1 F Ii Nr. 344 ♦ 37« Jahrgang Msgabe M Nr. 35 BezvgSpreiS: » wtelfitfitLSO,— 3J! L, tnsnatl.IO,— 2®. frei m«»aus, voraus zahlbar. Pvii- bszag� Monatlich M.— Mt. exll. Zu- lielluilaszebül>r. Unter Kreuzbaud für D-Mfchiand und Oesterreich lS,!0 Mi. rtir Do« übrige Ausland bei täglich «mmol. Zustellung 2150 M. Bastde- stellungen nebmen an Oesterreich, Ungarn, Tscheche-iZIawaiei, Dane» mar', Hollana, auremdurg, Schweden und ai« Schweig.— Eingetragen in die Doich-.eiatngS' Preisliste. ■"et.Vorwärts" mit der Sonntagsbeilage.Bali u. Zeil* ericheini wachen- ibglich zweimal. Zonniags und Man- tag«-inmal. Telegramm-Adreste: ,So;io!»«n>o:rat vorlt»-. orgen-Ansgabe c ) Dccliucr Dolhslilaft AnzeigetlPreiS: Die achtgelpaltene Nonvarcillezeiie kosteiZ.— M., Teuerungszulchlag 50°/» «»loine Anzeigen-, das-att- gedruckte Wort l,— M.(zulaiflg zwe! 'eitgedruckte Worte),>edes weitere Wart 00 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellenanzeigen das erste War: 05 Pfg.. jedes weitere Wort 40 Pfg. 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Es wird dadurch em deutschen Reichsgericht der direkte Verkehr mit den Justiz- ehördcn der Alliierten ohne Benutzung des diplomatischen :•csteö zur Beschleunigung der Verfahren gegen die Kriegs- sti'.ildigen ermöglicht. Das Abkommen wurde in der späteren LollsitzMlg genehmigt und unterschrieben. Dl- Vollsitzung trat um Vgd Uhr zur Besprechung der Kahlcnfrage zusammen. Die Delegierten waren von einem z'.llrcichen Stabe von Sachverständigen begleitet. Minister- :. äsidcnt M i l l e r a n d machte im Namen der Alliierten igere Ausführungen, die darin gipfelten, das; Deutschland '■ den Kohlcnlicferungcn, zu denen es durch den Friedens- rtrag verpflichtet sei, im Rückstände wäre. Die Alli- .Orten hätten deshalb bestimmte Beschlüsse gefaßt, ■ic sie Deutschland zur Unterzeichnung vorlegen. Nach diesem Beschluß der Alliierten wird 1. den Kohlenanforderungen Frankreichs die Priori- n t ans allen deutschen Förderungen gesichert, 2. eine alliierte Kohlenkontrollkommis- i o n. mit dem Sitze in Berlin cinaerichtet, um die gesamte Erteilung der in Teutschland geförderten Kohle zu über» 't-.chen und zu bcaussichtiaen, 3. Teutschland zur Vorlage eines genauen Kohlen- eserun�splaues für sein? gesamte Kohlenwirtschaft ? Kenehmigung durch diese Kohlenlontrolltommission ge. tdugi, 4. tor�fn im Fohfe der Nichtersülluna dieser Bediu» ..ngen auf Verlangen der Repara�onSkommission bestimmte Ä t r a f m a ß u a h m e u in Aussicht genommen. Minister Dr. Simons erhärte im Namen der deutschen ? B'gation, daß die deutsche Regierung nicht imstand? sei, ' hne eingehende Besprechungen mit den Sachver- aadigen zu der Angelegenhest sich zu äußern. Es wurde .-ans gegen 7 Uhr eine»ene Sitzung auf Sonnabend 11 Uhr llgrsetzt. ■'nts?ze!(&?iung— �r!ej?sverbrecherfrage. S P a, 9. Juli. iMeldnng des Hollandsch Nieuws- burerrus.) In der heutigen Vormittagssitzung verteidigte Rcichsministcr des Aenßern Dr. Simons zunächst noch- mds seine Vorbehalte in der AbrüstungSsrage und erklärte, die deutsch« Delegation sei nicht berechtigt, die Besetzung weiteren deutsche» Gebietes durch ihre Unter- schrift zu sanktionieren, da das eine E r Weiterung des Versailler Abkommens üxbeuien würde und die deutschen Vertreter nicht das Recht hätten, ohne die vor- hcrige Zustimmung des Reichstages hierüber zu entscheiden. Lloyd George erwiderte daraus, daß� d'.c Deutschen von dieser Bestimmung ja gar nicht berührt würden. Li.: gehe lediglich die Entente selb st an und stelle eine Drohung dar, mit dem Zweck, Deutschland zur Eriül- lung seiner Verpslichtungen zu zwingen. Es trat dann eine kurze Mittagspause ein, die dazu benutlt Wurde, um die Dokumente zur Unterzeichnung fertigzustellen. Reichskanzler Fehrenbach erklärte sich offiziell bereit, das Gcsamtprotokoll zu unterschreiben, nachdem Lloyd George nochmals klar gemacht hatte: Das Protokoll besteht aus zwei Teilen, einem, der Deutschland die Pflicht der Abrüstung auferlegt, und einem zweiten, der den Alliierten Pflichten auserlegt für den Fall, daß die Deutschen die Bestimmungen nicht erfüllen. Lloyd George erinnerte an das Abkommen, das die Deutschen im Januar unterschrieben hätten und auS dem die B e r e ch- tigung der Alliierten zur Besetzung des RuhrgebietcS hervorgehe. Reichskanzler Fehreubach stimmte dieser Ansicht Lloyd Georges zu. Gegen ein Uhr mittags fand die Unterzeichnung deS Protokolls statt. Dann wurde die sogenannte Frage der Kriegs- Verbrecher in Behandlung genommen. ReichSjustiz. minisier Vizekanzler Dr. Hemze setzte auseinander, wi? weit daS Reichsgericht mit der BchOndlung diese? Prozesse bereits gekommen sei. � Lloyd George erklärte darauf, diese An- gelegrnheit gc-höre nicht vor die Vollsitzung. Es wurde ein Sachverständigeuanöschuß gebildet, der anS einem Franzosen, einem Belgier, einem Engländer und dem Vize- kanzler Dr. Heittze besteht und der die Angelegenheit weiter behandeln wird. Spa, 9. Juki.(Eigener DrahtSericht deZ„Vorwärts".) Der Gang der Lerhandtnngen fand ähnlichen Wechsel wie tzaZ hiesige Wetter. Di« allgemeine Not« des diplomatischen Völker- gericht» ist eine ziemlich trübe. Nur selten klärt sich der politische Himmel ans und auch dann nur für kurze Zeit. Die Frage der Kriegsverbrecher, die auch ganz Deutschland in eine sehr begreif» liche Erlegung versetzt hat, ist hier nur kurz erörtert worden, und zwar auf die zweckmüßigste Art, nämlich zwischen dem zuständigen Justizminister und den Sachverständigen. Lloyd George war selbst der Ansicht, daß die Konferenz als solche— gemeint sind die führenden Delegierten— nicht fähig sei, diese juristische Frage zu regeln. Nur wenn die Beratung der Justizminister ergebnislos verlaufen wäre, sollte die Fratz« wieder vor die eigentliche Kon- ferenz zurückkommen. Die Besprechung zwischen den Fachleuten ergab olücklicherweise ziemlichrasch und im wesentlichen eine'Verständigung. Daraufhin wurde von den Delegierten da?(an anderer Stelle mitgeteilte) Protokoll beiderseits unter- zeichnet. Die darin getroffenen Vereinbarungen zeugen zweifellos von einem etwas versöhnlichen Geist, und der vereinbarte direkte Verkehr zwischen dem Reichsanwalt in Leipzig und den Justiz- ministern der Alliierten unter Umgehung der diplomatischen Stelleu ist sicherlich der vernünftigste. Es wäre allerdings verfehlt, daraus zu schließen, daß die Alliierten die Angelegenheit versanden lassen wollten, und nichts berechtigt zu dieser Auffassung. Aber selbst wenn di«S der Fall wäre, so müßten wir aus Gründen der Gerechtigkeit die Bestrafung überführter Kriegsverbrecher durchführen. DaS ist die Lichtseite deS heutigen Tages. D'e Unterzeichnung des Eniwaffnnngsproiokolls vollzog sich um 1 Uhr 15 Minuten nachmittag?, nachdem die sieben in Dpa änwesen- dem ReichSmirnster sich einstimmig auf den Standpunkt gestellt hatten, daß diese Unterwerfung bei weitem das kleiner« U e b e l sei. Minister Simon? hatte nun ausdrücklich den Vor- behalt gemacht, daß die Einmarfckidrohung eine Erweiterung des Friedensvertrages darstelle und daß dies« Zustimmung anderer» seit? eigentlich der vorherigen Genehmigung des Reichstages bedürfte. Lloyd George erklärte daraufhin, daß diese Drohung eine einseitige Mitteilung der Alliierten darstelle und daß die Unterschrift der deutschen Delegierten sich auf dies« Mit- tcilung nicht beziehe. Damit war dem deutschen Vorbehalt Rech- nung getragen, und der Unterzeichnungsakt wurde vollzogen. Er- wähnt fei noch, daß uns zuletzt noch SO 000 Reservegewehrs und 230 weitere Offiziers besonderer Gattungen(Sanität, Intendantur) zugebilligt wurdew Nun zu der neuen Schattenseite: die Kohlen- frage. Die Alliierten haben nach einem scharfen Referat Mille- rands, der sich über die ungenügenden Kohlenlieferungen Deutsch- lands an die Alliierten beklagte, wieder einmal ein Ultimatum ge- stellt, das wir morgen(Sonnabend), vormittag 11 Uhr, unterzeich- nen müssen. « Ebenso wie die militärischen Fragen sind min auch die wirischaftlicken auf den Weg des 24stündigen Ultimatums geleitet worden Man sieht, daß man auch auf diesem Gebiet von einer wirklichen V-wständigung noch weit entfernt ist. Die Alliierten sind mit vorgefaßten Beschlüssen nach Spa ge- kommen, und die deutschen Delegierten haben keine andere Aufgabe mehr als zu unterschreiben. Noch weniger aber als militärische Fragen lassen sich wirtschaftliche durch Dekrete von außenher regeln. Was die Alliierten in Spa treiben, ist umgekehrter Bolsche- wismus: mit diesem gemeinsam ist ihr Vorgehen de' Versuch, das wirtschaftliche Leben durch eine Summe von Verordnungen zwangsläufig zu machen. Der Unterschied be- steht nur darin, daß hier der Versuch in durchaus kopitalisti- schem Sinne erfolgt, und Mar von außenher ohne genügende Kenntnis der deutschen Verhältnisse. Unerfüllbares kann man zwar versprechen, aber nicht halten. Unerfüllbares kann man mit mechanischen Druck- mittein zu erreichen versuchen, aber nur zum eigenen Schaden. Die Alliierten treffen durch ein solches Verfahren einer Wirt- schaftspolitik, die von Gestchtspnnkten einer militärischen Prestigepolitik geleitet wird, nicht nur den Lebensnerv des deutschen Volkes, sondern auch ihren eigenen. Hapern treibt Obstruktion! Es weigert sich, die Einwohnerwehr aufzulösen. München, g. Juli. Die Kvrrespondenz Hoffman« meldet: Dir bayerische Regierung hat wiederholt» zuletzt in der Nacht vom 8. uns den S. Juli, bei der RcichSregirrung Stellung dahin genommen» daß die Einwohner- und Sicherheitswehr in Bayern unter keinen Umstanden entbehrt werden kann und daß die vorliegenden Forderungen der Entente auf Entwaffnnng dieser Wehre» abzulehnen fei. Di« Nachrichten a»S Spa haben diese Haltung der bayerischen Regierung nicht zu ändern vermocht. Die wird von diesem ihrem unverrückbaren Standpunkt au« ihre Bemühungen fortsetzen, dem Laude den Schutz zu erhalten, dessen Staat und Volk zu ihrer Sicherheit unbedingt bedürfen. Dies Verhalten der Regierung Kcchr charakterisiert sich als Gewis s e n lo si g ke it, für die das ganze deutsche Volk büßen muß. wenn sie nicht beizeiten verhindertwird. Zu den Schwierigkeiten in Spa. Von Philipp Scheidemann. DaS Mißtrauen des Auslandes dem neuen Deutschland gegenüber ist anscheinend gar nicht, sicherlich aber nur schwer und erst ganz allmählich zu zerstreuen. Man glaubt unserer Regierung nicht» wenn sie sagt, daß wir ernstlich gewillt sind, die übernommenen Pflichten nach Möglichkeit zu erfüllen. Man glaubt dem neuen republikanischen Deutschland nicht, weil noch zu viel Vertreter des alten Kaiserreiches im In- und Ausland in offizieller Stellung sind. Man glaubt vor allem aber nicht unserer vollkommenen Friedfertigkeit, Wehr- losigkcit und— militärischen Ohnmacht. Wie anders sollen denn auch die Ausführungen Lloyd Georges in Spa dem Herrn Rcichswehrminister Geßlcr gegenüber sonst zu der- stehen sein! Wenn man mit Ausländern über diese Dinge spricht, machen sie Andeutungen, die wir zunächst nicht verstehen. „Wir sind gut informiert, glauben Sie uns." Wenn man dann opponiert und auf Grund genauer Kenntnis der Dinge ihre Einwände zu zerstreuen sucht,.weisen sie immer wieder darauf hin, daß wir vielleicht selbst getäuscht würden, s i e aber dürften sich nicht täuschen lassen, müßten und würden also auch die Augen und Ohren offen halten. Wir haben zahlreiche solcher Unterredungen gehabt und manchmal mußten wir sie mit dem Gefühl des größten Un- behagens und Unwillens beenden. Jetzt sind unsere Vertreter in Spa und wir wünschen ihnen alles Gute bei den Verhandlungen, über deren Schwierig- keilen sich kein vernünftiger Mensch täuschen kann. Wir über- legen, wie wir ihnen Helsen können? Wie kann man die Ententemächte überzeugen, daß wirklich kein ernst zu nehmen- der Mensch bei uns an Revanche denkt oder denken kann, weil wir ja vollkommen am Boden liegen, weil wir weder Mann- schaften haben, die bereit wären, sich die Köpfe einzu- rennen, noch Geschütze oder Munition; weil es überhaupt verrückt ist. an einen neuen Krieg zu denken. Das müßten die Franzosen, Engländer und Italiener in Spa doch einsehen. Und dennoch: das Mißtrauen schwindet nicht. Warum nicht? Wir fangen an, zu begreifen-- Vor uns liegt die Nummer 18 der Zeitschrift des Ratio- nalverbandes deutsckcr Offiziere, die letzte Nummer de? Blattes vor Spa. Da ist u. a. zu lesen: Von Feinden geknebelt das Vaterland, Etdrosselt, gemeuchelt von ruchloser Hand, Der deutsche Sieglried von hinten erstochen, DaS glorreiche Deutschland am Boden zerbrochen, Das Voll bis auf's Blut schon ausgesogen, � Von.Volksbeglückern" oerhetzt und betrogen! Ihr welschen Bluthunde, gebet acht! Ihr BolkSbeglücker der Jnternation, Es ist lein Hohn! Nein, wahrlich, lein Hohn! Noch lebt die alte treudeutichs Wacht. Euch, die ihr gefallen in Ehre und Treu Am heutigen Tage euch schwör'« wir'S auf's neu: Will uns der Erbkeind den Rest noch geben, Oder will auch der inn're Feind uns an'S Leben, Tann wird der alte Weckruf erschallen, Bon allen Bergen herab widerhallen, Dann werden die allen Fahnen wehn, Ein Heer von.Deutschen" in Waffen stehn, Dann richten die alte Ehre wir ans, Die Faust wie eh'dem am SchwerteSknauf. Es lommt einst die Zeit! Wir sind bereit, Sind alle dabei: .Furchtlos und treu!" Dichtern und solchen, die es zu sein glauben, halten wir manches zugute. Aber der gräfliche Major, der die Zeit- schrift herausgibt, sollte soviel politisches Verständnis haben. um einzusehen, wieviel Unheil er mit seinen Versen für unser ganzes Volk anrichten kann. Die Zeitschrist des National-Verbandes deutscher Offiziere ist offenbar eine wahre Fundgrube für die Vertreter der Entente. Fischen wir noch einige Brocken aus der angeführten Nummer: Die neue Regierung ist nun endlich nach vielen Mühen, um in Spa wenigsten« etwa« vorführen zu können, zu- stände gekommen, aber so, wie sie sich gestaltet hat, ist sie gewiß nicht derart, daß ihr von irgendeiner Seite be- sondereS Vertrauen entgegengebracht wird. Auch wir sind dazu beim besten Willen nicht imstande.... ES ist politisch gewiß ungeheuer klug von einem Offiziers- blatt, in dieser Wesse nach Spa zu schreiben:„Habt Ihr etwa Vertrauen zu dieser Regierung? Bei uns hat eS niemand! Es wird erst dann wieder besser werden in Deutsch- land', wenn .wir Offiziere dereinst wieder Führer werden unserem Volke, wie wir es früher wäre» und wie es unSauch fernerhin zukommt..." Die Position deS Herrn Netzler wird wahrscheinlich auch i'icht dadurch verbessert werden, wenn die genannte Zeitschrift mitteilt: Das Reickwehrminiiteriinn beabsiKtigt nunmehr, eine Heeres- krmmer einzuführen. Damit wird einer ganz auSfchlietz- I i di vom N. D. O. ausgegangenen Anregung entsprochen. '.'tuch die Art und Keise, wie die Kammer gebildet werden soll, geht aus unsere Anregungen zurück. Es mag dahingestellt sein, was eine solche„HeereS- l immer" ist, meinethalben etwas sehr Nützliches, ich weitz ei. nicht. Aber wenn in dem Papier des N. D. O. gesagt mird, datz sie ans seine Initiative zurückzuführen ist» dann genügt das für das Ausland, um den Einfluß zu.konstatieren", den die kurzsichtigen, den„welschen Bluthunden" drohenden zerren auf das Reichsivchrministerium haben. Wir haben keinerlei Aussichten auf bessere Bedingungen, solange Stilübungen wie denen des N. D. O. stillschweigend ligeschen wird. DaS geschieht seitens der wenigen Leser aus ..reisen der Nichtmilitärs vermutlich, weil sie dem Unsinn ll-cht zu- größerer Publizität verhelfen ivollen. Das erscheint. mir aber durchaus falsch. Im Auslände liest man die Oifiziersblätter natürlich sehr genau, und wenn man in den t-.reisen unserer Gegner im Auslände sieht, datz sie bei uns 'tillschweigend hingenommen werden, kommt man zu dem falschen Schluß: wer schweigt, stimmt zu! Wahrscheinlich werden derartige Blätter in Teutschland nur in den engbegrcnzten Kreisen gelesen, die sich noch an 'olchen Albernheiten zu berauschen vermögen. Aus politischen Gründen aber erscheint es notwendig, datz man die Produkte der Herren Bredercck v. Görtz, v. Wrisbcrg usw. in größeren . seitungsredaktionen deshalb lesen sollte, um energisch festzu- stellen, datz die ungeheuere Mehrheit des deutschen Volkes mit dem nationalistischen Geschreibsel absolut n i ch t s Z u tun hat. Das für Sva noch festzustellen, ist ausschließlich Zweck dieser Zeilen. * Genf, S. Juli. Der Pariser Berichterstatter des Lhoner ..Progres" weist beute auf den wirklichen Grund hin, aus dem man die Haltung der Engländer in der Militärfrage in .llpa erklären müsse. Die sei gestützt auf die Berichte ihrer Offi- ziere und ihrer übrigen Vertreter in Berlin, übezeugt davon, daß die Nrichewehr fich völlig in der Hand hoher Militärs befinde, die nur aus den geeignete« Angenölick warte», um die Monarchie '.niederherzustelleii. Wäbrend e- den Franzosen in erster Linie darum zu tun sei. durch die Aufrechierhalinng der inneren Un- sichcrhei.t Deutschland immer neue Gelegenheiten zu Ver- m i ck u g e n zu schaffen, wolle Lloyd George, offenbar im Einvernehmen mit den übrigen Alliierten, in der Reichswehr das �nlirnment zur Wiedrrhcrsiellvng des Kaisertums zerstöre«. Ohne Zweifel sei diese Befürchtung vor einer monarchistischen Revolution bei Lloyd George durch den AussaU der Neumahlen zum deutscheu Reichstage noch verstärkt worden. Desgleichen sei auch er wahr- ■cheinlich davon überzeugt, datz das Verhältnis der Entente zu Deutschland e'ne wesentl-ch friedlichere Form annehmen werde, sobald einmal diese, das Mitztrauen gegen Deuiichland vcr- s.bärfende Frage der Abrüstung gelöst sein wird. - Rebellisches Freikorps entwaffnet. Durch Oberpräsident No�ke und Sicherheitspolizei. Hannover, 9. Juli.(Eigener Drabtbericht des„Vorwärts") Angehörige des früheren Zreikorpsbataillons Brandenburg, das kürzlich aufgelöst worden ist, waren zu Kultivierungsarbeiten, denen Anfiedlung folgen sollte, m das Lager Gösloh im lichter Moor, Provinz Hannover, gegangen. Die Abgabe sämtlicher Waffen war zur Vorbedingung gemacht. Allerlei Waffen waren«mch abgeliefert. Bald stellt« sich jedoch der Besitz weiterer verheimlichter Waffen heraus. Unter Führung des VizefeldwebviS Ohmes wurden die Leute teils aufsässig und drohten mit Gewalt. Sozialistisches Veröen. Von Dr. Tonrad Schmidt. n. tzn jenen Zeiten, da das»Kommunistische Manifest", diese genialste Flugschrift der ganzen Weltliteratur. enNoorfen wurde, lag«ine Reihe von Anzeichen vor. die sich so deuten ließen, als ob mit der Ausdehnung der kapitalistischen Wirtsckast in immer -lärkerem Aus-matz«ich d>i« Handelskrisen wachsen mützten, ja als ob eine Rettung aus dem*> der ganzen Wirtschaft schlietzlich drohenden Zusanniienbrucki« nur durch den Usbergang zu einer sozialistisch«mga-nisievten Erzeugung und Verteiiung der Güter mäg- ck sei. durck einen Uebergcmg, der allererst di» geival-tig gesteigerte Produktivkrast der Arbeit von den einengenden Schranken, die ihr durch, die Begrenztheii der kaufkräftigen Marktnachiraqe im kapi- tMsti-schen System gezogen seien, befreit. Eine solche Kata- 'drophen- oder Zukammenbruchibeorie. noch der der KavitaliSmus also am Ende in einer Sackgaffe verläuit. schien ein« Zeitlang die sicherste Fundamentiernng des Sozialismns, Schlntzstein in der Entwicklung des SozialichiuS van der Utopie zur Wissenschaft, n:i es in dem Titel der viel gelesenen Engels schen Broschüre bieß. Das Wachsen des KapitaMmus stellte sich, in diesem Licht besehen, als ein Heranwachsen zur katastropkbüen Selbstzersetzung dar, bis«inst da? Proletariat, nach der Eroberung der volitischen Wacht, dem Verhängnis in di? Speichen fallend, den ökonomischen Prozeß im Dienste der Gesell scbait auf ein? völlig neue Basis der Organisation stellen wevd? Tie lange Periode wirtschaftlicher Depression, die, Miti? der siebziger Iabr? einsetzend, bis et!oa gegen Ende de? BiSmarckich«« Sozullisteugeietzes andauerte, schien die Voraussage des»Kommunistischen Maniiesteg" zn bestätigen. Die Aufgaben, die daS sozialistische Proletariat zu lösen, und zwar in a b s e h barer flen zu lösen berufen sein sollte, wuchsen damit inS Ungebeuerlickie: ein unerinetzlicher Abstand Zwischen dein iozialen und volitischen Tageskainpfc und der Forderuilg. die dann nach der Eroberung der politischen Macht durch das Proletariat ibre uninitte.rba.re Venoirklichung finden sollte, tat sich auf. Statt einer Reihe ineinandergr eisender begrenzter Matznahmen, die die Lage der Arbeiterschaft pianmätzig heben und einer demokratisch organisterten SiaatSoewali die Möglichkeit sortschreitenider Beein- -lussiina der Produktion und Verteilung im allgemeinen grsellschaft- iichen Interesse gewähren könnten, und hieran anichlietzerder all» mäkkich weitertreibender Tendenzen, schien, wenn der Kapitalismus wirklich in den Markt- und Absatzkrisen den Keim der Selbitzer- setzung in sich trug, nach einem Siege der Arbeiter ein aich völlig anderen Grundlagen sich erhebender Neubau erforderlich. Ein Neubau, der, um die Absatzkrisen zu beseitigen, die Markt- und Warenproduktion für den Verkauf durch eine von den Aufälligkeiten des' Markte? und feiner Preisbildung losgelöste, obue das Mittel- alied deS Geldes, des Kaufs und Verkaitis. direkt für den Bedark rcoduzieiende Gütererzeugung zu ersetzen balwn würde. Aus- rScn/iirr deren Lösung jedensiallZ die bisherigen ökonomischen .""i'wickitingStendenzen gar kerne positiven Anbaltspunkte ergaben cnd die i* ihre? Nnstestrmm-tbeit der Fällung« kneckt de« Denkens spotten. Darawf hat Oberpräsident NoSke durch Sicherheitspolizei die Entwaffnung vornehmen lasse». Am g. Juli wurden beschlagnamt: lllZ Gewehre, 2K Karabiner, llZ Handgranaten, ferner Revolver, Pistolen und Munition sowie viel Hceresgerät. Ohmes wurde am setbcn Tage in Berlin verhaftet und dann der Stuaisauwaltschaft in Hannover vorgeführt. Schaffung einer Neuterermarine. Aus der Brigade Ehrhardt und Loetveufeld. OkiiziöS wird mitgeteilt: Tie Auflösung der 2. Marinebrigade ist feit dem 3l. Mai, die der 3. Marinebrtgade seit dem 20. Jun- vollendet. Tie Kopfstörke der ehemaligen Marinebrigaden be- trug ursprünglich je 5000 Mann. Das Personal der Brigaden nt zum grötzten Teil entlassen worden. Die Nestbestände(2090 vor. der 2. und 2S00 Mann von der 3. Marinebrigade) enthalten ledig- lich Berufspersonal, das auf den ordentlichen Etat(IS 000-Mann- Etat) der Rerchsmarine in Anrechnung kommt. Dieses Persona'. ist gegenwärtig noch im Senne- bzw. Munsteriager in den Schiffs- Stammdetachements der Ostsee und Nordsee zusammengesatzt. Ans den TetachementS werden nach und nach die Besatzungen der in Dienst zn stellenden Schiffe und Fahrzeuge der RcichSmarine gebildet, und zwar zunächst für Minensuchzwecke. Von den lüVOO Mann der Marine sollen also fast ein Drittel aus Leuten bestehen, die offen oder verkappt gegen die Regierung gemeutert und ihre r e a k t i o n ä r- m o n a r ch i st i s ch Gesinnung durch die Tat bewiesen haben. Da kann�man sich freilich über das Verhalten der Entente in Spa nicht mehr wunderns Luöenöorff» öie Krieasbeschäöigten und die Villa. Bor mehreren Wochen kursierte eine Meldung, datz Lndendorff die Erträgnisse seines ErinnerungswerkeS, namentlich dte hoben ÄuSiandShonorate, für die Kriegsbe'chädigten bestimmt hätte. Diese erste menschlich sympathische Handlung des Generais, von der die Oeffemlichkeit zu hören bekain. wurde aber alsbald kategorisch dementiert. Jetzt erfahren wir. wozu Ludendorff seine yffen- bar nicht unerheblichen Moneten notwendig braucht. Nach Meldung der.Post" bat Lndendorff auf der Prinz-Ludwtg-Höhe bei München eine Billa gekauft, wo er seinen Wohnsitz zu nehmen gedenkt. Die armen, zu Krüppeln geschossenen Opfer der Ludendorfffchen KriegSpolittk mögen also weiter allein ihre Leiden trogen. .Kamerad" Ludendorff hat eine Billa als Kriegsgewinnler erübrigt, wo eS ihm gut geht. Diese Kunde wird die Kriegsbeschädigten und KriegSwitwen in ihrem Leid sicherlich trösten. O alle Kameraden- treue!_ Patriotische Steuerscheu. Bekenntnisse einer alldeutschen Seele. Tie„Deutsche Zeitung" bringt eine wütende Zuschrift gegen die Einziehung des Rcichsnotopfers. die so tiefe Ein- blicke in die Denkort des alldeutschen Geldsockpatrioten gc- währt, datz wir wenigstens einige Sätze aus dem Rtlsmig hier iviedergeben möchten. Ter Patriot der„Deutschen Zeitung" schreibt: �...,. .Die Regierung trifft Anstalten, da« sogenannte Reichsnotopfer Erzbergerfcher Schöpfung ein-nziehen und die wenigsten Deutschen, dte durch dieses Gesetz betroffen werden, scheinen sich darüber klar zu iein, datz bereits die Bezeichnung dieses, eine ungeheuerliche Kraftanspannung aller LeiftungSpflichtigen dar« stellenden. Gesetzes als ReichSnotopter eine Unaufrichtigkeit sonder- gleichen ist. Den« weder ist das Reich, das jeden Geldbedarf durch die Rotenpreffe deckt, in Rot, noch bandelt es fich bei dieser dem besitzenden, also dem besten Teile der Bevölkerung abverlangten Leistung um ein Opter. Etn Opfer ist vielmehr eine Leistung, die s r e t w i kl i g auS der heiligen, inneren Ueber- z e ii g u tt g der Notwendigkeit für einen sittlich ernsten Zweck dar« gebracht wird. Man wird nun nicht behaupten können, Die wirkliche Entwicklung vom Ende der achtziger Jahre bis zum Ausbruch des furchtbaren(übrigens keineswegs in erster Reih« durch notwendige Tendenzen der kapitalistischen Entwicklung begründeten) Weltkrieges bat inzwischen auch den empirischen Beweis geliefert, datz die kaviialistisch- Wirtschaftsordnung, so ver- beerend sie ohne Gegenwehr der Arbeitermassen und energischer Arbeiterschutzpolitik wirkt, beim Vorhandensein solcher Gegenkräfte keineswegs notwendig die Tendenz fortschreitender Berelendung und fortschreiiendec durch Krisen erzeugter Arbeitslosigkeit ein-schlietzt. ES zeigte sich, datz auch in einer kapitawstischen, für den Verkauf und Absatz Waren produzierenden Gee tischest eine Hebung der Arbeiter- schaff und ein ökonomischer Auf.srieg zweifellos in weitem Umfang möglich ist, und datz«Iben diese Möglichkeit, di? von der Katastrophen- theorie geleugnet wurde, eine der Vorbedingungen darstellt, auf deren Grundlage der marnstisch? Grundgedanke einer Fortentwicklung zum Sozialismus überhaupt erst realistisch vorstellbar wird. Der sog«'- Revisionismus. d.>r seit dem Erscheinen von Bern- steinS„Voraussetzungen des Sozialismus" in der zweiten Hälfte der neunziger Jahre in den Partei diskusfionen eine so bedeutsame Rolle gespielt bat, läuft ja am Eide nur auf die Forderung hin- aus, datz jener allgemeinste ökonrnnische EntwickktngSgedanke. auf welchem der marxistische TozialiSinuS sich aufbaut, entsprechend den jeweils gegsbenen Verhältnissen gefaßt und weiter auSge spönnen werde, unter Ausscheidung aller Anschauungsweisen und Schlag- warte, dt', früheren Perioden entstammend, mit der fortschreitenden Entwia'ing der realen Perhälttnsse in Widerspruch geraten sind, durch dies? nicht bestätigt werden. Besteht kein Verhängnis, demzufolge der Kapitalismus einer solchen Katastrophe entgegentreibt, so stellt sich ver Ausstieg der Arbeiterklasse und die Sozialisterung der Gesellschaft naturgemäß als ein von den verschiedensten AusgiangSPunkten ber in Angriff zu nehmender Umbildungsprozetz dar. Und die Forderung der Vergesellschaftung der Produktionsmittel, die ia doch nur in den Formen einer(gegen Entschädigung'ich vollziehendeni Veritaat- ltchung und Kommunalisierung von Betrieben erfolgen kann. weiche auch in dieier neuen Form nach wie vor kür den Ahsatz, die kanfkrästige Nachfrage zu produzieren haben, verliert bis z-.i gewissem Grad« die einzigartige Sotiderstellung, die sie in dem Pro- gramm besaß. Sie reibt sich als bloßes Mittel, öffentlickwn Körperschaften einen Teil der Einnahmen zuzuwenden, die von dem krübenen Besitzer als Kapitaleinkommen bezogen werden, anderen Maßnahmen, die auf anderen Wegen im Interesse der Gesellschaft und der arbeitenden Massen ans-!ne Abänderung der Verteilung�- ptrbäitnisse hinarbeiten, an. Dte Relativität und immer nur begrenzte jeweilige Realisierunasmöoiichkeit. die allen anderen vom Standpunkte deg Aufitieges der Arbeiterklasse und einer Soziali- fierung der Gesell sägst sicher eichebenden Forderungen eigen ist, erscheint auch bei dieser Forderung als eine Selbstverständlichkeit. Die Borstellung, datz eine auf Gewaltmittel gestützte bloß« Klassen- diktatur durch Dekrete und Beteble(etwa bolschewistischer Art. eine in Jahrhunderten arinordenc ökonomische Struktur ohne Rücksicht- nabme au? deren Eristenzbedftiaungen plötzlich au? eine völlig nene Bans werde stellen können, verliert so jeden Rückhalt. De? österreichische Genosse und später« Minister Renner mies in einem noch zur KriegSzeit erschienenen irnd viel beachteten Buche ans die tiefgreifende, in de« Jahrzehnte« seft Beröffaft- datz die Gesamtheit oder auch nur die Mehrbeit der besitzenden Staatsbürger diese aufgezwungene Hergabe von beträchtlichem Um- fange willig und gern bewirken wird. Eine schönere Illustration zu der arroganten Behairptung, die„besten Teile der Bevölkerung" zu sein, konnten� die Be- sitzenden kaum liefern. Ttts Eingeständnis, datz sie nur mit höchstem Widerwillen Steuern zahlen, wollen wir uns merken, ebenso die unverfrorene Behauptung. datz das Reich sich nicht in Not befinde, aus der ein abgrund- tiefer Patriotismus leuchtet. Mit juristischen Kniffen, die von der„Deutschen Zeitung" sicher als„talntudistisch" bezeichnet worden wären, wenn sie in einem Blatt der Linken gestanden hätten, sucht der Ein- sender dann noch nachzuweisen, datz das Gesetz über das ReichLnotopfer rechtsungültig wäre, weil die National- Versammlung am(31. Dezember 19l9 nicht mehr das Recht gehabt hätte. Gesetze zu beschließen! Wenn trotzdem das„autoritätsfrommc deutsche Volk im falsch- verstandenen l!) vaterländischen Gefühl" das Notopfer bezahlt, so beweist das nach Ansicht des Verfassers nur, „daß die Deutschen alle miteinander Schafe sind, die ihre Sklaven natur ouck bei dieser Gelegenheit nicht verleugnen". Datz es wirklich im deutschen Volk Schafe, sogar kapitale Hammel von ganz beträchtlichen Dimensionen gibt, auw Sklavennnturen und Byzantiner genug, das beiveist jede Nummer der„Deutschen Zeitung" zu schlagend, als datz man dagegen Widerspruch erheben könnte. Für die G e—a m t- hett des deutschen Volkes mutz diese Beschimpfung jedoch energisch zurückgewiesen werden. Die„Deutsche Zeitung" aber, die widerspruchslos in ihren Spalten die Gesamtheit der Deutschen als Schafe be- zeichnen läßt, möchten wir fragen, ob sie neuerdings in den Sckasen den vollendeten Typ der langschädligen Edelrasse ent- deckt hat?!_ der�Vorwärts�-öerichtetftatterals�kriegs- verbrecher�. Eine Bcrleumdungskampagne. Spa. 9. Juli.„Libre belgique".„Demain" und-nder« b?l- zische Blätter melden aus Spa, datz unter den Mitgliedern der deutschen Delegation ein Maiin sei, der steckbrieflich verfolgt werde, ixet! er während der Besetzung-zeit Möbel aus einer Villa in Sp« gestohlen hätte. Dieser Mann sei der BerichierstaNcr des„Vorwärts" Viktor Schiff, der'jedoch nicht verhaftet werden könne, weil er als Mitglied der Delegation durch JmwunitSf ge- schützt sei. Nebenbei bemerkt ist letzteres unrichtig, da die deutschen Berichterstatter diesmal im Gegensatz zu Versailles als Privat- Personen reise«, daher jederzeit verhaftet werden können. Zur Sacke selbst bemerte ich, datz ich vor und während deS Kriege? niemals in Spa gewesen bin, später nur ein- mal"sieben Stunden aus der Rücklehr auS Versailles mit d-n Friedensdeiegierten, als sich dies« mit der Reichsregierung in Spa trafen, sonst bin ick icit Sonntag zum erstenmal in Spa. Zur Rede gestellte belgische Kollegen versprachen sofort, die verleum- derische Meldung zu widerrufen. Sie entschuldigten sick damit. datz die Mitteilung von einem französischen Major Edopital, dem Fiügeladjutonten FochS, stamme und von einem belgischen Geudarmeriehauptmann bestätigt wurde. Offenbar liegt eine Namensverwechslung vor. Die bel- gischen Berichterstatter gaben mir gegenüber zu, die Behauptung zwar nicht geglaubt zu haben, jedoch ans Sorge, die Konkurrenz- Matter würden die Nachricht doch bringen, hätten sie sie gleichfalls gebracht. Bei dieser Gelegenheit sei ausdrücklich betont, datz das Ver- halten der belgischen Behörden den deutschen Delegierten und Journalisten gegenüber absolut einwandfrei ist und datz die Be- Ziehungen zwischen den Alliierten und den meisten belgischen Bs- richterstaticrn und den deutschen Kollegen zumindest korrekt sind, vielfach aber auch ebenso kollegial wie einst. Viktor Schis f- lichiung des M at r schert„Kapitals" erfolgte klmwälzung hin, welche» die llnternehmerfreiheit durcki Gewerkschaften und soziale Gesetz- gebung einengend, da? ganze Wirtschaftsleben fortschreitend mtet und mehr„durchstaatlicht" hat, und knüpfte daran die Forderung. datz di« Partei in ihrer Tküorie. ihrem Programm und ihrer Taktik viel entschiedener als bisher den veränderten Verhältnissen Rech- rning zu tragen, ibr Denken an dem Sein zu orientieren habe. Das Wbtk von Edmund Fischer„Das sozialistische Werden"(Leipzig. Veit u. Co-l ergänzt die allgemein go- haltensn Ausführungen Renners, indem eS, ohne selber direkt kritisierend aui die Fragen der'ozialistischen Theorie einzugeben. auf einem halben tausend Seiten einen ausgezeichneten instruftiven Iteberbkick über jene Bewegungslcndenz der..Durchstaatllchunp" in der deutschen Wirtschaftsgeschichte vor und teilweise noch inner- halb der Krieg-.zeit kftbl. Eine überwältigende Fülle des Stosies ist da mit großem Fleiß zusammengetragen und rn durchsichtig lebendiger Form.' die die Aufmerksamkeit des Lesers kaum irgendwo ermüden läßt, entwickelt. In irgend eingehenderer Weise den reichen Inhalt zu skizzieren, erscheint im Rahmen des geg-hen n Raumes unmöglich. Ter erste und Hauvtteil»Die Soztaltssenw, der Volkswirtschaft" bandelt in einer Reihenfolge von Stein: v t über dte Entsteh-rng und Entwicklung der kapitalistischen Mo:-?- pole, die staatliche Gemein Wirt schaff, die Herausbildung öflentk t- rechtlicher Monopole mit Scibsteerwaltting. über die kommenden Monopole, das staatlich? und kommunale Wasserrecht, die Soziab- sierung des Nntzenbandels. Gemeindewirtschaft und Genosse'.- schatten; der zweite.„Die Entwicklung deS Soffa'iSmnS" gebt irS- besondere auf die Pflichten ein. die der Gesellschaft ans der Für- sorge für den KindernachwuckS. für die schwangeren Frauen, für die Kranken, die Jntwliden. die Witwen und Waisen, die Arbeit?- losen und für das Wohnungswesen erwachsen: wobei zugle'ch darauf hingewiesen wird, datz jene Tendenzen zur Auflösung d-r Familie, die der verelendende FrübkapitalismuS zeigte, mit der Hebung der Arbeit?rschg't wieder'iirücktteien, während die frühere sozialistische Tbeorte mit iener AitflöiungStendenz als einer not- wendigen und auch in einer sozialistischen Gesellschaft sich smt. erhaltenden Erscheinung e-rechnet kabe. Bei dem vielseiiieen Interesse, auf welches daS- Buch in und außerhalb der Parteikreise rechnen kann, ist eine zweit« Auflage loobl in nicht langer Frist zu erwarten. Vielleicht laßt fich in einer solchen, was zur Vervollständigung und Abrundung ja wesentlich beitragen würde, noch Raum für ein Kapitel gewinnen, da? weniostens in kurzer llebersicht den Entwicklungsstand der g?w?rk- schaftl'cken Bewegung schildert. � Auch wäre dann gerade bei der Masse de? Sioffe? ein da? Nachschlagen erleichterndes Sachverzeichnis am Schlüsse de-, Bandes wünschenswert. Eine Klinger.Gediicht»iSii»sstellung ist in der nenen Abteilung de» K u p f e r st i ch k a b i n e t t Z im Neuen Museum eingerichtet worden. WrzbeiqerS Wefatecii werden unter dem Titel.Erlebnisse im Welttrie'? Aniang Seviember bei der Deui'chen Verlags-Anstalt in Alultgart erlcheinen. Der verfilmte FlockSnioon. Qtto strnst. der sick ein« flettlirng gegen Verfilmung gesperrt hat, beugt sich nun doch unter das goldene Kinojoch. Er will den Flachsmann sog« selbst für de« Film bearbeite«, vom schon, denn schon l Nr. 344 ❖ 37. Jahrgang Seilage öes VorWärts Sonnabenü, 10. Juil 1420 ............................... ��.5..-7z heute Ssnuabenö nachmiitag ab 5 Uhr fit? Groß-Serkm ssn den bekannten Sszirkslokaien. Ostmark, Republik und /irbeitersthast. von JakobAltmaier. «llenstein. S. Juli 1L2Y. Wöhrend in Wür�bura. Mainz, Düsseldorf, Hamburg, Berlin und in allen Teilen des Reiches die minderbemittelicn Klassen den Kleinkrieg gegen die Obslwucherer führen, halll in Ost- und Wesr- preutzen der Schlachtruf:.Hie deutsch— hie v o l n i s ck!' Bon den Kindern bis zu den Greisen, die gesamte Bevöiternng glüht und fiebert dem 11. Juli entgegen, dem Wahltag, der die Regie- rungsbezirke Marienwerder und Allenstein zu Polen oder Deutsch- land schlagen wird. Aus allen Teilen des Reiche« eilen Männer und ftrauen zur Ostmark, wo ihre Wiege stand, um als Stimm- bereckuigte den polnischen Anschlag abzuwehren und die Heimat für Deulichland zu retten. Heinrich v. Treitschke beginnt seine in unvergleichlichem Stil geschriebene Geschichte des Ordenslandes Preußen:»Ziicht die Jahre der Geschichte zähle, wer eines volles Alter messen will; sicherer zum Ziele führt ihn die tie'ere Frage, welcher Terl der Vergangenheil noch alS Geschickte in der Seele dsS Volkes lebendig ist.' In den Sinn de« Kampfes übertragen, der heute in nicht zu überbietender Weife im Oiien tobt, und von den übelsten Er» scheinungen begleitet ist. erkennt der Beobachter, dag das Ergebnis de« 11. Juli nimmermehr beeinflußt wird von gesckicktlichen lieber- lieferungen und Tatsachen, daß die Ost- und Wellpreußen den Teufel danach tragen, ob ihre Väter vor 700 oder 800 Jahren be- zwungene Eingeborene waren oder Nackkonnnen der mit den Ordensrittern eingedrungenen Eroberer; ob da« Land durch Verrat, Verlauf oder Niederloge auf den Schlachtfeldern dem Hochmeister Ullrich von Jungingen oder WladiSlaw von Polen untertänig war. Ritter- kreuz oder volnischrr Adler, die Wahltchlachi geht um dessen, was in unseren Togen in der Seele der Ermländer und Maiuren lebt. Und heute schon läßt sich bestimmt voraussagen: Die Schale sinkt tief zugunsten Deutschlands, der Wahltag wird ein großer deutscher Sieg sein. Vom Selbstbeslimmungsreckt der Völker ausgehend, wie eS die Entente auifaßt. seyt der FriedenSveltrag voraus, e» sei ungewiß. ob im West- und ostpreußischen Abstimmungsgebiet Polen oder Deutsche in der Mehrheit seien. Man hätte sick die Kosten des ungeheuren WahtopparateS, der aut beiden Seiten autaebant ist, wahrlich ersparen können. Höite die Ententekommission die englischen, sranzösrchen und italienischen Soldaten beiier für friedliche Arbeit in der genug geschwächten Arbeit lassen sollen, ebenso wie die Zehntauiende von Arbeitern und Gewerbe- treckenden, die tage- und wochenlang aus ihrem Beruf herauSge- risien worden sind, um mit der Bahn oder durch die polnischen Korridorichlianen umgeleitet, mit dem Schiff nach den AbstimmungS- bezirken zu kommen. Die unnütz verbrauchte» Kohlen, die verlorene Arbeitsletstung. die Verbliternng und Bcrfeindung der Einwohner, der jäh erwachte Rassen- und N a t i o n a l i l ä l e n b a ß. der noch viele Jahre in der Bevölkerung wuckern und stockern wird, oll' daS hätte man ersparen können, wenn Llohd George, Elemeneeau und Wilson gewollr hnlien, wenn sie sich hätten überzeugen lassen, daß die Abstimmungskreise in Westpreußen alle eine deutsch« M e h r h e i t bis zu YZ Vroz. besitzen, und im Abstimmnnqsgeb'et Ostpreußen unier 843 durck das gleiche, oebeime und direkte Wahlrecht im Jahre lülS gewählte KreiStagSabgeordneren nur 14 Polen sind. Gewiß spricht ein Teil der Bevölkerung polnisch. ES wäre je- doch verfehlt, alle volmich Sprechenden ul« Polen zu be,eichr.en. Kein Warichauer versteht den Masuriichen Dialelr, und der Ruf des .Bunde« zur Erhaltung des Ermlande«', besten Mitglieder nur au« polniich sprechenden Bewohnern zusammengesttzt sind:»Warschauer hinaus!' beweist am besten, daß mit wenigen Ausnahmen die Bevölkerung der Adstimmungsgebiete deutsch süblt und deutsch denkt und mit Polen nickt daS geringste 77j Segen öer Erde. Roman von Knut H am s u n. Was will sie dort? Sie will eigentlich gar nichts, sie ist nicht einmal neu- gierig, zu sehen, wie t>er Berg geöffnet wird, sie will nur sich sehen lassen. Als Inger sah. daß andere Frauen in die Berge gingen, spürte sie. daß auch sie ihnen nach mußte. Sie hat eine entstellende Narbe an der Oberlippe und hat erwachsene Kinder, aber sie will den andern nach. Es ärgert sie. daß diese jung sind, aber sie will versuchen, es mit ihnen auszit- nehnien, sie hat noch nicht angefangen, dick zu werden, sie ist groß und hübsch und sieht gut aus. Natürlich ist sie nlcht mehr rot und weiß, und ihre zarte Pfirsichhaut ist schon längst vergangen, aber man würde schon sehen, sie kamen sicher, nickten und sagten:„Die ist recht!" Die Arbeiter kommen ihr mit großer Freundlichkeit ent- gegen, sie haben von Inger manchen Topf Mich erhalten und kennen sie; sie führen sie in den Gruben, in den Ba- racken. in den Ställen, in der Küche, im Keller, im Vorrats- Haus umher, die dreistesten unter ihnen rücken ihr auf den Leib und nehmen sie ein wenig in den Arm; aber das macht Inger nichts, dos tut ihr wohl Wenn sie Stufen hinauf oder hinunter geht bebt sie den Rock hoch und läßt ihre Waden sehen, aber sie ist ganz gelassen dabei, als ob nichts geschehen wäre. Die ist recht! denken die Arbeiter. Das alte Ding, sie ist trotz allem rührend: es war leicht ril merken, ein ihr zugeworfener Blick von diesen warm- lütigen Mannsleuten kam ihr unerwartet, sie war dankbar dafür und vergalt ihn. es tat ihr ordentlich wohl. in�Gefehr zu sein, sie war ein Frauenzimmer wie andere,«sie war wohl aus Mangel an Versuchung bisher ehrbar gewosen. Das alt« Ding! Gustaf kam auch dazu. Er überließ zwei Mädchen aus bem Dorf einem Kameroden, nur um herbeikommen zu können. Gustaf wußte, was sich gehörte, er schüttelte Inger mit überflüssiger Wärme die Hand zum Gruße, aber er drängte sich nicht auf.—„Na. Gustaf, kommst du nicht bald und hilfst uns beim Stallbau?" fragt Inger und wird dabei dunkelrot.— Gustaf antwortet, ja, nun komme er bald. Seine ÄanreTödcn hären das und sagen, sie kämen nun bald alle zu tun haben will. Mag in der Geschickte vorgegangen sein, was will— im heutigen Deurickland sehen die Abstimmnngberechtigtcn das Land der sozialen Geietzgebung, der persönlichen und religiösen Freiheit, das in friedlicher Arbeit gemeinsam mit allen Völkern die entsetzlichen Schäden des Krieges überwinden will. Zu nahe liegt die Ostmark an Polen, als daß man nicht das Gegenteil von Warschau wüßte. Daß dort ein neuer MilirariSmuS hochgekommen ist. der im Solde der Entente einen blutigen Krieg gegen Rußland jührt, daß erst vor wenigen Tagen in Thorn 17 sozialdemolratiiche Arbeiter ohne jeden Grund er- schössen worden sind, daß in Polen ein beutegieriger Jmperialis- muS herrscht, ein schranlento'eS Unternehmertum und ichamlose Großgrundbesitzer nur an eigenen Gewinn denken, niemals jedoch an die Freiheit des Einzelnen, an soziale Einrichtungen, und daß daS Land unter einer solchen Herrschaft immer tiefer tn daS Elend hinabgleiten muß. das der Wellkrieg schon in überreichlichem Maße über Polen und Galizien gebracht hat. Diese Gedanken sind es, die heule in der Ostmark leben, und die der militärischen Einziehung auS dem Kreise Soldau entwichenen polnischen Mtlitärpfllchtigen sind die beste Propaganda für Deutschland. Wenn der Anschluß an Polen in einzelnen Kreisen Boden ge- faßt hat und dadurch das gesamte Abstimmungsgebiet infolge der Bestimmungen des Friedensvertrages durch Deutschland gefährdet ist, und wenn eS nicht gelingen sollte, diese Gefahr durch einen überwältigenden deutschen Sieg zu beseitigen, so liegt dl« Schuld hierfür lediglich an der unseligen preußischen Ost marken- Politik, an dem Sprachenparagraphen und der ehe- malipen olldeulscheu Hakatlstenbewegung. Noch zittern in einzelnen Orlen die Wehen jener Vorkriegszeit, und ohne das heutige d e m o kr a ti s ch e D e ut sch l a n d, ohne unsere freie Verfassung, die jedem Deutschen die Frei,- beit und Gleichberechtigung der Person und des Glaubens sichert, wäre die O st mark für Deutsch- l a n d v e r l o r e n. Es ist bezeichnend, daß die gesamte deutsche Agitation gegen die Polen den wirtschaftlichen und politstchen Grundlagen unserer jungen Republik enlivricht und mit großem Eriolg betrieben wird. M>t wenigen Ausnahmen sind die VeriammlungS- redner Sozialdemokraien, Demokraten oder Zentrumsleute, während die Arbeit der Anhänger der Rechtsparteien der sehr geschickten Jnnenorganisaiion gewidmet ist. Die gesamte polnische Agitation fußt auf der früheren religiösen und völkischen Unterdrückung durch den ehemaligen preußischen Staat, während die deutschen Redner und die für Deutichland tätigen Geistlichen darauf hmweiien, daß der i>. November 1918 das alte Regime gestürzt habe und Polen ein reaktionäres militärisches Gebilde iei. Beachtenswert ist vor ollcm, wenn die deutschen katholischen Geistlichen auf die jetzigen katholischen Minister hinweisen, auf die Freiheit de« Glaubens- bekenntnisie« und auf die freie Wahl der Eltern in der religiösen Erziehung der Kinder. Wa« die Polen nicht an geisligen Waffen besitzen, ersetzen sie durch.schlagende' Beweise, und ihre mi! den schlimmsten Mordwerkzeugen ausgerüsteten.vojawkas' sSlurmtrupp«) nckien manches Unheil an. Wie bier geaibeilei wird, zeigt die Aeußerung eines polnischen geistliche» Agitators, der ieme» gläubigen Zuhörern versicherte, der beiiiae Geist sei en Gestalt einer weißen Tanbe erschienen, weshalb auch der polnische Adler weiß iei. und die Mutter Galle« von Czensiochau verstünde da« Valerunier nur in polni'cher«prache. Wie im Kriege, io zeigt sich auch in den Abstlinmungsgebieten. daßD eutschlands ärmstersohn auch'eingetreuester i st. In der Bewegung für Deuischland sind die Aibeiier nach der Aussage von allen Beieiligren, von allen Kennern, die Tatkräfligsten. Die Rellung der Ostmark kommt jedoch nickt au« Ost- und Welt- Preußen, sondern auS dem übrigen Reich, vor allem an« Rhein» I a n d- W e st f a l e n. In Ostpreußen gibt es etwa 400 000 Ab- stimmungSberechlizte Eiwa die Hälfie davon wohnen im übrigen Deutschland. Allein auS dem Besirk G e M e n l i r ck e n find etwa 6 0000 Äbstimmungsberrchligle in die Heimat geströmt, die fast olle Aibe'ier und Ärbenersranen sind, linier vielen Mühen find sie berbeigekilt, und die Treue dieler ve'cheidenen Menschen iür ihre Heimat ist überwältigend. Zu Hause stürzen sie sich mit Eiier in die Agitation. Sie denken nicht daran, daß sie einst infolge der jämmerlichen Entlohnung als Landarbeiter von Hau« und Hof in die Fremde getrieben worden find, und daß an ihrer Srelle von den Grundbesitzern noch billigere Polen au« Rußland in» Land gezogen wurden, die heute die Gefahr der Ostmark sind. Ohne Unterschied der Parteien stehen beule die Bewohner Ost- und Westpreußen« rreu zusammen. Republik und Demokratie heilen die Wunden, die das alle Kaiserreich geschlagen hat. Die Zukunft wird lehren, ob die besitzenden Klaffen diese- Teile- Von Deutschland an« der Geschichte etwa« gelernt haben. Wir Sozialdemokraten tviffen daß wahre Jniernastonalität nur dann zum Segen der Menschheit gereichen kann, wenn in der geeinten Nation alle Fähigkeiten der einzelnen Völker bis zur höchsten Vollendung herangebildel werden. Deshalb wünicken wir mit heißem Herzen den Sieg der deutschen Sache in der Oftmarl, und hoffen, daß die Spuren diese« Kampfes bald verwischt und vcrgeffen sein werden. GroßSerllo Verlorenort. Sonntagswanderung zum Luch. Mit de» Vorortzügen der Nordbahn fahren wir vom Stettiner Vorortbahnhof nach Oranienburg. Durch die Bernauer Straße gelangen wir zur Havel, an der auf dem jenseitigen Ufer das ehemalige Schloß mit dem schönen Schloßpart liegt. In ihm- befindet sich ein Lehrerseminar. �Oranienburg weist der» schiedene Baulichkeiten im n i e d e r l ä n di sch e st Backstein« st i l auf, so da« Waisenhaus für Beamtenkindcr am Ende der Mittelstraße. Sie entstammen der Zeit deS Großen Kurfürsten, auS der vielfach Zeugen niederländischer Kultur erhalten geblieben sind./ Auf dem Germendorfer Weg erreichen wir den Oranienburger Kanal und weiter die Obstbaukolonie Eden. Gegenüber liegt das Vorwerk Louisenhof, jetzt ein Erholungsheim der Nordöstlichen Eisen» und Stahlberufsgenossenschaft. Oeftlich vop Louisenhof kommen wir zum Ruppiner Kanal beim ForsthauS Kuhbrücke. Auf dem schmalen Weg, der sich auf dem Nordufcr neben dem Kanal hinzieht, wandern wir nach Beihrensbrück. Wir sind jetzt im Walde, einem schönen Mischwald aus Kiefern, Eichen und Birken, dessen Rand von Laubgebusch eingerahmt wird. Dieses Waldgebiet, das sich etwa von Kremmen bis Lieben- walde erstreckt, ist die Forst Neuholland. Nördlich der Forst, auf der weiten Talebene, liegt die Gemeinde Neuholland. Sie besteht aus weit auseinandergezogenen Einzelhöfen. Auch dies« Siedlung verdankt dem Großen Kurfürsten ihr Entstehen. Er zog holländisch« Kolonisten hierher, die eS in geeigneter Weise' verstanden, die sumpfige Niederung urbar zu machon. Nach Ueberschreiten de» Kanals kommen wir zum Forsthau» Sarnow und wandern ein« Strecke gen Südwest, bis der Weg nach Döripgebrück abzweigt. Der anfangt aus Eichen und Birken gebildet« Wald geht in schönen Kiekern Hochwald über. Bei DöringSbrück haben wir da» Luch erreicht und wandern nun an seinem Rand gen Südwest nach Verlorenort. Traumverloren liegt die nur aus wenigen Häusern bestehend« Siedlung am Rand« von Wald und Luch. Wohl selten hat ein Ort einen schöneren und trefflicheren Namen erhalten als hier. Verlorenort! Wir strecken unS m» Gras und schauen aus über das weite Luch vor uns, pon dem uns zerstreute Anwesen grüßen und auf dessen gegen» überliegendem i Ufer wir die Kirchtürme der Dörfer des Ruppiner Lands sehen. Das L-kch bildet einen Teil des großen eiszeitlichen Thorn-EberSwalder Urstromtals. Der Ruppiner Kanal entwässert eS und schafft dadurch fruchtbare Becker und saftige Wiesengründe. Außerdem bildet der Kanal eine wichtig« Verkehrsstratze. auf der mibeinonder.—„Ja. werdet ihr denn nicht den ganzen Winter hier in den Bergen bleiben?" fragt Inger. Die Ar- beitcr anftvvrien zurückhaltend, nein, es sehr nicht danach auZ. Guftaf ist kecker, er sagt lachend, sie hätten nun bald olles vorhandene Kupse? herau-gekratzt.—„Das ist nicht dein Ernst l" ruft Inger.—„Nein/"' erwiderten die anderen Ar- heiter, Gustaf solle sich in acht nehmen, so etwas zu sagen Aber Gustaf nahm sich nicht in acht, er sägte lachend noch viel mehr, und was Inger betrifft, so gewann er sie für sich allein, obgleich er nicht zudringlich war. Ein anderer junger Mann spielte die Ziehharmonika, aber das war lange nich: dasselbe, wie wenn Gustaf die Mundharmonika blies. Ein dritter junger Mann, aucks ein Tausendsassa, suchte dadurch die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, daß er auswendig ein Lied zur Ziehharmonika sang; aber es war auch nichts Be- sonderes, obgleich er eine rollende Stimme hatte Nach kurzer Zeit hatte Gustaf wahrhaftig Ingers goldenen Ring an seinem kleinen Finger stecken.� Und wie war das zugegangen, da er sich doch nicht aufgedrängt hatte? Ei, er drängte sich genügend herzu, aber er machte es in aller Stille, gerade wie sie auch, es ging ohne Worte, sie tat, wie wenn sie eS gar nicht merkte, als er sich mit ihrer Hand zu schaffen machte. Als sie dann später in der Barackenküche saß' und Kaffee trank, hörte sie draußen etwas Lärm und Streit, und sie begriff, daß dies sozusagen rhr zu Ehren war. Das reizte sie auf, das alte Birkhuhn saß da und lauschte auf ein angenehmes Geräusch. Wie Inger an jenem Sonntagabend von den Bergen nach Hause kam? Ho ausgezeichnet, ebenso tugendhaft wie sie gegangen war. nicht mehr und nicht minder. Diele Männer gaben ihr da? Gelsite. und die vielen Männer wollten nicht umkehren, solange Gustaf bei ihr war. sie gaben nicht nach, sie wollten nicht nachgeben! Nicht einmal draußen in der großen Welt hatte es Inger so unterhaltend gehabt. — C6 Inger nichts vermisse, fragten sie schließlich.—„Vermissen. nein."—„Den goldenen Rind!" sagten sie. Nun mußte Gustaf damit herausrücken, er hatte ein ganzes Heer gegen sich.—„Es ist gut, daß du ihn gefunden hast," sagte Inger und beeilte sich, von ihrem Gefolge Abschikch zu nehmen. Sie näherte sich Sellanraa und!?h die vielen Dächer, dort unten war ihr Heim. Sie erwachte wieder zu der tüch- tigen Frau, die sie war; sie geht einen Fußweg am Sommer- stall vorbei, um ivach dem Bieh zu sehen, und auf dem Wege dahin kommt sie an einer Stelle llorbai, die sie gut kennt: hier lag einmal ein kleines Kind begraben, sie hatte die Erde mit den Händen zusammenzcstreift und ein kleines Kreuz daraus gesteckt.?lch, wie lange war da? her! Und gleich denkt sie weiter: Ob wqhl die Mädchen gemolken und für dm Abend alles in Ordnung gebracht haben! Die Grubenarbeit geljt weiter, jawohl, aber es wird ge- munkelt, daß der Berg nicht halte, was er versprochen habe. Ter Sachkundige, der nach Hause gereist war. kommt wieder und hat noch einen zweiten Sachkundigen bei sich, sie bohren und sprengen und untersuchen gründlich. Was ist denn nicht in Ordnung? Das Kupfer ist fein genug. Jvaran fehlt es nicht, aber die Ader ist dünn sie nimmt nach Süden an Dicke zu imd fängt gerade da. wo die Grenzlinie der Ge'elllchaft geht, erst an. dick und herrlich zu werden, dann kommt wieder Allmanbe. Seht, die ersten Käufer hatten sich wohl nichi viel bei ihvem Kauf gedacht, es war ein Familienrat. Verwandte, die auf Spekulation kauften sie hatten sich nicht den ganzen Berg gesichert, all die vielen Meilen bis?um nächsten Tale. nein, sie kauften ein Stückchen von �sak Sellanraa und eins von Geißler und verkauften dann wieder. Und was ist nun zu tun? Die Herren und die Bar- arberter und die Sachkundigen wissen daS sehr gut. sie müssen sofort mit dem Staat verhandeln. Sie schicken also eine Stafette nach Hause mit Briefschaften und Karten und reiten danach selbst zum Schultheiß, um Beschlag auf den ganzen Bergzug auf der Südseite des Wassers zu legen. Aber jetzt treffen sie auf allerlei Schwiengkeiten/ Das Gesetz steht ihnen im Weg. sie sind Ausländer, sie können nicht direkt kaufen. Das wissen sie wohl, da haben sie vorgesorgt. Allein die Südseite des Berges ist bereits verkauft, das haben sie nicht gewußt.—„Verkauft?" sagen die Herren.—„Schon lange. schon Kit mehreren Jahren."—„Wer hat das Land gekauft?" —„Geißler."—„Was lür«sin Geißler? Ach der?"—„Verbrieft und versiegelt," sagt dtzr Vogt„Es ist kahler Fels. er hat ihn beinahe für nichts bekommen."—„Aber zum Kuckuck, was ist denn daS für ein Geißler. von dem wir immer wieder hören! Wo ist er?"—>„Gott weiß, wo er ist." Die Herren mußten eine neue Stafette nach Schweden schicken. Und sie mußten sa auch versuchen, herauszubringen, wer dieser Geißler wer. Vorläufig konnten sie nicht mehr mit voller Mannschaft weiterarbeiten lassen. (Forts, folatl Hoszveichtu» beS Nupp«« Land» und der rat Rhinluch ge- iPfltuicn« Torf aSbefördert metben, Gen Süd toanöcrn wir durch den schöne« Kiefernwald auf - d-m„.�eumeg" zur Straße nach Kremmen und folgen ibr w weMcher Richtung. Sie zieht sich nördlich am Abhang von Hügeln bin. di« Dünen sind. Am Ende der Eiszeit. alZ der Pflanzenwuchs den lstoden noch nicht gefestigt haite, wurden sie au» den Sauden b?K Urstromtals zusammen geweht. Wen« wir auf den Kamm der Dünen steigen, so sehen wir. daß sie gen Südwest einen be deutend flackeren Hang haben als gen Nordost. ES müssen also südwestliche Winde gewesen sein, die die Dünen ausbauten. Pom Waldende gelangen wir auf schöner Promenade nach .Kremmen, ein wichtiger Punkt an dem Uebergang über das Luch, »en>„Kremmer Damm". Oester tobte» Kämpfe um den Besitz dieser wichtigen Paßstraße. An alten Baulichkeiten sehen wir di« R i k o la i k i rch e, deren Turm vor einigen Jahren vom Blitz zer- stör: wurde und einige Fachwerkhäuser in der Dammstraße. Süd- lich der Stadt liegt der Bahnhof. An der Ueberführung der Nourner Bahn ist ein mannshoher Findlingsblock aufgestellt worden, der beim Bahnbau im Jahre lkZ14 gefunden wupde. In sinnreicher Weise bat man ihn als Ortstafel verwandt. Pom Bahn- bgf Kremmen fahren wir über Velten und Tegel nach Berlin zurück. ch. u 6,7V M. verkauft. Au- Holzkarten. die Minderbemittelte auf Antrag in den Brot?ommisfioncn erbakten. wird daS Holz um 16 M. iür den Raummeter billiger aboegeben. Lagerplätze der Gesellschaft befinden sich Sellerstrast« 27/28. Prenzlauer Alle« 80, Greikswalder Straß« iGaSanstolt), Landwebrstcaße 28'Zg, Kottbuser Ufer 30/22, Urbanhafen(Insel). Zellestraße 3. Die KartosselbeNeferung. Di« Frübkartoffelernte hat sich noch verzögert, so daß größere Zufuhren Visher nicht erfolgt, auch für die nächsten Tage noch nicht zu erwarten sind. Bisher werden Früb« kattoffelu nur aus einzelnen wenigen Kreisen, in denen infolge der günstigen Bodenbeschassenbeit schneller« Reife erfolgt, in geringen Mengen angeliefert. Die Gültigkeit der Abschnitte 28« und b zum Bezug« von zwei Pfund Frühkartoffeln wird daher bis auf weiteres verlangen. Als Eriatz ftir die in der Woche vom 12. bis 18. Juli nickt zur Verteilung gelangenden Kartoffeln werden auf die 10 Abschnitt« 29a bis e der Berliner Kartoffelkarte 500 Gramm Kartoffelstärkemehl zum Preise von 1.50 M. je Pfund verteilt. Außerdem werden auf de« Abschnitt X der Berliner Bezugskarte jOO Gramm Aartoffelicheiben verteilt. Verlorene Beitragsmarken. Ein Beitragsammler de? �Deutschen Holzarbeiterverbandes verlor am Donnerstag vor acht Tage« in der Straßenbahn fein Notizbuch mit Beitragsmarken. Darunter waren: 300 � 4 M. und 200 ä 1 M Der Ehrliche Finder wird gebeten, die Marken im Bureau, Rungestr. 30, Zimmer 8, abzugeben._ Nicht müde werden» Ei» junger Kämpf«, ein Marschzenosse in den Sturm» regimentern de? Jungproletariats,«greift an dieser Stelle das Wort, um zu den älteren Genossen und Kämpserinnen zu sprechen. Einer von den Vielen will hier aussprechen, was d?e Jugend in diesen einsien Kampftagen, was sie in jeder Stunde fühlt und wa? sie den Alten, was sie ihren im Befreiungskampf der Arbeit ergrauten Bätern und Müttern zurufen möchte. Wir Jungen wissen den Ernst dieser Zeit wohl zu würdigen, wir wissen von euren Sorgen, wir kemten eure Mühen, um da? tägliche Brot ehrlich zu erwerben. Wir selbst stehen schon als Arbeiterjugend mit unseren schwachen. Kräften im Alltagsgetricb« de? Lebens. Wir können wobl auch verstehen, wenn ihr in düst«en Augenblicken ganz verzagen wollt, wenn eure Kraft auf kurze Zeit e rl a b m e n will, wenn ihr in solchen Augenblicken irre werden wollt an dem hohen, fleineinsamen Ziel, das Junge uns Alte zu beilig« Begeisterung entstammte, das uns« Wollen zu einer Einheit zusammenschmiedete. Wir freuten uns, wenn ibr dann doch wieder mit frischen Krästen ans Werk gingt; denn wa? ihr tut, ist Arbeit für euch und uns. ZukunftScocheit. Kampfgenossen! Di« junge Generation, die sich sckon jetzt rüstet, nach euch die Bühne der Geschichte zu betrete u, um euer Werk fortzusetzen, um endlich eur« Saat die Frucht zu nehmen, ruft euch zu: Nicht müde werden! Haltet aus im Sturm der Schlackten, steht fest und einig in Kampf und Gcfahr! Dann wird such und uns der Sieg werden!— Saht ibr schon die Arbeiterjugend aus Wanderungen. saht ihr sie sckon aus ihren frohen Festen? Hier sprüht �sckon heule Zukun.stSfrev.de auS den lackenden Augen im sonnengebräunten Gr- ficht,«in Mut, der euch neue Kraft, neue Zuversicht geben wird. Hier lebt ein Glaub«, der Berge versetzt! Und eure Söhne und Tochter? Fehlen sie immer noch m der jungsrohen Kampfgord« der Arbeit? Habt ihr st« noch nicht«» mahnt, in die Ardeitersngendbewegnng einzutreten?— SotuteSnochheute! � Kampfgenossen! Kämpferinnen? Unterstützt mit aller Kraft die Organisation eurer Jugend! Werbt ihr neue Anhänger, neu« Mitkämpfer! WaS ibr tut. tut ihr für u n S. für«ire Söhn« und Töchter! Was ihr leistet, ist Z u k u n f t S a rbe i t! Kämpfen! Standhalte«! Nicht müde werden k W. Sch. DaS Juqendfekretariat des Vereins„Arbeiter-Jugend Groß-B«lin" befindet sich In den Zelten 23. vor» parterre. Meldet eure schulentlassenen Kind« noch heute anl West- und Okivreußen. Am Toimtag. den 11. Aull, llndet in der VÜilbariNomt, Berndurgerktr. 22. eint arotze Vtrlammlung aller Welt- und Ollvreutzen Latt. wozu auch alle Nicht-Stimmbtrechtigten auS den übrigen Teilen des Reiche? berzlichlt eingeladen sind. ES werden geboten.: Konzeft. melodramatifche und Vichtbllder-Borträge. Ebensalls erfolgt hierbei die BeröKentlichung der Abstimmungsergebnisse aus kmematograpSischcm Sege. Gin Turn- und TPielfeft veranstalten di« Arbesterturner der lZV.-Parnrte am Zonntag. den 11. Juli aus dem(Semeindesporiplatz, Eingang Gchwalbacher Straße. Programm: Freiübungen, wörtliche Bettkämple. Spiel«. Stafetten. Beginn 3 Uhr. Eintritt 50 Pf.. Kinder frei. Friedenau. Errichtung eine» Gemetudeschulkiuos. I« An- knüviung an ein« Anregung der Gem amdevertrererrn Genossin T i« d« r t ch, ein« Genreindekino zu schaften, ist jetzt die Eroichtunq eine? SchulkinoS beschlossen worden. Im Homuthgymnasium ist ein geeigneter Raum gesunden. D« Lehr« Georg Schulz, dessen anschauliich-lebendig«. biologisch fundierter Unterricht in Naturkunde ausgezeichnet auf die Schul« wrrkt, und der auch seit Jahren einen Atzbei tsuntc rricht zu entwickeln henruht ist, wurde zur Führung des KittoS auSersehen und gewonnen. DaS wärt endlich einmal etwa? Gutes aus dem im Punkte moderner sozialer Einrichtungen so schwerbtroeglichen Friedenau. Groß-Serliner parteinachrichtea. Heute, 10. Juli: Pankow.« Ahr Fwgblatwerbreitung, Vorher holen die Gruppen- sübrer da? Material bei Engel ab. jipt. Sommetlefl in Treptow. ParadieSgarten. AuS dtesem Grunde fittdet die Flugblattverbrettung erst am Rontag von den bekannte» Lokalen au? statt.... 14. Abt. Nachmittags von 5 Uhr ab Flngblottverbreitunz n» Lokal von Krüger. Enpeluscr>8 und Radle. Neue Jatobstr. 1«Eck« Jnlelstraßt). Erscheinen aller PezirtsiLbrer und Helfer dringend notwendig. 22.?!dt. BezuISfüdrer Flugblatt-Emvlangnahme au bekannter Stell« S Mr nachmittags. Flugblattverdreitung findet von den Lokalen: RSbboch, Land->bcrger'Allee 155,»Ibrecht. Straßmcmnfir. 12. Lubotta. Richthosenlrr. t. Haner. Gr. Frankfiirt« Str. 1. Kohlke. FriedrtchSderger Str. 22 aus tzatt. �1. ZUtt. Sitzung sämtlicher Funktionäre und BetriebSvertraucnS- leute: T1,, Ubr bei Gold'cvmidt. Stolvöch« Str. 36. Zetiipelvot. 6 Ubg: Flugblattverbrettung von de» bekannten Be- zirkSlvka.'en aus. Genossen und Genossinnen wollen fich zur Rttarbeit zahlreich einfinden._ Iußenüveranftaltungen. Heute, 10. Juli: Getnndkrunne«. Nachtwanderung Bernau— Liepnitzlee Treffpunkt: 7 Uhr Babvbos Gclundbtunnen. GlaSeingang.— Bankow. Siachtwanderung Krossinsee. Tressvunkt: 6 Uhr Kirche'Nachzügler Sonnlag 6 Uhr ebenda). — Prenzlauer Biorfiodt. Nachtwanderung Sirausberg—-thlandlce. Trcnpunki: 7 Ubr Hochbabn Talgiger Straße.— Rosevthalcr Porstadt. Nachiwandetunq KönigSwnsterhauscn— Patzer Porderlee. Trcffpunst: 6 Uhr Rostntbaler Platz. Roimalubr.— Neukölln. Nachtwanderung Stolpe— RettznerShos. 8 Uhr am Hermannplatz, Sonntag jrüh>/,7 Uhr ebenda. Sonntag, 11. Juli: Hermsdort. Fngendheim Roonstraß«, Turnballengebäude. Rstall-der- veslanimiunq.— Moabit. Vanderiing. Tresspuntt:>/,6 Ubr Snnm- ssratzc. Ecke Turmittage.— Ntederschouewetde. Wanderung Tegelort— Heiligentee. Trelspuntt: 6 Uhr Bahnhof— Luden. Spielparlie Havel- berge. Zrrsspun.'t: 7 Uhr Biücherplatz.— Tempeibot. Vandentng Erliier— Störitzfee. Treffpunkt: 6 Uhr Babnhos Tempelbof.—«Sedding. Wwiderung EberSwalde— Bielcnlbal. Tresspuost: ssch Uhr Neltelbeckplatz. — SSefiro. Wanderung Wildpark— Caputh— Ferch— Potsdam Tresspunlt: '1,6 Ubr Hochbahn Büwwstraße.— Wilmersdorf. Badepartie»amtsee. Treffpunkt: 6 Uhr Rathaus. Vortrage, Vereine nnö Vzrsammsunaen. Allgemeine Kranken, uud Sterbeknsse ver Me.'allardeirar. Filiale Berlin 3. Hetttei Ritgliederrrr' lamtung. Bon b— 10 Uhr: Deiegtertenwahl.— Filiale Sieglitz. Heute 7—11 Uhr: Rilglieder- oorfammlung bei Element, Düppelstr.' 7. Delegiertemvahl. Soziales. Um die Mutterichaftsparagraphen. _'s« Frsnag nachmittag fand i« Jugend? zia eine sein stark stickte Fnnltionärinnentonferen� statt, in der die Genossin BoHm-Schuch über den geplanten Antrag zur Auf- bedang de» Z 218 und zur Abänderung des§ ZIS des Strafgesetz- buches sprach. Der betreffende Paragraph mutz im Interesse der Vollsvermehrung, im Interesse der Bevölkerungspolitik aufgehoben werden.�die tatsächlichen Verhältnisse liegen nämlich heute so. daß die Abtörung des keimenden Lebens trotz der Strafandrohung des § 218 vorgenommen inird; da sie aber bei Lautwerden unter' schwe- rer Strare steht, so geschieht die Tat heimlich, daS heißt von uniach- gemäßen.Pänden, unter Atißerachllassung aller Desinfeklionsvor- te-brungen, und so gehen Hunderttausende von Frauen und Müttern zugrunde. Die Frau muß die Mutterschaft alS dos höchste Glück und als höchste staatsbürgerliche Pflicht betrachten. Die uneheliche Mutter- schart darf nicht mehr geächtet sein. Wir müssen einmütig ein- treten rür d a s Recht auf Mutterschaft und damit natür- lich auch für das Recht an dem eigenen Körper. Einstimmig wurde dann folgende Resolution angenommen: � Tie am 9. Juli tagende, stark besuchte Versammlung der - Fujrnionärrnnen der Berliner Parlciorganisation richtet an die Reichstagsfraktion das Ersuchen, sofort einen Antrag zur A u f h e h u n g d e S§ 218 und zur Abänderung des§ 219 - des Strafgcsetzbuchez einbringen zu wollen. Ein Aufschub bis zur allgemeinen Reform des St.®. B. erscheint den Versammei- ren im Interesse der Gesamtheit der Frauen, einer gesunden sitt- lichen Entwicklung der VvlkSgesundheit und der Volksvermehrung unmöglich. GlFtchzeitig ersuchen wir darauf hinzuwirken, dag zurückliegend� Fälle nach Beseitigung des§ 218 straffrei' werden. Gerichtszeitung. ver Massenmörder Schumann vor Gericht. (Fortsetzung aus dem Abendblatt.) Tie Zeugen Moritz und Geiseler, die auf den Alarm- ruf, daß der Lehrer Paul erschossen sei und das Hau? brenne, an Orr und Sielle geeilt waren, haben deutliche Fußspuren, die vom Täter herrühren mußten und offenbar' von Militärsttefeln mit Zwecken herrührten, gesehen. Der Berdach: lenkte sich zu- nächst auf einen Kanonier Kube in Spandau, der auch öfler in der Nabe des SeeS gesehen worden ist. Diesen hat aber Frl. Paul mir Besunvmlheii nicht als.den Täter erklär:. Zeuge Lahmann: Der Angeklagte hat bei seiner Per- pehmung zugegeben» daß er der Täter gewesen sei. Er sei bei einem seiner Spaziergänge um Mitternacht an der Laube des Lehrers Paul vorübergekommen. Diesen habe er gekannt und sich an ihm rächen wollen, weil Paul hinzugekommen sei, als der Angeklagr« ein N-orzuchrsverbrecken habe begehen wollen. Ledig- licg um ihm einen„Schabernack" spielen zu wollen, hoste er mn der bei ihm vorgefundenen Drahtzange den daß Grundstück um- gebenden Drahrzaun durchgeschnitten, dann die Laube angesteckt, nachdem er die Tür durch einen Pfosten verrammelt barte. Er habe dann zugesehen, wie es brannte. Dann will er gehört haben, wie drinnen die drei Personen sich gegenseitig zugeredet hätten, de« draußenstehenden Mann totzuschlagen, da habe er einen Schutz durch die Tür abgegeben. Er hgbe dann durch das Fenster gesehen und dann bemerkt, daß der Mann erschossen war. Als die Tochter um Gnade flehte, habe er sich zurückgezogen. Obgleich der Zeuge den Angeklagten auf die llnwahrscheinlichkeit dieser Aussage auf- merktam machte, blieb dieser dabei. Nach der Mittagspause kam es zu einem Z w i sch e n s a l l. Die beiden als Anklagevertreter fungierenden Staatsanwälie wurden zu' einer sckleunigen Konferenz zu dem Oberstaatsanwa.t gerusen: an der chich der Kriminalkommissar Tr. Kopp teUnohm. Nach-Eintritt in die Verbandlung gab StaarsanwaltschafiSrat Dr. Steinbrecher folgende Erklärung ab: Mir ist eben«ine Nachricht zugegangen, nach der Vestrstunflomaterial gegen den Kriminalobenwachtmeister Labmonn Und andere Beamte der Kriminalpolizei vorliege. ES ist Aufgabe der Staatsanwaltschaft, restlos alles aufzuklären, was für und gegen den Angeklagten spricht, und deshalb ist es' notwendig und äegt auch im Interesse der Staatsanwaltschaft, alles aufzuklären, -was gegen den Zeugen Lahmann vorgebracht wird. Ich beantrage deshalb schon jetzt die Ladung de? Fräuleins Wehn, Spenerstraße 33, welche seinerzeit als Stenotypistin bei den Bernehmungen zu- geizen war. Auf Beschluß deS Gerichts sollen noch mebrere Zeugen geladen werden, so auch sämtlich« Palizeibeamte, die bei der Vernehmung des Angeklagten zugegen gewesen, ebenso bei der Vorführung und Abführung desselben. Zeuge Lab mann teilt noch folgendes mit: Er habe am' 24. Auguil den Angeklagten dem Kreisarzt Dr. Kutscher vorführen lassen. Dieser Hab«„Schrotsckuß" ssstgcstelll und„Verband mit essigsaurer Tonerde" angeordnet. Der Verband ist gemacht un? .im nächsten Tage vom Arzte erneuert worden. Weitere Beband- . lung war nicht nötig. Der Gefänglnsinspektor werde erklären, daß ihm von einem Wundfiebcr de? Angeklagten nichts bekannt sei. Es folgt die Beweisaufnabme über den Fall Niekbock. Nach der Anklage soll sich dieser Mordiall fokgendermaßen zu- getragen haben: Am 18. August v. I. soll-der Hilfkförster' Nielbock rm Walde mit dem Angeklagten zusammengetroffen sein. Kurze Zeit darauf fielen Schüsse und N'elstock kam schwankend aus dem Walde gelauken. Er traf den Elektromonteur G a br i« l, dem er zusammenbrecheud folgendes erzählte: Er habe einen jungen Menschen im Walde getroffen, den er gefragt habe, was er hier wolle. Der Unhekanute haste geantwortet:„Nach Hause" Und gleichzeitig zwei Schüsse auf ihn abgefeuert. Er, Nielbock, habe sofort nach seinem am Rade befestigten Gewehr gegriffen unA dem flüchtig gewordenen Attentäter einen Schroischuß nachgejagt. Nielbock sei noch an demselben Abend ins Kran- kenhauS geschafft worden. Dort verstarb N.< der zwei Brust- schüsse erhalten hatte. Der Zeuge VollziehungÄbeamter Lehmann aus Falken- Hagen hat den Angeklagten wiederholt in der Gegend herum- lungern sehen. Auch an dem Abend, als Nielbock erschossen war- den sei, habe er den Angeklagten in derselben Gegend getvosfen. Nacb kurzer Zeit seien zwei helle und ein dumpfklingender Schuß gefallen.. Der Zeuge erkennt den Angeklagten m i t Bestimmt- h e i t a l s d e n Mann wieder, den er damals' in der Nähe seines Grundstückes habe herumstreichen sehen. Zeuge Amtsvorsteher F r e i m u: h ist mit dem erschossenen Förster Nielbock an dem verbängnisvollen Tage aus der Jagd ge- Wesen. Der Mann, der pachher die Schüsse abgegeben hat, hat etwa ISO Meier entfernt gestanden. Plötzlich fielen die Schüsse vom Walde her auf die im freien Felde stehenden Jäger, der eine verletzte den Nielbock tödlich. Der Zeuge hat keinen Zweifel, daß von den Kugeln sie beide getroffen werden sollten. Der Zeuge kann nur die Kleidung des von ihm gesessenen Mannes ungefähr beschreiben, weiß aber nicht, ob es der Angeklagte gewesen war. «ensation erregt die dann folgende Vernehmung des Kriminal- kommissars K u n tz e 2. Er äußerte sich dahin: Gestern teilte mir Frl. Kants, die Stenotypistin im Polizeipräsidium ist, folgendes mit: Frl. Wehn, die als Stenotypistin die ganzen'Vernehmungen Schumanns niederzeschrieben hat, habe den Damen mitgeteilt, daß sie sehr oft Zeugin gewesen sei, wie der Angeklagte in ilbortriebenflc Werse mißhandelt worden sei, so daß sie es als Frau nicht habe ertragen können. Sie sei sogar einmal ausgestanden und haste sich schützend bor den Angeklagten gestellt. Die Damen hätten dann Frl. Wehn gesagt, dem Lah- mann anheimzugeben, derartige Mißhandlungen, doch entschieden Fu unierlassen und wenn sie nicht aufhörten» den Chef der Kriminalpolizei, Oberregierungsrat Hoppe Nachricht zu geben. Frl. Wehn war hierzu zu zach, sie hat aber ihrer Empörung in einem an ihre Verwandten gerichteten Brief Ausdruck gegeben. Danach hat sie gefehen, daß Schumann einmal ein blaues Auge und ein z e r s ch u n d e n e S Gesicht gehabt hat, so daß er nicht'hat pbologrophiert werden können» sondern zwei Tage gewartet werden mutzte. Sie weiß auch, daß die Angehörigen der ermordeten Personen, durch die Beamten des Dezernats an- gereizt, den Angeklagten ebenfalls mißhandelt haben, ohne daß dagegen eingeschritten wurde. Dann, so fährt der Zeuge fort, erfuhr ich vom Kriminalkommissar Gennat: Er habe von einem Pfarrer erfahren, welcher einen auch bei der Polizei vernommenen Zeugen hat, daß nach der Aussage dieses Konfirmanden der An- geklagte mißhandelt worden sei. Ms nun in diesen Tagen diese Verhandlung hier stattfand nnb Frl. Wehn in den Zeitungen.ge- lesen, daß Kriminsloberwachtmetster Lähmann alles ableugnet-, ist sie wieder sehr empört gewesen, hat mit den Schreibmaschinen. Damen, darüber gesprochen und mich gefragt, tojt sie sich zu der halten habe. Ich habe mich dann mit dem Kommissar Dr. Koptin Verbindung gesetzt und da kamen wir zu der lleberzeugun daß wir im Interesse der Polizei diese Sache nicht ruhe-n lasse'- könnten. Wir sind zum Chef, dem �bcrregievungSrat Hopp. gegangen und dieser hat die Angaben Iofort zu Papier bring- lassen, um als Unterlage für ein Strafverfahren gegen Lähmann und seine Beamten zu dienen. Frl. Wehn, die eine Tochter d' verstorbenen Kriminalkommissars Wehn ist, ist ein absolut zu verlässiges Mädchen, ebenso Frl. Kauis, der das allerbeste Zeugm auszustellen ist. Es handelt sich nicht um bloße Klatschereien. Der Staatsanwalt beantragt, die' genannten Damen als Zeugen vorzuladen, aber auch den R.-A. Frey darüber ti vernehmen, welast Personen ihm Beweismaterial über Mißhan e lungen auf der Polizei gemacht habe-N.— Dr. Frey: Ich würde ohne weiteres mein Zeugnis verweigern. Es handelt sich um zw«' Personen, die bei einem Angeklagten objektiven Beweise, ein blaues Auge und sonstige Verletzungen gesehen haben, die nu: von Mißhandlungen herrühren konnten. Das Gericht beschließt, die Stenotypistinnen Wehn, Kauf s. Becker, den Pfarrer und den Konfirmanden zu laden den Antrag auf Bernebmung des Tr. Frey aber als unerheblich für diese Sache abzulehnen, da es sich nicht darum handelt, ob .mal auf der Polizei geschlagen worden ist, sondern darum, ob dei Angeklagte geschlagen ist. Der Polizeiarzt Dr. Kutscher bestreitet, daß bei dem Angeklagten Wundfieber vorhanden war und daß er darüber geklagt hat.— Krimiualwachimeister S e e g e r, der bei den Vernehmungen des Angeklagten fast stets zugegen war, bestreitet ent. schieden, daß der Angeklagte von ihm oder anderen Beamten miß- handelt worden sei.— Der Angeklagte bleibt dabei, daß er mn Schlagring, Äummiscklauch mißhandelt worden sei und man ihn am Halse gepackt habe.— Staatsanw. Assessor Horst mann: Schlagring« gehören gar nicht zum Ausrüstungsbestand der Kriminalbeamten. Hieraus tritt Vertagung auf Sonnabend, 9% Uhr ein. Sport. ' Kartell der freien Tportvcreinignngeu. Ftreie Turnerschaft Berlin. Sonnabend: Komdtnierte Sisv Vor, laut). Turyausschntz, VergnüqnngsauSfchich Sevdelstr. 3, 7 Uhi: gommerfeft, Kindev-Isrienwandcrungen.— Mittwoch, 14. Juli: Sei' kämpfe der 1. und 4. Männer- sowie 1. und 4. Frauenabtelluna, Urbin.. platz. 7 Uhr. Touristenverri« Naturfreunde,.Ortsgruppe Verlm-Ostbahnvorortr. Sonnabend und Sonntag: Wanderung nach Hangelsbera, Lieber< berger See, Zinnsdors, Strausberg. Abfahrt Sonnabend» Uhr Schles. Bhf Nutzeisen jeder Art: Rund-, Flach-, Q.uadrat-». Bandeisen, llchtepiele etc. Volksbühne Steatl. Sctiaucpielbaa«. (Operetten-Gastspiel) uSf vie StFohwltwB. Musik von Leo Blecb. OraSes Seaauspieiiiaos. 7 Vi: Lyslstrata(32. Abt-.LAbd. Stg.: Lysistrata(33. Abt ,4. A ZV-: Lysistrala(N'.-Abt.B, S.V. Bßiitsches Theatsr. Maria Orska s uhr: VelbyanpeliBUD Kammerspiele. AM/ Käte Dorsch su: Leibgardist Kleines SeinuispleDiaBS. Fasanenstr. l(Nähe Bhf. Zoo). 7v.u.: Büchse der Psniiopa. TheaterßesMens Max Palleaberq Gisela Werbezlrk: sutRabenvater. Schiller-Theater. ilans Waßmana: s uhr: Der eheia. Leutnant Tbeater i. 0. IGnlggrhtzerStraGe 1/2B Uhr: Gest£ndn2s. KoaiSdieRhaas 8: D. Reise in die Mädcbenicit. Berliner Theater V28 Uhr: Der letzte W alz er l�eutschew OpprniiaitH m: krlmess. v.srHLWt Dlo Tribüne s uhr: Bonbury. Prledr.- Wilhelm Tt/j Uhr: MrZ�M. Kleines Theater. Tt/j Uhr: LONatO» Komlsclie Oper uh'?: Cie Frau im BMeln. LnstspielhaaB uhr; Der unpetr eus Eekeiiirt Metropol-Theater. SA Im weihea EüssT Neues Central.Theater N Die Dame im Frack. Venes Operetteuhau» uAKatcrai.-Ptiantast, Ballett Menes Tolbstheater E'r: Die 3 Zwiüiige Thslla-Tbsater � Ihre Hcheit die TWi Th.am Xollendorfplat» u'r Hne Sacht lia ParaM Theater i. d. All. Jakobstr. Z'.\ Dieiersciiwaüil.Piiilne. Wallner-Theater TasuMiiser. 7.15 Uhr: Walhalla-Theater. TVaUhr; Kasernenlalt. APOLLO "Vi Theater 71(2| | Direkt James Klein, j Juli 1920 ftSeu9 lHattspai lebende Kunstwerke IjVlauQ tollkühne i 1 TODESFAHRT I 2 Aegirs J am Meeresgrund. Mary! fZIMMERMÄPl | V. Otsch. Opernhaus 1 I in ihren Tänsen I u. weitere Sensation. I MHK Variete-«afö IntOUS Crcnictiittapc 53-54 «oflfpiel Hennann Krause 2 Senbor« 4 Stephans und da- jroje Variete- Programm I l Theater am BUlowplatx, 3 Uhri Die Fled.rmans. iv, uhr: Bruder Martin Lesslng-Iheater. Somcserapielzolt Allabendlich 8 Uhr: «Ml! D.Glas dJungfrau Dsütschss Küflstler-Ttieater Allabendlich 7:'? Uhr: Die bessere Hälfte _ mit Max Adalbert. Residenz- Theater. Stadtbahn JannowitzbrUcke. Allabendlich'/,* Uhr: Dar grcla Erfolg! Die RascIMs von Hermann Sudermann. Sonntag 4: Der gute Ruf. MshiBeJheaterai!] logplatz Socnctcnb, de» 10., Coaniag, de» 11., Mittiuoch. de» 14. Juli IM Nachmittag 3 UH:: W WWW Operette von Johann Etrauk ums:«Dtitotctuxe d. Sidlchatf Ctchtfins. Spielleitung: Maximilian Morls. jlasit«preise: 10.—, 7,50, 6,—, 1— und 2,50 SR. frianoa-Tbeater. Bahnhof Friedrichstraße. Allabendlich 8 Uhr: Der groBe Erfolgt Kashsrade von Luewig Fulda. Sonntag 4 Uhr: StBrenfried. Rose-Theater. T/j Uhr: Ein Walzertranm. Admlrals-Paiast 7l/z u.: Flirt in St. Morltx. Theater»m K*ttba««r Tor. «Ute-SSngw Tüflloh 7i Our. QastspiW d. Original. Leipziggor FrMz-IVMer- Sönsper. Vonrerkauf o, 4-6 Uhr. U Winter-Garten Täglich 7,15 Uhr: Variete-Spielplan Rauchen gestattet! Mer Folios Caprice Friedrich-, Ecke Linlenstr. TVj Uhr: Flimmer- Klärchen Musikalischer Schwank. t Reiciisiiail.-Ttieater Täglich VI. Uhr: M Stell Sätiger. Variete Dönho f-Bretti. , S\ ß Garten u. Saal. i-?lr.f.fi'/;,6onnt 5 simffliii (Kllem») Hasenheidc 15 SpeziaSarzt Sr. Kasnk Letpi.Str.103, a.d.F riedrichstr. 10-1, 3—6, Sonnt. 11—1. Baut- u. Harnleiden jeder Art, Dlutuntersuch., Salrarsan- kuren. Beste Medikamente. Schmerzl. erprobte Behandl. o. Berufsstör. Mäßiges Hono- rrr, fast w'eder Friedenspreis. Altmetalle j necksillier.Zalmgeliisss Platin-, Sierlinicli I kauft zu Schmefzpreiten jBrunneDSlr.11 i Neukölln I Kais. Fried.- Str. 229 Keue Wsli Arnold Scholz Hasenheide 108—114 Täglich Konzert nnd Voratcllang. Dienstags, Mittwochs, Donnerstags n. Sonntags Großer Ball. Die Kaffeeküche ist taglicn geöifnet. Anfang wochentagsSUhr, Sonntags 4 Orr Reeilerei Kaimt& HeFtzer|:eTns9r-,J Tägl 5 U.: Operett.-SchUg. Was junge Mädchen _ träumen T An o F.rstkr Sr-uzialfldien nccucrc aauui a ncrucr KSn!gsl.?0S2 ara" Walseabrficke }« Uhr: Teupltz( Tl0d7lt*) Jeden Sonntng} RkSMYSUbUrg wsorn"ab"„Br} uhr:Mügge!sc!sloß-W8ltersi!(irf Jeden Dcnncrsfag, 10 Uhr: ZSUt�ßü. ' gg_'__ M ück BüeMMiÄke�? 4İ' außer Sonnabends tägliche Dampfer» '�h" Scd-lierinnsilör! u. Woiters- ftnr-tnp Cnblcnoa Abf. So.-.nfigs 8'/« Uhr vorm. und 2V. Uhr tUllCI ytilltü�e. nachm. Woclientngs nur 9 Uhr vormittags. Reederei Kicch, Fakkensteinstr. 48. Tel.: Moritzolatz 8191. GrüuHeide— Alt-BuchHorst Faugschleuse täglich«1/8 AZstoedoot- Zährten Abfahrt: Schf.fifches Tor, SrLbeii-Ufcr, aarmittag, S Uhr. Eonntaz« 8 Uhr. Seit über>/, Jahrhundert Asueb- 517.� KsSkss luvattUeost�sLe 164 EckhausBrunncnstr.Nord4336 1-Füllhalter, grösste Auswahl,. Vertreter gor"oht von A. 43|— an - Cw- ü>A> ÖC-0.«VÄ � Besonders billiges Alte Halter nehmen in Zahlang__ Prospekt gratis Reparaturen sofort. 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App.(St&H.1 u.elA echt G.-App., mit denen ich mich volle läjahr.herumgeärg. habe, endlich das so lange Gesuchte gefunden habe. Ich bedauere jed.Herrn, dem es noch heut so erg�w.mir.eheicha. I Mulcuto hingewles. >•■•urde, der sich sein Gesicht mit Marter- instrura. zerschlndo die Ihn zur Verzweiflung treiben. All diesen Ungiuckl. wäre m. ein. Schlage geholt'., sobald sie i. vortreffl. Mulcuto In Benutzung nähmen. Könnte man doch diese objektive Wahrheit allgem. bekannt machen. Sedanstr. 7. Dr. Konr. Wolter. tllllil#! ysi Pri-lv'lvf m! �Wt> üjWkt! die aus dem feinsten Silberstahl W üandüflül- geseiiiiileneii MULCUTO. Rasier- Apparate bleiben danernd brauchbar, rasleren«ammetwelch und entfernen mit der größten Schnelligkeit und Sauberkeit jeden beliebigen Bartwuchs. Yerlstzen LMM! GroOe Zeit* und Geld« ersparnls. Selbstrasieren ein Vergnügen. Apparat mit Abzieh h. 2J M. Apparat mit Abziehhalter, in Etui, Nr. 71 M. 30,- Apparat mit Abziehhalter, echt. 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Die Danztger lln- abhängigen haben im Ausschuß für auswärtige Angelegenheiten der Verfassunggebenden Versammlung des Freistaats Danzig einen Antrag eingebracht, der Staatsrat möge Sicherheiten schaffen, daß die Militärflüchtigeu au» Pole» vor der Auslieferung an Polen geschützt»erde«. Der Antrag ist bau dem Ausschuß einstimmig angenommen worden.. Wilhelms Millionen. Erregte Debatte im Preußischen NcchtsauHschesi. Der Rechtsausichutz der Preußischen Landeeverianuttlung beriet am Freitag das Gesetz über'dir Vermöge ttSauseinottdex» s e tz u n g zwischen dem preußi'chctt Staat intd dem vormaligen v r e u ß i fch e n KönigSbaui« Dabei ffi'.- es zu beitigen Debatlen zwischen den Vertreter» der beiden ioziaidemolroiischett und denen der bürgerlichen Parteien, die ohne Nnrerichied der Richtung dem Verderber Deutschlands noch utigetnhlte Millionen nachWersen wollen. ES lag«in Antrag der Unabhängigen vor, die ehemals regierenden Fürstenhäuier durch R e i ch s a e i e tz zugunsten des Staates ibreS gesamten Vermögens für verlustig' zst erklären, mäbrend die Sozialdemokraten beantragten, den Artikel 153 der Reichsverfasstmg in der Weise zur Anwendung zu bringen, daß die dort zugelassene Ausschaltung des Rechtsweges hier Platz greifen solle. Vor Eintritt in die Beratting beantragte, Genosse H e i l m a n n. mit Rücksichr darauf, daß in Spa die Be- strafuttg der Kriegsschuldigen und die Frage der LetstuttgStähigkeit Deutschlands erneut geprüft werde, gegcnlvärtig von per Beratung abzusehen und ein Gutachten des RetchsminisiertumS des Aeußern über die außenpolitische Wirkung dieses AuSeiuandersetzungSvertragrS einzuholen. Der Antragsteller verwies u. a. darauf, daß der Attßenittintster H e r m a n n M ü 1 1 e r öffentlich die Schädigung der auswärtigen Politik des Reiches durch diesen Ab- findungSvertrag aufs lebhafteste bedauert hatte. Abg. Lichten« stein(II. S.) schloß sich dem Antrag an. der mit den Stimmen aller bürgerlichen Parteien abgelehnt wurde! Darauf beantragte Genosse Heilmann, von der Staatsregierung zunächst«ine Darstellung des Vorgehens gegen den vormalige» König von Hannover und den Kurfürsten von Hessen im Jahre 1866 einzufordern, damit man sehe, wie energisch die Regierung unter Bismarck und die damaligen MrhrheitSvarteien, namentlich die tziationalliberalen, in einem analogen Fall verfahre» sind. Ein« Anzahl bürgerlicher Redner sowie der Vertreter des Justizmimste« riums, Oberjustizrat K ü l z e r. bestritten, daß hier ein Analogie- fall vorliege, damals habe es sich um eine Frage der Staats- f i ch« r u n g gehandelt. Darauf wurde von sozialdemokratischer Seite erwidert, daß die ungeheuren Geldmittel, die den Hohen- zollern nach dem jetzigen Vergleich zur Verfügung ständen, eben- falls eine dauernde Gefährdung der Republik bedeuten. Ueberhaupt müsse man einmal genaue Auskunft haben,' wie hoch nach dem Vergleich der Privatbesitz der Hohenzollern wäre. Geheimer Oberfinanzrat Schulz bezeichnet den Gesamtwert der Abfindung schätzungsweise mit 259 bis 899 Millionen. Abg. Hergt(Dnat. Vp.) beantragte, die Borlage en bloc anzu- nebmett. Genosse Heilmann bezeichnete die Schätzung de? Finanz- Ministers als viel zu niedrig. ES seble bei diesen Berechnungen der Wen der Hofkammerdomänen, die jährlich viele Millionen Ueber- ichüffe geben, der Wert der baureifen Grundstücke, der Schlösser, Parks usw. sei diel zu niedrig angegeben, ferner fehle der Haus- schätz, dessen Inhalt von sachkundiger Seite auf 90 Million«« ge« ichätzt wevde, ebenso fehle der Inhalt der Prtvettschalulle, der 50 Millionen betrage, die Juwelen, das Silber und schließlich alles das, was die Hohenzollern bisher schon bekommen hätten. Ein einziges der vielen städtischen MietSgrimdsincke, die den Hohenzollern überlassen werden sollten, hätte das Reich bereits für 40 ZRillione» Mark ankaufen müssen. Der Vertreter des Finanzministeriums er- widerte, daß feine Schätzungen sich nur auf die Grund st Ücke bezögen, im übrigen halte er die Angaben de? sozialdemokratische» Redner? für übertrieben. WaS bisher übergeben worden sei, seien nur häusliche Gebrauchsgegenstände alltäglicher Art. Genosse Heilmann fragte, ob zu diesen häuslichen Gebrauchtgegen- stättdeit auch die � 1000 silbernen Teller gehören, die nach Holland geschickt worden sind. Er verlangte für ein« spätere Sitzung genaue Auskunft über das. was ans trüberer Zeit den Hohenzollern mit Bewilligung der Fmanzminister ausgehändigt worden iet. Ministerialdirektor H ü b l e r verlas ein Gutachten des früheren unabhängigen JusttzministerZ Rosen- selb, wonach rein juristisch lediglich öffentliches Eigentum und Privateigentum der Hohenzollern abgeändert werden solle und ieinerlei unzulässige Eingriffe in dos Privateigentum wie im Fall Hannover von 1866 beabsichtigt seien. Schließlich wurde der un« abhängige Antrag gegen die Stimmen der Unabhängigen, und der iozialdemokratilche Antrag gegen die Climmen der beiden sozial- demokratischen Parteien abgelehnt. Hierauf beantragt Äbg. Dr. Cassel(Dem.) die Vertagung bis zum September, die gegen die Stimmen der Rechtsparteien und des Zentrums beschloffen wurde. In der öffentlichen Sitzung des Reichsrats vom Freitag abend, die vom Minister Koch geleitet wurde, wurden u. a. einige weitere Etats erledigt, darunter der Etat der Reichsmarine und der Etat des Ministeriums des Innern. Berm Etat des Innern haben die Ausschüsse die Stelle eines Direktors gestrichen, der die Aufgabe haben soll, speziell das Beamten recht zu bearbeiten. Minister Koch ersuchte dringend um die Bewilligung. Die cinheilliche Kodi» fizicrung des Deamlenrechts sei ein dringender Wunsch der Be- amtenschaft. Ter sächsische Vertreter V. Sickart hob hervor, daß die Ausschüsse sachlich mit der Regierung einverstanden seien, der Sinn ihres ablehnenden Beschluss's set nur, daß bei der furchtbaren Lage des Reiches die neue Einrichtung noch aus kurze Zeit vertagt werde. Es entspann sich im Anschluß hieran noch eine Ausein- andersetzung zum Teil persönlicher Art. Das Plenum des Reichs- rats schloß sich einstimmig den Ausschußbeschlüssen an und strich die betreffende Direktorstelle. Im übrigen wurde der Etat an» g en om m en. Tie totgeschwiegene Geheimkonferenz. Wir berichteten jüngst. daß in Berlin eine Geheimkonferenz führender U.s.P.-Leute stattfand. in der beschlossen wurde, den von Moskau geforderten Zusammen« schluß mit den Kommunisten nicht zu vollziehen, auch wenn daran der Anschluß an die Dritte Internationale scheitern sollte. Die .Freiheit" bezeichnete diesen Bericht als einen Reinfall de?..Vor- wärtS". Offenbar war sie selber nicht im Bilde. Wenn sie sich ge- nauer informieren will, so möge sie die Güte haben, sich an Dr. Wehl, Lothringer Str. 42,'zu wenden. In dessen Wohnung hat nämlich die erwähnte Konferenz stattgefunden. Anschluß an die Bayrische Volkspartei. Die ZeiftrumSpartei der Pfalz hat nach Meldung der P. P. N. den Anschluß an die Bayrische Volkspartei beschlossen. Der verhaftete kommunistische Landwgsabgeordnete Eisen- berger ist auf Verfügung der Münchener Staatsanwaltschaft wieder freigelassen worden. Georgien voran! In Georgien wurden alle Adelstitel (Fürst, Graf, Edelmann u. dergl.) abgeschafft. Georgischen Staatsangehörigen ist die Benutzung dieser Titel bei Stonfe vor- boten. Amerikanischer Protest gegen die farbige Besatzung. Am 14. Juli, abends 71/4 Uhr, findet in der Berliner Universität, wie der Dena mitgeteilt wird, eine von den in Berlin lebenden Amerikanent ver- anstaltete Protestkundgebung gegen die farbige Besatzung am Rhein statt, zu der auch die rheinische Frauenliga einladet. Die Redner des Abends sind: Oberst Edwin Emerson, Rah Beveridge, Herman Schcffauer, Agatha Marshall-Bullitt. Ethel Talbot-Scheffauer, John de Kay, Laura Vincent, außerdem als Vertreter der rheinischen Frauenwelt Fräulein Helen« Weber. Der französisch« SabmettSrat hat die Wieder er«fü h rn u g der Brotkarte abgelehnt. OewerMostsbsVegung Tie Streikversicherung der Uuternehmerverbäude. Die Unternehmer haben nicht nur sich restlos zu einem grasten Organisationsgebisde zusammengeschlossen, sondern haben jetzt in der Vereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände die bestehenden streikunlerftützungseinrichlungen zentralisiert. Am Juli ist in Berlin unter Leitung der genannten Ver- cinigung eine Streikversicherungsgesellschaft unter dem Namen.Deutscher Streikschutz" gegründet worden, der soi'ort die bedeutendsten fachlichen und gemiichlgewerblichen Arbeitgeberverbände und SlreikenlschädigungSgeseI!s' ch i f f- fahrt* zu bewerien ist und dem Internationalen Arbeitsamt Mitieilung zu machen. Zwei Jahre nach stattfindender Konferenz in Genua soll dann zu den» Material wieder Stellung genommen werden. Die anderen Punkte harren noch der Behandlung im Plenurn. Tarifverträge»vd Lehrlingswesen im HandelSgewerbe. Noch immer wird die Oeffenilichkeit durch Zeitungsnachrichten beunruhig«, wonach das RcichSarbeitSmiNisterium die Regelung von LebrlinaSfragen durch Tarifverträge ihr ungesetzlich erklärt haben soll. Eine Anfrage de» Zentralberbande» der Angestellten, iu dieser Angelegenheil beim ReichSarbeilSminister wurde unter dem 15. Juni d. I. durch folgendes Schreiben beantwortet: In der Anlage übersende ich Ihnen Abschrist der Entscheidung 1.13.2. 3496, die zu den falschen Preffemeldungen über meine Stellungnahme zur tariflichen Regelung der Lehrlingssrage an- scheinend Anlast bot. Wie Sie daraus ersehen werden, handelt es sich hier um eine Einzelentscheidung, in der das ReichSarbeiisministerium aus Zweck- mästigkeilSgründen vorläufig davon abgesehen hat, die allgemeine Verbindlicherklärung auf den die LehrlingSsragen regelnden Para- graphen des Tarifvertrages auszudehnen. DaS ReichSarbensminifterium hält nach wie vor an feinem Stanopunkt fest, datz die das Arbeitsverhältnis regelnden Be- stimmungen auch für Lehrlinge in Tarifverträgen festgelegt werden können, soweit nicht vom Gesetz besonderen Stellen übertragene Rechte hierdurch berührt werden. Tarifverträge, die Bestimmungen für Lehrlinge enthalten, sind auch neuerdings wiederholt von hier für allgemein verbindlich er- klärt worden. Im Auftrage: gez. Wulff. Unter den hierin erwähnten.Vom Gesetz besonderen Stellen übertragene Rechte* sind die Bestimmungen der Gewerbeordnung zu verstehen, die im Z 103« den Handwerkskammern aufgeben: 1. Die nähere Regelung des LehrlingSweien». 2. Die Durchführung der für das Lehrlingswesen geltenden Vorschriften zu überwachen. Hierbei ist von vornherein zu bemerken, datz natürlich diese» Reckt der Körperschaften des Handwerl« sich auSschlietzlich auf Hand- Werkslehrlinge erstreckt; weder Handel und Industrie noch die nicht handwerkSmätzig betriebenen Gewerbe unterstehen den Handwerkskammern. Ein Urteil darüber, ob diese Bestimmungen der Gewerbe- ordnung tarifliche Regelung von Verhältniffen der Handwerkslehr- linge ausschlietzen. soll hier nicht gefällt werden. Ganz zweifellos steht fest, datz lür das Handelsgewerbe keine irgendwelchen geietz- lichen Bestimmungen bestehen, die etwa den Handelskammern ähn« liche Befugnisse zugestehen wie die Gewerbeordnung den HandwertS- tammern._ lieber den Elektrizitätsstreik in Golpa-Zschornewitz ist zu berichien, datz am gestrigen Tage die Verhandlungen, an denen auch Betriebsräte von den Berliner E. W. teilnahmen, noch fortdauerten. Man hofft, datz die lediglich auf wirtschaftlichem Ge- biet liegenden Differenzen ausgeglichen werden können. Abschluß der Tarifverhaudlungen in den Annoneen- Expeditionen. In einer am Montag, den 28. Juni, stattgefundenen Versamrn- lung der Angestellten in den Annoncen-Expeditionen nahmen die Angestellten Stellung zu dem Ergebnis der Tarifverhandlungrn. Es wurde der Beschlutz gefatzt, dem gefällten Schiedsspruch des Schl'chlungSauZschuffeS zuzustimmen, jedoch war eine starke Stim- mung gcgech den Schiedsspruch vorhanden. Wir haben daraufhin die besonders ungünstigen Punkte nochmals in einer Verhandlung mit dem Arbeitgebetverband zur Sprache gebracht und Verbcssc- rungcn erzielt. Die Gehälter der jugendlichen Angestellten, sowie der jüngeren Angestellten, die qualifizierte Arbeiten verrichten, sind um einiges heraufgesetzt worden. Ferner hat eine nochmalige eingebende Besprechung der Gruppierung stattgefunden. Am Montag, den 12 Juli, nachm. VHS Uhr, findet in den Arminhallen, Kommandauienftr. ö8, eine Versammlung statt, in der über das Ergebnis eingehender Bericht erstattet wird. Angestelltenverband des Buchhandels, Buch- und ZeitungSgewerbei. Ortsgruppe Grotz-Berlin,__ Tie Organisation des TtreikbrvchS. Dringende Beachtung verdient da« nachstehend abgedruckte Rundschreiben, das dem Zcntralverband der Angestellten auf den Tisch geflogen ist: Bezirksverein XI des Verbände» Deutscher Textilgeschäfte e. V. Rundschreiben N- L. München, de» 4. Juni 1920. An unsere Mitgliederl Betrifft: Kaufmännische Nothilfe. Entsprechend der schon früher einmal auseinandergesetzten Notwendigkeit, ein Mittel zu schaffen, um im Falle von Teil. streikS, verursacht durch Lohnstreitigkeiten, daS Offenhalten der Geschäfte zu gewährleisten, mutz nunmehr die Organisation der �kaufmännischen Nothilfe* ausgebaut werden. Wir ersuchen Sie, uns umgehendst mitzuteilen, wieviel Leute Sie für Ihr eigenes Geichast im Falle eines Streik» be- nötigen, um daSielbe. wenn auch in beschränktem Umfange, auf» r«hierhalten zu können. Wir ersuchen Sie ferner, uns anzu- geben, wieviel Sie Angehörige oder Freunde namhaft machen können, welche bereit waren, in einem solchen Fall dem Einzel- Handel helfend beizuspringen. Das gesamte Maierial wird von uns der Arbeitsgemeinschaft zur Verfügung gestellt, welche ihrer« seits dann im gegebenen Zeitpunst sofort eingreift. Selbstver- ständlich wird die Tätigkeit entsprechend bezahlt. Zweckdienlich wäre auch, wenn Die»nS angeben wurden, für welche Branchen die Persönlichkeiten, welche Sie uns namhaft machen können,«n Betracht kommen. Bei der Wichtigkeit der Sache bitten wir Sie, unter allen Umständen in Ihren Kreisen zu werben, schließlich hat jedermann Angehörige, Verwandte und Bekannte, welche er für diese wichtige Tätigkeit gewinnen kann. T>a rascheste Erledigung noiwendig ist, ersuchen wir um umgehende Beantwortung unserer Anfrage. Es wird sich empfehlen, die Angelegenheit als vertraulich zu be- handeln.. Bezirksverein Xl: S. Guttmann. Das Schreiben zeigt blitzartig, welche Vorbereitungen die Ar- beitgeber treffen, um die Angestellten bei der Ausübung ihres Koalitionsrechtes niederzuschlagen. Angestellte, seid wachsaml Gegenüber den Euch drohende» schweren Gefahren seitens der Unternehmer gibt es nur ecneS: Rüstet ebenfalls zum Kampfe! Pariert den Hieb durch geschlossene Kampsesfrout! Vereinigt Euch»n Eurer Gewerkschaft, dem Z e n t r a l v e r b a n d der Ange» stellten.._ Betriebsratsmastregelungen beim Wiederaufbau. Vom Zentralverband der Angestellten wird unS u. a. geschrieben: DaS ReicbSlommiffariat ist eine Stelle, der die Organisation des Wiederausbaues der zerstörten Gebiete obliegt. Zur Durchführung dieser Organisation, an der ja daS gesamte Volk ein berechtigtes Interesse hat, gehört aber wohl aucki eine Angestelltenschast, die mit Idealismus und Jntercffe ihre Tätigkeit ausübt. � Der Betriebsrat des ReichSkommissariatS betätigte sich bisher dahingehend, zwischen Behörde und Angestelllenicbast ein gutes Ern- vernehmen herzustellen. Der Leiter des Reichskommisiariats legt aber, wie man au» den bisherigen Anordnungen scblietzen mutz, auf ein gute« Einvernehmen mit der Angestelltenschast wenig Werl. Jede Tätigkeit des Betriebsrates wurde bisher vom Leiter de« ReichSkommiffariatS sabotiert, damit jedoch noch nicht genug, sind nunmehr sämtliche Mitglieder deS AngestelltenralS gematzregelt worden, also Reichsbeböroen sabotieren die Gesetze.— Wir halten eS an der Zeit, datz sich nunmehr auch die Oeffentlichkeit, die sicher ein berechtigtes Interesse an den Vorgängen bei den Wiederausbau- Behörden hat, mit dieser Lngelegenheü beschäftigt. Wer steuert der Notlage der Angestellte« bei den Behörden? Vom Verein der Gefängnis- und SlrasanstaltS-AussichtSbeamien und-beomlinnin Grotz-Berlin(gewer kschastl, che Organisation der Justizbeamten) werden wir um Ausnahme nachfolgender Zeilen er- sucht: .Der Tarif für Angestellte, die Tagegelder erhielten, war hier in Berlin bei der Justizverwaltung auf 30 3>i. pro Tag sestgeictzt, so datz ein Hilfswachlmeisier im GefängniSdienst bei 25 Arbeitstagen monatlich 760 M. bekam. Jetzt hat man jedoch die Angestellien, die bisher Tagegelder bezogen, in das Beamlenverbältnis übergeinhlt und zu Gehalte- emptängern gemacht, jedoch fast ohne irgendeine Aussichi auf eine eiaismätzige Anstellung. Der Erfolg ist nun, datz ein Hilfsbeamter 70 Proz. vom AnfanqSgehalt eines etaismätzigen Beamten sowie 80 Proz. vom Onszuschlag erhält, dieses macht zusammen monat- lich 002 M.. davon 10 Pro,. Sieuerabzug. bleibt zum LebenSunter- hall für einen verheirateten Hilfsbeamten 542 M. Da eine Steigerung überhaupt nicht vorgesehen ist. müffen die Hilfswachtmeister in den Geiängniffe» mit einem solchen Einkommen dem völligen Ruin entgegengetrieben werden. Deutsche Delrp bonwerke. Abteilung Nieder.ZlchSneweid«. Am Sonntag, den tt. Juli, vormittags 10 Uhr findet in Berlin, Mantcussel- ftrage 47,«ine Beriammlung der in der Abteilung belchauig! geweiencn Kolleginnen und Kollegen stall. Tagesordnung: Bericht über die Ber- handlang vor dem Landgericht und über die Auszahlung der eingellaglen Summe. Trlib einen Pflicht. I. A.: Schmwt. Eine Dagnng der mittleren ipost- nnd Delegraphenbeamton findet vom 14. bis 17. d. Ml«, in Berlin. Krieaeroeremtbaus. Thausfie strotze 94, statt. Zweck der Tagung ist. gegen die ungerechte Bcaandiun der genannten Beamten bei der Perionalrelonn Stellung zu nehmen un von der Legieruna die Anwendung der noch immer zu Rccht bestehend. AnsiellungSgi und'ötze zu verlangen. Am>4. Juli. nach«, b Uhr: Gtö Proteswersammlang mit anichliegender Aussprache. Zentralverband der Maschinisten und Heizer sowie Berus.' genossen Deutschtaud»(M a I ch i n i st e n und Heizer der Brau reten). Am DienSt>g, den Iii. Juli, abend« 5 Uhr, findet im Rose tdaler Hof, Rosenlhaler Siratze 11/12. eine Vertrauensmänner und Betriedvräteversammlung statt. Es ist unbedingte Pfl chi. püntttich zu erscheinen; anderelijallS Vertretung gesandt weiden mutz. Die OitSverwaltung. Ehemalige Angestellte der Artilleriewerkstatt Nord, die an 30. Juni 1919 entlassen worden sind und Anspruch auf Ilr.aul hatten, wollen sich am Mittwoch, den 14. Juli, bei der K u s j der Artilleriewerkstatt Nord auf dem Gelände der Air Süd Halle 17 von 10 Uhr ab melden. Mitzubringen sind eider stattliche Versicherungen, deren Unterschrift polizeilich zu beglaiu bige» ist, daß die Betreffenden keinen Urlaub gehabt haben. Voll- machten zur Abhebung des Gerde» werden nicht anerkannt. WetteranSftchten für das mittlere Norddeuischland bis Sonntag mittag. Vielfach heiter, in den Mittagsstunden mätzig warm aber„och veränderlich, im Norden, besonder« an der Küste, verjchiedenllic! etwa« Regen. verantw. für den redolt. Teil! Dr. Werver Pcisrr, ilharlottenburo! lür Lnzeigcl Tt. Glxite. Berlin. Berlag: BorwärtS-Berliig G. m. b. H.. Berlin. Druck: fi. wärlS-Buchdruckerei u. LertagSvnslolt Vau! Zinger u. So.. Berit.». Linden'tr. Hier«» t BeUage. Ohne Rückficht auf den bisherigen Preis •Angeßot für die Zeit vom 7.-25- Juß* Sakkoanzüge Serie 1................. M. 875« Serie II................. M. 1075.- Seriem................. M. 1275- Ulster Bunte Oberhemden mit passend. Kragen: Serie I.................. M. 85.- Serie II.................. M. 125,- Serie III.................. M 165.- Serie 1................. M. 875— Serie II................. M. 1075- Serie M................. 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