Nr.ZSH> 57. Jahrgang Musgabe A Nr. 45 Bezugspreis: B-rtrij ährl. ZV.— M U. mimatl. 10.— M!. frei INS Haus, vornus zahlbar. Poft- oeiuq: Monatlich IS,— Mk. exkl. �u- »tkllunqsqeoühr. Unter Zlrrurbc»» iiu Denllchland und Oesterreich IS. 0 iRt- füt da» übrige Ausland hei täglich eminaU Ruftenuna 21 50 M. T-nV'f I'ellungen nehmen an Oesterreich, Ungarn, Tschecho-Elowalei, Dane- mart. Holland. Ituxeindurg, Schweden und die Schweiz.— Eingetragen in die Polt» Zeitung». Pre slilic. Eer.Vorwärts" ntil der Sonntag». deilage»Voll n-Aeit" ericheini wachen» täglich zweitnal. Sonntags und Man- tags einmal. Telegramnt-Zldrestei �Sozialdernotral ÖrrUn". Morgen Ausgabe Berliner BolKsdlntt ZSpksnnig) AnzetnrnprciS: D'e achtnelvaltene NonvoreMel-elle to'te 3.— M.,TeuerunflSAi!schtdg> „Kleine Anzeigen", da�«ctt- gedruckte Dorr 1.— M. lzuläftig Kwel 'engedruckte Worte),?edes weitere Wort ß0 Pfg. Etel�engesurbe und SchtafsleUenan�eigen des erste Wort 65 Pfg..'edes weitere Won 4V Pfg. Worte über l., Bust'stabeu zäblen kiir -we: Worte. Teuerunoszuscdiaa W* �am lien-�nie gen für Abonnenten Zeile 2,— M., volitt'cbe und w weykichaftliche Ternns• An eigen 3.— Mi. die Zeile ohne Ausschlag. An, bergen für die nächste Nummer münen d'S S Ahr noä'mittags im Hauptgeschäft. Berlin SW68. Linden- Kratze 3. abgegeben werden,(ßcöfme: von U Ulli icül) bis 5 Uljr abends. Zentralorgan der fozlaldemokratifchen parte» Deutfchlands Neüaktion unü Expedition: EW. öS. Linüenstr. 5. �ernivreckcrt Amt Moritzplav. l?ir. tlil SV— lai'.»7. Dienstag, den Ä0. Juli Llopö George über Spa. London, 1?. Juli., der bisher besonders laut die scharfe Tonart gegen die deutschen Vertreter zeigte, schreibt heute:„Wir glauben nicht an die Anwendung der Klausel, nach der wir in einigen Monaten das Ruhrgebiet besetzen und die Kohlenförderung selbst in die Hand nehmen könnten. Diese Klausel wird nicht in Kraft treten, weil England ein zu großes Interesse hat, uns vom Ruhr- gebiet fernzuhalten. Die Klausel wird immerhin noch lange Druckmittel gegen Deutschland und als Tauschmittel gegenüber England uns von Wert sein." Millcrand selbst hat gestern und vorgestern verschiedene Vertreter der Presse empfangen und dabei bestätigt, dgh er ge- wisse Zugeständnisse habe machen müssen,' um die Ver- treter Englands und Italiens nicht vor den Kopf zu stoßen. Das Reichskabinett zu Spa. Berlin, 19. Juli. lAmtlich.) Das Reichs kabinett nahm heute nachmittag in Gegenwart des Reichspräsidenten die Berichte des Ministers des Auslvärtigen. des Reichswirtschafts- Ministers und des Reichsernährungsministers über die auf die wirtschaftlichen Fragen bezüglichen Beschlüsse von Spa entgegen. An diese Berichte schloß sich eine nlehrstündigc eingehende Aussprache an. Die rote Offensive. Sowjet-Ruhland einem Waffenstillstand geneigt? London. Ist. Juli.(Trl-Union.) Tie Antwort der Sowjctrcgierung auf dir rnglischrn Vorschläge zur Herbeisührung des Friedens zw'schrn Polen und Sowejtrußland ist, wir verlautet, sehr umfangreich. Tic Sowjetregicrung rrklärc darin, ob- wohl niemand das Recht habe, in dieser Angelegenheit zu intervenieren, wolle sie auf de» Waffenstillstand ein- gehen, wenn Polen darum ersuche. Ungehemmter Lauf. Frankfurt a. M.» 19. Juli.(Eigener Drabtbcricht des„Vor- wärts".) Nach einem Bericht der„Frantfurter Zeitung" aus Warschau geht der Vo r m a r s ch der Bolschewik' seinen weiteren ungehemmten Lauf. An der Nordsront vollzieht er sich mit einer Geschwindigkeit von 29 bis 39 Kilomeiern täglich. Am Sonnabend kamen die Bolschewik, bis Li da. Molodetschno, das am Dienstag siel, bedeutet die Gewinnung des Vorfeldes für den N j c m c nii b e r g a» g. Von Minsk vordringende Streit- tröste eroberten Nowogrodeck. Aich« weit davon liegt das aus dem Kriege bekannte Baranowitschi und weiter der O g i n S k i- Kanal, wo sich noch alte deutsche Stellungen besin- den. Heber den W a f f c n st i l l st a n d liegen keinerlei Meldungen vor. Französische Zurückhaltung. Paris, IS. Juli.(MTB.) Eine halbamtliche Mitteilung, die der„Temps" verösfentlickt, erklärt, die französische Regierung Hove zwar Kenntnis von den Was senstillstandsbed-ingungen gehabt, die die englische Regierung Polen und Sowjetruß- l a n d vorgeschlagen habe, sie se- aber in keiner Weise an diesem Schritt beteiligt, da sie keine politischen Beziehungen zu Sowjetrußlonb unterhalte. Tie fron- zösische Regierung habe auch nicht gegen die von England vor- geschlagenen Bedingungen protestiert, weil die Vertreter der pol- nischen Regierung die sofortige Beendigung der Feindseligkeiten gewünscht hätten und ein französischer Protest dies jedenfalls nicht beschleunigt haben würde. Vom persischen Kriegsschauplatz. Pari», 19. Juli.(WTB.) Nach einer HavaSmeldung au» Teheran ist die Lage in Persien unsicher. Tie Regierung»- truppen hatten die Bolschowisten in der Gegend von Sari geschla- gen, sodass sie die Stadt räumen mußten, die die Bolschewistcn aber jetzt wieder besetzt haben. tzorthp wagt Proteste! Budapest, 19. Juli.(Eigener Trahtbericht de?„Vorwärts".) Die ungarische Regierung beabsichtigt wegen der von der öfter- reichischen Regierung unterstützten Abreise Bela KhunS und setner Genossen nach Rnssland in Wien einen energischen Schritt zu unternehmen. In der zu überreichenden Note soll darauf hingewiesen werden, dass die österreichische Regierung bei der Erledigung der wegen Khuii und seiner Leute gestellten Aus- lieferung die ungarische Regierung absichtlich irregeführt habe. lJcder Protest, den eine Horthy-Regicoung unternimmt, richtet sich von selbst. D. Red.) Nette Austänöe in Irlanü. Amsterdam, 19. Juli.(W.T.B.) Nach einer Londoner Meldung wurde in der Nacht zum Sonnabend der Postzug Belfast- Londonderry bei Donaghmore von 199 bewasfneten maskierten Männern angehalten und dabei die amtliche Post geraubt. Bei Bülten Port ereignete sich ein ähnlicher Fall- (Wo bleibt diese Entwaffnung. Mr. Llohd George?) » London, 19. Juli.(Meldung des.Sollandsch Nicuwsbureaus.) Osfizielle Schriftstücke, die be: dem letzien Uebersall auf das Postamt in Dublin geraubt worden find, wurden beim Vize- könig von Irland abgegeben. Sie trage» den Vermerk:„Ge- öffnet und zensuriert durch die irisch- Republik". Dublin, 19. Juli.(Meldung des Hollandsch Nieuwsburcans.) Etwa 12 bewaffnete Männer sind gestern in den GrasichaetSklub Cork eingedrungen und hoben den P o l i z e i k o m m i s s a r Smhth im Rauchzimmer erschossen. Ein Polizeiin spek- tot wurde leicht verwundet. Sachsen verbietet das Lottrriesvirl. Ans Dresden wird gemeldet: Die Volkskammer bat in ihrer Montagssttzung einen An- trag aus Erlass ein«» Verbots jeglichtn Lotterie spiel» gegen die Stimmen der Rechten angenommen. vorwä'rts-verlag G.m.b.S., EW. HS» LinScnstr. 3. Fernivrewer: Rml Ntoriiiplan.')tr. 117 5:1—-M WM>W> II IIUUUI», Nach öer Konferenz. Von Victor S ch: s f. Der gemeinsame Jnformationsdurst und wohl auch die gcineinsame lange Welle trieb uns zusammen, als wir ab- ivechselnd unter glühender Sonne und stiömendem Regen stundenlang vor dem Schlosse La Fr a i n e n s e standen, hinter dessen Mauern das Schicksal der Welt geregelt- wurde. Alliierte und deutsche Berichterstatter. Die gegenseitige strengste Reserve des ersten Vormittags war bald gebrochen. Irgend ein neutraler oder amerikanischerKorrespondent hatte zwischen dem einen und dem anderen vermittelt. Oder man kannte sich von Berlin her? Oder von Versailles? Denn es standen vor dem Schlosse nicht nur Pressevertreter, sondern auch G e- Heimpolizisten und der Zufall wollte es. daß zwei dieser Herren, die uns einst im Hotel des Roservoirs beschützten, besser gesagt bewachten, diesmal in edlerer Mission dem persönlichen Schutze des Ministerpräsidenten Millcrand beigegeben, uns sofort wiedererkannten und freudig begrüßten, mit dem unfehlbaren Physiognomie- gedächtnis und den freundlichen Umgangsformen der Pariser Kriminalbeamten... Allein die Belgier hielten sich, wenigstens in den ersten Tagen, zurück. Zwischen den meisten französischen und den deutschen Korrespondenten war bereits zu Beginn der Konferenz ein kollegiales Verhältnis zu verzeichnen, das bis zum letzten Tage währte. Keine Neberschwänglichkeit. aber mehr als formelle Korrektheit. Dabei konnte man gewisse Beobachtungen machen, die die Wurzel des Nebels, an dem dies deutsch-französische Verhältnis und Europa überhaupt leidet, erkennen lassen. Am Nachmittag hat man sich unter vier Augen stunden- lang mit dem Berichterstatter eines der größten Pariser Blätter unterhalten. Ueber dieses oder jenes Problem der Spaer Konferenz. Man hat ihm den deutschen Standpunkt entwickelt, den bürgcrlich-offizicllen und. den sozialistischen. Aus den Antworten und Bemerkungen seines Zuhörers muß man entnebmen. daß dieser vollständig im Bilde linserer Schwierigkeiten ist, nlan ist erfrcut über die Objektivität seines Urteils, ja män muß nianchmal staunen über die spontane Verurteilung gewisser Maß- nahmen, die in lebendiger Erinnerung sind: der Znrückhaltung der Kriegsgefangenen, der A n s l i c f e r u n g s- liste, der Besetzung des Mainganes nüv. Das Blatt, für das der Journalist berichtet, hat eine Millionenauslnge. Wenn seinen Lesern in diesem Sinne berichtet wird, so kann der Tag der Verständigung nicht mehr entfernt sein! An, näcksten Tag hat man Gelegenheit, in dem betreffen- den Pariser Vlatt die Telegramme desselben Kollegen zn lesen. Und nun staunt man erst recht. Von dem gestrigen Verständnis ist nichts mehr zn verspüren. Es ist zivar nicht mehr dieselbe fanatische Gehässigkeit wie vor einem Jahre, aber alles,>vas Herr Millerand in der Sitzung gesagt hat, wird gefeiert, alle Drohungen, die er ausgesprockien, werden mit einer Selbst- Verständlichkeit wiederholt, mit einem Unterton der Genug- tunng erörtert, die in einem den Zweifel auskommen lassen, ob man denn das Gest'rikh vom gestrigen Tage geträumt habe. Das.aber ist es, Ivos die Millionen zll Gesichte be- kommen, nicht die erkenntnisvollen Wahrheiten und mutigen Geständnisse der Unterredung unter vier Augen. Hat denn der Berichterstatter einem nur nach dem Munde geredet? Keineswegs! Wo heuchelte er. unter der schattigen Ecke des Parks von La Fraincnse oder in der Telephonzelle des Postamtes? Weder hier noch dort! Er war vietmehr s u b- jektiv ebenso aufrichtig gegenüber dem deutschen Kollegen als gegenüber den französischen Lesermassen. Und merkt selbst nicht den Unterschied. Wir haben es hier mit einer psychologischen Eigenschaft zu tun. für die vielleicht schon früher im französischen Eharaktcr die Veranlagung vorhanden war. die sich aber während des Krieges so stark entwickelt hat, daß nur die stärksten Charaktere sich von ihr freihalten konnten. In den Zeiten des „Defaitismus", als keiner auch seinem Nächsten trauen durfte, ist fast ein jeder französische Zeitungsmann dieser Massensuggestion erlegen. Wenn er heute die Beschimpfungen und Gehässigkeiten vermeidet, so ist das schon von seiilcr Seite eine anerkennenswerte Selbstüberwiildmig, die ihm allerdings durch eine zunehmende versöhnlichere Stimmung im französischen Volke selbst erleichtert wird. Aber darüber hinaus noch neue Wahrheiten aussprechen, neue Wege weisen. das kann man von ihm noch nicht verlangen. Die Befangenheit in den Gemeinplätzen des Nachkrieges ist noch zu groß, der gegenseitige Terror in Sachen des Patriotismus ist noch zu gefährlich.� Zu den Gemeinplätzen, die die sranzösische Presse heute noch pflegt, weil sie noch allein maßgebend sind, gehört die Idee des Sieges und die der Unantastbarkcit des Versailler Friedensvertrages. Und nicht nur der Redakteur, sondern auch und in einem weit größeren Maße der Politiker muß sich nach dieser doppelten grund- sätzlichen Fiktion richten, muß nach ihr schreiben, reden und handeln— wenigstens vor der Welt. Wenn man diese Verhältnisse berücksichtigt, die sich nicht •"MKM. fon&em in Dutzenden den s�bachtungen bestätigen. n erscheinen einem die Ereignisse und Ergebnisse von S Pa einem etwas milderen Lichte. Man wäre sonst wirklich eigt, an der Menschheit und an dem Menschenverstand zu zweifeln und seine Zuflucht, nach national-bolschewistischem :lster, in verzweifelten Lösungen zu suchen. E°! soll in diesem Zusammenhang nicht vom ersten Punkt r Tagesordnung von Spa. von der Entwaffnungsfrage, gc . rochen werden, obivohl auch hier französische Massenpsychose e Haltung der Alliierten bestimmt hat. Gewiß war die i'glerischd Angst Frankreichs vor den lleberdleibseln des �en deutschen Heeres gcradezil lächerlich, aber es sind zuviel hier auf der eigenen Seite begangen, es sind zu viel n gumente in die Hände der Gegner gespielt worden, als daß c ein moralisches Recht besäßen, in dieser Frage vorlaut zu rden. Die planmäßige Durchkreuzung der EntMilitarisierung s Volkes durch militärische Stellen, das zum Teil freche. m Teil hinterlistige Spiel mit Revanchegedanken durch j Rechtsparteien und dann noch das Wahlergebnis » m 6. I n ii i hatten uns in zu schlechte Lage gegenüber V in stirnrunzelnden Lloyd George gebracht, als daß wir den landpunkt der deutschen Demokratie mit völliger Ellbogen- dheit vertreten konnten. Was uns in Spa gefehlt hat, das�war eine Delegation, ren demokratische und pazifistische Gesinnung schon in der Geltung-ihrer Mitglieder im innerpolitischen Leben Tgutsch- .nds gewährleistet war. Es ist kein Zufall, daß die Alliierten n meisten Vertrauen dem demokratischen Minister Simons renkten, und daß der größte moralische Erfolg für die deutsche .'legation die Rede des sozialistischen Arbeiterführers u e war. Aber warum gelang es Huc nicht, die Gegenpariei von 'r Unmöglichkeit ihrer Forderungen zu überzeugen? Nicht -letzt weil Herr Stinnes die Wirkung der Hueschen Rede irch die provozierenden Ausfälle der eigenen Rede > voraus neutralisiert hatte. Tie französischen Bericht-, Natter waren— immer in den Privatgesprächen— einer einung darüber, daß Hues Rede ausgezeichnet und ein- ucksvoll war. aber in ihren Telegrammen wurde sie nur t wenigen Worten erwähnt, die Stinnesschcn Heraus- 'vrderungen boten ihnen dagegen einen für die geistige JVer- »lagung der französischen Orffentlichkeit viel günstigeren Stoff -ud wurden dementsprechend breitgetreten. Wenn heute wigens auch die englische Arbeiterschaft noch immer ! cht weiß, welchen furchtbaren Schlag die Kohlenforderungen er Entente für das deutsche Proletariat und speziell für ne deutschen Bergarbeiter bedeutet, so ist es in der �auptsaeve demselben! Umstand zu verdanken, nämlich, daß - e englischen Berichterstatter den Eindruck erwecken konnten, • ilS hätte es sich in Spa um einen Kampf zwischen Entente- a p i t a l i st e n und rheinischen Grubenbaronen gehandelt. Abgesehen davon aber läßt sich die Haltung Millerands in der Kohlcnfrage in der Hauptsache durch die Massenpsychose • rklären, die er mit seinem„nationalen Block" allerdings • elbst großgezogen hat. Man darf nicht vergessen, daß Frank- eichs Kohlennot sehr groß ist und daß es besonders den rmeren Schichten vor dem kommenden Winter graut. Das Gespenst der innerpolitischen Ränke, die sich in der breiten .>sffentlichteit und noch mehr in den Kulissen des Parlaments und der Schwerindustrie abspielen, erschwerte seine Stellung ungeheuerlich. Er ist ein Gefangener deS doppelten Dogmas, es„Sieges" und der Unantastbarkeit des Friedensvertrages. Gegen diese ständige Erpressung durch die P o i n c a r v. Barthou, Capus, Tardieu und Löon Daudet wird nch kein französischer Ministerpräsident wehren können, so lange oer„nationale Pieck" mit seinen-tLU Abgeordneten die Kammer und die große Presse beherrscht. Deshalb mußte Millcrand i Spa vielleicht wider bessere Ueberzeugung und allen Näßigungsratschlägen von Lloyd George zum Trotz den Schein der Unvcrjöhnlichkeit wahren und mit dem Säbel von Fach bei jeder Gelegenheit rasseln. Buchstäblich genommen sind zwar in Spa einige Milde- rungen des Friedensvertrages von uns erzielt worden, die aber in Wirklichkeit nur darin bestehen, daß krasse U n- Möglichkeiten in scheinbare Möglichkeiten umgewandelt worden sind. Aber auch diese Milderungen wagt Millerand kaum vor seinen Gegnern zu rechtfertigen. Eine kleine Einzelheit ist typisch für diese Geistesverfassung. Der Punkt 1 der deutschen Gegenvorschläge lLieferung von 2 Millionen Tonnen monatlich während eines halben rv läi e» � s. � i � vi O i l i* wt eiv» * U<11 Jii l|| t V*1»WkWV*«.•■--.v..~-W Angst Millerands vor PoincarS und der Kammer des„natio- nalen Blacks" zu erkennen, die sonst nach Verletzung des Vertrages schreien, von neuen! die Souveränität der Wieder- gutmachungSkommission proklamieren würde und dem Minister- Präsident daraus einen Strick drehen könnte. Nur aus dieser Massenpsychose, die das Thema„Revision" noch nicht ertragen kann, obwohl es in allen anderen europäischen Ländern schon seit Monaten erörtert wird, ist es zu erklären, daß das Pariser„Journal" vom 16. d. M. über das Kohlendiktat von Spa. das vielleicht den Rutn der deutschen Industrie zur Folge haben wird, unter der lieber- schrist i„Lersöhnungspolitil" schreiben konvte: „In Spa hat die Theorie der Wirtschaft- lichen Wiedcraufrichtung Deutschlands den Sieg davongetragen"! Tic Massenpsychose, die bereits in England und vor allem in I t a l i c n überwunden ist. wird auch allmählich in Frankreich schwinden. Hoffentlich, ehe es zu spät ist. Die Ergebnisse von Spa sind deshalb so betrübend, weil sie ein Jahr nach Versailles noch immer unter dem Zeichen von Versailles standen. Aber-darf sich das-deutsche Volk darüber wundern und beklagen, wo es sich am 6. Juni in-die Anne derer warf. die es nach Versailles gebracht haben? Tie Konferenz van Spa stand nämlich auch unter dem Z eiche ndcrReichstagswahlen— Stinnes und Seeckt!______■ Einmarschörohung und§15. Eine angebliche Acusterung Simons'. Das„b-Uhr-Abendblatt" veröffentlicht eine Unter- redung mit Tr. Simons, in der es den Minister folgendes sagen läßt: Vir babrn eben den.Fehler beganacn, den Friedensvertrag zv unterschreiben in der irrigen Annahme, der Traktat würde .von seinen Urhebern selbst nicht ernst genommen werden. TaS war ein Irrtum. Der Friedensverlrag wird furchtbar ernst ge» iiommcn; und damit werden«wir immer zu reebnen haben. Auch wird die Drohung ni i t einem Einmarsch in das Ruhr- gebiet oder mit einer Besetzung anderer Lande steile stets, nach Artikel 18 des Friedensvertrages, über unserem Haupte schweben. Minister Dr. Simons kennt jedensalls«den Friedens- vertrag viel zu gut, als daß er einen solchen Unsinn gesagt haben könnte. Der Artikel 18 dieses Dokuments hat mit der Einmarichfrage überhaupt nichts zu tun. Tagegen hat der achte Teil(Wiedergutniachungen) eine erste Anlage, und diese hat einen 8 18, der allein gemeint sein könnte, aber -auch aus den Fall nicht zutrifft. Nach ihm sind die alliierten und assoziierten Negierungen berechtigt, falls Teutschlano vorsätzlich seinen Wiedergntmachungsverpflichtungen nickst- nachkommt, wirtschaftlickw und finanzielle Sperr- und Vergeltungsmaßnahmen zu ergreifen„und überhaupt solche -Maßnahmen, welche die genannten Regierungen als durch die Umstände geboten erachten". Teutschland soff nicht bc- rechtigt fein, solche Maßnahmen als feindliche Handlungen zu betrachten. Dieser 8 18 kann unmäglich die rechtliche Grundlage für weitere Besetzungen liefern,' da die Besetzungsrechts der Alliierten ini vierzehnten Tejs„Bürgschaften für die Durch. führung" genau mnsckirichen sind. Außerdem wäre es ein Widerspruch in sich selbst zu verlangen, ein Staat dürfe das Erndrrnge-n fremder Truppen rn sein umfriedete- Gebiet: nicht als feindselige Handlung betrachten. Ferner gilt§ 18 nur für den Fall der vorsätzlichen NicksterfullunZ der Wiedergutmachungspflichten, die Entente hat aber den mai- teren Einmarsch nickst ausreichender E n t iv- BRebblivdhhe teren Einmorsch für den Fall nicht ausreichender E n t- waffnung und tatsächlicher Nichterfüllung ange- •droht. Sie wäre all'o durch§ 18 selbst dann nickt gedeckt.. wenn man sich zu der widersinnigen Annahme versteigen würde, dieser Paragraph„berechtig?" sie in einem he- st i m m t e n- Fall, Teutschland militärisch zu überfallen. Wie ist es möglich, daß so verworrene und verwirrende� Aeußerungen wie die oben wiedergegebere als angebliche- Aeußerungen eines Ministers in die Presse gelangen? Ist öas ein wieöeraufbsumimster? Zur Kandidatur Tr. iAuggenheimers. Nach Meldungen der Rechtspresse ist für den Posten des Wiederaufbauministers, der seit Geßlers Berufung ins Reichswchrministerium offen steht, der frühere Direktor der Augsburger Maschinenfabrik Dr. Guggenheimcr vorgesehen. Guggenheimer ist das Urbild des industriellen Scharfmachers und GelbenzüchterS. Ihm gebührt der zweifelhafte Ruhm, als Erster in Teutschland eine Anzahl Techniker wegen ihrer Zugehörigkeit zum„Bund der techniich-industriellen Beamten" gcmaßrogelt zu haben. Der gelbe Kerkverein war sein Schoßkind. Seine kaufmännischen und arganisato- rischen Fähigkeiten standen aber im umgekehrten Ver- hältnis zu der Schneidigkeit seines Auftretens gegen Arbeiter und Angestellte. Als dann Herr Nippel Generaldirektor der M. A. N. wurde, war fein erstes. Tr. Guggenheimer wegen seines VersagcnS kalt zu stellen und nach Berlin abzuschieben. Diesen„Fachmann" ganz abzuhalftern, verbot sein großer- Aktienbesitz. scheint hiernach Herr Dr. Guggcnheimer sckon an sich für den Posten eines Ministers wenig aualiffAsert. so muß doch seine Berufung in das A u f b a u m i n i sie r i u m be- sonderen Anstoß erregen. Das Aufbaummisterium hat in sehr weitem Umfang mit den Gewerkschaften zu v erhandeln. Herrn Dr. Guggenheimer fehlt bei seinem beschränkten Herren- siandpunkt hierzu»icht nur jede Fähigkeit, sondern auf Grund seiner Vergangenheit würde er auch von vornherein b« den Arbeitnehmergruppcn ans das größte und nur allzu gerecht- fertigte M i tz't r a u e n stoßen. Ein Obstdieb! Ter Einbrecher bei Hindenburg verhaftet. Durch WDB. wird gemeldet: Als V-.'rübcr des Reao-aeraiw fchlags aus den Generalfeldmarschall v. Hindenb-urg wurde der Ar» beiter Albert Galli-n, geboren 13. November 1393 zu Essen, verhaftet. Ter Täter gestand bei seiner Vernehmung ein, irr den Garten der Villa Hindenburg ingedrunzen zu sein, um dort Lbst zu stehlen. Er habe die Verqndatür offen gesunden und ba-be sich in da» HauS-begeben, nicht um dort stehlen zu wollen, sondern u-m llnterstützung zu erbitten.(Das wird wohl Schwindel sein. Wahr- scheinlich bat die offene Tür den Burschen zu weiterem Diebstahl gereizt. Red. d.„V.".) Er habe»icht gewusff, dost der General- feldmarschall v. Hindenburg dort wohne, da er e r st s e i t 14 T« che n in Hannover ser. Den Schuß habe er nur als Schreck- schuh odgegebcn, um sich wieder frei zu machen; er habe wicht Ve- absnfittzt, den Generalfoldmarschall zu verletzen. So also siebt bei Lichte der Vorfall aus, den die„Deutsche Tageszeitung" ihrem schaudernden Publikum als Beweis„der grenzenlosen sittlichen Verrohung im Kultur. reichÄonradHacnischS vorgesetzt bat. Nach der..Post" war sogar die Begnadigung der Opfer der Militärjustiz im Ruchrgebiet. war der R e i ch s pr�i si de n t Eberl in Person schuld daran, daß — ein Wjähriger Bursche in Hindenburgs Garten Kirschen stehlen wollte. Jawohl, unter Wilhelm gab cS weder Kirschen, noch Aepfeldiebe. Diese Verbrecherkategoric hat erst die fff Republik erzeugt! De? Linöenfrieöen. In den Tvrfern blühen die Linden. Ihre weißen Dolden, von cangeäderlem Deckblatt wie einer schmalen Lanze beschirmt, leuchten aus blauem Grün. Süßer Atem zittert über die Landstraßen, die Ollsen der Parke, umschwärmt von einer Wolke von Bienen. Wirmußten •uif das Land hinaus, um sie wiederzufinden. Bäume des Friedens und eer Freiheit. Denn auf den Plätzen der Städte, die sie einst bescharteten, Rätter der Märkte und Gassen, erheben steinerne Denkmäler ihr iahles Haupt, auf deren Stufen ein von der Arbeit erschöpfter Leib ich niederläßt oder die rote Fahne des Aufruhrs flattert. Ihre Perlasienheit aber in der veriuukenen Stille des Landes ist einem vingen �Dichter, Alfred Hein, zum Gleichnis geworden, der in einer Sammlung von Bcrsc»„Der Lindenfriedcn" iRord- deutscher Btrlag, Steitinj von ihrem Rauschen besangen, den Traum ihres Schattens zurückruft. Sie sind ihm Sinnbild alles »effen, was wir verloren, wonach unser Verlangen mit stummen «tippen zu jeder Stunde schreit, Heilung von den klappernden Mühlen des Alltag?, Geld und Machthunger, die in der Fron der Tage„das schmale Korn seiner Seele zermahlen". Und über- wältigk von der süßen Erinnerung an unsere verscherzte Kindheit ruft er aus: „Linden der lleinzaubren Städte, verweht, verweht eure Blüten hinein in die steinernen Ozeane, leimt im Aiphalt, keimt auf granitenem Beer, daß eines Tages wieder der Reigen gebt und die Menschheit die Flut deines Dustes ahnx! Wie die Sehnsucht dieses Dichters nach der Wiederkehr des Vergangenen geht, so sucht er auch in der Form seiner Sprache zu den Worten alter Schlichtheit und Einfalt zurückzukehren. Der Wunsch. daS Volkslied neu z» beleben, birgt immer eine Ge- -ahr. Auch Hein ist ihr nicht entgangen: denn dem Versuch eines Erwachsenen, die Sprache kindlicher Ilriprünglichkeit zu reden, wird letzten Ende» immer elwas Nachgemachte? aubaflcn. Wir können unsere Sprache nicht künstlich zurückschrauben, so wenig wenig wir noch einmal die Bilder des 12. Jahrhunderts malen können. Wir wissen aus Heins früheren Büchern„Lieder vom Frieden"(Weimar !9lS) und den schönen„Terzinen an Jfot"(Nordd. Verlag), in denen zuweilen ähnliche Motive anklmgen, daß damit die Grenzen seiner Begabung nickt umichwsse» sind, und so mag es kein Zufall sein, daß auch hier mitunter diejenigen Verse die besten scheinen, in denen das Volksliedhafte zurücktritt. Dennoch ist ihm auch darin mancher ergreifende Ton gelungen, der zuweilen an Paul Gerhard oder einen andern mittelalterlichen Sänger ge- mahnt. Vielleicht erwächst dem Dichter im heftigen Ringen aus der Verbindung dieser beiden Seiten seines Wesens einmal eine starke eigenmächtige Kraft: denn:„Mehr Sprackzuckt!" möchien wir auch ihm noch oft genug zurufen. Vielleicht aber wird er uns erwidern: kommt eS denn darauf allein an! Und er hat recht. Die Stimme der Güte und inneren Einkehr wollen wir niemals verkennen. Wenn die Linde im Abendgold uns mit ihrem Rauschen umfängt, lauschen auch wir dankbar ihrer Andacht: Es ist so schön zu denken, Daß wir doch all' Geschwister find Und in uns suchen müssen, WaS nie ein Stern und nie ein Wind Uns wird zu schenken wissen. ___ Zl. T. SB. Karl Vorländer, der Kantforscher und Zkantvorkambfer, bat einen Lehraustrag für Moral-, Staats- und Gefellfchafttpbllojopbie an der Universität Münster erhalten. Bisher wirkte er in Münster als Provinzial. schulrat bei dem Vrovinzialschulkollegium. Vorländer hat sich seit zwei Lahrzehnien um die Verbindung des Marxismus mit kantianischem Denken gemüht. In den letzten Jahren ist er schriststellerisch offen al« Sozial demokrat hervorgetreten. Er gehört seit längerem zu den Mitarbeitern unserer.Neuen Zeit". In wilhelminischen Zeilen konnte er seine Beiwäge dort freilich nur pfendonym veröffentlichen. Tie Melvs-Blätter. Mit gewagten, unförmlich großen Schritten eilt die neue Musikübung dem Geist und dem Geschmack des Volkes voraus. Noch ist lange keine Grenze fixierbar. wo daS Erlaubte von einem«Genius übertrumpft und entwertet wird, wo das unfaß bar Reue nur den Ausfluß einer grotesk-aparten Sensationslust be- deutet. Hier heißt e? aufmerken, daß nicht Irrlehren als letzte Weisheit und höchste Schönheit gepredigt, geglaubt und bejubelt werden. Die Kunst macht keine Todessprünge. aber sie kann in der Eni- Wicklung nicht an noch so festen Gesetzen ewigen Halt finden. Des- halb versteife man sich auch nicht auf einen einheitlichen Geschmack der vor ftinf Jahrzehnten schon konservativ war: man horche auf' prüfe und warte! Jede Zeit hat ihre eigene Sprache' auch in Tönen: und niemand verschließe Obr und Herz dem Neuen, selbst dem skurril Klingende». Die Kritik stemm: sich nur gegen die Ilebeispannung der Tendenzen und gegen den Terror des Nur-Abwegigen. Die von Sckcrchen klug geleiteten Melos-Blätter orien- tieren über den Willen und die rbeoreiiichen Grundlagen der futu- ristischen Musik. Die find durchaus nickt einseitig und sind vor allem nicht voll de« Fachlich-Gelebrten. Jede Seile bar ihr eigenes Gesicht und die Jugend kämpft hier um das Recht des gerecht zu Wertenden. Das sei ihr und werde ihr alle Zeit. Aus dem Chaos der Begierden und Süchte scheint sich hier der wahre Gehalt des modernen Stil« in der Musik durch den Mund begeisterter Komponisteil und Journalisten- zu verkünden. Wer hier mir Andacht liest, wird auch mit Andacht hören. Das Blatt sei willkommen! Kurt Singer. Ter pünktliche Schuhmacher. ES war einmal ein Mann in Dänemark— ho erzählt ein dänisches Blatt, ober die Geschichte kannte ebensogut in Deut'cklond spielen,— der ging mit einem Paar Schuhe zu einem Sckudmocher. um sie besoblen zu lassen. „Tie können Sie Sonnabend nachrnrnag haben." sagte der ' chuhmacher.»Sie kosten 6 Kronen." Sonnabend nachmittag ging der Mann zum Schuhmacher mit 6 Kronen in der Tasche, um seine Stiefel zu holen. „Sie sind noch nicht ganz fertig." sagte der Schuhmacher,„aber sie werden noch heute abend, sonst aber sicher morgen früh fertig." „Danke," sagte der Mann, indem er einen Blick auf einen An- schlag warf:„Besohlen 7 Kronen." Der Mann wartete nun vierzehn Tage und ging ßamr zum Schuhmacher, um seine Stiefel zu holen. „Sie sind noch nicht ganz fertig," sagte der Schubmoche?,„aber sie werden heute abend fertig, sonst ganz sicher morgen früh." .Danke," sagte der Mann und blickte im Vorbeigehen auf einen Anschlag, auf dem stand:„Besohlen 9 Kronen." Der Mann verreiste ein paar Monate; aber als er zurück kam und bei dem Schuhmacher vorsprach, stjate dieser:„Sie sollen sie heute abend haben oder sicher morgen�anz früh." „Danke," sagte der Mann, und e- fah, daß jetzt 11 Kronen auf dem Anschlag stand. Es verging ein halbes Jahr, und der Mann wagte sich wieder zum Schuhmacher. Dieser degrüßte ihn mit freundlichem Lächeln deS Wiedererkennens: „Es ist lange her, daß ick Sie gesehen habe. Ich habe beinahe geglaubt, Sie hätten Ihre Schuhe vergesien. Ja. sie sind sofort fertig, es fehlt noch eine Kleinigkeit; aber Sie sollen sie heute abend haben, oder aus jeden Fall ganz sicher morgen früh." „Danke", sagte der Mann und laS den Anschlag:„Besohlen 13 Kronen". Als der Malin einige Zeit darauf am Haufe des SckuSmachers vorbeiging, hing im Fenster der Anschlag:„Befohlen IS Kronen". Der Schubmocher stand in der Tür und rauchte seine Pfeife: „Ihre Schuhe sind sofort fertig," lagt« er. „Danke", sagte der Mann, dann ging er hin und kaufte sich ein Paar Holzschuhe._ Ter Verein kür die Geschichte Verlins hat— ein große« Opier il dieser schweren Zeit!— ieine B i b l i o l h e k von etwa 6000 Bänden tn einem vom Magistrat zur Bersügung gestellten Räume des Deutschen Domes(Eingang Schillervlatz) an« dem«Zendarmenmarktc einaerichiet Der Leselaal ist vorerst nur am Sonnabend von 4—7 utzr geöffnet Mit- gliedern des Vereins fleht er unentgeltlich offen. Für Nichimitalieder iit eine Jahresgebühr von h Mark festgelegt. »ine Läutsammlung ist bei der Preußischen TtaatSbiblioldek be" gründet worden. Pros. Tr. Wilhelm D o e g e n wird ftc leiten Die Abteilung soll durch Feilhalten des geiprochenen Lautes lowohl de- deutichen wie fremder Sprachen und Mundarten die Unzirlänglichteit de« gedruckien Texte« ausgleichen,»ic wird augerdem die Aufgabe der von Prof. Tr Tarmstädter begründeten Stimmeniammlung ühern-�men welche die Phonsgramme hervorragender Persönlichkeiten der Nachwelt ousbewahrl. Theater. Im Deutichen Künfllertheater geht Ansaug kommender Woche neileinstudiert da« Lustspiel„Klu bleute- von Friv I rieb mann. grederich mit M a x A d a l b c r t arS Alex Lindemann in Szene. Ter»tat für da? Bauhaus in Weimar ist vom weimari'chen lunaen>m Flnanzau-«chutz, auf die die Bauhausgegner noch Hoffnungen geletzt hatten, entlprach_aIio dem Beschlüsse der Hauptverhandlungeo- GropurS wurde nicht im Stich gelassen.\ ttc. 360•> 37. Jahrgang Heilage öes Vorwärts Dienstag, 20. Juli 1920 Wiener Zinanzelenö. Genosse Hugo B r e i t m e r verössentlicht in der„Wie- ner Arbeiterzeitung" einen ArtikeL der sich mit der Finanzlage Wiens beschäftigt. Tiefe Ausführungen er- scheinen uns im Hinblick ans die Berliner Finanzlage so wichtig, daß wir sie hier kurz zusammengefaßt miedergeben. Ausgehend von der Tatsache, daß die unmittelbare Ge- fahr eines vollkommenen finanziellen Z u- iammenbruchs Wiens vor der Tür steht, schildert Breitmer die Ursachen, die dazu geführt haben. In der Hauptsache leidet die Stadt„ganz besonders unter den furchtbaren Unterlassungssünden einer zweiundzwanzig- fahrigen P a r t e i h e r r sch a s t, die lediglich den Jnter- 'essen der besitzenden Klasie gedient und die Lcbensnot- wendigkeitcn der breiten Massen vollständig »vernachlässigte". Während des Krieges haben-die Christlichsozialen, geirau so wie bei uns die Regierenden, alle Vorräte rücksichtslos aufgebraucht und in der Hoffnung auf den glorreichen sieg Schulden über Schulden auf- getürmt.„Gegenüber den Angestellten wurde 4 Jahre hindurch die denkbar schäbigste Ausbcuterpolitik ge- trieben." Der Ausgang des Krieges hat nicht nur allc Hoffnun- gen in bczug auf Kriegsentschädigungen zerstört, sondern eine Teuerungswelle nach der anderen gebracht, die heute zerstörte, was gestern durch die Bewilligung von Teue- rungszulagen an die Beamten und Angestellten gutgemacht wurde. Es mußte nach neuen Einnah meauellcn gesucht werden, die notwendigerweise in stärkstem Maße be- nutzt werden mußten. Tie dadurch herausgeschraubten Preise beispielsweise für die Straßenbahn, hatten lediglich eine Einschränkung des K o n s u ni s zur Folge. Wie groß die Verelendung der einst so glänzenden Stadt ist. geht daraus hervor, daß im Fahre 1913 z. B. der Ertrag crder Abgaben 76 Millionen Kronen betrug. Ter Voranschlag für das Wirtschaftsjahr 1929/21 schließt mit 449 Millionen Kronen ab. Was also in Friedens- Zeiten ausreichte, um die Bedürfnisse aller Vcrwaltungs- zweige für 6 Fahre zu decken, wird jetzt meinem ein- zigen Jahre verbraucht. Und dennoch nimmt die Vcr- fchuldung immer weiteren Umfang an. Aus den Tag ergibt sich ein Defizit von rund Ztzz Millionen Kronen. Tie Folgen sind weitere Steuern. Man will versuchen, möglichst»och e i n e halbe Mi l l i a r d e herauszuschlagen und damit wäre man dann glücklich bei einer Vcrvierzehn- fachung des S t c u e r b c t r a g e s der Friedens- zeit angelangt. Tie Ursache dieser riesigen Verschuldung �.isr schon oben erwähnt. Breitmer sagt darüber wörtlich: „Sckon in den letzten Kricgsjahrcn wurde der Weg des Schuldcnmackcns besckiritten; zu einer Zeit, als dies wirklich nicht notwendig gewesen lväre und mit Leichtigkeit die Bedeckung durch Steuern hätte gesunden werden können. Tie Hochkonjunktur der Kr�egSgeivinner, der Häuftr». und Grundspckulantcn. die ganze Epoche des Vcrgnügungstaumels, in der viele, diel« Hunderle Millionen Prpnen in den Gast- und Kaffeehäusern verausgabt wurden� die Theater, Variete?. KinoS, Nachtlokale, Heurigen- schenkcn reichste Ernte einheimsten, ist für die Kassen der Stadt Wien ganz ergcbrrislos vorübergerauscht..Es bäite ja der Kriegsbegcisterung schaden können wenn eine kräftige Lustbarkeussteuer eingcbobcn, eine Besteuerung der Grundspcku- lernten gewagt worden wäre. So ließ man lieber Gebäude und Geräte verludern und nahm Schulden auf. wo es nur eben ging." Auch die fortschreitende Verelendung in der Bevölkerung legt der Stadt ungeheure Kosten auf. Fm Fähre 4913 gab es in den V e r s o r g u n g s h ä u s e r n Wiens zirka 6999 Insassen, die einen täglichen Aufwand von 2 Kronen erforderten. Heute sind 8509 Bewohner der Armenpflege angeschlossen und die' Ansivandsgeldcr haben sich auf 42 Kronen pro Kopf und Tag erhöht. Rettung aus dieser fürchterlichen Lag? kann nur eins bringen: äußerste Sparsamkeit. Um diese zu er- reichen schreckt Breitmer auch vor folgenschweren Schritten nicht zurück. Die A n st e l l u n g s s p e r r e, die bereits vor einem Fahre verfügt wurde, hat leider mcht ausgereicht. Ter Versonalstaud ist beispielsweise im S t a d t b a u a m t, wo doch die Tätigkeit eine sehr geringe ist, weil nirgends gebaut wird, gegenüber der Friedenszcit außerordentlich ge- st i e g e n. Auch die L e b r c r z a b l ist so boch wie nie, ob- wohl die Schülerzahl durch den Geburtenrückgvng und die fürchterliche Kindersterblichkeit stark zurnckgegangen ist. Tie Pci ionallasten betragen, algcsthen von den Unternehmun- f: öezirksverbanS Groß-Serttn S. p. V. ff MC WW BCIfW mit der Tagesordnung: die wachfenöe LebensmitZelvertsuerung und ihr? Ursachen. Heute, abenös 7 Uhr: Kliems Festsäle, Hafenhcide 13. Morgen, abenös 7 Uhr: Pastenhofer Ausschank(Gockbrauerei), Fidicinstr. 2/3. Teurfcher Hof, Luckauer«tr. IS. Musiker-Bereinshaus, Kaiscr-Wilhclm-Ttr. 31. Berliner Bockbrauerei, Chausseestr.<»4. Prachtsäle des Ostens, Frankfurter Allee SV. Charlottenburg, Volkshaus, Nosiueustr. 4. höhter Existenzsicherheit bedeutet. Mit der kindischen Vor- stellung, baß die öffentlichen Gewalten über geheimnisvolle Ei nnahmemöglich leiten verfügen, nicht den allge- meinen Wirt schaftsge setzen unterworfen sind. sollte angesichts der so drückenden Not endlich Schluß gemacht wer- den. Tazu ist wohl genügend Anlaß, wenn festgestellt wird, daß die Auszahlung der am 31. Juli fälligen Gehalte in der Gemeinde Wien davon abhängt, daß der Staat den hierzu nötigen Vorschuß gewährt!" Möchten nicht nur alle Beamten. Angestellten und Ar- beiter Berlins, sondern auch allc jenen Männer, die am 29. Funi von der Groß-Berliner Bevölkerung zur Leitung der Geschicke der neuen Stadtgemeinde berufen wurden, diese Mahnungen beherzigen, zum Wohle des neuen Berlins! gen, über 899 Millionen Kronen. Diese müssen „eine raschere Herabminderung erfahre», als dies durch Todesfälle und die normalmäßigcn Pensionierungen mög- sich ist____ Ta wird man eben tiefer schneiden müssen. Mit derselben Rücksichtslosigkeit, die ein Chirurg aufzubringen hat, den keine falsche Senti Mentalität hindern darf, eine Operation auszuführen, wenn es eben die Lcbensrettung gilt". Breitmer erkennt selbstverständlich den Achtstundentag als eine berechtigte Forderung der Arbeiterschaft an, die mit der Revelution erfüllt wurde. Nach seiner und un- serer Meinung aber ist die unbedingte Voraussetzung des Achtstundentages,„daß ebenso intensiv, mit aller Anspan- n»ng des Geistes und des Körpers gearbeitet werde, daß i n der kürzeren Zeit die gleichen Leistungen vollbracht werden. Wenn aber, wie es bisher wenigstens noch bei der Gemeinde Wien der Fall ist, der Achtstundentag als Begründung dafür herangezogen wird, doß jetzt um ein Fünftel erhöhtes Personal vorhanden sein müsse, so ist das nur der Beweis, daß wir uns auf dem falschen Wege befinden" Tann wendet er sich gegen die m e ch a- ni sche Anwendung des Achtstundentages und gegen die An- ficht einzelner Angestelltengruppen,„daß in dieser zusammen- gebrochenen Wirtschaft ein noch so dürftiger Haushalt auf einer Sechsstundenleistung aufgebaut werden kann". Die 54 999 Angestellten der Gemeinde stellt er vor die Entscheidung,„ob sie allesamt dauernd in noch sch lim- mercr Kärglichkeit verharren wollen, oder ob eine kleinereZahl doch wenigstens das bescheidene Aus- kommen haben soll, über das zwar nicht hinauszukommen ist, aber diesem Ricsenheer von Beamten, Lehrern, Arbeitern aller Berechtigung ungeachtet nicht gegeben werden kann!" Zum Schluß empfiehlt er eine Einschränkung der Sachausgaben in jedem einzelnen Verwaltungszweig und schließt: „Eine förmliche Sparwut, genadezu eine Manie, jebe überflüssige Ausgabe zu vermeiden, jede notwendige bis auf das äußerste einzuschränken, muß jeden einzelnen der Zehntausendcn von Angestellten beherrschen. Jedwedem muß es zum Bewußtsein kommen, daß eine vermiedene Auslage ein Stück er- „Se. Durchlaucht war da!! 1' In I r g e n d wo war eine Tierschau. Es war keine gewöhn- liöhe Tierschau, beilerbe nicht, denn sie war begnadet durch die Anwe'enbeit des Fürsten. Da? stand denn auch im Fettdruck' als Leitartikel im Kreisblatt, das sich selbst immer sehr ernst nimmt.„Zur Freude aller Anwesenden war S e. D u r ch l a u ch t der Fürst da". Also, Se. Durchlaucht war da. Endlich mal wieder ein erhebender Augenblick in dieser Zeit des Niederganges.> Also, Se. Durchlaucht war da. Der Bürgermeister' schwänzelte, klopfenden Herzens, in seinem teils blank, teils grün- spanig aufleuchtenden Frack berum. Der Frau Bürgermeister, die jetzt endlich mal wieder. repräsentieren konnte, schwellte Stolz die Brust. Mitleidig guckte sie auf die unteren Zehntausend herab, sie war steiler als der; etwas reichlich lange Stock ihres gänseweißen Sonnenschirms. Und./ o Wonne, sie hatte den H o f k n i x noch nicht verkernt. Der berittene Herr Direktor der Tierschau, der Macher von's Ganze, war jedoch so mit Ehrfurcht angefüllt, daß er bald vlatzte. Das Gefühl der Würde übertrug sich auch au seinen dicken Fuchs t der machte Stielaugen wie eine Schlaf- puppe, die einen derben Schlag über den Schädel bekommen hat und der die gelockerten Augen nun aus den Augenhöhlen quellen. Der Gaul a p f e l t e vor dem Fürsten und dessen durchlauchtigsten Füße traten gerade hinein. Solche vergnügliche kleine Schöne aber öffnete ihren langen Mantel und zeigte ihren kurzen Rock oder ihre radellos gewachsenen Beine. Denn Durchlaucht batte doch neulich erst jovial und unier Augenzwinkern zu ihr gesagt;.Det Schönste sind doch de Beenekens". Alio. Se. Durchlaucht war da. Ach, Ihr glücklichen Leutchen! Ihr denkt an nichts, Ihr macht Euch keine Sorge um S p a, noch um die stets wachsende Arbeitslosigkeit, noch um unier wirtschaftliches Elend. Doch wir sollten Euch eigernlich dankbar sein, denn, wenn wir an Euch denken, lachen wir. Und Ihr verdientet eigentlich einen Orden, weil Ihr etwas B elusii- gendes seid in ernster Zeil. E. B. Einbruch in l'-cheim. Eine Erkliiruiig der T.uäker. In der Nacht zum Sonnaiieiis irurt e in dem soeben eröffneten Kinderbeim der Ouäker in Zehlendorf ein Ein- bruch verübt. Aus diesem Anlaß gibt die Berliner Ouäker-Abordnung folgende Erklärung ab, von der wir hoffen, daß sie ihre Wirkung nickt verfehlt: „Am Sonnabend, den 17. Juli, um 1 Uhr rmckts, wurde in dem eben eröffneten Kinderheim der Quäler in Zehlendors der Versuch gemacht, einzubrechen und große Mengen von Lebensmitteln sortzuschafsen. Die Einbrecher wurden bei ihrem Tun überrascht und es gelang ihnen, mit nur einem kleinen Teil der Vorräte zu entkommen, nachdem sie bereits eine größere Anzahl von Kisten vor das HauS geickafir hauen. Sie wurden von einem Mitbewohner des Hauses gebört, der sofort alarmierte und schoß, glücklicherweise, ohne jemanden zu verletzen. Es ist wahrscheinlich noch nickt allgemein betannt. daß dieses Kinderbeim in dem Gebäude, das bis Anfang dieses Monats als „Seemannserbolungsbcim" diente, eröffnet worden ist, 85] Segen öer Cröe. Roman von Knut Hamsun. Aus dem Heimweg sind Vater und Sohn schweigsam ww gewöhnlich. Aber Ii eck muß sich etwas ausgedacht haben, denn er sogt:„Tu, Sivcrt?"—„Ja?" erwidert Sivert.— „Ach, nichts Besonderes," sogt Fsok.— Sic gehen eine lange Strecke weiter, dann spricht der Voter wieder:„Kann denn Aromen Handel treiben, wenn er keine Waren mehr hat?" —„Nein," sagt Sivert.„Aber es sind jetzt nicht mehr viele Memchcn da. für die er Waren braucht."—„c-ro. meinst du? Ja. du kannst recht haben."— Sivert wundert sich ein wenig über diese Worte seines Voters, und dieser fälirt fort:„ES sind jetzt allerdings nur acht Ansiedlungen hier, aber es können mehr und immer mehr werden. Wer weiß!"— Sivert wundert sich noch mehr, woran denkt denn sein Vater? O, an nichts? Wieder gehen die beiden eine lange Strecke weiter und sind beinahe zu Hause. Ta fragt der?llte:„Hm. Wo? meinst du wobl, daß der Aronsen für den Hof haben will?"—„Ach so. das war's!" denkt Sivert.„Und willst du ihn kaufen?" versetzt er im Spaß. Aber plötzlich geht Ulm ein Licht ans, wo sein Vater hinaus will: An Eleseus denkt der Alte. Oho. er hat ihn Wahl nie vergessen gehabt, er hat ebenso getreulich an ihn gedacht wie die Mutter, nur auf seine eigene Weise, näher bei der Erde und auch näher bei Sellonraa. To sagt Sivert:„Ter Preis wird wohl er- scstwingsich sein." Und als Sivert so viel gesagt hat. da merkt der Vater seinerseits, doß er verstanden worden ist, und wie wenn er Angst hätte, zu deutlich geworden zu sein. sagt er nun schnell ein paar Worte über den Wegbau und daß es gut sei. den hinter sich zu haben. In den nächsten Taqen steckten Sivert und seine Mutter die Köpfe zusammen, sie ratschlagten und hatten viel zu flüstern, auch schrieben sie einen Brief, und als der Sams- tag kam, bezeigte Sivert Lust, ins Dorf zu ge'hen.—„Was willst du denn schon wieder im Torfe, du läufst nur unnötig deine Schübe durch?" fragte der Vater sehr ärgerlich, o viel grimmiger im Gesicht, als natürlich gewesen wäre, er merkte . wohl, daß Sivert aus die Post wollte.—„Ich will in die Kirche," sagte Sivert.— Einen besseren Grund fand er nicht, und der Vater sagte: JFa, wenn es nicht anders sein kann." Aber wenn Sivert schon einmal in die Kirche wollte, dann konnte er auch einspannen und die kleine Rebekka mit- nehmen. Der kleinen Rebekka konnte man doch wirfsich zum erstenmal in ihrem Loben dieses Vergnügen machen, sie hatte ja so eifrig das Turnipsfeld'gehütet und war im großen ganzen die Blüte und die Perle von allen auf dem Hofe: ja, das war sie. Es wurde also angespannt, und Rebekka bekam die Magd Jensine zur Begleitung mit,— wogegen Sivert nichts einzuwenden hatte. Während sie fort sind, geschieht es, daß der Ladendiener von Storborg daherkommt. Was nun? Ei, nichts Beson- deres, nur daß ein Ladendiener, ein Mann namens Andreseu daherkommt; er soll in die Berge hinauf, sein Herr schickt ihn. Weiter ist es nichts. Und dieses Geschehnis bringt auch keine große Aufregung aus Sellonraa hervor, es ist nicht wie in den alten Togen, wo ein Fremder ein seltener An- blick auf der Ansiedlung war und Inger sich mehr oder minder darüber aufregte. Nein, Inger-ist wieder einmal in sich gegangen und ist still und ruhig. Ein menknmrdiges Ding, dieses Andachtsbuch, ein Führer, ja-ein Arm um den.Hals! Ms Inger sich selbst verloren hatte und in den Beeren irre gegangen war. fand sie sich wieder beim Gedanken an ihre Kammer und an das Andachtsbuch, und zurzeit war sie wieder in sich versunken und gottesfürchtig. Sie gedenkt der längst verflossenen Jahre, wo sie, wenn sie nähte und sich in den Finger stach, „der Teufel auch!" sagte. Tos lernte sie von ihren Mit- schwestern an dem großen Tisch in der Nähstube. Jetzt sticht sie sich mit der Nadel, daß es blutet, und saugt schweigsam das Blut ab. Es gehört nicht wenig Uoberwindung zu solcher Umkehr! Aber Inger ging noch weiter. Als der steinerne Stall fertiggebaut war unid alle Arbeiter sich ent- ferut hatten und ganz Sellonraa wieder einsam und ver- lassen dalag, da hatte Inger eine Krisis und weinte viel und litt schwere Not. Sie bürdete niemand als sich selbst die Schuld dafür auf, und sie war tief demütig. Wenn sie nur hätte mit Isak reden und sich das Herz erleichtern können: aber auf Sellonraa sprach niemand von seinen Gefühken und niemand bekannte seine Fehler. So holte sie ihren Mann sehr fürsorglich zu den Mahlzeiten herein: sie ging dazu bis' zu ihm hin und forderte ihn aus, statt nur unter der Haus- türe zu rufen, und abends sah sie seine Kleider durch und nähte die Knöpse an. Ja. Inger ging sogar noch weiter. Eines Nachts stützte sie sich aus den Ellbogen und sagte:„Tu. Isak."—„Was gibt's?" fragt Isak.—„So, wachst du?"— „Ja."—„Ach, nichts Besonderes," sagt Inger.„Aber ich bin nickt g-ewesen, wie ich hätte sein sollen."—„Was?" fragt Isak. Das entfuhr ibm, und auch er richtete sich aus den Ellbogen auf. Tann redeten sie weiter miteinander, sie ist nun eben doch eine prächtige Frau und hat das Her; voll..Ich bin nickst so gegen dich gewesen, wie ich hätte sein sollen," sagt sie.„Das tut niir sehr leid."— Tiche 'einfachen Worte rühren ihn, sie rühren den Kraftmenschen, und er will Inger gerne trösten: er versteht zwar nichts von der Sache, versteht nur so viel, daß es keine mehr gibt wie sie.—„Deshalb brauchst du nicht zu weinen," sagt Isak.„Wir sind alle nicht, wie wir sein sollten."—„Ach nein." sogt sie dankbar. O, Isak hatte eine io gesunde Art, die Dinge zu behandeln, er richtete sie wieder auf, wenn sie umfallen wollten. Wer ist, wie er sein sollte! Er bat recht; Amor, der Herzensgott selbst, der trotz, allem ein Gott ist. gebt aus Abenteuer aus, und wir können es dem ausge- lasseuen Jungen wohl ansehen, dem Leichtfuß: an einem Tag taucht er in einen Roieureichtum unter und wiegt sich wohlig darin, und leckt sich die Lippen, am anderen T«g hat er sich einen Dorn in den Fuß getreten und zielst ibn mit verzweifeltem Gesicht heraus. Stirbt er daran? O keine Spur. Er ist so gesund wie vorher. Das wäre was Schönes, wenn er daran stürbe! Auch mit Inger kam das olles wieder in die Reihe, sie überwindet es. aber sie bleibt bei ihren Andochstunden und findet ihren Trost darin. Inger ist jeden Tag fleißig und geduldig und herzensgut, sie schätzt Isak vor allen Männern und wünicht sich keinen andern als ihn. Natürlich ist er dem äußeren Anschein nach kein Tausendsassa und Sänger, aber er ist schon recht, hoho, das wollte sie meinen! Und es be- wahrbeitete sich wieder, daß es ein großer Gewinn ist, wer gottselig ist und-lässet ihm genügen. (Forts, folgt.) und buK fiüc Lebensmittel und alle Mitarbeiter von den Quälern (Relintoje Äesellichaft der Freunde) gestellt werden. Die Gründung dieses Heimes erfolgte nicht allein, um helfende Anteilnahme an der materiellen?iol der deulichen Binder zu bekunden, io wichtig auch dieses Moment dabei ist, sondern gleich- zeitig, um ein Ausdruck der Liebe und des guten Willens zu iein, die die Ouäker dem deutschen Volke selbst während der schweren KriegSzcit zu bezeigen versucht daben. Wir sind überzeugt, dasz die Menschen, die den Versuch eineS Diebstahls an den Lebensmitteln für die Kinder gemacht haben, in llnkenntnis oder in einer verkehrten Austastung der Sachlage ge- bandelt haben. Wir haben ein zu starkes Vertrauen in die deutsche Liebe zu kleinen Kindern, als das; wir glauben könnten, dast irgend jemand absichtlich Nahrungsmittel stehlen könnte, die aus dem Ausland mit der ausdrücklichen Be- snmmung gesandt worden sind, den am in eisten not- leidenden Kindern neue Kraft�zu geben. Wir llluäker glauben selbst nicht an den Gebrauch von Waffen zur Becieidigung unserer selbst oder unseres Eigentumes und haben den Wunsch, daß in Verbindung mit unserer Arbeit keine Waffengewalt angewandt wird, denn wir haben das volle Zutrauen, dasz. sobald diele Tatsachen bekannt sind, niemand mehr unseren Liebesdienst stören oder beeinträchtigen wird," Gesellschaft der Freunde. Wir hegen den heißen Wunsch, daß nicht nur die Hoffnung der Quäker erfüllt wird, sondern auch den. daß sidkbald in aller Welt soviel Verständnis für die materielle Not unseres Landes und den daraus entstehenden Verfehlungen einzelner Deutscher durchsetzt, wie das bei den Freunden unserer Kinder der Fall ist. Möge endlich der Wunderglaube an die Gewalt der Waffen von allen Völkern abgelegt werden zum höheren Nutzen der unter ihm leidenden Menl'chheit. siegen die Kinderausbeutung. In Schulkreisen wendet man sich mit Recht, nur leider nicht mit der nötigen Entschiedenheit, gegen die frühzeitigen Schulentlassungen. Im Interesse der Kinder sollt« man nur in allerdringendsten Fällen die Kinder vom Schulunterricht befreien. Es steht fest, daß viele Anträge ohne zwingenden Grund. nur um das Kind ein Jahr früher in daS Erwerbsleben treten zn lassen, gestellt werden, Im Interesse der Erwachsenen müssen alle Anträge gründlicher als bisher geprüft werden. Es darf nicbt sein, daß Schulkinder Arbeitsplätze besetzen, die den Erwachsenen Lohn und Brot bieten, Leider mutz festgestellt werden, daß noch nie so viel Schulkinder in Arbeil gestanden haben, wie jetzt, besonders in den Ferien. Das Elend unter den arbeitslosen Familienvätern hat keine Grenzen, aber auch dw jüngere Generalion leidet durch Arbeits- losigksir bittere Not. Muß es nicht empören, wenn die Aermiten der Armen sehen, daß fast überall Schulkinder, inSbe- sondere a l s Lauf» und Arbeitsburschen be- s ch ä t t i g t werden? Diesem Skandal muß ein Ende gemacht werden? Die Be» Hörden sollten sofort eingreisen. Alle Ärbeiier und Arbeiterinnen werden gebeten, die Adressen derjenigen Arbeitgeber, die Schul- linder als Lauf- oder Arbeitsburschen beschäftigen, sofort dem Deut» schen Transvortarbeiter-Verband, Bezirk Groß-Berlin, Engel- ufsr 14/15, Zimmer 33, zu übermttteln l I'/, Millionen Ucberschuft auf Lanke. Das im Jahre 1918 von der Stadt Berlin erworbene und Istls in städtischen Besitz übergegangene G u t L a n k e hat sich namentlich in den letzten Jahren sehr erfreulich entwickelt. Die Zu- i ch ü s s e, welche die ersten Jahre mit ihren Uebergangsschwierig- keilen erforderten, und welche sich in den einzelnen Jahren auf etwa V« Mill, M. bis 1 Mill. M.— selbstverständlich einschließlich der Verzinsung des Kaufpreises— beliefen, haben in Wirklichkeit schon während deS Jahres 1919 sich in einen Ueber schütz vex- wandelt, der dem Jahre 1829 mit etwa l'/z Mill, M, zugute kommen wird, wie überhaupt das Jahr 1929 ein recht günstiges Ergebnis zu zeirigen verspricht. Lanke ist also nicht nur für die sozialen Aufgaben Berlins von großer Bedeutung, sondern es erweist sich gerade unter den gegenwärtigen Verhältnissen als ein Vermöge n sobjekt, da« einen wichtigen Lesiandteil der slädti- schen Aktiven b.ldct. Die Nachricht— eine in einigen Zeitungen wiedergeqebene Behauptung einer Korrespondenz—. daß Lank« im letzien Jahre einen Zuschuß von 19'/, Mill. Di. erfordert babe, ist also völlig aus der Luft gegriffen. Erhöhuug der MiethSchstgreuze auf SV Proz. Ter Wohnungsverband Groß-Berlm versendet folgende Mit- teilung: Nachdem zu der vom VerbandSauSschuß am 3. Juli be- schlossenen Erhöhung der Höchstgrenze sür Mietzinssteigerungen von 29 auf 39 Proz. nunmehr die Zustimmung de« Wohlfahrtsministers eingegangen ftt. beschloß heute der VerbandSauSschuß ihre Publikation, Die kurze Nachtragsverordnung lautet:„Die im 5 1 der Berbandsordnung vom 14, April 1929 fest- gesetzte Höchstgrenze wird von 29 auf 39 Proz,. sür Fabrikräume in Wohngcbäuden von 39 auf 49, für GeichäslS- und Juduslric- Häuser von 49 auf 59 und für Läden mit über 2499 M. Mietwcr: von 39 auf 49 Proz. erhöht. Laufende Verträge werden von der Verordnung nicht berührt. Die durch die Nachiragsverordnung vorgenommene Erhöhung der Mietzinsgrenze um 19 Proz, ist durch die st a r k« G t e i g e« rung der öffentlichen Abgaben und Gebühren für Kanalisation, GaS, Wasser usw. erforderlich geworden. Es kann kein Zweifel darüber sein, daß die vom Wohnungsverband zu- gebilligte mäßige Mieterhöhung hinter der durch die Erhöhung der östenilichen Lasten erfolgten Belastung des HausbentzsS zurückbleibt, so daß die Verordnung deS Verbandes einerseits auf die schwierige Lebenshaltung breiter BevölkerungSichichten die ge- bührende Rücksicht nimmt, andererseits bestrebr ist, die starke Be- lastung des HausbesitzeS wenigstens in der Hauptsache ausgleichen zu helfen. Protz auf Rriseit. Einer Berliner Tonic wurde dieser Täge in Marienbad aus ihrem Schrinkkoiser ein Schmuck im Werte von 499 999 Mark gestohlen. Der Verdacht lenkte die Kriminalpolizei aus die in Berlin wohnende spanische Tänzerin Biviand, die in der Landshuter Str. 27 als Rentiere lebte, einen Spi eltlud unteLsielt und in Marienbad durch Hasard- spiel große Summen verloren botie. Einer der Diebe, der russische Student E pste i n. wurde verhaftet und gab eine Stelle im Walde an, wo man seinen Anteil ,n dem geraupten Gut vergraben iond. Ein anderer Mittäter. Jakob Rosblatt, ist mit einem Teil der Beute nach Berlin geflüchtet und wird von der Ber- liner Kriminalpolizei verfolgt. Tie Tänzerin wurde in Marien- bad im Polizeigew-brstim untergebracht, bestreiter jedoch jegliche Schuld an dem Diebstabll' Den„armen" Retwen, die immer wieder mit so ungeheuren Werten spazieren oder ans Reisen geben, um sich dann bestehlen i zu lasten, ist wirtlich nicht mehr zu helfen, Mit 199 999 Mar? durchgebrannt ist aus Mannheim der 31 Jahre alt« Verwaltungssekretär Ludwig B r c u n i n g. Er brachte das Geld gleichfalls durch Scheckfälichung an sich. Nach den Ermittlungen der Mannheimer Polizeibehörde soll sich Breuning. der Papiere auf den Namen Johann Ludwig Schäfer bei sich fübrt. nach Berlin gewandt baoen.- Ter Flüchtige ist 1.65 groß und blond, bat ein bartloses Gesicht und bläue Augen und trägt einen braunen Anzug, einen weichen Filzbul, schwarze Lack'chuhe und Stehkragen mit umgelegten Ecken, Brieftiosttiefördening nach Amerika. Ter dollanduche Dampier „Rnndam" wird von Rotterdam nach New sllork am 31. Juli abge- fertiot. P o st schlug beim Postamt 2 in Emmerich am 2 9. Juli vormittags und beim Postamt 1 in Hamvurg am 2 7, Juli abends. Der Postschluß sür die italienischen Dampfer „Indiana" und„Principe di� lidine", von Genua nach Rio de Janeiro usw. am 2 8. und 81. Juli, tritt beim Postamt 9 in Frankfurt lMain) a m 2 5. und 2 b. Juli mittag ein. Der am 28. Juli von Amsterdam nach Rio de, Janeiro usw. abgehende holländische Dampfer„Ltmburgia" wird nur zur Beförderung von Briessendungen mit Leitoermcri benutzt. >Aus der Ernst Kiihnschen Stiftung sollen am 27. September jeden Jahres Unterstützungen von wenigstens») 199 M. an notleidende, in Berlin wohnhafte, s c l d st ä n d i g e Schriftsetzer, Buch- druckcr und Gehilfen, kl 59 M. an notlcibendc. in Berlin wohn- hafte Witwen oder eheliche Töchter von verstorbene», zu- letzt in Berlin wohnhaft gewesenen Schriftsetzern oder Buchdruckern — ohne Unterschied des Religionsbekennlnisses— vergeben werden. Gesuche mit Angabc über die Dauer des Aufenthalts in Ber- lin sind innerhalb 14 Togen an die Städtische StiftungS-Tepu» tation, Stralauer Str. 56 II, einzureichen. Britz. Heute abend 7Va Uhr in Beckers Fcjrsälen. Chauffee- straße 97: Kochvortrag, Die fl!te unö üer?unge. Von Heinrich Vierbücher. Täglich begegne ich einem schmächtig aufgeschossenen Burschen, au« dessen fahlem, pockigem Hungergesicht ein paar stechend schwarze Augen grell herausbrennen. Ein Gesicht, das man nur einmal zu sehen braucht, um es nie mehr zu vergessen, gleichsam eine Pallette. auf der Leid und Leidenschaft. Verzicht und Wollen, NöteSkält« und Trotzeisteber sich zu einem Ausdruck zusammenballen, der zuweilen Kaienariige Gehetztheit, zuweilen auch kalte Verachtung wider- spiegelt. Sein Aeußeres verwahrlost, schlampig, Hosen und Aermel viel zu weit und lang und voller Flicken, die mir geschmackverachtender 'Gleichgültigkeit ouseinandergenäht sind, so stopft er im Storchschritt durch die Straße— unbekümmert um die Blicke derer, die sich be- sonders über die saubere Primanermütze wundern, die von dem fadenscheinigen Aeußern des seltsamen Judenjungen gar so sehr absticht. Ein sonderbarer Mensch, und sonderbar mußten die Umstände sein, die iün geformt haben. Sein Vater war ein genialer L-stjude, der sich mit dem Wissens« dürft des Aschteiiasen durch das Jngenieurstudium hinduröhdarbte; der sich schnell empocrang. bald die rechte Hand eines Berliner JndustriekönigS wurde, und nun, eine Ehlert-Lövborg-Figur, nach langem Durste das Leben in gierigen Zügen trank. Eine dämonische Meteornatur, die an ihrem eigenen Feuer zur Asche ward, Kurz vor dem Kriege fällte ihn ein Herzschlag. Er hatte nie ans Sparen gedacht, und die Droschke, in der er Sonntag« mit seiner Frau und dem Jungen ausfuhr, mußte verkauft werden, damit er würdig unter die Erde kommen konnte. • Der Jndustriekönig schenkte dem Toten am Grob« schöne Worte- er sei eine Hoffnung der Industrie gewesen. Der Witwe aber setzte er ein- Monatspension von 159 Mark aus. Der Junge besuchte das Gymnasium weiter. Der Krieg kam und mit ihm daS Elend auch über die Beiden. Ein Stück nach dem anderen mußte verkaust werden. Die Mutter ist zu schwach zum Arbeiten, zu stolz zum Betteln. Sie schreibt dem Jndustriekönig; et antwortet nicht, entsinnt sich kaum des Namens und würde die Frau sicher nicht wiedererkennen, wenn er sie sähe. Wie zerknillteS Pergament ist ihr Gesicht, da« durch zwei eulenartig gequollene Augen anklagt und schreckt. Tie ganze Gestalt aus ein unbeimliches Maß eingeschrumpft und genau so grotesk wie ihr Sohn mit Lappen au» besserer Zeit behangen. Ein Meiüchentprio. Der Sohn isttzder Erste in seiner Klaffe: ein Mathematiker von unerhörter, instinktiver Fassungskrast. wie der Bater. Er erteilt Nachhilfestunden denen, die dümmer, ober reicher sind als er. Frei- lich sind es nur Wenige, die«hm Arbeit und Verdienst gewähren. Er ist sa.Jude, also Paria. Oft sehe ich die Beiden Arm in Arm wandeln durch unseren kleinen Borstadtpark, der in seinem dämmerigen Abendschweigen dem seltsamen Paar ein besserer Freund ist als die Menschen. Die Alte schleppenden Gange», die Augen bohrend und saugend auf das quellende Abendrot geheftet, daS ein besseres Morgen verheißt. Ter Junge im gewollt stolzen Storchschritt, kerzengerade und mit einem Ausdruck rätseltiefer Verhaltenheit und Gebändigtheit, wie ich ihn oft bei seinen zukunftSfroheu Stammesbrüdern in Palästina sah. Verwundert muß ich den Beiden immer nachblicken. Neulich habe ich den Jungen angesprochen. Schwer wurde es mir, die Eisdecke seiner Skepsis zu durchbrechen, ihn zu überzeugen daß ich Mensch sei wie er. Und da fühlt« ick, hinter ungelenken Worten eine Kraft schlummern, die sich einmal mit vulkanischer Gewalt Entfaltung erzwingen wird. Er wird seinen Weg gehen. Wohin? Die Gründung der Volksbühne Norden veranlaßte uns zu Ein- wänden und Fragen, zu denen jetzt der Vorsitzende der Pankower Gründung in einer Zuschrift an uns Stellung nimmt. Wir können nur für ihre Hauptsätze Raum aufbringen und entnehmen ihr zu- nächst, daß zwischen der Groß-Berliner Volksbühne und dieser Pan- kower Sonderorganisation Verhandlungen gepflogen Wersen. Dr. Elsner sagt:„Die Verhandlungen haben bisher ergeben, daß auf beiden Seiten Bereitwilligkeit vorhanden ist. sich gegen- ieitig zu unterstützen. Sobald die Volksbühne Berlin einen Weg findet, der uns innerhalb der großen Organisation unsere örtliche Selbständigkeit(vor allem auch mit Bezug auf den Spielplan) ge- währleistet, sind wir jederzeit bereit, uns eingliedern zu lasten." Wer auf dem Standpunkt steht, daß die Berliner VolkSbühnenbewegung zum ungestörten Aufblühen die Einheil der Organisation braucht, wird die Mitteilung, daß die Pankower Gründung sich Verband- lungcn zugänglich zeigt, begrüßen. Man kann allerding« ein Be- dauern nicht unterdrücken, daß die Gründung vollzogen und bekannt- gegeben wurde, ehe Verhandlungen mit einem festen Ergebnis der Art deS harmonischen ZusammenarbeitenS vorlagen. Auf unsere Frage, warum die Pankower Gründung den Namen „Volksbühne Norden" gewählt babe'obne doch«in Glied der Ber- liner Volksbühne zu sein», sagt Dr. Elsner:„Weil wir durch Ver- Handlungen mit den maßgebenden Persönlichkeiten festgestellt baden, daß wir auf derselben Grundlage und mit denselben Zielen arbeiten wie die Berliner Volksbühne und daß ein verwallungstechniiches Zusammenarbeiten zurzeit nur erschwert ist, da die alle Volksbühne noch an der Zentralisation festhält, wir jedoch von dem Gedanken der Dezentralisation ausgehen." Da« Wesentliche dieser Dezentralisation sieht Dr. SlSner in der„Einteilung der ganzen Tbeatergrmeinde in Bezirke, von denen jeder ein stehendes Theater erhält". Demnach Hätte also die Vorbedingung der Pankower Gründling die Sritten, eine« Theater« im Norden gewesen sein müssen. Aber wo gibt es da«? Ein bloße« Saalthealer reicht nicht au«, um Aufgaben zu lösen, wie die Berliner Volksbühne sie sich zu stellen hat und auch zu NewotodS.(tzetiwtnbrtjertwttiiKfl. Ein besondere! Gepräge erhielt die letzte Gemcindevcriretcrfftzung durch den Einzug oet- ersten weiblichen Mitgliedes. An Stelle, des ausgeschiedenen, Gcmcividevcrtretcre Bertram wurde Frau Anna«and (Soz.) durch den Syndikus in ihr Amt eingeführt.— Die>n mehreren Ausschüssen entstandenen Lücken wurden durch Neu- erncnnungen ausgefüllt: ebenfalls wurden 1 3 n eu�er nannte A r m e n p o r st e h e r und deren Sielivertreker bestätigt.— Den Gcnieindcarbeitern wurde eine wöchentliche Zulage von 2 3 Wart bewilligt.— Das Pros eckt. betr. Verlängerung der e.lek- krischen Straßenbahn, wurde wegen der hohen Kosten zurückge- stellt.— Der Erwerb des I n v a l i d e n d e i m s soll aus der kürzlich heschlosscnen 2-Millionen-AnIeihe mit gedeckt werden. Der Erhöhung des Zinsfußes sür eine Lbpcthek der Londcsver- sicherungsonstalt aus das Mädchenhcim in der Habentraße. bon 35/, auf 414 Proz. wird zugestimmt.— Eine vorgelegte Satzung für den öffentlichen Arbeitsnachweis wurde einer siebengliedr-gen Kommission zur Porberatung überwiesen. Gemeindevertreter Wolter wünscht den Nachweis in einen obligatorischen umzuwandeln, damit die Unternehmer verpflichtet mären, ihre Arbeitskräfte von dort zu nehmen.— Das Grundstück Bethlehem- kirchplatz 9 wind von der Gemeinde für 159 999 Mk. erworhpn.— Mit der Kündigung des Vertrages mit Nikolassee über den Be- such von Kindern in hiesigen Schulen zum 1. April 1921 ist die Vertrelurm einverstanden. Waidmannslust. Au» der(�emeindevertretunq. Ter Abschluß für 1919 ergibt einen rechnerischen lieber schuß von 358 165 Mark. Dem Antrage deS Rektor» der Gemeindeschule auf Errichtung eines kleinen Schulgartens an der n-mea Straß« wird zi-geftimmt. Unsi-r Genosse Winzer nimmt die Gelegen- heit wahr und erinnert an die guten Erfolge mit Sebularheits- gärten in Neukölln und beantragt, das Gmcindeländ zu solck-n Schülergärten zu verwenden Ter Gemeindevoriteber nimmt d>e Anregung zur Weiterbearbeitung in der Schuldeputation auf. Der. Wasserpreis sür Verbraucher muß auf 69 Pf. festgesetzt wer- den. Die Nmitegcjung der Besoldung der G e m e i n o e- deamten muß vertagt werden, da die Einreibung noch nicht richtig geschehen n't. Tie Ausdesserung des Ziegeleiweges wie au» der Rückkauf eine» im Jahre 1919 verkauften Gemeinte- grundstückeS soll durch die Baukommisnon geprüft weroeu. Für Ünterbiingung erholungsbedürftiger �Schul- kinder wird der ausgeworfene Betrag auf 8999 M. erhöht. Für die Verwaltung der Volksbücherei werden 899 M. ausgesetzt. Der Antrag der Neuen Boden-A.-G. auf Umtausch von hinterlegten Papieren wird genehmigt. Marienderf-Südcnde. Gemcindcvertreters,eung. Gewosse Huldcr machte vor Eintritt in die Tagesordnung davon Mitteilung, daßh über feine GeichastsiüKrung als stellvertretender Gemeindevorsteher in der letzten Sitzung seitens der Unabhängigen eine Beschwerde beim L a n d r a t eingegangen ist. Dieselbe ist mit dem Bescheid zurückgekommen, daß Genosse Huhn korrekt borgegangen, ist. Dem Mminterzeichner der Beschwerde, dem U.S.P.-Schöffen Günther wird aufgegeben, sich über fern Vor- geben zu äußern und Bericht zu erstatten. Mit diesem Besch nd wollen sich die Unodbängigen natürlich nicht zufriedengeben. Genosse H u h n mach: davon Mitteilung, daß während de« Urlaubs des Genossen Waldheim ibm d'e Geschäfte deS Amt»- und Gemeindevorstehers vom Landrat übertragen sind. Auch> hiergegen wird von den Unabhängigen Protest eingelegt.— Der vorgeschlagene Ausschuß für daS Jugendamt w'rd heüätigt._ Von unserer Seite sind gewählt die Genossen Gerlack, Knösel und P aetfch— Tie Feststellung eines zweiten Nachtrages zum Voranschlag für 1919 wird genehmigt.— Dem Gemeindevor- steher wird die Ermächtigung erteilt, obne Genehmigung des Elqts die notwendigen Ausgaden iür das 2. Quartal 1929 zur Anweisung zu bringen; hiergegen inmmen die Unabhängigen. Hierauf wurdwa verschiedene Nackdewilligungen genehmigt. Di« angeforderten Mittel zur B e schafft«« g eines Desinfektionds wagenS werden genehmigt, nachdem Genosse Mewcs erklärt ttöfte, daß der Wagen für unsere Verhältnisse genügt und besonders jTreis- wert ist.— Die Besoldungsordnung für die Beamten und A n g e st e 1 1 t e n wird naw dem Berliner Muster mit einige-» unwesentlichen Abänderungen seitens des EtatsausschusseS bewil-> ligt: den Lchrpcrsanen sollen Vorschüsse gezahlt werden. Nachdem noch mehrere Nachbewilligungen erledigt und verschiedene Bescheide zur Kenntmoiyzibm« der Gemeindevertretung gebracht waren, wurde eine Beschwerde deS Rieterbundes verhandelt. Ge- nasse R o st o ck kritisiert an Hand eines reichhaltigen Materi As stellen haben würde, wenn sie sich auf das Milieu eines besonders qe- arteten Stadtbezirkes mit ihrem Spielplan eingeben wollte. Man darf also wohl erwägen, ob nicht die Pankower Gründung auf ein Fundament aus Luft gebaut worden ist. Solche Arbeil läßt der Ruf der Berliner Volksbühne allerdings nicht zu, und et ist auch nicht recht zu verstehen, wie die Pankower Gründung bei solcher Sachlage den Anspruch der örtlichen Selbständigkeit innerhalb der Volksbühnenorganisation in der Art, wie sie eS tut, erheben kann. Tie Berliner Mundart. Erich P a g e l teilt uns mit: Ju ?kr. 339 ist eine Entgegnung auf einen von mir in Nr. Sl9 veröffentlichten Aufsatz erschienen. Die Fußnote begann aber im 1 Manuskript mik den Worten:„lieber das Verhältnis der neuhoch- deutschen Schrift- und Umgangssprache zu den Mundarten..: durch einen Setzfchler ist„zu den Mundarten" leider zu dem Titel de« dann genannten Buche von Nickel gerückt worden.(Mit dieser Feststellung erledigt sich also der Hinweis in Nr. 339, daß Herr Pagel unrichtig zitiert habe. D. Red.) Im übrigen hält Erich Pagel sein Urteil aufrecht, daß auch in Lehrerkreiien über jene» Verhältnis noch ganz falsche Darstellungen verbreitet feien. DaSUr-"* teil treffe leider sehr zu. Er schreibt:. Wenn da« auch im Schulunterricht nicht« ausmacht, io kann eS doch zu Uebelsiänden führen, wenn Lehrer im Bewußtsein ihrer Autorität über sprachwissenschaftliche Fragen schreiben. Für eine früher bei Langenscheidt erschienene Zeilschrift war der Auisatz eine» Rektor« über die deutsche Sprache und die Sprachenentstehung ohne weiteres angenommen worden, wurde mir aber beim Abdruck glücklicherweise noch erst zur Prüfung vorgelegt. Die Hälfte war pbanlastischeS Zeug, kritiklos au« einem noch unsinnigeren Buche abgeschrieben. In der Germanisch-Romanischen Monatsschrift hat kurz vor dem Kriege ein Universitätsprofessor Bücher sür da» sprachwissenschaftliche Studium empfohlen, von denen ein« derartig vorsintflutliche Vorstellungen über die Sprachentstehuiig bringt, daß man sich wundert, wie ein solches Buch überhaupt einen Verleger finden konnte. Ein klassisch gebildeter Gymnasial-Oberlehcer. den ich vor einiger Zeit sprach und der erst vor drei bis vier Jahren seinen Dottor gemacht hat. stellte eS al« zweifelhaft hin. ob die Aussprache de» c vor t und i im Lateinischen k oder schon etwa s-artig gewesen sei. Ihm waren aber nicht die Lehrwörter Keller, Kaiser u'w. bekannt, die allein schon kneben anderen Zeugnisien) für die Aussprache als k zeugen. Die vortrefflichen Arbeiten von Paul. Hirt, Jespersen, Sütterlin und vielen anderen sind eben leider noch nicht einmal in wissenschaftlichen Kreisen allgemein bekannt." Klara virbiq««O. Geburtstag ist vom Reelam-verla, durch AuSqabc eines D�vvelbändchenS(SlZg, kiZg) qefeiert worden, da« nach einem-utobiographöchen Vorwort der Schristsiellerin unter dem Titel„Sekt und Ost- eine Auswahl von Novellen au« den.Naturgewalten-,' der „Heimat- und der„Rosenlranzjungser- bietet. Gin unbekanntes Wert Grünewalds, zwar nicht da« Original, aber doch ewe in den Maßen offenbar genaue Kopie, gelangte au« der Fürstenbergschen Schloßkavelle in Woljach m die Donaueschinger«emölde- galerie. ES ist ein große« Bild, dg« eine Kreuzigungsizene darstellt: Da« Kreuz von hinten gesehen, oorn groß und derb die angelegte Leiter, vom Rücken ber der Körper Christ, in der Todesilarre. den Koos dinftr den ArmmuSteln»ersteckt, zu Füßen trauernd Magdalena laut ausschrelenb. Da« Werk wird jetzt m Seemam»«.ZeUjchrist für bildeode Kunst- wieder- Wtz gegebe». verschiedene Be�eblüfs« des Mieteiri-flungZamtI. i?r iteilt den Ä«, naei, Sah der Geincindecoritand beauicroflt wird, durch die Auf- ftchisbehördc«ine V r u i u n g der Beschlüiie des Mieteirngun�s- cnr.ä vornehmen zu fachen; dieser Antraft wird einstimmig an- genommen. Eine ivcitere Beschwerde des MietcrbundeZ weften '�ichtvestÄtiftUny der von i m vorfte schlage ncn Wohnungspsleger wird auf Antrag des Genossen Vinte dadingehend erledigt, doch die Vorschläge des Aieterdnndes mit einer Ausnahme gutgeheichen werden und die Wahl Nunmehr sofort erledigt wird.— ftür die höheren Lehranstalten werden weitere F r c i st e I l e n bewilligt und die dadurch entstehenden Mehrkosten genehmigt. E'nc wcsent- 1? che Verschlechterung der bisherigen Zustande aut dem Gc- biete des Schulwesens wird die Eingemeindung nach Berlin tiir Mariendars bringen. Vir baden für die Gemeindeschulen bisher freie Lehr- und Lernmittel zur Verfügung gestellt. Im neuen Etat dürfen Mittel dafür nicht mehr jiur Verfügung gestellt werden. Ein« generelle Regelung erfolgt durch die. StadtSer- rrdnetenverfamwlung von Berlin. Tie angeforderte Summe für die lloberfchreitung dieser Position in.Höhe von LQW> M. wird einstimmig genehmigt. Tem Antrage, der Bureau?, ilfS- arbeiter betreffend BesoldungKreförw wird mit der Machpabe-u- gestimmt, dach der Beschluch des S ck l i ch t u n g s a» s s ck u s- s«s anerlannt wird. Tie endgültige Regelung soll durch Berlin erfolgen.— Tie bisher von der flirchengememde unterhaltene Kinderkrippe soll bis sur«rdgültigen Ileberfithrung in Gememderegie vorläufig weiter fortgeführt werden. Tie«nt- stehsnden Kosten dafür werden in Höhe von 1500 M. bewilligt. Groh-Bcrliner Lebensmittel. Nerlf«. Teit dem 20. d. Mts. ab wird auf die LI- und BlI-Karten biS auf weiieres'I, Liter Vollmilch verausgabt. Die übrige lSelicscrung bleibt unverändert._____ Groß-Serliner parteinachrlchten. Heute, 2O. Juli: S. Abt. Eure Sitzung findet heute nicht statt. Die gestrige Anzeige erschien versehentlich Jungsozialifttsche Bereinigung lL. P. T.) Ortsgruppe Tempelhosi 7'/, Uhr in Büles Zängerbeim, Kaiser-Wilhelm- Ecke WerderltraZe: Dar- trag über Kommunalpolitik.— Ortsgruppe Lichtenberg: 7'/, Uhr bei Schlenkrich. Simvlonitr. 42. Genosse e-anitätsrat Dr. Magnus Hirichseld: Vortrag über«ozialwissenfchast. Alle Jugendgenosse» sind herzlichst ein- geladen. Achtung, BeamtenwerbeauSschülle k Im Laufe de» Tage« sind Handzettel vom Veamtenfelreiariat, In den Zelten 2Z. Zimmer 10, von fimtlichen Vertrauens- urtd Obleuten abzuholen. Morgen, 21. Juli: Gruppe Osten II.(Abteilung 19—22.) 7'/, Uhr Sitzung der Ve> zfrktführer und Betriek�oerlraucnSlcutc bei Valske, Richthojenstr. 29. Er- scheinen unbedingt notwendig. A8. Abt. Die Genossen treffen sich mit Familie und Gästen zwangSlos von 3 Uhr nachmittags ab im Lokal Eichbaum, Treptow, gegen- über der Abtei. Schwerbärfgengruppe. 7 Uhr wichtige Versammlung bei Reimer, Kommandantenitr. 4s. Jreglfn. 8 Uhr Mitgliederversammlung in der Aula deS Gnm- naffums in der Heijcsiiaxe. Vortrag eines VerhandlungsleiinehmerS über Spa._ f i ii' ?ugeai»eran>Ialtuagea. Hente VjS Uhr: Bernau. Jugendheim A. Temmler, Dallstr. 2: Vortrag.— Eher- lotteoburg. Jugendheim Rosinenslr. 4 iVolkshaus): Leseabcnd.— Riederschönewcide. Jugendheim Gemeindeschule Berliner Str. 31: Diskus sionsabead:.Die Gewerkschaften".— Staaken. Jugendheim Garten- .stadtschute: Diskufsionsabend.— Wcfsfcnsee. Jugendheim Woelck« Promenade 1: Vortrag._ vortrage, vereine unö Versammlungen. Republikanischer Führerbund. Bezirk h und 6(Osten und Lichtenberg): Autzerordcnlliche Versammlung, heute. Petersburger Str. 4, Schule. Bezirk 9> Vörden): Versammlung, heutc. Wolliner Str. 36.— Konzert des Blüthner- Orchesters mit dem Männer- und Frauenchor Oft und Frauenchor Norden, Freitag, 7 st, Uhr, in der Neuen Welt. Dirigent: Franz Bolhe. Karlen sind zu habe» bei A. Wertheim: Orchesterbursau, Lützowstr. 76(11—1 Uhr, und an der Abendkasse.— Spektralanalyse in ihrer chemischen, physikalischen und aftrophyfUalischen Anwendung lautet Hai Thema des Lichtbildervortrages, den Herr Dr. ing. 2. E. Glaser Mittwoch. 7 st, Uhr, im großen Hörsaal der Treptow-Stern- warte halten wird. Beobachtungen mit'dem großen Fernrohr vor und »dch dem Vorwag.______ WetteranSfichtcn für da« mittlere Norddeutschland bis Mittwoch mittag. Zeitweise heiler. Am Tage mäßig warm, aber vcr. ander(ich. Im östlichen Küstengebiete noch ziemlich und vielfach starke, i» gnd-ren Gegenden mehr vereinzelte und geringe Regensälle. Wirtsthast Neichspoft kontra keastverkehrsgesoUschaft. In Teutschland besteh, n 18 KraftvexkeürZgesellschaf'ten, die mit i erns den H e e r c S b e st ä n d c n übernommenen Kraftwagen einen! Losten- und Personcnverlebr als Zubringer zu den Poll- und Kleinbahnen organisiert baden. Än dlesen Ge'cllschaften ist kein Prirätkapttal, iendern Kapital des Reiches, der Provinzen, Kreise, Städte und Gemeinden beteiligt. Sic brschästigeu zurzeit L7t>0 Personen und arbeiten mit 2460 Kraftwagen außer den Omni- oussen. Von den Omnibussen stehen 117 im LZerkehr. 14 sind für" Brandenburg bestellt und bezahlt. In Jw.'ern b-etrecht die P c st sett längerem einen Kraftwagen. berke.hr. Nun will auch die Reichspost dazu übergehen, die 280 Omnibusse bestellt hat und in Konkurrenz mit den Ärasi. verlehrsgesellschaften überäll Omnibusse aufkauft und die Preise hochtreibt. Während die Post nur den Personenverkehr aufnehmen will, befassen sich die Kraftverkehrsgesellschaften hauptsächlich mit dem Lastenverkehr, Kohle, Getreide, Kartoffeln, Baumaterial usw., weil ein reiner Personenverkehr sich nicht rentiert. Tos wird aber noch schlimmer, wenn nun auch die Post als Konkurrentin auf solchen Linien auftritt. Während bekanntlich bei den Kraftwagen- führern große Arbeitslosigkeit besteht, geht die P o st dazu über, eigene Fahrer neu auszubilden. Als wir kürzlich über die Deutsche Werke A.-G.(frühevcu Reichsbetriebe) derichtelcu, haben wir auf den skandalösen Zu- stand hingewiesen, daß die Post bei der Vergebung von Aufträgen die Reichswerke geradezu boykottiert. Hier finden wir nun weiter in dem Verhältnis der Post zu den KraftverkehrSgesell- schaslen ähnliche Verhältnisse. Auch diese Gesellschaften sind ja keine Privawnternehmungen, sondern gemeinwirtschaftliche Ver- kehrsunternehmungen. Wir atzen bemerkt, daß es nickt an dem Minister liegt, sondern an den Tezernenten, denen das Verständnis zu fehlen scheint, daß Deutschland in seiner großen Armut sich den Luxus eines Ge.geneinanderarbeitens der Reichsstellen und gemeinwirtfchaftlichen Unternehmungen nicht ge- statten kann. Wiederholt haben wir zum Ausdruck gebyrdit, daß uns der Diktator felt, der alle diese vondu re a u k rat i sch c m Geist erfüllten Tienststellen, die die grenzenlose Eigenbrötelei treiben, mit eiserner Faust zu einem vernünftigen Wirtschaft- lichen Zusammenarbeiten bringt. Wir müssen an die Reichs- regierung und den Reichstag die Anfrage richten, wie lange dieses planlose Arbeiten auf dem Gebiet der Ausgestaltung des Verkehrs noch danern soll. Es ist dringend notwendig, daß in einem Z e n t r a l a u s s ch u ß Eisenbahnen, Post, Schiffahrt, Luft- verkehr und Frachwertetzr nach einheitlichem Plan bearbeitet werden und jegliches Gegeneinanderarbeiten ausgeschlossen wird. Bei den- Kraftverkehrsgesellschaften find zirka 3000 Menschen beschäftigt, die auch ein sehr großes Interesse daran haben, daß ihre Unternehmen lebensfähig bleiben, abgesehen von den großen Kapi- talien, die öffentliche Sörperschaften für sie hergegeben haben. Auch für Groß- Verl in"hat diese Frage eine besondere Bedeutung. Es bedarf der eingehenden Prüfung, inwieweit die zahlreichen kommunalen Fuhrämter sich mit der gemeinwirtschaft. lichen Kraftverkehrsgesellschaft Mark vereinigen lassen, um die Vor- teile de? organisierten Großbetriebe! voll ausnutzen zu können. Bei den außerordentlich hohen Unter- haltnngskoften der Kraftwagen kann nur eine ganz ratio- nelle Ausnutzung von Material, Betriebseinrichtüngen und Per- sonal wirtschaftliche Betriebsverhältnisse ermöglichen. Nur im Großbetrieb läßt sich die stark wachsende VevkchrSintensität ans- gleichen, sodaß der ganze Wagenpark möglichst ständig im Voll- betrieb gehalten werden kann. Im Interesse unseres Verkehrswesens und unserer notleidenden Wirtschaft müssen wir hoffen, daß recht bald«ine Verständigung er- zielt wird, die den zurzeit bestehende» unwirtschaftlichen Zustand beseitigt. Genchtszeitung. Krankheit oder Verbdcchen? Diese Frage hatte die Ferienstraf- kammer des Landgerichts II zu entscheiden. Ter Angeklagte, ein Lagerist K., ist schon achtmal wegen Sittlichkeits- verbrechen mit insgesamt 11 Jahren Zucht. Haus vorbestraft worden und stand nun wieder wegen der gleichen Verfehlung vor der Strafkammer. Ter Angeklagke, der verheiratet ist, b«?t immer die gleiche Handlung, bepangen. Er ist bisher niemals auf seinen Geisteszustand untersucht worden; in dem jetzt zur ilr- klage stehenden neuen Fall wurde» aber auf Antrag des Rech!.- anwalts. Dr. Nie mann die Sachverständigen SanitätSrat Dr. Magnus H i t s ch f e l d, Dr. Artur K r o n f e l d und Dr. Thiele, als Vertreter des Kreisphysiku» Tr. Kasten, gutachtlich ver- nommlen. Diese haben übereinstimmend festgestellt, daß der An- geklagte an einer organischen Erkrankung der einen Keimdrüse leidet, die ein Zurückbleiben seiner Sexualität ans kindlicher Stufe zur Folge gehabt hat. Ter Angeklagte zeigt manniafa.le körperliche Anzeichen einer zurückgebliebenen Entwicklung. Es fei, so oekuutzeten die Sachverständigen, anzunehmen, daß durch eine entsprechende operative Behandlung ein derartiger Kranker von seinen gefährlichen Trieben befreit wird. Auf Grund dieser bestimmten Gutachten beantragte der Staatsanwalt die Freisprechen g. Das Gericht schloß"sich dem an. Sport. Der Zlrbciter-Wasserspvrt-Vcrband hielt sein 2. Sportfest im Stadion Grunewald ab. Tie Tribünen waren bis auf den letzten Platz besetzt. In den einzelnen Konkurrenzen zeigten die Schwimmer gute Lei- stnngen. trotzdem im Winter die Badeanstalten verschlossen waren. Im Reigenschwimmen zeigten die Leipziger Schwimmer daß sie im volkstümlichen Schwimmen und Massenvorführungen auf der Höbe sind. Großen Beifall fand das Grnppenspringen, in welchem dem Publikum gezeigt wurde, daß auch das Springen in Massenvorführungen gepflegt wird. Auch wurden R et t u n gs v o r s ü h r u n g en vorgeführt. Hierin zeigten die Arbeiterfchwimmer ihr gutes Können. In der Slädte-Lagen- st a f f e t i e gab es ein heißes Ringen. Berlin sicherte sich den I.Platz. Die W a s s e r b a l l s p i e l e zeigten bei gutem und flottem Sviel die Gleichheit der Berliner mit den auswärtigen Gästen. Nachstehend die Resultate: Mänu erlagen st afsctte 4X50 Meter.(Schmimmart beliebig). 1. Freie Schwimmer Neukölln. 2. Schwimmvcrein„VarwürrZ". 3. Ächwimm- vercin.Magdeburg".— Damenbru st schwimmen 100 Meter. 1. F. Kanncnberg. A.-S-B.„Nord". 2. H. Weihrich S.-K.„Neptun" Weitzensee. 3. Frl. E Bratkc, Freie Schwimmer Neukölln.— Männer- springen.(3 Kürsprünge aus den Graden 8, 9, 10.) 1. Siing. Elbe, Potsdam. 2. Lehmann, A.-S-P. Leipzig. 3. WieSncr, Freie Schwimmer, Potsdam.— Männerichwimmen.(100 Meter beliebige 1. I. Preißer, Freie Schmimmer?!eukölln. 2. F. Schmidt,„Vorwärts". 3. R. Müller.„Vorwärts".— M ä n n e r b r n st st a s s e t t e n.(4X100 Meter.) 1. S.-V...Vorwärts". 2. Freie Schwimmer Neukölln. 3. Schwimmvercin Nord und Nire Olvenstedt.— D amenrückenschwimmen.(100 Meter.) 1. S.-V.„Vorwärts", Gerisch. 2. Freie Schwimmer Charlottenbnrg, Grix.— H a u t> t s ch w i m m e n.(300 Meter beliebig.) 1. H. Preiser, Freie Schwimmer Neukölln. 2. L. Kanncnberg, Freie«chwinnner Fakkenhagen, Seegefeld.— Turnspringen. 1. Nachtigall. S.-V.„Vorwärts". 2. Sting, Elbe Magdeburg. 3. Lehmann, A.-S.-V. Leipzig.— R e t t n n g Z- schwimmen.(50 Meter frei, 50 Meter mit Objekt.) 1. E. Klein. Freie Schwimmer Neukölln. 2. W. Keßler, Freie Schwimmer Charlottenbnrg. 3. F. Kühn, S.-K. Neptun 1894 Lichtenberg.— Städtelagen st afsette. (4X100 Meter.) 1. Berlin. 2. Leipzig.— Dame»springen.(3 Kür- sprünge aus den Graden 4,5.5.) 1. Frl. Baier, A.-S.-V. Lcivzig. 2. Frl. Grix. Freie Schwimmer Charlottcnbnrg.— Streckentauchen an der Sicher hcttslinie. 1. W. Drescher, Freie Schwimmer Spandau. 2. A. Brüssog, S.- V. Freiheit. 3. M. Merten, A.- S.- B. Leipzig.— Damenbru st st afsette.(4X60 Meter.) 1. Neptun, Weißensee. 2. Freie Schwimmer Neukölln. 3. A.- S.- B. Nord.— W a s s c r b a l l s p i e I(2X7 Min.). Von Magdeburg wegen unfairen Spielen der Vorwärtsleute abgebrochen. 1. Elbe Magdeburg— Vorwärts Norden 0:2. 2. A.-S.-V. Leipzig— Vorwärts Nnmmelsburg 0:1. 3. A-S.-V. Halle— Vorwärts Neulöll» 0:4. 4. Hannover-Linden— S.-V. Freiheit 1: 1. Die Vereinigung Treptower Nennfahrer bringt zu ihrem Abend- rennen am Mittwoch ein ausgesuchtes Programm. Nicht weniger als 42 Fahrer treffen sich in einem Hauptfahren mit Vor- und Zwischenläufen um den Preis vom Plänterwald. Ein Vorgabe- fahren über 4 Runden(Willi-Hamann-Erinnerungsrennen) offen für alle UnPlazierten im Hauptfahren bringt etwas Abwechslung. Das Stundeniiiannschaftsrennen verspricht sehr interessant zu werden, zumal so, gute Paare wie: Sennecke-Hahn, Münzner-Packe- busch, Tocbincr-Rudel, Schröder-Stolz, Häiisler-Wegener, Abraham. Petri, Äudcla-Krndelbacher, Krahner-Müller, Gebr. Tictz, Schulz- NeinaS, Amort-Vinztllberg, Kops-Wiegandt, Hiepel-Dahnke Freiwald- Seel, Kutzcr-Radomski, Hcinrich-Hoppc, am Start erscheinen.-Auch die beiden Tandemrennen versprechen guten Sport. Es starten 12 Tandempaare. Den Schluß des Abends bildet ein Prämicnfahren, offen für alle Unplazierten, um das.Franz-Schmitchen- Erinnerungsfahren. Tie Rennen beginnen pünktlich um V Uhr. Die gute Massary-Zigarette. Die Zigarettenfabrik„Massary" sieht eine ihrer wichtigsten Aufgaben darin, ihre Fabrikate, die mit Recht sich allgemeiner Beliebtheit erfreuen, in diesem Ruf zu erkalten. Es liegt im Interesse eines seden Rauchers, sich von der Güte der hervor- ragenden Spezialmarlen: Closse 30 Pf., Caid 40 Pf. zu überzeugen. Urteile» Sie selbst. Vesöln Beriines BuchdruckmaschinsRineisier. Connerslag. ten 22. 3ali. abend«? Uhr, lm»V«r>ta«r Tlndhaus-, Ohmslrah» 2: gldesWe ßnmMinM. Xsgesorlmung sie aus den Mittelluugen betunntgegebeu. To in der Versammlung wichtige prinzipielle Fragen über die M-schinend, dienung bespräche» werden, die Mr unsere sparte von wciieslgedender Bedeutung sind, ist pünktliche« und »ollzählige» Trschelnen unbedingte Notwendigkeit. Die ardetts- losen LparlenloUcaen werden dringend»rjucht, an der Lcr- sammlung teilzunehmen. 88/7 Xäolt liebe, 1. Vorsitzender. M Ankauf Uuweiei i heul Igt* hohen Kare» Margraf i co. t, KanonUmtraMse 9 ■ Teilzahlung. B Kro nen I8M. Plomben stflllßv ft'il; Ii»0- Zahnziehen mit Elnspr. höchst U II II u v.-r tn schmenllnd. Umarb.schlechts.Oebisse.Rep. ihnarzt Wolf sof. Potsdamer Str. 5J, Hochb. Sprechz. t-1. Rauchtabak frisch eingetroffen, paketiert und banderollert, per Pld. 18.-. 23--» 25.—, 26.50, 28,50. 30.- Zisarren Einlxe 100 Mille erstklasaljte Fabrikate, banderoliert, von den billigsten bis eilerbesten Sorten, duBerst billige Preise: 42.—, 54,—, 60.—, Od.—, 14S.—. Fritz A. Ziegler Berlin Großhandlang Berlin Kocbstraß* 30. Unland 4553. 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Eine Haeiit im Paradies Theater i. d. Alt. Jakobstr, �Dieverschwund-Pauline. Walhalla-Theater. 7-/.u.:Die Internationale. Besißenz- Theater. Stadtbahn Jannowitzbrücke. Allabendlich V,8 Uhr: B.r Kroße Erfolg! Die RascIMs von Hermann Sudermann. Sonntag 4: Per gute Ruf. Trianon-Theater. Bahnhof Friedrichstraße. Allabendlich 8 Uhr: Der große Erfolgt Jfiasberade von Ludwig Fulda. Sonntag 4 Uhr: Störenfried. Rose-Theater. 7'/. Uhr; Ein Walzertranm. 1 Theater Foües Capriee | Friedrich-, Ecke Linienstr. 7'/, Uhr: Flimmer- Klärchen Musikalischer Schwank. Winter- Gatten Täglich 7.18(Ihr: Variete-Spielplan Raachen gestattet! Volksbühne Theater am Bülowolatz. 7./, uhr: Bruder Martin Lessinp-Thealer, nmer lahendl iUöisi Sommerspiclzpft Allahendlich 8 Uhr; m D.Giasd.Juu8frau Deutseiies Kiinstler-Tlieater Allabendlich 7«/, Uhr: Die bessere Hälfte mit Max Adalbert. fiPÖLL© i1/, Theater T1/,! Direkt.|ames Klein. Jwli 1920 fflense fciatyrs lebende Kunstwerke Mauß tollkühne 2 Aegirs am Meeresgrund. 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L e t i o w. Wilbelmshageu, Kelfenwintel: Arthur S ch t e f! e, Wil- helmsbagen. Dernburgstr. 2L Wilmersdorf: Holsteinttche Sir 19. Boltersdorf: Schurbaum, Eichendamm 22.... Zehleudorf, schlachtenfee, Niiolasfce: We g n er« L-Hlen» dorf, Annaftr. 10. Zentheu. Riersdorf: Ernst Sinterfeld. Lcuthen. Kurfürstenstr. 46. Zöllen: A db e r t Stein, Millenwalder Str. 17. Lämlltche Literatur sowie olle wtstenfchaftliche« werden geliefert. CantiaM sind die»efchällostellen aefchloffe«. Wert« / Aeichswehrmlnifterium unöJaU Luchrucker. Ein politischer Skandal. Ter?5all Buc5rucker ist unseren Lesern durch die„be- richtigle Berichtiffung" der Nachrichtenstelle im Reichswekir. Ministerium in frischer Erinnerung. Ntan erinnert sich W>?H1 auch noch, daß am Schlüsse der Zuschrift, in der Kerr Major Mehrl seine eigene Berichtigung widerrief, der Wunsch geäußert war, dicien Fall vorläufig nicht weiter zu er- o rter.n. Zu unserem Bedauern sind wir nicht in der Lage, dieser vom Standpunkt ihres U-? hebere sehr b e- »reiflichem Bitte zu entsprechen, sondern die Pflicht der Öffentlichkeit gegenüber zwingt uns. folgende Zuschrift von unterrichteter Seite dier wiederzugeben: Wie vor einiger Zeit mitgeteilt wurde, hat sich Major Buch- rucker unserem Äottbuser Parteiorgan, der�.. Märfischen Bolfs- ürmme*, gegenüber dreist-höhnend gerühmt, daß seine Vorgesetzten einezr mir ihm geplanten Kommandowechscl absichtlich hin- aU'Zge schoben hätten, um den Schein u, vermeiden,«18 ob g« bei Ergebnis der von der Sozialdemokratie gegen ihn gerichteten Ängrifse gewesen sei. Tieje-i offene Eingeständnis willfürlicher politischer Partei- nähme zugunsten eine» schwer b c l a st e t e n K a p pi st e n. der schon läncht an die frische Lust und auf die Anklagebank ge- hört hätte, war in mehr als einer Bezicbung interessant. Wie die ..Märkische Volksstimme" immer wieder bestimmt versickert, bat der Reichswehrminister G e tz l e r auf Grund der Berichte über das unerhörte Perbalten des Majors Buchrucker während der Kapp- Tage in Kottbus bereits im Rai dessen Beurlaubung befohlen. Tie vorgesetzten Dienststellen des Majors haben diese« klaren Bcsehl aber nickt nur nickt ausgeführt, sondern dar- über hinaus auch die beabsichtigte Versetzung hinaus- geschoben, um der Sozialdemokratischen Partei, die auf Bc- seitigurrq dieses militärischen Unruhestifters und Schädlings drängte, einen Streich zu spielen. Die„Märkische VoKsstimme" bezeichnet das Dementi �bsr Nachrichtenstelle als einen„dreisten Schwindel". Wir mächten hinzufügen, daß der Widerruf dieses Dementis er- .zwangen wurde durch den Porsitzestden des Unten'uchungs- Ausschusses, den Unterstaatssekretär Genossen Stock, der mit Recht aufs äußerste darüber empört war, daß ein derartiger falscher Bericht über die Tätigkeit des Unter- s uchungsausschusses ohne sein V o r w i s s e n. in die -Oeffentlichkeit gelangte. Die tatsächliche Lage ist die: Durch l eine Reibe unglücklicher Zitsiille, weil ein mit der Unter- mchuiw in Sachen Buchrucker betrauter Zivilreferent sein Amt abgab, ein anderer durch Unfall für längere Zeit ar- Bsitsunsähig wurde, bat sich die Untersuchung bisher ver- zögert. Von einer Entlastung Buchrucker? kann keine Rede fern. Und auf die Befehle des ReichswehrministerS wird gepfiffen.._ ■ 7'' �aenisch und üie Marburger. Eine Bcschwerdedeputation beim Minister. Von zuständiger Stelle wird mitgeteilt: Rektor und Deputation der Marburger Philipp?-Uwverfttüt nnd beim Minister für Wisseirschaft. Kunst und Polksbild-unz wegen seiner?leußcrung über die Marburger Stu- denten vorstellig geworden, die in einem Berliner Abendblatt Li/ip« 7. Juli gestanden Hai. Nachdem auch von feiten der Stu- denteuschrst mehrfach die Berechtigung der Anschauung des Mi- msters über die Schuld der beteiligten Marburger Studenten an- gefochten worden ist, hat der Minister um Beschleunigung der schon seit längerer Zeil angeordneten Einsendung der Ge- richtsaben ersucht. Die Nolle, die die Marbnrgcr Studenten bei ben bekannten Ereignissen in Thal gespielt ballen, wird auf Grund der Eingabe der Marbuvger Universitälsbehörde erneuter Prüfung im Mintstcrium unierliegen. Falls die nochmalige Prüfung ein verändertes Bild ergäbe, würde der Minister selbstverständlich bereit sein, diesem Umstände Rechnung zu tragen. Tie moralischen Unterstützungsakltonen für die Täter vvn Thal Werden geradezu grotesk. Ein paar hundert bis an die Zähne Bc- waffnele haben 15 Wehrlose erschossen, weil sie sich angeblich nickt anders zu hellen wußten! Das ist der nackte Tatbestand, von dem keine Maus den Faden abbeißt. Für diese Gesellen, an deren F iaaern das Blut von 15 Lolksgenossen klebt, legen sich Rektoren, Professoren usw. ins Zeug, als ob es die Blüte aller Unschuld zu retten gälte. Ein« Perversion deS Rechtsempfindens bei sogenannten .Gebildeten" tritt hier zutage, die schlimmer nickt gedacht wenden kann. Und wenn man sich auf den Freispruch des Kriegsgerichts beruft, so erklären wir. daß Kriegsgerichte auf öffentliche Aner- kennüng ihrer Urteilssprüche jeden, aber auch jeden An- spruch verwirkt haben. Militärjuftiz. Verhaftete Mordbubcn nicht zu ermitteln. Ein unglaublicher Fall, der dos Wejen der Militär- justiz aufs neue grell beleuchtet und die Notwendigkeit ihrer sofortigen Abschaffung zeigt, wird von der„W. o. M." mit- geteilt: Am 8. März, wenige Tage vor dem Kapp-Putsch, wurde in Osnabrück eine Versammlung der Friedensgesell- schaft durch bewaffnete Angehörige des Freikorps Lichtschlag gesprengt. Dabei wurde der 24jÄhrlge Ordner Erich Knüppe durch den Revolverschuß eines dieser Bon- diten so schwer verletzt, daß er heute ein völliger I n v a- li d« ist. Durch die privaten Nachforschungen der Osna- brücker Friedensgeiellschast wurde der lllan Esser als der Täter sestgestellt. der vor Zeugen ein Geständnis ablegte. Esier wurde am 20. Mai verhaftet, aber am 21. bereits wieder aus der.Post entlassen, weil Flucht- verdacht nicht vorläge. Dann wurde es still. Jetzt, am 10. Juli, erAelt der Verletzte folgendes Schreiben: Gericht der> Reichswehrbrigade IN. Hannover, den S. Juki 19M). III. B. Nr. 453/20. II. dem Lithographen Herrn Erich Knuppe, .. � Osnabrück. jJ« der Unte'-suchungssache gegen Unbekannt wegen Körperverletzung wird Jllnen mitgeteilt, baß da? Verfahren eingestellt wird, da alle Ermittlungen nach dem Täter bisher o h n e Er- folg geblieben stnd. Weitere Ermittlungen sind aber au?» sichtslos, da do� Reichiwellr-Zchützen-Reg'ment 107 in- zwischen ausgelöst und he Mannschaften größtenteils entlassen sind. tSlegel.) /Unterschrift Unleserlich.) Angesichts diese? Davstellung müssen wir daran er- innetn/ dvß es einen§ 846 d-'s Reichs-Strafgesetzbuchis gibt der folgendermaßen beginnt: Ein B-amicr, welcher'vermöge seines Amtes bei Ausübung der Strafgewalt oder bei Vollstreckung der Strafe mtizuwirlen bat, wird mft Zuckthaus bis z« fünf Jahr«» llsstrast, wenn ex in der Absicht, jemand der gesetzlichen Strafe rechtswidrig zu eni- ziehen, die Verfolgung einer strafboren Handlung unterläßt. Es muß in eine Prüfung eingetreten werden, ob und wie weit diese Strafvorschrift gegenüber den Gerichtsper- sonn der Rcichswehrbrigade 10 in Anwendung zu gelangen hat._ wie„rofe Armeen* entstehen. Tas„W. T. B." im Dienste reaktionärer StimmungS- mache. Hamburg, 19. Juli.(Eigener Drahtbericht deS„Vorwärts".) Am Sonnabend fand in Hamburg eine Versammlung der U.-S.-P.- Betriebsräte statt, in der Richard Müller und K o e n e n über die Hallesche Organisation sprachen. Man beschloß, in Hamburg eine ähnliche Organisation zu gründen und sie an Halle anzuschließen- DaS 33. T. B. verbreitet dazu einen Bericht, in der Versammlung sei als Hauptziel beschlossen worden die Propagierung des Generalstreiks zur Herbeiführung der Diktatur des Proletariats. Ein anderer Bericht sagt wörtlich: „Wie wir erfahren, fand am Sonnabend eine Zusammen- kunft der Führer der„roten Armee" von Gron-Hamburg statt, um über die Abfassung und Durchführung eines Mobilwachunzsplanes zu beraten. Sowohl die erste wie die zweite Meldung sind durchaus unzutreffend. In der Versammlung ist ein dahingehender Entschluß überhaupt»icht gefaßt worden. Was die Rote Armee o»b«trint. so wird bereits seit geraumer Zeit von bekannter reaktionärer Seite, die a m K a p p- P u t s ch in Hamburg her- vorragend beteiligt war, in Spitzelberichten und in der reaktionären Presse von einer Roten Armee in Groß-Hamburg. von Beratungen und sogar von liebungen gesprochen. Soweit bisher festgestellt worden ist, stellen diese Sensationsmeldungen namen- lose Uebertreibungen dar. Von einer-Roten Armee in Groß- Hamburg kann gar keine Rede sein. Es ist hier alles in schönster Ordnung. Die Meldungen sind lediglich als reaklionäre Stim- mungsmache aufzufassen. Schiller läßt in der„Jungfrau" seinen König Karl verzweifelt ausrufen:„Kann ich Armeen aus dem Boden stamvien?" Die Reak- tionSre haben dieses Problem längst gelöst. Sie stampfen alle Tage Rote Armeen auS dem Boden— freilich nur Phantasie-Armeen. �Ein Stück bunten Tuches/ Die„Deutsche Tageszeitung" weist den Vergleich zwischen den Angriffen auf die deutsche Delegation in Versailles und den Vor- kommnissen vor der französischen Botschaft in Berlin mit der Be- merkung zurück, daß eS in Versailles sich irm Menschenleben ge- handelt habe, bei der französischen Botschaft aber um ein„Stück bunten Tuches". Diese Gegenüberstellung muß einigermaßen verwundern in einem Blatt, das bisher stets die Ansicht vertreten hat, jeder Deutsche müsse sich für ein Stück buntes Tuch fteudigen Herzens lotschießen lassen. Sonst steht olio daS„Stück bunten Tuches" der „Deutschen Tageszeitung" weit über Menschenleben. Logik ist eben nie die starke Seite der Chauvinisten gewesen. Spitzel unö unabhängiger NeickstagS' abgeoröneter. Wendelin Thomas' Identität festgestellt. Bremen, 19. Juli.(Eigever Drahtbericht des„Vorwärts".) Die„Freiheit" bszwciielt in ihrer Sormtagsausgabe die Identität des unavhängiaen lReichi-togSabgeorSneten Thomas(Augsburg) mit dem Wilhelmshavener Soldatenrat Thomas„ der nach Mitteilung des iivabhänglgen Bremer Blattes dort mit der Lockipitzelin Schröder-Mabnke anfs engste zusammengearbeitet hat. Die un- ahkängigc„Bremer Arbeiterzeitung" teilt aber heute mit, dost ihr die U.-S.-P.-Zentrale in Berlin bereits cm Sonnabend die Fdenti- tat des Tbomas bestätigt Hobe. Der Zweifel der„Freiheit" war also>i n e ch t. Im übrigen wurde die Identität bereits unzweistl- Haft im„Bremer Volksblatt" durch den sozialdemokratischen R-ichs- tagsabgeordneten H ü n I i ch festgestellt, der dem Thomas und der Schröder-Mabnke bereits zur Rätezeit in Wilbelmsbaven hart gegenübergetreten war und der den jetzigen unabhängigen Reicks- togsabgeordneten im Reichstag wiederzusehen Gelegenheit hatte. * lieber das Auftreten der Schrödcr-MaHnke und ihrer unabhängigen Busenfreunde, darunter des jetzigen Reichstagsabge- ordneten Werbelin Tbomas. w acht Genosse Hünlich im„Bremer Voltsblatt" sebr interessante Mitteilungen, aus denen wir einiges im Auszug wiedergeiben: Tie. Lockipitzelin Sebr öde r- Mahnte tauchte eines Tages in Wilhelmsbaben auf und stellte sich als verfolgte russische Genossin vor. Nach dem Siege der Sowjets in Rußland war das an sich «ine recht zweifelhafte Säebe, aber die damals tonangebenden U.-S.-P. Leute fielen blind auf die zweifelhafte Frau hinein. Es dauerte jedenfalls leine drei Tage und die Sckröder-Mahnke saß im Hauptauartir des von der U.S.P. beherrschten revolutio- nären Ller-Rates in Wilhelmsraven. In einer Frauenversamm- lung, die weibliche Mitglieder iür den Ller-Rat bestimmen sollte, wurde auch sie zur Wahl vorgeschlagen. Als die Frauen nicht g e- neigt waren, sie zu wählen, legten sich wieder U.-T.-P.-Leute ins Mittel und drückten schließlich die Wahl mit der Drohung durch, daß die Schröder, wenn sie nicht gewählt werden sollte, einfach Kraft der ungeschriebenen Rechte deS revolutio- nären Ller- Rates zu deren Mitglied ernannt werden würde. Erst nach und nach gelang es, die Tchröder-Mahnke, die einen ganz gefährlichen Einfluß auszuüben begann, hinauszudrängen. .sie machte darauf gemeinsame Sache mit den Kommunisten, und als an, 37 Januar l919 die Räterepublik Wilhelmshaven aus- gerufen wurde, spielt« sie nebe» dem beriichligten Lehrer Jörn eine bedeutende Rolle in dem sogenannten Aktionskomitec. Dieses Ak- tionSkomitw hat den zweifelhalten Ruhm, in Wilhelmshaven dafür gesorgt zu haben, daß es zu B u t v e r g i e ß e n kam. Seine Be-- auftragten beraubten die Reichs bau k, und der dadurch entstandene Gegendruck, besonders der anständigen Elemente unter den cso! baten führte schließlich zu einer regelrechten Belagerung und Beschießung der Dausendwann-Kasern«, aus der dann am Schlüsse mit den übrigen Räteichwärmern auch die Schröder- Mabnke abgeführt wurde. Ter Erfolg waren sieben Tote, zwei Sold«'»» und fünf Arbeiter. Schon seinerzeit mußt« jeder, der auch nur«in paar Jahre in der Arbetterbewegeung stand, daS Gefühl haben, daß die Schräder- Mahnte eine sebr zweiielhafte Persönlichkeit sei, der gegenüber die größte Vorsicht walten mußt?. Sie selbst hatte dasür onch ein außerordentlich seines Emprinden, denn ste ging insbesondere unseren Genossen bon der alten Sozialdemakra- tischen Partei'n großem Bogen aus dem Wege. Um s o g e s ck ä f, tiger wurde sie von den U.-S.-P.-Leuten ge�för- dert und gelobhudelt. Nicht nur die Kommunisten Schnei- der. Geiger und andere waren ihre Förderer, sonder» auch beson- dors der heute u u a b b ä n a i g e Ratsherr S i l h e. r b e r g in Rntringin und der jetzige unabhängige Reichstag sabgkortmctc Thomas in Augsburg. Der letztere stand auch zu ihr in per- s ö n I i ch recht eigenartigen Beziehungen, i vom Internationalen Arbeitsamt. Ueber Len Stand der Arbeiten zur Organffstion hS Internationalen Arbeitsamts erkalten wir folgenden Bdrickt: Das Internationale Arbeitsamt ist bekanntlich wie der Völker- bund durch den Versailler Friedensvertrag ins Leben gerufen. ES ist in den ersten Juniiagen von London nach Genf übergesiedelt. Zur Zeit seines Ilmzuges befand sich der größere Teil seines Per- sonals auf der Seemannskanferenz in Genua. Seine Rückkehr zum neuen Sitz soll von der schweizerischen Regierung als offizieller Empfang benutzt werden. Die Presse der helvetischen Republik begrüßt die Absicht ihres Bundesrates, wohl in de: ganz rickiio�n Erkenntnis, daß das Ilrbeitsamt bald zu einem der wichtigen weltpolitischen Machtfaktoren werden wird. Tas Arbeitsamt bat in dem Genfer Vorort Pregny in«ine-r', internationalen Unierrichtsanstalt Unterkunft gefunden. Mit ihren 169 Räumen dürfte es vorläufig den Bedürfnissen genügen. An Stelle des in Genua weilenden Direktors Albert Tbomas empfing 'dieser Tage der zweite Direktor die Vertreter der Presse, um ibnen J einige Auskunft über die Organisation des?lmtes zu geben. Ter f 2. Direktor, Herr Butler, war während de» Kriege? einer der � erfahrungsreichsten Berater des englischen Arbeitsstatistischen Amte?. Die Leitung de? Internationalen Arbeitsamtes hat sich\ nach Art der Regierungen ein Kabinelt geschaffen, dessen„.Ka-■ binettsches" der französische Journalist Lemereier ist. Die wichtigste Abteilung ist die„diplomatische Sektion" unter der Leitung des Jrländers Dr. P h e la n, der die Durchführung. der internationalen Abkommen und der glrbeiterschutzbestimmungen.; überwachen soll. Eine wissenschaftliche Sektion, die demnächst ein besonderes Orgln: berausbringen soll, untersteht dem amerka-. nischen Statistiker Dr. Royal Meeker.?lls technisch? Ah«: teilungen sind bis jetzt eingerichtet eine für Arbeitslosigkeit, die f bem bekannten belgischen Professor Varlez untersteht, eine f andere sür Aus- und Einwanderung, die der Kommandeur R i d e l l.! leitet, und eine für die Seefahrt, die den Herren R a n d a l l, einem s Engländer, und dem Italiener Dr. di Catligion« uniersteht. Zu. diesen Zlbteilungen kommen noch die für die Untersuchung der russischen Zustände unter dem Italiener Dr. P a r d o und die für\ Genossenschaftswesen unter dem französischen Genossenschafter Dr.' F a u q u e t, dann schließlich die für Versicherungswesen, welche* von dem früheren Redakteur des holländischen Blattes„Het Volk", De Roode geleitet wird. Eine besondere PresseabteiXung untersteht dem früheren Genfer Redakteur Dr. Martin. Ter Ver- j kehr vollzieht sich, vorderhand wenigstens, in französischer und eng- lischer Sprache. Tas jetzig? Personal von etwa 159 Kopien dürste auf die, Dauer nicht ausreichen. Das Internationale Zlrbeitsamt wird sich! die nächste Zeit noch durch am Orte selbst gewäblte. Hilfskräfte er-; ganzen müssen. Ter Beamtenstab besteht zu d r e si V i e r t e l n au? Engländern, zu einem knappen Viertel aus Franzosen und j Belgiern, wozu noch einige Schweizer, je ein Holländer, Litauer und � Deutscher konrmen. Der englisch sprechende Teil entstammt in der Hauptsache-Regierungsämtern.?lus der G e w e r k s ch a f t s- bP w e g u n g sind, soweit es sich übersehen läßt, nur zwei hervor- gegangen, nämlich der einzige Deutsche und ein Franzose. Wie j man sieht, ist das Arbeiter element im Arbeit säurt noch. schwach vertreten, eine Unzulänglichkeit, die sich wohl in dem Maße; vermindert, als mit der praktischen Arbeit begönne« wird. Andernfalls wird auch das Internationale Arbeftsamt ebenso � wie der Völkerbund in seiner jetzigen Zusammensetzung feinen Auf-■' gaben nickt gereckt werden können und zu der gleichen Unfruch.t-. barkeit verurteilt sein. /■ ßiasko üer Iranzofenfreunöe in Saarbrücken. Saarbrücken, 18. Juli.(P. P. N.) Bei den Kommunalwahlen in Saarbrücken, das 129 999 Einwohner bat, sind infolge des eigen- tümlichen Wahlsystems, bei dem seder Wähler 69 Stimmen batte, 2 149 749 gültige Stimmen abgegeben worden. Es haben erhalten:| Denlichnationale 51 173, Sammlungsblock(Demokratisch-Volksvar- teilich) 574 318, Zentrum 653155, Mehrheitssozialisten 493 896, Unabhängige 374 991, Wirtschaftliche Vereinigung der Saarländer : Franzosen freundliche Partei) 21296 Stimmen. Es entfallen dem-: noch an Sitzen auf Teutschnational« 1, Sammlungsblock 16, Zen-, trumsbwck 19, Mebrheitssozialisten 14. Un abhängige 19, Wirt-' schaftlicke Vereinigung 9. Ungefähr 5999 Personen mit 399 999 � Stimmen haben nicht gewählt._ die öeutsche Irreüenta. Notschrei aus dem Soldaucr Land. Kirnigsberz i. P., 19. Juli.(WTB.) Mehr als 1599 deutsche! Männer, die aus dem S o l d a u e r Gebiet in den letzten Wochen■ flüchten sowie Hab und Gut und ihre?lngeböriflen verlassen) mußten, um der rechtswidrigen Einziehung zum pol-] niscken Heeresdienst zu entgehen, haben an dm Oberpräsidenten die| dringende Bitte gerichtet, alles daran zu setzen, um Solkau und Ilmgezend, einen Teil des ehemaligen Kreises Neiden bürg, für Teutschland zu retten. In dem Gesuch heißt es:„Im i Kreise Neidenburg stimmten 96,5 Proz. für Deutschland. Das' Soldauer Land ist noch heute nach dem Willen der Bevölkerung! treu deutsch und wird es bleiben. Wir werden uns nie dem pol- s niscken Jock fügen. Helft uns, rettet uns aus unserer großen Not!" Iuüenhetze im Gftfeebaü Cranz. Im Oitseebad Cranz bat sich gegen einen Teil der Kurgäste j eine Agitation entfaltet, die sich als eine ganz gewöhnliche Juden- Hetze rohester Form darstellt. Veranstaltet wird sie namentlich' von Ausländern, das beißt von baltischen Baronen, j denen der Deutschvölkische Schutzbund zur Seite steht und der seinerseiis die Schuljugend vorschiebt. Der Amt- Vorsteher in| Cranz ist von der aufgehetzten Menge verprügelt worden, weil er � sich gegen diese Agitation gewendet hat. Südstawische' Gebietsübwtretungen. In Steiermark be-> setzten 1999 bew-asfuete Südslawen zwei Ortschaften, obwohl deren Schicksal durch die' Grenzregulierungskommission noch nicht fest- gesetzt ist. Die deutsch-österreichische Regierung hat dagegen Pro- t e st bei der britischen Militärmission erhoben. Wer war in Diedenhosen? In einer Eingabe an das Kriegs- Ministerium hat ein Genosse schwere Anschuldigungen gegen den letzten deutschen Festungskommandanten von Tiedenhofen General E o n t a. den Bezirksöverleutnant Mohr und den Hauptmann Charisius von der Kommandantur erhoben. Es wurde ihnen lchwere Verletzung ihrer militärischen Dienstpflichten vorgeworfen. Nach berühmten Mustern drebt? man den Spieß um und stellte den Verfasser der Eingabe unter Anklage.?llle diejenigen, hie über da? Verhalten de: genannten Offiziere im Sinne der Beschwerde etwas wissen, werden gebeten. Mitteilung an Rechtsanwalt Dr. Hai- ? e r t. Berlin W. 9, Potsdamer Straße 4, gelangen zu lassen. GewsrMojwbewegung Verbanöstag der Such- und Steinüruckerei- �ilfsarbeiter und tzilfsarbeiterinnen. Frankfurt a. M.. 16. Juli. Am 5. Verhau dl ungstage wird die Generaldehalie über die S t a l u t e ii b e r a t u n g beendet und das Material der Slaturenberatungskommission überwiesen. lieber den 3. Punkt der Tagesordnung: Tarif« und Lohn» beivegungen sprichr Verbandsvorsitzender P n ch e r- Berlin. Zurzeit bestehe für das Buch- und Steindruckereihilfsgewerbe kein Neichslarif, sondern die Regelung der Lohn- und Arbeitsbedingungen erfolgt nach Ortsrariten. Der Verbandsvorstand war mit Erfolg bemüht� die ungünstigen Verhältnisse in den einzelnen Orlen zu verbessern. In letzter Zeil ist es allgemein dringender Wunsäi, das; die Lohn« und Arbeitsbedingungen zentraliariflict, geregelt werden sollen, ohne das; dabei die günstigen Verbältnisse in den einzelnen Orten beeinträchtigt werden. Es ist dabei die Frage zu prüfen, ob es zweckmäßig ist. einen Manteliarif für das gesamte graphische Gewerbe anzustreben, Ivas wohl die idealste Lösung wäre. Ein weiteres Bestreben muß sein, die 46 stündige Arbeitszeit durchzusetzen. Unter allen Umständen muß aber erreicht werden, daß wir in die beiden Haupltarife des Ge- werbcS, in die Buchbinder- und Steindruckerlarise hincinkommen. Die allgemeinen Bestimmungen des anzustrebenden Reichstartfes müßten nach nachstehenden Gesichtspunkten erfolgen: Als Hilfs- arbeitet: und Hilfsarbeiterinnen gelten alle im technischen Betriebe der Buch- und Zeitungsdruckereien ganz oder teilweise beschäftigten Personen, welche die in diesen Betrieben ausgeübten Berufe nickt ordnungsgemäß erlernt haben. Als geübte Hilfsarbeiter und «arbeilcrinncn gelten diejenigen Personen nach vollendetem 17. Lebens- iahre, die eine mindestens einjährige Berufstätigkeit nachweisen :äu»en. Tie Regelung der Lehrlingsfrage muß ein Bestandteil des Tarifes sein. Eine fach- und sachgemäße Ausbildung der Lehr- linge muß erfolgen. Hilfsarbeiterinnen dürfen an Maschinen mit Fnßbetrieb und an Rotationsmaschinen nicht beschäftigt werden. Dem weiblichen Hilfspersonal sollen keine Arbeiten zugemuter iuerden, die dessen körperliche Kräfte überschreiten. Die Lehrzeit für Anleger und Anlegerinnen an Schnellpressen muß ein Jahr be- tragen. Ueber die Annahme oder Ablehnung des Reichstarifes soll die Kollegensckra't in einer Urabslimniung entscheiden. In der darauf folgenden Aussprache über diesen Tagesordnungspunkt bekennt sich die Opposition als grundsätzlicher Gegner des Tarifwesens. Rupprecht-Würzburg: Die Kollegen in der Provinz haben ei» großes Interesse an der Schaffung eines Reichstarifes. Die Löhne in München, Magdeburg und anderen Orlen sind sogar noch weil über den Tarif hinausgegangen, die Kollegen in Berlin konnlen ober trotz ihres Radikalismus diese höheren Sätze nicht erreichen. Die Berliner Kollegen sollten den boyerischen nur nicht mit ihrem Räteshsiem kommen, die wissen, wie es in der Praxis aussieht, die haben mehr als genug davon. Die revolutionären Räte in Bayern scheuten sich nicht, ihre eigenen Arbeitskollegen ins Gefängsnis zu st ecken. Die Diskussion wird in ddr Samtagsitzung fortgesetzt. Frankfurt am Main, den 17 Juli 1920. Am 6. VerhandlungStag spricht Graßmann(Berlin), Vertreter des Allgemeinen deutschen Gewerkschaftsbundes: Es ist grundfalsch, doß die Tarifgemeinschaften nur einseitig, und zwar dem Unternehmer nützen, denn die darin festgesetzten Lohn- und Arbeitsbedingungen gelten auch für eine eventuelle Krise. Dabei ist ferner zu berücksichtigen, daß gerade Auslandsprodukte mit sta- bilen Preisen auf den Weltmarkt kommen müssen, um konkurrenz- fähig zu sein und das hat die Unternehmerschaft mit beeinflußt, den Tarisgemeinschaften stäherzutretcn. Keiner der Opponenten hat gesagt, was er cm Stelle>der Tarif- und Arbeitsgemeinschaften setzen will. Die Opposition sieht immer nur das glänzende Ziel, wir aber rechnen dabei noch mit den realen Tatsachen. Erst wenn wir die schwere Arbeit der Revolutionierung der Köpfe geschafft baben, dann können wir zur Revolutionierung der Wirtschaft, zur Ueberführung der privatiapitalistische» Produktion in die sozio- listische Bedarfs- und Gemeinwirtschaft übergehen. Unser Ziel ist dasselbe, uns trennen nur die Wege und die Methoden, dieses Ziel zu erreichen. Wir müssen uns aus das konzentrieren, was uns eint, nicht auf das, was uns trennt, getragen von dem ehrlichen Bewußtsein, der Gesamtheit zu dienen.(Lebhafter Bei- fall.) Seitz(Berlin), Verbandsvorsitzender der Buchdrucker, spricht über Lohn- und Tarifverhältnisse bei den Buchdriickcrn und tritt für Schaffung eines Tarifcs auch für die Buch- und Siemdruckerechilisarbeiterschast ein. Ter Vorstand legt in der Frage des Tarife» eine Resolution vor, die im wesentlichen besagt, daß die Lohn- und Arbeitsbcdin- gungen der Hilfsarbeiterschaft im graphischen Gewerbe auf zen- traler Grundlage geregelt werden sollen. Ohne in dem Abschluß von Tarifverträgen das alleinige Mittel zu erblicken, durch welches die Forderungen der Arbeiterschaft restlos erfüllt werden können. Die geplant« Schaffung eines für alle graphischen Arbeitergnippen gültigen ManiellarisS ist anzustreben und falls dieser nicht zu- stände kommt, eine tarifliche Regelung für die Hilfsarbeiierscbaft bei dem Neuabschtuß der Gehilfentarife im Buch- und Stein- druckgewerbe. Für den eventuellen Abschluß eines besonderen Reichstarifs der Hilfsarbeiter werden folgende Richtlinien aufgestellt: Gleich- stellung der allgemeinen Arbeitsbedingungen(Arbeitszeit, Feier- tags- und Uebcrstundeilbezahiung, Fcricnfestsetzung,§ 616 B.G.B., Schutz der Vertrauensleute usw.) mit denen der Gebilfen. Rege- hing der Löhne nach den jeweiligen Lebensverhältnissen in ent sprechend kurzen Zeitabschnitten. Anpassung der Minimallöhne an die der Gehilfen, unter �Berücksichtigung der Wirtsctiaftslagc. Mi t 8 6 gegen 12 Stimmen wird diese Resolution an ge- Für den Posten des 2. Vorsitzenden hatte die Opposition Groh- man(Berlin) vorgeschlagen, der aber nur 38 Stimmen erhielt. Tie Verhandlungen werden auf Sonntag vertagt. n o m m e n. I Nur die Berliner Opposition stimmt dagegen;d'ederOpp0'- sition angehörenden Berliner Angestellten stimmen aber dafür. Die dann vorgenommene Vorstandswahl zeitigt folgendes Er- gcbnis: 1. Vorsitzender Pucher(Berlin), 75 Stimmen: 2. Bor- sitzender Hornke lBerlin), 58 Stimmen: Kassierer Lodahl(Berlin), 95 Stimmen; Redakteur Schulze(Berlin), 81 Stimmen. Achtung, S. p. �.-Metallarbeiter! Tic Fraktionssitzung der Betriebsräte und Vertrauensleute findet heute 5 Uhr in den Musikerfcstfälen, Kaiscr-Wilhclm-Str. 31, statt. Bctricbsrätcsckretariat«.P.D. Das Streikunrecht. Unter dieser Ueberschrift bemüht sich in der.Deutschen Taaes- zeitung" der Geheime Justizral Dr. Th. Wölfs. Kammergerichis- rat a. D., um den authentischen Nachweis, daß das vom Land- gerickt II in Berlin gegen den Zentralverband der Angestellien gerichtete Verbot, den Slreck der Berliner Angestellten zu leiten, Stieikgelder zu zahlen und Streikpostendienste zu organisiereii uiw., aiii rechlticher Grundlage basiere, denn der Streik sei die Vertrags- widrige Einstellimg der Arbeit oder Dienstleistung innerhalb eines in fortgesetzten Leistungen bestehenden gegenseiligen Vertrages. Der Herr Kaminergerichtsrat a. D. sucht sogar der heutigen Zeit an Hand reichsgerichtlicher Entscheidungen begreiflich zu machen, daß der Streik eine Verletzung des R e ch r S ist. Wer dünkt sich da nicht in die Zeit der seligen Zuchthan?- vorläge versetzt, die wohl dem Unternebmer das Recht erhöhter Ausbeutung zuerkannte, aber die Arbeiterklasse mit dem Ziichthans bedrohte, sobald sie durch das Mittel der Acbeiisniederlegung sich dagegen zur Wehr setzen ivollte. Nein, Herr Gekeimer Justizrat, diese einstweilige Versügung de? Landgerichts II ist nichts anderes als eine Fei'el gegenüber dem elementaren Reckt der Arbeiterklasse, durch das Mittel der Arbeitsniederlegung sich bessere Lohn- und Arbeitsverhältnisse zu erkämpfen. Diese Ver'ügnng ist ein Analogon des berüchtigten englischen Teff-.Wales-Enlscheldcs. der vor beinahe zwei Jabrzehiiten nicht nur das englische Proletariat, sondern die Arbeiterklasse aller Kulturländer in berechtigte Empörung ver- setzte. Will Herr Dr. Th. W v lff dieser Verfügung durch juristische Koniiriikltonen eine rechtliche Unterlage geben, so mag er es tun, die Leser der»Deutschen Tageszeitung" werden hierfür wahrschein- lich einiges Verständnis haben. Von der Mebrbcit des deutschen Volkes wird sie jedoch als eine durchaus einseitige, lediglich die llnternehinerschaft begünstigende Maßnahme gewerkt weiden. Drohender streik der AugesteNten in den Lebensniittelgeschäften. In den Koloniahvaren-. Delikatessen-, Feinkost-, Fisch-, Räucherwaren-, Wild-, Geflügel- und Sck>okoladcngeschäftcn wird in den nächsten Tagen ein erbitterter Kampf entbrennen. Am 81. März ist der Tarifvertrag mit den Arbeitgebern abgelaufen. Der Vertreter der Arbeitgeber bei den ersten Verhandlungen,.Herr Dr. Kohlenberger, hat es verstanden, dem Zentralverband der An- gestellten vorzutäuschen, die Arbeitgeber beteiligen sich an den Tarifverhandlungen der Arbeitsgemeinschaft im Einzelhandel. Im April 1920 wurde endlich festgestellt, daß die Arbeitgeber der LebcnSiiiiitclbranche gesondert verhandeln wollen. Man bot uns einen Stundenlohn von 1,55 M. für Verkäufer an und dieser Lohn sollte erst vom 1. Juni 1920 ab gelten. Dieses unverschämte An- gebot führte zum Abbruch der Verhandlungen. Da es sich um lebenswichtige Betriebe handelt, wurde seitens des Zentralverbandes der Angestellten das Rcschsarbeitsministerium angerufen. Dieses beauftragte den Schlichtungsausschuß Groß-Berlin, ein Schieds- gericht einzusetzen Ter gefällte Schiedsspruch wurde seitens der Angestellten angenommen, trotzdem auch diese Löbnc noch nicht zur Deckung der allernotwendigsten Bedarfsartikel ausreichen. D i e Arbeitgeber lehnten den Schiedsspruch ab und neue Verhandlungen wurden aufgenommen; auch der Demobilmachungs- wmmissar verhandelte mit den Parteien. Trotzdem die Angestellten die Löhne für die niedrigste Gruppe um 25 M. und für die höchste Gruppe um 100 M. reduzierten, wurde das Angebot seitens der Arbeitgeber abgelehnt. Um den Kampf im Interesse der Bevölke- rung Groß-Berlins abzuwenden, versuchte der Zentralverband der Angcstellteii am letzten Sonnabend nochmals mit dem Demobil- mach ii ngskom missar, Herrn Regierungsrat von Hosfmann, zu ver- handeln. Die Verhandlungen wurden seitens die- ses Herrn abgelehnt Das Reichsarbcitsministerium, Referent Herr Dr. Wcickert, lehnte auch ein Eingreifen ab'und er- klärte zu unserem Organisationsvertreter:..Erkämpfen Sie sich bessere Löhne!" Tie Regierungsstellen zwingen uns also selbst zum Kampf. Jetzt bleibt kein and crer Weg für die Angc st eilten übrig, als in den Streik ein- zutreten. Hausfrauen! Ihr könnt uns unschätzbare Dienste erweisen, indem Ihr jetzt schon Eure Lieferanten am die Konsequenzen der Nich-tbewilligiing der Forderungen aufmerksam macht. Tie An- gestellten nehmen am Mittwoch abend 8 Uhr in den Sophien-Sälcn zum Streik Stellung. Zentralverband der Angestellten. Lebensmittel-GeschäftsinHaber! Vielfache Anfragen veranlassen uns zu der Mitteilung, daß Erklärungen über Bewilligung des Tarifes nur von unserer Ortsgeschäflsstelle, Zentralverband der Angestellten, Belle-Wiancc-Straße 7-10, Zimmer 15, entgegen- genommen werden. Neues Necht für Sie Sstrzebsrate im Nuhrbergbeu. Nach dem Inkrafttreten des BetriebsrätegesetzeS versuchten die Bergweiksbesitzer die Aufgaben der Betriebsräte auf die Be- stiinmungeii des Gesetzes zurückziisübren. Die Befugnisse der bis- herigen BctriebSräie gingen erheblich weiter olS das B. R. G., indem die Betriebsräte im Bergbau nach den vorjährigen Verein- barungen auch die Grnbenkonlrolle der Sicherheitsmänncr aus- übten. Obwohl das Sichcrheitsmännergeietz noch bestehl, haben nach Einführung der Betriebsräte keine Sicherbeilsmännerwahlen mehr stattgefunden. Es bälte zu praktischen Schwierigkeiten ge- führt, wenn einmal die Sicherheitsmänner, das andere Mal die Betriebsräte die Gruben kontrolliert hätten. Bei der Schaffung deS Betriebsrätegeietzes wurde diese Aufgabe nicht berücksichtigt. Gegen die Verkürzung der durch die Entwicklung erworbenen Reckte wehrten sich die Betriebsräte und auch die Beleg'chastcn ganz entschieden. Auf Veranlassung des Reichsarbeitsministers fanden Verhandlungen zwischen dem Zechenverbande und den der Arbeitsgemeinschait angehörigen Bergarbeiterverbänden statt. Diese Verhandlungen führten zur Vereinbarung von Richtlinien, die jedoch vom Verbände Deutscher Bergarbeiter nickt angenommen wurden. Infolgedessen leitete der Reichskommiffar Mehlich in Dortmund neue Verbandlungen ein, an denen auck Geheimrat Bennbold vom preußischen Handelsministerium und die Oberbergräte Kieserling und Overtbnn vom Oberbergamt in Dortmund teilnahmen. Die früheren Vereinbarungen wurden in weienllichen Punkten abgeändert und haben die Zustimmung der beteiligten Organisationen gv- funden. Wenn trotzalledem auch die Richtlinien vielleicht nicht alle Wünsche eriüllen, weiden in ihnen doch wesentliche Rechte für die Belriedsräle kslgeietzr, die weit über den Rahmen der bisherigen Bestiinmunge» iind Vereinbarungen hinausgehen. So werden die Funktionen der Sicherheitsmänner aus den BetriebSausichuß über- tragen und besondere Sicherbeitsmänner nicht mehr gewählt. Alle Betriebspunkte können iin Monat viermal regelmäßig beiahren iverdeii, ivogegcn das Ticherheitsniännergesetz nur eine zweimalige Befabrung im Monat aestatkte; doch sind auch außerdem noch> weitere Besahriingen niöglich. In der Regel sollen die Befabrungen in Begleitimg des verantwortlichen Beamten statlstnden. Der Be- triebsausichuß ist jedoch bexechligl, ohne Begleirung eines Beamten die Grube zu befahren. Für Erledigung der schriftlichen und sonstigen Arbeiten l»nn der Betriebsausschnß wöchentlich einmal bis zur Dauer einer Schicht von seiner Berufsarbeit entbunden werden. Felix Mariiillirt, der Vorsitzende des„Verbandes deutscher Handlungsgehilseii"(Leipzig), ist im Älter von 02 Jahren gestorben. Marquart war ein Vertreter deS Hcrmonicgcdankcns. er glaub: e' an die Gemeinschaftlichkeit der Jiitcresseit von Arbeitgebern und Angestellten und suchte diese von iedcr ernsthaften gewerkschafi- M d>c ri Tätigkei- fernzuhalten, was ibm auch bezüglich seines Ver- bände?, aber nicht bei der Masse der Angestellten gelang. Als „nationaler" Sammelkandidat gelang e? ihm 1912, als Abgcord» neter für Eisenach in den Reichstag zu kommen, wo er sich den Nationalliberalen anschloß. Freilich mutzte er hier die Erfahrung machen, daß selbst für seine bescheidenen sozialpolitischen Forde- Hingen die Nationalliberale Partei nicht zu haben war. Häusig genug iam es vor. daß in crncr sozialpolitischen Frage Marquart als einziger seiner Partei mit„ja" stimmte, die Ilebrlgen geschlossen mit„nein". So war seine Reichstagstätigkeit nur ein großer Beweis für das Vergebliche de? Versuch?, zusammen mit den Unternehmern iozial zu wirken. Der Rcichstagsabgeordnete Marquart war berufen, seine eigene Harmonielehre aä sbsuräiim zu führen._ Achiung. Kollegen der Firma(k. Lorenz. Tempelkiokk Alle nussctcndcn qolleqen und Kolleginnen müssen zwecks Ckisonnation zur Betriebsvcriaminliing am Diciistag. den 20. d., vormittags 9 Uhr, im Betriebe beilimmr erscheinen. Der Arbeiterrat. Tenticher Trausportarbeitervcrband. RcichSbetricbe und Bcrivaltiingsbehördcn. Dienstag, den 20. Fuli. abend? 7 Ubr, Königsladltasilio. Hobmarkt'tr. 72. große Protestversommlung. Rescreni: RcichStagsabg. Gen. Breuning. Erscheinen aller Lohnempsänger obenge- namiter Bctiiebe dringend erforderlich. Die Branchenleiliing. Zentralverband der Angeüellten. Fachgruope 14/15(Eisen-, Metall-, Eleltroinduslrie und Handel). Die zum Mittwoch, den 21. Huli. angesetzte Sitzung der Seklionsleitungen fällt aus. Neuer Termin wird noch belanntgegeben.— Fachgruppe 17 I d kBerkäuferiimenailsschuß der Konsumaenossenschalieni. Veciammsung 21. Juli. 7 Ubr, GesellichaftSbaus am Hackeschen Markt. Rosenthaler Sir 36.— Fachgruppe 17 f Angestellte in Lebensmittelgescha!len> Ocffeiitliche Versammlung 21. Juli, 8 Uhr, Sopbiensäle. Sopbienstr. 17118.«Der Kamps unvermeidlich.) Deutscher Werkmeister- Bcrband. Elementen- und Batterie- indullrie. Versammlung oller Angestellten am Dienstag,, 20. d., abends 6'/, Uhr, bei Brandenburg, Stralauer Str. 3. SoZmies. Lom Einkommen bei ReichSbchörden. Wie niedrig oft das Einkommen bei Reichsbehörden BeschZs- tigter bemessen ist, zeigt folgende uns zur Veröffentlichung über- sandle Zuichnft: Als Schwerkriegsbeschädigter(Verlust des linken Fuße?, was mir auch zugleich den Verlust meines Beruies brachte), dewarb ich mich mit den erforderlichen Papieren als Unterbeamier für den Kaiizleidienst bei dem Finanzamt Niederbarnim- West. Dieies wurde auf unbestimmte Zeit abgelehnt, weil bereits eine größere Anzahl Bewerber vorgemerkt war. Dogegen wurde ick, um nickt in den Genuß der Befolduug der Unterbeamlen zu kam- men, als Hilfskraft angestellt. Mein Einkommen setzt sich wie folgt zusammen: Tagesgeld 7,— M.— monatlich..... 175 M. Teuerungszulage monatlich....... 400, Sa. 575 M. I n Abzug davon kommt: Steuer 10 Proz........ 56 M. Jnvahden- und Krankengeld... 15, Für Benutzung der Bahn.... 35, 106, Für Unterhalt........... 469 M. In dieser ernsten Zeit soll ich als 2Sjähriger Mensch mit 469 M. meinen Lebensunterhair bestreiten. Meine Rente beträgt auch mir 174 M. Ein verbeiraieler Kollege erhält monatlich nur 100 M. mehr. Die anwesenden Damen, meist Töchter von Be« oinien, erhalten da« gleiche Gehalt. In einem Fall erhält die Tochter eines älieren Beamten der höheren Besoldungsklasie mit 1500 M. Einkommen im selben.Haust ein höheres Geholt als ich. o daß beide zusammen, Bater und Tochter, annähernd 2100 M. Ein« kommen haben. Bei einer Behörde, wo solche Verhältnisse obwalten, muß der Geist der Zwietracht Einkehr halten. Ungerechligkeiien, gepaart mit elenden Gehältern, bilden einen Nährboden für die Saat deS Hasses: eine sozial einsichtige Neichsbehörde kann Zustände der hier geschil- derten Art nicht dulde». Mus alker Veit. Schmuggelversuch des BonisazuisllosterS. Ein großer Grenz- schmnggcl gelegentlich der Uckersiedlung eines bayerischen Klosters nach der S.'l'iveiz, bei dem außer hohen Papiertvertcn viele kostbare Kunstaegenstäirdc, darunter ein Raffael im Werte von 6 Millionen Mark, außer Landes geschafft werden sollten. ist, wie aus München berichtet wird, durch das rechtzeitige Ein- greisen Berliner Beamten des Dezernats zur Verhinderung der Kapiralabivanderung vereitelt worden. Alle Sachen wurden von den Beamten beschlagnahmt und der Pater sowie der Kunsthändler Brand aus Bern, der an der Verschiebung hervorragend beteiligt war, festgenommen. Ter Pat»r gab bei seiner Vernehmung zu seiner Entschuldigung an, daß er durch Einkäufe für ein Nonnen- kloster große Verluste erlitten habe und daß er den erhofften Gewinn dazu benutzen wollte, diese Verluste für feig. Kloster wieder zu decken. Nerantw. sür den redakt. Teil: �Dr. Werner Pcilcr, Charlottenburg: für Anzeigen: rn. Glocke. Berlin. Lcrlaa: Vorwörts-Verlag G.m.b.H., Berlin. Druck: Bor- wärls-Buchdruckerei u. BerlagsanNaU V.1>,I Zingcr u. Co., Berlcu. Liiidealtr. 3. Hicrz» 1 Beilage. DIE GUTE ZIGARETTE