraße, 71/, Monatsv-rsammlung. Seifen- und Rähgarnverkaus. Ter Bortrag in der politischen Arbeitsgemeinschaft der Frauen. den Frau Adele Schreiber Montag im Deuuchen Frauenllub. Kursürsten- straße. über den inlei nationalen Frauen kongreß in Gens halten sollte, muß aussallen. Ter Archeuhotdsche Vortrog über das Einsteinsche Rclativi- tätsprinzip und seine astronomischen Beweise mit zahlreichen Ltcht- un� Drehbildern und den beweisenden Originalausnahmen der Sonnensinstcrnis vom Jahre 191S wird wegen des bisherigen Andranges am Dienstag um 7>!z Uhr im großen Bliithner- Saal, Berlin W, Lützvwslraßc 76, wiederholt._ SenchtsMttmg. Der MassenmLröer Schumann vsr Gericht. Nach Eröfsnung der Sitzung werden die zum Fall der Ermor- dnng des Nachtwächters Engel noch nachträglich geladeneu Zeu- ginnen vernommen, welche jedoch beide den Angeklagten nicht als den Mann wiedererkennen können, den sie damals in dxr Nähe des Tatortes haben herumschleichen sehen. Rechtsairwalt Dr. Fred beantragt zwecks Nachprüfung der Angaben des An geklagten die beiden Transporteure. von welchen Schumann auf dem Transport nach Berlin angeblich schwer mißhandelt sein will, zu laden, um festzustellen, was an den Erzählungen des Angeklagten wahr ist. Es beginnt darauf die Beweisaufnahme über die Erschießung des LehrcrS Paul. Der Lehrer Paul befaß in der Kolonie Fatkenhagener See ein Laubengrundstück, auf dem er mit seiner Frau und Tochter im Sommer wohnte. In der Nncht zum 22. Juni wurden die schlafen- den durch ein Feuerknistern wach. Als sie aus der Laube hinaus wollten, entdeckten sie, daß von unbekannter Hand ein dicker Zaunpfahl von außen gegen die Tür gestemmt war. so daß die Tür nicht aufging. Nachdem cS ihnen mit vieler Mühe gelungen>oar, das Hindernis zu beseitigen, entdeckten sie, daß ein mit Holz gefüllter Schuppen brannte. Sie löschten das Feuer und wollten gerade wieder in das HauS hineingehen, als Frau Paul eine Gestalt zwischen den Bäumen bemerkte. Sie schlössen die Tür schnell von innen. Im nächsten Augenblick schob sich eine rauchgeschwärzte Hand durch den Fensterladen und versuchte �den Feitstcriegcl zu öffnen. Während Paul rieft „Was wollen>sie denn hier?" krachte ein Schuß und Paul sank zusammen. Wie die Zeugin Fräulein Paul bekundete, habe gleich darauf ein Mann mit Soldaten mütze durch das Fenster gesehen und die PistÄcnmündnng auf sie gerichtet. Sie habe gerufen: Lieber Mann, gehen Sie doch. Wollen Sie u n S denn alle drei ermorden? Wir find doch keine reichen Leute! Der Mann habe darauf die Pistole sinken lassen und fei weggegangen. Bors.: Kennen Sie den Angeklagten als den Täter wisder? — Zeug int Ich habe ihn, als er mir gegenübergestellt wurde, sofort wieder erkannt. — Vors.: Ist er e* gewesen?—Zeugin: Ja.— Vors.: Haben Sie gar keinen Zweifel?— Zeugin: Nein?-ch habe das Gesicht noch deutlich in der Erinnerung.— Rcchtsanw. Dr. Frey: Dia Zeugin hat erklärt, der Mann habe blaue Augen gebabt. Der?in.- geklagte hat doch alles andere als blaue Augen. Der Zeugin ist ja der Angeklagte auch erst nach Jahr und Tag gegenwergestellt worden.— Die Zeugin bleibt dabei, daß sie den Angelagten wieder- erkennt.— Vor s.: Angeklagter, können Sie sich jetzt vielleicht ent-- sinnen, in jener Nacht an dem.Hause des Lehrers Paul gewesen zu sein?— A n g e k I.: Ich habe weder geschossen»och Feuer augelegt. Nack meiner Meinung war iÄ zu jener Zeit überhaupt im Felde. — Auf Beftägen des Vorsitzenden bestätigt Frl. Paul, daß ihr V-aler er-äblt habe, er sei dazugekommen, wie der Angeklagte ani 22. Juni 1018 eine Frau G'cwswski»e-gewaltigen wollte; dieser se: dadurch bei der Ausübung des Verbrechens gestört worden, Frau Paul, die Witwe des erschossenen Lehrers, macht ihre Aussagen m sichtlicher Erregung, die um so erklärlicher ist, als heute gerade der Sterbetag ihres Maunes ist. (Fort fetz trug in der FdorgertquSgabe.,/ s"nMfctnS' Zlugblattverbreitung öenlS.Mi, abSUHr Wirtschaft Zum Zusammenschluß Schultheiß-Patzenhofcr. Die Betriebsräte der beiden Brauereien haben folgend: Eni- schließnng angenommen: Die versammelten Betriebsräte der Schultheiß- und Patzenhofer Betriebe verlangen, daß durch das Zusammenlegen der Schultheiß- und Patzenhofer Betriebe in erster Linie ein billigeres und besseres Bier hergestellt werden muß, um dadurch den Konsum gu heben. Um eine höhere Wirtschaftlichkeit der Betriebe herbeizuführen, muß vor allen Dingen in der Leitung ganz erheblich gespart wer- den. Sie protestieren aber ganz entschieden gegen Still- legung einzelner Betriebe; denn dadurch würde ein erheblicher Teil arbcitsfreudiger Arbeiter der Arbeitslosenunterstützung zur Last fallen. Sie verlangen, daß der in guten Zeiten geschaffene Mehrwert dazu benutzt werden muß, die Arbeitskräfte weiter zu beschäftigen. Sollte man aber später zu Entlassungen schreiten müssen, so verlangen die Betriebsräte, daß den Aus- scheidenden der Betrag von mindesten? einem halben JahreSlohn ausgezahlt werden muß. Wir haben in Nr. 336 A. des„V o r w S r t s" zu dieser Frage, die weit über den hier vorliegenden Einzelfall hinaus eine rund sätzliche Bedeutung hat, Stellung genommen und darauf ingewiesen, daß eS Volks wirtschaftlich betrachtet vor allem darauf ankommt, alle entbehrlichen Arbeitskräfte wieder in wirtschaftlich günstiger Weise in den Produktionsprozeß einzuschalten. DaS kann nur dadurch geschehen, daß die Betriebe sich anderen Betrieben, die Arbeitskräfte aufnehmen können, also landwirtschaftliche Großbetriebe, angliedern, oder in den frei- werdenden Filialbetriebcn neue FabrikationSzweige aufnehmen. Die Forderung, daß ein halber Jahreslohn ausgezahlt werden soll, ist begreiflich, da bielleicht viele der zur Entlassung kommenden An- gestellten und Arbeiter beabsichtigen, sick mit diesem Geldbetrag eine eigene Existenz als Kleinhändler, Gastwirt usw. zu gründen, vielleicht auch an Siedlungsgenossenschaften zu beteiligen. Diejenigen Arbeiter und Angestellten, die S o z i a l i st e n sind, die g e. rn ein wirtschaftlich denken, toerden aber anders denken und i oz i a I ist i sche n Grundsätzen gemäß ander? denken müssen. Sie müssen sich darüber klar sein, daß die V o l k§ g e s a m t he i t ein erhebliches Interesse daran bat, wie ihre Arbeitskraft Rukiinitig zum Besten der Volkswirtschaft Verwendung finden kann. Bleiben sie als entbehrliche Glieder im Betrieb, der sie mit- erhalten muß, dann belasten sie den Konsum, der nnt jedem Glas Bier einen Anteil Erwerbslosenunterstützung mit zu zahlen hat. Da Bier ein G e n u ß m i t t e l ist, auf das man auch verzichten kann, ist diese Belastung nicht so schwerwiegend, sicher aber wirkt sie auf den Konsum hemmend. Dagegen kann man Wohl mit Recht sagen, daß solche Be- lastungen in erster Linie aus den für die Aktionäre be- stimmten Ueberschiisscn zu decken sein werden. Die Frage, inwie- weit die Aktiv uärdividende auf eine bestimmte Höh« zu beschränken ist, um dip Ueberschüsse zur Herabsetzung des BierpreiseS, damit zur Steigerung des Ilmsatzes und damit letzten Endes zur Vermehrung der Arbeitsgelegenheit zu verwenden ist, ist ebenfalls eine grundsätzliche und bedarf einer allgesticinen Regelung. E? zeigt sich tagtäglich mannigfaltig der Unterschied zwischen T b c o r i e und Praxi?, der Geyensatz zwischen dem Eigeninteresse dcS einzelnen und dem Gesamtintcresse. Wollen die beteiligten Arbeiter und Angestellten sozialistisch bandeln, dann müsse sie die Forderung ausstellen, daß die vereinigten Unterneh- mungen mit allen Mitteln neue Arbeitsgelegenheit, und zwar keine Nofftandsarbeit als verkleidete Erwerbslosensürsorge, sondern produktive, neue Arbeitsgelegenheit zu schaffen haben. Born Eisenbeton-Schiffbau. Der Jen tralverein für deutsche Binnenschiff- fahrt beschäftigt sich mit dem Wiederaufbau der Binnen- flotte, der unter den niederschmetternden Bestimmungen de» Friedens- vertrage? erfolgen muß. Vereinfachung, Verzicht auf Aus- ftattuiig; Vereinheitlichung und intensivste Jngenieurarbeit sind die unbedingt nötigen Mittel dazu, einsacke gerade Schiffsformen mit besten Schlepp-Ergebniffen. Die Eisenbstonwertten in Kiel und Minden zeigen die Vorzüge deS Eisenbetonschisf- baue» in wirtschaftlicher und technischer Beziehung. Die Preise der Reichsschnhe. Das?ür die Folge von der Reichsschubversorgung G. m. b. H. an die K o m m u n a l v e r b ä n d e für die minder- bemittelte Bevölkerung zur Verteilung gelangende lederne Straßen- fchuhwerk wird seirnr Beschaffenheit nach in 3 Klassen eingeteilt und entsprechend berechnet. Klasse I: Beste Ausführung, hochwertige Leder, nur rahmcngenäht. „ II: Durchgenäht und holzgenagelt in besserer Ausführung. . HI: Durchgenäht und holzgenagelt in guter Ausführung. Die veränderten Verhältnisse haben zum Teil eine Hinauf- setzung der Preise notwendig gemacht. Die neuen von der Reichsichuhverlorguiig G. m. b. H. in Rechnung zu stellenden Preise sind jedoch auch bei Berücksichtigung der derzeitigen Lage auf dem Ledermarkie so niedrig bemessen, daß sie um ein ganz Er» heblickesunter denjenigen Preisen liegen, die für das im freien Verkehr erhältliche Schuhwerk anzulegen sind. Unter Berücksichtigung der den Kommunalverbändcn erwachsen- den erhöhten Unkosten einerseits, des erhöhten RechiiungSpreises andererseits ist der den.Kommunalverbänden zugebilligte Ver- triebsspesensatz auf 8 v. H. des Rechnungspreises festgcsesi. Sonach stellen sich künftighin die Preise, wie folgt: Rechnung?- Vertrieb?- preis. fpesen Z 62.06 M. 12,95 M. 115,75. 9,25. 83,85. 6,65, Aufgestempclter Klcinverkaufs- preis 175.— M. 125-. 90-. a) Herrenstiefel, Gr. 40—46 Klasse I . II . m d) Damen- u. Konf.-Stiefel. Cr. 36-42 bzw. 36—39 Klasse I 148.15 M. l l.85M. . II 101,65. 8.15, . HI 83,35. 6,65. c} Knabenstiefel, Gr. 35—89 bzw. 40 Klasse I- M.- M. . II 83.85. 6,65. . III 64,80. 5,20. ä) Mädchenstiefel. Gr. 31-35 Klasse I— M. . n 64,80,■ 5,20, . m 40,30. 3,70. e) Kinderstiefel, Gr. 27—30 Klasse I— M.— M. . n 46,80. 8,70. . in 32,40. 2,60. k) Kinderstiefel, Gr. 25—26 Klaffe I— M.- M. , II 32.40. L.60, . m 28,16, 1,86. g) Damen-Halbschuhe, nur Klasse n 88,35 M. 0,65 M. 90,- M. Wir vermerken bei der Reichs schuhversorgung einen erheblichen Fortschritt gegenüber dem Vertrieb durch den freien Handel, nämlich die Qualitätsbezeichnungen und die aufgcpcuipeltcn Kleinhandelspreise. Diese Form dcS AnbietcnS von Ware müßte zum Schutz der Verbraucher gesetzlich überall vorgeschrieben sein, weil der Verbraucher nicht beurteilen kann, ob die G ü t e der zum Berkauf gestellten Ware zu dem geforderten Preis im richtigen Verhältnis steht. Darauf kommt es aber einzig und allein an. Wir fordern eine organisierte Wirtschast mit kontrollierten Preisen, um den Verbraucher als Laien vor der schamlosen Be- Wucherung, die sich breit gemacht hat, zu schützen. l«0.- M. HO-. 90,-. - M. 90,-. 70,-. M.— M. 70,-. 50,-. - M. 50,-. 35,-, — M. 35,-. 25,-. Oewerkschastsbsweg u ng 5unetionärfltzung See Elfenbahner. Eine von der Ortsverwaltung Groß-Berlin des Deutschen Eisenbahn er-V«rbandeS in den Zentralfestfälen einbe- rufene Funktionärsitzung nahm zu den brennendsten Fragen, die die Eisenbahnerschaft bewegen, Stellung, insbesondere zum Reich?- l o h n t a r i f und zu der EinstufungSfvage der Beamten im Be- foldungSgefetz. Nach eingehender Diskussion wurden nachstehende Resolutionen einstimmig angenommen, die der Hauptvorstand bei den Beratungen im HauSbaltSauSschuß dcS Reichstages mit berücksichtigen soll: „Die Sitzung der Funktionäre der Ortsgruppe Groß-Berlin des Deutschen Eisenbahner-Verbande? am 7. Juli 1920 fordert von dem Reichstage die sofortige Bereitstellung der Mittel zur Durchführung deS zum Abschluß gekommendcn Reickslohntarif?. Ebenso ist die Einstufungsfrag« für die Eisenbahnbeamten so zu regeln, daß das Besoldungsgesetz endlich die berechtigten An- sprüche der genannten Beamten erfüllt." Eine zweite Resolution, die sich mit den Eisenbahndiätaren be- schäftigt, wurde ebenfalls einstimmig angenommen; der Wortlaut ist folgender: „Die Sitzung der Funktionär« der Ortsgruppe Groß-Berlin des Deutschen Eisenbahner-VerbandeS vom 7. Juli 1920 ersucht daS ReichSSerkehrSministerium. die den in das diätarifcke Be- amtenverhältniS überfübrten Hilfsbeamten gemachten Abzüge für die Monate Juni und Juli zurückzuzahlen und dafür zu sorgeu, daß die Diätare noch Unterstellung unter daS Besoldungsgesetz nicht schlechter bezablt werden, als das unier dem Reichslohntarif der Fall fein würde." Ein Antrag Ullrich, die OrtSvcrwaltung zu beauftragen. die Zusammenfassung der Betriebsräte mit der Betriebsrätezentral« gemeinsam im engsten Einvernehmen umgehend zu bewerkstelligen, wurde mit großer Majorität abgelehnt. In der Diskussion wurde wiederholt zum Ausdruck gebracht, daß die wirtschaftliche Lage der Eisenbahner auf einen Punkt angelangt sei, der zu unabsehbaren Folgen führen könnte, wenn nicht schleunigst die im Reichslohntarif vorgesehenen Verbesserungen de» Lohncin- kommens verwirklicht würden. Es wurde insbesondere darauf hingewiesen, daß die Stimmung im Lande derartig sei, daß man, wenn nicht baldige Abhilfe ge- schicht, mit schweren wirtschaftlichen Störungen rechnen müsse. Allgemein wurde der Wunsch ausgesprochen, den Reichslohntarif endgültig zum Abschluß zu bringen. Zum Streik in Solpa-Zjchornewitz. Die Verwaltung der Elektrowerke bat zwecks völliger Klar- stellung des Sachverhalts die im Tarifvertrage vorgesehene Scklicv- tungSiustanz angerufen. Tie Verwaltung hat den Antrag gestellt. die Schlichtungsiiistanz möge aussprechen, daß die von der Arbeiter- schaft erhobenen Lohnforderungen tarifwidrig und daher zu- rückzuweisen sind und der Ausstand, in den die Arbeiter unter Um- gehung de? Schlichtungsweges eingetreten sind, als t a r i i. widriger wilder Streik anzusehen ist. Eine Neichskonferenz der Krankenkafsenangestellten einberufen vom Zentralverband der Angestellten, tagte vor wenigen Tagen in Jena. Anwesend waren 87 Vertreter aus ollen Teil'.: des Reichs. Zu Punkt l der Tagesordnung„Bcamteneigenfchait oder Tarifvertrag?" referierte G i e b e I- Berlin. Folgende En!» schließung wurde gegen eine Stimme angenommen: .Die Reichskonferenz der Krankenkassenangestellten hält nach wie vor an der �gewerkschaftlichen Regelung ihrer Dienst, und Einkommensverhältnisse und somit an der Tarifgemeinschaft fest und erblickt in derselben die best« Möglichkeit, die Interessen der Kollegenschast zu wahren und zu fördern. Die Beamtencigen- schaft würde das für die Entfaltung der Sozialversicherung not- wendige Selbstverwaltungsrecht der Krankenkassen verkümmern und die Kassenangestellten würden in ibrer persönlichen und wirt- schaftlichen Freiheit die bedenklichsten Einengungen erleiden. Die Konferenz ist aber hinsichtlich der Besoldung der Kassen- angestellten sehr unzufrieden mit der mit dem Hauptverband deutscher Ortskrankenkassen eingegangenen Tarifgemeinschaft un: mit dem Beschluß vom 11. Juni 1920 über die Erhöhung de? taris- licken MindestemkoinmenS. Der Vorstand de? Zentralverbawv? der Angestellten wird deshalb beauftragt, schnellsten? mit allen Mitteln als nächste? Ziel mindesten? die materielle, aber nickt fckematische Gleichstellung, auch in der Anrechnung der Dienit- jähre, mit den Reichsb-amten nach dem Reicks besoldungSgeich durchzusetzen. Auch sollen inzwischen die Gaufachleitungen" des Zentralverbandes der Angestellten bei den Untcrorgancn des Hauptverbande? deutscher O. K- K. auf die restlose Anerkennung dieser Forderung hinarbeiten. Der Vorstand de? Zentralverbandes der Angestellten bat im Sinne der heutigen Konferenz gehandelt, als er die mit dcm Hauptverband deutscher O. K. K. eingegangene Tarifgemeinschaf: für 31. Dezember g< kündig! hat. Außerdem vertritt die heutige Konferenz die Auffassung, daß in der freien deutschen Republik auch den Krankenkasfenangestellten und-beamten in gleicher Weise wie der gesamten Arbeiter- und Angestellrenschaft daS Recht werden muß, frei und unabhängig von behördlichen Einmischungen Tarifverträg« oder Dienst- ovdnungen abzuschließen resp. abzuändern, und fordert desbal" von der Gesetzgebung die schleunigste Beseitigung der diese? Reckt Einschränkenden Bestimmungen der ReichsversicherungZordnung, insbesondere te§§"355." Zu Punkt 2 der Tagesordnung:„Die Reform der Sozialver- sichern ng", sprach H e i l m a n n- Berlin. Nach längerer Aussprach• wurde bescklossen, zunächst in den Ortsgruppen zu der Frag- Stellung zu nehmen und die Beschlußfassung einer im Herbst statt- findenden weiteren Reichskonserenz. die sick auch mit der Aufstellung der Forderungen für die Tarifrevision befassen soll, zu überlassen. Gegenmaßnahmen der Rechtsanwälte im Anwalts- angestelltenstrcik. Di« Rechtsanwälte baben, wie der Zentralverband der�Anae- stellten berichtet,«ine Streikabwchrtolonne gebildet, deren Fübrer der Rechtsanwalt Roth. Friedrichstr. 48, ist und die an die Rechte- onwälte da? Ersuchen gerichtet Hai, während de? Streiks alle Pro- zesse zu vertagen smit anderen Worten zu verschleppen>. Ten Schaden werden also die Mandanten lfaben, die sich zu RechtSai- walte« begeben, die die Forderungen nicht bewilligt haben. D-e Disziplin unter den Rechtsanwälten scheint keine besonders gute sein. ES beweist die?, daß bereit« ein sehr großer Teil die orderungen bewilligt bat und täglich immer neue Bewilligungen eingehen. Unter den Streikenden herrscht eine vorzügliche Kampi:?- stimmung._ Achtung, Kriegiorganisationen: Der Zentralverband der An- gestellten teilt mit: Die zum Freitag, den 9. Juli, nachmniag? Z45 Uhr, in der Aula Kochstr. 18 angesetzte Neuwahl der Lektwn:- leitung ist au? Freitag, den 16. Juli, für gleichen Ort und Stunoe verschoben worden, da die Frist zur Einreimunp von Vor,chlags- listen zu kurz war. Dieselben sind jeyt bis 15. Juli 1920. mitiap? 12 Uhr, bei Halle. Rcichskohlenkommiffar, Wichmannstraße, ernzu- reichen._ «eranNv. lür d-n rcda«. Teil: Dr. Scmcr vdlcr.«attottenttir«; fßt Srnzciacn: Xft.«iorft. Sjttliit. ffierlw VorwärtS-Berlag«. m, 6. Setiin.. ivSrtS-Buadruckcrei n. Berlagsonltol! Paul Singer u. To.,«etil.,. Cintetcht. S. Kerren-daräerobe Anzfi�e, Paletots, Ulster von 415 bis 1200 in. 81 größte Auswahl, besonders preiswert Tellxahlnnsr geMtattet! Isiser, Mrinpr Sir. 67, Film-Palast A-ppenstr. 29 ftgft. 4114 Bom 9. bis 15. Juli: Vis Wölfin. 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