Nr. 555»37�ot>cgcnfl Ausgabe B Nr. 40 BeznqSvreiS: S{tfeliäljü.80.— TOUnjonatUlO,— JIK. fr« ing siaus. corcus laiilbat. Po"' vezu?- Monatlich 10,- Mi» flellnn�syeouiir. UnwrKreu-dand w- .�eutschlanv und Oelterreich IS-JO üu. iür Oos übrige Äusiano bei taglitt. e nmaU Zustellung 2150 ist. Dost'?. stellungen nehmen an Oesterreich. Ungarn, Tfchecho- Elowatei, Dane- mar!.>zollgno..u emdurg, Schweden und. die Schtoea.— Eingetragen in die Post-�eitungs-Vreisliste. Der»Vorwärts� mit der Sonntag»- dcilage„Bol! u. Zeih' ericheint trotten- täglich zweimal. Sonntags und Mon- tag»'inmai. Abend-Ansgake m» Selegramm-yi breff � �Sozialdemokrat Verli«- W* � �r> t-, Nevlitrev VolKsblAtt ( 20 Pfennig� AnzeilicnprciS: Stc achtgclpaltent Nonpareillezeil« kosteiZ,— M., Teuerungszuschlag 50»/» »tUaiae Aazeigan-, da« ie»t- gedruckte Wort 1,— M.(zulässig zwei iettgedruckte Worte!. ledes weitere Wort SO Pfg. Stellengesuche un» Schlafstellenanzeigen das erste Wort S5 Piz„ tedes weitere Won 40 Pig. Wone Uber 15 Buchstaben zählen iiir . zwei Worte. Teuerungszuschlag 50«-� !?amilien-Anzeigen für Abonnenten Zeile 2.— M., poiltilche und gewerkschaftliche Vereins-Anzeigen Z.— Ml. die Zeile ohne Aufschlag. Anzeigen für die nach st e Nummer müssen bis 3 Ahr nachmittags im Hauptgeschäft, Berlin EW KS. Linden- ftrahe 3, abgegeben werden, tbeäffnel oon z Uhr iriih bis ö Uhr abend». Zentralorgan der rozialdemokratifchen partei Deutfcblands Neöaktion und Expedition: EW. SS, �indenste. Z. ft-ernivreetter: Am» Morivpla«, Nr. SV— läl S7. vorwärts-veclag G.m.b. h., EW. SS» Lindenstr. Z. Fernivrecher: Amt Morinvla«, Nr. l17SZ— St. Kohlenvertrag vor öer Unterzeichnung In Berlin war mittags ciu Uhr eine bestimmte Nach- richt über die Entscheidung der deutschen Delegation noch nicht eiugetrosscn. Es sprechen jedoch verschiedene Umstände iür die Annahme, das; die Unterzeichnung unter gleich. zeitiger Rechts Verwahrung gegen dir Ein- marschdrohung ersolgen dürfte. « V.L. Spa, �6. Juli.(Eigener Drahtberickt des„Vor- Worts".) Mit der Antwort der Entente auf unsere Gegen- Vorschläge, die um 10 Uhr aberrds überreicht wurde, hat sich die Situation wesentlich verschlechtert, ob- wohl diese Antwort auf den ersten Blick n-icktt ungünstig erscheint. Eine nähere Prüfung durch die Koblensincinzsach- verständigen, die in einer Sitzung unter dem Vorsitz des Mi» nisters Simons bis Mitternacht andauerte, ergnb, daß die allerschwcrsten Bedenken vorhanden sind, vor allen Tingen. weil wieder die Einmarschdrohung ergeht. Falls wir bis zum l. November fticht 6 Millionen Tonnen geliefert haben, tritt der Ententeeinmarsch ein. Tas könnte nach Ausfassung der Juristen der Delegation und der Unterhändler ohne Gc- nehmigung des Reichstags nicht ersolgen. da es eine Verletzung des Friedensvertrages bedeutet. Nun soll Teutschland entgegen dem Friedensvertrag unterschreiben, daß es dem Einmarsch zustimmt und trotz physischer Unmöglichkeit die Kohlenleistung erfüllen chpolle. 'Das sind dieselben Bedenken, wie bei der Unterschrift- des Entwoffnungsprowkolls, nur in verschärfter Forni. Zlber'es besteht die Aussicht, ähnlich wi� beim letzten Mal, daß ein form euer'Ausgleich gefunden werde, der es.der Te-. legation gestatten würde, zu unterzeichnen, ohne' einen Vor- fassungsbi'uch zu begehen. In der o b e r s ch l e s i s ch e n Frage sind die Zulagen Pflaumenweicher Art.� Welche Befugnisse die gemischte Kam- Mission in D berichleiten und besonders ihr deutsches Mit- gliel) besitzen wird, läßt sich aus dem Text der Antwort nicht ersehen, und uns kommt es vor allem daraus an. statt wie bisher IL Millionen oberichleiischer Kohle 1,5 Millionen Tonnen zu erhalten. Die Abitimmungsfroge wird in der Antwort gar nicht erwähnt, allerdings war in unseren Gegenvorschläge davon nicht direkt die Rede. Die gemischte Untersuchungskommission in Essen zur Prüfung der Wüniche der Bergarbeiter wird zugestanden und erhält sogar außerordentlich weitgehende Be» tugnisse. Deutscherseits werden in ihr Vertrauensmäuner der Arbeiterschaft sitzen, jedenfalls Hue. Sehr bedenklich ist dagegen die Antwort auf Punkt 2. nach welchem die Differenz zwischen Inlands- und Auslands- preis uns in bar bezahlt werden sollte zum Austausch von Lebensmitteln für die Bevölkerung und Förderung der Pro- duktion. Tie Alliierten wollten uns diese Summe, abge- sehen von 5 Goldmark pro Tonne, nur vorschußweise bewilligen, als Teil der internationalen Anleihe, die uns für d:e Anschassung von Lebensmitteln gewährt werden soll. „Erwürgtundbetroge n," so faßte Hugo StinneS die Situation zusammen. Aber auch solche Persönlichkeiten. die bisher im schärfsten Gegensatz zu ihm standen und iiir ein Entgegenkomnicn um jeden Preis waren, erklärten sehr ent- schieden, die Antwort der Alliierten sei sehr ungünstig und die Lage habe sich wesentlich verschlechtert. Die Verteilung üer Kohle. SV«, 15. Juli. Der franzSsische Minister der Sffentlichc« Srbeiten Lp Troqnrt erklärte dem Sonderberichterstatter von Havas, daß er von dem zwischen den Alliierten abgeschlissenen Uebereinkommen bezüglich der Kolilcn sehr befriedigt sei. Frank- reich werde monatlich 1,6 Millionen Tvuncn deutsche.Sohlen er- halten, Italien 250 000 Tonnen nnd Belgien den Rest. Tas Kohlendcfizit Frankreichs wird dadurch auf 6 Millionen Tonnen pro Jahr vermindert. Die Verrechnung. Paris, 15. Juli. Der Vertreier des„Petit Part-siei," in Tpa meldet: In Awöetrach: des verwickelten Problems und in An- betroch:, daß die Besprechung des Protokolls in der Koblensrage lange Diskussionen in Anspruch nehmen mühe, mutz man darauf geiatzt sein, daß der Auftrag, die Gesamtsumme, die Iah- reSsum m e und die Z a h lu n g s w e i s e ieslzusetzen, de: Wiedergutmachungs kommt ssion übertrogen wird, die im Begriffe steh:, ihre Arbeiten zu beenden. Louis DuboiS, der Vorsitzende der Vtedergutmachungskommrffion. hat es mir heute anverftaut, daß die Telegiemn bereits über den Prozentsatz und die verschiedenen K o m p e n s a t i o n e n. die nötig sein werden, einig« sind. Tie Deutschen würden daher eingeladen weichen, ihre Vorschläge vorzulegen und diese werden der Wieder. gulw'.achungskommission überwiesen. Unter diesen Umständen müßte iii Konferenz in Spa am Sonnabend beendet seiu. Simons über Sie Vertragserfüllung. Tpo. 16. Juli.(T. U.) Das Begleitschreiben des Mi- Sister? Dr. S t m o n s, mst welchem, die deutschen Vorschläge über- sandt wurden, weist besonders darauf hin, datz nach den Bestim- mungen des Friedensvertrages die Leistungen Deutschlands auf einem bestimmten Gebiet nicht so hoch geschraubt werden dürfen. daß dadurch die Vertragserfüllung auf anderen Ge- bieten unmöglich gemacht wird. Die Zukunft wird lehren, ob diese Bestimmung des Vertrages praktische Bedeutung erlangen wird. Gelingt es,»die Besetzung des RuhrgevieteS zu vermeiden, so ist damit zunächst einmal die dringende und größte Gefahr für Teutschland' abgewehrt, eine Gesabr, die man erst dann voll«in- schätzen kann, wenn man in Betracht zieh:, daß die Absichten der Alliierten.ossenbor darauf ausgingen, sich nicht mit dem Ruhr- gebiet zu begnügen, sondern auch andere Industrie- gegenden Deutschlands in Mitleidenschaft zu ziehen. Dies zu vermeiden, und sei eS auch durch die Krößten Opfer, mutzte für hie veranttrorftiche» Führer Deutschlands die erste Ausgabe sein. Ihre zweite Sorge xvird darin zu bestehen haben, datz nunmehr in nächster Zeit Unruhen und Streiks im Ruhrgcbiet vermieden wer- den. Dafür ist es vor allem notwendig, datz die Kommission, die zur VerbesserungderLebenshaltung der Arbeiter in Essen zusammentreten soll, entsprechend der deutschen Forderung Möglichst bald ins.Leben genuken. wixd. .;rr> Die falsche Rechnung. Haag, 15. Juli.„Nieuwä Cöurant" verwirkt die von der Entente angedrohte Lösung einer rein wirtschaftlichen Frage, wie des Kohlanproblems. mit militärischen Mitteln. D i e Besetzung des Ruhrreviers würde nichts nutzen. Die Deutschen ständen aus dem Standpunkt, datz sie sich nicht wieder wie it. Ver- failles dem Galgen verschreiben wollen. Stockholm, 15. Juli. Der Pariser Speziakkorrespondent von „Svensk Handelstidning" vergleich! Frankreichs und Deutschlands wirtschaftliche Verhältnisse. Das Preisniveau in Kronen atmge- rechnet, lieg« in Paris bei 280. in Berlin bei 400 Prozent. Die französische Industrie sei im wirklichen Aus- blühen und grötztenteils auch beschäftigt; in dem zerstörten Gebiet nehme ein Unternehmen nach dem andern seine Arbeit aus, obwohl mit Rücksicht auf den Eindruck in Spa behauptet wird, datz der BeschäftigungSgvad infolge Ausbleibens der deutschen Kohle geringer geworden sei. als in Deutschland. In Frankreich gebe eS leine 31 o i wie in Deutschland. flagrifte gegen Stinnes. Haag. IS. Jitlr.(Höllandsch Nteuwsbwreau.) Die englische Presse fährt fort, die Person Stinnes' zu dem Zweck, Mitztrauen gegen Deutschland wachzuhalten, zu gebrauchen. StinneS habe allein den deutschen Widerstand in Spa verschul- d e t. Ferner weiß die englische Presse zu berichten, datz Stinnes, nachdem er schon zahlreiche deutsche Zeituugen erworben habe, nun auch noch Schweizer, italienischc u'nd französische Blätter zu kaufen gedenke, wobei er direkt von der deutschen Regierung unterstützt werde. „Daily Chronicle" sagt: Wenn die Konferenz in Spa scheitert, so wird man dies Stinnes zu verdanken Häven, dessen Einslutz auf die schwache deutsche Regierung zu stark geworden ist. Wenn jetzt 'neues Unglück über die Deutschen komme, so könne man den Deut- schen sagen, bei wem stc sich dafür zu bedanken haben. Westminsier Gazette" schreibt über die Drohung mit der Besetzung des Ruhrgebietes: Tie Leute, die auf diese Löiung abzielen, als ob sie wünschenswert und weise wäre, sind so kurzfichtig wie möglich, denn dies ist eine Lösung, die auf joden Fall vormieden werden mutz, Dwohl aus politischen wie aus Wirt- schaftlichen Gründen. Für Teutschland wäre sie die endgül- t i g e Katastrophe, für die Alliierten nur eine Sackgasse. Wir hoffen, sagt das Blatt, datz die Deutschen aushören, mit der Lage zn spielen, datz sie ferner aufhören mit der Heimtücke des Herrn Stinnes und offen mit den Alliierten reden, die ihrerseits Zweifel und Beunruhigung beseitigen sollten, damit man endlich wirklich eine Lösung findet. Es ist hohe Zeit, datz die o b c r- i ch l e s i s ch e Frage gelöst wird. Tie Volksabstimmung sollte dort sofort vorgenommen werden, damit die Deutschen wision, ob sie auf die oberschlcsische Kohle rechnen können oder nicht. Bevor dies nicht entschieden ist, sind alle Schätzungen und Ertvägungen der Zukunft unmöglich. Teschancl will bleibe«. Zwei französische Aammerdevuiierie haben, wie die„Teva" meldet, den Präsidenie« der französischen Republik besucht und erklären, datz die Zeitungsmeldungen von einem langen Siechtum des Präsidenten aus der Luft ge- griifev seien. Ter Präsident werde bereits in knaov etnem Monat völlig wieder beracitelll icin. Die Deputierten erklären ker- ner, datz Deschanel sich strikte geweigert habe, zurückzu- treten. Der Kamvs um DeSchanel in der kranzösischen Presse w:rd aber mit großer Hartnäckigkeit weitergesührl. die Antwort der Entente. Das Angebot der deutschen Vertretung in Spa, das unter dem Druck der Eimnarschdrohung der Alliierten die g:- forderte Leistung von 2 Millionen Tonnen Kohlen monatlich für die nächsten sechs Monate zugestand, tennzeichnste zugleich die Voraussetzungen, unter denen diese Leistung, ohne den völligen Zusammenbruch der deutschen Wirtschast herbei- zuführen, vielleicht zustande gebracht werden könnte. Jn�der Änrwort der Entente«wird jedoch die Erfüllung dieser For- derungen nur zum Teile zugestanden. Abgewiesen ist zunächst das deutsche Verlangen, die ge- lieferten Köhlen sollten noch den Weltmarktpreis de- rechnet werdeit. Die Entente bavuft sich in dieser Beziehung aus die lials abschneidende Bestimmung des Versailler Dokuments, wonach Deutichland seine gesamten Leistungen nur nach dem deutschen Inlandspreis angerechnet werden. Au diesem Inlandspreis soll ein bar auszuzahlender Zuschlag von fünf Mark in Gold(50 Papiermark) kommen, wenn Kohle von bestimmter Klasse und Qualität bestellt und ge- liefert wird. Diese fünfzig Mark pro Tonne— also bei Lieferung von 2 Millionen Tonnen 100 Millionen Mark monat- lich— sind zum Erwerb von Nahrungsmitteln für die deutschen Bergarbeiter zu venvenden.(Die Berechnung von 5 M Gold gleich 50 M. Papier entspricht ungefähr den: heutigen Stand, das Verhältiris schwankt aber natürlich mit der deutschen Valuta.) Ein weiterer Aufschlag wird nur vorschußweise gewährt. ist also von Teutschland wieder zurückzuzahlen. � Er soll pro Tonne soviel betragen, wie der Unterschied zwischen dein deutschen Inlandpreis und demjemgeit Preis beträgt. .der für deutsche bzw. englische Ausfuhickohle ab deutschen bzw englischen Häfen■ gezahlt wird und zwar gilt in jedem Fall die-geringere dieser beiden' Tisfierenzen. Fob heißt free on dorck'(frei an Bord), es handelt sich also- um den Preis ausschließlich der Seetransportkosten. Diesen Preis bekommt ober Deutschland weder angerechnet noch bezahlt. 'angerechnet wird ihm nur der amtliche Inlandprcis am 'das WiedergutmachnngSkonto. bezahlt werden ilstn fünfzig Papiermark pro Tonne, vorgeschossen wird ihm der überschießende Betrag bis zur Höbe des Ausfuhrpreises, de: im.Hafen für die weiter zu transportierende Ware bezahl: wird. Das siebt ganz anders ans als der deutsche Vorschlag. Der Strick, der um den Hals der deutschen Wirtschaft gelegt ist, wird wieder um ein ganzes Stück weiter angezogen. Tie Kontrollmaßnahmen, die im Protokoll vom 11. Juli vorgesehen sind, treten sofort in Kraft. Das heißt, wir be- kommen die i n t c r n a t t.>o n a l e K o h l e n k o m m i s s i o n nach Berlin, ohne deren Erlaubnis kein Wagen Kohle ver- fahren werden darf. Die deutsche Kohlenwirtschaft wird statt sozialisiert— e n t e n t is i e r t. Und wer die Kohle irr der Hand hat, der hat die ganze WirUchaft in der Hand. Schon seit Versailles waren wir wirtschaftlich nicht mehr Herren im eigenen Hause. Daß wir es nickt mehr sind das wird uns durck die verfügten Kontrollmaßrcgeln der Entente aw schmerzlichste zssm Bewußtsein gebracht. Wir befinden uns in einem Zustand wirtschaftlicher Abhängigkeit, von dem sich die deutschen Arbeiter zum großen Teil nur eine ganz unzureichende Vorstellung machen, und geraten mit jedem Tage tiefer in ihn hinein. Tie denticken Kapitalisten werden immer mehr zu bloßen Zwischenmeistc rn das Entente- kapital aber i st der wirkliche r r r und Gebieter. Noch schlimmer aber als alle wirtschaftlichen Bedingungen des neuen Kohlendiktats-ist seine politische Schlußbestim- mung: Falls am 15. November 1020 festgestellt werden sollte, daß d'.c Gefaentlieferung für Aiißnft, September nnd Oktober 1020 die sechs Millionen Tonnen nickst erreicht bat, würden die Alliierten zur Besetzung eines neuen Teiles deutschen Gebiet-S, des Ruhr. gebietes oder irgend eines anderen, schreiwn. Die Entente stellt sich damit, ebenso wie in ihrem Ent- waffnungsdiktat auf einen Standpunkt, den keine denftche Re- gierung als gerechtfertigt annehmen kann. Es kann lediglich eine Frage der Politik fein, ob man von zwei drohenden Nebeln das eine oder das andere als das kleinere wählt. Keine deutiche Regierung aber wird zugeben können, daß die Alliierten berechtigt sind.' n unbesetztes deutsches ©biet einzudringen, falls irgendwechtz- U-s von ihnen aus- erlegte Leistungen nach ihren Auffassungen nicht hinreichend erfüllt sind. Einmarsch und Einwarschdrobung sind nackter Rechtsbruch. Der Frieden zu Versailles gibt den Alliierten das Recht, die von ihnen besetzten Gebiete länger als fünf, zehn und fünfzehn Jähre besetzt»u halten, falls Deutschland seinen Vervfticktnngoi! aus deip Freisen--- vertraa nickt nachkommt, er gibt ihnen aber nickt das.Reckt, nach Belieben weitere deutsche Gebiete zu besetzen. Ä e u t' ch- land kämpft hier um den letzten Rest seiner staatlichen Existenz. Denn ein Gemeinwesen, das feine festen Grenzen mehr hat, das sich die Besetzung seines Gebietes— i st es denn noch seines?— ohne Widerstand und Widerspruch gefallen lassen muß, ein solches Gemeinwesen sonnte man als S t a a t überhaupt nicht mehr bezeichnen. Tie Auflösung Deutschlands als selbständiges Stataswesen be- deutet aber einen Zustand, der sich als dauernd niemand vorstellen kann, das ist ein Zustand nicht neuer gefestigter Ordnung, sondern der Auflösung ganz Europas, ein Zustand, der vorübergehend als Ausdruck einer bestehenden Macht- Verhältnisse, niemals aber als R e cht s zustand ertragen wer- den kann. Am 15. November will die Entente die Tonnen Kohlen, die von Deutschland geliefert sind, nachzählen, und fehlt eine, dann wird in das Ruhrrevier einmarschiert. Und was uns am 15. November droht, das soll uns alle Tage drohen, dreißig Jahre lang oder länger, wenn in dreißig Jahren die Forderungen der Entente noch nicht alle erfüllt sind. Gibt es einen denkenden Menschen auf der ganzen Welt, der es für möglich hält, ein Volk könnte eine solche Behandlung dreißig Jahre lang ertragen? Das wehrlose Deutschland kann dem Streich des über seinem Haupt erhobenen Schwertes ausweichen, es kann harte wirtschaftliche Bedingungen annehmen, um einen drohenden militärischen Uebersall zu vermeiden oder hinaus- zuschieben, es kann aber nicht auf seine staatliche Existenz verzichten, indem es seinen Gegnern das Recht zubilligt, i m Frieden deutsches Staatsgebiet unter fremdmilitärisch'r Herrschast zu bringen. Gegenüber diesem Anspruch mili- taristiicher Willkür bleibt ihm nichts als der Appell an das Rechtsgefühl der Welt, an das Gewissen Europas! Volk IUI» Pöbel. Kant und der„Rcichsbote". Es lohnt nicht, auf die Beschimpfungen einzugehen, die lagtäglich von der reaktionären Presse gegen die Arbeiter- s ch a f t ausgestoßen werden. In der Zeit, da die D e« t s ch- nationalen aus ihrem Schinollwinksl heraus immer wieder ihre unerwünschten Dienste anboten, erinnert'man sich zahlloser Aussprüche, daß sie nicht arbeiterfeind- l i ch seien, sondern ihre Arbeit für das ganze deutsche Volk leisten wollten. Jetzt, da man den erhofften Ministersessel nicht erlangt hat, kann man den Schleier fallen lassen und die Arboiterbeschiinpfungen sind wieder an der Tagesordnung. Hierin leistet sich der konservative„Reichsbote" folgende Un- gchenerlichkeit: Den Teil des Volkes, sagt Kant, der durch genveinsame Ab- sta-mmrmg sich zu einem Ganzen geeinigt fühlt, ncunen wir die Ration; den Teil, dar sich von dieser Gemeinschaft ausschliefet, nennen wir Pöbel. An dieser Trennung wollen wir festhalten, sie geht durch alle Klassen. ES gibt Arbeiter, und gar nicht so wenige. die sicher zur Nation gehören, und Professoren, allerdings m verschwindender Minderheit, die zum Pöbel(natürlich nur in dem Kantschen Sinne) gehören. Man muß feine Ohren haben, um das herauszuhören, was der„Rcichsbote" sagen will, offen auszusprechen aber nicht wagt;, denn während er zugibt, daß es„Arbeiter gibt". d.e zur Nation gehören, betont er die verschwindende Zahl der Professoren, die nicht hierzu gehören; er setzt also der großen Zahl des Arbeiterpöbels die ver- 1 chw i n d e nd geringe des Professoren Pöbels entgegen. Tie Berufung auf Kant ist recht unglücklich. Man iollte in der Redaktion des„Reichsboten" diesen Philosophen erst verstehen, dann lesen und darauf erst zitieren; offenbar aber hat man dort den umgekehrten Weg einge- schlagen, indem man zuerst zitiert hat. Ob das Lesen und Verstehen daraus folgen wird, möchten Mr aller- dings sehr bezweifeln. Für heute nwchten wir dem biederen „Reichsboten", der, nach der Begründung seiner„Pöbel"- anjchauung befragt, sicher aus die U n r e i s e des Volkes verweisen würde, nur mit folgendem Kantzitat antworten: „Ich gestehe, dafe ich im Ausdruck, dessen sich wähl auch kluge Männer bedienen(zur Belehrung des„ReichSboten": diesen hat Die öffentlichen Verleumder. Von Gottfried. Keller. Sin Ungezieser ruht In Staub und trock'nem Schlamme Verborgen wie die fflamme In leichter Asche tut. Ein Regen. WindeShauch Erweckt da? iSlimme Leben. Und auS dem Nichts erheben Sich Seucken, Glut und Rauch. Aus dunkler Höhle fäbrt* Ein Slbacher, um zu ichweifen; Nach Beuteln möchl' er greifen Und findet bessern Wert: Er findet einen Streit Um nicht«, ei» irre» Wissen. Ein Banner, da« zerrissen, Ein Volt in Blödigkeit. Er findet, Ivo er geht, Die Leere dürfl'ger Zeiten. Da lann er schamloS ichreiten, Run wird er ein Prophet; Auf einen Kehricht stellt Er seine Echelmentsttze Und zischelt seine Grnfee In die verblüffte Welt. Gehüllt in Niedertracht Gleichwie in einer Wolke, Ein Lügner vor dem Volke. Ragt bald er groß an Macht. Mit seiner Helfer Zahl. Die hoch und niedrig stehend, Gelegenheit erspähend, Sich bieten seiner Wahl. Sie teilen au« sein Wort. 2Ne einst die GoiteSboren Getan mit den fünf Broten, Da« klecke» fort und fort! Erst log allein der Hund, . Nun lügen ihrer tausend; Und wie ein Sturm erbrausend, So wuchert jetzt sein Pfund. Kant damit nicht gemeint. D. Red.), nicht wohl finden kann: ein gewisses Volt ist zur Freiheit nicht reif... Nach einer solchen Voraussetzung aber wird die Freiheit nie eintreten; denn man kann zu dieser nicht reifen, wenn man nicht zuvor in Freiheit gesetzt worden ist; man muß frei sei«, um sich seiner Kräfte in der Freiheit zweckmäßig bedienen zu können." Und schließlich über K a n t s Beurteilung derer, von denen die französische Revolution ausging, und von denen Revolutionen im allgemeinen auszugehen pflegen, der breiten Massen des Volkes nämlich, vom„Reichsboten" Pöbel ge- nannt, sei noch ein Wort des Denkers zitiert: »Diese Revolution, sage»ch, findet in den Gemütern aller Zuschauer, die nicht selbst m diesem Spiele mitverwickelt sind, eine Teilnehm ung dem Wunsche nach, die nahe an E n t h u- s i a s m u s grenzt und deren Aeufeerung selbst mit Gefahr ver- bunden war, die als» keine andere als eine moralische Anlage im Menschengeschlecht zur Ursache haben kann." Vielleicht überlegt es sich der„Rcichsbote". ob er mit seinen Anpöbeleien weiter das Andenken Kants besudeln soll._ Das Regiment Sr. Majestät. Vor wenigen Tagen erhielten die Angehörigen eines im Felde gefallenen Soldaten ein Gedenkblatt mit folgendem An- schreiben: In den Kämpfen für die Verteidigung deS deutschen Vaterlandes hat auch ein teures Glied Ihrer Familie den Heldentod erlitten. Zum Gedächtnis des auf dem Felde der Ehre Gefalle- neu haben S. M. der Kaiser und König in herzlicher Teilnahme an dem schweren Verlust und i» Anerkennung der von dem Ver- ewigten bewiesenen Pflichttreue bis zum Tode Ihnen das beifolgende Gedenkblatt verliehen, das als ein E rinne- c u n g s z e i ch e n an die große Zeit und an den unauslöschlichen Dank des Vaterlandes in ihrer Familie dauernd bewahr: werden möge. Berlin, den(ohne Datum). Der Kriegsminister, gez. v. Stein. Das Gcdenkblatt wurde der Polizeibehörde Lichtenberg zur Aushändigung an die Hinterbliebenen übersandt. Absender ist: Kg l. Pr. Kurmärkisches Feldartl.-Regt. 89, Perleberg. Gegen die Absendung solcher Gedenkblätter vorder Revolution ist — wenn man von Geschmacksfragen absieht— wenig einzuwenden. Wie kommt jedoch noch heute ein Truppenteil dazu,„im Namen S. M." Dankschreiben zu versenden und sich ausdrucklich dabei als königlich zu bezeichnen? Ter Glaub« an die Versassungs- treu« der Reichswehr wird hierdurch nicht gerade gestärkt. Gewisse Leute müssen sich endlich einmal an den Gedanken gewöhnen, daß Wilhelm der Entflohene nichts mehr anzuerkennen hat und dafe die „grofee Zeit" sich als kläglicher Schwindel zur. Täuschung des Volkes herausgestellt hat. Wie der Dank des Vaterlandes unter Wilhelm II. ausgesehen hätte, beweist das Verhalten seines Generals Luden dar ff, der sich aus den ihm auS seinem Buche reichlich zugeflossenen Mitteln— eine V i kl a zu kaufen beabsichtigt. Oer voreilige Diertimpel. In der gestrigen Sitzung der Studcntenvertretung der Berliner Universität wurde gegen die sozialistischen Stimmen wieder ein- mal ein Mifetrauensvotum gegen den Kultusminister Haenisch ausgesprochen, weil er in einem Zeitungsaussatz von den„Marburger Mordbubeu" gesprochen habe. Die Antragsteller erlebten eine kleine Enttäuschung, denn da sie nicht einmal im- staube waren, den. betreffenden Zeitungsartikel vorzulegen, mutzt-. die Angelegenheit vertagt werden. Wenn die Mifetrauensvotsn sestens dieser jungen Herren weiter auf unseren Genossen Haenisch herniedersausen, so fürchten wir, daß die Stellung des Genossen Haenisch ernstlich erschüttert wird. Er sollte sich die Sache lieber einmal überlegen und in das Lager deS Herrn B i e r t i m p e l übergehen. D'eser hatte gestern seinen schwarzen Tag. In der unver- kennbaren Absicht, die Studentenvertretung vor ein« unobänder- liche Tatsache zu stellen, hatte er mit seinen Gesinnungsgenossen D e i k e und H e i d e r schon v o r der Sitzung eine Benachrichtigung an sämtliche Hochschulen abgesandt, dafe die Berliner Studenten- Hoch schiefet empor die Saal, Verwandelt sind die Lande, Die Meng« lebt in Sckrnnd« Und lacht der Schofeltat. Jetzt hat sich auch erwahrt. Wa« erstlich war erfunden: Die Guten sind verschwunden. Die Schlechten steh',, geichart! Wenn einstmals diese Not Lang wie«in Eis gebrochen, Dann wird davon gesprochen, Wie von dem schwarzen Tod; Und einen Strohmann bau'n Die Kinder aus der Haid«, Zu brennen Lust au» Leide Und Licht auS allem Grau'n. Max Klinger und die Jungen. Zum Tode Klingers sind auf der ersten Seile des neuen Hefie« von Hans Reimann« Leipziger .Drachen" diese Worte Mox Schwimmer« zu lesen: Ein Mensch, von dem ich überzeugt bin. dafe er»in großer Künstler war, ist abseits vom lunsiarmen Leipzig gestorben. Wir verlieren in ihm den einzigen Leipziger Künstler der vor uns schaffenven Generalion. Eine Sehnsucht ist mit thin verglüht. Ein grofeer Einsamer, ein Kämpfer um da» ewig Schöne, ei» vom Renaissance Willen durchgluteur Tiian ist nicht mehr. Seine Werke bestehen. Wir Jungen lieben in Klinger den von inbrünsliger Sehnsucht erfüllten Künstler. Auch in uns ist Sehnsucht. Doch kämpfen wir nicht niebr um da« Ewig-Schöne, sondern um da« Ewig-Wahre, daS Ewig'Lcbendsge. � Jeder neue Pinselhieb, jeder neue Strich, jede neu gekrallte Furch« in die Kupferplatie peitscht Morgenrot berauf. Wir wollen unserer Zeit ihr Gesicht geben. Gemeinsame« Sehnen verbindet un« mit Klinger. Darum haben wir Jungen, wir von kunstarmen und kunstteindlichen Mitmenschen viel Verlästerten und Angefeindeten.' ein Recht, nn« an Max Klinger zu entflammen. Künstlerische Gesinnung und Oualirär sieben über allem Streit der Richtungen. Max Klinger, Künstler Gölte«, wir beklagen deinen Tod. Wir glauben an da« Unvergängliche deiner Werke. Und wir verwahren uns gegen die Pest und gegen die Heuchelbrut derer, die si» au« Aoniunktilr-Erwägungen beraiis an die Rockschöße Klinger« hängen. Und wir verachten die Kunstschmarotzer und da« übrige Gesindel, da? um die Kunst herumsteht oder mit feilen Zungen den Meister zu zerschwatzen sucht. Habt Mitleid«it ihucit!.Habt Mitleid mit ihnen!' nämlich mit den neuen Reichen von Kriegsgewinn« Gnaden. Di« frisch« gebackenen Retchen, sie sind alle stramm reckt« orientiert, wissen doch, wa« sich schickt, und in Anlehnung an die Tradition de« alten ObrigkeirSstaoteS müssen sie repräsentieren. Folglich müssen sie sich auch der Reilkunst zum Opfer bringen. DteseS Opfer»st wirklich schaft ihr Mißtrauen gegen den Ministe Haenisch ausspreche, seine Ersetzung durch einen Fachmann vsrlange und dafe ein entsprechender Beschhife in der Sitzung angenommen werden würde. Für diese Poreiligkeil wurde Herr Niextimpel bestraft. Sein und seiner beiden Kollegen Verbailcn wurde mit 38 gegen IK Okimmen bei 29 Enthaltungen gemifebilligt. Auch Herr Tier- timpel sollte sich durch einen Fachmann ersetzen lasserß) Neue Kahr-Regierung in München, 16. Juli. In der heutigen Sitzung des Landtags fand zunächst die Wahl des Ministerpräsidenten stath. Es wurde bei 1-18 abgegebenen Stimmen der bisherige Minister- Präsident Dr. t. K a h r mit 100 Stimmen wiedergewählt. 43 Zettel waren unbeschrieben. Nach kurzer Pause erklärte sich der neu- gewählte Ministerpräsident bereit, die Wahl anzunehmen und gab die neue M i n i st e r l i st e bekannt, die zwischen den KoaliiionS- Parteien vereinbarr war Hiernach übernimmt das Ministerium des Aeußern und das Ministerium des Innern der Ministerpräsident, das Kultusmim- sterium Rcgicrungsrat Matt(bayer. Pp.), das Justizministerium tsi-egierungsrat Dr. Roth(Mittclpariei), daS Finanzministerium Dr. KrauSncck(Bayerische Volkspartei), das Ministerium für so- ziale Fürsorge Oswald(Bayerische Volkspartci), das Landwirt- schastsministerium Wutzlhoser(Bauernbund) und das Handelsini- nisterium Hamm(Demokrat). Alsdann verbreitete sich der Minister- Präsident in einer längeren Rede über die Leitsätze, die zwischen der Staatsregierung und den Äoaiitionsparteien für die Durchführung der Ssaalsgeschäste festgelegt waren und betonte dabei besonders daS Festhalten der Staatsregierung an der Einheit des Reiches- Wir wollen sein und bleiben ein einig deutsches Volk und unser grofecS deutsches Vaterland in seiner schwersten Not erst recht in Liebe und Treue umfassen. Wir wünschen aber keinen extrem uiii- tarischen, sondern einen föderalistischen Aufbau des Reiches, aber nicht in dem Sinne eines engherzigen Partikularismus. der nur an sich denkt oder im Sinne einseitiger Reservat» rechtspolitik, sondern im Sinne einer freien auf das große gehenden Einigung. Zum Schlufe kam der Ministerpräsident auf die Verhandlungen in Spa zu sprechen. Diese zeigten zu jeder Stund«, dafe der Wiederaufbau unseres Wirtsch-astSlebens fast aus- schliefelich vom fremden Willen abhängt. Wie lange auch diese niederdrückenden Verhältnisse dauern mögen, in keinem Augenblick können sie uns- irre machen in unserem Willen, die ganze Kraft einzusetzen für unser deutsches Vaterland, mit dem wir die stolze Vergangenheit geteilt haben, mit den wir treu und verbrüchlich auch in schweren Tagen zusammenarbeiten wollen zur Wiederherbeiführung einer wenn auch noch fernliegenden, so doch sicher zu erhoffenden besseren Zukunft. Die gebilligte§raktionshaltung. Frankfurt a. M., 16. Juli.(T. U.) In einer Versammlung der Funktionäre der sozialdemokratischen Grofe-Franl- furter Parteiorganisation wurde nach einem Referat de» sozial» demokratischen ReichstagSabgeordneten Kaiser eine R e s o- lution angenommen, welche die Haltung der ReichStagpsraktion bei der Regierubgsbildung billigt und die ablehnende Ha.» tung gegenüber der Deutschen Vorlkspartei begrüßt, die nach dem Ilusgang der ReichStagswahlen die gegebene war. Eine Opposition um jeden Preis, wie sie die Unabbängigen belieben, dürfe die Sozialdemokratie aber nicht betreiben. Ihre Mitarbeit an allen Gesetzen, die im Interesse des a r b e i- leiden V o 17 e S liegen, fei unbedingt geboten. Als stärkste Partei des Reichstages, auch wenn sie auherhalb der>Re- gierung stehe, dürfe sie sich niemals auf daS Gebiet unfruchst- barer Negation begeben. Der Streik in Golpa. Die Lage in Bitterfeld hat sich noch nicht geändert. Die Verhandlungen werden zur Stunde in Berlin mit dem Reichs- w i r t s ch a f t S- und zum Teil mit dem Reichsernährung ö- Ministerium geführt. Außerdem sindeu Konferenzen in Hall« und Bitter seid statt. Man hofft in Kreisen der Arbeitnehmer. von erhabener Größe, aber es muß gebracht werben, denn sie siud e» ihrer Stellung schuldig. Sie betrachten da» Pferd als ein Etwa«, das nur dazu da ist, um sie zu schlagen, sie zu beißen und sie abzuwerien. Und sie denken. wenn daS Pferd auch gerade kein Fleischfresser ist, so ist seine Beiß-- fähigkeit doch immerhin bedenklich. Wie lüchtig kann zum Beispiel schon ein Kaninchen beißen. Hier in Berlin(und wir haben eine »elte Sammlung von Kriegkgewinnern) verlegen sie ihr„Repräien- tierenmüssen zu Pferde" meistens in den Tiergarren. Eigene An- mafeung führt immer zur Niederlage, und so begeben sie sich gerate dorthin, wo man wahre Neitkunst zu sehen bekommt. Sie hocken daselbst auf ihren Gäulen wie daS zu Fleisch und Blut gewordene Elend, sie haben einen Lorgeschmack der Hölle, sie erleben daS Fege-- feuer bereit« am lebendigen Leibe. Erstens: Kriegsgewinners Gattin. ES gebärt nn- zweifelhaft zum guten Ton. sich als Amazone zu zeige». Der Be- reiter bat Mitleid mir dem Gaul und sagt ein über das anders Mal, die gnädige Frau müsse unbedingt englisch traben, 1. 2. 3. Aber dazu qehörr ein langer Bügel, und den läßr ihre Angst nichr zu; ihr Bügel ist kurzgeschnalll, sie kann sich nicht heben und fällt (sie reitet Dammsoue!) i, 2, S, mit Mehlsackeleganz dem Gaul auf den Rücken. Die ichwarz« Stute(e« ist todsicher ein Ableger von einem Nilpferd) sieht schon aus wie ein balbeing-sesseneS Sora. Der Stummelickwanz, weit schneller in Bewegung als die Beine, ge- währt einen Blick rief in daS Dekolletä.--- So repräsentiert Kriegsgewinners Gattin, dem Pferde und sich selbst zur Qual, aber andern zur Belustigung, die ergaunerten Millionen. ZweiieuS: Sie soll s i ch einen Mann erreite n. Ihr Papa handelt mit allem. Jetzt inöchie er auch mit ieiner Tochter handeln, denn die Konjunktur ist selten günst'g. Er hat Umgang rrr den feinsten Kreiien. er verkehrt in so vielen geheimen Spielilubs, und mit emem füriiluten Geireideschieber duz« er sich sogar: da wird sich schon irgendein ramponierte« Adelsschild finden, da« die Mitgift seiner Tockler vergolden kann. Dir soll sich nun einen Mann erreilen. Sie muß ein! gute Figur abgeben, das taten die hohen und höchsten Herrschaften auch stets.— so war doch immer in den bürgerlichen Zeiiungen zu lesen. Das arme Mädel ist schlimm daran, sie bar>hr Kor'etl so eng geichnürt. daß berehs alle©langen angeknort sind, sie bat sich schon doppelte Schweife- blätter in das Reitlieid nähen lassen, sie klammert sich am Gaul fest, und da der zufällig keine Mähne ha», hängt sie so im linken Zügel, dafe man meint, das bedauernswerte Pferd habe den Dummkoller. Tritten«: Der Dchimmelreiter. Er trägt eiven roten Rock, denn er weiß(trotz der allgemeinen Siltenverrobung) was sich ziemt, und so half er einem leibhafligen Glaien„»«�der Klemme, damit der seiner, ock. so veränderungsbedürstiaen Sckönen ein Paar Goldläkerschuhe. ein Stück echte französische Toiletienseile und da« neueste Parfüm kauten konnte. Er gab dem Graten«inen Batzen Geld und bekam dafür den roten Rock. Sein Gesickr aber ist röter al« der rote Rock. Er nimmt es seinem Pferd beinah« übel, wenn eS einen Schritt vorwärts geht. Er wählt, wenn er sich zeigen will, den gemütlichsten Zuckel-, den allerzahmslen Backäpfel- noch heute eine Einigung zustande kommt. Das ist auch nm so wahrscheinlicher� als die Gewerkschaftskommission, bei der fortlaufend Meldungen über Arbeiterentlassun- S e n in den Berliner Betrieben einlaufen, sich inS Mittel gelegt hat. Augenblicklich finden in Halle Besprechungen über die For. dernngen der Grubenarbeiter bezüglich der Noturalzuschüsse statt. Entpxechend dem Vorgehen der Arbeiter im Ruhrrevier wollen die mitteldeutscher Bergleute U eberschichten gegen Lebens- mittel verfahnen. Dte Situachon ist für Berlin nach wie vor e r n st. Solange keine Stockungen in der Kohlenzufuhr eintreten, dürfte sich die Stromerzeugung in den Städtischen Werken aus der bisherigen Höhe halten. Deutsche Volkspartei unö Spa. Ein berliner Lokalblatt hatte gemeldet, daß die Fraktion der Teutschqgr Volkspartei beschlossen habe, ihre Vertreter aus der Re- gierung zurückzuziehen. Diese Meldung � ist nicht richtig. Fraktion und Geschäftsführender Ausschutz der Deutschen Volkspartei treten erst nach der Rückkehr der Delegation aus Spa wieder zusammen. Das Vaffenftillftanössnyebot an Rußlanü. Amsterdam, 1ieVe d»S"Deutschen ZenwalkomiteeS zur Bekämpfung der Tuberkulose. Berlin V/v.»»chpn-c'lugusia.Ilr. 7. Der Ttrrie Gustav EintzemannS mit dem Verein Düsseldorfer Presse, der mit einem tW�WU'Ängrlss LtndemonnS als Direktor des Düssklderser Schouipielha»ts»tMM»ineil Äriliker begann, ist jetzi durch ein EnllchuldlflunaSsch'.eldrn vuideWavvs z u Ende gebracht worden. Der Verein TuN-ldorscr Presse ßjinDKricktt den seinerzeit verhängten Boy. I o t i der Vorüellungen riudemguus aui. der neulich«osort wieder einze- setzt hatte, ats Lindenuinn tu» Schauspielhaus wieder übernahm. Ftlmliga. Im MeistDWWMU Lupn P i ck am Sl. Juli er., abends 8 Ndr. das SilmmanuiÄpf ZWEMunnitops"(nach dem Bühnenstück von Fulda bcgrb eitel) vor. g Für den besten Berssuch. hs« n i! e t n- T h« o r i e in 2000 Worten zu e r k l ä« e n, setzt der«ew Zarter.Lolaatille �warioau"«inen Preis von 5000 Dollar au». Friedrich Moeft Uekl ZDWlMabend, abend» 7>/,Ubr. im Saal der Relcherichcn Hochschule. FosanetzM�lM- kleine Geschichten von Thoma» Mann, Erich Schiaitjer. Wilhelm Zchmtdtbenn, Hermann Harry Schmitz und — erstmats— Heinrich Dolizang Amerikas öritte Partei. Ehikago, 15. Juli. Tie neue Partei, welche Dauern- und Arbeiterpartei genannt wird, hat den Advokaten Parle» Christensen(Salt Lake City) als Präsidentschafts- kandidaien aufgestelit. Anßer Christeascn waren u. o. Henry Ford und Eugen TebS als Kandidaten vorgeschlagen worden. Rückkehr Zu? zweijährigen Dienstzeit in Frankreich. Paris, 16. Juli. Der KriegSminister Lefevre wird in dar nächsten Zeit der Kaawner einen Entwurf vorlegen betreffend die Wiedereiwfichvung der zweijährigen Dienstzeit. DaS Aufgckbot soll am 1. April desjenigen Jahres erfolgen, in dem die jungen Leute 21 Jahre alt werden. Die Dauer der Dienstzeit soll sich auf 30 Jahre ausdehnen, und zwar 2 Jahre aktiv, 18 Jahre in der Reserve und 10 Jahre beim Landsturm. Der Jahr- gang ISIS wird noch drei Jahre dienen, aiber für die folgenden Jahre soll die zweijährige Dienstzeit durchgeführt werden. Die serbisch-itaHenischen Unruhen. Spclato, 15. Juli.(Südslawisches Pretzbureau.) Der ameri- kanische Admiral hat den Befehl gegeben, datz alle im Adriatischcn Meere kreuzenden amerikanischen Schiffe nach S p a l a t o zu fahren haben. Heute sind das Schlachtschiff Olympia und ein Kreuzer hier eingetroffen. Gestern wurde die Blockade von Spa- lato aufgehoben. Belgrad, 15. Juli. Nach einer Meldung des Südslawischen PreßbureauS aus Trieft berichten die Blätter, datz außer den Filialen zweier Banken noch viele andere slawische In» stitute verwüstet und 25 Personen verletzt worden sind. Der Schaden, den die Jugoslawen in Trieft erlitten haben, beziffert sich auf ungefähr 50 Millionen Kronen. Gestern herrschte in der Stadt Ruhe, doch patrouillierten durch die Straßen größere Trupps, aus Zivilisten und Arditii bestehend, die jeden Jugoslawen, den sie antrafen, schwer mißhandelten und arre stierten. I n P o l a und anderen Städten, besonders in F i u m e, fanden große De- monstrationen statt, wobei jugoslawische Vereinshäuser niedergebrannt wurden, in Fiume außerdem 6 Segelschiffe, die im Hafen lagen. Die Revolution in Solivien. Santiago, 16. Juli.(Hollandsch NieuwSbura) Die Revolutionäre in Lapaz verlangen, daß der Distrikl, der 1904 an Chile abgetreten wurde, an Bolivien zurückgegeben wird. Drei chilenische Regimenter werden nach der Grenze geschickt. Diese Truppen sind aber angewiesen, keinerlei Konflikt heranizubeschwören. sondern sollen nur die Grenze gegen etwaige Angriffe verteidigen. GroMerlw �unktionörkonferenz ües Vereins �rbeiterjugenö. Auf der gut besuchten Funktionärkonferenz des Vereins Arbei- terjugcnb Erotz-Berlin referierte Genosse Rüdiger über da» Thema: Was lehrt der Jugend die ReichStagSwahl? Er führte aus, daß die Jugend trotz aller Verfolgungen und Schikanen der Behörden in früheren Jahren, es immer verstanden bat, sich fest zusammenzuschließen, um in die Gedankenwelt deS Sozialismuseinzudringen. Als dann der Staat, der stets mit allen Mitteln versucht hatte, Bildung und Wissen von der prole- tarischen Jugend fernzuhalten, am 9. November 1918 zu- sammenbrach, da hoffte auch die Jugend, nun mehr L'icht, mehr Luftt und Sonne sich erkämpft zu haben. Doch die Hoffnungen erfüllten sich nicht. Wohl stand auch der A ch t st u n d e n t a g für die Jugend auf dem Papier, doch in Tausenden von Fällen wurden all die gesetzlichen Bestimungen besonders von den Kleinmeistern nicht beachtet. Sollen unsere Forderungen verwirklicht wevdem dann wer- den alle Schlafenden und Lauen aufgerüttelt, dann wird die Jugend ihre Geschicke s e l b st in die Hand nehmen müssen. Not- wendig wird dabei die intensivste politische Austlärung sein. Wir müssen die Jugend zur Erkenntnis ihrer Klassenlage bringen, wir müssen sie erkennen lassen, datz nur durch die Umwandlung der kapitalistischen Wirtschaft in die sozialistische Gemeinwirtschaft die Klassenlage der Jugend verbessert werden kann In diesem Kampfe steht die Jugend Schulter an Schulter mit der erwachsenen Arbeiterschaft. Beklagenswert ist es, datz unsere Brüder von links eS auch heute noch ablehnen, mit uns gemeinsam Mr gemeinsam« Forde- rungen zu kämpfen und datz sie nur in Rr Beschimpfung und Verdächtigung unserer Bewegung ihre Aufgaben erblicken. Gerade die Reichstagswahlen haben erkennen lassen, wie verhängnisvoll die Zersplitterung der Arbeiterschaft ist. Der Ein- flutz der Sozialisten ist im neuen Reichstag noch geringer als in der Nationalversammlung, und wir erwarten von dem Reichstag nicht daS Geringste. Unser« Aufgabe kann e» nur sein, dafür zu sorgen, datz die neue Generation gereifter und mit größerem Wissen ausgerüstet an ihre Aufgabe geht.—Mit einem Aufruf zu neuem Schaffen schloß der Redner seine mit lebhaftem Beifall aufge- nommenen Ausführungen. In der Diskussion kam der ganze Abscheu der Jugend gegen den Wahnwitz de? Krieges zum Ausdruck. Nie wieder soll ein derart verbrecherischer Anschlag aus die Menschheit verübt werden. Ernst und fest kommt dies Gelöbnis von den Lippen der Jugend. Um dies aber zu erreichen und um die Wege zum So- zialismus zu ebnen, fordert fast jeder Redner den umfassendsten Ausbau der BildungSarbeit. Im Schlußwort betont Genosse Rüdiger, datz anscheinend die Schikanen von feiten der bürgerlichen Regierung bereits be- ginnen. Der Staatsanwalt beschäftig« sich mit der Broschüre gegen den Deutsch nationalen Jugendbund, der- suebe Verfasser und Verleger habhaft zu werden(Stürmische Pfui- Rufe). Wir werden unS aber auch hier durchzusetzen wissen, wenn die Jugend geschlossen dagegen Protest erhebt.(Beifall.) Zum Schluß spricht der Redner über die BiÜrnngsarbcit und ruft der Jugend zu, sich daS Wort vom alten Liebknecht zu eigen zu machen: Wissen ist Macht und Bildung macht frei. Eine Resolution, die auffordert, den geraden Weg zu unserm Ziel trotz aller Anfeindungen von rechts und links zu verfolgen, wird angenommen. Einstimmig angenommen wird«in Antrag. der Ausbau der BildungSarbeit fordert und weiter be- schlössen, an der Friedenskundgebung deS FricdensbundeS der Kriegsteilnehmer am 1. August im Lustgarten teilzunehmen, desgleichen zwei weitere Anträge, die die Partei ersuchen, einen 10.P f.- Pflichtbeitrag für die Jugend zu erheben und in den einzelnen Abteilungen Referate über die Jugendbewegung halten zu lassen. Mit einem Hoch auf die Jugendorganisation ging die Kon- ferenz auseinander. Der Ilaggenöieb verhaftet. Der Kriminalpolizei gelang' es heute' vormittag 11 Uhr, in der Wohnung seiner Eltern den Schlosserlchrling Paul Karze- m i n s I i aus Steglitz zu verhasten, der am 14. Juli die fran- zösische Trikolore vom Botschafttgebärilde berabholte. Er ist dem Berliner Polizeipräsidium zugeführt worden. Zur Genugtuung für die Entfernung der französischen Flagge von dem Dach der Botschaft am dem Pariser Platz hatten vre Franzosen verlangt, datz eine Kompagnie Reichswehr vor der wieder gehißten Flagge grüßend defilieren sollte. Diesem mili- tärischen Wunsch wurde heute mittag ein Uhr durch die ent- sprechende Zeremonie Genüge geleistet, womit diese ganze von ein paar Lausejunge eingefädelte Issäre stilgerecht beendet worden ist. Winterbeihilfen für Angehörige Vermieter. Die während der Wintcrmonoie den bedürftigen Kriegshinterbliebenen gezahlten Beihilfen konnten nach den bisherigen Bestimmungen den Angehörigen von Vermißten nur gewährt werden, wenn dieie berens Vorschüsse auf ihre Veriorgungsgebühr« ni sie beziehen. Nack einem neuen Erlaß des NeichSarbeitS- Ministeriums soll die Beihilfe nackträglick auck solchen Angehörigen Vernrigler gewährt werden, die nock F a m i li e n u n te r- stützung erhalten. Ausgenommen sind die Angehörigen der nack d e in 3. M ä r z 1 9 1 9 B e r m i tz t e n, da dieie auf Grund eines Erlasses des Reicksminiilers des Innern eine Besch affungS» beihilfe erhalten habeir Die Anträge auf Nachzahlung der Winterbcihrlfe sins schleunigst an die zuständige amtliche Fürsorge- stelle zu richten._ �ahrpreisevmüfzistung für bedürftige Stadtkinder. Eine bedeutende Fahrpreisermäßigung ist jetzt für den gan- zen Bereich der deutschen Rcichseisenbahnen den hilfsbedürftigen. Stadtkindern bewilligt worden, die zur vorübergehenden Unterbringung auf das Land oder nach dem Ausland �befördert werden. Bei Benutzung der 3. Wagenklasse der Eil- oder Personenzüge wird der Fahrpreis auf den vierten Teil des regelrechten Fahrpreise? 4. Klasse ermäßigt. Dies(jilt auch für die Begleitpersonen, die zur Aussicht beigegeben werden. Bei Kindern im Alter unter 10 Jahren werden 2 K i n- der als eine Person gercchnst. Ein einzelnes Kind unter 10 Jahren hat ein Viertel des Fahrpreises 4. Klasse ohne weitere Ermäßigung zu zahlen. Tie Abfertigung erfolgt auch für Kinder in geringer Zahl und bei der Rückreise einer Begleitperson sowie für die Hinreise von der Abgangsstation zur Abholung der Kinder mit Beförderungsschein. Wird ausnahmsweise bei besonders schwächlichen oder erkrankten Kindern die Schnellzugs- benutzung gelvahrt. so wird der S ch n e l I z u g z u s ch l a g er- hoben. Für die Reise nach Schweden und Norwegen wird aus der Fährstrecke Saßnitz-Hafen bis zur Mitte der See auf dem zweiten Platz nur der achte Teil des Fahrpreises Satznitz— Trälleborg 3. Klasse erhoben. „Volk und Zeit", unsere illustnerti: Wochenschrift, liegt der heutigen Postauflage bei. I» der Berliner Universität dürfen fortab keine polnischen Ver- iammlungen mehr abgehallen werten. Etwaige Anträge auf Ge« nehmiguna werden ohne Ausnahme zurückgewiesen. Diese An- Ordnung ist. wie Prof. Eduard Meyer einer diesbezüglichen Verord- nung hinzusügt.»durch die Art, wie das vertrauensvolle Entgegen» kommen des Rektors wiederholt in unverantwortlicher Weise gemißbrancht worden ist. unumgänglick geworden". Und wer bat den Mißbrauch getrieben? Jene deutsch- nationalen Ltadaubrüder, die jeden, der anderer Meinung war n i e d e r b r ü l l t e n und am fran iösischen Nationalselertag vor der französischen Botschaft bis in die späte Nacht spektakelten. Die polnische Regierung hat vom 1. Juli ab die militärische Zensur sämtticker ip Denlschtand eingelieferten und nach Polen gerichteten sowie aller nack Deutlchland abgebenden Briessendungen angeordnet. In Westpolen hat sie zunächst drei Zensurstellen— in Posen. Bromborg und Thorn— eingerichtet. Erhebliche Ueberkunftsverzögerungen im deutsch-polniscken Brief- versendungsverkehr werden infolge der Zensurdurchführung unaus- bleiblich sein. Neukölln. Seife für SchwerkriegshcschSdigte. Kriegsbeschädigte mit 50 Proz. Enverbsbeichränkung und darüber erhalten wieder je 2 Stück Feinseife zum Preise von 3,20 M. pro Stück. Der Ber- lauf findet täglich außer Sonnabend vormittags von 9 bis 12 Uhr in der WiriichaflSslelle des KriegSfürsorgeamteS. Nathans, Zimmer 249 a, statt. Rentenbeickeid bzw. Rentenbuch ist mit- zubringen.— Die Wirtschaftsstelle de» KriegSfürsorgeamteS hat einen größeren Posten getragener amerikanischer Gummimäntel zum Preise von 105 und 131.25 M. zu vergeben. Der Vertauf findet vormittag« von 9 bis 12 Uhr im Rathaus, Zimmer 249 a, statt. Berücksichtigung finden alle Kriegs- beschädigte ohne Rücksicht auf die Erwerbsbeschränlung. Grosz-Berliner Lebensmittel« Pankow. 250 Gramm Hajerflocken(35/86). vortrage, vereine unö Versammlungen. HeimatStreue Obrrschlcstcr. Ortsgruppe Norden H. Dienstag 7 Uhr im großen Saale der Bockbrauerei, Berlin 17, Chausseestr. S4, auger- ordentliche Mitgliederversammlung. Alle LandSlcute werden gebeten, in ihrem Besitz bejindlichc Taus-, Geburts- oder Heiratsurkunden miizubringen und daselbst gegen Ouiimng abzugeben. Sonnabend, 2s. Juli, in den Gesamtröumen des Walhalla- Etablissements, Wetnbergtwcg lS/lg, Ober- schlcsifcheS Vollsjest unter Milwirkung hervorragender Künstler. Ansang 4 Uhr. Eintritt Erwachsene 2,20 Sil. Kinder frei. Vorverlauj in der Mit- gliederveriammiung, GeschästSstelle, und den durch Plakate kenntlich ge- machten Annahmestellen. WirtslHast Zur Umstellung der ReichSbetriebe. Unter Bezugnahme auf den Artikel„Deutsche Weck« A. G." im„Vorwärts" Nr. 348 erhalten wir von fachmännischer Seit« folgende Einsendung: ES erscheint wenig Erfolg versprechend, wenn man Artikel sucht und fabriziert, die geeignet sind, mit der P r i v a t i n d u st r i e aus dem freien Markt in Wettbewerb zu treten. Eine solche Gc» schäftsmethode eignet sich nicht für staatliche Werke. Sie bedingt einen großzügigen und kostspieligen Propa- ganda- und VerkausSapparat, rasche Entschluß, und leichte Anpassungsfähigkeit, Einrichtungen und Eigenschaften, dm den RcichSbetricden ermangeln. Die zahlungsfähigen, vcivalkapr- talistischcn Abnehmer werden aus naheliegenden Gründen Erzeugnisse gcmeinwirt schaftlicher Beiriebe zu boykotti«- ren suchen, während die weniger zahlungsfähige Kundschrft nur dann Abnehmer wird, wenn das Rw. billiaece Preise Und günstlger« Zahlungsbedingungen bietet. Geschieht die Um- stellung in der Richtung, datz da« Rw. sich zum H a u p t l i e f e- ranten der Staats- und Gemeindebetriebe macht, so erscheint der Wiederausbau gesichert. Die Staats, und Gemeinde» betriebe sind die größten Auftragoeber im Staat. Man betrachte daraufhin zunächst das Eisenbahnwesen. Wieviel Schlosser- und Schmiedeartikel verlangt allein der Streckenbau, wieviel Tischlereiartikel die Bahnstationen I Bei dem Lokomotiven- und Waggonbau gibt es viele Zubehörteile, die die Lokomotiven- und Waggonfabriken nicht selbst herstellen. Was steht im Wege, wenn das Rw. für die neuen Sisenbahnbestellungen einen T«l sein« 3fteiafftoaranteer?flti±f« für Seit Bau bort WaggönbekeuS tu ng S- und Heizungsanlagsn umstellt, und sich das Dlecht sichert, eventuell durch Zwangslizenz, zur Herstellung von Eisendnhnbremsen? �Jm P o st- und Telegraph enbetriech gidi es Teile, die in Millionen Stücken gebraucht werden und die sich vorzüglich für eine Masienfabrikation des Rw. eignen. Das gleiche gilt für den Bedarf der Staatswerften/ der Hafen- und Wafferbauverwcrltungen. Die Holzbearbeitungswerlstätten hätten durch den Umbau der Waren aus den Hecresbeständen für die Land- und Forstwirtschart und die Bedarfsdeckung der Staats- und Gemeindeamter an Bureau möbeln Arbeit, sowie an sonstigen Holzwarenerzeugnissen für Nhulen. öffcnilichen Gebäuden und dergleichen. Es ist hiernach wohl ohne weiteres klar und bedarf' keiner ein- gehenden Erläuterung, daß die Reichsleitung alles unterstützen müßte, was geeignet ist, das Rw. so zu stellen, daß es sich selbst er- halten kann. Vom kauftnännischen und technischen Standpunkt aus betrachtet ist die Warenproduktion für den Staat das allein Ge- gebene, weil sie das geringste Risiko bietst und den techni- ichen Einrichtungen'des Werkes die größten Ausnutzungsmöglich- teilen sichert. An Hand von Fragebogen haben, die staatltchen BetriebSleitun- gen ihren Bedarf an Maschinen, Apparaten. Werkzeugen. Holz-, Meiall- und Eisenartikeln anzugeben. Die Rw.-Artikel dürfen natürlich den Marktpreis nicht überschreiten Das wird der Fall sein, weil der Teil der Unkosten, den die Privatunternehmungen für Vertreter, Zwischen- Händler, Reklame usw. autzubringen haben, bei dem Rw., das direkt mit den Behörden arbeitet, fortfällt. Auch ein Anlaß, daß der Aufwand für Lohn und Material ein höherer sein wird, darf bei techirisch richtiger Betriebsweise nicht vorkommen Ein umfangreiches FabrikationSgebiet könnte auch durch die Aufnahme der durch den Normenausschuß der deutschen Industrie normalisierte» Teile zu erreichen sein. Diese Artikel, die gewissermäßen als Bestandteile betrachtet werden, die gesetzlich anerkannte Formen und Maße haben müssen, werden auch von privaten Werken vom Rw. bezogen werden, jje« sonders wenn sie für staatliche Aufträge Verwendung fia- den sollen. Bekanntlich wird in der Industrie der Erfolg wesentlich beein- flußt durch die persönlichen Beziehungen, die das betreffende Werk sich mit dem Abnehmerkreis zu verschaffen versteht._.Zu diesem Zweck sind BureauS einzurichten, die nach Fachgebieten der Lbnehmerstellen gesondert geleitet werden; z. B. Bureau für„Eisen- bähnwesen", für.PostWesen", für„Hafen- und Wasserbau", für „Hoch- und Tiefbau", für„Heer und Marine", für„kommunale Be- triebe" usw. wären einzurichten. In diese Bureaus gehören Leute, die das betreffende Fachgebiet kennen und neben guten technischen und kaufmännischen Kenntnissen auch rechten Forderungen der Angestellten zu erfüllen. Sie beweisen es, da sie schon seit t�Ien Tagen die gegenwärtig gleichfalls be- streikten Meister im Driseurgewerbe materiell unterstützen. Für scharfmacherische Zwecks ist also bei den Herren Arbeitgebern immer Geld vorhanden. Tariferneuerung im Fuhrgewerbe. Die Schwer- und LeichtfuhrtperkSkutscher der gewerblichen „Fuhrbetriebe Groß- Berlins" hatten den bis zum 80. Juni be. stehmden Tarifvertrag, der Löhne von 220 M. für Schwerfttbr- Werkskutscher, 200 M. für LcichtfuhrwerkSkut'cher vorsab, zum Ab- laufstermin gekündigt. In der mit dem Voritand der Fuhrhcrren- Innung bzw.- dem Arbeitgeberverband für dg? TranSportgewerbe stattgefundenen Verhandlung erklärten die Arbeitgeber, keine Lobn- erböhungen mehr zu bewilligen, da eins Verteuerung der Lebens- mittel nrSt mehr zu verzeichnen sei. Die Kommunen reduzieren den Lohn für-1 TageSgesPann schon um 10 Proz.. so daß auck die Arbeiterschaft zum Abbau der Löhne übergehen sollte. Unter solchen Voraussetzungen der Arbeitgeber konnte natürlich eine Verständi- gung nicht erzielt werden; die Vertreter der Arbeitnebmer erklärten daher, den Schlichtungsausschuß Grost-Verlin anzurufen. Der Scklichtungsaus'chuß unter Vorsitz des unparteiischen Ma- gistrals.rals Dr. Depöne fällte am 1. Juli folgenden Schiedsspruch: Für Schwerfuhrwerkskutfch-r. 250 M.. füt Leichffubrwerkskutscher 230 M., für jugendliche Kutscher bis 18 Jahre sZeitungs- und Akten- wagen) ISO M., nit Leiebtfubrwerkskuticher, die durch Invalidität weniger leistungstäW sind, 205 M., Arbeiterinnen 162 M. prv Woche. Für unitändige Arbeiter ü,40 M.. für Ucberstunden bei Tage 5,40 M., für llefeCrftunden bei Nacht 5,65 M.. für Uebpx. stunden der Jugendlichen 3.50 M., für das Füttern der Pferde an Sonntagen nachmittags 5,40 M. pro Stunde., Die neuen Lohnsätze haben Gültigkeit vom 1. Juli bis zum 31. August 1020. Tie Arbeitgeber lehnien die Annabm« des Schiedsspruches ab. Derselbe wurde durch den Herrn Oberpräsidenten als' Demooil- mackungskommissar im Interesse der Aufrechterhaltung Nes Wirt- schafislebenS für verbindlich erklärt. Beendeter Streik der Wachangt.stelltcn. Ter Streik der Wächter, Wächterinnen und Kontrolleure bei der Berliner Wach- und Schlietzgesellfchaft ist nach einwöchiger Dauer durch Verbandlungen vor dem Schlichtungsausschuß erfolg« reich beendet worden. Ein ewiges Schlichtungsverfahren. Schon wieder einmal muß der demokratischen Firma Rudolf Mosse hier Erwähnung getan werden. Tie nach außen einem mzief Publikum als stark mit sozialem Oel gesalbte sich tmr- stellende Firma ergrübelt alle Möglichkeiten, um der in ihrem Be- triebe /tätigen gesetzlichen Arbeitnehmervertretung Schwierigkeiten in den Weg zu legen. Der über tausend Personen, beschäftigende Betribb kann sich nicht zu der selbswerständlichen Einsicht-bekennen, daß wäbrend der Geschäftszeit eine Sprechstunde des Betriebs- raiei stattfinden muß. Ter Betriebsrat- hat sich bisher an die der- fchchden sten Instanzen gewendet, um die Einrichtung einer Sprech. stizröe während der Arbeitszeit zu ermöglichen, und ist nun noch on deft Schlichtungsaus'chuß herangetreten. An einem am 15. d. M. stättgefundenen Termin konnte ein Schiedsspruch wegen verschi«. dtzner Formalitäten wiederum nicht gefällt werden. TaS Eigen. tümliche an dem ganzen Verfahren ist. daß sich alle maßgebenden Instanzen möglichst von der Erledigung dieses Falles fernhalten wollen,� und auch die oben erwähnte Svruchkammer des Schlich- tungsausschusses schien dieser Absicht zu folgen. Wenn dem Betrieb? rat durch das störrische Verhalten der Firma Masse und der ange- rufenen behördlichen Stellen bisher nickt die Möglichkeit gegeben wurde, einwandfrei festzustellen, woran et ist, bleibt nichts weiter als das Mittel der Selbsthilfe übrig. Verband der Gemeinde- und StaatSarbeiter und Ver« band der Kommuualbeamten., Von der Ortsverwaltung Groß-Berlin d«S VerbaqdeS der Gemeinde- und Siaatsarbeiter, Berssn N. 24, Johaunisstr. 14-15, werden wir um Aufnahme folgender Zuschrift ersucht: Aus Arbeit- nehmerlreisen geben bei uns wiederholt Zuschriften ein. in denen um Auskunft ersucht wird, welche Ziele der Verband der Kommunal- � beamten verfolgt und welchen poliiischen Standpunkt er einnimmt. AuS erwäbnten Schriften geht hervor, daß die Einsender nniere Organisation mit dem obige» Verband verwechselnd. Um ferneren Irrtümern vorzubeugen, sehen wir uns zu folgender Feststellung veranlaßt: Unsere Organisation, der Verband der Gemeinde- und Staats- arbeiter mit der Reichsieftion„Gesundhetlswesen" stebt mit dem Verbände der Kommunalbeamten in gar keitiem VsrbältuiS. Auch in der Vergangenheit war dieses nicht der Fall. Ueber die Ziele des letzteren Verbandes uns auszulassen, haben wir keinerlei Veran- lassung. Wir bemerken nur, daß diese Beamtenvereinigung CC.©.) dem Allgemeinen Dentichen GewerischaftSbund nicht angeschlossen ist. Wer sich über den Charakter her Bereinigung orientieren will, der möge ihr Statut einsehen. Der Reichsverband weiblicher Hausangestellten als Streikbrccherageut. Vom Zentralverband der Hausangestellten wird un? ge- fchrilben:' Die bei den nicht staatlichen und nickt kommunalen gemein- nützigen Krankenanstalten beschäftigten Angestellten hatten ihre Organisationen beauftragt, für den am 30. Juni abgelaufenen Tarif neue Forderungen einzureichen, welfiie den jetzigen Wirtschaft- I ichen Verhältnissen angepaßt sind. Zu, den vertretenen Organi- fationen gehörte auch der ReichSyerband weiblicher Hausangestellten. Diese Organisation hatte seinerzeit die, eingereichten Forderungen mit als das Mindestmaß dessen angegeben, um den Angestellten ein einigermaßen' auskömmliches Leben flu ermöglichen. Die Verhandlungen mit dem Verband der nicht staatlichen und nicht kom. munalen gemeinnützigen Kranken- lyni Pflegeanstalten haben ein negatives Ergebnis gebracht! die d�rt bewilligten Aufbesserungen waren so minimal, daß die Versammlung der Angestellten dieselben einstimmig ablehnte. Es waren auch Mitglieder der obengenannten Organisation vertreten, welche mir ffür die Ablehnung de? Angebots stimmten. Ter Reichsverband hon jetzt aber nichts Eiligere? zu tun. alsMen um ihr Reckt tämp�nden Angestellten in den Rücken zu fallen. An seine Mitglieder-richtete er am 6. Juli-ein Rund- schreiben, worin dieselben aufge/ordert wurden, sick an einem von den Männerorgcmisationen(?!* inszenierten Streik nicht zu be- teiligen, sondern auS Nächstentzlebe weiterzuarbeiten. Gleichzeitig richtete derelbe an versäsiedr/nc Anstaltsleitungen das Angebot. wenn da? P.rional in den Streik tritt, sofort anderes Personal zu den alten Bedingungen zur Perfügung stellen zu wollen. Solange diese Vertreter; nicht Farbe zu bekennen brauchten. taten sie so, als ob sie für/ die gerechten Forderungen eintreten. Unsere Kolleginnen werden- jedenfalls au? dieiem Fall erfeben. in welchem Maße der Reichsrterband weiblicher Hausangestellten für seine Mitglieder eintritt. Darum, Kolleginnen, laßt Euch nicht be- tören von den schönen Worten dieser Art Leute, sondern organisiert Euch restlos dort, wo Eui/e Interessen auch wirklich vertreten wer- den, im Zemralverband tfcr Hausangestellten Teutschlands! '< Hermann Fischer. l• ii,jf; ??rantw für den redokt. Tcts: Dr. Srrner Pclser. Tf.urltfltendura; für Alneiaen: SV. Glocke, Berlin. Verlar/: Porwarts-Berlgq G. in. d.h.. Verlin. Druck: Vor- >rarts>?ii®dnickcrei u. Der/agSansiall Vau! j«Sin,,rr a. Mo..' Verl!?. Cinben'tr. S. Film-Palast Koppenstr. 29, Kpst 4114. Vom 16. bis 22. Juli: Die große Sensation! Drei Nächte Em Spiel mit Menschen, Gold und Feuer, in 6 Akten, mit Relnb. Schünzcl. 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