�Z57�57.�ahrgsng Ausgabe B Nr. 41 Bezugspreis: !eeteIi5I)rL30,— HlUmonotLlO,— tt ins 6 aus, voraus jahlbac. Pau> {tag: Monatlich 10,— Ml. n�L.-iu- llnngsgsollhr. Unter itrcuÄbanb füt emschland anö Oesterreich 18.' 0 M!, I das übrige Ausland oe> täglich amal. Zustellung 2150 ä>, Vastie» Lungen nehmen an Oesterreich, »zaro, Tschecha-Slowalet, Däne» arl, öolland. uu�emvurg. Schweden tb die Schwee.— Singetragen in die Past-Zeilungs-Preisliste. er �Borwärts" mit der Sonntags» tlaze»Boll u. Zeit� erlchetni wachen- glich zweimal. Sanntage und Man- tags einmal Telegramm.Adreste- Jfojialbraotcal B erster". Abend Ausgabe Devlinev Volksblaii � 20 Pfennig) Anzeigenpreis: Me ächtgelpaliene Nanvareillezeile tofteiS.— M.. Teuerung sznschwg SO«/» »fileins Anzeigen", das tett» gedruttte Wart L— M.(zulaifig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wart 80 Pfg. Stellengesuche und Schlafftellenanzeigen das erste Wart 85 Pfg. jedes weitere Wart 40 Pfg. Warte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Teuerunaszufchlag 50«/» ffamilien-Anzeigen für Abonnenten geile 2,— M. palittiche und ge» wertfchaftliche Vereins» Anzeigen Z.— ML die geile ohne Aufschlag. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis s Ahr nachmittags IM Sauptgeschäft. Berlin SWOZ. Linden- strahe S, abgegeben werden, che offne! von 9 Uhr früh die 5 Uhr abends. Zentralorgan der rozialdemokratilcben partel Deutfchlands -üaktion und Expedition: SW. SS, Lindenstr. 3. ferusprechert Am» Moritrpla»- Str. tSISV— ISIS?» Sonnabend, de« 17. Juli 1VÄO vorwärts-vttlag G.m.b. h., EW. SS» einüenftr. 3. Fernsprecher: Amt Morivpla«. Nr. 117 SZ— ZI. Simons an tlopö George. London. 16. Juli. lTelunion.) Simon» hat Lloyd Aeorg« sönlich einen Brief geschrieben, in dem er die Hoffnung»»»- ich», daß die Teotschen unterstutzt werden würden, so daß fie die tingungen der Alliierten annehme» könnten. Bl» Simon» am ttwoch Lloyd George besuchte, sagte letzterer:„Wenn ich »tscher Staatsmann wäre, f» würde ich da» fsik» der Annahm« ans mich nehme n." Simon» icibt in seinem Briese an Lloyd George:„Ich habe, wie Sie I gerate» haben, das Risiko übernommen, hoffe aber, daß Sie I helfen werden; vor allem dadurch, daß Deutschland de« feisunterschied zwischen Zechenprej» und AuSfuhrprci» de- ligt erhält, ferner durch ein« loyale Regelung bezüglich der hrffSraumgestellung und dritten» dadurch, daß»nö ig« Bürgschaften gegen die dauernde Bedrohung mit » e m Einfall verschafft werden, wenn wir einmal mit leren Lieferungen im Rückstand sind. TaS sind keine Beding»»- � sondern Acußerungen unserer Erwartungen." Kurz nachdem l Deutschen den Alliierten mitgeteilt hatte», daß sie die Bor- sige der Alliierten annehmen, hat ein Berichterstatter de« tatösekretär Simons interviewt. Dieser führt« aus: Ich habe t alle» getan, was möglich ist, und ich hoffe aufrichtig, daß das lammen, nach dem ich strebe, zustande kommen wird. Aber w die Marschälle Fach und Wilson eine Invasion haben wolle», sollen fie diese nur haben. Ich kann nicht weiter gehen." Zum lluh erklärte Simons:„Die Haltung Millerands und Lloyd» »rgeS läßt mich hoffen, daß unsere Bedingungen angenommen che it." Die Schlußfiyung in Spa. Spa, 16. Juli. iWTSB). Die heutige Bollsitzung fand > 6 Uhr nachuiittag» hn Schloß de l« Fraineufe statt. Don der tische» Delegation waren Reichskanzler ffebrenbach, Reich»- lister Dr. Simon» und der bayerisch« Staatsrat Dr. von ei n M anwesend. Reichsminister Dr. Simon» machte sofort Mitteilung, daß > deutsch« Regierung die gestrigen Vorschläge in der Kohlensrage gehend besprochen habe und in drei Punkten Einwen- >n g e n mache, in der Finanzfrage, in�der oberschlesischen Frage 1 in der Besetzungsfrage. In der Finanzfrage wünscht utschland, daß die angebotene Prämie von S Gold-Mark für die itbt und der Vorschuß, der aus der Differenz zwischen deutschem iandSprei» und Weltmarktpreis für die Kohlenlieserung berech- s werde, nicht nur für die über Land gelieferte Kohle, son- B auch für die über See gelieferte bewilligt werde. In der erschlesischen Frage besteht die deutsche Regierung auf rantien, die ihr diese Lieferung mit Ostkohl« für den Fall von Iwierigkeiten im Ruhrgebiet sichern. Zu ß 7(Einmarsch- t u s e l) konnte die deutsche Regierung ohcke vorherige Zustim- ng der gesetzgebenden Körperschaften ihre Zustimmung nicht »n. Sie schlug deshalb eine solche Faffung vor, daß diese insel nur eine Ausführung der rm Annex II§8 l? und 18 für > Fall vorsätzlicher Verletzung der Reparationslieferung vt�r- Henen.Bestrafung fei. Die Alliierten zogen sich zu einer langen Beratung kick und teilten schließlich mit. daß die deutschen Forderunge» cht angenommen werden könnten. Bei den über Se« ge- erten Kohlen sei ein Vorschuß und«in« Prämie deshalb urnnög- l weil Deutschland diese Kohle zum Weltmarktspreise I Reparationskorrto gutgeschrieben würde, eine Vergütung über sen Preis aber nicht möglich fei. In der oberschlesischen Frage iäcten die Alliierten, daß sie dieselben Absichten hätten I die deutsche Regierung. Sie könnten zwar die Beschlüsse der gesehene Kommission nicht vorher bestimmen, sie würden aber t Vertreter in der Kommission in dem eben erwähnten Sinne icuieven. Bei dem K 7(Ginmars chklaus el) sei«in« Abänderung nöglich. Nach Besprechung mit dem Reichskanzler erklärte Mi- er Dr. Simons, er bitte um«in« Unterbrechung der chung, da die deutsche Delegation sich beraten müsse. Zu dieser Beratung wurden Reichsminister W i c t h, Dr. rrme» und Dr. Scholz und die Staatssekretäre Albert. Bergmann und Müller eiligst hinzugerufen. E» sirnd rnn eine Kabinettssitzung statt, die nach eingehender p rechung zu dem Ergebnis kam, an folgenden zwei Punkten zuhalten: l. daß in der oberschlesischen Frage eine Zusage in l von Lloyd George geäußerten Sinne erfolge; 2. daß der 8 7 I Vertrage» wegfalle. <�ie Beschlüsse wurden von der Mehrheit deS Kabinett» gut. ieißen, da man die weltgeschichtlichen Fortschritt« der Be- echung von Spa nicht �an der Finanzsrage scheitern lassen wollte. der oberschlesischen Frage erklärten die Alliierten, daß der tschen Regierung nach Schluß der Sitzung ein beglaubig- r LuKzug aus dem amtlich«« Sitzungsprotokoll I den Erklärungen des Herrn Lloyd George übergeben werden cd«, wodurch die deutschen Bedenken wnbl zerstört seien. Hin- tlich des Z 7 schienen sie jedoch kein« Nachgiebigkeit zu zeigen, dern versuchten eS immer und immer wieder, durch die milit»- Hen Drohungen die deutsche Unterschrift zu erzwingen. Die Boüsitznng trat dann wieder zusammen, und e» sprachen nacheinander Ministerpräsident Millerand, Premier» minister Lloyd George, Außenminister Gras Sforza und Botschafter Ehinda. Ministerpräsident Millerand erklärte, die deutsche Regie- rnng habe anscheinend noch immer nicht verstanden, daß«» der unbeugsame Will« Frankreichs sei, die Erfüllung de» FriedenSver- träges unter allen Umständen sicherzustellen. Premierminister Lloyd Georg« erklärte, er begreife nicht den deutschen Widerstand gegen die Unterzeichnung der Einmarsch. klausel. Er könne nur annehmen, daß die deutsche Regierung hier unter Einflüssen von außen stehe; ja e» seien anscheinend Bestrehungen von deutscher Seit« im Gange gewesen, denen an einer Besetzung deS Ruhrgebietes vurch die Alliierten gelegen fei. MeichSminister Dr. Simon» erwiderte in einer längeren Rede. Er betont« mit der größten Entschiedenheit den festen Willen der deutschen Regierung, den Friedensvertrag zur AuS- führung zu bringen. Deutschland wisse wohl, daß die Gegner die Macht hätten, die Durchführung de» Vertrages zu erzwingen. Um so weniger verstehe man deutscherseits die Drohung der mili- tärifchen Maßnahmen. Die deutsche Regierung kenne keine Ein- slüsse von außen, außer einem; der sei die deutsche öffent» liche Meinung. Jeder neue Fall, in dem man die deutsche Regierung unter Drohung mit militärischen Zwangsmaßnahmen zu einer Unterschrift zwinge, mache ihr die Unterschrift für a» nächste Mal schwerer. Ministerpräsident D e t a e r o i x machte darauf de» Vorschlag, die Reparation»frage nicht mehr zu beraten, sondern fie auf einer «enen Konferenz, die in einigen Wochen in Gent zusam- mentreten soll, zu regeln. Der Vorschlag wurde angenommen. Ministerpräsident Telacroix schloß daraus mit einer längeren sttede die Konferenz. Kur,»»ach 8 Uhr fand dann die Unt«rz«ich»»»g de» Protokoll» in der Kohlenfrage statt. Für die deutsch« Re» gierung leisteten Reichskanzler Fehrewbach und ReichSminister Dr. Simon» die Unterschrift mit dem Hinzusetzen der in solche« Fällen üblichen diplomatischen Formel wegen der Einmarschilausel de» Z 7:„son» reserTe de l'artjcle«ept*. Lva. 17. Juli. Di« deutsche Delegation»erläßt heute Nachmittag Spa mit Sondenzug. Sie wird am Sonntag Vor- mittag in Berlin eiutreffen. Die Zlnanzkonferenz erst im September. Spa, 17. Juli. Wie der Sonderberichterstatter der„Agence HavaS' berichtet, hat die Konserenz an de» Generalsekretär de» Völkerbünde» in London folgendes Telegramm gerichtet: In Anbetracht der in London im Februar getroffenen Eni- scheidung, durch die der VölkerbundSrat die internationale Finanz- könfereng nach Brüssel einberufen hat und unter Berücksichtigung der Tatsache, daß die genannte Konserenz nicht alle notwendigen Voraussetzungen erfüllt, um zu dem Ergebni» zu gelangen, zu dem sie«inberufen ist, bittet die Konferenz von Spa den Völker- bund, b« Berufung zu der genannten Konferenz auf ein Da- tum«ach dem 16. September zu verschieben. Genf nicht Gent! Die Fortsetzung der Konferenz von Spa, wobei die Wieder- guimachungssrag« besprochen werden soll, soll nicht in Gent, son- dern in G« n f stattfinden. Der Kampf um üie Türkei. Amsterdam, 17. Juli.„TimeS� meldet au» Konstantinopel, der Großvefier wurde am 14. diese» Monat» nach seiner Rückkehr mit der ksirkischen Friedensdelegotion au» Pari» vom " u 1 1 o n in Audienz empfangen. Später empfing der Sultan auch die anderen Delegierten. Die meisten Mit- glieder der Delegation sprachen die Ansicht au», daß die Türkei durch eine Verweigerung der Unterzeichnung de» Friedensverträge» nicht» gewinnen könne, sondern nur Gefahr laufen würde, auch Konstantinopel zu verlieren. Ein K r o n r a t, der au« Ministern, Senatoren, Notabeln und reli- giösen Würdenträgern zusammengesetzt ist. wird möglicherweise am Sonnabend oder Montag zusammenkommen, um darüber zu be- schließen, ob die türkische Delegation den Vertrag unterzeichnen soll oder nicht. Unruhea in Italien. Mailand, 16. Juli. Wie.Secolo' au» Neapel berichtet, kam e» in A n g r i, wo die Textilarbeiter streiken, zu ernsten Zu» sammen stoßen. Die Streikenden verbinderten die au» Süd- iialien angekommenen Arbeitswilligen, die Baumwollkabrik zu be« treten. Hierbei gab e» mehrere Verletzte In Mailand streiken seit gesiern die Straßenbahner. um den ausständigen Angestellten der Nebenbahnen ihre Sympathie auszudrücken. j Mm Tage öanach. Die Nationalistenpresse aller Länder ist sich darin einig. das Verhalten der deutschen Delegation in Spa aufs scharsirr zu verurteilen.„Elendsr Schacher!"„Händlertricks!" das sind die Schlagworte, die hüben und drüben erklingen, nur mit dem Unterschied, daß die nationalistische Presse in Teutich- land meint, die deutsche Telagation hätte sich auf den Handel gar nicht erst einlassen sollen, während die von drüben tadelt, daß sie auf die Zweimillionen-Tonnen-Forderung der Entente nicht sofort eingegangen ist. Hüben wir so argumentiert:„Tie deutsche Delegation hat diese Forderung als unerfüllbar bezeichnet, also mußte sie. komme, was da wolle, bei dem Unerfüllbar bleiben." Drüben aber heißt es::„Die deutsche Delegation hat die For- deuung erst für unerfüllbar erklärt und sie dann dock ange- nommen, also ist bewiesen, daß ihre erste Erklärung gor nicht ernst gemeint war."' Beide Boweissllhrimgen übersehen, daß erstens zwischen der Weigerung und der Zusage der deutschen Delegation die brutale rechtswidrige Ein marsch drohung der Alli- ierten liegt, und daß zweitens diese Zusage an Bedingungen geknüpft wurde, die schließlich wenigstens teilwcch'e ihre Er- füllung fanden. Die deutsche Delegation und die deutschen Sachverständigen haben zunächst ganz richtig ausgeführt, daß die bedingungslos« Bewilligung der 2 Millionen Tonnen, wie sie ursprünglich verlangt war, Deutschland mit der schwersten Wirtschaftskatastrophe bedrohe und seine fernere Leistung?- fähigkeit in Frage stelle. Dieses Urteil war genau so richtig. wie z. B. daß eines Arztes, der einem kranken Soldaten be- stätigt, daß die Fortsetzung der militärischen Anstrengungen für ihn mit Lebensgefahr verbunden sei. Da kam die Drohung mit dem Einmarsch ins Ruhrrevier, die für die deutsche Wrtsck?aft ungefähr ebensoviel bedeutet wie für den Soldaten die Drohung mit dem sofortigen Erschossenwerden. Es ist keine Schande einzugestehen, daß Deutschland vor dieser Drohung zurück- gew ichen ist. Die heldenhafte Pose alldeutscher Zeitung?- schrsiber, die stets außerordentlich viel Mut für andere ge- habt haben, kann uns nicht imponieren. Wenn eS die■iveut* schen Vertreter auf den Einmarsch ankommen ließen, riskierten sie für sich sehr wenig, aber für andere sehr viel. Wir können sie nicht tadeln, weil sie dieses Risiko diesmal noch nicht aus sich nehmen zu sollen glaubten. Wenn nun die Nationalistenpresse von jenseits über das Zurückweichen Deutschlands triumphiert, und nun den Be- weis dafür erbracht sieht, daß man diesen hartnäckigen Kunden nur mit deni vorgehaltenen Revolver zur Raijon bringen könne, so beweist sie damit nur, daß chauvinistische Brutalität keine nationale Eigenart, sondern ein in allen Ländern gedeihendes Gewächs ist. Es ist ja zweifellos richtig, daß man einzelne Wien schon wie ganze Völker durch Drohung mit körperlicher Gewalt zu Leistungen anspornen kann, die sie sonst nicht zu vollbringen imstande wären. Frag- lich ist nur, ob diese Methode mit den kostbarsten Werten der menschlichen Gesellschaft umzuspringen, wirtschaftlich rationell ist und wie lange sie sich durchführen läßt. Nachdem die Entscheidung nun unter solchen Ilmständen gefallen ist, hat Heulmeierei und Schwarzseherei gar keinen Zweck. Wir haben gar kein Jnteresj: daran, recht zu be- hatten und zu demonstrieren, daß die Lieferung von zwei Millionen Tonnen Kohlen im Monat tatsächlich unseren Zu- sammenbruch herbeiführt. Erstens einmal enthält jede wirtschaftliche Vorausberechnnng so viel unsichere Faktoren, daß man sich auch irren kann, zweitens aber darf nicht übersehen werden, daß uns Be dingungen zugestanden worden sind, die die schwere Erfüllung wenigstens um etwas erleichtern. Die Beantwortung der Frage, ob unterzeichnet werden sollte oder nicht, hing von der Beurteilung der tak- tischenSituation ab. Sie richtig zu beurteilen, waren die deutschen Vertreter in Spa besser imstande als ihre Kri- ti ker daheim. Di« Nicht Unterzeichnung war eine letzte Karte, die nur gespielt werden durste, wenn sie stach, d. h. wenn sie zur Fortführung der Verhandlungen auf anderer Grundlag«, nicht aber zur Besetzung des Ruhrreviers führte. Die deut- schen Vertreter in Spa waren von einem solchen Erfolg der Nichtunterzeichnung nicht, fie waren vielmehr von seinem Gegenteil überzeugt. Unter dieser Voraussetzung war ihr Verhalten richtig �' ES waren in erster Linie Arbeiterfragen, übe? die in Spa entschieden wurde, das zwingt miS zu sorgfältig- stet Kritik. Unter den deutschen Vertretern aber, bei denen die Entscheidung lag— Genosse Hne war nur als Sachver- ständiger zugezogen—, befanden sich diesmal keine So.- zraldemokraten. DaS sichert die volle Unbefangenheit unseres Urteils. Wenn wir zu dem Ergebnis gelangen, daß das Befthalten der deutschen Vertreter in der Kohlenfrage im großen und ganHpn richtig war, so leitet uns dabei weder Liebe noch Haß. � Gewiß bedeutet die Entblößung des inneren Markte? von einigen hunderttausend Tonnen Köhlen monatlich mehr für die Arbeiter ein« schwere Gefahr. Aber die Abschnürung des Ruhrreoiavs vom übrigen deutschen Wirtfchaftsgebist hätte für sie tnefir Ptrtf Tsfahr Befbeutef, für fite Rusirbercjleitte fite 9fotiT>enibiflP?it schiverster opfervollstcr.Säntiife, für die uÄriffe Arbeiterschaft das Erliegen fast der gesamten Industrie. Die Regierung, die das Kosilcnabkommen von Spa unter- zeichnete, besteht aus Zentrumsleuten. Demokraten und Deutschen Volksparteilern. Tie Deutsche Volks- Partei trägt für ihr Verhalten, das von unserem Standpunkt aus nicht zu tadeln ist, die Mitverantwortung, van der sie sich auch durch verspätete taktische Diversionen nicht befreien könnte. Ein nachträglicher Rücktritt der Volkspartei- lichen Minister, den manche nationalistiscl)e Heißsporne unter ihren Anhängern wünschen, wäre nichts anderes als eine vollendete Lächerlichkeit. Er würde nichts mehr an dein Ve- weis ändern, daß jede Regierung die s�igen des verlorenen siriegs zu tragen gezwungen ist, und daß alles Gerede über die Sozialdemokraten, die wichtige nationale Interessen preisgäben, nichts anderes ist als eitel Schäumschkägerei. Tie Arbeiter aber können aus den Verhandlungen von Spa lernen, wie unberechtigt der von anderer Seite er- bobene entgegengesetzte Vorwurf gegen den sogenannten„So- - elpatriotisnms" der deutschen Sozialdemokratie ist. Denn es ist sa ihre Haut, um die es sich in Jpa gehandelt bat, um die es sich in Genf bei den Verhandlungen über die Wiedergutmachung und in ollen ferneren Auseinandersetzun- gen über die AusfüHruna des Friedensvertrages handeln wird. Die arbeitende Bevölkerung bildet den größten Teil der Nation, arbeitende Bevölkerung und Nation lassen sich nicht voneinander trennen. Diese Erkenntnis bedeutet keine Mwendung vom inter- nationalen Geist des Sozialismus, sondern nur seine rich- tige Anwendung. Das arbeitende Volk Teutschlands ist ein wichtiger Bestandteil der Kulturmensch- l? e i t, und es lxit allen Grund, sich selber als solchen zu eckten. Erst wenn es als solcher wieder allgemein anerkannt »ein wird, wird die Grundlage für die unvermeidliche Re- vision des Friedens von Versailles gefunden sein. Dies allein aber ist's, wofür wir kämpfen. Die Aufnahme öer Unterzeichnung. Pressestimmen über Spa. TaS Tcho, da? der Schlußakt von Spa in der Berliner Presse ir.-ik-, ist nicht sehr lebhast. Es zeigt sich, vaß die Heimkrieger und Stammtischhekden aucki jetzt wieder das große Wort führen und der Welt beteuern, daß sie alles vtel besser gemacht hätten. Di« all- deutsch-antisemitische»Deutsche Zeitung" schreibt: Die Politik Erzbergerp und Scheidemann?, de? Waffenstillstands und des Persailler Friedens wird unverändert sortgesetzt. Hierbei übersieht das Blott, daß nur diesmal die Deutsche Pelkspartei, die ihm einst so nahe stand, an dem„Schächerzeischäst" : ilgenvmmen hat. An Stelle sachlicher Vorschläge erfolgen dann die sattsam bekannten dochmütigen Redensarten, hinter denen wem- gcr als nichts steckt: Wir hätten also allen Grund, mit stolz erhobenem Haupte den Vertretern der Rationen gegenüberzutreten, die alle zusammengenommen uns nicht gewachsen waren; und wir sind auch heute noch eine Macht, nicht durch Unsere Waffen, die find uns zerbrochen, aber durch unsere Arbeitskrast. . unsere Bodenschätze und unsere geistigen Kräs.te,.die 'unsere neidischen Nachbarn nicht vernichten können, ohne selbst daran zugrunde zu gehen.. ..i Daß der Hunger zuletzt auch die geistigen Kräfte..abtötet, dc>s erkennt der Lettartilter nicht, wohl desbalb, weil geistige Kräfte in der„Deutschen Zeitung" überhaupt ein wenig geschätzter Gegen- stand stnd. Im übrigen lohnt es sich nicht, aus den von Be- ichimpsungen gegen da? deutsche Volk strotzenden Artikel weiter ein- zugehen. Sehr diplomatisch verhält sich der schwerindustrielle„Lokal- Anzeiger", der der Deutschen Voikspartei am nächsten steht, indem er ausführt: Zweifellos werden sowohl Slohd George als auch Millerand in ihren Londoner und Pariser Parlamenten - stark angefeindet werden ebensa wie die deutsckie Dckegativn nach eine AuSrinandersevung mit dem Parlament haben wird. Viel- leicht hat die Rücksicht auf eben diese parlamentärischen Gründe Millerands Haltung in der letzten Stutilde der Konferenz.bestimmt.-.; Db das eine verst.eckteDrobung sein soll, ist nich! ganz klar. Jedenfalls ist es kein Geheimnis, daß die nicht in Spa anwesenden Mitglieder der Deutschen BoltSpartei mit.der Hat- lang ihrer Vertreter- in. der Regierung nicht.ganz einverstanden sind....,. Eine sebr vernünslige Abfuhr. erteilt' das'„B, 7." denen, die die Konferenzen ebenso vom grünen Tische aus sübren wallen, wie sie den W e lttr i e g von.dieser friedlichen Stelle aus „durchgehalten" haben. Es schreibt: Wir sind allerdings der- Meinung, daß man' die Dinge und die Entschließungen der deutschen D e l'e g i err e n uitd- besbu- dcrs des Dr. S im an s nicht von Berlin, Nicht von llWdoktioits- zimmern aus genügend verurteilen kann. Der Minister des Aeußern hat. soviel. Umsicht. Energie und Fähigkeiten bewiesen. daß.eS nicht angeht, sein �Verhalten abfällig zu kritisieren. ahne daß mach die I n s o rm a t.l o neu und B ol 1 m achte n kennt, die ihn und die Dolegation bei den Entscheidungen ge- leitet haben. Ganz andere Töne schlägt die kommunistische»Rote Fahne" an. Sie zeigt die Folgen, die das Kohlcnabtommen haben wird, und leitet hieraus die düstersten Prophezeiungen für die deutsche Arbeiterschaft ab. Er ist rbr zuzustimmen, daß sie nicht, wie die..Freiheit" jeden etwas gelinde ausfallenden Fußtritt der- Alliierten als Zeichen der b e-g'iwn e n d e n Völkerver« s ö h n u ng kniefällig begrüßt; die schroff ablehnende Haltung einer Verständigung mit Frankreich gegenüber ist jedoch am aller- wenigsten geeignet, für die deutsche Ärbeiterschäst irgendwelche Vorteile mit sich zu bringen."' Tie' chauvinistischen Töne der Kommunisten schaden dem Proletariat ebenso sehr wie die unserer Rechtsbolschewisten. In einer Polemik gegen die»Freiheit" wird von der»Roten Fahne" dieser Verrat am»wissenschaftlichen Marxismus" vorge- worfen und aus die durch das Kohleuablommen geschafseye»ver- vielsachte Ausbeutung der deutschen Arbeiterklasse zugunsten des deutschen wie des englischen und französischen Kapitals" hin- gewiesen. Bekanntlich hat der Vertreter des schärft'ten deutschen Ka p i ta l st a n d p u n k te§, Herr Stinncz,.biS zum letzten Augenblick die llnterzeichnunz des Kohlenabkommens bekämpft. Wenn dieses für das deutsche Kapital so.v o rle i.l Ha ft wärr, wie die»Rote Fahne" behauptet, so hätte doch wohl der Vertreter der A r be i tg e b e r i n te r es s e n einen ander cn Standpunkt eingenommen. Der»wissenschaftliche Marxismus" verführt die »Rote Fahne" hier zu Behauptunaen, die unhaltbar sind, und wir müssen mit Bedauern feststellen,' daß es um den Wissenschaft- lichep Marxismus dar»Roten Fahne" nicht besser als um den der von ihr angegriffenen.Freiheit" oestellt ist. Kautskp muß hinaus! pilserding and Erispie« hinterdrein k Die„Rote Fahpe" veröffentlicht in Fortsetzungen eine langatmige Denkschrift des Exekutivkomitees-der dritten Jnternaitona-le, die den K.A.P.D.isten wieder den Kopf zu- rechtsetzen soll. In der zuletzt veröffentlichten Fortsetzung heißt es: Di«.linlezt" P�tMMihelhen- h«n Schlag«»Wotffhe im S und Laufenbergs liehen eS. hie. doulschen Kommunisten-Spartakisten dessen zu boschuidtgen,.daß sie eine. Gemeinschaft mit der deutsehen Unabhängigen Partbi anstreben. U Uteri uchcu wir mich dies« An- klage. Aus dem Schreiben des Exekutivkomitees der Kommunisii- scheu International? an die U-noNbängigen, das, haften wir eS, auch Euch bekannt ist.- müßt Ihr mit der Stellung bsfainnt sein, die wir zur Unabhängigen Partei Deutschlands einnehmen. Wir sind der Ansicht, daß die reck,tea Führer dieser Partei, die Herren Kautsch, Hilferding, Erispien und Compaguir objektiv Verräter an der Srbeitrrsachr und die bestea Helfer der Bourgeoisie sind. Wir halte« den Kampf mit diesen F-Uhrern der Unabhängige« für eine srbr dringende und«nonsschiebbare Angelegenheit. Aber wir wissen gleichzeitig, und daS wißt auch Ihr. daß Z-sbntausende und Hundert- tausend« von Arbeitern, di- noch«n der Unabhängigen Partei sind und bleiben,.unter aicherem auch darum, weil hie Reihen der deutschen Kommunisten gespalten sind, sich durch nichts von den ein- sitchen kommunistischen Arbütern unterscheiden.'Diese Arbeiter, Mitglieder der Upqbhängigen Partei, stehen offen und ehrlich zu ; der Kommunistischen Internationale und sind unsere Freirnd« von ' morgen. Cr i spien bat eben erst im Namen des Exekutiv- fmziitees dtzr 11., S. P. jenen demütigen, schweifwgHelicken Brief nach Moskau geschickt, der die gute Gesinnung seiner Partei, im Sinn« der Moskauer Machthaber beweisen soll. Nützt nichts, es regnet weiter Ohrfeigen. Nock ein �bschieüsbnef. Tie Flucht aus der U. S. P. Ter Vorsitzende der Koblenzer Ortsgruppe der ttnab- hängigen. Kühn e, bbt seinen Austritt aus der Un« abhängigen Pardei erklärt: Seinen Schritt begründet er mit einer Zuschrift,' die er unserem Koblenzer Parteiblatt zur Veröffentlichung übersandte. In der Zuschrift heißt es u.«.: Die Zustände innerhalb der Koblenzer Ortsgruppe der ll. S. P. sind in den letzten Wochen so unhaltbar geworden, daß jeder klassenbewußte Arbeiter sich mit' Abscheu davon ab» wendet. De..Verküuder. der Dktatur des Proletariats", wie sich die Spitzen des Vorstand mit Vorliebe nennen, sind nicht im geringsten sähig. diesem Phrasenwort« die wahre Deutung zu gelben. Verwunderlich ist das nicht. Mußte' ich doch gegen Vor- standsmitglieder, die vor kurzem noch Mitglieder einer gelben Gewerkschaft waren, entschieden Front machen, als sie versuchten, eine.kommunistisch« Ortsgruppe zu bilden. Der M>» geordnete Fries iKölnt sekundierte diesen Gelben, und mein Ver» such, die Genossen mis der Partei auszuschließen, scheiterte. DaS war mir der Beweis, daß die Radikalisierung und w e i» tere Linksschwenkung ins kommunistische Lager selbst bon den.Obern" gutgeheißen wird. Nicht sozialistisch«, svn- der« kommunistisch« Politik ist das Erstreben der U. S. P. Und diese Bestrebungen bedeuten wettere Spaltungen i« der Arbeiter, schast. Ich behaupte mit Recht, daß die Unabhängige sozialdemo- kratische Partei nicht den ernsten Willen zur Einigung der Arbeiterschaft hat, da alle Einigungsversuche schon grundsätzlich an der'Eitelkeit und dem persSnlichen Egoismus der Führer scheitern. Wenn wir dann aus Aeußerungen verschiedener nnalbhängiger Führer zurückgreifen— lBreitscheid:.Fn Kürze werden wir vor der Notwendigkeit stehen, die Zügel in der Regierung mit zu «rgreisen, und die Stunde der Tat soll die Arbeiterschaft geeint finden!")—, so stehen sie im direkten Gegensatz ihrer heutige« Taten bei der Regierungsbildung. Das ist Verrat an der Ar- beitrrklasst. Nicht Ph' rasenpol itik und negierend« Kritik find die Aufgäben einer erstarkten Partei, sondern Wirk, I ich f« i 1 8 p vliti l, Festigung und Erweiternng der sozialen Errungenschaften müßte die Verantwortlichkeit der Üi S. P. stärken. Unter den Koblenzer U.S-P.-Genossen geht bereits die Ent- läufchungob dieser falschen Politik spazieren. Di« Hoffnungen, die viele Wähler an die FrieSlist« banden, find nicht erfüllt worden. Viele Parteigenossen baden mir offen und ehrlich ihren Mißmut über die wenig verantwortungsvolle Haltung der Partei ausgedrückt. Nqch.S.K r.v d e r, N c st'r i e p ke und so vielen anderen, die in der Einsicht di? 11. S. P. berfefzen, daß es so nickt wefforgehe. solgtz nunmehr auch der'. Koblenzer Kühne. So stoßt die P h rase n p o I i t i k'der Unabhängigen selbst Mitglieder ab, die in ihr bisher an hervorragender Stelle tätig waren. Wie viele anders Mitglieder aber mögen sich von dieser Partei enttäuscht abwenden, die nicht Wschiedsbriefe schreiben! Die Verwirrung in der U. T. P. beweist mehr und mehr. daß die E i ni g u.n g der Arbeiterklasse sich nur auf dem Boden&»r alten Sozialdemokratie vollziehen wird. An der A r b e i t e r s ch a s t ist es. daß dieser Tag nicht mehr fern liegt. Steinach-vifton. Diesmal war eS Wahrheit! Prasesiot Steinaeb hatte das Mittel erfunden, die alternde Menschheit zu verjüngen. Wie«ine große hoffnungsvolle Sonne ging sein Name über dem Elend der Nachkriegszeit auf. Ein Bedenken. bestand noch: Die Steinachkur war teuer und kompliziert. Nur sehr reiche Leute konnten sich sie leisten. Des- halb ergmg ein Gesetz, daß die Wunderkur des Professors Steinach aus Staatskosten zuerst an den bervorragendsten Männern der Nation, an Staatsmännern, Künstlern und Gelehrten, zu er- proben sei. Einer der ersten aber, die an sich die VerjüngungSmethode des Professors Steinach anwandten, war Wilhelm, der einsam« Mann von Toorn. Die reichliche Abfindung, die ihm die Preußische LandeSverscnnmlung nebst tausend silbernen Tellern und zwei Schock Rittergütern bereitwillig nachwarf, machte ihm die zehn Millionen, die als Honorar gefordert wurden, zur Bagatelle. Er ließ sich also bereitwillig... aber wir wollen hier nicht auf Details der merkwürdigen Wunderkur eingehen. Kaum dem Operationssessel entstiegen, nahm Wilhelm sofort eine- wunderbare Verändevung an sich wahr. Mit JünglingSkrast stürzte er sich zunächst aus den Holzhaufen, der noch angefangen von seiner letzten Arbeit dalag, und hatte ihn in fünf Minuten zu Streichhölzern gehackt. Wert entfernt aoer, hierdurch geschwächt zn sein, be,wun er sofort mit fürchterlicher Stimme und falschem Pathos Reden zu halten. Seme llmgebung hörte Worte wi«: ....zerschmettere ich... Instrument de? Himmels-.. von Gott gewollter Oberherr... aus Bater und Mutter schießen... usw." Ja. es war kein Zweifel, Wilhelm war wieder jung geworden, er hielt seine sämtlichen Iugendreden. mit gesteigerter Furchtbarkeit. In Deutschland begann man die Gefahr einer monarchischen Invasion durch den tatenluslig Gewordenen zu fürchten. Aber auch in Holland fühlte man sich nicht mehtt sicher, da Wilhelm vor täg- sich größer werdendem Publikum Brandreden hielt, in denen er sich als Admiral des Atlantischen Ozean?, Schirmherr aller Muselmanen, Herzog der Holländer usw. bezeichnete. Schließlich roßte die holländische Regierung einen Entschluß: llm den entsetzlichen Menschen loszuwerden, lieferte sie ihn an die Entente aus. Diese aber nahm an W'lhelm ein neues Verjüngungsexperiment vor. das indessen mißlang, weil der Patient nach geglückter Operation starb. Die Entente hatte nämlicki ausprobieren wollet, ob die Ver- jüngutig der Unsterblichkeit entgegenfsibre. DaS hat sie nicht. Deutschland hätte bei dieser Kunde anfgeatmet. wäre eS nicht zu jenem Zeitpunkt von neuen enffetztichen Sorgen geplag, g«. «esen. Inzwischen hatten nämlich die Unabhängigen durch ungeheure Agitation einen Volksentscheid durchgesetzt, daß als erster deutscher Swatsmann Georg Ledebour von Professor Steinach verjüng: wurde. Es geschah— und am nächsten Tage brach in Berlin ein Ausstand von nock nicht dagewesenen Dimensionen au«. Wäh- rend die ganze Wilhelmtstraße mit sämtlichen Regierungsgebäuden in Flammen ausging und Barrikadenkäm'pse in fämilichen Borstädten tobten, sah man Georg Ledebour in scharlachfarbsner Toga von der Siegessäule berab Ansprachen halten, die bis Moabit ge- hört wurden, däbei von so gotteslästerlichem Inhalt, daß selbst Mols Hoffmann sich bekreuzigte utifo der«owjctabgeordnete Wig- dor Kopp seine Koffer packte. Auch die andern Parteien machten mit der VerjüngungÄur ibrer Häupter selffame Erfahrungen.-Ein Zentrumsbischos von 73 Iahren wurde zum Jünglinge aber nur um sofort ins Lager der Bolschewisten überzugehen, und ein bekgnnter Führer der Rechten begab sich aus Professor TteinaÄS Klinik sofort nach dem Wittenbergplatz, wo«r— ein teut scher Jüngling— seinen Spazierstock gegen etliche Juden schwang. Nicht besser verlieren die Berjüngungsexperimente in der Kunit. Ein paar iretfchärtige ÄkädeMieprofessareri, die Jahr für Jahr die große Berliner Kunstausstellung mit patriotischen Schinken geschmückt hqtffn, gingen verjüngt sporifftreichi unter die Expressionisten und Futuristen. Prozessor Kämpf wandte sich den neitciten Methoden der Malerei zu: aus den verschiedenartigssten Materialien, au? Mechpfeifen, Papiermützen, Eotillonorden uns Toubenmist komponierte er ein Gemälde, da? er»DeuffchlandZ geistige Erhebung?Y14" nannte und dkst�n. Aufftellung in de,. Ruhmeshalle des Zeughauses er durch den mittlerweile auch ver- jungten Chefredakteür der„Kreuzzeiiung." Tag für Tag kategorisch fordern ließ. Natürlich war oust Gerhart Hauptmann, der Stolz-der d«ul- scher, Literatur,, einer der eriten. dem. die Ebrung der Verjüngung vom Volt bereitet wurde. Er bekannte sich spornstreichs zum Ta- daiSmus. Trotzdem behaupteten berufene Kritiker, daß seine neuen Werke nur. eine gradlinige Fortsetzung seines AlterSstiles darstellten. Von den Musikern wollen wir gor nicht reden, ihre Verjüngung machte sich bald so bemerkbar, daß Riesensanatorien in musiker- freien Gegenden angelegt werden mußten. Wer trotz dieser abschreckenden ErsiKge ließ der Zudrang derer nickt nach, die verjüngt sein wollten. Nur ein siekNigjäHriger Greis der hohen Aristoträtie machte«ine Ausnahme. Obwohl dieser Bedauernswert« mit-allen Gebrechen de» Alter? geplag! war. laut ärztliche« ZeitUu» seit dreizehn Jahren an Arterien» Verkalkung, Zucker, Eiweiß, Galleniteine, Nierenleiden. Wassersucht und Gicht litt,- erklärt« er doch, sich ick diesem Zustand« wohl grt befinde». Ll« tat Parlament von der Eiwfüh. rung. eines VeffüngungszwangeS nach Muster deS Impf» zwange? die Rede war, trug er sich sogar mit Auswanderungs- Plänen. Dieser Greis, der sich ntü wahrer Inbrunst an die Ge- drecken de? Alters klammerte, hieß Phili Eulenburg... Mich. v. L i n d e n h e ck e n. Tie künstlerische Gestaltung de? Reichsadlers wird im zweiten .Heft der..Mitteilungen des ReickskunstwartS" besprochen. Der Standpunkt, der darin vertreten wird, weist das Rückgreifen aus alte Vorbilder und Stilforme» ab. Solle uns das Wappen wirklich Symbol werden, so müsse der Kunststront zeitgenössischen Kunst- strcbens seine Fonrcn erfüllen, denn glauben könne man mir cur das. was Zukunft swill eu in sich trägt. Arbeiten sind seit Monaten im Gang«, die für das Reichswappen eine Entwicklung vorbereiten wollen, die von der Norm eines.Bureautieres" weg zu Formen führt, die jeweils dem Ge- broucktszwecke twe der Moter-alverwendung Rechnung tragen. Tic Schrift legt, durck Abbildungen erläuternd, die Entwicklung dar, die auf neuen Wegen der Woppensassung zutage ge» treten ist. Sic zeigt sich nickt geneigt, zunächst von dem Mittel allgemeinen Wettbewerb» EiUicheidetrdes zu erwarten.' Sie nennt das ein Arbeitsabwälzen. Alles komme an auf em Zusammengehe» mit«ittzlenen Künstlern und auf hie Befruchtung der Ausgaben durck ihre �fdeen. Sov'el lasse sich schon beute ertennen. daß die Reicksregierunz d'-e Patenschait für den deutschen Reichsadler dem Künstler übertragen habe. Zu Ende sei es mit dem System, das nur..Akt, bewährtes" atö verwendbar ansah und demnach für öffentlich; Kunstauigaben nur Nach.retcr gebrauchen konnte. Hermann Hesse— Bertaffer des»Demian«. Emil LinelairS .T-cmian', die mit dem Fontaueprei? gekrönte, auch von ins seinerzeit gewürdigte Getchichte einer Jugend(S. Fischer. Verlag, Berlin), dt« jetzt bereits in 16. Aussage vorliegt, ist von Hermann Helle geschrieben. Helle dattt da» Pteudonnm Sinclair gewähU. um da« Buch nur durch sich selbst und nicht dwch den«amett de« Autor« wirken zu lassen i�tirch dia IndiSlretion einer Schweizer Zeitung ist das Veheimni« dieier Pseudonvmität jetzt an die Oestentlichkeit gekommen.' Ter Maler Albert Koller, von Gebui-t ein Schweizer ist m München 7« tFatzre alt g e st o r b e n. Er war zweiter P-alld'ent der Sezession. Seme Nüi stlerlchnit'ckulte sich zuerst bei Lenbach. ist die Wege der großen Münchener l ealm,«wen Historienmaler gegangen hat gern biiüsch« und antike Stojse sür ihre B-.locr gewählt und dieses Genre modern kolo. ristisch weiterzuentwickeln versucht. Theater. Ein neue« Litslspiel von Ludwig Fulda:»Da« W u n d e r m i t t.e I". wurde nom Triavan-rheater zur SrftauMhrung sür die kommende Spielzeit erworben. Erstaufführungen der Woche. Konudd. Kleines Theater: Elise Uentzng. Das Wildenbruck- Hau?, da? der Deutschen Schillerfttst-ng in Weimar mit dem Z>d«»er fflatfm des Dichters zugefallen ist, wird, wenn die Dirntche der Berftorben-n matzgebend sein wecdeu,»in Hei« für S chrif t ite il e.rin u e» werde« Bewerbungen und Anfrage» find ab« zurzeit»och ganz vertrübt. Das Enöe des pommerfchen flusstanöes. Tie Erklärung der Arbeitgeber. lieber die Beendigung des Landarbeirerstreiks i.m Areise Köslin kv:rd. uns vom Deutschen Landarb.'itervenband geschrieben: D-er am 17. Juni begonnene Landarbeitcrstreik ist am Donners« rag. den Ich. Juli durch fast einstimmigen Beschluß einer Äre'd- acnercrlveMomnrlung der Ortsgruppen des Deutschen Landarcheilec« verband�- im Kreise KöSlin au fgehoben worden. D«r Streik entstand, weil der L a n d b u n d auf die Anew kennung setner Arbeitn-dmergruppe als Tarislontrahent neben dem Deutschen Landarbeiterverband beirand. Tie dadurch bervorgerufere Verzögerung, ja direkte Verhinderung der Tarifabschlüsse loste den berechtigter, Unwillen der Landarbeiter aus und führte zur Arbeitsniederlegung. Diese Streitfrage hat in ganz Pommern seit Anfang des Jahres den Abschluß von Tarisen in Frag« gestellt. Aus Aeußerungen verschiedener Führer des Pommerfchen Landh»ndes geht hervor, daß man jeden Tarifadschluß in der Landwirtschaft abschaffen mochte, um wieder den alten Zustand des persönlichen, unkontrollierbaren DienftvertrageS herbei« z>rfübren. Der Ausgang de? Streiks verbürgt keinen dauernden Frieden. Der am 2l. Juni durch einen Schiedsspruch gc« jchaffene Tarif befriedigte die Arbeitnehmer nicht. Die Ar be i t s- zeit des Vorjgbres ist unnötigerweise auf 2900 Stunden v e r« löngert worden. Der neben dem Deputch bewilligte Barlohn von 1400 M. pro Jabr für den T e p u t a t a r b e i t c r entsprach nicht den Teuerurigsverhaltnissen. Bestimmungen über die Eni« kobnung der Freiarbeiter enthält der Tarif nicht. Ferner toar eine Bezeichnung der Art und Itenge der Feuerung., im Tarif nicht vorgenommen. Eine Revision des Tarifs wurde durch einen Schiedsspruch vom 8. Juli herbeigefüljrt. Wesentliche Verbesserungen sind nicht erreicht worden. Di« Kreisgeneralversammlung am 1t. Juli be» austragte die Vcrbandsleitung, eine nochmalige D e r.ha n d« lung mit den Arbeitgebern anzubahnen, mn vor Wiederaufnahme der Arbeit die noey strittigen Punkte: Rückwirkung der Teuerungs- zutage ab 1. April. Lieferung des Deputats für die Streiktag«, Be- zahlung der Rotstandsarbeiten und Vermeidung von Maßregelun- gen zu. verhandeln. Auf Einladung des Herrn Landrats waren die Arbeitgeber er« schienen, lehnten aber«ine mündlich« Verbandlutig nnt den Vertretern des Deutschen Larldarbcitervrrbandes ab. Nach dreistündiger Verhandlung mit dem Herrn Landrat und den Arbeitgebern wurde den Arbeitnehmern eine schriftliche Erklärung überreicht, in der von den anivesenden Arbeitgebern versprochen wurde, auf Annahme des Schiedsspruches und «kinhaltung der in ihm festgelegten Arbeitszeit hinzuwirken. Für die Streik tage sollte ferner Barlohn und Deputat zu den durch den Schiedsspruch festgelegten Sätzen abgezogen wer- den, dagegen soll auch für£nc Streikzeit das Deputat in der durch Schiedsspruch festgesetzten Höhe in Natura oder soweit dieS nicht mehr möglich sei(wie z. B. bei der Milchi in bar gelvährt wer- den. Ein weiterer Punkt beschäftigt sich mit der Bezahlung der N o t st a n d s a r b e i t e n. und schließlich wurde ausgesprochen, daß die A r h.e i t s n i e d c r I c g u n g in diesem speziellen Streik- falle"' kein K ü n d i g u n g Sg r u.n d sein solle. Dies« Erklärung ist in der Vollveriammlung der Arbeitgeber am Mittwoch, den 14. Juli, gutgeheißen word«n. Ta weitere'Vorteile im Augenblick, nickt zu erreichen waren, bat die.skreisg.'nevalversatitmlung. ocn Streik äu f g e ho b c.n. An den Arbeitgebern wird es liegen,, ob' die Streitaxt begraben bleibt. Den. pommersche.n Landarbeitern rufen wir zu: Haltet Treue dem Deutschen. La ndarbciterver band und stärkt seine ReiHcnl Ein Spitze! als Abgeordneter? Bremen, 17. Juli.'Eigen«! Drahtbericht des„Vorwärt?".) Die unabhängige„Bremer Anbeit«rzeiwng" bat in letzter Zeit um- fangre.chs Enthüllungen über die Einflüsse von Spitzeln auf das Rote Regiment in Bremen und Wikhekmshalxn geinocht. Die Hauptrolle spielte, wie bereits mitgeteilt, die Lockspitzelin Schröder-Mahnke. In ztveiter Linie beschuldigte das un« abhängige Blatt e'Nen gewissen Wendelin Thomas der Unt�r« Nutzung der Lockspitzelin. Dieser Thomas sei rechtzeitig aus Wilhelmshaven verschwunden. Wie sich nunniebr heraus- stellt, ist dieser Gehilfe der Spitzelin der jetzige unabhängige ReichStagSab geordnete W e n d e I i n Thomas aus Augsburg. Das unabhängige Blatt dürfte über diese Eni- i eckung selbst überrascht fern. Rußland und Polen. Kopenhagen, 17. Juli. Einem Telegramm auS Warschau zufolge meldet der polnische Heeresbericht: Im nördlichen Abschnitt baben die Bolschcwisten Smorgon und O s ch m i o n d' ssrüher Wilnai besetzt. Ter Kampf daucrt am Oschmiankaflvst an. Bol- Ichewistilche Angriffe nordöstlich pon Luzk in der Richtung nach dem Kitiazfee»nd in der Gegend von Bolow sind unter be- deutende» Verlusten für de» Fe-nd abgeschlagen worden. Tie bef- »igen Angriffe auf Luzk werden fortgesetzt. In der Gegend bei T u b n o greift der Feind unaufhörlich an. Polen zum friede» bereit. Amsterdam. 17. Juli...Evening News" veröffentlicht ein aus Warschau e ligetrossenes Telegramm, wonach der. nationale Verteidigungsrat von Polen beschlossen bat. Llopd George? Vorschläge betrefiend den Waffe n st« l I st a n d als ersten Schritt eines Friedensschlusses anzunehmen. Enalend mit Breft-L'towsk nicht rinverttanden. Amverdom, 17. Jttli. Wie.Times" melden, ist die eng« lisch« Regierung mit dem Vorschlag der Sowjeiregieruyg, die Konserenz Mischen Rußland und den R.indstaaren in Brest- Lrtow't abzuhalten, nicht einverstanden. Trei Millionen tSoldrubc! fnr Litaueu. Kopenhagen, 17. J»l,. Wie..BerlingSke Tidende" aus.K.>wno meldet, verpil'ckten' iich die Bolsckewisten in dem zwischen Litauen u»> So wjetrußland abgeschlossenen Friedensver. trag, den Litauern eine Entschädigung von zusammen 3 Millionen Rubel in Gold zu bezahlen. Zwei Mitglieder der litauischen Friedensdelegarion bleiben vorläufig:n Moslau, um die Heimjeudung der litauischen Flüchtlinge zu regeln. K ongreß der A. P. D. Im kommenden Monat wird in Berlin der erste Neichskvngreß der neuen Kommunistischen Arbeiter» Partei Denischtands staunnden. zu dem Delegierte aus Mittel« tentichland. dem Rubrrcvier und den Hafenstädten erscheinen sollen. Der Konareß wird ück in erster Linie mit der Kommunistischen Paneu dann aber auch mit den Tagesfragen veschäjtigen. Gefterreichisch-ruPstbes Abkommen über öela Khun. Bela Khun entflohen. Zwfchen Sowjetrußland und Oesterreich ist ein Mikommeri zwecks Rücktransports der beiderseitigen Kriegsgefangenen abgeschlossen worden. Das Abkommen sieht vor: Die mterreichische Regierung verpflichtet sick zur' R e u t r a l i t ä t im Krieg gegen. Rußland und zum crbsolluten Verbot aller Waffen-, Munitions- und Äriegsgeräielieferungen durch Oesterreich mtt seinen Verkehrsmitteln oder mit Verkehrsmitteln anderer Staaten. Weiter werden die Vertreter, die den Heimtransport beaufsichtigen, zur Wiederaufnahme der wirtschaftlichen B'ezie- Hungen der Völker beider Staaten durch Vollmachten ihrer Re- gierungen besonders ermächtigt. Am eigenartigsten ist aber die Bestimmung, nach der sich die österreichische Regierung verpflichtet, den in ihrem Land fvflndlichen Volkskommissaren der ehemaligen ungarischen Räteregierung das Recht de: Freizügigkeit zu gewähren und deren Abtransport nach Rußland mit allen zweckdienlichen Mitteln sobald als möglich zu fördern, da die russische Sowjetrepublik die flüchtigen, ungarischen Vökkskommisiare als eine Rußland verbündete Re- g i e r u n g betrachte. Um sich weitere. Unannehmlichkeiten zu er- sparen, schob die österreichische Regierung Bela Khun und Genossen am 15. Juli mit einem russischen KriegSgesan« genentransport ab. Der Transport kam auch glücklich tags darauf an. der De u tsch- t s chech i sche n Grenze in. Oderberg an.. Weichings oh n e. d i e u n g a r i s ch e.n Volkskommissäre. Man nimmt an, daß sie den Zug früher perlassen haben. Allzugroß scheint ihre Sehnsucht nach Sowjet- rußland also nicht zu sein. GroßGerlln (flegen die Abholzung der Wälder. „Die Gemeinden AdlerSbof, Altglienicke, B:rlin-N,ederschöne- öffentlichung zu: „Tie Gemeinden AdlerShof, Gltglienicke, Berlin-Niederschöne- weide, Berlin-Johrnnisthal, Grünau und Bohnsdorf, vereint in ihrem Amtsausschuß, legen hiermit aufs schärfste Ver- wahrung gegen die s-nnlose Ab Holzung der Wälder in ihrer Umgebung ein. Di« Gründe» soweit diese bekannt find: Schaffung von SiedlungSgelände und Versor. gung mit Brennholz, können als stichhaltig nicht anerkannt Verden, da baureifes Gelände an fertigen Straßen zur Genüge vorhanden ist und der Brennholzschlag anscheinend nur dazu dient, die hohen Holzprcise auszunutzen. Wir bitten die Veruoltung von Berlin, sofort geeignete Schritte zu Unternehmen, um den Käblschlag der Wälder zu ver- hindern." Dazu bemerken tvir, daß weder der Verband Groß- Berlin noch der Wohnungsverband an diestn Einschlägen beteiligt und dafür verantwortlich ist. Der Wobnuvasverband hat den von den östlichen Gemeinden gewünschten Einschlag von Brennholz abgelehnt, weil er die Erhaltung der Waldflächen in' der näheren Umgebung der Großstadt für eine hygienische Notwendigkeit hält. Es' wäre nicht uninteressant, zu erfahren, wer die Einschläge vornehmen läßt. Vielleicht wird da einmal Aufklärung geschaffen k Sicherheitspolizei und Arbeiterjugend. Seit dem Jahre 1918 stehen der arbeitenden Jiigeno die wenigen R as e n sp i e l s l äck e n zur Vetfügungi Das Bedürfnis, hier nach getaner Arbeit bei ffobem Spiel, aesundem Sport einige Stunden ,u verbringen, ist äußerst stark. Um so sonderbarer nurtet e« an. daß jetzt die Sicherheitspolizei(Revier Greisenhagener Straße) sich berufen fühlt, als Aufsichtsbehörde der Parkdeputation sich auszuspielen. Auch in diesem Jahre steht dein Verein„Arbeiterjugend" die Rasenspielfläche de» F o l k v l a tz e S zur Verlügung. Leider muß ober ein beträchtlicher Teil der Spiel,«it stets dazu benntzr werden. lim die Wachmannschasren des obigen Revier» davon zu überzeuge». daß ihre G e n e h m i g u n g zun, Spielen nicht notwendig ist. Am gestrigen Tage zeigt« sich nun, daß besonder« eitrige Ordnungshüter zur Stelle waren, welche da« Spielen erst erlaubteri, nachdem der Spielleiter, Jugendgenosie A i ch e ck e r zur Feststellung seiner Personalien zum Revier mitgenommen worden war. So etwa« ist selbst unter der der Arbeiterjugend gewiß nicht zugetanen wilhelminischen Regierung nicht möglich gewesen. Wir protestieren gegen diese Eingriffe der Sickerbeits- Polizei und fragen den Gen. Polizeipräsidenten Rick'er:.Hot die Sicherheilewehr nicht wichtigere Aufgaben zu erHillen, als die erholungsbedürftige Jugend beim Spielen zu stören?" Ei» blutiger Zigeunerftreit, bei dem ein Zigeuner von seinen Standesgönosien n, e d e r g e s ch o s s e n wurde, spielte sich heute früh in dem Zigeunerquartier Grüner Weg 11 in Reinickendorf ab. Der 2Ä Jahre alte au« Langenicheid gebürtige Karl Lauen- bürg er griff im Lame de« Streite? zur Waffe und ickoß ieine» Gegner, den 39 Jahre alten a»Z Hessen stammenden Musiker und Händler faver Wieg and nieder. Dann ergriff er die Flucht und e»rt!«n. Der. Schwerverletzte wurde nach der Cbarliö gebracht, wo er seinen Verletzungen erlag. Die Leicke wurde nach dem Schau» banse gebrocht. Der flüchtige Revolverheld wird von der Kriminal- Polizei gesucht. Eine Lirbestragödic spielte sich in der vergangenen Nackt in einem Logis m per Mauerstraße ab. Dort waren der Maler Willi Pfeiffer au» der Frankffrrrer Alle« zu Lichtenberg und 'eine Geliebte, die 18 Jahre alte Handnäherin Ida Walner an« der Babnhofflr. 8 zu Lichtenberg abgestiegen, um gemeinsam au« dem Leben zu scheiden. Sie nahmen beide Gift, wurden jedoch noch lebend anigeiunden. Ein sofort hinzugerufener Arzt stellte WiederbelebnnaSversuche an. die bei dem jungen Manne auch Erfolg hallen daS Mädchen starb jedoch unter feinen Händen. Das erste Postflugzcug Berlin— Warnemünde ist am IS. mittag« 1.30 Uhr irr Johannisthal gestartet und fahrplanmäßig in Warne- münde eingetroffen. Von Angehörige» der Garde-Schützen-Tivisio» ist im März 19l9 der Schauspieler Fritz K i r ck m o n n aus der Waisenbrücke e r- schössen, beraubt und in die Spree geworfen worden. Zweckdienliche Angaben etwaiger Zeugen erbeten an Rechtsanwali Dr. Frey. Potsdamer Platz. Neukölln. Die Kinderkrippen und Säuglingsheim« haben sich vor allein während der Krieqszett als eine segensreiche Ein- richiung von großein wirtichaftlicheir Wert erwieie». Zahl- reichen Müttern, die in diesen Jahren aus Broterwerb angewiesen waren, wurde die Möglichkeil geboten, ihrer gewohnteri Beschäfti- aung nachzugeben und dabei das Kind iu bester Verwahrung und Pflege untergebracht zu wissen. Die städtische Kinderkrippe I in der Launerstr. 42 weist im Jahre 1916 mit 9860 Kindern die bisher stärkste BelegungSziffer a»t. um hierin bi« auf 3279 im Jahre 19l9 zurückzugehen. Dieie verminderte Inanspruchnahme ist in erster Linie auf die Untgeitallmig der wirlichostlichen Verhältnisse luriickzusübren, wobei die Beschäftigung der Frau nach und nach in Fortiall gekommen ist.— Bei der Ausnahme werden vorzugsweise Kinder von. Witwen und. a l I.P'»stehenden Frauen berücksichtigt. Da« täglich» Pjl jegeld beträgt 60 Pf. Im Zoo findet Sonntag von 5 Zlhr nachmittag« ab große« Konzert der Kapelle der Berliner SicherheitSwehr statt. Gcoß-Ledmer Partemachrichten. Morgen: Buchbolz. Badeausslug nach dem Gorinsee. Treffpunkt bei Schröder, Hauptstr., llzS Uhr früh,_ Theater See Woche. Vom 19. bis 25. Juli. Doliebühne: Bruder Martin.— Opernhaus: Geschlossen.— Schauspielhau»: Die SirohwUrre— Leutiche» Theater: Wew und Hampelmann.— Kammerwtetrr Die Notbrücke.— Less.ngtheaocr: Das Dlas der Iungirau.— Theater i. d. Äonig- gräKer Straße: Das Sellanduis.— Deutsches Opernhaus: Geschloffen.— Schiller» theater: Der ehemalige Leutnant.— wr. Schauspielhaus: 18. bis 20. Ltzflstrata.; 21. bis 25.: Julius Schar. Täglich. Die Tribüne: Bunbury.- Deutsches Kllustlertheater: Die bsffere Hälfte.— So>nüdic:chaus: Die Reise in die Mädchenzeil— Berliner Theater: Der letzte Walzer.— 5Aelues Tchauspieiihms: Die Büchse der Pandora. — Trianon. Theater: Riaskerade.— Nes.danztheater: Die Raschhsffs.— Reue» Zentrattheater: Die Dame Im Frack.— Theater w der Alten Jakobstraße: Dl« verschwundene Pauiine.— Friedrich. Witheimsr. Theater: Marzipan.— Aomisch« Oper: Die Frau im DunteUt.— Lust'pielhaus: Der ungelreue Eckehart.— Metropaltheater: Im weißen Rößl- Neues Lperettenhaus: NaturaUNlsch. phantastisches Ballett. Prinzessin Friedü— Thaiiatheater: Höheit die Tänzerin.— Theater SM Nolleudorfftlätz: Eine Nacht im Paradies.— Theater de» Westens: Der Nadenoater.— 5>tetnes Theater: 18.— 23 Die Psarrhauskomüdie. Ab 24 Elise Lcnffng.— SSalhallatheoler: Die Jnternatioriaie— Nosc-Theater: Ein Walzet- träum.— Luisentheater: Der neue Papa. Ab 25 Das Heiligtum de« Herzens.— Neues Bolistheoter: Die drei Zwillinge.— Falle» Eaprire: Fiunmerllärchen. Itachmlttagsvorstallnnge». Poltsbü i.ne: 17., 18, 2t., 24. und 25. Die Fledermaus.— Sroßes Schauspielhaus: 18. Lyffstrata. 25. Julius Eälar.— Trwnon.Theater: 18. und 25. Der Slorensried.— Restdeuz-Theater: 18. und 25. Der gute Rus.— Theater am Nollendorfplatz: 25. Da»(biüasimldel. Sport. Ringkämpfe in Schöneberg. Am Freitag rangen zuerst der Scköneberger Riese gegen Löwe, letzterer war pezwuiigen, sich ganz auf die Verteidigung zu legen, tat dies sehr aeichickl, so daß der Kampf nach 20 Minuten ab- gebrochen werden mußte. Beim darauffolgenden Kampf siegle Naber nach IS Minuten über L a n d a u- Tiisseldots durch Ausheben mit Mühle. Aeußerst ipannend war dann der Kampf Schwarz mit Ritzler. Ritzler verteidigte sich gegen den Weltmeister H. Schwarz so geschickt, daß der Kamps iu 20 Minuten noch nicht entschieden werden konnte. Zum Schluß siegte Weltmeister Weber gegen Andrieu insgesamt 44 iviinutensdurch Hüflschwung. Heute wird zuerst der Kampf L ö w e- W eb e r fortgesetzt. Außerdem ringen R eiber- Schwarz. Naber-Achner und Entscheidungs kämpf Hoch- darren gegen Hawliczech. RegicruugStiWstnahmen gegon die Arbeitslosigkeit. In der. deutschen Teztilindustrie nimmt die Ar- beitslosigkeit rapid« zu. Ganze Bezirke, in denen die Be» völkerung nur aus die Textilindustrie als Existenzquelle an» gewiesen ist, sind mit der Beschäftigung der Arbeiter am Ende. Beim Reichswirtschaftsmini st erium häufen sich di« Notschreie täglich. Man erwartet von dort Hilfe durch Beschaffung von Arbeit. Ilm diese Hilfe bringen zu können, hatte da? ReichAwirtschafts» Ministerium mit der Reich? st ei le für Textilwirtschaft die Bekleidiingsbeschaffnngkftelle.n der Reichsbehörden und Glied» stäaten sowie Z«ntrakstellen privater Verbraucher zu einer Be» sprechung gxladen, die am 16. Jirti stattfand. Herr Staats- setretaw Dr: Hirsch führte einleitend aus, daß der Versuch gemacht werden solle, den kaufwilligen Verbraucher mit dem ar» beitswilligen Erzeuger zwecks Abschluß von Warenverkäufen zu- sammenzuhringen. Das Haupthindernis für den Abschluß von Warenverkäufen für spätere Lieferung bilde das Valuta» Risiko. Dieses Risiko müsse für solche Notapfträge ausgeschaltet werden. Die Vonbereitungen dafür seien im Gange. Es solle für diese Notaufträge durch Einführung de« Valuta-Terminhandels eine Kurssicherung geschaffen werde». Im übrigen rst die Sache so gedacht, daß in der Reichs- stelle für Textilwirtschaft eine Verm ittlungsstelle für not, leidend gewordene Betriebe geschaffen werden soll. Diese Stell« soll solch« Betriebe mit den Stellen in Verbindung bringen, die Notaufirög« vergeben wollen. Diesen Aufträgen steht dann der Schutz vor den Valutaschwankungen zu. Die geschäftliche Abwicke- lung bleibt Sache der Firmen. Es fand eine längere Debatte statt, die damit endete, daß eine Kommission von Verbrauchern und Erzeugern zusammentreten wird, um die Sache spruchreif zu machen.\ Gewerkschaftsbewegung die Kriegsftatiftik der freien Gewerkschaften. Als im Jahre 1914 der Wellkrieg über Deutschland urplötzlich hereinbrach, erschien auch der Fortbestand der Gewerkschaften auf das ernsteste gefährdet. Hunderttausende der besten Mitglieder wurden den Verbänden durch die Einberufungen zum Heeresdienst entzogen und die urplötzlich eingetretene Unterbrechung des Erwerb«» leben« hatte eine Arbeitslosigkeit in solchem Umfange zur Folge, daß die Gewertschaften den an sie gestellten finanziellen An- forderungen zu erliegen drohten. In diesen kritischen Tagen ent- stand bei den Berbandsleitungen der feste Wille, unter möglichster Anposiung an die außerordentlichen Verhältnisse die Gewerkschaft«- orgonisationen den Arbeitern über die schwere KriegSzeit hinweg zu erhalten. Um eine Uebersicht über die Organisationsverhältnisse zu gewinnen, unternahm die Generalkommission bei den ihr an- geschlossenen Zentralverbänden Feststellungen über»den Bestand der Mitglieder, die Zahl der Eingezogenen und Arbeitslosen sowie über die Ausgaben für Unterstützungen". Die erste dieser Erhebungen erfolgte anfangs September 1914, die letzte schließt ab mit dem 30. September 1913. Wenige Wochen später kam der militärische Zusammenbruch, der zum Abschluß des Waffenstillstandes zwang. Bi« zum Schluß de« ersten Kriegsjahres konnten die Kriegsstatistiken der Zentralverbände unb.-anstandet im Korrespondenzblatt" der- öffentlicht werden. Sodann verbot die Militärbehörde ihr weitere« Erscheinen. Die Zahlen der Eingezogenen und der Gefallenen sollten nicht mehr bekannt werden. Nach Friedensschluß hat sich der Vorstand des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes dazu entschlossen, mit Rücksicht auf den späteren historischen Wert der Erhebungen, die manchen Auf- schlug über den Einfluß de« Krieges auf die Gewerkschaften bieten, das mit so vielem Fteiße uitd großer Mühe eingebrachte Material zusammengefaßt der Allgemeinheit zugänglich zu«mchar. Die Veröffentlichung ist nunmehr m einer Beilage zu Rr. 28 des „Korrelpondenzblaues" erfolgt. Vom Schlüsse des 2. Quartals lg14.bi.Z zum 80. September 1918 waren den berichtenden Zentralverbänden 1682582 Mitgliedes barunter 519 379 weibliche, beigetreten, dagegen werden für den gleichen Zeitraum wieder 1 2SS 441 Mitglieder, darunter 369 520 weibliche, als ausgeschieden angeführt. Unter Berücksichtigung der Ein- getretenen betrug der geiamre Mitgliederabgang während deS Krieges 2 777 648----- 66,2 Proz. gegenüber dem Mitgliederbestand am Schlüsse des 2. OuartalS 1914 unter Hinzurechnung deS Mit- gliederzuganges. Die höchste prozentuale VerlustzabI weist die Er« Hebung vom 4. Quartal 1916 mit 69.9 auf. Dann tritt eine leichte Besserung ein. Die Einberufungen zum Heeresdienst. Von dem gesamten Mitgliederderlust kommen bis zum 3. Luar tal 1918 1 412 837 Mitglieder— 33,7 Proz. auf die Einberufungen zunt Heeresdienst, das ist etwa die Hälfte deS Gesamtverlustes. Sicherlich ist dieie Zahl noch höher, als sie zahlenmäßig aus- gewiesen ist, da sich nicht alle eingezogenen Mitglieder ordnungS- gemäß abmeldeten. Obschon sich naturgemäß mit der längeren Dauer deS Krieges die Zahl der Eingezogenen ständig erhöhen mußte, so senkt sich doch vom 39. Juni 1917 ab die prozentuale Zahl nicht unerheblich. Diese Erscheinung wird bedingt durch den mit ilnfang deS Jahres 1917 eingetretenen Mitgliederzuwachs der Gewerkschaften; der Anteil der Einberufenen an der Berlustzahl wird dadurch vermindert. Dieser Anteil ist hier angegeben im Ver- hältnis zu den gesamten Mrtgliedern einichließlich der weiblichen. Ein wesentlich anderes Bild ergibt sich, wenn die Zahl der Ein- berufenen jfi Beziehung zu den männlichen Mitgliedern gesetzt wird. Diese BerechnungSmethode ist bei den einzelnen Erhebungen erfolgt und zeitigte folgendes Ergebnis: Zum Heeresdienst waren einberufen: 39. Januar 1915: 34,1 Proz., 31. Juli 1915: 46,4 Proz., 31. Dezember 1915: 59,7 Proz., 39. Juni 1916: 61,5 Proz., 31. Dezember 1916: 64,1 Proz., 39. Juni 1917: 62.2 Proz., 31. Dezember 1918: 59,3 Proz. der männlichen Mit- glieder. Die prozentualen Zahlen lassen erkennen, in welchem gewaltigen Umfange die männliche deutsche Bevölkerung am Krieg« teil- genommen hat. Und mit tiefer Erschütterung nehmen wir durch die trockenen Zahlen Kenntnis davon, daß vcn der Gesamtzahl der Eingezogenen am 39. September 1918: 129 585 Mitglieder 9,2 Proz. in dem besten Lebensalter als Kriegsopfer auf den Schlachtfeldern gefallen oder in den Lazaretten verstorben sind. Ungeheuerliche Opfer an Menschenleben, tqenn man sich diesen TodeSanteil übertragen auf alle Eingezogenen zahlenmäßig vor- stellt. Da mit dem 39. September 1918 die TodeSzahl noch nicht abgeschlossen war. wird man annehmen können, daß mindestens der zehnte Teil der Einberufenen als Kriegsopfer geblieben ist. Die durch die Kriegöstafistiken gemachten Feststellungen über den Grad der Arbeitslosigkeit geben«in Spiegelbild der Ge- fialtung des Wirtschaftslebens während der KriegSsahre. Die an- fangZ September 1914 vorgenommene Erhebung verzeichnet 379 126 Arbeitslos«--- 21,2 Proz. der an der Berichterstattung beteiligten Mitglieder. Die für diese Ar- beitslosen aufgewendete Unterstützung betrug wöchentlich 1648129 M. Am 31. Oktober ist die Arbeitsloscnzahl bereits auf 19,5 Proz. zurückge- gangen. Ende Januar 1915 sind nur noch 6.6 Proz. der be- richtenden Mitglieder arbeitslos und die Erhebung von Ende Juli weist mit 2,6 Proz. schon einen etwas geringeren Grad der Arbeitslosigkeit auf, als er in dem gleichen Monat 1913 und 1914 bestand. Die ArbeitSlosenzahl sinkt nun fortgesetzt, mit einer ge- tiiigsn Abweichung im Dezember 1917, und stellt sich End« Sep- tember 1918 auf 9.8 Proz. Die anfängliche starke Arbeitslosigkeit schlug in den letzten Jahren um in eine erhebliche Nachfrage nach Arbeitskräften: die Kriegsindustrie arbeitete mit fieberhafter An- ftrengung, um den Bedarf deS Kriege» zu decken. Unter dem Eindruck der in den ersten Tagen nach Ausbruch de? Kriege» eingetretenen allgemeinen Stockung des Wirtschafts- lebens hielt es die Mehrzahl der Vorstände für unmöglich, daß während der Dauer des Krieges die fatzungSmäßigen Unterstützungen im vollen Umfange weitergewährt werden könnten, wenn man nicht die Existenz der Gewerkschaften auf« Spiel setzen wolle. Allgemeine für alle Verbände gleich gültige Maßnahmen konnten jedoch bei der verschiedenen Gestaltung der Unterstützungseinrichtungen in den Ver- bänden und ihrer voneinander abweichenden Leistungsfähigkeit nicht durchgeführt werden. Diese zu treffen, mutzte den einzelnen vor» ständen überlassen bleiben. Es verausgabten die Verbände vom Beginn des Krieges bis zum 39. September 1918 78,7 Millionen Mark für Unterstützungen aller Art. Davon entfielen 25,3 Millionen Mark auf Arbeits« losen- und 26,9 Millionen auf Familienunterstützung. Ein lehrreicher Vergleich ergibt sich bei Berechnung de« prozentualen Anteils der beiden Unterstützungen an der Gesamt» ausgäbe der Unterstützungen. Von 199 M. Gesamrunterstützung kamen am Schlüsse des ersten KriegSjahreS 59 M. auf Arbeitslosen- und 28 M. auf Familienunterstütznng. Am 39. September 1916 entfielen dagegen auf die erste 3? M. und auf die zweit« 84 M. Mit dem Ausbruch des Krieges schloß für die freien GeWerk- schasten ein geichicbllicher EniwicklungZobschnitt ab. ES war die Zeit der organisatorischen Schulung der Arbeiterschaft zur wirk- famen Vertretung ihrer wirtschaftlichen Angelegenheiten. Indem die Gewerkschaften in harten Kämpicn für die Verbesserungen der Lohn- und Arbeitsbedingungen und das Mitbestimmungsrecht der Arbeiter im Arbeitsprozeß stritten, förderten si, de» materiellen und geistigen Aufsteg deS Proletariat». Die Gewerkschaften bahnten damit der Arbeiterschaft den Weg zur wirtschaftlichen Macht, die sie besitzen muß. um«ine planmäßig- Ueberleirung der kapitalistischen Produktion in eine geiellschafiliche herbei- führen zu können. Eine schwere, verantwortungsvoll« Aufgabe hat nun die Arbeiterschaft zu leiste«, nachdem sie durch den Zu- sammenbruch der autokratisch-mtlitaristischen StaatSverfasiung Deutschlands vrel frühzeitiger vor die Lösung sozialistischer Aus- gaben gestellt worden ist, als es bei normaler Entwicklung der Fall gewesen wäre. Man mag über die Entwicklung der Sozialisterung und die zu ihrer Weiterbetreibung zu ergreisenden Maßnahmen verschiedener Aussasiung sein. Das eine steht wohl fest: die Frage der Sozialisterung der Wirtschaft wird nunmehr in dem Aktionsprogramm der Gewerkschaften einen hervorragenden Platz einnehmen. Die Scharfmacher im Holzgewerbe. Man schreibt uns: Alle Unternebmer, auch die des Möbel- Handels und der Möbelmdustrie, versuchen ihren Angestellten und Arbeitern immer klar zu machen, welche»„Wohlwollen" sie für sie hegen. Klar zeigen jetzt die Unternehmer im Holzgewerbe, von welcher Art dieses„Wohlwollen" ist. 11 Monat« Hoven sie in der Zeit der Hochkonjunktur den Abschluß eines Tarifvertrages für die Angestellten hinausgezögert. Lohnsätze von 265 bis 1299 M. sind dort die Riesensummen, die gezahlt werden. Die Angestellten verlangen nun«in« neu« Regelung dieser Löhn« ab 1. April, die Unternehmer im Holzgewerbe dagegen lehnen diese Regulierung ob. Nachdem si« die liebergewinn« eingeheimst haben, schreien sie j-fcf. daß sie vor dem Zusammenbruch de» ganzen Gewerbes stehen. Der Schlichtungsausschuß- der angerufen wurde, sprach den Angestellten Lohnerhöhungen von 59 bis 69 Proz. zu. Di« holzgcwerblichen Scharfmacher lehnen diesen Schiedsspruch ab. dem Beispiel ihrer Freunde von der Metallindustrie folgend. Ebenso verweigern sie die Teilnahme an jeder AuSgleichsvcrhanMung vor dem Demobil- machungskommissar. Der DemobilmachungSkommiffar soll den Schiedsspruch als verbindlich erklären, er lehnt dies ab. Jnter- essant ist die Begründung hierfür:„Räch der ständig von mir ver- tretenen Auffassung konnen Schiedssprüche, durcb die eine tarii- vertragliche Festsetzung von Gehältern erfolgt, nur dann für ver- bindlich erklärt werden, wenn die in dem Schiedsspruch getroffene Regelung der Billigkeit entspricht und wenn weiter ein solches de- hördliches Eingreifen zur Aufrechierhaltung des Wirtschaftslebens erforderlich ist." Wir fragen: Hat der Temobilwachungskommiflar nicht die Pflicht, durch«ine behördliche Revision der Bücher in den derschied«, nen Betrieben feststellen zu lafien, ob wirklich die Holzindustr-ellen und die Holzhändler vor dem Zusammenbruch stehen? Glaubt der Demobilmachungskommiffar, daß«in Angestellter heute noch mit 265 M. monatlich auskommen kann? Wir find der Meinung, daß der DemobilmochiingSkommisiar schließlich doch auch nicht nur nach formal juristischen Gesichls- punkten, sondern unter Berücksichtigung der totsächlichen Zusammen- hänge urteilen müßte. Tie„Metallarbeiter- -Zeitung" zur selbständigen Räte. arganisation. Unter der Ueberschrift„Es ist vollbracht" charakterisiert die von einem Unabhängigen redigiert«„Metallarbeiterzeitung" den Beschluß auf Schaffung einer selbständigen Räteorganisation wie folgt: Die Generalversammlung der Berliner Betriebsräte nahm nach einem Referat Richard Müller««ine Resolution an, die fol- gendermaßen beginnt:„Die Generalversammlung der Betriebsräte hält an einer selbständigen Räteorganisation fest und beauftragt die Zen- trale, sofort den Aufbau derselben zu vollen- den." Dies ist«in Jnstanzenbeschluß, der nach der Auffassung der neuen U ebe r o rg a n i fa t ion volle Gültigkeit hat. Wir haben es nun in Zukunft mit Organisierten erster und zweiter Klasse zu tun, den Ueberorganisierten und den gewöhnlich prgani. sierren. Ob in die veberorganisation auch Richträte aufgenom. men werden,-ist bis jetzt noch nicht ersichtlich, der ganzen Aus» machung nach ist aber kaum daran zu zweifeln. Zu beachten ist, daß von dieser Seit« bis heute«in Rätesqstem propagiert und ge. predigt k�de. stzr diese? System sind wir voll und ganz einge- treten. Wir sehen in dem Rdtelhstem da» Herrschastsinstrument de» Praletoriat» für die Zukunft. Jetzt wird aber von dieser Stelle die selbständig« Räteorganisation, also der Zusammenschluß der von der Belegschafi gewählten Betriebsräte, der Vertrauensmänner der Masse, in einer besondere» Ovgani- sation gefordert. Ein« unverantwortlich« Häufung von Konflikt- ftosf tmrd damit geschaffen. Wir müssen dieser Wendung der Ding« unser»olle» Augenmerk schenken im Interesse der Allg«. meinheit. Als die„Metallarbeiterzeitiing" die» peröffentlichte, war ihr noch nichts von dem gleichen Beschluß der U. S. P. D.-Bertraue«?- leute bekannt. Hoffentlich unterzieht die nächste Nummer d«S Blattes auch diesen Jnstanzenbeschluß einer wohlverdienten Kritik. Te»onstrationSvcrsam«lu«g der Kraftfahrer und Automodilschlosscr. Di« traurige Lage im Automobikwesen war Anlaß zu einer zahlreich besuchien Versammlung der Kraftfahrer. Automobil- schlosser und Hilfsarbeiter, die zum Freitag gemeinschaftlich vom Transportorbeiterverband und Metollarbeitervevband nach dem Gewerkschaftsbaus einberufen worden war. R e i tz vom TranS- portorbeiterverbond hielt da» erste Referat. Er betont« die außerordentlich stark« Arbeitslosigkeit im Krafffahrwesen. Räch einer neueren Feststillung seien jetzt, den Durchschnitt genommen. im Deutschen Reiche 49 Proz. aller Kraftfahrer arbeitslos. In Berlin sei die Ardeitslosenziffer eine ganz enorme. Die Haupt. gründe dafür seien die Sperr« der Automobilnummer» durch da» Reichiamt für das Kraftfährwesen, die Betriestsstofstnappheit und die Teuerung der vorhandenen Beiriebsstosse. Trotz einer Herab- setzung de» Preise» seien die Preise der Brennstoffe doch noch so hoch, daß von einer Billigkeit de» Fahren» kein« Red« sein könne. Es bestehe ein« WelthpngerSnot an Motorbrennstoffen. Um der traurigen Loge im Automobilwesen abzuhelfen, habe man sich schon an die verflossen« Koalitionsregierung mit dem Antrage ge- wandt, die Sperre der Automobile und der Brennstoffe aufzubeben und die Kontrolle über die Verteilung vorhanbe�Kr und etwa au» dem Ausland hereinkommender Brennstoffe den Ä�perkschasten zu Überlossen. Tie alt« Regierung sei auch der? Messing geweien. daß die Zwangswirtschaft in der bestehenden Wersi� nicht mehr treitergcbe-n könne und daß Abhilfe not tue. Sie hak�. auch ae- meinsam mit»ns Abhilfe schaffen wollen, wenn der AXgememc T-eutfch« Getrerkschoftsbund Aenderungen vorichlage. JtH Ein- Verständnis mit einer Reibe großer Verbände seien dann ochb der Regierung Richtlinien vorgeschlagen worden. Inzwischen seietv tue Reichstagswahlen und die jetzige Regierung ggkommen� und hi�'e sei nickt mebr gewillt, eine Reorganisation im gewüm'chren Urt? fange berbeizusübren. Redner und die beteiligten gewerkschaju- Iickcn Instanzen seien der Meinung, daß ncv die jetzige Zwang?« wirffchast für dos Automobilwesen überlevt bcchc und daß sie od» gelöst wenden müsse, durch etwa» Bessere»- Möglich wäre es, daß wir vom Auslände noch gewisse Quanten s chlechsi t r Betriebsstoffe hereinbekommen könnten, die gemischt nnt restjem hiesigen Benzol ein brauchbares Betriebsmittel abgäbep. Für eiue v'jü'' 8 freie Einfubr dieser Stoffe könne man aus nah e b e zend e n vH,ü n- den, u. a. wegen der Befürchtung einer Verwuchcrung de" Herankommenden durch Kapiialistengrupven nicht sein, B0hl aber vs zu fordern die Freigabe der Einfuhr mit der Maß- gäbe, daß alle Brennstoffe erfaßt würden dnrcti e i n e n o ch z u? cb a f f e n d e Q r g a n i s ä»> o n a l l e r A u io- m o b i l i n I e r e s s e n t e n iArbeugeber und Arfteiineirmc»,', eiwa eines Zweckverbanbes dieser Interessenten, der auch die B�r- leilung vorzunebinen hätte. Also Freigabe der Einfuhr an dtchen Zweckverband un'd Konirolle der Einfuhr und Erfassung dsp 1fr- zeugergueven durch diesen. Ferner nAufhebung der Automo-vtl- sperre lber Rummersperre). So könnte der AnheitSlofigkeit zu einem„uten Teile geholsei, werden. Brendel vom Metallarbeiterverband sprach im Anüereffe der Iluiomobilschlosser und Hilfsarbeiter der Autoindustrie, l�tch diese Jndiistricgrupv» sei ein Trümmerfeld. Die Unternehinäx und Schieber hättest allerdings Kriegs- und Revolutiopsgewvii-tz'» Masse eingesteckt. Jetzt aber, wo nach Steigen der Valuta uvd der Aufstellung der Ausfuhrzölle die Ausländer den Ausverkauf pellt- scher Kraftfahrzeuge nicht mehr fortsetzten uvd wo demzufolge estl Stelle der von ihnen emgebeimsten Riefcngcwinne che Unternehmer sich mit mäßigern Gewinnen begnügen mühten, ba schlösset' sie einfach die Betriebe. Di« Arbeiter würden aus die Straße getrieben und könnten feben. wie si« sich da? balb« Jahr, auf das die Unterstützung beschränkt worden sei, mit der Arbeitslossnunter» stützung durchhungerten. Und was werde dann? Tie kapitalistiiche WirtschoftSordn'injt bade abgewirtschaftet, woS selbst ein Kapitalist. wie Rathenau einieh«. Redner vertrat dann dieselben Forderungen wie Reitz, mit deren Turchfübrung mittelbor auch seinen Kollegen etwas geHolsen werdc. Es folgte eine lebhafte Diskussion. Auch Rettig. der dem Reichsausschuß für das Lust- und Motörkraftfahrwescn angehört. nahm das Wort. Er glaubt, daß auch die neue Regierung. d>e allerdings in der angeregten Reformstage«ine sehr abwartende Stellung einnehme, schließlich werde mit sich reden lassen, wenn ihr die von den Referenten vertretene Forderung vorgelegt werde. Einstimmig angenommen wutde eine Resolution, in der gesagt wird: „Die von den bisherigen Regierungen im Interesse der Ar- beitcrschait getroffenen Maßnahmen haben sich als wirkungslos und verfehlt erwiesen. Das ist hauptsächlich in der Brennstoff- frage det Fall. Die beteiligten Interessengruppen wahren kap'ta- listischc Interessen, und die Arbciterschift verelendet dabei. Beweis: die Schließung der Betriebe. Die Versammlung beißt die bisher getroffenen Maßnahmen dsr beteiligten Gewerkschaften gut und verlangt, daß sofort enetgische Maßnahmen getroffen werden, das bei-ebende Benzolmonopol zu brechen und unbeschränkte Einsubrmöglichkeiten zu schaffen, um die Autoindustrie mit aus- reichenden Brennstoffen zu versorgen und dadurch die Arbeiterschakt vor Vereleiidung zu schützen, indem weitere ArkwitSnuglidjke't geschaffen wird. Des weiteren»erlangt die Versammlung, daß sofort alle Beschränkungen für den Automobil- verkehr ausgehoben werden und die Zulassung von Fahrzeugen nachher BundesratSverordnung vom S. Februar 1919 wieder in Kraft gesetzt wird. Tie in Frag« kommenden Gewerkschaftsinstanzen haben in einer demnächst stattzufindenden Versammlung Bericht zu erstoitru über den Ausgang der getroffenen Maßnahmen." Hungerlöhne öer Musiker in Neuköllner Kinos. Tie Vereinigten Lichtbild-Theater G. m. b. H.(Direktion Baum u. Blank», Städtische und Exelsior-Lichtspiele. Berg'troße; Stern-Lichlspiele, Hermannstraß«: Kuckuck. Lichtspiele. Kottbujer Damm, zablen ibren Musikern noch immer den«m Oktober 1919 festgesetzten Tariflohn von 29 M. täglich. Bon dem kärglichen Lohn gehen ab pro Tag an Krankenkassen-Beiträgen 1 M-, für Jnstru- mentenabnptzung und Materialnnkosten 3 M., Fahrgeld 1,40 M., 19 Proz. Steuern 2 M., so daß nur 12,69 M. zum Leben deS Musi- ker« und seiner Familie übrig bleiben. Die Unternehmer suchen jeden Widerstand der Schlechibezahlten zu brechen, indem sie die Kapellen mit Beamten und sonstigen Nebenberuflichen zu durch- setzen suchen: das ist gegen d-e Verordnung der Temobilmachungs» kommission vom 25. April 1629. Arbeiter und Arbeiterfrauen, wollt ibr diese Kinounternchmer mft euren sauer verdienten Groschen bereichern, ohne daß den Angestellten die notwendige Existenz ge- sichert ist? Di« Musiker, die trotz ihrer sozialen Bedrängnis all- abendlich die Neuköllner Kinobesucher durch ihre musikalischen Lei- stungen erfreuen, rechnen auf eure Solidarität, wenn diese Kino. Unternehmer kein soziales Verständnis für die Notlage ihrer Mu- siker zeigen sollten. Deutscher Musiker-Verband, OrtSverwaltung Berlin. Angestellte des Elektro-Grosthandels. Ter Tarifvertrag ist abgeschlossen, die Gebaltsfragc der Ju. gendlichen durch einen Schiedsspruch vom 14. Juli geregelt. Tarif. verlrqge sind im OrtSbureau des Zeniraloerbandes der Avge. stellten, Berlin SW., Bellealliancestraße 7/19, zu haben. st-rantw. für ten xedikt. Teil: Dr. Werne» Pciser, Sharlottenbura: für!ln»riaen: Sh. Oilutfc, perlin. Bertas: BorwlirtS-verlsg®. gl. 6. Berlin. Druck: Bor, wärts-Suchdrucker», u. BerlagSanstalt Paul Einser u. lo.. Serli.t. Lmdenitr. Z. mssm Pretztorf und Z einentsteine liefert Prinz, Brllderltr. 30a. Ziilh»»ichtneu, auch Teil- lhiaua sestaiiet. Sahn, Prem- luerstrahe 20. 31/4- jdanzfüchs«, Alastatüchseund »ll- anderen Pelzarten, Taschen- Uhren. Brillanten, S>lberu>aren lnorm billia- Linicnsiiade |os;», Ecke Ralenthalerltra�e. »ardine».«ünstleraarni- r, Store». Bettdecken. Me- rware preiswert. Land»- raerltrage 13. iZllst- Vchutzhunde. Stubenlillnd m, junge siorterrier, Pint- !er. Schäferhunde verlauf! haffland. 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