Nr. ZH1 4 Z7. Jahrgang Ausgabe B Nr. 43 Bezugspreis: S ftteltS!)tL 30,— OTCmor ofl.W,— 2Rt frei ms öüUd, voran»> ahlbar. Postbezug Monatlich 10.— Ml. ehkl. stu- stellungsgedüdr. Unrrr Kreuzband fü! Demschlanb und Oesterreich I6,c0 M!» für da» übrige Ausland de« täglich einmal. iZustelluna 21 Z0 N. Pvstve- steüungen nehmen an Oesterreich. Ungarn. Tschecho-SIowakei, Däne- mar!, vollano,.uremdurg,-chweden und die Schweiz.— Oinqelranen m die Vost--eitung»-PreisIiste. Der.Vorwärts" mit der Sonntags- beilage.Boll u. Zeit" ertcheint wachen- täglich zweimal. Sonntag» und Mon- tag» einmar Tellgramm-Adreife .Sozialdemotral Sorlln". Abend Ausgabe Sevlrnev Volksblatt ( 20 Pfennig) Anzeigenpreis: Sie achtgelpalten» NonparMezeile losteiZ.— M., Teuerungszufchlag dv°/<> .Sieine Aazeigen". da« teil- gedruckte Wort 1,— M.(zulässig zwei iettgedruckte Worrei. lede» weiter» Wort 60 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellenanzeigen da« erste Dort Sä Psg.>edes weiter« Wo« 10 Psg. Worte über Ist Vuchstaben zählen iür nwei Worte. Teuerunqszuschlag d0°i» äamilien-An, eigen für Abonnenten geile Z— M, politilche und ge- wertschaftliche Verein»- Anzeigen 3- Ml. die geile ohne Aufschlag. Anzeigen für die n ä ch>t e Stummer müssen bi» S Uhr nachmittag» im ZiauotgeschSit. Berlin SW 63, Linden- stratze 3, abgegeben werden Seoffnet von S Uhr früh bt» S Uhr abend». ZcntraXorgan der roztaldemokrattfdjcn Partei Deutfchlands Redaktion und Expedition: SW. 6$, Ändenstr. Z. Fernsprecher! Amt Morwvla«. Nr.»SIS«— RS»»7. Dienstag, de« 20. Juli 1920 vorwärts-verlag G.m.b. h., SW. öS, Linöenstr. S. �ernivrecher: Amt Ntorlstpla«. Nr. 117 HS— 54. Simons über Spa. Der Neichsministcr dcK Auswärtigen Dr. Simons hielt heute mittag in der Pressekonferenz einen Bortrag über die Ergebnisse der Konferenz von Spa. Seine außerordentticb klaren Ausführungen gaben ein zu- sammcnfasscndeS Bild über den Lerhandlungsgang in de» zwei Hauptfragen, die in Spa zur Erörterung kamen, in der Entwassnungs- und der Kohlenfrage. Besonders wichtig ist seine Mitteilung gewesen, daß die R e i ch s r cg i e r u n g sich in dem gestern stattgefundenen Kabinettsrat auf den Standpunkt der deutschen Delegation gestellt hat. Damit ist die vielfach er- örtcrte Frage, ob eine Kabinettskrise infolge der Unter- Zeichnung der beiden Protokolle zu erwarten sei, e i n st» w e i jk n im negativen Sinne beantwortet. Sehr interessant war auch die Erklärung Simons', daß er ursprünglich auf Grund der Angaben der Sachverständigen die Unterzeichnung des Kohlcndiktats für unmöglich hielt, dag er aber nachträglich Zweifel über die unbe- einer strafferen Steinkohlenverteilung nach- gewiesen wurde. Es ist nämlich festgestellt worden, dast die Verteilung der Kohlen durch die Zentralstelle nicht ganz einwandfrei vor sich geht und dast S ch i e b u n g e n hinter dem Rücken des Reichs- kohlenkommissars bisher an der Tagesordnung waren. Das Kabinett hat demgemäß in seiner gestrigen Sitzung eine schärfere Neuorganisation der Kohlen- förderung und der Kohlenvcrteilung be- schlössen. Tie Regierung hofft nun, das Kohlenabkommen ohne gar zu schwere Schädigungen der deutschen Industrie dank dieser Magnahmen einhalten zu können. Was die Militärfragen anbelangt, so waren sie, nach dem Wort Simons,„so verfahren", dast irgendein Widerstand gegen die Forderunge« der Alliierten, die auf dem Recht des Friedensvertrages fustten, aussichtslos war. Wir können die Zugeständnisse um so mehr als einen gewissen Erfolg ans- fasten, als ja der Ist. Juli laut Friedensvertrag der Termin gewesen wäre, zu dem sowohl die Reichswehr auf lOflOOO Mann hätte herabges etzt, wie auch die neutrale Zone hätte geräumt werden müssen. Ueber die Neuorganisation unserer Wehrmacht, meinte der Minister, müssen wir uns mit den Alliierten offenver- ständigen und dazu müsten wir ihr Vertrauen ge- Winnen, wozu wir in den sechs kommenden Monaten reich- lich Gelegenheit haben werden. Im Anschlust daran stellte der Minister die m e r k w ü r- dige Behauptung auf, dast die bisherigen Re- gierungen sich nicht deutlich genug ans den Standpunkt der Erfüllung des Friedens- Vertrages gestellt hätten. Erst die Programmerklärung Fehrenbachs habe dies mit genügender Deutlichkeit getan(?). Nlilleranü über üie üeutfthen Kredite. Paris, 20. Juli. tMeldung des Soll-Aidsch NieuwSbureauS.) Millerand erklärte bald nach seiner Rückkehr auS Spa in einer Unterredung mit Pressevertretern, die Bürgschaften an Deutschland würden in K Monaten etwa 15 Millionen betvagen. Frankreich, das von den 2 Millionen Tonnen Stein- kcchlen monatlich 600 000 Mk. erhalt«, werde 61 v. H. dazu beitragen. Tie Rückgabe dieser Bürgschaften habe einen unbe- dingten Borrang, sogar vor der Rückerstattung der BesatzungSkosten. Da Deutschland aber bereit? Zahlungen geleistet habe, welch« höher seien als die jetzt zu gtbenden Vorschüsse, hätten die Alliierten ihr Geld sozusagen bereit? zurückerhalte,- Hergarbeiterproteft gegen üie Einmarsch- ürshung. Aachen, 20. Juli.(T. U.) Eine B e z i r k» k o« fer e« z der Bergleute, die gestern tagte, nahm zu dem Ergebnis der wirtschaftlichen Verhandlungen in Spa Stellung. Es wurde folgende Entschließung angenommen:„Die heutige Konferenz der gcwerk- schaftlich organisierten Bergleute im Aachener Revier protestiert mit aller Schärfe gegcn die immer wiederkehrende Androhung von militärischen Maßnahmen gegen die deutschen Arbeiter. Die Bergleute erkennen die Berpflichtung, die KohlenlieferungS- bedingnngen de« Versailler sssriedenSvertrages nach besten Kräften zu erfüllen, an. Wir sind aber nicht gewillt, uns al? Arbeit?» sklaven behandeln zu lassen. Durch Drohung mit ZwangSmaß. «ahmen wirb die ArbeitSfreudigkeit nicht gehoben, sondern stark herabgedrückt. Tic Folge ist eine weitereBerfchärfongder Kohlennot. Tie Drohung mit ZwangSmahregel« richtet sich nach der Lage der Tinge dirett gegen die Bergarbeiter. Man will unS die verkürzte Arbeitsschicht nehmen und un» zwingen, in bcdeutend�icrlSngcrtcn Schichten zu schuften. Tagegen werden wir uns mit allen Kräften zur Wehr sehen. Zur frei- willigen Arbeit zur Linderung der Kohlennot sind wir bereit, wie wir auch durch die Tat bewiesen haben. Einem Zwang werden wir un? nicht fügen."_ Stmnes unü üer Achtstundentag. Essen, 19. Juli. In einem an den Steiger Bernhard ge- richteten«Ähreiben hat Hugo Stinnes nach einer Mitteilung des Essener Mitaroeiters der Telegrophen-Union auf die gegen ihn in der Essener..Arbeiterzeitung" gerichteten Angriffe u. a. folgendes erwidert: .Die Kohlensachverständigen haben in Spa ausschließlich dafür gewirkt, daß die Zwangslieferungen an den Feind- b u n d sich in solchen E-renzen halten, daß die Bergarbeiterschast Teutschlands nickt vor die Alternative gestellt würde, entweder in einer für ihren Ernährungszustand ungebührlichen Weis« zu einer wesentlich veränderten Ueberarbeit herangezogen zu werden, oder aber bei Verweigerung einer Mehrarbeit die Verantwortung dafür zu tragen, daß Arbe'tslostgkeit und Not in allen ande«n Gewerben ein noch viel größeres Maß erreichen, al» e» zurzeit der Fall ist. Nach den Verhandlungen in der' SozialilierungSkom- Mission und im voltswirtschaftlichen Ausschutz deS ReichSwirtschaftSrates in denen ich ausdrücklich darauf aufmerksam gemacht habe, daß ich im Gegensatz zu vielen meiner BcrusSgenoflen nicht auf dem Standpunkte stände, daß in absehbarer Zeit die all- gemeine Beseitigung des Achtstundentage? als da? Allheilmittel gegen das Anhalten der jetzigen Notzustände zu be- trachten sei, ist es von Ihnen unerhört, daß fie dennoch von mir das Gegenteil behaupten. Richtig ist nur, daß ich für den Bergbau, die Landwirtschaft und da» Transport- gewerbe die Notwendigkeit vorübergehe n d e r Ueberarbeit als unerläßlich zur Beseitigung der jetzigen Zustände betrachtet habe. Wai Sie über eine in Paris zu errichtende französisch-deutsche Einkaufsgesellschaft unter sehr starker Beteiligung von mir sagen, ist entweder leicht- fertige oder wissentlich falsche Darstellung. Denn es ist von vorn- herein bei jeder Gelegenheit— auch bei den Verhandlungen im Zechenverband— betont worden, daß auf deutscher Seite die Be- teiligung nur bei den Gewerkschaften und dem Kohlenshndikat liegen könne._ die Entrechtung ües Saargebiets. Saarbrücken, 19. Juli. Beim Direktorium des Mrtschasts- rates traf heute eine Verordnung der Saarregierung «in, durch welche der am 14. Februar 1920 durch Verfügung des Generals Wirbel eingesetzte W i r tschaft S rat für da» Saar- gebiet aufgelöst Witt». Die beim WrrtschaftSrat vorhandenen Mittel feien der LanldeShauptkasse zu überweisen. Die.Saarbrücker LandeSzeitung" bemerkt zu dieser Maßnahme, die sich würdig an die ftanzösische Milttärjuftiz und an die Er nenwung«ine» deutschfeindlichen Schweizers zum Präsidenten der Saargerichtsbarkeit anreiht:.Der MrtschaftSrat hat in den fünf Monaten seiner Tätigkeit überaus segensreich gewirkt, er war das einzige Sprachrohr der Bevölkerung, eine Art wirtschaftS» parlamentarische Vertretung. Di« Nachricht wird nicht verfehlen, in weiteren Kreisen der Oesfentlichkeit daS größte Aussehen hervorzurufen, um so mehr, als einstweilen nicht bekannt ist, a u S welchem Grunde die Auflösung erfolgte." Rußlanü befetzt Armenien. Teheran, 19. Juli.(HapaS.s Da die armenische Re, g i r r«« g dem Nlttmattim der Moskauer Regierung keine Folge gegeben hat, bekam die 11. bolschewistische Armee den Befehl, vor- zurücken: sie hat bereits die Provinz Karabag besetzt. Da? Ziel dieser Operationen ist die Vereinigung mit de« nationa- listtscheo Streitkräften Mustafa Kemals. Da Armenien unter dem Protektorat deS Völkerbundes steht und Mustafa Kemal mit der Entente Krieg führt, nimmt Sowjet- rußland mit diesem militärischen Eingriff in die Verhältnisse Klein» afienS den offenen Kampf mit der Entente auf. Indem e» die englische Jnterventwn im Krieg mit Polen ablehnte, zeigt« es ja schon, daß ei sich stark genug fühl«, sein« äußere Politik obne Rücksicht auf den etwaigen Ausfall der englisch-russischen WirtschaftS- Unterhandlungen zu führen. Vielleicht ist auch die sonst nur schwer verständliche angebliche Ernennung des russischen Generalissimus Kamenew zum Führer der jetzt wieder in London eintreffenden Sowjctdelegation damit in Verbindung zu bringen. Die Wahrung des PostgehctmnisseS. Die Unabhängigen haben im Landtag eine Interpellation eingebracht, die dagegen Stellung nimmt, daß gegenüber Angehörigen ibrer Partei da» Postgeheimnis durch Ueberhören von Telephongesprächen und Oeffnen von Postsendungen verletzt weOi». Der Kampf gegen die /irbeits- loflgkeit.. Von Philipp Scheidemann. In einer Reichs tqgSrede habe ich mich am 28. Juni d. I. auch mit der Frage beschäftigt, wie gegen die ArbeitSlosigkett am zweckmäßigsten, vielleicht auch mit neuen Mitteln, ange- lämpft werden könnte: � � Es mutz versucht werden, daß Reich, Gliedstaaten und Gc- meinden, anstatt sich durch die Zahlung von Erwerbslosenunier- stützungen immer mehr zu belasten, die Entlassungen von- beitern im besonderen Fall auch dadurch zu verhüten, daß sie- Abnehmer der Fabrikate auftreten. In manchen Jndu- strien dürfte das ohne weitere? möglich sein. Jede Stunde der Arbeitslosigkeit ist unwiederbringlich verloren, ist ein unersetz- sicher Verlust für das ganze Volk." Schneller als ich selbst es erlnartet Hatte, wurde ich p r a k- tisch vor die Frage gestellt, die ich im Reichstag crörtcrr hatte. Vierundzwanzig Stunden nach meiner Rede in Berlin empfing ich in Cassel den Betriebsrat einer großen Schuh- fabrik. Die Arbeiter setzten mir auseinander, daß in dem von ihnen vertretenen Betrieb bereits fünfzig Arbeiter entlassen wurden, daß der Rest von etwa 2011 Arbeitern zurzeit— gegcn Weiterzahlung des Lohnes— beurlaubt sei, aber unmittclb"' vor der Kündigung ständen, weil der Betrieb, als unrentabel. zur Stillegung kommen sollte. 200 und mehr Arbeiter avi einem einzigen Betrieb, das heißt— Weib und Kind mit- gerechnet— rund 800 bis 1000 Menschen die Existenzgrund- läge nehmen, den Mann noch unzufriedener, die Frau noch un- glücklicher machen. Ich verhandelte sofort mit der Finna. Dabei stellte r-'- sich heraus, daß sie einen Lagerbe st and im Werte von etwa 4 Millionen Mark Hatte. Wenn sie weiter arbeiten sollte, war mindestens ein teilweiser Umsatz des eigenen Warenkapitals erforderlich. Die Inanspruchnahme von Bankkredit stellte sich als undiskutabel heraus: die Firwo verhielt sich vollkommen ablehnend. Weiterbetrieb hieß für dic Firma: Ankauf von Leder, unrentable Produktion und man- cheS andere, was ein kapitalistisches Unternehmen nicht man. Dagegen bedeutete Stillstand des Betriebes in diesem Fnsi für die Firma gar keinen Verlust, denn bis zum Herbst werbm die SchukMiren wieder im Preise steigen und zwar so. daß dev entgangene Verlust aus der unterbrochenen Produktion mehr als ausgeglichen wird. Vom kapitalistischen Standpunkt aus ist das alle? richte gesehen, denn daß die Schuhwaren im Preise nicht weiter sinken werden, nachdem die Häute wieder erheblich teurer or- worden sind, ist gewiß richtig.— Die Verhandlungen führten schließlich zu folgendem Abkommen: die Stadt übernimmt für die Gesamtsumme von 800 000 M. 6000 Paar Schuhe fi'- Männer, Frauen und Kinder, die Firma wird sofort au: gezahlt, besckxifst sich mit eigenem Kapital Leder und produziert weiter wie in letzter Zeit— 4 Tage wöchentlich. Das Gcwerkschaftskartell und die Konsumgenossenschast haben den Schuhverkauf übernommen: die mit der Entlassung bedroht gewesenen Arbeiter schaffen weiter. Selbstverständlich ginA.mcht alles so glatt, wie es hier auf dem Papiere steht. Mancherlei Hemmnisse mußten übcrwun den werden, bevor der Verkauf beginnen konnte. Zunächst Bc sprechung mit dem Betriebsrat, dann Aussprache mit erfahrenen Beamten der städtischen Verwaltimg, Verliandlungen mit den Organisationen. Beratung und Beschlußfassung durch den Magistrat usw. N Erleichtert wurde uns die Uebernahme deS großen Risikos durch die Gewißheit, daß es sich um ein ganz hervorragendes Produkt einer ersten, im Reich und darüber hinaus bekannten Firma handelte und daß diese, selbst bestrebt, die sozial bedeutsame Frage zu einer befriedigenden Lösung bringen zu helfen. die Schuhe weit unter den Selbstkosten Hergab. Die Schubc wurden je noch Qualität zum Preise von 49 bis 175 M. verkaust. Der Schuhverkauf hatte sofort einen geradezu enormen Zulauf, ober auch noch die weitere Folge, daß die Schuh- Warenpreise in fast allen Fachgeschäften der Stadt wesentlich gesenkt wurden. Gegen eine irrige Aus fafsung mancher kleiner Geschäftsleute mußten wir unS von vornherein verwahren. Merkwürdigerweise sahen diese in imserem Eingreifen eine„Hilfsattion für einen großen Fadi" kanten", zogen auS dieser falschen Voraussetzung natürlich falsche Schlüsse und sprachen sogar von einem Boykott, wenn der Zwischenhandel ausgeschieden bleibe. Nach erfolgter Auf- ttärung beruhigten sich die Schuhwarenhändler. Es ist ohne weiteres einleuchtend, daß die M i t w i r- kung städtischer Körperschaften im Kampfe gegen die Arbeitslossgkeit auf diese besondere Weise nicht immer iv relativ einfach sein wird, wie in dem geschilderten Fall. Wer die Gemeinden dürsten auch nicht zurückschrecken, in sckwi-- riger liegenden Fällen das menschenmögliche zu versuchen. Tie vom Reich und den Gemeinden als Arbeitslosenunterstützungen gezahlten Summen sind doch wirklich, volkswirtschaftlich fle-eficn, zirm Fenster herausgeworfen, außerdem ist der Verlust zahlloser Arbeitsstunden besonders in jetziger Zeit geradezu unerträglich. Bei den Verhandlungen mit allen beteiligt gewesenen Körperschaften wurde wiederholt von angesehenen Unterneh- mern betont, daß Aktionen, wie die geschilderte, bei denen die Städte ein großes Risiko übernehmen, nur dann gemacht wer- den dürsten, wenn die in Betracht kommenden Unternehmer auch bereit seien, erhebliche Opfer zu bringen, also selbswerständlich an den ihnen abgenommenen Waren nichts verdienen dürfen. Daß auch mit Hilfsaktionen wie der erwähnten— die Stadt Cassel läßt natürlich,» soweit sie irgend kann, Arbeiten herstellen, um Arbeitslose zu beschäftigen— die Arbeitslosigkeit nicht aus der Welt zu schaffen ist, brauche ich nicht besonders zu betonen. Wer ein Palliatiomittel von nicht zu unter- schätzender Bedeutung kann diese Art des Eingreifens doch werden. Kommt dazu ein Eingreifen des Reichs überall dort, wo es sich um Betriebsstillegungen aus Gewinnsucht oder Bös- Willigkeit handelt, dann ist immerhin erheblich mehr geschehen, als stüher. Der Kampf gegen die Arbeitslosigkeit wird natur- remäß auch der stärkste Antrieb sein für alle, denen es mit der Sozialisierung ernst ist, das heißt für alle, die nicht nur über stc Sozialisierung reden, sondern dafür wirken wollen. Pfeffer an üer Arbeit. Wozu steckbrieflich Verfolgte Zeit finden. Uaber die Vevschwörertätigkeit des angeblich steckbrief- 'ich verfolgten Hauptmanns Pfeffer im Kreise Arns- walde haben wir schon mehrfach berichtet. Die„Freiheit" ist jetzt in der Loge, einen vom 12. Juli(!) aus Arns- walde datierten Befehl dieses famosen Putschorganisators an seine sogenannte„Arbeitsgemeinschaft Pfeffer" zu der- osfentstchen. In diesem heißt es u. a. wörtlich: 7. Ich bin im Hotel Ladisch. Marktplatz ArnSwalde, 7 e l siphcm Nr. 10, von jetzt an dauernd erreichbar. S. Täglich vouab Ncfehksempfang«nd Auskunft in meinem L'.nvrtier. Dazu von jedem K o m p a g n i e b e r e i ch ein Ver- ''et er, Bahnfahrt wird verrechnet. Der steckbrieflich verfolgte Pfeffer kann also zu Arns- walde sein Hauptguartier aufschlagen und von dort aus Be, sthfe geben,— und dies zu einer Zeit, wo sein Treiben durch - uns den Behörden bereits enthüllt war! Wir können noch hinzufügen, daß wir vor bereits einer Anzahl von Tagen >en Behörden die Adressen Pfeffers und seiner hauptsächlichen Mitverschworenen im Kreise Arnswalde übermittelt haben. Trotzdem hat die Mitwelt bis beute noch nichts von einer Verhaftung dieser Gesellschaft erfahren. Nach der„Freiheit" sind im.Kreise Arnswalde vier Kompagnien Infanterie und mehrere Batterien Artillerie untergebracht. Wie wohl sich auch ander?.Kappisten im Znstand steck- b'ieflicher Verfolgung befinden, das beweisen die„Eisernen Blätter", die nach wie vor literarische Beiträge des Herrn— Draub bringen. . An die Regierung muß die Anfrage gestellt werden, was sie denn eigentlich zur Verfolgung dieser Leute tut, oder wie sie es recht fertigen will, daß diese Gesellschaft ganz ungeniert wn ihrer Nase weiter die Rüstungen zur Gegenrevolution betreibt. Die Putschgerüchte aus Hamburg. Das„B. T." gab gestern abend ein im„Lübeck« Ge- neral-Anzeiger" veröffentlichtes Schreiben wieder, in welchem "ber l i n ks r a d i k a l e P u t s ch v o r b e r e i tu n g e n in Mamburg Einzelheiten mitgeteilt wurden. Wie uns von best unterrichteter Seite aus Hamburg gedrahtet wird, ist der ganze Bericht im„Lübecker General-Anzeiger" von Ansang bis zu Ende ein Phantasieprodukt. Er t offenbar auf dieselbe Quelle zurückzuführen, die sich seit langem den Versuch angelegen sein läßt, erneut die R e i ch s- StuöenteneZenö. Von Ernst von Harnack. biamcher Leser des„Vorwärts" wird erstaunt fragen: Gibt > ein©tuientenelend? Die bunten Mützen und die frischen Schmisse, die woUausgebügelten Anzüge und die graziös geschwun- genen Spazierstöckchcn— kurzum allerlei Aeußerlichkeiten, die zum bilde einer verelendeten Menschenklasse nicht recht paffen wollen. sie treten heute wie einst, ja beinahe noch aufdringlicher wie einst in die Erscheinung. Oder steht das Elend politischer Unter- drückung in Frage? Nun, die Weitherzigkeit der„vorgesetzten Be- horden" gegenüber den zahlreichen lauten Aeuherungen des alten pseudopatriotischen Geistes— oder vielleicht U n geistes— ist wohl der sprechendste Gegenbeweis. Und doch trügt der äußer« Schein! Der Lärm, den jene wohlgenährten Bürgerknaben und jene chcm- vhristischen Desparados machen, er lenkt leider die Augen so manches einsichtigen Sozialpolitikers von der schweren materiellen Notlage ab, in der sich ein großer, allzu großer Teil unseres akade- .mischen Nachwuchses befindet. Es mag dem Sozialismus unver- ändiich, ja widersinnig erscheinen, daß auch der arm« Student meist nicht den Weg zu seinen bandarbeitenden Volksgenossen suchen will, um mit ihnen gemeinsam für die Herbeiführung einer neuen, besseren Ordnung zu wirken. Die individualistische, antisoziale . rziehnng der vergangenen Epoche hat hier wahr« Berge der Ber- s'ändnislosigkeit aufgetürmt. Aber es wäre schlimm, wenn ftim- mungsmäßige Abneigung uns den Blick für die klare Erkenntnis l rüden würde, daß wir auf das Emporsteigen einer ganz anderen, von Grund ach im neuen Geiste erzogenen Stndentengeneratiou nicht warten können. Die Sorge um Deutschlands kulturelle und wirtschaftliche Zukunft macht unS die Hebung der Notlage der heutigen akademischen Jugend zur ernsten Pflicht, zumal es gerade die für den Neuaufbau wertvollsten Elemente sind, die am sbw ersten leiden. Unter den Studenten, die nach den Worten des. alten Liedes „zur Herrlichkeit geboren" sein sollen, geht Frau, Sorge, die graue. verschleierte Frau um. Unter den Großstadlstudenten zumal. De- scheiden waren die Berliner„Buden" schon immer. Jetzt nächtigt mancher in den Wartesälen der Bahnhöfe und in ähnlichen Zu- �uchtsstätten. Ueber 5000 Studierende der Berliner Hochschulen lönnen sich nur einmal in»der Woche ein warmes Mittagbrot leisten. Nebenberufe, die in einem gewissen Zusammenhange mit dem eigenen Studium stehen, wie Nachhilfestunden oder Aushilfe bei wissenschaftlichen Arbeiten von Gelehrten, sind überfüllt. So beginnt der Student, der Not gehorchend, dem gewerblichen Ar- bester cckö Laternenanzünder, nächtlicher Streckenarbeit«, Heiz. wehr in Hamburg einrücken zu lassen. Die Hamburger Arbeiterschaft hat mit diesen Machenschaften nichts zu tun. Eine verleumüung. Ter R. F. B. soll Putsche vorbereiten. Der„Lokal-Anzeiger" bringt wieder einmal einen myste- riösen-Bericht über linksradikale GeHeimorgamsationen und Putschvorbereitungen in Berlin. Exerzierühungcn einer Roten Armee in der Gegend von. Spandau und was sonst zu dem Lügenarsenal der hinlänglich bekannten Spitzelbcrichte gehört, Diesmal aber wird noch ein besonderer Zweck verfolgt, der aus der fetten Ueberschriftszeile„Beteiligung des Republikanischen F üih r e r b u n d c s" hervorgeht. Selbstverständlich ist jede Behauptung über die-Beteiligung des „Repichlikanischen Führerbundes" an linksradikalen Putschver- suchen b e w u ß t e Ü n wa h r h e i t. Der R. F. B. steht seit seiner Gründung fest und unerschüttcrt auf dem Boden der d e m o kr a t i s ch- r e v ub l i kan i s che n Verfassung, zu deren Schutz gegen Angriffe von rechts wie links er gegründet wurde. Wer gerade dies— und namentlich seine feste Haltung in den Kapptagen— hat ihm den heftigen Zorn aller Reaktionäre zugezogen, namentlich derer vom Schlag des„Lokal-Anzeiger", der ja bekanntermaßen vom 13. zum 18. März ganz und gar im Dienste der Kapp und Lüttwitz stand. Daß diesen Leuten kein Mittel der Verleumdung zu niedrig ist, um die republikanische Orgoni- sation zu diskreditieren, weiß der R. F. B. auch mannigfaltiger Erfahrung. Er weiß auch, daß die Quellen der Verleumdung bei gewissen militärischen Stellen zu ftnden sind, denselben, die soeben erst sm Kill Buchrucker sich nicht ge- scheut haben, die OeffentlichkeU mit erlogenen„Berichtigungen" irrezuführen. Wohin die neueste Hetze zielt, ist klar. Wir erwarten aber von den maßgebenden Regierungsstellen, daß sie das Ver- lenmderhandwerk mit der gebührenden Verachtung strafen werden._ Eiserne Kreuze und kein Enöe! Man schreibt uns: Ms Mitarbeiter bei einer biesigen AbwicklungAstell« habe ich Gelegenheit, den widerlichen Schristwechssl in dieser Aitgel-eyen- heit zu lesen. 167Z Gesuche um nachträgliche Verleihung diese- voMändig entwerteten BehangeS liegen nur bei dieser einen, von so vielen. ASwicklungsstelle vor. Die E. K. erfordern viele Rückfragen usw., im Mittel zirka ? bis 7, also sind 1673 X ö— 8365 Vorgänge daraus entstanden. Erledigt werden bei der � wunderbaren Organisation genannter Stellen, pro Tag und Angestellten� zirka 4 Borgänge. Gehalts- durchschnitt zirka 40 Mk. pro Tag. Ein Vorgang kostet 10 Mk. X 8365— 83 660 Mk., dazu kommen noch alle möglichen anderen Unkosten. Die Kosten der E. K. selbst usw. Hier kann der Ar- beiter sehen, für was seine Steuern verpulvert werden. Wer bekommt nun das E. K.? Jeder, der darum schreibt! Es ist ja jedem bekannt, der, im Felde war. wie dort die Verteilung vor sich ging. Wer es verdient hatte, bekam selten das E. K., aber desto mehr wurde es an Schmarotzer und Speichellecker ausgegeben.' Also der Feldvorgesetzte muß heute, wie damals, die Würdigkeit bestätigen. Dies« Bestätigung erfolgt, bei 100 Mftrageu,, prompt. lOOmal, Henu allei« durch das Betteln um das E. K. hat doch schon der Man» feine- Würdig- keit bewiesen—! Viele Männer von Charakter tragen die» .Whrenzeicherp' schon Sange' nicht' mehr, sondern überlassen die? den Kriechern. Es wird kchchst« Zeit, daß Schluß mit diesem Unfug ge- macht wird. Laaüesfarben unö Reichswehr. Man schreibt uns: Bei der Beratung des HeereSetats im Hauptausschuß deS Reichstags brachte ein Abgeordneter zur Sprache, daß die Reichswehr noch immer die schwarz- weiß-rot« Kokarde trag«, wie überhaupt die Farben der gehilfe, Kellner oder Kraftwagenführer Konkurrenz zu machen. Ist die Ausbildung endlich nach unsäglichen Mühen beendet, so haben auch Unterernährung, Wohnungsnot und Ueberarbeitung den Boden für die' Proketarierkrankheit Tuberkulose bereitet. Geistige Not auf dem Grunde des materiellen Mangels— dem Sozialisten eilt« allzu bekannte Erscheinung! Sollen wir mit der Hilfe warten, bis sich ein neuer Untergrund einen neuen Ueber- bau geistigen LebenS geschaffen hat? Niemand könnte«ine solche Verzögerung verantworten! Ii, den nächsten Tagen werden sich die Hochschulen Berlins, unterstützt von den Vertretern aller Zweige der Industrie, des Handels und der Wissenschast in einem Auftuf an das Volk wenden. Mögen ihm auch unsere Parteigenossen, die dazu in der Lage sind, in Würdigung der Bedeutung dieses Werks für unsere Zukunft Folge geben. Von der Utopie zur Wissenschaft, von der Wissenschaft zur Tat— das ist der Weg des Sozialismus. Noch erscheinen freilich manchem unter uns die deutschen Hoch- schulen eher Nester der Reaktion' als Pflegestätten des sozialen oder gar de? sozialistischen Gedankens zu sein. Denen sei gesagt, daß eine von Herzen kommende soziale Studentenfürsorge die beste Propaganda für die großen Ideen sein wird, die in uns leben, ♦ Wie wir hören, wird unter Mitwirkung des Ministers für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung, Genossen H a e n i s ch, ein Aufruf zur Linderung der Notlage unserer Stu- dierenden vorbereitet, der schon in den nächsten Tagen ver- öffentlicht werden dürfte. Werden mehr Knaben oder Mädchen geboren? In Europa war das Geschlechtsverhältnis bei der Geburt vor dem Kriege etwa 106 Knaben auf 100 Mädchen, wenn auch in einzelnen Ländern Abweichungen darin vorkamen. So nimmt um das Mittelländische Meer her der Knabenüberschuß stark zu. Auf je 100 Mädchen beträgt er in Griechenland 132, in Rumänien 88. tn Bulgarien 82, in Spanien 78 und in Italien 61. Geget� Norden zu nimmt der Knabenüberfchuß nach den vorkrieglichen Statistiken im allgemei- nen ab. In den Vereinigten Staaten von Amerika ist er bei den Weißen ungefähr ebenso hoch wie im Durchschnitt der europäischen Länder, bei den Negern dagegen beträgt er bloß ö auf je 1000 Mäd- chen. In Japan treffen auf 1000 Mädchengeburten 1047 Knaben- geburten. Ein Heruntergehen des-Knabenüberfchusses wiesen vor dem Kriege auf: England, Frankreich, Belgien, Schweiz, Italien, Bulgarien, Rumänien und Serbien, dagegen hält Deutschland seit geraumer Zeit setne Zahl von 106—108 Knaben- auf 100 Mäd- chengeburten fest. Die Tatsache, daß in Teutschland, wo vor dem Kriege e-'ne weitgehende Besserung der Lebensverhältnisse stattfand, die rela- twe Häufigkeit der Knabengeburten nicht abgenommen hat, paßt, führt H. Fehlinger in seinem vor kurzem erschienenen Büchlein Republik im Bereich der Reichswehr nirgends zu sehe» seien. Er verlangte energisch Abhilfe. Namens des Reichswehr» Ministeriums erklärte hierauf General von Feld mann, daß die neuen fchwarz-gold-roten Kokarden nunmehr fertig» gestellt seien und alsbald zur Ausgabe gelangen w ü r d n. Im übrigen wird streng darauf gesehen werden, daß die Reichswehr die Farben der- Republik in Ehren halte. Wir. wollen hoffen, daß dies Versprechen gehalten wird. ES wird allmäblich Zeil, daß sich die Reichswehrangehörigen mit detr repi blikanischcn Farben vertrauter machen als dieS bisher der Fall war. Gut wird sein, wenn im Reichswehrministe» rium selbst der Ansang gemacht wird, denn die Farben schwarz-rot-gold sind' dort ziemlich unbekannt. Wenn sich der Herr Reick fwclrministcr einmal der Mühe unterziehen wollte» durch die Bureaus ieines Ministeriums und des Gruppen» kommandos I zu gehen, würde er mancue Ueberraschung er» leben. Es gibt dort viel sinnigen Zimmerfchmuck, der nicht jn jedem Fall die helle Freude des Ministers erwecken dürfte» So ist z. B. in dem Zimmfer eines Offiziers folgender Spruch in großen Lettern und schwarz-weiß-roter Umrahmung zu lesen: „Schwarz-weiß-rot, treu bis zum Tod, Schwarz-rot-gold, macht was ihr wollt!" Also, Herr Minister, machen Sie in Ihrem Ministerium mit der Einfiihrung der republikanischen Farben den Anfang und wie wollen glauben, daß es Ihrem General mit der Durchführung seines Versprechens ernst ist. �meri'kanisthe Kommuniftenjuftiz. Politische Prüfung der Geschworeneu. In Chicago hat in'den letzten Juniragen ein Schwur» gerichtsprozeß gegen die Gründer der Kommuni sftschen Ar- beiterpärtei begonnen. Die Vorbereitung zog sich tagelang bin, ba ber Ankläger immer wieder fast alle Geschworenen-, kcmbidaten wegen politischer Unzuverlässigkeft ablehnte. Die Geschworenen, wurden dabei in einer Weise, die man sich hierzulande kaum vorstellen kann, einer Gesinnungs- Prüfung unterworfen und je nach ibrem Ergebnis ange- nominen oder abgelehnt. Ein anschauliches Bild dieser naiv- schainlofen Prozedur geben die Berichte der„Newyorker Völkszeitung", der wir die folgenden Fälle entnehmen: Ein Kandidat namens P arisch gab auf die Fvage, ob er wisse, was Sozialismus oder KommuniSimlS ist, folgende Ant- wort:„Viele Leute glauben, daß sie es wissen, in Wirklichkeit wissen st? es älter ebenso wenig wie ich." Auf die Frage, ob er schon einmal für einen Sozialisten seine Stimme abgegeben hat. erwidert er vielsagend:„Bis jetzt noch nicht." Nachdem man ihm auseinandergesetzt hatte, was KommuniS« mus bedeutet, erklärte er sich ganz damit einver» standen. Darauflhml wurde er.xnrs allgemeinen Gründen ent» schuld igt". Ein Geschworener nametttS Christensens gab an, zehn Jahre hindurch ständig sürdosfozialistische Ticket gestimmt zu haben, und fügte hinzu, er fci von der Berechtigung dos Auf- ruhrgefetzes nicht überzeugt, worauf er„aus allgemeinen Grün- den entschuldigt" wurde. Als ein Mann von nicht abgeklärten Ansichte» erwies sich der. in Bremen geborene Geschworene Klapp. Er sagt« nämlich, er habe viermal für sozialistische Kandidaten, darunter auch für Debs, gestimmt und er glairbe auch an den Sozia» liSmus, jedoch nicht an die DiRatur des Proletariats. Heber die Schuld oder. Unschuld dar Angeklagten hatte er sich im voraus noch keine Meinung gebildet, da er, wie er gestand, bei Empfang der Vorladung als Geschworener überhaupt nicht wußte, um was für einen Fall es sich bändelt. Ms man ihm den Inhalt.des Gesetzes mitteilte, auf dem die Anklage beruht, erklärte er sich damit ein- verstanden. Er wurde schließlich vom Ankläger zurück- g ew i-e s e n. Herr Wilson kam einst zu uns als Apostel der amerika- nftchen Humanftät und der amerikanischen Demokratie. Es gibt ober in der amerikanischen Demokratie doch manches, was wir lieber nicht annehmen wollen.__ „Zwiegestalt der Geschlechter beim Menschen"(Leipzig, Curt Ka- hitzsch), schlecht zu der mehrfach aufgestellten Theorie, daß die Ver- besserung der Ernährung den Knabenüberschuß steigere. Nach dem Kriege ist der Knabenüberfchuß unter den neugeborenen Kindern größer als in normalen Zeiten. Vielfach wird diese Tatsache da- mit zu erklären versucht,, daß die Natur„von selbst" einen Aus- gleich der Kriegsverluste anstrebe._ Diese Erklärung ist natürlich vollkommen unwissenschaftlich. Auf richtiger Bahn dagegen wird sich wohl folgende Erklärung finden: Nach den Kriegen werden mehr Ehen geschlossen als gewöhnlich Da nun unter den ersten Kindern die Knaben stärker vertreten sind, als unter den von der- selben Mutter später geborenen, so erklärt sich damit auch das mäßige Ansteigen der Knabengeburten nach den Kriegen. Ein weiterer Grund für das lleberwiegen der Knabengoburten nach dem Krieg« können wir in der Tatsache erblicken, daß wäh- rend und kurz nach dem Kriege sehr viele junge Ehen ge-sch'ossen worden sind; denn nach Fehlinger sind bei den jungen Ellern die Knabengeburten den MBtckengeburten gegenüber in- der Mehrzahl. Auch die Taffache, daß während der Kriegszeit weniger Mannet als früher ausgewandert sind, wirkt nach früherer Statistik erheb» lich zugunsten des männlichen Geschlechtes. Fehlinger geht lo weit, daß er für die Entstehung des Frauenüberschusses die früher stärkerei, Wanderungsverluste auf männlicher Seite verantwortlich macht. Ter Erzieher. Ein junger Ehemann hatte einen Onkel, der Junggeselle, Universitätslehrer und Spezialist für Psychologie und Pädagogik war. Für ihn war es ein Glaubenssatz, daß die Ellecn nichts von der Behandlung der Kinder versieben. Sie müßten den Kleinen weit mehr, als es gewöhnlich der Fall sei, den Willen lassen, pflegte er zu predigen. Eines Abends wurde nun der Professor beauftragt, auf den dreijährigen Jungen des Ehepaares aufzupassen, während die Eltern tm Theater waren. Sobald der Professor mit dem Jungen allein war, fing dieser an: „Ich will die Ubr da an der Wand haben!" Der Professor stieg auf einen Stuhl, nahm die Uhr herab und gab sie dem Jungen. „Ich will den Haken auch haben!" sagte der Junge. Der Professor ritz mit Mübe den Haken aus der Wand und gab ihn ihm,, „Ich will das Loch auch haben!" kam ei dann, und der Klein« streckte bittend die.shätide nach der Wand aus. Jetzt hatte der Theoretiker genug und läutete nach dem Kinder» mädchen._ ' Tie Filmoberprüfungsftclle ist der kommissarischen Leitung de» Schriftstellers Carl Bulcke unterstellt worden. Zu Gedichten Raviudranath Tagores. d-S indischen Poeten, der in der Weltliteratur der Gegenwart einen Platz erobert hat. hat der Ber- liner Iezesfionsst Richard I a n t b u r eine Reihe von Stein- radierungcn geichasien. die mi! Ii Gedichten TagoreS al» erster Cid- Druck bei Karl Schnabel in Berlin erfcheinen sollen. Gin Reinbrandrfund kam bei einer londoner Versteigerung zutage. ES ist ein prachtvolles Spätwcrk des Meisters, das auf grofter Tafel yeraklst und Demokrit, den weinenden und den lachenden Philofophen. darMlt. Die Tragödie vsa Thal. Neue Enthüllungen.— Aussage des Gemahregelten.—„D' Anatomie braucht Leichen".— Standrecht auf eigene Faust. Wie wir vor einiger Zeit berichteten, würbe der Offizier-! stellvertreter Dahlheim wegen feiner Aussage im Mar« burger Ar beitermorb Prozeß gemaßregest und ent- � lassen. Natürlich blieb das iibliche Dementi nicht aus. daß seine Aussage nicht hierfür der Grund gewesen fei. Ein be- sonders glücklicher Zufall hat uns nun die Zeugenaussagen � des Offizserstellvertreters Dahlheim im Wortlaut in die Hände gespielt, und sie sind derart belastender Natur, daß sie sowohl hinsichtlich der Maßregelung den Wert des Dementis beleuchten, als auch bezüglich des Arbeiter- mordes neues Licht aus die traurige Angelegenheit Wersen. Im folgenden geben wir die Aussage in ihrem Wort- laut wieder: Arn 20. 3. 20 rückte ich mit dem 2. Zcitfretiotllen-Batl., dessen Führer Frogattenkapnan v. Selchow war, nach Thüringen aus. Nach einer nächtlichen Eisenbahn fahrt gelangten wir am Mar- gen des 2t. 3. in H e r l e r S h a u s e n an. In einer kleinen Ort- schuft unweit von H. kamen wir in Quartier. Am 22. 3. morgens traten wir den Bormarsch über Hörschel nach E i s e n a ch an. Hiersslbst verblieben wir bis 24. früh. Bon hier aus führte uns unser Marsch am Vormittag des 2 4. 3. nach Satter st ädt. Nach der Einnahme des MitorgsfstitS kam der Befehl, daß das Bataillon mit 2 Autos eine Expedition� nach Thal unternehmen sollte, da dieses noch von S p a r t a k i ste n be- setzt sei. Die beiden Autos standen schon an der Gastwirtschast am Ausgang nach Thal bereit. Für diese Unternehmung meldeten sich eine große Anzahl Studenten, es konnten nur etwa 4 0 Mann teilnehmen. Die Teilnehmer waren hauptsächlich Leute der l., 2. und wahrscheinlich 6. Kompagnie. Nachts, die Zeit der Rückkehr kann ich nicht genau angeben, kehrte dieses Kommando nach Sätterstädt zurück. Am Morgen des 26. 3. erfuhr ich dann, daß in Thal etwa 17 Mann, angeblich.Spartakisten", durch die Studenten v e r. haftet worden seien, und daß diese Bcrhafteten während der Nacht im Spritzenhaus in Sätterstädt /untergebracht und von Studenten bewacht worden waren. Am 25. 3., etwa um 7 Uhr vormittags, trat das Bataillon v. Selchow den Bormarsch gegen Gotha an. Ich befand mich fast am Ende der Gefechtsbagage, die hinter dem Bataillon fuhr. Di« verhafteten Spartakisten wurden ebenfalls mitgenommen und folgten der Gefechtsbagaye mit einem Abstand von etwa 100 Meter unter Begleitung von etwa 10 bis 12 Studenten(die genaue Anzahl der Begleitmannschaften kann ich nicht angeben) hinter dem Bataillon, die Hände dauernd über dem Kopf« zusammengenommen, hergeführt. Auf dem Marsche sah ich, daß die Gefangenen von ihren Begleiten» in der rohesten Weise durch Tritte auf die Füße, Stöße mit dem Gewehrkolben, mißhandelt wurden. Etwa in der Zeit zwischen 7.30 Uhr und 8 Uhr vormittags hörte ich hinter mir Schüsse fallen. Es war zwischen Mechterstedt und Dudeastadt. neben einer Halte- stelle der StaatSbahrr. In der Nähe dieser Haltstelle standen etwa 6 Bahnarbeiter an der Chaussee, welche bot Beginn'des Schießens fortliefen. ?n der Annahm«, daß wir im Rücken von Rotgardisten angegriffen würden, machte ich mein« Schußwaffe schußbereit. Ich befahl meinen Leuten, dasselbe zu tun. Auf meinen Wunsch holte der Bogagefiihrer(ein Student, vermutlich«in früherer Reserve- offizier) von der am Schluß des Bataillons marschierenden Kompagnie ein« Gruppe zur Deckung der Bagage. Ich hotte den Ein- druck, daß der Bagagefülhrer derselben Annahme war wie ich. Auch die dem Bataillon Selchow zugestellte F la k b a t te ri«, welche sich bei der Gefechtsbagage befand, machte sich schußbereit.— Nach einigen Minuten fielen weitere Schüsse.— Darauf ritt der BataillonSodjutant nach hinten, kehrte jedoch nach kurzer Zeil zurück.— Das Schießen hielt indessen an. Nach einigen Minuten kam ein Student von hinten. Aus mein« Frage, was hinten los sei, gab er mir zur Antwort, baß sie drei von den Gefangenen erschossen hätten, und drückte sich dieser ungefähr weiter so auS, daß eS nicht lange dauern würde, dann seien alle er- schössen. Ich gewann den Eindruck, daß die die Gefangenen beglei- tcnden Studenten sich freiwillig zur Begleitung derselben gemeldet hatten, um ihre Wollust an diese Bedauernswürdigen stelle» zu können.— Ter Marsch deS Bataillons unld der noch lebenden Gefangenen wurde indessen ungestört weiter fortgesetzt. Nachdem zum zweiten Male Schüsse gefallen waren, beg�b auch ich mich nach einer kurzen Zeit zurück zu den Gefangenem. Hier sah ich wiederum aus nächster Nähe, wie die Gefangenen du» 1 ihre Begleiter i» der rohesten Weise mißhandelt wurden. Ich sc i auch, wie sie gezwungen wurden, im Gleichschritt zu gehen. B»■ einigen Studenten wurde versucht, mich an dem Zuschaue« zu ve:� hindern. Auch wurden einige ander« Leute der Bagage, welck ebenfalls hinzugekommen waren, von Studenten z u r ückg e' wiesen. Nach einigen Minuten ging ich wieder zur Gefechtsbagage»sock' verstummte es Kurz darauf kamen sämtliche Begleitmann- verstummte as. Kurz darauf kamen sämtliche Begleitmann' schaften nach vorne und begaben sich zu ihrer Kompagnie. Auf die Frage eines anderen Studenten, welchem die Boglcitmannschaft ir der Nähe, meines Fohrzeuges begegnete,„sind sie alle erledigt?"— bekam dieser zur Antwort:„Alle erledigt!" Letzteres war kurz vor D u d e r st a d t. Den Dragoner Trempa, von den Geismarer Dragonern, welcher mir als Palkwogensührer während unserer Operation in Thüringen zugeteilt war, der sich aber mit die» fem Fahrzeug bei der großen Bagage befand, die erst später auf derselben Straße dem Bataillon folgte, fragte ich, ob er die erschösse» ncn Gefangenen aus der Straße liegen gesehen Haide. Er erzählte mir daraufhin, daß er die aus nächster Nähe gesehen hätte, und daß sie grauenhaft, total von einer ganzen Anzahl Kugeln durchbohrt, aussähen. Er erzählte mir weiter, daß nur eine einzige Leiche dabei gewesen sei, die nur einen Schuß durch die Stirn gehabt hätte, alle anderen seien durch eine größere Air. zahl Schüsse bis zur Unkenntlichkeit zugerichtet gewesen. Auf meine Frage, ob die Toten alle auf der Straße gelegen hätten, teilte er mir mit. daß sie fast alle direkt neben der S rra herein kleiner Teil etwas weiter ab liegen würder». Einen Studenten fragte ich noch während der Schießerei, ob die erschossenen Gefangenen aus der Straße liegen bleiben soll» ten. Er ggb mir zur Antwort:„sie sollen sie nach Marburg schicken, unsctc Anc/omie braucht Leichen"! UebrigenS werden sie ja auf der Straße gar nicht n schössen, sondern es wird jeden» erst gesagt, er soll von der Straße he, nntrrgchcn, um dann aus ihn schießen zu können." Ich gewann hierdurch den Eindruck, daß die Erschießung der Aermsten verabredete Sache war. Wie wir in Gotha waren, verbreitete sich das Gerücht, daß das Standrecht aufgehoben sei. Das erregte unter den Studenten ein« große Mißstimmung und ich hörte von verschiedenen Aeußerungen wie: Jetzt wollen wir aber Ebcrt zeigen, daß er nichts zu sagen hat! und ,polr »verden jetzt auf eigene Faust Stand es cht machen". Ob die Verhaftung der erschossenen Thaler Bürger mit Recht oder Unrecht erfolgte, darüber soll hier an dieser Stelle kein Urteil gefällt werden. Die hier gemachten An» gaben sollen nur zur Feststellung beitragen, welche die Mörder der Familienväter waren, die so unmenschlich gehandelt-haben. Nachdem hiernach feststeht, baß die Er» schießung der Gesungenen durch Studenten des Zeit- sreijptlli�en- Bataillon v. Selchow erfolgt ist, muß'es mit Leichtigkeit durch das Bataillons- kommando festzustellen stin, wer die Täter sind. Auch für den, der dem Prozeß unvoreingenommen gefolgt ist, enthalten die Aussagen des Osfizierstellvertreters Dahl- heim so viel Erschütterndes, daß vielleicht auch mancher der bisherigen Freunde der Marburger Zeitfreiwilligen sich ent- setzt von diesen abwenden wird. Die Aussage ist in so bestimmter und präziser Form gehalten, und die Aeuße- rungen. der Studenten,„die Anatomie braucht Leichen", „jetzt machen wir Standrecht auf eigene Faust" usw., sind so charakteristisch, baß an ihrer Wahrheit nicht gezweifelt werden kann. Wir verbitten es uns schon jetzt, daß man— wie wir erwarten— den Vorwurf gegen uns zu erheben versuchen wird, wir hätten in ein„schwebendes Ge- richtsversahren" eingegriffen. Die Tragödie, die sich in Thal abgespielt hat, ist zu groß und erschütternd, als daß derartige formaljuristische Bebenken auch nur im mindesten in Betracht kommen dürfen. §raven unü Präsiöentenwahl in Amerika. Dem.�Foreign Preß Service" entnehmen wir: Tie PiäfidentschaftSwahl am 2. November d. I-— es wird die St. in der Geschichte der Vereinigten Staaten sein— wird eine für die Union epochemachende Neuerung bringen: 27 Millionen F r a u e i» werden zum ersten Mcue stimmberechtigt sein. Die bis» hß» ig«-Anzahl der Wähler wird sich damit sehr wahrscheinlich mebr -als verdoppeln. Ten rastlosen Bemühungen der Führerinnen der amerikanischen Frauenbewegung- war es schon vor 50 Jahren gelungen. durchzusetzen, daß dem Kongreß eine Gesetzvorlage unter- breitet wurde, durch die ein neues Amendement zur Bundesver- »assung geschaffen werden soll, und dieses 10. Amendement soll das Wahlrecht der Frauen dem der Männer völlig gleichstellen. Die Verfassung schreibt vor, daß ein Amendement Gesetzeskraft erlangt, wenn drei Viertel aller Euizclstaaien sich durch Beschluß ihrer .Legislaturen"(Staatsparlamente) dafür ausgesprochen Haber». Da die amerikanische Union aus 48 Staaten besteht, ist somit die Zustimmung von 36 Staaten erforderlich. Bisher haben 35 Staaten üch für das Amendement ausgesprochen, in 2 Staaten(Delaware und Louisiana) kann man sich über diese Frage»»och nicht c inigen— in den dortigen Legislaturen besteht«in.äesilloelc.", d. h. eine Sperre hinsichtlich des 19. Amendemcuts—, 10 haben sich gegen das Amendement in seinem vollen Umfange erklärt, und in einem Staate(Tennessee) steht die Entscheidung noch aus, weil die Legis- aiur vertagt ist. Nun hat Präsident Wilson dieser Tage den Olouverneur von Tennessee aufgefordert, die Legislatur zu einer Sondersitzung einzuberufen, damit die Amendement-Bill verab- schiedet werden könne. Ter Gouverneur hat die Erfüllung dieses Wunsches zugesagt, und es besteht begründete Aussicht, daß die Legislatur die Bill gutheißen wird. Die Demokratische Partei setzt große Hoffnungen auf daS Frauenvotum, da Wilson und oiidcre führende Politiker für das unbeschränkte- Frauenst»-mm- recht eingetreten stttii und den Nachweis zu erbringe»» bemüht Walen, daß die Republikaner dem Frauenstimmvecht feindlich gogenüberftünden. In der Amerika-Sondernummer der Londoner „Times" vom 3. Juli d. I. behauptet jedoch Frau Rose Doung, die SerauSgeberin des„Woman Citizen", daß keine der beiden großen Parteien Anspruch auf besondere Dankbarkeit der amerikanischen Frauen habe, da der FrauenwahlrechtZ-Bewegung von beiden Seiten Hindernisse t;t den Weg gelegt worden seien. llebrigens haben schon bei der Präsidentenwahl 1016 vier Millionen Frauen mitgestimmt, Bürgerinnen von Einzelstaaten— meist inest» I'icken— d-e schon damals den Frauen das Stimmrecht für Präsi- bcntsckiastswahlen eingeräumt hatten; und Frau Doung behauptet, daß diese Frauenstimmen den Ausschlag für die Erwählung Wilsons gegeben hätten. Wie erinnerlich, war daS Ergebnis der Wahl im Atovc-mber 1916 zwei Tage lang zweifelhafi.— Das„Federal Suffrage Amendement"»st dem Kongreß zum ersten Male 1870 und in seiner jetzigen Fassung 1878 unterbreitet worden. Um diesen Erfolg haben sich in erster Linie Frau Susan B. Anthony und Frau Elizabeth Eadh S tan ton verdierrt gemacht. Erst im Mai und Juni 1919 hat diese Amendement-Bill beide Häuser des Kongresses passiert, und damit begamn der Kampf um das Amendement in den Einzclstaaten. Am 22. März d. I. batte der 35. Staat seine Zustimmung gegeben, und dem Staate Termessee wird unzweiselhast in kurzer Zeit da? Verdienst zufallen, die Einverleibung des FrauenstimmrcchtS in die Verfassung ermöglicht zu haben. GroßSerlw Sie tvilmersüorfer Mewhaussieölung. Eine Rechtfertigung. �»»r Enigegnung der Angriffe gegen die DilmerS» dorser KleinhauSfiedlung harte ein Ausschuß aus dem Kreise der Siedler eine öffentliche Versammlung in die Aula der �indenburgschule berufen. Von den Anklägern, die meistens unter dem Scbutze der Anonymität»n der..Wilmersdorfer Zeitung" »br volksverhetzendi.S Handwerk treiben, war keiner erschienen; »'" besserer Teil der Tapferkeit war die Flucht vor der öffentlichen Bloßstellung. In letzter Stunde aber hatten sie rlochmals unter der Flagge des Bürgerbundes und gezeichnet durch den Stadtver- erdreienvorstehcr Fabian einen Protest an den WohnungSverband erlassen, dessen Bebauptunisen baltkoS und von dem tapfern Kchnpen Fabian mindestens in recht leichtfertiger Weif« auf- gestellt worden sind. Gegen diesen in der üblichen Hetzweise parteipolitischer Fana- iiter glossierten Protest beim WohnungsverHarid wandte sich in der Einleitung seines Referates der Vorsitzende des A ufsichtsraiS der Heimstättensiedlung Rechtsanwalt Holz, um dann in sachlichen Ausführungen die hauptsächlichsten Angriffe zu entkräften. Die Vorarbeiten zu der Siedlung, die stets den Leitgedanken der Selbsthilfe gehabt babe, seien bereits im Dezember 1918 durch den ?l.- und S.-Rai in Angriff genommen worden. Da die Staats- lasse bei einer Geländezuweisung für Kleinhausbauten nicht für die Unterlassungssünden des Magistrats Wil- mersdorf aufkommen wollte, mußten mit der Stadt über den eländeerwerb Verhandlungen gepflogen werden. Diese Vorder- Handlungen kamen am 14. Ji:ni 1919 zum Abschluß, sie wurden dann aber durch die bürgerlichen Parteien, die plötzlich jede Woh» nuiigsnot le u g n e! en. so verschleppt, daß die Jnangriss nähme der Bauten zur günstigen Jahreszeit nicht mehr mögiich war. Durch diese V'rschlevpunaStcktik wurde erreicht, daß die Siedlungskosten um etwa 214 Millionen Mark verteuert wurden. Während von Anfang an bei der Siedlung Selbsthilfe geplant war und die Baugcloer auch vollständig gereicht hätten, um ohne weitere städtischen Zuschüsse unter Dach und Fach zu kommen, er- zielten die Herren Fabian und Genossen durch ihre B e k ä m p f»n» g des Projektes endlich, daß der Wohnungsver'band und die Stadt Wil- me.sdorr diese M i l l i o n c n zu schü s s e leisten mußten. Die Wilmersdorfer Steuerzahler können sich bei diesen Herren be- danken, wenn sie jetzt 1.7 Millionen Mark aufbriiPcn müssen, die nutzlos vergeudet worden sind, während die Siedlung ohne diesen Zuschuß hätte errichtet werden können. Von einem Geschenk cn die Siedler, einer Korruption kann nirgends die Rede sein. Die Gründer der WilmerSdorfer Sied» lung koben genau die öffentlichen Baumiticl nachgesucht und erhalten, die allen andern gemeinnützigen Baugesellschaften und auch Privaten zugewiesen wurden. Das unter den Gründern sich Sozialdemo- kra.ten befinden, die zum Teil später zu Stadtverordneten ge- wäklt worden sind, kann diese noch nicht verpflichten von ihrem idealen eetreben abzulassen, mit Gleichgesinnten auf dem Wege der Selbsthilfe sich ein Eigenheim zu schaffen. Wenn stets gegen die neuen fozialdemokrati'chen Stadtväter Sturm gelauten wird, io ist das eitel Heuchelei, weil man sich nie darüber sonderlich außteregt hat. daß diese gleichen Stadtverordneten in allen Phasen der Entwicklung der Kleinhaussiedlnnq nicht nur mt»- geredet, sondern mitgearbeitet haben. Endlich läßt sich gegen die Verteilung der einzelnen Siedlungshäuser durch den Vorstand nichts einwenden; in der Hauptsache wurden Kriegsbeschädigte oder Kriegshinterbliebene berücksichtigt und die Ver- bältn'lle der e:n-el-ien genau gevrükt Im städti'chen Finanzausschuß ist ebeiliallZ nachgewiesen worden, daß die Verteilung ohne Rücksicht aus d>e Parte;z ige Hörigkeit erfolgte; von 60 Siedlern gehören 15 der SPD. und einer der U.S.PD. an. Wenn man endlich auf den Vorwurf eingehe, daß nicht die .Aermsten der Armen" bei der Verteilung berücksichtigt worden seien, so muß dem entgegengeikalten werden, daß die Zuweisung an völlig Unbemittelte von Anfang an nicht vorgesehen und auch bei der Höhe der Baukosten nicht möglich war; durch die Verzögerungstaktik der Rechtsparteien und die dadurch ent- standenen Mehrunkosten der Stadt»u»d der einzelnen Siedler ist es leider ganz und gar verhindert worden, daß der ursprüngliche Plan, den Kreis der Siedler möglichst weit zu ztthen, durchgc- führt werden konnte Daran sind aber nicht die aus parteipoli- tischen Grüirden angegriffenen Sozialdemokraten schuld, sondern gerade die Lcitte der Rechtsparteien um Fabian, die»n ge- wissenloser Weis« gegen da» Siedlung SP rojekt obstruierten, weil eS von den Sozialdemokraten stammte und die hierdurch die Stadt Wilmersdorf um fast zwei Millionen Mark geschädigt haben.— Nacks dem Referat« meldet« sich trotz mehrfacher Äilfforderun- gen kein Gegner; es konnte aber u, a. von Stadtrat Niemann festgestellt werden, daß auch der Magistrat einhellig von der ein. wandfreien GesclmfiSführurrg Per Heimstätten-Siedlung über- zeugt ist und in den Angriffen gegen die sozialdemokratischen Mit- gliedex der Siedlung lediglich«in parteipolitisches Ma- nötter sieht, durch das die eigen« Veranwortung an der un- nötigen Millionenbelastung dw Wilmersdorfer Steuerzahler vor der Oeffentlichkeit verdeckt werden fall. Ungetreue Reichsbeamte. Große Veruntreuungen baden sich eine Reihe von Beamten des Reichskommissar i�at« für Aus- und Einfuhr» bewilligungen in Köln a. Rh, zuschulden kommen lassen. Ein 22 Jabre alter auS Köln gebürtiger Kanrmann Paul S ö n d- g e r a t h war als Provisionsreiiender verschiedener größerer Häuser nach Berlin gekommen. Nebenbei mowte er auf eigene Rcchnung AiiSlandSgeschäkt«. Dabei brüstete er sich, wenn der Einwand ge- macht wurde, daß es für die Ein- oder AuSfubr dieser oder jener Ware wobl kein« Erlaubnis geben werde, daß die B?« 'chaffung von Ein- und Ausfiihrbewllligimgen jeder Art für ihn ein Leichte« seien. Dieie Aeußerungen kamen auch zur Kenntnis der hiesigen Kriminalpolirei die sich den jungen Mann mit den.ausgezeichneten Verbindungen" genauer ansah und schließlich zu seiner Festnahme schritt. In seinen, Besitz� iand sie eine Aussuhrgenehmigung über 5 Kisten und 5 Körben mu Strümpfen über insgesamt 230000 Mark, die an ein Pariser HouS abgehen sollten. Der Schein war ordnungsmäßig unterschrieben und auch mit de» notwendigen Stempel» und dem B u ch u n g? v e r m e r k verseben. Trotzdem hatte es damit nicht ieine Richtigkeit. Söndgeraih machte vor einiger Zeit die Bekannt- ichatt eine« Angestellten des Reichskommissariats iiir Ein- und Aus- suhrbewilligiingen. der ihm anbot, für.billiges Geld" Aushihrbewilli- gungen zu besorgen. Söndgeratb kaufte in einer Buchhandlung die Vordrucke, füllte sie aus und übergab sie dem Bekannten. Dieser versah sie mit den noiwendigen Unteischriften und Stempeln und gab die Scheine an Söndgeraih zurück. Für diese Mühewaltung berechnete er 1800 M. mit dem ausdrücklicken Hinweis, daß es sich lediglich»cm einen Freundschaftsdienst handele, denn der Preis für eine Ausfuhrbewilligung betrage sonst durchweg 30000 M.nrk. Söndgeraih war nun nach Berlin gefahren, um diese seine neue Verbindung auszunutzen. Sein Plan ging aber noch weiter. Er harte sich gegen Zahlung von 20 OVO M. eigene Stempel an- fertiaen lassen, mit denen er selbst gefälschte Ein- und Ausfuhr- bewilligungen herstellen wollte. Diese Stempel wurden in seinem Gepäck vorgefunden und beichlaguahmi. Von der Berliner Kriminalpolizei wurde sofort die Kölner Polizeibehörde auf das Treiben bei dem dortigen Reichs- kommissariat für Ein- und AuSsubrbewilligungen aufmerksam ge- macht. Die sofort eingeleitete Untersuchung hat sodann auch, wie wir erlahreit, zur Fe st nähme einer ganzen Reihe von Ange st eilten gekübrt, die dabei ihre Hand im Spiele halten und gegen ungewöhnlich hohe Bestechungsgelder Ein- und Ausfuhr- bewilligungen jeder Art lieferten. Hierdurch sind Waren aller Art, deren Wert in die Millionen geht, ohne Erlaubnis über die Grenze ins Ausland geschafft worden. Raubmord an einem Berliner bei Stettin. In einem Hotel in der Dorothcenstraße wobnte seit einiger Zeit mit seiner Geliebten, einer früheren Stütze Marie Richter, ein Gast, der siv Leutnant Johann v. Morow nannte. Der junge Mann, der 1894 in Baiel geboren sein will, gab an. früher Land- Wirt gewesen zu sein. Dann habe er den Feldzug als Leutnant mitgemacht und zuletzt als Offizier bei einer Baltikumtruppe gestanden. Von dieier will er im November v.J. entlasten worden sein. Ter.Herr Leutnant" sprach viel von seinen gewinn- bringenden Geschäften und auch insbesondere davon, daß er bei Stettin noch einen größeren Transport Pferde zu stehen habe. Der Pförtner Schnerdereit aus der Sächsischen Straße 8 Dt Wilmersdorf trat mit ihm m nähere Verbindimg und erklärte sich bereit, mit ihm naäi Stettin zu fahren, um die Pferde ab- zuholen. Von dieser Reise kehrte der Pförtner nicht wieder zurück. Frau Schneidereit schöpfte Verdacht uTid sie erkundigte sich nach dem Begleiter ihres Mannes, dem Leutnant von Morow. Da stellte fie fest, daß dieser schon seit dem 17. wieder in Berlin eingetroffen war und mit seiner Geliebten wieder in dem gleichen Hotel wohnte. Jetzt machte sie die Kriminalpolizei auf daS ge- heimnisvolle Verschwinden ihres Mannes aufmerksam. Diese entsandte Beamte nach dem Hotel, um Erkundigungen über den ehemaligen Baltikum-Offizier einzuziehen. Sie erfuhren, daß dieser vor seiner Fahrt nach Stettin noch 1800 Mark Hotelschulden zu begleichen hatte. jetzt aber wieder im Besitz von Barmittel zu sein schien. Der Verdacht, daß er seinen Begleiter, den Pförtner Schneidereit, noch Stettin gelockt, ihn dort umgebracht und beraubt habe, wurde so stark, daß die Kriminalpolizei es für angebracht hielt, ihn und seine Geliebt« fest- zunehmen und zum Verhör nach dem Polizeipräsidium zu bringen. Im Laufe des Verhörs gestand der Verhaftete denn auch«in, daß er Schneidereit erschossen habe. Nach seiner Dar- stellunz seien sie beide zunächst nach Stettin gefahren, um dort Pferde einzuhandeln. Das Geschäft sei jedoch nicht zustande ge- kommen und nun sei Schneidereit mit ihm auf seinen Vorschlag nach Finkenwalde gegangen. Er habe ihn dann vom Wege ab über ein Gehöft von Höckendorf in die B u ch e n h e i d e ge» führt. In der Nähe der M i t t e l m ü b l e habe ihm Schneidereit gedroht, daß er ihn totschlagen werde, wenn au» den Pferde- geschäften nichts werden würde. Als sie dann in der Heide ge- lagert hätten, um zu frühstücken, habe er seinen vom Heeresdienst mitgebrachten Revolver gezogen und den neben ihm liegenden Schneidereit m e h r e r e S ch jj s s e indenKopf gesagt, so daß er tot zusammengebrochen sei. Zunächst behauptete er weiter, weggegangen zu sein, ohne sich um die Leiche zu kümmern. Dann aber gestand er auch ein, dem Ermordeten ISN) M. b-re» Geld geraubt zu haben. Die Gütersperre nach Ostpreußen worden. ist am lS. Juli aufgehoben Ein Visum nach Overschleficn kostet nach einer Mitteilung de« französischen Konsulat» in Breslau nicht mehr 83, 50 M. sondern nur noch 16, 2ö Mark. Derselbe Kur»(1 Fr.-»- 3,2S M.) gilt für Ursprungszeugnisse. Die polnische Telegraphenvrrwaltunz hat bekannt gemacht, daß fie infolge der kriegerischen Ereignisse jede Verantwortung für Telegramme nach und auS Polen sowie für Durchgang»- telegramme ablehne. Hroß-Serlmer partelnachrichtea. Heute, 30. Juli: ?ff?fiio»it»listische Bereinigung. Die Arbeitsgemeinlchast(Genosse Fihse) fällt aus. Morgen, 21. Juli: Dempelhof. 8 Uhr bei Buse, Wcrderstr.(Gängerheims: ffrauenadend. Oberschönewcide. 7'/, Ilbr in der Aula, sirnchenslrahe: Mitgliederversammlung. Referent:(»cn. Wissell über DirtschaftSsragen. Gäste haben mit Ausweis Zutritt, welche bei den Mitgliedern kostenlos zu haben sind. Sport. Ein dnitscher Oltimpia-Ticger gestorben. Albert Zürner» der bedeutendste Hamburger Schwimmer, ist an den Folgen«ine» Sturze» verstorben. Zürner Hai im Jahre 1900 die Welt. met st erschuft bei den Olympischen Spielen in London er- rungen. SsiS3 480 M. betrug der Totalisatorumsatz am letzten Sonntag im Grunewald.— Für 62 000 M. wurde K r o n j u w e l. ,schrn. S. Alfr. v. Oppenheims brauner Hengst, der das Havel-Rennen gewann, an den Nennstallbesitzer M. Böhm verkauft. Der Drei- äbrige war mit 89 000 M. eingesetzt.— L a n d v o g t und Olympia, bisher im Hanielschen Besitz, wurden an den Stall Bollensdorf verkauft.— Funkspruch zog sich während der Morgenarbeit eine Fessellissur zu. Stadionwcihe. Sonntag, den SS., weihen die Arbeitersportler da» neue„Lichtenberger Stadion" ein. E» findet an dem Tage da» Turn- und Sportfest de» B. Bezirks de« 1. Kreise» de« Arbeiter- Turn- und Sportbunde» statt. Maffenfreiiibungen, leichtathletische Wettkämpfe. Fußball- und Hockey-S-ädlewettkämpke lassen einen interessanten Sport erwarten. Beginn der Bortämvse VjS Uhr(insgesamt 486 Erwachsene und 401 Kinder gemeldet), der Hauptkämpf« 2 Uhr nachmittags. Am Schluß der Vor- kämpfe findet da» Hockeyspiel WilmerSdorfi—Lichtenberg statt. BorveriaufSbilletS zst 1.B0 M.(Kasse 2 M.) sind an folgenden Stellen zu haben: Restaur. Wegner. Frankfurter Allee 236; Rest. Stevert, Kantstr., Ecke Sckillerslr.; Rest. Albrecht«diele. Neu««ahn- bofstr. 2; Verlaussstelle Gürtelstr. der Konsumgenossenschaft und in der Schulabteslung RathauSstraße. Allen Tporifreunden ist der Besuch qu empfehlen, da auch das Stadion landschaftlich schön ge» legen �st. OewseMastsbewegung Schlußtagung Ses Verbanües üer Such- unü Steinüruckerei-tzilfsarbeiter und hillfsarbeiterinnen. 7. VerhandlungStag. Die Statutenberatungskommission erstattet ihren Bericht und nach nochmaliger lebbaster Debatte werden folgend« Beschlüsse gefaßt: Die Beitragssätze betragen nunmehr in der 1. Klasse bis B0 Mk. Wochenlohn 1 Mk. Wochenbeitcag: in der 2. Klasse von B0— 100 Mk. Wochenlohn 2 Mk. Wochenbettrvg; in der 3. Klasse von 100—150 Mk. Wochenlohn 2,50 Mk. Wochenbeitrag; in der 4. Klasse über 150 Mk. Wochenlohn 3 Mk. Wockwnbeitrag. Die Sätze der Arbeitslosenunterstützung wurden «bensall» ganz wesentlich erhöht und betragen nunmehr von 1,25 bis 4,60 Mk. pro Tag bei«inet Dauer von 30 b!» 60 Taaen. An Krankenunter st ützung werden bei einer Dauer vi» 30 Tagen 3.90 bis 12,60 Mk. pro Woche bezahlt. Die Streikunterstützung beträgt da» 2)sfache der Arbeitslosenunterstützung; hierzu kommt eine Kindcrzulage pro Kind und Woche in der 1 Klasse 1 Mk. in der 2. Klasse 2 Mk., in der 3. Klasse 3 Mk., in der 4. Klasse 4 Mk. Sämtliche Unter- stützungen werden nach Leistung von 52 Wochenbeiträgen gewährt. Di« von verschiedenen Zahlstellen beantragte Sterbeunter. st ü tz u n g wurde abgelehnt. Ferner wurde beschlossen die Schaffung eines V e r- b a n d»b«i r at«». Als Vorsitzender de» Beirat«» wurde Schmied- München einstimmig gewählt. Di« unbesoldeten Vorstandsmitglieder, die bisher die Zahlstelle Berlin gestellt bat, werden nunmehr laut Verbandstagsbeschluß in den Zahlstellen Hamburg, Hannover, Magdeburg, Potsdam, Stettin und Frankfurt a. Oder gewählt. Di« Regelung ver Gehälter erfolgt nach einer vom Verbandstag aufgeftellten Gehaltsskala. Auf allgemeinen Wunsch wurde beschlossen� der im Vorjabr« verstorbenen Verbandsfitzenden und Gründerin Paula Thiede al» äußere» Zeichen der Dankbarkeit und Verehrung ein Grabdenkmal zu setzen. Verbandsvorsitzender Pucher ersucht« noch die Delegierten, die Sammlungen für den Wiederaufbau des Leipziger VolkShauseS zu propagieren. Der nächste Verbandstag findet 1923 im GründungSort Ham- bürg statt, wo zu gleicher Zeit auch das LSjährige Berbandsjubiläum gefeiert werden soll. Damit waren die Arbeiten de» VerbandStaye» erledigt. Auf Wunsch erhielt Josepb W l e z« k- Men. Vorsitzender der HilfSarbeiterschast des Buch, und ZeitungSgewerbeS Oesterre ch nochmal» das Wort. Mit bewegten Worten warnte er die deutsche Arbeiterschaft vor der Selbstzerflei. schung, die die österreichischen Genossen mit Wehmut und Trauer erfülle. Um da» Endziel zu erreichen, sei die E i n b e i t S f r o n t dringend notwendig. Der sehnlichste Wunsch der Deutsch-Oester. reicher sei. baldigst mit dem Mutterland« Deutschland vereinigt zu sein.(Lebhafter Beifall.) Mit anfeuernden Worten zum Auf. und Ausbau der Organi- sation schloß VerbandSvorfitzender Pucher mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf den Verband die Tagung. Eine Konferenz öes Sergarbelterverbanöes für den Bezirk Thüringen-Harz-Kassel fand am Sonntag in Nord- hausen statt. Die reichhaltige Tagesordnung enthielt u. a. die Be- Handlung der.allgemeinen Wirtschaftslage", das ..SiedlungSwesen im Bergbau" und die„Betriebs- räte". Die Behandlung de» SiedlungSwesen? in der Kaliindu- stri« feiten» der Regierung und der Kalrwerktbesitzer rief stürmische Szenen hervor. Trotz de» Verlangen» der Kaliarbeiter bade die Regierung rein gar nicht« getan. Ja, e» schein«, al» od sie diese Angelegenheit direkt sabotiere. Dabei stände es so,'daß keine In- dustne zur Behebung der Wohnungsnot soviel beitragen könnte, wie die Kaliind-usrrie. An da» beifällig aufgenommen« Referat über die„allgemeine Wirtschaftslage" schloß sich eine rege Aussprache. Die Konserenz nahm einstimmig ein« Resolution an, in welcher es heißt: Dl- Konferenz steht geschlossen hinter den Ausführungen des Kameraden H u e in Gpa. Sie versichert den Völkern ihre rege Mitarbeit am Wideerausbau der durch den Krieg verwüsteten Ge- biet«. Mit der internationalen Bergarbeitersckaft wird sie wie vordem den internationalen Jmperia>ll»mu» bekämpfen. Der Be. setzung de» Ruhrrevier» oder anderer wichtiger Bergbaubezirke mit Ententetruppen stehen wir gelassen gegenüber; der Versklavung deutscher Arbeiter werden wir un» zu widersetze» wissen. Bon dem in Genf vom 2. bi» 9. August stattfindenden i n t e r- nationalen Bergarbeiterkongreß erwarten die Ver. sammelten besonder» die internationale Regelung der Arbeitszeit im Bergbau. Die Konferenz erhebt von vornherein Einspruch gegen jedwede Preissteigerung. Die Reichsregierung ersuchen wir, dem Reichstag so schnell wie möglich den Entwurf zu einem Reichsverg. und Knappschastskassen- aesetz vorzulegen. Den Knappschastsinvoliden sowt« den Hinter- olieoenen der Opfer des Bergbaue» ist sofort Hilf« in ihrer be. drängten Sage zuzusichern. Wo da» SiedlungSwesen, wie in der Kaliindustrie, bisher noch nick»» in Angriff genommen ist, fordern wir sofortige Matzregeln von der Regierung zur Bebebung der Wohnungsnot. Di« Forderung auf Ueberfiiorung der unterirdischen Boden. schätze aus de» Händen de» Privatkapital» in den Besitz der Ge» sellschaft ist dringender denn je zuvor zu erheben. Tie Konferenz erkennt an. daß die Bezirksleitung in allen bc. ruflichen und gewerkschaftlichen Angelegenheiten dt« Interessen der Mitglieder de« Verbände» gewahrt hat und spricht ihr da» Ver- trauen au»._ Oberschlestsche BetriebSrätewahl. Nach einer Meldung au» Kattowitz wurde bei der Wahl de» Werkstättenbetriebsrate» im EisenbahndirektionSbezirk Kattowitz 6 311 gültig« Stimmen abgegeben. Hiervon entfielen auf die Polen 1334 Stimmen, so daß von zekm Betri«b»räten zwei auf die polnische Vereinigung entfallen. Bei der Wahl der BezirkSbetrieb»- rate entfielen von 1 2541 gültigen Stimmen auf die Polen 2409. Di« Polen erhalten somit zwei Sitz«, während der deutsche Eifenbahnerverband acht S'tz« bekommt. LohnauSsallvergütung für die Arbeitnehmerbo,',�«« a» Sitzungdtaflen. Am 13. Juni veröfftntlicht« der Minister für Handel und Ge, WWW......____.WWWW orduung müsse e» be! den bishevige» Bestimmungen über die Vergütung der Beisitzer i-n den SchlichtungSausschüssen ssin Bewenden behalten. Jedoch will er, der Minister, sich zur Vermeidung von Häctm damit einverstanden erklären, daß-den Beisitzern beim Nach. wci» deS Ausfalle» eine» da» zuständige Tagegeld über. steigenden Arbettsverdienste» der Mombetrag au» ReichSmittebr erstaltet wird. Im Anschluß an obig« Verordnung ist Aach Rücksprach« mit dem Oberpräfidenten al« D«mobilm«hung»kommissar für Groß. Berlin von den Arbeitgeber, und Arbeitnehmerbeisitzern de« Schlich. tungSauSschusse» Grotz-Berlin in her 6. Sitzung der 2Ser Kom- Mission vom 30. Juni 1920 beschlossen worden, die Feststellung der tatsächlich versäumten Arbeitsstunden und deS Lohn- oder Gehalts- ausfalle? der Arbeitnehmerbeisitzer dem'Schlichtun�tauSschuß Groß- Berlin zu überlassen. Letzterer erläßt nunmehr unter dem 15. Juli folgende Be- kanntnwchung: Die Herren Arbeitgeber im Bereiche de« Schlichlungs- auSsckuffes Groß, Berlin werden gebeten, den in ihren Betrieben beschäftigten Arbeitern und Angestellten, die als Beisitzer sür den SchlichtungSauSfchuß Groß-Berlin verpflichtet sind, auf der Rück- seit« der Beisitzerladung 1. die übliche Arbeitszeit. 2. den durch- schnittlicken StundenveÄtenst zu bescheinigen. Die Herren Arbeitnchmerbeisitzer werden aufgefordert, sich rechtzeitig nach Eifolt einer Ladung wegen obigen Angaben mit dem Arbeitgeber sofort in Verbindung zu setzen. Die Herren Vorsitzende» der einzelnen Spruchkammern werden gebeten, die Höhe des VerdienstauSfalleS den solcken«rlenvmden Arbeitnehmerbeisitzern zu bescheinigen. Slngesteklte des Hslzqewerte» t Mittwoch, de» 21. Juli. aSendS 7'/, Uhr, findet im Koniflitadt-Kifino, Holzmarttstr. 71/72, Ecke Alexen der- ftrasie. eine öffentliche Versammlung der Angestellte» der Holz- und Möbelmdustrie, deS Möbelbande!« und der Krcditbäuser statt. SS eilt Stellung zu nebmen zu der Entscheidung deS DenwbilmachungSkonrmisiarS, der die VerbindlichkeitSerklörung der ergangene» Schiedssprüche� ablehnte. Sprechen werden die Kollegen Neubecker, Reder und Silber- mann. Eltchcinen der gesamten Angestelltenschast des HolzgcwerbeS ist Pflicht Afa, OrtSkartell Grotz-Berlin. Flatau. Reinsberg. «kkumalatorcn-Fnbr». Oberschönnpeide. Mittwoch, vor- mittag S Uhr im Speilesaal: Versammlung der wegrn Strommangels aus- setzende» Kollegen und Kolleginneu. Der ArbeUerrat. Wirtsthaft Wo ist der richtige Preis? In der Landwirtschaftskammer tagt« unter dem Vorsitz de» GariendtrektorS G r o b b«"«in Ausschuß von Obsierzxugern, Groß, und Kleinhändlern und Verrbauchervertretern, um von den Erzeugern die G e st e h u n g S k o st« n zu erfabven. Die Werde. raner erklärten, daß sie leine Buchführung hätten, außerdem bei den gemischten Kulturen, die sie haben, eine Selbstkostenhe- rechnung nicht möglich sei. Angebot und Nachfrage regeln den Preis. Bei Einheitspreisen verlier« die Qualität ihre Bedeutung. E» entsteht auck die Frage, wie hoch hat der Obstzüchter die eigene Arbeit und seiner Familienmitglieder je Stunde in Rech. nung zu stellen. Hinzu kommt, daß solange nicht alles abgeerntet ist, sondern die Früchte noch der Befabr ausgesetzt sind, durch Un. weiter vernichtet oder beschädigt zu werden, der VestebungSpreis end. gültig nicht festgestellt werden kann. Nur unter Zwang könne an eine künstliche Herabsetzung der Preise gedacht werden. Interessante» Zahlenmaterial legte dagegen«in Züchter aus Gransee, Herr Becke!, vor, da» wohl auch der Oesfentlichkeit zugängig gemacht wird. Er wie« daraufhin, daß in einer fünf Morgen großen Plantage der Züchter einen Arbeiter beschäftigen müsse, der die GestebungSkosten pro Morgen mit 800 Mark belaste. der tägliche Pflückerlohn betrage 18— 20 Mark je Kind in Gransee. Aus den Verbandlungen ergab sich keine Feststellung der Gestehungskosten de» Obstes. Bis heute erfolgt« die P r e i« b i l d u n g auf zwei Wegen. Be- stimmte das Waren angebet den Marktpreis, weil soviel Ware da war, daß seder einen Teil erhalten konnte, so erfolgte auf dem Markt eine Preissenkung bi» zur Abgabe der War« zu jeg- lichem Preisangebot, nur um sie loszuschlagen. Die Erzeuger unterließen dann oft daS weitere Pflücken, weil der Marktpreis die Kosten nicht deckte. Bestimint dagegen die Nachfrag« nach Waren den Markt- preis bei Warenknappbe", dann bestimmt d,e Kaufkraft des Marktes die Höh« der Pvets«. Kein Verkäufer verkaust auch nur einen Pfennig billiger als der H öchstb i e te u d e zu zahlen bereit ist. Dann erfolgt die Abgabe stastekweise an die sich durch ihren Geldbeutel unterscheidenden Käuferklassen. Die Minderbe- mittstten fallen ganz auS zugunsten der Wohlhabenden. Der Schlüssel, nach dem verteilt wird, ist die Kaufkraft, wie bei jeder anderen Versteigerung. Ein« Aenderung diese» Ver- teilungZspstemS ließe sich nur durch Verbraucherorgani- s a t i o n« n erreichen, die den einheitlichen Willen aufbringen, über einen bestimmten Prei» hinaus nicht zu kaufen, sondern zu streiken. Dieser Einheitswille ist aber ein« Utopie, wer Geld bat, läßt sich keine Vorschriften machen, wa» er kauft. Käust er nicktt von vorn, dann kauft er von hinten herum. Der Auk- weg ist die Steigerung der Produktion, um Warenknapp. h« i t zu überwinden. Aber dieses Problem hat noch«in« ander« Seite, die Ueber- nahm« der Ware vom Erzeuger durch den Handel. Hier liegt die Beeinflussung der Preisbildung von der anderen Seite. Bei Warenknappheit entwickelt sich bei freiem Handel der Kettenhandel. Durch Bestechungen. Schmiergelder usw. geht die Ware in bevorzugte Hände, die sie mit guten Zwischen. gewinnen verkaufen können. Ein organisierter Handel, der Großhändler und Kleinhändler umschließt und die lokalen Transportmittel in der Hand hat, der sich nicht' auf einen Platz beschränkt, sondern da» Reick umfaßt, um da« A b st r ö m e n von Ware nach Orten höherer Preise zu ver- meiden, kann bei gemeinwirtschaftlicher Gestaltung doch erhebliche vorteil« bieten. Zwischen den Erzeugern und dem zentralisierten Handel können' Vereinbarungen getroffen werden, die die Ware auf dem k ii r z« st e n und billigsten Wege an den Verbraucher br'ngen, PreiSüberbietungen und Verschlenterungen lassen sich vermmden. ein ehrlicher Sandel kann entstehen, der nicht auf Ausbeutung der Notlage sich aufbaut. Die primitive, außerordentlich unwirt- sckaftliche und unhygienisck« Form, in der der Handel sich heute noch abwickelt, sollte baldigst überwunden werden. Solche Organi- satienen lassen sich schaffen, wenn die Verbrauch erschaft die Forderung stellt, daß die'Behörden den Handel zur Selbstorgani- sation-wingen. Bei verderblichen Lebensmitteln ist jegliche Kom- munalisierung ein Fehl schlag, ober auch der wilde Handel, d«r beute blübt und die Warenverteilung zu einem Tbao» macht, gegen da» sich jetzt die Volkimassen mit Gewalttätigkeiten wenden. muß baldigst verschwinden, damit wir endlich zum„richtigen Preis" kommen, bei dem Erzeuger, Verteiler und Verbraucher zu ihrem Recht kommen. V-ranN» Ilir den«»Natt. r«tl! Dr. Skrier Pettcr, eiarlotlenbura: Mr«juetMN: Dt wlocke.»ctlln. Lerlaa: VorwSrt»-v«la->®. rn. b. tz.. Verlin. Druck: Vor- n-ürls.VuSbpruck-r-i». SerlaaSanflalt Paul Ein,» u. Co.. Verli.r Liopenstr. 3. Elektro-Motore Lettungs-Dynamo-Drähte. In« stollat.-Material kaust laufend Slettromech�gentruzn. iAIe?. 4782). tarn Str. 18 lAlex-P!.). Kasten«, Leiterwagen Nortfflug. Wilhelmstrasse 42a. Verkäufe Beflei« Zackettanzü««.(luta- »atjunjüae,«ehrvck-nzNge, Janglingsanittge, lufter, oommcrpalcto::-, gcflrtifte Kammgarnhusrn, vertauft wattbillig Luft. 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