Ztr. 57. Jahrgang Ausgabe B Nr. 46 Bezugspreis: N«t«l1Zhrl.!»�-MU.mi>nat>.l0— Mt. ftd tue Hau», oormis /.ahldar. Pon- bejafl: Monatlich 10,— MI. Zu. stÄlimg«gebühr. Unter Rttusbonb für Deutschland und Oesterreich 16,10 MI. für da» übrige Ausland cei taglich einmal, gustellun, 2150 M Pollre» ftellungen nehmen an Oesterreich. Ungarn, Tschecho-Slowalei, Dane- Marl, Holland,.nremdurg, Schweden U»b dl» Schwei».— Eingetragen in die Dost» Deining«.?re>?lilte. Der.Vorwärts� mit der Somuag»- beilage.Doik u-Zeit� ertchein» wachen» täglich zweimal. Sonntag» und Man- tag» einmal. Telegramm-Adreffe aSojiotftcniottal Berlin" Abend Ausgabe rf» Vevlinev VolKsblsti ( 20 Pfennig} AuzeiaenpreiS: Die achtgefvalten» SloitporeiHejetl« losteiZ,— M.,Teuer»tNg»zufchIag S0°!» .»leine Anzeigen", das len- gedruckte Wort 1,— M.(zulässig zwei settged ruckte Wortes, jede« weitere Wort 60 Dsg. Stellengesuche und Schloisiellenanzeiqen da» erst« Wort 65 Dfg. lede« weitere Wort«0 Psg. Worte über 15 Buchstaben zählen für -wei Worte. Teueruna»zuichlaa 30»/� isamilien-An, eigen für Abonnenten Feüe 2.— M, volitijche und wertschaftliche Vereins- Anzeigen Z.— Ml. die Zeile ohne Ausschlag. Anzeigen für die nächst« Nummer müssen bis 6 Uhr nachmittag, im Sauvtgeschält. Berlin SB 66, Linden- strahe 8. abgegeben werden.«Seblsne! «an 9 llhr ruh die 5 Uhr abends. Zentralorgan der foztaldemokratirchen partet Deutfchlanda Ueöaktion und Expedition: SW. 68, Lindenstr. Z. SVentfuretHer: Amt Morinvlan, Nr. l.»I.g0—»Z1S7. Freitag, den ÄZ. Juli IVÄV Vonvärts-Verlag G.m.d. K., EW. 68, Lindenstr. Z. Feruivrecher: Amt Moritrplat?. Nr. 117 33—54. polen vor öer Entfiheiöung. Parts, 23. Juli(Ttt.1. Wie aus Warfäiau gemeldet wird, stud zwanzig frische bolschewistische DivifUorn herangeführt worden »üb fiud a« der CffenftBe im Norden zwischen Cuwalki und Augustowo beteiligt. In Kürze soll eine EntscheidungS- s ch l a ch t stattfinde«. Wie weiter gemeldet»vird, bereite« die Pole« die Räumung von Bjelostot vor. Paris, 23. Juli.(Meld, des Hall. Nieuwbbureaus.) Hier liegen Nachrichten über dir Räumung Warschaus durch dj» ZivilbevSllerung vor. Genaue Einzelheiten nbxr die Lage an der polnischen Front fehlen jedoch, da seit zwei Tagen kein amtlicher polnischer Bericht mehr eingetroffen ist. « Nach ciner Warschauer Meldurig de?.Homburger Fremden. VMitS" ist dort ein Funkspruch aus Moskau eingetroffen, vi dem die Bolscheivisten die Vermittlung von dritter Seit« ab- lehnen und direkte Verhandlungen mit der polnischen Regierung verlangen. Nach Eingang dieses Funkspruchs tral der Verteidigungsrat zusammen. In erster Linie wurde de- schlössen, ein Ministerium der nationalen Verteidigung zu bilden. An diesem werden alle Parteien, einschliesslich des lin�ni Zentrums, beteiligt fein. Für das Auhenministerium ist der Sozialdemokrat DaZzynSky ausersehcn. Gleichzeitig wurde ein Funkspruch for- muliert, in dem sich die neu gebildete Regierung im Namen Polen; an die Räteregierung mit der Bitte um Waffenruhe wendet Die Danziger Arbeiter boykottiere« die polnische Armee. Danzig, 23. Juli. Wie die Danziger Zeitung meldet, ist gestern morgen lm Hafen von Neusahrwasser ein polnischerDampser mit Kriegsmaterial fiir Polen eingeiaufcn. den die Hafen. arbeiter»ittags entladen sollten. Da die Arbeiter sich wei- gerten, diese Arbeit anSzusühren, bemüh« sich der polnische Vertreter um die Vermittlung des christlichen und des deutschen TransportarbeiterverbandeS und begab sich mit den Führern der Organisationen nach Ncufahrwasser. Eine Einigung kam jedoch nicht zustande, da die Arbeiter drohten, die gesamte Hafenarbeit zum Stillstand zu bringen, wenn einige Arbeitswillige die Arbeit ausnehmen würden, die Organisationsvertreter haben daraufhin ihre Vermittln ngStäfigkeit eingestellt._ Österreich und Deutschland. Wien, 23. Juli. Die Nationalversammlung erledigte eine Reche von Äesetzcmwüifen. darunter daS fünfmonatige Budget. Provisorium bis Ende 1020. Der grossdeutsche Abgeordnete S ck ü r f f brachte einen Antrag ein, wonach mit den Wahlen zur National- Versammlung am 17. Ollober unter voller Beachtung der in Ar« tikel 88 des SlaatSvertrageS von St. Germain entbaltenen Ber» pflichtungen eine Volksabstimmung verbunden werde» soll, um den Willen der österreichischen Wählerschaft hinsichtlich de» An- schlusseS Oesterreichs an Deutschland festzustellen« Italien und die Sowjetregierung. Rom. 22. Juli.„Avanii* ersMrt, daß die italienische Regierung dem Vertreter der Sowjetregierung Wodowosty einige Bor- rechte zugestanden habe, die gewöhnlich den diplomatischen Agenten bewilligt werden. Caillaux lehnt eine Begnadigung ab. Paris, 23. Juli. Die Sozialisten hatten gestern im Ver- laufe der Amneftiedebatte in der Kammer den Antrag gestellt, d-kss auch die wegen politischer Vergehen Verurteilten im die Reihe der Begnadigten einHegrisfrn sein sollten. Caillaux' Advokat de Moro Maffori erklärte jedoch Caillaux wolle keine Begnadigung, irnh änderte den sozialistischen Antrag dahin um, datz die Verurteilungen deS StaavsgerichtShofeS von der Begnadigung ausgeschlossen sein sollten. Der Gesamtantrag wurde aber mit 400 gegem 204 Stimmen abgelehnt. Litauen und polen. Kown», 22. Juli.(Litauische Tesegraphen-Agentur.s Zwischen der gestern nach Kowno zurückgekehrten litauischen Delegation und der Leitung der russischen Truppen in Wilna wurde für die Zeit. in der' die russischen Truppen aus strategischen Gründen auf litauischem Boden stehen müssen, ein« vorläufige Demarka. tiunSIinie zwischen den litauischen und den rusfischen Truppen festgesetzt. Sie verläuft von Svienziany über Neu-Troky nach Omny und Grohn». In Wilna arbeitet ein« litauische Kommandantur. Um die Lage der vorläufig von russischen Truppen besetzten litauischen Gebiete zu klären, bat das Ministerkabinett beschlossen, eine Abordnung nach Riga, eventuell nach Moskau zu entsenden, hie mit den Sowjetbehörden verhandeln soll. Die Türk?! unterzeichnet. Amsterdam, 23. Juli..Times" meldet aus Konstantinopel: Tie Regierung beschloß. Reschid Bei im Paris telegraphisch zu beauf- tragen, den Ententemächten mitzuteilen, dass die Türkei den Friedensvertrag unterzeichnen wird und dass die mit der Unterzeichnung beauftragten Delegierten so schnell wie möglich nach Paris reisen werden. Vandervelöe als Ankläger ! Wir haben heute morgen hier gesagt, dass wir auf Vomder- veldeS Antwort auf die deutsch« Denkschrift an den Sozialisten- kongretz über die Frag« der Kriegsschuld ausführlich erst eingehen wollen, sobald die der Oefsentlichkeit noch gar nicht be- kannte Denkschrift veröffentlicht sein wird. Wir hoffen bis dahin auch den offiziellen Worllaut der belgischen Gegenschrift in Händen zu haben und nicht auf einen telegraphischen Bericht angewiesen zu sein, den zur Grundlage einer Polemik zu machen ernigermassen gefährlich ist. Einstweilen sei nur gesagt, dass eS uns schwer fällt. den telegraphischen Bericht für richtig zu halten und datz wir sehr erstaunt wären, wenn er richtig wäre. Ez soll den M« h r h« i t s sözialisten. der Vorwurf gemacht worden sein, dass sie nicht gegen die Verletzung der belgischen Neu- tralität prolestierten. Als die belgische Neutralität verletzt wurde, gab eö in Deutschland noch eine einige Sozialdemokratische Partei. Die psychologischen Gründe dieser damals von der ganzen Partei begangenen Unterlassung sind in der deutschen Denkschrift dargelegt. Wir sollen»kaum ein Wort des Tadels� gegen die Ber» schleppung französischer und belgischer Arbeiter geäussert haben. Vandervclde muß wissen, dass wir gegen diese Verschleppung euer. gifck und nicht ohne Erfolg intervenierten. Hunderte dieser Un- glücklichen wurden durch unS befreit und schliesslich wurde infolg« unseres fortgesetzten Drängens die ganze Verfügung aufgehoben. Wir sollen den Frieden von Brest-LitowSk»genehmigt und sachlich unterstützt" und dadurch die Weigerung der Belgier, nach Stockholm zu gehen, hervorgerufen hoben. Wir haben den Frieden von Brest-LttowSk— der nachträglich an dem von Ber- sailleS gemessen noch als ein recht bumaner Frieden erscheint— � ich t genehmigt und haben dann die Art, wie dieser Frieden aus- �efiülrt wurde, auf daS entschiedenste bekämpft. Ausserdem wurde der Frieden von Brest-Litowsk im März 1313 geschlossen, die Kon- ferenz von Stockholm war im Juni 1317! ' So Nnnen wir zunächst nicht annehmen, dass die von Bänder- Velde ausgearbeitete, vom Rat der belgischen Partei genehmigte Gegenschrift tatsächlich so enorme Irrtümer und Ungerechtigkeiten enthält. Ausserdem wären wir sehr erstaunt, wenn uns unsere Haltung zum Frieden von Brest-Litowsk gerade von Paudervelde zum Vorwurf gemacht würde, der bevollmächt-igter Vertreter deZ Königreichs Belgien auf der Friedenskonferenz von Versailles««. Wesen ist! * Die Erklärung der sozialdemokratischen ReichStagSfraktion zum Frieden von Brest-Litowsk, die am 22. März 1318 von Scheide» man« im Reichstag verlesen wurde, hat folgenden Wortlaut: »Im Namen meiner Fraktion habe ich folgende Erklärung abzugeben: DaS Ziel der sozialdemokratischen Politik ist, den Krieg nach erfolgreicher Verteidigung des Lande? durch einen wahrhasten Bölkerfriede« zu beenden, der— auf Verständigung gegründet— für die Zukunft die Anwendung kriegerischer Ge. walt auSschlieht. Dieses Ziel ist mit dem vorliegenden Friedens- vertrag nicht gefördert worden. Tie Mittelmächte hatten ver» sprochen, eine Verständiguna mfi Russland über daS Selbstbe- stimmungsrecht der Randvölrer herbeizuführen. Im Widerspruch damit haben sie den Verzicht Rußlands auf Polen, Litauen und Kurland von vornberein verlangt. Diese im Osten betriebene Machtpolitik wird den Interessen des Deutschen Reiche». die eine dauernde Beruhigung� der Verhältnisse und eine «tge Freundschaft zwischen dem deutschen und dem russischen Volke erfordern, nicht gerecht. Wir müssen fordern, daß da? wirkliche demokratische Selbst- bestimmungsrecht Polens, Litauens und Kurlands gesichert wird, damit ein dauerndes Freund'chaftSUrhältnis Deutschland» mit ihnen sowie mit dem russischen Volke nicht unmöglich gemacht wird. Wir können unS mit der Art des Zustandekommen; de; Vertrages, bei dem der Reichstag ausgeschlossen war, und mit wesentlichen Teilen seines Inhalts nicht einverstanden erklären. J£a aber durch diesen Vertrag der Kriegszustand im Osten tatsächlich, beendet wird, wollen wir ihn auch nicht ablehnen. Aus diesen Erwägungen werden wir uns der Abstimmung enthalten." Kann ernstlich angenommen werden, dass diese Erklärung für irgendeine sozialistische Gruppe einen Etund abgab, die Aufnahme internationaler Beziehungen zu unserer Partei zu verweigern? Ende des nordbö'bmistben Streits. Rrichenberg(Böhmen, 22 Juli. Nach einem Einvernehmen der Vertrauensmänner oer st r c i k e n d e n Arbeiterschaft mit den Vertretern der tschechoslowak'schen Regierung beschlossen die Vertraucnsmäner der Streikenden, dass mit dem morgigen Tage im ganzen reichenbergischen Industriegebiet die Arbeit wieder aufgenommen werde. MD?» Frankreichs Kohlenförderung. Von Otto Hu«. Durck das Säbelrasseln in Spa ist die Erörterung über die Kohlenfrage auf das falsche Gleis geschoben worden. Mit Gewaltpolitik lassen sich bekanntlich Wirischastspro'bleme nicht lösen. Ich stelle fest: es bestand in der deutschen Delegation keine Meinungsverschiedenheit darüber, dasi Frankreichs Kohlenmangel groß sei und ihm abgeholfen werden müsse. Wieviel sofort aus den deutschen Gruben abgeliefert wer- den könne, ohne Deutschland die Erfüllung der sonstigen Wiedergutmachungspflichten glattweg unmöglich zu machen, das war Gegenstand longivrerigcr Erörterung. Daß die so- sort kategorisch geforderten 2,4 Millionen Tonnen mindestens monatlich nicht zu leisten feien, in diesem Punkte gab es zwischen den deutschen Sachverständigen gor keine Mei- nungsverschiedenheit, so sehr sie sich auch sonst, in der Beurteilung der Ursachen der jetzigen Situation und ihrer Konsequenzen, unterschieden. Auch an dieser Stelle muß ich erklären, daß Frank- reich selbst dann einen Anspruch auf unsere Kohlenziisubr hätte, wenn Deutschland der militärische Sieger iin Weltkriege gewesen wäre. Das wichtigste französische Kohlenbecken wurde durch Kriegsvorgänge größtenteils bis aus weiteres förderunfähig gern allst. Ob das, wie behauptet wird, nickst nur aus militärischen Gründen geschah, vermag ich als glück- licherweise militärischer Laie nickst zu beurteilen. Aus meiner Ueberzeugung als Sozialist und Äwiegsschnd heraus, trete ich für die gegenseitige H i l s« der Menschen und Völker ein. Darum ist für mich die Frage d�r Kohlenversorgung Frankreichs nicht in erster Linie eine Frage des g"- jchriebenen Völkerrechts, sondern des Rechtes, das mit uns Menschen geboren wurde. Frankreich hatte vor derq Kriege eine Kohlenförderung von'40 Millionen Tonnen, wovon 26 auf die beiden nord- französischen Kohlenbecken entfielen, in denen jahrelang zer- störende Krieg s Hand l ungen vorgenommen wurden. 20 Mil- lionen Tonnen brauchte Frankreich jährlich als Kohlenimport, um seinen Gesamtbedarf zu decken. Der französische Förder- ausfall belief sich 1814/1916, das Quantum von 1913 als Berechnungsbasis angenommen, auf etwa 74 Millionen Tonnen, fast eine doppelte Jahresfördernng. Das ist relativ bedeutend mehr, als was Großbritannien und Teutschland während des Krieges im Förderausfall zu buchen hatte. Nimmt man hinzu, daß gleichzeitig die Einfuhr geringer ak» früher war, zieht man vor allen Dingen in Betracht, daß der Wiederaufbau des zerstörten Gebietes auch zu einem entsprechend größeren Kohlenverbrauch zwingt, so ist das starke Kohlenbedürfnis Frankreichs verständlich. Ihm müßt« von uns nach Kräften und ohne Profitmacherei abgeholfen wer- den, auch wenn der Versailler Vertrag nicht bestände. Bei zahlreichen Gelegenheiten habe ich d'es vor deutschen Bergleuten dargelegt und fand ihre Zustimmung. W i r w o l l e n helfen, schon weil wir diese Hilfe als unsere Menschenpflicht anerkennen. Warum ist in Spa an die Lösung der Kohlenkrise nickt von diesem Gesichtspuntt heran gegangen worden? Weil immer noch de? Wahnglaube besteht, durch das „Schwert" alles machen zu können. Die Schwertgläubigen scheinen gar nicht zu wissen, daß die Kohlenförderung in allen Gewinunngsgebieten, absolut oder auf pro Mann und Schicht bezogen, zurückgegangen ist. Ich rechne aus, daß ollein in Großbritannien, Deutschland, �Frankreich und Belgien in der Periode 1914 bis inkl. 1919 zusammen rund 7>2Z Millionen Tonnen Steinkohlen weniger gefördert worden sind, als geschehen wäre, wenn sich die Förderung auf den Stand von 1913 gehalten hätte. Dieses riesige Manko lastet nun auf der Volks- und Weltwirtschaft. Das„Schwei r" hat dies verursacht, kann es aber nicht fortdiktieren. Wir haben' gehört, wie außerordentlich auch Oe st erreich. Italien und die Schweiz unter Kohlennot seufzen. Wir haben gehört, wie Holland mich Kohlen ruft, welche Phantasiepreise für amerikanische Kohle in Europa gezahlt werden. Wir wissen, daß in Großbritannien, Frankreick. Belgien, Deutschland, in der Tschechoslowakei und auch in den Vereinigten Staaten die betriebsteckmischen Zechenein- richtungen durch den langen.Kriegsraubbau arg gelitten haben. Uns ist bekannt, daß die Bergarbeiterschaft in allen Ländern nach der entkräftenden Anspannung während der Kriegsjahre das natürliche Bedürfnis einer kürzeren Arbeits- zeit hat. Das sind ökonomische Tatsachen, die leiden- schaftslos geprüft werden müssen. Das„Schwert" kann diese Tatsachen nicht aus der Welt hauen. Indem man in Spa» das„Schwert als Dolmetscher" zitierte, konnte man wob! den militärisch Schwachen zur Unterschrift eines Diktats zwingen, ober die Lösung der internationalen Kohlenkrisis ist unerörtert gebliebe nl DaS aber ist außerordentlich beklagenswert im Hinblick auf das wirtschaftliche Elend, dem wir entgegengehen, keineswegs mir m dem gezwmlgeWN Deutschland, wen» nicht schnellstens alle fachlichen Mittel gut Abstellung der internationalen Kohlennot ergriffen werden. Die Bergarbeiter und— man vergesse sie nicht— die Transportarbeiter sind die Nächsten dazu, die Be- stimmungen von Spa praktisch auszuführen. Ich kann ge- trost versichern, daß diese Arbeiter ihr Beste- tun werden, um ihre Heimat vor dem Schicksal einer militärischen Exe- kution zu bewahren. Und die R-egierungsvertretcr in Spa haben ja nur unterschrieben, um nicht weitere Teile Deutsch- lands militärisch besetzen zu lassen. Dah die Ausführung bes Kohlendekrets ungeheure bergball- und transporttech- nische Schwierigkeiten machen würde, auch sozialpolitisch ge- jährliche Komplikationen nach sich ziehen könnte, ist der Entente in Spa gesagt worden. Die Situation ist also so: wenn sich uns trotz unseres guten Willens Zur Ablieferung des diktierten Kohlenguantums von 2 Millionen Tonnen monatlich unüberwindliche Schwierigkeiten entgegenstellen und Marschall Foch marschiert hierauf trotzdem in das rechts- rheinische Deutschland ein, dann kann das nicht an- ders als eine militärische Exekution gegen die Arbeiter, iner st erLinie gegen die Berg- arbeiter, ausgenommen werden! Die Folge dieser Exekution wäre alles andere, als dine Abhilfe der Kohlennot in West- und Südeuropa. Weil mir bekannt ist, wie dringlich Frankreich, wie Deutschland, Hol- -fand, Oesterreich, Italien, die Schweiz und Skandinoven der Kohle bedürfen, und weil ich in der Besetzung des Ruhrgebiets durch Foch eine katastrophale Verschärfung der internationalen Kohlen- not erblicken muß, deshalb warnte und warne ich vor dieser militaristischen Geivaltpolitik. Rückhaltlos erkennen wir Sosialisten den Anspruch Frankreichs auf Kohlen- Hilfe cm, lmgevchtet des Versailler Vertrages. Die Kohlen- not in den anderen Ländern muß gleichfalls kräftigst gemildert werden. Wir leiden alle miteinander. Darum soll man nun endlich das Schwert in die Scheide stecken und darin lassen. Um so besser wird es gelingen, die produktiven Kräfte wirksam zu machen für die gegenseitige Hilfe im Völkerbunde.___ die herrliche Meuterermarine. „Das ist Ehrhardts wilde verwegene Jagd." Zum Lohn für ihre durch Meuterei offen bewiesene Trculosig- keit hat der Reichswelhrministerc- geben. Wo immer die von ihm abhängigen Blätter in englischen oder amerikanischen Kreisen eine Geneigtheit wittern, die Schärfen des Versailler Friedens zu mildern, oder sich kommerziell oder finanziell in Zentraleurosxr zu betätigen, wind sofort der Versuch gemacht, den unbequemen Gegner durch den Schrei vom„semitischen Einfluß" einzuschüchtern. Für den Geschichtskmidigen ist dies ein erfreuliches Zeichen; denn«s bedeutet, daß die Deutschen-Hatz- Politik Lord Nortbcliffes vor dem Zusammenbruch steht. Die Juden hetze ist seit Jahrhunderten immer das untrügliche Zeichen innerer Vermorschung eines vor dem Zusammenbruch stehenden Volkes gewesen, die beliebteste und billigste. Diversion vor dem Fall stehender Politiker. Das hat sich seit dem Mittel- alter erhalten, durch Spanien und Rußland bis auf den beutigen Tag. Ls ist nicht uninteressant, zu. beobachten, daß wir in Deutsch- l a n d einer ähnlichen Situation zusteuern wie die Engländer. Man weiß nicht, genau, wie diel« deutsche Zeitungen heute schon im Besitz oder im Solde des Herrn S t i n n e z stehen, eines Mannes, der sich im Kriege und nach dem Zusammenbruch ein Vermögen von vielen Millionen angesammelt hat. Darin liegt ein« ungeheure Gefahr; denn es ist klar, daß die Richtlinien all dieser Blätter gegeben werden durch die Interessen dieses, wie man sagt, größten deutschen Schwerindustriellen. Der- tritt seine ganze Presse den deutschen Standpunkt, wenn fie Stinnes Ansicht verteidigt, daß es besser gewesen sei, da? Ruhrgebiet be- setzen zu lassen, als nachzugeben? Wäre damit nicht Frankreich die ersehnte Möglichkeit gegeben worden, seinen Plan, Nord- und Süddeutschland zu trennen, zur Ausführung zu bringen? Tie großen rheinischen Anlagen des Herrn Stinnes würden allerdings im Schutze Frankreichs wahrscheinlich noch besser prosperiert haben als unter der Sorge der deutschen Republik. . Höchst bdzeichnend aber ist es, daß der Alldeutsche und Verfechter des U-Boot-KriegeS Stinnes aus die gleichen Me- thoden verfällt, wie sein Bruder, der Allengländer Northcliffe. ÄlS vor einer Woche etwa der Sekretär für Indien, Mr. Man- tagu, in I�r<Äenerqk-M��bg.ste.s.Amriffa.-Greuel> einen Northcliffe unbequemen gegen die ausgeübten Greuel gerich- teten— Standpunkt einnahm, schrieb eine feiner Zeitungen am nächsten Morgen, Mu Mantagu,«in I u d ty habe.die'»ftjiche Psychologie zum Ausdruck gebracht im Gegensatz zur westlichen Auffassung seiner angelsächsischen Gegner. Herr Stinnes sagte in seinem Brief an den Steiger Bernhard: „... Wenn Sie ohne Mssen oder gegen bessere« Wissen Zwietracht und- Mißtrauen zwischen den Arbeitern und Werksvertretern im Kohlenbergbau. stiften wollen, so werden Sie lediglich die Geschäft« unserer gemeinsamen Bedrücker betreiben und erreichen, daß die Angehörigen des rheinisch- westfälischen Bergbaues zum Schaden unseres Vaterlandes iür das Ausland in den nächsten Jahren Sklavenarbeit werden leisten müssen. Sie werden dann einen Schaden stiften, wie eine An- vortrefflichsten schwedischen Gardinen hegen schädliche Einflüsse ab- gesperrt sind. Wer in ihren alten Gesichtern liest und ihre viel- wissenden Blick« studiert, merkt bald die chnsn bei der Straßenkarriere eingeimpfte Weisheit. Und die älteren unter ihnen sorgen beflissen dafür, daß die jüngeren, die Anfänger von sieben oder acht Jahren, nicht zurückbleiben w Kenntnissen. Kindlich naives Gebahren und schüchterne Phantasie nutzen nichts aus diesem Boden, für sie ist die Jugend kein spielerischer Frühling, und der graue Himmel warf ihnen keine lviärchen träume in die Wiege. Sie hatten übrigens gcrr keine Wiege oder was man heute in an- ständigen, d. h. zahlungsfähigen Familien an deren Stell« setzt. Eine alte Stärkekiste, ein zerschlissener Waschkorb tat's auch. Gut, daß sie. ihre Jahre nicht vertrödeln müssen mit eitlen Reigentänzen auf grüner Wiese und unter unnütz flüsternden .Bäumen, daß sie nicht juchzen und singen dürfen unter Leitung mildgefinnter ausgewachsensr Seelen. Herrliche Ferienzeit, die ihnen Gelegenheit bietet, Päckchen tragen zu lernen. Die Zukunft näht Mit hurtigen Schritten und bürdet ihn«n große Losten auf. Jung gewohnt, alt gekonnt. Di« ausgezeichnete Kultur der mensch- lichen Gesellschaft brauchte bisher stets solch: vom Säuglings lallen an erzogene Träger. Wenn man aus diesem Gesichtswinkel di« kleinen LHneHemden betrachtet, wird ihre Existenz erklärlicher. Deutscher Brbeiter-SSngerbnnd. Die Julinummer der„Deut- scheu Arbeiter-SängerzeitUng", die eine schöne Würdigung des bergischen Dichterkomponisten Gustqv Adolf Uthmann enthält ssein Bild, unseren Lesern schon aus...Volk und Zeit" bekannt, schmückt die erste Seite), berichtet Näheres über die Verhandlungen der Kasseler Generalversammlung des Arbeiter-Sängerbundes, deren rühmenswerte Einigkeitsresolution wir schon mitgeteilt haben. Tic Versammlung beschloß die Anstellung eines dritten Sekreiärs, gab den Gauvorständen auf, den Anschluß der Gaue an die Genossen- schast Deutscher Tonsetzer zu vollziehen, riet auch den Vereinen den Beitritt an, erhöhte die Beiträge swlf jährlich 1.50 M. für das Mitglied, d- i. 12% Pf. für Monat und Mitglied). �hofft auf diesem Wege den Ausbau deS Bundeschorverlages zu ermöglichen, beschloß die Kosten der. Generalversammlung fortan wieder auf die Bundes- kaffe zu übernehmen und bestimmte, daß die BundeSzcitung vom nächsten Jahre ab nicht mehr gratis geliefert werden, sondern monat- lief» im festen Abonnement erscheinen soll, was ein tüchtiges, ein- mütiges Einsetzen der Sängerschaft ffir das Organ erfordert. Eine Resolution forderte von der Reichsregierung und den LandeZregie- rungen, daß den Gemeinden aufgegeben werde, Konzerte der dem Bunde angeschlossenen Arbeitcr-Gesangvere'.ne von der Ver- qnügungsiteuer auszunehmen. Den Arbeitersängcrn der abgetrete- neu deutschen Gebiete wurde durch eine Resolnhon eine Svmpoth>e- kundgebung dargebracht mit dem Wunsche, daß sie trotz der Trennung Mitglied bleiben können. Tie Tagung endete mit dem festen Willen der Beteiligten, den letzten Arbeitersänger für den Bund- zu gewinnen; jeder sozialistisch fühlende Sänger sollte seinen Stolz zahl Vertreter in Spa, die anS einer fremdländische« Psyche heraus den fceutsch.'n Widerstand gegen unwürdige Zumutungen gebrochen haben." Tie Aehnlichkeit dieser Kampfesweise ist auffallend; obgleich es fast grotesk ist. daß der Alldeutsch« und der Allengländer, beide dieselben Männer, dieselben Windmühlen angreifen. Das deutsche Volk wird sich selbst ein Urteil darüber bilden, ob es Herrn Stinnes als den Typus des Ideals angesessenen Deutschtums gelten lassen will, oder ob es denjenigen seinen Glauben schenken und Folge leisten will, die in schweren Stunden ihr Bestes gaben. Und der Gedenke mag manchem die Wahl er- leichtern, daß unter den Sachverständigen, die einer Preisgabe des Ruhrgebiets sich widersetzten, nicht nur sogenannte„fremd- ländisi?e" Herren sich befanden, und daß das Kabinett, bei dem die endgültige Entscheidung lag, von„fremdländischen" Stimmen völlig frei war. Die Ve?fo!gllng Aes K. I. Kassel, 23. Juli.(Eigener Trahtbericht des„Vorwärts".) Tas Kommando der Reichswehrbrigade 11 hat samt- lichen Formationen Kassels nachstehenden Befehl bekannt- sieocbcn: Reichswehrbrigade 11. Kassel, den 12. Juli 20. Sämtlichen Angehörigen der Reichswehr ist die Mitgliedschaft zur Ortsgruppe Kassel des R. F B. verboten, weil sie ungesetzliche Handlungen vorgenommen hat. gez.: Dietz, Oberst. Hierzu teilt die OrtsgruppenletMng des R. F. B. mit, daß sie sich ungesetzlicher Handlungen nicht bewußt ist. Nach den seitens des Bundes vorgenommenen Recherchen ist das Verbot auf Grund eines Berichtes des Kasseler P o- lizei Präsidenten zurückzuführen. Der Inhalt dieses Berichtes wird vorläufig dem R, F. B. vorenthalten. Es scheint jedoch, als ob der Polizeipräsident das Opfer einer Spitzeldenunziation geworden ist. Dieser Fall, in dem unter irgendeiner fadenscheinigen Begründung der Republikani'che Führerbund verfolgt wird, steht nicht vereinzelt ha. Die Wut der alldeutschen Presse, die sich gegen diese militärische Organisation richtet, welche den ver- fassungsmäßigen Schutz der Republik sich als Ausgabe gestellt hat, scheint bei den meisten Behörden ein geneigtes Ohr zu finden, und der Reichswehrminister ist nicht willig oder auch nicht fähig dazu, den unaufhörlichen Schikanen des R. F. B. ein Ende zu setzen. Wir erwarten, daß der Kasseler Befehl schleunigst zurückgenommen oder aber, daß seine Stichhaltigkeit eingehend und glaubwürdig begründet wird. Wie Streiks erzwungen werüen. Von ziwerlässiger Seite wird uns mitgeteilt: In Blankenfelde in der N e u m a r k auf dem Gute des Herrn von Treskow streiken gegenwärtig ungefähr M Arbeiter. Der Verwalihr dieses Gutes ist ein gewisser Herr Schmidt. Dieser Herr behandelt die Arbeiter in geradezu schändlicher, em- hörender Weise. Der Tageslohn der Arbeiter ist lg M. und 12 M. werden täglich den Arbeitern abgezogen für Leistungen, di« sie nicht bekommen, und zwar zietbt er ihnen Geld für Holz ab, obwohl er ihnen schon seit über 2 Jahren fast kein Holz mehr ge- liefert hqt. Wenn«r ausnahmsweise solches liefert, so ist es nur mindeiweriige Ware. Herr Schmidt ist verpflichtet, Kohle« zu liefern, hat. sedoch sckvn über 2 Jahre keine einzige Kohls gefiefert. Er ist verpflichtet, den Arbeitern Kornmehl zu geben, er gibt ihnen aber Kornmehl, gemischt mit»Hafermehl und GerstenmcHl. Ueberdies haben die Arbeiter in ihren Häusern weder Trinkwasser noch ein Klosett; die Männer und Frauen sind gezwungen, ihre Notdurft aus der Sttaße zu verrichten. Tie zehn einzelnen Grupp»« des ReichswirtschastsratS sind beute in Sondersitzungen zu Vorbesprechungen über das S p a e r Abkommen zusammengetreten.' Für die Plenarsitzung am Sonn- abend wird eine Resolution vorbereitet, in der die wirffchaft- lichen Direktiven angegeben werden sollen, die sich aus der Ans- Wertung der Verbandlungen in Spa ergeben._ darein setzen, im Rahmen des Deutschen Ärbeiter-SängerbundeS seinen Klaisengenossen künstlerische Kultur zu vermitteln. Das Pev-Kaincr-Ballett. Die Uraufführung dieses Balletts, gestern im Komödienhaus, war für den, der in die gym- nastische Bewegung der letzten Jahre mit tiefer Seele eintauchte, eine schmerzliche Enttäusckung oder besser der Beweis der Erkennt. nis von der Hohlheit und Flachheit des modernen Balletts, gemessen an den Lehren eines Dalcroze, einer Duncan und einer Lantgaar. Nichts von Harmonie, nichts von Seele und Empfindung, nur äußerliche Phantastik, die vom Herzen nichts weiß. Wenn der Tänzer Sa'cba Leontjew mit Beifall überschüttet wurde, so ist dieS eben nur ein Zeugnis der Herzensbildung eines gewissen Publi- kums. das an reklamehaftem Ausputz immer mehr Gefallen findet, als an der reinen Linie eines rythmisch schwingenden KörperS. Di« in sich gleichförmigen Tanzkompositionen, die keine allzugroße An- Passung an die musikalischen Tiefen besaßen, blendeten höchstens und verdeckten mir einer Art reizvoller Dustigkeit. was ihnen an Gehalt mangelte. Für die gute Musik war eS ein Trost, daß sie im allgemeinen Rausch unterging. Sie kam sich in d'.esem Treibhaus moderner Gcschmacksvcrircung vor wie ein Kind im düsteren Walde. krk. Eine PcstStigung von Steinach-Ergebnissen. Einen wertvollen SBeftrag zu der von Steinach aufgeworfenen Frage der Verjüngung veröffentlicht Prof. Dr.' Richard Mühsam von der Chirurgi- scben Abteilung des Berliner Rudolf-Virchow-Krankenhauses im neuen Hefte der deutschen Medizinischen Wochenschrift. Er hat im Anschlui an daS Ergebnis Steinachs, der imstande war, jugendliche w'e Spötkasträten neu zu erotisieren/ Tiere nach Wunsch zu semi- nieren und zu maSkulieren und endlich künstliche Zwitterbildung beim Tier herzustellen, ebenso wie Lichtenstern daS Geschlechtsleben des Mannes durch fre-e Hodenüberpslanzung zu beeinflussen ver- sucht. In zwei operativen Fällen hat nun Mühsam gleich Lichten- stern es bestätigt gesunden, daß eine Beseitigung ausge- sprochener Homosexualität erreicht wurde. Handelshochschule Berlin. Zum Rektor wurde der Professor der Pbhsik F F. Martens gewählt, der feit 1306 an der Hochschule wirkt. Der Danskritforicher Heinrich Luders wurde zum Vorsitzenden Sekretär der vbilosophisch- bütorischen Klaffe der Berliner Akademie der Wiffenschsften gewählt, und zwar für die Nachfolge von Hermann Diel«, der den Posten des Vorsitzenden Sekretärs nach 25 jähriaer Wirksamkeit verläßt. Lüders hat stck vor lv Jahren einen Namen gemacht, als e« ihm gelang, bei Bewältigung der Srgcbniffe der preußischen Tmfanerpedition die Dramenfzenen in Sanskrit und Bolksdialelten zu entziffern, die etwa fünf Jahrbimderte vor den bisher bekannten älteren Dramen Kalida'a» liegen. Rabindranath Dago«, der indische Weise und Volksmnnn. dem lurz vor dem Kriege der Nobelpreis für Literatur zuei kannt wurde, wird m Kürze nach Europa kommen. Ob Ihn alsdann auch die große«ememde, die er sich in Deutschland erworben hat wird hören können, hängt nicht von dem Dichter allein ab. Eerrde jetzt ikt in deutscher Ueberttagung bei Kurt Wolff in München der erste aroße moderne Zioman Tagore«:„D a S Heim und die Welt" erschienen, ein Werk, dcflen Handlung die indische nat'onale Bewegung zum Hintergrund bat. Dhealer. Im Theater am Bülowplatz wird am 1. August, abends 7»/, Uhr, erstmals in dieser Spielzeit.Der Kuhreigen" aufgesührt. Wieder, wle im vorige» Jahr, singt Margarete Schlemüll« die.Linnobs Csur". Konferenz zwecks Sefferung öer Ernährung. Unter dem Borsitz des ReichSernöhrtmgSmütistcrS Dr. Kermes trat heute vormittag im Reichsornährungsministerium die Bergarbeiterkonferenz zur Verbesserung der Ernähruugslage zusammen. Reben den Bergarbeiterver- bänden sind auch Arbcitnehmerverbönde vertreten. Reichsarbeits. minister Dr. Brauns und Rcichswirtschaftsministvr Dr. Scholz nehmen an den Beratungen teil. Man hofft die Verhandlungen, die sich vor allem mit der Bcrbesseruug des Brotes und der Beschaffung von Fleischwaren befassen, noch heute zu Ende zu führen. Waffenfunüe in Westfalen. Die Enlwaffnungsaktion der Sicherheitspolizei hat weitere Er- folge gezeigt. Bon amtlicher Seite erfährt die.Kölnische Zeitung*, daß in einem Garten in Wersten bei Düsseldorf 16 Gewehre sMod. 38), 9 Karabiner(Mod. 28), ein leichte? Maschinen- g e w e h r und 27 Handgranaten, die tief eingegraben waren, gefunden worden find. Der Gartenbesitzer ist fest- genommen worden. Arbeit nach Konfestion. sonderbares aus dem Zlrbeitsministerium. Tie deutsche Aubeiterzentrale(Abteilung MyZlowitz) der- uuttelt täglich polnische Arbeiter(Deserteure) als Landarbeiter nach Deutschland. Die Vermittlung von jüdischen Arbeitern lehnt der Leiter dieser Stelle, Herr W i d u k, jedoch grundsätzlich ab. und zwar angeblich aus Grund eines Befehls des Reichs- a r b e i t s m i n i st e r i u m s. Jüdische Arbeiter werden beim Grenzubertritt verhaftet und ohne weiteres nach Polen zu- rückgsschickt, wo sie als Deserteure erschossen werden. Wir fragen hiermit, ob es auf Tatsachen beruht, daß das Reichsarbeitsm i n i steriiun einen derartigen Befehl an die Myslo- witzer Stelle hat gelangen lassen? Der Sückliag vor S.!k. In den Arbeitsräumen des Stuttgarter Fernsprech» a m t e s war dieser Tage schsgender Anschlag zu lesen: Liebe Kolleginnen! Habe am 7. Juli unfern lieben alten König sin Schloß in Friedrichshafen besucht und ihm bei dieser Gelegenheit Grüße von den Fernsprechbeamtinnen in Stuttgart bestellt. S. M. freut« sich sehr darüber und laßt alle Beamtinnen herzlich grüßen und gedenkt gerne seiner lieben Stuttgarter. Es gibt also auch heute noch Kreise, die das Dienern nicht lassen könpcn. Aber dies wäre noch erträglich, wenn diese Dienerei nicht an öffentlichen Dienst st ellen so ungeniert zur Schau ge- trogen wird. Oder hoffen di« Herrschaften auf.kommende* Zeiten? Generalstreik in München? In den gestern abend«abgehaltenen Versammlungen der Unabhängigen wurden Entschließumgen zugunsten eines 21 stündigen Generalstre iks wegen der Nicht- sre:lassung der F e st u n g s g e f a n g e n e n, die in den Landtag gewählt worden sind, angenommen. Von einigen kommunistischen Rednern wurden revolutionäre Drohungen gegen di« Regierung und den Landtag laut. Hochverratsan klage gegen Münchener Unabhängige. Die Eni- hüllunoen des„Bayerischen Courier?" wogen Vorbereitungen der Münchener Kommunisten zum Generalstreik werden ein gerichtliches Nachspiel haben. Gegen den Unabhängigen Liening und gegen zwei Mitglieder der Unabhängigen Partei, sowie den kommunistischen �andtagsaogeordneten Eisenberger ist das Verfahren zwecks Vorbereitung zum Hochverrat«ingeleitet worden. Die Ver- Handlung findet am 29. Juli vor dem Münchener ValkSgericht statt. Stinncs kauft weiter. Ein großes neues rechtsstehendes Zertungsuntern eh men soll, wie der„Stuttgarter Becob- achter* hört, in Stuttgart gegründet werden. Es sollen in den lctzien Wochen bereits Verhandlungen mit G r o ß i u d u st r i« l 1 e n und bekannten auswärtigen Verlegern stattgefunden haben. In einzelnen Blättern wird gesagt, daß Stinnes das neue Unter- nehmen finanziere. GroßSMm die öallaüe vom fthöne« wenöelin. Höret jetzt von mir die schaurige Ballade:/ Wendelin Thomas, Seemaal an der Jade/ hat sein Leben lang gesegelt nnd gefischt/ doch von Politik verstand er nischt. Plötzlich kommt Revolution ins Rollen/ Wer wird da im Dunkel bleiben wollen?/ Wendelin mit schiefgerückter Mütze/ schwingt sofort sich an des Aufruhrs Spitze. Zwar er kannte nicht die Lehren von Karl Marx./ Dafür hat «in Maulwerk er. ein stark'«. /'Doch viel besser hetzen könnt noch eine./ die jetzt auf dem nächsten Bild erscheine. Dieie Dalila heißt Schröder- Mahnte./ Sie entflammt da? Blut, und kein Gedanke/ kommt dem braven S.-Rat Wendelin, daß dies Prachiweib eine Spitzelin. Um so mehr entbrennt sein Herz in Hitze./ Noch viel kesser rückt er seine Mütze,/ Blick in Blick— sieh da, es ist vollbracht!/ Bei ihr schläft der Wendel Nacht für Nacht. Wenn da? brünstige Pärchen satt vom Lieben,/ wird in Kissen Politik getrieben. I Und die Dalila mit süßem jinutschen/ flötet: .Wendelin ach laß uns putschen.' Wendel knacken mutig die Gelenke./ Drauf auf Wilhelmshaven? Kassenschränke! I Aber, ach, im blutigen Renkontre/ siegt die Re« volution, die»Kontre*. Schröder-Mahnken wird die Sache brenzlig/ und sie trachtet zu verduften gänzlich./ Wendelin al? edeler Galan/ bringt bei Nacht nnd Nebel sie zur Bahn. Doch ihm selber nahm man diese? krumme./ Gottlob, ander- wärt« gibt? auch noch Dumme I/ Und in Augsburg al? Matrosen« Held/ wird er von den Unabhängigen angestellt. Trauer jetzo meine Lauie harset/ Schröder-Mahnke, ach. sse ward entlarvet/ und ein Kopfschuß ihrer eignen Hände/ setzte ihrer Spitzellätigkert ein Ende. Wendelin man die Hiobspost erzählte/ grab, als man ihn in den Reichsrag wählte./ So hoch bringen ihn die Stimmenzahlen/ der gestnnungStüchrigen Radikalen. Wendelin denkt:„Na. was da? wohl schadet!'/ Sie ist tot und hat es ausgebadet/ Wilhelmshaven liegt für mich im Grabe/ Ich bin jetzt ein radikaler S-Vwabe l* Aber. Wendel, auch in Wilhelmsbaven/ tut derweil die Neme- sss nicht schlafen./ Und das unabhängige Blatt fragt übereilt:/ .Wißt Ihr, wo der Schrödern Schlafbursch' weilt? -.Ja,' tönt'S,.in Berlin am Königsplatze!'/ Ledebour vor Serger kriegt die Platze./ Aber von Berlin bis nach Polzin/ dröhnt das Lachen über Wendelin. Wendelin, das Leben ist ne Rutschbahn,/ wie behaglich fing eS erst beim Put'ch an. I Doch steil ist der Sturz von ReichsragShöbn./ Mög es jedem Maulheld so ergehnl S ch arten« air jr. Geheimsitzung öer versihwörer. Ein vertrauliches Rundschreiben.— Wie Waffen beschafft werden.— Sozia." demokraten fliegen!— Eine öffentliche Gefahr. In der zwqiten Julihässte erhielten„ganz zuverlässige" Leute folgendes Schreiben zugestellt: Vertraulich! Berlin, den 1s. Juli 1920. Sehr geehrter Herr! Die Mitglieder der ehemaligen Einwohnerwehr von Berlin und dessen Vororten haben sich in anderer Form und unter anderem Namen wieder zusammengeschlossen, um in Zeiten der Gefahr ihr Eigentum, sowie das ihrer Mit- bürger vor Plünderern und Verbrechern zu schützen. Nur unser Bezirk hat sich, da ihm die Führung fehlte, bis jetzt dem Zusammenschluß ferngehalten, trotzdem ein markiges Zusammenhalten jetzt mehr denn je vonnoten ist. Um über unseren gemeinsamen Uebertritt in die neue Vereint- gung zu beraten, bitte ich Sie. unserem Rufe Folge zu leisten und bestimmt am Montag, den 19. Juli 1326, abends 8 Uhr, im Restaurant Flora. Belle-Alliance-Straße 22(Eingang vom Hof), zu erscheinen, wo Ihnen alles weitere bekanntgegeben wird. Keiner darf fehlenl da es zum Schutze unserer Familien und unseres Eigen» t u m s gilt. I. A.: Erich Feldmüller, Gneisenaustr. 92. Uwser Gewährsmann, dem dies Schreiben in die Hände fiel, besuchte die Versammlung und übermittelte uns folgen- den Bericht, für dessen Richtigkeit er sich bereiterklärt hat, unter seinem Eide einzutreten: Herr Feldmüller eröffnete die von 23 Personen besuchte Versammlung und führte etwa folgendes aus: Herr Hauptmann Krausneck sei mit der Bitte au ihn herangetreten, im Bezirk.Hallesches Tor* den„Berliner Selbstschutz* ins Leben zu rufen. Er habe die Sache eingehend geprüft und könne sie nur dringend empfehlen. „Sie wissen, daß die Sicherheitspolizei aufgelöst wird und somit Eile am Platze ist. Im übrigen funktioniert der Selbstschutz schon, auch in der H a s e n h e i d e. Man ist in letzterer bei den Einladungen ebenso vorsichtig ans Werk gegangen, wie hier, indem man alle diejouigen, die iu den Märztagen nicht mitgemacht hoben, nicht eingeladen hat; den» den Leuten weineu wir keine Träne nach." Hierauf erfolgten Mitteilungen über Abzeichen und Auf- naihmefchein«: darauf fuhr der Redner fort: „Wir müssen zuerst einen Ausschuß wählen, der die Verhältnisse deS einzelnen nach allen Richtungen gründlich prüft, damit wir genau wissen, ob derselbe auf- genommen werden kann.* In der nach der Vorsitzendenwahl erfolgenden Diskussion wurde eine Anfrage gestellt, in der darauf hingewiesen wurde, daß der Selbstschutz doch aus Zivilpersonen bestehe; ob cs nicht möglich sei, mit den Behörden in Kollision zu kommen' Hauptmann Krausneck gab darauf die beruhigende Antwor. daß sie als Hilfspolizeibeamten betrachtet werden soll' len, und daß diese Angelegenheit„in unserem Sinne' Erledigung finden werde. Er fuhr fort: „Außerdem ist die Sache nicht so schlimm. Man könnte in Höchstfalle weye» verbotenen WaffeutrcVens gefaßt werden, und das bezahlt selbstverständlich die Genossonschaft. Auf die Frage, wie es mit Brownings stehe, wurde er- widert, diese seien zu teuer, und Herr Hauptmann Krausnee könne durch das KreiSamt genügend Waffen zur Verfügung stellen. Weiter wurde der Antrag gestellt, die Geschäfte, die fleißig zahlten, zu schützen, und den„Schweinepriestern. die nicht zahlten*, den Schutz zu entziehen. Der Antrag wurde mit Beifall aufgenommen. Weiter sprach der Vor- sitzende Feldmüller— im Anschluß an einen„Freiheit'- Artikel— von„Pack, das umgefallen sei' und von.�Gesindel, dem man bei Gelegenheit aus die Finger klopfen werbe', und fuhr fort: ,LLir wollen die Sache vorläufig streng geheim halten» damit nichts in He Oeffentlichkeit kommt. Der Ausschuß kann inzwischen Umschau halten, wen wir noch einladen könntem Ich werbe die Ciuladunzeu so halten, daß selbst, wenn eine ver- looen gehen sollte, nicht dwrarls ersichtlich wird, was sie bädeuteu soll. Ich werde jetzt die gesamte Liste der ehemaligen Einwohnerwehr zur Verlesung bringen, und Sie können durch Zurufe bekanntgeben, wer gestrichen werden soll.' Der frühere Vorsitzende der Einwohnerwehr, L ä f f e r lS. P. D.), wird sofort gestrichen. Bei weiteren Mitgliedern, die teils Arbeiter, teils Abteilungsleiter der sozial- demokratischen Abteilung sind, wurde stürmisch „streichen, streichen* dazwischen gerufen. Unser Gewährsmann stellte sich harmlos und fragte, weshalb gerade diese Leute ge» strichen würden; eine Antwort hierauf blieb man ihm schuldig. Soweit der Bericht- Er zeißt die große G e f a h r, die gerade von feiten derer droht, die sich den Anschein geben, als setzten sie sich opferfreudig und selbstlos für die Interessen der A l l g e m e i n h e i t ern. Derartige Organisationen, die sich selbst als Einwohnerwehr in neuer Form be» zeichnen, sind Anlaß ständiger öffentlicher Beun- ruhigungen und können, da sie sich flrupellos mit Waffen aller Art versehen, Ursache neuer Komplikationen mit der Entente werden. Wir erwarten von den zu- ständigen Stellen, daß sie schleunigst die erforderlichen Maß» nahmen treffen, um diese Geheimorganisation sofort zu b e» 1 e i t i g e n. Das Reichswehrministerium sollte sich insbesondere-Herrn Hauptmann Krausneck einmal etwas näher ansehen. Ter Raubmord im„Müucheuer Hof". Die noch in der Nacht angestellten Ermittlungen in Sachen de? in der heutigen Morgenausgabe bereits gemeldeten Raubmordes im Hotel.Münchener Hof* haben ergaben, daß der Ermordete der 32 Jahre alt« Kaufmann Paul W o l f ne r, Prinzenstr. 89, ist. Die Lerche wurde noch gestern abend spät von dem GerichtSarzt Prof. Dr. Strauch untersucht. Dabei stellte sich heraus, daß der Mann auch Schläge auf den Kopf erhalten hat. Der Tod dürfte durch Aetherderglftung eingetreten sein. Die Wirkung des Aethers war zunächst die, daß der Betäubte mit Händen und Füßen um sich geschlagen hat. Diese natürliche Wirkung hatte daZ Paar wohl nicht vorausgesehen. Wolfner scheint dabei auch die Frauensperson getreten oder geschlagen haben und deshalb hat diese wrder Willen laut aufgeschrte». Vielleicht aber hat er sie sogar gebissen. Daß er mit ihr gekämpft hat. geht daraus hervor, daß er ihr« schwarze Perlenkette, von der noch einzeln« Perlen am Fußboden verstreut umherlagen, zerrissen hat. Um den Widerstand Wolfners zu brechen hat das Paar seinem Opfer sodann«in in zwei Teile zerrissenes HandtuchgewaltsamindenMundgepreßt und außerdem Hände und Füße gefesse lt. Als der Ueber. fallene in dem Hotelzimmer aufgefunden wurde, war ihm merk- würdigerweise ein Schnürstiefel ausgezogen worden. Wahrscheinlich hatte das Paar die Absicht, ihn vollständig zu ent- kleide» und in das Bett zu legen. Di« Ausplünderung des Opfers muß mit aller Hast erfolgt fein. Das Paar hat dem Mann alle Taschen umgewandt und den für eS wertlosen Inhalt aus den Tisch geworfen. Außer einem Pappkarton, wurden noch zwejTaschentücher vorgefunden. Es sind allem Anschein nach Damentaschentücher. Das eine hat einen kleinen Hohl- saumrand und rotbraune Karos. In-hm ist der Buchstabe W e i n g e st i ck t. TaS andere ist fast neu, scheinbar nur einmal go- waschen und trägt das Zeichen S. W. Beide Taschentücher haben in einer Ecke als Wäschezeichen einen kleinen Kreis, aus dessen Mitte ein Strich nach unten führt, so daß eS einem P ähnelj. Als das Paar das Hotel verließ, isteS nrchigefehenwordeu. Das Steglitzer Schloßparktheater-vaternehmen soll neben dem Theater(mit WO Sitzplätzen) auch eine Kcnobühne(mit S80 Plätzen), ein.zeitgemäßes* Kaffee(also wahrscheinlich Tanzcase) und ein Restaurant betreiben. Das Kino soll für einen Kinder-, Schüler- und einen Außenkreis eingerichtet werden, lleber die Spielaussichten diese? reinen Geschäftsunternehmens(das immer noch mit dem Aushängeschild, es wolle auch Volksbühne sein, auf- wartet) verlautet: Sollt« eS in der ersten©tnelzeit nicht mehr möglich sein,«in eigenes Ensemble zu schaffen, so würden Berliner Kräfte zu einem einheitlichen Spielkörper vereint werden. Ueber da? Geschäftliche wurde jetzt in einer Versammlung mitgeteilt, daS Schloßvark-Etablisseu ent sei auf 30 Jahre gepachtet, die Theater- gefellschaft habe sich das Vorkaufsrecht gesichert, das Stammkapital von 500 000 M. fei voll eingezahlt; 4000 Stück Arrteilicheine zu je 600 M., die mit 5 Proz. verzinst und mit einem Ausschlag von ö v. H. zurückgezahlt werden, sollen ausgegeben werden. Die Dauer des Umbaus wird auf sechs Monate berechnet und dürfte gegen 2 Mill. Mark Kosten verursachen. Bei der Fixigkeit,'mit der Kinos aus dem Boden schießen, entsteht natürlich die Frage, ob es nicht so kommen wird, daß Steglitz die Schloßpark-Kinospiele früher er- leben wird als die ungesicherten, künstlerisch sorgfältigen Theater- aufführungen. Verfehlungen des JogendamtsinfpektorS. Berliner Steaben, die vom städtischen Jugendamt nach P r e r o w und anderen Orten zur Kräftigung ihrer Gesundheit gesandt worden waren, hatten sich über mangelhafte Verpflegung beschwert. Die städtische Verwaltung hatte sofyrt eine Uniersuchung eingeleitet, die die Richtigkeit der Klagen über Beköstigung ergab. Der In- spektor des Jugendamts, dem schwere Verfehlungen zur Last gelegt werden, ist sofort seines Amtes enthoben worden. Die Untersuchung rst auch aus andere Personen wegen Verschiebua» gen von Nahrungsmitteln ausgedehnt Wochen. Der Mörder der Witwe Thiclmanu aus der Cöpenickerstr. 102 konnte trotz der umfassenden Fahndungen, die die Kriminal. kommissare Werneburg und Dr. Schuppe eingeleitet haben, bisher noch nicht ergriffen werden. Ter Gesuchte, der LI Jahr« alte Schlosser Otto Riedel ,st 1,59 groß und schlank, hat blondes .Haar, einen kleinen, blonden Schnurrbart und heTObraune Augen und trug einen modern gearbeiteten feldgrauen Anzug, Rock mit Gurt. Ein besonderes Kennzeichen ist«ine große vu» förmige Narbe auf dem linken Handrücken. Zu dem großen Juwelendiebstah! i« Marienbad, über den wir berichteten, wird uns mitgeteilt, daß der Haupttäter, der 21 Jahre alte ans Mohilib in der Ukraine gebürtige Student Eduard Epstein aus dem Gerichtsgefängnis in Marienbad ausgebrochen und flüchtig ist. Epstein hatte sich nicht nur wogen des großen Iu- welendiebstahlZ, sondern auch noch wegen eines Millionenbe- trugez zu verantworten. Es ist nicht ausgeschlossen, daß der Flüchtige, der hier in der Land?huterstraße 27t hei seiner Freundin, der mitverhafteten spanischen Tänzerin Malvine Viviand wohnte, wieder nach Berlin gewandt hat. Er wird deshalb auch von den hiesigen Polizeibehörden gesucht. Ein tragischer Unglücksfall ereignete sich heute vormittag an der Ecke der Grün, und Wallstraße. An einem Zaun, der dort zur Spree führt, tastete sich das blinde Ehepaar Sailzmann, Wassertorstr. 22, entlang. Eine Lücke in dem Zaun wurde den beiden vom Schicksal schon so hart Betroffenen zum Verhängnis. Beide stürzten in den Fluß und nur der 26jährige Mann konnte gerettet werden. Die von der Feuerwehr an der im 31. Lebensjahr ftehertden Frau vorgenommenen Wiederbelebungsversuche hieben erfolglos. Ein Stück aus dem Tollhaus. Unter dieser Spitzmarie teült uns ein Leser aus Steglitz folgendes mit: „Ich bin als Kriegsbeschädigter 50 Proz. erwerbSumsähtg und konnte nach meiner Entlassung am 1. Juli 1919 erst am 1. Mai 1920 ein« Stellung erhalten. Neun Monate war ich arbeitslos, also ohne Verdienst und ohne Arbectslosemmterstützung. Ohne jemals eine Veranlagung zur Steuer oder einen Steuer» zettel erhalten zu halben, fand ich am 22. Juli plötzlich einen Zettel in meiner Wohnung vor, auf dem mitgeteilt wurde, daß „der Vallziehumgsbeamte. welcher wegen rückständiger Steuern die Pfändung vornehmen wollte, mich nicht angetrosfen hat. Ich sträube mich nicht, die Steuern zu zahlen, nur kann ich wohl verlangen, daß mir vorgerechnet wird, wie ich veranlagt wurde, und daß man erst einmal die Steuern ansordert, ehe man zur Pfändung schreitet.* Der Bercchtiung dieser Forderung kann man- sich ebensowenig verschließen wie des Wunsches, daß man sich in den Sleuerbumus endlich einmal mehr Mühe gibt, und die an sich schon verärgerte und erregte Bevölkerung nicht noch mchr reizt. Erkner. Die Ylemeindebadcanstalt wurde vor einigen Tagen der Oeffentlichkeit übergeben. Die Eintrittspreise betragen für Er» wachsen« 30 Pf.»ad für Kinder 15 Pf. Monatskarten werden an Erwachsene für 3 M. und an Kinder für 1,50 Mk. abgegeben. Bis 4 Uhr nachmittags haben die Kinder freien Zutritt. Di« an. gegebenen Preise haben nur für einheimische Badegäste Gültigkeit. Groft-Berliner Lebensmittel. Pankow. 250 Gramm Haferflocken(37 u. 33). Groß-Serliner portdnachrichten« Heute, 23. Juli: Jnngfozialiftiiche Bereinigung(S. P. D.h Ortsgruppe giitfr- selde. 7>), Uhr im Jugendheim. Älbrechtftraße 14a, Leseabend. Sport. Arbeiter- Radfabrerbuud.Zolivarität». Ortsgruppe verlin, I. Abt. 25. Juli: Ladetour nach Freibad Rahnsdorf Früh 3 Uhr und mittag« 1 Uhr. Oewertsthastsbewegung Was wollen sie eigentlich! Di« deutsche Regierung hat die Neutralität der deutschen Re- publii im Krieg zwischen Rußland und Polen bekanntgegeben. Unser Bedarf an Krieg ist überreichlich gedeckt, sagt mit Recht' der .DorwärtZ' dazu. AnderSrum wäre eS den deutschen Kommu- «tsten lieber. Die„Rote Fa'>«' vom Ll. d. M. bringt folgende �Döna�-Mcldung aus Stockholm: In einem Funkspruch fordern die russischen Gewerkschaften di« Gewerkschaften aller Länder auf, gegen Polen wegen Zer- störungen von Städven und Fabrikanlagen beim Rückzug und wegen Erschießung russischer Arbeiter den gleichen Boykott zu verhängen wie grgen Ungarn. In der Ausgabe vom 13. d- M. bringt dasselbe Blatt ein« Rede SmowjewS, in der es u. a. heißt: .Ich wollt« euch, Genossen, folgendes mitteilen: Heute fand in Mo»kau ein« wenig zahlreiche aber meiner Ansicht nach sehr wichtige Versammlung statt, die unzweifelhaft ein« geschichtliche Bedeutung haben wird. Heute wurde in Moskau der Anfang zu einer internationalen kommunistischen Organisation der Ge- werkschasten gemocht, i Bei fall.) Auf Anregung des Exekutiv- komitees der kommunistischen Internationale fand hcute eine Beratung der Vertreter der italienischen Gewerkschaften, der Vertreter des linken Flügels der engtischen Gewerkschaften und unserer russischen Gewerkschaften statt. Und auf dieser Beratung wurde vollkommene Einmütigkeit erzielt. Es wurde ein provl- sovisches Komitee gebildet und beschlossen, möglichst schnell«inen internationalen Kongreß der linken Gewerkschaften«inzube- rufen, um der A m st e r d a m« r gelben G e w er k s ch a f t s- internationale einen Schlag zu versetzen.(Stürmi- scher Beifall. Bravorufe!) Die Amsterdamer gelbe Vereinigung ist der letzte Holt der Bourgeoisie,'sie ist gegenwärtig ein vielleicht für uns nicht weniger gefährlicher Gegner, als der berüchtigte Völkerbund... Di« Kommunisten dokumentieren wieder einmal, daß sie schlechte Menschenkenner sind. Sie geben der International« der Gewerkschaften Backpfeifen, sie verleumden sie, wie eS besser kein gewerbsmäßiger Verleumder kann, sie nennen uns anlirevolutionär und fordern uns trotz allem zu einem„revolutionären" Boykott gegen Polen auf. Müssen sich die russischen Gewerkschaften und die„Rote Fahne" nicht selbst sagen» daß es für die Amsterdamer Internationale, besonders aber für die deutschen Gewerkschaften. auf eine solche Aufforderung nur eine Antwort geben kann? „Bitte, nach Ihnen, verehrte Revolutionäre! Sie haben ja eine kommunistische Gewerkschaftsinternationale gegründet. Also zeigt, wai Ihr könnt."— Nach der„Roten Fahne" müßten„ganz besonders die deut- schen Arbeiter die Forderung der russischen Gewerkschaften zu der ihren machen". In dem Schreiben des Exekutivkomitees der dritten Internationale an die K. A. P. D. werden die„freien" Gewerk- schaffen„einfach" mit der Spaltung bedroht. Bei soviel Liebe zu uns dürfen doch die Russen auf Gegenliebe rechnen. Wir fürchten nur, unvoreingenommene Beobachter könnten dann mit Recht sogen, das Verhältnis der deutschen Gewerkschaften zu Ruß- kand gleiche dem Verhältnis der II. S. P. D. zu den Stiefeln blut- befleckter französischer Generale. ES gehört schon eine eiserne Stirn dazu, die Lag« der un- garischen Proletarier mit der Lage Rußlands zu vergleichen. Aber noch unverschämter ist, was die„Rote Fahne" über den Boykott Ungarns durch die Gewerkschaftsinternationale schreibt. Ter Boykott wurde angeblich„nicht den' ungarischen Proletariern zu- liebe" erklärt,„auch nicht, um einen der gefährlichsten Herde der Weltreaktion zu sebwächen und womöglich zu vernichten, sondern einzig darum, weil die Busenfreunde von Legien, Jrnrhaux und Appleton, die reaktionären Gewerkschaftsführer MiokitS, Peher und Konsorten wegen ihrer Teilnahme an d:r Rätercgierung vor die Peißen Gerichte der Horthy-Regierung gestellt wurden". Nach der Logik der„Noten Fahne" ist es also reaktionär, wenn man Mitglieder der Räteregierung vor der Rache der Offiziers- banditen schützt. Wie verlautet, wird in den nächsten Tagen di« kommunistische Gsweykschastsinternaüonale den Boykott gegen Un- garn auf eine rrrovolutionäre Grundtag« stellen und die Mitglieder der Räteregierung für vogelfrei erklären. Nachdem ober die„Rote Fahne" den Vogel aus dem Busch gelassen hat, darf man wohl, ohne fehl zu gehen, sagen, der wünschte Boykott gegen Polen soll nicht dem Proletariat zuliebe erfolgen, sondern nur im parteipolitischen Interesse der Kommunisten. Polen und Rußland befinden sich im Kriegszustand, und jede Parteinahme der deutschen Gewerkschaften bringt den deutschen Arbeitern wie dem gesamten Proletariat keine Vorteile, sondern nur Nachteile. Carl Lindow. Ter Streik in der Lebensmittelbranche beendet. Nach kaum vierundzwanzigstündiger Dauer ist der Streik der Angestellten der Lebensmittelbranche beendet worden. Am gestrigen Donnerstag fanden Verhandlungen der bxidsn Parteien im Reichs- arbeitiministerium statt und die Arbeite geber erklärten sich schließ- lich nach mehrstündiger Verhandlung dazu bereit, den vom Schlich. tungsausschuß seiner Zeit gefällten Schiedsspruch mit kleinen Ab. änderungen anzunehmen. Ei.ie Versammlung der Angestellten am Donnerstag abend heschloh. den Sireik aufzuheben. Am heutigen Morgen wurde bereits in allen Geschäften der Lebensmittelbranche die Arbeit wieder aufgenommen. Richard Müller als Anklager der„Freiheit". Im.Arbeiterrat" richtet Richard Müller«inen offenen Brief an die Redaktion der„Freiheit" in welchem er den Vorwurf er. hebt, daß da? unabhängige Blatt zu dem Konflikt der Berliner Par- teifunktionäre auf Errichtung einer selbständigen Räteorganisation nicht Stellung genommen und einen von ihm der„Freiheit" zuge- I sandten Artikel nicht veröffentlicht habe. Der Berliner Räiepapst schleudert die Bannbull« wie folgt gegen die„Freiheit": Die Redaktion der.Freiheit" sabotiert jedoch nicht nur den Be- schluß der Berliner Parteifunktionäre, sondern erschwert durch ihr Verhalten auch die Einigung zwischen der Gewerkschaftskommission und der Bctriebsrätezentral«. Ter Redaktion muß oekannt sein, daß heut« der Ausschuß der Berliner Gewerkschaftskommission und morgen die Gewrrischafiskommission selbst zu diesen Fragen Stellung nimmt und zweifellos auch eine Entscheidung fällen werden. Bis . jetzt hat die ,.�reiheit"-Nedaktion alles getan, um die Oessentlich. i keit, und damit die Mitglieder der Gewerkschaftskommission, im Siüne einer Annäherung an den Gewmkschastshuyd zu beeinflussen. \ Sie hat zwar nicht dircui in diesem Sinne geschrieben..Indem sie jedoch allen Zuschriften und Notizen, die für die Annäherung an den CewerkschaftSbund sprachen, Raum gab, dagegen den Artikel, der den Beschluß der Berliner Parteifunktionäre rechtfertigte, einfach liegen läßt, und sie selbst keine Stellung zu den Fragen nimmt, wirkt sie in diesem Sinne. Ein weiteres unerhörtes Verhalten legt die Redaktion der „Freiheit" an den Tag, indem sie Gegnern der Betriebsrütczentrale in der„Freiheit"«stattet, öffent'iche Anfragen an mich zu richten, meine Antwort aber tagelang liegen läßt, was den Ansckein er- wecken muß, als könnte ich auf diese Anfragen keine Antwort finden. Dieses Verhalten könnte man bei politischen Gegnern be- greifen, nicht aber begreiflich finden kann man es bei Parteigenossen, denen di« Leitung deS Parteiorgans anvertraut worden ist. Seit Wochen beobachten wir das Verhalten der Redaktion der „Freiheit" Sie hat systematisch gegen dr« Zen:ra!« der Betriebs- rate gearbeitet. Ich scbe mich genötigt, das Material der Preß- komMissiön zu übermitteln, halt« es aber für meine Pflickt, durch diesen öffentlichen Brief die Berliner Parteigenossen ichon jetzt auf das Verhalten der Redaktion aufmerksam zu machen. In einer Entgegnung sucht die„Freiheit" die Müllerschen An. klagen zu entkräften: sie schließt: „Ist Müller ein Papst oder«in Heiliger, daß sich ihm niemand mit einer öffentlichen Anfrage nähern darf, und daß schon der des Fegefeuer teilhaftig wird, der dem Lästerer Beihilfe dai-u leistet?— Der angekündigten Anklag« bor der Preßkommission sehen wir entgegen. Daß Richard Müller sich gegenüber der„Freiheit" so mancher- lei herausnimmt, ist nicht zu verwundern. Sein Größenwahn hat das unabhängige Blatt mit auf dem Gewissen. Es hat den Wort- radikalismus Müllers ja«ine belrächthche Zeit in allen Tönen gelallt. Jetzt bekommt daS Blatt die Quittung für seinen Liebesdienst._ Der Verband Deutscher Funkbramten, welcher die Interessen sämtlicher im Reichs- und Privaldienst sowie in der Schiffahrt beschäftigten Funkbeamten vertritt, nahm auf seinem dieSjäljrigen ordentlichen Perbandstag im Lehrervereinshaufe zur Lage der im Reichs- und Privatdienst beschäftigten Funkbeamten Stellung. Gegen die Einstufung der Funkongeftellten in den Teiltarifvertrag für die ReichSangeftellten ufw., der ohne Mitwirkung des Ver- bandes zustande gekommen sei, wurde in einer Entschließunij entschieden Einspruch erhoben. Erwartet wird die baldige Klarung der BeschäftigungsverHältnisse der als PostauShelfer tätigen Ver- bandsmitglieder. Viele der lange Jahre in den verschiedenen Funkbetrieben beschäftigten Funrbeamten. werden immer noch im Reichstelegraphendienst unzweckmäßig verwendet, während der Funkdienst nachweisbar unter dem Mangel an Fachpersonal leidet. Die Vertreter der Großfunkstellen erheben besonders Klage darüber, daß die seit dem 1. April zugesagte Neuregelung der Ge- hälter noch nicht zu erreichen war. Eine Klärung soll nunmehr mit allen gewerkschaftlichen Mitteln angestrebt werden. Der VerbandStag, der von der wieder langsam einfetzenden Schiffahrt ein« Besserung der Lage der Privarfuntbcamten erhofft, forderte schließlich den korporativen Anschluß an den in de: Bildung begriffenen Weltbund der Funkbeamten. Die mir aus- ländischen Fachvereinigunzen bereits aufgenommenen Beziehungen sollen mit Rachdruck diesem Ziel« dienstbar gemacht werden. Der Vorstand wurde ersucht, sich einen Einfluß auf die Ge- ftaltung auch der funkgesetzlichen internationalen Bestimmungen zu sichern. Johann Meyer, ein alter Mitkämpfer de» Bergarbeiterver- bandes, ist kürzlich in Garmisch-Partenkirchen(Oberbayern) verstorben. Tie Nachricht vom Tode MeyerS rührt das Andenken an die wütendste Verfolgungsperiode der freien Gewerkschaftsbewegung im Rheinlande und Westfalen auf. Di« beiden bekanntesten Opfer he« damaligen Essener MeineidSprozesseS. Schrö- der und Kteyer, mußren bekanntlich jahrelang durch di« mein- eidige Aussage de« Gendarmen Münte« ins Zuchthaus wandern. Im Wiederaufnabmeverfohren. für daS sich Iustizrat Dr. Nicmevcr einsetzt«, da«r von der Unschuld der„Zuchthäusler" vollkommen überzeugt war, wurde zwar die Freisprechung erreicht, aber be- sonders Meyer hatte an seiner Gesundheit so gelitten, daß crnS dem einstigen Hünen fast eine vollständige Ruin« geworden war. Nun ist er von seinen. Leiden erlöst. Der Allbezwinger Tod zieht hier einen Schlußstrich unter«ine Tragödie aus der kapitalistischen Ver- folgungSwut. Herr Dr. Ott« lendet uns zu der vom Zentralverband der Angestellten in der Donnerstagmorgen-Nummer des„VorwänS" veröffentlichten Mitteilung eine Erklärung, worin in Abrede ge- stellt wird, daß er den Angestellten der Firma Tamaschke gesagt habe:„Der Arbeitgeberverband wird dafür Sorge tragen, daß die Angestellten, die Donnerstag früh in den Streik treten, ge- kündigt werden und man auch Mittel und Wege finden wird, diese Angeitellten unmöglich zu machen". Wahr sei, daß er, Herr Dr. Otto, im Auftrage der Firma Tamaschke und in seiner Eigenschaft als Vertreter und tariflicher Sachverständiger deS Reichsverbandes Deutscher Feinkost-Kauf- leute mit den Angestellten dieser Firma verhandelt habe. Unwahr, daß er Syndikus des Reichsverbandes sei und daß er in dieser Eigenschaft an den Verhandlungen der Firma Tamaschke teilgenommen habe. Er habe die Angestellten auf die Möglichkeit hingewiesen. daß di« Arbeitgeber sich veranlaßt sehen könnten, die Angestellten wegen bebarrlicher Arbeitsderweigerung fristlos zu entlassen, ff« maß§ 72 de» H.G.B., und auch die Behauptung, man»ärds Mittel und Weg« jinden, diese Angestellten unmöglich zu machcn. entspreche nicht der Wahrheit. Bund der»echniichcn«ngettellten und Beamten. Hennsben?. den 24. Juli, abends 7 USr, LebreroeremShaus, Zllrxmwerplatz, üslmtltch« Vrrßnniniuiig der Kataslcnechniter und Katallerassiiienttn.— sSnntiin, den 25. Juli.' vennittazs 9 Uhr, Bundeshaus, Werstjtr. 7, Tagung der Aach-- gruppe Katasleuoejen._ Deutsche Wirtschafts-Nktien-Gescllschaft. In engster Fühlung mit der Reichsbank wird in den nachsien Tagen ein Unternehmen inS Leben gerufen werden, das die Firma: Deutsche Wirts chafts-Aktien- g e s e l l s ch a f t führt und die Aufgabe haben soll, not- leidenden Industrien, insbesondere der Textilindustrie. zu Helsen. Diese Hilfe soll erfolgen durch Gewährung von Kredit und Uebernahme des Valuta-Risikos. Das Gesellschaftskapital beträgt ll)0 Millionen Mark. Llnßer dieser Summe aber Wörden der Gesellschaft zur Verfügung gestellt die Fonds, welche die Kriegsgesellschaften der Industrie mrfzuweisen haben und die satzungsgemätz dem Reiche gehören. Diese Fonds sollen also wieder werbend und helfend sür die Industrie eingesetzt werden. Die Steuerpolizei. Um zu zeigen, wie dringend notwendig die Sckaffung einer Stcuerpolizei ist. veröffenilichr die„Boß" folgende Beispiele: „Ein Berliner Großhändler hat in einem entfernteren Kreise ein Rittergut imo dort aucv seinen steuerlickien Wohnfitz. Der stattliche Landbesitz, den er jetzt zum Preisr von 4'/z Millionen Mark zum Verlaus angeboten hat. bringt nach der letzlen'Sleuererklärung k e l n c r l e i G e w i n n. Im Gegenteil: der arme Besitzer deS S'/z-MillioneugmeS muß von seinem Berliner Einkommen aus Ge- werbebelricb nocb angeblich einen sehr hohen Zuschuß leisten. Er be« lastet serner daS Ilnkostenkonto sei»es Berliner Unternehmen« mit großen Zahlungen an s i n g i e r t e Personen, hat zwei Bi« tanzen, eine für den FiskuS, die andere für seinen Teilhaber, und jst einer der größten Schieber aus dem Berliner Lebensmittelmarkt. Eine Anzahl Läden und Wohnungen, jede unter einem anderen Ramen, dienen als Unterkunftsräume für-seine Schleichhandels« wäre. Gleiche Gerissenheit zeigen viele mittlere und Klein- gewerbetreibende, die, da sie nicht zu kaufmännischer Buch« sübrung verpflichtet sind, durchschnittlich nur ein Viertel ibreS Ein- kommcnS versteuern. Ein typischer Fall, der in diesen Tagen er« mittelt wurde. Ein Stroßenhändlcr kauft sieben Zentner Kwichen für 1,40 M. da« Pmnd und verkauft sie zu 8 M. für das Pfund. Al'o ein— au sich schon unberechtigter— Reinverdienst von 1120 M. bei einem TageSumsatz von 2100 M.. von dem di« sieuerbehörde nicht? erfährt. DaS von ihm angegebene Jahres- einkommen bcläufl sich noch nicht einmal auf daS Zehnfache dieses Tagesverdienstes. Ein anderer Händler schätzt sein Betriebsvermögen auf 15 000 M. Durch genaue Nachprüfung wurde der fünffache Betrag und außerdem noch Grundbesitz festgestellt. Mit gutem Erfolg hinterziehen auch Bar«. LuxuSlokale und ähnlilve Unternehmungen Sreuern. Gelegentlich gewisser Nach- forschilngen auS anderem Grunde wurde in den Gaststätten er- mittelt. daß deren Riesenumsätze Reingewinne brachten, die in einem Monat das angegebene Jahreseinkommen um ein Vielfache« über« trafen. Ein städiischer Verkaufsvermittler der Zentralmarkthalle der- steuert au» Gewerbe und Grundbesitz über 100 000 M. Nebenbei betreibt er ober noch umer einer Deckfirma ein« Böttcherei mit 150 Gesellen und �emen großen Krastwagenhandel. Er bat zweck« Sleuerhinterziehung große Summen in ca. 8 0 Luxus- und Lastkraftwagen angelegt, die zur geeigneten Zeit mit großem Gewinn veräußert weiden. Die Kriegs- und Revolutionszeit haben es mil� sich gebracht, daß heute zahlreich« Personen neben ihrem Hauptberufe einen Nebenberuf haben, der ihnen i re wirklichen Einnahmen bringt und den Steuerbehörden ein Geheimnis �leiben soll." Wir glauben, daß neben den 00 000 Steuerbeamten auch eine zahlreiche»nd kostspielige Steuerpolizei nicht viel Erfolg erzielen wird gegenüber den Millionen von kleineren und größeren kauf- in ä n n i f ch e n Genies auf diesem Spezialgebiet. Wir segeln mit autgeblähien Segeln in die freie anarchische Schwindel- iv i r t! ch a f t biiiein, in der die Steuerhinterziehung zur vollsten Entfaltung gelangen wird, zumal der neue Steuerapparat so un- geheuer kompliziert geworden ist. daß sich kaum noch irgend ein Menschdarinübcrhaupt auSkennt. In einer organisierten Wirtschaft wird der ganze Niesen st euerapparat hinfällig und damit der gräß- liche Schwindel und Betrug, wenn auch nicht völlig ausgerottet, so doch auf ein Minimum eingedämmt weiden. Gegen die hohen Winterkartoffclprclse nahm der O l b e n- burg er Landtag Stellung. Bei Besprechung einer sozial. demokratischen Anfrage über Senkung der hohen Kartoffel- und Fleischpreiie erklärte der Ministerpräsident al« all- gemeine Auffassung des Landtag», daß ein Preis von lö bis höchstens 20 Mark pro Zentner für Herbstkarroffeln an den Produzenten durchaus angemesien sei. Die Reichsregierung müsse sich in bezug aus den festgesetzten Karloffelpreis von 30 Mark an den Produzenten selbst wieder korrigieren. In gleicher Weise müssen niedrigere Fleischpreise festgesetzt werden, derselbe dürfe 0.50 bis 7,— M. pro Pfund für den Konsumenten nicht übersteigen. Die Olden- b u r g e r Regierung werde von neuem entsprechende Anträge bei der ReichSregierung stellen. Bcrenlw. für den redalt. Teil: Dr. Werner Pelser, Th-rlottendurg: für Anzeigen: Td.«lacke. Berlin. Bering! LorwärtS.Beilag«.»I. d. H.. Berlin. Druck: Bor- wSr!s.?!ichdrucker-i u. BerlagSanstalt Paul Singer u. To.. Berlin. Lindenltr. z. SevoD«elt 50 Job reu liefere leb M5bel Gardinen/ TQllbett- decken/ Tischdecken Bettlaken gegen bar und auf Teilzaiilang ».denkb gflnsLBegingunfi. Sarthel Zorndorfer Str. S4. Leiterwagen Kordflug. Wilheimsu a sse 42a. Elektro-Motore tzettungs-Dynaino-Drahte In- !tallat.-MateriaI lauft lautend Slektromech.-Zentrum. lAler. onoil!estr. 11. ornlprecher Äeglfti 2894. Zunge Schliferhunde, Selten- hell, fpotWUUg. Böttcher, Bor- hagenerstr. 6._ 82/7 � Dezimalmage«, Tafelwagen, Gewichte liefert ab Borrat. Wagner. Göpenickerstraße TL gm Mark und mehr sparen Sic denn Kauf von Jackett» amügen, Cutaways, Paletot«, Kostümen, Münteln. Sonder- angebot: Pelzwaren aller Art. letzt auffallend billig, im Leihhaus Moritzplatz �58a.__' Beffere Iackettanzüge, Cuta- wapanzllg«, Gehrockanzüge, IUnglingsanzüge, Ulster, Tommerpaletots, gestreifte Kammgarnhofen,»erkauft fpottdillig Luft, Zlelchenberger Straße IS, vorn I, direkt am «ottbuser Tor. Hoch- und Straßenbahn. Cndftcttion. Ä* Sermitgefprochea haben sich uufer, billigen Pretfe. Schlaf- »immer, Eichen-Chzimmer und Herrenzimmer 2275, 2430, 8115 Mari. Wohnzimmer 1388 Mark. KÜcheneinrichtun- gen, �iu-elftiicke. Gelegenheit»- lüitfe, flranko» Lieferung auch außerhalb, tzöffner, Model- häufer, Berlin N., Veteranen. straße 11—13.---- Möbel in Nußbaum, Mahagoni, Eiche, ftie Heinere Woh- nungen, auch einzelne Stücke iehr billig, nur in Kamerlftig» Möbelbau». Kastanienall»» 58 (am Weinbergswegi,«norme Auswahl. 1537b' Musik, nstrunicntc Pia»»,. Stutzflügel. Par. moniums. gebrauchte unb neue Instrumente, Revara» tureu und Stimmungen. Mar Adam. Münz straße 18. 189« Bierliag-Piauo», neu«, gut« gespielte, wohlfeile Gelegen- beiten. Kottbuferstr. I. J8Ä* Eingewlelte Mandolinen, Blolinen Gitarren. Lauten. äußerst dlllin. lUnterrichl 20— Monatsbonoror. Drei- manoisturle zur verletien Ausbildung.) Mund, und Landbarmonifas ufw.. ge- braiichi» Klaviere. Sarmo- niums oerkauft Bürger u. So.. Oranienstr. 166. 15SK \mmM Dameafahrräder, Herren» fahrräder, 385. Motorzweirad. 1500, ffahrradgunlniis. Zubehör preiswert. Kämmereit, Große grankfurterftraß« 14. Hof. Kaufgesuche Restaurant, Heines oder dllrgerltche» Caf«, Zentrum, Telephon, Wohnung(Woh» nunastaufch) kauft Praarr. Große Zrankfurterftr. 71. 32 6 Kriegoanieibe, Wertpapiere. Pfandschein« kauft, beleiht. Lange, Berlin, Lrauienftraße 145.- je, Paletot», Haien(neu) kauft Seidner. Linienirraße 243. 17243)' Atwee-Plftolen, 9 Milli- Meter, kaust zu höchsten Prei- f«n Kirftein, Linienstr. 507- .» 1-, Plattnabfölle, Goiddruch, Silderbruch. Kupfer, Mcsstng, Blei kauft Chaussee» straße>10, Portal l, Invaliven. nraße. I75K- Parabellmn» und andere Pistolen taust Frank, W 8, Markgrafenstr. 50.• Browning und andere Pistolen kauft Frank, IV 8, Mai kgrafen. str-ß» 50.• snnzani Heinrich Maurer» Privat. Zufchneiöefchuie, Alerander- platz(Eingang Königsaraben). Zage».. Abendkurse. H-rren. Damenfchneiderei, Waia,« Putziurfe, Schnittzeichnen, Zu. fchnetdln, b.ahlune. Schnitt» muster. Fernsprecher: König. padt 889. Damm. Detektive. Norden 7213. Invalidenstr. 38. Au». künfte, Beobachtungen. Ber» brechen-Bearbeituna. 174K" Fraueuleideu aller Art er. folgrttche Behandlung, unentgeltliche und diskrete Unter» te,. Rebevverdieitst bi» 1000 Mark monatlich leicht zu Hause ohne Vorkenntnisse- Näheres auf briefliche An» sraqe durch Wehrel u. Co.. G. m. b. S.. Lichterfelde. Postfach 220. 100/17* Arbeitsmarkt . Xtellenangt-'bote Koatortstta, Anfängern,, 15-16 Jahre alt, mit guter lOndichnft gesucht. Wohnung geften. Bewerbungen ichrm. ch. Oskar Döllchetz, BiUow. Uch.__ straße 56. 1723$