Nr. 363 ❖ 37. Jahrgang Ausgabe B Nr. 44 Bezugspreis: V zrt«!iS!>rI.Z0,— M!.,monatl.1l>,— Mi. trei ins bau», voraus zaiilbar. Pon» vezug� Monatlich 10.- Mi. ezll.Au< ilellunzsgeoühr. Unrer Amiabanii füt Deutichland und Oesterreich lk.d0 Mi. iiir das übrige Ausland bei taglich einmal. Zustellung 2150 JÜ. Vastde- stellungen nehmen an Oesterreich, Ungarn. Tscheche-Slomaiei, Däne- mari,'Zollang, guremaurg, Achmeden »nd sie Schwei-».— Eingetragen in die Post- Leitung»- Preisliste. Der.Vorwärts� mit der Sonntags- beilage»Voll u. Zeit' ericheint wachen- >äglich zweimal. Sonntags und Man- tags einmal Teiegramm-Adrefle .Sozialdemokrat Berlin-- Abend-Ausgabe ( D berliner VolKsblAtt Anzeigenpreis: Die achtgelpaltene Nonnareivezeile ioite 3.— M., Teuerungszufchlag 50°/» «Sleias Anzeigen-, das ielt- gedruckte Wort 1.— M. izulässig zwei fettgedruckte Worte>,»edes weitere Wort 60 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellenanzeigen das erste Wort 65 Pig. iedes weitere Wort 40 Pfg.. Warle über 15 Buchstaben zählen für iwci Worte. Teuerunaszuschlag 50°,» afamilien-Anzeigen fiir Abonnenten Feile 2,— M.. poiitiiche und ge- wertfchastliche Perclns- Anzeigen Z.— Ml. die Feile ohne Ausschlag. Anzeigen für die n ä ch st e Nummer müssen bis S Ahr nachmittags im Hauptgeschäft, Berlm EW68, Lindeastrahe 3, abgegeben werden. Geöffnet oon Z Uhr früh bis ö Uhr abends. Zentralorgan der rozialdeniohrat» feben Partei Deutfchlands Neüaktion und Expedition: SW. öS, Lindenstr. Z. iVernivrecher: Amt Morinvlan. Nr. IZI SV— Ist i)7. Mittwoch, den 2t Juli 1920 Vorwärts-Verlag G.m.b. H., SW. b8» �indenstr. Z. Zvermvreciler: Amt Morivplaii. Nr. 117 ZZ—.">4. ReichstagsHung am Myntag Die fiusschußberatung. B e r l i n. 21. Juli. Nach einem Beschlnst des Acltesten- ausschusses tritt der Reichstag am Montag, den 26. d. M., nachmittags 5 Uhr, zu /iner Vollsitzung zusammen, um den Bericht der Regierung über die Verhandlungen in Spa ent- gcgenzunehmen. Ter Neichstagsaiisschuß für auIwärtige Angelegen- heiten trat(wie wir im heutigen Morgenblatt bereits kurz meldeten) am Dienstag abend �>9 Uhr zu einer Sitzung zu- lammen. Zu Beginn gab Reichstagspräsident Lobe die Erklärung ab, daß auch er durch die Einberufung des Reichswirtschaftsrats überrascht wurde. Er müsse daran erinnern, daß der Reichstag auf Wunsch der Regierung bis zum 28. Juli vertagt worden sei.— Reichsnrinilster Simons erklärt, daß im Reichswkrtschaftsrat nur ein Be- richt des Reichswirtschaftsmirristers über die rein Wirtschaft- glichen Fragen erstattet werden solle. Die Regierung wolle die Priorität des Reichstages in keiner Weise antasten. Auf Antrag der Sozialdemokraten lind der Unab- hängigen wird die Oeffentlichreit der Sitzung be- schlössen. Tagegen wird die von Ledebour beantragte frühere Einberufung des Reichstages gegen die Sozial- demokraten und die Unabhängigen abgelehnt. Reichsminifter Dr. Simons. führte ungefähr folgendes auS: Die Lage der deutschen'Delegation in Spa sei von vorn- herein eine ungünstige schon durch die Art der Unterbringung und die Schwierigkeit der Nachrichtenübermittlung, und Presse- berichterstattung gewesen. Die Behandlung der deutschen Dele- gation war im Anfang nicht die. die gleichberechtigten Vertretern zugekommen wäre. Ein anfängliches Verbot für die dentschen Delegierten, sich mit den Delegierte» der Gegenseite privatim zu unterhalten, wurde am zweiten Tage aufgehoben, so daß bald ein reger Verkehr zwischen den Mitgliedern der Delegation beider Seiten einsetzte. Der Reichsminister gibt sodann an Hand ein- zelner Beispiele ein Bild der feindseligen Stimmung der Be- völkerung, die bis zur Verweigerung von Arzeneien für erkrankte Delegationsmttgliedcr durch einen Apotheker ging. Der Gang der Verhandlungen in den ersten Tagen war der, daß in strengem Ton Rechenschaft über die mangelhafte Ausführung des Friedens- Vertrages verlangt und eine bedingungslose Nntarwarfung unter das Dkktat der Gegner erwartet wurde. Zu Beginn wurde die bekannte Tagesordnung für die Konferenz: 1. mili- tärtsche Klauseln(Heer, Marine, Luftflotte), 2. Strafverfolgung der der Verletzung- der Kriegsgefetze Beschuldigten, 3. Kohlen- frage, 4. Wiedergutmachungen vorgelegt und von der deutschen Delegation, da ein Grund zur Ablehnung nicht vorhanden, an- genommen. Ter vierte Punkt ist in eingehender Weise nichl mehr in Angriff genommen, sondern der Konferenz von Sachver- ständigen in Genf vorbehalten. Die schnellste Erledigung fand der Punkt 2, nachdem durch das Eingreifen Lloyd Georges die Sachverständigen beider Seiten zusammengebracht waren. Bei Behandlung der Militär- und Kohlenfrage war aus feiten der Gegner die Grundlage die Androhung der Besetzung des Ruhrgcbiets. ES war Frankreich schon in San Remo, Boulogne und Brüssel ge. lun-gen, von England und Italien die Zustimmung zu einer Be- setzung zu erlangen. Rechtlich hat die deutsche Delegation immer den Standpunkt vertreten, daß die§§ 17 und 18 des Annex 2 Teil VIII JkH nur auf wissentliches Vernachlässigen, ein Zurückbleiben in der Erfüllung der Vertragspflichten in Zusam- me aHang mit den W-edergurmachungsverpflichtungen bezichen. Diesen Standpunkt hat die deutsche Delegation auch in Spa ver- treten und ist von ihm auch nicht durch Unterzeichnung der Ver- aiabarungen abgewichen. Sie habe sich auch zu einer solckcn Ab- weichang ohne Zustimmung des Reichstages nicht berechtigt ge- halten. Die deutsche Unterschrift deckt die sogenannte Drohtlaufel nicht, eine Tatsache, die von Lloyd George ausdrücklich anerkannt wurde. Teutschland nimmt nur Kenntnis und verpflichtet sich zur loyalen Durchführung der Bedingungen. Fn der milijärischen Frage hatte die deutsche Regierung nach dem vorangegangenen Notenweck/sel eine mündliche Verhandlung nicht erwarten können und hat daher erst die betretenden notwen- digen Unterhändler, den Reichswehrminister Dr. Gcßler, den Ge- neral von Seeckt und den preußischen Minister des Innern nach- kommen lassen, nachdem sich eine Möglichkeit zur Verhandlung er- geben hatte. Tie von deutscher Seite vorgeschlagenen Fristen für die Verminderung der Reichswehr und die Durchführung der Ent- waffnung wurden nicht angenommen, immerhin sind die im Frie- densvertrag enthaltenen Fristen zu unserem Gunsten erheblich, wenn auck> nicht genügend, verlängert. Bei den Gefahren, die ein Einmarsch in da? Ruhrgebiet bedeutet hätte, konnte ein Abbruch der Verhandlungen wegen der militärischen Frage nicht verant- wortet werden. Ans diesem Gesichtspunkte heraus erfolgte die Unterzeichnung des Protokolls. Bei Behandlung der Kohlenfrage wurde zunächst eine Beratung zwischen den Sachverständigen abge- lehnt, dann aber nach Anhörung der Vertreter der Bergarbeiter und Bergwerksunternehmer eine Verhandlungebasis geschaffen. Unsere augenblicklich so ernste Situation in der Kohlenfrage ist erst durch das Eingreifen des Generals Le Rond in die Verteilung der ober- schlesischen Kohle herbeigeführt, das eine Verminderung der bis- herigen Lieferungen an die Entente und den beschwerdeführenden Bericht her Wiedergntmachnngskommission an den Obersten Rat zur Folge hatte. Die Forderung der Alliierten, denen nach dem Friedensvertrag SSih Millionen Tonnen jährlich zustanden, ging zu- nächst auf Lieferung von monatlich 2,4 Millionen Tonnen, deren Wert einfach aur das Wiedergutmachungskonto gutgeschrieben wer- den sollte. Die Annahme dieser Forderung hätte die Vernichtung des deutschen Wirtschaftslebens zur Folge gehabt. Unser Angebot der sukzessiven Steigerung, anfangend mit 1,1'Millionen Tonnen monatlich und endigend mit 1,8 Millionen, wurde abgelehnt. Not- wendig war aber vor allem eine Besserung der Lebenshaltung der Bergarbeiter im Zusammenhang mit der Kohlenfrage herbeizu- führen.. Die Alliierten gingen dann von 2,4 Millionen auf 2 Millionen Tonnen zurück, und es wurde schließlich das Protokoll unter- zeichnet, wonach Deutschland'zur Lieferung von 2 Millionen Tonnen verpflichtet ist. Der Inlandpreis der Kohle, die auf dem Landwege geht, wird dem Wiedergulmachungskonto gutgeschrieben. Deutschland erhält eine Prämie von 5 Gold mark pro Tonne, und die Differenz zwischen dem Inland- und Weltmarktpreis wird Deutschland als Vorschuß gegeben. Deutschland hat die Möglich- keit, aus der Prämie und den Vorschüssen Summen zu einer Besse- rung der Lebenshaltung der Bergarbeiter zu verwenden. Das in der Kohlenfrage verfügbare Zahlenmaterial konnte nicht als in allen Punkten stichhaltig angesehen werden, weil ein« größere Aus- Nutzung der Braunkoble möglich erscheint und außerdem ein Teil der Steinköhlen durch Verschiebung dem eigentlichen Zweck ent- zogen wurde. Der Reichsminister betont ausdrücklich, daß nicht die Drohung der Gegner durch das Erscheinen F o ch s und Wilsons ihn eingeschüchtert habe, daß vielmehr die Ueberzeugung, daß der Einmarsch schon vor der Konferenz von Spa definitiv beschlossen war, ihn zu seiner Haltung veranlaßt habe. Am Schluß weist der Reichsminister noch einmal darauf hin, daß die Konferenz von Spa kein Erfolg für Deutschland gewesen ist, sondern uns ein« schwere La st auferlegt worden ist, die wir noch schwer tragen müssen. Bernstein(Soz.)t Wir wußien, mit welchen Interessen und Vorurteilen zu kämpfen war, um Ermäßigungen zu erzielen. Wir sind damtl einverstanden, daß sich die Regierung auf den Rechts st and- Punkt stellte und dasjenige, was wie die Einmarsch- k l a u s e l, über den Vertrag hinausging, ablehnte. Die Be- Handlung der Militä'rfrage scheint mir nicht glücklich. Der Arg- wohn in Frankreich ist nun einmal vorhanden und verständlich. Wir können nur wünschen, daß die ganze Reichswehr so rasch wte möglich umgebildet wird. Die Reichswehr kann eigentliche Einmärsche nicht abwehren, aber doch regellose Einfälle, wie sie namentlich aus Polen von entlassenen Soldaten drohen. Jedes Gemeinwesen braucht eine Sicherung. Aber der Geist in der Reichswehr muß sich gründlich ändern. Die Form mutz so sein, daß eine Wiederbelebung des Militarismus unmöglich ist. In der Kohlenfrage hat die Delegation nicht mehr erreichen können, als was erreicht worden ist. Die Last, die dadurch den Arbeitern ausgebürdet wird, ist- unendlich groß. Aber der Ein- marsch wäre doch viel scklimmer gewesen. Daß er vermieden wurde, ist zu begrüßen. Der heutige Bericht wirkt beruhigender, als was wir in der Presse gelesen haben. Die Kohlen s chie- bunge.n, von denen der Minister gesprochen hat, sind unge- heucllich. Kohle ist ein so wichtiges Volksgut, daß sie nicht Gegenstand des Privateigentums sein kann, sie musi sozialisiert werden, und von der Herrschaft der Syndikate befreit worden. Wir haben den Feind im Land: das sind die Syndikate. Einzelne! Dinge sind vorgekommen, die unsere schärfste Kritik heraus-; fordern. S t i n n e s durfte nicht als Vertreter Deutschlands' in Spa erscheinen. Er.war die ungeeignetste Persönlichkeit. Ganz anders, eindrucksvoller war die Sprache des Arbeiterver- treters Wir müssen Spa als eine Etappe betrachten, die Aus- ficht auf künftige, bessere Beziehungen zwischen den Völkern er- öffnet. Ledebour(U. Soz.): Wir wünschen, daß die Vertreter Deutschlands als vollkommen gleichberechtigt behandelt werden. Der Minister Simons hat recht, daß es vor allem darauf ankam, den Einmarsch zu verhindern. Wir billigen es, daß die Regierung es abgelehnt hat, den ange- drohten Einmarsch zu sanktioniere». Die Regierung hat das Not- wendige getan, um de« deutschen Rechtsstandpunkt zu wahren. (Schluß auf der 3. Seite des Hauptblatts.) Die Regierung in Mecklenburg. Obstruktionspolitik der Unabhängige«. Aus Mecklenbiirg-Schwe-ritt wird uns geschrieben: Die Wahlen zum mecklenburgischen Landtage brachten ebenso wie im Reiche die Koalition zwischen Sozialdemo- kratie und Demokratie zum Scheitern. Die Demokraten berloren von 82 571 Stimmen, die sie im Jahre 1919 erhielten, nicht weniger als 69 368 Stimmen und zogen mit nur 4 von 17 Abgeordneten in den neiten Landtag. Den größten Teil der ehedem demokratischen Stimmen gewänne' die Rechtsparteien. Zu diesem überaus starken Verlust kam noch, daß unsere Partei 25 999 Stimmen an die U. S. P. und Kommunisten abgeben mußte. Gemeinsam mit den Demokraten besaßen wir 1919 eine ansehnliche Mehrheit und haben diese auch im Interesse der Arbeiter- schaft und des Landes zu benutzen gewußt. Diese Mehrheft ist verloren. Ter neue Landtag besitzt wieder 64 Abgeordnete. Von ihnen stellt die Sozia' demokratie 26, die U. S. P. 5, die Demokraten 4. Da beide sozialistische Parteien mit ihren 31 Mandaten eine Mehrhcü nicht besitzen, konnte für die Regierungsbildung von vorn- herein nur eine Koalition in Frage kommen, der außer den sozialistischen Parteien auch noch die Demokraten angehörten. Leider mußte als sicher angenommen werdet:. daß die Unabhängigen ein Angebot unserer Partei zur Mitarbeit ablehnen würden. Trotzdem wurde auf einstimmigen Beschluß des Bezirksvorstandes beider Mecklen- bürg und Lübeck und der Landtagsfraktion der Versuch ge- n?acht, sie zur gemeinsamen Koalition zu bewegen. Die ihnen zur Annahme unterbreiteten Richtlinien für die Re gierungsbildung lehnten sich im wesentlichen an das Uebet- einkommen der beiden sozialistischen Parteien in Braut:- schweig an, das dort bekanntlich zur Einigung geführt hatte. Da zu befürchten stand, daß die Unabhängigen eine solche Koalition ablehnen würden, machten wir uns at- heischig, gemeinsam mit den Demokraten eine Minder- h e i it s r e g i e r u n g zu bilden, wenn die Unabhängigen' eine wohlwollende Neutralität verbürgten. Wir wuß- ten, daß diese Lösung, ein schweres Opfer für die Parte: bedeutet: doch mußte unter allen Umständen verhindert werden, daß in unserem, von der R e a k t i o n ehedem so at: mißhandeltem Lande sich eine Rechtsregierung bt! bete. Die Teutschnationalen, echte Jünger de- Talmijnden v. Graefe, sind die stärkste bürgerliche Parte'. In einer rein bürgerlichen Regierung müssen sie den ausschlaggebenden Einfluß besitzen. Und das war die oft und laut geäußerte Befürchtung des L a n d p r o l e t a r i a t-. Der Reaktion mußten deshalb die arößten Schwierigkeiten bereitet, ihre Rückkehr verhindere werden, mochte auch die Partei in eine weniger günstige Stellung als. die der O p- Position gedränat werden. Die Unabhängigen lehnten ohne Rücksicht ans den unab- sehbaren- Sckiaden, den eine Rechtsregierung üb.".' Mecklenburg britigen muß, unsere Vorschläge kurzerhand ob und übergaben uns ihrerseits Bedingungen, bei deren Ausstellung sie von ästen guten Geistern verlassen gewesen sein mußten. In ihrem Schreiben heißt es u. a.: „..... die Widerstände der besitzenden Klassen gegen dü- Befreiung der arbeitenden Schichten in Stadt und Land könnet, nur durch die Proletarische Diktatur überlvunden werden. Als Uebergang kommt für die U. S. P. D. in Mecklenburg n u. eine rein sozialistische Regierung in Betracht; vo.-. der folgende Forderungen rückhaltlos anerkannt und tatkräft> durchgeführt werden: 1. Konsequente sozialistische Politik, insbesondere Bewaffnung der Hand- und Kopfarbeiter in Stadt und Land. Sofortige Er richtung von-örtlichen Arboilerwehren durch Eingliederung organi sierter Arbeiter und Aegestellier...." ......... Zerschlagung der deutschen Kleinstaaterei duri Schaffung einer sozialistischen deutschen Einheit re p u b l i k, Beseitigung der Militärgerichtsbarkeit, lltbergabe d, Kapp-Putschisten an Volksgerichie, Entfernung der Reichswehr au- Mecklenburg und Auflösung der Reichswehr überhaup- Aufbringung der Steuern durch die Besitzenden, völlige B c s e i t i g u n g der Steuerabzüge von dem Aroeitseii: kommen." Woher wir in unserem Ländchen die Macht nehme!: sollen, um unbekümmert um den Friedensvertrag. die R e i ch s v e r f a s s u n g und die Reichsgesetze derlei Forderungen durchzusetzen, mag außer den schlauen Unabhän- gigen vielleicht noch der Himmel wissen. Einen positiven Wert konnten die Bedingunge, der Unabhängigen nicht besitzen. Sch»n die Grundlag, weiterer Verhandlungen, die„rein sozialistische Regierung". war nicht gegeben. Eine solche wäre noch vor der Geburt an der bürgerlichen Opposition gestorben. Nicht leichten Herzens verzichteten wir deshalb auf weitere Bemüh nn gen um die Bildung einer LinLsregterrmg, nachdem auch noch wünscht nicht, nocki in einen zweiten Weltkrieg verwickelt zu werden. Für Regierung und Volk gibt es daher gar keine andere Haltung als die der striktesten Neutralität! Der Reicksrot in üen Kapp-Tagen. Folgende Erklärung geht uns zu: De?.Freiheit" find augenscheinlich unkontrollierbare Tagebuch- notizen eines ungenannten stellvertretenden Mitgliedes z»m Reichsrat aus der Zeit des Kaop-PuticheS in die Hände gespielt worden Nachdem sie sich zwei Tage lang daran gütlich getan hat, bäll nun auch die.Rote Fahne" es für nötig, die angeblcchen.Enthüllungen" zun, Gegenstand eineS lärmenden Artikels zu machen. ES ist an- zunehmen, dag die Provinzpresse beider Richlungen dielen er- tauchten Beispielen folgen wirb, weshalb es mir als einem der An- gegriffenen gestailet sein möge, einig« Bemerkungen dazu zn machen. lieber die damaligen Zusammenkünfte deS Reichsrats und der Unterstaatsselreiäre sind amtliche Protokolle nicht angefertigt worden. Es handelte sich dabei nberhaupt nicht nm regelrechte Sitzungen, es wurden anch keine Anwesenheitslisten geiührt, die Teilnehmer wechselten obendrein, so dah nur sehr wenige an allen Zuiammcnlünflen teilgenommen baben werden. Wenn unter solchen Umständen die.Freiheil" die durchaus persönliche» und zufälligen Bleistiftnotizen irgend eines unbekannten Teilnehmers" zum hohen Ranz.dokumentarischer Feststellungen" erhebt, und daraus für sich das Recht zu ge- hässigen Anklagen gegen einzelne unserer Parteigenossen herleitet, so zeugt das nur von literarischer Bescheidenheit oder von einem unwiderstehlichen Bedürfnis nach demagogischer Entstellung. Daß die letztere Annahme leider die zutreffendere sein wird, dar: man daraus schließen, daß die.Freiheil" selbst mit den ihr zugeflogenen Bleistiftnotizen noch demagogische Verzerrungskunststücke vornimmt. Was meinen Anteil an der Angelegenheit betrifft, so habe ich lediglich zu erklären, daß mein Verhalten in den Kapp- Tagen von Anfang bis Ende ausschließlich von dem Wunsche bestimmt wurde, daß dem Kapp- Abenteuer so bald wie möglich ein Ende gemacht werden möge. Für diesen Zweck schien es mir dringend geboten, daß sowohl von dem intersraktionellen Ausschuß wie auch vom Reichsrat und den Unterstaatssekretären jede Verhandlung mit den. Käppi st en", ja, schon jeder Versuch dazu abgelehnt wurde. In dieiem Sinne bin ich damals unausgesetzt tätig gewesen. Daneben Hab? ich mich bemüht, jedes Schießen der Reichswehr auf die Berliner Arbeiter zu Verbindern, wobei ich einen Unterschied zwischen sozial- demokratischen, unabhängigen und kommunisuschen Arbeiter» nicht gemacht habe, wie ich überhaupt bestrebt war. eine einheitliche Aktion der gesamten Berliner Arbeiterschaft zur möglichst raicben Beendi- gung des Kapp-AbenteuerS zu fördern. Jede.Angst" vor den Bolschewisten log und liegt mir so fern, wie der.Freiheit" wahr- scheinlich der Gedanke, daß die Handlungen mehrheitssozialistischcr Führer anderen als unlauteren politischen Beweggründen eut- sprungcn sein könnten. Alles was die.Freiheit" und. die.Rote Fahne" sonst noch von mir erzählen oder kombinieren— sei es mit oder ohne Bleistlftnotizen von Herrn Ungenannt— entspringt blühender Phantasie oder bösem Willen. Berlin, den 20. Juli 1920. Heinrich Schulz. Der Ebschied öer Norüschleswiger. Apenrade, 21. Juli.(Eigener Drahtbericht des„Vorwärts".) Am Sonntag, den 13. Juli, fand in Graethens Hotel eine Parteikonferenz der dänischen und deutschen Sozial- demokraten statt. Zu dieser Wahl erschienen die Genossen S t a u n i ug(Kopenhagen), H o e r d a m(Kopenhagen), Knut Hansen(Kolding) und die deutschen Genossen Hackelberg (Kiel) sowie Haberland(Flensburg). Außerdem waren an- wesend zwei Delegierte aus Hadersleben und je zwei aus T o n d e r n und Apenrade. Genosse Hackelberg(Kiel) sprach namens des schleswig-holsteinischen Bezirksvorstandes herz- liche Worte des Abschieds. Er besprach eingehend die Gründe, die zur Trennung von der deutschen Parte! führten. Er bat die hiesigen Genossen dringend, in Dänemark mit aller Kraft die E i n-,� h e i t bet P a r t ez zu wahren, indem er die schädlichetr Folgen, die der Bruderzwist für die Arbeiterschaft in Deutschland hatte, vor Augen führte. Nunmehr überbrachte Genosse Staunmg die Willkommens- grüße des dänischen Parteivorstondes. Er verbreitete sich kurz über die dänische Parteigeschichte und über die Stellung, die die Partei in internationaler Beziehung, namentlich während des Krieges, und in der A b t re t u n g s s r a g e eingenommen hatte. Auch sein« Worte klangen aus in dem Wunsche, daß die nordschles- wigschen Genossen und Arbeiter dazu beitragen möchten, die Kampffront der Arbeiterschaft gegen das Kapital zu festigen. Genosse Haberland(Flensburg) betonte, daß es Pflicht der Sozialdemokraten auf beiden Seiten der deutsch-däntschen Grenz« sei, für den Schutz der i n d e r h e i t e n einzutreten. In Flensburg wird voraussichtlich am 1. Oktober d. I. ein« dänische Schule errichtet, die beweist, daß man in Deutschland ernstlich gewillt ist, in der Nationalitätenfrage Rücksicht walten zu lassen. Dasselbe verlangen wir nun aber anch von den Dänen den bier verbleibenden Deutschen gegenüber. Genosse Stauning dankte Haberland und versprach, daß die dänisch« Sozial- demokratie die deutsche Minorität in Nordschleswig stützen werde. * Bei den Elternbeiratswahlen in Flensburg wurden nach der bisherigen Feststellung gewählt: 67 Mehrheitssozialisten, 9 Unabhängige und 40 Bürgerliche. Dela Khun auf üem Wege nach Rußlanü. Stettin, 20. Juli. Nach dem Stettiner Generalanzeiger ist Bela Khun entgegen ackders lautenden Meldungen heute»ach- mittag 3 Uhr mit dem Dampfer Lisboa von Stettin nach Rußland abgereist. In feiner Begleitung befanden sich zahl- reiche Kommunisten aus Ungarn und Oesterreich. Er war schon Sonnlag früh mit der Bahn in der Nachbarstadt Alt- dämm eingetroffen, wo er bis beute vormittag verblieb, um dann nackt Stettin übergeführt und an Bord des Dampfers gebracht zu werden. Außerdem befanden sich aus dem Dampfer 830 russische Kriegsgefangene. Der polniscke Rückzug. Kopenhagen, 21. Juli. Nach einem Telegramm ans Warschau besagt der polnische Heeresbericht: Nördlich von G r o d n o dauern die Kämpfe aus der Linie Skrzy-Boviee an. In der Gegend von Nowo-Grodek haben die Polen den Befehl erhalten, nach Westen ihren Rückzug anzutreten, der unter dem Druck des Fein- des erfolgt. Bolschewistische Angriffe in P o l e s i e n und am S t y r f l-u ß sind abgeschlagen worden. In der Gegend von Dubnow dauern die Kämpfe an. Der Feind bat dort ernste Berlnste erlitten.» Kamenews Senöung. Amsterdam, 21. Juli. Die JTimes" sagt, es bestehe Grund zu der Annahme, daß die Kopenhagener Meldung über die Unter» stellung Krasiins unter Kamenew, nicht den Tatsachen entspreche. K r a s s i n soll Unterhändler für Finanzangelegen- heiten sein, während Kamenew in diplomatischer Eigenschaft nach London kommd. Ursprünglich war geplant, Rädel zu senden, aber auf TrotzkiS Antrag wird Rade! sich* mit den polnischen Am g e l e g e n h e i t e n zu befassen haben. Wahrscheinlich werden Rade! und DerzkinSky al« Friedensdelegierte nach Warschau gehen, Während der Abwesen- heit Krasstns ist die russische Handelsdelegation in London eifrig tätig gewesen. In London wird eine Bant errichtet werden, die bereits offiziell als russische HandelsdelegationS- g e s« I l s ch a s t eingetragen worden ist. Direktor der Bank wird vermutlich Kraffin sein. Wie verlautet, ist russisches Gold im Wert« von zwei Millionen Pfund Steckling unterwegs nach England.' bi? Demokraten ein« Minderheitsressiernng als siir sie nicht annehmbar abgelehnt hatten. Nunmehr versuchten die Volksparteiler die Bildung einer bürgerlichen Regierung: wie es aber scheint mit ebenso wenig Glück wie wir. Die Demokraten lehnen ein Paktieren mit den Deutschnationalen ab. Eine Mehrheit ohne diese ist jedoch nicht zustande zu bringen. Die Situation ist verfahrener denn je. Von den Unabhängigen ist eine Selbstbesinnung im letzten Augenblick nicht zu erwarten, obwohl ein großer Teil ihrer eigenen Wähler ein Zusammengehen mit uns für durch- aus notwendig hält. In den Massen weiß man eben besser, was dem Lande not tut, als in den Kreisen der „Führer". Hielt jener kleine Teil der Arbeiterschaft, der sonst diirchails unabhängig dachte, die Taktik der U. S. P. im Reiche schon für äußerst unklug, so ihre Mitarbeitsverweige- rung in Mecklenburg für ein direktes Verbrechen. Es ist ein KuckuckSei, das sich die U. S. P. ins Nest gelegt hat, und wir glauben, daß die Folgen noch höchst unliebsame für die U. S. P. sein werden. Wie die Regierungskrise in Mecklenburg ihren Abschluß finden wird, ist noch völlig ungewiß. Als einzige Lösung dünkt uns noch immer eine Minderheitsregiernng aus Sozialdemokraten und Demokraten, der aller- dings die U. S. P. wie anch die Volkspartei keine erheblichen Schwierigkeiten bereiten dürfen, wenn, sie eine auch nur b e- schränkte Lebensdauer haben soll. Wie weit beide Par- teien dieser Notwendigkeit Rechnung tragen werden, wird sich in den nächsten Tagen erweisen, da der Landtag noch in dieser Woche die Regierungskrise beenden will. Der zweite Weltkrieg. Deutschlands Neutralität. Es ist schwer, alle Möglichkeiten abzuschätzen, die in der gestrigen Mitteilung Millerands über das Verhalten der Entente im russisch- polnischen Kriege ein- geschlossen liegen. Danach wird die Entente mit allen Kräften Polen n n t e r st ü tz e n, wenn Rußland keinen Waffenstillstand annimmt. Rußland muß also den Waffen- stillstand als Gebot Englands annehmen, oder der offene K r i c g zwischen Rußland und der Entente ist da. Was dieser Krieg bedeutet, kann jeder ermessen, der einen Blick auf die Karte wirst. Ein Krieg zwischen Rußland und der Entente ist, mag er sich auch nicht militärisch so furcht- bar entfalten wie der erste, ein zweiter Weltkrieg, und auch von diesem wird man sagen dürfen, daß man zwar weiß, wie er ansängt, aber nicht, wie er aushört. Rußland ist in der Verteidigung stark— trotz der Trostlosigkeit seiner inneren Verhältnisse—, weil>?r Kern seiner Macht so gut wie unerreichbar ist. Die Entente riskiert aber durch Auf- nähme eines so unpopulären Krieges eine Steigerung ihrer sozialen Unruhen bis zu einem im voraus nicht bestimmbaren Punkte. Deutschland hat. wie es mußte, seine Neutralität erklärt. Was es heißt, in einem Weltkrieg neutral zu sein, kann es sich von anderen erzählen lassen. Jede Seite wird die Begünstigung, die ihr verweigert wird, als Bevorzugung der anderen Seite empfinden, an Verdächtigungen wird zs nicht fehlen. Aber auch nicht an Gefahren. Wird Deutsch- land, das unter dem Druck des EntwaffmmgHdiktats steht, noch stark genug sein, seine Neutralität schützen zn können, wenn der eine oder der andere Teil sie verletzen sollte? Auf alle Fälle rst Deutschland verpflichtet, jede Unterstützung des einen oder des anderen Teils durch innere Be- wegirngen in Deutschland selbst zu verhindern. Sympathie- erklärungen sind zollfrei, die Meinungsfreiheit bleibt be- stehen. Handln wg e n aber. die.auf eine Unterstützung einer kriegführenden Macht hinauslaufen, würden mit Recht als unneutral betrachtet werden und könnten für das ganze deutsche Volk die schwersten Nachteile im Gefolge haben. Ter Bedarf unseres Volkes an Krieg ist vollständig gedeckt, es Reichsadler und Reichskimftwart. Von Dr. John S ch i k o w S k i. "�cr Navembersturm 1918 hatte auch dem Reichsadler Krone i.. DcdenSletle hinweggefegt, und das Tier zeigte in seiner Blöße ein derartiges Aussehen, daß seine fundamentale Erneuerung not- wendig erschien. Ursprünglicki stammle der Vogel au-Z guter Familie: sein Thvus ging auf Diirersche Formen zurück. Aber er war mil der Zeit total degeneriert, indem verschiedene Verwendungszweck« und verschiedene Geschmacksrichtungen die ursprüngliche Normal- geflalt tausendfältig abgewandelt und umgeformt hauen. AuS den deuifchen Amtsbureaus, die im allgemeinen leine Pflegenätten ästhetischer Kultur sind, war namentlich im Laufe der letzien Jahr- zehnte eine ganze Menagerie von Adlern aufgeflattert, einer immer wilhelminischer als der andere. In der künstlerischen Neugestaltung des Reichsadlers bot sich dem Reichskunftwart die erste große Aufgabe. Dr. R e d s- lob ging w ihre Lösung in der Weise, daß er nicht, wie es Anno 71 geschehen war, einen einzigen NormalthpuS herstellen ließ," der für dce diversen prallischen Zwecke dann eventuell umgemodelt werden tonnte, sondern daß er für die wichtigsten Gebrauchszwecke v e r- schieden« Typen zn gewinnen suchte, aus denen sich im Laufe der Zeit ein einheitlicher ReichSadler-TypuS entwickeln soll. Es galt also" nicht, dem � deutschen Voll ein Reichssynrbol diktatorisch zu okirohieren, sondern mit aller Vorsicht und Umsicht erst einmal be- hutiam die Grundlagen für eine Tradition zu schaffen. Als Resultat monatelanger Arbeiten. Prüfungen und Versuche sind nun zunächst drei Grundthpcn gewonnen worden: ein i l S S e n a r t i g e r für den Druck, ein plastischer für die Prägung(Stempel. Postschilder usw.) und ein.geschriebener" für die lineare Ornamentik von Pässen und dergl. Schmidt-Rottlusf, der Neubeieber der deutschen Holzschnitt-Tcchnil, hat den ersten her- gestellt, und zwar in zwei etwas von einander abweichenden Typen, deren einer für das Reichswappen bestimmt ist. Sirenge, schlichte Geschlossenheit des Konturs und ein wundervoll klarer, ausdrucks- mächtiger, wuchtiger Rhythmus im Wechsel der schwarzen und weißen Flächenteile charakterisiert beide. Sie sind Erzeugnisse eines absolut modernen Stilgefühls, zeigen aber doch, weil sie aus handwerklich gefestigtem Empfinden heraus geschaffen wurden, leise Anklänge an alte deutsche Formen: an die hölzernen Scheiben-Adler der Arm- brust-Schützen und an Pult-Adler der nordischen frühen Renaissance. Die Vorzüge des plastischen Nelief-Adler?, den Ludwig Gies geschaffen hat. bilden leichte Faßlichkeit und suggestive Einprägsam- keit der Umrißformen, sowie eine delikate und doch ktaftvolle Oberflächenbehandlung in den graziösen Riefelungen der Flug- und Steuer- sedern und in dem schönen Zapfen- Dekor des Rumpfs. Acts der Technik der-Schrift heraus gestaltete schließlich der Stuttgarter Graphiker Max Körner seinen lakligraphifchen, m dem«n- und Abschwellen der Limen und dem Wechsel von geschmeidiger Rundung und euer- gtscher Spitze sehr reizvollen Adler-Typu». Man mag im einzelnen dieses oder jenes an den Enlwütfen auszusetzen finden, im Ganzen aber wird jeder Urteilsfähige zugeben müssen, daß hier etwas ab- solut Mustergültiges geschaffen wurde und daß die Zukunft auf diesem festen, gesunden, überdies jederzeit ausbausähtgen Fundament getrost weiterarbeiten kann. Irgendwelche Zugeständnisse an künstlerische TageSmoden find nirgends gemacht— falls mau nicht schon in der allerdings sehr energischen Abkehr vom Stegesalleesttl eine„extravagante Modernität" sehen will. Trotzdem haben RedSlobS Bemühungen um die Heransbildung deS Reichsadlers Anfeindungen gefunden, und zwar noch ehe mau ihr eigentliches Ziel genau kennen konnte. Eifrige Hakenkreuzler vermißten an dem Rottluffschnt Raubvogel den urgermanischen TypuS und nahmen Anstoß an seinen Plattfüßen und seiner krummen Nase. Würdige Zoologen haben ihn durch den Nachweis anatomischer llnzitlänglichkeiten allen Ernstes zu erledigen gemeint. Sehr bedenklich aber stimmen Gerüchte über eine Opposition, die dem Reichskunstwart in dieser Frage aus niaßgebenden Regie- rungSkreisen erwachsen ist. Und hier wird es nötig sein. einmal ein offenes und ernstes Wort zu sprechen. Jede Zentralstelle' unseres VcrwaliungsorganiSmuZ besitzt von Alters her ihren Kunstwart oder ihre Kunstwarte. Meistens sichere, juristisch oder sonstwie gebitdete- Beamte mit der bekonnten schön- geistigen„Ader". Ihr Geschmack war innerbalb der ResiortS bisher herrschend und es ist verständlich, daß sich diese Herren durch jedes Ein- und Durchgreifen des Reichskunstwarts in ihrem Einfluß geschmälert fühlen. AuS diesen Kreisen vorncyinlich entspringt die Opposition, die sich gegen die Rsichsadlercntwi«fe er- hoben hat, in Wirklichkeit aber allgemein gegen die Institution des Reichskunstwarts gerichtet ist. Und' diese Opposition des Konkurrenz- Neides findet lebhaften Widerhall in jedem waschechten Bureau- kratenherzen, dem eS unerträglich dünkt, daß ein gänzlich unburcau- kratiicher Reichsminister ein gänzlich unburcaukrajisches Amt ge- schassen und es einem Mann anvertraut hat. der zwar der Berufenste von allen in Frage kommenden ist. dessen Weg aber außerhalb der üblichen Ochsentour lag. Man hütet sich ehrlich, zu sagen:»vir be- kämpfen den Reichskunstwart, weiter eine Frucht der Revolution tst- Man appelliert vielmehr sehr geschickt an die Instinkte des ästhetischen Spießers, dem in Kunstsachen alles Neue ein Greuel ist, stempelt Redslob als. Expressionisten" ab und erklärt dce von ihm provo- zierten ReichSadlereittwürfe für Erzeugnisse einer unge- gesunden Kunstrichtung. Die vorsichtige, alle Gesichtspunkte und Peisonenfragen rein sachlich abwägende Art, in der diese Entwürfe vorbereitet wurden, und ein Blick auf die bisher gewocmenen Typen selber beweisen, wie blöde diese Behauptung ist. Trotzdem erscheint es noch nicht ganz ausgeschlossen, daß die Machinationen der gekränlten kunstsachverständigen Leberwürste und der revolu- tionsfeindlichen vureaukraten Erfolg haben. Eine etwaige amtliche Desavouteruag des Reichskunstwarts be diesem seinem ersten wichtigen Schritt würde uns aber nicht nur die Hoffnung aus einen schönen Reichsadler nehmen, sondern auch den Mann selber, über dessen außerordentliche Befähigung leine .(Weisel bestehen, in seiner Arbeitslust u»v Talkrast nachhaltig lähmen. Bielleicht gibt diese Angelegenheit Veranlassung, die Be» sugniffe deS Reichskunstwarts schon jetzt in der Weile unabhängiger und selbständiger zu machen, wie wir es von Aniang on ver- langt haben. In jedem Fall aber werden alle: die es mit der amt« lichen Kunftpflege im neuen Deutschland ernst meinen, den weiteren Gang der Sache sehr aufmerksam oerfolgen müssen. Denn es stehen hier wichtige ideelle Werte auf dem Spiel. Anton Bruckner. Die größte sinfonische Begabung seit Beet- hoben steht inmitten der rasenden Gebärden einer radikal-modernen Musik in Gefahr, unterdrückt zu werden, bevor noch seine Zeit gekommen ist. Mit Nachdruck ist in diesen Spalteit oft auf die dezwingende Kraft dieses gläubigen Wundermannes Bruckner hin- gewiesen worden; hier gibt es keinen Streit für oder wider: man erlebt ihn beim ersten Werk, oder man erkennt ihn nicht. Wer iihn aber eine Stunde mit aufquellenden Sinnen erlebt hat, der läßt ihn nicht ungesegnet mehr locker. Ein Meister unter den Meistern, ein Gott, der über allem Begabt-Handwerklichen thront, eine Leuchte am nebelhaft verfinsterten Kunsthimntel, ein lrartgenialer Könner, furchtlos, eigen und einzigartig, ein Sin- seniler, dessen Klang- und Themenreichtum aus dem unerschöpflich großen Registcrwerk der Orgel geboren ist! Gegen olle Ketzerei und alle kokette Jnieressantheit der Moderna reicht er wieder Bach und Beethoven, alz Oesterreicher Schubert,. die Hand. Seine 9 Sinfonien haben senvn mynunientalen Wbrs, der imstande ist, gerade dem unverderbten Volksgeschmack neue Botschaft zu bringen. In 10 oder 20 Jahren wind sein Lebenswerk in der Welt sieghaft dastehen. Wer das Leben und die Kunstgesetze, das Wirken und Voll- enden dieses WuudermanneS verstehen will, der-greife zu dem aufklärend, lebendig, feingeistig und hellhörig geschriebenen b:o- graphischen Buch des Wolf-Biographen Ernst Tescey lBerlag: Schuster u. Löfflet). Es ist wahre Freude, diese 200 Seiten zu lesen. Freude, es betanntzumachen. Kurt Singer. Haben wir zuviel Acrzte? Die„Deutsche Medizinische Wochen- schritt" veröffentlicht folgende Statistik über eine— so paradox es klingt— ungesunde Vermehrung oes Aerztestandes:„Die Zahl der Studentinnen an den deutschen Universitäten beträgt äugen- blicklich 7724. Sie hat sich seit den letzten ö Jahren verdoppelt, seit den letzten 10 Jahren fast vervierfacht. Der Medizin baben.sich augenblicklich 20L0 studierende Damen zugewandt, der Zahnheil- künde 200, der Pharmazie 130. Wir haben augenblicklich 22 000 Studierende der Medizin, in wenigen Jahren wird der Aerzte- stand aus rund 60 000 Mitglieder angewachsen sein, sich alw gegen- über der Zeit vor dem Kriege fast verdoppelt haben bei einer be- trächtlichen Abnabme der■ Gesamtbevöllerungszahl. Vor dem Kriege kam ous 2000 Etnwobner 1 Arzt, jetzt beträgt das Verhält- niS 1: 1600, in absehbarer Zeit torrd es 1: 1000 betvagen." ReichstaAsaussthuß übe? Spa. (Fortsetzung von der ersten Seite des Hauptblattes.) Ich stimme in Bernsteins Befremden darüber ein, daß S t i n n es zugezogen wurde, der durch seine Vergangenheit so kompromittiert ist. Hat StinneS wirklich die Zerstörung der novdfranzösischcn Gruben aus militärischen Gründen zu rechtfertigen versucht? Hat er wirklich erklärt, man könne den Einmarsch ruhig geschehen lassen? Trägt er sich etwa mit dem Gedanken, nach dem Einmarsch seinen Einfluß im Ruhrrevier noch stärken zu können? Die Re- gierung mutz das Tischtuch zwischen sich und StinneS zerschneiden. Wenn Schieberpraktiken wirklich die Leistungen vermindert haben, mutz eS sich um ungeheure Mengen handeln. Darum darf mit der Sozialisierung nicht einen Augenblick gezögert werden. Nur dadurch kann man die Bergarbeiter arbeitsfreudig machen. Einer durchgängigen Verlängerung der Arbeitszeit werden die Berg» arbeiler nicht zustimmen. Minister Simons soll gesagt haben, bei Unruhen., d. h. bei Kämpfen zwischen Reichswehr und Arbeitern würde die Entente der Regierung hoffentlich beistehen, wie die Preutzen den Versaillcrn gegen die Kommune. Das würden wir als eine Kampfansage an die Arbeiter betrachten. Reichsmiinister Simons: Ich kann Herrn Ledcbeur bestätigen, datz wir in der Ein- marschfragc den deutschen RcchtSswndpunkt korrekt gewahrt haben. ' Ich habe den Alliierten vorgeschlagen, sie sollten sich auf§ 17 und 18 des Annex II drs VIII. Abschnitts berufen, die ja besagten, welcke Maßnahmen ihnen zuständen. Da wir nur unter Reserve unterzeichneten, ist für ims Punkt 7(die Einmarschdrohung) null und nichtig. Als ich Llopd Georg« bei der Entwaffnungsfrage den Einwand wegen Irland machte, sagte er mir, Frankreich habe im Jahre 1871 gezeigt, wie man Rebellionen niederschlage. Ich .entgegnete, Deutschland könne in diesem Fall hoffentlich auf die- selbe Haltung von seilen der Entente rechnen, die es selber damals e ngenontinrn habe. Deutschland habe es damals Frankreich er- möglicht, seine Machtmittel gegen die Rebellen zu entfalten. Mehr will Deutschland auch nicht. Die Hilfe fremder Machtmittel zu fordern, würde ich für v e r ä ck> t l i ch halten. Was StinneS bc. trirft, so ist er nun einmal Repräsentant der deutschen Bergwerks- besiyer. T:e Franzosen betrachten eine Verhandlung in Kohlen- tragen ohne StinneS als unvollständig. Das ist eine Tatsache, mit der wir rechnen mutzten. Helsferich(Dnat. Vp.): Die Entwaffnung bringt Teutschland in die schwerste Gefahr. Wwii im russisch-polnischen Krieg polnische Heercsteilc ans deutsches Gebiet übertreten, haben wir als neutrale Mach! die Pflicht, sie ui cutwasfncn. Können wir da? nicht, so braucht auch Rutzlend unsere Neutralität nicht zu respektieren. Wie sollen wir d m porinalen Verlauf der Waffenablieferung garantieren? Man wird mehr von»nS verlangen, als was wir an Waffen haben, unge- beure Mengen sind vernichtet und verschoben. Die Entente hat es al'o sehr leicht zu erklären, der Verlauf der Ablieferung war nicht norma!, also rücken wir ein. Was die Kohle betrifft, so und die Braunkohlenverhältniffe auch nicht günstig. Ob da noch c;ne Steigerung möglich ist, mutz man bezweifeln. Ich bedauere, datz auch von Schiebungen die Rvde ist. Diese Quantitäten können gar nicht in Betracht kommen. Natürlich«utz dem aufs schärfste entgegengetreten ivevden, aber ans dieser Quelle wird ein wesent- licher Betrag zu den 2 Millionen Tonnen nicht flietzen. Di« Aus- sichten in Qberschlesien sind höchst zweifelhafter Natur. Wir sind da aus den guten Willen der anderen angewiesen. Ich fürchte, datz der 15. November ein kritischer Tag wind. Danach wurde die Sitzung auf heute b Uhr nachmittags vertagt. Dis5ebensmittelteuerung unö ihre Ursachen Um die Bevölkerung über die Ursachen der LebenSmittelnot aufzuklären und Mittel zur Abhilfe zu eröretrn, veranstaltet unsere Parteiorganisation in Grotz-Berlin eine Reihe von«olksversamin- lungen. Die erste derselben fand am Dienstag in KliemS Saal in der Öafenbeide statt. Man sollte meinen, die Lebensmittelnot, die doch alle Arbeiter ohne Unierschled der Parteirichtung aus das schwerste drückt, sollt? auch unter Atbcilcrn der verschiedensten Parteianschauungen fach. l i ch und leidenschaftslos erörtert werden können. Aber kaum war die Versammlung eröffnet, da zeigt« sich, daß einige livkSraditale Elemente es auf eine Störung abgesehen hatten. Ter Referent, Genosse Kurt Heinig. begann mit einer durchaus sachlichen Darlegung der Ursachen der Leibcnsm ittelknapp- bc.t. Fast fteer Satz, den er aussprach, wurde durch weit von der Sache abliegende, zum Teil sehr alberne Zwischenrufe unterbrochen, was öfter�Ätörnngeil und Umerbrechungen der Versammlung ver- milatzte. Für sachliche Belehrung ivaren die Schreier natürlich nicht zugänglich. Ihnen kam es ja nur darauf an, eine von den verhaßten Mehrhei t ssozial i sten veranstaltete Versammlung nach.Kräften zu stören. Es gttaiig aber dem Referenten, sich allen Störungsver- suchen zum Trotz durchMsetzen. Als Mittel zur Abhilfe der wirtschaftlichen Not empfahl er: Steigeruiig der Produktton und der Ausfuhr von I nd u t i rieprvdukten sowie Steigerung der Einfuhr von Nahrungs- Mitteln, alsv Organisierung der Produktion und der Ernährung. Damit müsse Hand in Hand gehen eine plan- mätzig« llmstelluftg dir Wirtschaft in der Richtung, datz das Privatinteresse ausgeschaltet oder wenigstens zurück. gedrängt werde zugunsten des Allgemeininteresses. Tas sei von der gegenwärtigen Regierung nicht zu erwarten. Wir muffen also kämpfen, wie wir es sonst getan haben. Wenn wir unsere Macht, die wir al» Arbeiter haben, mit Erfolg anwenden wollen, dann müssen wir einig sein und einheitlich vorgehen gegen rechts. Wir dürfen irns nicht mehr streiten über das, was gestern war, sondern uns einigen über das, was morgen zu geschehen hat. (Lebhafter Beifall.) Nachdem die Rtchestorer eingesehen hatten, datz sie in der sebr stark besuchten Versammlung nicht auf ihre Rechnung kommen konnten, verhielten sie sich ruhig. Tie iehr rege und aucacdchnte Tiskufsion war durchaus sachlich und nahm euien i'ngcilörten Verlauf. Tie folgende Resolulio» wurde gegen zwe: Stimmen angenommen. „Die Volksversammlung stellt fest, daß die Lebenshaltung der arbeite rde.n Bevölkerung in immer stärkerem Matze er» s ch w? r t wird. Tie bevorstehende enorme Erhöhung der E! e t r e i de p r e! s e, welche trotz gegenteiliger Versiche- rung sch lieg! ich«ine neue Brotteuerung herbeiführt, mutz die Lebershaltung der arbeitenden Bevölkerung in weitere Sch-wterigikiien bringen, wenn nicht eine entsprechende Stet- g e i:: n g des Einkommens siattfinder Die Versammlung fordert von der Reichsbegierung entschiedene Maff nahmen zum systematischen Abbau der Preise für d�e wickt'.gsten Lebensbedürfnisse. AIS erster Schritt dazu i,'t eine energische Bekämpfung des wucherischen Zwischenhandels erforderlich. Die Lage der Arbeiterschaft ist durch die drückende Arbeits- lasch /eil in vielen Industriezweigen und durch die Einschränkung der:! ibeilszcit in zahlreicfiMf Betrieben stark feuibedti. Daretitt erwartet dch chei>amistluna. dar'Ire B'rtre'er in den öffentlichen Körperschajlen energisch für folgende �orde- ruiegen eintreten: Geheimschreiben öer Großagrarier. Denkschrift an den Reichskanzler.— Antisemitische Pöbeleien.— Tote nnd Verwundete. — Eine Streikbrecher-Organisation?— Schlich mit den Provokationen! Wir sind in der Lage, ein Schreiben des„Pommerschcn Landbundes" zu veröffentlichen, das dieser an de.n Reichs- k a�t z l e r, an das" Landwirt schafts» und an das A r b e i t s m i n i st e r i il m gerichtet hat. In dein Schreiben werden Zwischenfälle aus der Zeit des pommerschen Land- arbeiterstreiks dargestellt, und es wird darin ersucht, daß die zuständigen Stellen sich der Sache annehmen möchten. Ter Pomnzersche Landbund wird nicht erfreut darüber sein, daß wir es uns erlauben, der Oeffentlichkeit einiges aus seinem Schreiben mitzuteilen. Wir sind vielmehr der Ueberzeugung, detß weiten Kreisen der Bevölkerung, die über das Treiben und die Te n d e n z e n des V. L. bisher nicht richtig informiert waren, durch Bekanntwerden dieser Hehichrift die Augen über das wahre Gesicht des P. L. geöffnet werden. Man sollte annehmen, daß der P. L. in einem Schreiben, das doch immerhin behördlichen Charakter trägt und an maßgeblich? Regierungsstellen gerichtet ist, sich jeder verhetzen- den Phwsen enthält und lediglich einen sachlichen Tat- b e r i ch t einreicht. Nichts irriger als dies! Jledes Schlagwort. das wäbrend de? Landarbeiterstreiks gefallen, jede Acußerung, die in der Erregung getan worden ist, wird triumphierend berichtet, und die streikende Landarbeiterschaft als eine S.char von Verbrechern und Mördern hingestellt. Unter dem 2si. Juni heißt es aus dem Kreise Bublitz: Im Kreise fordert der Stettiner Jude H erper die Mwffen auf,„die Bourgeoisie zum Teufel zu jagen". Die Hinzufügung der Konfession kennzeichnet zur Genüge den Charakter dieser„amtlichen" Auslasiung. Als schweres Verbrechen wird unter dem Juli aus B e l g a r d gemeldet: Arbeiter stellen ein Ultimatum auf: Zurückziehung des Militärs, das sonst fortgejagt würde. Wer die Roll? des Militärs auf den pommerschen Gütern auch nur einigermaßen kennt und die Kapptage noch in Erinnerung hat. der wird wissen, welche Rolle den Soldaten seitens der Gutsbesitzer der Arbeiterschaft gegenüber zugedacht wir. Wenn man der Arbeiterschaft das Recht nimmt, bestimmte Ifordernngcn zu stellen— die man ja stets als„Ultiniatum" bezeichnen kann— so soll man ihr lieber offen überhaupt jegliches K o a l i t i o n s r e ch t ab- sprechen. In welchem Ton manches Ultimatum d?r Arbeit- gcber gerade den pommerschen Landarbeitern gegen- über gehalten ist. darüber wird der P. L. ain besten Auskunft zu geben imstande sein. Vom 2. Juli meldet der Bericht lakonisch: Banden von 50— 70 Mann mit roten Fahnen bedrängen Arbeitswillige. Tas Militär schafft Ruhe. In welcher fsform diese Ruheschaffung por sich gegangen ist. läßt der Bericht nicht erkennen. Vorbilder schrecken.... Unter dem 26. Juni wird aus Bütow gemeldet: Retten von?— 50 Mann ziehen dazu umher, namentlich in Hilgendorf und M o d d r o w, und hindern alle Arbeit. Gegen dieses„aufruhrartige" Verhalten hatte Kasifi, der dem P. L. sicher näher steht, als die pommerschen Landarbeiter, allerdings ein probates Mittel. Er bedrohte Streik- p o st e n st e h e n mit den: Tode, pnd von der Rechtspresse wurde seinerzeit bekanntlich nur bedauert, daß dieser Erlaß um 24 Stunden z u spät gekommen sei. Aus Lauenburg weiß der Bericht folgende„Schand- tat" der Arbeiterschaft mitzuteilen: In Osseken werden die unter polizeilicher Kon« trolle stehenden Gewehre der Einwohnerwehr gei stöhlen. Wir sind der Ansicht, daß durch derartig hetzerische Vev- leumdungs- und Schmähschriften gegen die Arbeiterschaft nnd durch den Versuch, die höchsten Regierungsstellen gegen die Landarbeiter mobil zu machen, nicht gerade der Mög- lichkcit einer ruhigen Arbeit' gedient wird. Deshalb gehen wir in der Erwartung wohl nicht fehl, daß das Schreiben des P. L. seitens der amtlichen Stellen die gebührende Be» antwortung finden wird. W e r in Pommern zum größten Teil der Einwohnerwehr angehört, ist hinreichend bekannt, imd die Tatsache, daß die Gewehre— wie es so schön heißt—„unter polizeilicher Kontrolle" stehen, ändert nichts daran, daß sie im entscheiden- den Augenblick— natürlich aus„Notwehr"— gegen den „inneren Feind" hätten losgehen können. Indem die Ar- beiterschast dies verhütet hat, erwarb sie sich geradezu ein V e r d i e n st um die Aufrechterhaltung der Ruhe in der äußerst kritischen Zeit. Eigentümlich wirkt an der Uebersicht des P. L., daß zwar immer genau die Zahl der Toten und Verwundeten auf feiten der Gutsbesitzer und Streikbrecher angegeben wird, daß man aber von irgendwelchen Verletzungen auf feiten der Aroeiterschaft nicht das mindeste hört. Hier scheint uns der Bericht doch eine kleine Lücke zu erhalten. Es ist ferner auffallend, daß den ganzen Bericht die Mit- tcilung von der Einsetzung der„Technischen Nothilfe" unaö- lässig durchzieht. Es mag im Einzelfalle nickst ganz leicht sein zu unterscheiden, wo die Nothilfe am" Platze ist und wo nicht. In jedem Falle soll sie grundsätzlich nur da eingesetzt wer- den, wo es sich um die Verrichtung von Arbeiten handelt, bei deren Nichterledigung schwere wirtickststliebe Notstände zu befürchten sind. Unter allen Umständen aber muß vermieden werden, daß die Technische Notbilfc die Nolle eines o r g a n i- sierten Streikbrecherkorps spielt. Das ist auch der Gedanke, von dem sich ihre Begründer Wim leiten lassen. Die Denkschrift des P. L. ist ebenso einseitig wie tendenziös gefärbt. Wir glauben, daß ihr Eindruck auf die Regierungsstellen nicht allzu choß sein wird und er- warten mit Bestimmtheit, daß auf Grund dieser int er- essierten Darstellung nichts gegen die Landarbeiterschaft unternommen wird. Der. Streik in Pommern ist be- endet. In der Erkenntnis der Bedeutung der Ernte für die Ernährung des deutschen Volkes haben die Arbeite? trotz aller Provokationen seitens der Agrarier die Arbeit wiedev aufgenommm. Sckion neulich wies eine Zuschrift des Pom- merschen Landarbeiterverbandcs an uns darauf hin. -IN-- TU- 1----------------- Aufnahme ver Produktion in de« stillgelegten einer oüsreichenden obligatorischen Arbeits- 1. Schnellst« Betrieben. 2. Einführung losenvcrsiche»l>ng. 8. Schaffung bor prndt-ktiven Bareitstelluug öffentlicher Arbeiten. ErtverbSlosenfürsorze durch Absagen an Englanö. A m st e r d a m, 21. Juli. Ter Nntersiaatssekretär des Aöußern, Harmsworth, antwortete auf flnfraaen im UnterhanS: Tie Regie- rungen von Finnland, Litauen und Lettland hatten die Einladungen zur Teilnahme an der F r i e d e n s k o n f e r en z i n London abgelehnt. Tie englische Regiernng habe bisher mit General Wrangel über Waffenftillfiand keine Besprechungen gehabt. Tie russische Riitcregieruug habe auf die Ein» laduug geantwortet, da aber noch Verhandlungen im Gange seien, werde es nicht für wünschenswert erachlet, die Antwort von Moskau sofort zu veröffentliche,,. Die englische Reaicriinq beabsichlige, die ganze Korrespondenz über diese Frage sobald wie möglich bekannt- zugeben.____ GroWerün KommunalpoUtisckps aus öer U. S. p. Prinzipienfertigkcit ist bekanntlich die starke Seite unserer Unabhängigen. Zum Beweis dafür folgendes: In den beiden Schwesterstädten Elberfeld und Barmen soll das Schulgeld erhöht werden. In Elberfeld lehnten die Unabhängigen die Erhöhung a b und in Barmen stimmten sie dafür. Nach dem Organ der Parteigenössischen Lehrer:„Der freie Lehrer" lautete der unabhängige Pressebericht über die Elb er- felder Ablehnung folgendermaßen: „Eine längere Debatte riet die Erhöhung des Schulgeldes her- bor, �Genosse Hoffmann bcaatragte. es bei den bisherigen Schul- geldsätzen zu belassen, bis oie Staffelung der Sätze nach dem Einkommen durchgefühlt se!> Tie Argumente unseres Genossen Hvffmann konnten nicht entkräftet werden, aber trotzdem stimmten die Bürgerlichen mit den Rechtssozialisten für die Er- höhung, die die Angehörigen de? durch den Krieg und den Kapi- talismus zermürbten sogenannten Mittelstandes und die Arbeiter hart trifft."' In Barmen begründete der Veiireter der Unabhängigen ihre Stellung solgendermatzen: ..... I m Gegensatz zu einem Teil der anderen Fraktionen haben> wir der Erhöhung des Schulgeldes auf 400 Mark zugestimmt Wir Halen uns keinesu>egs darüber hin- ----------'UUVl. u,11"■"«»•»»'.vtt. t'CL ww. m VI i-fj zuführen... Unser Schulprogramm erstrebt die Einheitsschule mit dem Oberbau der Auslese der Tüchtigen; aber solang« uniere müv ua v.u itornmuni:»tu fvt.i i»ec covereu vi.a'utt au» öffentlichen Mitteln das drei- bis vierfache aufwenden mutz als für jeden Volksschüler, halten wir es für ungerecht, wenn die Stadt nun zugunsten der t ap italistischen Kreise noch tieferindenSickelgreifen soll. Wer bedauern es, daß ____,__ lli___ j___ j._____ u m j___!___ j..: dj je■ uns die Finanzen dazu zwingen, diese Erhöhung des Schulgeldes vorzunehmen, wir würden es aber nicht verantlo orten können, wenn nun denjenigen Kreisen, die es sich leisten können, auf Kosten der Allgemeinheiteine Vergütung zur Erziehung ihrer Kinder gegeben würde, eine Beihilfe, die eben in dem gleichen Matze nicht de., Armen und Aermften zugute kommt," Nicht nur die Argumente des Herrn Hoffmann-Elberfeld swd durch seine Barmer Gcsmungsgenossen entkräftet worden, sondern diese werfen ibm und seinen Parteifreunden sogar vor, „zugunsten der kapitalistischen Kreise" noch ttefer in den Staatssäckel gegriffen zu haben und.chenjemgen Kreisen, die es sich leisten können, auf Kosten der Allgemeinheit eine Vergüttlng zur Erziehung ihrer Kinder" gegeben zu haben. Es ist doch eine t ü cb t: g e Partei diese ll. S. P. D., die Ver- treterin des revolutionären Proletariats. Sie kann einfach alles, vor allen Tingen alles begründen. Sie ist nictst nur zu bewundern, sondern auch zu beneiden, weil ihre Mitglieder — wenigstens bisher— alles glauben, was man ihnen vor. macht. Aber hoffentlich fängt es auch da bald einmal an zu dämmern. Vereitelter Millionenranb. Dem bei der Firma Louis Fried länder u. En. m der Wallstratze'70/79 a-ngestelllen Wächter bettle sich in den letzten Wochen ein Italiener genähert, der in einem benachbarten Hause wobnte. Er befreundete sich mit ihm an und inchte ihn zu über- reden, an einem geplanten Diebstahl bei seiner Firma teilzu nehmen oder seiir« Hilfe zur Verfügung zu stellen. Dem Wächter wurden 20 000 Mk. versprochen. Der Wächter machte der Firma von dem Angebot Mitteilung, und diese veranlatzte ihn, mit dem Italiener weitere„Verhandlungen" zu pflegen. In der vergangenen Nacht lallte der Einbruch ausgeführt werden. Die Firma nahm die.Hilfe der Kriminalpolizei in Anspruch, die zwei Beamte mit zwe! An- gestellten einschließen ließ. Kurz nach Mitternacht holten sich ztvei Männer, wie ausgemacht, die Schlüssel zu den Geschäftsräumen aus dem Schlüsselt asten in der Portierloge. Sie drangen durch die Hauptlür in den Vorrotsraum ein und wurden dort vcm den ein- geschlossenen Beamten mit dem Ruf„Hände hoch!" empfangen. Ter eine der Verbrecher konnte sich noch zur Flucht wenden. Die Beamten verfolgten ihn und gaben mehrere Schüsse auf ihn ab; er ist anscheinend verletzt worden. Ter andere Einbrecher wurde verhaftet. Heute morgen wurde auch der Italiener sestge- nommen, der den Plan mit dem Wächter verabredet hatte. Verjährte Tnmultschäden anmelden. x Die lokalen und allgemeinen Unruhen habem für viele Volksgenossen böse körperliche' und wirtschaftliche Folgen gehabt. Bis zum 12. Mai d, I. hastete für derartige Tumulticknden nach dem Gesetz vom 11� März 1850 jeweils die Gemeinde, in deren Bezirk der Schaden passierte. Die Pflichtigen Gemeinden lehnten die Hastung nach dem alten Gesetz a b und regten bei der Reich'regienmg den Erlaß eines den Verbältniflen sich anpassenden Gesetzes„lieber die durch innere Unruhen verursachten Schäden" an. Dieses ist mit Wirkung vom 12, Mai 1920 bekanntgegeben. In beiden Gesetzen wird davon abgesehen, im gegebenen Falle dem Betroffenen von dem In hall derselben Kenntnis z» geben. So kam es denn, daß eine große Menge Geickiädigter nach dem Buchstaben des alten Gesetzes keine SchadloShaltung finden konnte, da die Anmelde« und Klagefristen versäumt wurde.n Der Gesetzgeber deS G» Ehesachen 1 Strassachen s) Neu. källn, Berlinerstrafte 102 sHet- mannplatz) 1263 Tteuerfragen sind Ihnen noch em Rulles? Sissellg„Führer Durch das Re i ch s einkomm e n- steuergeletz"(3 31) löst sie alle. Buchh.Vorwarts, Lindenst?aße2. Stellenangebote' Steifende für gutgehende Nebenarttkel gesucht Polzw, Reinickendorf. 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