Nr. 365■» 37. Fahrgang Ausgabe ö Nr. 45 BezupsvretS: B»rt»>1Stzr>. SV.— Mt� monatl.lv.— Mt. fzer ins»au», oormi»-.atilbac. Paft» oesufl Monatlich 10,— Ml, prf'.-?u- ittüun.nciebüht. UnitcRtrusoanb füi Deutlchland unö Oesterreich 16,.'0 M!, für Oa» udnqc Auolant Sei käalich eiumal. p.ufteDimo 2150 M. T-n'tip- iiellunAen nehmen nn Oesterreich, Ungarn, Tschecho-Slowalei, Däne- mart. Sollano. �a.emourg, Schweden und die Schwei».— eingetragen in die PMi-beirunge-Pre'. liste. Der.Dorwärt»" mit der Sonntag»- deiiage.Voll u.steit�«richetn» wachen- täglich zweimal. Sanntag» und Mo»- tag» einmal. Telegramm-Adresse: .Sojiaiannatrai Botlln- Abend Ausgabe Bccüncc OolKsblcltt ( 20 Pfennig) Anzeigenpreis: Sie achtgeipaltene Nanoareillezeii, loste Z.— M..Teuerung»zu!chIag SV°/� »ktloinc Anzeigen" oas lett- gedruchte Wort 1,— M. iznlitsstg zwei ettgedriirkt, Woriel. edes weitere Wort 00 Big. Stellengeiuche and Lchlaistellenanzeigen das erste Wort 65 Plg, jedes weitere Wort 40 Pfz. ©orte Uder 13 Suchttaben zähle« tut zwei Worte. Tenerunasziiichlaa 50°/» tzamilien-Tnzeigcn für Abonnenten geile 2,— M„ politiiche and ge» weriichaitliäie Verear»- Anzeigen Ml. die geile ohne Auffchlag. Anzeigen stir die nächste Nummer mlllsen die S Ahr nachmittag» MI chauvtgeschätt, Verlin SW 08. Linden- stratze S, abgegeben werden. Debffimt � von 8 Uhr iriih bis b Uhr abend». Zentralorgan der rozialdemokratifcbcn partei Deutfcblands Redaktion und Expedition: SW. bL, Lindenstr. Z. Zherniprecher: Amt Morinpla», Rr. 15 1 90-151 97. vorwärts-verlag G.m.b. H., SW. 6$, �indenstr. 3. Zhernivreeder: Amt MoriKPla«, Nr. 117 53— 54. N Spa im Reichswirtfihastsrat. Wirtschaftsmittister Scholz über die Kohlenfrage. 8. Sitzung, Donnerstag, den 22. Juli 1020. 0m RessierungStisch: Scholz, Brauns, ReichStagSpräsideni L ö b c. i Präsident Edler v. Braun eröffnet die Sitzung 10 Uhr 20 Min. Er teilt mit, daß die Schwierigkeiten in der Benutzung des Raums überwunden sind. Die Teppiche und Läufer sind wieder da.(Heiter- teit.) Er verliest dazu ein Schreiben des Präsidenten L e i n e r t. Präsident Edler von Braun bemerkt dazu, daß in mündlicher Wer- Handlung Präsident Leinert durchaus entgegenkommend gewesen sei und ersucht, ihm dafür den Dank des ReichSwirtschaftSrates auS- sprachen zu dürfen. lBeifall.) AlS einziger Punkt steht auf der Tagesordnung: Bericht der Reichs- regierung über die Verhandlungen in Spa. Dazu möchte ich folgendes sagen: An verschiedenen Stellen in der Oefservtkichkert ist die Verwunderung darüber zum Ausdruck ge- bracht worden, daß der Ret ch S wirtschaftZrat den Bericht der ReichSregierung über die Versammlungen in Spa vor dem Reichstage erhälr. Diese Verwunderung ist durchaus ungerecht- fertigt. Roch den gesetzlichen Bestimmungen hat der Reichs- wirkschrftZrat die Aufgabe gutachtlicher Acußerungen in Wirtschaft»- politischen und sozialpolitischen Fragen. Ein Gutachten hat aber nur dann einen Sinn, wenn es vor der Entscheidung gefällt wird. Dekhalb liegt e» im Sinn« der gesetzlichen Bestimmungen und im Interesse des Reichstages, daß der ReichSwirtschaftSrat seine Meinung über daS VerhandlungScrgebniS in Spa vor dem Beginn der ReichStagSvcrbandlungen zum Ausdruck bringt. Wir werden beute den Bericht der ReichSregierung entgegennehmen und Stellung dazu nehmen. Unsere Aufgabe beschränkt sich dabei auf da» Gebiet, das berei!» im Namen unserer Körperschaft zum Ausdruck ge- bracht wird. Für das glrsamtr DeutsMand würde eS ein irnertrögllicher Zu- stand fein, wenm Reichswirtschaftsrat und Reichstag die Verhcrnd- lungen in Spa nach den gleichen Gesichtspunkten betrachlen würden, also nach politischen Gesichtspuirtten. Wir werden uns bei unserer Stellungnahme streng an unsere Ausgabe halten müssen. E» ist klar, daß ei nicht unsere Aufgabe sein kann, die Verantwortung für die Verhandlungen in Spa zu über- prüken und der Regierung unser Vee r t r a u e n oder Miß- trauen zum Ausdruck zu bringen. Das ist ausschließlich Auf- gäbe de» Reichstage». Ich erbitte das Einverständnis der Versammtumg. daß die' Erörterung politischer Fragen nicht zugelassen werden soll.(Zustimmung.) Ein Widerspruch erfolgt nicht; e» wird dementsprechend verfahren. ReichSwirtschastSministe» Scholz: Bevor ich zu dem eigentlichen Thema übergehe, ein kurzes Wort zu der Frage, die eben angeregt worden ist. Di« Reichs- •regierung hat sich in dieser Beziehung mit dem Vorgeben des Präsidiums des ReichSwirischaftSrateS einverstanden erklärt au» den Gründen, die der Präsident vorge taten hat. In diesem Gremium kam e« sich dabei nur um die Beurteilung der wirtschaftlichen Fragen handeln, kurz gesagt, nur um die Kohlenfrage. Bei diesem Hauptthema nehme ich vorweg daS Geständnis, daß e» mir sehr viel angenehmer wäre, als Mitglied dos Reichs. wirtschaftSratS heute auf Ihren Bänken Kritiker zu fein, als bier Ihnen gegenüber die Maßnahmen der Regierung in Spa und da» Abkommen, da? dort getroffen werden mußte, zu verteidi- gen. Als wir nach Spa abreisten, sagte ein guter Freund mir zum Abschied:„Oiönchlein, Mönchlein, du gehst«inen schweren Gangl* lind ich muhte ihm tiesinnerlich zustimmen. Daß es ein schwerer Gang war, zeigte sich schon in der ganzen Art, wie die deutschen Delegierten in Spa ausgenommen wurden, und wie zu- nächst mit ihnen verhandelt wurde. Wir waren disloziert von dem eigenttüben Kernpunkt der Geschehnisse. Wir waren, was man für etae Somm«rsri>'che vielleicht ganz angenehm finden konnte, weitab auf einem Berge in Wäldern untergebracht, und es war die Kommunikation mit dem eigentlichen Sitze der Konserenz in Dpa erschwert. Daß auch sonst die Ausnahm« und die Be- Handlung der deiilfchen Delegation in Spa nicht ganz einwandfrei war. entnehmen Sie au» der Tatsache, daß ein Mitglied des Reichs- wirttchafttrats in einer Apotheke erfahren mußte, daß ihm ein notwendige» Heilmittel verweigert wurde mit dem Hinweis, daß an Deutsche nicht verkauft werde.(Lebhaftes hörtl hörtl) Auch die ganze Art der Verhandlungen zeigte, zunächst wenigstens, daß man uns doch dort nicht als gleichberechtigte Ver- b.ri'�lungSgegner awsgken wollte, sondern als Angeklagte, die sich zu recht'ertigen hätten. Die ganze Sachlage war die: Wir sollten verantwortlich vernommen werden über alle die Untaten, die wir begangen hätten, und über die Versäumnisse, die man uns zur Last legte, und darüber wollt« man drnn ein Urteil fällen. Wenn e» gelang, zu einem anderen Verhandlungsmodus zu kommen, so ist das daS besckndere Verdienst meines hochverehrten Kgllegen vom Außenministerium, dem es gelungen ist, durch außerordentlich geschickt« Verhandlungsmethoden unsere VerbandlungSgegner davon zu überzeugen, daß wir ihnen gleich- berechtigt gegenüberstanden. Luch>n der Kohlenfrage begannen dj« Verhandlungen damit, daß uns zunächst Vorwürfe über dt« bisherige Art unserer Lieferungen gemacht wurden und wir veranlaßt wurden, unS zu ver- antworten. Nachdem das geschehen war, erfolgte ein Diktat in der For» einer sogenannten D e c i s i o n. DiekeS Diktat besagt« « seuieu wesentlichen Momenten folgende»: Die deutsche Regierung muß den Lieferungen der Reparationskommission unter den durch den Friedensvertrag festgesetzten Bedingungen die absolute Vorhand vor allen anderen Lieferungen zuerkennen. Ferner soll eine dauernde Delegation der Reparationskommission in Berlin eingerichtet werden, die darüber zu wachen Hai, daß alle Bestimmungen rigoros durchgeführt werden. Im weiteren Verlause der Verhandlungen über dies« Punkte hat die deutsche Regierung es für richtig gehalten, durch zwei Sachverständige aus den Kreisen der Arbeitnehmer und der Arbeitgeber der Gegen- seite daS Prinzip deutlich vor Augen zu führen, daß eine Erhöhung der Förderung der Kohle und damit eine Erhöhung der Lieferung an die alliierten Mächte nur herbeigeführt werden könnte durch vereinigte Arbeit der Regierung mit den schaffenden Kräfte» in Deutschland. Der Eindruck, den die beiden deutschen Sachver- ständigen auf der Gegenseite ber vor riefen, bewies, daß unsere Auffassung die richtige war. Es war auffällig, daß am gleichen Tage, an dem diese beiden Sachverständigen zu Worte gekommen warerii, der Ministerpräsident der französischen Republik zum ersten Male Töne anschlug, d!« man wohl im allgemeinen at» versöhnlich bezeichnen kann.» llnd es war auffällig, daß zum ersten Male dann die Alliierten sich bcreiterklärten, mit unS In einer gemeinschaftlichen, paritätischen Sachverständigenkommission zu deraien..,. Dieser Vorschlag der Verweisung an eine technische Kommission von Sachverständigen» der von uns gemacht wurde, wurde am gleichen Tage angenommen, nachdem die beiden Sachverständigen sich geäußert hatten. Dl« Kommission kam leider zu keinem greifbaren Ergebnis. In den Verhandtungen wurde an dem von der Reparationskommission festgestellten Mengen festgvhalten, die für ums nach dem Urteil aller Sachverständigen unerfüllbar waren. Es folgte dann eine Erklärung der alliierten Mächte, daß auf sechs Monate eine Ermäßigung von 2,4 auf 2 Millionen ein- treten sollt«. Wir mußten erklären, daß wir diese? Angebot für unerfüllbar hielten und es wurde von unS ein Gegenvorschlag formuliert. Der Minister wiederholt den bekannten In- halt dieses Vorschlages, wonach sofort 1,1 Millionen abzuliefern seien, unter Voraussetzung der Ermöglichung besserer Lebenshaltung der Bergarbeiter in ein bis zwei Monaten eine Steigerung von 1,4 Millionen und nach Ablauf eines Jahres eine solche auf 1,7 Millionen eintreten sollte unter der Voraussetzung, daß bis dahin unter Mithilfe der alliierten Mächre es ermöglicht würde, die Siedlung im Ruhrgebiet erheblich zu steigern. In diesem Moment der Verhandlungen trat ein starker Druck ein, unter dem nunmehr die ganze Sachlage für die deutsch« De- legation stand. Es wurde uns mitgeteilt, daß, wenn wir nicht schleunigst zu einer Einigung in der Kohlenfrage kämen, der Einmarsch in» Rubrgebiet unverzüglich vollzogen würde. Nicht um einen Kinderschreck han. v.'ltc es sich, sondern wir wußten, daß der Befehl zum Etnmarsm bereit« vollzogen war und in wenigen Stunden in die Tat umgr- fest werden sollte, fall« keine Einigung erzielt würde. Unter diesem Druck der Verhältnisse kam unser neues Angebot zu. stände, wonach sich die deutsche Regierung verpflichtet, vom 1. August diese» Jahres ab auf vorläufig sechs Monate monatlich zwei Millionen zur Verfügung zu stellen. Der Minister wieder- hol» die weitern Einzelheiten des bekanntem Vorschlages. Die» Alliierten erklärten sich schließlich bereit, Deutschland zur Ein- führumg ausländischer Lebensmittel und von Rohstoffen für Industrie und Landwirtschaft einen Vorschuß zu gewähren. Di« Beratung über diesen Vorschuß wird alsbald unter Zuziehung von Sachverständigen aufgenommen werden. Heber die veränderte Haltung der deutschen Regierung kabe ich zu sagen: Wir hatten mit der Vollziehung des Ein- morsches binnen weniger Stunden zu rechnen. Wir mußten uns der schwierigen Situation gegenüberstellen, daß wir durch die Verweigerung der Zustimmung vom zwei Millionen, einer Zahl, die für die französische Regierung gewissermaßen eine ge- heiligte war, den ummittelbaren Einmarsch mit allen politischen und wirtschaftlichen Folgen herbeiführen würden. Getreu den Ausführungen des Heren Prä- s i d e n t e n möchte ich mich mit den politischen Folgen des Einmarsches nicht beschäftigen. Ich möchte nur darauf hinweisen, daß in wirtschaftlicher Beziehung die Folge gewesen wäre, daß die Förderung im Ruhrgebiet nicht nur in der Höbe von etwa zwei Millionen, sondern in voller Höbe des Friedensvertrages, d. h. von. etwa 3.3 Millionen monatlich abzuliefern gewesen wäre. Ein« er beblich: Verschlechterung der Sage in Deutschland würde ein- getreten sein. So ist es gekommen, daß wir das Ihnen vorgetragene Angebot machten. Das Angebot wurde leider nicht im vollen Maße ange- nommen, wohl das Anerkennini» der Lieferung von zwei Millionen, nicht aber die beiden Bedingungen. Bezüglich der Frage der Verbesserung der Lebenshaltung der Bergarbeiter wurde uns in dem endgiltigen Diktat nur zugestanden, daß der Gegenwert auf das Rcporationskonto angrechnet werde. Außerdem wurde die Gegenleistung einer Prämie von fünfGoldm a r k festgesetzt, die zum Erwerb von Nahrungsmitteln verwendet werden sollten. Bezüglich der o b e r s ch I e s i s ch e n Frage wurde nur all- gemein anerkannt, daß die Verteilung durch eine Kommission zu bestimmen sei, in welcher Deutschland vertreten sei. Im übrigen erklärten sich die Alliierten Regierungen bereit, Deutschland einen (Fortsetzung auf der dritten Seite.) Das urteilslose Proletariat. Neues zum �fall!iauts!y. Die„Volkswacht", das Organ der U. S. P. m Meck- l e n b u r g, widmet dem„Fall Kautsty" wieder einmal einen mehr als zwei Spalten langen Artikel. Dieses Mal be- gnügt sie sich nicht mit Beschimpfungen, sondern es wird dem unbequemm Parteigenossen die Pistole auf die Brust gesetzt. Sehr schön heißt es: Entweder stellt Kauisky seine parteischädigende Tätigkeit ein und bekennt sich zur Diktatur(was njcht zu erwarten stünde). oder er tritt aus der U. S. P. aus, d. h. zieht ehrlicher- weise seine Konseguenzen. Also die Mecklenburger Herren fordern, daß Kautsky sich so mir nichts, dir nichts zur Diktatur bekennen soll. Das Wird ihm nicht ganz leicht fallen. Aber es kommt noch besser. Mißtrauisch wird C r i s p i e n gefragt, welche Antwort er etwa dem drohenden Lenin zu geben vermöchte. Da nun Lenin zweifellos nur von einer w a s ch e ch t- b o l s ch e w i st i- schen Antwort zufriedengestellt sein würde, so sehen wir klipp und klar, wohin die Reise der U. S. P. geht. Zum Schluß wird eine Resolution der Bezirksleitung, der U.-S.-P.-Fraktion der beiden Landtage und der R e- d a k t i o n der„Volkswacht" abgedruckt, in der zunächst gegen den in Nr. 300 des„Vorwärts" veröfsentlichten Artikel Kautskys, der\,im Widerspruch zum LeipzigerAktions- Programm" stehe und sick„in Ideologien" bewege, Protest erhoben. Tann heißt es weiter: Mit Triumphgeheul stürzen sich die hiesigen rechts- sozialistischen.Agitatoren und Redakteure auf diesen Artikel, da bei dem unserem Bezirk eigenen urteilSlose» Proletariat Zitate von Kautsky, Vtritbef und Hilferding nie ifire üble Wirkung verfehlten. Gerade in dem Augenblicke der schick- salsschwercn konseguenten Entscheidung unserer Parteileitung anläßlich der Frage der Regierungsbildung fällt Kautsky unserer nun doppelt schwer gewordenen Aufklärungsarbeit in den Rücken, da die urteilSlose Masse die unbedingte Nvtwrndigkeit der ablehnenden Haltung unserer Partei nicht begreift. Wenn man diese greuliche Beschimpfung des Prole- tariat liest, wird man unwillkürlich an das alte Lied erinnert:„O, daß ich IVOO Zungen hätte", um dem irregeführ- ten deutschen Proletariat die Mißachtung seitens seiner unabhängigen Parteihäupter recht deutlich klar zu machen. Weiter wird mit Betrübnis in der Resolution festgestellt: Die demagogische Agitation der � R e ch t S s o z i a l t st e n gerade zu dieser Stellungnahme der U. S. P.?. verursacht« denn auch die Abwanderung von etwa 12 000 Wahlern, die bei der Reick stagswahl unserer Liste ihre Stimme gaben, in das r e ck t s s o z i a l i st i s ch e Lager bei der acht Tage später stattfindenden L a u d t ag s w a h l. Das War allerdings schmerzlich für die U. S. V. und eine deutliche Quittung für die ebenso volksfeindliche wie dumme Abstinenzpolitik der Unabhängigen. Mit erfreulicher Offenheit schließt die Resolution: Wir stellen fest, daß Genosse Kautsky des öftern durch seine verschiedentlichen publizistischen Aeutzerungen die Partei, der er angehört, aus das schwerste geschädigt und die Entfaltungsmöglichkeit derselben wesent- lick gehemmt hat. Da L gleiche gilt vom dem Ge. nossenStröbel. Die Konferenz befaßte sich weiterhin mit der politischen Ten-, denz der„Freiheit" unter Hilferding. Es muß offen aus- gesprochen werden, baß das bedeutendste Organ der Partei alles andere als unabhängige sozialdemokratische Politik treibt, daß die Beschlüsse des Leipziger Parteitages vielmehr shfjematisch sabotiert werden.' Dies zeigt sich am deutlichsten in der Frage der I nt er. nationale. Die Antwort S i n o w j e w s i die wir seinerzeit mitgeteilt haben. Die Red.) wurde zunächst überhaupt nicht ver- öfsentlicht, bis durch dle erfolgreiche k o m m u n i st i s ch e Propaganda dann Bruchstücke derselben publiziert wurden. Di« breite Masse der Parteimitglieder hat ein Recht darauf, zu erfahren, ioas die russischen Genossen uns �zu sagen haben, und wenn Genossen wie Hilferding, Ströbel.und K a u t» S k y wegen ihres a u S g e s p r o ch e n e n O p p o r t u n i s- m u S angegriffen werden, so deckt sich dieses mit der. Auffassung der Genossen unseres Bezirkes. Die Konferenz ist einstimmig der Meinung, daß es Zeit wäre, daß die Parteileitung sich ernstbaft mit den oben angeführten Genossen auseinandersetzte, und den- selben sehr dcntlich nahelegte, zukünftig mehr im Sinne des Prozrnmms der Partei zu handeln, der sie angehören. Tie unterminierende Maulwurfsarbeit dieser Genossen muß eud- lich aufhören. Wenn dieselben glauben, unser Leipziger Aktionsprogramm nicht akzeptieren zu können, so sind sie es den Interessen unserer Partei schuldig, die K o n s e» auenzen zu ziehen und auSzutreren, damit unseren Parteigenossen von den rechtssozialistischen Augu- r e n(! Die Red.) nicht regelmäßig die Preßerzeugnisse oben- genannter Genossen um t'.e Ohren geschlagen werden. Wir erwarten von der Parteileitung diejenigen Maßnahmen, welche es erübrigen, daß der Bezirk Mecklenburg zum nächstell Parteitag Ausschlußanträge zu stellen gezwungen ist. Schwerin, den 20, Juli 1930. Wir haben schon oft Beweise für die außergdwöhnliche Intoleranz innerhalb der U. S. P. erbracht. Die Fuß- tritt?. die dem Altmeister des Sozialismus Kautsky ausgeteilt werden, sind nachgerade nicht mehr zu zählen. Eine Partei, die unter Verleugnimg des demokratischen Grundrechts auf Meinungsfreiheit durch ein„Entweder— Oder' Meinungen erpressen will, begibt sich allerdings des Rechts, sich als s o z i a l d c m o k r a t i s ch zu bezeichnen. Und deshalb ist der Abmarsch nach Moskau nicht zu bedauern, da er eine Klärung bedeutet. Es ist imd bleibt ferner kennzeichnend für die geradezu lächerliche Konfusion der lt. S. P., daß sie, die auf das Dogma der„Diktatur des Proletariats" eingeschworcn ist, nun auf einmal in einer offiziellen Kundgebung einer ihrer Landcs- organiiationen vom urtcilslosen Proletariat spricht. Kautsky soll also gezwungen werden, sich für die„Diktatur des nrteilslosen Proletariats" zu erklären. Ist dieses Urteil, das die U. S. P. über ihre eigenen Anhänger fällt, auch über- trieben hart, so ist es doch insoweit begreiflich, als bei der Parteispoiltung der U. S. P. im großen Ganzen der minder- urteilsfähige Teil der Massen zugefallen ist. Für diesen Teil der Massen wird nun ein V o r r ech t vor den anderen Teilen des Proletariats und des ganzen übrigen Volkes gefordert! Oder vielmehr nicht für ihn, sondern für seine Führer, sonst„Bonzen" genannt, die sich die Kraft zutrauen, alles besser machen zu können als die anderen. Auf wen stützen sich nun diese Führer, die außerhalb ihres eigenen Lagers gerade nicht als Geistesheldcn gelten? Eben wieder auf jenen Teil des Proletariats, den sie sell>er Urteils los nennen! So erklärt es sich ja auch, daß alle Urteils fähigen sich einer nach dem anderen ans dieser Partei der Urteilslosigkeit und der inneren Widersprüche entfernen. Das Maximum persönlicher Diktatur. Die unabhängige„Leipziger Volkszcitung" beschäftigt sich mit den Verhältnissen in N u ß la n d und wagt es— sehr im Gegensatz zu vielen ihrer radikalen Gesinnungsgenossinnen— an dem unfehlbaren Gott des Radikalismus, an Lenin, eine scharfe Kritik zu üben. Sie bemängelt, „iettz man auch in Nußland infolge der Abschnürung den B l i ck für die politischen Möglichkeiten und Notwen- digkeiten des übrigen Europas verliert". Der Aufruf Lenins an die englischen Arbeiter, so meint das unabhängige Blatt, sei eine Folge dieser Ab- schnürung, die Sowjctrußland sich jetzt nach dem Willen der Ententeimperialisten gefallen lassen muß. Gegen Lenin selbst wird folgender schwere Vorwurf erhoben: „Lenin hat die Fühlung mit dar großen politischen Entwiche- lung der Welt verlorln." .Hierauf werden große Teile einer Rede zitiert, die Lenin auf dem dritten russischen Kongreß der W a s s e r t r a n s- Portarbeiter gehalten bat. Lenin sagte damals: ,LZon den Fragen, die in Presse und Versammlungen lebhafte Debatten erregen, ist eine der strittigsten die Frage nach der kollektiven oder der persönlichen Verwaltung. Denke ich an diese Frage, so möchte ich immer sagen: Die Ar- beitcr haben noch nicht genug von der Bourgeoisie gelernt. Die intelligentesten und reichsten Bourgeoisien sind die englische und amerikanisch«. Gibt sie uns nicht Beispiele eines Maximums persönliches Diktatur, einer maximalen'Fixigkeit des Regierungs- apparateS unter voller Beibehaltung der Macht in den Händen der eigenen Klasse?... Die K o l l e k t i v m a ch t soll die Ar- bei-terregierung bedeuten, das persönliche Regiment dagegen eine arbeiterfremde Regierung. Die Frage- stellung selber und die Art der Argumentation beweist, daß uns immer noch ein klarer K l a s s e n s i n n abgeht. Wir haben aber keine Zeit, ihn erst zu lernen, wir müssen die Frage nach dem Kollektivregiment konkret stellen und lösen. Ich bin überzeugt, daß Sie zur Annahme der Richtlinien gelangen werden, die das Zentralkomitee der Partei ausgegeben hat, und ich hoffe, daß die Anwesenden, die als Wassertransport- a r b e i t e r wissen, was Betriebsleitung ist, in einer großen Mehrheit begreifen werden, daß wir ernste Geschäftsloute werden müssen, die die Räte nusschalten und ohne sie walten." Litfaßsalz!en öer Vorstadt. Ein Zwiegespräch von Franz Mahlke. .Wenn ich mich wehren tönnte, ich würde eS bcslimmt tun f .Dich ärgert dein neue? Kleid?" .Es empört mich!— Sieh doch die bunten Fetzen, die sie mir über Nacht aufgeflickt haben. Da steht man nun wie ein ver- lorener Harlekin und muß sich begaffen lassen." � .Dir haben sie den Skandal gerade milten auf die Brust gc» klebt," .Und das muß ich schweigend geschehen lassen," .Ich wünschte, ich könnte dps auch so wirksam präsentieren!" .Du wünschtest--" „Ja— wirklich! Mir laben sie den Ekel leider auf den Buckel geschrieben, und mein Nachbar Ahorn hält seinen grünen Schirm davor." „Also dir auch— und leider auf den Buckel, sagst du und lachst dazu.— Tu schämst dich gar nicht?" ,Lch schämen?— Ganz und gar nicht! Aber ich denke,'ie Menschen sollten sich schämen— alle: die das tun und die das buldcn. Sie rufen ihre eigene Schande aus. Wir sind zum Spiegel allerhand menschlicher Narrheiten geworden, und seltener sind wir die priesterlichen Wegweiser »nach den morgenrotumlichteten Höhen edler Kunst. Da? aber ist�nicht unsere Schuld." Kleine? Theater: Elise Lensing. Die traurig« und guälcvde LiröeSgeschichte, von der Hebbel in seinen Tagebüchern— wie er behauptet mit ruhigem Gewissen— berichtet und die in der kurzen andeutenden Sprach« dieser Auszeichnungen bei aller Unerfreulichkeit jedenfalls des psychologischen Interesses nicht entbehrt, ist von Güntber Branden zu einem abendfüllenden Dreiakter aus- gewalzt worden. Der Gedanke, diese Vorgänge und Beziehungen, die� wenn ssderhaupt, doch nur in einer an keinerlei Rücksichten der szenen- stssgc gebundenen novellistischen. Form zu intimer dichterischer Darstellung gelangen könnten, aus die Bühne zu bringen, zeigt «inen ausfälligen Mangel an Augenmaß für die Bedingungen dramatischer Wirkung. Es fehlen all« Züge fortschreitender End- Wicklung eines sich zuspitzenden und mit Notwendigkeit zur Lösung treibenden Konfliktes. Was einen Novellisten und dessen Leser am Stoffe in erster Reibe gefesselt haben würde: die Verkettung der Stimmungen und Seelenzustärrde, aus denen bei Hebbel dann die Suggestion erwächst: der Verrat an Elise Lensing und die Heirat mit der glänzenden Wiener Schauspielerin Christine Eng- haus, sei nur fem gutes Recht, ja die Erfüllung einer Pflicht, die Die.Leipziger Volkszeitung" verurteilt diese Ver- sserrlichung der persönlichen Diktatur auf das schärfste und bezeichnet die Ausschaltung der Arbeiterräte als die erste Konsequenz der Leninschen Theorie, Die„Leipziger Volkszeitung" lxit in ihrer Kritik recht. Es darf aber nicht übersehen werden, wie gerade sie'die b o l s ch e w i st i s ch e Heilslehre nachgebetet hat. Wenn man k»lschc- wistische Methoden zum Teil akzeptiert, wie es des L e i p- z i g e r A k t i o n s p r o g r a m m der U. S. P. tut dann ist es eben nicht zu ändern, daß man eines Tages sich mit der ganzen bolschewistischen Theorie abfinden mutz, oder aber man be- sinnt sich doch noch in letzter Stunde, verzichtet auf die b o l- s ch e w i st i s ch e Ideologie und bekennt sich zur Sozial- dcmorratie._ Nationalistischer Gesinnungskauf. Wozu Stiftungen mißbraucht werden. In der„Deutschen Tageszeitung" macht ein Professor Schoubye Stimmung fiir ein« soeben ins Leben gerufene Studenten st iftung. Auch vom Arbeitergesichts- Punkt aus wäre es außerordentlich zu begrüßen, wenn tatkräf- tige Maßnahmen zur Linderung des ungeheuren studentenelcnds getroffen würden. Di« Bedingungen jedoch, die an den Emp- sang der Stiftung geknüpft sind, lassen diese äußerst gefährlich er- scheinen, und wir warnen nachdrücklichst, etwaige für Studenten beabsichtigte Spenden gerade dieser Stiftung zuzuwenden. In dem Wevbeartikel des Verfassers h.'tßt es: Die Stiftung will sich über alle deutschen Hochschulen er- strecken. Die Unterstützung soll ohne Engherzigkeit gewährt, aber an vaterländisches Denken und Empfinden geknüpft werden. W.nn man sich die Kreijfe, die hinter der Stiftung stehen, an- ansteht, die sich aus führenden Leuten der I n d u st r i e, der Landwirtschaft, des Handels usw. zusammensetzen, so wird man gegen das von dieser Seite ausgesprochene Erfordernis „vaterländischen Empfindens" außerordentlich mißtrauisch. Es ist zwar nicht ausdrücklich gesagt, daß nur solche Studenten Nutz- nicßer der Stiftung werden sollen, die ein d e u t s ch n a t i o- nwles Mitgliedsbuch vorzuweisen imstande sind, es liegt aber nahe, daß die Auslegung eine ähnlich« ist. Unter dem„vater- ländischen Empfinden", das auch für die. Sozialdemokratie mehr als ein Wort ist, verbirgt sich leider in gewissen Kreisen des deut- schen Volkes der Begriff eines Hurrapatriotismus und einer Deutschtümelei, der durch derartige Stiftungen keinesfalls unterstützt werden darf. Wenn ferner als weiterer Zweck der Stiftung„unbedingte. Zuverlässigkeit in Wissenschaft und Beamten- t u m" aufgestellt wird, so weiß man genug, was unter dieser Zu- verlässsgkeit zu verstehen ist. Eine kurze Bemerkung sei schließlich gestattet. Die Nationalisten werfen den Sozialisten aller Schattie- rurcgen vor, daß sie von„Fremdländischen", von„Blutsfremdcn" usw. gefiihrt werden. Diese Bemerkung trifft zwar nicht für die Sozialdemokratie, wohl aber für die Nationalisten selbst zu; denn wiederholt hat sich in der letzten Zeit gezeigt, daß die größten„deutschvAiischen" Schreier fremdländischen Ur- fprungs waren. Erinnert sei an die Hauptschuldigen an dem Radau bei dem Nirolai-Vortrag in der Berliner Universität, die Brüder Conti, die italini schen Geblüts sind, und auch der ?taMe des Professors Schoubye klingt nicht gerade- rassercin germanisch wie Republikaner verfolgt werden. Ter Naumburger Staatsanwalt auf dem Kriegspfad. Aus Altenburg wird uns geschrieben: Entgegen dem Beispiele, das in anerkennenswerter Weise kürz- lich der S t e t t i n e r Staatsanwalt gegeben hat. indem er die strafrechtliche Verfolgung von republikanischen Arbeitern ob in Abwehr des Kapp-Putsches begangener Handlungen ablehnte, ist die Staatsanwaltschaft zu Naumburg zurzeit bemüht, alten- burgische Staatsangehörige, die Leiter der Einwohnerwehr zu Nonneburg, die auf durchaus legaler Grundlage gebildet worden ist, vor das Forum des Landgerichts Naumburg zu er der Enffaltung seines Genius schulde— all das entzieht sich der dramatischen Wiedergabe. Der Zuschauer hat das aus Eigenem hinzuzufügen. Nach zwei langen Akten, die eine bloße IustandS- schilderung des Verhältnisses mit Elise geben, taucht Hebbel dann im dritten Aufzug plötzlich als gemachter Mann und Liebhaber der Engbaus auf. Daß er spätere auf Drängen der klugen, frei- denkenden und menschlich fühlenden Christine die vcreinsamlc Elise, die ihm zwei Kinder geboren und durch den Tod verloren, in sein Haus lud, wo sie längere Zeit' verweilte— diese Situation ist rein aus Theatergründcn sinnwidrig und gekünstelt abgeänderl. Elise wird im Stück vor Hebbels und Christines Heiral und obne überhaupt von einer solchen Absicht etwas erfahren zu haben, durch einen Brief von ihm nach Wien beordert. In dem Zusammen- treffen mit der Nebenbuhlerin flammt ibre eifersüchtige L«ilp:n- schaft jäb auf, dann aber gibt sie, durch Christ ines Güte gerührt, dem Bunde ihren Segen, Der Autor scheint nicht zu bemerken, daß er so das Verhalten seines Helden in ein noch bedenklicheres Licht rückt. Seine Selbsirechtferligung und schließliche Glonfl- zierung wirkt wenig überzeugend.» Aus dem Bild des Dichters, der, so unglaublich es klingt, sein Liebesverhältnis zu der bescheidenen zehn Jahre älteren, ihre kleinen Mittel selbstlos mit ihm teilenden Hamburger Zimmer- Vermieterin vor Freunden renommierend in eine hochadlige Liaison umsabelte, ja in diesem Sinne eine salsche Eintragung des im- ehelichen Kindes ins Kirchenbuch bewirkte, lassen sich die dunklen Flecken nicht löschen. Ter klaffende Widerspruch zwischen den gc- loaltigen Aufgaben, zn welchen es ibri dränat. und der Misere seiner Jünglings- und ersten Manncsjahrc haben in dem, aus fremde Unterstützung angewiesenen Maurersohn aus Wesselburen schwere Verbitterung und einen verletzenden Hochmut erzeugt. Der Verfasser beschönigt das nicht. In dem Verhältnis zu Elise» zu der er nach seiner Münchener Studienzeit, ein obdachloser Vagant, im Jahre 1836 wieder heimkehrt, wie in der Szene mit Amalie Schopps, feiner Wohltäterin, bricht die Härte immer wieder bor. Und da dieser Hebbel immer nur von der Grösse seines Wollen? spricht, obne daß wir sein Können anschauend miterleben, kommt eine war ntere Anteilnahme nicht zustande. Der Darsteller der Hauptfigur, Herr Trutz, gemahnt in Ge- stalt und Antlitz glücklich an Hebbelschc Porträts. Die Elise von Irma Strunz wirkte namentlich im er'-:n Alt sympathisey. Gut traf Hcrrninc Sterlet Christines Wiencrtum und lulle Freundlichkeit. cit. Als Hilfswerk für die wirtschaftlich schwachen Studenten soll am 1. Oktober eine freie studentische Produktions- gemein schaft ihre Arbeit beginnen. Studenten aller Hock- und Kunstschulen werden zur Mitarbeit aufgerufen, obne Unterschied der Parteizugebörigkeit: der deutsche Hecksck.ulbund, die FreideiUicke Gruppe und der Sozialistisch« Ztudcntenbund tagten ibre"iit- arbeit zu. Als Arbeitgeberin tritt eine gemeinnützige Gesellschaft ein, welche in den Räumen der Kraflfahrer-Kaierne in Lankwitz für diesen Zweck Werkstätten einzurichten plant; sie stellt samt- liche Produktionsmittel sowie zunächst das technische Meisterpersonal bringen, tveil sie am IS. und 16, März I. I., also in den Tagen altenburgischen Grenze dicht benachbarten preußischen Dörfern Gewehr- und Munitionsvorräte mit Beschlag belegen der„Hochsaison" des Kappabenteuers, in einigen der sachsen- ließen. Die damals mit der Einbringung der Waffen beauftragte Ab- teilung der Ortswehr zu Ronneburg fand in dem preußischen Landorte Hohenkirchen beim Gemeindevorsteher eine Nieder- läge von 68 Gewehren Modell 98 obschon die 15 bis 16 Mann starke Einwohnerwehr des Torfes außerdem voll bewaffnet war. Im Dorfe Heukewalde wurden bei einem Landwirt allein 26 Ge- wehre unter den Dielen eines Nebengebäudes versteckt vorgefunden. Im Gewahrsam des Barons von Herzenberg auf Ritter- gut Heukewalde entdeckte man 195 Gewehre Modell 98 und 5 Kisten Munition. Weitere Gewehre wurden in dem preußischen Torfe Loitzschütz beschlagnahmt. Am 14. März hatten die Kappisten in Gera auf dem Wege des gewaltsamen militärischen Putsche? die Macht an sich gerissen; 'n Zeitz hatte der kappistische Leutnant Schmidt die militärische Gewalt in Händen, während lediglich in Altenburg der am 14. März unternommene Putschversuch kappistischer Offiziere gescheitert war. Von Halle a, S. a»? suchte das aufrührerische Kommando des Regiments 1 des Landesjägerkorvs den Machtbereich der Kapp- Liittw'tz-Rebellen immer weiter auszudehnen. In solcher Situation wurden die Waffeiibestäude in den der altenburgischen Grenze nahe- gelegenen preußischen Landorten als eine Bedrohung und Ge- fahr für die verfassungsmäßigen staatlichen Gewalten empfunden. Deshalb veranlaßtcn die Leiter der Einwohnerwehr Rönne- bürg, die wie alle Einwohnerwehren Sachsen-Altenburas nur aus treuen Republikanern bestand, die Sicherstellung jener Gewehre und der zugehörigen Munition, um sie nicht in kappistische Hände gelangen und gegen die verfassungsmäßigen Gewaften zur Verwendung kommen zu lassen. Für diese durchaus pflichtgemäße, umsichtige und lobens- werte Handlungsweise fft nun gegen die damaligen Wehrsübrer O e h l e r und Groh, beide in Ronne-burg ansässig und der alten Sozialdemokratischen Partei angehörig, beim Land- eericht Naumburg ein Strafverfahren wogen Landfrie- dcnsbruchs l!!!) eingeleitet worden. Während die kappi- st i sch e n Landfriedenöbrecher überall frei und bis heute noch ungestraft herumlaufen, soll hier mit der ganzen Strenge des Gesetzes eingeschritten werden gegen schlichte Volksmänner, die in Treu« und Opferwilligkeit dem Rufe der bedrohten ver- fassungsmäßigen Reichsregler ung Eber!» Braun-Noske folgend, die Republik schützen wollten. Am 15. und 16. März galt es doch, den Machtbereich der Kapp-Rebellen einzudämmen und in« rechtmäßige Autorität der verfassungs- mäßigen Regierungen in Reich und Ländern unter Aufbietung aller polizeilchon und militärischen Kampfmittel aufrechtzuerhalten. Die altenburgische Staatsregierung, welche damals von dem beabsichtigten Vorgehen der Ronneburger Einwohnerwehr gegen die genannten preußischen Dörfer nicht verständigt worden war, hat denn auch nachträglich der preußischen Staats- regierüng unumwunden erklärt, daß sie, sofern sie von dem Vorhandensein der Waffendepois in Hohenkirchen. Loitzschütz sowie in Dorf und auf Rittergut Heukewalde in den Kapp-Tagen Kennt- nis erhalten hätte, unbedenklich auch ihrerseits die Befchlagnahms der Waffen veranlaßt haben würde. Der Niilitaristisehe Land- friedensbvnch hatte eben«ine Not- und Zwangslage gc- schaffen, in der auch die Frage der Gcbieisverletzungcn wesentlich anders zu beurteilen ist wie in normalen Zeitläuften. Es ist kaum anzunehmen, daß der Vorstoß der Staat sanwalischast Naumburg gegen die Ronneburger Einwohnerwehrleitlmg von den massgebenden Instanzen des Freistaates Preußen gebilligt werden kann. Streikbeilegung in Pommern. Von zuständiger Stelle wird unS mitgeteilt: In ganz Pommern herrscht R u h e. Die unbedeutenden T e i l st r e i k s auf einigen Gütern der Kreise Schivelbcin, Ncufiettin und Saatzig sind bereits im Laufe der vergangenen Woche erloschen. Tie Arbeit ist überall wieder anfgenommen. zur Verfügung und regelt alle Angelegenheiten der Verwaltung und des Absatzes auf eigene Rechnung, doch im steten Einvernehmen mit einem Arbciterrat. Produziert werden uicht Luxus-, sondern gcmeinütziae. Bederrfsgüter des HauSratgewerbes; eine Abteilung für Spielzeug nach dem Montessorisystem so 2� angegliedert werden. Die studen- !' schen Arbeitnehmer arbeiten vier Stunden täglich bei tarifmäßiger Entlohnung und haben je nack ibrer Anlage Möglichkeit, in technisch und künstlerisch fnbrende Swllcn des Beh.ebes auszusteigen. Für das Anlernen der einzelnen Arbeitnehmer werden be- sondere Methoden und Richtlinien aukgestellt werden. Nack den aufgestellten Berechnungen wird die vierstündige Arbeitszeit dem Arbeitnebmer sovckl Geldmittel liefern, daß er alle materiellen Lebensnotwendigkeiten bestreiten kann, falls sie ibm in einem rationell wirtschaftenden Gemcinschaftsbetricbe geboten werden. Dcsbalb soll ein Teil der Lan.'witzer Kraftfahrerkaserne zu Wohn-, Studien- und Wirtschaftsräumen ausgestattet werden. Für weibliche Stud-erende ist eine Tertilverwenungsstätie nach dem System von Edith Klausner geplant. Wieweit späterhin andere Handwerks- und Jndustrsegebiete für die studentische Pro- dilktionsgemeinschast in Frage kommen, so daß der cinzeltie nach, Anlage und Neigung unter ihnen wählen kann, muß der Eniwick- lung vorbehalten bleiben. Bei der erschreckenden Arbeitslosigkeit gekernter Facharbeiter erscheint der vorstehende Plan reckt kühn und phantastisch. Auch d'e Produktionsgemeinschaft dürite sich als Fehl schlag erweisen, Rick- tiger dürfte cS sein, wenn die studentischen Vereinigungen mit den Behörden, Banken, Industrie- und Handelsunternehmungen Fühlung nehmen, um die Studenten so zu beschäftigen, daß sie für ibre künftige Berufsstellung praktische Erfahrungen sammeln können. Studenten zu Handwerkslehrlingen zu macken, die nichts Halbes noch Ganze? lernen, ist nichts als eine Spielerei. Die Produttionsschule beisst das Tbema der nächsten öffentlich"" Konieien, der entschiedenen Schulresormer, die vom I is 0. Hklobec diesmal in der Fettballe in- Berlin- Lankwitz iiaüfindet. Tic einzelnen PortragSgrnvpen: Begrilndung und Ausba», Jua-nd und ikebrer, Crzicfurng und Produktionssch'ile, Grundlage und Wirkungen. Praris und Prodiiktionsschule, umsahen je 3—4 Portrggetz denen eine Ans- sviackic solgt ES sollen alle Beziehungen zu Willensbildung. Gemein- ichajtsleben, künillcrilcher Erziehung, zu Beniiswabl, Qnaiilätöarbcit. Industrie. Aibciterschast. Siedlung u!w, erörtert werden. Genauere Angaben durch Dr. Franz L. Müller, Bcrliu-Lankwitz, Charlollenstr. i.'. MarionctteN'Dbeater. Ein altes deutiches Puppenipicl„Don Juans zweites Leben" wird morgen Freitag, nachm. 4 Uhr, vom Dresdner ttünsller-Marionetten-Tbcater im Theatersaal des„Konzert-Cais -ur Linde", Friedrichslr. 221, in einer Extravorstcllung für die Presse aus- geführt. Ter Zlllgenieine Grfinderverband veranstaltet eine K o I l e k I i o, Ausstellung aus der diesjährige» Lewzigcr.Hcrbstmcise«von tb. bis 21. August), und zwar in der Abt. I iicrläuftiche Ersiiidnugen(Patente und Gebrauchsmuster) und in der Abt. II Fertigmbrikate leistungsfähiger Fu> ine«. Näheres durch die Geschäftsstelle: Berlin S. 14, Dresdenerjtr, 34. Spa im Neichswirtschaftsrat. (Fiirtsetzun� von der ersten Seite.) V o r s ch u tz zu gewähren in Höhe des Unterschieds zwischen den, deutschen Inlandspreis und drin Weltmarktpreis der Kodle. Unier dem Truck des drohenden Einmarsches'n dos Ruhrflebiet entschloß sich die deuische Delegation, das französische Angebot a n z u- nehmen, allerdings mit Ausnahme der Zifser 7. betr. die Be- sefcung des Ruhrgebiets, Tie deutsche Delegation hielt es weder mit den Verpflichtungen des Friedensvertrages, noch mit Teutschlands Würde für vereinbar, diesen! isalz zu unter- schreiben.(Tebr richtig!) Tie �ar fast entschlossen und bat es auch bestimmt ausgesprochen, an der Forderung dieser Unterschrift das Abkommen scheitern zu lasten. Bei der Gelamtbeurteilung der Tacklage wird man sich einerseits eine gewisse Verbesserung gegenüber den Bestimmungen des ssriedensvertrages vor Augen balte» müssen. Die Zisser von 3,3 Millionen Tonmn ist aus 2 Millionen monatlich herabgesetzt. Ferner sind nicht unwesentliche Zugeständnisse geldlicher Natur mit Rücksicht auf die E r n. ä h r u n g nickt nur der Bergarbesterschaft, sondern auch der ganzen deutschen Bevölkerung gemacht worden. Ferner ist immerhin eine gewisse E'apgx dem Wege zur' Besserung der Beziehungen zwischen Deutschland und den alliierten Ländern. Die Mehrheit der Regierung stcbt mit mir ans dem Standpunkt: Das Kohlenab- kommen in Sva stellt eine b-elleicht rast unerträgliche, viel- leicht unerträgliche Belastung des deutschen Wirtschaftslebens dar, � Es wird voraussichtlich nicht vermieden werden können, der deutschen Industrie neue Beschränkungen aufzuerlegen. Die� Folgen für unser gesamtes wirtschaftliches Leben müssen zweierlei Art sein. Der Vertrag von Spa kann.nur erfüllt werden einmal durch eine außerordentlich starke Vergrößerung unserer K o h l e n p r o d u k t i o n, sodann— Ie>dcr— durch E n t- ? i e h u n g der Hohle aus der deutschen Volkswirtschaft. Tie Mehr- sördcrung der stoh'e kann nur geleistet werden, wenn unsere A r-- beiterschast festen Willens an sie herantritt. Die Erfüllung dos Abkommens in Spa ist in erster Linie eine Arbeitersrage. Es wird notwendig sein, den Arbeitern alle irgend- wie ipoglichen Erleichterungen zu schaffen. Eine möglichst sofortige und starke Besserung der Ernährnngsverhält- nisse im Berobangebiet muß sofort eintreten. Ich richte aber auch die dringende Bitte und den Appell an die deutsche Landwirtschast, die ja auch bier stark vertreten ist, aus diesem Grunde alles zu tun, was auf eine schnelle und restlose Ablieferung der landwirt- schafilickvn Bestände hinzielt. Rur dann werden wir in der Lage sein, wirklich wirksam die Verbesserung der Ernäbrungsvcrhältnisse der Arbeiterschaft durchzuführen. Im übrigen müssen wir auch auf dem Gebiete der Kleidung und des Schuhwerks der Berg- arbeitcrschaft Vorsorge treffen. Auf dem Wege der stärkeren Siedlung müssen wir in den Bergbaugebieten gleichfalls vor- gehen. Im übrigen müssen wir dm Bergarbeiter dringend bitten, durch Verstärkung der Arbeit zur Erfüllung der drückenden Ver- pslichtungen Teutschlands den Alliierten gegenüber beizutragen. Nach Auffassung der Regierung könnte aber nichts falscher sein, als etwa nunmehr den Bergarbeitern gegenüber auch nur den Ein- druck zu erwecken, als ob die tarifmäßig festgelegte Arbeitszeit irgendwie angetastet werden solle! Auf dem VerbandlungS- Wege muß der gute Wille der Arbeiter zur Leistung von U e b e r s ch i ch t e n wieder aufgernscn werden. Durch Erweiterung de? Braunkohlenbergbaues müssen wir uns eine Erleichterung unserer Lage und Verpslich- tungen schaffen Ter Kohlen schleichhandel muß nach Möglichkeit beseitigt werden. Ferner müssen wir uns eine Um- organi'ation der ganzen Koblen�erteilung«angelegen sein lassen. Das R e i ck, s w i r t-s ch a f t s m i n i ste r i u m ist vom Kabinett als fcderfiihrendeS Ministerium für die Verwirklichung des Kohlen- Abkommens von Spa bestimmt worden. Wir werden bemübt sein, Mittel und Wege durch eine Abänderung der KohlenverteilungS- ovOnnisation— unter Milimrkung von Arbeiterkreisen— zu finden, um der Sachlage Herr zu werden. Daß wir leider auch genötigt sein werden, uns zu fragen, ob wir nicht hinsichtlich unserer sonstigen I n d u st r i e durch Umstellung, teilweise arich Zusammenlegung, Ersparnisse in unserer Kohlenwirtschaft zu erzielen vermögen, scheint mir fraglos. Zum Sckluß ein persönliches Wort.. Wie ich glaub«, ist be- reits bekanntgeworden, daß ich persönlich diesem Kohlenabkommen in seiner letzten Fassung widersprochen habe, weil ich der ebrlicken Auffassung bin, daß es für die Industrie Deutschlands ein fast unerträgliches, um nickt zu sagen, ein unerträgliches, Faktum darstellt.(Sehr richtig!) Trotzdem babe ich mich ent- schlössen, mit aller mir zur Verfügung stehenden Kraft für die restlose Erfüllung dieses Abkommens einzutreten, denn das ist jetzt das Gebot der Stunde, ganz cinerset, wie wir inner- licki zu dieser Frage'stechen: Das Abkommen ist ge- troffen, da? Abkommen muß gehalten werden! Gerade deshalb fühle ich nicht nur die Verpflichtung, sondern auch das innere Recht, an Sie alle den dringenden Appell zu richten, einerlei, ob Sie innerlich mit diesem Abkommen einverstanden sind oder nicht, alle ihre Kräfte uns, der Reichsregierung, zu leihen, damit wir in die Lage versetzt wenden, dieses nun einmal geschlossene Abkommen zu erfüllen. Deutschland hat ein Versprechen gegeben, Teutschland muß alles daran setzen, daß dieses Versprechen gehalten wird. lBeisall.) (Fortsetzung in der Morgen-Ausgabe.) wugen Nichter und öie In einem Leitartikel, in dem die schwer-industrielle„Post" wieder einmal auseinandersetzt, daß es so nicht weitergehen kann, beruft sie sich aus Eugen R i ch t e r als klassischen Vorkämpfer gegen die Sozialdemokratie. Zunächst muß einmal festgestellt werden, wie es nicht mehr weitergehen kann. Sollte die Redaktion der „Post" übersehen haben» daß in der gegenwärtigen Regierung kein Sozialdemokrat mehr sitzt? Oder will sie behaupten, daß auch eine Regierung,ei Kosin wehrte die li. Armee weitere feindliche Angriffe ab. Bei Wolockowicz hatte eine 899 Mann starke Kavalleriebrigade der Bolschewisten unsere Front durchbrochen, wurde aber uutc-r schweren Verlusten zurückgeworfen. In der Nacht vom 19. zum 20. ging ein ganzes kubanisches Kosakenrog.ment mit seinen Offizieren zu uiU Arber. England, Rußland und polen. Rotterdam, 22. Juli. Ter politische Korrespondent des „Manchester Guardian" erfährt über das Ergebnis der Sitzung des englischen Kabinetts vom 29. d. M. noch, daß beschlossen wurde, Zwei Note,, zu versenden, nämlich die Antwort ans die russische Note und eine andere Note mit Vorschläge» au Polen. In der letzteren wird Pole» formell ersucht, sich wegen eines Wasfenstillstandes direkt nach Moskau zu wenden. London, 21. Juli. Reuter erfährt: Tie englische Antwort auf die Sowjctnote ist gestern abend übersandt worden. E» wird darin vorausgesetzt, daß die Scm>jetregierung bereit ist, Frieden zu schließen. Um aber einstweilen die Aufrichtigkeit der Sowjetregierung zu prüfen, sind die Polen aufgefordert worden, selbst um einen«Waffenstillstand zu ersuchen. Wenn die Sowjet- regierung nicht bereit ist, Frieden zu schließen und in Polen eindringt, so werden-die Verhandlungen über die Wieder- ausnähme des Handels mit Sowjetrußland e i n g e st e l l t werden. Vorläufig wird die russische Mission, die sich augenblicklich in Rcval befindet, nicht nach England weiter gehen. *' Rotterdam, 22. Juli. Dem„Manchester Guardian" zufolge, wird in der russischen A n t iv o r t n o t e außer dem schon be- kannten noch folgendes dargelegt: Die Sowjetregierung weigere sich bestimmt, mit einem Der- treter des Generals Wränget zusammenzukommen oder seine Sache anzuerkennen. Wrangel wird dauernd der„meu- tcrnde General" gewannt. Die Sowjetregierung ist bereit, seinen Truppen und den unter seinem Schutz befindlichen Personen Sicherheit zu gewährleisten. Auf der anderen Seite ver. langt sie bedinguitgslose Uebergabe der ganzen Halbinsel Krim und aller daraus befindlichen militärischen Vorräte. Was den Völkerbund augeht, so weigert sich die russische Regierung, sich an die. Vorschriften dieses Bundes zu halten, den sie einen Bund der alliierten Regierungen nennt. Die Antwort weist darauf hin, daß das Bestehen des Bundes Rußland nie- mal? amtlich mitgeteilt worden ist» und daß sie alles, was es von dem Bunde weiß, aus den Zeitungen erfahren habe. Die Sowjetregierung betont, daß trotz der Bestimmungen des Völker- bimdsatzeS die Alliierten nichts getan haben, als bekannt wurde, daß Polen einen Angriff auf Rußland beabsichtigte. Daher sieht die russische Regierung nicht ein, warum sie sich jetzt, wo Polen sich von einer Katastrophe in den von ihm begonnenen Kriege bedroht sieht, dem Bunde unterwerfen soll. Llopd George über Sie polnische Irage. In seiner Rede über die allgemeine Lage in Europa ging Lloyd George besonders ausführlich auf Polen ein. Er erklärte: Polen hat den Alliierten Anlaß zu großer Sorge gegeben. Ich habe offen zu Polen gesprochen und bedauere, daß meine Befürchtungen sich verwirklicht haben. Ein unabhängiges Polen fft für die Erhaltung des Friedens unentbehrlich. Ohne ein unabhängiges Polen würde eine große aggressive Militärmacht über das Gebiet eines anderen Volkes hinweg direkt gegen die deutsche Grenze heranrücken. Der polnische Ministerpräsident hat sich bereiterklärt, die polnische Armee inner- halb der eigentlichen Grenzen Polen» zurückzuziehen. Millerand habe die Antwort der Sowjetregierung als impertinent bezeichnet, er, Lloyd George, würde lieber das Wort„unlogisch" anwenden. Die Sowjetregierung sei bereit, die Frage eineF Waffenstillstandes mit Polen in freundschaftliche Erwägung zu ziehen, es seien indes Anzeichen dafür vorhanden, daß die Sowjetregierung lediglich bereit fei, über die Angelegenheit mit einer Prole- tarierregierung zu verhandeln. Das s e i eine uner- trägliche Lage. Alles, was die Alliierten bezüglich Rußland gewünscht hätten, sei, daß es in voller Freiheit seine eigene Re- gierung wählen solle. Die Sowjetregierung sei nicht von Ruß- land gewählt worden, si� sei eine große Autokratie, wie ihre Vorgängerin. Ilm die Ehrlichkeit der Sowjetregierung auf die Probe zu stellen, hätten die Alliierten Polen den Rat ge- geben, an Rußland heranzutreten und um einen Waffenstillstand zu ersuchen. Wenn Rußland dieses Ersuchen ablehne, und die russischen Truppen in Polen einmarschierten, dann würden die alliierten Mächte Polen alle in ihrer Macht liegende Unterstützung gewähren. Innerhalb der letzten Tage hätten die Polen ein freiwilliges Heer von 399 999 Mann aufgestellt. Polen habe also reichlich Mannschaften(?), aber Mangel an Ausrüstung und organisatorischen Kräften Frankreich und England könnten diese liefer». Es liege im Interesse von England und Europa, daß Polen nicht vernichtet werde. Frankreich und Großbritannien hätten b«- sondere Gesandte nach Polen geschickt, die darüber be- richten sollen, welche Schritte ergriffen werden könnten, um dem polnischen Volke bei der Verteidigung seiner Grenzen beizustehen. Wir haben den englischen Botschafter in Berlin mit einem mili- t ä r: s ch c n Vertreter abgeschickt, und Frankreich sendet General Weigand. Es ist auch sehr möglich, daß Fach nach Polen gehen wird, aber ich hoffe, daß dies nicht erforderlich fein wird,"'' GroMerün, Neuer Ausammsnftoft mit �cänzoscn. Vor oem Hotel K a i sc r h o j" kam es heute gegen 9 Uhr zu . Zusantmenstoß zu ischen französischen Soldaten u n o Deutschen In p.. i Augenblick, als der Bankbeamte B. in die Mauerstraße:i»hegen trollte,-stieß cr mit drei französischen Soldaten, die aus entgegengesetzter Richtung um dieselbe Ecke kamen, zusammen. Tie Franzosen begannen gleich eine wütende Schimpferei und wurden tätlich, indem sie den Zivilisten mit Schlägen t/a k'i> e r t en. Das s' ch ansammelnde Publi- tum nahm eine drol e n 0 e Haltung gegen die fremden Sol- daten an, von denen einer seinen Revolver'og und einen Sch r eck- schuß abgab, der glücklicherweise keinen Schaden anrichtete. Daraus flüchteten w drei» daS Hotel„Kaiserhos", in dem gleich darauf Beamte de.".üerheilspobzei erschienen, die den Vorfall Protokoll crten. De: sft'.iy vor dem Hotel wurde darauf von Sicher- heitSbeamten ge'äubect. Bei dieser Gclcgerhcit m" Pen wir nicht nur an das deutsche Publikum die dringende Bitte r«Gen, de Franzosen nicht zu provozieren, sondern auch die fremden Missionen ersuchen, darauf hinzuwirken, daß-hre M!-lieber der Stimmung der den!- scheu Bevölkerung etiuat meh: Ncu-nurg tragen und nicht durch ihr leider allzu orovozierend wirkendes Auftreten Anlaß zu unliebsamen V.vsui' n geben Im übrigen dürfte es angebracht sein, auch innerhalb der Missionen enm.il der Entwaffnung der E ii t c n t e s o l ü a i e u r.el.'rzuue;env Tic„rote£''rr..b" vom LÄedding. Zu einem Feuergefecht zwischen Polizeibeautten� und Em» blechern, bei dem ungefähr 39 bis 49 Schüsse gewechselt wurden, kam es in der vergangenen Nacht in der Eschenallee zu Charlotien» bürg. Eine Embrecherbaitoe vom Wedding, die unter Führung eines steckbrieslich gesuchten Einbrechers Richard Heini sch steht und den Namen„Die rote Hand vom Wedding" führte, hatte es dort auf eine Villa abgesehen, deren Besitzer sich auf Sommerreise befindet. Während des Einbruchs wutzden sie von den Beamten der Sicherheitspolizei Gast und Schwand t von der Elisabclh Wacke in Charlotten bürg, die auf ihrem Rundgange dort vorbeikamen, überrascht unv gestellt. Die Verbrecher, �die alle bewaffnet waren, eröffneten sofort das Feuer auf die B e- amten, die aus einer Deckung die Schüsse erwiderten. So waren ungefähr 39 bis 49 Schüsse gefallen, als es die Einbrecher doch vo:- zogen, die Flucht zu ergreifen, zumal, wie es scheint, einer von ihnen verwundet worden ist. Durch einen von den Sicher hei. s � beamten abgegebenen Signalpfiff Ivar u. a. auch der Kriminal- Wachtmeister Ohne von der Hindenburgwache aufmerksam ge- worden. Gerade in dem Augenblick, als er in die Eschenallee einbiegen wollte, stürzte tlmr ein Mann ohne Kopfbedeckung entgegen. In der richtigen Annahme, paß es sich um einen fliehenden Ver- brecher bandelt, griff er zu und es gelang ihm so, den Mann f c st- zu n e h m e n, ehe dieser noch von seiner S< ißwaffe, die er bei sich führte, Gebrauch machen konnte. Außer dem Revolver besaß oiescr auch noch eine Flasche Schwefelsäure. Tcr Ver- haftete wurde nach der Wache gebracht unto dort als ein gewisser Walter Li o festgestellt, der, wie cr zugibt, Mitglied der Einbrecher- kolonne„Die rote Hand vom Wcdding" war. Wie er weiter an- gibt, sind alle deren Mitglieder nickt nur mit Schußwaffen, son'oern auch mit SchwesÄsäure ausgerüstet, um davon im Nah kämpf Gebrauch zu machen. Die anderen Perbrecher sind ftfimlich ein» kommen._ Die LebenSmitteltcueruug und ihre Nrsuchcn war der Beratung?- gegenständ der gestrigen fünf Versammlungen des Bezirks- Verbandes Groß-Berlin. Der Besuch war rrotz des schönen Wetreis überall sehr gut. Trotzdem die Unabhängigen an ver- schiedenen Stellen Stör ungsversu che unternahmen, konnten die Versammlungen überall mit der Annahm? der schon im gestrigen Abendblait veröffentlichten Resolution beendet werden. Groft-Verliner Lebensmittel- Berlin. Bis auf weiteres: Auf die A I-Karten 1 Liter Milch. A F. Karten 1 Liter Milch, L I-Karten 1I, Liter und B ll-Karten Liter Milch. Die übrige Vclicjcruiig bleibt unverändert. Vorträge, Vereine und Versammknngen. Bund für Treigliedrriing deS sozialen Organismus, Potsdamer Slraiie LSIllSa, Aleliergcbäude III. Sonnabend, 8 Udr. Vortrag von Wal. tcr Kübne:„Die universelle Bedeutung der Dreigliedermig." iltcichsbiiii!» der KriegSbeichndigten. Bezirk Frirdrichshngru. Freitag, 8 Uhr, Versammlung bei O l t o, Kirchslratze 28. Groß-Serliner partelt?achrichten. Morgen, 23. Juli: Pankow. 7 Uhr Mitglieder versammluug im Restaurant Lintner, Kasinosaal. Mitgliedsbuch legitimiert. Der wichtigen Tagesordnung wegen vollzähliges Eiichcmen sämtlicher Mitglieder unbedingt nötig. Borsigwalde. 8 Uhr: Mitgliederversammlung in den Borsigwalder Zestsälcn.__ Sport. Sportpark Treptow. Den Abendrennen der Vereinigung Trep- tower Rennfahrer war der übliche Massenbesuch leider nicht be- schert. Da» Programm erfüllte jedoch, ivaS er den erschienenen Freunden der Fliegerrennen versprach: einen genußreichen Abend. Sämtliche Fahrer gaben ihr Bestes her, so daß es in allen Rennea zu heißen Kämpfen kam. Im Stundenmannschastsrennen stellten sich sechzehn Mannschaften dem Starter. Das Rennen wurde in durcktveg flotter Fahrt von der Mannschaft Kudcla-Kendelbacher vor Techmer-Rudel mit der gleichen Punktzahl gelvonnen. In den Zweisitzerfahren vollbrachten Schulz- Neinas eine hervorragende Leistung, ist dem sie in beiden Rennen mehrere weit stärkere Fahrer überraschend leicht abfertigten. Verspricht auch der finanzielle Erfolg für die Vereinigung kein besonders guter zu sein, so hat die Veranstaltung aber zum m:n- besten ein gut Teil zur Förderuung der Fliegerrennen beigetragen. Ergebnisse: Preis vom P! ä n i c r iv a l d, 1 999 Meter: 1. Stolz 1 Min. 99 Sek., 2. Münzner, 3. Schröder, 1. SennePe.— Willi- Hamann- Erinnerungsvor gäbe fahren, 4 Runden: 1. Amort 1 Min. 37 Sek.(59s. 2. Pctri 150), 3. Otto Tiefe(40), 4. Kops(60), 5. Wiegand(70 Meter Vorgabe).— Stunden Mannschaftsfahren: 1. Kudela- Kcndelbacher 19 Punkte, 2. Techme»kRudel 19 Punkte, 3. HäuSler-Wegener 11 Punkte, 4. Münzner-Packebusch 10 Punkte, 5. Stolz Schröder 9 Punkte, 6. Scnnecke-Hah« 8 Punkte. Die zurückgelegte Strecke beträgt 39,249 Kilometer.— Preis von Grünau. Tandem- hauptsahren, 4 Runden: 1. Schulz-Neinas 1 Min. 33 Sek., 2. Münz- ner-Schröder, 3. Hahn-Müller, 4. Häusler-Kops, 6. Krahner-Peiri. - Tandemprä mienfahren, 15 Runden: 1. Schulz-Neinas 6 Min. 33 Sek., 2. Münzner-Schröder, 3. Krahner-Petrl, 4. Otto Tieh-Seel» 5. Habn-Müller.— Franz- Schmitchen- Erinnerungsrennen, 15 Nimden: 1. Hiepel, 2. Kutzcr, 3. Tahnke. Arb, iter-Radfabrcr-Berei»„Groß-Berliii". Sonnabend 8 lltzr und 12 Uhr Spreewaldtour, Sonntag 6 Ubr und mittag 1 Uhr Aillggelbort. Start Mariannenplatz. Freier Wanderbund. 24. Juli: Ebcrswalde— lkierbellinfee Wsahrt Sonnabend, S Uhr, vom Stettiner Fernbahnbof.— . Loü< Buch-Gorinjee. Absahrt 5,40 Uhr vom Stettiner Vorortbahuhoj Wirtschaft Wrr grht nach Moskau? Tie VerMrter Gewerkschaftskommission hat in ihrer leizten Sitzuna beschlossen, ein« Studienkommission nach Sowjctrutzland zu«ntsenden, und zu diesem Zweck drei Mit- x-l'eder aus ihrer Mitte oewählt. Es sollen sich„Arbeiter" ein eigenes Urteil über Wahrheit und Dichtuno in den unzähligen - Milderungen russischer Zustände bilden. Gewählt wurden zunächst tausch lMstallarbeiteri, Siegle(Holzarbeiter) und Czerni . rfuchvinder), bor in russischer Gefangenschaft sich mit der russischen Sprache vertraut gemacht hat. Tie Kommission, die die nach dem Sowjetsystem umge- stellte russische Wirtschaft richtig sehen, die etwaigen Vorzüge und Unzulänglichkeiten der russischen Wirtschaftsdiktatur feststellen und sie zutreffend und verständig beschreiben soll, über- nimmt eine auherordentlich schwierige Aufgabe, und eS entsteht die skrag«, ob die ausgewählten Vertreter in der Lage fein werden, ein Ergebnis zu erzielen, da» der Bedeutung der Aufgabe ent- Gricht. �st das nicht der Fall, und da» dürfte wohl zu erwarten sein, so wären ein Zeitverlust, erhebliche finanzielle Opfer und mit grösitcr Borsicht aufzunehmende Berichte, die Unheil an- richten können, das unbefriedigende EraebniS. Unsere? ErachtenS eehören in..diese Kommissionen auch Vertreter, die al? Wirt- s ch a f t S f ü h r e r verantwortlich leitende Arbeit geleistet haben und die russischen Verhältnisse in llhezug auf die t e ch n i s ch- w i r t- schaftliche Onganisation, ldie Produktivstät, ihren Nutzeffekt eingehend zu prüfen vermögen. Besonder? geeignet dazu wären wirtschaftlich erfahrene BetriebSingenieure, die bereit? vor dem Kriege die durchaus eigenartigen russischen Verhältnisse kennen gelernt haben und die Psyche de? russischen Arbeiters und Tcchuiki-rS genau kennen. Für un? liegt der Schwerpunkt des SawjetwirtschaftSproblcMS in der Frage, ob eS geeignet ist, eine auf höchste Stufe zu bringende Produktivität der Arbeit zu pelväkrl.isten. Dasi diese? System der Diktatur heute noch erheh- liche Mängel haben wird, die man al§ Kinderkrankheiten zu bezeichnen pflegi, ist selbstverständlich. Von ihnen wird der erfahrene Fachmann und WirtschaftZkritiker ohne weiteres absehen. Tie Hauptsache ist die, ob bo? russische Sbstem geeignet ist, alle ioertvollen Kräfte der Menschen so auszulösen, daß sie bei richtiger Organisation und Leitung die höchsten Leistungen er- neben, da nun einmal nur gesteigert« Erzeugung von Gütern die soziale Not zu beseitigen vermag. An geeigneten Persönlichkeiten für die Lösung dieser Aufgaben ist kein Mangel, >i« sind berfügbar. Tie Hauptsache ist, daß die Gewerkschafts- kammission von dem Willen beseelt ist, die Wabrheit über Sowjet- ruxland auch wirklich an? Licht bringen zu wollen. Steuererklärung zum Rcichsnotopfer. Für die Aufstellung der Steuererklärung zum R e i ch« n o t- Opfer Ist in weitem Umfang die Bewertung von Vermögen»- gegenständen notwendig, die unter den jetzigen Verhältnissen be- sonderen Schwierigkeiten begegnet. Die? gilt in erster Linie für die Bewertimg von Grundbesitz und Betriebsvermögen. Ilm den Steuerpflichtigen wie den Veranlagung Sbehärben An« haltspunkte für eine sachgemäße Bewertung dieser Vcr- n-.ögcnSgezenstände zu geben, wird zurzeit im ReiebSfinanzinmi- uerium der Erlaß von Richtlinien vorlbereitet. Die Veraffcnt- lichung dieser Richtlinien soll so rechtzeitig erfolgen, daß sie noch bei Aufstellung der Steuererklärung innerhalb der vorgesehenen Frist berücksichtigt werden können. Vom ReichswirtschastZrat. Denen, die sich über diele neue Körperschaft, ihre Vorgescvichte, Aufgaben und Zusammensetzung unterrichten müssen oder wollen, sei eine kleine Schrift empfohlen, die ein Referent im Wirtschaftsministerium. G. Plötz, im Verlag: „Gesellschaft und Erziehung", B e r l i n» F i ch t e n a u. hat er- scheinen lassen._ OsVsrMostsbewegung Hausangestelltenmangel an ollen Orten. Dok„ReichSarbeitSblatt" veröffentlicht unter Arbeiterstatistik, daß ,n allen Bundesstaaten die Hausangestellten äußerst knapp sind. Thüringen meldet: „HauSangcstellle zu bekommen bereitet weiterhin Schwierig- ketten.' Die Zahl der nichtbesetzten offenen Siellen vergrößert sich." Bremen:„Auf dem Arbeitsmarkt für weibliche Personen fehlt cS an Hauspcrsonal, so daß der Bedarf nicht gedeckt werden konnte."' Schleswig-Holstein:„Ter Mangel an gutem Hau? personal war nach wie vor recht fühlbar, vor allem auf dem Lande.' Hamburg: Hauspersonal wird noch immer gesucht." Hessen- Nassau und Waldeck:„Tie Beschaffung von weiblichem Küchen, und HauSpersonal gestaltet sich äußerst schwierig." So geht eS in dem Bericht von Ansang bis Ende; überoll ein Notsckirci nach Hausangestellten. Ter Zentralderband der Hausan- gestellten behauptet: Diese Notschreie würden in dem Augenblick verstummen, wenn man diesen Beruf einmal den Zcitverhält- nissen entsprechend entlohnen, und zum anderen die HauSange stellten den übrigen Arbeiterinnen gleichstellen würde; t>. h. �Arbeits- zeit und Freizeit Menschen fühlen. zeit und Freizeit so einteilen, daß sich die Hausangestellten als Tu? Rösten und die Röstwaren. llutsr diesem Titel bringt der Verlag der„Kaffee-, Tee- und Kakao-Zeitung". WaWaum u. Eo., Hamburg 36, ein zweibändige» Werk heraus, dein wir die folgende Zcch lenzusamm e nstell ung ent- nehmen, die zeigt, welche wirtschaftlich« Bedeutung diese R ö st e r e i hat. Nach den Ausweffen der Nahnu ngSmittelindustri ebe vufS- gcnosftnschaft, welcher die einschlägigen Jndustvten angehören, um- jagten 1913: Kaffeeröstereien, Kaffeetafel» und E�traklfabriken...... Kaffeemahlereien und Verpackung Geireid- und Malzkoffeefabriken Kaffee-Surrogat-, Feigenkaffee», Zichoriensabrilen..... Zichoriendarrcn...... 468 Betriebe mit 5661 Arbeitern 540,. 1484 57.. 1482 94 50 8042 267 Zulammen Kaffee und Kaffee- Ersatz........ Kakao und Schokoladefabriken Deutsche Tee-Ersatzfabriken(im Kriege entstanden) etwOj. 1204 Betriebe m. 11 336 Arbeitern 387.. 81 143 Ein Teil der Kunst-Kindermehl» und Nährmittelfabriken.. Faibmalzröstereion''.... Zuckerkouleurfabriken"... 30„„ 300„ 1621 Belmde m. 42 779 Arbeitern 83 Betriebe mit In„„ 12. 1047 Arbeitern 300 290 Zusammen 1706 Betriebe mit 44 396 Arbeitern Hierzu kommen die außerordentlich zahlreichen Rösteinrichtun- gen in Handelsbetrieben, größeren Küchen, Haushaltungen, in einem Teil von 766 Malzfabriken und 5900 Brauereien, weiche statistisch nicht eigeinS ersaßt sind. Au? der Kakao- und Schokoladen- industrie müßten die eigentlichen Kakaofabriken ausgeschieden wer- den, da die Schokolädenherstellung kein« reine Röstindustrie, son- dern deren Verbindung mit der Zuckerwarcnindustrie ist. Des wei- tercn sind für die Industrie der Röstwaren deren zahlreiche Hilss- Industrien zu berücksichtigen. So gibt eS etwa 16 Maschinen- s a b r i k c n, welche sich mit dem Bau von Rästmaschinen. etwa 20, welche sich mit der Herstellung von Kaffeemühlen, etwa 60, welche sich mit Herstellung von Kasseekochmaschinen, etwa 10, welche sich mit dam Bau von VerwägungS. und Verpackungsmaschinen be- schäftigen. Die Hausangestellten, di« lo lange Jahre unter der Gesinde- ordnung standen, lordern jetzt ihre Menschenrechte. Zu diesen ae- hören ebenfalls die Wasch- und Reinemachefrauen, die man auch niemals vollwertig ansah. Die Fostoerungcn der Hausangestellten, der Stunden», Wasch- und Reinmachefrauen sind folgende: Eine 18 Jahre alte Hausangestellte soll einen Mindestlohn von 80 M. im Monat haben. Das ist ein Stundenlohn von 82 Pf. bei zehnstündiger Arbeitszeit täglich. Da die Naturalbezüge heute mit 7,56 M. pro Tag vom Schlich» tungsauSschuß berechnet werden, so kam« noch eine Bezahlung von 75 Pf. pro Stunde dazu, so daß«in« au»gelernte, 18 Jahre alte Hausangestellte 1,07 M. pro Stunde verdienen würde. Eine Waschfrau soll für die Stund« mit Kost 2,25 M„ ohne Kost 3 M. haben. Eine Reinmachefrau soll für die Stunde mit Kost 2 M., ohne Kost 2,75 M., Stundenfrauen(Aufwärtevin) für die Stunde mii Kost 1,75 M., ohne Kost 2,60 M., Stundenfrauen für Geschäft, Fabrik, Bureau und Treppenreinigung für die Stui�e 3 M. haben. In den Kreisen der Arbeitgeberinnen(der Hausfrauen) wei. gert man sich, Tarife abzuschließen; man weigert sich ferner, eine begrenzte Arbeitszeit einzuführen. Wenn man bei den Arbeit- geberinnen überall das nötige soziale Verständnis hätte, dann würden mit einem Schlage all diese Klagen verschwinden und man hörte nichts mehr von dem Mangel an Kräften im HauSange- stelltenberuf. Hier mit«inzugreifen wird Aufgabe der Arbeitsämter sein, die, wenn sie genügend Kräfte vermitteln wollen, Mindestsätze fett- setzen muffen, damit auch die weiblichen Arbeitslosen anderer Be- rufe geschützt und diese nicht als Lohndrücker eingeschoben werden. Der beste Schutz aber wird stet» darin bestehen, wenn alle», was zum Hausangestelltenberuf zählt, sich als Mitglied des Zentral- verbände» der Hausangestellten Deutschland» anschließt, dessen Bureau sich in Berlin SO. 16, Engelufer 21, befindet. Saboteure im Reichsarbeitsministerium. Vöm Genossen Karl Lindow erhalten wir fölgenide Zuschrift: Die Antwort de» ReichsarbeitSministeriumS ist keineswegs weder überzeugend, noch befriedigend. Eine tarifliche Bestimmung über die Art der Einstellung— die an sich gegen kein« irgendwie geartete gesetzliche Vorschrift verstößt— soll nicht da»„einzelne Arbeitsverhältnis" berühren? Ja, ohne die Einstellung kommt c» ja überbaupt nicht zu einem Arbeitsverhältnis. Welchen prat- tffchen Sinn soll denn dieser ministerielle Einwand baden? ES wäre gut gewesen, anzuführen, auf welchen Paragraphen der Ver- ordnung vom 23. Dezember 1918 da» Ministerium seine Ansicht stützt, daß Bestimmungen, die nicht da»„einzeln« Arbeitsverhältnis betreffen" von der Verbindlichkeit auszuschließen sind. Ich kann mit dem besten Willen in der Verordnung nicht» dergleichen finden. Jede Bestimmung eines Tarif» betrisst da» ArbeffSverbältnl» jedes einzelnen. Gerade die Verordnung vom 23. De- zember 1918 hat entschieden, daß ein Tarif unabdingbar ist, e« sei denn, der„einzelne Arbeitsvertrag", d. b. die Bedingungen, unter denen«in bestimmter Arbeiter die Arbeit aufnimmt, sichere dem Arbeiter mehr Vorteile al» der Tarif. Es ist ab'.vegig. wenn da? Ministerium meint, daß die Bestimmungen über die Tätigkeit de» Betriebsrats„sticht zur Ausnahme in die einzelnen Arbeitsverträge bestimmt" sind. Diese einzelnen Arbeitsverträge sind ja juristische Fiktionen. Wenn ein Arbeiter in einen Betrieb ein. tritt so weiß er daß er den Bestimmungen de» Tarifs unterliegt. Ein einzelner Vertrag kommt ja nur ganz auSnahms- weise zustande. Mit dem gleichen Recht könnte da? Arbeitsministe» rium sagen, die ganzen Bestimmungen des ReichttarifS. mit Aus» nähme der Arbeitszeit vielleicht, gelangen nicht zur Aufnahme In da» einzeln« Arbeitsverhältnis. ES bleibt bedauerlich, daß da? Rcichsarbeii»Ministerium so peinlick am Worte klebt und dem Geist so wenig gerecht wird. Wa? da» Reichsarbeitsministerium vermeiden wollte, nämlich Reibungen znkischen den Angestellten und den tarisseindlichen Bahnen, wird unausbleibliche Folge seiner Entscheidung sein. Die außerorSentliche General- unö Innktionärver- sammlung öes verbanöes öer 5abr!karbeiter, die am Mittwoch im Gewerkschaftshaus tagte und zahlreich be. sucht war, mchnrden Bericht über den VerbandStag in Hannover entgegen. R» i m a n n gab«in« eingehende Uebersicht iiber die Ver. Handlungen und Beschlüsse. Er hob hervor, daß die MeinungSvcr» schicdenheiten über die Taktik des Verbandes sich dieSmall weit leb. hafter gekreuzt bätten, al» lemals auf einem früheren Verbands» tag. Ihm selbst sei die Ausgab» zugefallen, den gegensätzlichen Stand- Punkt zu vertreten. Tie Opposition habe ihren Standpunkt in den strittigen Fragen nicht durchsetzen können, e�chon zu Beginn der Verhandlungen ergab«ine Beschlußfassung, daß 186 oppositionellen Delegierten 256 Delegiert« gegenüberstanden, di« die Politik de» Vorstands guthießen. Zu betonen wäre, daß bei den lebhaften Er- örterungen der Streitfragen der Vorstand und namentlich der Kolleg« Brey eine vermittelnde Stellung eingenommen hätte. In einer von Brey eingebrachten Resolution fei eine klare Stellungnahme erfolgt, wie auf keinem andern Berbandttag.— In letzter Zeit sei ihm und andern mehrmals vorgehalten worden, sie seien nicht mehr die Alten und entsprächen N'cht ganz den gehegten Erwartungen. Nun sei er allerdings nicht derjenige. der fortgesetzt in Worten den zielbewußten Revolutionär hervorgekehrt habe. Er meine, man babe nickt bloß zu reden, sondern auch zu arbeiten. Er und seine Mitdelrgierten statten den prinzipiellen Standpunkt der Opposliion auf dem VerbandStag klar vertr&ert.— Um dem Einwurfe von einer Zersplitterung durch die Opposition entgegenzutreten, hätten die Vertreter der Opposition erklärt, daß di« VerbandstagSbeschlüsse für alle bindend seien. In der Frage der Jndustrieverbände sei klipp und klar Stellung genommen worden, und zwar durch einstimmigen Beschluß. In der Frage der Arbeitsgemeinschaften sei die Resolution der Opposition unterlegen. Nach weiteren Ausführungen kam Redner zu dem zu- ''ammenfasscnden Urteil, daß eine Reibe von Momenten auf dem Verbandstage gezeigt bätten, daß das Wirken der Opposition nicht vergeblich geweien sei. Verschiedene ander« Delegiert« ergänzten die Darlegungen de» Referenten. Folgende Resolution wurde einstimmig angenommen: „Die Versammlung stellt ausdrücklich fest, daß sie mit der Arbeit und der klaren Stellungnahme der Opposition auf dem Verbands- tage einverstanden ist. Si? beiert ausdrücklich, dag sie die Haltung der Berliner Delegierten gutheißt. Die Generalvcrsamnrlung macht eS sich zur Pflicht, über di« Grenzen unserer Zahlstelle hinaus in diesem Sinne für die Entwicklung deZ Verbandes zu wirken. die Schlichtungsverhanölung für öas versicherunzs- gewerbs. Zu den Schlichtungsverhandlungen im ReichSarbeitSmini- sterium für da» VersicherungSgewerbe wird durch WT-B. folgen» de« mitgeteilt: Zur endgültigen Regelung der OrtSklassenein- teilung für den Reichstarifvertrag im VersicherungSgewerbe war gemäß Vereinbarungen zwischen dem Arbeitgeberverband deut- scher VersicherungSvnternehmungen und den Angestelltenorgani- fationen ein SchlichtungSauSschuß gebildet worden, der unter Vorsitz de» Referenten Dr. Foth am Mittwoch im ReichSarbeitS- Ministerium tagte. Die Grundlage der Verhandlungen sollte die OriSklasseneinteilung der Banken bilden, die seinerzeit auch im Reichsarbeitsministerium aufgestellt worden ist. Beide Parteien hatten sich vor Beginn der Verhandlungen mit der Besedung�dcS SchlichtungSausschusses einverstanden erklärt unld sich verpflichtet, seine Entscheidungen als bindend anzuerkennen. Dessen unae» achtet lehnten die Vertreter der Angestelltenorganisationen nach einer ihnen ungünstig erscheinenden Entscheidung de» Schlich- tung»au»schliss«s da» ganze Schiedsgericht ab, mit der Begrün- dung, der Vorsitzend« sei befangen. Durch diesen außergewühn- lichen Vorgang ist die Einigung in einer auf Erledigung drängen- den Frage stark gefährdet. �/ Zu einer gerechten Beurteilung de» hier Geschilderten wird man erst kommen können, wenn seitens der in Betracht kommen- den Organisation«» die Gründe dargelegt werden, welche SU» deren Vorgehen geführt haben. Hausangestellte. Durch Abstimmung in den einzelnen Ortsgruppen sind die Bei- lräge ab 1. Juli d. I. erhöht; außerdem ist eine neue Klasse für diesenigen die über 90 Mk. Monatsgehalt beziehen, eingeführt. Tie Beitragssätze lauten wie folgt: Der im voraus zu zahlende Beitrag beträgt in Bcitragtklasse I bis zu einem MonatSgebalt von 8st Mk. 150 Pf., in BcitragSklasse!l b>» zu einem Monatsgehalt von 60 Mk. 200 Pf., in Beitragstlasse III bis zu einem MonatSgebalt von 90 Mk. 250 Pf., i,, Bcitraasklasse IV bei einem Monatsgehalt über 90 Mk. 300 Pf. Kronlenunterstiitzung wird wie folgt gewährt: Nach einjähriger Mitgliedschaft erbält da? Mitglied bei einem Beitrag von 150 Pf. pro Woche 3 Mk. für die Dauer von 6 Wochen, bei einem Beitrag von 200 Pf. 4,20 Mk., bei einem Beitrag von 250 Pf. 5.40 Mk., bei einem Beitrag von 300 Pf. 6.60 Ms., nach drei- jähriger MitgltedschasI 4.20 Mk.. 5,40 Mk.. 6,60 Mk. und 7,80 Mk. Tie Streikunterstützung regelt sich von Fall zu Fall. Deukcher Tronsportarbeiter-Berband. Montag, den 26. Juli, abends 7 llfir, im.Ki...n----- W...... straße 72; Titzling sämtlicher Funktionäre aller Untergruppen. Tbemische Branche. Uli. abends 7 Ubr, im.Königsladt-Kallno, Holzmnrkt- .........._______ illicher Funktionäre aller Untergruppen. Mitglied»- buch und Fimttionäriarte legitimiert. ?lm Miuwoch. den 28. Juli, abend» 7 Uhr. im Könlgliadt-Kosino. Holz- marltstr. 72: lAroye Branchenversammlung. Tagesordnung: l. Vortrag über untere Lohnbewegungen und die allgemeine wirtichasttiche Lage. 2. Di«. fuliion und Bcschlußsassung. Reftrent: Kollege Lrlcl. Mitgliedsbuch legitimiert. Achtung. R. Stock ii. Eo., Marienfelde! Die volle ArbeitSaus- nahm- der«Ibtcilungcn beginnt am Freitag zu den bisherigen Schichlzettcu. Der Arveiterrat Henschel. Veraoit» Mr den rebatl. Teil■ Dr. tDemcr Srtfe«, Cborloltenturg: fflr Rnztiaen: iti öilucki. Verlin. Verlag: vorwärts-Verlag S. m. d. H.. z-ertin. Track: stt i. wärls-Buchdruckerel u. Berlagsanttatt Paul Singer u. Co. Berlin. Lmdenttr. 3. vom Nrettag. den SS. Juli d. I., wird In dem Betrieb der Fi-»- Wernoi- A.-G. Marienfelde die Arbeit auch von denen laut Anschlag anders eingeteilten Gruppe» um 7" früh wieder voll ausgenommen. Fritz Werner A.-G. Marienfelde. Rasten-, Leitefwaxen forcktln», Wilhelmstra»»««». Pretztorf und g-mentstetn, liefert Prinz, Brtiberstr.»Sa. Wanvlth. Luodratrut« tu Marl, Ifin Mark Anzadww stiilsen. Steglitz. Vionvillchr. Fernsprecher Steglitz ASs. mg. .11. ZmighShuer, diesjö t>->ih»ge»,rtz!i»»« 6- Bettwäsche, zurückgesetzt, da etwa» angestaubt. Deckbett 78,30, fllflen 18,75, Laten«,00. «itscheiabrit Eretsestraße 89 (Soffiiieide). 1716®* 800 Warf und mehr sparen Sie beim Kauf von Jackett» omllgen, Cutaway«, Paletot», Kostümen, Mänteln. Sonder. anaebot: Pelzwaren aller Art, tetzi auffallend billig, im Leih- Wocitzplatz 8«�» »•Izgaraltureii! sAasla- Uchse 110. Rotfüchse 125. 3odel. >«150 Marl, elegante Rrcuz- üchs». 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