Nr.ZSH�Z7.?ahrgang Ausgabe A Nr. 38 Bezugspreis- B irteljährl.ZV,— 3R',monatl.lO,— 2JIL frei ins Saus, voraus zahlbar. Poll- -eiuz Monatli» 10.— Ml, ctfU Su- itellunzsgedlldr. Unter Stteulbanb fü: Detufchland und Ocftemetdi 16,' 0 M!. . für das übrige Ausland det litglich einmal. Sultelhmq 2150 w. Vostve. fiellungen neitmen an Oesterreich, Ungarn, Tschecho-Slowatet, Dane» marl, Holland, �uqemburg. Schweden u«d die Schweig.— Singeiraaen in die Post- Keldung», Preisliste. Oer.Bortoari-' mit der Sonnlag», deilage.Voll u. geii� ericheinl wachen- laglich zweimal Sonntag« und Man- lag»-mmal Telegramm-Adrefle: jSoslaldeinotrot Berlin» Morgen Ausgabe Nerliner Volksblstt � Z0 pksnnig) Anzeiaenpreis: Die achlgeivallene Nonpareillezelle koste, S.— Ä>!., Teuerungszuschlag 50«/» »Kleine Anzeigen», das letl- aedruckte Wort h— M.(zuläsfig zwei iettgedruckte Worte), edes weitere Wort 60 Pfg. Stellengesuche und Schlasstellenanzeigen das erste Wort S5 Pig. jede» weitere Wort 40 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen fstr iwet Worte. Teuerunaszuschlag 50°/» ramllien-Anzetgen fiir Abonnenten Zeile 2,— SEI., politische und ge» werkichaslliche Vereins- Anzeige» 3,— MI. die Zeile ohne Aufschlag. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis S Ahr nachmittags im Hauptgeschäft, Berlin EW KS, Linden- strahe 3, abgegeben werden, ffieöffnet von 9 Uhr früh bi» 5 Uhr abends. Zentralorgan der rozialdemokratifcben Partei Deutfcblands Ueüaktion und Expedition: SW. 08, Ändenstr. Z. Krrusvreehrr:«ml Morivpla«. Nr. 1»»S0—»S»S7. Mittwoch, den 14. Jnli 1VÄO vonvärts�verlag G. m. b. h., SW. H8, Lindenstr. Z. «Hern sprechen«ml Dtorippla«, Nr. 117 33— 54. Die Kohlenfrage ungelöst. S p a, 13. Juli. Amtlich. Heute vormittag 11 Uhr taflte die gemischte Kommission, die gestern nach- mittog von der Konsenenz eingesetzt worden war, um die Vorschläge der deutschen Regierung in der Wieder- gutmachungsfrage erläutern zu lassen. Die deutsche Delegation war durch Finanzminister Dr. W i r t h und Dr. Karl Melchior als wirtschaftlichen Beirat des Ministers des Auswärtigen, Geheimen Rat W i e d f e l d t als Beirat des Wirtschaftsministers, Staatssekretär Bergmann flS Vertreter des Wied emn füau Ministeriums und der Kriegs- lastenkommissson und einem Sekretär vertreten. Der Präsident der Kommission stellte fest, dass es sich n v r um eine Enquete, nicht um eine Beratung handele nnd richtete an die deutschen Delegierten eine Reihe von Frauen, durch die verschiedene Punkte der deutschen Vorschläge ans- geklärt wurden. Sodann bat er die deutsche Delegation i n eine bestimmte Auskunft überdieHöhe des finan ziellen Angebots, insbesondere der Jahreszahlung. Reichsminister Wirth stellte eine solche Anwort für dcn späteren Nachmittag in Aussicht. Inzwischen hatten die deutschen Sachverständigen in der Kohlcnfrage mit den Sachverständigen der Gegenseite über ein neues Angebot monatlicher Tonnen- l i e f e r u n g e n an die Alliierten verhandelt und das An- gebot in schriftlicher Form gemacht. Eine Einigung war uicht zustande gekommen. Ju dem am Nach- mittag beim Herrn Reichskanzler abgehaltenen Ministerrat wurde infolgedessen beschlossen, die gewünschte Auskunft an die gemischte Kommission zunächst zurückzuhalten, bis in der NachmittagSsitzuag des engeren Rates der Kon- ferenz die Kohleulieferuwg, die jedem wirtschaftlichen An- gebot zur BasiS dienen mühte, festgestellt worden sei. In der Sitzung des engeren Rates forderte der Präsident der Konferenz die deutschen Delegierten so- gleich zur Abgabe ihrer Erklärung in der Kohlensraye aus. Reichsminister Dr. Simon» entwickelte die Gründe, aus denen eS der deutschen Regierung unmöglich sei, eine Zusage wegen Kohlenlieferungen zu machen, die nicht die Zustimmung der Bergwerks» nternehmer und ins- ' besondere der Bergwerk sarbeiter gesunden habe. Er machte auf den durch die Blockade geschwächten Gesund- heitszu stand der Bergarbeiter aufmerksam, der eS ihnen ohne- hin erschwere, Ueberschichtrn zu leisten, und der eine weitere Steigerung der Produktion nur gestatte, wern man die Er- nährung verbessere und für eine gröheve Zahl Bergarbeiter angemessene Wohnung schasse. Unter dieser VorauSsetzuna könne man zusagen, das Tageslieferquanwm vom 1. Oktober 192l) ab um 12 0 0 0 Tonnen, also auf 56000 Tonnen, und vom 1. Oktober 1921 ab um weitere 120 0 0 Tonnen auf 6 8 000 Tonnen zu erhöhen. Der Minister erklärte, daß eine weitere nicht unerhebliche Steigerung möglich �scin werde, wenn in O b e r s ch l e s i e n für Ruhe gesorgt würde, fo daß Ueberschichten geleistet werden können. Dazu sei erforder- lich, den Abstimmungstermin sobald als möglich an- zusetzen, weil bis dahin die friedliche Arbeit durch Agitation aller Art gestört werde. Noch besser würde es sein— aber damit gebe er nur eine Anregung, ohne einen Antrag zu stellen—, wenn man die Abstimmung überhaupt auf- gäbe und über die KoHlenlierrnng an Polen und die anderen ans die oberschlesssche Kohle angewiesenen Länder unter Zustimmung der Alliierten eine Vereinbarung träfe. Diese Zustimwunq sei notwendig, weil durch den F'-iedensvertrag für Frankreich, Italien und Belgien eine Art internationaler Hnpotbek auf das deutsche �ahlenvorkommen unter gewissen Bedingungen geschassen sei. Nach seiner Ueberzenguna würde aus diese Weist Polen von der deutschen Bergwerkeverwaltung mehr Kohlen erhalten können, als wenn es die Verwaltnna selbst in die Hand bekäme. Die Abstimmung in Oberschlesien sei zwar zweifelhafter als die in Schleswig und Allenstein, sie werde aber von uns nicht gefürchtet: was wir fürchteten, sei nicht die Abstimmung, sondern die mit ihr verbundene U n- ruhe und Vcrfcindüng. Der Minister bat daher, diese An- regnng zur Gewährung einer neuen Vcrhandlungsgrundlage in Erwägung zu ziehen. Präsident Delacroix erwiderte, dah diese Antwort die alliierten Regierungen mit größtem Bedauern er- fülle und eine sehr ernste Lage schaffe. Man habe ge- bofft, in Spa zu einem wirklichen Frieden zu ge- langen. Der deutsche Außenminister habe das Vorrecht der Alliierten aufdie deutsche Kohle anerkannt. Das Recht sei sehr maßvoll geltend gemacht worden, aber die deutsche Delegation lasse es unberücksichtigt. Unter diesen Umständen müsse er die Sitzung aufheben und be- halte sich vor, den Delegationen eine« Beschluß über einen «eve« Termin mitzuteilen. Der Crnft öer Lage. V. 8. Spa, IS. Juli. iEig. Drahtbericht d«s„vorwärts".) Die heutige Sitzung der Konferenz, an der nur die Häupter der Delegation teilnahmen, hat eine äußerst kritische Lage her- beigeführt. Es ist sozusagen ein Mittelding zwischen Abbruch und Weiterberatung. Der Vorsitzende hat sich den Entschluß v o r b e- halten, die nächste Sitzung einzuberufen, indem er die Möglichkeit offen ließ, baß eS zu einer neuen Sitzung überhaupt nicht komme. Dies kam daher, daß eine Einigung über die Kohlensrage nicht erzielt werden konnte. Man ist bei der Beurteilung der Lage ans Mutmaßungen an- gewiesen. Man braucht nicht gleich mit einem Abbruch der Ber- Handlungen zu rechnen. Ich erfahre, daß dbe Alliierten die Mar- schölle Fach und Wilson, welche bereits vor fünf Tagen nach Paris bzw. London zurückgekehrt waren, wieder nach Spa gerufen haben, um mit ihnen die Fuafce eines etwaigen Einmarsches ins Ruhrgebiet zu befpoochen oder viel- leicht noch nur, um auf Deutschland eine« Druck damit auS- znüben. Jedenfalls muß man auf alle Eventualitäten gefaßt sein. Für die Beurteilung der Lage durch die deutsche Arbeiterschaft muß allein maßgebend bleiben, daß die führenden Vertreter der deutschen Bergarbeitcrschaft e i n st i m m i g erklärt haben, daß man auf keinen Fall über das Angebot hinausgehen dürfe, das dtr Entente bereits gemacht wurde. lieber die Sitzung der gemischten Kommissio», die heute vormittag statfand, erfährt mau«och, daß diese Kommission nunmehr de» Namen ein» Unlersuchungskommission tragen soll, der bi« Austlärnng über die deutschen Angebote und über die Reparationsangebote obliegt. ES werde» unter llmstän- den Unterkommiffione« für Spezialfrage« gebildet wer. den. Die Alliierte» habe» im Laufe dieser ersten Sitzung die For. dernng nach Nennung einer bestimmten Gesamteat» schädiguugssummr gestellt. Die deutsch« Delegation hatte jedoch nachmitogS beschlossen, ehe man diese« Wunsch» nach- komme, das Endergebnis in der Kohlenfrage abzuwarten. Der Üeutfche Standpunkt. V. 8. Spa, 12. Juli 1820.(Eigener Drahtbericht des„Bot. wärtS".) So undurchsichtig die Zukunft der Konferenz von Spa gegenwärtig auch sein mag, der deutsche Standpunkt in der kritischen und entscheidenden Kohlenfrage ist äußerst klar. Wir wollen so viel leisten, wie überhaupt denkbar ist, in ber Erkenntnis der schwierige» Situation, in der sich Frankreich infolge der Z»- störenS eines Teiles seiner Gruben befindet und in dem festen > Willen, den unterzeichneten Friedensvertrag bis zur Grenze des Möglichen zu erfüllen. Aber wir wollen auch nicht unsere eigene Industrie ruinieren, unser eigenes Volk ins EhaoS stürzen. In de« Bersailler Berttag ljat sich übrigens auch die Entente ver- pflichtet, Deutschland ein E z i st e n z m i n i m u m zu lassen. Der Streit läuft eben aus die Einschätzung dieses Existenzmini- mumz hinaus. Wenn allein die Unternehmer erklöri hätten, 44 000 Tonnen fei das vorläufige Marimum, was wir abgehen können, so käme allerdings ein gewisses Mißtrauen von feite» der Arbeiterschaft in Frage. Aber da diese Zahl im ausdrücklichen Einvernehme« mit den Berg- arbeiterführern bestimmt wurde, ist die Richtlinie für die Haltung des deutschen Proletariats gegeben. Das Verdienst an HucS Rede teilen der unabhängige Abgeordnete Pieper und der ZentrumSabgeordnete Jmbusch. Alle drei haben an �sämtlichen Beratungen teilgenommen, alle drei haben die Verantwortung für die Billigung des deutschen Angebots im Namen ihrer Parteigenossen und Arbeitskollegen übernommen. An ; der deutschen Sozialdemokratie ist es, im Hinblick aus die schwere« Komplikationen, die sich schon in den allernächsten Tagen ereignen können, das gesamte Proletariat auf den Umstand aufmerksam zu l machen, daß die Haltung der deutschen Regierung in der Kohlen- frage wesentlich durch da? Votum der Arbeiterschaft aller Richtungen bestimmt wurde, und daß dagegen auf der Seite de? Entente ausschließlich die Kapitalistengruppen Sachverständige hatten. Die Lebensinteressen der deutschen Ar- ' bciterklassen stehen auf dem Spiele. Ferner wird noch ein Argfiment angeführt werden: Tatsächlich würde daS deutsche Angebot einen Bruch des Bersailler Friedens darstellen, da es weit hinter den Zahlen zurückbleibt, die uns das Friedensdokument auferlegt Hai Aber dieser Bruch ist durch höhere Gewalt bestimmt. Seine Ursache ist die t a t s ä ch- liche Undu i chführbarkeit gewisser wirtschaftlicher Klauseln des Bersailler Vertrages, worauf vir Entente vor der Untcrzeich- nung aufmerksam gemacht worden war. Würden wir jetzt Leistungen versprechen, von denen wir wissen, daß wir sie nicht erfüllen können, dann würden unsere Unterhändler eine schwere Verantwortung auf sich nehmen. ES würde in den kommende« Monaten unausgesetzt zu neue« Komplikationen mit der Entente kommen, wegen der Nichterfüllung unserer in Spa übernommenen Verpflichtungen. Tie Drohung mii der Besetzung des RuhrgebietS würde bei jedem dieser neuen Konflikte wieder ausgesprochen bzw. in die Tat umgesetzt werde». Eine Unterwerfung würbe also nicht eine Beseitigung, sondern nur«ne Vertagung dieser Gefahr be- deuten. Politik und Teuerung. Von Philip Snowdeu. Wir entnehmen die solgonÄen Ausführung eu dem Juliheft der von der„Union of Democralic Control" herausgegebenen„Foreign Aftairs". Angesichts"r Verhandlungen von Spa scheinen sie uns besonders bedeuiunysvoll.. Redaktion des„BormäLts". Wenn ich gebeten werbe, in zwei Worten eine Erklärung über die Ursoche ber hohen Preise abzugeben, so werden diese beiden Worte nicht sein: außerordentlicher Notenumlauf, große Inflation, übermäßige Ausnutzung, gesunkene Pro- duktion, hohe Steuer, nationale Schulden oder hohe Löhne. Meine beiden Worte werden'heißen: Auswärtige Politik, alle anderen Faktoren in dem Problem der hohen Preise sind sekundär. Ich spreche von den abnorm hohen Preisen von heute und nicht von der mäßigen Auf- wärtsbewegamg vor 1914, die auch von internationalen Ursachen ausging. Das jetzige Phänomen der hohen Preise besteht in der ganzen Welt und kommt von den Einflüssen, die in der ganzen Welt wirksam sind. Die auswärtige Politik brachte den Krieg zustande, der Krieg zerstörte das ökonomische Leben ganz Europas. Er hat Habbel und Finanzen in Amerika und Asien ver- wirrt. Er ließ die kriegführenden Länder belastet mit unmöglichen Schulden und zernialmenden Steuern zurück, er hat Millionen von Aeckern zerstört, die einst produktive Felder waren, die der Industrie Nahrung und Rohmaterialien der- schafft haben, er hat Millionen von Menschen geschlachtet, die produktive Arbeiter waren, er hat weitere Millionen körperliche Kräfte vermindert und verstümmelt. Es war die auswärtige Politik, die den Krieg ver- ursachte. Es ist die auswärtige Politik, welche die wirtschaftliche und finanzielle Wieder- Herstellung von Europa verhindert. Auf sechs Jahre war die Welt abgeschnitten von dem Markt Ruß- l a n d s, mit seiner Bevölkerung von 180 Millionen, mit seinen weiten natürlichen Hilfskräften und seinem großen an Material. Deutschland, das der Haupt quell des Wirtschaftslebens Europas war, ist mit Vorbedacht durch die Bedingungen des Pariser Vertrages als industrielle Macht lahmgelegt worden. Das wirtschaftliche Wesen O e st e r r e i ch- ll n g a r n s ist vernichtet worden, und der größte Teil von Mittel- und Osteuropa ist in Staaten zer- legt worden, die unfähig sind, ein unabhängiges Wirt- 'chastsleben zu führen. Die Bevölkerung Großbritanniens murrt über die holien Preise, sie glaubt an alle möglichen eingebildeten Ursachen und läßt die wirklichen unberührt. Sie murrt über die toech- selnd'w Zuckerpreise, aber sie unternimmt nichts, um zur Wiederherstellung Teutschlands und Oesterreichs u Helsen, deren Zuckerindustrien dem britischen Volke billigen Zucker in den Tagen vor dem Kriege gaben. Sie bezahlten ungefähr das Viersache des Vorkriegspreises für Brot. Die große Mehrheit des britifchen Volkes duldet still die englische Politik gegen Rußland, durch die der Preis der Nahrungs- mittel in Großbritannien auf diese abnorme Höbe getrieben wurde. Die Wohnungsfrage bleibt ungelöst. Die Kosten des Baumaterials machen ökonomische Bauten unmöglich. Die Grundursache hiervon ist die auswärtige Politik. Tie Hilfe, die Rußland uns geben würde durch den Exporr von Bauholz, wird durch die auswärtige Politik der Entente unmöglich. Auf jedes Pfund Zucker, auf jeden Laib Brot, aus jedes neue Haus zahlt das britische Volk Hunderte von Prozenten als indirekte Steuer dank der auswärtigen Politik. Wir sind bereit, alles als Erklärung für die hohen > Preise anzunehmen, außer der wirklichen Erklärung. Lobens- � werte Anstrengungen, eingegeben vom Mitgefühl, werden ge- � macht, um den sterbenden Völkern der hungernden euro- , päischen Länder Hilfe zu geben. Tic englische Regierung er- läßt wie toll Ausrufe in den Anzeigenteilen der Zeitungen ! an das geldeinlegcndc Publikum, die es veranlassen sollen, 1 Schatzanweisun gen zu zeichnen, um die schwebende Schuld zu' ' vermindern. Aufrufs zur nationalen Sparsamkeit als depi I Weg, die Preise niedrig zu halten, prangen in svdem Stadt- ' viertel. Weder die Regierimg noch die Bevölkerung schenkt j ihnen viel Aufmerksamkeit. Sozialisten und Arbeiter befürworten die Kapitalstener zur Verminderung der Nationalschuld als Mittel, niedrige Preise zu bringen. Tie Handelstrusts werden als die Schur- , ken dieses Dramas verleumdet und strenge Vorschriften für sie gefordert. Und während dieser Zeit beherrscht die alte aus- iwärtige Politik die Angelegenheiten der Welt und er- i stickt jade Anstrengung, die wirtschaftliche Zahlungsfähigkeit wiederherzustellen und den Friedensvertrag zu revidieren. Der Chef des Stabes teilt dem Lande niit, daß die Hoffnungen auf Frieden geringfügig sind und mahnt die Menschen, die gekämpft haben, um den Krieg zu beendigen, fertig und bereit zu sein für weitere Kriege. Di? zwianzig Kriege, die wir hinter uns haben, und d« viel größeren, ine mtS berltmxfien'toor'bm, siird�dos Resultat der cmSwärtigen Politik. Eime Kaviialsteuer� die Verminderung der nationalen Schuld, die Kontrolle der Trusts, das Herabsetzen der In- ilationen und des Notenumlaufs, baben nicht den geringsten Nutzen, wenn dem Staatsmann erlaubt wird, die gegcnwär- tige fehlerhafte auswärtige Politik weiter zu verfolgen. Alle diese Anstrengungen versuchen, weit weg von der Quelle des Hebels, den Strom einzudämmen. Das Lebenswichtigste, und das muß dem englischen Volke eingeprägt werden,'ist, daß die auswärtige Politik die nationalen Angelegenheiten beherrscht, und daß es keinen Zweck hat. zu versuchen, die wirtschaftlichen Bedingungen zu verbessern, solange die auswärtige Politik von dem gegen- wärt igen Geiste geführt wird und, von den gegeMrxirtigen Zielen beherrscht, den Versuch unternimmt, engen, selbst- süchtigen, selbstmörderischen nationalen Ehrgeiz zu de- friedigen. Der Weg, die Preise herabzusetzen, ist, die Kriege auf- zuhalten und zu erkennen, daß die Welt eine wirtschaftliche Einheit ist, und daß die Zerslörnng des Handels eines Landes unheilvoll aus die wirtschaftlichen Bedingungen anderer Länder zurückwirkt. Wenn die'Nationen nur die Erkenntnis dieser Tatsachen awnrnden und verwirklichen würden, so 'schlecht wie auch die Lage der Welt iil, sie könnte durch internationale Zuiammenarb.'it schnellstens wieder hergestellt werden! Die internationale Zusammenarbeit, die solche Wunder der Produktion sür den Zweck des Krieges geleistet bat, könnte sehr bald den zerstörten Feldern neue Kraft und reichliche Ernten geben. Es gibt keinen anderen Weg. die Preise herabzusetzen. Wenn dioic Politik nickst angewendet wird, dann werden die Dinge vom Schlechten zum Schlimmeren treiben. Mili- tärische und maritime Expeditione« müssen aushören. Tie Hilfsguellen der Völker in Menschen und Material müssen menschlicher und produktiver Arbeit gewidmet werden, nicht der Zerstöning von Leben und Gesundheit. Die llrsarhe der holzen Preist ist die auswärtige Politik. Hämmert das dem Volk dieses Landes mit Energie und Bc- barrlichkeit eiu. Verändert die auswärtige Politik, dann liegt es in unserer Macht, alle die anderen Probleme, die von ihr herrühren, zu löstn zum'Nutzen der Zukunft und Gegen- wart. Die Zukunft üer„Sipo". Sofortiger Beginn der Umformung. lieber das Schicksal der Sicherheitspolizei nach der Annahme de? Ent-lrafsnungsprotokolls in 2pa gab der preußische Innen- minister, Genosse S c v c r i n g. einem Vertreter der ,.D. A. Z.' Aufschliissc. deren Inhalt wir hier kurz skizzieren. Genop-e Severing betoine, daß die geforderte„iofonige Auslösung" lediglich die O r g a» i s a t i o n s f o r m»nd B c w a s f- n u n g der Sicherheitspolizei beiresfe, nicht die Entlassung per jetzigen P oli z e i in a n n scka ft« n erfordere. Nach der Forderung triihercr Noten nimmt die preußische Regierung an. daß die Entente jedem dritlen.Mann einen Karabiner zugestehen wird, im übrigen aber der durchgängigen Bewaffnung mit Pistole nichts im Wege stehen werde. Die sogenannten schweren Waffen-Minen, Flammenwerfer, Geschütze usw.) müssen natürlich, abgeliefert werden. Die von der Entente zugestandens Vermehrung der Ordnung spolizei um 70 000 Mann bietet in gewisser Beziehung ein Aeguivalent für die Entwaffnung. Die Regierung wird jetzt verdoppelt darauf achten, daß die neue Polizeitruppe c i n absolut brauch bare? Instrument wird und daß nur körperlich und moralisch ganz erprobte Leute aufgenommen werden. Die Srganisation soll nicht den Keim zu neuem Mißtrauen legen, sondern die Regierung will mit der Umformung die Entente davon überzeugen, daß sie mit der Jrieöe. Von Arthur Silbergleit. Eine Kanone war mitten in ein Erntefeld hineingefahren. Hier stand üe unerschlitterlich feslgerammt. Breite Aehrenwellen, Korn- blumen und Raden überwucherten sse ganz und begruben sie vollends in ihrer farbigen Fülle. Emsige Mäber und Mäherinnen lanien dengelnd zu ihrem Ernte- selb, aber mit so wuchtigem Senfcnschwung sie auch die Ackerflächen von ihrer Aehrenlast befreiten, den blühenden Kornwall um die Kanone lasteten sie nicht an. Denn stärker als die Freude an reicherem Achrenbesitz dünkte sse das Glück, daß der Sommerfriede der Flur das Werkzeug des Krieges vergessen lassen wollte. Ein Sieg des Tord FoUslin. Die fünfte Generalversammlung des Deutschen Arbetter-SängerbundeS. die in Kassel tagte und den klugen Beschluß über die Haltung zu dem folgen- schweren Parteislrest der Arbeiterschaft faßte, hatte einen Ausklang, der den Delegierten ein startes Erlebnis wurde. Ein Teilnehmer berichtet darüber unserm Frankfurter Brudcrorgan: Wir kamen abends in einem großen Koiizcrtgarten zusammen, die Kasseler Arbeiter- länger sangen, eine liedliche Sommernacht umfing uns erfrischend zugleich uns beruhigend. Da ward der Wunsch laut, auch die Delegierien möchten singen. Wir träte» ziiiaminen: Uth« manns.Tord Folcson" brauste durch den Garten. Tie Zuhörer waren überwältigt und ivir ans dem Podiuni, die wir aus allen Gauen Deutichlands gckomincn lvaren, empfanden eine Weihe des Augenblicks, des gemeinsamen FühlenS, alle waren wir Brüder, ein unsichtbares Band umschlang uns alle. Denn dieser Gesang kam aus dem innersten Geiühl eines jeden SängerS, da dachte kein Mensch mehr an Noten, an Einstuvierung. Dieses Chorlied war ein Sliick von uns selbst geworden. WaS der Chor- gelang eigentlich fein sollte, war er hier: das Empfinden des Volkes sprach sich ungehemmt und frei in einem Gcmeinschaitsgesübl aus. Es klang alles so selbstverständlich WaS soiisl nur nach langen Uebungstagen zu erreichen ist: das innere geistige Band zwischen Leitung und Chor, zwischen Wunsch und Wirllichkcrt, war hier gelungen, wir fühlten eS alle, wie wir dieses Chorlied an- stimmten: jetzt wird der Wille zur Tat: was uns im Innersten bewegt, das singen wir. Und der„Tord Foleson"— man kannte ihn in Kassel nicht— hatte eine Wirkung, er entfesselte einen Beifavsslnrm, wie ich ihn als Dirigent nie erlebt habe; das war künstleriiche Erbebung. Agitation und die Freude des sich Wiedererkenncns. deS eigenen Ichs im Spiegel dieses Chorliedes. das war der Deulsche Albeiier- Sängerbund! Und dankbar gedachte jeder des Mannes, der uns dieses Chorlied geschenkt. Um so mehr, als aui der Tagung selbst Stimmen laut geworden waren, die UrhmannS Bedeutung von einem einseitig musikalischen Standpunkt schief Sipo nichts als Ruhe und Ordnung im Land aufrechtzuerhalten wünscht. In Preußen wird sofort mit dar Umformung und Abgabe aller irgendwie entbehrlichen Großkampfwwffen begonnen. Tic an militärische Rangstufen erinnernden Amtsbezeichnungen werden abgeschafft, die technischen Hundertschaften werden aufgelöst. Genosse Severing ist der Ansicht, daß im allgemeinen, wenn in den nächsten Monaten die Entwaffnung der zum Waffcntragen nicht berechtigten Zivilbevölke- rung gelingt, mit einer gntorganisierten und disziplinierten Polizcitruppe Ruhe und Ordnung im Land garantiert werden kann. Wer die Entwaffnung der Zivilbevölkerung vornimmt, ist noch Gegenstand der Erwägungen bei den Behörden. Jeden- falls soll die Entwaffnungsaktion völlig unparteiisch vor sich gehen. Die Entwaffnung der Radikalen rechts wie der Radikalen links ist gl c i ch notwendig, weil beide für die ruhige Entwicklung des Landes gefährlich sind. Erhält die Sicherheitspolizei den Auftrag, die Entwaffnung dnrckiznführeit, so wird sie unbedingt gerecht verfahren. Mahnung an Württemberg nnd Bauern. Karlsruhe, 13. Juli.(Eig. Trahtbericht des„Vorm.") Im „Slaatsanzeiger" wendet sich heute der b a d i s ch e Minister des Innern gegen die Erklärungen der bayerischen und w ü r t- tembergi sehen Regierungen, daß sie unter keinen Umständen aur die E i II w ob n e r tv e h r e n verzichten können. Mit diesen Erklärungen hätten Bayern und Württemberg dem Wohle des deutschen Volkes schlecht gedient. Tie badische Regierung nimmt die Eiltivasfnung der Eintvohnerwebren in der festen Ileberzeugung vor, daß mit der Erhaltung der Sicherheitspolizei als reines Polizeiorgau und mit der technischen Anpassung von Polizei und Gendarmerie an die Bedürfnisse unserer Zeit die Ruhe im Lande auch in kritischer Zeit erhalten werden kann. Lanüsbergs Entführung vor Gericht. Magdeburg, 13. Juli.(Eigener Trah-bericht des„Vorwärts".) Am 7. April v. I. wurde der damalige Reichsjustizminister Lands- berg von den Mitgliedern des Wachregimeuts fest- genommen. Er sollte als Geisel für den in der' vorhergehenden Nacht verhafteten Vorsitzenden des Metallarbeiterverbandes Brande» iiii.d die gleichialls verhafteten Soldatenräte Schulter und Kegel nach Brau» schweig verschleppt werden. Der Plan kam nicht zur vollen Durchführung, denn vor Helmstedt wurde da» Auto, in dem sich Landsberg befand, festgehalten und Landsberg befreit. Am Dienstag mnd nun vor dem Landgericht Magdeburg die Ver- Handlung gegen die Entführer statt. Wegen gemeinschaftlicher, vor- sätzlicher Freiheitsberaubung waren angeklagt: der Privatmann Albert Vater- Magdeburg, der Rangierer St ei»brück- Magdeburg, der Maschinenschlosser Karl Reimann, der Schlosser Felix T a h m s, der Monteur Karl G a u m- Hannover, der Heizer Oskar Bohne, der Rangierer Türing-Käln. Tie Vernehmung der Angeklagten und Beweisaaisnahni« war äußerst umfangreich. Als Hauptzeuge war der deutsche Geschäftsträger iu Brüssel, Genosse Landsberg, erschienen. Während die Angeklagien ohne Ausnahme aussagten, sie hätten Landsberg nach Braunschweig schassen wolleu, um ihn in erster Linie vor der erbitterten Menge zu schützen, ergibt die Pernehmung des Genossen Landsberg und einiger anderer Hauptzeugen unzweideutig, daß Landsberg a l s Geisel dienen sollte, um aus diese Art die Freilassung Brandes zu erzwingen. Ter Staatsanwalt beantragt« gegen die Angeklagten Vater und Steinbruck fünf Monate, gegen die Angeklagten Rei- mann, Gaum und Düring vier Monate und gegen die Angeklagten Bohne und Dahms 3 Monate Gefängnis. Die Verteidiger. Rechts-. anwalt Dr. W e i n b e r g- Berlin und Justizrat Dr. Böcke r> Magdeburg, plädierten aus Freispruch Nach Inständiger Be- ratung verkündete da» Gericht folgende» Urteil: Die Angeklagte« Vater und S t e! n b r ü ck werden zu je S Monaten Gefängnis verurteilt, die Angeklagten Rei- beurteilten und die Er'ckeinung dieses Koinponisten gar nick>r voll erfassen konnten, weil sie das'herkömmliche bürgerliche Kunstittteil des„guten Geschmacks" in der Münk für diesen Fall anwandten. denn die Erscheinung Uthmamis reicht weiter und tiefer, als ei» rein aufs Musikalische gerichteter Blick ahnt. So war es. durch die Ilmstände bedingt, der höchste Triumph für Ulhinaiui, der sich ausdenken läßt. Dieies Eilebnis zeigt ollen, wie Uth- mann und seine FreibeitSchöre im Herzen des werktätigen Volke» fest verwurzelt sind. Unsere rheinischen Sangesbrüder werden auf ihrer Heimreise dieses Erlebnis wohl besprochen haben, sie werde», des bin ich sicher, gleich am nächsten Tage Nthmann aufgesucht haben, um ihm, dem allseitig verehrten Manne, diesen unerwartet großen Triumph. der ihm zuteil geworden ivar, zu erzählen. Als sie aber in Barmen sein Haus belralen, war dieser Mann gestorben. Einige Stunden vorher, ehe das, was er de» Arbeiteriängern geschenkt, allen zu einem eindrucksvollen Erlebnis, zu einer Kundgebung von unver- gleichlicher Wirkung geworden war. Ein neues Heft der Iiiiigvelk-Büchcrei, die der Hauptvorstand des Verbandes der Arbeiterjugeiidverelne Dcuifchlands herausgrbl, ist erschienen. Das erste hieß„Sonnige Jugend" und be- bandelte das Leben und Treiben unserer Arbellerjugend in ihrer Organiiaiion, im Jugendheim, auf ihren Festen und Wanderungen. Aelteren Mitarbeirern der Jugendbeivegung und überbouvr jedem Freund der Arbeiterjugend praktische Winke und trefflichen Rat gebend, hatte eS sich bald Tausende von Leiern geworben. und neue Tausende werden es mit gleichem Eifer und gleicher Freude le'en. E? kostet 2.10 M. auSstbl. Porio. Der Verfasser E. R. Müller stebt leitend in der parleigenöisisrveir Jugendarbeit und ist daher der geeignete Mann, als Berater auszutreten. Auch das zwetie Hefr ver„Juiigvoll-Bücherei" bat nun den Genossen Müller zum Verfasser. I» klarer und einfacher und zugleich schöner und schwungvoller Sprawc ietzt er unter dem Titel„Der junge Ar- beiter" an der Hand prallischer Erfahrungen seine Gedanken über die Psychologie der Arbeiterjugend auseinander. Seine Ausführungen sind wirklich tiesgehend und beachtenswert genug, um von jedem, auch von älteren Arbeitern gelesen und durch- dacht zu werden. Kein Erzieher, der am inneren Leben unserer schiilenilasienen Arbeiterjugend interessiert ist, möge au dieier Ver- öffenilickuug vorbeigehen. Da» zweite Hest koiiel 3.00 M. lauSschl. Porto). Beide Schritten der„Iungvvl'-Biicherci" sind von der „Vorwärts-Buchhaudluug" zu beziebeu. Arbeiterjugrild befreit das Hamburger Hcinedculmal. Das un- längst von alldeutsch-nntiiemnischer Hand besudelte Denkmal Heinrich Heines in Hamburg, um dessen Reinigung sich kein Mensch gekümmert hat, ist in den letzten Nächten bis aus geringe Reste gereinigt worden. Arbeiterjugend bat das fnich-enifchlossen getan. Einer, der dabei war, erzählt im„Hamburger Echo": „Ist alles da?" „Ja/ein Eimer. Bürsten, Lappen. Bim und Petroleum!" „Na. denn man los!" In der Spitai/r Straße war das ge'chSstliche Leben nicht gestorben und matt flutete der gewaltige Pulsschlag der Großstadt, dem Heine so sehr verwachsen ist. mann, G a um und Düring zu je einem Monat TefZarg» nis, der Angeklagte Bohne zu drei Wochen Gefängnis, der An». geklagte Dahms zu 300 Tl. G e l d st r a s e evt. 20 Tage Haft.• Dem Angeklagten Steinbruck werden zwei Wochen Untersuchungs- hast als verbüßt angerechnet. Tschitscherins Antwort an Cnglanü. Auf die Vorschläge, die England an Rußland durch Krafsin gesandt hat und die auf einen Waffenstillstand und aur eine Regelung der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen diese« beiden Mächten abzielen, hat Tschitscherin mit folgender Note geantwortet: „Ilm dem Wunsche der britischen Regierung zu ent- sprechen und zum Zwecke eines baldigen Friedens- s ch l u s s e s zwischen Rußland undGroßbritannien., nimmt die Sowjetregicrung die im Memorandum der Alliierten, da» am 1. Juli von der britischen Regierung dem Präsidenten der russischen Delegation, Krassin, übergeben wurde, aufgestell- teil Grundsätze an, die als Grundlage dienen sollen sür ein Abkommen zwischen Rußland und Großbritannien. Dieses Ab- kommen soll Gegenstand von Verhandlungen sein, d:s unverzügM) zwischen den beiden Regierungen eingeleitet wer- den sollen. Die Sowjetregierung nimmt an, daß der von der britrscken Regierung aufgestellte Plan in der Weise aufgesätzt werden soll, daß er einen Waffen still st anbszu st and zwisckien Rußland und Großbritannien herstellt, und sie teilt die Hoffnung der britisckien Regierung, daß dieser Waffenstill- stand den Weg zu einem endgültigen Frieden öffnen wird. Gleickzcitig protestiert die Sowjetregicrung gegen die der Wahrheit zuwiderlaufende Behauptung über angebliche von Srwjetrußland gegen das britische Reich gerichtete Angriffe. Die russische Regierung betont nochmals, daß Rußland in seinen Beziehungen mit Großbritannien nur den Frieden wünscht nnd daß dieser bisher nur deshalb nicht zu erreichen war, weil axf der Gegeiiseite der gleiche Wunsch nicht da war. Gez.: Tschitscherin. (Diese Antwort Tschitscherins bezieht sich nicht— wie man leicht annehmen könnte— etwa aus den Schritt der Entente zugunsten Polens, sondern lediglich aus die zwischen England und Rußland vorausgegangenen Verbandlungen.) Wiederaufnabmc der cnglisch-russische« Berhandlungen London, 13. Juli(Dil.) Gestern wurden im englischen Unterhaus eine Reibe von Anfragen an die Regierung ge- rick'iet, die sich hauptsächlich aus die Vorgänge in Polen und auf die engl! sch-rus fischen Verhandlungen bezogen, besonders aber über die Vermittlungsversuche der eng- lifchen Regierung, zwischen Polen und Räterutzland den Frieden herbeizusiibren. Bonar Law erklärte, daß die R ä t e r e g i e- rung die von dem britischen Kabinett gestellten B e d i n- gungen anerkenne und, die abgebrochenen Verhandlungen dementsprechend wieder aufgenommen werden. Die englische Re- gierung habe der Sowjctregierung bezüglich eines Wasfenstill- ilandes zwischen Moskau und Warschau Vorschläge unterbreitet. Der Waffenstillstand wird geschlossen zum Zwecke der Feststellung der Friedensbedingungen nicht nur zwischen Polen und Räteruß- land, sondern zwischen allen Randitaateu. Der Abg. W i-lsto ü- interpellierte darüber, ob zwischen London und Moskau die. Ver» Handlungen bereits eingesetzt hätten. Bonar Law erwiderte,, daß. sie tatsächlich begonnen hätten; serner. daß die Waffenslillstandsbedingungen z/wischen Polen und Räterußland erst verössentlicht würden, wenn die beiden Regierungen sie eingehend geprüft hätten. Bonar Law betonte ferner, daß diese Perhandlungen keineswegs die Anerkennung der Räteregierung bedeuten.(Also verhandelt Groß- britannien mit einer Regierung, die ftir England— nicht existiert?! D. Red.) lieber ein angebliches Ultimatum an Räte- rutzland sür den Fall, daß es mit Polen keinen Waffenstillstand abfcbließen wolle, ließ sich der Vertreter der Regierung trotz der diesbezüglillen Anfragen nicht aus. „Alio Haus. Tu geihsi nu los un holst een Ammer voll Wvler!" und Hans ging und bolie vom Hauptbahnbos Wasser. „Jo. wülli ein man eers mir Petroleum inrieben", und Fer- diiiand na tun einen Lappen. goß Petroleum drauf und denn „Hupp!" hinaus und Heinrich Heine damit ins Gesicht. Wenig höflich, aber alles aus Liebe. «A-.-h... was machen Sie da?!" gnäkten aufeinander ein paar aufgeregte Bierphiliner ans dem Vorbau des Hotopp. Als wir ihnen unier Tun erllärten. waren sie beruhigt und ihr:»Eine gute Tal!" verröchelte im Laubenumbau, Wir wurden mehr. Heini und Eiml kamen. Husch, noch einer binauf. lind immer mit Petroleum. Der alte Spötter glänzte im Larernenlichr. Hauswarte kamen.„Was ist denn bier loS?"„Gehen Sie man ja nicht mit Säure dabei!" und„Terventin wäre besser als Petroleum!" E» entspann sich eine technische Debatte über Reinigen. „Gew mi mal een bitten Vim ber!" rief Ferdinand, und dann wurde zum Petroleum noch Vim getan, damit es besser schaffe. All- mählich kam schon ein blasses Leuchten durch, so daß wir wußten. eS nutzte. Leute kamen..„O. Sie tun eine gute Tat! Sie haben meinen besten Dank!" Es war ein sehr'einer junaer Mann, ich glaube aber kaum, daß er meine petroleuiustiiikende Hand aus Danlbarleit geschüttelt, viel weniger selbst mit Hand angelegt hätte. lleberhaupt. das öffentliche Gewissen war� mit einmal sehr rege. „Eine Schweinerei, so etwa» zu tun."„So«ine Gemeinheit!" Zwei alte Leute kamen.„Ja. dos srkut mich," sagte die Frau, und der Mann tagte:„Ick wull oll disie Dog ook mit de Ledver der un rm afboslen!" und dann erzählten uns die Leute, daß Heine früher jeden Kargen eincii Blumenstrauß in dem. ach ietzt so Ichwarzen Schoß hatte, und von allerhand Liebe, die ihm zu- gctonimen war. „Un immer beier bi mit Vim tin Petroleum!" Heller und heller wurde da» Gesicht. Hüter der Ordnung kamen.„WaS machen Sie'da! Habe» Sie ein Mandat? Wer sind Sie und woher kommen Sie?" Als sie die Ueberzeiigung gewonnen hatten, daß wir dem Heine nur au? Liebe mit Vim und Petroleum zu Leibe gingen, sind sie fortgegangen — vielleicht um eine dienstliche Meldung zu machen! ES wurde spar. Anna und Kläre lvaren noch weg, um noch irgendeinen Bluinciischiiiiick ftir Heine zu deichaffen. Einen Blätter- schinnck hat er belonime», Rhododendron-Blätter und eine Prole- raiierroie iGerannim)— vom ScknllcrdenkMal— die haben wir ihm um die Sur,, gelegt, sangen ein Lied und sind heimgegangen. Und nun, verehrtes Publikum, jetzt ist der Heinrich Heine Deinem Schutze anempfohlen!_ Theater. Ol« der V.o l ks b ü h n e wird außer„Kuhreigen" Lebar's „Zigcuncrliebc" in neu er dckorativer und koslümellcr Ausstattung aujgesührt werden. Organisation der Bühnenitattsten. Unter dem Namen:.Allgemeiner. Comparselie-Perbalid" Sitz Brrlm. baben sich d,c Ltatiiten und Comparieir l stumme Per w neu i der r.rößien Berliner Bubnen organisiert, um durch diesen Zujammenichius ihre wirlschosliichc �agc zu verbesiern. Ter Forscher des Teutoburger Btzatdes. Pros. Dr. Tborbecke- ist in Detmold. 77 Jahre alt, gestorben. Sem Führer durch de» Dwiik. burger Bald hat euren guten Name». ttt. 350 ♦ 37. Jahrgang Heilage öes vorwärts Mittwoch. 14. �ul! 19 2c Der Aufbau öer Setriebsräte. Am 21. Mai erschien in der Arbeiterpresse de? Aufruf des Allgemeinen Deutschen GeMrkschaftsbundes und der Arbeitsgemeinschaft freier Angestelltenverbände, in welchem die Einrichung einer gemeinsanren gewerkschaft- lichen Zentrale der Betriebsrate angezeigt und zur Bildung gemein'mner örtlicher Betriebsrätezentralen durch die Orts- ausschüsse des A. D. G. B. und d-e Ortskartelle der Afa auf- gefordert wurde. Der Aufruf sagte: .Durch diese Zusammenarbeit der Betriebsräte mit den ge- werkschaftlichen Organisationen mutz ein gewaltiger wirtschaftlicher Faktor entstehen, der nicht nur zur Gesundung unseres WirtschastS- lebens von den Folgen des Krieges, sondern zu seiner Ilmgestaltung zum Segen aller Arbeiteirden entscheidend beitragen wird. Jede Organisation der Betriebsräte, die einer bestimmten politischen Partei dienen soll, muß diesen naturgemäßen Entwrck- lungsgang stören. Wer aus parteipolitischen Gründen eine Sonder- organisatron der Betriebsräte erstrebt, schwächt die wirtschaftliche Macht der Arbeiterklasse." Am 30. Mcn erschienen dann die Richtlinien des A.D.T.B. und der Afa für die örtliche Zusammenfassung der Betriebs-, Arbeiter- und Angestelltenräte. Danach berufen die Orts- ausschüsse des A. D. G. B. und die Ortskartelle der Afa die Betriebsräte zu gemeinsamer Arbeit. Die wider besseres Wissen von bestimmter Seite aufge- stellte Beda ap hing, daß Arbeiter und Angestellte getrennt werden sollen, ist damit widerlegt. Ebenso ist die an sich so deplacierte Redensart: Die Gewerkschaften wollen die Be- triebsräte zu Gewerkschaftsfunktionären„herabwürdigen", ad absurdum geführt, denn die Zusammenfassung der Betriebs- rate soll durch die Ortsausschüsse und Ortskartelle und nicht durch die einzelnen Gewerkschaften erfolgen, so daß die Ge- währ gegeben ist, die Betriebsräte für ihre besonderen, wich- tigen Aufgaben freizumachen. ° Es sind 15 Jndustriegruppen vorgesehen. Jede Gruppe wählt einen Gruppenrat von 5 Personen, dem mindestens 2 Arbeiter oder 2 Angestellte angehören müssen, eine Ver- tretung der Minderheitsgruppe ist also gesichert. Jede Gruppe entsendet außerdem je einen Vertreter de? Arbeiter und der Angestellten in den Zentralrat. Aus diesem Zentral- rat wird ein Vollzugsrat von 5 Personen gewählt, in welchem der Minderheitsgruppe dieselbe Vertretung wie in den Gruppenräten gesichert ist. Der Vollzugsrat ist die höchste örtliche Instanz. Den einzelnen Körperschaften treten dann noch die Vertreter der Gewerkschaften bei. Die Betriebsräte der Gruppe bilden die GruppenvollverfammluYig, die Betriebsräte aller Gruppen die Generalversammlung der Be- triebsräte. Dabei ist ein Delegiertensystem vorgesehen, durch welches die Vertretung der Minderheitsgruppe sichergestellt wird. In den Gruppen wird das Material aus den einzelnen Betrieben gesammelt, um einen Ueberblick über das ganze Gebiet einer Gruppe zu gewinnen. Sie befassen sich mit wirtschaftlichen Fragen ihres Berufszweiges. Alle wirt- schastlichen Fragen, welche mehrere Gruppen oder alle Arbeit« nehme r betreffen, fallen in das Aufgabengebiet der G e- neralverfammlung der Betriebsräte. Die Arbeiter- und die Angestelltenräte können innerhalb ihrer Gruppen getrennte Vollversammlungen abhalten, welche sich mit den besonderen sozialen Fragen der Aktionen der Ar- beiter und der Angestellten befassen. Wirtschaftliche Fragen können jedoch nur gemeinsam be- handelt werden. Die Kosten der Erfassung und Zusammenfassung der Be- triebsräte tragen die Gewerkschaften. Die Möglichkeit zu wirklich großzügiger Arbeit der Betriebsräte ist also gegeben. Die über ganz Deutschland ver- breiteten Ortsausschüsse des D. A. G. B. und Ortskartell« der Ata waren die geeignete Grundlage dazu. Das ist eigentlich olles so selbstverständlich, daß es nicht notwendig sein müßte, es besonders zu betonen. Sind doch die Gewerkschaften die von der Arbeiterschaft zur Vertretung ihrer Interessen selbst geichoffenen Organe. Nach den Aeußerungen mancher„Re- volutionäre" wird es allerdings manchmal so dargestellt, als sei es umgekehrt. Das führt zu den eigenartigsten Situa- tionen. So nehmen z. B. die Betriebsräte der Verkehrs- gruppe der Be'riebsrätezentrale in der Münzstraße Stel- lung zur Betriebsrätefrage„und betrachten alle Partei- und Tewerkschastssührer, die sich der Zusammenfassung der Ar- beiter und der Angestellten auf der Grundlage des Rätesystems entgegenstellen, für unwürdig, weiterhin führende Posten zu bekiciden". Natürl ch ist das Rätesystem der M ll n z st r a ß e ge- meint. Der Vorsitzende der II. S. P., Ariur Cri spien, sah sich veranlaßt, in der„Freiheit" vom 27. Mai 1920 da- gegen Stellung zu nehmen. Er lehnt für die Betriebsräte die Uebernahme poliftscher Funktionen ab und schreibt: Wo mutz eins Bewegung hinführen, wenn jeder als Klassen- kämpfer infainiert werden soll, der es wagt, seiner U Überzeugung gemäß eine Meinung aus zusprechen, die von Vertretern einer Räte- instänz nicht geteilt wird?" Aus Anlaß einer Branchenversammlung der Schleifer und Galvaniseure schreibt die„Freiheit" in einem Artikel vom 10. Juni 1920 über die Stellungnahme dieser Gruppe unier anderem: .yiesetzt den Fall, die Part-icn lösten sich auf und ihre Mt- glkber wirkten nur aus dem Bode.« der Betriebsrätcorganisation. Wie lange würde«S dauern, und alle tiefgehenden MeinungSver» lchiedcnheiten tauchten von neuem auf und würden zu Partei- Bildungen führen, das alte Spiel würde sich erneuern...." „Die Auffassung, daß d:e BetricbSrätcorganisation den politischen Kampf geschlossencr als die politischen Parteien aufnehmen könnten, ist also falsch...." .Wir stehen auf dem Standpunkt, daß die Betriebs- räte keine politischen Aufgaben zu erfüllen haben...." Also, die„Freiheit" und Crispien müssen der Auffassung des A. D. G. B. und der Afa zustimmen und gegen ihre eigenen Anhänger Stellung nehmen, um die Vernunft wieder an die Stelle der von ihnen selbst großgezogenen Unvernunft zu setzen. Inzwischen sind vom Beirat des Deutschen Metall- orbeiterverbandes ebenfalls Richtlinien für die Erfassung der Betriebsräte herausgegeben worden. In diesen Richtlinien heißt es unter anderem: „Die Gewerkschaften verleihen den Betriebsräten Kraft und Macht, sie sind es, die den Räten den Rückhalt geben, ohne den sie ihren Aufgaben nicht gerecht werden können.... Das Betätigungsfeld der Betriebsräte fällt mit dem der Ge- werkschaften zusammen, es sind gemeinsam« Aufgäben, die sie zu erfüllen haben." Scharf nimmt der Beirat des Deutschen Metallarbeiter- Verbandes gegen die Bildung besonderer Betriebsrätezentralen, also auch gegen die Betriebsrätezentrale in der Münzstraße Stellung. Und es ist charakteristisch, daß die Leiter dieser Zentrale, Wegmann, Malzahn. Richard Müller. Neumann usw., ebenfalls Metallarbeiter, sich vom Beirat und Vorstand des Metallarbeiterverbandes, der doch auch„revolutionär" ist, zurechtweisen lassen müssen. Trotzdem kommen diese Körperschaften zu demselben Resultat wie der A.D. G.B. und die Afa. Dos geschieht nicht deshalb, weil sie inzwischen reaktionär geworden sind, sondern weil sie eingesehen haben, daß die Vernunft nicht dauernd ausgeschaltet werden kann, ohne der Arbeiterschaft größten Schaden zuzufügen. Wohl bestehen'zwischen den Richtlinien des A.D. G.B. und der Afa und denen des Deutschen Metallarbeiterver- bandes noch taktische Unterschiede darin, ob die Erfassung durch die einzelne Gewerkschaft oder durch die Ortsausschüsse des A. D. G. B. und der Afa gemeinsam erfolgen soll, indessen ist zu hoffen, daß die Einigung in letzterem Sinne erfolgt. In Berlin haben die Betriebsräte der Afa sich einstimmig für die Richtlinien des A. D. G. B. und der Afa eyklärt. Die Vorarbeiten auf dieser Grundlage sind restlos beendet, die gemeinsame Arbeit könnte endlich beginnen._ Der Ortsausschuß des A. D. G. B.(Berliner Gewerk- schaftskommission) und das Ortskartell der Afa unterstehen nach wie vor ihren Spitzenorganisationen und haben eine un- geheure Aufgabe in Groß-Bcrlin zu bewältigen. Es besteht keinerlei Notwendigkeit, dazu noch die Aufgaben der Zentral- stellen mit zu übernehmen. Die Kosten für die Betriebsrätcerfassung tragen die>e> werkschasten, und es liegt keinerlei Veranlassung vor, t:- kalen Maulhelden für 50 Ps. pro Vierteljahr die Möglich''" zu � geben, die pflichtbewußte Arbeit verantwortungsvoller freigewerkschastlicher Betriebsräte zu stören. Die Aufgaben, die unser harren, sind so mannigfaltig, daß sie in diesem Rahmen nicht andeutungsweise wieder- gegeben werden können. Unsere Gegner haben von uns gelernt, lernen wir endlich wieder von ihnen. Die � deutschen Arbeitgeber haben sich allenthalben zu Arbeitgeberorganisationen zusammengeschlossen und nunmehr einen Spitzenverband für das ganze deutsche Unternehmer- tum gebildet. Mollen wir diese geschlossene Einheitsfront des Kapitals mit getrennten Heerhcmfen bekämpfen? Tie unermüdliche, zielbewußte Arbeft. aller einsichtsvollen Be- triebsräte und Gewerkschaftler wird diese Hoffnung der Scharfmacher zuschanden machen. Die Richtlinien des A. D. G. B. und der Afa werden die Grundlage der Einheitsfront der Betriebsräte Deutschlands bilden._ GroßGerlin Achtet üas Leben! Der Wettergott meint«S recht gut mit unterer Schuljugend, die sich nun schon seit einigen Tagen der Ferien erfteut. Soweit e» irgend möglich ist, werden Ausflüge in die nähere Umgebung Berlin» gemacht. Am frühen Morgen geht es hinaus in die Wälder, auf die Höhen und an die G e w ä s s e r, die Berlm umrahmen. Jeder hat am frohen Jugendübermut seine helle Freude und mancher, der schon längst seine Jugend vergessen hat, wird angesichts einer sich lustig tummelnden Ktnderschar selbst wieder jung. Leider aber gibt eS auch Fälle genug, in denen man gerade nicht Freude über das Tun der Jungen und Mädchen empfindet, die sich da drantzen in„GotteS freier Natur" herumtummeln. Wie oft mutz man grauenhafte Werke der Zer- störung sehen. Hier ist ein ganzes Bäumchen abgebrochen, dort liegt ein Strauß herrlichster Feldblumen, der am srühen Morgen gepflückr und dann, weil er zu lästig war, achtlos fortgeworten wurde. Lstie viel bunte Schmetierlinge, wie viel herrliche Käfer müssen ihr Leben lasten, weil e« einem der Knaben gefällt: Selbst die Vögel sind in ihren Nestern nicht sicher. Wa§ soll die wilde Jagd Himer der schnellen Eidechse? In den seltensten Fällen erwischt sie jemand, und wenn e» gelingt, dann ist das empfindliche Tierchen nur ein Krüppel, beim zu leicht verliert es bei der geringsten Erregung seinen Schwanz. Wie oft muß man sehen, daß Unmengen von Srichlingen gesangen und zum Heimtransport in eine enge Blech- bückn'e getan werden Schon nach einer Stunde haben sie sämtlich ihren Geist aufgegeben, weil sie nicht genügend Sauerstoff bekamen. Da« zierliche Eichhörnchen würde sich weit zahlreicher in unseren Wäldern aufhalten, wenn nichr sofort bei seinem Auftauchen da» Jagen und Treiben einsetzen würde. JbrKnaben und Mädchen! Ist es nicht viel nützlicher und vor allen Dingen mensch licher, wenn Ihr die Pflanzen nicht zerstört und die Tiere de« Waldes nichr unnütz tötet, wenn Ihr Euch erfreut an ihren putzigen Spielen, an ihrer Farben« pracht oder an ihrem frischen Gesang? Sagt nicht, daß es ältere Leute ebenso machen, kommt nicht mit der Ausrede, daß Ihr.seltene Tiere sammelt". Niemand wird etwa» dagegen haben, wenn Ihr einen säönen Schmetterling fangt, ihn sachgemäß tötet und präpariert, niemand �ird Euch schelten, wenn Ihr eine Eideckise oder ein oder zwei Fiichchen mitnehmt. Aber auch daö dürft �Jhr nur dann tun, 80j Segen der Crde. Roman von Knut Hamsun. Aber es waren noch allerlei Wendungen und Wrnkelzüge notwendig, ehe die Zusammenkunft zustande kam. Das der- sprach nicht viel Gutes, Geißler tat ungeheuer großartig. Die Herren waren jetzt recht höflich, sie baten Geißler, zu entschuldigen, daß sie gestern nach ihm geschickt hätten, sie seien von der Reise sehr ermüdet gewesen. Geißler war auch wieder höflich, er erwiderte, auch er sei von seiner Reise er- müdet gewesen, sonst wäre er hinaufgekommen. Ja, ober nun zur Sache: Ob er den Berg auf'der Südseite des Wassers verkaufen wolle?—„Sind die Herren sechst Käufer oder spreche ich mit Zwischenhändlern?"— Das war die reine Bosheit von Geißlers Seite, er mutzte doch sehen, daß diese vornehmen dicken Herren keine Zwischenhändler sein konnten. Dann ging es weiter:„Der Preis?" fragten sie. —„Ja. der Preis!" sagte auch Geißler und überlegte.„Zwer Millionen," sagte er dann.—„Ach so." sagten die Herren und lächelten.— Aber Geißler lächelte nicht. Der Ingenieur und die Sachverständigen hatten so obenhin den Berg untersucht, hatten einig« Löcher gebohrt und gesprengt, und das Ergebnis lautete also: Das Vor- kommen des Kupfers war auf Eruptionen zurückzuführen, die Kupferfunde waren sehr ungleich verteilt, nach der vor- läufigen Untersuchung waren sie am mächtigsten an der Grenze zwischen dem Eigentum der Gesellschaft und dem von Geißler, weiterhin nahmen sie wieder ab. Auf der letzten halben Meile kam kern abbauwürdiger Kupferkies mehr vor. Geißler hörte diesem Bericht mit der größten Gleich- gültigkeit.zu. Er zog einig« Dokumente aus der Tasche, die er aufmerksam durchsah, aber es waren keine Karten, und Gott weiß, ob stö überhaupt den Kupferberg betrafen.—.ES ist nur nicht tief genug gebohrt worden," sagte er, als ob er das aus seinen Papieren entnehme. Das gaben die Herren sofort zu: aber der Ingenieur fragte, wie Geißler das wissen könne, er habe ja überhaupt gar nicht gebohrt.— Da lächelte Geißler, als ob er mindestens ein paar hundert Meter tief in den Erdball hineingebohrt, aber dann die Bohrlöcher un- kenntlich gemacht hätte. Bis Mittag rodeten sie hin und her, dann schauten die Herren auf ihre Uhren. Geißler war mit seinen Ansprüchen bis auf eine Viertelmillion heruntergegangen, aber weiter herunter ging es nicht um Haaresbreite. Nein, sie mußten ihn ernstlich verletzt haben, sie fingen von der Anschauung aus. daß er gerne verkaufen würde, daß er genötigt sei. zu verkaufen: ober das war er nicht, hoho, konnten sie denn nicht sehen, daß er beinahe ebenso vornehm und großartig war wie sie?—- Fünfzehn- bis zwantigtausend seien auch eine schöne Summe, meinten die Herren.— Geißler sagte: Dagegen sei nichts einzuwenden, wenn man lhas Geld gerade nötig habe, ober zwechundertundfünfzigtausend seien mehr. — Da sagte einer von den Herren, und er sagte daS. um Geißler gleichsam n-iederzudrücken:„Eben fällt mir ein, wir sollen Sie von Frau Geitzlers Verwandten in Schweden grüßen."—„Tanke!" sagte Geitzler.—„Apropos!" sagte der andere Herr, da dies nichts genützt hatte.„Eine Dierrel- Million! Es ist dock» aber kein Gold, sondern Kupterkies." — Geißle? nickte.„Ja, es ist Kupferkies." Da wurden die Herren alle miteinander ungeduldig. fünf Uhrdeckel sprangen auf und klappten wieder zu, und jetzt war keine Zeit mehr zum Scherzen, jetzt war Mittag. Die Herren verlangten kein Essen aus Sellanraa. sie ritten zurück zu den Gruben und speisten dort ihr eigenes Essen. So verlief diese Zusammenkunft. Geißler blieb allein zurück. Was waren das wohl für Ueberlogungen, die ihn be- wegten? Vielleicht gar keine, vielleicht war es ihm gleich- gültig, und er überlegte gar nicht. O nein, er überlegte, aber er ließ keinerlei Unruhe merken. Nach dem Mittagessen sagte er zu Jsak:„Ich wollte eigentlich einen weiten Gang über meinen Berg machen und hätte wie das letztemal Sivert gerne mitgenommen."— Jsak sagte augenblicklich zu. „Nein, er hat anderes zu tun," erklärte Geißler.—„Er soll sofort mit Euch gehen," sagt« Jsak und rief Sivert von seiner Maurerarbeit ab.— Aber Geißler hob die Hand und sagte kurz:„Nein!" Er trieb sich auf dem ganzen Hof herum, kam auch mehrere Male wieder bei den Maurern vorbei und unter- hielt sich lebhaft mit ihnen. Daß er das konnte, wo ihn doch cben erst so etwas Wichtiges in Anspruch genommen hatte! O. vielleicht hatte er so lange in unsicheren Verhältnissen ge- lebt, daß eigentlich für ihn gar nichts mehr auf dem Spiele zu stehen schien, einen schwindelnden Fall würde er auf keinen Fall tun. Hier stand er nun vor einem reinen Glücksfall. Nach- dem er dos kleine Grubenstück an die Verwandten seiner Jrau verkauft hatte, ging er straks hin und kaufte den ganzen übrigen Berg: warum hatte er das getan? Wollte er die jetzigen Eigentümer dadurch ärgern, daß er ihr nächster Nach- bar wurde? Ursprünglich hatte er wohl nur auf der Süd- feite des Wassers, da. wohin die Grubenstadt kommen mußte, locnn je«in Bergwerk errichtet wurde, einen schmalen Streifen haben wollen: Eigentümer des ganzen Berges aber wurde er. weil das ihm beinahe nichts kostete, und weil er sich die Mühe einer weitläufigen Grenzabsperrung sparen wollte. Er wurde Bergkönig aus Gleichgültigkeit, ein kleiner Bauplatz für Barocken und Maschinenschuppen wurde zu einem Reiche, das bis hinunter ans Meer ging. In Schweden ging der erste kleine Grub enteil von Hand zu Hand, und Geißler hielt sich über dessen Schichal stets unterrichtet. Natürlich hatten die ersten Besitzer dumm ge- kauft, verrückt dumm, der Familienrat war nicht sachver- ständig gewesen, und die Herren hatten sich kein genügend großes Stück des Berges gesichert, sie hatten nur einen ge- wissen Geißlcr abfinden und sich ihn vom Halse schaffen wollen. Wer die neuen Besitzer waren nicht weniger komische Leute, sie waren gewaltige Männer, die sich einen Scherz erlauben und nur so zum Vergnügen, etwa bei einem Gelage, kaufen konnten, wer weiß! Aber als es nun zu einem Ver- suchsstollen kam und Ernst aus der Sache wurde, standen sie plötzlich vor einer Mauer: Geißler. „Sie sind Kinder!" sagte Geißle? vielleicht von seiner Höhe herunter, er war sehr mutig und steifnackig geworden. Die Herren hotten allerdings versucht, ihn mit kaltem Wasser zu begießen, sie hatten geglaubt, vor einem Dürftigen zu stehen, und deshalb ein Wörtlein von so fünfzehn bis zwanzig- tausend fallen lassen. Sie waren Krnder, sie kannten Geißlet nicht Hier stand er. Die Herren kamen an die'em Tage nicht mehr vom Vera herunter, sie meinten wohl, klug zu handeln, wenn sie sich nicht gar so eifrig zeigten. Am nächsten Morgen kamen sie indes doch, hatten ihr Packpferd bei sich, und waren auf der Heimreise. Aber da war Geißler weggegangen. (Forts, folgt.) > wenn Ihr ihnen daheim wirklich ein Stück Natur geben Kinni wenn Ihr ihre Lebensweise genau kennt und sie p f l e g e n gelernt habt. Wer sinnlos sängt, tötet oder aus Unkenntnis sterben läßt, was leben soll, handelt unrecht. Und wer gar Freude an dem Aufblasen des Frosches oder anderer Scheußlichkeiten hat, ist entweder krankhaft veranlagt und darum bedauernswert, oder aber verdient eine ganz gehörige Tracht Prügel. Stoßt Ihr auf ein Tier, das Ihr als schädlich kennt, dann tötet es schnell, aber quält es nicht zu Tode. Wenn Ihr also hinauswandert in Wald und Feld, dann denkt daran, das alles.was da kreucht und fleucht" ein Anrecht auf Leben bat, das die Natur ihm gab. Ebenso wenig wie jemand das Recht hat, dem Menschkn Leben und Freiheit zu nehmen, so hat ein Mensch das Recht, den Tieren, und seien es die niedrigsten, mutwilligerwcise da-s kurze Leben zu nehmen. Beobachtet die Natur an der Stätte ihre-Z Schaffens, Ihr werdet von ihr lernen, vor allen Dingen, wie man sich im Kampf mij tausend Gefahren des Lebens immer wieder siegreich be- b a u p t e n kann. So würdet Ihr um vieles reicher zurückkehren in die graue Stadt und mit Freuden zurückdenken an die schönen, nutzbringenden Ferientage. Vom streik der Necht�anwaltsaltgeftelltcu. Ein Schiedsspruch. Der zur Schlichtung von Gehaltssireitigkeiten zwischen den An- gestelltenveibänden und den Berliner Anwaltsvereinen im Reichs- arbeitsmimsteriuin zusammengetretene Schlichtungsausschuß hat, wie die P. B. N. erfahren, einen Schiedsspruch gefällt, der die im Februar 1920 vereinbarten Gehälter der Anwaltsangestellten um 4 0 Bis 4 8 P r o z. erhöht. Der SchlichtungsauSschuß hat e r n- stimmig den Parteien die Annahme des Schiedsspruchs empfohlen, so daß anzunehmen ist, daß in Kürze der Arbeitssriede zwischen den Rechtsanwälten und ihren Angestellten wieder hergestellt sein wird. Ncichsttehr als Schieberschutz? ES iit schon de« öiteren beobachtet worden, daß bei dem Schläcktermeifler sfän sch. Kottouscr Tamm:K, Kisten und Säcke abgeladen wurden, die ein Wagen oe: Reichswehr brachte. Aus dem Umstände, daß der angehende Schwager des genannten Schlächter- meisters�beim P r o V i a n t a m t der Reichswehr in der Rothe- nswer Straße angestellt ist, wurde die Vermutung gezogen, daß es sich hier um Lebensmittel aus dem Proviantamt bandelt, die verschoben werden iollen. Gestern morgen gegen 9 Hbr inurden wiederum 8 mit einem Militärwagen voryesahrene Säcke abgeladen und in das Sxius gebracht. Tiesmal war das Publikum entschlossen, de» Di»gen auf den Grund zu gehen und alarmierte die S i ck e r h e i t s w e h r. To diese erklärte, ohne di- Kriminalpolizei keine Haussuchung vornehmen zu können, wurde auch diese benachrichtigt, ließ aber leider verschiedene Stunden aus sicv warten. Inzwischen entschloß man sich, die Säcke wi-der aufziiladön. Eine Frau bat einen Sicherheitsbeamten, die Säcke borläusäi noch nicht ausladen zu lassen, wenigstens nicht eher, bis die Kriminalpolizei die Sache untersucht habe. Im Gegensatz zu sc-neu sich'ehr korrekt benehmen- den Kameraden wurde dieser Beamte sofort handgreiflich, gab der Frau eine schallende Ohrfeige, zerkratzte ihr die Stirn, beschädigte ihr das Kleid und wollte sie in den nächsten Hausflur schleppen, woran er aber durch einige beherzte Leute verhindert wurde., Als trofe verschiedener telephonischer Anrufe und Zusagen von der Kriminalpolizei keine Beamten erschienen, tauchten plötzlich zwei Wagen mit bis an däe Zähne bewaffneten Reichswehr soldaten unter Führung dcS schon erwähnten angebenden Schwagers des Schlächters Iänsch auf. Tiefe wollten die Herausgabe dc.r Waren erzwingen und fuchtelten dabei fortgesetzt mit den Gewehren herqm. Schließlich gelang es ihnen aber doch, die Säcke, die u. a. Zucker, Mehl, Kartoffeln. K a f f f e e und Bohnen enthielten, auszuladen. Aber ibr Vorhaben, nach der Kaserne zuriickzu kehren, konnten sie nicht aus- führen. Trotz ihrer Drohung mit den Mordwerkzeugen, mutzten sie vier Personen aus dem Publikum mit aufsteigen lassen, die darauf bestanden, daß dic�an-ze Wagenladung dem?ieuköllncr Polizei- Präsidium Überwiesen wurde, was auch geschab. Soweit der Bericht eines Augenzeugen. Zunächst ist zu unter- suchen, ob sich tatsächlich wie angegeben, in den Säcken Lebens- mittel befanden, woher diese kamen und>v eichen Zwecken sie dienten. Wir wollen, bevor nicht a m t l i ch e r s e i t s Auf- kläntng geschaffen ist. niemandem den Vorwurf einer Lebensmittel- fchiebung machen, können aber dach nickt umhin, die Zusammen. / hänge zwischen Proviantamt, Sckivager und Reichs- wedr ziemlich verdächtig zu rinden. Im übrigen sei auch bei dieser Gelegenheit wieder betont, daß es endlich einmal Zeit wird, daß sich alle Sicherheitsorgane be- fleißigen, dem Publikum so entgegenzukommen, wie sie es von diesem in bczug nur sich selbst oerlangen. Tie Mißhandlung einer wehrlosen Frau, die nichts anderes als eine von ibr vermutete Verschiebung von Lebensmitteln verhindern will, ist.. gelinde gesagt, e i n-e Roheit. Terjenigc, der sie verübt hat, gehört auf keinen Fall in die Reihen der Sicherheitspolizei. Vrdnung rnust sein— aber keine 2. Wagenklasse. Unsere verschiedenen Hinweise auf die Unzulänglichkeit im Berliner S t a d t b a h n v e r k e b r hat die Eisenbahn- drrektion Berlin bewogen, durch eine Korrespondenz gegen die „unsachlichen Erörterungen einzelner Tageszeitungen", vor allem wegen der verschärften Z u g k o u t r o l l e, Front zu macken. Sie versichert, daß sich diese verschärfte Kontrolle aus alle Wapenklasscn erstreckt und daß die Beamten vor allen Dinge» „gegen alle Uebcrtretungen der Beförderungsvorschristen, Rauchen in Nichtraucherabtcilungcn. Traglastenbeförderung in anderen als hierfür vorgesehenen Abteilen, Fahrt ohne gültige Fahrkarte usw." vorgehen sollen. Ferner sollen sie auch gegen die„Trittbrett- sabrcr" vorgeben. Weiter wird behauptet, daß„dem Berufs- verkehr durch eine vermehrte Zugfolge auf den meisten. Strecken Rechnung getragen" würde. Tie Schlußbemcrkung, daß sich gegen die Tätigkeit der Zugkontrollcn nur solche Elemente unter den Reisenden wenden, die Gegner jeder Ordnung sind und als solche falsche, in den öffentlichen Verkehr n i ch t p a s s e n d e Begriffe von Ordnung und Freiheit haben, trifft uns nicht. Wir sind ganz mit der Eisenbahnverwaltung der Meinung, daß auch in ihrem Betriebe Ordnung herrschen. muß und sind die letzten, die sick der Schaffung dieser Srduung entgegensetzen. Wo- gegen wir uns in der Hauptsache wende p, das ist die durch nichts als die Bequemlichkeit einiger Mitbürger gerechtfertigte Zwei- k l a s s e n w i r t s ch a s t. Daß im N ichtrauche rcoupe geraucht wird, daß Traglasten in den nicht dafür bestimmten Abteilen ukitgesührt werden und daß schließlich Reisende auf den Trittbrettern Platz nehmen und nicht selten dabei.ihr Leben einbüßen, ist lediglich eine Folge des Umstandcs, daß die Tritler-Klasse-Abteile bis aus de» letzten Platz besetzt sind. Da sieht eben jeder zu. wie er mitkommt und fragt nicht lange danach, ob er in ein falsches Coupe hin- eingcraten ist. Diesen bedauernswerten llebelstanden kann auch durch noch so viele Kontrollmaßnabmen nicht beigekommen werden. Hier hilft nur Aufhebung der zweiten Klasse, und man sollte tatsächlich einmal den Versuch macken, in der Zeit des st ä r k- sten Verkehrs diese Wogen auf a l l e n' Strecken durch solche der dritten Klasse zu ersetzen. Bedrohte Laubenkolonien. Die Laubenkolonisten des Südens hielten am Montagabend in den Hohenstaufcnsälen am Kottbuser Damm eine öffentliche Versammlung ab. Ter Referent Kaiser teilte mit. daß infolge Kündigung durch den Magistrat'2000 Laubcnkolonistcn der Kolonie am Bahnhos Kaiser-Friedrich-Stratze in Neukölln zum Herbst ihres Lauben tan des verluftig geben sollen, weil dortsekbst K l e i n h a u s s i e d! u n g e n für Schwerkriegsbeschädigte errichtet werden sollen. Der Referent sotvohl als auch alle anderen Diskussionsredner vertraten mit Energie den Stand- Punkt, daß den K o l o n i st e n dieses Laubenaelände erhalten bleiben müsse. Durch diese Räumung würden Millionenwerl?. vernichtet. Nicht eine Einschränkung, sondern eine noch weitergehende Vermehrung des Lanbengeländes se: notwendig. Eine Verminderung vermehre die Wohnungs- not, da unzählige Laubenkolonisten ihre Wohnung aufgegeben und sich dauernd in den Lauben aushalten. Von jedem Einsich- tigcn werde der große Mangel an Parks und freien P l ä tz e n in der Stadt beklagt. Dann solle man wenigstens den Ring der Laubenkolonien um die t-?tadt lassen. Erst jenseits dieses Lqubcngartepringes sollen die Kleinhaussiedlnngen entstehen. Speziell in dem Fall Neukölln dürften die Kriegsbeschädigten sehr leich: zu einem Verzicht auf das genannte Gelände zu bewegen sein, weil sich andere, bessere und g es ü n d e r e Gegen- den werden finden lasse» als dieser, direkt unter den qualmen- den Schornsteinen der städtischen Werke liegende Grund und Boden. Leider stebc Neukölln nicht allein da, sondern von den verschiedensten anderen Orten sei ähnliches angekündigt. Dem- gegenüber sei eS Pflicht Der 36 000 in Groß-Bcrlin organisierten Laubcnkolouisteu Stellung ui nehmen. Im Rathause zu Bektin, wie in den meisten andern, haben die s oz i a l d e m o i r a t i- s ch e n Parteien die Mehl heil. ES werde sich dann zu zeigen haben, ob die soziqlistischen Parteien sich ihrer allen Grundsätze über soziale'Wohnungcqwlitik noch erinnern. Vielleicht werden auch, wenn von dem M as s c n s ck r i tt der Laubcnkolonistcn das Est r a ß c.n p f la st c r dröhnt, die sozialistischen Zeitungen beider Richtungen einmal ihren alten Bequemlichkeitsstandpunkt ausgeben und in eine Erörterung dieser Frage eintreten. Unsere Zeitungen, als auch die Parlamente, hätten sich mit diesen Dingen noch nickt beschäftigt. Das fei aber dbingendc Notwendigkeit und werde die jetzige Bewegung hoffentlich auch in dieser Hinsicht» wirken. Tic äußerst gutbcsuchte Versammlung stimmte zum Schluß dem Vorschlage zu, daß sich der Vorstand in dieser Angelegenheit an den W o h l s a h r l s m i n i st e r wende und auch mit dem Mieterbunde Fühlung nehmen solle. Tic eventuelle Straßen- demonstratiön soll im Auge behalten werden. Wir haben bereits in unserer gestrigen Morgenausgabe mit- geteilt, daß die Kündigung der Laubenkolonien nicht von Neukölln, sondern von Berlin ausgebt. Ten Lauben- Kolonisten gebw- nur zu bedenken, daß durch Straßendcinonüra- iionen nicht ein einziges der vielen sozialen Probleme gelöst wurde. Ter Kraftauiwand ist aber auch nicht nötig, um uns zur Aufgada uuscrco angeblichen..alten Bequemlich- keits st andp unkte zu veranlassen. Wer den„Vorwärts" aufmerksam und nicht erst seit gestern liest, der weiß, daß die Siedlungssrage sich dauernd seiner Aufmerksamkeit er- freut. Allerdings lassen wir im-:- dabei nicb! von den Inicrsss'en irgendeiner Gruppe, sondern der A ll g e m e i n h e i t leiten, wie das bei Sozialisten emc Selbstverständlich- kcit ist.._ Verhaftung von Lcbcnömittelkartcnfälschcrn. Durch einen großen Handel mit gesälichten Brot- und anderen Lebensmittelkarten ist die Abteilung 15 1,4 der Berliner Kriminalpolizei einem Fälscher aus die Spur gekommen, der einen großangelegten Betrieb zur Herstellung und Vertrieb gefälschter Karlen eingerichict halte. Ein iviedecholr vorbestrafter Bügler Julius Schulz, der vor einiger Zeit bei eilS einmal sestgenoininen worden war. war seinem Transporteur nirlerivegs entsprungen und nach Berlin gekommen, wo er durch Einbrüche in Brot- k o m in i s s, o n c n bald soviel Geld zusammengebracht banc. daß er sich unter ziemlich großem Kostenauswand eine eigene Wert- st a t r»ur Ansenigimg salicher Lebensmitlelkqrten zulegen konnte. Er bcschäsligle ein Ehepaar Heinrich, von dem der Mann Schriftsetzer und die Ehefrau Anlcgerin in einer Druckerei war, und außerdem einen Steindrucker W e g n e r. Als die' Kriminalpolizei die Fälicherwerkstatt am Grünen Weg Nr. 3 onsbob, ivar sie gerade in vollem Bciiiebe. Sämilichc Ma'äunen. Blatieu, u'iv. konmen beschlagnahmt werden, außerdem noch 6 0 0 0 R e l i c b r o l»r a r l e ii, die Schulz bei einem Eliibruch erbeutet hatte. Mit seinen Agenten, die für den Vertrieb der gefälschten Karten sorgten, traf er sich in cinein Lokal in der Breite Straße. Torr erschien auch ein Bäckermeister, der mehrere Brotfilialen unterhält nnd einen ziemlich großen Bedarf an Brotkarten hatte. Die Kriminalvolizei rollte den ganzen Betrieb auf und nahm außer Schulz auch alle Helfershelfer fest. Gewerkschaftsmitglieder! Für die am Donners! ag. den iö. J»l>. im Walhqlla-Tkeatcr statt- sslidende Slupliumg»Die Internationale" bat die unterzeichnete Orga« nisation noch Giiticheine zum EinheitSpreile von ü Mark abzugeben. Tie Stuslosuna der Plätze findet ab Kg. Uhr im Theateivorraum statt. Verband der Gaslwirtsgehilsen, Elsajscr Str. 86. lll.(Bureauzeit 9— 5Uhr.) Kupfer und Rotguß. In der Vorwoche wurde aus dem Berlin- Anhalter Güterbahnhofe von den Beamten der Eisenbahn-Ueber- wachungsabteilnng eine verdächtige Ladung mir Kupfer an- gehalten, weil die Empfänger einen sehr wenig vertraueneiweckenden Eindruck machten. Die soiorl eingeleiteten Ermittlungen habe» erwiesen,. daß der Wagen bereits in Teltow, wo er von den Norddeutschen Flugzeugwerken verladen toorden war. durch Unter- schieben falscher Frachlbrieie an die verdächtigen Empfänger umge- leitet worden ist Diese Ermittlungen waren aber noch nicht ganz abgeschlossen, als an die gleichen Empfänger noch ein zweiter Wagen, der aber Rotgußabs alle enthielt, eintraf. A„ch dieser Wagen sollte aus dem gleichen Wege von den Schiebern den rechtmäßigen Eigentümern entwendet und in Berlin verschoben werden. Die Schieber sind ein Tageswächter, ein Laaerplatzverwalter nnd ein Arbeiter der Flugzeugwerke, zu denen iich dann noch ein Angestellter der Industriebahn der Teltower Kreisbahnen in Teltow gesellte. Alle vier sind überführt und geständig, daherevor- läufig auf freiem Fuße belassen worden. Tie Stadtverordnetenfraktion der Deutsche« Bolkspartei wählte zu ihren Vorsitzenden Oberveiwaltilgsgerichtsrat von Eyn ern �Berlin) und Prof. Dr. Leidig sWilinersdorf). und zum Schatz- meister Groß lCharlotlenburg). Nachforschungen»ach Vermissten in Amerika. Das Zentral- komitee vom Roien Keeuz teilt mit. daß Anträge aus Nachsorschun- gen nach vermißien Personen in de» Vereinigten Staaten nicht mehr-unmitielbar an die s ch w e i z e r i' ch e n Behörden in Bern bzw. Washington zu richten sind, iondern lediglich an das Reichs- wanderuugSa m t, B e r l i n 8, W i l h e l m st r. 7 1. Tie Zweigstelle der Kohlendeputation für den Bezirk Berlin- Wedding wird am 15. ds. Mts. von der Chriftianiastraße HO nach der Wolgaster Straße 13 verlegt. iZommrrtheater„Groft-Berlst, Halenbeide 15. Ab Freitag gebt täglich 8 Nbr das Schloeneriliick von„«ro« und Fessel", belildt„Priitz und Bettlerin", mit Herrn T.uetior Spanier in der Hauptrolle, uoer die Büyne. Charlottenbnrg. Eine Gemeinheit. Von dem bekannten Entenbrlinnen vor dem. Motivhaus in der Hardenbergslraße ist in derletzten Nacht eineGruppe Enten geftohle nworden. Groft-Berliuer Lebensmittel. Berliir. Auf die L 1- und L II. Karten bis aus westeres 1 Liter Vollmilch. Tie übrige Belieferung bleibt wie bisher. Sroß-Herliner partemachdchteu. Heute, 14. Juli: 7. Abt. Die Mitgliederversammlung findet wie gewöhnlich in den Blücherjälen, Blücherstr. Sl. statt. 21. Abt. Tie Versammlung findet nicht, wie es im gestrigen Inserat bietz. am Donnerstag, sondern heute abend im Elystum, Landsberger Allee 4l. statt. �. 24. Abt. 7 Uhr in der Schulaula Christburg«: Str. 14, Mitglleder- Versammlung. Ebarlottenburo.. Uhr Milaliederneriamvilungen. 1. Gruppe: Restaurant Schellbvch. Königin.Elisabeth.Srr. ö. tlteserent: Dr. Mosbacher. '2. G r u P P e: Restaurant �tenunlein. Friedrich-Äarl- Platz 6. Referent: Genosse Israel. 5. Gruppe: Restaurant Sperling, Helmbottzstr. 39. Reserent: Gciioiie Tost. 12. Gruppe: Restaurant Duv, Windicheiditr. 14. Referent: Genosse Mictlcr. 13. Gruppe: Schulauta Pesiaiozzistr. ll). 15. Gruppe: Restaurant Piill, Kiielcbecksir. 2. Reserent: Dr. Zcchliu, Wildau. 8 Uhr Alitglicderversammlung nn„Grünen Bamnch Adierspot.>..S Mr Schulaula, Bismarckstr. 5*. Vortrag des Genossen Maluscheck über:.Steuerlasten, im besonderen über den Steuerabzug". Gäste willkommen.. Lankwi». 8 U'ic Zahlabcnd bei 1 Lehmann, Kaiier-Wilhetm-strage. Reserent: Genosse Teisinger„Was lehren uns die Dahlen?" Morgen, IS. Juli. Charlottruburg. 9. Gruppe: Reit. Reimer, Dümcrsdorser Str. 21, Mitgliederversammlung-. Rc'cr-.iN: Genosse Tost... T.... Röntgcntal-Zepernici. Gemeiusamer Zahlabend bei Paulick. Vortrage, Vercine unö Versammlungen. Mcichsbuud der Krtegöbcickftidlgtes. Drtsgruvvc Rcnkvllu. Donnerstag 7', Uhr Pierteljabrsveriamliilung in der Aula des Kaiser» Fricdrich-Realgnmnastums, Kaiser-Kriedrich. Straße 210. Wivtfäyaft Ter?ifcfiri'ch der Zirliclcicn. Zu dieser Erscheinung, über die auch im„P a r w ä r l wiederholt berichtet wurde, schreibt Richard Calw er in Heft 41 der „.Konjunktur": Wenn ein größerer Teil der Ziegeleien eingeht, so ist ftstZ wesentlich günstiger, als wenn versucht wird, sämtliche Betriebe ausrechizuerhalten. selbst aus die Gefahr hin, daß sie alle mehr oder weniger unwirtschaftlich arbeiten müssen. Unwirtschaftlich ist es, den Abbau von Ziegeleien aushalten zu wollen, stiem aus kurz- sichtigen sozialistischen Gesichtspunkten kom-mt wohl das stleichswirtschezflsminiftenum zu seiner verkehrten Aussass'ung. Im Interesse der in ihrer Existenz bedrohten Arbeiterschaft sollen die überschüssigen Ziegeleien nicht abgebrochen werden. Was kommt denn bei dieser Politik heraus? Daß die tätigen Arbeiter, wenn die Arbeitsgelegenheit auf alle Ziegeleien verteilt wird, nicht e:n- mal mehr vier Stunden am Tage zu arbeiten haben würden. Entweder bekommen sie dann dafür den halben Lohn und werden in eine Lage versetzt, die Not und stoigendc Unzufriedenheit bedeutet, oder man crböht den Lohn um das Doppelte und steigert damit die Ziegelpreise so, daß der Absatz von Ziegeln rapide zurückgeben, alio die Arbeitsgelegenheit noch knapper würde. �Oder will ci'va wie beim Bergbau dir Regierung den größeren Teil des Mchr- lohncs mit ihrem an sich wertlosen Papiergeld bezahlen und dadurch die Schuldenlast noch weiter vergrößern? Das End« dieser s o zF a l orientierten Wirtschaftspolitik iit immer der Ruin der Arbeiter- schaft selbst, für die angeblich gesorgt werden soll. Je mehr man einzelne Schichten der Arbeiterschaft bevorzugt,-desto sicherer ksm.rnt das Gros der Arbeiterschaft unter die Räder. Es ist allmählich wirklich nicht allzuschwer, die verheerende Wirkung der sozial orientierten Wirtschaftspolitik zu begreifen, aber nichlsdestoweüiger sehen wir diese Politik lustig wuchern und immer wieder neue Keime und Blüten treiben. Beruhigend ist nur, daß die? staatliche Autorität nicht mehr hinreicht, um diese Politik auch wirklich der Praris in vollem Umfang aufzwingen zu können. U. E. übersiehl C a I w e r in seinen Ausführungen folgendes: Bei dem Preis, den der Abnehmer der Ziegelsteine zu zahlen hat, spielen die Transportkosten für die Steine eine sehr erbeb- liche Rolle. Der Zicgclcibesitzcr, der seine Ziegelei abreißt, zwingt die Bauherren innerhalb des Avsatzkreises, den die Ziegelei früher versorgte, zukünftig die Steine mit sehr viel höheren Trans- p o r t k o st c n bezahlen zu müssen. Ter Ziegeleibesitzer vor- n i ch l c t Produktionsmittel, die jederzeit bei Brennmaierialzufuhr wieder Baumaterial erzeugen können, um jetzt schlechtes Papier- geld gegen sie einzutauschen Ta an Ziegelsteinen kein Manst<-l ist für die, die überteuerten Preise bezahlen können, ist der Abbruch der Ziegeleien keine Notwendigkeit, zumal die Abbruchuutcrnehmcr die alten Steine doch auch nicht unter Preis verkaufen. Tic Er- Haltung der Ziegeleien, die der Arbeiterschaft des Bezirkes wieder Arbeitsgelegenheit bieten und den Bauherren billigere Steine als entfernt liegende Ziegeleien werdn liefern können, liegt daher durchaus im volkswirtschaftlichen Interesse. In �er Hauptsache kommt es nur darauf'an, daß die Kohlen- zuteiliyig so geregelt wirds daß planmäßig den einzelnen Zie- gelcien für bestimmte Breu«Perioden das notwendige Material geliefert wird, um den Betrieb während stzscher Perioden Wirt- s ch a f t l i ch gestalten zu können. Das ist allerdings nicht in einer freien, sondern nur in einer organisierten Wirtschaft durchführbar. Zusammenschlusi des Berliner Yinzelliandels. Tem Beispiel der Provinz folgend, wo sich die Organisatie-'en des Einzelhandels längst zu Landesverbänden zufammcnqeschlosscn haben, ist knrzl'ch in Berlin ein Verband des Einzel- handelst ürGroß- Berlin unter der Bezeichnung Einzel- h a n d e l s g e in e i n s a> a f t Groß-Bcrlin gegründet worden. Tie Geschäftsstelle dieses Verbandes, befindet sich Wilhelm- st'r a ß e 80a. Der Zweck dieser Neugründiing ist, die vielen Vcr- bände des Einzelhandels in einer Spitze zu vereinigen, um dem Einzelhandel eine größere M achte ntfaltung bei der Regelung wirtschaftlicher Fragen za geben. Besonders wird dabei gedacht, gegen die K o m m u n a l i f i e r u n y Sa b s i ch t e n. welche das Leben des Einzelbandels bedrohen, eine gemeiüiame Front zu bilden. Es ist em Irrtum, wenn man glaubt, daß die Kommunalist sierungsfrage lediglich den LebenSmittelhandel angeht. Es liegt vielinehr die G e t a b r vor. daß auch andere Branchen hiervon be- rührt werden, und es wird demnach dem neuen Verbände obliegen, den in feiner Eristenz gefährdeten Einzelhandel z» schützen. Vom Nvhhniltemcirkt. Tie Tendenz ans dem Häutemartl hat sich weiier befestigt. Tie Preise aus den Auktionen be- wegen sich langsam nach oben. Ti: Nachfrage komm: aus Kreisen der Erzeuger; der Handel, bor allen Dingen die Spekulanten, beteiligen sich nur wenig am Geschäft. Bevorzugt sind schwere Gattungen für die B o d e» l e d e r e r z e u g uji g. — Dieselbe Bewegung zeigt sich aus dem Weltmarkt. Süd- amerika meldet feste Stimmung und nmiangreiche Verkäufe in bekannten guten Prevenienzen. Nordamerika ist auch fest. Tie Londoner Wockenversteigerung brachtet' eine weitere Ans- wärisbewegung. Ter bollöndifche Markt iit sowohl ür überseeische als inländische Häute wesentlich lebhafter und fester. nur die letzten Pariser Häutoversteigernngen waren.wieder malt. Die Preise fielen dort etwa um 25 Proz. Sport. Cuct durch Berlin. Der Schwirnnrbsrein„Vor w ä r t s" Berlin I8ö7 vsranitallets unter Beteiligung der dein Arbeiter- sportkartell Groh-Berlin und dem Arbeiter-Wassersportverbande an- geschlossenen Lere'ne am Sonntag ein Provagandaschwimmen. Den Bestrebungen der Arbeilersportvereiue einsprechend Kalte das Fest einen rnsEjr v o l k? r ü in l i ch e n als sportlichen Charakter. Ilm IV.Iö 1U>r erfolgte am Urban Hafen der Start der ersten Gruppe, der sich sn kurzen Zertabständen die nachfolgenden anschlössen. Es starteten zirka 3 5 0 Teilnehmer, die je nach Aller und Geschlecht in ver- fchiedene Griippen aeieilt waren. An den Brücken wurden lehrreiche Vorführungen der Rettungswache de? Vereins gezeigt. Gegen 11 UKr erreichten die ersten Schwimmer das Ziel an der Raii- b o r st r a s; e! sie halte eine etwa 2200 2>'eter lange Strecke zurück- gelegt. Tie gute Inszenierung fand den lebhaften Beifall der in Masten erschienenen Zuschauer. * Rettungsvorf'ührungen und Wasserballspiele veranstaltet der Schwimmverein„Vorwärts" Berlin 1897 in der Zeit vom 15. Juli bis 10. August jeden Donnerstag, abends 7 Uhr. im Westhafen, Nähe Plötzensee. Bei den Neitungsvorführungen werden Mitglieder der Arbeiter-Samarilerkolonne Groß-Berlin die Wiederbelebungsversuche zeigen. In Anbetracht der großen Anzahl von Unglücksfällen, welche heute täglich beim Baden vorkommen, sind diese Vorführungen äußerst lehrreich. Im Inleteffe der i�ache werden die Zuschauer gebeten, die Uferböichungen nicht herunterzu- treten. Eintrittspreise werden nicht erhoben. Herold bat allein in dieser Saison schon 293 700 lN. aus sein Gewinn-. konto gebracht.— Nahrhafte Ehrenpreise letzte der Dortmunder Nenn- verein aus, denn zwei Andenken, die für die Trainer der Sieger beslimmt waren, bestanden in zwei wesliälischcn Schinken slattlichcn Gewichts.— 7 345 845 Mark hctruz der Tolalisatormnsatz bei den Sonntagsreimen im Grunewald. Damit wurde schon wieder inol ein Rekord ausgestellt.— Csardas-Fürstin wurde an den Renilställbcsitzer Linderiftaedt verkauft. Nennen, zu Grunewald, 13. Juli. l. H a n s w u r ii t Ja g d- rennen. 22 000 M. 3000 Aeter. t. Wardar(Xtykjr). 2. Jodler fVis- . markt, 0. Töbeiitz«Walt. Müller). Tot. Sieg 41 i 10. PI. 19. 21, i9. Ferner lic'cn: Feucrboch(1j. Mtzunit j.',), Zlvnitcsie Macaroni(6), Denkmünze, Syb.ll Morel. Ranunkel, Presto. Sierra, Purzelbaum. 2. Preis v o n S w w c i n c r i. IS 000 M. 1600 Meter. 1. tzluguilenburg(Braun), 2. Tetla(ilohl), 3. Tühierui(Herbert). Tot. Sieg 11: 10, Pl. IS, 17, 17. Ferner liefen: Sonnenblume(1), südtirolerin(5). Earlssima, Macon (ausgebr.). 3. Das B e i l ch c n- R e u n e». 22 000 M. 1800 Meter. 1. Titania kPolgar), 2. Scehauwn ülorb), 3. Königin der Nacht(Zimmer- mann). Tot. Sieg 68: 10, Pl. 12, 11. Ferner liefen: Grolle nicht 11). Neniüg(5). Prophetin(6). 1.' Stuten- H ü r d e nr e v. n e n. 30 000 M. 2500 Meter. l. Lccana itiewicki), 2. Polka(Em inger), 3. Rocamadour(Knkulies). Tot. Sieg 63: 10, Pl. 23. 11. 34. Ferner liefen: Das Puvverchcn<1>, Jutta II(ö), Behmtinde<6), Eorinne, tclmchen(ausgebr.), Goldseele(7), Künstelei, Luiu P o k o l. Etzreniucis und 27- Zdackerbart(5). K. Preis von Bindow. Ehrenpreis und 11000 M. 3000 M. 1. Eiders Glorie(DiSmnri). 2. Eichwald Nc'h). 3. Füril Povofs(Fcntstch). Toi. Sieg 7g: 10. PL 21, IT, 16. Ferner liefen: Hanswurst(1). Varma(5), Kilbea>6). Mcrovingcr II. Harougod, Christoph, Pillao. 7. Casus- Ausgleich. 22(«Xj M. 1600 Meter 1. Matravirgg(Doncl), 2. Tüchtig (Kasper), 3. Defizit Raocnbeiger-. Tot. Sieg 66: 10, PI.-21, 31. 56. Ferner liefen: Schalmei, Sicbcnschläser, Fillipov. Machthaber, Satyr, Argile, Rasvontin, Goldslrom(6, tkehcnszejährle, Gebhard(1), Sperber(5), Eberesche(7), Flamme, Metronom. �UÄ alle? Welt. Hindenburgs Kampf mit einem Einbrecher. Gencralseldmarscball v. Hindcnburg, der sich am Montag abend mit seinem Diener allein in seiner Villa be'and, hörte pköxlick in einem Hinterzimmcr ein Ecrüuich. Als er diefem. nachging, sah er vor einem Ileinen Schrank einen jungen Mann in grauer Lnewka stehen, der dessen Inhalt betrachtete. Ter Geueralseldularschall nahm an, daß es sich um einen Handwerker Bandelte, der im Hause zu tun hatte. Tann fragte er:„Was machen Sie denn da?" ivorauf der Unbekamue sich uindrehle und flehe»! tlch bat:„Lassen Sie in:cti gehen, ich bin auf Ltbtoegc getaten und werde es nicht wieder iiutl" Ter Feldiiiarschall hielt jedoch den Mann am tllocklragen feit und veriiichtc, ihn in icin Arbeilsziinmet zu billigen. Tobe: entspann sich zwischen ihm und dem Unbekannten ein heftiges Ring e n, bei dem mehrere Möbelstücke umfielen. Als der Per« brecher iah, daß er nicht freikommen tonnte, zog er ans der Brust- lasche einen Revalver und erklärte:„Tann wollen ivir es so versuchen l" Toch der Feld man ct. all ivehrle den Revolver ab, der Verbrecher drückte aber los und schoß dicht an der linken Bin st seile des Feldmarfchalls vorbei. Hindenburg hielt den Burschen trotzdem fest. Als er aber die Hand nach der Klingel ausstreckle. um den Diener hcrbnzmufe», gelang es dem Verbrecher, zu entfliehen, wobei er noch in ehrer e Schüsse nach rückwärts abgab. Man nimmt an, daß es sich um einen Bandeneinbruch in die Ällla Hindenburgs bandetle und daß der Verbrecher dazu die Gelegenheit ausspionieren sollte. Ein Binder Batockis überfallen. König: berz i. Pst., 13. Juli. Gestern abend wurde während eines Spazierg/iiges der. Bruder des früheren Lberpräside'nlen v. Batocki, der ebemaljge Lansrat im Kreise Tuchcl Hugo Tor- l i l o w i c z von Batocki, der auf dem zur Herrschost Bledan gehörenden Vorwerk Tarienen wohnt, von einem unbekamilcn Täter erstochen.'Man vermutet, daß der Tal vielleicht eine Per- f o n e n V er w e ch s l u n g(? Red.) zugrunde liegt. Wetternussichten für das mittlere Norddeutschland bis ddonnerstag mittag, lleberwiooen» bewölkt und bcsonvcrs im Norden Gewitterregen; im Westen beginnende allgemeine Aujheilcrung und Er- wärmung. Sechsfaches Toöesurteil gegen Schumann» In später Abendstunde fällten die Geschworenen den Wahrspruch. Sie erklärten den Angeklagten schuldig des Mordes in 6 F ä l l c n, des M o r d v c r � s n ck S in einem Fall, des?! o t z u ch t s v c r- brechcns in vier Fällen, dcS schweren Tieb- siahls in einem Fall, des leichten Diebstahls in drei Fällen, der Unterschlagung jn zwei Fällen. TaS Gcricht erkante wegen der sechs Fälle des Mordes auf Todesstrafe für jeden Fall, wegen Mordbrcnnerci auf lebenslängliches Z u ch t h a u s, für die übrigen Fälle ans insgesamt 15 Jahre Zuchthaus, außerdem auf dauern- de,, Ehrverlust. Geh. Medizinalrat-Dr Leppmann: Tic Sachverständigen find sich absolut einig. Tie praktische Frage, um die es sich hier handelt, ist die: Ist jeder Mangel, den wir an dem Seelen- leben eines Menschen erkennen, ansreickxnd, um an seiner Zu- r e ch nu n'gsfä h igk e i t zu zweifeln. TaS ist zu ver- «einen. Tas Material, das uns zur Verfügung steht, um unser Gutachten obziigelen, ist nun doch ein völlig befestigtes»vi führt zu dem Schluß: Hier handelt es sich nicht um ein verstecktes Wahnsystem. Der Angeklagic hat schwere Mängel, aber sie schließen die freie WillrnSbestimmung nicht aus. Man kört oft die An- ficht:„Ein Mensch, der so etwas tut, muß doch verrückt sein." Ta muß doch aesagt werden: Tie Motive des Handelns sind bei Menschen, die sich gegen das Gesetz vergehen ait u n d n r cki s iev t i.g, aber man kann niemand wegen der Undurchsichligkeit der Motive als krank erklären. Tie Taten des Angeklagten sind bei einer derartigen Eharakterentwicklung und derartigem Lebcusgavg nicht ia u n m vgl ich, namentlich wenn man bedenkt, daß cinc so be- schaffene Natur a u s' d c m Kriege heimgekehrt war, wo das Menschenleben nicht sehr hoch geschätzt wurde. Wenn er auch kein Sadist gewöhnlichen Stils ist, so sind doch in seinem Handeln Tinge, die an sadistische Ursachen erinnern. Ter Sach- verständige kommt zu dem Schluß, daß§ 51 St.G.B. nicht Platz greift. �. Nach Beav.llvortunfl einiger auf das Vorhandensein von Hein- mnngen bezüglicher Fragen des R.-A. Frey durch die Sachver- ständigen wird d i c Beweisaufnahme geschlossen. Tic-ll den Geschworenen vorzulegenden Schuldfragcn umfassen 7 Morde, 11 versuchte?)?orde, 2 Brandstiftungen, 6 Fälle der versuchten bzw. vollendete»?!otzucht und cinizc Tievstählc. Nach der Mittagspause ergreift der Staatsanwalt Dr. Steinbrecher das Wort zu den Schuldsragen: Mit Schaudern nur können wir ans den Jingeklagien und seine Taten blicken, sie sind so ungeheuerlich, wie es in der Kriminal» geschichte kaum ü zu vcrzcichn.'n ivar. Ich bin überzeugt, daß Sie, meme Herren Geschworenen, alle von tiefem?l b s ch e u gegen einen Menschen erfüllt sind, der solche Taten vollbringi, aber ich muß hier eine Warnung an Sie richten: Sie müssen alle Gefühls- reg n n g c n z u r ü ck st ek l e n, denn auch der schwärzeste, grauen- kosteste Verbrecher hat dos Recht, daß von seinem Richter sorg- sä m geprüft wird, ob er schuldig ist oder nicht. Der Staats- anwalt scheidet aus der Anklage die Mordversuche gegen Moritz, gegen die Wandervögel, den Fall Möbius, den Hilfssörster Timm und die Brandstiftung und de« Mordversuch gegen die Schauspielerin Grentz aus. Die übrigen Fälle hält der Staats- anwalt aufrecht. Es fragt sich nun: Ist der Angeklagte der Täter? Da steht nun zunächst fest, daß er, wie er selbst zugegeben, in jenen Gegend sein Wesen»getrieben hat und daß seit dem Beginn der Untersuchungseaft in Falkenhagen nichts mehr von der- ariigcn Mord- und Sittlichkeitsfällen borge- komm c n ist. Vor der Polizei.»dem Ermittlungsrichter und Vor- untcvsuchimgSrichtcr bat er seine Geständnisse gemacht y-w. wiederholt. Schließlich hat er sie widerrufen nnd sie als Produkt von M isi h a n d l ii ii g e n hingestellt, die er aus der Polizei erlitten habe. Die hierüber eidlich vernoaimeiic,, Zeugen b.ibcn dies entschieden bestritten. Das hier vorgebrachte Material ist die glänzendste Rechtfertigung des KriminaloberwachtmeisterS L a h m a n n, der sich unsägliche Micke und Arbeit zur'Aufklärung der Falieuhageinr Vorgänge gemacht hat. Die schuld des Ange- klagten wird bewiesen durch schlüssige Indizien, durch Zeugenbeweis und durch seine eigenen Hingaben, dazu kommt, daß er von den Frauen, die er vergewaltigen wollte, einwandfrei und bestimmt wiedererkannt worden ist. � Es ist im gewissen Sinne eine trübe soziale Erscheinung, daß dieser Mchnn ein Verbrecher werden mußte. Ter Aligeklagte hat zweifellos eine trii'be Jugend gehabt, er ist voni. Vater und. Mrtet vom Stiefvater schwer mißhandelt worden. Auf der Schule wunde er der Sob» des Zuchthäuslers genannt und so wurde Menschenscheu und Menschenhaß in ihm frühzeitig geweckt. Er war, wie der Zeuge bekundet hat, ein sehr guter Lehrling und später ein guter Arbeiter. Schon frühzeitig zeigte er«ine verderbliche Schicßleidcn- schait, er schoß aus der Landstraße eine Frau angeblich versahent- iich und aussälligarweise mitten ins Herz. Er wurde nur wegen fahrlässiger Tötung verurteilt. Vielleicht trisft hier zu. was Ge- heimrat Leppmann erwähnte: Viele Menschen sind nur des- halb zum Verbrecher geworden, weil ihre erste Straftat nickt entdeckt worden war. Was die Frage der Zurackinungssähigkeit anbetrifft, so ist hierüber folgendes zu sagen: Wohl selten ist ein klngeklagter so eingehend nntersucht worden wie gerade Schumann. Die Sachverständigen, sämtlich Kapazitäten aus psychiatrischem Gebiete, haben erklärt, daß der 8 01 keine An- Wendung findeil könne. Nim hat man allgemein nach dem Motiv gesucht, welches den Anaeklagtc» zu diesen lCKassen verbrechen veranlaßt laben könnte. Es ist sehr häufig, dajz die Motive eines Verbrechens sehr versteckt liegen und erst nach Jahren zur Ent- deckung kommen. Motive des Angeklagten sind nach meiner'An- ficht: Ilngezähmte Geschlechtsgier und Grausam- k e i t. Ter Angeklagte bat in allen Fällen des Mordes mit kalter und planmäßiger Ueberlegung gehandelt, die der Grcrusamleit und Gcfiihlslosigkeit seines Charakters entspricht. Es konnte sich nun fragen, ab er auch, in den Einzelsällen der Mord- versuche mit Ueberlegung gebändelt' hat. Sie werden, so schließt der Staatsauwali, keinen Zweifel daran haben, auch in diesen Fällen die Ueberlegung zu bejahen, und daß auch in diesen Fällen Gejjchlechtslujt, die Sucht, unbequeme Männer zu beseitigen und Rachsucht das treibende Motiv gewesen ist. Ich bcautroge die Freisprechung des Angeklagten in 1« Fällen aber die Bejahung der Schuldfraaen in den übrigen Fällen. Es folgt das' Plädoyer des Verteidigers Rechts- anivalt Tr. Frey: Die Straftatettz welche der Angeklagte verübt haben lall, fallen in eine sehr aufgeregte Zeit hinein. Als Begleiterscheimmg dieser Zeit setzte cüie ungeheure Steigerung der Krimi- nalität ein. Ich bitte«oie dringend, den Angeklagten nicht als den mit dem Polizeistempcl„M a s s e n m irr de r" versehenen Schuldigen, sondern als da?, was er vorläusig immer, noch ist. nämlich als den U n t e r s u ch u n g s g e f a n g e n e n Friednch Schumann zu betrachten. Nur so ist eine objektive und durch keinerlei Suggestionswirkung beeinflußte Bewertung der Ergeb- nisse der Bcweisaufnabme möglich, welche zum Teil auch sehr zweifelhafter'Art slnd. So sei im Falle Engel der Tatverdacht nicht bewiesen. Im Falle Nielback müsse man fragen, oo das. was der Angeklagte objektiv getan hat, subjektiv.ein Mord gewesen ist. Zweifellos haben wir es in dem Zlngeklagten mi! einem ausgesprochen'anormalen Menschen zu tun, das geht doch aus den Gntackityn der sämtlichen Sachverständigen bervor, besonders aus t�in des Pros. Dr. Li.epmann. Bei dem Angeklagten ist nickt nur ein Grünkoller vorhanden,'sondern ein A e tt s ch e n kq l l c r, er ist mit Recht ein entartet« Sonderling genannt worden. Man kann bei ihm, wenn er die. Straftaten be- gangen haben sollte, von einem Gipfel der Heminun.gs- losigkeit strecken. In diesem Zusammenhang erörtert der Rechtsanwalt die Frage der Ueberlegung. die er verneint wissen will. Solange der Staatsanwalt den Beweis schuldig blecht, daß der ss 51 absolut ausgeschlossen ist uns da�. dem Angeklaaten seine Schuld o b n e Einschränkung im Sinne des Mordes nachgewiesen ist, solange in dieser Beziehung bei den Geschlöorencn noch Zweifel existieren, kann '* die Schuldfrage nicht bejaht werden. Die Motive des Angeklagten zu seinen Talen seien doch geradezu k i n d l i ch. Man karm angesichts dieser Motive nicht sagen: Der Angeklagte bat das, tbas er getan hat, tun wollen oder hat er es tun müssen. Er hat seine Taten begangen. aus einem aus seinem Innern immer wiederkehrenden, ihn Lehcrr- schcndcm Zwänge, der ihm durch seine Charakterbildung und durch Vererbung dorgeschrieben ist. Er ging nicht darauf ans, zu töten, aber wenn jemand ihm hinderlich in den Weg trat, reagierte er mit der Schußwaffe. - R.-A. Dr. Frey kommt nach längeren psychologischen Betrachtungen zu dem Schluß, daß, selbst' wenn er ohne weiteres unterstellt, daß alle Jitdizievbewcise gogiiittt sind, alle Geständnisse des'Angeklagten richtig sind, doch starke Zweifel übrig bleiben, ob er bei seinem Tun mit Ueberlegung gebändelt hat. Es handelt sich um Taten, die sich aus dem Charakter und der Veranlagung dieses Mannes ergeben haben. Geh. Rot Dr. Leppmann hat bei seinem Gutachten u. a. auch dos Wort geprägt: Der Angeklagte bgbe con timorc(mit Liebe) getötet. A der wer das fertig bringt,»an nmare zu töten, ist entweder ein Verrückter oder ein Tier. Der Angeklagte verdient einen?l rzk für sein zukünftiges Leben, aber nicht den Henker. Er hat ans innerem Drang, aus starkem, chemmungsloseiit Trieb, aus seiner U rnatur gehandelt, abar nickt mit Ueberlegung. Bei dieser Sachlage müsseu die Ge- schworenen zu einem dlon Iiguet kommen. Die Zahl der den Geschworenen vorzillegenden Schuld- fragen vermehrt sich infolge der vom R.-A. Frey beani-ragten Einfügung der Fragen nach mildernden Umständen da, wo sie zu- lässig sind, a u f 3 1. Der Angeklagte verzichtet auf ein S ch l n ß lv y r t. Es folgte eine längere R c ch t s b c I e h r u n g durch den Vorsitzendeit Landgcrichtsdirektor P i o l c t t!. * Ten oben bereits mitgeteilten Spruch der Geschworenen nahm der Angeklagte lächelnd entgegen. Er erklärte, nichts mehr zu sagen» zu haben und ließ sich nach der Verkündung des Urteils ruhig abführe bsuhrsn. .v.-vrJBCTnera Dr. med. Holländer, I Speziatarzt für Kaut», Frauen» und Btasenleidcn l ohne Quecksilber, ohne Beruisstörung, Blutuntersuchung. Aufkl. Broschüre Nr. 10. diskret verschlossen Mk. 2,50 j Berlin W 8, Leipziger Straße 108 II. Täglich ll-l, 5-7, Sonntags II— I. 187/1» von Haut-. Harn- und Unterleibaleiden, ohne Berufsstörung. Aufklärende, belehrende Broschüre für 1 Jlk. portofrei in verschlossenem Umschlag ohne Aufdruck durch Spezialarzt Dr. med. Dammann, Berlin II, Potsdamer Straße 123 B. Sprechzeit: 9—11, 2—4. Sonntags 10—11, m. 4,65 Die IOO-(Bcomm.Safcl HL 2,60 die BO-tSramm-Safci in Cugtispatfaug BT. 5,50 bic 100.®ramm-JnfeI Bl, 2,05 bit öO-törmmn-Sa-el G. Wechselmaun Berlin W. 9, Linkstraße 20, Hof links I. gerr.fpn; Nolleuborf 879. Telegtammabr.: Siialimenta Berlin. reisherabseizim< laditn-Amtys echt�uglische Sloffe, beste Pa�s- 4 OHA m foriu, von 1050.— herabgesetzt auf a Jßdl€ll-SllZ®�€ mod u:tUre?toffs 1100.- ISO.- Ioürisl.-iUi2u�c»:690. von 1400.—• auf von 1150.— auf erstklassig. 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KomSdienhans 8: D.Reise In die Mädchenzeit. Berliner Theater VjSUhr: Der letzte Walzer Die Tribüne s uhr: Bunbnry. Frledr.-WilJhelmst.Th. 7Vi uhr; Marzipan. Kleines Theater. uifr: Die Piarrtianskomöiiie Komische Oper Uhr: Die Frau im Dunkeln. Imstspielliau. 7Jh'r Der ungetreue ückeliart ffletropol-Thoatcr. ü.\ Im weißen BSss'i Neues Ccntral.Theater uv! Die Dante Im Frack. Nenos Operetten hau« uv?!latiiral.-Ptiantast.Ballelt Vene. Volksthcater uhr: Die 3 Zwillinge Thalia-Theater u/! Hoheit die Tänzerin. Th.am3>olIcn Cafb tltonlilil Lranienftrafte 53=54 Goftspie"..... Hermann Krause 2 Senbors 4 Stephans unb das große Variets« Programm i I Somraertli. GROSS-ßEfiCIir (Kllems) Hasenheide 15. Bis Donnerstag: Krone und Fessel. Ab"Freitag 8 Uhr: Prinz und Bettlerin. Schwesterstück von Krone und Fessel. j�sS�U�neuei�Speziallt. Volksbühne Theater am Bülowplatz. 3 Uhr: Die Fledermaus. 'v. uhr: Binder Martin Lessing-Tlieater. Sommer Hplelzttlt Allabendlich 8 Uhr: LepliEtesMii 'n D.Glas d. Jungfrau Deotseties Kiinstler-Tiiealcr Allabendlich 7 � Uhr. Die bessere Hälfte mit Max Adalbert. Rose-Theater. 7", Uhr Ein Walzertranm. Admirais-Palast VI, U Flirt in St. Moritz. toter Foiies Caprice Friedrich-, Ecke Liniensir 7'/, Uhr Fümmer-Klärchen Musikalischer Schwank Winter- Galten Täglich 7.'S Uhr: Variete-Spielplan Raucben gestattet! Theater nm Koiibuser Tor. Iii!a-Sänger TätrÜch 1% Uhr. LOr tS- Gastspiel(LÖriginnl- CZS> Leipziger Y?m3 Frttz-Webcr- Sänger. Vorrarksot ll-iu. n. t-fl Dhr APOLLO i'/a Theater T'/.l | Direkt. James Klein, f Juli 1920 Neue iNatural lebende Kunstwerke iMauß tollkühne! I TODESFAHRT I 2 Aeglrs | am Meeresgrund.| Mary ZIMMERMANN 1 v. Dtsch. Opernhaus 1 in Ihren Tänzen f u. weitere Sensation iieici]sliali.-Tiieater Täglich 7'/, Übt: Steil. Sänger. Varietd Ddnhoif-Bretti. Garten n. Saal. Auf, fi'/j, 6onnl s /"Weue Weltl� Arnold Scholl DOF- Hasenheide>08/11« Heute Mittwoch, I«. Juli: 2.en. und SrSnler- Suren und Bäder, Sanecfiofffucen, homöo- pulhlsche u. mechana-fherapentlsche Behandlung.— nachweisbar gute n. dauernde Heilerfolg» bei särnflfchen»ranfhelfen. inneren und äufferen. speziell chronischen, z. B. Lungen-, ynl».. yerz., Mngeu., Darm-, Leberleidea: Nernea schwäche, aeraSsea Sapsschmerzen. allgemeiner Neroostläl. allgemeiner nerndser Abtpannnng, Ischias, Sicht. Rhenmafismus: fämflichen Ausschlagen. Alechlen, Munden; s Lähmungen, sowie Kinderlähmung; Stoff- wechselt raniheifen, Zuckerfranfheif usw.— Freiwillige briesifche nnd mllndliche Auer- kennungen früher behandelter und geheilter l patieufen, die angaben, vor der Behandlung in unserer Anstalt nnberweifig ahne Erfolg de- handelt worden zu sein: L Frau AI. Richter, Ber» i lin-Moadif, Waldsfraße 83. Lnngenleiden, vluf- atmnl, Reruenschwäche geheilt.— 2. Herr Se-] arg yefurich. vanmschnlenweg, Baumschule», i siraffe 2S,>1. Ltütgealeiden geheilt.— 3. Frau E. vldborn, Eöpeuilf, Auauste-Bittoriastraffe 24. herz-, Leder- n. Alerenlelden wiederholt ge- desier«.— 4. Herr S. Easle, Zlesiuur., Ehar- lotkeubnrg, Huttenstr. 12. Ehronischer Mittel- ahrfetarrh gehelll.— 5. Frau Sränberg. Mel- hensee, Lindenallee 3. Bon schwerem Sfffhma defreif.— K. Frau m. Zaff», Berlin, Nollendors. straffe W. I. Rhenmalismus geheilt.— 7. Herr S. Ehrhardt, Gm-Lichlerfelde, Nlngstraffe 52a. Ehronische» ysiflgeleatieiben miederhalt»e- folgreich behandelt.— 8. Frau E. hobarff, Berlin, Lolbcrgkr Slr. 28/29 ZIerveu- n. Suochen- l hautenlzllndüng gehellt.— 9. Fcou ZZreutz, 'ow, Damerowstr. 54. Lungenbluleu in vier — lu. Frau E. herz-, Eiternde *-■ P Tagen vollständig geheilt, mhnn, SchSneberg. Feurigstraffe 61. Eifern Ziftel nach Blinddarinopera!lon geheilt. 11. Herr E. Ritler, Artedenait, Sponholzitraffe Bon Sniegeleafleiden geheilt.— 12. F A. Rnhcmoser, Berlin, Breslauer Str. L tili IS jähriges Herzleiden geheilt.— 13. Herr| M. lUllhaer, Seinitfenbotf-Meff. Antonirnftr. 3. »leternerelternng geheilt.—'14 Frau H. Hagel, Sachfenhanfen bet Oranienburg i. Marl Unlerl.- vluwngen u. Rernenlelden gehellt.— 15. Frau Ww. Zritschler, Berlin, Marienburger Straffe 48. varmgefchwulst gehellt.— 16. Frau des Herrn Insvekioi« O. Heinrich, Berlin-?riedrichs selbe, Magerniehhof. Bon Seb.-«nickung geheilt. — 17. Herr Erich Sock, Berlin, Haveiberger Sfr. 15. Bon liieren- nnd Blasenleiden, Wassersucht. ollgem. grofier Schwäche geheilt.— 18 Frau Restaur. Hering, Berlin. Schönhauser Allee 87. Bon Basedowscher Kcantheit geheilt.— 19. Frau E. Bopp, Berltn-Lichtenderg, GärMerstr. 10. Bon chrou. Leiden, Herzschwäche und Verstopfung Seheilt.— 2 i. Herr S». Schladitz, Berlin, Eaprim- raffe 24. Bon Gesichtslapn» geheilt; vorher mit Radium erfolglos behandelt.— 21, Herr H. Hell- wlg. v.-Borsigwalde, Emststr. 25. Von Magen-| geschwulst, Verstopfung und Aeroenschwäche: geheilt.— 22 Herr Milchhändler Eckert, Berlin, Greisenhagener Straffe 2«. Bon gichtifch-rhenma- tischen Schmerzen in Bein und Fuffaelenk ge- hellt.— 23. Herr Gastwirt E. Michaelis, Ehar- laNendnrg, Wallftr. 87. Bon chronischem Leber- leiden nnd Gelbsncht geheilt.— 24. Frau M. «norr. Berlin-Lichtenderg, Schamweberstr. 62. Bon Herzschwäche. Leberonschwellnng gehellt.— 25. Sohn Paul de- Weichensteller» Herrn Wilhelm yaffner. Berlin-Westend Beamtenhau». Von schwerem Beinleiden gehellt. Bern sollte ab- genommen werben. OtF" Briefliche Original. Anertenulivgen von nn» geheilter Patienten stehen im Wartezimmer der Anstalt ans Wunsch zur Einsicht!— Getrennte Bchandlnngsräume für Damen und Herren!— Sprech- und Behandlungszeit: 8—1, 4— 7Vs vhr, Sonntag und Feiertag: 9—1 Uhr.» yeiianftaltsbcsiher Profeffor R. Mistelsk� approbiert im Analand »epltn SO 16, Br6ck«»n»tpaUe 10b am Bahnhof JannowltzbrCcke Stellenangebote GrLßere» Rittergut in der Marl sucht 786® l Meegen XifdilBiu. letraßtenen Weimer der Polster- und Tapezier-Ar- beiten versteht, möglichst vom Lande. 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Juni empfingen nach den Berichten der Temobil- machung s?mn misfion im Temschen Reich W9KS3 Personen Er- wsrbSlosenunterstützung, davon warxn 221 123 männliche und 67 935 weibliche UnterstiitznngZempsängcr.?a?u traten noch 271 116 .Zuschlagsempkänger, d. ü. Familienangehörige erwerbsloser Ar- beiter, sür die Unterstützung bezogen wurde. Tie Zunahme der Arbeitslosigkeit gegenüber früheren Monaten geht aus folgender Tabelle hervor: Es waren in Teutschland Haupt unter st ützungs- Zuschlags- cmpfänger emvsängcr lErwerbsloie)(Familien- �Stichtag... augehorigej � mannl. wcibl. zu>. 15. 1. 20.. 310 773 106 887 417 660 379 071 1.2.20.. 321 101 97 303 412 404 392 321 15. 2. 20.. 362 639 91 761 191 100 368 00.0 1. 3. 20.. 286 221 82635 368 859 319 932 15. 3. 20.. 271626 75 096 316 722 332 503 1.4. 20.. 257 186 70 669 327 855 306 475 15. 4. 20.. 242 973 56 536 309 509 293 008 1.5. 20.. 228 573 63 753 292 326 273 490 15. 5. 20.. 212 903 68 031 272 939 257 626 1.6.20.. 209 407 62 554 271961 254159 15.6.20.. 221 123 67 935 289 658 271146 Die günstige Entwicklung, welche der Beschäftigungsgrad b's zum 1. Juni zeigte, ist also un.er den Einwirkungen der Wirtschaft- lichen Krise unterbrocken. Die Zunahme der Arbeitslosigkeit, die schon in den Kundgebungen der Erwerbslosen und in einer Interpellation im Reichstag chren Ausdruck gesunden bat, tritt jedoch in diesen Zahlen noch nicht zutage. Hat doch die Zabl der Hauptunterstützungsempiänger nur um annähernd 17 000, das sind rund 6 Proz., zugenommen, während andererseits eine grvsze Zahl von Betrieben mit verkürzter Arbeit;-cit arbeitet. Tos brachte der erwerbstätigen Bevölkerung Lobnaussälle, welche die Kauskraft des Volkes ganz bedeutend schwächten, ohne zissermnähsg in der Statistik des Arbeiismarkies zum Vor' che in zu kommen. In den einzelnen Ländern''kellte sich die Arbeitslosigkeit am 15. Juni folgendermaßen dar; Hauptunter st ützungS» Zuschlag?- e m p s ä n g e r emvsängcr ; Erwerbslose) Emilie"- (Hebict angebonge)■ ®eötct männl. wcibl.. zui. Vreußen.... 97473 22226 119699 116 189 Bavern..... 25 806 7 722 33 526 32 013 Sachsen..... 47 514 27 767 75 281 70 509 Württemberg... 3 909 1 482 5 480— Baden..... 3 697 1 043 9 740 4 458 Hessen..... 3 606 480 4 086 4 973 Mecklenburg-Schw.. 699 143 847 510 Mecklenburq-Strel.. 83— 83 47 Tbüring. Staaten. 6 14? 2 378 8 520 8�05 Oldenburg,.. 892 59 951 1*86 Braunschweig... 777 161 938 754 rtnbalt..... 4.8 2 50 43 Wolbeck..... 12- 12 11 Schaumburg-Lippe. 33— 33 51 Lippe...... 5— 5— Hamburg.... 22 742 4 323 26 965 28 013 Bremen..... 1748 202 1 950 2242 Lübeck..... 848 42 890 942 Teulichcs Reich.. 221 123 67 935 289 058 271 146 Die für Erwerbslosenunierstützung im ganzen Reiche ausge- wvrsenen Beträge beleuchtet folgende Tabelle. Es wurden aus- gezahlt: Stichtag In Mark' 15. 1. 20....... 24 431591 1. 2. 20....... 29 291 373 15.2.20....... 28 602 177 1.3.20....... 29 031 531 15.3.20....... 29 150 266 . 1. 4. 20....... 32 343 987 15. 4. 20....... 27 756 163 1.5.20....... 26 291 021 15. 5. 20....... 23 634159 1. 6 21....... 28 049 196 15. 6. 20....... 27 488 790*) *) Für Württemberg liegen Angaben über UntersiützmigsbcträZe nicht vor. Am 15. Juni 1920 verteilte sich die. Erwcrbsloscnunterstützung aus die einzelnen Länder lalgenderinaßen; Gebier Mark Prutzen 11933071 Bayern........ 9 231314 Sachsen........ 7 034 403 Württemberg......(rc&IO Baden........ 799 136 Hessen........ 322 390 Mecklenburg-Schwerin... 52 448 Menleiiburg-Sircliy... 4 200 Tbüringiichc Staaien... 678 633 Oldenburg....... 71 033 Braunichweig...... 54 362 Anbolt........ 2 796 Waldeck........ 721 Schouinburg-Lippe.... 2419 L'ppe......... lW Hamburg....... 3 004 �43 Bremen und Bremerhaven. 210.776 Lübeck........_«'098 Icutfdjc» Reich..... 27 488 700 Um tDUno. eHttgrcifcn der Litauer gegen??oscn. Komnn, 13. Juli, l Litauische Tclegr.-Ageniur.) Meldung des litauischen cneralstabe? vom 12. Jui.; e eile der litauischen Armee Häven Kaldmiiat s?> nnd Janiekiai l,canischki) besetzt. Litauische Truppen rückten längs des Dubinka-Sces(?) vor. Vorhuten nähern sich Swenzjanh. Kowiiv, 13. Juli. lLitauiiche Tclegr.-Agentur.) Die Bolsche- wisten stehen im Räume zwischen Swenzjanh und Wilna. Tie Pelen sind dein Anschein nach zum äußersten W i d e r st a n d entschlossen, obwohl di' Lage in W i l n a durch den Fall von Minsk. Molodetschno und Wileika nnh-iltbo� geworten ist. Die Bevölkerung wünscht die l; l a u i s ck c u �ruppen herbei. Diese stehen wenige Kilometer nordwestlich entlang der Bahnlinie Dünaburg— Wilna.(Ler der Bewertung der Nachricht ist die offenlÄO tendenziös färbende litaiiische Quelle zu bcgchten. Die Red.) Kopenhagen, 13. Juli. Wie„Bcrfiitgsfc Ttdendc" aus Kowno meldet, traf dort aus Moskau die Meldung ein, daß der Frieden zwischen Litauen und Sowjetrustland am letzten Montags u n l c r- zeichnet werden sollte. Kabinettsbildung in Ungarn. Nack dem Rücktritt de? bis- herrgen Äubrnetts Simony-Sem rdam bat nunmebr der Reichs- Verweser Horthy den Grasen Dethlen mit der Ausgab« betraut, ein neues Kabinett zu bilden. Deutfihlanös Ernährungsnot. Svs, 1?,. Juli. Ter ReichSministcr kür Ernährung und' Landwirtschaft hat durch die deutsche Tclegation der Konferenz in■ Spa nachstehendes Expose über dic Ernährungslage' Deutschlands unterbreitet:', Ministerpräsident Millcrand hat die Bereitwilligkeit der alliier- � tcn Mächte zum Ausdruck gebrocht, mn Deutschland eine S-rctn- lärmig über dic Lieferung von Lebensmitteln zu� kreisen, um dic Not der deutschen Bevölkerung>u lindern. Das j deutsche Volk ist für diese Bereitw'lligkcit' aufrichtig dankbar. Wie groß diese Not ist und wie dringend wir der baldigen Hilfe' bedürfen, bitte ich mit einigen wenigen Zisfern begründen zu dürfen: Tie großen Ernäbrungsschtvierigkeiten Deutschlands, die gerade in den letzten Monatcu einen äiisierst bedrohlichen Eharatter an- genommen laben, rühren her 1. von dem starken Rückgang Ire• landwirtschaftlichen Produktion ivärend des Krieges und noch in der Nachkriegszeit; 2. von der Unmöglichkeit, die für die Sieigerung j der landwirtschaftlichen Produktion erforderliche!» Betriebs mittel wie Futtermittel. NabphoSPliate usw. in ausreichenden Mengen einzuführen; 3. von dem Mangel an Z a h l u n g s-' m i i t e l n für die Deckung des sehlenden Lebensmittelbedarfs durch\ Einfuhr. Jinclge der äußere'. deutlichen Schwierigkeiten während � des Krieges ist die Anbaufläche sür dic wichtigsten Kiilturarien starr zurückgegangen und gleichzeitig der Ertrag der. Flächeneinheit erheblich gesunken. Ter Ernteertrag pro Hektar sank in dem Zeitraum 1913 bis 1919 für Brotgetreide um 21 Proz., für Fittteigetreide um 25 Proz., für Kartcffcln um 34 Proz., sür Zuckerrüben um 30 Proz. Tie Gciamterntcmeng« nch Dcntschland nach den neuen Grenzen verminderte sich in dem Zeit-' räume 191' bis 1919 bei Brotgetreide von rund 13,3 auf 8,5 Mill. Tonnen, bei Kartoffeln von rund 40,3 auf 21,4 Millionen Tonnen und bei Z u�c r r ü b e n von rund 12,0 auf 5,8 Millionen Tonnen. Als besonder» erschwerendes Moment kommt hinzu, daß durch dic Abtretung landwirtschaftlich wertvoller Gebiete, besonders im Osten, für die Ernäbrnngswirtschast Teutschlands sebr erhebliche Wirtschaft- liehe Ueberschüsse verloren gegangen sind. Tiefe llebersckniß- mengen lälten bei Getreide genügt, uin rund 3,8 Millionen Per- sonen mit der beulizen Mehlration, bei Kartoffeln rund 3,4 Mil» lionen Personen mit der Kariosfelration und bei Zucker ruiid 5,6 Bdillüzncn Personen mit der heutigen Zuckerration aus ein Jahr lang zu versorgen. In dein Zeitraum 1913 bis 1919 sank der Bs- stand an R i n d V i e h von rund 18 aus 16,5 Millionen, die Zahl der M i l ch k ü h c von 9,1 auf 7,6 Millionen, die Zahl der Schweine von 18,5 aus 11,5 Millionen, d. b. also um nicht weniger als 41 Proz. Ter Jabresmilckertrag einer Kuh ging von 2700 Liier im Jahre 1913 auf 1200 Liter im Jabre 1919 zurück. Insgesamt ergibt sich in dem Zeitraum von 1913 bis 1919 die gewaltige Verminderung des Gesanvtmilchertrages pro Jabr ivon 24,4 Milliarden Liter ans 9 Mil- Karden Liter. Schließlich sit das Schlachtgewicht bei Rindern, Schweinen und Schaken um 59 bis 30 Proz. gesunken. Als Gesamt» ergebnis verfügt daher die' deutsche Bevölkerung heute über ein wesentlich verringertes Quantum an pflanzlichen und tierischen Lebensmitteln heimischer Erzeugung. Teutschland ist i daher gezwungen, die im Krieg eingeführte Rationierung noch> für eine Reihe der wichtigsten Lebensmittel kortzufübren.., Tic Ra- � tienen müssen aber so knapv bemessen werden, daß sieh nur etwa die.Hälfte de? täglichen Kalorienmjndestbedarfes eines erwachsenen Menschen decken. Ta Deutschland bis heute noch nicht in die Lage versetzt worden ist, die. fehlenden Lebensmittel in dem erforderlichen Umfange aus dem Auslände einzuführen, so er- gibt sich die trrnrige Tatsache, daß die deutsche Bevölkerung sich noch in einem Zustand stärker Unterernährung befindet/die weitcrl bin ihre erschreckenden Opfer fordert. Tie Zahl der Lebend- geborenen in 335 Orten mit rund 25 Millionen Eimvohnern betrug im Jabre 1919 nach dem vorliegenden amtlichen Material 459 758 gegen 633 815 im Jabre 1913. In Preußen starben von Kindern im Alter von 1 bis 5 Jahren im Jahre 1914: 52 924. im Jahre 1918: 67 369, obwohl die Geburtenziffer während der Kriegssabre sich um etiva 40 Proz. verringert balle. In Mecklenburg- Schwerin, einem Agrarstaat, betragen dieselben Ziffern im Jabre 1914: 544, im Jahre 1918: 1040. Von.Kindern im Aller von 5 bis 15 Jabsten starben in Preusten im Jabre 1914 25 730. ini Jahre 191.8 50 3.91, in Mecklenburg-Schwerin im Jahre 1914 360 und im Jabre 1918 819. Diese erschütternde Vermehrung der Sterblichkeit der i»i schulpflichtigen Alter stehenden Kinder ist ganz zweifellos dem M an gel a n M i l ch und anderen eiwe'ß- 'und fetthaltigen Nährunasmitieln zur Last zu legen. Tic Besse- rung unserer Milchproduktion wird aber durch die Milchvieh- abgäbe an Frankreich und Belgien gehemmt. In den oben er- wähnten 365 Berichtsorten mit einer Bevölkerung von 24 300000 Eiwvobnern starben 1913 von je 10 000 15,7 an Tuberkulose, 1919 27,1, das beißt 11,4 mehr. Wie io einerseits das heranwachsende Geschlecht in seiner Jugendirast verwüstet wird, so gestattet andererseits der Zustand der chronischen Überernährung der erwachsenen Bevölkerung nicht, ihre volle Arbeitsfähigkeit wieder zu erlangen. Die Folge ist die Unmöglichkeit, die gegenwärtigen durchaus im- zure'chenden Leistungen in Industrie und Bergbau zu steigern. Gc- rade. ans den Bcrgarbeitcrkreisen häufen sich in der letzten Zeit die Klagen über die durchaus unzureichende Ernährung, besonders auch deswegen, weil wir z. B. gezwungen waren, �dem Bratmebl bis zu 80 Proz. S t reck ungsmitkel beizufügen. Dieser Zustastd muß bei aller Bereitwilligkeit der Arbeiter zur' Arbeitsleistung infolge vhbssschcr Unmöglichkeit zu einem neuerlichen Sinken der Kohlrnkördernng iübren. Hierzu kommt, daß die schwierige Lage, in der sich auaen- blickl'ch die deutsche Industrie befindet, es einem wachsenden Teil der Bevölkerung Unmöglich macht, die auf Karten ausgeaebene-n Lebensmittel sämtlich abzunehmen, da der' Preis die Kauf- kraft der Bevölkerung übersteigt, abwobl das Reich ein-n Teil der Lebensmittel vcrbilliat. Tie augenblicklich ausge- göbenen Wochen ratiernen kommen auf 101,04 M. zu sieben, wäh- rend sie vor sechs Jabren 7,77 M. kosteten. Eine Berbilligung in höherem Malze ist mit dem Stand der deutschen Finanzen nicht vereinbar.' T e L.aac ist beute nnterernährt ist und di' tatsächlich so. daß ihr dargereichten die Bevölkerung stark Rationen durchaus unzureichend sind, daß aber aus der anderen Seite die große Masse des Volkes außerstande ist, sich auch nur diese unzu- reichenden glationen zu kaufen. Tic Möglichfeiit, die deutsche Landwirtschaft wieder zu ihrer früheren Leistungsfähigkeit zurück- zubringen, ist noch sehr-beschränkt, und so ergibt sich für Deutsch- ■'md die unbedingte Notwendigkeit, für die Wiederher- siellung normaler Ernährungsverhältniffe die tatkräftige Hilfe de? Auslandes in Anspruch zu nehmen. Es genll-ch aber nicht, daß das Ausland Deutsch' and größere Mengen von Lebensmitteln zuführt, sondern es mutz dies auch unter Bedingungen geschehen, die es dem deut- schon Volke tatsächlich ermöglichen, die Lebensmittel zu bezahlen. Unter Berücksichtigung aller vorgetragenen Umstände, nämlich der Verminderung der Anbaufläche, der Erntemengen und des Ausfall? der diesjährigen Ernte, beziffert sich der Einfuhrbedarf Deutschlands für das nächste Wirtschaftsjahr auf 2 000 000 Tonnen Brotgetreide, 2 000 000 Tennen Futtergetreide, 750 000 Tonnen Oelsrüchte, 180000 Tonnen Fleisch und Speck, 144000 Tonnen Fett, 506 000 Tonnen Fische, ferner 500 000 Tonnen lliohphosvbat und die zu seiner Ausschließung notwendige'Menge von 350 000 Tonnen Schwefelkies im Gesamtwert von 3 403 600 006 Goldmark. Die be- sriedigende Regelung der Ernährungssrage in Deutschland ist und bleibt die erste und wesentlichste Voraussetzung für den Erfolg aller anderen Maßnähmen zur Hebung der Leiswngs- fähigkeit Deutschlands. Die deutsche Delegation schlägt daher vor, dic Konferenz in Spa wolle beschließen, daß eine Kommission aus Sachverständigen der einzelnen Länder mit größter Beschleunigung zusammentritt, um über die Maßnahmen zur Ver- befscrung der Ernährungslage in Deutschland zu beraten und den auf der Konferenz in Spa vertretenen Mächten dahingehende M konkrete Vorschläge zu unterbreiten. Nur Nalivnngsmittol schaffen Kohlen. Spa, 12. Juli.(SavaS.) Amtlicher Entente-Konse-> renzbericht vom 12. Juli. Die Chefs der alliierten Delega- tionen trafen sich heute mit Fehrenbach und Simons von Zhh bis 5'e Uhr nachmittags. Tie Kohlen- und Reparalions» frage wurden nacheinander erörtert. In der RcparationSfrag« wurde entschieden, daß die Mitglieder der Reparationskontmission mit den Delegierten, die von den alliierten Regierungen bestimmt werben, zusammentreten und gemeinschaftlich mit der deutschen Tclegation und durch die deutsche Regierung bestimmten Sack- verständigen die von den Deutschen vorgeschlagenen Pläne püüsen, um deren Einzelheiten und genaue Tragweäe genau festzustellen. Diese gemischte Kommission wird von morgen an zusammentreten und in möglichst kurzer Zeit der Konferenz Bericht erstatten. In der Kohlensrage haben sick die Chefs der alliierten Delegation und die deutschen Delegierten den Text des Protokolls mitgeteilt, das gestern nach Besprechung mit den Experten ausgesetzt wurde. Vor- schlag« bezüglich der monatlichen Tonnenzahl an Kählenlieferungen sind ergebnislos von beiden Seiten gemacht worden. Es ist erklärt worden,-�datz man nach Lage der Tinge sich an die durch die Re- parationskoimnission festgesetzten Ziffern halte. Die doutsche Delegation teilte jnit, daß sie die Frage noch einmal prüfen und ihre Antwort in der nächsten' Zusammenkunft geben werde. Die Alliierten erklärten spontan, daß sie infolge der.»rtcilten Auskünfte über Unterernährung der Grubenarbeiter geneigt wären, die Frage der Berbessernng ihrer Ernährung zu prüfen, sie bäten die deutsche Delegation, ihnen in dieser Hinsicht praktische Anregungen zu geben. Ein bedauerlicher Zwischenfall. Spa, 13. Juli. sMTB.) Der der deutschen Delegation für die Konserenz in Spa zugeteilte Journalist Stoklossa, Ver- treter von Wolfis Telegraphen-Bureau, ist gestern abend kurz vor Miiternacht auf dem Wege zu seinem Ouartier von einem belgischen Offizier und einem Zivilisten tätlich ange- griffen worden. Der Genannte erhielt mehrere leichte Schläge auf den Rücken ünd einen schweren Schlag auf den Kopf. In Verbindung mit diesem Zwischenfall bat Reichsminister Dr. Simons beute vormittag an den Generalsekretär der Kon- ferenz eine Note gerichtet, in der er die belgische Regierung bittet, ihrerseits den Sachverhalt s c st z u st c l l e n und e n t- sprechende Maßregeln zu ergreifen. Dabei hat er dar- aus hingewiesen, daß der Reichskanzler mit Rücksicht auf die Beunruhigung der öffentlichen Meinung in Teutschland für baldige Erledigung dankbar sein würde. Der General- sckretär der Konferenz hat sofort den Minister des Aeu- ß e r c n in Brüssel berichtet und im voraus sein Bedauern über den Zwischenfall ausgesprochen, der womöglich noch im Laufe des heutigen Tages erledigt werde. 5'..8. Spa, 13. Juli.(Eig. Trahtbericht des„Vorwärts".) Tie Meldung eines Berliner Mittagblattes, wonach auch SlaaiS- sckrciär a. D Ter n bürg überfallen worden sein soll, trifft nicht zu.— Tie Behauptung belgischer Blät'ter, daß der miß- handelte Journalist Eiocklossa die„Wacht am Rhein" gesungen und dadurch dic Bevölkerung provoziert habe, ist völlig aus der Luft' gegriffen. Spa, 13. Juli. Zur Angelegenheit Stocklossa meldet der belgische Polizcibericht, daß ein kriegSbesebädigter Offizier, der scincS Geisteszustandes nicht mehr mächtig(?) gc» Wesen sei, sich, ohne herausgefordert worden zu sein, zu der Miß- Handlung habe hinreißen lassen. Vorbereitung öer JinanzkonfereriZ. Teutschland wird nach Brüssel eingeladen. London, 12. Juli. kReuteiO Bei der beutigen Zusammen- knvft des Bötterbundrates toilbe B a l f o u r mit, daß der Rat den Bericht von Leon Bonrgenis ünd Telairoix, betaefkend die Borbcreitungpn für dic Brüsseler Finanzkonfe» r c n z am 23. Juli zur Kenntnis genommen und Telacroix er- mäckstigt habe. Teutschland zur Teilnahme, einzu- laden, sobald er von den in Spa gefaßten Beschlüssen, betveffeitp. die Festsetzung der Entschädigung und dic Zahlungsmethoden, ver- ständigt worden sei. Oberbefehlshaber gegen die Türkei Haag, 13. Juli. Noch einer Londoner Meldung wird General Allenbb. der sich augenblicklich in Aeghpten befindet, den Q b e r b c i c b l über die alliierten Truppen im Kampf gegen d:e iürk'schrn Rationalisten übernehmen. Tie Engländer, in Bakum. Amsterdam, 13. Juli. Ter„Times" zufolge haben die eng- Eichen Streitkräfte in Stärke von 2000 Mann am 9. Juli B a i u m obne Zwischenfall geräumt und sind crns dem Wege nach Konstanti- nopel.(?) Batum ist von georgischen Truppen besetzt. Bcrlänstcrunst des cnsilisch-javanischen Bündnisses. Amsterdam. 13 Juli...Tailb Mast" zufolge haben die cna- liscke und die siownebe Regierung eine Noie an den Völkerbund gerichtet, in der sie rbn benachrichtigen, baß sie den Bündnisvertrag zwischen beiden Ländern um 1 Jabr verlängert haben. Der Vertrag lauft jetzt automatisch Jahr sür Jahr weiter, des er ge- kündigt wird. Keme Einigung in öer albanischen ßrage. Mailand, den 13. Juli.(T.U.) Die Abmachungen de? italie� nischen Bevollmächtigten Baron A l i o t t i mit der albanischen Regierung in Tirana sollten am Montag in Durazzo unterzeichne! werden. Im letzten Augenblick aber loci- g c r t e n sich die albanischen Delegierten, das Kompromißabkommen zu unterzeichnen. Als Grund dafür wird angenommen, daß darin Italien das Recht eingeräumt wird, den Hasen von Saseno sowie die Provinz Valona und die dem Hafen vorgelagerten Berge zu besetzen. � Dic kommunistische Kinderkrankheit. Wie wir der.Roten Fabne� entnehmen, erscheint demnächst eine neue Schrift von Lenin, welcher der kommunistische Parieivabsi den bezeichnenden Titel gegeben hat: „Ter Radikalismus— eine Klnderkranrheit des Kommunismus." Wie schnell doch die Kommunisten dort reiten, wo die Verantworiung sür die Regierung auf ihnen lastet. Wann erscheint die«chrift: .Der kommunistische Radilalismus— eine Kinderkrankheit des Sozialismus?* GeVerMQjwbewegung Saboteure im Reichsarbeitsmlnisterium! Die ttl» Protestkundgebung der deutschen Industrie gegen dos BetriebSrätegesetz geplante Betriebsstillegung ist»zur- zeit" abgesagt. In dem Brief der Vereinigung der Deutschen Ar. beitgeberverbände heißt es aber weiter: „Im Interesse der Solidarität und der Wirksamkeit müssen wir von unseren Mitgliedern unbedingt verlangen, daß weitere als die gesetzlichen Bestimmungen entsprechende Zugeständnisse, die nach§ 62 an sich denkbar sind, unter keinen Umstän- den gemacht werden. Wir ersuchen deshalb die uns an- geschlossenen Mitgliedsverbände, bei den aufzustellenden Arbeits. Ordnungen und bei den abzuschließenden Tarifverträgen und son- stigen Vereinbarungen mit der Arbeiterschaft über den Rahmen der gesetzlichen Verpflichtungen unbedingt nicht hinaus- zugehen und die gleiche Verpflichtung den ihnen angeschlos- senen Verbänden und Firmen aufzuerlegen." Im Reichsarbeitsministerium scheinen Leute zu sitzen, die deS Glaubens sind, sich dieser Aufforderung ebenfalls fügen zu müssen. Vor einigen Tagen wurde der für die Kleinbahner abgeschlossene Tarifvertrag für verbindlich erklärt. Drei Paragraphen wurden jedoch von der VerbindlichkeitSerklärung ausgeschlossen. Der Z 10 des Tarifs verpflichtet die Unternehmer, ihre Arbeitskräfte durch den paritätischen Arbeitsnachweis zu beziehen. ES ist bedauerlich, daß das Reichsarbeitsministerium keinen Kommentar zur Verbind- lichkeitSerklärung gibt, dann hätte die Welt doch wenigstens er- fahren wieso und warum. Der zweite Absatz des 8 10 lautet: „Neueingestellte haben innerhalb drei Wochen den Nachweis zu erbringen, daß sie einer gewerkschaftlichen Organisation an- gehören. Der Mangel des Nachweises' ist Grund zu fristloser Entlassung." Hier könnte das Reichsarbeitsministerium allenfalls einhaken. Nach Z 81 des Betriebsrätegesetzes müssen die Richtlinien für die Einstellung die Bestimmung enthalten, daß die Nichtzu- geHörigkeit zu einem beruflichen Verein kein Hindernis für den Eintritt eines Arbeitsuchenden sein darf. Allerdings. wird in dem Tarif dem unorganisierten Arbeiter kein Hindernis bereitet, aber nach drei Wochen soll er sich einer Organisation angeschlossen haben. Wollten wir Haarspalterei treiben, könnten wir dem Reichsarbeits- Ministerium den Wortlaut des Tarifs entgegenhalten. Aber es kommt nicht darauf an; das Gesetz hat jeden zu schützen und die Arbeiter machen es jedem klar, daß dre Konjunktur für Gelbe und Blaue vorüber ist. Zwischen dem formalrechllichen Eis- gipfel des Ministeriums und dem Rechtsgefühl der Arbeiter, die nicht wollen, daß jemand erntet, ohne bei der AuSsaat zu helfen, klafft ein unüberbrückbarer Abgrund. Wir können die Verbindlich- keitserklärung dieser Bsstimtnnng preisgeben, weil der zweite Satz des Absatzes die Entlassung der Neueingestellten, die sich nicht bin- nen dreier Wochen organisiert haben, fordert. Nach§ 84 Ziffer 1 BRG. darf aber eine Entlassung aus diesem Grunde nicht erfolgen. Auf gleichem Gebiet liegt es noch, wenn das ReichSarbeitSministe- rium auch die im Tarif enthaltene Bestimmung, die dem Ausschuß das Recht gibt, die Belegschaft auf ihre gewerkschaftliche Zugehörig- keit zu kontrollieren, auf den Index setzt. Unbegreiflich ist uns aber, wie das Reichsarbeitsministerium dazu kommt, nicht nur den 8 10 Abs. 2 und 8 14 Abs. 7 von der Verbindlichkeitserklärung auszuschließen, sondern gleich die ganzen Paragraphen. Welchen Sinn hat es denn für den Wirtschasts- frieden, wenn die nicht vom Tarif erfaßten Betriebe, ihre Neuein- zustellenden nicht vom paritätischen Arbeitsnachweis beziehen? Das häuft nur Konfliktstoff, denn die Arbeiter und Angestellten werden doch dieser Willkür heute nicht mehr mit verschränkten Armen zu- schauen. Noch schlimmer ist die Ausschaltung deS 8 14 der Tarif- bestimmungen, denn dieser Paragraph umschreibt den WirlungZ» kreis der Ausschüsse und enthält ihre Richtlinien. Mft Ausnahme des oben erwäknten Absatzes 7 gibt eS an diesen Abmachungen nicht? zu mäkeln. Es sei denn, das Reichsarbeitsministerium stoße sich daran, daß die Rechte der Ausschüsse hier und da über die im BetriebSrätegesetz vorgesehenen Rechte der Betriebsvertretung hin- ausgehen. Aber sowohl in der Begründung des Gesetzes wie in der Kommission gab die Regierung die Erklärung ab, daß das Betriebs- rätegesetz nur Mindest recht« vorschreibe, die durch Vereinbarun. gen überboten werden könnten, und sämtliche Kommisfionsmit- glieder schlössen sich dieser Erklärung an Aber waS hat alles daS zu sagen. Das ReichSarbeitSministerium schließt alle Tarifpositionen, di« den Arbeitern und An- gestellten mehr Recht« zubilligen als ihnen nach dem BetriebSrätegesetz zustehen, von der Per- bindlichkeitSerklärung aus. Ebenso unbegreiflich ist die Ausschließung deS dritten Para- «raphen._ Der§ 26 des Tarifs gibt jedem Angestellten daS Recht. Einsicht in die ihn betreffenden Personalakten zu nehmen. Es lag im Zuge der Zeit, daß diese skandalöse Geheimwirtschaft endlich durchbrochen wurde und die beteiligten Organisationen sind stolz auf �diesen Erfolg. Aber die GeheimratSwirtschast im Reichs., arbeitsmini sterium will vom Zuge der Zeit nichts wissen und so verurteilt sie wenigstens die Kleinbahner in den nicht vom Tarif erfaßten Betrieben unter diesem schmählichen System weiter zu seufzen. Glücklicherweise stehen den jahrelang geknechteten Kleinbahnern starke Organisationen zur Seit«, die gar nicht daran denken, vor einem Stirnrunzeln der Geheimräte zurückzuweichen. Sie werden allen Berufungen aus das Reichsarbeitsministerium ihren Willen entgegensetzen. Sollte es darüber zu Auseinandersetzungen kom- men, dagn bat das Reichsarbeitsministerium wenigstens daS Ver- dienst und Bewußtsein, den WirtschaftSsvieden gestört zu haben, während es in Wirklichkeit den WirtschaftsfriSden fördern soll. _ Karl Lindow. ?um Elektrtzitätsstreik Golpa-öitterfelü-Zfchornewitz. Vom Betriebsrat der St. E. W., Schiffbauerdamm 22, erhalten wir folgende Zuswrift: Im Anschluß an unsere Miiteilungen vom 8. d. M. halten wir eS für unsere Pflicht, die Oeffentlichkeit und besonder« die Werk« tätige Bevölkerung auf die drohende Gtromeinichränkung, die eine Massenbetriebsschließung in Gefahr haben müßte, aufmerksam zu machen. Seit fast einer Woche stehen die Grubenarbeiter des Braun« kohlenrevierS Golpa und jetzt auch die Arbeitnehmer des Elektro» werke« Zschornewitz, welche« Berlin mit Fernstrom versorgt, im Lohnkamps. Die Ärbeitnebmerschaft der St. E. W., die mit fast Übermensch- licker Kraft den ausfallenden Strom von Zichornewih durch eigene Erzeugung weftgemaibt hat, ist jedoch am Ende ihrer Kraft und bei einer Solidaritatsaufforderung der Zschornewitz« Kollegen nicht Willens, Streikarbeit zu verriöbten. Auf Veranlassung des Betriebsrates der St. E. W. ist heute in Gemeinschaft mit dem Verband der Maschinisten und Heizer und dem Vorfitzenden der Berliner Gewerkschaftskommiision, Kollegen Sabbat, das Reichsarbeitsministerium aufgefordert worden, als Schlichtungsinstanz den Arbeitgeberverband der Braunkohlenreviere an den Verhanolungstisch zu bringen, um so die drohende Gefahr für Berlin abzuwenden. Die Betriebsräte der St. E. W. glauben somit alles getan zu baben, um das Gemeininteresse der Berliner Bevölkerung zu schützen, und müssen nunmehr die Verantwortung für das Nicht- zustandekommen der Verhandlungen dem Arbeitgeberverband und dem Reichsarbeitsministerium überlassen. Die orgaii'sierle Arbeitnehinerichaft, Arberter und Angestellte bitten wir, für die Verbreitung der Zeilen Sorge zu tragen und allen reaktionären Nachrichten von kommunistischen Pulschen usw. entgegenzutreten._ Generalversammlung üer Metallarbeiter. In der Fortsetzung der am 28. Juni venagten Generalverl'amm- lung der Melallarbeiter. Verwaltungsstelle Berlin» am Montag, den 12. Juli, in den Sophiensälen, gab Rusch zunächst bekannt, daß es der Orteverwaltung nicht möglich sei, dem in der letzten General» Versammlung von den Delegierten gefaßten Beschluß, eine Aus- spräche in der Angelegenheit Hauplvorstand, Dißmann und R. Müller vor der Generalversammlung herbeizuführen, nachkommen zu können. E«>'ei noch nicht einmal die Aussprache� in der mittleren Verwaltung zu Ende geführt, da immer nur einer der Beteiligten zur Stelle war. Dißmann sei zurzeit im Saar- gebiet, wo der große Streik der Metallarbeiter ausgebrochen ist. Wenn sich die Gelegenheit biete, soll dem Beschluß entsprochen weiden. Dem stimnne die Versammlung zu. Den Antrag des 20. Bezirks betreffend Vertrauensmänner- konferenz, Anstellung von ständigen BeitragSsammlern, lehnte die Generalversammlung nach lebhafter Diskussion mit großer Mehrheit ab. Den Antrag der Vertrauensleute der B. M. A.-G., Schwarz- kopff, Wildau, betreffs Gründung einer Branche für ungelernte Ar- beiter, überwies die Versammlung der Verwaliung als Material. Ein Antrag der Arbeitsloien, für die Generalversammlung den Delegierten der Arbeitslosen eine Entschädigung von 3 M. zu zahlen, wurde angenommen. Ebenso die monatlichen Entschädigungen der Branchen- und Bezirlsleiter zu erhöhen, und zwar prozentual nach dem Satz der erböhten Entichädigung für Sitzungen der Funktionäre, der von 1 M. auf 3 M. erhöhl worden ist. Als letzter Punkt war ein Vortrag des Koll. Heckert vor- gesehen, über:„Die Ursachen der Wirtschaftskrise und ihre Folgen". Nach lebhafter Diskussion, an der sich H e s s e l b a r t h, Al b r e ch t, Ziska und R. Müller beteiligten, beschloß die General- Versammlung, den Bortrag als Broschüre drucken zu laffen und unter die Mitglieder zu verbreiten. Tie Fensterputzer im Ältreik. In einer am Montag staltgefundenen Vollversammlung der Fensterpiitzer wurde beschlossen, am Dienstag früh in allen Betrieben Berlins in den Sireik zu treten, wenn die Unternehmer sich weigern, den geforderten Lohn von 225 M. zu zablen. Die Arbeitnehmer erklären, daß«S ihnen nicht möglich ist, mit den bisher gezahlren Löhnen auszukommen. Der Schliibtungsau«- schuß, welcher in der Angelegenheit angerufen worden ist. hat den Arbeitern 180 M. zugesprochen, außerdem auch eine Erhöhung der Urlaubszeit zugebilligt. Die Unternehmer haben diesen Schied«» sprach nicht angenommen, versuchen vielmehr, dies«« karge Angebot zunichte zu macheu. Nach einer nochmaligen, ausgiebigen Erörterung der ganzen Angelegenheit erklärten dre Versammelten, daß sie nunmehr ihr«- seitS den Schiedsspruch ablehnen müßten, und entschlossen sich, die Arbeit niederzulegen, bis ihre ursprüngliche Forderung, Zahlung eines Lohnes in Höhe von 225 M. restlos erfüllt ist. Die Slreikenden richten nunmehr an die organisierte Arbeiter- schaft die Bitte, sie in ihrem schweren Kampf zu unterstützen. Jeder Fensterputzer, welcher bei der Arbeit betroffen wird, muß im Besitze eines Ausweise» der Zentral-Streikleitung sein. Kann er einen solchen nicht vorzeigen, ist derselbe al« Streikbrecher zu betrachten._ Die Orgauisationsvertreter bei den Laiengerichten. Der Zentralverband der Angestellten schreibt unS: Tai Berliner Gewerbe- und KaufmannSgericht verfügt über einzelne Kammervorsitzende, die seit ftnem halben Jahre konsequent Ber- suche unternehmen, Organisationsvertreter, sofern sie Angestellte sind, als Prozeßvertreter abzulehnen. Hierbei tun sich besonders die Herren Krause und Neu mann hervor. Der wirkliche Grund dieses Benehmens ,'cheint uns nicht etwa darin zu liegen, daß gesetzliche Bestimmungen der Zulassung entgegenstehen, son- dern vielmehr darin, daß beim Erscheinen eines Ovganisationt- Vertreters es nicht immer nach dem Willen de« Kammervorsttzen. den geht. Es ist dann nicht mehr so leicht. Vergleiche abzuschließen, die immer darauf hinauslaufen, die Interessen der Arbeitnehmer unter die Räder zu bringen.©8 gckt Vorsitzend«, die sich glücklich fühlen, wenn sie möglichit alle Klagen auf dem VergleichSwege«r- ledigen. Daß diese Tendenz hervorragend befolgt wird, weist dte Prozetz-Statistik auf. Jeder Vergleich bedeutet für den Arbeit. nehmer den Verlust ein Festsäle, Kastel-Wilhelm-Slr. 31: Allgemeine Versammlung. Tagesordnung: I.Vortrag. 2. Wahl der Leitung. Die Betriebsrate aller Betriebe müssen ericheinen. OrganstationSauSweiS uns Beiricbsrätetarten legitimieren._ ßricfFoflcn üer Neüaktwn. ged« Nlr den Briefkasten destimmlen Anfrage füge man«inen BnMstaden und«ine Nummer bei. Briefliche Auskunft wird nicht erteilt. Eilige An. fragen irage man in der juristischen Svrechstunde Lindcnstr. 3 I. Kos oai terr» link», vor. Echrstlstück« und LertrSge sind mitzubringen. schriftliche Auskunft wird nicht erteilt. SS. v 100.»Der Müller", Lraan für die gesamte Mühl-n-Jndustrie. Vertag Tei-mer. Cbarlottenslr. 84. Wenden Sie sich doch an den Verband der Brauerei- und Müblenat beiter, Schicklerrtr. 6. BeranN». für den redalt. Teil: Dr. Werner Bester, Charlottenburg: für Anzeiae»' lvh.«locke. Berlin. Verlag: BorwürtS-Berlag G.m.b.H.. Perltn r>ruck: Jol' wirtS-Buchdruckerei u. LerlagSanftalt Paul Singer u. Co., Serliu. Lindenttr. 8. Hicrju 1 Vellage. �ß-nA�rrff Aßtrit-orzM Ai4ttawM