Ne. ZS2 ♦ Z7. Jahrgang Ausgabe A Nr. 44 Bezugspreis: V*rte!sährU30,— Mk� monatl.1l>.— Mi. frei ins öaus. voraus?.aklbar. Posl« de,ug- Monatlich 10.— Ml* e�fL Zu- stellungsgedüdr. Unter Äwnbanb für Deutschland und Oesterreich 16.�.0 für das übrige Ausland de» täglich einmal. Zmtellunc, 2150 Vastde» Üsllunqen nedmen an Oesterreich, Unzarn, Tschecho-Slowarei, Dane« mart, Rolland, �-uremdurq. Schweden und die Schweis.—chetni women» tägiich zweimal. Sonntags und Mon« tags»inmal. Telearamm-Adrefie .Sozialdemokrat Verlin-. Morgen Ausgabe c ) Der! in er Volksvlntt Anzeigenpreis: adjtgelpaltcne 9ionootftlJe>f'l« fofteiS,— ü!., Sfueningejutcliloa W0/» .fileine Anzeigen" das im» ärtruttte Won I.— M.(juläfflg zirei ■etlgednictte Worte).>edes menece Won 60 Pfg. Steaengciudte mib Sdi'.afficUenanzeiiten das erste Wort 65 Psg» tcOps weitere Won 40 Ptq. Worte übet 15 Dudiitahen jtablen liir ■met Worte. Teuerunasz»ich)aa 50« � eantiiten-Attte-aen für< Adonnenlrn Seile 2,— M., rolitiithe unc oe> wcNidiattlidie Pereins- An. einen S.— Ml. ine Zetie ohne Aufföiiag. Anzeigen jür die n ä cd st e Ziuninter müssen bis 5 Ahr nachmittags nn vauptgeschäst. BeNtn SW 68. Linden- stratze 8, abgegeben werben. Geöisnet von S Uhr irüh bis ö Uhr abends. �entraiorgan der fozialdemokratircben parte» Deutrchlande Ueöaktion und Expedition: SSD. 6$, tindenstr. Z. a-entföredier: Amt Morttivla«.)ir.»Z» iw— Ilil»7. Mittwoch, de»«1. Juli 1!»Ü« vorwärcs-verlag G.m.b. K., SW. et, Lmöenbr. 3. Meruiprechee: Amt Moriüvla«, Rr. 117 öS— 51. I____________ i Die Parteien über Spa. Der ReichStag-Zausfchuß für auswärtige Angelegenheiten trat gestern zbg uhr abends zu einer Sitzung zusammen, die auf An- trag der Sozialdemokraten und Unabhängige« mit der verfassungs- wästlg notwendigen Zweidrittelmehrheit für öffentlich erklärt wurde. Ncichsminister Dr. Simons sckiildcrte in längeren Ausfüh- rungen den Verlauf der in Spa geführten Berhandkungen. Er schloß mit der Erklärung, es habe sich wohl eine kleine Türe ge- öffnet, von der aus der Weg zu einer Bcrständiguug zwilchen Gleichberechtigte« führen könne, aber im ganzen bedeute das Er- gebnis von Spa keinen Erfolg, fondern eine Last, die zu trogen die Anspannung aller Kräfte erforderte. Bernstein(Soz.) erklärte sich mit dem Verhalten der De- lrgation im großen ganzen einverstanden, fand aber Einzelheiten sußsrordenUich tadelnswert, so besonders die Heranziehung von StinneS zur Konferenz. Im ähnlichen Sinne sprach sich Lede- boir lU. Soz.) aus. Er erklärte, auch seine Fraktion wünsckie, daß die Deutschen bei künftigen Verhandlungen als vollkommen gleichberechtigt behandelt würden. Daß die Regierung am deutschen Rcchtsstandpunkt in der Einmarschfrage festgehalten habe, sei zu billigen. Im übrigen wandte sich auch Lrdebour scharf Liegen Stinnes und forderte, wir zuvor Bernstein, die SoziaNsirrung des Kohlenbergbaues. Nach einer kurzen Entgegnung des Ministers Simons, in der dieser Stinnes einigermaßen in Schutz nahm, sprach Helffe- rich(Dnatl.). Er schilderte die schwere Gefahr, die Deutschland durch die Entwaffnung namentlich im Osten drohe. Die Entente habe es leicht, zu erklären, die Waffcnablirferuag sei nicht nügend, und dann im Ruhrrevier einzurücken. Die Regierungsparteien kamen gestern noch wicht zu Worte. Tie Sitzung wurde nach 1t Uhr abends vertagt, um heute abends forlgesetzt zu werden. Das Reichskabinett und Spa. Weitere Kabinettsberatun«,. Berlin, 2l>. Juli. Amtlich. Das Reichskabinett setzte heute in Anwesenheit des Reichspräsidenten die Be- sprcchung über die Beschlüsse von Spa fort. Der Hauptpunkt der Erörterungen war die Frage der Entwaffnung, deren tcch- nischc Durchführung sehr cingchcnd aus Grund eiars vom Reichs- minister des Innern vorgelegten Gesetzentwurfes besprochen wurde. Die Rede Nlillerands. Paris, 2li. Juli. Tic Kammer hat dem Miniiterium Millcrand mit 420 gegen 152 Stimmen das Vertrauen ausgesprochen. Paris, 20. Juli. In der heutigen NachmittastSsitzung der fran- zösischen Kammer Ergriff Ministerpräsident Millerand daS Wort, um Mitteilungen zu machen über die Art, wie die fran- zösische Regierung die Interessen. Frankreichs in Spa verteidigt habe. Aber nicht nur dieie Interessen habe die Regierung ver- treten, sondern auch die Interessen der Staaten, deren- Wieder- geburt sie begünstigt habe und die neu entstanden sind, nämlich Polen? und der Tschechoslowakei. Tic Alliierten seien de? Ansicht, daß die tiiakischc Regierung die Regierungen, die die Türken seit einem halben Jahrhundert unterstützt hatten, verraten habe. In Anbetracht der vorab s che uungswürdigen Mas- faires sei es nicht mehr möglich gewesen, unter der ottomani- schen Herrschast Millionen von Menschen zu belasien. Der Frirdensvertrag mit de? Türkei werde deshalb aufrechterhalten. Was Shrirn anbctrejfe. so habe die englische Regierung mit voll- kommener Loyalität erklärt, dast es Frankreich allein zufalle, das Mandat über Syrien auszuüben. Millerand besprach alsdann die polnische Frage und erklärte, die Konferenz von Spa habe sich bemüht, die Tc scheuer und die D a n z i g c r Frage zu regeln. Um zu einer wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit Teutschland zu gelangen, ist die eiste Bedingung, dost Teutschland auf alle kriegerischen Anwandlungen verzichtet. Deshalb iit auch die Frage der Entwaffnung Teutschlands in Spa an erster Stelle behandelt worden. Der �Ministerpräsident erinnert sodann an die S t r a f b e st i m m u n ge n, die in das Abkom- wen eingeschrieben wurde», also an die Besetzung des R n h r g, e b i e t s. Er erklärt im einzelnen, wie die von Deutsch- land zu erwartende EntschLdigungssummr unter die Alliierten verteilt werden solle. Tic Alliierten hätten erklärt, dah eS im allgemeinen Interesse liege, den Gesamtbetrag der zu Lasten Deutschlands gehenden Entschädigungssumme festzusetzen und von ihm JahreSzablungen zu verlangen. Deutsch- land solle die Möglichkeit gegeben werden, sich von seiner Schuld zu befreien, indem man Anleihen ankündige, die berechnet seien, sowohl für die Tilgung seiner Schuld, wie für leine wirt- schaftliche Wi-dererhebung. Nachdem Millerand sodann das Protokoll, das in bczug auf die Koblcnlieferung unter- geichnet wurde, verlesen hatte, sagte er: Tcutschlany bat im Januar 497 000 Tonnen Kohle geliefert, im Februar 004 000 Ton- neu, im März 583 000 Tonnen, im April S50 000 Tonnen, im Mai 94-2 000 Tonnen und im Juni 555 000 Tonnen. Nach der neuen Bcrp flicht»ng kabsn wir ein Anrecht auf eineimbalb Millionen Tonnen i"t Monat. Bon Polen können wir erwarten 150 000 Tonnen Kohle und Teer. TaS Frankreich der alten Grenze könne allein mit dem. was wir von Amerika, England und Belgien erholten, ans 4 200 000 Tonnen monatlich rechnen, also ans 50 Prozent seines norn-alen Bedarfs. W illerand sagte dann, er könne die Kritik, die geübt wurde, verstehen. � Die Spoer Konferenz habe sich aber auch eingehend mit den Nachwirkungen der Lage beschäftigt, die in Polen durch den Krieg mit Sowjetrußland geschaffen worden sei. Die französische Regierung babe erklärt, dast sie mit der Sowjetrcgieriing erst dann in Verbindung treten wolle, wenn letztere gewisse B o r b e d i n p u n g c n erfüllt haben würde. Tie französische Regierung verfolge mit S v w- p a t h i« die von Lloyd George zwecks Abschlust eines Was- s e n st i H st a n d e s angeknüpften Verhandlungen und wünsche ihnen Erfolg. Aber heute vormittag habe der französische Bot- schafter in London mitgeteilt, dast ihren Gewohmheiien entsprechend die Towjctrcgicrung mit Impertinenz auf die Mitteilung geantwortet_ habe, die Lloyd George cm sie richtete. Lloyd George habe den 1 Sowjets mitgeteilt, dast, wenn sie keinen Waffenstillstanv an- nehmeit würden, Grostbritanmen und seine Alliierten Polen mit allen Kräften unterstützen würden.(Starker Beifall. Widerspruch wuf der äwherslen Linken.) Nachdem sich der Bcisall gdlegt hatte, fitste Millerand fort, Frankreich werde sein Wort halten, wie auch sicher sei, dast Eng- land dem seimgen treu bleibe» werde. General Wrangel habe gegen die Bolschewistrn in der Krim Erfolge erzielt, wo tatsächlich eine Regierung vorhanden sei, die die Sympathie der Bevölkerung habe und eine Agrarreform durchgeführt habe. Der Minister- Präsident geht dann zur Besprechung der Berliandlungen mit den deutschen Delegierten in Spa über, die den Zweck gehabt haben, die Ausführung des Friedensvertrages von Versailles sicherzustellen. Frankreich sei weit entfernt von dem Gedanken, sich in die innere deutsche Politik einzumischen. Der Vertrag von Ver- sailles I>abe das D e u t s ch e Zi e i ch anerkannt. Man werde nicht versuchen, es heimtückisch zu demolieren. F r a n t r c i ch w c r d e sich nickt in s c p a r a t i st i s ch c I ri- t r i ge n einlasse w(Widerspruch), aber die Alliierten wünsch- tcn, dast die verschiedenen Elemente in Deutschland sich stei entwickeln könnten, ohne von der preußischen Hegemonie bedroht zu werden, deren Triumph beinahe das Totcngcläutc der Zivilisation gewesen wäre und der Ruin Deurschlands. Deshalb habe die fran- zösische Regierung in München bei dem Minister, für Auswär- tigc Angelegenheiten einen Gesandten ernannt. Tie Tätig- kcit dieses Gesandten werde die Tätigkeit des französischen Bot- schasters verstärken. Laurent sei von der französischen Re- gierung deshalb als Botschafter für Berlin an sc rs ehe« worden. weil die französische Regierung habe zum Ausdruck bringen wollen, das Hauptziel ihrer Politik sei, normale Wirtschaft- liche Beziehungen mit Deutschland wicdcrherzu- stellen. Die Ilamenbewegung. Antwerpen, 20. Juli. lHavas-Reuker.) Der Gemeinde- rat hat mit 20 gegen 7 Stimme» bei 3 Stimmenthaltungen eine Tagesordnung angenommen, die sich f ü r die B e r f l a m u n g der Universität Gent ausspricht. Verhaftung des Münchrnrr Rätobürgermristrrs. In Berlin wurde der Kommunist Leo Werne.? verhaktet, der in der Münchener Rätezcit sich zum Bürgermeister von München aus- geschwungen baite. Derner, der steckbrieflich verfolgt wurde, arbeitete auf einem Holzplatz in Stralau, wo ihn die Kriminal- Polizei /am Montag- nachmittag festnahm.— Hätte sich Werne? doch von Hauptmann Pfeffer anwerben lassen, dann be- fände er sich noch heute in Freiheit! Die Auslösung des Freikorps Aulock. Wie wir von zuständiger Stelle erfahren, ist das Frcilorps Aulock planmäßig seit dem 15. d. M. a u f g c l ö st worden. Es befinden sich zurzeit nur noch Teile des ehemaligen Freikorps As Zivilist!!« in und bei Zeithain, die aber ebenfalls nach und nach abtransportiert werden. Wider- stand gegen die Auslösung ist mckt geleistet worden. Richtig ist > nur, daß sich etwa 11 Unierofsiziere und Mannschaften im Zusam- j menhang m't dem Kapv Putsch seit März dieses Jahres in Unter- >s uckungshast befinden.— Und wo versammeln sich die Auf- ! gelösten von neuem? Zur programmfrage. In der„Neuen Zeit" beschäftigt sich Gen. Heinrich C u n o w mit der Froge der Revision des Erfurter Pro- gramms. Er erinnert daran, dast schon auf dem Würzburger Parteitag von 1917 der Ruf nach, einer Revision des Erfurter Programms laut wurde und daß er wiederholt wurde, als vor einigen Wochen eine kombinierte Sitzung der neugewähltcn Roichstagsfmktion und des Parteiausschusses sich für die Ab- Haltung eines Parteitags' im Spätherbst dieses Jahres ent- schied. Cunow findet das Verlangen noch einem neuen Porta-- Programm begreiflich, da die Forderungen des zweiten Teil? heute zum Teil schon verwirklicht, zum Teil überholt seien. Er fährt dann fort: „Auch die vielfach er-bobene Forderung einer gleichzeitigen Re- Vision des sogenanten„theoretischen" ersten Teils des Er- furter Programms, in dem Richtung und Ziel der WirtschaflSent- Wicklung mit ihren Folgen für die sozialistische Arbeiterbewegung kurz skizziert werden, ist nur allzu verständlich. Weltkrieg und .Revolution baben mit rauher Hand in das Reich der alten Vor- stellungen, Thesen und Hypothesen eingegriffen, eine Reihe über- liefert« Illusionen und Annahmen vernichtet und jedem, der sich aus dein Bann utoptstischcr Vorstellungen zu befreien vermochte, deutlich gezeigt,-dast die E n t>v i ck l u>t g zum Sozialismus sich keinswegs so rasch und glatt in den mit schönen Voraussetzungen und Hoffnungen gepflasterten Bahnen vollzieh?, wie man vielfach 1591 nach dem Fall des Sozialistengesetzes glaubte —. in dem frohen Gefühl, daß nun die Wege zum schnellen Auf- stieg steilögen. Tie Erfahrung l)at seitdem gezeigt, dast mit jedem neuen Fortschritt sich auch neue Verwicklungen, neue Umstellungen, neue Mögltchkeiten und Unmöglichkeiten ergeben." Cunow übt dvnn an dem theoretischen Teil des Erfurter Programms scharfe Kritik. Schon insofern sei feine Ans- fassnstg falsch, als sie von der Annahme ausgehe, daß onf den Anfangsstufe» der Wirtschoftsentwiekl.ung ein Pl'ilxlt- eigentum an Produktionsmitteln gar nickst er i stiert.habe, der ganze Uriomnuunismus, den das Erfurter Programm konstruiere, sei eine Fiktion. Ebenso wendet sich Cunow gegen die Auffassung, dast die Kleinbetriebe„mit Naturnotwendigkeit" zum Untergang ver- urteilt seien: Eine neue Wirtschaitsepoche hat eingesetzt, und mit dieser haben sich auch neue Tendenzen eingestellt. Für seine Jett balle Marx also recht; ein grober Mistgriff war es aber, ans reinem Dogmatismus an der Marxschen Konzcntialionsauifassung festzuhalten, nachdem 1891 bereits die tbr zugrunde liegenden Erfahrungstatsachen gewechselt hatten. Wäre tatsächlich, wie das Erfurter Programm behauptet, der Untergang des bäuerlichen Kleinbetriebs eine„Naturnotwendigkeit" und eine Vorbedingung der Durchsührung des Sozialismus, dann iniistten eigentlich der preustische sozialistische LandwirlichahSminister und die ganze preustischc Landtagsfraktion wegen ihrer SiedlungSpolitik au§ der Partei ausgeschlossen werden. . In cngcm Zusammenhang mit der Konzentrationstheorie steht die VerelendungStsteorie. die ja. ebenso tvie'dic Konzen- trationstheorie oder vielleicht noch allgemeiner von der Kritik verworfen wurde. Dazu wäre vielleicht zu bemerken, dast die Verelendungstheorie als Theorie, d. h. als theoretisch fest- gestellte unüberwindliche Tendenz der kapitalistischen Gesell- schast zwar nicht haltbar ist, dast aber dw Tatsache der Verelendung, als Kriegsfolge, sich dem Arbeiter unwider- stchlich aufdrängt und damit auch die VerclcndungS- t h e o r i c für ein theoretisch weniger geschultes Denken wieder populär macht. Trotzdem koninit Cunow dazu, vor dem Versuch einer Programmaufstellung in der gegenwärtigon Zeit zn tvarncn. Er führt darüber u. a. das Folgende aus: Trotzdem halte ick heute, wie ich fckion auf dem Würzbürger Parteitag ausgesprochen habe, da§ Dränaen n-ach einer Ersetzung des bisherigen theoretischen Teils des Erfuner Piogramms durch eine neue Programmeinlemtng für verfeylr: denn was unrer den gegebenen Umständen aus einer Beratung herauskommen würde. wäre voraussicvrlich ein Gelegenbeits- Komprom ist- Produkt, das. wenn es attw wohl gewine künstliche Konstrukli- onen des Erfurter Programins vermeiden würde, doch auf der anderen Seite wahricheiniick' viel zn lehr auf heurige Tagesdedürs- ntffe zugeichnitien und deshalb in kurteni selbst wieder revisionsbedürftig sein würde. Wir befinden uiiS heule eben nicht in einem normalen Stadium der Geiellschoftseniwickluitg, sondern in einer Periode überhasteter Uinbildung überlieferter gesellichaftlicher LebenSkornien. einer völligen II n- sicherbeit darüber, welche Umschläge im Gcsellichastsleben demnächst erfolgen und wie sich die inrerilationaie Wirlschailsstruklilr gestalten wird. Derartige Zeiten der Gärung und des revolinio« nären Wechsels sind schon an tmd für sich wenig zur Auftlelliing allgemeiner Richtlinie» des sozialen jForischrius geeignet, und noch weniger lasten sich aus den konvulsiviichen Ericheinimgen einer solchen Zeit taktische VerhallungSdirektiven für ferne Jukunften ableiten: im heutigen Fall kommt überdies noch Hinz», dast die mit früheren Erwartungen im Widerspruch stehenden ErfahrungSlatjachcn der KrieyS- imb Wcbotirtron«� und die Veränderungen in der Zu- it»>'-!.!0nikKUns des ParteikörperS einerseits eine gewisse miymulige Ab�cdr vnn der„grauen Tbesrie", andererseits allerlei neue theorettf* Strömungen und Unteritrvmungen hxrvorgerusrn haben� Ganz naturgeinäsz haben eben manche der neuen Zuzügler, besonders aus dem Reich der Inlellckluellen, ansehnliche Reste ihrer Ideologie niil in die Partei gebracht. Von der Unabhängigen Toztaldemo- kralischen Partei mag das noch mehr gelten als von der Mebrheits- soziatdemotralie, immerhin läszt sich ohne Uebertreibung sagen, dasz mmdeftens ein großer Teil unserer Partei den alten theo- retiichen Boden verloren ha� o b n« bereits einen neuen gesunden zu haben. Cunow hält es deshalb für besser, tvenn uian die theo- rctlschcri Aizssassungcn der Partei sich erst klären läßt und sich aus die Ausarbeitung eines neuen praktischen Aktionsprogramms beschränkt. Zu der wichtigen Frage, die Gcnosie Cunow angeschnitten bat. dürfte dem dtasseter Parteitag eine Sammlung von Gut- achten vorliegen, die mittterweile vom Parteivorstand eingefordert worden sind. Die Pärteitagsverbandlungen selbst dürften über das Stadium einer Vorbesprechung kaum hinaus- kommen, tvahrscheinlich wird ciue Kommission gewühlt werden, die für einen küusttgen Progranim-Parteitag Vorarbeit �.i leisten haben wird. Zur Sache selbst sei einsrwcilet' bemerkt, daß sich der Unterschied zun schau einciu„Programm" und einem ,. Aktions- Programm" nicht so ganz scharf ziehen lüstt. Das Aktions- Programm soll die Forderiutgeu etithalten. für deren Durch- scpung die Partei in den nächsten Jahren kämpfen will. Diese Forderungen entspringen aber naturgemäß bestimmten Grundanschauungen, und ihr Maß wird bcstnnmt werden durch das vorhandene Urteil über die Möglichkeit ihrer Durch- setzung. das heißt über die gegebenen(Sutwickhuigstendenzeil. So sinnlos ein rein theoretisches Programm wäre, aus dem nicht zu ersehen ist. was die Partei eigentlich will, so unvollkommen wäre ein.Aktionsprogramm", das die gemein- same» Forderungen der Partei wiedergibt, ohiw zugleich ctnen Ausdruck zu finden für die allgemeinen Grund- a n f cb a u u ii g e n. aus denen diese Forderungen crsließcn. Mit Lorbedacht legen wir den Ton auf das Wort„allgenlcln". denn es kann nicht die Aufgabe eines Programms sein, die Millionen der Parteianhänger ans wissenichaitliche Urteile zu verpflichte, l. die der wissenschaftlichen Kritik unterliegen. Insofern enthält das Erfurter Programm, das sicher eine I große historische Leistung ist, einen ans den Zeitumständen vcrstäikdlichen Konstruktionsfehler: man kann sämtliche Forde- rungcn des zweiten Teils akzeptieren, ohne mit dem ersten Teil übereinzustimmen. Man kann auch die Parteizngehörig- keil auf keinen Fall davon abhängig machen, daß sich jemand mit ciiier bestimmten Auffassung über die Eigentumsform bei den Urvölkern einverstanden erklärt. Das theoretische Programm und das Aktionsprogramm gehören also zusanimeni das zweite kann nur das iogische Ergebnis des ersten sein. Das theoretische Programm muß aber so gehalten sein, daß sich in ihm die Gesinnungsgemeinschaft der in der Partei organisierten Massen tatsächlich wider- spiegelt, es darf nichts enthalten, was für viele der Partei- genossen nur ein Glaubensbekenntnis wäre, zu dessen Nachprüfung ihr wissenschaftliches Rüstzeug nicht aus- reicht. Eine solche Uebcreinstimmung wird sich über praktische Forderungen immer leichter erzielen lassen, als über theore- tische Ausfassungen. Bei der Formulierung dieser letzteren ivird man sich stets zwischen den zwei Gefahren befinden, entweder es bei Gemcinplätzltchkeiten bewenden zu lassen, oder aber Behauptungen aufzustellen, die von der Masse der Parteigenossen nicht nachgeprüft, sondern nur als Glaubens- artikel aufgenommen werden können. Die ziveite Gefahr wird desto größer sein, je stärker die Neigung der Programm- schöpser sein wird, wissenschaftlich Eigenes zu geben. Je größer die wissenschaftliche Höhe, desto stärker die Stürme der Kritik, desto größer aber auch die Entfernung von der Masse. die heute nicht mehr auf eine Hcilslehre von oben wartet. sondern in ihrem Programm ausgedrückt zu sehen wünscht, was in ihrem eigenen Bewußtsein schon lebendig ist. Für das Erfurter Programm einen Ersatz zu suiden. der in der Geschichte der Parrei eine ähnliche Rolle spielr wie dieses, ist unmöglich. Man soll das Unmögliche nicht der suchen, sondern die Schwierigkeiten dort suchen und überwinden. >vo sie wirklich sind, nämlich darin, eine Formulierung für die tatsächlich vorhandene qemeinsamc Grundauffasiung der Partei zu finden, ans der ihr gemeinsames Wollen entspringt. Dieses gemeinsame Wolle», das im„Aktionsprogramm" seinen Ausdruck findet, bleibt immer das Entscheidende, und so erklärt es sich, daß sich Parteien ganz gut entwickeln können, die ein theoretisches Programm überhaupt nicht besitzen. Ein theoretisches Programm ist uns ober doch wertvoll als Mittel der Selbstverständigung und der Werbearbeit. Sagt das eine, was wir wollen, so soll das andere erklären, warum wir es wollen. Der Weg des Erfurter Programms ging umgekehrt! es entwickelte zunächst theoretische Auffassungen und sprang dann mit verlegener Uebergangslosigkeit zu den nächsten praktischen Forderungen über. In dem Gegensatz zwischen den historischen Verdiensten des Erfurter Programms und den Forderungen, die wir heute an ein nettes Programm stellen müssen, zeigt sich der Entivicklungsgangs den die deutsche Sozialdemokratie in den letzten dreißig Jahren genommen hat: von einer Partei der Lehre zü einer Partei der Tat. die Vergeßlichen. Hat Hindcnburg voreilig die Waffen weggeworfen? Reaktionäre Blätter- veröffentlichen einen Brieftveckvel Zwischen dem Obersten Housc und dem Dolmetscher der Frie- denskonserenz Manaur. ans dein Hervorgehen soll, daß Deutschland den Waffenftillstcmd 1918„zu früh" abgeschlossen habe.' Die..Dägiiche Rundschau" sieht liier einen neuen Be- weis,„daß wir vorciligdieWafsen weggeworfen haben". Die nationalistisci«(stedäclfi n!? schiväcüe, die bei der Be- urteiinng der Novcmbervorgävge immer wieder zutoa? tritt, hat auch hier eins vergessen: die Annähme der Waffewstill» stondsbvdi ngungen am Ist. November 1918 erfolgte a u s d c n Rat und da? Urteil H i n d e n b u r g s. Dieser ont- wartete ans Anfrage der Regierung in einem schon öiter veröffentlichten Brie», daß man versuchen sollte, eine Abmilde- rung der Waffenstillslaiidsbedingungeu zu erreichen. Würde sie nickt durchgesetzt,„so wäre trotzdem abzu- s ch I i e ß e n". Wenn also die„Tägliche Rundschau" meint, daß wir vor- eilig die Waffen nvggewonen haben, so möge sie H i n d e n- b ii r g verantwortlich machen. Studenten und Arbeiter.' �jusammenstöfte in Marburg. Aus Marburg wird uns gcscbridEn: Ter kürzlich in einem Berliner Abendblatt vom Genassen löaenisth geschrieben« Artikel über die„Verwilderung der politischen Sitten", in dem auch unter anderem die studentischen Zvitsrei- will igen morde r als feige Mörder und Buben bezeichnet wurden, veranlaßte den Marburger Studentenausschuß, die gesamte Stu- dentenschaft am Montag mittag zu einer Protestvcrsammlung auf dem Marktplatz einzuladen. Hier waren von zirka 3000 Studenten etwa 200— 300— überwiegend farbewragende Studenten � erschienen, vor denen der Vorsitzende dos Studentenausschusses in den schärfsten Worten gegen den.Kultusminister sprach und eine Er- klärung verlas, in der von„schwerster Beleidigung der gesamten Studentenschaft" und von„sofortiger Genugtuung durch den ftuitusmünster" die Rede war. Dies veranlagte nun ihrerseits die A r b e i-t e r fcha f t. am Aachmittag ebenfalls eine Vcrjmrniiluiig auf dem Marktplatz ein» zuberufen, in der gegen die ungeheure HcrauSiorderung de; gs- samten werktätigen Volkes durch die zugunsten der Thaler Morden abgehaltenen 2 m den: e nix r samm l u n g protestiert werden sollte. Zu dieser Versammlung fanden sich auch eine große Anzahl von Stu- deuten ein, die sich schon während der Rede druck provozierende Zwischenrufe bemerkbar machten. AIS gegen Schluß der Nor- sam mluiiq die Studenten dozn übergingen,„Teutschland über alles..." zu singen, die Ärbe-iter als„T icbc" zu bezeichnen und die Schutzmannschaft ausforderten, mir blanker Waffe die Ar- beiterschaft auseinanderzutreiben, tam der Stein ins Rollen. Es kam an den verschiedensten Teilen der Slabt zu mehr oder mrnder bestigen Schlägereien, und»irr der besonnenen Hatlung der bis zum äußersten' gereizten Arbeiterschaft ist es zu vevSanter. trenn außer ein paar blutigen Köpfen größeres Unheil vermieden worden ist. Zu den Vorkommnissen berbreitet WTB. einen Bericht, der im wesentlichen mit der obigen Darstellung übere-nstimmt, nur in- sofern obiveicht, als die Arbeiterversammlung hartnäckig als eine „kommunistische" bezeichnet wird.„Wen ich durchaus nicht leiden kann. Zeig ich als Kommunisten an." Eröffnung ües Thüringer Landtages. Durchkreuztes rcaktionärcs Tchiebermanöver. Am Dienstag trat in Weimar der erste Landtag des neugff- schaftenon Einheitsstaates Thüringen zu ferner ersten Tagung zusammen. Bei der Pftrsidentcnwahl wurlde gleich ein eigenartiger Kampf ausgetragen. An sich hätte die Unabhänglge Partei als stärkste den Anspruch auf den Präsidentenpvftem gehabt. Um dies zu Verbindern, hatten sich die drei Rechtsparteien, die Deutschnationalen, die Deutsche Voltsparteä und der Thüringer Lairdound, zu einer einzigen Fraktion zusammcmg'e- schlössen, obwM sie im Wahikampf»KS drei verschieden e Parteien aufgetreten waren. Sic bebaupteten jetzt, die stärkste Partei zu sein. Dieses reaktionäre Schi eb c nna» löver wurde aber durch dos Eintreten unserer Partei verhindert, die in loyaler Weise den Unabhängigen den ihnen zustehenden Präsident ensu» sicherte, indem sie erklärte, ihrerseits sich mit den Unabhäwzigen zu einer Fraktion zusaminenzirschließen. ES gab eine ziemlich er- regte Debatte, in der die Rechtsparteien ihrem Zusaunnenschluß einen anderen Beweggrund unterzuschieben versuchten, ohne jedoch mit ihren Ausreden Glauben zu finden. Schließlich wurde der Abgeordnete Drzchslcr-Gcra(II. Toz.) zum ersten Präsidenten ein- stimmig geivählt, zum ersten Stellvertreter der Abgeordnete Dauer- Sondcrshausru. Vor dcr Wahl des zweiten Vizepräsidenten er- klärten die Demokraten, die nur mit 4 Sitzen vortreten sind, daß sie. nachdem sich die Rechts- und Linkspavteien zu je einer Gruppe vereinigt hästeu, als dritte Fraktion im Hause das Anrecht auf den zweiten Vizepräsidenten haben. Ans der Wahl ging der De- mokrat Bcnert-Altci'burg hervor. Hierauf vertagte sich der Land- tag auf Mittwoch, 10 Ilhr vormittags, wo die Wähl dcr Regierung stattfinden soll. die Verhandlungen in Mitteldeutschland. Berlin, 20. Juli. Tie Verhandlungen i««itteldeutsche» Braunkohlenbergbau sind gestern unter dem Borfitz des RegierunzS- ratcS Dr. Badenstein vom RcichSarbeitSministerium in Halle in später Stunde beendet worden. Die Arbeitgeber haben sich nach langen Berhandlnngen bcreiterklart, für Juni und Juli eine Schichtztilag« von einer Vi a r t für alle Ardeiter zu gewähren. Di« Vertreter der Arbeiter erklärten, dc» Belegschaften die Stellung- nähme überlassen zu wollen. Bis Sonn abend abend fall baS Ergebnis der Stellungnahme der Belegschaften den LrganisatiouS- Vertreter» mitgeteilt werde«. Ter Streik in Golpa beigelegt. Berlin, 30. Juli.(WTB.) Tie Arbeiterschaft der Grube G o l p a, des Kraftwerks Zschornewitz und der dazu gehörigen Betnebe hat in Verfolg der für den mitteldeutschen Braunkohlen- bergbau unter Leitung des ReichsarbeüsmimsteimmS geführten Verhandlungen beschlossen, am Mittwoch, den 21. d. M., die Arbeit wieder aufzunehmen. verband gemeinwirtsthastlicher Theater. Ein Zufammenschlüß dcr gemeinwirischastlichen Theater ist kürzlich aus einer Tagung in W ü c z b u r g zustande gekommen. In großer Anzahl hatten sich dort Vertreter der Gliedstaaten de» Reiches und der deutschen Städte, soiveit sie eigene Theater be- sitzen und beioirtschafteu, zusammengesunden, und auch die Ber» üner V o l k s b iih ne n orgauisation halte einen Delegierten ent. �ndi. Die Verhandlungen, die zwei Tage in Anspruch nahmen, F-urcn wesentlich ausgefüllt mit Erörterungen übex die Haltung, die der neugegründeie Verband zum B ü h n« n v e r e i n einnehmen soll. Es herrschte schließlich darüber Einigkeit, daß durch weitere Verhandlungen möglichst bald endgültig festgestellt werden sollte, ob der Bühneuverein gewillt sei, gewisse vom Interesse der städtischen und staatlichen Theater dringend geforderte Bedingun- gen anzunehmen und es so de« gemeinwirtsöhaftlichen Theatern zu ermöglichen, in seinem Rabmen gedeihlich zu wirken, und danach die Entscheidung zu fällen. Man war sich darüber klar, daß die geiueinioidschanlicheit Theater gegenüber den privaten Theater- Unternehmern in mancher Hinsicht eigene Interessen besäßen und diese in jede, ii Fall durch einen engeren Zusammenschluß i n oder neben dem Bühnenverein zu vertreten suchen müßten. Es sieht auch außer Zweifel, daß zwischen den Theatern, die als Geschäslsmiternehnuuigcn gegründet wurden und betrieben werden, uud solchen Bühnen, die sich auf Besucherorganisationen aufbauen und den vereinsmäßig zusamniengeschlossenen„Tbeater- konsumcnteu" alle Einnahmen unter Ausschaltung jede? Unter- neh-mervrvfitö zuführen(wie diese auch alle Ausgaben, gleichmäßig auf sämtliche Mitglieder verteilt, zu trage» haben!, oder auch sol- cken Buhlten, die von Staaten und Städten in eigener Regie bewirtschaftet werden, ein scharfer Strich zu ziehen ist. Schon mit Rückficht auf die Kunstpflege. Gewiß kann auch ein Geschäfts- tbeatcr ernste künstlerische Absichten verfolgen; aber wenn der Kassenrapport mit ihnen in Kollision gerät, bleibt dem Leiter gar keine andere Möglicheit, als aus ibre Durchsetzung zu verzichten. Andererseits sind sicherlich auch BoltSbühnenvcreine, kommunale . und staatliche Theater nicht von allen Hemmungen in dcr Versal- zung künstlerischer Ziele frei: Tie Volkshühnenorganifationen müssen ibre Ausgaben möglichst niedrig zu halten suchen, um den breiten Massen die Mitgliedschaft und damit den Theaterbesuch va ermöglichäu; und die schlechte Finanzlage der Städte und Staaten zwingt die von ihnen bewirtschafteten Theater, alles daran zu setzen, daß sie mit möglichst geringen Zuschüssen auskommen; aber bicr wie dort ist doch der Spielraum für die Durchführung eines rein künstlerischen, von den Launen und Lüsternheiten eines zahlungsfähigen Amüsierpöbels unabhängigen Programms ganz unverhältnismäßig weit größer. Dazu kommt, daß ecke so wich- � »ige Einrichtung zur VolkcerziebUng»nb MenschheitSveredelung j wie da- Theater dem Geschäftemachcn dienen kann. Selbst wenn' ein Privattheater künstlerisch Einwandfreies bietet und dabei„flo rieren" kann, weil das Publikum hingeht, so mutz dies Widerspruch erwecken; denn das Allgemeininteresse würde erfordern, daß die aus dem guten Geschäftsgang erzielten Getvinne wieder der Allge meinheit zugute kämen, zur Verbilligung des Theaterbesuchs, zur Tchassung neuer Kunststätten usw. benutzt würden, statt daß sich dcr Theaterunternehmer daran bereichert. Eine solche Bereiche rung ist ausgeschlossen bei den g em e i n w i r t sch a f t. l i ch e n Theatern.„ Die Sonderstellung, die so" die gemeimvirtschaftlichen Theater einnehmen, berechtigt sie, auch ebne besondere Behandlung von den öffentlichen Gewalten zu verlangen: Unterstützung durch Befreiung von belastenden Steuern, eine fördernde Gewerbegcsetz- gebung, Hcranziehniig ihrer Vertreter als Berater filr Verwal- tungSmaßnabinen. soweit sie die Theater berühren, Beihilfe bei ihren Bestrebungetz, sich auszudehnen und dadurch vielleicht ihren Betrieb rationeller und billiger zu gestalten, unter Umständen selbst zu diesem Zwecke die Enteignung privater Theater niederen Ran- ges usf. Zweifellos wird bei einem geschlossenen Vorgehen aller geineinwirtschafftichen Tbeater die allgemeine Aufmerksamkeit viel mebr auf all diese Dinge hinzulenken sein und mancher schöne Vorteil erzielt wenden können. Nicht zuletzt würden die gemeinnützigen Theater auch vielleicht j davon profitieren, daß sie in dem neugeschafenen Verband durch systematische Erörterung der für sie brennenden Fragen manchen bisher noch verborgenen Weg finden, ihren Betrieb w i r t s ch a f. l i ck e r z u g e st a l t est, und ihre k ü n st l e r i s ch e n Lei st u u- gen zu V e'r V o l l k o m m ii«n. Zumal nachdem der B e r l i n'e r P o l k s b ü b n e n v e r e i n sich jetzt endgültig entschlossen hat, dem Perein beizutreten, wird die Zusammenarbeit im Verband in dieser Hinsicht möglicherweise von großer Bedeutung sein. Ter Berliner VolkSbühncnverein, der es. als erster unter heute schon, � zahlreichen anderen, das gleiche Ziel verfolgenden Organisationen zu einem eigenen Theater gebracht bat, verkörpert in gewisser Be. ziehung ein anderes Prinzip jn der Tkeaterbewirtschaftung a!4 die gemeindlichen und staatlichen Tberner. Debatten über eine Uebernabme dieser oder jener Einrichtungen der Volisvühnen durch die städtischen und staatlichen Betriebe können für diese tedr wort. voll werden, wie andererseits die Mitarbeit' der Berliner Volk«- bühnenorganisation im Borband dazu dienen kann., der Volk;- bübnenbewegung mehr als bisher die au« öffentlichen Mitteln unterstützten Theater zu öffnen. Es wäre zu hoffen, daß der Ber- band in dieser Richtung fruchtbar wirkt und damit ein wirklicher Äulturfaktor wind. S.«U. Ein Maleridnll in der Tiidtee. Die moderne Kunst hat in ibrem Streben nack>..Rücktebi zur Natvr" stärkste Anregung von fernen Gebieien erholten, in denen nock primitive Menschen i» ursprünglichen Lebensformen zu finden sind. Wo« für die franzö- fische Kunst Madagaslar oder Tahiti bedeuten, die der Maler Gau» guin entdeckte und in schönen Bekenntnissen schilderte, das sind für unsere deutschen Künstler die Südsecinsetn, aus denen die Bahn- brecher des neuen Stils, ein Nvlde und Pechstein, eine ungekannte Schönheit entdeckten. Besonders sind es die P a la u- I n s e I n, eine Gruppe dcr Westkarolinen, dw in der modernsten Kunst- geschichte eine große Rolle spielen. Hier hat Pechstein gelebt und gearbeitet, bis der Krieg ihn überraschte, und auf vielen seiner Bilder wie Zeichnungen finden wir die Natur und die Menschen dieses glücklichen Landes. Warum sich die Palau-Jnseln so sehr zum Meileridyll eignen, das zeigen uns auck die wissenschaftlichen Forschungen, über die A. Krämer in den Ergebnissen dcr Süd'ee-Expcdition der ham- burgischcn wissenschaftlichen Stiftung berichtet hat. Schon der gbo- logische Aufbau der Inselgruppe ist eigenartig, vielgestaltig un» malerisch. Der Südteil dcr Grupve, der aus Kalk besteht, zeigt eigenartig bizarre Formen von großer Steilheit und Zerrissenheit, wäbrend der vulkanische Nordteil mehr in einer Ivellenförmig ge- gliederten Ebene verläuft. Auch die Farbengebung des Landes erhält dadurch ibren besonderen Reiz. Während die weißen Kalt- fclscn dicht mit Wald überzogen sind und durch das Grün hie und da leuchtend hindurchschimmern, glänzt der Vullanboden in einem starken Rot. Phantastisch und romantisch sind tnnerhalb de- Kali- gebietcs die zahlreichen Höhlen, aus denen das anflutende Meer wunderliche Zackungen berausgewaschen bat. Nur einen einzigen Tee gibt e« auf'der Inselgruppe; er liegt auf der großen Nord. insel Babldaob und wird von dem Ngorokflutz in einer Länge von etwa 1 Kilometer gebildet. Hier gibt es auch einen großartigen Wasserfall. Prachtvoll entwickelt ist die Pftanzenwell der Polau- Insel». Tie Hügel sind wei' und breit mit einem dichten Tcppich von Kannenträgerpilanzen bedeckt, in deren schönen Kannen sich da« Wasser hält Svdniin trifft man in den Gebieten, die nicht mit herrlichem Wald bestanden sind, Melastomengebüsche. ro'i blühende Orchideen, blaue Lilien und andere wundervolle Blumen, Der Sinn des Sozialismus. Unter diesem Titel läßt«enoise A 1 1 r e d M o e g t i ch im Verlag Eesellnba't und Erziehung Verlin. Fichtenau, weben eine Schritt ericheinen, die iich das Ziel steckt eine grund- legende populäre Einiühruiig in di« m a r y i st! i ch e G c d a n r» n m» i« zu«ein. Das Buch lobet 0 Mt.»" i- n in e 1 1 Eine Slrbeitcaemeinichaft für vergleichende Liter« tu««in««. ick, oft ist a» der»niversität Berlin begründet ir-rden"ibre Lei tun, bat Prot. Hermami Reich, der Verloster deS Pümu». der ersten Eeichichle de« anliteii und modernen VoitSdramas. übernommen»ie beabsichngt vor allein auch jungen Dichtein. inSScioniicic Dramatikern erniltiche Förderung zu geiväbren. Dle Stiirm. und Srang-Buhne. die Fritz Ebers Im gesling-Theater eröffnet, beginnt ibre spiele«njang Sevlember Wö-dentlich«oll eine Voriiellung Natlunden. Begonnen wird, um den Name» der chühne'auch biiloiiich zu«chiierUgcn. mit der dramatischei! Skizze von Rciubold Lenz. dem Jugettdiminde owelfies:„Pandämonlum(«ermameum- und„Voltaire am Abend«einer Apotheoie- von Leopold Wagner(mit Poui Bildt IN den Honvtrollenz Weitei- Ileb.n �..„.„____ Ederbnid von AugtM�W���WWW�WWWW und„Tie Feuerobninit" von Einil itzener. Mar JuiiANtckel» neue» Drama:„�«irchpiennigs-, c n Schau- lpiel aus dem«achmchen vizgevirge, wurde vom Ilanocöiijeater Meiningen. zur Uranstührung angenommen. w den Hauptrollen). Weiter«leben im Spielplan:..Die grase otabr von '.»Vrtmoi»».v...t_. altowsky rdnib Frowein.„Mestaliiio" von Herbert Enlenberg.„Sankta Sulanna- Auguil stramm,„a ie Ivlorentiuerin- von E:nis.-erdinand M'a Kr. 362 ❖ 37. Jahrgang Seiisge öes Vorwärts MItwsch. 2I.7ulI I»2» Gewerksthasten oösr öetriebs- räteorganffationen. Tie Berliner Belricbsrälezentrale in der Mün�straße sowie die Halles Bittere Wahrheiten waren es, die er dann seinen eigenen Parteigenossen sagen mußte. Dißmann betonte, daß in di« Millionen gehenden Summen aufgewandt werden müßten, um die Fehler wieder gutzumachen, welche revolutionäre Betriebsräte auf eigene Faust verschleudert hätten. So köiiue es nicht weitergehen, bei einer solchen Wirtschaft gehe die deutsche Arbeiterschaft einfach zu Grunde. Die Betriebsräte, für welche die deutschen GeWerk- täglich» bei uns einlaufenden ße- 3 v fchmcrden von poltbeziehern veran» lallen uns zu der Bitte, beim 3us- bleiben der Zeitung zuerlt eine lcbrift- l i ck e ßelch, verde beim Torlteber des Be- lteUarntes einzureichen. Sollte dieser Tieg erfolglos fein, ist sofort dem Verlag JSfacb- ricbt zu geben. Besonders in diesem silonat hat sich, die Zahl der Befchverdcföhrer, welche über das Ausbleiben entweder der sillorgen- oder Abendausgabe klagen, außerordentlich gehäuft. Xn allen■fällen ist einwandfrei festgestellt worden, daß die Schuld am Ausbleiben der Zeitung nicht den Verlag, sondern die poft betraf. Mir bitten daher nochmals, den vorgeschriebenen Weg einzuhalten. Vorwärts- Verlag 6. m. b. tz. schaften gekämpft, hätten nunmehr ihre Funktionen innerhalb der Gewerkschaften auszuüben. Die parteipolitischen Interessen in den Gewerkschaften müßten zurücktreten gegenüber dem großen Ziel, die Einheit der deutschen Arbeiterbewegung gegenüber dem Kapitalis- mus aufrechtzuerhalten. Gegenüber dem, was Dißmann sagte, haben parieipolitische Differenzen zu schweigen. Hier bandelt es sich um die Einheit der deutschen Arbeiterbewegung und alle, die sie erhalten wollen, müssen zusammenstehen, um«ine Spaltung zu Verhindern. Wenn die Betriebsrätezenlrale in der Münzstraße durch die Mithilfe einer Anzahl Von Funktionären der U. S. B. ihre Bestrebungen fortsetzt, dann bat die'elbe die große Mehrzahl der treigewerkschoftlich orga- nisierten Arbeiter und Angestellten gegen sich. Alle Anhänger der U. S. P., welche wirkliche Gewerkschaftler sind, müssen gegen diese Sonderbestrebungen ankämpfen. Auch die K. P. D. wird die Betriebsräte nicht als Enotz der politischen Arbeiterräte ansehen, wie dies aus der Haltung der.Roten Fahne� klar hervorgeht. Von den christlichen Gewerkschaften und den Hirich-Dunckerschen ist sowieso nicht anzunehmen, daß sie für die Bestrebungen der Münzstraße zu haben sind. Von der von der BeiriebSrätezentrale in der Münzstraße vorgetäuschten Einigung der Arbeiterklasse kann also keine Rede sein.' Jeder,' dem die Betriebsrätebewegung am Herzen liegt, muß daher mit aller Ent- schiedenheit dafür eintreten, daß die Zusammenfassung der Betriebs- räle nur durch die freien Gewerkschaften geschieht; damit ist zu- gleich die Möglichkeit geschaffen, endlich die praktische Arbeit auf- nehmen zu können. Clemens Nörpel. GroßGerMl Grausige Moritat an Hinöenburg. Besungen vom Bänkelsänger Kreuzwende dich Rückwärts, nach den Schilderungen der„Post" zmd„Deutschen Tageszeitung". Liebes Publikum, verhalt dir Mund und Nase. Denn der sittlichen Vcrfaulung Gase, wie sie nur der Umsturz kann erzeugen. laß ich schaudernd meinem Lied entsteugen. Nächtlich, als die Menschheit schon im Hemde, kani ein Mensch bei Hindenburg und klemmte sich durchs Gitter— o mich packt ein Grausen— um im Garten reifes Obst zu mausen. Otto Gallien— merk es— hieß der Schurke. Ihm genügen Kirsche nicht noch Gurke. Weiter schleicht er— seht— in die Veranda.. Da kommt Hindenburg und packt den Mann da. Jäh erhebt sich ein gewaltig Ringen. Ihn zu halten, will schon fast gelingen.� Da hebt Gallien sein Pistol zum �Schusse, doch verletzt er nur die Finsterpusse. Polizei faßt jetztr den Attentäter. Haut ihn, blaut ihn, sohlt ihm voll das Leder! Selbst ein außerordentliches Kriegsgericht scheint mir noch zu milde für den Wicht. Doch wenn ich den Blick aufs Ganze kehre, wer ist schuld an dieser Mordaffäre. wer entflammte das Verbrechervich? Die fff Sozialdemokratie! Täglich hetzet sie mit rohem Spotte fort den Mensch von Obrigkeit und Gotte, treibt die Massen zu dem doch nichts nützenden Ansturm auf dem Geldschrank der Besitzenden. Ebert ist's, der diesen Samen hütet, bei Gallien sieht man ihn ausgebrütet. Ha! ich sag' es kühn: Du Heuchler grab bist der Schuldige der Meuchlertat. Mensch, entsage drum den Umsturzplänen, Sozialisten werden zu Hyänen, mausen Obst, und wenn es ihnen paßt, dann� erschießen Hindenburg sie fast. Zum Groß-Serliner verkehrselenö. Die Angestellten und Arbeiter der A.- E.- G.- F a b r i k e n Hennigsdorf beschweren sich schön feit Jahr und Tag, daß die Beförderung der Menschenmasscn morgens und abends in einer Weise vor sich geht, die jeder Beschreibung spottet. Es müssen für die A.-E.-G.-Fabriken früh zirka 7000 Arbeiter und Angestellte befördert werden, dazu koirunen für Tegel und Eichbornstraße noch nundestens- 2006 Personru. Für d ire.ss 900 0� Personen st ehe» drei Züge zur Verfügung, ab Gesundbrunnen 5.49. ab Sletiiner Bahnhof öi>6 und 6.30 vormittags. Bei �Erkämpfung der Plätze wird keinerlei Rücksichl ge- nommen, dadiirch entsiehl jeden Morgen Zank und Streit. Sind die Ableile nun vollgestopft, bei gewöhnlichem Weiter durchschnittlich 20— 2 2. Personen, bei Regenwetter ein halbe» Dutzend mehr, besetzt der Rest die Trittbretter und B r e m s c r h ä u s che n. Gefahr, für Leib und Leben und Zu- sammenslöße mit den Bahnbeamten sind die Folge, die auch schon handgreifliche Erledigung gefunden haben; daß das zur besseren Verständigung der Volksgenossen dient, wird niemand behaupten wollen. Borschläge, um diese Uebelstände, wenn auch nicht ganz zu be- seitigen. so doch wenigstens abzuschwächen, sind gemacht und in die Praxis umzusetzen versucht worden, aber leider stets ohne E r f o l g. Einmal war es Kohlenmangel, dann fehlten Maschinen usw. Diele Mängel sind aber, wie der Augenschein lebrt, b e- hoben und es ist nicht besser geworden. Geschehen 8� Segen der Eröe. Roman von Knut Hamsun. Und nun kam also dieser kleine Ludenjüngling von Storborg, dieser Andresen, er kam Sonntags nach Sellan- raa, und Inger wurde darüber nicht erregt, durchaus nicht, sie wollte, nicht einmal selbst mit einem Tops Milch zn ihm hineingehen, und da die Magd nicht zu Hause war, schickte sie Leo-poldinc mit der Milch. Und Leopoldine trug ja auch den Topf Milch recht nett hinein und sagte„Bitte!" und wurde rot, obgleich sie doch ihre Sonntagskleider anhatte Und nichts an sich, dessen sie sich zu schämen gehobt hätte.— „Danke, das ist allzu gütig," sagte Andresen.„Ist dein Vater zu Hause?" fragte er.—„Jawochl, er ist draußen irgendwo." �— Andresen trank, trocknete sich den Mund mit dem Taschen- tuch ab und sah nach der Uhr.„Ist es weit bis zu den Grit- den?" fragte er.—„Nein, es ist kaum eine Stunde,"— ,Zch soll hinaus und sie mir für Aronsen. bei dem ich angestellt bin, ansehen."—„So."—„Ja, du kennst mich doch. Ich bin. der Ladendiener bei Aronsen: du bist schon bei ims gewesen und hast eingekauft."—„Ja."—„Ich erinnere mich deiner ganz gut. du hast zweimal bei uns eingekauft."—„Das ist mehr, als ich ertvarten konnte, daß Ihr Euch meiner erinnert." sagte Leopoldine, dann aber waren ihre Kräfte erschöpft, sie ging und holte sich einen Stuhl. Andresen jedoch hatte noch Kräfte übrig, er fuhr fort:„Warum sollt ich mich nickt mebr an dich erinnern?" Und weiter fragte er:„Kannst du nicht mit mir in die Berge gehen?" Allmählich wurde es Leopoldine ganz rot und sonderbar vor den Augen, der Fußboden sdshxinkte unter ibr, und der Herr Ladendiener Andresen sprach wie aus weiter Ferne: „Hast du keine Zeit?"—„Nein," sagte sie. Gott weiß, wie sie wieder hinauskam in die Küche. Die Mutter sah sie ab und fragte:„Was fehlt dir.denn?"—„Nichts." Nichts, o nein! Aber seht, jetzt war Leopoldine an der Reche, erregt zu werdest, nun begann der Kreislauf bei ihr. Sie war ganz geeignet dazu, rund und hübsch und neukon- firmiert, sie gab ein schönes Opfer. Ein Vogel zwitschert in üirer Brust, ihre Hände sind wie die ihrer Mutter voller Zärtlichkeit, voller Weiblichkeit. Konnte sie yicht tanzen? .Jf O doch. Es war ein Wunder, wo sie es lernten, aber sie lernten tonzcn ans Sellan raa, Sivert konnte es. Leopoldine konnte es, ländliche Tänze, ein kräftiges Drehen und Wen- den. Schottisch, Mazurka, Rheinländer und Watzer. Und warum sollte sich Leopoldine nicht auch putzen und verliebt sein und mit offenen Augen träumen? Genau wie andere. Als sie konfirmiert wurde, lieh ihr die Mutter ihren goldenen Ring: sie hielten das nicht für Sünde, es war kein sündiger Gedanke dabei, es war nur hübsch, und am nächsten Tag, als sie zum Abendmahl ging, steckte sie übrigens den Ring erst an, als alles überstanden war. Sie konnte wohl mit einem goldenen Ring am Finger vor dem Altar stehen, sie war die Tochter eines mächftgeü Mannes, des Markgrafen. Als der Ladendiener Andresen wieder vom Berg her- unterkam, traf er Jsak an und wurde ins Haus geladen. Er bekam Mittagessen und Kaffee. Alle Hausbewohner waren setsi in der Stube versammelt und nahm er teil an der llnter- Haltung. Ter Ladendiener erklärte, Aronsen habe ihn hin- anfgeschickt, er solle einmal untersuchen, wie es mit den Gru- ben stelie, ob Anzeichen zu merken seien, daß der Betrieb und die Arbeit wieder anfgenommen würden. Goft weiß, der Herr Ladendiener schwindelte� vielleicht gewaltig, wenn er sagte, er sei geschickt worden, vielleicht hatte er den Gang auf eigene Rechnung gemacht, und jedenfalls konnte er in der kurzen Zeit, die er weggewesen war, nicht bis an die Gruben hinausgekommen sein.—„So von außen kann man nicht sehen, ob die' Gesellschaft wieder ansangen will," sagte Jsak. Nein, das räumte der Ladendiener ein. aber Aronsen habe ihn nun einmal heraufgeschickt, und es sei ja auch wahr, vier Augen sähen mehr als zwei. Aber nun konnte sich Inger nicht mehr halten, sie fragte: „Ist es wahr, was die Leute sogest, daß der Aronsen ver- kaufen will?"— Ter Ladendiener antwortete:„Er spricht davon. Und ein Mann, wie er, kann tun. was er will, er bat das Geld zu allem."—„Na, hat er wirklich so viel Geld?" — erwidert der L a den di euer und nickt,„daran fehlt es nicht."— Wieder kann Inger nicht schweigen, sie fragt:„W-'s will er wohl für das Gut?"— Doch jetzt greift Jsak ein, er ist vielleicht noch neugieriger als Inger, aber der Gedanke, Storborg zu kaufen soll nun einmal durchaus nicht von ihm herrühren, und so tut er. als ob ibn das gar nichts anginge. Er sagt:„Weshalb fragst du denn. Inger?"—„Ach, ich frage nur so," erwidert sie.— Beide sehen gespannt den- Laden- dichter an und warten. Endlich rückt er mit der Antwort heraus.-- Er spricht sehr zurückhaltend, Hon dem Preis weiß er nichts, aber er weiß, was Aronsen selbst gesagt hat, daß Stör» borg ihn gekostet habe.—„Und wieviel ist das?" fragt Inger, denn sie vermag nicht zu sckstveigen und den Mund zn halten. —„Seckizehnhundert Kronen," erwidert der Ladendiener.—• „Ach so!" Inger schlägt sofort die Hände zusammen, denn wenn die Weiberleute etwas nicht haben, so ist es, in Be» ziehung auf Güterpreise, Witz und Verstand. Aber sechzehn- hundert Kronen sind nun einmal keine kleine Summe hier im Oedland, und Inger hat nur eine Angst, daß sich nämlich Jsak dadurch abschrecken lassen könnte. Aber /Jsak ist uner- schütterlich wie ein Fels und sagt nur:„Das machen dts großen Häuser."—.Ja," sagt auch der Ladendiener Andre- sen,„das machen die gewaltig großen Häuser." Kurz ehe der Ladendiener geht, hat sich Leopoldine zur Tür hinausgedrückt. Es ist höchst sonderbar, aber es kommt ihr ganz unmöglich vor, ihm die Hand zn geben. Sie hat indes einen guten Platz gesunden, sie steht in dem neuen Stall und schaut zn einem der Fenster hinaus. Sie trägt ein blau- seidenes Band um den Hals, das hatte sie vorher nicht gehabt, und das merkwürdige ist, daß sie Zeit gefunden hat, es UMFU- binden. Da geht er vorbei, er äst etwas klein und rund, mit flinken Behren, hat einen blonden Vollbart und ist acht bis zehn Jahre älter als sie. Er ist nicht uneben, sollte'ie meinen. Spät- in der Nacht zwischen Sonntag und Montag kamen dif Kirchgänger wieder zurück. Alles war gut ge- gangen, die kleine Rebekka hatte auf der Heimfahrt während der letztn Stunden geschlafen, und sie wurde auch schlafend aus dpm Wagen gehoben und ins Haus getragen. Sivert hat viel Neues erfahren, aber als die Mutter fragt:„Was gibt's denn Neues?" sagt er nur:„Oh. nichts Besonderes. Der Axel hat eine Mähmaschine und einen Reolpflug."— „Was du sagst?" ruft der Vater mist großem Interesse.„Hast du sie gesehen?"—„Ja. ich hob sie gesehen, sie standen auf der Lände."—„So. deshalb ist er also in der Stadt ge- Wesen!" sagt der Vater. Ilnd Sivert sitzt dick geschwollen von besserem Wissen da, sagt aber kein Wort mehr. Mochte der Vater glauben, Axel sei in die Stadt ge- fahren, um eine Mähmaschine und einen Reolplfug zu lausen: auch die Mutter sollte das nur glauben. Ach. aber keines der beiden Eltern glaubte das wirklich, sie hatten auch mtmkeln hören, daß das mit einem neuen Kindsinord in der Gegend zusammenhing.—„Geh du jetzt nur zu Kettl* jagt per Loter schließlich.(Forrs. jolgt.) muh aker etwas. Cs bildet siiü immer mebr die Meinung in den Massen, doh nichts geschehen soll und das darf nicht sein, auch der Geringne im Volke muh �durch Taten sehen� daß Kräfte am Werke sind, die seine täglichen Sorgen und Schmerzen der- st ehen und der suchen die selben zu lindern und zu beseitigen. Von der Eisenbahn-Verwaltung wird nun der Einwand er- loben, dah nicht mehr Züge gefahren werden können, weil der Sletliner Babnhoi den Verkehr nicht bewältigen kann und weil die Strecke nur bis Tegel zwei Gleise bat. Wie weit das Erste zu- trifft, weih ich nicht, da« Zweite stimmt, bedingt aber nicht, dah nun beide Ilebelstäfide b c st e b e n bleiben müssen. Ist erst emer beieitigt, dann findet sich auch für den anderen Rat. Die Hauptsache ist, e« wird überhaupt erst mal mit der Beseitigung der Anfang gemacht und dazu möge folgender Vorschlag dienen: Dem aufmerksamen Beobachter ist es bekannt, dah wir in der Industrie einer Arbeitslosigkeit entgegengehen, die alles bisher Gewesene in den Schalten stellen'wird. Staat und Kommune sind aber verpflichtet, beizeiten für Notstands- arbeiten zu sorgen und nicht erst dann Projekte zu machen, wenn die Tatsache besteht. Der Ausbau deSzweitenGleiies von Tegel nach Hennigsdorf ist dringendste? Bedürfnis, man fall nicht zögern, damit zu beginnen.' Die Schwierigkeiten sind nicht unüberwindlich. Das Gelände ist aünstig. der zur Dammichütlung erforderliche«and liegt hinter Tegel zu beiden Seiten der Strecke, ich möchte behaupten, in auZreichenddr Menge. Zum Anfang stehen am Bahnhof Tegel Hunderte von Kippwagen �mit den dazu gehörenden Schmalspur- aleisen. Hacken und Schippen sowie die Werkzeuge zum Holz- fällen nehme man aus Heeresbeständen. Wenn sich non unseren jetzt vorhandenen Arbeitslosen ö Proz. finden, die Ge- fallen an dieier Arbeft finden, dann kann es losgehen und dre Ar- beiislosenunlerstützungen, die setzt nutzlos ousgeaeben werden, finden ihren Niederichlag in einem b l e i b e n d e n.Wert, und der Arbeiterschaft im allgemeinen wird gezeigt, bier wird etwa? für Euch getan! Auher der Ha Del brücke find nur zwei k l es n e� e Brücken zu verbreitern, eine über da? Herms- borfcr Flieh und eine über die Chaussee- Tegel-Velten, ohne Rücksicht aus diese Brücken können die.Erdarbeiten ausgeführt werden. Tie Hauptsache ist, es werden üöerbaupt solche Arbeiten erst mal in Angriff genommen, um dem Elend und der Not entgegen- zutreten und zu zeigen, dah eine soziale Politik getrieben werden 'all. denn setzten Endes ist ja seder Steuerzahler an den Arbeits- losenunterstützungen intereifiert! 2. Das ganze Projekt hier zu erörtern würde zu weit führen, di"e Zeilen sollen nur ein Hinweis sein. Mängel zu beseitigen und der bestehenden und kommenden Arbeitslöfigkeit zu begegnen. P. I. "er Ausschuß zur Vorbereitung der Magistratswahlen hielt am gestrigen Dienstag seine erste Sitzung ab. Er befahre sich zunächst in lungeren Erörterungen mit der grundsätzlichen Frage, ob der Magistrat des neuen Berlin nur aus besoldeten r der aus besoldeten und unbesoldeten Mitgliedern zu bestehen habe. Mit Rücksicht darauf, dah über die Frage, ob es zulässig ist. dah der Magistrat nur aus besoldeten Mitgliedern bestehen könne, zw.- j ii.r i st i s ch e G itgchcen verschiedener Richtung vorliegen, wurde brich. osfen. die Enticheidung solange auszusetzen, bis den Mit- glwdenr des Aüstchuffes diese Gutachten zum näberen Studium ausgehändigt sind. Es wird daher ein Beschluh über die Zuiammxnietzung des zu- knnfugen Magistrats erst in der voraussichtlich kommenden Woche stattfindenden nächsten Sitzung geiaht werden. Zur kkouttnunalistcrung der Müllabfuhr. Einer der zur Kvmmunalifierung überreifen B-triebe fit die Müllabfuhr Groh-Berlins. die aber vor dem Kriege r�-i den damaligen kommunalen K assenparlamenwn mit allen Miiteln verhindert wurde. ftn den Krieqsiahrcn wurden aber diele Vorortgemeindcn gc zwunaen. da die Privalumernchmer nicht in der Lage waren, ihren V-rpslichtungen nachzukommen, den Betrieb in eigene Regie zu übernehmen. Doch als Dezernenten waren sebr oft Jnter- essenten der Hausbesitzer dw nun zu bcweiien suchten, dah der Regiebetreb unrentabel ist. Ein Musterbeispiel dafür ist die Müllabfuhr Lichtenderg, a'? deren Dezernent der Stadirat Fischer zeichnet. Dieser Herr ist eine führende PersöiUichkeit in dortigen Hausvesitzerkreisen und bat deshalb ein großes Interesse, daran, die Ausgaben des HauS- besitzes so niedrig wie möglich zu halten. In der Sitzung der Betriebsräte der kommunalen Müllabsuhr betriebe Grvh-Berlins wurde dazu berichtet: Für einen löst Literkasten zahlf der Lichtenberger Hausbesitzer 2.40 Mk., während oer 200 Lite rt asten bei Einzel» abbolung i n T e IN p e I h o f L Mk. kostet. Ter Preis verringert sich auch im Abonnement nicht unter 6 Mk. Wester sind zur Be- dienung eines Wagens ein Kutscher und ein Schaffner erforderlich. Tn Lichtenberg wird aber Fuhrwerk und Kutscher von einem Privatunternehmer für täglich 150 Mk. gestellt, Kästen, 2 Mitiabrer Und das weitere Personal, das zum Abtrans pari des Müll? notweirdig ist, stellt die Stadtverwaltung. An baren Ausgaben für den Fuhrwerksbesitzec und die beiden Mitfahrer werden 150 Mk. und> 7S,40 Mk, das sind 228.40 Mk. täglich oezablt und Einnahmen sind vorhanden, 80 mal 2,40 Mk. das sind 102 Mk.. so dah sich hier eine Mindereinnahme von 10 00 Mk. für ein Gespann ergibt. Hinzu kommen nun noch die Ausgaben für Matcrialanschafsung und Reparatur, für Plätze oher weiteren Abtransport. Es wird Aufgade der Stadtverordneten. sein, diesen eigenartigen Regiebetrieb einer persönlichen und fach» lichen Reinigung zu unterziehen. Ein neues Lieü�swerk der englischen Quäker. Ein Erholungsheim für Kinder und Jugend- I i ck> e ist bei Klein- Machnow auf dem Gelände des trüberen SeemannS-Erholungsheims vor einigen Tagen eröffnet worden. T>« Stadt Berlin hat das Grundstück samt den Gebäuden auf ein Jahr gepachtet und den Quäkern zur Verfügung gestellt. Den Be- trieb deS HeimS haben die Quäker selber übernommen. Gestern wurde die schön gelegene Erholungsstätte besichtigt von Damen und Herren, die in der Berliner Kommunalverwaltung und in der Jugenüpflege tätig sind. Bon Mitgliedern des-Magistrats waren Bürgermeister Rcicke, Stadlichulrat Fischer. Sladtkämmerer Boeh und Sladrai Sassenbach gekommen. Die Führung durch das Heim übernahmen die Heimoberin Frau v. Heideilkamp und Direktor Häuhler vom Berliner Iugcndpflegeamt. Die ganze Anlage ist mit ihren stattlichen Gebäuden und dem sie umgebenden prächtigen Park, mit ihren Einrichtungen für Waffer- und Sonnenbäder, für Liegekuren, BewegungSipiele und Turnübungen in hohem Mahe zu einem Erholungsheim geeignet. Dazu kommt eine ausgewählt gute Ernährung, deren Kosten die Quäker durch bedeutende Zuschüsse decken. Im ganzen sind in dem.Heiin 100 Kinder untergebracht, unentgeltlich 60 Knaben und Mädchen von 6 bis 14 Jahren und gegen Zahlung von 5 M. pro Tag 40 Mädchen von 14 bis 18 Jahren. Die Selbstkosten pro Kind und Tag betragen natürlich ein Mehrfaches von 5 M. Ausgewähll werden die Pfleglinge unter Mitwirkung teils der Schule und ihrer Agrzle. teils der Heil- und Pflegeanstalten, die genesende Kinder entlassen. Die Ausnahme im Heim hängt ab von dem körperlichen Zustand der Kinder und von den Einkommensver- hältniffen der Eltern. Leider muhte die Pflegedauer auf 6 Wochen beschränkt werden, damit der Heinraufeuthalt einer mögtichst großen Zahl Kinder zuteil werden kann. Zu de« Millionenschiebungen wir salsKen Ein- und?lu?flc?r- bewilligungen erfahren wir noch, duz das Haupt der Fälscher- gesellschaft, der Vorsteher Ringel, mit einem- großen Vermögen, man schätzt dies auf etwa 30 M i l l i o n en Mark, über die Kolländische Grenze entflohen ist. Die Untersuchung gegen weitere Personen fft noch im Gange. Sie dürste zu neuen Festnahmen führen. Der in Berlin festgenommene Provisionsreisende Paul Söndgerath stand in enger Verbindung mit dem flüchtigen Vor- steber Ringel. Auch Söndgeratih trug sich bereits mit dem Plane, nach dem Auslände abzudampfen. Von einem Freunde, einem Ju- welier aus Neukölln, hatte er einen Reisepaß erhalten, den er, da die Persvnenbeschreibung ziemlich auf ihn paßt, für sich verwenden wollte. Er wollte nur noch das Bild des Juweliers mit seinem eigenen vertauschen und den Stempel auf der Photographie nach- machen lassen. Er wird dem Kölner Amtsgericht vorgeführt werden. Hezirksverbanü Groß-Serlin S. p. d. mit der Tagesordnung: Die wachseaöe Lebensmittelverteuerung unü ihre Ursachen. heute, obenös 7 Uhr: Pahensiofer Ausschank(V.oSbraüerei), �idicinstf. 2 8. deutscher Hos. Luckanev Str. 15. Musiker Vereinshaus, Kaiser-Wilhelm-Str. 31. Berliner Bockbrauerei, Ehaufseestr.<*4. Prachtsäle des Ostens, frankfurter Allee-VI. Charlottenburg. Volkshaus, Nosinenstr. 4. Referenten sind die Gcnoffen: Barth, Heller, Fendel, Rüben, Tr. Löwe und Weide. Einen Revosvrransckilag»of fei«? Ebefrou machte in der Trunkenbeit der 41 Jabre alte Schneider Franz Heim aus o«r Karlstr. 46. Heim hatte Montag vormittag eine Kneipto'ir unternommen, von der er abends stark angetrunken in fein La dem- geschärt zurückkehrte. Als er dann mit feiner 26 Iabre allen Ehc irmt in einen Streit geriet, griff er nach seinem Revolver und gab drei Schüsse auf sie ah. Zum Glück hatten die Kugeln, die alle drei trofen.f e in e allzu schlimme Wirkung. Fr.ru Heim hatte, al? ibr Mann auf ihren Kopf zfelw. die Hände oor das Geficht»nd so per! etzt-w d>c Heiden ersten Schüsse ikre Hände, hjne Kiioel hlteb in der Hanldf selbst stecken. Das dritte Geschoß drang ihr in den Mund, zerschlug einige Zähne und trat dann am' Raseitbein wieder heraus. Ngch der Tat stellte sich Heim selbst einem Polizei Wachtmeister, de« Cr>« der Trunkenheit erzählte,' dah cr leine Fra» habe totschießen wollen. Späier, als er Wieder klarer bei Verstand war. gab er an, nur in die fferirtf' gez>elt zu haben. Heim wurde f« zzgft bebakten. Die Freu find Aufnahme in einem Krankendaus. Erlebniffe eine? Arbeitfuchendc« ouf d'r Polizefwache. llfin seit Januar arbeitsloser Hausd'ener, der keine Arbeitslosen» Unterstützung bezieht und infolge seine? epileptischen Leidens schwer Arbeit findet, suchte Reisenden beim Gepöckkrägen' behilflich zu lern. Bei dieser Gelegenheit wurde-er am Freitag abend sistiert, aber wieder entläffen. Am Dienstag vormittag fiichie er ffch wieder auf diele Weile einen kleinen Verdienst zu verschaffen, wurde dabei von einem Babnbeomten vom Perron verwiesen und von zwei Beamten zur Babnbofswache gebracht, daselbst beschimpft und tätlich angegriffen: sodann von zwei Sicherheitspolizisten aelnebelt wie ein Schwerverbrecher nach der Polizei- wache in der Wilbelmstraßc gebracht. Die Behandlung aus den Wachen hat, wie wir uns heim Bestich d�s Perbaftelen auf der Redaktion überzeugen konnten, durch Anschwellung des Ac- sichts und der Handgelenke sichtbare Spuren hinterlassen. Human kann sie gerade nicht genannt werden. Das Kuratorium der Selmar-Solmib Stiftung hat in einer Sitzung vom 0. d. M. beschlossen, folgende Preisaickgaben zu stellen: 1. ES soll an dem Material einer städtischen Heimstätte. Waisenanstalt oder eines Berliner städtischen KpznkenkauseS bzw. Irrenanstalt oder a« dem Material deS Krankenhauses der Iü- dischen Gemeinde bearbeitet werden, wie sich im Zeitraum vom 1. April 1015 bis 1. April 1020 die Ernährung der Pfleg- linge in medizinischer und ökonomischer Hinsicht gestaltet«. 2. Welche Erfahrungen in der Wundbehandlung lassen sich aus der Kriegszeit zweckmäßig für die FriedcnSchirurgi« ver- werten? Die Frage soll vom medizinischen und ökonomischen Gc- sichlspunkt bearbeitet werden. 3. Ein an Tuberkulose leidender verheirateter Mann soder Frau) mit 2 unmündigen Kindern mit einem monatlichen Einkommen von 1000 M. wird gebessert entlassen. Welche Rat- schlage erteilt ihm der Arzt in bezug auf die seiner Genesung förderlichste Perwendung seines Einkommens? 4. Di« Strahlenbehandlung der bösartigen Geschwülste. Die Einreichung der Arbeilen bat bis l. Juli 1021 zu erfolgen. Als Preis für jede Aufgqbe ist der Betrag von 2000 Mark ausgesetzt worden. Tie juristische Sprechstunde findet heute nicht von Z bis 6 Uhr, fondern von bis 7 Uhr statt. Ter Bau des Lichtenberger Arbeitsamtes. In der Lichtenberger Stadtverordnetenversammlung am Donners- tag wird übn die Schaffung eines eigenen Gebäudes für daS städtische Arbeitsamt beraten werden. Die durch Raummangel bedingte Unterbringung der einzelnen Dienststellen des Amtes in verichiedenen Gebäuden verursacht einmal eine Erschwerung des ZuiammenarbeitenS, dann aber find durch das Belegen mehrerer Turnballen der Schulen in der Markt-, Holtet- und Lückstrahe mit Abteilungen de« Amte« dies« dauernd dem Turn- Unterricht entzogen. Die Stadtverordnetenversammlung beschäftigte sich am 20. April d. I. schon einmal mit dieser Vorlage. Damals wurde die Prü'ung der Fragen beschlosten, ob noch der Eingemeindung am 1. Qktober das Gebäude noch erforderlich sei, und ob etwa zu diesem Zweck das Amtsgerichtsgefängnis zu einem BureauhauS umgebaut werden könne. Beide Fragen sind inzw'schen dahin beantwortet worden,, dah auch nach der Ein- gemeindung die Notwendigkeit des Arbeitsamtes zu bejahen sei, und dah das AmtsgerichtSgeiängni« nach Prüfung durch die zu« ständige Verwaltung und durch die Hochbaudepulalion al« nicht geeignet für den Umbau bezeichnet werden mühte. Dann wurde noch in Erwägung gezogen, die städtische G e m L I e h a l l e in der Frankfurter Allee für Zwecke deS Arbeitsamtes umzubauen, doch hat die Ausarbeitung des Projekts ergeben, dah sich die Kosten deS Umbaue» nicht wesentlich geringer als die für einen Neubau stellen würden. Endlich wurde auf Anregung Berlin« mit der Ge« meinde Friedrichsfelde die Frage geprüft, ob da« Arbeitsamt nicht in einem der dortigen Neubauten untergebracht werden könnt». Abgesehen von den Unzulänglichkeiten, die eine Verlegung des Arbeits- a m t e s n a ch Friedrichsfelde mit sich bringen würde. könnt« die Gemeinde geeignete Räume nicht zur Verfügung stellen. Der Magistrat hat sich deshalb erneut mit der Frage beschäftigt und dem Entwurf der Bauverwaltung zugestimmt. Diese sieht auf der Baustelle in der Schreiberhauer«lrahe ein zwei- geschossiges Vordergebäude und ein e i n g e s ch o s s i g e« Hintergebäude vor. und zwar im Massivbau, da die zum Massivbau benötigten Materialien zurzeit noch billiger find. als das Holz für den Fachwerkbau. Abgesehen von der Notwendigkeit des Baues an sich, ist auch die auherordentliche Arbeits- l o s i g k e i t für die Einbringung der Vorlage maßgebend gewesen. Die Kosten sind auf 000 000,— Mk. veranschlagt. Tie neue Wstdenbruchbrücke in Neukölln ist jetzt in der Lau- Ausführung soweit vorgeschritten, daß sie Ende dieses Dlonats dem allgemeinen Verlehr übergeben werden kann. Auch die werter nörd- lich gelegene Lohmühlenbrücke am Eingang des Neuköllner SchiffabrtskanalS in den Landwebrkanal sieht ihrer Bollendung im Lause des Monats August entgegen. Bei der im Bau befindlichen dritten Ueberführung, der Treptower Brücke, ist der Brückenbogen bereits geschlossen. Auch hier ist ein schnelles Fortschreiten der Ar- besten zu beobachten._ Grost-Berliner Lebensmittel. Berlin. 2 Pfund Frühkartoffeln(28»), ab Donnerstag 3 Pfund Kar lofcln(30a— c)._ Groß-Serliner parteinachrichten. Heute, 21. Juli: Krudpe Qsten IZ.(Abteilung 10—22) Mit Rücklicht aus die heuti- gen Versammlungen findet die Funktionärsihung um 5'/, Uhr bei Pulste, Richthosensrr. 29, statt. Morgen, 22. Juli: 2. Ab».?>/, Ubr Wttgtiederoersammlung bei Schirm. Tha-Iotten- strafe 7»8. Fortt-tzung der letzte» Ver'ammlung 10. Abteilung. 7 Uhr Sitzung sämtlicher FunNionäre im Zefchen'cal der Schule. Rcichenbe-ger-, Eck« Forster Swahe. «in Htlfedund für deutsche Muiitdftege ist in der Tingakademie von Mitgiiedern und Freunden der»Vereinigung zur Förderung deutscher Muük und Musiler" gegründet worden. Er soll sich über ganz Deutschland ausbrelten. Dem Borstande loll ein Beirat von mindesten« 30 Mitgliedern aus allen größeren Vunkllädten Deutschlands zur Seite stehen. GejchästS-, stelle: Berlin W 62, Schillsir. 9. Mus aller Welt. Filscher und Schieber. Die Kölner Kriminalpolizei verhaftete jn leyler Zeit eine Reihe Personen, weil sie versuchten. g e s ä t s ch l e E, n- u n v A.«« s u h r s ch e i n e zu hohen Preisen zu verkaufen. Einer der Betrüger wurde m oem Augenblick fest« genommen, al» er.gegen eme Vergütung von 2ä0 00A M. einen gc- fälschten Einsuhrjchei» verlausen wollte, auf dem ein Qbjekt v o n 8 ö M i l l i o n e n Mark eingeführt werden konnte.�- � In Hamburg ist man einem umsangreichen Handel mit gefälschten u ck e r b e z u g« i ch e t n- n aus die Spur gekommen. Als Verkäufer wurde der Bonboniadrikant S., in Wandsbeck wohnhaft, ermiitelt. der alle Scheine von Angestellten der Zuckerbezugsstelle Würz« bürg erhalten zu haben vorgibt. Er ha« ste mir einem Verdtenit von 200 M. für den Schein abgeietzl. Die Käufer haben große Mengen von einem hiesigen Großhändler, der die Fälschung der Scheine nicht kannte, abgehoben: Ein Käufer, der den Verbleib von zehn Zentnern Zucker nicht angeben wollte, wurde in Hast ge- nommen. Die Spur einiger Fälscher weist nach Duisburg. Sport. Soortvark Treptr«. Wir verweisen auf die heute gbend 6 llha statt findenden Radrennen der Vereinigung Treptower Rennfahrer-� Da« Programm verspricht guten Fliegersport. Insbesondere da« StundenmannschoftSsahren dürfte h.�ß umstritten werden..?-e Eintrittspreise. bewegen sich in mäßiger Gren.ze(3.bi« 5 Marks. Dlumpia-Radrennbalm. Ter Sonntag bietet sotgende Rennen: Ter Lrennabor Preis ist den Dauerfahrern vorbehalten und führt über die Strecke von 100 Kilometer in 2.Läufen von 40 und 60 Kilometer. Der Garbatv-Preis ist den Fliegern reserviert und führt über 1200 Meter(S Runden). ES sind dafür 10 Meldungen eingegangen. Der Görickc-Preis sZweisitzer- Prämienfahren) über 10 Runden, sowie der Dürkopp-PreiS (Vorgabefahren) versprechen ebenfalls guten Sport. Nenne» zu Grunewald. 20. Juli. t. Preis von Tetsäen- d o r s, 16 000 22, 1600 Meter. 1. Lorissa(Osw Mllller), 2. Weier kStaudinger). 3. Zwirn< Zarin). Tat.: sieg»Z:tO, Pl. 23, 81, 36 Ferner Uesen:'VicäutbuS Ui, Offenstoe(3), Dolde. Irene. Artemis, Monitor(6). Auer.— 2. T r a u m- R e n n e n. 22 000 M.. 1800 Meter. 1. Der Mohr �Zimmermann). 2. Minnesang(Filkendagen). 8. Mawavira,(Daneti. Tot.: Sieg 43: 10. PC 25. 37, 27. Ferner liefen: Friedenssürst(4). Tbor(5), T'tania(8), Mackensen.— 8. Sirten- Jagdrennen, 30 000 M. 4000 Meter. 1. Der Sogenannte(Kukulies), 2. EiderS Glorie (Pismorn, 3. Marmolata(Falke). Tot.: sieg 83:10. PC 21, 13. Ferner Uesen: Rheinprengen(4). Honoed(5).— 4. Mhdlinghoven- Rennen, 16 OOo M..>600 Meter. 1. Königin der Nacht(Zimmermanns, 2. Cbaicedon(Danet). 3. Zlmbas(O- Schmidt). Tot.: Sieg 49: 10. PC 13. 12. 13 Ferner liefen: Armada(4), Dalay Lama(3), Glück aus(6>, Glanz. Cenirisuqal, AposteC— 3. PodbielSki. Renne». 40 OCO M. 2600 Meter 1. Liebhaber(C. Schmidt). 2. Einspruch(Janek), 3. Orne (Zimmermann). Tot.: Sieg 50: 10. Pl. 20. 17. Ferner liefen: Pallen- derg(4), Crnc(5i.— 6. Gerantum-Rennen. Ehcenpreis� und 30 000 M 1 Eavoyard(Kranzlein), 2. Hnnding(Jzmenvi), 3. Stein» b-rger IScholz). Tot.: Sieg 34: 10, Pl. 15, 21, 18. Ferner Uesen: äluttic(4) Fips(6). Rene(5), El Diablo(anzcd). Kilbca(grf). Fusta» nella Eastle Brillant(angeh).- 7. S t- d i- n- A uS g l- i ch. 22000 N.. 28Uo'Mc!er. 1. Dronning Äühelmina(Blume), Ikarus(Eher). S. Cöa- iniffo(Bleuler). Tot.: Sieg 266: 10. Ferner Uesen; Givet(4), Luc st er(5), Mazaniello(8), Kranit. Anemone. Parad, Andersen. Heribert, Dterna. K t l b e a brach fich bei seinem Sturz eine Schulter. Der Hengst mutzte diejerhatb gelötet werden. Snefkasten üer Neüaktioa. geder tvr den Bricktostea bestimmten Anfrag« füge man»inen Buchstaben !lN»«ine Rummer bei. Brieflich« ütaKunfl wird nicht erteilt. Eilige«n. fragen trage man in der Juristischen Svrech stund«. Lindenftr. tz. 1. Kos Dar teere links, aar. Schrift stück« und LertrSg« stnb mitzubringen. Die jdristifche Sprechstunde findet heute nicht von 3 bis 6 Uhr, sonder« von 4>h bis 7 Uhr statt. Z. M. 4. Notarielle Beurlunduna ist nicht ersorderlich.— Papke. Teilen Sie dem Amtsgericht mit. datz Sie au« der Kirche austreten wollen. AtSdann muffen Sie fich nach Ablauf von vier Wochen und fpäteslen« inner kalb sechs Wochen persönlich aus dem Gericht zweck« Ausnahme der Austritlserklärung»infinden.— P.»». I. und 3. Ja. Maßgebend sind die MilitärverlorgunaSgesetze. die am 31. März 1920 in Krast waren. 2. Unter Umständen sa.— F. 2. 1878. 1. 90 M.; die üblichen 2. Unbekannt.— Gellbor«. Nein— Krauie. Wegen Raummangel« lasten sich Ihre Fragen bier nicht beantworten. Kommen Sie in unser» juristische Sprechstunde.— Jü. 100. 1. Ja. 2. An die Gemeinde, in der Jbr Schwiegervater wohnt.— 1.«. ISO. Zur Kündigung bedürsen Sie der Genehmigung des Mletseinignngsamls. Die Preis« und uns mcht be» iannt.— F. Z. 188. Wenden Sie fich an da« Reichsmwisterium es Auswärtigen, wo Sie alle« Nähere erinhren— fvd HO. "ie Ziehungen finden hatbjöhruch statt.— M. M. 100. Nein. Sriefkasten üer Expeüitioa. H. Konzack, Döber» N. L. Am Ausbleiben der Abendausgabe ist die Post Schuld. Wir haben Beschwerde emgereicht und vom 1. Juli ab nochgeliefert._ BSettcrausfichtcn für da» mittlere«orbdeuffchland bis Tonuerstag mittag. Zunächst vreliach heiter und etwa« wärmer, sdäter wieder, besonder» im Dslen, suucker bewoUl und im wesUtchen Küstengebiete oei schieden tluh etwas Regen. r Wirtsthast VöM Berliner Produktenmarkt. T mil ich festgestellte Preise der Berliner Produkbenbörse am M. Juli: Hafer per 1000 Kilogramm lolo 2600 M, ab Bahn, auf Ab adunst 2440— 2460 M. ab Station. Tendenz matter.— Nichtamtlich sind folgende Preise ermittelt, alles für 50 Kilogramm ab Station: Erbsen, Viktoriaerbsen 140— 185 M., gelbe und grün« Erbsen 110—140 M., Peluschken 73— 90 M.. Acker- bahnen 100— 110 M.. Wicken 70-�-90 M., Lupinen, blaue 43—58 Vf., gelbe 30— 67 M., Serradelle 35— 45 M.. Wiesen- b e u, lose neues 17— 19 M., Stroh drahtgr preßt 9— 9H M.. gebündelt 7— IVt M., Trocken schnitze! 56—58 M., Paten: Steffen 89—91 M.__ Ter erste Schlachtvichmarkt. In Mannheim wurde auf dem Schlacht- und Viehhof der erste Schlachtviehmarkt nach dem Kriege abgehalten und damit auch der erste in Teutschland, nachdem das badische Ministerium des Innern die KommunalverHände ermächtigt hatte, die öffentliche! Bewirtschaftung von B ob und Fleisch auszuheben. Ti--j rekior Fries eröffnete den Markt und betonte, daß durch die jebt' einsetzende freie Bewirtickiaftung jede Steigerung der Viehpreise vermieden werden müßte. Händler und Metzacr müßten sich an die bestehenden Preisvorschriften kalten. Ter Preisabbau wüßte mit allen Mitteln angestrebt werden.— ES waren 830 Rinder auf den Markt gebracht worden. Kleinvieh war allerdings noch nicht vorbanden. Ter Handel gestaltete sich l ebb a kt.«Leider � vrd nicht mitgeteilt, welche Preise sich gebildet haben. Ter Segen" deS freien Handels wird Km Volk ja nun auch beim Fleisch bald offenbar werden!' Warten wir eS ob.)' Neue Kohlenpreiscrhohungen. Die vorgestrige Mitgliederversammlung des rheiniich-westfälischen Kohleniyndikats beichloß, dem ReichSkohlenverband eine Erb öbnng der Koblenpreise vom 1. August vorzuschlaoen. Für den Monat Juni war zwischen den Zechrrtbesitzern und der Regierung die Vereinbarung getroffen worden, daß von der Lobnerhöbung von 7,30 M. für die Schi cht die Zechen 3 M. tragen, wäbrend die Regierung in Höbe der restlichen 4,30 M. Gut- schein« für den Bezug billiger Lebensmittel hergeben sollte. Für Juli wird von der Regierung di'ser Zuschuß in bar geleistet. Wenngle'ch wir für hin: Stabilisierung des Kohlen- Preise» eingetreten sind, weil ebne für längere Zeitspannen festgelegte Robstoffpreise keine sichere Kalkulation' der Keriigfabri» kate sich ermöglichen lasten wird, so halben wir dock die hier ge- troffen« Beteiligung deS Reichs an den Lasten angegriffen, weil sie aus die Erträgnisse der Zechen kein' Rücksicht nimmt. Wir haben gefordert, daß die Gewinne der Zechen, die die vor» male Kopitalverzinfung überschreiten, dem Reich zufallen als AuKgleich für die vom Reich geleisteten Sobnzuschüjse. Welch« Stellung die Regierung bei der bevorstehenden Erneuerung der Abmachung einnehmen Küvd, dürfte ja der iEeffentlichke.it in Kürze bekannt werden. Beginn de» Abbaue» der Kartofselprrise. Dem Beispiel der Landwirte in Lippe, die gemeinsam mit den Verbrauchern den von der Regierung festgeieyten Kortoffelprei» von 23 auf 13 M. kür den Zentner herabzusetzen beschlossen halben, beabsichtigen die Landwirte in der Soestcr Horde zu folgen. Die Preisprübungsstelle de» Kreise? Paderborn, in der Landwirte und Verbraucher sitzen, hat den Kartoffelprei» auf 16 bi» 18 Mark für den Zentner festgesetzt. Für freie Fischeinfuhr. Zum Verbandstag des Re«chsverban�ss der-deutschen' Fischkleinbändler betten Vertreter entsandt: der Landesverband de» bremischen Einzelhandel», der Deutsche See- ftschereiverein für Hochseefischerei scuo.e der Fischereigroßbandel von Geestemünde. Bremerbaven und Eurbav-n. Ter Geschäft«- fübrer des KlsinhandelSvcr�rndes, Paul Winkler(Berlin-Neu- kolln), verlangte Schlichtung der Ti'serenzen mit dem Großhandel an dem Wohnort des Kleinhändlers sowie Hastung ntr die Schäden durch Berzög'rung der Lieferungen durch die Großhändler. Nrebt da» Gewicht am Versandplatz, sondern da» am Liefe- rungsort soll maßgebend sein. Weiß-Berlin sprach für die freie Fischeiitfubr und Verbilligung der Ausland? fisch«, Verminderung des Risikos durch Beschleunigung der Transporte und BerhinKerunz von Eisenbahndiebstählen, Haftung der Eisenbahn für alle Schäden in ihrem Betriebe, Recht der freien Kalkulation im Rahmen der Friedenssätze. Tie amtlichen Indexziffern. In der letzten Zeit brachte die Presse mehrfach Anfragen, wann die Veröffentlichung der Ergeb- msse der amtlichen Lebens haltungs st atistik erfolgen werde. Wie das Reichsarbeitsmini st erium mitteilt, ist die Berechnung der Indexziffern bis zum Monat April ein. schließlich beendet. Die Veröffentlichung steht unmittelbar bevor. Ter Steuerschwindel auf dem Lande. Während A r b e i t er. A n g e st e l l t e und Beamte mit ihrem ganzen Einkommen durch den Steuewbznv. erfaßt werden, erfolgt die steuerliche Erfassung der ländlichen Besitzer, insbesondere mit ihrem Vermögenszuwachs und den K r i e g S g e- Winnen, in einer die S t e u e r m o r a l höchst bedrohenden Weife. Es soll auf dem Lande gang und gäbe sein, daß der ver- anlagende Steuersekretär gegen Entgelt, insbesondere in Naturalleistungen, selbst für die Bauern die Veranlagungen be- arbeitet, die er dann zu prüfen hat, und es wird von fachkun- d i g e r Seite bebauptet, daß sick? so schwere Schäden hier beraus- gebildet hoben, daß ein sebr gründliches Eingreifen des Reichs- sinanzministers dringend notwendig sei. Es wird für notwendig gehalten, daß die Leiter der Finanzämter dienstlich feststellen, welche Steuererklärungen auf diese unzulässige Art zustande gekommen sind. Erstauni'ches soll zutage gefördert werden können, wenn Nachprüfungen in den Kreisen Teltow und Niederbarnim usw., die einen so lebhaften Schieberverkebr mit Berlin unterhalten haben, angestellt würden. Festgestellt sollte werden, welch« steuer- Pflichtigen„Anschaffung e n" gemäß§ 8 Ziffer 4 deS Ver.- mögenszuwachssteuergesetze? gemaüt worden sind, andererseits sollen große Beträge gehamstert sc«», um sie der steuerlichen Er- rasfung zu entziehen. Warum macht man von der Beeidigung der Steuererklärung keinen Gebrauch, wo es doch so sehr darauf ankommt, daß jedermann nach seiner Leistungsfähigkeit heran- gezogen werden soll. Hierbei mag noch auf ein anderes, auch gerade beim ländlichen Grundbesitz in den letzten Jahren hervorgetretenes U e b e l hin- gewiesen werden. Unter dem Einflüsse der bekannten Verhältnisse — bohc Prei.se für londwirtschaftliche Produkte und gleich- zeitiges Bestreben, Hobe Kriegsgewinrte„unterzubringen" — sind für die Gu er ganz außerordentlich bohe, mitunter geradezu phantastische Kaufpreise gezahlt worden. Hier ist nun die- Unsitte eingerissen, zum Zwecke der S> e u e r e r s p a r n i s die Kaufiumme in den den Steuerbcbörden einzureichenden Verträgen wesentlich niedriger als wirtlich vereinbart anzugeben, um so einen größeren Te'l, wie der Termimi� tecbnien» lautet, ..unter den Tisch fallen zu lassen'. Auch hier ist den Steuerbehörden dringend anzuraten, namentlich in Anbetracht der ganz enormen unter den Tisch gefallenen Summen, von ollen ihr zu Gebote stehenden Machtmitteln, besonder» auch wieder Be« «idigunyen, Gebrauch zu machen. Von fetten der S i e u e r b« a m t« n werden gegen die Be- hörte aber auck sehr groß- Klagen erhoben wegen der völlig unzulänglichen Bezahlung der Tiätare, die in sehr großem Umfang die Arbeiten der S t e u e r s e k r e t ä r e zu machen hasten gegen eine völlig unzureichend« Entschädigung von 330 M. monatlich. Wie kann aas Reich aber erwarten, daß die Steuerbeamten unbestechlich hteiben sollen, wenn man sie als Diätare so schlecht entlohnt, daß sie sich selbst nickt eibalten können. Ferner muß festgestellt werden, daß von den Kandidaten, die sich zur Ausbildung als Steuerbeamte zur Verfügung gestellt und an den Lehrkursen teilgenommen hoben, die mit kauf- m ä n n i s ck e r Praxi? zurückgestellt und Offiziere sehr stark be- vorzuat worden sind, sicherlich zum großen Schaden der Steuer- erfassung. zu der Personal notwendig fft, daS selbst im G e- schästSleben gestanden hat und mit allen seinen Gehtimwegen oertraut ist. ---» Eine sinnlose Berschleuderung. Dem Friedensvertrag gemäß muß die Festung Wesel ge- schleif: werden. Die Art, wie da» geschieht, fordert den schärfsten Protest heraus und macht da? sofortige Eingreifen des Reichs fchaymini st er» notwendig, damit der sinnloten Zerstörung und schändlichen Räuberei, die nach einlaufenden Berichten dort erfolgen soll, bald ein Ende gemacht wird. Die Hyänen des Altmaterialhandels sind bort am Werk. Bor allem sollten die B a u st o f f e. die sich für den H e i m st ä t t e n b a u wieder ver- wenden lassen, vor der gewaltsamen Vernichtung geschützt werden. Wir hoffen, daß die Reichsbehörden die Schleifung der Festung als wirtschaftliche Aufgabe behandeln werden. Soziales. kein Hausgelö für Erwerbslose. Diesen Grundsatz hat da» Reichsversicherungsamt in einer jetzt veröffentlichten Entscheidung aufgestellt, die zwar nach dem Wortlaut der in Betracht kommenden gesetzlichen Bestim- mungen unanfechtbar ist, in dieser Zeit der Avbettslosigkeit aber die� Familienangehörigen der Erwerbslosen besonders hart trifft. Mit der Gewährung von Krankenhauspflege fällt bekanntlich bei arbeitsunfähig kranken Kassenmitgliodern das Krankengeld fort- An Stelle desselben soll gemäß Z 186 der ReichSversiche» rungsovdnung den Versicherten, die bisher von ihrem Ar- b e i t s V e rb i e n st Angehörige ganz oder überwiegend unter- halten haben, ein Hausgeld für die Angehörigen, in Höhe des halben Krankengeldes gezahlt werden. Rein wörtlich genommen. kann nach dieser Bestintmung ein Versicherter also nur dann die Gewährung eines Hausgeldes beanspruchen, wenn er vor de: Krankenhausbebandlung gearbeitet und aus seinem Arbeits- verdienst den Unterhalt seiner Angehörigen ganz öder über- wiegend bestritten hat. Diesen Standpunkt nimmt auch das ReichsverstcherungSamt ein. Es stellt in sesner Entscheidung fest, daß die Erwerbslosenunterstützung keinen Arbeitsverdienst im Sinne des Z 186 der RBO. darstellt, denn Arbeitsverdienst ist nach seiner sprachlichen Bedeutung der Verdienst aus einer Arbeit, also einer Entfaltung geistiger öder körperlicher Tätigkeit zu wirt- schaftlichen Zwecken. Anderer und eigener Art dagegen sind die Beträge aus dkr � Erwerbslosenfürsorge, die nach der Absicht des Gesetzgebers und den ausdrücklichen Bestimmungen der Verordnung allen arbeits- , fähkgen und erwcrbscwilligen Personen gewährt werden, die in- j folge de? Krieges in eine bedürftige- Lage geraten sind. Diese Beträge können daher nicht als Arbeitsverdienst gelten. Mag der ! Erwerbslose auch mit dieser Unterstützung vor der Krankenhaus- ausnabme Angehörige unterhalten haben, aus seinem Arbeit»- verdienst balte er es jedenfalls nicht getan, und damit, sagt das ReiätSversichcrungSamt, fehlt den Krankenkassen jede Mög- lichkeit, fiir- die Angehörigen von Erwerbslosen Hausgeld zu zahlen. In einer früheren Revisionsentscheidung hatte da? Reichsversicherungsamt die Worte„bisher von seinem Arbeit?» verldienst" dahin ausgelegt, daß der Versicherte unmittelbar vor seiner Erkrankung von seinem Arbeitsverdienst An- gehörige unterhalten haben muß. Nun trifft es ja nicht immer zu. daß der Versicherte sofort nach der Erkrankung, Krankenhaus- pflege benötigt. Tiefer Zustand kann bielmehr erst weit später, z. B. in der 20. Krankenwoche eintreten. In einem solchen Falle hat dann der Kranke auch nicht kurz vor der KrankenhauSaus- nahm« aus seinem Arbeitsverdienst Angehörige unterhalten, son- dern lange vorher. Damit unterscheidet er sich in nichts mehr von dem Erwerbslosen, der diefleicht noch 10 oder 5 Wochen vor der KrankenbauSbehandlung gearbeitet und aus seinem ArbeitSver- dienst den Unterhalt seiner Familie bestritten hatte. In An- lehnung an seine frühere Stellungnahme hatte also da! Reichs- oersicherungSamt sehr wohl das Hausgeld auch solchen Versicherten zubilligen können, die unmittelbar vor ihrer Erwerbs- losigkeit aus ihrem Arbeitsverdienst Angehörige ganz oder übevwiegend unterhalten hoben. Ta von der Entscheidung deS ReickSversicherungsamtes sehr viele Familienangehörige Erwerb»- loser schwer betroffen werden, und die Vorarbeiten zur Revision der ReichsversicherungSordnung noch längere Zeit beanspruchen, ist wohl zu erwarten, daß das Reichsversicherungsamt recht bald seinen Standpunkt zugunsten der Erwerbslosen ändert. Bis da- hin wird es notwendig sein, daß die Erwerbslösenfürsorge sich dieser Familienangehörigen annimmt. Gustav Wasewitz. 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Der„radikale" Kommunismus in Dentschiano.— 6. Sollen Aevolntionüre in reaktionären(Sewerkschaftsverbänden aideiien?— 7. Muß man sich an den bürgerlichen Parlamenten beteiligen?— 8. �„Keinerlei Kompromisse�.— 9. Der„radikale" Kommunismus in England.— 10. Einige Schiußsoigernnacn. Anhang: Die Spaltung der deutschen Kommunisten.— Die Kommunisten und die Unabhängigen in Deutschland.— Tnrati in Italien.— Falsche Schlüsse aus rrd>tigen Vorausseßungen. pre!» M. 4.— bessere Ausgabe. villigere Ausgabe M. Z.sg. In beziehen durch die vuchhaabluag der R. JJ. O.. AeafSlln, wgrthestr.«9, Arbeiterbuchhandlung, verlin, Annensfr. t, und durch alle vuchhandluagea. Zigarren Suche noch einige Dauer. adnehmer für Zigarren(keine Zigarillos) in der Preislage 420 bis i4SÜ pro Mille. Vi» und V», versteuert. 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Diese Bekanntmachung wird den Regierungrn in Warschau und Moskau amtlich zur Kenntnis gebracht. Auch Litauen neutral. Kowno, 20, Jiuli. Die litauische Delegraplieri-Agentur meldet: Das russische Radio-Telegrapbenliiileau berichtet aus Moskau vom 1?, CMi avermals. daß die litauische Republik zusammen mit den Rüsten geacn Polen gehe. D i c s c'M c! d u n g st i m m t mit den Do t sacken nicht überein, denn das litauische Heer besetz! nur die von den Polen befreiten«will rvobl beißen: von Polen gesäuberten. Tie Rech) Gebiete und verhält sich im übrigen in strenger Neutralität. i Sn heldenhafter(hberftaatsanwalt. Tie Hetze gegen deu Lberpräsidenten Hörsing., Seit einiger Zeit hat die reaktionäre Hetz- und Verleumdunzs- Mut sich den HPerpräsidenten der Provinz Sachsen, Genossen Hör- sing, zum H-pfer erkoren. Ter Grund ist sehr naheliegend: Ge. rw'se Hörsing teilt das Schicksal aller Beamten, die ihr Amt nicht nack den Wünichen der Teulschnationalen ausüben und deswegen in niedrigster Weise von unseren tugendhaften Reaktionären svste- matisch verleumdet, verdächtigt und beschimpft werden. Zunächst übernahmen diese„Patrioten" eine abgestandene Lüge, die von den Polen fabriziert war in der Zeit, als Genosse Hörsing noch Ober- schlesien als Staatslommissar verwaltete. Wegen angeblicher „Schiebergeschäfte" brachten sie eine kleine Anfrage im Landtag ein, die von den reaktionären Blähern der Provinz Sachsen be- gierig abgedruckt wurde. Da aber Genosse Hörsing diese Be oleum- dung sehr schnell widerlegte, mußte ein anderes Hetzmittel erfunden werden. Zu diesem Zweck haben sich die Teutschnationalen die Staat s- anwälte aus Meiningen und Jena zu Helfern erkoren, Turch sie soll nachgewiesen werden, daß Genosse Hörsing bei Aufrecht- erhaltung der Ruh« und Ordnung völlig versagt habe. Wie stekst es damit? Am 12. April ernannte die Reichsregie- rang den Overpräsidenten Hörsing zum Reichsregierungskommissar für die Provinz Sachsen mit Ausnabmc der Kreise Schleu- singen und Ziegenrück. Diese beiden Kreise wurden Ge- heimrat Holle in Gotha unterstellt. Einige Zeit später schickt« der trübere Landrot des Kreises Schleusingen, der demschnationale Herr Mangold, an den Oberpräsidentcn einen Bericht über die Zp- stände im Kreise Schleusingcn. Obgleich dieser Bericht so über- �trieben war, daß er fast an Unwahrheit grenzte, hielt der Oberpräsident es doch für richtig, eine Abschrift des Briefes an den Oberstaatsanwalt in Jena zu senden, wobei er bat, den crbvbencn Anschuldigungen nachzugehen. Ter Oberpräsident ging dabei von der Voraussetzung aus, daß der Overstaatsanwalt wissen mutzte, wer die vollzi-kende Gewalt im Bezirk aus- übt«. Ter Oberstaatsanwalt, der das auch sicher wußte, wandte sich nicht an Geheimrat Holle, sondern schrieb an den Obcrpräsiden- ren, daß seine Staatsanwälte alle mit Arbeiten überhäuft seien, er also keinen schicken könne.?>ber die Entsendung häti« auch keine» Zweck, da im Kreise Schleusingen„kein Richter seines Lebens sicher wäre". Also der„mutige" Oberstaatsanwalt wollte nich! und wandte sich auch nicht an die zuständige Behörde nach Gotha.. Inzwischen wurde der Belagerungszustand über Thüringen und den Kreis Schleusingen aufgehoben. Das ging dem Overstaats- anwalt gegen den Strich. FlugS fertigte et einen Bericht an den Justizminister an. Er sagte darin nichl, daß er selber sich nicht an die-zuständige Behörde gewandt, absolut nichts unter nom- m e n batik, sondern schwärzte den Oberpräsidenten Hör- sing an, obgleich der Löerstaatsanwalt lmißle oder wissen mußte, daß nickt der Oocrpräsident Hörsing, sondern Geheimrat Holle. vf Gotha zuständig war. Und nun kam das Tragische. Ter Justizminister hat den Be- richt an die Reicksregterung gegeben und diese verhängte über den Kreis Schleusingen den B c l a g e r u n g« z u st a n d und ernannt« am 29, Juni den Oberpräsidenten Hörsing auch für diesen� Kreis tum Regierungskommissar. Ter Oberpräsident war vollständig überrascht und konnte eS sich gar nicht erklären, warum über diesen i Kreis mit seiner mustergültigen Ruhe und Lrdnung der Belage- rungszustand verhängt wurde. Um sich aber jeden Vorwurf zu er- 'paren, sandte er sofort einen Kommissar nach Schleusingen und verlangte über die dortigen Zustände zenauen Bericht. Ter Kommissar hat an Ort und Stelle die Verhältnisse studiert, Vertreter aller Parteien und Behörden befragt und festgestellt, daß völlige Ruhr und Ordnung herrschte, und im ganzen Kreise Schleusingen nur«tue Meinung vorbanden war. nämlich daß die Berhängung des Belagerungszustandes tvciter nichts als grober Unfug war. Darauf setzt« der Obcrpräsidenl den Belagerungszustand nur formell in Kraft und als Antwort aus den ganzen deutschnatio- nalcn Schwindel beantragte er die A u f si c b u n g des Belagcrungs- zustandcs über die ganze Provinz Sachsen, also auch den Kreis Schldusingen. Das»st der wahre Saciw erhalt über den Kreis Schleusingen und auch iieer den Oberstaatsanwalt in Jena, den sich der Justiz» minister etwas näher ansehen sollte. Weshalb treibt nun die „Deutsche Tageszeitung" Mr. 33.0 vom 1s. Juli) und mit ihr alle deuischnationalen Blätter und BläUchen, ebenso alle Blätter der Deutschen Vvlkspartci Und leider auch einige rechtsdemokratische Blatter, diese Hetze gegen den Oberpräsidcnten Hörsing? Des Rätsels Lösung ist, baß der Overpräsident Hörsing eben Sozial- demokrat ist. Hörsing hat den„Fehler", den deutschnationalen Schwindel nick» zu glauben und ibn rücksichtslos aufzudecken, so die Fave! von der rown Armee, den Generalstre-l usw. Hörfing läßt den Unabhängigen Gerechtigkeit widerfahren, und das ist da» Furchtbare, daß er auck diese für Amlsvorsteher- und LandratSposten und andere Aemtcr für geeignet hält. Lbcrpräsidcnt Hörsing hat eine Reihe rcattionärcr Otsiziere. Landräte u'w., die eegen die Interessen der Republik arbeiteten, entfernt. Hörsing bat vi-?!« Hunder-e. rvciter, �die in den.Kappwirren in? Gefängnis kamen, nur ineii sie gcze» die Kappisten tämpftcn, au»[F. den Gesängnisse« entlasse n. Kurz, der Overpräjidcnr regiert nicht nach dem Geschmack der Deutschnationalen. Deshalb muß er als unrähig, als versagend hingestellt und mit allen Mitteln verleumdet und mit Schmun d--worfen werden! Die Verminöerung öer Reichswehr. Halbamtlich wird bekanntgegeben: Tie Reichswehr muß nach dem Vertrage von Spa zum 1. Oktober auf einhundert- fünfzigtausend Mann, gegliedert in zehn Reichswehrbri- gaden und drei Kavalleriedivisionen, zurückgeführt sein. Am 1. Januar 1921 muß die im Versaillcr Frieden vorgeschriebene Stärke von einhunderliausend Mann, gegliedert in sieben Infanterie- und drei.�avalleriedivisionen, erreicht sein. Tie Bildung der drei Kavalleriedivisisnen ist zurzeit schon durchgeführt. Tie sieben Jnfantcriedivisionaw- sollen in ibrer vertragsmäßigen Form bereits zum 1. Oktober dieses Jahres gebildet werden. Die füntzigtausend Mann, die vom 1. Oktober vis 81. Dezember 1920 noch beibehalten werden können, werden in weitere drei Reichswehrdrigadcn(zwei im Wehrkreis 3 und eine im Wehrkreis 4) oder in kleinen Forma- tionen, die den Divisionen angegliedert werden, untergebracht. Zum 81. Dezember 1920 werden auch diese mit den bestehenble'- vutden verschmolzen. Es wird bei der Verminderung enge- strebt, daß eine gleichmäßige Berringerung in allen Wehr- kreisen stattfindet, so daß eine Benachteiligung eines Truppen- teils nicht möglich ist. Uever die Art der Versorgung der ausscheidenden Reichswehrongehörigen schweben noch VerHand- lungen. « Der Entwurf zum Reichswehrgesetz liegt dem Reichs- rat vor. Die Beratungen beginnen in den nächsten Togen. Der Gesamtentwurf wird der am 26. Juli beginnenden Tagung des Reichstages vorgelegt. Dem veröienfte seine Kronen. Ter belohnte Reichswehrpoet. Die„Freiheit" beschwert sich, daß bei der„Spartakus-Abwehr- zentrale" der Reichswehrbrigade Ml ein„Dichter" in der Person des Unteroffiziers Willi Künzel beschäftigt wird, der dt« Reichswehr mit seinen poetischen Produkten verseuche und dafür dem Staat jährlich 23- bis 30000 M. koste. Wir müssen widersprechen. Herr Willi Künzel leistet der Regierung an dieser Stelle unschätzbare Dienste. Außer einem von uns schon einmal zitierten Gedicht, in dem der Treueid aus die Republik verspottet wurde, hat der damalige Gefreite Willi Künzel am 13. März bei Gelegenheit deS Kapp-Putsches ein Poem verfaßt mit dem vielverbeißenden Titel:.Gustav Noskc durchgebrannt, Ebert hin-terher gerannt." Da der Inhalt dem Titel durchaus entsprach und ein Triumphgesang auf den lvermeintlichent Erfolg des Äapp-Putsches war, so wurde das Gedicht von der Reichswehrbrigade IM gedruckt und an die Mannschaften verteilt. War es daraufhin nicht dringend geboten, diesen Mann zum Unteroffizier zu befördern und in. der Reichs- wehr zu belassen, wenn auch Hunderttausend andere entlassen werden mußten?! Sozialüemokratie und Diebstahl. Eine Anmerkung zum Hindenburg-Eiubruch. Obwohl das„Attentat" aus Hmtzenburg eine sehr harmlose Ausklärung gefunden hat, bleibt die reaktionäre Presse dabei, der Sozialdemokratie die Schuld an dem Vorfall in die Schuhe zu schieben. Ein Mensch mit iüns normalen Sinne» wird zwar nicht einsehen können, was die Sozialdemokratie damit zu tan hat, wenn ein Kirschcndieb sich unwi�senderineise in den Garten von Hinden- vnrg verirrt; aber nach der„Post" scheint es überhaupt kein Ver- brechen zu geben, an dem die Sozialdemokratie nicht schult» wäre. Sie tratscht ein Langes und Breites darüber, daß die Sozialdemo- tratie mit ihrer Gegnerschaft gegen das Privateigentum die Massen zu Raub und Diebstahl aufhetze, durch ihren Kampf gegen die christliche Kirche die Moral untergrabe usw. usw. Hierzu möchten wir bemerken: In den Lehren des Sozialis- mus eine Aufforderung zu Raub und Diebstahl erblicken kann höchstens, wer diese Lehre,» allein aus dem.Zerrspiegel der Reichs- vervandspresse kennt. Mit genau demselben oder vielleicht noch größerem Rechte wie die Sozialdemokratie könnte man Jesus Ebriftus und das Neue T e st a m e n t für alle Diebstähle und Plünderungen verantwortlich machen, denn das Neue Tcstainent Winwiclt von Verwünschungen der Reichen und t>eiftlucht' sie nach- drücklicher, als je ein Sozialdemokrat dies getan hat. Aber wenn die„Post" KlerikaHtsmus usid Orthodoxie(und nur diese, nicht die Religion als solch« bekämpft die Sozialdemo- tratie) für den besten Schutz gegen das Verbrechertum hält, so möchten wir fragen, ob der„Poit" die Ergebnisse der Krimi- nalstatistik gänzlich unbekannt sind. Ticjc hat für Deutsch- land bisher ergeben, daß iit st o ck! l c r i k a l en Gegenden (z. B. Oberbayern, Obcrpfalz) die Kriminalität am größten war, während Großstädte mit übenviegend sozialistischer Bcvölke- rung zum Teil in ihrer Kriminalität weit hinter dem Turch- schnitt standen. Vielleicht erinnert sich die»Post" auch, daß in dem„frommen" Süditalien, wo der Klerus die allergrößte Macht ausübt, das Räuber- und Banditenwesen noch heute in höhet Blüte steht, und daß es sehr„ftomme" Leute waren, aus denen sich die Maffia und Camorra zusammensetzten. Sie mißze uns nur einen einzigen Beleg dafür bringen, daß in klerikalen Ländern die Kriminalität geringer ist. als in sozialistisch fortge- schrittenen. Das Umgekehrte können wir an zahllosen Beispielen beweisen. Der Gemeinüevorfteher als öeutfchnationaler Wahlmache?. Von zllstänviger Stelle wird uns geschrieben:„Unter dieser Ueberichrift hat der„Vorwärts" vor einiger Zeit mitgeteilt, daß der Gemeindevorsteher Mottle des Dorfes Z a n z o w(Kreis Taatzig) eine deutichnationale Emladnng zu einem politischen Werbevoma� amtlich„An die bäuerlichen Wirte. Büdner und Mieter" des'Oms verbreiten ließ Wie inzwischen festgesiellt worden ist, gibt der Gemeindevorsteher die Richtigkeit der tatsächlichen Angaben des„Vorwärts" zu. er gibt auch zu, daß er nicht nur seinen Namen, iondern auch seinen Amtötitel unter das Schriftstück gesetzt habe. Indessen babe ihm eine Wahl- mach« zugunsten der deütichnationalen Volkspartei dabei ganz fern gelegen(?! Red.); er würde jeder anderen Partei gegenüber ebenso gehandelt haben. Ter Gemeindevorsteher ist vom Üandrat nachdrücklich darauf hingeioiesen worden, daß er zur Vermeidung jeden Verdachtes amtlicher Paneinabme richtig gehandelt hätte, wenn er die Detter- gäbe des Schreibens der Teutichnationalen Volksvartei entweder o a n, u»r! e r t a>> e n oder üe doch nur in rein privater F o r m, ohne Hlnzusügung des Amtssiezels und Amtsvtels, be- wtrlt hätte." Soliüaritätserklärung für tzue. fralle, 20. Juli. lTU.k Ter in Nvrdhaufen tagende Berbandstag der Bergleute der Kali-, Braunkohlen- und E i s.e n c r z g r u b c n der Bezirke Thüringen, Harz und Cassel faßte folgende Entschließung: „Wir stehen geschlossen hinter den Ausführnn- gen unseres Kameraden H n e in Spa. Wir versichern de« Völkern unserer regen Mitarbeit am Wiederaufbau der durch den Krieg verwüsteten Gebiete. Mit der internatio- nalen Bcrgarbeiterschaft werden wir wie vordem den internationalen Imperialismus bekämpfen. Der B c s e v u n g des Rnhmviers oder anderer Bergbaugebiete durch Ententctruppen stehen»vir geschlossen gegenüber. Ter Versklavung deutscher Arbeiter»verW wir„ns zn wider sc«en wissen." Um Stinnes. Amsterdam, 20. Juli. Im Unterhause wurde gestern gefragt, ob die englische Regierung nicht beabsichtige, die Aburteilung von Stinnes zu perlangen, da dieser für die Zerstörung der belgischen Bergwerke verantwortlich sei. Bonar Law erwiderte, es sei nicht beabsichtigt, weitere Namen auf bis Liste der„Kriegsverbrecher" zu setzen. Aus jeden Fall gehe die» Frage lediglich die belgische Regierung an. Uebrigens sei gegen Stinnes' Reis« nach Belgien kein Einspruch erhoben worden. Verhaftung im befetzten Gebiet. Mainz, 20. Juli.(Eigener Drabtbericht des„Vorwärts"). DuS Mainz meldet die„Volksstimme", daß dort durch die französische Geheimpolizei der Sozialdemokrat R a ck o w, ein Zeichenlehrer aus BeeSkow bei Berlin, wegen Politischer-Vergehen verhaftet und in die französische Abteilung des Gefängnisses eingeliefert worden ist. Daran wird die Mahnung geknüpft, bei Reisen in das besetzte Gebiet sich der größten Vorsicht zu befleißigen, da französische Lockspitzel überall ihr Unwesen treiben. Der Gewaltfrieüe gegen öie Türkei. Lyndon, 20. Juli.„Daily Expreß" meldet auS Kon- stantiuopel, der Großwesir allein von allen Mitgliedern deS ottomanischrn Kabinetts sei bereit, de» Friedensvertrag zn unterzeichnen. Zwei Minister hätten schon ihre De- Mission eingereicht. Der Großwefir werde sich vermutlich an die Partei der Liberalen Bereinigung wenden, um eine neue Regierung zu bilden. Frankreichs syrisches Abenteuer. Paris, 20. Juli. Nach einer Depeiche aus Damaskus sind die Bedingungen, die General G o u r a u d dem Emir F e s s a l ge- stellt hat, folgende: 1. Französii'che Kontrolle über die Eisenbahnlinie Kiak— Aleppo. 2. Französische Benutzung der Eisenbahnstationen Hom«, Hama und Aleppo. 3. Einführung deS syrischen Gelbe«. 4. Annahme de« französischen Mandats. 5. Bestrafung der revolutionären Verbrecher. S. Annahm« dieser Bedingungen innerhalb einer Frist von vier Tagen. Erfolgt die Annahm« der Bedingungen innerhalb vier Tagen nichl, werden sie mit Gewalt durchgeführt werden. Nach einer Meldung der„Dena" soll der französische Vormarsch auf Aleppo bereits begonnen haben.„Echo de Paris" be- hauptet, Emir Jessal habe, ohne auf das Ultimawin des Generals Gouraud direkt zu antworten, den englischen General Allc�tdy um seine Vermittlung ersucht. » London, 19. Juli. Unterhaus. Anläßlich eine? im Hinblick auf das französische Vorgehen in Syrien eingebrachten Vertagung«- antrages erklärte Bonar Law, das Versprechen Englands, den Arabern die Unabhängigkeit zu geben, stehe nicht tu Widerspruch zu dem französischen Mandat über Syrien. Bonar Law fragt«, was denn eigentlich geschehen solle, wenn Un- ruhen in einem Mandatarlande ausbrächen. England bemühe sich, ein unabhängiges arabisches Mesopotamien aufzurichten, dennoch werde e« von den Arabern angegriffen. Die französische Regierung habe nicht entgegen den Bestimmungen des Mandats gehandelt. Sie habe England verständigt, daß sie nicht beabsichtige, eine dauernde militärische Besetzung vorzunehmen. Die französischen Truppen würden zurückgezogen werden, sobald die Annahme de« Mandats erklärt und die Ordnung wiederhergestellt sei. Weitere Verfolgungen Caillaux'. Paris, 20. Juli. Der landwirtschaftliche Berein deS Bezirks von Mamers hatte.lürzlich Joieph Cttil laux zu seinem Bor- sitzenden gewählt. Der Rat der Präfektur deS Departement« de la Sarihe hat diese Wahl für ungültig erklärt. (Da das Tendenzurteil des Senats Caillaux die bürgerlichen Ehrenrechte für die Dauer von 10 Jahren abgesprochen bat. war diese Ungültigkeitserklärung zu erwarten. Mit solchen Maßnahmen wird Caillaux, der in seiner engeren Heimat noch immer sehr Volks- tümlich ist, nur gedient und die Bewegung für die Revision seines Prozesses nur gefördert. Die Red.) tzölz-Epilog. Milde böhmische Richter. Prag, 20. Juli.(Meldung des Tschecho-slowaliichen Pressebureaus.) Gestern fand vor dem Kreisgertcht rn G i l s ch i n die Verhandlung gegen den sächsischen Kommunisien Max H ö l z statt. Die Anklage legte ihm zur Last, daß er am 27. Ahril in Marienba b eine Handgranate hervorgezogen hatte, um seine Verhaftung zu vereiteln. Er ist deshalb des Verbrechens der ö s s e n t I i ch e n Gewalttätigkeit und der U e b e r- tretung des Spreng st offgesetzcS angeklagt. Er ver- teidigle sich damit, daß er nichl beabsichtigt hätte, die Gendarmen zu bedrohen. Dieie beharrten jedoch bei ihrer Aussage und Hölz wurde wegen des Verbrechens der öffentlichen Gewalttätigkeit zu vier Monaren schwere n Kerkers mit einem bartei, Lager monatlich und zu einer Geldstrafe von zwanzig Kronen t!> wegen Ucbcrtrctung des Wnffinipntents(!!) verurteilt. Die Strafe wurde jedoch bedingungsweise ausgesprochen, so daß Holz sie nicht antritt. Ein sozialdemokratischer Ehrendaktor. Anläßlich der 800-Jabr- feier der Stadt F r e i b u r g i. Br. hat die rechtswissenschaliliche Fakultät der Freiduraer Universität den sozialdemokrati'chen Stadt- rat und Badischen StaaiSrar Wilhelm En gl er zum Ebren- d o k t o r ernannt Engter hat nur die Bolksichule vesuchl und dür'le als VolkSjchüler der erste Ehrendoktor- Deutsch- laiios sein. GewerMaftsbewegung Streik im Lebensmittel-Kleinhaudel. Arbeiter! Arbeiterfrauen! Damit die Lebensmittel« Versorgung für Euch bei dem Streik möglich ist, können wir heute schon mitteilen,, daß von 101 Arbeitgebern Tarifverträge mit dem Zentraloerband der Angestellten abgeschlossen sind. Von diesen Ab- machungen sind 3312 Angestellte betroffen. Da dies die größten Unternehmer von Berlin sind, so ist die Versorgung für Euch sicher- gestellt..Es sind insgesamt 611 Geschäfte. In den nächsten Tagen werden Plakate in diesen Geschäften aushängen mit der Aufschrift: »Hier sind die Forderungen der Angestellren bewilligt. Eigentum des Zentralverbandes der Angestellten. G. Andree." Saboteure im Reichsarbeitsministerium! Zu der unter obiger llebcrschrvst geübten Kritik Karl Lindows in der Morgenausgabe des„Vorwärts" vom 14. Juli an einer Entscheidung des Rcichsarbeitsministeriums über die allgemeine Verbindlichkit des Tarifvertrags für die bei nichtstaotlichen Eisen- bahnen, Nebenbahnen, ähnlichen Kleinbahnen und gleichartigen Unternehmungen beschäftigten Angestellten erhalten wir vom Mini- sterium folgende Entgegnung: Daß gegen die Ausdehnung der allgemeinen Verbindlichkeit auf§ 16 Abs. 2 und 8 14 Abs. 7 des Tarifvertrags rechtliche Bc- denken bestehen, erkennt Lindow selbst an. Das gleiche gilt aber auch für die übrigen Tarifbestimmungen- die das Reichsa-rbeits- ministerium von der Wirkung der Verbindlichkeit ausgeschlossen bat. 8 16 Abs. 1 des Tarifvertrags schreibt die Benutzung des durch die Vertragsbarteien zu schaffenden paritätischen Arbeitsnachiveises vor. Diese Bestimmung bctrffft nicht das einzelne Arbeitsver- bällnis und ist daher nach der Verordnung über Tarifverträge usw. vom 23. Dezember 1618 ohnehin auf die Geltung unter den Ber- tragspartekn beschränkt. Es war daher nur zweckmäßig, die beiden im engen Zusammenhange stehenden Absätze des 8 16 in der Ent- scheidung ausdrücklich anzuführen... Ter 8 14 des Tarifvertrages enthält Bestimmungen über die Tätigkeit des Betriebsrates, die in einzelnen Punkten über daS Betriebsrätegesctz hinausgehen. Auch diese Vertragsbestim- mungen sind uichf zur Aufnahme in die einzelnen Arbeitsver- träge bestimmt und können daher an der Wirkung der allge- meinen Verbindlichkeit nach der derzeitigen Rechtslage nicht teil- haben, wie es denn überhaupt nicht in der Möglichkeit des Reichsarbeitsministeriums liegt, diese ohne Gesetzesänderung über die angegebene Grenze hin auszudehnen. Das Ministe- r i u in st c h t s e l b jt v e r si ä n d l i ch auf dem Stand- punkte, daß die gesetzlichen Ausgaben und Be» sugnisse der Betriebsräte tarisvertraglich er- weiiert werden können. 6s ist aber wohl zu unter- scheiden, ob derartige weitgehende Pflichten freiwillig über- nommen, oder ob sie durch eine behördliche Anordnung, wie sie die Verbindlichkeitserklärung eines Tarifvertrages darstellt, er- zwungen werden. Aehnlich liegt die Sache hinsichtlich der durch§ 26 geregelten Einsichtnähme in die Personalakten. Hinsichtlich all dieser Bestimmungen muß in aller Schärfe betont werden, dag das Reichsarbeitsministerium nicht etwa die tariflichen Bestimmungen innerhalb des ihnen von den Vertrags- Parteien gegebenen Geltungsbereichs für ungültig erklärt hat. sondern daß eS lediglich die Ausdehnung der Bestimmungen auf andere, den Vertragsparteien nicht Angehörige, ausgeschlossen hat. Die VerhindlichkeitSerklärung. bezweckt in erster Linie die tarisvertraglich geregelten Arbeitsbedingungen zum Allgemein» gut der beteiligten Kreise zu machen; sie soll aber nicht dazu dienen, im Kampf durchgesetzte Forderungen mehr oder weniger politischer Art mit einer besonderen behördlichen Autorität zu umkleiden. Schließlich müssen bei der Entscheidung über die all- gemeinen Verbindlichkeitserktärungen auch Zlweckmäßigkcits- gründe maßgebend sein, wenn ihre reibungslose Durchführnng gesichert werden soll. Die? gilt namentlich dann, wenn Ein- sprüche ergangen sind, wie dies gerade im vorliegenden Falle im großen Umfange der Fall war. > Achtung, Töpfer! Die Berliner Lohnbewegung der Töpfer hat ihr Ende erreicht- Ülm Montag abend tagte eine Meisterversammlung, die nach län» gerer Debatte folgende« beschloß: Der Stundenlohn beträgt vom Tage der Arbeitsaufnahme an 7,ö6 M., ab 5. Juli werden 556 Proz. Teuerungszulage bei Akkord- arbeit gezahlt. Durch diesen Beschluß find aber schriftliche Ver« pflichtungen auf Zahlung obiger Zugeständnisse von einem früheren Termin nicht aufgeboben. Die noch zu erledigenden Streitfragen, wie Ferien, Fahrgeld usw. wurden der gemeinsamen Lohnkommission überwiesen. Obigem Beschluß stimmten die anwesenden Orgoni- salionsvertreter der Gesellen zu. ES fand die gegenseitige Unter- Zeichnung statt. Auf eine harte Geduldsprobe wird so mancher Beschäftigung« oder Slellungluckender gestellt, namentlich, wenn er auf Grund schrittl'cher Gesuche eine Antwort erwartet. Wie lange eine solche Antwort mitunter ausbleibt, erfahren wir aus folgendem Schreiben eines„Vorwärts"- Lesers: Am 15. April d. I. wurde eine Anzahl kaufmännischer Arbeitslose vom Nachweis nach dem RetÄsausgleichamt. Wilhelmstr. 94/96, geschickt. Nachdem wir dort stundenlang gewartet bauen, wurde uns erklärt, daß jeder ein Bewerbungsschreiben mit Lebenslaus und Zeugnisabschriften ein- reichen reip. mitbringen sollte. Ich hatte nun nichts Tiliaeres zu tun, als 6 Bogen Papier a 26 Pf. und ein großes Kuvert für den- selben Preis zu kaufen, die Zeugnisse fein säuberlich abzuschreiben und die Sachen, mit 46 Pf. flankiert, denselben Tag fort- i Postabonnenten j 1 Damit die regelmäßige Zustellung des„Vor- ß N warts" im nächsten Monat keine unlieb- g ♦ same Unterbrechung erleidet,, ersuchen wir.♦ 6 unsere Postabonnenten, das Abonnement£ * für den Monat August zum st- 8 Preise von 10 Mk. erkl. Zu« 8 K stellungsgebühr, bei dem T f. zuständigen Postamt g S schon jetzt zu 6) «• bestellen 4 9=""= q 4 MM« » rs T Vorwärts- Verlag G m H.H., Berlin S zuschicken. Ich halte also 1,46 M. Auslagen, dazu gut vier stunden zu den Abschristen gebraucht. Nunmehr wartete ich acht Tage, vierzehn Tage, einen Monat— eS kam kein Beicheid; da bat ich um solchen und um event. Rücksendung meiner Abschriften, die ich immer»och brauchen könne. Ich erhielt keine Antwort; endlich— am 14. d. M.— ging folgender Bescheid ein: Reichsansgleichsamt Berlin tv�V 66. 9. Juli 1926. Wilheimstr. 94/96. Tagebuch-Nr. 7956/10766. Auf das Gesuch vom 16. 4. 1926. Ein Bedarf zur Annahme von Bewerbern tu im Reichs- auSgleichSamt aegenwärtig nicht vorhanden. Für den Fall deS Eintritts eines solchen Bedarfs wird auch Ihre Bewerbung näber geprüit werden. Sie wollen sich jedoch hierdurch von Bemübungen um die Erlangung einer sonstigen �Stelle nicht abhalten lasten. I. A.: sllnleserlich.) Für dielen Briek mußte ich no» 56 Pf. Porto zahlen, ich hatte im ganzen alio 1,06 M. Unkosten. Wenn man wöchentlich 16 der- artige Gesuche zu schreiben hätte,«'o wüßte ich nicht, woher man dos Geld nebmen sollte: dazu kommt noch die Zeit der Erwartung. Die Behörden und Cbeis baben� anscheinend keine Abnung, was eS beißt, ohne Arbeit und Verdienst zu sein und drei Monate aus die Beantwortung eines Gesuchs zu warten. Tie Tarifvcrhandlungcn im Bankgetverbe. Die am Montag abend vertagten Verhandlungen über den ReichSlarif im Bankgewerbe wurden am gestrigen Dienstag früh wieder ausgenommen. Am Montag waren die allgemeinen Be- siimmungen des Tarifvertrages durchgesprochen worden. Dann folgte die Erörterung der Bezüge. Die Bankleitungen sträuben sich, Zuschläge zu den bisher gezahlten Gehaltssätzen zu gewähren, während der Allgemeine Verband der Deutschen Bankbeamten wesentliche Erhöhungen vorsieht. Am Dienstag nachmittag 2 Uhr waren die Parteivorträge beendet. Der Schlichtungsausschuß wird nunmehr zur Beratung und Fällung des Schiedspruches schreiten. Man erwartet daS Ergebnis Ende der Woche. Alsdann werden die Leitungen der Ortsverbände zu dem Spruch Stellung nehmen. Die Annahme beziehungsweise Ablehnung durch den Allgemeinen Verband der Deutschen Bankbeamten wird auf dem VerbandStag am 28. August erfolgen. Lohnbewegung der Maler! Allen Malern, Anstreichern und Bauarbeitern Groß-BerlinS zur Kenntnis, daß die Maler und Anstreicher in einer größeren Zahl von Betrieben am Montag in den Streik getreten sind. Die Kollegen halten die Forderungen der Organisation ihren Arbeitgebern nochmals unterbreitet. Da die Arbeitgeber jede Lohn- erhöhung ablehnten, sahen sich unsere Kollegen gezwungen, bei einem Teil der namhaften Firmen in den Streik zu treten. Wir ersuchen alle Kollegen, etwaige Streilarbeit zu verweigern, desgleichen ersuchen wir alle Bauarbeiter um ihre moralische Nnierstützung. OrtSverwaltung des Verbandes der Maler, Lackierer, Anstreicher. Filiale Berlin._ Tie Ausbeuter in der Abzahlungsbranche! Neulich wurde an dieser Stelle über die Gebälwr der kauf« männischen und technischen Angestellten der Holz- upd Möbel-Jndunrte und des Möbelhandels berichtet. So eleno die Bezahlung der An« gestellten dieser Branche ist, sie wird noch übertrossen von der Ab« zablungSbranche. Dteie Unternehmer hatten sich seinerzeit mit den Holz- und Möbel-Jndustriellen zusammcnqefunden und einen Tarif mit den Arbettnebmerorganiiationen getätigt. Während aber die Holz- und Möbel-Jndustriellen nach Festsetzung der Gehälter mr Dezember 1919 sich zur Zablung der'Tcuerungszulage verstanden» ist dies bei den Unternehmern der Krediihäuser bis beute noch nicht geschehen. In dieser Branche wird als Grundgehalt einem Expe« dienten oder Prozeßverrreter 625,— Mk. monatlich gezahlt. Es ist dabei zu berücksichtigen, daß in solcher Position eine große Branchen- kenntnts und eine gewisse Roultne verlangt wird. Die Gehälter der anderen Augestellten gehen bis auf 266.— Mk. herunter. Die Arbeitgeber haben den Schiedsspruch, welcher ihren An« gestellten eine 66vrozenlige Gehaltserhöhung bringen sollte, abgelehnt; sie haben dann vor dem Demobilinachungskommtssar das Klagelied ihrer wirtschaftlichen Notlage in höchsten Tönen gesungen. Dem Ersuchen der Arbeitnehmer, die angeblich wirtschaftliche Notlage der Arbeitgeber durch behördliche Nachprüiunq der GeichästS» bücher bei einzelnen Firmen unter H'nzuziehung fach- und branche» kundiger Angestellten festzustellen, ist nicht stattgegeben worden. Trotzdem aber hat der DemobilmaÄungSkommisiar die Verbindlich- keltserklärung des Schiedsipruches abgelehnt. Die Airgestellten haben erkannt, daß ihre Arbeitgeber nickt nur aus der>viri>chafll>chen Notlage der Konsumenten ihre ungeheuren Gewinne ziehen, iondcrn auch aus der ihrigen, und sie werden nunmehr geschlossen den Weg gehen, der zur Erringung ihrer Existenzbeduigungen»otwendig ist. Hungerlijhnc der Musiker in Neuköllner Kinos. Zu dieser in der Sonntagsnummer des„Vorwärts" veröffentlichten Mitteilung des Musikcrvcrbandcs erhalten wir aus den Vereinigten Kukuk- Excelsior-Stern eine Berichtigung, worin eS heißt: Unseren Musikern werden, wie in allen Berliner Kinos, die vcreinbarteii Grundlöhne und teils mehr gezahlt. Seit kurzem ist, mit Wissen des Musiker- Verbandes, auf Ansuchen eine angemessene Teuerungszulage, rück- wirkend ab 15. Juni er., bewilligt. Von Nebenberuflichen und Bc- amten ist wissentlich oder absichtlich keiner bei uns beschäftigt gewesen. Nach Rücksprache mit dem Verband der Musiker hält derselbe die im„Vorwärts" gemachten Mitteilungen aufrecht. Deutscher Metallarbcitervrrband. Sonntag, den 25. Juli, vor« miitafls 10 Uhr, Monteurverjammlung im Kolosseum am Wedding sKösliner Hos), KöSliner Str. 8, kleiner Eingang. Wichtige Tagesordnung. Hierzu werden auch die Arbeiterräte derjenigen Betriebe eiugetaden, die Ailßenmonteurc beichäitigen. Knorr-Brenisc. Zl.«G. Lichienberg. Alle aussehenden Kolleginnen imd Kollegen müssen zwecks Information zur Betriebsversammlung am heutigen Mittwoch, nachmittags 2 Uhr, bestimmt im Betriebe ericheinen. Der Arbeiterrat. Zentralverband der Angestellten. Fachgruppe IZo(Ver- bandzellstosse). Mitgliederversammlung am 22. Juli, 7 Übt, Verbands- lolal.(Branchen- oder HauStarif?)— Fachgruppe 17, II d(Wein- lind Svirituosenbranche). Milgllcdcrversamminng am 22. Juli. 8 Ubr, Ge- selllchasiSbauS am Hackeschen Markt. Rosentbalcr Strahe.(Die Arbeit- geber vor dem SchuchtiiNgsauSichntz.)— Fachgruppe 18»(Vereins- und Ver bondSongcitcllle.) Mitgliederversammlung am 22. Juli, 7 Uhr, Musikersesliäle, Kaiscr-Wilbclm-Stratze 31. Deutscher Hutarbeitrrverdand. Am Freitag, den 23. Juli, abends 7 Uhr. im vsewerlschastSbauS Mitaliederversammlunz. Tagesordnung: Bc- richt üd>.r die Verhandlungen in Lindau. Verband de« Post- uud DolegrapbenpersonalS.(Mitgliedschast im Deutschen Transportarbeilcr-Berband.) Settionsleitungsmitglieder, Be» triebSräte, Funktionäre, BelricbSvertraiienSlcutc i Freitag, den 23, Juli, abends st,8 Uhr, im.Nosciubalcr Hos", X 54, Roscnlhaler Str. ll/12. Vor- kraucnsmänncr-Koiiscrenz. Tagesordnung r Stellungnahme zu der Sek- tionSmitgliederversammlung am 25. Juli. Jugenüveranftaltungen. Heute'/iH Uhr: Tozioliftische Tchulersektion. Zentralsugcndhcim, Lindenstr. 3. Vortrag: Franzöftsche Revolution.— Charloitenburg. Rosinenstr. 4 (VolkShauS. Mädchcnabcnd.— Grunewald. Gemeindeichule, Delbrück- strotze 20. Vortrag: Das Volkslied.— Lichtenberg. Parkaue 10. Vortrag: Die Schädlichkeit des AlloholS.— tvkartendarf. Jugendheim, Lyzeum, Ringstr. Diskussion.— Csten. Stravmannitr. 20. Mädchenabend.— Prenzlauer Vorstadt. Scneseldcritr. 6(Schule). Vortrag: Fremdenlegion.— Rasenthal,(izemeindelchule. Kastanicnallec. Vortrag: Russisches Grenzabent-uer.— Rosenthaler Vorstadt. Bergsrr. 56. Vor- trag: Alkohol und Nikotin.— Südost(Reietzenberger Viertel). Glo- glauer Str. 12—16. Diskussion.— Staaten. Wartenüadtschule. Mädchen- abend.— Tcmpclhof. Gcrmaniaitr. 5/6. Dtslusston: Ist eine Einigung mit der kreien Jugend möglich?— Wedding. Neues Heim. Gemeinde- schule, Müllerür., Ecke Trislstr. Autzerordemliche Mitgliederversammlung.— Westen. Kanlinenraum der Baugewerlschirle, Kursürstenstr. 141. Bortrag: Körperpflege. Lerantw. für den redakt. Teil: Dr. Werner Peiser, Charloitenburg: für Anzeigen Tb. Glocke. Berlin. Verlag: Vorwärls-Berlag G.m.b.H.. Berlin. Druck: Vor wärts-Buchdruckerei u. Verlagsanslalt Paul Singer u. Co.. Berlin. Lindenstr. 3. Hierzu t Beilage. Olme Rückficht auf den bisherigen Preis •Angeßot für die Zeit vom 7-25. Jufi" Sakkoanzüge Serie I................. M. 875- Serie II................. M. 1075.- SerieHU................ M. 1275.. Serie l................. M. 875.. Serie II................. M. 1075.. Serie III................. M. 1275.. Bunte Oberhemden mit passend. Kragen: Serie I.................. M. 85.- Serie II.................. M. 125.- Serie.111................. 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