Nr. 366•> 37. Jahrgang Ausgabe Ik Nr. 46 Bezugspreis: B;rtf!iät)rL30,— 3Jl[.,monatI.10,— IRL txe: ins Haus, voraus zahlbar. Poll- dezugi Monatlich 10.— Ml, er!l.An> stellunzsgcdühr. Umer Kreuzband für DeutschlauS und Oesterreich IS/ 0 ML, für das übrige Ausland bei täglich einmaL Zustellung 21 äst M. Postoe» steilunzen nehmen an Oesterreich, Ungarn. Tschecho- Slowake!, Däne» mach Holland, aureaiburg. Schweden und Sie Schweiz.— Eingetragen in die Doft-Zeimngs-Preisliste. Der„Vorwärts� mit der Sonntags- beilage.Polt lugeit" erlcheinl wochentäglich zweimal Sonntags und Mon- tag»-inmau Telegrannn-Adreste .Sozialdemokrak Berlin-. argen Ausgabe kterlincv Volksblntt ( Zg Pfennig) Anzeiaeuvreis: D e achtgelpaltene Nonpareillezeile tolle 3— D!., Teuerungszuschlag .»leine Anzeige»", das feli- gedruate Morl 1,— 3)1< zulässig zwei 'eltgcdructte Dorte), iedes weitere Wori KV Pfa. Ctellengeiuche und Schlofliellenanzeigen das erste Wort 65 Pig. ledes weitere Wort 40 Psg. Worte über 15 Duchilaben zählen sür zwei Worte. Teuerunos,»schlag SCfi» Tamilien-Anzeiaen für Abonnenten Zeile Z,— M., poiitilche ano ge- wertichastlichc Verci»».- An eigen 3.—-DIL die Zeile ohne Aufschlag. Anzeigen für die n ä ch st e Äiu.nmer müssen bis S Ahr nachmiilags>n> Hauvrgeschäsl. Berlin SW 63. Linde»- strajje 3, abgegeben werden. Deoffne! von 0 Uhr srüh bis 5 Uhr abends. �entrslorgan der rozialdcmokratifcbcn Partei Dcutfcblands Reöaktion und Expedition: 60). 68, Lindsnstr.?. Fernsprecher: Amt Moritzpla«. Nr. ISISO— ISIS?. Sforza über Spa. N»m, 22. Juli. sStefani.l Ter Minister des Aenßrren, Gras Sforza erklärte in Beantwortung mebrerer Anfragen über die auswärtige Politik in der Kammer zur Kohlenfrage: Räch dem Bertragr von Versailles hatte Italien Deutschland das Dar- lehn verweigern toni, c», das sich aus dem Unterschied zwischen dem vom Friedensverträge festgesetzten Mindestpreis und dem wirklichen Preis ergibt, aber dann würden die deutschen Bergarbeiter nicht gearbeitet haben und Hätte man, um Kohle zn erhalten, das Ruhrgcbiet besetzen miisfdn. Dies sei durch seine Vermittlung verhindert worden. Weiter sagkc er: Im Anbeginn einer europäischen Regelung nach dem Kriege»inß man nicht Wunder verlangen. Um zu einem Urteil über Spa zu gelangen, muh man vor allem an die Abgründe denken, die sich vor der Konferenz aiufgcban hätten, wenn sie plötzlich abgebrochen wäre, wie man es einmal befürchtet bat. Mein ganzes Bestrebe,, lag darin, diese Gefahren zu vermeiden und Europa auf einen fruchtbareren Weg zu führen. Meine.Kollegen auf der Konferenz sahen nämlich ein, daß meine Bemühungen und selbst die Einwände, die ich mehrmals gegen gewisse Anschauungen vorbrachte, dem herzlichen Wunsche entsprangen, die allgemeinen und gemeinsamen Interessen zu schützen. Ich hoffe, daß das Werk von Spa Früchte tragen wird. Niemand ist vollkommen zufriedengestellt von Spa weggegangen..Keine der Großmächte war vollkommen zufrieden. Auf jeden Fall haben wir die Grundlagen zu einer europäischen Zusammenarbeit gelegt. Es fehlten auch nicht neue Erscheinungen in den Annale» der Diplomatie. So wurde der Bergarbeiter aus dem Ruhrgcbiet zugelassen, um den Standpunkt seiner Arbcitsgcnossrn darzulegen, nnd man hörte ihm mit Aufmerksamkeit und Achtung zu. Im ganzen glaube ich sagen zn dürfe», daß Italien mit Spa zu friede» sein kann»nd daß wir die Konferenz als eine glückverheißende Etappe auf dun Wege zu einer euro- päischen Regelung ansehcn können. die Zerstörung öes„�toemti*. Tie römische Presse mit dem„Avanti" solidarisch.— Tchwcre Zusammenstöstc in Rom und Turin. Mailand, 22. Juli. Infolge der Zerstörung der Druckerei des.Avanti" haben alle Zeitungen in Rom dem sozialdemo- lralischen Organ ihre Druckereieinrichiungen zur Verfügung gestellt. Die Leitung des.Avanti" hat das Anerbieten des Blattes.Epoc.a" angenommen. Trotzdem konnte der .Avanti' nicht erscheinen, da die Demonstranten die Zeitungs- träger nicht herauskommen liehen. Die Demonstrationen nahmen einen äußer st heftigen Charakter an. In ihrem Verlauf wurden die beiden Deputierten Modigliani und D e l a c e s a r verletzt. Modigliani trug eine so schwere Kopfverletzung davon, daß er in? Krankenhaus gebracht werden mußte. Der.Corriere detla Sera' meldet, daß infolge der Nachrichten aus Rom in Turin heftige Demonstrationen stattgefunden haben. Verschiedene Offiziere wurden schwer mißhandelt. Nach einer Meldung römischer Blätter hat der infolge der Vorgänge in Rom ausgerufene Proteststreik keinen Erfolg gehabt. vanüervelüeunüüieKriegspolitiküerS.p.d. T-as Holland sch Nieiiwsburecni veröfsentlickt nachstehende Meldung ans Brüssel, die einige Worte der Erläuterung im- seinerseits bedarf. Der Partcivorstand der S. P. D. hat über die suage der Verantwortlichkeit am Kriege und die Stellung- nähme unserer Partei eine Denkschrift verfaßt, die dem bevorstehenden Internationalen Sozialistenkongreß in Genf vorgelegt werden soll und von der eine Anzahl von Exemplaren zu diesem Zwecke bereits dem Internationalen Bureau in Brüssel zugesandt wurde. Da diese Denkschrift ausdrücklich für den Genfer Kongreß bestimmt ist. sollte mit ihrer Veröffent- lichung im„Vorwärts" erst nach der Eröffnung des Kongresses begonnen werden. Da nun mit Vanderveldes Entgegnung die Polemik über dieses Dokument schon jetzt eingeleitet worden ist, werden wir mit dieser Veröffentlichung früher be- ginnen müssen. Deshalb auch werden wir auf die Argumente und Behauptung Vanderveldes und ande-rer etwaiger Kritiker erst eingehen, wenn diese Publikation in unseren Spickten erfolgt sein wird. Brüssel, 22. Juli, l Meldung des'Hollandsch Nieuwsbureau.) Der sozialistische Minister Vandervelde wird in der bevor- stehenden Konferenz der zweiten Internationale in Genf einen Bericht über die Verantwortlichkeit für den Krieg abstatten.. Dieser Bericht wurde gestern im. allgemeinen Rat der belgischen Arbeiterpartei genehmigt. Er lautet: „Die. Sozialisten der Zentralmächte haben in der eisten Kon- ferenz 1915 anerkannt, daß die imperialistische Politik aller Mächte indirekt mirveraut wortlich für dpn Weltkrieg gewesen ist. Wenn«der irgend eine Tatsache historisch feststeht, so ist es die, daß die Regierungen der Zentralmächte direkt für die Herausbeschwörung der Katastrophe verantwortlich sind. Diese Verantwortlichkeit wurde außerdem früher von dem sozialistischen amtlichen Organ, dein.Vorwärts", vor Kriegs- ende eingestanden. Tie Denkschrift, welche die deutschen Sozialisten zur Rechtfertigung ihrer Haltung in Gens einreichen werden, läuft übrigens hinsichtlich ihrer eigenen Verantivortlich- keit auf ein Plaidoher für mildernde Umst.äride be- sonders dadurch hinaus, daß sie auf ihren geringen Ein- flutz auf die auswärtige Politik hinweist und auf die Furcht, welche der russische Zarismus dem deutschen Volke einflößte. Seit Kriegsanfang habeit wir nicht gezögert, diese mildernden Umstände an zuerkennen. Wir können zugestehen und haben das auch immer getan, daß die deutschen Sozialdemokraten sich im Anfang über die unmittel- bare Verantwortlichkeit irren konnten und im g u t e n G l a u- den darüber hätten sein können, daß der Krieg für sie, teilweise wenigstens, ein Verteidigungskrieg war. Dies erklärt/ daß sie milfastallen Stimmen die ersten Kriegskredite annehmen konnten, ohne daß dies aber ihre Haltung rechtfertigte. Durch die späteren Ereignisse ist es aber vom mora- lischen Standpunkt aus unmöglich gewesen, bei dieser Ansicht zu beharren. Rosa Luxemburg. Lieb- k n e ch t, Bernstein und die Unabhängigen haben sich von ihrer Partei getrennt. Die Z'i e h r h e i t s s o z i a l i st e n hingegen änderten ihre Haltung nicht. Sie haben mn ieinem einzigen Wort gegen die Verletzung der bei- gischen Neutralität protestiert und dürch ihre Schwäche sind sie an der Schreckenspolitik und der E r- ob e r Ii üg S p o I i t i k, welche die kaiserliche Regierung bis zum Ende des Krieges in Belgien und Frankreich geführt hat, mit- schuldig geworden. Sie haben kaum«in Wort des Tadels über die Verschleppung der belgischen und französischen Arbeiter geäußert,' Wöhrend die Unabhängigen Sozialisten hingegen gegen diese neue Freveltat protestierten. Sie haveu den Frieden von B r e st- Li i ob) s I genehmigt,, sachlich unterstützt und dadurch eine Wiederaufnahme der internatio- nalen Beziehullgen unmöglich gemacht. Dieses ist der Grund, weshalb die belgische Arbeiterpartei sich geweigert hat, nach Stockholm zu gehen. Solange die Sozialisten der Mittel- mächte nicht bereit waren, ihre Regierungen dazu zu bringen, die Bedingungen eines demokratischen Friedens aikzunehmen, und die M e h r h e i t s s o z i a I i st e n diese Bedingungen selbst n i ch l annahmen und sich van der kaiserlichen Politik lossagten, konn- ten sie sich an der Novemberrevolution erst nach der Niederlage der deutschen Heere beteiligen. Sogar jetzt noch müssen wir fest- stellen, daß die doppelseitige Haltung vieler deutscher Sozialisten und ihr Zög/rn, öffentlich die Verantwortung für den Krieg anzuerkennen, n i ch't g e eignet sind, uns Vertraue ii einzuflößen, was für eine gemqjnsame Aktion der anderen Länder gegen Militarismus und Imperialismus eine Borbedin- gung ist. Es ist deshalb notwendig, daß, wenn die deutschen Sozialisten dies nicht genügend klar sehen, die Konferenz selbst die Verantwortlichkeit f e st st e l I t, und die?l n e r k e n- nung der begangenen Fehler verlangt, und auf der anderen Seite nichts unterlassen wird, was die deutsche sozialistische Einheit wiede'rberstellen kann, in der die einzige tatsächliche und zweckmäßige Sicherheit gegen eine neue Offensive der reaktionären Elemente zu suchen ist." �örianopel von öen Hriecken besetzt? London, 22. Juli. Der Korresondent des„Dailp Expreß" in Konstantinopel telegraphiert, daß im türkischen Kriegsministerium die Nachricht eingelaufen sei, die Griechen hätten am Diens- tag vormittag Adrianopel besetzt. Auf ihrem Rückzüge hätten die Türken Feuer in Adrianopel angelegt. Tie Brücke zwischen Tsck'ataldscha und Lule Burgas sei zerstört worden. Athen, 22. Juli. Amtlicher Bericht..Heute früh lau- deten die Griechen Truppen in der Bucht von S u l t a n k ö j- Heraklia und Rodosto in»O st t h r a z i e n. Tie Landung wurde unterstützt durch englische und griechische Kriegsschiffe. Bei der Ausschiffung in Heraklia und S u l t a n k ö j wurde den Griechen Widerstand entgegengesdtzt. Heraklia und Sultanköj wur- den besetzt. Die Operationen und Ausschiffungen gehen normal weiter. Die türkischen Truppen fliehen ins I n n e we. ölut fließt in velfafl. London, 22. Juli. fWTB.i In B e l s a st wurden gestern iabend und heute früh bei schweren Z u s a m m e n st ö ß c n zwischen Sinnfeinern und ll n i o n i st c n drei Personen g e- tötet und 80 verwundet, davon 4V schwer. Vonvärts-Verlag G.m.b.H., SN). 68, Ändenstr. 3. Fernsprecher: Amt Wtoribpla«, Nr. 1X7 53—54. Veutsihlands Neutralität. Die Erklärimg der deiitichev Regierimg. daß sie im Kriege zloijcheii Rußland und Polen— und demzufolge auch iui Kriege zwischen Rußland und der Entente— strenge Neutralität w wahren entschlossen sei, ist in allen Kreisen der Bevölkerung gebilligt worden. Tic Frage nn- seier Stellung zu diesem Krieg wäre mit dieser Erktärung restos gelöst, wenn wir auch die Gewißheit hätten, unsere Neutralität unter allen Umständen aufrechterhalten zu können. Das ist aber leider nicht-der Fall. Schon die Not- wendigkeit, die ostpreußische Grenze gegen Einfälle vcr- sprengter Truppenteile der einen oder der anderen Streit- machst zu schützen, bat zur Gründung von Orts- wehren gefuhrt, eine Mitteilung darüber ist nach Paris gegangen, man weiß aber noch nicht, wie sich die Entente dazu stellt. Sie wird es jedenfalls gerne sehen, wenn die Russen daran gehindert werden, deutschen Boden als Auf- inarschierrain gegen Polen zu bemitzen, sie wird weniger da- von erbaut fein, wenn auf deutsches Gebiet abgedrängt? pol- nische Truppenteile entwaffnet und für die Dauer des Kriegs intorniert werden. Deutschland darf aber zwischen den Uni- formen keinen Unterschied machen, nnd wenn ibm gesagt würde, daß die Erlaubnis zur Aufrechterhaltung der Orts- wehren von einer Difserenzierung seiner Unparteilichkeit zu- gunsten Polens abhängig gemacht werde, so müßte es dieses Ansinnen ablehnen. Ueberdies ist es klar, daß die im Entstehen begriffene Notorganisation nur regellose Einfälle kleinerer Truppen- teile abwehren kann, daß sie aber nicht imstande sein ustirdc', einem organisierten Einmarsch größerer Verbände Widerstand zu leisten. Ein solcher Einmarsch könnte nach Lage der Dinge nur von Rußland erfolgen, das derartige Absichten entschieden ableuanet. Hoffentlich sehen die Macht- haber Rußlands auch wirklich ein, daß jeder Versuch, die von der Entente Deutschland anfgiezwiingene Ohnmacht zu miß- brauchen, die Stimmung ihnen gegenüber aufs ungünftigsie beeinflussen müßte. Eine Erschwerimg der Lage besteht ferner auch darin. daß Teutschlands Grenzen im Osten noch gar nicht feststehen. Wohl hat die Volksabstimmnng schon siattgefunden, aber die Grenzfestsetzung ist noch nicht erfolgt. Da das Abstimmimgs- gebiet unmöglich als herrenloses Land betrachtet werden kann, die Ententetruppen aber nicht in der Lage sind, die Nentralitätswacht zu übernehmen, ist das deutsche Verlangen durchaus berechtigt, daß die Ententetruppen„mir zur Ans- rechterhccktung der Ordnung im Innern verwendet werden. der Schutz der äußeren Grenzen aber deutschen Truppen überlassen bleibt. � Noch problematischer als im Osten steht es mit dem Schutz der Neutralität i m W e st e n. Deutschland besitzt hier überhaupt keinerlei gesicherte Grenzen, wie ihm eben erst bei den Verhandlungen in Spa eindringlichst zu Gemiite geführt worden ist, und es steht hier, entwaffnet, einer io starken disziplinierten Waffenmacht gegenüber, daß der Gedanke an Gcwaltproben von vornherein ausgeschaltet werden muß. Darum hat sich Minister Dr. Simons in seiner vorgestrigen Rede im Reichstagsauizschuß für auswärtig.' Angelegenheiten darauf beschränken müssen, zu erkläre», daß jeder Versuch der Entente, Truppen- oder Waffentransporte durch Deutsch- land zu erzwingen, ein Bruch des Völkerrechts wäre, wäh- rend er zuvor für den Osten gesagt hatte, ans'deutschem Boden übertretende Truppen würden eiilwafsnet und inter- niert werden. Nun ist der Gedanke aufgetaucht, den deutschen Neu- tralitätswillen durch eine g e w e r k s ch a f t l i ch e Aktion der Arbeiter zn stützen in der Weise, daß für die Leitung un- neutraler Transporte durch Deutschland jede Arbeit der- weigert werde. Tieier Gedanke ist prinzipiell-u begrüßen. Schwierigkeiten ergeben sich aber bei seiner Ausfuhrung. Denn wenn nach Grundsätzen der Neutralität verfahren wer- den soll, dann muß genau unterschieden werden, welcke Transports neutralitätswidrig sind»ud welche nicht. f Die Unterbindung jedes Verkehrs nach Polen, also die Blockade, würde nicht Ausrechterhaltung der Neutralität, sondern ihren Bruch zugunsten Rußlands bedeute». Deutichland, und ganz be'onders mich die deutsch? Ar- beiterklasse. darf aber keinen Zweifel daran bestehen lassen, daß wirklich jede wie immer geartete Einmischung zugunsten des einen oder des anderen Teils vermieden werden soll. Tie Sympathien, die in einem Teil der Arbeiterschaft für Rußland bestehen, imd die entgegengesetzten Gefühle, die die Entente einschließlich Polens durch ihre Gewaltpolitik im größten Teil unseres Volkes ausgelöst hat, dürfen daran nicht das mindeste ändern. Nickt durch eigene Schuld dürfen wir Teutschland der Gefahr aussetzen, daß es zum Schlackst- leid Europas wird. Tic Kriege Rußlands sind die ersten, die— nicht für den Sozialismus, aber mit einer sozialistischen Phraseologie geführt werden, so wie der Krieg der Entente gegen Deuksch- land der erste wckr. der mit einer deniokratischen Phraseologie geführt wurde. Es soll hier nickt näher untersucht werden. obfl der Sozialismus Lenins echter ist als die Demokratie Wilsons— höchstwahrscheinlich sind beide subjektiv ehrlich, aber mit der Ausführung in der harten Welt der Wirklich- Seit hat es eben für beide seinen Haken. Erfreulicherweise ist denn auch die deutsche Arbeiterklasse in ihrem allergrößten Teil längst fest in der Ueberzeugung, daß ihr der Sozialis- mus, den sie erstrebt, nicht auf dor Spitze russischer Bajonette dargebracht werden kann. Es niuß aber auch ausgesproch-en werden, daß Deutsch- land kein Interesse an der Vernichtung P o l e n s hat. So sehr auch die— nicht nach eigenem Verdienst— siegestrunkenen Polnischen Machthaber am �relb�best immun gerecht des deutschen Volkes und am Frieden gesündigt haben, so verkehrt wäre es doch, sich der Schadenfreude hinzugeben, weil das polnische Nachbarhaus in Flammen einzustürzen droht. Die Existenz eines selbständigen Polens, das die wirklich polnische Bevölkerung staatlich in sich vereinigt, ist eine europäische Notwendigkeit, sie gefährdet zu haben, ist die Schuld der Ententepolitik und der an ihren Fäden bam- mclnden Regenten der polnischen Republik. Niemand kann von uns verlangen, daß wir Polen aus der Not helfen, in die a n d e r e es hineingebracht haben, aber wir wollen diesen anderen nicht helfen, die Leidenschaften, die sie entzündeten, westlich abzulenken. Wir sind keine Feinde des pol» nischen Volkes weder in unserem Handeln noch in unserer Gesinnung. Man spricht jetzt von Waffenstillstand, aber selbst wenn er geschlossen sein soll, wird sich niemand einbilden, daß das oft- europäische Problem damit gelöst ist. Die Entente hat aus diesem Gebiet Pfuscharbeit geleistet, die jeder Beschreibung spottet. Sie ist bei der Behandlung dieses Problems nicht einmal in sich selbst einig, obwohl eS nur durch die Einigkeit der ganzen Welt gelöst werden könnte, und ihr Völkerbund, der vom Tage des Inkrafttretens des Friedensvertrages an jeden Krieg verhindern sollte, ist vollends auf dem Papier stehen geblieben. Die Verlcbcndigung des Völkerbundes, die ohne die Aufnahme Teutschlands als gleichberechtigtes Mitglied nicht möglich ist, wäre zur Lösung und zur wirklichen Beruh!» gung der Welt wenigstens ein Anfang. Einem bis an die deritsche Ostgrcnze einigen Europa würde es bald ge- lingew einen gerechten Frieden im Osten herzustellen, der jedem sein Recht aus freie Entsvicklung im Innern läßt. Ein einiges Europa hätte von Rußland weder übermütige For- derungen noch eine Einmischung in seine inneren Angelegen- heiten zu fürchten, schon leine Eristen; würde genügen, um jener Richtung in Rußland zum sicheren Siege zu verhelfen, die nichts will als Friedenund freien Güteraus» tausch mit dem Westen. Da aber Deutschland im Rat der Völker keine Stimme lmt, ist es mich zu keinerlei Mitten verpflichtet. Zu Knecht s- diensten wird es sich keinem hingeben. Raumerscke Projekte. Die Unterbringung der zu entlassende» Reichswehrsoldaten Vor kurzem fand, wie wir erfahren, im R e i ch s s ch a tz- omt eine Besprechung von Regierungsvertrctern mit dem Vorstand des„Reichswirtschastsverbandes deutscher Berufs- foldaten" über die Unterbringung der IlWCHX) Mann statt, die nach den Beschlüssen von Spa in nächster Zeit entlassen- wenden müssen. Der Reichswirtschaftsverband legte sein hier bereits geschildertes Projekt vor, wonach jetzt stilliegende Staats Werkstätten den Entlassenen zum genossen- schaftlichen Betrieb übergeben werden sollen. Dieses Projekt erfuhr bei den Regierungsvertretcrn glatte Ab- l e h n u n g, u. a. mich, weil man der P r i v a t i n d u st r i e keine Konkurrenz in den Nacken setzen wollte! Dagegen hat der Reichsschatzminister, der deutsche Volks- varteiler Herr von N a u m e r, seinerseits einen Plan in dieser Angelegenheit dem Ministerium unterbreitet, nach dem die Reichswehrsoldaten in Gruppen von je sechs Mann in die Landwirtschaft übergeführt werden, um dort als Land- arbeiter tätig zu sein. Dieser Plan hat eine sehr starke Das Armenhaus. Von Paul Zech. Der Abmd hob mich in den Wirbel der Winde, die von den Bergen herniederdrückten. Nutzlos stemmt sich meine Brust in den Tumult der Wcldgerciusche, die der Stadt eine Larve vorbinden wollen. Ich bin zwar noch immer Mensch unter Menschen. Mensch sein heißt aber jetzt: Schreiten, wohin der Schritt will und nicht das Herz. Warum muß ich nachgeben, mich an ein Zwergentum reiben? Wie breit schritt doch die Straße, da noch Räder in den Fabriken waren und Somw aus die Pflastersteine mit Gcwaltenträgheit niederkochte?! Ich horte süß beredende Stimmen aus den Weißbierkellern. Ich durchpflügte rot gerundete Gesichter niit meinem ewigen Schreien nach Regen und ließ das Eis in den Gläsern aufkochen. Jede Pupille war durchsichtig bis in die Dcnkzentrale. Ich zog meine Folgerungen daraus und machte die Plastik mctnes weiner- lieben Mundes zu einem Schmerzkorso vor der Herenschaukcl. Es gab nicht den einen Fall in der Stadt, es gab Revolten. Aber nichts zerbrach in mir. Warum muß ich jetzt nachgeben? Jeder Pulsgang, von den Schläfen bis zu den Kuiegelenkan herunter, weiß, daß er diese'De- müiigung nicht ohne Störung ertragen wird. Es ist nichts Seltsames in der Färbung des Himmels. Aber eine Weite, die nicht mehr von dieser Welt ist. Was plant der Abend mit mir? Von den Schalten, die er unter hohen Häusern vorausschickt, kann nicht einer mein Freund sein. Nun die Straße vor dem Armenhaus endet, will ich mich den Greisen zugesellen. Sie sitzen unter de» Ulmen so friedlich, so von der Erde in den Himnxel gefahren. Warum lügen sie den Spaten, der das Massengrab schon gräbt, von ihren zcrbürstcten Munden fort? Auf der Mittelbank ist ein Sitz noch frei. Ich warte e:n paar Sekunden, daß mich jemand zum Verweilen nötigt. Ich böre nur den falschen Mahlgang der Zähne. Ich sage laut, und jede Silbe zerhackt. Guten Abend! Keine Hand hebt sich. Aber die eine Lücke zwischen den Greisen wird immer enger. Zum Teufel: ich bin dock gar nich: der Teufel, der mit schwarzen Flügelstrichen das Abendrot verdüstert. Und schiebe mich einfach in die nun kaum noch eine Handbreit schmale Lücke. Und sitze zwischen den Greisen. Ein böser Wind steigt aus den erdgraucn Stirnfalten meiner Nachbarn. Er kommt ganz dicht heran. Sägt über meinen Mund, springt die Augen an und bleibt in den Ohren stehen als Tumult ganz fern dröhnender Glocken. Aehnlichkeit mit dem Vorschlag des„Nationalen Heimatbundes zur Versorgung Heeresentlossener". mit dem wir uns bereits in unserem Blatt am 17. Juli ausein- andersetzten. Graf vonderGoltz fordert in einem Schrei- den, daß die in der Landwirtschaft unterzubringenden Sol- daten zugleich eine Art persönliche Garde für die Herren Rittergutsbesitzer sein sollten. Derartige Pläne widersprechen durchaus den Wünschen der Soldaten, die sich dem zivilen Erwerbsleben ohne Hintergedanken eingliedern wollen. Es muß scharf dagegen protestiert werden, daß den Soldaten vom grünen Tisch unter völliger Beiseiteschiebung ihrer Berufsorgani» sation ihre Zukunft diktiert wird. versteckte Gewehre! Rcichslvchrhauptmann, Studenten und Zeitfreitvillige schieben Hand in Hand. Braunschweig, 22. Juli(Eigener Drahtbericht de?, Vorwärts". j In dem Orte Frellstedt bei Braunsckweig luden beim dortigen Führer der Einwohnerwehr Leute, die halb in Zivil und bald in Unüorm gekleidet waren, drei Kisten ab, die von diesem mit Hilfe der Leute vergraben wurden. Polizeilicbe Untersuchungen stellten fest, daß die'e drei Kisten über 60 Gewehre enthielten. Der Mann wurde verhaftet. Die polizeiliche Untersuchung stellte weiter lest, daß im ganzen 84 Gevchre mit einem Lastauto von Leuten in R e i ch s w c h r u n i f o r m von Helmstedt abgeholt worden waren. Diese Gewehre waren dem Kommandanten von Braunsckiweig, dem Hauvlmann v. Trotha als überzählig gemeldetworden. Dieser batte nämlich gesprächsweise zu einem früheren Zeitfreiwilligen, einem Studenten der hiesigen technischen Hochschule, davon gesprochen. Merkwürdigerweise befand sich dieser Student auch im Bcsive einer Blankoquittung dieses Haupt- manns v. Trotha. Er füllte sie mit anderen Studenten auf die Zahl von 84 Gewehren ans, bekam auch merkwürdigerweise ein Lastauto der Firma Büssing, mst dem er vom Kaiernenhof der Braunickweiger Reichswehrkaserne nach Helmstedt kam, dort die Gewehre abholte und, wie gemeldet, in Frellstedt mit Hilfe der Einwohnerwehr vergrabe» wollte. Die Gewehre waren in vier Kisten verpackt, drei Kisten sind aiiigetunden worden, wo die vierte ist, konnte bisher nicht festgestellt werden. Die merk- würdige Geschichte bedarf noch der völligen Aufklärung, besonders im Hinblick auf den Hauptmann v. Trotha, der schon während der Kapp-Tage eine sehr zweiselhasle Rolle spielte, ebenso wie diese Stndenien, die scko» damals im Freiwilligen- Bataillon, das angeblich aufgelöst ist, organisiert waren. wenöelin, öer Ungetreue. Thomas rechtfertigt sich. Der Schlafbursche der Spitzelin Schröder-Mohnke, der unabhängige Reichstagsabgeordnet« Wendelin Thomas, sucht seine fatale' Angelegenheit durch eine Zuschrift an das Augsburger unabhängige Parteiblatt in anderes Licht zu setzen. Er schreibt u. a.: Die in Sangerhausen als Spitzelin tätig gewesene.Schröder- Mahnte war während der ersten Revolutionszeit Mitglied des Arbeiterrals in WilhclmShrwen.� Ich war Gegner ihrer Wahl, weil ich sie für unfähig hielt. Wir finden es wenig ritterlich von Wcndelin, in dieser Weise der toten Geliebten seine Eselsfutztritte zu versetzen, indem er sie als„unfähig" bezeichnet. Er ist doch jedenfalls zu allerhand fähig gewesen und war auch nickt Gegner, sondern der Erkorene i h'r er Wahl. Daß er der Schröder-Mahnke zur Flucht aus Wilhelmshaven verholfen bat, gibt Wendelin Thomas zu. Tann zeigt er sich noch auf der ganzen Höhe seiner— durch keinerlei Tätigkeit in per Arbcitrrbcwegung bis November 1!)18— beschwerten Bildung, indem er über seinen Ankläger herzieht, der bctawntlich in den Reihen der Unabhängigen selber sitzt. Ihn schnaubt Wendelin an: Das' Kesscli reiben geeen mich rührt von einem ehemaligen Mitglied des 21er Rates her, der jetzt Redakteur an einem mittel- Ich sehe, daß niemand die Hände faltet, oder dergleichen tut. .wenn.der Glöckner die Gebetstunde ansagt. Durch meine Schläfen rieselt eS. Sähe ick» nicht, wie sich manchmal ganz leise das Gesicht eines Greises in ein Höherzuckcn höbe Skelette klapperten meinem er- .cgten Puls in den�Takt. Warum gehe ich denn nicht wieder fort aus dieser vitalen Beengung? Irgendein Trieb sticht immerzu: Warte! Ich weiß zlvar nicht, was sich hier ncch ereignen kann. Aber die Bestimmtheit, mit der mein Willen mich in diesen Kreis zog—: Unverständlich! Endlich schlägt ein Stimme an:„Wahrlich ich sa(je Dir, wir müssen diese Nucht noch Ströme durch die Straßen bluten!" Antwortend eine zweite:„TeS Herren Name sei gelobt!" Pause."' Den Sprechern fallen die Köpfe vornüber. Dach träncnloS in die Hönde. Tie anderen Greise falten sich zu stummen Gebet- forme!». Ich sträube mich nicht, es ihnen gleich zu tun. Aber, waZ beten? Was weiß ich von Straßen, die wert sind, unser rotes Blut zu trinken? Woher ick kam, war unbezähmbares Jagen hinter Weltenrädern laut. Sich dawider zu stemmen: hieße die Fahne des Wahnsinns hissen. Welches Dilemma durch ein Fäuste- mccrl Ich bin wohl doch zu weit in den Abend gegangen. Und diese Greise, zwölf an Zahl, sitzen versammelt und warten auf den Einen, der das letzte Hallelujah singt und singend ihnen die staubigen Füße wäscht, damit sie Flügel werden. Und ein Wind sich erhebt und sie in alle Richtungen streut. Ich drehe mich nach dem Gebäude um. Es starrt mit schwarzen Quadraten aus den Laubmassen.' Kein Lickuschcin schlägt durch. Erleichterung käme mir, schlüge plötzlich die Hausglocke an—: „Das Mahl!st gerüstet." Es riecht auch nicht nach Wärinc. Alles ist kalie graue Asche. Jugend hat hier keine Tugend.' Wortlos trabe ich die Allee hinunter bis zum Fluß. Die Wellen treiben Stücke Mond»n die Straßen. EaseS rüsten sich: die Nacht durckzutanzen. Die Greise verbluten 7,061 vor der Brücke. Für die Toucr dieser Spielzeit. Heber die p km fische Minderwertigkeit der Äriiegskiader bestehen vielfach falsche Meinungen: Im allgemeinen herrscht die Ansicht, daß sich die Frucht unabhängig von der Ernährung des Vaters entwickele. Tie Auffasiung wurde jedoch durch die Beobachtungen an Neugeborenen während des Krieges in Frage gestellt. Wie nun Engelhorn im„�entralül. f. Gvn." berichtet, blieben auch Kin- der, deren Mütter sich in besten Ernährungsverhältnissen befan- den, deutlich an Gewicht und Länge zurück. Die Väter der Neu- deutschen Provinzhlatt der ll. S. P. ist und seinen Mangel an Kenntnissen oder Fähigkeiten durch Wichtig- tuereien ersetzen will und bestrebt ist, die Tatsache zu verdecken, daß er an dem Äommunistenputsch am 27. Januar. 191g beteiligt war, dcmzusolge er längere Zeit in Untersuchungs- Haft saß. Ich will ihm keinen kommunistischen K n ü p- pel zwischen seine U. S. P.-Beine(schön gesagt! Red.) werfen, es gibt Politiker oder solche, die sich e i n ck i!- den, es zu sein, die immer da sind, wo sie Erfolg wittern. Wenn Wendelin Thomas nur ahnte, wie rührend por- trätgetreu er sich da selber gezeichnet hat! der Apotheker von Spa. Der Volksparteiler Scholz, dessen Ernennung zupr Reichswirtschaftsminister unsere Charlottenburger Partetge- nassen deshalb warm begrüßt haben, weil sie ihn � somit als Oberbürgermeister endlich los wurden, hat gestern im Reichs- wirtschastsrat über Spa berichtet. Am Eingang seiner Rede hat er sich bitter über die Unterbringung der deutschen De- legation„weitab auf einem Berge in den Wäldern" J>eklagt, und, wie es der Reichsministcr des Auswärtigen Dr. Simons bereits im Reichstagsausschuß getan hatte, von dem Apo- t h e k e r von Spa erzählt, der einem Deutschen ein Heilmittel vorweigert hatte. Es wäre uns ein leichtes, diese- Klage- register zu ergänzen und z. B. von dem Direktor der Badk> anstatt zu sprechen, der einem deutsckien Kollegen ein Bad verweigert hatte, offenbar, damit wir wirklich die„?alss Boches", die schmutzigen Deutschen, würden. Aber wir glauben, daß, alles in allem, ein ganz f a l- s ch e s Bild von der Behandlung der deutschen Delegation in Spa in der Oessentlichkeit entstehen würde, wenn nur die Kehrseiten hervorgehoben wären. Gewiß, manchen Klagen hat es Anlaß gegeben, und der Apotheker von Spa wird wohl keine Einzelerscheinung in seinem Lande sein, in dem die Nachkriegspsychost nicht zuletzt deshalb noch immer blüht, weil das Gegen geivicht einer wirklich versöhnlich wir- kenden sozialistischen Partei gar zu lange g e- fehlt hat. Aber imallgemeinen muß doch gesagt werden, daß die Haltung der Bevölkerung und der Behörden einwand- frei war. Das haben namentlich die Pressevertreter, die am meisten in der Stadt zu tun hatten, feststellen können. Speziell die Post- und Telegraphenbeantten sind jedem Wunsch der deutschen Berichterstatter, trotz ihrer ungeheuren Ueberlastung, so weit wie überhaupt möglich entgegenge- kommen. In den öffentlichen Lokalen war die Bedienung der Deutschen genau die gleiche wie die der anderen Gäste. Daß das Hotel der deutschen Delegation auf einem Hügel lag. ist nicht auf eine Bosheit der belgischen Behörden, sondern auf eine Laune der Natur zurückzuführen, die den Ardennen ein anderes Aussehen verlieben hat, als dem Tempelhofcr Felde oder der Lüneburgcr Heide. Abgesehen denken Engländern, die im Hotel Britannique, dem früheren Sitz der deutschen Wasfenslillstandskommission, mitten in der Stadt wohnten, waren alle anderen Delegationen„weitab auf einem Berge in den Wäldern untergebracht", die Frau- zosen ebenso weit von der Stadt wie die Deutschen. die I a p a n e r und die Italiener sogar noch weiter. Man soll eben nie verallgemeinern:, es hat unter der belgischen Bevölkerung Dummköpfe gegeben, wie den Apo- theker und den Vadefntzen, und anständige Menschen, wie den Postverwalter und die Kellner. Und es hat unter unseren Delegierten hervorragende Unterhändler gegeben und auch unfähig?— solche, von denen man wußie, daß. wenn sie den deutschen Standpunkt verträten, sie nur das Beste für Deutschland durchsetzen, aber auch solche, von denen man hoffen mußte, sie würden niemals Gelegenheit haben, ans ihrer Figurantenrolle herauszutreten uud ihre„fach- ministeriellen" Eigenschaften zu entwickeln.... Nur nicht verallgemeinern, Herr Reichsse''minister Scholz! geborenen dagegen waren sämtlich zur Zeit der Zeugung abgear- beitet und nervös, so daß eine Schädigung des väterlichen Keim- Plasmas durch Entbehrung und Ueberanstrengung vorlag. In allen Fallen-wurde auch eine klein« Placcr-ta gefunden, die für die Minderwertigkeit der Frucht in der Anlage spricht. Dte Brbeitsgimeinschast deS Tüsseldorfzr-chauspiclhamseS ist nunmehr endgültig gegründet worden. Die Stadt Düsseldorf ha: noch ihr Ja und Amen dazu zu geben. Alle bisherigen Angc- stellten sind fortan Eesellsckailcr und Angestellte zugleich. Ein jeder' verfügt ebenso wie der Direktor nur über einen Gesellschafis- anteil, der ihm eine Stimme in der Generalversammlung gibt. Die Führung deS Unternehmens geschieht durch einen Berwal- tungsrat, dem der Geschäftsführer, ein Mitglied der künstlerischen Leitung(Dramaturgen, Regisseure. Beiräle), zwei Schauspieler. zwei technische Arbeiter und ein Vertreter des kaufmännischen Personals angehören, die von ihren BerufSgruppcn gewählt wer- den. Geschäftsführer ist Gustav Lindemann. Ter durch den Ver- waltungsral zu Beginn der Spielzeit aufgestellte Eiat darf vom Geschäflsführcr nicht überschritten werden. Innerhalb der Grenzen diests Etats aber hat der Lester des Theaters vollkommene künstlerische und wirtschaftliche Freiheit. Da Haus und Fundus nicht gemeinsamer Besitz, sondern nur erpacktet werden, kann man noch nicht von einer Sozialisierung des Theaters sprechest, wohl aber von einem ersten Schritt dazu. Tie Prodnklivgenosienkchnit bildender Künstler wird im«be- muligcn kaiierlicben Mmstall im gioßcn Saal. Breite Strohe 3(5, ihre sunit« siirtsircic Kunslousstellnnc, von Genlölden, Grapbil und Plasitk veranstalten. Leyicr EintieterungSlermin ist der 26. und 27. Juli 1920. Theater. In dem neuen.Theater' an der Haidenbergstratze" in Berlin(dem srüberen Landwehrkasino) wird zunächst.Die kleine S l l a v i n- von Dietzenschmidt gegeben werden. Tas nächste voltstonzert deS Blüthner-OrchesterS findet am 24. Juli, abends 7>j, Uhr. im Btütbncrsaal. Löhowstr. 76. statt. Luvertilre zu.Die Geschöpfe des Prometheus" von Beethoven, Ouvertüre zu.Die tust'gen Weiber von Windtor" von Nicolai,.Tod und Vertlärung- von 3t. Strauß. Waldwcbeii aus, Siegtrieb" von R. Wagner. LeS PreludeS, finf. Diäjiung von Liizt u. a. Karren im Ziaa'.rengetchäit Harsch Engel- user 15(GewerischaitSiiauS), Orcheslcrbureau, Lätzowstr. 76 sii bis 1 Uhr), Vorwärl», Ltndenitr. 2, Ter blaue Garten, die Zeit des RitteripornS. bildet daS Leitmotiv in dem Julibest der neuen Monalsschrtst(«eilag der„Garienschönbeit", Bertin-Westend), tos wieder eine stülle von dervo. ragend gelungenen sar- bigen und ichwarz-weitzen Bildern und fesselnden Aussätzen birg». Ei» Lehrgang für Lberinncn an graucnichulr» wird vom Aentralinsntut für Erziehung und llnleriicht vom 26 August bis IS. Leo- ternber veranstaltet Er soll einen Ueberblick über wits-nswaslltche Fragen und vraklische Ausgaben sowie methodische Anleitungen für die Frauen- schularbeit bieten. „EinftrtilS Relativitätstheorie- lautet da« Tbema de« Lichtbilder- vortrug«, den Dr. Friedrich B a r n c w i tz am 24 Juli, abend« 8 Uhr, im giotzen Hörsaal der Trcptow-Slernwartx halten wird. ittad Qcvuhanscn besteht jetzt sei: 75 Jahren. AIS F-stbüchlein bat aus diesem AnlaB der Bäder-Verlag Bad Leynhaulen sJoscph Spiro) seinen pralttsch als Stachschtageduch geordneten ö 0- Führer" in neuer, mit Bildern ausgestatteter Ausgabe(Preis 2,50 M.) erscheinen lajsen. Rc. 566 ♦ 37. Jahrgang Heilage öes Vorwärts Zrestag. 25. Ml 1H2H Organisation öer Betriebsräte. Tic am Donnerstag abend abgehaltene Pleuarvcrsammlung der Gewerischaftskommission beschäftigte sich erneut mit der Frage der Zusammenfassung der Betriebsräte im Anschluß an die Ge- twcrbschaslcn. Der Referent Tabath nahm Bezug auf die bekannte» Ver- Handlungen der Gew e r k sch aft S k o m in! ss i on mit der Betriebsräte- zentrale in der Münzstratze und führte weiter aus: Bor acht Ta- acn bestanden zwischen den beiden Äerverschasten noch drei Diffe- renzpunkle: Tie Wählbarkeit zu den Generalversammlungen der Betriebsräte, die Finanzierung und vor allem der organisatorische �Aufbau der Betriebsräte, isvn den beiden erstgenannten Punkten ist eine Verständigung erfolfrt. Wählbar soll jeder sein, der e i n Jahr gewerkschaftliche Schulung hinter sich hat. Der Ausschuß der Gewerkschaftskommission hofft, daß auch in der Frage der Organisierung eine Verständigung erzielt werden wird. Fn den letzten Tagen haben eine Anzahl von Grufpenversamm- lnngen der Betriebsräte stattgefunden. Ein Teil derselben ist rthne Ergebnis vertagt worden, die anderen haben sich zum Teil auf den Standpunkt der Münzstraße, zum Teil aus den Stand- Punkt der Gewerkschaftskommission gestellt, alle haben aber dem Verlangen Ausdruck gegeben, daß der Streit über die Form der Organisation sobald wie niöglich begraben werden muß. Wenn eine Verständigung mit der Münzstraße bis jetzt noch nicht zustande gekommen ist, so ist der Ausschuß nicht schuld daran. Der Ausschuß hält etue innige VerHindu ng der Betriebsräte mit d e n Gewerkschaften für notwendig. Er ist tu seiner heut:- gen Sitzung zu dem Ergebnis gekommen, daß seine Vorlage, die bis jetzt Gegenstand der Verhandlungen war, der Boden bleiben muß, ans dem die Gewerkschasten stehen. Diese Vorlage weicht in keinem wesentlichen Punkt vtm den Richtlinien des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes ab,» sie kann also die Basis der Verftändigung bilden mit der Aenderung hinsichtlich der Wählbar- keil und der Finanzierung. Tic Zentrale der Betriebs- rä te soll, gebildet werden aus drei Vertrcicrii der Gewcrkschafts- lommission, drei Vertretern der Münzftraße, je eineni Vertreter des Betriebsrätesekretariats In den Zelten, der K. P. D. und der Afa. Der Ausschuß empfiehlt, daß er heute autorisiert werde, i n de in vorgetragenen Sinne die Verhandlungen w e i t c r z u f ü h r e n. Wenn sich die Münzstraßc auf die. vor- geschlagene Basis stellt, dann känn die Einigung in aller ftiirze �"stände kommen. In nächster Zeit muß ein Kongreß der Betriebsräte stattfinden, der alles zu beschließen hat, was die Erganisatio» der Betriebsräte betrifft. Vor dem Kongreß müssen jedoch die örtlichen Betrtcbsräteorganisa- t i o n c n geschaffen werden, welche die Vertreter zum Kongreß zu > wühlen haben. R nsch äußerte sich im wesentlichen im Sinne des Referenten. R ö r p e I(Zeiitralverband der Angestellten) trat dem Vor- schlage des Referenten entgegen. Es ist bis jetzt noch keine Klä- rung eingetreten, wir sieben jetzt wieder da. wo wir hergekommen sind. Ich stehe ans den, Standpunkt, daß die G e w e r t sch a f- t c n berufen sinch, die Betriebsräte zu organi- >'i e r e n. Wir haben keine Veranlassung, uns mit der Münz- ilraßc zu verständigen. Wenn nicht die Zugehörigkeit zu einer sreien Gewerkschaft, sondern ein Jahr gewerkschaftlicher Schulung die Voraussetzung der Wählbarkeit sein soll, so bedeutet das, daß a u-ch Unorganisierte und Gelbe gewählt werden können. Mein Standpunkt ist: die freigewert schart- l i che Zentrale ha t nur s r e l g e w e r k s ch a f t I i ch e B e- irTebswäte z u erf äffen. Eine uns aufgezwungene Ab- beiisgemeinschaft mit Unorganisierten und Harmonieverbändlcrn lehnt die Afa entschieden ab. Arbeiter und Ängestellte müssen zu- sammenarbeiten. Wenn eine Einigung zustande kam- m e n s o I l t e, d i e die A n g c st e l l t e n nicht mitmachen können, so wird sich die Afa an einer solchen Ab- mackung nicht beteiligen. Ich werde in einer Versamm- lnng der Afa gegen die hier vorgeschlagenen Richtlinien Stellung nchlinen. Wir werden unseren eigenen Standpunkt einnehmen, dann kann die Gewerkschaftskommtsston mit uns verhandeln. Bis sitzt bat man die Afa nicht zu den Verhandlungen hinzugezogen. Wenn es nicht anders sein kann, werden wir geirennl arbciien müssen, bis die Berliner Arbeirerschaft sich in der Betriebsräte- frage auf den gewerkschaftlichen Boden stellt. Die Ausführungen Nörpels fanden lebhaf- t e n Widerspruch. Stolt nieiute, die Arbeiter und Angestellten würden immer zusannnengehen, wenn sie vor praktische Fragen gestellt werden. S ch u ma ch e r. sSchneiderverband) betämpste den von Rörpel veriretenen Standpunkt. Das inn vieler Mühe zustande gebrachle Werk der Einigung darf nicht zerschlagen wer- d e n. Wir werden uns gegen Zerspliiterungsbestrebungen der Afa ebenso wenden, wie gegen Zcrsplitterilngckbestrebungcn des Gewerkschaftsbundes. Was wir wollen, stimmt mit den Nicht- linten des Bundes überein. Wenn es sein muß, nehme« wir auch mit Legien den Kamps aus. P o l c n s k e(Gemetndcarbeiterverband) bedauert, die Aus- führungen Nörpels mit Rücksicht auf die Bedeutung der?lfa für das gewerkschaftliche Leben. Bei gutem Willen muß es der Afa möglich sein, an der Einigung auf der bier vorgeschlagenen Grundlage teilzunehmen. Ich warne vor einem.Kampf, der ans diesem Anlaß entstehen könnte. In der gegenwärtigen Situation darf es keinen neuen Bruderkampf unier den Arbeitern geben. Hesse iZentralverband der Angestellten) erklärt sich auS tZweckmäßigkeitsgründen für die Vorschläge des Referenten und gegen den von Nörpel vertretenen Standpunkt. Gries iZentrawerband der Angestellten) wendet sich eben- falls gegen Nörpel und betont, daß die Einigung notwendig sei. Ein Schlußantrag, den Fritz Schmidt sZentralverband der Angestellten) bekämpfte, wurde angenommen. Gegen die Stimmen von Nörpel und Fritz Schmidt wurde der Aus- schuß ermächtigt, in dem vom Referenten vorge- schlagcncn Sinnr die Verhandlungen fortzusetzen. M a t u f ch k e(Friseur) teilte mit, daß sich eine gemein- n ü tz i g c Frtseurgesiosscnschaft gebildet bat, er ersucht darum, daß deren Geschäfte: Culmstr. 33 und Schreinerstr. 3 durch die organisierten Arbeiter berücksichtigt werden. GroßSerlln /Im Sakrower See. cwnnwgsttmndmitig zur Havel. Die prächtigen Havelfeen, das beliebte Ausflugsziel der Berliner von aliersher, wollen wir heute besuchen. Abseits von der großen Wanderftraß« nehmen wir unseren Weg, um die Schönheit dieses märkischen Seengebiets kennen zu lernen. Mit den Zügen der Stadtbahn oder der Wannseebckhn fahren wir bis W a n n f e e. Vom Bahnhof wandern wir durch die Bahnhos- und.Köntgftraße. An der Brücke über den Vevbindungskanal mit dem Kleinen Wannfee haben wir einen schönen Ueber- blick über den Wannfee und den Kleinen Wannsee. Stolze Segclyachten, Dampfschiffe und bescheidene Ruderboote kreuzen die Wasserfläche, und auf dem Ufer liegen die vornehmen Villen und Bootshäuser Waniifecs. Wir folgen unserer Straße bis zum Wirtshaus Reichsadler. Dahinter zweigt eine schmale Chaussee gen Nordwest ab. Auf dieser wandern wir etwa lö Minuten und halten uns dann auf einem in nördlicher Richtung abgehenden Fahrweg, der uns quer durch den Wald zu den Höhen bringt, die das Have lufer be- .säumen. Die etwa 20 bis 2ö Meter über dem Spiegel der Havel sich erhebenden Berge klettern wir hinab- und wandern nun aus dem den Fluß begleitenden Wiescngürtel hin. Inmitten der Havel liegt die P f a u e n i n s e l, von der wir hin und wieder das Gekreisch der Pfauen vernehmen, die dort gehegt werden. An der schmälsten Stelle des Flusses verbindet eine Fähre die Insel mit dem Festland. Unmittelbar neben der Havel, am Fuß der Höhen, wandern wir weiter. Hoch oben liegt die im byzantinischen Stil erbaute P e te r- P a u I s- K i r ch e. An der Bucht Moorlake mit dem gleichnamigen Wirtshaus vorüber kommen wir zur Fähr- stelle nach S a k r o w. Hier lassen wir uns übersetzen. Jenseits wandern wir durch den Schloßpark zur Heilandskirche und der Römischen Bank. Von hier haben wir einen schönen Ausblick über die weite Wasserfläche bis nach Potsdam. Wii wandern jetzt gen Nord, am bescheidenen Schloß vorbei, und wenden uns nach Verlassen des Schloßparks in westlicher Rich- tuug zum Südendc des Sakrower Sees: Wir halten uns mun in unmittelbarer Näbe des Ufers. Bald wird der Weg zum Fußpfad, der sich aus dem Westuser hinzieht. Wohltuend umfängt uns die Stille und Einsamkeit, die dcrr Sakrower See ümgiibt.-Nur selten sehen wir einen Angler, der schweigsam seinem Gewerbe oder Vergnügen nackgeht. Bei einer Jagdhütte wendet sich der Pfad vom See ab und bringt uns zum Forslhaus Zedlitz, das ebenso einsam inmitten des grünen Waldesdomes liegt. Vom Forsiihaus wenden wir uns in nordwestlicher Richtung bis zum Gestell v, das uns gen Süd- wcst an das Ufer des Le h n! tz s c e s bringt. Eine kurze Strecke nach Süden liegt hier die R ö m c r s cha n z e, ein Denkmal aus vorgeschichtlicher Zeit. 'Die Römersckanze ist ein alter Burgwall, wie solche in der Mark Brandenburg und in Norbdeutschland vielfach erhalten ge- blieben sind. Sie ragt ettra 20 Meter über den Spiegel des Lebnitzsees empor und ist rings vom Master und Sumpf um» geben. Der Name Römerschangc hat mit den Römern nichts zu tun, man nimmt vielmehr an, daß er aus Räu- ber- oder Röberschanz« entstellt wurde. Der Wall war ursprünglich von einer Erdmauer, die von einer Bohlenwand ge-» stützt wurde, umgeben. Spuren von Häusern sonne Reste von Werkzeugen und Gefäßen deuten darauf bin, daß die Römer- schanze besiedelt trnr. Derartige Burgwälle mögen sowohl in Zeiten der Not als Zufluchtsort gedient haben'als auch längere Zeit hindurch besiedelt gewesen sein. Man permutet, daß es Festungen waren, an denen ein Häuptling oder Fürst seinen Sitz hatte. Auch wird man an eineni solchen Ort die wert- vollen Heiligtümer und Opfergeräte untergebracht haben. Häufiz wurden in späterer Zeit aus diesen Burgwällen Burgen oder Kirchen errichtet. Van der Nömcrschanze lassen wir uns nach Nedlitz übersetzen und Mandern nun gen Süd nach Potsdam. Nach einem Rund- gang durch die ehemalige Residenz treten wir die Rückfahrt am cd. Vorsicht beim Siertrinken! Eine solche Warnung wurde dem verehrien Leser früher am heißen Sominertagen gegeben, damit er beim Trinken von kaltem Bier Vorsicht übe. sich nicht den Magen erkälie und sich einen Ma« gen- oder Dannkatarrh zuzöge. Heute ist eine solche Warnung in anderer Hinsicht vonnöten. Ich habe mich— so wird uns Feschrieben— bei meinen AuS- flügen völlig vom Wirtshaus emanzipiert, weil die heutigem „zivilen" Preise für die.. g u t g e p f l e g t e n" Biere meinen Etat ü b e r st e i g e u. Kürzlich med mich aber ein GGviitersturm im die gastlickie Stätte eines Gastronomen. Viel Volks war dort, jeden- falls vom gleichen Mißgeschick betroffen, in. der Veranda unlerge- schlüpft. Eine große Weiße bei der tropiichen Hitze zu bestellen, schien mir anfänglich sehr verlockend, da sie aber viel Aehnlichkeit mit Lehmwasser hatte, änderte ich meinen Sinn und bestellte für mich und meinen Begleiter zwei GlaS Helles Lagerbier- Kostenpunkt: 3,30 M. Am Nachbarnich aber war ein Arbeiter mit seiner Frau, der dem Feriengenuß fröhute, so leichtsiimig gewesen, eine große Weiße mit Himbeer zu bestellen. Ihm wurden dafür 5,50 M. abverlangt. 83] Segen öer Cröe. Romanvon Knut Hamsun. Von rechtstcchmschen Weitläutfigkeiten abgesehen, ging die Geschickte zu wie folgt: „Wir Frauen," sagte die Frau Tchnftheiß,„wir sind die unglückliche und unterdrückte.Hälfte der Menschheit. Tie Männer machen die Gefetze, wir Frauen haben keinen Ein- sluß doraus. Aber kann sich nun etwa ein Mann hinein- versetzen in das, was es für eine Frau heißt, ein Kind zu gebären? Hat er ibre Angst gefühlt, hat er die unsäglichen Schmerzen gefühlt, und hat er ihre Wcheschreie ausgestoßen? In dem Falle hier ist es ein Dienstmädchen, das ein Kinb geboren hat. Sie ist unverheiratet,' sie muß also dte ganze Zeit ihrer Schwangerschaft Uber ihren Zustand zu verbergen suchen. Warum muß sie ihn verbergen? Ter Vorurteile der menschlichen Geselkschaft wegen. Diese Ge- sellschaft verachtet die Ledige, die ein Kind unter dem Herzen trägt. Sie beschützt sie nicht ollein nicht, nein, sie verfolgl sie auch noch mit Schande unb Verachtung. Ist das nicht haarsträubend? Iawcllil. und jeder Mensch mit einem Her) im Leibe muß sich darüber empören! Das Mädchen muß nicht nur ein Kind gebären, was an sich schon schlimm öenug wäre. nein, es soll auch noch dafür als Verbrechmn ge- brandmasikt werden. Ich kann nur sagen, für dieses Mädchen hier ans der AMageban? war� es ein Glück, daß ihr Kind durch einen unglücklichen Zufall im Bach zur Welt kam und sofort ersticken mußte. Es war ein Glück für sie und für das Kind. Solange die Gefellschaft so ist wie jetzt, müßte eine ledige Mutter straiffrei ausgehen, und wenn sie auch ihr Kind absichtlich umbringt!" Hier läßt der Vorsitzende ein schwaches Murren hören. „Oder jedenfalls dürste sie nur unbedeutend bestrast werden," sagte die Frau Schnltljeiß.„Selbswerständlich sind wir alle darüber einig, daß das Leben des Kindes er- halten bleiben sollte," sagte sie,„aber sollte denn von allen Gesetzen der Menschlichkeit gar kein einziges auch für die unglückliche Mutter gelten? Stellen Sie sich doch einmal vor, was sie alles lvöhreffh der Schwangerschaft durchgemacht bat, welche Lnalen sie erduldet hat, um ihren Znstand zu verbergen,»nd wie sie keinen Ausweg mehr wußte iveder für sich selbst, noch für ihr Kind. Tarein kann sich über- Haupt kein Mensch versetzen." sagte sie.„Das Kind stirbt jedenfalls eines wohlgemeinten Todes. Die Mutter wünscht weder sich selbst noch diesem lieben Kinde etwas so Böses, daß es leben soll, die Schande ist ihr zu schwer zu tragen, und indessen reift der Plan in ihr, das Kind zu töten. So gebiert sie im geheimen, und viernndzwanzig Stunden lang ist sie so von Sinnen, daß sie bei der Tat unzurechniings. fähig ist. Sie bat sie sozusagen gar nicht wirklich verübt, so von Sinnen ist sie. Während ihr noch von der Niederkunft jeder Knocken und jeder Muskel im Leibe, weh tut, muß sie das Kind umbringen und die Leiche wegschaffen,— stellen Sie sich einmal die Willensanspannung vor, die zu dieser Arbeit gelhört! Aber natürlich wünschen wir alle, daß die Kinder alle am Leben bleiben, und es ist schwer zu beklagen. daß das Leben von einigen ausgelöscht wird. Wer das ist einzig aind allein die Schuld der menschlichen Gesellschaft. dieser hoffnungslosen, unbarmherzigen, verleumderischen. verfclgungswütigen, boshasten Gesellschaft, die allzeit auf der Wacht steht, um die ledige Mutter mit allen Mitteln zu erdrosseln? Aber selbst nach dieser Behandlung seitens der Gesell- schast können sich die mißhandelten Mütter wieder erheben. Sehr o>st fangen gerade diese Mädchen nach ihrem gesell- sckraftlichen Fehltritt an, ihre besten und edelsten«Ägenichaf- ten zu entwickeln. Das Gesetz kann sich ja einmal bei den Vorsteherinnen der Asyle, in denen Mutter und Kind auf- genommen werden, erkundigen, ob das nickst wahr ist! Und es ist erfahrungsgemäß erwiefen, daß gerade die Mädchen, die— ja,- die eigentlich.von der Gesellschaft gezwungen worden sind, ihr Kind zu töten, ausgezeichnete.Kindermädchen werden. Das sollte doch jedermann Stoff zum Nachdenken geben. Eine andere Seite der Sache ist die: Warum soll der Mann straffrei ausgehen? Tie Mutter, die einen Kinds- mord begangen hat, wind gepeinigt und ins Gefängnis ge- warfen, er jedoch, der Vater des Kindes, der Verführer, dem geschieht nichts. Aber solange er der Urheber des Kindes ist. Hot er mich Teil an dem Morde, und Zwar den größeren Anteil, ohne ihn wäre das Unglück überhaupt nicht ge- schehen. Warum geht er frank u-nd frei aus?� Weil die Ge- fetze von den Männern gemacht werden, das ist die Antwort. Man sollte laut den Himmel um Schutz gegen diese Männer- geietze anrufen! Und das wird niemals besser, solange wir Frauen nicht bei den Wahlen und in den gesetzgebenden Ver- fainwlungen ein Wort mitzureden haben. Aber," sagt die Frau Schultheiß,„wenn nun dieses grausame Gesetz die schuldige— oder mehr oder minder schuldige— unverheirchete Mutter trifft, die einen Kinds- mord begeht, was sollen wir dann von der unschuldigen sagen, die nur des Mordes verdächtigt wird und gar keinen- Kindsmord begangen hat? Welche Genugtuung gibt die Gesellschaft diesem ihrem Opfer? Keinerlei Genugtuung! Ich bezeuge, daß ich das hicrsitzende angeklagte Mädchen kenne, seit es ein Kind gewesen ist: sie war in meinen Dien- sten, ihr Vater ist meines Mannes Amtsdiener. Wir Frauen erlauben uns, gerade entgegengesetzt zu denken und zu fühlen als die Männer mit ihren Anklagen und Versolgun- gen, wir erlauben uns, auch eine Ansicht über die Tinge'ir haben. Das Mädchen hier ist verhaftet und ihrer Freiheit beraubt, verdächtig, eistlich einmal im geheimen geboren und danach ihr Kind umgebracht zu haben. Sie hat— daran zweifle ich durchaus nicht— beides nicht getan. Das Gericht wird selbst zu dieser sonnenklaren Schlußfobgerunz kommen. Im geheimen? Sie bat am hellen Tag geboren. Wohl ist sie allein gewesen, aber wer hätte bei ihr sein sollen? Sie wohnte weit droben im Oedland, der einzige Mensch außer ihr selbst, der zur Stelle war, das war ein Mann: hätte sie einen solchen rn diesem Augenblick zur Hil'fe rufen fallen? Wir Frauen empören uns schon allein her diesem Gedanken, wir schlagen sthamvoll die Augen nieder. — Und dann soll sie das Kind getötet haben? Es wurde in einem. Bach geboren, sie lag da iin eiskalten Wasser, als sie gebar. Wie ist sie in den Bach gekommen?. Sie ist ein Dienstmädchen, also eine Sklavin, sie hat ihre täglichen Pflichten zu erfüllen, sie wollte in den Wald, uin Wacholder zum Scheuern ihres Mekleimers zu holen. Als sie durch den Back watet, gleitet sie aus und fällt. Sie bleibt liegen, das Kind wird geboren und erstickt im Wasser. Tie Frau Schultheiß hält inne. Sie konnte es den Richtern und den Zuhörern ansehen, daß sie wunderbar gut gesprochen hatte, es war mäuschenstill im Saal, und nur Barbro trocknete sich von Zeit zu Zeit die Augen vor Rührung. Dann schließt die Frau Schultheiß:„Wir Frauen haben ein Herz: Ich habe meine eigenen Kinder fremden Händen an- vertraut, um hierherreisen, um für'das unschuldige Mädchen, das hier sitzt, Zeugnis ablegen zu können. Männergesetze können einer Frau nicht verbieten, zu denken: ich denke, daß das Mädchen hier ausreichend dafür bestraft ist, überhaupt nichts Böses getan zu haben. Sprechen Sie die Angeklagte frei, dann werde ich sie mit nach Hause nehmen, und sie wird das ausgezeichnetste Kindermädchen werden, das ich je ge- habt habe." Die Frau Schultheiß ist zu Ende. (Forts, folgt.) Da PrieS ich mein gütige? Geschick denn Sei einem Kassensturz meine? derzeitigen Vermögens kam nur cin ö-Mark-DarlehiiSkasien schein zun, Vorschein� Ich bätie also nieiiier Wollust»ach Weißbie waliricheinlich mit der Verpfänduiig cineS meiner Stiefel büßen müssen und balle barfuß nach Hauie traben können. Druin, Wanderer, ivenit Tich Dein Weg einmal an den herrlich gelegenen jylafcnfee, in die Gegend von WolterSdorier Schleuse sükrt und Du beabsichtigst in da? Lokal mit dein altehrtvihdigen Namen Kaiser-Wilhelm-Bad. aber mit hochmodernen Vreiicn, einzukehren, ich rate Dir: Tu Geld in Deinen Beutel, lllodrigo! Zum(Vrost-Berliner Verkehrselend. Unter dieser Ueberschrisl brachten wir am letzten Mittwoch einen Artikel eine? Arbeiter« der A. E. G.-Werke Hennigsdorf. Es wurde in ihm die schlechte Verbindung von Berlin zu den A r b c i t ö st e l l e n und die Untätigkeit der Ei'enbahnverivaltung zur Behebuirg dieser Mängel kritisiert und Vorschläge zur Besserung gemocht. Dte EisenbaHiiverwaltung macht e? sich, tvenn wir un? mit den Zuständen in ihrem Reiche beschäftigen, immer sehr leicht. Durch eine hiesige Korrespondenz läßt sie die Angaben.einer hiesigen Zeitung' dementieren und damit ist die Sache für sie erledigt. Auch diesmal ist die Demenlierspritze sofort in Tätigkeit getreten. S>e bebauvtet, daß in den BerufsverkehrSsmnden.nicht drei, sondern sechs Züge für�die Beförderung der in Tegel. Eichbornstiaße und Hennigsdorf Beschäftigten bereitgestellt sind' und daß die Trittbretter der Züge.merkwürdigerweise nur an Tagen mit schönem Wetter besetzt' sind, wo? ein Beweis dafür sein soll,„daß auch in dem angeblich nve:süllien Zuge noch soviel Platz ist. daß die sonst draußen fahrenden Reisenden, in ihm Plötz finden können'. Demnach fahren also die Berliner Arbeiter nur dann auf den Trittbrettern mit, wenn schönes Wetter ist. wahrscheinlich um sich zu so» n e n. Diese Behauptung wird selbst die Eisenbahn veiwaltung nicht ausrechterhallen können, wenn sie nicht in der ganzen Welt ichallende Heiterkeit erregen will. Die Ar- bester sind doch keine dummen Jungen, die aus lauter Spaß und Vergnügen ihr Leben aus? Spiel setzen. Zu den geinachteu Vorschlägen wird nur erklärt, daß sie wegen der u n g e b e u r c n K o st e n und wegen deS außerordent» Ischen Mangel? an Schienen nicht ausgeführt werden können, obwohl sie schon lange beraten wurden. Dann aber kommt das dicke Ende. Es heißt näinlich wörtlich rn dem Dementi: .Eine Seite diese?.Verkehrsclcndes' hat aber das links- stehende Blatt vergessen. Wie loinmt es eiaenllich. daß Beiliner Arbeiter nach Hennigsdorf usw. fahren müssen? Offenbar doch eahalb, weil draußen keine Siedlungen vorhanden sind! ssäre es nicht viel sozialer, wenn durch die flirmcu, die au der Lö'ung der Verkehrsfrage auf dieser Strecke ein so großes Interesse zeigen, umfangreiche Arbeitersiedlungen .geschaffen würden, z» deneii bereit« die ersten Anfänge gemacht worden sind, als jetzt bei der Notlage de« Reiche? neue große Ausgaben zu tordern. die doch nicht so bald«ine Abhilfe der Verkehrsnol bringen könne»?' Nach unserer Ansicht ist zur Behebung des Verkehrselend? einzig und allein die Eisenbahn Verwaltung berusen. Wenn sie daraus warten will, daß die Großindustrie da? int, dann «erden die Berliner Arbeiter wahrscheinlich noch sehr lange bei .schönem Weller' zur ssörderung ihrer Gesundheit auf den Tritt« breliern fahren müssen. Und übrigen« bezweifeln wir sehr stark, ob eine Arbeitersiedlung dem Reiche weniger iosiet, al« die Beschaffung eines zweiten Gleise? aus der Strecke nach Velten. Wir förder» sicherlich im Interesse der Arbeiter selbst die Siedlung«- bestkebilngen'mit allen Kräften, aber nicht, damit sich die Eisenbahn Verwaltung vor der Erfüllung ihrer Pflichten drücken kann. Fwei Raubmoröe. Ein neue« Kapitalverbrechen rief die Mordkommission der Bcr« liner Kriminalpolizei Mittwoch nach' dein Grundstück Köpenicker Sriaße IV2. Don wurde die am 3. Mär, k34ll geborene Winoe Thiele mann in ihrer im ersten Stock de? Onergebäudes be- legeneu Wohnung ermordet aufgewnden. Der Täler ist flüchtig. Als vorgestellt vorinitlag eine Tochter der Greisin, eine Zrou Ahl« g r i m ans der Pappelallee 7ö, die Mutier behichen wollte, fand sie die Tür verschlossen und als sie auch auf ihr Klopre» keinen Einlaß fand, stieg ihr gleich der Verdacht auf, daß der greisen Mutter etwa» zugestoßen sein müsse. Ein Schlosser stieg mit einer Leiter in die Wohnung und jetzt fand er die Greisin tot aus dem Sota liegen. Sie balle an der linkenKopf feite eine klaffend, Wunde und außerdem ein Handtuch sest uin den HolS geschlungen. Nach dieser Entdeckung wurde die Kriminalpolizei benachrichtigt, von der die Mordkommission alsbaid am Tatort er- schienen. Die Nachforschungen ergaben, daß der Täler wahrschein- kick der frühere Schlafbursche der Ermordeten ist. Soweit sich fest« stellen ließ, ist dieser, nachdem er vor einiger Zeit wegen Diebstählen, die er in der Wohnung beging, Meie verlassen halte, in der Willwochnachi tvieder in derselben erschienen, hat seine alte Ber» Mieterin umgebracht und dann unier anderen die Ringe von den giiigern gestreift. Zeugen, die ermittelt wurden, bekunden, daß sie gegen 1 Uhr jemanden aus Zehenspitzen über den Hof hätten kommen hören, tn dem sie den Schlafburschen, einen Schlosser Otto Riedel, zu er- kennen glaubten. Daß eS talsächlich Riedel war, geht darou« bervor, daß in der Wohnung der Witwe jetzt auch da? zweite V a a r Schlüssel gewnden wurde, da» Riedel besessen und wahr- schernlich bei. dem nächtlichen Besuch zurückgelassen hatte. Außer den beiden Trauringen, die der Mörder seinem Opfer Von den Fingern geiissen hat, bat er auch alles Geld mitgenommen, was diese rn ihrer Geldbörse hatte, die leer auf dem Tische lag. Nachdem die Leiche und der Tatort photographisch aufgenommen und die ärzt- ltche Uittersuchung abgeschlossen worden war. wurde die Leiche nach dem Schalihause gebracht. Im Lause des Nachmittags wurden mehrere Zeugen von den Kriminalkommissaren im Zimmer Sl des Berliner Polizeipräsidium« vervörr. Dorthin wollen sich weitere Personen melden, die über das Verbrechen und die Person des mui- maßlichen TäierS irgendwelche Angaben machen können. * Bei einer Dienstherrschaft in der Friedrichstraße 4b war die 22 Jahre alte Ida Schulz auch Machow beschäftigt. Al« die Arnschast ihre Scminerreise antrat, fuhr da? Mädchen zu ihrem Beter neck M a ch o w. Bei diesem kam sie jedoch nicht an. Jetzt wurde jn einem Wehenfeld bei Gretz-Bebnisch die Leiche des jungen Mädchen? aufgefunden, die schon stark in Verwesung über- gegangen war. Dieses war ofscttbar nach Groß-Dehnisch gefahren, um den 6 Kilometer weilen Weg nach Machow zu Fuß zurückzulegen. Unterwegs ist sie ermordet und beraubt worden. Die Leiche wies ein- Schußwiindc am Kopf auf. Geraubt worden sind dem Mädchen ungefähr LSssMarkbaresGeld und ein Pappkarton, .dessen Inhalt noch nitch feststeht. Außerdem Hai der Rckstbmördec eincn oräunlichgrauen Ccvercoat-Man:cl. der räch Herrenschnitt pr.Kchcitct ist, mitgenommen Mitteilunnen zur Aufklärung diese? Berörechens nimmt Kriminalkommissar Wernevurg ini Zimmer 34 bei Berliner Polizeipräsidiums(Hausanruf 447) entgegen den Gewaltigen herausstecken, der über sein Grundstück verfügt und der die wenigen Nehren lieber vertaulen läßt, als daß arme Mit bürgcr sie zur Ausbesserung ihrer kargen LebenSmittelrationen bc nützen. Dieter Tage ging uns ein Bericht zu. der besagt, daß vier Frauen in der Gegend von Buckow zum Achrenleieii gingen, was sie am ersten Tage ungestört tun dursten. TagS darauk aber kamen sie an die unrechte Adresse. Sin Fuhrwerk kam de« Wege», der Kutscher sprang herab und verwies die Frauen von dem Acker, indem er die eine von ibnen mit seiner Peitsche schlug. Auf der Ilnfallstation stellte der Arzt am Körper der Mißhandelten insgesamt 12 Hiebe fest, von denen S bis 6 von Blut unterlaufen und drei off?n waren. Inzwischen wurde der Besitzer deS Grundstückes festgestellt. Tie Frau desselben verwies die beichwerdefübrenden und mißhandelten Frauen kurzer Hand vom Hof, während ihr Mann ihnen zurief, daß e-Z ftmiichts geschadet hätte, wen» man st« totgeschlagen hätte. Leider besteht der Privatbesitz a» Grund und Boden immer noch, der jedem Eigemümer daS Perfügungsrecht über seinen Besitz einräumt. Damit ist aber keineswegs die Berechliguna ver- bunden, Leute, die das Grundstück betreten, tn rohe st er Weise zu mißhandetn. Hoffentlich bat die geschlagene Frau gegen den rohen Patron von Kuiicker weitere Schritte unternommen. Im übrigen aber zeigt dieser Fall aufs neue, wie groß das Ver- ständniS der Landbevölkerung für die Rot der Städter ist und wie sehr sie bemüht sind, Meie zu beheben. E« sind eben Gemütsmenschen, unsere.biederen' Bauern. Gemütsmenschen. In jedem Hochsommer ziehen kurz nach der Getreideernte viele arme Leute hmau?,»m die Stoppelfelder nach liegengebliebenen A e o r e u abzniuchen. Dabei kommt es. wie allgemein bekannt ist, i�hr häufig zu recht unliebsamen Austritten zwischen dem Herrn Gutsbesitzer oder seinem Inspektor mit den Aebrenlesern. Die Gründe dafür sind zumeist nicht recht klar, man will wahrscheinlich Der Kampf gegen die Wohnungsnot. Vauzuschüsse zur Fertigfiellung von Wohnhäusern sollen in Form von Ergänzungsznschüsscu aus Reicks- darlchen gewäbrt werden. Wie der preußische Wohl- f a h r t S m i il i st e r in einei» Runderlaß mitteilt, läßt ek sich schon übersehen, daß die Mittel, die von Reich und taat zur Gewährung von Ergän�ungSzuschüssen au Gemeinden, Bauvereinigungen und Privatperionen zur Verfügung gestellt wurden, die mit staatlicher Unterstützung im Jahre kkUO zu bauen begonnen haben, nicht ausreichen, um die infölge der weiteren Preissteigerungen unvollendet gebliebcnen Bauten fertig- zustellen. Bei der schlechten Finanzlage von Reich und Staat ist jedoch eine Erhöhung de» Sanierungsfonds nicht zu erwarten. Es ist aber unbedingt erforderlich, zunächst die Feltigstellung der angefangenen Bauten sicherzustellen, bevor mit dem Bau neuer Wohnungen begonnen wird. Es sollen daber auch zur Gwähruilg von Reicksdarlehen überwiesene Mittel zur Gewährung von Ergänzungszuschüssen herangezogen werden. Ter Nmbau des Bahnhofs Fri cdrichslraßr Hot in letzter Zeit I u l e Fortschritte gemacht. Nachdem die Elsenkonstruktion ür den Brückenbogen über die Spree fertiggestellt ist, bat man auch die oberen Konstrukiionsteile, die zur Aufnahme für die Zu- und Abfahrtsgleise nach dem Lehrler Bahnhose bestimmt sind, fertig- gestellt, aus die jetzt nur noch Schotter und da« übrige Oberbau- maierial aufgebracht zu werden braucht. Der Zugangslveg für Reisende vom Nordufer der Spree ist in seinem Eiiengerippe eben- fall? nahezu vollendet. Er l«>U sich in dem Spreebrückenbogen. io daß ein Arm nach dem südlichen, der andere nach dem nördlichen Ufer geführt wird. Ebenso ist auch der Brückenbogen über den zabrdamm de« Kronprinzenusers soweit ferttggestellt. daß der Anschluß an diebereil« vor dem Kriege errichteten Eiienkonstrukitons- teile nahezu erreicht ist. Jetzt wird neben den Ett'enkonstruliionen auch schon am Mauerwerk des BahnhossumbaueS geatbeuet. von dem einzelne Teile schon bis zur Höhe des Bahnsteiges hochgeiührt worden sind. Eine Erleichterung der Pastbcstimmungen für die Ein. und Auö- reise nack dem oberschlesischen Abstimmungsgebiet läßt die inter- alliierte Kommission eintreten. Die Kommission ordnet« an, daß künftig alle Vorladungen der Gerichte außerhalb des Abstimmungsgebietes auch ai? Pässe für die Einreise nach Ober- Schlesien gültig sein sollen; die'e Vorladungen müssen nur den Vcr- merk ,.G e r i ch t s so ch e" tragen. Sie berechtigen zur Ein- und Ausreise, außerdem zum Aufcntbalt tvahrend der Zeit der Verband- lung. Tie Vorladung muß bei der Ankunft dem zuständigen Kreiskontrolleur vorgelegt werden. Ferner ist für alle Ober chlesier insofern eine Erleichterung eingetreten, als auch die'e Vor ladung als Paß gilt, wenn ein Oberschlesier von einem außerhalb der Abstimmungsgebiete gelegenen Gerieft»orgeladen wird. Jn diesem Falle erteilt der zuständige Kreiskontrolleur auf der be- treffenden Gerichtsvorladung das französische Visum. Die Erlebnisse eines Arbeitslosen, die wir in der Mittwoch- Morgenausgab« mitteilten, scheinen mehr Dichtung als Wahl heil geweien zu sein. Wie uuS von der Wache am Anhalter Bahnhof mitgeteilt wird, ist der Verhaftete weder beschimpsr noch mißhandelt worden. TnS Zentralinstitut für Erziehung und Unterricht. Berlin W 33 Potsdamer Str. 120, ve. anstaltet vom 26. Augissl bt« 15, September einen Lebrgang für Oberinnen a« Frauenichulcn. Zweck der Beraiislaliuna ist, eilten Ueberbltck über einichlügtge wtssenichastliche Frozen iinb vratinche Aufgaben sowie inetbodiiche Antetlunzc» für die grauenlchularbeil zu bieten. Der Plan sieht Porlesungen von führenden Persönlichkeiten auf dem Aebiek der Sozialpödagogik vor. Programme sowie nähere Mit. teilungen erbältlich bei der GelchäflSstelle de» Zcntralinstilut«, Berlin W 35, Poltdamer Str. 120. Eine Belohnung bis 500 M. erhält derjenige, der näber« An- gaben über den Berbleib einer goldenen Herrenubr Ar. ssöös ncbst Mette machen kann, die in der Garderobe de? Maschinensaals II in der Blichdruckeret D. BÜxenstein abbanden gekommen Ist.(Sefl Züsch' isten sind erbeten an Ktlh. Barlelmuß, Berlin O. 27, Grüner Weg III, IV. Verurteilte Silberdiebe. Im Jagdschloß Alt-Glienicke wurde am N.April ein Diebstahl verübt, bei dem silbernes Tafelgerät im Gesamtwert« von 20 000 M gestohlen wurden. Mittwoch fand die Verhandlung vor der Potsdamer Strafkammer gegen die Angeklagten Leibjäger Karl Sauer, Gastwirt Albert Gall, Arbeiter August Schwarz, sämtlich au« Potsdam. Kaufmann Heinrich Freund au» Berlin>,nv Altwarenbändler Galewsti aus Potsdam, gegen die beiden letztgenannten wegen Hehlerei. statt. Das Gericht verurteilte nach fsnisstündiger Verbandlung wegen einfachen Diebstabl« Sauer zu 1'/° Jabre». Gall und Schwarz zu einem Jahr Gefängnis. Freund, bei dem die Angeklagten Gall und Schwarz ihre kostbare Beute für 20 000 M. absetzten, wurde wegen Hehlerei mit vier Monaten Gefängin« bestraft. Gegen GalewSkl erkaniile das Gericht auf Freisprechung, da nicht der Be- ivei« erbracht werden konnte, ob dir von Schwarz erhaltene» Silbergegenslände von dem Einbruch herrührten. Neukölln. Sonderzuteilung von Nährmitteln. Der Magistrat hat auf Antrag des Lebensmitielamte« beschlossen, eine Sonderzuteilung von Nährmitteln zu wesentllch verbilligten Preisen an foi- gende Bevölkerungsgruppen vorzunehmen: Verbciralete Erwerbs- iose, Empfänger von Invaliden-, Aller«- und Hinler blkebenenrer'len, sowie En.pfänger von Unsallrenlen in Höhe von b0 Prorent Poll- rente und mehr. Personen, welche lautende Armetiuitterslützuna bet' ziehen, Kriegsbimerblieben». ledige ErwetbSlose. Mliiderbemittell« bis zu einem Einiommen von 6000 Mark, wobei für jedes nicht erwerbsmäßige Kind diesem Einkommen ein Betrog von je 1000 Mark hinzuzurechnen ist. Die entsprechenden Bekanntmachungen erfolgen in den Neuköllner Tageszeltungen. — Ausbau der Industriebahn. Zu den von der Stadt eingerich« teten Noiftandsarbelien gehört unter andere» die Erweiterung des Bahnnetze» im Jndustriegelände östlich de« Schiff. fahrtSkanalS. Die Arbeiten schreiten auch hier rüstig fort. Für die Schüttung der zahlreiche» Dämme und Lahnkörper, die zurzeit in. der Ausführung begriffen ist, kommt zum Teil da? beim Aushub des Untergrundbahntunnels gewonnene Bodenmaterial zur Verwen- dung. Eine Reihe von Vabnüber- und Unterführungen dürfte noch vor Beginn des nächsten JabreS beendet sein, so zum Beispiel neben der last fertigen Kaiser-Friedrich-Brncke unter anderen die drei Brücken im Zuge der Grenzallee, die Köllnische-Allee-Brücke, die Urnerhafen- brücke und die Brücke über die Straße 303. Tie am.Kanal und am Handelshafen belegenen Ladestraße» und Ladeplätze sind schon jetzr zum größten Teil serliggestellt. Von den projeklierten Krananlagen ist eine vollständig ausgeführt, drei weitere, darunter eine große fahrbare Verladebrücke, sind tn der Montage begriffen. — Tie jtzreie Turnerickaft Berlin. Bezirk Neukölln, die wiederbolt bei Arbesterieste» msigewirkt bat und etwa fKX) Kindern und Jugendlichen Turngelegenbeit bietet, veranstaltet am Zvnnabend ibr<5 o m m e r f e st ün Kailsgarten. Eröbnung 3 Ubr. Eintritt l.50 M. Turnerisch« und bumonsttiche Darbietungen. Theater, Festansprache und großer Festball. Tie Neuköllner Arbeiterschajt und Arbeiterjugend werden um ihren Besuch gebeten. Reinickendorf. Der Lorbcreitungsunterricht zur Jugendweihe beginnt unmittelbar nach den Schulserien. Anmeldungen nehmen alle soz. Elternbeiräte entgegen. Diese überimlteln alle �An« Meldungen der II. Gemeindeschule dem Obmann Genossen Hoff- mann,«chillingstr. 20; der V. Gemeindeschule dem Obmann Gen. Schmidt, Scharnweberstr. Sl II. Nicderschöneweide. Gcmcindevrrtretersittung. Die Gehälter für die Beamten wurden nach Berliner Muster bewilligt. Zu einer längeren Debatte kam eS bei Beratung der Schulangelegen- h e i t e n. Mehrere Redner der S. P. D. und der II. S. P. D. liefen Sturm dagegen, daß die R e kt o r a t s fr a g e immer noch nickt erledigt sei, trotzdem die beiden Lehrer nun schon bald'/, Jahr gewählt sind. ES hat den Anschein, als ob die Regierung ab- sichtlich die Sache biS nach dem Oktober verzögern möchte, da Niederschüneweide dann nicht? mehr zu sogen habe. Es wurde aber beiont. daß ma» sich das nun nicht länger gefallen laffen wolle und seitens der beiden sozialdemokratischen Ckternbeiräle, die die übergroße Mehrheit der Ellern vertreten, ganz energisch Stellung nehmen wird, um die Bevölkeruna, die ohnehin schon stark erregt ist, zum Protest auf die Beine zu bringen und vor einem Schul- streik nicht zurückschrecken wird. Der Redner der U. S. P. D. behauptete, da? ein Teil der Lehrerschaft gegen die neugewählten Rektoren Stellung nimmt. Die Gemeideverlretting wird sich aber nicht gefallen lassen, daß die L�rer ihre Beschlüsse sabotieren. Nack der Aussprache wurden auch die Gebälier der Lehrer bewilligt. Einige andere Sachen wurden dann schnell erledigt. Hroß-öerliner partelnachrichten. Heute, itZ. Juli: Lichtenberg. 7'/, Ubr Teneralversammluiig in der Schule, �Markt> straße 10/11. Stellungnahme zum Bezirkstag, Beratung de« neuen Statuts, Wahl von 11 Delegierten, Ver'chiedenes. Siirder-Zchöiihnnsen. Alle Genossen, welche sich bereit erklärt haben, zum Sommersest zu belsen, um 7 Uhr im Schloß Schbndausen. Boriigioalde. Mitgllederverfainmlung 7>/, Uhr, Borstgwalder Feslsäle. hema: Die politifche Lage. Morgen, 2�. Juli: 30. Abt. 7 Ubr Funktionärsitzung Bei Döll, Bergstr. 71. örfchelncn aller Juntlionäre notwendig. » »3.«bt.(Böhow.vierlel). Alle Genossen, die üch an den am Sonntag, den t. August, staitjiildenden FamilienauSilug nach dem Orankelee in Hohen. jchönbauien beteiligen wollen, werden ersucht, sich unter Angabe der Kinder- zahl bei Gott, Knlprode- Ecke BardeleBenstraße bis zum 28, Juli zu melden. Vorträge, vereine unü Versammlungen. Republikanischer Führerbund. Bezirk 18(Schöneberg): Bersomm- lung am 21. Juli. 7 Ubr, Schöneberg, Hauplstr. 13, Lokal. Bezirk>3 u. tl tCdarlotiendurg-D-stend): Versammlung am 24. Juli, 8 Ndr, Bismarck. straße 38, Ecke Sclenhcimer Sir., Lokal.— Alle alten Mitglieder des Agttactonsverct»» für die Kreise Wittenberg, Schweinltz. Socgau, Lieben- wer da von le>00 und Humoristische Pleisenbrüder t8S5(Salzwedel, Klosterstraße»: Auszahlung der Spargelder am Sonnabend, 8 Uhr, Kolonie .Brüocrlichleit', XO. Verlängerte Kniprodestraße, beim Genossen Karl Loble, Laube 11.— Jn der Urania. Taubenstr. 48/49, wird am Sonntag. Mittwoch und Sonnabend der Vortrag.Von der Zugivitze zum Äatzmann' wledciholl. Am Montag gelangt der Vortrag„Dle Jnskl Rügen- und am Donnerstag der Bortrag.Bon Kopenhagen dl« Stockholm' zur Dar- slellung. während Dienstag und Freitag der Vortrag.In den Bergen Tirol»' wiederholt wird. Sport. Tic Zwrijährigen-Reniun. Die Oberste Behörde für Vollblut- zucht und Rennen erläßt folgende Bekanntmachung; Die SiartS zu den Zweijährigen-Rennen in diesem Jahre haben gezeigt, daß die melsten Zweijährigen zu wenig an das Slarlen mit der Siartmaschme gewöbut waren. Die Hmcn Trainer werden ersucht, in der Ardetl die Zwcljährigcn an die Starimaschine und vor allem an das Starten a»S dem Stand zu gewöhnen, damit ein gleichmäßiges Abkommen der Vierde auch tn den Zweijährigen- Rennen ermöglicht wud. Ringkämpfe Schöneberg. Am Mittwoch wurde der Entfcheidungs- kämpf Rttzler-Sckwarz fottge'eyt. Ritzler leistete seinem Gegner hartnäckigen Widersland, io daß Schwarz erst nach einer Stunde 7 Minuten einen Untergriff anbringen konnte, welcher Ritzler auf be,de Schultern brachte. Beim darauffolgenden Kampf siegle Weber über den sich gut verleidigendeu Erigsen. Recht erheiternd wirkte der Kampf zwischen Hockdanen und Löwe. Die 20 Minuten waren zu kurz, um ein Reiultat zu erzielen. Der Rest des Abends wurde durch den Enlscheidungskampf Petttjean-deSouza ausgefüllt. Kartell der freien Sportvereinigungen. itzreie Durnerschaft Berlin. Sonnabend: Sommerfest de« 4. Be. zlrk» in Neukölln, KartSgarten. Ansang 3 Hör, tttnlritt 1,50 M.— Sonnlag: 2. Männer- und Fraueiiabteitnng: FamiUenPartie nach Schulzen. dois— i. Mädchenabtetluna: Turnfabrt guer durch den Grunewald. Treffpunkt:()'/• Uhr, Kotlbuser Tor.— Montag: TurnauSschupfttzung bei Drogae, Dtessenbachstr. 57. Touriitcnverittn Naturfreunde. OrtSgruvve: Berlm-Ostbahnvororte. Sonnabend und Sonntag durch die Schorsbcide. Abfahrt Sonnabend: Reli!ickendors<.'>toienthal tU5 nachmittag(ab St ttiner Vorortbahnhof 5.50) bis Oiroß-Schönebeck. Freier TÄänderbund. Heute: Mitgliederversammlung bei Dieke, Heyie Nachf, Vooenitr. tv.— Sonnabend: Nachtwanderung Eberswalde- Weibellmiee. Ahsahrl: Somiabend 8.24 nachmittag Stelltner Fernbahnbot. — Sonnlag: Buch-Gorinsee. Abfahrt: 5.40 vormittag Steltiner Vorort. bahndos. Turn-Sportverein Norden. Sonnabend und Sonntag: Nacht« und Toalurnsahrt der Münnerabtellung nach Kablow. Treffpunkt: Sonn- abend b Uhr abends Bahnhof SchSr.hauser Mee. Arbriter-Radfabrerbund Solidarität. Ortsgruppe Berlw, N.»bt. Sonnabend ti Uhr nach Leuenberg— Blumentbal— Strausberg Sonntag 5 Uhr nach dem«öhsee(Spitzmühte). Statt?: goiilanepromenade 18. Gäste willlommen. Turufest in Luckenwalde. Der 4. Bezirk der Arbeiterturner der Mark Brandenburg veranstaltet am Sonntag ein Turn« und Volks- fest in Luckenwalde. Die südwestlich�, Vorortvereine fahren mit Sonderwagen 4"»(nickt 4«> ab Lichterfelde-Ost. Tteffpunkt der Vereine 3'/, Uhr am Bahnhof. Jugendliche halbe Preise. Wetteraussichteu für das mittlere Norddcutschland bis Sonnabend mittag. Zunächst im Oilen noch ziemlick zahlreiche und viel. sach starke, im Westen geringere Gewitterregen mit Adlühlung. Später im Westen wieder langsam aujllarend. Spa im Reichswirtjchastsrat. (Forlscyuug auZ der Abendausgabe.) NcichSarbeitk-numster BramiZ: Die Kohlenfrage ist in erster Linie eine Frage der Erzeugung, dann erst eine Frage der Verteilung. Bei der Erzeugung ipielt der Faktor?I r b e i t naiiirlich die Hauptrolle. Deshalb kann es auch nicht auffallen, dah sich ongssichk- der Verhandlungen in Spa der Bergarbeiter eine sebr grog« Erregung bemächtigt hat. Diese Erregung war icbon vor Beginn der Verhandlungen in Spa vorhanden; sie Kar sich während derselben noch gesteigert, und sie ist auch heule noch nicht erloschen, Diele Erregung der Bergarbeiter ist meurcs Eruchlens verständlich. Die Bergarbeiter hörten von den hohen Forderungen der Entente und von der Art, wie sie diktatorisch durchgesetzt werden sollten. Da lag für sie der ängstliche Gedanke nahe: Das geht auf unsere Kosten, aus Kosten unserer Arbeitskraft, auf Kosten der Gesundheit des KohletiBergmamw. Und nun erst die Drobnng der Durchsetzung mit Gewalt! Gerade der Bergmann ist besonders stolz aus seine Vergangenheit. Die deutschen Bergarbeiter fühlen sich durchaus solidarisch mii der ganzen Arbeuerschair Deutschlands. Dieses Solidariiäts- gesühl Hai sie gerade zu den lieber schichten veraniatzt. Nun» mehr iiirchten sie, dah durch die hohen Forderungen der Entente Deuischlands Industrie in weitgehendem Matze stillgelegt werden wird und die Arbeitslosigkeit, die ohnehin infolge der Absatzschwierigkeiten schon einen besonders hohen Grad erreicht hat, sich noch erhöht. Dazu kommt, datz die Bergleute fürchten, datz auf dein Umwege über daS Spa- Abkommen die Frage der normalen Schichtdoucr in eine», für sie ungünstigen Sinne gelöst wird. In diesem Punkte sind die Bergarbeiter besonders empfind- lich. Sre verlangen, datz die Frage der Tchichtdauer unter Beteiligung der Arbeiterschaft der ganzen Welt gelöst wird, und suhlen sich in dieser Angelegenheil solidarisch mit den Bergarbeitern der ganzen Welt. Die Stimmung der Berg« arbeiter über da« Spaabkommen ist deshalb durchaus verständlich. Damit müssen die W i r i s ch a f t Z p o l i t i k e r hüben und drüben rechnen. Wir hoffen zuversichiltch, datz dennoch die Bergarbeiter- schaft nicht mi« der Erregung des Augenblicks heraus endgültige Beschlüsse fassen wird. Zu dieser Hoffnung berechtigen unS die Erfahrungen, die wir bisber mit den Bergarbeitern gemacht haben. Ich will einige Zahlen geben über die wirtschaftliche Rolle, die die Ueberstunden gespielt haben, Die monatliche Kohlenförderung im Ruhcrcvirr betrug im Juni 1919 g 271286 Tonnen, im Januar 1929 6 886 742 Tonnen und Ende Mai 1929 7 931 199 Tonnen, aus den Arbeitstag umgerechnet betrug die Förderung im Juni 1919 241 393 Tonnen, im Januar 1929 294 876 Tonnen und im Mai 395 943 Tonnen. Dieser Effekt ist erzielt worden teils durch die Ansetzung einer grötzeren Zahl von Bergarbeitern und teils durch Ueber schichten. Den Anteil der Ileberschichten und Neben- schichten kann man auS folgenden Zahlen erkennen: im Juni 19l9 wurden anNebenschichten undUeberichichten verfahren 27l 919 Stunden tm Januar 1929 342 997 Stunden und im Mai 1929 1723768 Stiinden; aus den einzelnen Bergarbeiter kommt dabei im Juni ein Anteil von 9,69, im Januar 1929 von 9.74 und im Mai 3,69. Angesichts der Gcsamtlage des Wirtschaftslebens ist dieses Ergebnis überaus a n e r k e n n e'n S w e r t. Leider wird eS im laufenden Monate nicht zu verzeichnen iein. Die Beteiligung an Ueberfchichien ist im Abstauen und ferner besteht in Bergarbeitetkreifen die Absicht, das Ueberschichtenabkommen zu kündigen. Hauptgründe dafür find die ungeheure Sommerhitze, unter der die Arbeiter schwer gelitten haben und das schlechte Brot. Unter solchen Erschwernissen 19>/g Stunden arbeiten zu müssen, lätzt sich wohl auf die Dauer nicht erlragen. Das Arbeitsministerium hat deShalv neue Verhandlungen auf neuer Grundlage tür ein beffercS Abkommen vorbereitet. Daraus erhofft es ein günstiges Ergebnis und die Möglichkeit, da? Spa-Abkommen zu erfüllen, datz das Wirlschastsleben nicht erschüttert werden wird. sUnruhe.) So sehr auch die Bergarbeiter ibre Interessen wahrnehmen müssen, so emschlosien sind sie auch in der Beteiligung an der Wiederaufbau- arbeit für Deutichland und für Europa. Aber das Zustande- kommen eine« Abkommens� über Mehrarbeit der Bergarbeiter ist doch abhängig von gewissen Voraussetzungen. Es ist durchaus verfehlt, in der Durchführung des Spa-Abkommens lediglich da« Problem der Mehrleistung der Bergleute zu erblicken.(Zuruf: Bankrott.) Eine Voraussetzung ist, datz der Bergbau auch nach der t e ch- nrschen Seite hin gehoben wird,(Lebhafte Zustimmung,) Nachdem Raubbau im Verlauf dcS Krieges an den Kohlen, der notwendig gewesen sein mag, sind neue Vor- richtungsarbeiten in weitestem Umfange notwendig, uni den Bergbau auf ei»en höheren Stand zu bringen. Aber auch in der Betriebs« Organisation können noch eine Menge Matznabmen getroffen werden, die fördernd auf das ProduktionSergebniS einwirken.(Leb- hafte Zustimmung.) Das Spa-Abkommen hol uns Heine in eine ähnliche Lage gebracht, wie im Verlaus des Krieges.(Lebhafie Zu- stimmung.) Die Lösung der Wirtschaftskrise infolge des Spa-BbkommenS ist auch keineswegs nur eine Frage des Steinkohlen- bergbaueS. Alle diejenigen Industrien, die für die Vorarbeit des Bergbaues notwendig sind, müssen ihre Arbeitsleistung steigern; ebenso muh auch die Frage de« Abtransports in iveiiestgebendem Umfange durchdacht werden. Auch auf diesen Gebieten müssen entsprechende Abkommen mit den fraglichen Arbeuerfchichten getroffen iverden. Die' Bergarbenerschafr wird dem Reichswirtschafts- minister daiür dankbar sein, datz er zugesagt hat. datz Kohlen- s ch i c b u n g e n fortan mit allen Mitteln unterbunden werden sollen. Das wird zweifellos eine der Hauptbedingungen sein, die die Bergarbeiter für die Uebernahme der Mehrarbeit stellen.(Lebbaste Zustimmung.) Notwendig ist aber besonders auch die Verbesserung der Lebensführung der Bergarbeiter, für die das Spa-Abkommen ja gewisie Vorteile bietet. Weitere Einzelheiten müssen Sie in Ihrem Ä u s s ch u tz beraten und müssen Gegenstand der Verbandlungen mit den Bergarbeitern sein, die schon morgen beginnen werden. Wir erleben gegenwärtig alle schwere Stunden und hoffen, datz die Arbeiierschait soviel Weilblick aufbringen wird, datz sie die Grundlagen alle? sozialen �ortschrutes nicht aus den Augen verliert. � ist ganz selbstverständlich, dag die Arbeiterschaft die Errungenschaften jahrzehntelanger gewertschaftlicherKämpfe und die Errungenschoften der letzten Zeit nicht preisgebe« will. Sie mutz sich aber darüber Aar fein, dah kein sozialer Fort- schritt von Bestand ist, wenn der wirtschaftliche Boden dafür schwindet.(Lebhafte Zustimmung.) Ihn gilt eö zu reiten und zu befestigen. In diesem Zusammenhange rufe ich den Bergarbeitern und dem ganzen deutschen Volke zu, datz Opfer und Hingabe sin Interesse des sozialen Fortschrittes notwendig sind. sLebhafter Beifall.) Reichsernährungsmiurster Hermes: In» Verlauf der Spa-Konserenz ist auf seilen der-Alliierte» unverkennbar der Wunsch hervorgetreten, dem deutschen Volke in seiner schwierigen Ernährungslage zu helfen. Das stellte sich zu- nächst bei den Verhandlungen über die E N t w a f f n« n g S s r a g e heraus. Dabei wurde von gegnerischer Seite der Gedanke ausgc- sprachen, datz die EnlwaffnimgSa'lion umso leichter sein würde, wenn Deuiichlands Eruähruugslage verbessert werden würde. Auch beim K o h l e n a b k o m m e n ist von gegnerischer Seite die Bedeutung der Eriiährungssrage klar erkannt worden. AuS dieser Erivägung heraus hat die Entente durch den Mund des französischen Mlnisterpräsidenten Millerand schon in einer der ersten Sitzungen ihren Willen zum Ausdruck gebracht, Deutschland in der tlebcrwindung der Ernährungsschwicrigkriien zu helfen. Dieser Wille kommt praktisch in den Artikeln 2 und 6 deS Abkommens zum Ausdruck. Nach dem Artikel 2 werden uns an Frachteimrahmcn infolge des KohlcnabkornmenS im Verlauf der nächsten sechs Monate 39 Millionen Gcldmark zur Verfügung stehen, die auSichlietzlich für eine bessere Ernährung der Bergarbeiter verwandt werden sollen. In der ErnährungSvcrbefferung iür die Bergarbeiter spielt die Hauptrolle die sofortige Verbesserung des BroreS. Ich darf aiS meine lleberzeugung zum Ausdruck bringe», datz diese Verbesserung deS Brotes in allernächster Zeit möglich sein wird. Wir verfügen bereits wieder über 8999 Tonnen AuSlandSgetreide und Habengestern an Inland«« getreide 6099 Tonnen erhalten, während ivir bisher täglich nur mit 2—3999 Tonnen rechnen konnten. Auch die Zufuhr aus dem Auslände stellt sich auf täglich 4—5999 Tonnen. ES besteht also die nahe Möglichkeit, dem Wunsche nach der Verbesserung des Brotes zu entsprechen. Dem Appell des Reichswirtschaflsministers an die deuische Landwirtschaft schliche ich mich vollinhaltlich an. Die Landwirtschaft darf in diesem Augenblick nicht versagen und mutz bereit sein zur Uebernahme von Unbequemlichkeiten, die not- wendig sind, um ihrerseilS Höchstleistungen zur Linderung der Wirtschaftslage zu erzielen. Dabei möge die Landwirtschaft be> achten, datz die gegenwärtigen wirtschaftlichen Schwierigkeilen nicht durch da» Abkommen in Spa herbeigeführt worden sind, sondern da durch nur ein« weitere Zuspitzung erfahren haben. Der allgemeine Zusammenbruch ist nur vermeidbar durch gegeniciiige Opfer für den Wiederaufbau unserer Wirischail. sLebhafie Zustimmung.) Die 39 Millionen G o l d m a r k auf Grund von Artikel 2 reichen zu der notwendigen Verbesserung der Lebenshaltung der Bergarbeiter nicht auS. Des- halb mutz zurückgegriffen werden auf die Vorschüsse nach Artikel 6 de« Spa-Abkommens. Ueber die Bedingungen der V ö r s ch u tz z a h lu n g ist noch nicht» Näheres vereinbart, auch nicht über den Verwendungszweck im einzelnen. Offensichtlich sind diese Vorschüsse in erster Linie für die Ernährung der Bevölkerung, im besonderen der Bergarbeiter, bestimmt, ein gewiiier Bewag auch für die Kleidungs« st ü ck e. Es wird Aufgabe des Kabinetts sein, sich über' die Verwendung mit größerer Beschleunigung klar zu werden. Grund- sätzlich kann sestgestelll werden: Dos Spa-Abkommen gibt unS die Möglichkeit einer wesenilrchen Erleichterung der Ernährung. (Bravo I) Nicht nur durch die Erleichterung des Einkaufs, sondern auch durch eine Senkung der.Preise kür die eingeführten Lebensmittel. Es wird ein einheitlicher Plan für die Ernährungswirtickiaft des künftigen Jahres zurzeir aus- gearbeitet. Er baut sich auf den eigenen Devisen auf, auf den Vor- schüsien utid auf der 5-Maik-Goldprämie der Entente. Wesentlich ist für unS, datz der Einkauf durch uns getätigt wird. Die Entente stellt uns die Vorschüsie zur Verfügung; alles übrige ist unsere Sache. Mit Hilf« der Vorschüsse werden wir nicht nur die Einfubr von Lebensmitteln betreiben, sondern auch die werbende Einfuhr von Rohphosphaten für die Düngung und von Futlergelreide für den Wiederausbau unserer Viehbestände. Die notwendige Senkung der Lebensmittelpreise iksat die Vorausietzung einer Senkung der Preise der Düngemitiel und»er Futtermittel. Am Tage vor unserer Abrolst in Spa habe ich noch den Vor- schlag unterbreitet, mil giötzter Beschleunigung eine S o n d e r k o n- sercnz der Ernährungsminister Deutschlands. Frank- reichs, Italiens und Englands zu veranstaUen, um Klarheit zu schaffen über die prinzipiellen Grundlagen der Vorschüsse und über die Möglichteit einer gemeinsamen Einkaufstätigkeit für die Zukunft. Hier laufen die Interessen der einzelnen Länder parallel. Ich habe den Eindruck, datz unsere Anregung bei den Engländern auf fruchtbaren Boden gefallen ist. Spa wird uns auch die Möglichkeit geben, eine gesunde Einfuhrpolitit zu lretben. Die Er- leichterung der Einfuhr mutz organisch und planmäßig fortgeführt werden. sBeifall.) Auf Antrag W i s s e l l werden dann die Verhandlungen v e r- tagt, um den Gruppen Gelegenheit zur Stellungnahme zu geben. Nächste Sitzung: Sonnabend 19 Uhr. Wahlen, Aus- spräche über die Regierungserklärungen. Schluß 12 Uhr. Wietfehelft Der Lohnabbau soll es machen. � Der Verein deutscher Werkzeugmaschinen- f a b r t k e n sagt in ieinem Jahresbericht u. a.: Die gesteigerte Ausfuhr im Jahre 1919 hat sicv als Rettung für die Industrie erwiesen und einen Ausgleich für den abnehmenden Inlandsbedarf geschaffen. Es wäre aber ein Trugschluß, zu glauben, datz die Ausfuhr auch für den Rest des Jahres 1929 eine Gewähr für die Absatzmöglichkeit unierer Industrie geben könne. Man darf nickt vergessen, daß sich die Gesamtproduktion des deutschen Werkzeugmaschinenbaues gegenüber dem letzten FriedenSjahr 1914 beträchtlich gehoben bat. Wenn auch alle Mitteilungen auS dem Ausland gloichlauiend dahin gehen, datz für lange Zeit hinaus ein gewaltiger Bedarf vorliegen wird, so sieht nach sicheren Anzeichen doch außer Zweifel, v datz schon mit Ende des JahreS 1929 der Wettbewerb»n Ausland mit unserem Haupl- konkurrenten, dem Amerikaner, in scharfer Weite einsetzeil wird. Bis dahin müssen wir ierneu, unsere Herstellungskosten durch Abbau der Rohstoffe u n d Löhne zu verringern. Wir müssen Verkaussgclegen heilen schaffen, die denjenigen der Amerikaner zum mlndcsleii eben- b ü r I i g sind und wir müssen schließlich lernen, uns wieder mit dem Nutzen zu begnügen, welchen der alterfalirene'Fabrikant als ougemessen und ausreichend in früheren Jahren zu bezeichnen gewöhnt ioar. Wir hoffen, datz das Ansteigen der Mark in gleich- mätzigem, rubigeni Tempo wcitergehl, uuicr Vermeidung sprimg- hafier Wendungen, so datz die Industrie in der Lage ist, ihre Aus- landspreiie allmählich abzubauen und sich auf die vciänderle Ge- ichäftSlage Schritt für Schritt einzustellen. Ehe die Herren Werkzeugmaichineniabrikanten an den»Lohn- ab bau" denken, der zurzeit überhaupt»ich: diskutabel ist, sollen sie, wie wir gefordert haben, vorerst ihren V e r k a u f-5 a p v a r a r für das Ausland durch Znsamuienschlüffe verbessern und verbilligen. DaS ist dringend notwendig. Die Kräflezersplilterung beider autzerordentlich großen Zahl gegeneinander toulur- rierender deulichcn Firmen ist geradezu ein Hohn auf die heutige Notlage. Die Werkzeugmaichinenfabrikeu haben durch die Ausfuhr bei der schlechten Valuta so gewaltig verdient, dah sie Beiriebs- ciuschränkungen leichter ertragen können als die Arbeiter und An« gestellten. Den Zuiammenichlüsscn zu mächtigen Orgaiiisationen für die Ausfuhr sieht der W i r I s ch a s t S e g o i S m u s der Fabrikanten entgegen, insbesondere der kleinen und mitilere». Sie fürchten, daß sie in der Organisation von den kapitalstarleN Konkurrenten on die Wand geduickt und aufgefressen werden. U. E. kommt es darauf an, datz eine große Exporiorganisatwn geschaffen wird, in der die Arbeitnehmer paritätisch vertreten'siiid, damit nicht über die Arbeitnehmerinteresiel, hinweg nur die rein kapitalistischen Unier- nebmerinteressen verfolgt werden können. Die Betriebsräte der Maschinenlndnstrie sollten sich mit diesem Problem eingehend befassen. ES soll der Schwindel wieder blühen. Der Neichswirtschafts- minister hat die Bekanntmachung der Reichsbekleidungssielle über das Verbot der Ankündigung und Abhaltung von Ausverkäufen für Textilwaren Venn 12. April 1919 und die Er- gänzungsbekanntmachung dazu vom 27. Nov. 1919 aufgehoben. Damit sind Anküudigimg und Abhallung von AuSverkänfen und Tellverkänfen, Inventur- und Saisonverkäufen, Restverkäufen, Serien- und Restwochen oder-Tagen, Weißen Wochen oder-Tagen, Propaganda- und Reklamewochen oder-Tagen und von ähnlichen Sonderverkäufen, sowie die Ankündigung von Verkäufen zu herab- gesetzten Preisen oder Jnventurpreisen für Textilwaren wieder ge- stallet. Die Gründe, die seinerzeit während des Krieges für den Erlaß dieser find ähnlicher Verbole matzgebend waren, nämlich die Noiwendigieit, die Vorräte an Textilwaren nicht übermäßig und vorzeitig zu räumen und die Kanslustigen vor wirtichaitiich cnl- behrlichen Anschaffungen zu bewahren, sind im gegenwärtigen Zeil- punkt, wo im allgemeinen und auf dem Textilmarkr im beiondercn eine bedrohliche Absatzstockung playgegriffcn hat, nicht mehr stichhaltig. Im Gegenteil mutz heute dem Handel, der auf großen Warenbeständen festliegt, die infolge der Verbesierung unserer Währung zum Teil nicht unerheblich entwertet sind, die Möglichkeit gegeben werden, durch den Hinweis auf die beson- dere Preiswürdigkeit der Waren den Absatz zu ermöglichen, um durch erneuten Umsatz von Waren der Industrie die weiiere Er- zeugung zu ermöglichen und sie vor BetriebSeinschränknngen und Stillegungen zu bewahren. Unlauteren Reklamen und auf Täuschung des Publikums berechnetem Gcbabren bei Anklindiguiig und Abhaltung von Ausverkäufen und ähnlichen Sonderverkäufen wird durch die Vorschriften gegen unlauteren Wettbeiverb vorgebengi werden können. So wird wieder der Schwindel blühen ivie in früherer Zeit. Wer am geschicktesten die schlechteste Ware dem Laien- Publikum anpreist, wird das Rennen machen. Datz das Publikum nicht dazu beizutragen vermag, die Güicrproduklion und den Handel ehrlich zu machen, das ist gewiß. Statt Ordnung und Ehr- lichkeit in die Wirtschaft zu bringen, wird das Chaos und die Anarchie vergrößert, nur damit recht viele Spekulanten ihre Spielergewinne einheimsen können. Solange die Sozialisten sich gegenseitig bekämpfen, statt sich zu positiver Arbeit zusammen- zufinden, wird an der wirlschaftiichen Anarchie nichts gebessert werden. Sitzung von Rcichskohlcnrat und Rcichskohlcnvcrbnnd. Am 29. ds. Mts. findet, wie die„P. P. N." erfahren, eine gemeinsame Sitzung deS Reichskohlenrals und des Reichskohlen- Verbands statt, in der auch die durch daS Abkommen von Spa geschaffene Lage erörtert werden wird. Ermästigung dck Borlinir EiscnhandelSpreise. Im Zusam« meuhang mit der Marktlage sind die Pfeife des Berliner Eisen- grotzhandelS kürzlich um rund 599 M. die Tonne ermäßigt worden. Eine w c i t e re"Herabsetzung steht für den August in Aussicht. Eine doutsch-mmsrikanische Gründung. Unter dem Namen „Am st e a" ist in Hamburg als selbständige Zweigniederlassung der„Amstea", American Stiel and Engineering Automotive Pro- ducts A.-G. in Berlin, ein bedeutsames Unternehmen gegründet worden, welches das Ziel lmt, für deutsche Werften a m c- ri ka n isch e n S ch> ff s b a u st a h I anzukaufen. Von dem mit 1 Million Mark gegründeten Stammkapital hat die Amstea in Berlin die HäLfie übernommen, während die andere Hälfte im Besitze von hanseatischen, mecklenburgischen und schlesmig-holstei- nischen Interessenten ist. Die Amstea soll bereits erhebliche Ab- fchlüsse für Lieferungen von amerikanischem Stahl für die Werf- ten B l o h m u. V o tz in Hamburg, ferner für die W e s e r w e r f t und Tecklenborg in Bremen vorgenommen haben. Wir sehen hier das erfolgreiche Vordringen des amerikanl- schen Großkapitals tief in die deuische Wirtschaft hinein, während die deutsche Stahlindustrie ihre Erzeugnisse exportiert, statt sie de: heimischen Produktion zuzuführen. Passagierschiffsdienst Hamburg— Südamcrita. In dem von der Hambnrg-Amersta-Linie, der Wörmann-Linie,' ,dxr Dcntsch-Ost- afrika-Lime und'der Hamburg-Bremer Afrika-Linie gemeinsam betriebenen Dienst nach Afrika soll ab Mitte September ein für die Hamburg-Bremor Afrika-Linie zurzeit noch im Bau befindlicher Dampfer eingestellt werden, der mit Einrichtungen für eine große Anzahl von Passagieren versehen ist und die west- und süd- afrikanischen Häfen anlaufen soll. vis gute Massary-Zigarette Wer sie noch nicht geraucht hat, sollte sie probieren! Wer sie kennt, wird zum überzeugten Anhänger unserer Fabrikate. Urteilen Sie selbst! Es ist Ihr eigener �«X-L «# e> &e87. 17» Btitksarung! Gesichtshaare u. alle häßl. Körperhaare vernichtet sol. schmerz), u. radikal, Depilator1 durch Absterben d. Wurzeln allmählich und für immer. Garant, unschädlich! M. 5,— u. M. 7„50, verstärkt nur 12,50. Otto Reichel, Berlin 43, Eisenbahnslr. 4. 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Lothringer Str. 25. Gültig bis Dienstag, 27. Juli. UnsäglldiesElend liegt heute auf vielen Eheleuten und namentlich auf allen, denen die heuiigen Verhältnisse eine baldige Heirat unmöglich machen. Verlangen Sie gegen Einsendung v.M. I,- Aulklärung in gescnlossenem Umseht . Faust-Verlag, Dessau 21 'J.F.Raueh Alte Wein- Stuben* Frledrichstr.n,Brunnenstr.l74 neb. Gold-Busse, Gr. Frankfurter Str. 1 12 neben dandort, Invalidenstr. 164. Engros: N 4, Bergstr. 34. Tel.: Nord. 8214, Billige Bowlenweine Eierlikör„Advoka:" Derby-Cognac Soxer, schwarzbraun, weiße Brust, airf Lux Hörend, abhanden ge» lommen. Für Wiedererlangung hohe Belohnung. Mahr.' iloßplatz 3. Nettsnsngedote Für den Agitationsbezirk Hessen.Nassau werden zwei lüchtise Parteisekretäre gesucht. Reflektiert wird auf gute Kräfte, die größere yerwaltungsbezirke agitatorisch zu bearbeiten haben. Rednerische Be ähigung und Erfahrung in der Ver- waltungsarbeil Voraussetzung für die Anstellung. Be Werbungen, die Angaben über die bisherige Tätigkeit und Oehaltsansprüche enthalten, sind mit der Aufschrift.Bewerbung- zu richten an 'üai,l UJilile, Bezirkssekretär, 230/18» Frankfurt a. M� Allerheiligenstr. 57 I. fabrifs-porticr umsichtiger, energischer unb butdiau« erfahrener, mit allerhestett Zeugnissen gesucht. Bewerbungen von ehrenhaflin Leuten er» wünscht unter Chiffre P. 4 Jauptejpeö. des Pormärt» 15396 Die Sicherung Berlin, 22. Juli. Nach einer Meldung der Telegraphen- Union hat die deutsche Regierung an die Alliierte» eine Note ge- richtet, in welcher mit Rücksicht auf die politischen Vorgänge im Cflcn die Sicherung der deutschen Ostgebiete angc- zeigt wird. In Ostpreußen soll der Grenzschutz aus Ein- wohnern gebildet werden, während die Abstimmungsgebiete militärischen Schutz erhalten. Tie deutsche Regierung hat sich zu diesem Schritt veranlaßt gesehen, um die Alliierte» in die Lage zu setzen, das deutsche Borgehen in diesex Angelegenheit richtig zu b e'w c r t e n. Tic deutsche Regierung steht auf dem Standpunkt einer strikten Durchführung ihrer neu- tralen Haltung. Litauischer Vorschlag an Towjctruszland. jlowno, 21. Juli.(Litauische Telcgr.-Agcntur.) Um alle inoz- lichen Konflikte zwischen den' russischen Truppen iu den von Polen geräumten Gebieten Litauens und der litauischen Regierung zu vcr- meiden, verlangte der litauische Minister deS Acustcrn von der MoS- kauer Regierung die Anuahnie bestimmter Bedingungen. Danach dürfen die russischen Truppen eine von den beiderseitigen Heeres» citungen noch fcstzu>ctzcnde Demarkationslinie nicht überschreiten. Tie Zivilverwaltung soll vollständig in de» Händen der Litauer liegen. Tie Russe» dürfen nur in militärischer Hinsicht unbedingt erforderliche Verkehrs- linieu, Militärdcpots und andere Gebäude beschlag- nahmen. Weiter wird gesagt, daß nur durch strenge Befolgung der Bedingungen alle Konflikte zwischen de» beiden Regierungen ver- hütet werden könnlcii. Russisch-litauischer Streit um Wilna. London, 22. Juli.(WTB.) Nach einer„Times�-Meldung aus Kowno dauert der Streit der Bolschewisten und Litauer um Wilna an. l�ie Bolschewisten weigern sich, die Stadt zu räumen und haben unter dem Vorwande der mili- tärischen Notwendigkeit dort eine Zibilver waltung ein- gerichtet. � Die Litauer haben gegen diese Maßnahme Pro- t e st eingelegt und weigern sich, ihre Truppen in Wilna unter das Kommando der Bolschewisten. zu stellen. Katzenjammer in Warschau. Rotterdam, 22� Juli.*„Times" meldet aus Warschau: Ter Umstand, daß die Antwort der Bolschewisten auf das polnische Waffenstillstandsangebot noch nicht eingetroffen ist, verursacht in Polen B e u n r u h i g u n g. Die Polen glauben, daß die Bolschc- lviste» möglichst große Vorteile aus der mililärischen Lage ziehen wollen,-die ihnen im Augenblick sehr günstig ist. Amtliche pol- nisckie Kreise sind sich darüber klar, daß die von England gc- leistete Hilfe nur aus Kriegsmaterial bestehen wird. Vielleicht werden auch Freiwillige nach Polen gehen; aber wie ver- lautet; ist nirgends die Rede von der Absendung eines eng- lischen ExpeditionSheereS. Tie Ententehilfe: Nntersuchungskommissionen! Paris, 23. Juli. Die französische und die englische Regierung werden Kommissionen nach Polen zur Prü- sung der dortigen Lage entsenden; der englischen Mission wird der englische Botschafter in Berlin angehören. « Pur:?, 22. Juli. Die französische Mission, die zur Prüfung der Lage nach Polen entsandt wird, besteht aus dem iranzöstschen Botschafter in Washington, Jusserand, dem G e n e r a l st a b s ch e f des Marschalls Foch, sowie dem Botschafter- rat V i g n o n vom Kabinett Millerand. Die englische Mission � besteht aus dem englischen Botschafter in Berlin, Lord d'Aber- non, dem General Ratcliffe und Sir Maurice Sankey, dem Leiter des politischen Sekretariats Lloyd Georges. Tie beiden Missionen haben heute abend Paris verlassen. »- London, 22. Juli. tMeldung de? Hollandsch NieuwSbureau.) Nach der Mebe von Lloyd George im Unterhause erklärte Um Oela Khun. Oesterreich lehnt den Rücktransport ab.— Energische Antwort auch an Ungarn. Berlin, 22. Juli.(WTB.) Die österreichische Regierung hat der deutschen Regierung durch die hiesige österreichische Ge- sandtfchaft mitteilen lassen, daß sie sich weigert, de» Kriegs- gefangcnrntransport über die deutsch- österreichische Grenze zurückzulassen. Jnfolgcd:sscn ist die Rückbeförderung des Transportes vorläufig e i n g e st e l l t und sind die kriegs- gefangenen Russen nebst den politischen Personen, die dem Transport angeschlossen Wörde» waren, in der Nähe von Stettin untergebracht worden. Tie Entscheidung über die weitere Behandlung des Trans- partes wird getrosse» werden, sobald festgestellt ist, ob die öfter- reichisch« Regierung ans ihrem Standpunkt bcharrt. Wien, 22. Juli. Tie„Ttactskorivspondenz" veröffentlicht eine Erklärung, wonach der ungarische Geschäftsträger gestern dem Staatssekretär des AeuAern Dr. Renner im Namen der ungarischen Regierung mitteilte, daß diese mit Entrüstung davon Kenntnis erlangt habe, daß Bela Khun auf Verlangen der Sowfetregierung die Abreise ermöglicht worden sei. Ter Staatssekretär erwiderte dem Geschäftsträger, daß Oesterreich auf Grund der Vereinbarungen, die vor dem Sturze der Räteregierung zwischen antibolschewistischen konservativen Kreisen Ungarns und der österreichischen Regierung unter Vermittlung von Vertretern der Entente getroffen wurden, Bela Khun A s h l r e ch t gewährte, um eine blutige Katastrophe in Budapest zu vermeiden. Tie österreichische Regierung habe somit im Interesse Ungarns auf Ersuchen ungarischer Kreise die Last dieses Asyls auf sich genommen, obwohl sie vom ersten bis zum letzten Tage des ungarischen Räteregimes mit diesem in schwerem Konflikt lebte. Die heutige ungarische Regierung, erklärte Renner, behandelt die Mitglieder der Räter.'gierung als Verbrecher, was ihre Sache ist. Dieselben Männer werden jedoch von Rußland, mit dem wir nicht minder im Frieden leben wollen wie mit Ungarn, als verbündete Regierung beßandelr. Ihre Freiheit wird als Bedingung für die Rückgabe unserer Kriegsgefangenen gestellt. Oesterreich will an diesem Streit nicht teilnehmen, es sucht bloß die Interessen seiner Staatsbürger zu wahren. Von Ungarn veranlaßt, haben wir Bela Khun Asylrecht gewährt und unser Versprechen ge- halten, so lange das Asyl beansprucht wurde. Selbstverständlich haben wir die Interessen imierer Kriegsgefangenen, den Angelegen- heitm fremder Staatsbürger voranzustellen. Wir haben somit die Rechte Ungarns in keiner Weise beeinträchtigt. A s q u i t h, auch er erblicke eine ernste Ge f a h r für den Welt- frieden in der Per?:ichtung Polens. Es wäre auch eine große Gefahr, wenn die Sowjetrcgierung ihre große politische Macht bis zur deutschen Gr e Uze ausdehnen könne. Bolschewiftenpropaizanda bei den Arabern? Amsterdam, 22. Juli.(MTB.) Wie„Telegraaf aus London meldet, berichtet ein aus Damaskus zurückgekehrter englischer Jounalist, daß der Bolschewismus unter den Ära- bern-schnelle Fortschritte mache. Ein Sendschrei- bcn von Lenin und Trotzki, das dir Unabhängigkeit der Araber anerkennt, werde überall von der Bevölkerung b c- gierig gelesen. Yormarsch der flöten Armeen 8 is/rcrige land ergrau. Karte zürn militärischen Zusammenbruch Palens, Das Weichselgebiet will deutsch bleiben. Mariciiwerdcr, 22. Juli. Gestern fand im ganzen Weichselgebiet eine Massengundgebung der Bevölkerung statt, um gegen die von den Polen erhobene Forderung auf Abtretung dieses Landstreifens an Polen P r o t e st zu erheben. Es wurde eine Er- klärung angenommen, die von 4000 Frauen Ustd Männern unter- zeichnet ist und in der es heißt: .Tie wirtschaftliche und geographische Lage der an der Weichsel gelegenen Gemeinden verbietet die gewaltsame Aus- lösung einzelner G»meiuden aus dem natürlichen wirtschaftlichen Zusammenhang und bestehenden Reichsverband. Einig mit dem gesamren west- und ostpreußischen Abstimmungsgebiet erklären.sich die am 21. Juli versammelten Bewohner der Weichselniederuirg, daß sie auch die k l e i n st e Gebietsabtretung an Polen als eine Vergewaltigung des von den alliierten und assoziierten Mächten feierlich verlnndctcii SelbsldcstimmungSrcchtS der Böller und als eine Verletzung des Geistes des Friedensvertrages von Versailles ansehen werden." Ebenso wie die deutsche beteiligte sich auch die polnische Be- Völkerimg, die am 11. Juli für Polen stimmte, an dieser Erklärung. Das neue ungarische Kabinett. Budapest, 22. Juli.(Ungar. Telegr.-Korresp.-Büro.) Der Reichsverweser hat auf Vorschlag des Grafen T e l e k i folgende K a b i n e t r S l i st e angenommen: Präsident Teleki; Inneres Ferdinands; Finanzen Koranyi; Justiz Tomcsanhi; Kulws Hall er; Handel Rubinek; Ernährungswesen Szabo von Nagyatad; Volkswohlfahrt Benard; Minister für national« Minderheiten Bleher; Minister für kleine Landwirte Szabo von Sokoropaska. Das Ministerium des A e u ß e r n wird vorläufig durch den Mini st erpräsiden- len, das Ministerium für Ackerbau durch den Handelsminister geleitet. Horthy-Justiz. Budapest, 22. Juli.(Ungar. Telegr.-Korresp.-Büro.) TaS Divisionsgericht Budapest hat nach 14tägiger Verhandlung Aurel Stromseld, den' General st abschef der Roten Armee, wegen Hochverrats und Aufruhrs zu 3 3 M.o n a t e n Gefängnis verurteilt._ Unterwerfung öes Emir ßeflol. Paris, 22. Juli. Nach einer Havas-Melbung aus Beirut hat Emir Fcssal folgende Punkte von General Gourauds Be- dingungen angenommen: Anerkennung des Man- datz Frankreichs über Syrien, Frankreich erhält das Recht zuerkannt, über die Eisenbahnlinie Rayak— A l c p p r zu verfügen, Besetzung von?n e pp o und der Bahnstatio- nc» zwischen Alcppo und Rauak, sofortige Einstellung der Zwangs- aushebungen, die Armee des Schcrifen auf die Stärke vom 1. Dezember 1919 zurückzuführen. Das syrische Geld erhält Kurswert, Bestrafung de« Urheber der gegen französische Soldaten begangenen Attentate. Paris, 22. Juli. Nach einer Davas-Meldung aus Beirut bat General Gouraud eine Proklamation an die Bevölkerung der Städte Hau», A l e p p o, Hämo und Damaskus erlassen, um die Bevölkerung, die für Ordnung und Frieden ist, aufzufordern, sich den Franzosen anzuschließen, derey Absicht es sei, die E x t r e m i st c n zur Ruhe zu bringen, die seit langem die Entwicklung des Landes verhinderten. Amsterdam, 22. Juli.„Times" erfahren aus Kairo: Der König von HetschaS hat in einem Telegramm an Lloyd George seiner Ueberraschung uno Eni-' rüstung über die rücksichtslose Politik der Franzosen in Syrien Ausdruck gegeben und um Intervention Eng- -anos gebeten. Ter König sagte, er sei nicht imstande, die Brüder des Emir Fessol daran zu hindern, dem Emir zu Helsen. Wilson beruft öen vö'lkerbunö ein. Für den 15. November in Genf. London, 22. Juli.(T. ll.) Ter Generalsekretär des Völker- bundes hat vom Präsidenten Wilson folgendes Telegramm er- halten: Infolge des Beschlusses des Völkerbundes, eine(tz e n e r a l- Versammlung des Bölkcrbundcs einzuberufen, habe ich die Ehre, gemäß den Bestimmungen des Artikels 3 der Bundesstaaten die Generalversammlung des Bundes nach der Stadt Genf, dem Sitz des Bölkcrbundcs, auf den 13. November, vormittags 11 Uhr, einzuberufen. wie Kappiften verfolgt werven. Vor einiger Zeit brachten wir eine Notiz, dt« sich mit Vorgängen in Ostpreußen während der Kapp-Tage befaßte. Wir konnten mitteilen, daß ein übereifriger Anhänger Kopps, der Seminardirektor Fürstenau in R ag n i t, sich seinerzeit be- eilte. Kapp zum Gelingen seines Verbrechens telegraphisch zu b e- glück wünschen, und daß dies Telegramm, obwohl das ReichS- postmlnisterium damals die Abnahme und Versendung von Glück- Wunschtelegrammen wegen Ueberlastung der Tclegraphenleitungcn ganz allgemein verboten hatte, auf Anordnung der Ober- postdirektion in Gumbinnen doch befördert worden ist. Diese Notiz hat die Aufmerksamkeit der Behörden ge- fanden, was an und für sich durchaus Erfreulich ist. Wer nun aber meint, daß sich diese Auimerksamkeit, dem kappistischen Se» minardirektor oder dem betreffenden Beamten der Ober» postdirektion zuwendet, und wer da glaubt, man würde diese zur Verantwortung ziehen, der befindet sich in einem schweren Irrtum. Getreu dem Grundsatz unserer republikanischen Behörden, die Kappisten zu schützen�, wo und wie es nur geht— wie die sogenannten Untersuchungsausschüsse(besser Vertuschungsausschüsse) der Behörden, arbeiten, pfeifen nachgerade alle Spatzen von den Dächern— ist nach unserer Kenntnis auch in diesem Fall gegen die Belasteten noch nichts geschehen. Dafür hat aber der Staatsanwalt in Tilsit— auf Ersuchen der Postbehörde???— ein Verfahren anhängig ge- macht, um herauszubekommeri, ob ein Beamter deS Postamts in Ragnit der Urheber unserer Notiz gewesen ist! Mit an- deren Worten, man sucht einen S ü n d e n b o ck, um die Auf- merksanikcit von dem eigentlichen Straffälligen ab» lenken und diesen entwischen lassen zu können. Zu seiner Beruhigung wollen wir dem Herrn Staatsanwalt mitteilen, daß Ivir die betreffende Mitteilung, die doch offenbar zutrifft, nicht aus den Kreisen der Ragniter Postbeamten erhalten haben. Um die Sache mit dem Telegramm publik zu machen, war es auch gar nicht erforderlich, daß diese Beamten aus der Schule plauderten. Das hat Herr Fürstenau selbst zur Genüge besorgt, indem er den Vorfall jedem, der es wissen wollte,' erzählte. Der Herr Staatsanwalt wird also gut tun, anstatt Unbeteiligte durch überflüssige E r m i t tel u n g s v e r f ah r c n zu bcun- ruhigen und zu drangsalieren, seine Aufmerksamkeit darauf zu richten, datz wirklich Schuldige ihrer Strafe zugeführt »erden. Die Taktik der Stinnes-Leute. Duisburg, 22. Juli.(Eigener Drahtbericht deS„Vorwärts".) In der Stadlverordnetensttzung äußerte sich der StinneS sehr nahe- stehende Großindustrielle K l ö ck n e r in sehr scharfer Weise über da§ Kohlenabkommen von Spa. Er erklärte, daß das pro- jektierte Konvnunalunternehmen der Stadt Duisburg am besten unterbliebe, weil das Kohlenabkommen von Spa das Todes- urteil des Ruhrgebiets bedeutet. Bon sozialdemo- k r a t i s ck> e r Seile wurde ihm entgegnet, diese Auffassung sei viel zu pessimistisch. Die Arbeiterschaft würde sich die Versklavung durch die Entente nicht gefallen lassen. Der Siabl« und Kohlenmagnat Kiöckner, der dem StinneS« lonzern angehört, war einer der Schöpfer der annexio- nistischen Denkschrift der rheinischen Jndustrieverbände. Auch er hat die Deportationen belgischer Arbeiter befürwortet und sich an der L i g u i d a t i o n belgischer Industrieunternehmen ganz gewaltig bereichert. Aehnlich wie Stinnes versucht er nun die Lage schwarz in schwarz zu malen und hofft vielleicht damit die Arbeiterschaft des RuhrrcvierS zu ent. muligen und somit letzten Endes die Besetzung des Industriegebietes durch die Franzosen doch herbeizuführen, nachdem ihm und seinen Freunden dieses vaterländische Unternehmen in Spa nicht ge- glückt ist._ Serbische Kabinettskrise. Die s�elgrader Blätter melden, daß das Kabinett demissioniert hat. Dr, W e s n i t s ch ist mit der Neubildung beaustragt. !ekte Nackrichten. Raubmord in einem Hotel am Anhalter Bahnhof. In dem Hotel Münchener Hof in der Königgrätzer Str. 34 stieg gestern vormittag ein Paar ab, das sich als Kaufmann Hermann Bartels und Frau aus Oderberg in das Fremdenbuch eintrug. Nachmittags gegen 5% Uhr kam ein Herr, der Bartels zu sprechen wünschte. Er wurde von dem angeblichen Ehepaar empfangen. Etwa eine halbe Stunde später hörte ein«Zimmermädchen einen Schrei. Sie teilte ihre Wahrnehmung dem Kellner mit. Dieser betrat das Zimmer und nahm einen scharfen Geruch wahr und sah einen Mann regungslos auf dem Fußboden liegen. Die Hände waren ihm mit einem Tischläufer über dem Kopf gefesselt, die Beine mit einem Handtuch zusammengebunden und außer- dem hatte er noch einen Knebel im Mund. Der Hotelwirt be» nachrichtigte das zuständige Polizeirevier und einen Arzt. Der erschienene Arzt stellre fest, daß der starke Geruch von Aether her- rührte. Eine leere Flasche wurde auch noch im Schrank gefunden. Der Zimmerinhaber und seine angebliche Frau scheinen das Gift benutzt zu haben, um den Besuch zu betäuben. Als die gewünschte Wirkung dann aber nicht schnell genug eintrat, haben sie ihm Knebel in den Mund gesteckt und Hände und Füße gefesselt. Die Leiche wurde dem Schauhause überwiesen. Die Ermittelungen ergaben, daß der Ermordete wabrscheinlich ein Kaufmann Paul Wolfner aus der Prinzenstraße 89 ist. Er ist offenbar von dem angeblichen Bartels zum Abschluß eines großen Geschäftes nach dem Hotelzimmer bestellt worden, um ihn dort zu überfallen, zu betäuben und zu berauben. Ter Mörder hat sein Opfer auch vollständig ausgeplündert.« Die Kriminalpolizei fahndet jetzt auf das angebliche Ehepaar. Der Mann ist»etwa 26 Jahre alt und schlank, hat schwarzes, gescheiteltes Haar und einen schwarzen Schnurrbart, seine Begleiterin ist ungefähr ebenso alt und mittel- groß, hat gekräuseltes Haar und trug einen großen, breiten schwarzen Hut und schwarze Halbschuhe. Der Staatsanwalt har auf die Ergreifung der Täter eine Belohnung von 3009 Mark ausgesetzt. GewerMaDbewegung Arbeitslosigkeit— UeberstunSenunwesen— �chtsiunüentag 1 Ter Zentralvcrband der Angestellten schreibt uns: Nach der Verordnung vom 12. ll. 19 darf die Arbeitszeit der Arbeiter und Angestellt-ir 8 Stunden am Tage nicht überschreiten. Dieie Verordnung enthält in§1 Ziffer 2 eine Nusnahmebestiminung. Hiernach ist für Arbeitsleistungen nn öffentlichen Interesse die Ar- beitszeil unbegrenzt. Ter Begriff öfsentliches J.nteresse wird häufig nicht so ausgelegt, wie in der Verordnung vom 12. 3. vorgesehen. Das llnternehmerlum nutzt diese Ausnahmebestimmung weidlich aus und man muß sick wundern, daß der Temobil- machuugs-Kommissar, Viktoriastr. 24, eine Stelle, die mit dazu bei- tragen soll, die wirtschaftlichen Verhältnisse nach dem Kriege in geordnete Labnen zu lenke», also auch der Arbeitslosigkeit zu steuern, ihre Genebmigung zur ausgiebigen lleberstnndenarbeit gibt. Wenn man durch die Straßen Berlins gebt, io wird man in den großen Bankhäusern sowie deren Filialen selbst in dieser heißen Jahreszeit die Angestellten dort noch oft nach 8 Uhr bei der Arbeit sitzen sehen; sie haben ihre achtstündige Arbeitszeit weit über- schritten. Im VersrcheruirgSgewcrbe ist wieder die Heimarbeit an der Tagesordnung. Hier gibt eS Angestellte, die weit über ihre Tages- arbeitsleistung sich Arbeit mit nach Houle nehmen und brs in die Nacht hinein Arbeit leisten und das alles, wo eine so ungeheure Arbcitslosenziffer besteht. Allein auf dem kaufmännischen Arbeitsnachweis der Stadt Berlin sind über 39l>l) männliche und 15 00 weiblich? Arbeitslose gemeldet. Hiermit sind bei weitem nicht alle arbeitslosen kaufmännischen Angestellten erfaßt i denn eine Reihe arbeitsloser kaufmännischfr Angestellten meldet sich nicht bei diesem Arbeitsnachweis. Hinzu kommt, daß viele kaufmännische Betriebe bereits mit verkürzter Arbeitszeit und verkürztem Lobn arbeilen. Angesichts dieser Talsachen sollten die Anoestelltenräte solcher Be- triebe, in denen Heimarbeit an kaufmännische Angestellte hergegeben und Ueberarbeit über die gesetzlichen Vorfchrikten hinaus geleistet wird, darauf hinwirken, daß stellungslose Angestellte zur Verrichtung dieser Arbeiten eingestellt werden, Die Behörden, die mit darüber zu entscheiden haben, ob die Arbeiten, die im öffentlichen Interesse notwendig sind, nach der ge- setzlich festgelegten achtstündigen Arbeitszeit geleistet werden, sollten mehr ihr Interesse der jetzige» Arbeitslosigkeit zuwenden und nicht bei den Untersuchungen, ob öffentliches Interesse vorliegt, den Ein- wand erheben, daß Raummangel eine weitere Einstellung von Ar- beitskrästen unmöglich macht. In vielen Fällen ist es möglich, eine Schichtarbeit einzuführen, e§ wäre dann eine Anzahl stellungsloscr, kaufmännischer Angestellten untergebracht und die Erwerbsloiensürsorge entlastet. Den Angestellten, die diese Ueberstundenarbelt in den Banken und andercu Betrieben leisten, rufen wir zu: »Rkacht ein Ende.mit Eurer Ueberstundenarbeit. denkt an Eure arbeitslosen, hungernden Kollegen und Kolleginnen." Tie gescheiterten Tchlichtnngsverhandlungcn im VersicherungSgewerbe. Zu der durch WTB. verbreiteten Notiz erklären die drei Spitzen- orgaiiifationen, daß die Ablehnung des Schiedsgerichts keinesfalls ihre Ursache in dem verkündeten Beschluß dxS Schiedsgerichts habe. Sie erfolgte vielmehr lediglich deshalb, weil Herr Dr. Foth als Vorsitzender des Schiedsgerichts, ebendasselbe sich zurückzog, sich ausdrücklich als Schöpfer der Ortsklaneneinteilung der Banken be- kannte. Zu den Anträgen der Angestelltenorganisationen, die sich gegen die Einteilung als solche richlelen. bemerkte Herr Dr. Foth, die besonderen Verhältnisse der neutralen Jone. deS besetzten Gebiete» und der Abstimmungsgebiete seien in der Bankortsklassen» einteilung bereits zum Teil berücksichtigt. Herr Dr. Foth sei also in diesem Fall zweifelsohne als Vater dieser OrlSklosseneinteilung Partei und könne unmöglich über sein eigenes Erzeugnis zu Gericht sitzen. Tie Arbeitsgemeinschaft der Angestellten in der keramischen Industrie Teutschlands hielt dieser Tage ihren zweiten Reichs- dclcgiertentag ab. Ueber 400 Delegierte aus allen Teilen des Reiche» hatten sich eingesunden. Von den Organisationen war ut a. die Asa vertreten. Ter Vorsitzende Schwotzer erstattete in längeren Ausführungen den Jahresbericht seit der am 22. Juni lSlö erfolgten Gründung der Arbeitsgemeinschaft. Hieran schlössen sich die Berichte der Vorsitzenden der Abteilungen: Mittel- Deutschland I und II und der Abteilung LstdcutschlanK. Seit dem Scheitern des Reichstäriss war es nur für Bahcrn und Groß-Berlin möglich, Bezirtslarife zustande zu bringen, wäb- rend in SÄlesien sowie in Thüringen nur Orts- und HauStarife abgeschlossen werden konnten. Im Verlauf der Tagung wurde eine Entschließung angenommen, in der es heißt: Tie versammelten Angestellten der keramischen Industrie betonen, daß vor einer bedeutenden Senkung det Lebensmittelpreise ein Preisabbau in der keramischen Industrie nicht von der.Kürzung der zurzeit be- zahlten oder zuständigen Gehälter abhängig gemacht werden-kann. Die gesamte Angestellrenschaft kann es den Unternehmern nicht vergessen, daß sie in Zeiten der.Hochkonjunktur, in fvelcher Unter- nehmungen der keramischen Industrie Gewinne in noch nie �a- gewesener Höhe herauswirtschaften tonnten, den größten Eni- Kehrungen ausgesetzt war. Es liegt bei den kommenden Tarif- Verhandlungen in der Hand der Arbeitgeber, daß die berechtigte Verbitterung nicht noch stärker in weiteren Kreisen Platz greift. Die versammelten Delegierten der Angestellten der kcrami- scheu Industrie Deutschlands fordern von de» Ärbeitgeberver- bänden unverzüglichen Abschluß von Bezirk st arifver- trägen. Die Angestellten gründen ihre Forderung aus die Ber- einbarung zwischen Arbeitgeber- und Arbeitnehmerverbänden vom 15. November 19)8. Di? Arbeitgeberorganisationen einiger B- zirke haben den Abschluß bezirklicher Verträge abgelehnt. Die Spitzenorganisationen der Angestellten werden oeauftragt, bei der Reichsarbeitsgemeinschaft die Forderung der Angestellten vertreten und die Arbeitgeberverbände vor die Reichsarbeirsge- meinschaft laden zu lassen, um eine Acuderung des unhaltbaren Standpunktes herbeizuführen. Eine Vctriebsversnmnilung der gesamten Arbeitnehmerschaft der Iudisckrn Gemeinde beschäftigte sich am 21. Juli eingehend mit den Besoldnngsveihältniffcn der Angestclltenschcrst. Die Ver- sammlung nahm folgende Resolution an: „Die am 21. Juli im Plenarsitzungssaal, Rosensir. 2/4, ver- samnielten Beamten, Angestellten und Arbeiter, die gesamte Arbeilnehmerschaft der Jüdischen Gemeinde zu Berlin erhebe» in Erwägung der äußerst drückenden wirtsckmstlichen Notlage aller Angestellten und in Erwägung dessen, baß von irgend- welcher nennenswerter Verbilligung der Lebenshaltung noch nichts zu spüren ist, an den Gcmeindevorstand und an die Re- prösentantenversammlung die Forderung, unverzüglich die Bc- soldungsordnung des Magistrats der Stadl Berlin für sie in Wirksamkeit zu setzen»nd sofort einen Vorschuß von 1000 M. zu bewilligen. Die Versammelten sind fest entschlossen, falls innerhalb. zehn Tagen ihre Wünsche keine Befriedigung erfahren haben, vor kcinew Mittel, auch nicht vor der Arbeits- n i c d e r le g u ii g zurückzuschrecken, um sich eine menschenwürdige Existenz zu erringen." Außerdem wurde eine Kommission von fünf Mitgliedern ge- wählt, die die Verhandlungen und die Interessen ihrer Auftrag- geber bis zur letzten Konsequenz wahrzunehmen hat. Tie in der Versammlung anwesenden Vertreter der Gcwerk- schasten haben die weitgehendste Unterstützung zugesagt. Rechtsverbindliche Tarifverträge. Der zwischen dem Deutschen Transportarbeiterverband. Bezirk Groß-Berlin, und dem Verband der Berliner Kohlengroßbändler am 8. Mai 1920 abgeschlossene weitere Nachtrag zu dem allgemein verbindlichen TarEvertrag vom 12. Mai 1919 zur Regelung der Lohn- und ArbeitSbedingnngen der im Kohlenhandelsgewerbx befchäsligteit gewerblichen Arbeiter ist für das Gebiet Groß-Berlin niit Wirkung vom 3. Mai dieses Jahres gleichfalls für allgemein verbindlich erklärt. Desgleichen ist der zwischen dnir Deutschen Musikerverband. Ortsverwaltimg Berlin, dem Jntcreffenverband des Gastwirtgewerbes und verw. Betriebe E. V.. dem Verein Berliner Hotelbesitzer E. B., der Gastwirteinnung zu Berlin, der Gastwirteinnung des Kreise? Teltow und der Stadtbezirke Schöneberg, Neukölln und Wilmersdorf, dem Provinzialverband des Deutschen Gastwirtsverbaiides E. V., dem Verband der Gast- und Schankwirte Deutschlands, dem Ver- band der Gast- und Schankwirte für Berlin und die Provinz Brandenburg und dem Verein der Saal- und Konzertlokalinhober von Berlin und Umgegend am 31. März 1920 abgeschlossene Tarif- vertraa zur Regelung der Lohn- und Arbeitsbedingungen der Musiker in Gaststätten für das Gebiet Groß-Berlin mit Wirkung vom I.Juni 1920 für ollgemein verbindlich erklärt. Deutscher Mefallarbriter-Berband. Sonnabend, den 24. Juli abends 8'/. Uhr: Branchen-Versammiimg der Kesselschmiede und L> e l f e r' Groß- Berlin? in Schul,' Prachtsälen. KönigSgraben 9, um Alerandciplatz. Tagesordnung; Wabl eines Delegierten zur Reichs- konicrenz; Branchcnangelegenheitcn; Abrechnung vom Vergnügen; Ver- schiedenes. flentrolverband der Maschinisten und Heizer. Sonnabend, den 24. Juli, abend? s Uhr, Okirerlichastshans. großer saal. außerordentliche Mitgliederversammlung. 1. Kohlennot und wirtschaitliche AuSnüßung der Brennstoffe lExperimentalvortrag des Herrn Oberingeneurs Spitznns, Leiter der staatlichen Heizerkurse). 2. Verschiedenes. Auch nickt bei uns orgaui- sicitc Berufskollegen haben Zutritt. Tie Orisverwaltung. Soziales. biegen das Gutachten des Kassenarztes. Eine allgemein interessierende Auffassung vertrat die Allgemeine Ortskrankenkasie der«ladt Berlin kürzlich dem Vcrsicherungsaml gegenüber bezüglich des Gutachtens des Kassenarztes Dr. F. Das Mitglied der Kasse, ein Fräulein-Martha M.. war längere Zeit arbeitsunfähig krank in Behandlung des Dr. F. Im April 1919 hielt Dr. F. eine Aufenjhaltsveräitderung für das Mitglied dringend notwendig und beantragte bei der Kasse einen drenvöichgen Landaufenthalt. Da das Mitglied in einem kleinen Kranken. Haus beschäftigt war und es donselbst als arbeitsunfähig nicht ver- bleiben konnte, gab es aus der Kasse die Erklärung ab. daß es bis zur Entscheidung über dui Landaufenthalt weiterarbeiten müsse, da die Raumverhältnisse ein Verbleiben i» dem Krankenhaus ber Arbeitsunfähigkeit nicht gestatten. Bei der fftachuntcrsuchung des Mitgliedes durch den Vertrauensarzt der Kasse wurde der bean- iragtk Landaufenthalt für nicht notwendig erachte?, da das Mitglied ja weitergearbeitet habe und dcinnach nicht krank sein könnte. ' Gegen diesen Bescheid erhob das Mitglied Einspruch bei dem Vcrsicherungsamt der Stadt Berlin mit der Begründung, daß aus der augenblicklichen Fortsetzung der Arbeit sich ein Verstoß gegen den z 24 der GeschäftSantpeisung der Berliner Kassenärzte, welchen die Kasse für die Verweigerung des Landaufenthaltes anführte, nicht herleiten lasse; auch die Landestersicherung könne ibre Antragsteller nicht gleich verschicken, dieselben müßten vielmehr ibrer beruflichen Tätigkeit no cheine Zeit lang nachgehen, ohne desbalh lvenigcr krank zu sein. Tie Fortsetzung der Ar/seit sei lediglich aus einer Zwangslage erwlgi, denn die Ausnahme in einem Krankenbausa für die Zeit bis zur Entscheidung über den Landaufenthalt seitens der Kaisc wäre für das Mitglied unnützer Zeitaufwand gewesen. Nach Einholung eines erneuten Gutachtens seitens des Veriiche- rnngSamts von Dr. F. entschied das Versichevnngsamt im Juni dieses Jahres, daß der Einspruch za Recht bestebt und die Kasse zur Nachzahlung des Krankengeldes für die Dauer von drei Wochien, welche das Mitglied auf eigene Kosten verbracht hatte, verpflichtet sei._ Gerichtszeitung. Unnötige Gcld- und Zeitvergeudung macht sich in letzter Zeit vielfach bei den Moabitcr Gerichten geltend.— Nach de» Vorschriften der Ttrasprozeßordnuna muß zwischen dem Ta-w der Zustellung der Ladung eines Angeklagten z» dein Hauptverhandlimgstermin und diesem Termin selbst eine gewisse Frist, die sogenamite Ladungsfrist. liegen. Da die Termine ichkalae der bekannten und durch Bcamtcnmangel noch ver'chärsten Ilebcrtastung der Gericht? schon mehrere Monate vor dem BerhaudlunaStage angesetzt werden, so kommt es in /letzter Zeit leidest sehr häufig vor, daß seitens der Gerichtslchrcibercicn die Ladunaen der 2!n_ �ugenüveranstaltungen. Heute«/„H Uhr: Malilsdors: siuoi'nbbeim Wolde, scellraße. Schule. Dichterabend— Moabit: Iuo-ndlieim Woldeileeltr. 20, Schule. Vortrag.— Neukölln: Jugendheim Noaatltr. 53. Vortrag: Die iozialiltiichen Parteien.— Niederlchöntiaulen: Iugendbeim. 1. Genicindcichule. Blankenburger Sträße WifO. Diskussionsa'eird.— Nordosten: Jugendheim Pasteur- strabe 44/48. Aula der Oderrealichulc. Vortrag: Die Entstehung der Erde. — Often-Petershurger Viertel: Jugendheim Straßmannitr. 20. Dis- tuiffonsabend: Unsere spiele im Freien.— Rcintckeiidorf-Dst i Jugendheim. 3. Meme'ndelchnle. Lette,?lllec. Diskuiffon: Erfurter Programm.— Svandau: Jiwendheim. Oberlvzeum. As kam erring. Leseabend..— Süden: Jugeudkeim. Memeindeichulc, Kilmsltr. 10. Vortrag: Kunst und Proletariat.— Trcvtow- Baumschulcnweg: Jugendheim Elsenstr. 3. Leicabend: Wilhelm Büsch. Perantw. kür den redakt. Teil: Tr. Werner Peiser, Charlollenburg: sür Anzeigen: 16. Wlurte. Berlin. Verlag: Vorwärts-? erlag G.m.b.H.. Berlin. Druck: Vit- wärls-Buchdruckerei u. Verlagsonstalt Paul Zinger u. Co.. Lerli.l, Lindenstr. 3. _ Hierzu 1 Lctlagc._ Ohne Rückficht auf den bisherigen Preis ••••••••••••••••••••••••••••••«••• Angehet für die Zeit vom 7-25. Jufi' Sakkoanzüge�) Serie I................. M. 875.. Serie II................. M. 1075— Serie III................. M. 1275— Bunte Oberhemden mit passend. Kragen: Serie I.................. M. 85.- Serie II.................. M. 125.- Serie III.................. M. 1 65.- Serie I................. M. 875. Serie II................. M. 1075. Serie III................. M. 1275. (�Herrenwäfche Reinseidene Krawatten...... von M, 15.- an Sporthüte und Mützen...... von M, 35,- an Unfere fertige Kleidung ist ebenbürtig jeder Maßarbeit und aus besten englischen Stoffen hergestellt 1 � q/ /o Auf alle anderen Artikel eine Preisermästigung von Gehr. Wo(ff �7) Keffer, Berfin W, Leipziger Straße 29 Ecße TrieLn'cßstraße Das Haus der Herrettmoden 0