Nr. 370 ♦ 37. Jahrgang /lusgabe A Nr. 4$ Bezugspreis: S«telfaijtl. 30,— 2m,in«B(ttl. W,—®L frei ins Haus, voraus zahlbar. Post- bezug: Monatlich 10,— 9ML ejH. flu- stellungsgebühr. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich 1KL0 Mü. für da» übrige Ausland bei täglich einmal. Zustellung 2150 M. Postbestellungen nehmen an Oesterreich, Ungaru, Tscheche-Slowakei. Dane- mar!, Holland, �ugemburg, Schweden und die Schweiz.— Eingetragen in die Post- Leitung»- Preisliste. Der.Vorwartg" mit der Sonntag«- beilage»Volt u. fleit� erscheint wachen- täglich zweimal Sonntags und Man- tags einmal. Telegramm-Adreffe: .Sozialdemokrat SerUn". Sonntags Ausgabe Vevlinev Volksblstt (Z0 Pfennig) Anzeigenpreis: Die achtgefpaltene Nonvareiliezeile koste iZ,— M.,TeuenmgszuschIag5S«/» .Kleine Anzeigen", das fetl- gedruckte Wort 1— M.(zuläfflg zwe. fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort SO Pfg. Stellengesuche und Schlafslellenanzeigen das erste Werl IS Pfg» jedes weitere Wort 10 Pfg. 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Nach einem Funkspruch auS Moskau zieht sich die Note Armee auf Befehl deS bolschewistischen Oberkommando? zurück. Letztere Meldung ist in ihrer Kürze sehr unklar und nrit Vor- behalt aufzunehmen. Flaue polnische Heeresberichte. Kopenhagen, 24. Juli. Nach einem Telegramm aus Warschau besagt der polnische Heeresbericht: Die Polen haben Baranowitschi geräumt und kämpfen nun östlich deS Schara- Flusses. Südlich des Pripjet haben die Polen den Feind auf N o w o- S i o l k i zurückgeworfen. Mehrere f.'ind- lichc Angriffe auf die Linie am S t y r- Fluh wurde« abgeschlagen. Bei Borooic gelang es jedoch dem Feinde, an daS O stufer zu kommen. In der vlegend von Dubno fiel die bolschr- wistische Reiter?i den Polen in den Rücken, es kam zu heftigen Kämpfen. Trotzdem starke feindliche Streitkräfte in den Kampf geworfen wurden, wurden fünf hintereinandrrfolgende Angriffe mit schweren Verlusten auf beiden Seiten abgeschlagen. Südlich von Dubno hat der Fcind den Fluh Zbruca über- schritten. Koprnbag?», 2t. Juli. Am 23. teilte der polnische Gr- neralstab mit: Polnische Abteilungen haben einen Gegen- angriff längs des Weges von Sopolka bis Grodno unternommen. Feindliche Abteilungen haben sich S l o n i n s bemächtigt. Der Fcind, der den Ucbergang an dem Pripjet zu passieren versuchte, wurde mit schweren Berlusten zurückgeworfen. In der Gr- gcnd von Targowica dauern die hartnäckigen Kämpfe an. » Die Lew berger Blätter melden, daß der Kampf auf der Linie PodwoloeziSka— Dubno nunmehr seinen Höhe- Punkt erreicht hat. Die Bolschewisten greifen aus dem ganzen Ab- schnitt der Südostjront an. Infolgedessen hat sich die ukrainische Regierung lwelche? Die Red.) veranlaßt gesehen, nach Rzeszow und Tornow überzusiedeln. Sämtliche ukrainische Behörden sind bedeutend weiter westlich verlegt worden. Auf Anordnung der Militärbehörden ist der Eisenbahnpersoncnverkchr nach Städten, die hinter der Linie Kolomea- Stanislau« Lemberg- Rawaruska- Bolsez liegen, eingestellt. Pole» bittet ihn—„moralische Nntcrstützung Washington, 24. Juli.(Reuter.) Die polnische Regierung hat das Staatsdepartement gebeten, zu erklären, daft Polen in seinem Kampf gegen die Bolschewisten die moralische Unterstützung der Vereinigten Staaten habe. Petljura verläftt das sinkende Tchiss. Nach einer Dena-Meldung ans Wien hat sich nun auch General Petljura von Polen losgesagt. Er hat der polnischen Re- gierung eine Note zugehen lassen, in der er für Ostgalizien das SelbstbestiinmungSrecht verlangt, und zwar mit der Bemerkung, daß der Bevölkerung OstgalizienS Gelegenheit ge- geben werden müßte, ihrem Willen auf dem Wege einer u n b e- hinderten Volksabstimmung Ausdruck zu geben. Kronrat in Bukarest.� Bukarest, 24. Juli. Die Telegraphen-Agenlur Damian meldet. Unter dem Vorsitz des Königs fand ein M i n i st e r r a t statt, welcher sich hauptsächlich mit der durch die Ereignisse an der pol- niickien Front hervorgeruienen Lage beschäftigte. Take Jonescu soll darüber ein ausführliches Exposs gehalten haben, Einzelheiten wurden aber nicht veröffentlicht. Obwohl die Lage für Rumänien nicht besorgniserregend er- scheint, wurden Sicherheitsmaßnahmen getroffen. Tie militärischen Führer Sowjet-Rustlands. Die„Dena" meldet aus Stockholm:. Trotz ki gibt jetzt im RcgiccungSorgan„Prawda" genauere Angaben üb�r die Zu- sammensetznng des rufsischru Oberkommandos. Danach ist Chef der Obersten Heeresleitung K a m e n e w, dem als G e n c r a l st a b s ch e f der Genernl L e b e d o w beigegeben ist. Tie Westfront steht unter dem Befehl des 24 jährige« TuchatscherSti, dem außerordentliche strategische Fähigkeiten nachgerühmt werden und der im ehemaligen Zarcnhcrre als Leutnant diente. Die Nirainc-Armee wird von Budjcnin kommandiert, die Südarmee vom Oberstleutnant I e g o r o w.(Bon General Brussilow, der allgemein als der russische Ober- kommandierende gilt, ist hier nicht die Rede. Die Red.) Die Türkei unterzeichnet! Koustautinopel, 24. Juli.(TU.) Der Krön rat hat bh? Unterzeichnung des Friedensvertrags beschlossen. Deutschlands Neutralität. Das Haager Abkommen maßgebend. Berlin, 24. Juli. Bon zuständiger Seite wird uns mitgeteilt: Deutschland hat seine Neutralität gegenüber Nutzland und Polen erklärt. Maßgebend für das Verhalten der deutschen Regierung werden nur die allgemeinen Grundsätze des Völkerrechts sein, da Deutschland und Rußland dem Völker- bund nicht angehören, hinsichtlich der Aus- und Durchfuhrbon Waffen da? Haager Abkommen von 1907, das diese zugunsten beider Teile gestattet, aber jedem Staate freistellt, sie auch zu unter- sagen. Der Friedensvertrag von Versailles zwingt Deutschland nicht zur Abweichung von der Neutralität. Zwar hebt er den Friedensvertrag zwischen Deutschland und Rußland auf, stellt aber den Kriegszustand dadurch nicht wieder her(Artikel IIS). Aushändigung der von Deutschland abzuliefernde» Waffen an Polen kann nicht verlaugt werden, da die Waffen nach ausdrücklicher Bestimmung zerstört werden sollen(Artikel ISS). Truppentransporte der Alliierten durch deutsches Gebiet find nur zur Durchführung deS Friedensvertrages vorgesehen (Artikel 375), können also nicht zur Unterstützung Polens im Kriege gegen einen am Friedensverträge unbeteiligten Staat vorgenommen werden. Der Delagerungszuftanü in Gftpreußen. Ein Weistgarbist siegen Weihgardisten. Zum Jnlxtber der vollziehenden Gewalt in Ostpreußen ist, da es sich in erster Linie um militärische Maßnahmen handelt, der koinmandierende General des Wehrkreises I, General von Dassel, ernannt worden. Tie Wahrung der Rechte der Zivilbevölkerung erfolgt durch Einsetzung des Oberpräsidenten von Ostpreußen, Dr. Siehr, als Regie- rungskommissar. Als Ausgabe des Generals von Dassel bezeichnet W. T. B.: Ihm wird es obliegen, jede Formation, die bewaffnet die deutsche Grenze überschreitet, zu entwaffnen und zu i n t e r- nicren. Aus der andern Seite wird er jeden Versuch, im In- nern der Provinz eine bewaffnete Unterstützung einer der krieg- führenden Parteien zu organisieren, wie etwa durch Bildung weitzgardistischer Formationen oder roter Gar- den rücksichtslos im Keim ersticken. Nach'unserer Ausfassung ist Herr v. Dassel für diese Auf- gäbe der u n g e e i g n e t st e Mann, da cr selber in den Kapp-Tagen als Weißgardist tätig gelmesen ist. Eine Krähe hackt der andern nicht die Augen aus. Tie deutsche Note an die Entente. W.T.B, veiöffemlicht jetzt den Wortlaut der Note, die in Paris durch die deutsche Vertretung bei der Friedenskonferenz überreicht worden ist, und in der um die Zustimmung der Alliierten zur Bildung von freiwilligen Orts webren in Ostpreußen, sowie um die Erlaubnis zur Entsendung von Truppen in das östliche Abstimmungsgebiet von AI lenstein und Marienwerder zwecks Wahrung der deutschen Neutralität er- sucht wird. JUopö George über Nationalbolschewismus Amsterdam, 24. Juli. Nach dem erst heule hier eingetrotfeuen ausführlichen Wortlaut der Unterhausrede Lloyd George- sagte dieser mit Bezug auf das Vorrücken der Bolschewisten gegen die deutsche Grenze noch: Wir müssen uns klar machen, was das bedeutet. Für Deutschland mit seinen Lasten, seinen Verpflichtun- gen und seiner überwältigenden Schuldenbürde besteht wie si>r jeden anderen Schuldner die große Versuchung, einen einfachen und bequemen Auswcg zu finden. Freilich würde dies nur d» r ch Anarchie möglich sein, aber es gibt in Deutschland Millionen von Menschen, die ungeduldig werden, und eS gibt in Deutschland Millionen kriegsgeübter Männer. Die Bolschewisten sind ihre unmittelbaren Nachbarn. Ich bitte nur an die Möglichkeit zu denken, daß die Alliiertender Früchte ihres teuer erkauften Sieges beraub! werden könnten. Die Alliierten sind unter dirsc» Umständen zu dem Entschluß gelangt, den Marsch de« Bolschewisten durch pol- mscheS Gebiet unbedingt zu verhindern. Pari«, 24. Juli. Die„Humauite" erklärt die widersinnige Legende einer Allianz Lenin-Ludendvrff, die die bürgerliche Presse unausgesetzt verbreite, male die Gefahr einer Entente zwischen Berlin und Moskau zur Vernichtung Polens und des Friedensver- träges von Versailles an die Wand. Aber zwischen dem Deutschland Fehrenbachs und dem Rußland Le- ninS sei ein Einverständnis unmöglich. Viel eher sei ein Druck der Entente ans Teutschland zu befürchten, damit es sich zum Mitschuldigen einer militärischen Hand- lung gegen die Sowjetrepublik mache. Die»Hu- manite' zählt auf die W a ch sa m k e i t des deutschen Pro- letariats. Genf. Von Eduard Bern st ein. Der internationale Sozialistenkongreß, der am 31, Juli in Genf zusammentreten soll, hat eine größere und bedeu- tungsvollere Aufgabe zu erfüllen, als irgend eine der ähn- lichen Konserenzen der letzten Jahre. Es' soll sich auf ihm entscheiden, ob inmitten der Zerfahrenheit, die sich unter den Rückwirkungen des Weltkrieges eines großen Teils der sozio- listisck)en Internationale bemächtigt hat, ein Stamm von Verfechtern der bisher von ihr hochgehaltenen Grundsätze und Ideen zusaminenhält, der stavk genug ist, Vertrauen in seine Leistiingskraft zu verbreiten und den heute au der zweiten Internationale irre gewordenen sozialistischen Parteien und Gruppen früher oder später den Gedanken der Rückkehr in diese oder der Wiedervereinigung mit ihr als die beste Lö- sung des Problems der Wiederherstellung der Einheit der sozialistischen Bewegung der KultuNvelt erscheinen zu lassen, Die Lage der sozialistischen Internationale ist heute eine ähnliche wie sie es v o r n a h ez» f ü n f z i g I a h r e n nach Beendigung des deutsch-frauzösischen Krieges gewesen war. Auch jener Krieg hat die Wirkung gehabt, eine Spaltung der Internationale herbeizuführen. Nur waren die Größen- Verhältnisse andere. Wie der Weltkrieg de» dcntsch-stanzöst- schen Krieg an Umfang der beteiligte» Massen und an Schärfe der Gegensätze und aufgewühlten Probleme über- troffen hat, so hat auch der durch ihn verursachte Konslikr in der zweiten sozialistischen Internationale so viel größere Massen erfaßt und soviel schärfere Gegensätze aus die Tages- ordnung gesetzt als der Konslfft von 1871/72 in der ersten sozialistischen Internationale. Im letzten Grunde freilich liegt dem heutigen Streit auf dein Gebiet der Auffassung des politischen Kampfes der Arbeiterklasse derselbe Gegensatz zugrunde, wie dein Streit von 1871/72. Was damals Michael Bakunin Marx und dem Londoner Generalrat der Internationale gegenüber verfocht, verfechten heute die Bolschewisten Lenin und Genossen denjenigen Sozialisten gegenüber, welche in der so- zialistischen International« die von Marx für diese anfge- stellten Grundsätze auch weiterhin in Geltung erhalten wollen. Marx hatte der Internationale den möglichst weiten Rahmen gaben wollen, der mit der Anerkennung des Klassenkampses der Arbeiter und der Verpflichtung ans diesen verträglich war. Anders Bakunin. Jbm, dem Ange- hörigen des despotisch regierten Rußland, da? eine proieta- tische Klassenbewegung überhaupt noch nicht hatte, fehlt? jenes Vertrauen in die sozusagen selbsttätige Erzieh, ingskrast des Klassenkampfes der Arbeiter, und Ums er damals in Italien und der französischen Schweiz, wo er sich vorzugsweise aushielt, vor sich sah, war auch nicht geeignet, ihm ekfoas davon einzuflößen. So verlegte er sich umgekehi t dar- auf, eine Bewegung z» schassen, welche die mangelnd innen' Kraft durch ein niöglichst radikales Programm ersetzte. Er gründete den Bund der sozialistischen Demokratie(„Allianoe de la demoeratie sooialiste") mit dem Ziel, die radikalen Elemente der Internationale zu dem Zweck zusammenzu- fassen, dieser eine seinen Ideen entsprechende Haltung und Politik aufzudrängen. Das Jahr 1872 sah eine ähnlich? Fahnenflucht ans der zum Londoner Generalrat haltenden Internationale sich vollziehen, wie wir sie heute gegniüber der zweiten Internationale vor sich geben sehen, Nachträglich haben viele jener llsbei länsei ihren J-sthm, eingesehen und offen eingeständen, Heute ist es nickst wesentlich ander? al? damals. Auch heute spielen Stinimnngen eine viel größere Rolle al? satb- geniäße, den Streitfragen ans den Grund gehende lieber- legungen. Wir wissen, ein wie verschwonrmenes Bild in dieser Hinsicht unsere Unabhängigen darbieten. Ander- wärts steht es jedoch durchaus nickst wesentlich anders: Liest man zum Beispiel das Protokoll der Ofterkonserenz der britischen Jndependent Labonr Part»väh- Dl'e„Voltsabstimmung" in Gupen-Nalmeäp. Amsterdam, 24. Juli. Aus Brüssel wird folgende HavaS- Reuter-Mcldung verbrefiet: Bei der in den Kreisen Eupcn und Malmcdy veranstalteten Volksabstimmung haben von 33 720 Stimmberechtigten im ganzen 273 gegen die Einverleibung in Belgien protestiert. Bei dem allen Gercchtigkcitsgrundsätzcn hohnsprechenden Ab- stimmungsverfahren(das gar keine Abstimmung war) und dem schamlosen Terror, den die belgische Regier»!� gegen alle ausübt«, die stck» in die Listen eintrugen, kann die« Resultat keinen Anspruch auf innere Anerkennung durch Gerechtdcnkcnde erheben. Der geheimnisvolle Militärtransport,. Toch an die Polnische Z�ront? Frankfurt a. M., 24. Juli.'lEigcner Drahtbericht de?„Vor- wärts".) Zu dem Tschechen-Transport nach Dresden werden auS Cuxhaven der„Frankfurter Zeitung" folgende Einzelheiten gemeldet: ES bandelt sich um einen Transporl, der am Dienstag, den 23. Juli, mit dem Cumrrddampfsr„Cl-rrifia" in Cuxhaven eintraf. Etwa 2333 bewaffnete Tschechvflowaken wurden auSge- schifft und mit Waffen in bereitstehende Güterzüge verladen. Als Führer der Truppen wurde ein französischer General und zwei englische Offizier« festgestellt. Bon den Mann- schaffen der ehemaligen Marinebrtgad« Ehrbardt, die in Cuxhaven Dienst versieht, wurde eine streng« Absperrung vorgcnom- men. Einige der Soldaten gaben als Ziel und Zweck ihrer Reise an, daß sie nach Polen bestimmt seien, um gegen die Russen zu kämpfen. Der Transport wurde in drei Sondcrzügen nach Oder- berg weiter befördert. Wie es heißt, wird am Dienstag, den 27. Juli, ein ähnlicher Transport von 2533 b.-waffneten Tschccho- slowakcn mit dem. Dampfer„Belgique" in Cuxhaven erwartet. Der Dela-Khun-Transport. Berlin, 24. Juli. Die RrichSzentralstelle für Krieg?» und Zivilgefangene teilt mit: Der Transport rnsfischcr Kriegs. gefangener aus Oesterreich, welcher sich auf der Rückfahrt nach Paffau befand, ist dem Durchgangslager R e i f s e zugeleitet. ES ist fest- gestellt, daß zwei Mann sich nicht einwandfrei alS russische Kriegsgefangene ausweisen konnten. Diese beiden find zur Feststellung ihrer Personalien anSgeson- d e r t und anderweitig untergebracht. Der Transport wird über R a r w a heimbefördert. weitere waffenfunöe in Sraunschweig. Erfolflreichc Haussuchung bei Studenten. Braunschweig, 24. Juli.(Eigener Drahtbericht deS.Vorwärts*.) Bei dem Studenten F a u st, dem Hauptschuldigen der kürzlich auf« gedeckten versuchten Waffenschiebung in Braunschwcig, wurde heute infolge vorliegender weiterer dringender Verdachtsmomente eine Haussuchung abgehalten, die vier komplette Maschinengewehre und 4333 Schuß Munition in Gurten zutage fördeode. Der Stu- dent Faust ist zurzeit nicht auffindbar! Ein Teil der Waffen wurde ihm sicher gestern in das Haus gebracht. ES fiel den Haus- bewohnern auf, daß eine um fangreiche schwere Kiste bei Einbruch der Dunkelheit dort bei ihm abgegeben wurde. wohnfteuer in Sicht. Vom Rcichswirtschaftsrat ist der nachstehende An- trag angenommen und dem gemeinsamen wirtschaftspolitischen und sozialpolitffchen Unterausschuß überwiesen worden: Die Bautätigkeit steht überall, trotz der außerordentlich großen Wohnungsnot unmittelbar vor dem Erliegen, weil die bereitgestellten Ueberieuerungszuschüsse in gar keinem Ver- h ä l i n i S viehr stehen zu den ungeheuer gestiegenen Unkosten. Damit wird, und zwar in allernächster Zeit, schwerste Ar- b e i t s I o s i g t e i t auf einem sehr großen Wirtschaflsgekfiet aus- rend die andern Zellen di« übrigen mannigfachen Aufgaben des Lebens erfüllen. Die ersteren Zellen heißen Keimzellen, die letzte- ren Körperzellen; die Organe, in denen die Keimzellen aufbewahrt werden, heißen Keimdrüsen(Eierstöcke, Hoden,. Ter grundlegende Unterschied zwischen den Körperzellen und den Keimzellen besteht darin, daß die ersteren sich abnutzen und schließlich abüerben, oie letzteren aber in gewisser Weise wenigstens am Leben bleiben. Da die Nachkommenschaft durch die Teilung dieser Keimzellen entsteht — bei der geschlechtlichen Fortpflanzung nach Vereinigung beider .Keimzellen verschiedenen GeschüchtS—, so muß gewissermaßen jede Keimzelle einen Vorrat an unsterblicher Substanz besitzen, die von Generation zu Generation sich vererbt. ES ist schon sei! Jahrzehnten bekannt, daß die Tätigteit der Keimdrüsen über die Funktion der Fortpflanzung binausgeht. Man iveiß, daß in den Keimdrüsen rieben den.Keimzellen noch andere Zellen enthalten sind, die Stoffe an das Blut abgeben, durch die die Entwicklung und die Tätigkeit von den Keirndritseit entfernt liegender Gewebe beeiitffttßt wird. Bekannt ist z. B. die Abhängig- keit der Entwicklung des ganzen weiblichen Gffchlechtsapparatcs von den weiblichen Keimdrüsen. Man weiß, daß die Gebärmutter ver kümmert bzw. siw nicht cuttoickelt, loeuu man geschlechtskrästigen oder jugendlichen Individuen die Keimdrüsen entfernt hat; durch Einnähung(Transplantation) der zunächst entsernten Eierstöcke unter die Haut au einer beliebigen Stelle des Körper« konnte die Verkümmerung verhütet werde». Auch der Zusammenhang der Brunstzeit mit dieser„inileren Sekretion" der Keimdrüsen ist fest- gestellt. Ebenso ist bekannt, daß die Beschwerden der Wechseljahre ihre Ursache haben im Ausfall dieser von den Keimdrüsen aus- gebenden Einflüsse und mau hat mit Erfolg durch Auszüge von Keimdrüsen diese Beschwerden behandelt. Ebenso ist eine Ein- Wirkung auf das Kuochentoachstr m. auf den allpetiteitten Stoffwechsel, aus den Fettansatz und nicht zuletzt auch auf die Funktion der Brustdrüsen festgestellt; ihr WachStfim beim weiblichen Geschlecht in der Zeit der Pubertät steht zweifellos unter dem Einfluß der Keimdrüsen. Im allgemeinen kann man bchauvten. daß durch die innere Sekretion der Keimdrüsen die männlichen bzw. toeiblicken Eigenheiten dem Manne bzw. Weibe gegeben werden. Im übrigen ist man weit davon entscrnt, die innere Sekretion der Keimdrüsen und ihre wirksamen Substanzen genau zu kennen; die Zellkomplcre, di« die innere Sekretion der Keimdrüsen bewirken, dürsten hie gleichen sein, die Steinach..Pubertätsdrüsen" nennt. Bis dabin l'irleit die Untersuchungen Steinachs nichts toesentlich Neues. Selbst die gelungenen Versuche durch Uebcrpflanzung von Hoden- bzw. Eierstocksubstanz von Geschwistern bei jungen, zuvor kastrierten Tieren männlichen Tieren weibliche Eigenheiten und umgekehrt zu geben und die Uebertragung dieser Forschungsergebnisse auf die Behandlung von Ausfallerscheinungen nack Hodenverlctzungen beim Menschen beivegen sich im Geleise der bisherigen Forschung. DaS Neue besteht darin, daß Steinach Wege gefunden haben will, die Abnützung der Zellen zu verhindern und damit das Altern hintan- zuhalten. Steinack gibt zwei Wege zur Neitbelebnng der Dritten an. Der erste ist die operative Unterbindung des AuSsührungsganges der Keimdrüse; hierdurch soll die Tätigtest der Keimzellen ver- strechen, auf dem sie durch richtige und rechtzekttge Maßregeln be- stimmt zu vermeiden war. Neben den in erster Linie crforder- lichcn Vorkehrungen zur Herabsetzung un berechtig! hoher B a usto s fp r e i se müssen Mittel beschafft werden, um die Ucbertcuerung durch neue hohe Zuwendungen tragbar zu machen und dadurch die Mirtshöhe in den alten und den neuen Häusern in richtige Beziehung zu bringen. Die Rcicksregierung wird deshalb auf das dringendste aufgesordert, damit das deutsche Wirtschaftsleben nicht ttnwiederbringltchen Schaden erleidet, die notwendigen gesetzgeberischen lackt ritte so- fort zu tun. insbesondere auch durch sofortige Eittbrittgttng und stärkste Betreibung einer Vorlage Über eine zweckent- sprechende Wohn st euer. Protest gegen üas Siemsen-Urteil. Wir erhalten folgende Zuschrift, die wtr auszugsweise wieder« geben: Der Vorstand de?„Bundes entschiedener Schul- reformcr"(Bezirksverband Grotz-Bcrlin) protestiert aufs cner- gischstc gegen das Urteil, das jüngst vom Essener Landgericht über sein Mitglied, den Oberlehrer Dr. Si cm seit, gefällt wurde, uns gegen die beleidigende Eile der Verhaftung wegen Fluchtverdacht. Der Vorstand bält eS für unwesentlich, ob irgendtveiche Paragraphen den Vonvand für solch Urteil der Voreingenom- menheit geben können; er steht auf dem Standpunkt, daß das Urteil menschlich und rechtlich ein Fehlurteil ist. . Menschlich darf nicht der bestraft werden, sondern verdient Anerkennung, der in Tagen, wo alle Ordnung erschüttert ist, klar und entschieden dazu mithilft, daß Vernunft und B e» jtimmtheit statt brutale Gewalt und Willkür regieren. Und rechtlich hebt sich die Staatsgewalt selber auf und richtet sich zugrunde, die ihre Verteidiger und Fve-undc votturteilen und einkerkern läßt. Nicht Dr. Siemfen fit der staatsgefährliche Mann. der Feind der Ordnung, der„Bolschewist" oder wie ihn sonst seine Verfolger von der bürgerlichen Rechten nennen, sondern jene Richter sind— wenn aucb nicht im Willen, so doch in der W i r- k u n g— Helfer zum Bolfchewisinns, zur Willkür und VoUsver» nichtung, zur Verwirrung aller sittlichen Begriffe, die Menschen bestrafen, die Ordnung und Regierung gegen Kapp- Putsch, Gewalttat und Brutalität verteidigen.-Jene Richte: machen sich— ohne es zu wollen— zu Mithelfern der Kapp-Bande, zu Begünstigern jeder Gewalttat. Denn wer wird bei künftigen Unruhen zur Mäßigung und Vernunft auf- fordern, �ja, wer wird, selbst wenn er's täte, gehört werden, wenn daS die Antwort und der Lohn für mannhaftes Eintyrteu für Mäßigung und Bornunft ist? Die schwache Stunüe. Dem Prinzen Joachim, der aus unbekannten Gründen, wahrscheinlich wegen seiner zerrütteten Eheverhältnisse, Selbst- mord begangen hat, widmet E. G. Freiherr v. Hünefeld in der„Krcttzzeituttg" ein Kapitel dichterischer Prosa, in dem sich unter anderen folgende Sätze finden: Armer Prinz Joachim! Deine klaren, jugendfrischen Augen haben voller Abscheu erkennen müssen, daß sich die Masse nur vor dem Glanz deS Mächtigen beugte, sie haben voller Tränen innigsten Schmerzes sehen müssen, wie sich dieselbe Masse unter der Gewalt eines fremden Siegers duckte. Und mehr zu sehen, glaub- test Du nicht ertragen zu könne». „Incencke quod adorasti I"(„verbrenne, was du angebetet hast!") Heulend hallte der Ruf durch die Gaffen und Städte; „Verbrenne deine alten Götter"; er wurde zum feigen Wahl- spruch der schwachen Stunde eines zermürbten Geschlechts. Mit der„schwachen Stunde eines zermürbten Geschlechts" ist offenbar jene Stunde des November 1918 genteint, in der die„Kreuzzeitung" den alten Spruch am Kopf ihres Blattes: „Mit Gott für König und Vaterland!" durch den schlichten Wunsch„Gott mit uns! ersetzte. ringert, die der Pubertätszellen vergrößert werden. Der andere Weg besteht in der vorsichtigen Röntgenbestrahlung der Drüsen, wodurch eine Verlangsamung und Hemmung der Produktion und damit eine Erneuerung der Keimzellen bewirkt werden soll. Alte Tiere sollen wieder jugendlich geworden sein, wieder erwachenden Geschlechtstrieb, Auffrischung ergrauten Haares usw. gezeigt haben. Dazu sagt nun die„Neue bygienische Korrespondenz": Es ist noch viel zu srüb, über diese Ergebnisse ein Urteil abzugeben, man wird kritischen Unlersuchern zuerst das Wort lassen müssen. Immer- hin ist darauf aufmerksam zu machen, daß die Keimzellen sich be- sonders empfindlich gegen Röntgenbestrahlung bisher gezeigt haben, daß leicht völlige Verkrümmung der Hoden bzw. Eierstöcke eintrat mit all den Llussallericheinungen, wie sie in den Wechseljahre» normalcrtoeise auftreten. Ter erste schwäcknie Grad der Beeinflussung der Zellen durch Röntgenstrahlen ist aber eine Reizung, die Zellen werden zunächst angestrengt, in erhöhte Tätigkeit versetzt, bevor sie bei weiterer Einwirkung von Röntgenstrahten absterben. Möglicherweise sind die Beobachtungen Steinadv* in diesem Sinne zu deuten, sie würden aber zu ganz anderen Folgerungen fuhren, als Steinach zog, und höchstens eine ganz vorübergehende„Verjüngung" zur Folge haben, die eigentlich aber bereits der erste Grad dcö Absterbens darstellte. Auf jeden Fall dürfte heute schon feststehen, daß die Untersuchungen Steinachs nickt die..«nsige Jugend" i.t nahe Aussicht stellen; aber auch damit ist schon viel erreicht, wenn mir die Alterscrscheinungen gemildert werden können._ t Vorftadt-Opcrettc. Draußen, vor den Toren BerlmS, bei den Meuichen. die noch obne Cutaway und Seidenkleid und Auto ihr Leben auszufüllen imstande sind, ganz draußen wirft unSderZusallin die Halle eines Theaters. Am Ende eines Gartens ist eine Bühne aufgestelll. daS lustige Parkett in Logen und Reiben abgeteilt, unsichtbar der- senkt spielt ein kleines Orchester, der Spielleiter am Klavier gibt mit dem Kopfe Zeichen zum Podium hinauf; rings im Kreis, der bei sommerlich fächelnder Lust inanchen guten und manchen schlechten Ton der Musik liebevoll verschluckt und ungeschehen macht, fitzen bei Bier. Kaffee. Tabak Familien, arbeilSmüde, frohgestimmt, neben sich die Kinder, die allerdings in da« kleine Reich des Operettett-ffrains noch mit ganz unverständigen Augen blicken. Wie gut haben die eS! Nie erleben an der„Flucht um die Erde' nur das festlich Bunte und die zwischen Italien. China tntd Indien in �gleichem Tanzschritt dahingalloppierenden Paare. Was schiert sie Sinn und Gebalt? Wirklich; man frage nicht da- nach. Aber im ganzen finde ich doch: Die Operette, kür die eS ja nun ein unauSstehlich-gleichiörmigeS Klichee gibt, ist hier im Rose« Theater bei winzigen Preisen und guter Luft nicht viel schlechter als anderSwo bei schlechtem Parfüm und gebirgShohen Kosten. Im Dekorativen allerdings muß man viele, viele Augen zudrücken: aber Dora Harnisch tst eine recht passable Soubrette, und Richard D o m k e zeigt in geschmackvollem Spiel und mit einem icbulgerecht sitzenden, weichen Tenor, daß er auch im gehobenerem Milieu gute Figur machen würde._ k. s. Klabunds Siteratnrgeschichte. von der in letzter Nummer gesprochen wurde, ist im Lerlage von Dürr und Weber, Leipzig, erfchtenea. Nr. 370 � 37. Jahrgang'i* ��OtOJOtfÖ Sonntag, 25. Die Verantwortungen im Weltkrieg. Deutsche Denkschrift an den Genfer Sozialistenkongreß. ISchluh au? der Sonnadend-MorgenauZAabe.) Die Veröffentlichung der Bolfchewiti aus den russischen Staat?- Archiven und der Prozetz gegen den früheren russischen Kriegs- minister Suchomlinow enthüllten einen Teil der geschicht- ilichen Wahrheit, indem sie zeigten, dah es auch im gegnerischen Lager an Kriegstreibern, die auf einen bewaffneten Zusammen- stoß der Völker hinarbeiteten� nicht gefehlt hat. Gerade hier aber «zeigte es sich, wie gefährlich Teil Wahrheiten für das Ganze der geschichtlichen Wahrheit sind. Nach den russischen Veröffentlichungen schien den breitesten Kreisen des deutschen Volkes jeder Zweifel an der vollkommenen Unschuld der deutschen Regierung aus- gelöscht. Indem die Bolschewiki die Schuld ihrer gestürzten Macht- hober an den Pranger stellten, erwiesen sie den deutschen Macht- habern wider Willen den allergrößten Dienst. Das Bild änderte sich erst, als in der ausländischen Presse die Denkschrift des deutschen Botschafters in London vor dem Kriege, des Fürsten Lichnowskh veröffentlicht worden war, wonach es unmöglich wurde, ihren Abdruck in der deutschen Presse zu der- bindern. Während diese Denkschrift für das Ausland nur ein« Be- stätigung dessen war, wozu eS sich seit Kriegsbeginn bekannte, schlug sie den neun Zehnteln oder neunundneun üg Hundertsteln der deutschen �Öffentlichkeit geradezu ins Gesicht. Aber nur ein kleiner Teil von ihr wurde durch sie in ihrer vorgefaßten Meinung er- schüttelt. Die überwiegende Meinung ging dahin, daß der deutsche Botschafter Vertrauen an falschem Ort gehegt und sich von seinem schlaueren Gegenspieler, Edward Grey, habe übertölpeln lassen. Man buchte diese Denkschrift als einen neuen Beweis für die Un- Fähigkeit der deutschen Diplomatie, ein« Auffassung, der die Re- gierung in ihrer damaligen Notlage mit ällen Kräften beitrat. Auch in parteigenössischcn Kreisen sah man vielfach in dieser Denk- schrift nur eine stark persönlich gefärbte und einseitige Darstellung des Verlaufs der Dinge, und man konnte sich mit diesem Urte:l auf vereinzelte englische Stimmen berufen. Hiefa die Partei den Versuch, während des Kriege? über die Verteilung der Verantwortlichkeit unparteiische und wissenschaftlich haltbare Feststellungen zu treffen, für praktisch undurchführbar und «bedenklich, so konzentrierte sie alle Kraft darauf, die Weltlage, soweit es au ihr lag, für einen Verständigungsfrieden reif zu machen. Ihr Ziel war die Beendigung des Krieges in einer militärischen Lage, die eS keinem der beiden Teil« ermöglichte, dik- tatarische Forderungen zu stellen, sondern beide Teile nötigte, durch beiderseits frei« Verhandlungen einen Ausgleich der Gegensätze herbeizuführen, also der ststus quo, modifiziert durch freiwillige Abmachungen. Das war der sogenannte faul« Frieden, der „Scheidemannfrieden", wie man ihn in Deutschland nannte,„I» psix boiteuse" oder„la paix blanche", wie et in Frankreich hieß. Wir deutschen Sozialdemokraten waren davon überzeugt, daß dieser ..Frieden ohne Sieger und Besiegte" den Interessen des Inten- nationalen Sozialismus am meisten entsprach, und waren der Meinung, die Sozialisten des Auslandes hätten unS besser in dieser richtigen Grundausfassung unterstützt, statt durch überscharfe Kritik unserer wirklichen oder vermeintlichen Fehler unsere Stellung zu ibwächen und damit ungewollt den Anhängern der �Knock-out- Theorie hüben und drüben entgegenzukommen. Durch ihre Forderung des VerständigungKfriedenS geriet die «deutsche«Sozialdemokratie in den schärfsten Gegensatz zur all- deutschen und Militärpartei. Er steigerte sich soweit, baß in der imperialistischen Presse der Ruf laut wurde, man müsse E b e i t vnd Scheidemann als Landesverräter auf den Sandhaufen stellen und erschießen. Der„Vorwärts" verfiel unter mehrheitsscziclistischer Leitung einem Zensurverbot nach dem andern, und schließlich wurden seine Redakteure im Januar 1918 wegen Landesverrats vor ein außerordentliches .Kriegsgericht gestellt, wo es dann freilich nicht bis zur Aburteilung kam. Aehnliche«Schicksale erlitten die sozialdemokratischen Partei- blättep in der Provinz. I« Dezember 1918 hatte Wilson seinen neutralen Vermittlungsversuch unternommen. Die Antwort, die er von der Entente erfuhr, wurde von der ganzen öffentlichen Mei- -.'img Deutschland?— die der Unabhängigen mit«ingeschlossen— dahin verstanden, daß die Entente an ihren imperialistischen EroberungS- und Zertrümmerungszielen ffithalte und den Krieg bis zu ihrer Verwirklichung fortzusetzen entschlossen sei. Daß auch der deuffche Imperialismus den Vermittlungsversuch Wilsons zu durchkreuzen suchte, war damals noch nicht bekannt, volle Klarheit hierüber hat erst die Aussage des früheren deutschen Botschafters in Washington, Grafen Bernstorf f, vor dem Un- tersuchungSausschuß der Nationalversammlung erbracht.�Ju Deutsch- Hand war damals die Ueberzeugung allgemein, daß, wie immer der Krieg entstanden war, die Entente die alleinige«Schuld für seine Verlängerung zu tragen habe. Diese Ueberzeugung führte aber wiederum zu dem Rückschluß, daß der Entente dieser Krieg, an dem sie mit so großer Zähigkeit festhalte, von Anbeginn an nicht unwillkommen gewesen sein könne, daß sie ihn vielmehr als einen willkommenen, wenn nicht gar geschickt von ihr selbst herbeigesühr- ten Anlaß betrachte, ihre alte Rechnung mit Deutschland zu be- gleichen. Di« Kriegsziele der Ententeantwort an Wilson find durch den Frieden von Versailles erreicht worden, er greift in manchem noch weit über sie hinaus. Das hochgesteigerte Moral- gefühl. das die führenden Staatsmänner der Entente während des Krieges zur«Schau trugen, hat den Lockungen des Siegfriedens «nicht standgehalten, und es hat sich klar erwiesen, daß es ihnen um ihr angebliches Ziel, die Freiheit und den Frieden aller Völker sichern, nicht ernst war. Die moralische Entrüstung über die deutsche Kriegsschuld war ihnen nur ein politisches Mittel zum «politischen Zweck, und damij erweist sich die Zurückhaltung, die die deuffche Sozialdemokratie wenigstens m großen und ganzen in «diesem Punkte während des Krieges übte, als gerechtfertigt. Wären es wirklich nur das deuffche Kaisertum und der deuffche Militarismus gewesen, die eine ständige Bedrohung deS Welt» friedens darstellten und war dieser nach ihrem Sturze wirklich ge- sichert, dann dürfte sich die Menschheit fetzt der Hoffnung auf einen ewigen Frieden hingeben. Denn die deutsche Revolution vom November 1918 hat diese Kriegsursachen beseitigt; eine «andere Frage aber ist, ob der Frieden von Versailles nicht neue geschaffen hat. Eine restlose Aufklärung der Ursachen, die im Sommer 1914 zum Kriege führten, wird erst möglich sein, wenn einer objektiven geschichtlicl'en Forschung, die unbeeinflußt sein muß von allen nationalistischen Tendenzen, die Archive sämtlicher Staaten geöffnet sein werden. Bisher ist ihre Oeffnung nur in Rußland, Oesterreich und Deuffchland erfolgt. Das Bild, da? sich ans ihr ergibt, ist nach unserer Ausfassung folgendes: Die Sorge der deutschen und österreichischen Machthaber, fie könnten eines Tages einem erdrückenden Angriff auf allen Fronten ausgesetzt sein, war nicht unbegrünbet. Ein« vorsichtige StaatS- lunst hatte trotzdem verlangt, daß alles getan wurde, um die Ge- «fahr des Weltkrieges zu bannen. Sie erforderte die Auflösung der bestehenden Bündnissysteme und die Vereinigung Englands, Frank. reichz und Deutschlauds zu dem Zweck, den Weltfrieden aufrecht- zuerhalten. Eine solche vorsichtige Staatskunst ist in Deutschland nicht getrieben worden, vielmehr war das Gegenteil der Fa«ll. Der im Jahre 1914 auSgebrochene Krieg trägt auf deutscher Seite di« Kennzeichen eine? verwerf- kichen Präventivkrieges, der zwar nicht unmittelbar und «auf alle Fäll« gewollt, aber doch in verbrecherffch leichffettiger Werfe riskiert wurde. Die deutsche Strafrechtstheorie kennt den Begriff des sogenannten dolus eventualis, der bösen Absicht, die den ver- brecherischen Erfolg zwar nicht unter allen Umständen anstrebt, Ihn aber doch als mögliche Folg« deS«Handelns voraussieht, ohne ihn innerlich abzulehnen. Ein solcher dolus eventualis war auf 'feiten der deutschen Machthaber vorhanden, als sie ihre öfter- «reichischen Bundesgenossen zum schärfsten Vorgehen gegen Ter- bien ermutigten, auch auf die Gefahr hin daß daraus ein Welt- krieg entstehen könnte. Ihre eigentliche Absicht war, Oesterrerch ein lokalisiertes Vorgehen g�gen Serbien zu ermöglichen und zu» gleich die an den Balkanfragen mitinteressierten Mächte, nament- llich Rußland, durch Einschüchterung in«Schach zu halten. Als jedoch Rußland gleichfalls zur Politik der Einschüchterung überging jrnb die Mobilmachung seiner gesamten Streitkräfte� inS Werk setzte, fanden oder glaubten die deutschen Machthaber jeden Rückweg gesperrt. Manche von ihnen mögen ihn nicht einmal ernstlich gesucht haben. «Lagen also die tieferen Ursachen des Weltkriegs in den im. perialistifchen Strömungen aller Länder und in der unglücklichen Mächtekonstellation, so lag sein unmittel- barer Anlaß hauptsächlich, wenn auch nicht aus- schließlich, bei der mit Kopflosigkeit gepaarten Gewissenlosigkeit der jetzt gestürzten deutschen �und österreichischen Machthaber. Ihre«Schuld führte gu ihrem Sturz, der Zusammenbruch der Mittelmächte schuf dem Imperialismus der Wesfftaaten freie Bahn zur Erreichung längst verfolgter imperialistischer Ziele. Die deutsche Sozialdemokratie mag in ihrer Haltung während deS Krieges im einzelnen Fehler begangen haben, und ganz befon- «ders ist sie natürlich, so wenig wie irgendeine andere Partei, im- stände, alle persönlichen Aeußerungen einzelner ihrer Mitglieder mit ihrer Verantwortung zu decken. Sie'st indes auch heute noch der Ueberzeugung, daß ihr die Grundlinien ihres Verhaltens «durch die Ereignisse selbst vorgeschrieben iraren, und sie kann sich auch heute noch keinen Vorwurf daraus machen, dah sie nach Kons- ten bestrebt war, den Sieg eines feindlichen Imperialismus über ihr eigenes Volk zu verhindern. Sie betrachtet es auf der anderen Seite als selbstverständlich, daß die englischen, französischen und belgischen Genossen das Ihre taten, um einen Sieg des deulscheu Militarismus und Annexionismus entgegenzuwirken und daß sie sich ebensowenig auf den guten Willen der deutschen Sozialdemo« kratie verlassen konnten, eine imperialistische Ausnutzung eincZ deutschen Sieges unmöglich zu machen, wie die deutschen Sozial- demokraten sich den feindlichen Waffen unterwerfen konnten in der Hoffnung, der ausländische Sozialismus werde einem geschlagenen deutschen Volke zu einem Frieden der Gerechtigkeit verhelfen. Wenn die Sozialisten von beiden«Seiten gegeneinander Vor- würfe erheben, daß sie die Ausschreitungen des An» nexionismuS nicht mit genügender Schärfe bekämpft hätten — auch die deutsche Sozialdemokratie glaubt gegen die aus- tländischen«Sozialisten dieser Vorwurf erheben zu können—, so liegt der tiefere Grund eines solchen Versagens im allgemeine, wohl in der Schwierigkeit des Problems selbst. Wie schwer, ja wie unmöglich es ist, gegen einen siegreichen oder sich siegreich dün» kenden Imperialismus die Ansprüche internationaler sozialistischer cGerechtigkeit durchzusetzen, haben die Sozialisten auf beiden «Seiten der Äeihe nach erfahren müssen. Der Kampf gegen den heimischen Imperialismus hatte uns 'deutsche Sozialdemokraten in eine Lage gebracht, die die auö- ländischen Genossen während des Krieges selbst beim besten Willen «nicht verstehen konnten.«Sie glaubten es mit einem e i n h e i t- !l i ch e n Deutschland zu tun zu haben, mit einem eroberungslusti- gen Kaiser an der Spitze, dem die sozialdemokratischen Arbeiter vlindgehorsam folgten. In Wirklichkeit war Deutschland— durch die Schuld der alldeutschen Annexionisten— vom ersten Tage deS Krieges an gespalten. Erst Veröffentlichungen, die nach dem Kriege erfolgt sind, ganz besonders die Aussagen vor dem Parlamentär:- scheu Untersuchungsausschuß, haben dem Ausland die ganze «Schärfe dieses inneren Kampfes und die Gruppierung der Kräfte in ihm enthüllt. Die treibende Kraft des Kampfes gegen die Militärpartei war von Anfang an die Sozialdemokratie, der Kampf konnte aber nur auf dem Boden der Landesverteidigung geführt werden. Verließ die Sozialdemokratie diesen Boden, so trennte sie sich von Bundesgenossen, die zu stärken die einfachste taktische Erwägung gebot. Erschienen wir als die.Saterlands- losen Gesellen, als die wir vor dem Kriege hingestellt worden waren, so hatte die Militärpartei leichtes Spiel. Wenn wir also den Ton, in dem wir uns zum«Schutz unseres Landes bereit er- klärten, gelegentlich forcierten, so taten wir das, um zu zeigen, daß niemand berechtigt sei, seine bessere Vaterlandsliebe gegen uns auszuspielen; wir taten es, um zu zeigen, daß wir, die wir für den Vefftändigungffrieden eintraten, für Deuffchland kämpften gegen diejenigen, die Deuffchland verdarben. Durch unser Bekenntnis zur Landesverteidigung wollten wir uns nicht der Militärpartei unterwerfen, sondern im Gegenteil die Kraft finden, sie zu be- kämpfen. Daraus ergaben sich taktische Situationen, die dem Aus- land ebenso unverständlich bleiben mußten, wie uns manche Vor- kommnisse im Ausland, lie wir nur kopffchüttelnd betrachten konnten. Heute jedoch sollt« die Stunde gekommen sein, in der sich die arbeitenden Völker aller Länder wieder verstehen lernen. Und so stehen wir nicht an, offen auszusprechen: Wir deutschen «Sozialdemokraten verstehen die Enttäuschung, die wir vielen von Euch, Genossen der vormals feindlichen Länder, bereiteten, wir verstehen Eure Erbitterung. Ihr saht nur das kaiserliche Deutschland, das in Euren Augen wie ein toller Hund über die Welt herfiel, Ihr sähet nur den deutschen Militarismus, der auf fremdem Boden wütete wie ein wildes Tier— und unser Ver- halten schien vielen von Euch nichts anderes als Mitschuld und Be- teiligung an solchen Gräueln. Wir aber sahen ein Volk, das sich angegriffen glaubte, das mit den höchsten Opfern sein nationales Dasein verteidigte und das wußte, daß es am Tage seiner Nie- derlage einem erbarmungslosen Gegner ins Auge blicken würde. Wir sahen ein Volk, das in solchem Wissen Ungeheures leistete und Unnennbares erduldete, wir sahen die wachsende Ueber» macht der Gegner und fühlten die würgende Hand der Hunger- D.A.K. DEUTSCHER AUTOMOBIL-KONZERN(D.A.K.) S.'S: DUX-MAGIRUS PRESTO-VOMAG Leipzig, Noräftnl EckeTröndlinnng. Verkaufsstellen; Berlin, Leipziger Str. I23a und Unter den Linden 42. ölodaie an unserer Kehle. Wenn sich unser Empfinden gegen vieles aufbäumte, was wir von der Kriegsleitung unserer Macht- Haber erfuhren— vieles erfuhren wir nicht—, so sagten wir uns doch auch, daß eine Kriegführung, die Kinder und Frauen, Kranke und Greise dem Hungertod überlieferte, mit keiner andern über den Grad der bekderseittgen Moralität rechten könne. Mögen wir auch Fehler begangen haben, wir können es nicht als Fehler betrachten, daß wir den Worten Eurer Staatsmänner uicht trauten, die liftig um unsere Hilfe warben, uns unsere Waffen mit tönenden Versprechungen abzuschmeicheln versuchten und schließlich, als wir waffenlos waren, ihr Wort brachen! >Sie mögen nicht schlechter gewesen sein als unsere Machthaber, aber besser waren sie ganz gewiß nicht. Und ihrer war schließlich der Erfolg. Ihr seht, was geworden ist; es ist eben das, was wir zu verhindern bestrebt waren! Ihr seht, daß der Sieg, uni den sich so viele von Euch bemüht haben, ein S i e g des K a p i t a- 1 i s m u s geworden ist, der gekrönt ist von einem Frieden der Ge- walt. Euch ist jetzt die Aufgabe zugefallen, die internationale Gerechtigkeit herzustellen, die durch diesen Frieden kaum wenige: schwer verletzt ist, als sie je durch einen„deutschen Frieden' ver- letzt werden konnte, uns die. Aufgabe, denGei st d er Revanche zu bannen, der durch den Versuch, altes Unrecht durch neues Unrecht gutzumachen, in den alten Fehlerkreis zurückfällt. Ge- meinsam ist uns die Aufgabe, nach Maßgabe der Verhältnisse un- serer Länder für den Aufstieg deS arbeitenden Volkes und für den Sieg des Sozialismus zu wirken, für den Geist der inter- nationalen Solidarität, der allein die klaffenden Wunden des Krieges zu heilen imstande ist. Gemeinsam ist uns die Aufgabe, an die Stelle einer imperialistischen Karikatur des Völkerbundes den sozialistischen Völkerbund zu setzen. Die Schuld derer, die aus Gewissenlosigkeit, Vorurteil und Angst den Krieg entzündeten, ist ebenso schwer wie die Schuld jener, die die Welt mit neuen Kriegsgefahren schwängerten, Jugoslawen und Italiener, Polen und Tschechoslowaken, Ukrainer urfd Polen gegeneinander trieben und«in« steberffache deutsch« Jrredenta schufen. Ihr habt da? nicht verhindert, konntet es nichr! Ja, manche von Euch wollten es vielleicht auch nicht! Doch es ist nicht die Zeit, miteinander zu rechten. Wir Sozialisten aus beiden Heerlagern deS Weltkrieges sollen aufrichtig genug sein zu sagen, daß wir einander sehr viel schuldig geblieben sind, und wir sollen klarsehend genug sein, zu erkennen, daß dieses beiderseitige Versagen darauf zurückzuführen ist, daß unsere Kräfte den Elementarkraften, die der Krieg ent- fesselte, nicht gewachsen waren. Wenn uns Kritik und Selbstkritik nötig sind, so ist uns allen vor allem einS nötig: stärker z u werden, so stark, daß keine Macht das nun geschlossene Kriegs- tor, da? unserer Bewachung anvertraut ist, jemals wieder öffnen kann. Diese Kraft können wir nicht gewinnen durch Selbstzcr- fleischung und Zrrsvlitterung, sondern nur durch die nationale und internationale Einigkeit des Sozialismus. Für sie einzutreten sind wir bereit. zcelezramm Nr.. Dufgettvmmm der.�91�1 vs»n__ ftarfl) rli a. Siegfried Denmiit leipziger str 9b ßenm c JS» '€ckgiapt)ie des Deutschen Reichs. Haupt-Telegraphenamt Lestmig tnLlg.. -an. durch___ tdegtomra auß(J CfteBIlitZ 38 21 7.40 S-- .SB. tan. .um. .Iftt. .Miv. - taufte in ciieanitw und n erzgefiirge örosze mengen- -'dasiea nerren kinflerstraenipfe 3150« 5, 50M 7,50m 150M.-iieibt bei Verladung 1s taggoa noch hier verzauf wird extra bekanntgegeben« grusz'bfihrenm.t �Theater, Lichtspiele etc-l A iPO LLÖ ■UTU Thnotn». 711 Mü £taatl. Scbausplelhaus. (Operetten-Gastspiel) Die Strohwitwe. �.Musik. von Leo Blech. Jfoßes Schsuspielhaus.' ??2t Julius Cäsar(N.-A.E. t.V, 7t Julius Cäsar(28, Abt., 5.Ab.) Aftg.7'/i: lyslstrata(40 A, 4. A.) Deutsches Theater. «•uhr: WeibuJanipeiinann > Kammerspiele. « uhr: Die Notbrücke Kleines Sehanspielhaus. Pasanenstr. I(Nähe Bhf. Zoo). 8>r:ßiiehse ilerPanilora. Theater des Westens Max Pallenberg Dlsela Werbezirk: s�j.: Rabenvater Schiller-Theater. Hans Wafimann; »•ehr: Der ehem. Lejitnaiit Theater 1. d. KüniggrätzerStraße Uhr: Geständnis. Komödienhaus 8 Uhr: Petz>Kainer>Ballett. Herliner Theater V�- UJir: Der letzte Walzer Volksböhne Theater am BÜlowpiatz. 3 Uhr: Die Fledermaus. tv, uhr Bruder Martin Ltssing-Tlisater. SommerMpiclzs-it Allabendlich 8 Uhr: iKofislsnti D.Glas d.Jungfrau Deutsches Künstler-Theater Heute und Montag 8 Uhr: Letzte Aubührunaen Die bessere Hälfte mit Max Adalbert. Dienstag 8Uhr,n eueinst udiert Klubleute mit Max Adalbert. Di« Tribüne «uhr; Bunbury. .Kleines Theater. wuhr; Elise lensing Komifiehe Oper ujir; Die Frau im Dunkeln. Lnataptelhana u'h'r Derunpetreue Eckehart ISetropol-Theäter. u%: Im weißen Röss'l Neues Central.Tbeater iS Die Dame im Frack. �ITenee Operetteuhuuf« glatiiral.-Phantast.Ballett Veuc« VoHcutheater uhV; Die 3 Zwillinge ThaliB-Theater 7V, u.; Hoheit die Tänzerin. Tb.am XoUenrtorfplatr. yA Uhi: Das Glucksmädel. Eine lacht im Paradies Theater I. d. Alt. Jakobstr. V Dieversehwund.Pauline. Wallialla-Theater, Au.: Kasernenluft. Residenz-Theater. Stadtbahn Jannowitzbrücke Heute 4 Uhr, kleine Preise: Der gnte Rnf. 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I.Platz Eintritt Tageskasse 45M. Vorrerkauf spreis für d. I.PI. 49M. Vorverkauf sämtlicher Eintrittskarten vom a. bis 7. August in der Geschäftsstelle Friedrichstr. 61. Logenkarten und Sonderplätze gewähren Zutritt zu den flir den Verband reservierten Plätzen (zwisch.Teehaus u. Kaiserpavill.) Vom 9. bis n, A n g«» t wochentags von 10 bis 4 Uhr: AUSSTELLUNG .DIE SCHNEIDERKUNST IN MODE UND SPORT« im Staatl. Kunstgewerbe- Museum, Prinz- Albrecht-Str. 7 Eintrittspreis 5 M. Freitag, den iz. August nachm. 4 Uhr, im Lichthof de« Kunstgewerbemuseums: Vortrag des Herrn Otto Haas-Heye: »W ie kleiden wir unsf. Eintrittspreis 10 M. 192 0 siaiNN 9. suoult •TOIWaiTT fCp 01t VMMWVn DES IN-UNON&ANOej Montag, den y. August abends 7'/, Uhr: BEGRÜSSUNGSABEND '~ Im Zoologischen Garten Zwangloses Beisammensein auf der grünen Terrasse. Kaltes Abendessen an kleinen Tischen. Bei schlechtem Wetter im Marmorsaal. Grosses Promenaden- Konzert. Eintrittspreis 40 M. einschliessl. Abendessen. Zutritt durch sämtliche Eingänge tum Zoolog. Garten ab 6 Uhr abends Donnerstag, den la.Aagust abends 7>(, Uhr: GESELLSCHAFTSABEND auf der Gruncwaldrennbaha MODEN- PANTOMIME von Haas-Hey« DIE ÖSTLICHE GÖTTIN Vorführung neuer Modelle TANZ Eintrittskarten 60 M. 7 Rose-Theater. r- 7', Uhr; Ein Walzertraua Reiciisliall.-TheaiEF Täglich 7'/, Uhr: Währ. b. Ferien b. Siett. Säuger Yariele-VorsL und Burleske JönhOif-Breitl\ Anf. k'/z U. Garten n. Saal/ ScmftfcPU. Aashonlt erteilt die Oesch&itsslelte ies Verhandes der dentschen Mode- Indnstrie, BeritoWS, Friedrictstrasse 61. Fernsarecher; Zentmin 12378, 1357 Senorjugte Gaststätten Berlins find die " Tonndorf-Betriebe > Ed. Arno Tonndorf- Rennen zu Grunewald (Uniod'Klub.) Sonntag, den 25. Jnli, nachm. 3 Uhr 7 Rennen Sport-PalAsi Dai g räute Kino der Welt Potsdamer Str.72» Hochbahn BOlowstr. B Esther Carena Die Seele im Sturm. Malheurchen Nr. 8 tustsp. m. Dorrlt Weixler. einoen-Rnftanront Unter den Linden 44 u. Friedrichstraße 87 Vornehmes Wein« und Vier.lRefiaurani Gepflegte echte Biere Epeziaiitu Pilsner Urquell S-f-Ufchafts, immer amttag- u. Abeudmusit ® lonnDotf® Unter den Linden 58 Kaffee» Diele» Bar Abends Wein-Restaurant Nachm» u. Abd.-Aonzert« c; Kapell. Uschmann u: Eigene Wiener Bäckereil Kassee-Zubereitung nach Karlsbader Art. «eheuswerter Sommergarten Arrangeur: Biumenschmidt, Berlin. Allseitig gerühmte Berpstegung. ZMsus Wx u. KommamlantensitraBe 58-59. Schönstes u. gröpt.Salthaus Sie gute Sallmusik. i Keifl W einzwang, Winter-Garten Heutei I Vorstellunren 31/» Uhr Kleine Preise. Kind. d. Hälfte! mm Variete-Spielplan Rauchen gestattet! Sommertli. GRDSS-BERL1H (Kllem) Hasenheide 15. Täglich 8 Uhrs Prinz u. Bettlerin Schwesterstück von Krone und Fessel, At�s�i�jrjjjj�pezialik Schloßbrauerei chöneberg:: Hauptstr. I21/J2. Dir.: E. Krämer. Sonntag, 28. Juli: GroBesRingkampI-Hsüdicap um 750 Ä. Ritzler gegen Schwarz. Nachdem ringen: Weber gegen Hawlltschek Aebner gegen May Relber gegen de Sou /"Neue Welt Arnold Scholz Hasenheide Täglich Konzert und Vorstellung. eden Mittwoch: Großes Inderfest. Jeden Dor. nerstag: EHte�Tag und Qala. Parade- Feuer. werk. Jeden Dienstag, Mittwoch, Donnerstag u. Sonntag: Im Riesen-Festsaal: Qroüer Ball. Die Kaffeeküche ist tägl. geöffnet. Anfang Wochen tags8Uhr.Sonnt.4Uhr K_______ Theater«m Kottbmer Ton Sllte-SInger Tätlich 7V, Gör. Gastspiel cLOriginel- Leipziger FrKz-Wsber- Sänger. Var verkauf ll-iv, n. 4-6 Chr. Potsdamer Str. 38 Reinh. Schüazel Otto Gebühr in Drei Xächtc. Außerdem das Lustspiel DieBerlinerRange Lotte Bach's 2. Streich mit Hilde Wörner. Turmstr. 12 DieBanditERisulferes mit Jlae Laad« Relnh. Schünael Aleaanderp'-.PdMdSe Sklaven des XX. Jahrhunderts. Nr.Z7S> A7.Fahrgaug 2� � OtlDOttß Sonntag, 25. Mi 7�2» Mit dieser Antwort gab sich unser Genosse keineswegs zufrieden' Er wie« daraus bin. dag mit Leichtigkeit uud nursehr geringen Kosten die Räume zu Wohnungen hätte» einge» richtet werden können und betonte abermals die Gesetzwidrig» k e i t der Handlungsweise de« Wohnungsamtes. Da die Firma Lindström überdies dem Wohnungsamt andere Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt habe, sei kein Grund vorhanden, ihr die Räume in der Schlefischen Strohe anzuweisen. In seiner Antwort wich da« Wohnungsamt geschickt aus und teilte lediglich mit,.dah«ine Kündigung der Räume der GaSrevier-Jnipektton durch Beschluß deS MietSeinigungSamteS IX als zu Recht bestehend anerkannt ist.' Soweit der Sachverhalt. Wir können uns der Argumentation unsere« Gewährsmannes nur vollinhaltlich anschlietzen und richten die Fortsetzung üer Generalversammlung des Sozialöemokratischen Vereins öerlin findet am Dienstag, 6 Uhr, in de» M» s i k e r- sä len, Aaiser-WilhelM'Dtrafie 31, statt. — Die alte» Delegiertenkarte» legitimiere».— unsererseits an das Wohnungsamt die Frage, ob sein Bescheid vom 12. J)lni daS letzte Wort in dieser Angelegenheit gewesen ist. Es darf versichert sein, dah e« aus diese Weise nicht im geringsten zur Linderuug der Wohnungsnot beiträgt und durch solch« Mahnahmen bei der Bevölkerung immer mehr den Eindruck erweckt, dah e» ent- weder seinen Aufgaben nicht gewachsen ist, oder sich von Grundsätzen leiten läht, die nicht dem Jnteresi« der All- gemeinheit entsprechen. Wir erwarten nicht nur, sondern verlangen, dah der Entscheid in dieser Angelegenheit ge« ändert wird und die Räume in der Schlestichen Str. 26a nicht der Firma Lindström, sondern der unter der Wohnungsnot schwer leidenden Bevölkerung zur Verfügung gestellt werden. Schitsftmg automobiler Sprengwage«. Nachdem jüngst durch Gemeindebeschluh die Beschaffung von 40 elektromobilen Kehrmaschinen genehmigt worden war, um nach Ablauf de« Unternehmerdertrages über dre Bespannung der im Betriebe der Strahenreinigung stehenden alten Strohenkehrma'chinen am 1. April 1321 den automobilen Betrieb einzuführen, sollen nun auch die Kehr- Maschinen und die mit ibnen zusammenarbeitenden Sprengwagen mit automobiler BetriebSkrafl ausgerüstet werden. Für jede Kehrmaschine ist ein Sprengwagen erforder- lich. weil dem Kehren eine Besprengung des StrahendammS zum Aufweichen des Kehrichts und zur Niederhaltung des Staube« vor- angehen muh. Obwohl hiernach für die zu beschaffenden 40 Kehr- Maschinen auch 40 Sprengwagen erforderlich wären, und ein Ver- such die Zweckmähigkeit des Umbaues der für Pferdebespannung eingerichteten Sprengwagen ergeben hat, sollen au« Sparsam« keitSrückiichten und zur weiteren Erprobung zunächst nur fünfzehn Sprengwagen umgebaut und mit elektrischem Vorspann versehen werden. Diese auto« mobilen Sprengwagen würden sowohl nachts vor den Kehrmaschinen die Reinigung, als auch am Tage ohne sie die Besprengung der Steinpflasterstrahen besorgen können; sie erfordern aber bei dieser doppelten Ausnutzung alsdann auch die doppelte Anzahl von Batterien. Di« umzubauenden Wagen sind nur für die Verwendung auf den Steinpflasterstrahen in Aussicht genommen, da für die Besprengung der Asphaltstrahen 60 elektrische Strahenwafchmaschinen im Betrieb« sind. Die Kosten für die Umwandlung deS Pferdebetriebes der 16 Sprengwagen in den elektromotorischen werden voraussichtlich 1820 000 M. betrage«. deren Bewilligung bei der Stadtverordnetenversammlung vom Magistrat beantragt wird._ .Das Opfer einer Täuschang.' Bon dem Vertreter de« JugendamlSinipektorS. über besten Verfehlungen wir in Nr. S67 berichteten, erhalten wir folgende Zu» �.Es ist unwahr, dah zwischen den Klagen der nach Prero w verschickten Berliner Schulkinder über mangelhaft« Ernährung und den angeblichen Verfehlungen meine« Mandanten irgendein Zu- sommenhang besteht. Die« erhellt schon au« der Tatsache, dah die Beschaffung der Lebensmittel für die Kinder nicht dem siadtischen Jugendamte, sondern den Pflegeeltern obliegt. Unrichttg ,st weiterhin die Behauptung, dah mein Mandant sich an der L er- schiebung von Nahrungsmitteln beteiligt habe. In | einem Einzelfall bat er im Rabmen seiner Dien si befug- « i s s e gutgläubig über einen kleinen Posten Kond«»«- milch im Interesse der Jugendpfleg« verfügt und ist hierbei bedauerlicherweise das Opfer einer Täuschung geworden.' Die Untersuchung wird ergeben, was an der von einer Karre- fpondenz verbreiteten Meldung über die Verfehlungen richtig ist. 5ür öela khun. Di« Unabhängigen hatten im Verein mit den Kommunisten die Berliner Arbeiterschaft am Sonnabendnachmittag zu einer Protestkundgebung gegen die Jnternierung Bela K h u n S in den Lustgarten gerufen. Schon in den ersten Nach- nrittagsstunden sah man teilweise sehr stark« Gruppen zum Ver- sammlungsort« marschieren. Di« grüne Sicherheitspolizei hatte die Grenzen des Bannkreise« stark besetzt, während sie im Lustgarten selbst nicht vertreten war. Zu den Versammelten sprachen bekannte Führer der linkSradi- kalen Parteien. Ihre Aufgabe wurde dadurch besonder» erschwert. dah»Ine Glocken der Reaktion', wie Ledebour die Domglocken nannte, in dem Augenblick zu läuten begannen, als die Redner das Wort ergriffen. Adolf Hoffmann protestierte gegen die Schmach, die er darin sah, dah Deutschland angeblich das Asylrecht verletzt hckbe. Diese Tat stehe am Anfang derjenigen, die die Reaktion noch plane. Der Auslieferung Khuns solle der Transport französischer und englischer Soldaten nach Polen folgen. Da« dürfe kein beut- scher Arbeiter zulassen. Ledebour, der von der Museumsfrei- treppe sprach, zog mächtig gegen die deutsche Regierung, die von der„von NoSke grohgepäppelten OffizicrSiamarilla' geführt werde. loS. Er appellierte an die deutscheu Eisenbahner, Transporte von Ententesoldaten nicht zu befördern, und kündigte an. dah die deutsche Arbeiterschaft unter Umständen mit Hilfe deS General- st r e i k S Bela Khun« Freilassung erzwingen werde. Wiederholt kam e« zu lebhasten Auseinandersetzungen zwischen Unabhängigen und K.Ä.P.D.-Leuten. Die letzteren warfen den unabhängigen Führern Lauheit und Unentschlossenheit vor und forderten sofortigen Generalstreik. Richtlinien für kommunale BesokdungSreforme» find vom Deutschen Gtädtetage aufgestellt. Da» Preuhischr Beamten- diensteinkommengesetz lag zugrunde. ES wurde eine Muster- besoldungSvorschrist für städtisch« Beamte ausgearbeitet mit De- stimmungen de« genannten Gesetzes, die sich zur Uebernahme auf das städtische Beamtenverhältnis eignen. Bei Erörterung der Frage, in welcher Weife die verschiedenen Gruppen der städtischen Beamten in den staatlichen BesoldungStarif einzugliedern feien, ergab sich die Unmöglichkeit, die Einrethung einheitlich für das Gebiet des Reiche« oder auch nur de« Preuhifchen Staate« zu bewerkstelligen. Zur Ergänzung der in der.Muster- besoldungSvorschrist' empfohlenen Regulierung der Bezüge der aktiven städtischen Beamten ist ferner von der Zentralstelle de« Städtetage« ein Borschlag für ein preußisches Ortsstatut über Ruhegehalt und Hinterbliebenenbezüge ausgearbeitet worden. Der Magistrat Berlin hat den Beschlüsten der Großen Depu- tation über die Regelung der Tarife der städtischen Arbeiter zugestimmt. Die Siadtverordneten werden sich in ihrer nächsten Sitzung, die voraussichtlich schon am Donnerstag. den 6. n. Mt«. stattfinden wird, mit den Abmachungen beschäftigen: Beschlagnahme und Anzeigepflicht von Luftfahrzeuggerät. Di« Durchführung des Protokolls von Spa, vom S. Juli 1920, macht es erforderlich, die bis zum 16. August 1920 im Deutschen Reichs- anzeiger Nr. 137 vom 24 Juni geforderte Anmeldung von Luftfahrzeugmatecial bereits auf den 6. August 1g20 zu verlegen. Die Abänderung der Bekanntmachung ist im Deutschen ReichSanzeiger Nr. 162 vom 28. Juli erschienen. Bei Nichteiu» Haltung der Frist wiiio unverzüglich Strafverfolgung eintreten. I» ZirknS Busch gibt et ein neues Programm. Di« Darbietungen haben einen hohen künstlerischen Wert und bringen so ziemlich daS neueste auf dem Gebiete der S r t i st i k. Auf M a r g a Behrwalls aufregende Todespromenade folgen gymnastisch« Akte von unendlicher Komik; die Kunstradfahrer Geichwister I o n n tz find reizender Grazie voll, auch in den gefährlichsten Situationen. Auch Ha go und Pepita mit ihrem Musikalakr gefallen sehr. Der lebende Pr opeller der 2 Mandro ist an Tollkühnheit wohl da« verwegenste, was je auf dem Gebiete der Lustgymnosiik geleistet wurde. Geschwister Weis« als Kopf- auf- Kopf« Künstler find, wie das Programm sehr richtig sagt, ohne jede Kon- kurrenz. Den Balanceakt der Perla» muh man gesehen haben, um es überhaupt zu glauben, da« so etwa« möglich ist. Abgeschlossen wird da«.mustergültig« Programm durch ein« hoch- komische Pantomime.Alle« wegen der Wohnungsnot'. SroßGerün Sruüer Arbeiter. Das; deine Hände hart sind und hätzlich, und die meinen weich und schön, sieh, du mutzt deswegen nicht bitter werden. Bruder Arbeiter; mich dünkt, deine Hände sind schön als Zeugnis der Arbeit! Datz deine Kleider schmutzig sind' und rauh, und die meinen sauber und modisch, sieh nicht scheel. Bruder Arbeiter; mich dünkt, deine Kleider sind reich mit den schmückenden Spuren der Arbeit! Datz dein Körper gekrümmt ist von Lasten und mürbe. und der meine gepflegt und schlank, wirs's mir nicht vor. Bruder Arbeiter; mich dünkt, dein Körper hat Adel und Würde durch Qualen erkauft! Latz von dem Mitztrauen, ich fühle wie du; latz von dem Tadel, ich schaffe gleich dir am Bauplatz der Zeit; nicht leichter, nicht froher. Auch ich bin dein Bruder und strebe das Schöne des Lebens für alle zu schaffen. Nicht Hartes uns allen auf- zubürden ist das Ziel, denn einem jeden die Güter des Lebens zu ermöglichen; Erreichtes nicht zu vernichten. Es mutz eine Zeit kommen, in der wir alle wie Brüder leben, freundlich zueinander, sorglos und froh. Es mutz eine Zeit kommen, in der es keine Ueberhebung gibt, keinen falschen Stolz, keinen Hochmut, wo sich die Menschen als Gleiche begegnen, stolz nur auf die Arbeit. Es muß eine Zeit kommen, in der alle Völker ein Christentum eint im Sinne des Christus, nicht im Sinne einer Lehre, bis vergewaltigt wurde, das Morden zu heiligen. Es mutz eine Zeit kommen, in der wir alle geeint sind und glücklich; ein Zeitalter. daS die Fehler und Sünden oller vergangenen Geschlechter tilgt und das unendliche Leid unserer Tage mit Frieden und Glück aufwiegt. Ich strebe und helfe als einer unter Millionen am Bauplatz der Zeit, in meinem Beruf, in Arbeit, wie du, Bryder Arbeiter. Datz meine Hände weiß sind und glatt, datz meine Kleider weich sind und schön, datz mein Körper gepflegt ist und schlank, sieh mich nicht bitter an, Bruder Arbeiterl L. Seidel. Wohnungsamt und Wohnungsnot. Nicht nur die Klagen über die Wohnungsnot, sondern auch über die Wohnungsämter nehmen kein Ende. Man gewinnt sehr osl den Eindruck, als ob in einigen dieser Aemter Leute sähen, die gcoheS Interesse daran baben, die Wohnungsnot zu steigern, s:air zu mildern. Alle Klagen und Beilbwerden waren bisher nicht imstande,«iniaermahen geordnet« Verhältnisse auf dem WobnungS- markt zu schaffen. Wir sind leider nickt in der Lage, die uns zahl- reich zugehenden Klagebriese der Oeffentlichkeit zu unterbreiten. An? einem Schriftwechsel aber, der ein bezeichnende« Lickt auf die Tätigkeit des Wohnungsamtes Berlin wirst, wollen wir doch einiges der Oeffentlichkeit unterbreiten. In dem Hause Schlei ische Straße 26» war dre 21. Sie- pierinspeltion der Städti'chen Gaswerke untergebracht. Diese Räüme. die vorher zu Wohnzwecken benutzt wurden, räumte die Inspektion am 21. Juli. Anstatt nun die leergewordene Wob- nung, wenn nötig, umzubauen und einer wohnungSlosen ffainilie zur Verfügung zu stellen, wurde sie der Firma Carl Lind- ström A.-G.. Berlin, zu Bureauzwecken überwiesen. Das Gesetz bestimmt bekanntlich, dah lreiwerdende Bureau« a u«- schlietzlich Wohnzwecken zuzuführen sind. Da« Wohnung«- amt hat also offenbar gegen diese Gesetzesvorschrift verstotzen. Daraus wurde e« von einem unserer Genossen, der al« Angestellter der Städtischen Gaswerke die Angelegenheit bearbeitete, aufmerksam gemocht. Darauf antwortete da« WobnungSamt, dah au« den frei werdenden Räumen.nur mit sehr erheblichen Kosten Wobnungen hätten geschaffen werden. können'. Es wieS darauf hin. dah die GaSrevierinipektion in einem ehemaligen Restaurant untergebracht worden sei. und dotz die Firma Lindström als Ausgleich ander«. ihr zur Verfügung siebende Räume.zur Verfügung gestellt' habe. so dah alio für da« WohnungSaml' kein Grund bestand, Einspruch zu erheben'. „0] Segen öer Cröe. Roman von Knut Hamsun. Arel Ström merkte, daß er wieder in Gefahr war; er bcgegneie, als er aufsah, nicht einem einzigen Bück, aller Augrn hingen an dem Redner. Aber ganz hinten im Saale satz Mitzler wieder, er sah äußerst überlegen aus. als ob er Platzen wolle vor Hochmut, mit seiner vorgeschobenen Unter- lippe und mit gen Himmel gelvondtein Gesicht.. Ties« un- geheure Gleichgültigkeit gegen den Ernst des Gerichts, dtetes laute gen Himmel gesandte„Hm" wirkt« ermunternd auf Axel, er fiihlte sich wieder der ganzen Welt gegenüber nicht mehr allein....... Und nun kam endlich die Sache ins Blei, dieser Staats- anwalt schien endlich zu der Einsicht zu kommen, daß es nun genug sei, er hatte soviel Bosheit und Verdacht gegen Axel verbreitet, als irgend möglich war, nun hielt er inne.-ja, der Herr Staatsanwalt wachte gewissermaßen vollkommen Lehrt, er beantragte nicht einmal Barbros Verurteilung. Er sagte zum Schluß gerade heraus, daß er selbst nach den vor- liegenden Zeugenaussagen nicht die Verurteilung der Ange» klagten beantragen könne., Das ist ja sehr gut, dachte Arel. Dann hat bte Getchichte ein Ende. Nun legte sich der Verteidiger ins Zeug, ein junger Mann, der die Juristerei studiert hatte und dem nun in diesem Prächtigen Fall die Verteidigung anvertraut worden war. Es war auch nachher nur eine Stimme darüber, noch niemals fei ein Mann so sicher gewesen, daß er eine Un- schuldige verteidigte. Im Grunde war ihm diese Frau Schultheiß Heyendahl zuvorgekommen, ste hgtte ihm am Vor- mittag verschiedsne Argumente gestohlen, er war sehr unzu- frieden damit daß sie die Gesellschaft ausgenützt hatte.— O diese Gesellschaft batte auch bei ihm sehr viel auf dem Kerbholz! Er war ärgerlich auf den Vorsitzenden, daß er Frau Heyerdohl das Wort nicht entzogen hatte. Dys war ja eine ganz richtige Verteidigungsrede gewesen, die sie gehalten hotte; was blieb da ihm noch übrig? Er fing mit dem allerersten Anfang von Barbro Bredes Lebenslauf an: sie stammte aus kleinen Verhältnissen. übrigens von strebsamen und achtungswerten Eltern, sie sei frühzeitig in den Dienst gekommen, und zwar zuerst zu dem Schultheiß.„Wir haben heute die Ansicht gehört, die ihre Diensthörrin, Frau Heyerdahl, von ihr hatte, sie könnte nicht ftrdblenber sein." Dann sei Barbro nach Bergen gekommen. Der Verteidiger verbreitet sich eingehend über das sehr wohl- meinende Zeugnis, das ihr von den beiden Kontoristen in Bergen, bei denen sie eine Vertrauensstellung eingenommen hatte, ausgestellt worden war. Dann sei-Barbro wieder heimgekommen, als Haushälterin bei einem Junggesellen draußen im Oedland. Hier habe ihr Unglück angefangen. Von diesem Junggesellen habe sie ein Kind unter dem .Herzen getragen. Ter geehrte Herr Stäatsanwalt habe übrigens aus die allertaktvollste und schonendste Weise— die Möglichkeit einer Gelmrt im geheimen angedeutet. Ob Barbro ihren Zustand verborgen, ob sie ihn verhehlt habe? Die beiden Zeuginnen. Mädchen aus ihvcm Heimatdorf. hätten gemeint, daß sie guter Hoffnung sei, und als sie sie fragten, hatte sie durchaus nicht geleugnet, sie fei nur kurz darüber weggegangen. So machten es junge Mädchen in diesen Fällen, sie gmgen kurz darüber weg. Sonst fei Barbro überhaupt von ntemand gefragt worden. Ob sie zu ihrer Frau gegangen sei und ihr gebeichtet habe? Sie habe keine Frau gehabt, sie sei selbst die Frau gewesen. Einen Haus- Herrn bobe sie allerdings gehabt; aber so ein junges Mädchen gehe mit einem solchen Geheimnis nicht zu ihrem Herrn, sie trage ihr Kreitz allein, sie spreche nicht davon, sie flüstere nicht einmal sie sei«in« Trappisttn. Sie perstecke sich nicht, aber sie holte sich in der Einsamkeit. Das Kind iverd« geboren, es sei ein ausgetragener und wohlgebildeter Junge, er habe nach der Geburt gelebt und geatmet, aber er.sei erstickt. DaS Schwurgericht Lenne die näheren Umstände bei dieser Geburt, sie sei im Waffer vor sich gegangen, die Mutter sei im Wasser gefallen und habe dort geboren, sie sei nicht imstande gewesen, das Kind zu retten, sie habe liegen bleiben müssen und sich selbst erst nach? her ans Land retten können. Nun gut. an dem Kinde sei kein« Spur von ihm angetaner Gewalt zu entdecken gewesen, es trage keine Spuren davon an seinem Leibe, niemand habe seinen Tod gewollt, es fei im Wasser erstickt. Es sei gar nicht möglich, eine natürlichere Erklärung für seinen Tod zu finden. Der geehrte Herr Staatsanwalt habe aus ein Kleidungs- stück hingedeutet: das sei ein dunkler Punkt, daß sie dieses halbe Hemd mit auf ihren Gang genommen habe. Aber nichts sei Hauer als diese Dunkelheit; sie habe den Lappen mitgenommen, um Wachholderreis darein zu sammeln. Sie hätte ja auch— sagen wir einmal einen Kissenbezug— mit- nehmen können, aber sie habe nun einmal das Stück Hemd mitgenommen, etwas habe sie ja doch haben müssen, sie hätte das Wacholderrets nicht in den Hgnden heimtragen können. Nein, hierüber könne sich das Gericht vollständig beruhigen. Aber es gäbe da noch einen anderen Punkt, der nicht ganz so klar sei. Ob der Angeklagten die Unterstützung und die Sorgfalt zuteil geworden sei, die ihr Zu stand zu jener Zeit verlangt«? Ob ihr Hausherr gewußt habe, daß sie ge- schont werden mutzte? Schön, wenn er es getan hotte. DaS Mädchen habe hier während des Verhörs mit Anerkennung von ihrem Hausherrn gesprochen, daS dgute auf eine gute und edle Gesinnung von ihm. Der Mann selbst, Axel Ström, habe in seinen Aussagen die Beklagte durchaus nicht belastet — und darin habe er auch ganz recht getan, um nicht zu sagen klug._ denn_ mit ihr würde auch er freigesprochen werden. Möglichst diel Schuld auf sie zu werfen, würde ja, wenn es zu ihrer Verurteilung führte, ihn selbst mit ins Verderben reißen. Es sei unmöglich, sich in der vorliegenden Sache in die Akten zu vertiefen, ohne vom tiefsten Mitleid mit diesem Mädchen und ihrer Verlassenheit ergriffen zu werden. Und dennoch habe sie nickt nötig, die Barmherzigkeit anzurufen. sie wende sich nur an die Gerechtigkeit und das Verständnis. Sie und ihr Hausherr seien gewissermaßen verlobt mitein» ander, aber Uneinigkeit und entgegengesetzte Interessen schlössen die Ehe aus. Bei diesem Mann könne dieses Mädchen in der Zukunft nicht das Glück finden. Es sei nicht ange- nehm, davon zu reoen, aber um noch einmal auf daS mitge- nommene Kleidungsstück zu kommen, wenn man der Sache näher trete, so habe das Mädchen nicht eines von ihren eigv- nen, sondern eines von den Hemden ihres Hausherrn mitge- nommen.„Wir haben uns selbst gleich zu Anfsng gefragt? War ihr dieses Hemd von ihm zur Verfügung gestellt war- ben?" sagte der Verteidiger.„Hier, meinten wir, könnte eine Möglichkeit herausschauen, daß der Mann Axel die Hand mit im Spiel gehabt habe." „Hm!" machte es hinten im Saale. DaS klang so h«t und laut, daß der Redner innehielt, oller Lugen suchte» nach dem Urheber dies« Unterbvechung. und der Vorfitzende schleu- derte einen scharfen Blick nach jener Richtung. sForts. solgt.) Grrch-Berliuer Lebensmittel. Vr«tt«tenftichwort: Messing. yn dieser Woche gelangen zur Verteilung w: Berit» M> Gram« Haferflocken<37 u. 88). (kcharlottevburg. SIX» Grannn Hülsenfrüchte oder Haferflocken<80 z— e), 125 Gramm Gerstensabrilate<37), 125 Gramm Haseisioaen(38), 500 Gramm ZieiZ(317), 250 Gramm Maisflocken(318), 3 Päckchen Note Grütze>.813), 125 Gramm amerik. Zeralmehl<320), 125 Gramm Kunstbonig i321), 250 Gramm Haferflocken(31), 250 Gramm Waisflocken(32). Für Kriegs- beschädig c, die 33 Proz. und mehr erwerbsunfähig find, je 1 Pfund Teig. waren, Graupen imd 2 Pfund inländ. Hafernährmittel. Für schwangere Frauen vom 4. Monat ab 2 Pfund Teigwaren. 1 Pfund Zwiebacks und 2 Pfund Haferflocken, vom 4. bis einschl. 6. Monat auflerdem 3 Büchsen kondensiert« Milch mit Zucker. Für Kmder im 1. Lebensjahr 750 Gramm, im 2 Lebensjahre 500 Gramm inländ. Hafernährmittel und im 12. bis IS. Jahre eine- Büchs« kondensierte Milch. Schöueberg. Bis 27. Voranmeldung 250 Gramm MaiSgrieg(37 u. 38), 250 Gramm Kunsthonig(44). Ausgegeben werden für Fugendliche 1 Dole kondenf. Milch(50) u. 1 Stück Toilettenfeife(öS). Fortsetzung der Ausgabe von 250 Gramm Haferflocken(33), 250 Gramm AuSlandSmarme- lade(40)._ Tadle«. 125 Gramm Nudeln(36), 250 Gramm Kunsthonig(38). Lichterfelde. 260 Gramm Gersten flocke»(37 und 38), 4 Päckchen SM, off<05). Neutollu. 250 Gramm Kunsthonig, 500 G amm Fruchtmehl u. 250 Gramm Reis(148), 500 Gramm Marmelade u. 100 Giamm Syrup(149), 250 Gramm Haferflocken und 250 Gramm Knchenmcbl<150). Sluf Nöhumllelkarten 250 Gramm Kindcrgerslenmebl. Für Kriegsbeschädigte 500 Gramm Haferflocken und 500 Gramm Nudeln. Groß-Serttner Parteinachrichten. Morgen, ÄS. Juli: Sl. Abt. VI, Ußr Sitzung sämtlicher Funktionär« und Vertrauens- «Ute bei Goldfchmidt, Stolpische Straße 3S. Wichtige Tagesordnung. 42. Abt. 7 Ubr Sitzung der ParteifunMonäre und LettiebSvertrauens, leute bei Behrens. Tegeler slr. 22. 46. iildt. 7 Uhr Sitzung der Barteifunktionäre und BettiebsvertrauenS- leute bei Sielaff, Schulflr. 40, Ecke Reinickendorfer Slr. Neukölln. 9. Abt. 7 Uhr: Sitzung der Funllionäre bei Schul», Emser Str. 27. Mo-rgeu TVa Uhr Jraueuabeude: fl. vis s. Abt. Bei HSlke, Bergmannstr. 69. Ref. Genosse Dr. Rose«. ierg:.Di« Friedensbewegung und die Frauen.' lO. Abt. Frauenabend fällt aus. Dafür Ausflug«ach Sichwalde, Treffvunkt 9 Uhr 30 Min. Görlitzer Bahnhof, an der Sperr«. II. Abt. Bei GeiSler, Sialitzerstr. 59. Ref. Genossin Henseleit:»Di« Körperpflege vor und nach der Geburt.' 12. Abt. Bei Fröhlich. MuZkaner Str. 1. Ref. Genosse Lehrer Meise: .Das Erfnrter Programm und die Frauen.' 45. Abt. Bei Pose. Koloniestu 15. Ref. Genosse Bauer:.Welchen Wert bat die Bildung der Arbeiterin.' 30. und 31. Abt. Im Jngend�immer der Gememdeschule Bapvel-Allee 40/41. Vortrag des Genossen Schlienz über:.Die Verhandlungen in Gpa und die dadurch für Deutschland geschaffene politische Lage.' Gharlot-euburg. 7»/, Ubr für die 1. bis 2. und 11. Gruppe bei Kemlein, Friedrich-Karl-PIatz 6; Krupp« 3 bei Bade. Kafferin-Auguito- Allee 52; Kruppe 4 bei Lux. Uwauflr. 1; die Gruvven 5 bis 10 bei Schwache, Krummstr. 4; die Gruppen 12—14 bei Schultbeist, Kantstr. 51; die Gruppen 15 bis 18 bei Grunert. Schsüterstr. 47. Vortragend«: Frl. Radlke. Dr. Seligsobn. E. Tost. I. Hinrichsen. Fr. Schal, und W. Mickler. Oberichöuewcide. Luisen Hof. Luffen, Ecke Marienstrasse. Pankow. Bei Langenhausen. Florastr. 73. Res. Genosse Keller. Mariendorf. Am 27. Juli. 7>/, Uhr bei Koch. Chausseestr. 44. Ref. Genosse Fendel:»Politische Mb gilb- und Unmöglichkeit.' Aiederschöneweide.'ZIm 28. Juli. 7-/, Ubr. bei Retbel, Grünauer Straffe 8. Rezitatoren Gen. Birnbaum und Gen. Bierbücher:.Klara ststüller- Jahn!«.'(Rezitationen.)_____ 35. Abt. Diejenigen Genossen, welche sich a» de» Konzertveranftal- tungen 1920/21 des BezirkSbildungsausschuffeS beteiligen wollen, werden ersucht, sich beim Genoffen Pöbn, Hussitenstr. 34, zu melden. Schöneberg. Dienstag Ublandlchule. Kolonnenstr. 22/23, Mitglieder- Versammlung. Tagesordnung: 1. Die Reorganisation Beriint. 2. Wahl der Delegierten zur Kreisgeneraweriammlung Treptow-Baumschulenweg. Am 27. Juli, 7 Uhr, Mitgllederver- sammlung bei Hansel, Am Treptower Pari 67. Vorträge, vereine und Versammlungen. Republikanischer Führer. Bund. Bezirk 7(Nordend Montag 7 Uhr ausserordentliche Mitgliederversammlung. Pavpelallee 25, Lokal.— Bezirk 9 (Noiden). Dienstag 7 Uhr Versammlung, Wolliner Str. 36, Lokal.— Bezirk 20(Süden). Dienstag 7 Uhr Versammlung. Gräseftr. 2, Lokal.— Bezirk 26> Steglitz). Dienstag 7 Uhr Periammlung. Berliner Straß« 15, Lokal.— Reichsvereinigung ehem. Kriegsgefangener. Bez.-Gr. Südwest. Dienstag Vl'2 Ubr Restaurant Bierolocke, Belle-Alliancc-Str. 106, Vollversammlung.— Betriebsräte Neukölln. Wontag 5 Uhr im Karls- garten, Karlsgarlenstraxe, Periammlung sämtlicher Betriebsräte: Auch die Betriebsräte von Britz. Buckow und Rudow haben zu erscheinen.— Ar- beiter-Samariter-Kolonne Berlin E. B.>!ib>«flung Süden-Neukölln BezirtSverlammluyg Fieilag 7 Ubr Jdeal-Kqstno, Neukölln, Weichselstr. 8. — Allst. Familicnsierbekafle. Heute Zahl- und Ausnahmctag von 2 bis 6 Uhr in den Restaurants Gerichtstr. 12/ig und Adalbertftr. 24. Siehe Jnfnat. Kus a!!er weit. Zirkuscinfturz. Leipzig, 24. Juli. Im Zirlus Saraiani. der gegenwärtig hier gaitiert, stürzte beute vor Berinn der Nachm-ttagsvorsiellung das grosse Manegezelt infolge einer Windhofe plötzlich zu« sammen. wobei der Oberregii'ieur und eine Peifon aus dem Publi. kum, das glücklicherweiie noch nickt eingelassen war. schwer der« letzt wurden. Die Tiere find.sämtlich gerettet..Der Schade» wird auf mehrere Millionen beziffert. Aufdeckung eines grohen Schieberlagers. Brounschweig, 24. Juli.(Eigener Drahlbericht des.Vorwärts�.) Heut« früh wurde hier ein alter Schuppen einer Durchsuchung unterzogen. Dabei fand fich ein grosses Lager von belgische» und französischen Maschinen, Spiralbohrern und anderen Maschinen« teilen, unfertigen Geschützrohren. MaschinengewehrreUen und der« gleichen i m Ge sa m t w e r t e von mehreren Millionen Mark. Die Gegenstände waren gut verpackt, sie sollten offenbar in kurzem abtransportiert werden. Dem Anschein nach gehören st» einer Düsseldorfer Firma. Jedoch ist ihre Herkunft sehr zweifelhaft. Das gesamte Lager wurde beschlagnahmt und die Reichsregierung in Kenntnis gefetzt.-- Ei» Opfer de» Spielteufels. In Königsberg erschoß sich g» Montag der ö3 Jahre alte Depositeitkassenrsrdant der Ostpreußi« schen Landschaft. Wie sich herausstellt, hat der Beamte, der bereits 23 Jahre im- Dienst war, aus den ihm anvertrauten Beständen Wertpapiere in Höhe von 800000 M. veruntreut. Den Erlös verspielte er in Königsberg und Crqnz mit b«» kannten Spielern und bei Rennwetten. Die Diebstahle könne» höchstens fünf bis sechs Wochen zurücllisgen, denn eine Re« Vision yn Mai hatte noch alles in Ordnung gefunden. In de» letzten Tagen wurden im Zusammenhange mit diesem Borsalle in Königsberg und Cranz mehrere bekannt« Spieler vorläufig fest» genommen, doch wurden alle wieder auf freien Fuss gesetzt. Sport. I» de» ieideu Havptereigniffe» im Gruuewald gelten als vor» auSsicktliche Starter: Sierstorpff-Rennen, 1000 Meten 40 000 M. Prälat 56 oder Exlibris 54%(Jane!), Alabaster 86 oder Marga 54'/z(Olejnit). Tannkönig 56(Achläskel," Graf Ferry 56 (O. Schmidt), Favorita o4Vz iKorb). König MidaS 64�,(Raiten« bergel). Berliner Ausgleich. 2400 Meter. 40 000 M. PersicuS 62'/,(Kasver), Wackerbart 60.(Schläile), Berliner 50 (Zimmermann). Fürst Popoff SS(Jentzfch), Lanceioi 51'»'O- Schmidt), Siebenichläfer 49'/,(Bleuler). Geschäftliche Mitteilungen. Bei Baer Sohn, Chausseestr. 29 30 findet auffergewäbnlicher Hoscn-Berlaus statt. Wir oerwcifen aus das Jujerat der Firma in der heutigen Nummer.__ Sriefkatten der Neüaktzon. (Br den Briekkasten bestimmten Anfrage füge man einen Buchiwbe» ano«in» Rümmer bei. Brieflich» Auskunft wird nicht erteilt. Eilig« An» tragen trage man in der juristischen Evrechstundi Lindenstr. 3. 1. Hai rar» terr» link» vor. Schriftstücke und Verträge sind mitzubrinaen. B. 4. 1. MCMXX 2. Undenginti cennun viginti— A. 2. Ja. Wetteraussichten für das mi t!ere Norddeutschland biS Sonntag mittag. Im östlichen Küsten'ebiel etwa» kübler, üterwiesteud bcwölit und noch ziemlich, abweiche Reienschaner. Im Westen und Lüden v e!!ach beiter und in den Tagesiwiden mäßig warm, aber noch ver» änderlich. rt&rxxxib Jactrb�f Äck Ttucliroloer, Ranau a/Tri._ Ceiuralvertreiang: Vertriebsgesellsc halt für Brennerel-ErzeagMlsse m.b.H., Berlin 0 34. Bomtntener Str. 45. Fernspr.: Kumgitaa. � Um jedermann unse e la Qualitätsware zuginglieh und belcannt zu machen, haben wir uns entschlossen, den Verkauf an Prhrate direkt aufzunehmen u. liefern fr. geg. Nachn.: ' CigarillOS ZU 50 U.«o PU earant. rein Ueberse«. 1 eu 60, 6.5, 70, 75 P(. von 100 Stück an. £>lgari en � Iso v. höher V. 60 51. an. �iies nur erstklassige IVare mit lade.ios weiBum Band. 7)o-iiff>44-An mii.Vlunastück zu IS. Äff-ZSu SOPfc, ohne.'vlundstück und Oold zu 25, M, 40, 51 u. 60 Pf� nm gute Sachen m. gar. rein. heil. Tabak. Rauchtabak von 15 M. per Pfund an, und gewähren bei Abnahme von mindestens 100 Cigarillot oder Zigarren 5 Proz. 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P. ö), Den Mitgliedern die traurig« Naltiricht. daH unser langjähriger Genosse, der Sauvorsteher Franz Stucche lS. Bez., 2. Adt. verstorben ist. 240 Z Ehr« seinem Andenke»! Die Einäscherung findet Wontag, den 2>i. Inth flj nachmittag» 4 Uhr. im■ streinatorininBaunlschuIen- r weg, Ki-shoizstrahe. statt, i �stiege Beteiligung erwartet j ver Varslang. Am ZI.Jult, abend» 8 Uhr, entschlief nach langem, schwerem Leiden mein lieber unoe-geßlicher Mann, unser berzensguter, ireusorgenber Bai er. Bruder, Schwager und Onlel, der Gewerl- schast,angestellte Franz Stnscbe im Alter von 52 Iahren. In tiefem Schmerz die trauernde Witwe Anna Stusche und Sohn Bernhard. I Die Einäscherung findet > Montag, den 28. Juli, nach- > mittags t Uhr, in Baum- lchulenweg statt. IM- Iba Von/,7,Lonnl. 10-1. Teilzahl. Separ.Damemlm Spezialarzt Haut-, Harn-, Frauenleiden.Sal- rarsan-Kuren, Blutuntersuch., Mannesscbwlche, Ausschlag, Höhensonne-Beitrahlung.* Reilanst. Dr. med. Lommer, Sprechz. M-l, i-VU Sig. 10-12. BrDDBeiislf.lllS(H"«,l,,,r Sonntag, den 1. Kagnst, norm,»s-, Ahr,«m Loknl hr» Herrn S n d«« i. Srrtchfsfrnhs ZI(an der Ponte): Mitgliederversammlung Tagesordnung: 1. Bericht de» Borstande«.— 2. Kassenbericht.— 3. Neuwahl der ausscheidenden Borstandsmit- «lieber.— 4. Anlrag de» Vorstandes ans Aendcrungen der h 7 und 11 der Satzung— ü. Berschiedene». 230/19 Mitgliedsbuch legitimiert. ver vorstand. »»XI.»». Au H Teilzahlung.■ Kronen I8M. Plomhen /rilin? 1,60. Zahnziehen mit Einspr. höchst Z.UIIIIU v.-f an schmeniind. ümarb.schlechts.OeDisse.Rep. Zahnarzt Wolf sof. PotsdamerStr.Sä.Hochb. Sprechz. Q-7 Armeepislolen ob Parabsllum Mauser 8 Miilimetar fault und zahlt höchste Preise "'ififo Berlin SW, däI!,.stommendantcnstr.Z8 Hltmctalle Hotelbetriebs-Aktiengessllschaft Conrad Obls Botel firistol-Zentral-Hotel, Berlin. Aktiva. Grundstück Bristol.. Gebäude Bristol,., Hotel Beiievue.... Kranzler....... Inventar...... Maschinenanlagen.. Beteiligungen.... Vorausbezahlte Prämien Kassa....... tifokten Debitoren...... Warenvorräte.... Bilanz per 31. ZIftrz ISS«. 8 WO 625,— 2 920 000,— 4 160 000,- 980 000,— 1,— 1 095 000,— 267 13', 90 457 9(4.51 169 513.80 6 536 465,75 10 637 589 64 35 724 280,60 Passiva. Aktienkapital....... Vorz.-Aktlenkapital..... Reservefonds....... Hypothekenschulden.... Vorausbezahlte Mieten.. blicht abgehobene Dividenden Steuernreserve....... Kreditoren........ Mietsausgleich....... Gewinn und Verlust.... 9500 000,— 2 800000,— 3 679 679,81 4 859 000,- 64 549,50 21 120,- 1 oam- ii 939 98122 1 105 612.- 1 660 538217 35 724 280,60 Die Dividende für 1919/20(5 Proz. auf die Vorzugsaktien und 15 Proz aul die Stammaktien) gelangt sofort bei den Herren Braun& Co.. Berlin, Eiehhomstraße n, der Deutsclien Bank, den Herren Koppel 4 Co., üankgesciiätt Berlin, Pariser Platz 6, und Herrn Abraham Schlesinger, Berlin, MitteistraSe 2/4, zur Auszahlung. 57L Kriogsanieihe wird 2» 84•/•>» Zahlung genommen. Preisermäßigungen bis 500/o bei Modellen bis 70°/« Infolge des Andranges, Besuch vormittags erbeten! Gommimantel f. Damen n. Herren 660, 470, 430, 350, 276 Sportjacken, herabgesetzt anf. 348, 280, 96, 48, 18 Impr. Seidenmäntel, herabgesetzt.. 490, 360, 240, 172 Covercoatmintel herabgesetzt. 750, 480, 325, 216, 121 Ulster, mollige Stoffe.... 680, 490, 320, 210, 150 Kostüme, Modelle..... 1000, 850, 650, 415, 209 Lodenmantel 250, Lodenkostnme 500, StoffrScke 66, 44 Weifie Pias achmante! für die See 218.— Pelzmfintel lafi 9800, 6400, 3600 Seal- Plüschmäntel 2500.— Feine Plüschmäntel 1800.- 1400.- 980.- Westmann L Geschäft: Berlin W, Mohrenstratse 37 a 2. Geschäft: Berlin NO, Gr. Frankfurter Str. 115 Donherktag, 23. Juli, 6 Uhr abend», beginnt unter der Lei- lung eine» bedeutend. Redners u. Boitsmirt» im Zeichensaat d. Angnita- lbomnasinms. Chor- lottsnbnrg, Canerstr. 87, ei» neuer unentgeltlicher Rkdiinkllrsiis sowie wirtschaitt. u. politischer Aildungslurlu». U«dung»tage: Rontag u. Donneretag 6 bis 8 Uhr abends. Dauer:.gwet Monate. 103470 S» wird nur eine Slnschrelde- gebühr oon 5 M. erhoben. Meidung bei Beginn de» Äurw« oder vorher an A. Gebhardt. Charlotten. barg, Suatezstr. 4. Die sturse dienen keiner po- litischen Partei, Liga zum Schutze der deutschen Kultur. Sin nener Leist SeHMg in 24 SkO.. ohne öuerofioa slhAerzlos! Masuch& Co., Essen, Holsterhauserstr. 44. Achtung t In Berlin w. ti'ijrnerstraße 12 I. erteile Ich vlenstog, hon 27.. Mittwoch, den 2»., und vonnerstag. den M. Juli, petsönlich(ostontofe nähere Aue'unsl. Telephon Liitzow 2780(8 Min. vom Potsdamer Bahnhos. Untergrundbahn BüivN'str» Nebenstr, der Lutzowstr.)._ 91/5 Kofftnisenlainm�Ste Monö-Exim ............................................................... Klmge« ?4841,85 Effetten-Konto.. 48 68ZL5 Bau-Konto... 28 022.78 Lanbwirisch.- Konto 617 10,56 Wertz-ng-Konto.. 5400,— Ledende» Inventar, Lcegebrnch... 8030,— Gewinn- u. Verlust- Konto..... 46 097,06 Kredit vp enost ensch.» Tinteil- Konto..... Spareinlagen-Konto jiredttoren-Konto. 445 320,45 M. 325 038,86 33 l.->2.74 21 2u4ch5 445 328,15 Gewinn- u. Setlnst-Aonfo. Unkosten-Konto.. 34 333,15 Abschreibungen.. 14786,13 Sewinn-Bortrag. Zinsen und Erträge BUanz-Konto... 4» 119,23 I.- 2 121,22 46 997,06 49 U9J8 Im Sauft de»«,schäft»jahre» find ewgetreten 445 Denossen, ausgeschieden.. 4 E» gehören der Eenosset.schast am Iaoresfchlust an 44i Gen. Die Haftsumme iämtlicher De» Nossen beträgt. 366 500 M. «hnrlottenbnrg. 26Iuntl920. „Empor", DewetnnLtztge Siedlung». genoiseosch-st, 139.0 Eingetiagene Sensssenschaft mit beschränkter Hasipsticht. Auerdach. Schmidt. Anfnab uns, Erholung»h«unen E>i IRtta),«rua»hanpten. Ober- schr-iberhau, Oehregselb im Harz, Au»kc Stelle, Schaper- ftratz« 9. 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Werbungen, die Angaben über die bisherige Tätigkeit I unw ,pehaltsansprüche enthalten,»Ind mit der Aul- i ßchnfl nBewerbungt4 iu richten«n Paul Röhl«, Bezirkssekretär, ' 230/18» Frankfurt a.*1, Allerheiligenstr. 87 L Reichswirtjchastsrat und Kohlenabkommen. (Schluß mis der Abendausgabe� Gewerkschafissekretär Rudolf(fortfahreud): Zurzeit werden schon viel Stunden Ueberarbeit in der Schiffahrt stillschweigend geleistet, um die deutsche Wirtschaft auf- rechi zu erhalten. Der Dank ist eine geradezu skandalöse BeHand- lung der Ernährimgsfroge der Schiffahrt. Die Regierung muß sofort Verhandlungen mit dem Schiffohrts- gewerbe ausnehmen, damit die Ernäbrungs- und B e k l e i- dungsfrage gelöst wird. Bei Loslösungsbestrebungen würde die Binnenschiffahrt die Beförderung von Kohlen an die Entente einstellen. Nur unter der Voraussetzung eines einheitlich bleibenden Dentichen Reiches ist die Binnenschiffahrt bereit, zur Ersüllung des Spaer Abkommens alle Kräfte einzusetzen.(Beisall.) Geheimer Bergrat Hilgen: Ich gehöre im Gegensatz zum Vorredner zu denen, die in Spa milarbeilen konnten. Die tj-achverständigen befinden sich ja meist in der Rolle des Chors der griechischen' Tragödie, der Ereignisse beklagt, die man nicht ändern kann, und Ratschläge gibt, auf die man nicht hört.(Heiterkeit.) Der Borwurf Millerands, daß Deutschland heute aus Oberschlesien stärker beliefert wird als vor dem Kriege, trifft an sich zu, aber es fehlt den Gebieten jetzt die früher von ihnen bezogene englische und böhmische Kohle. Wir find in Spa gegen das Kohlenabkommen gewesen, weil wir es für undurchführbar halten. Ich hänge mit allen Fasern meines Herzens an meiner rheinischen Heimal. Ich kenne auch die Folgen einer feindlichen Besetzung; dennoch habe ich gegen die Unterzeichnung gestimmt. Ob die Entente das Ruhrgebiet doch besetzt hätte, weiß ich nicht. Es wäre jedenfalls nicht ein militärischer Spaziergang geworden, wie von Mainz nach Frankfurt, sondern� eS wäre zu großen Unruhen gekommen und zu einem gewaltsamen Rückgang der Förderung. Trotz der Einsicht, in alle Folgen konnten wir Sachverständigen der Unterzeichnung des Kohlenabkommens nicht zustimmen. Dr. Wolter Rathenau: Man hat gesagt, die Alternative habe gelautet: Lieferung oder Okkupation. So lautete sio nicht. Es war zu fragen: Was ge- ichiefjrt, wenn die Franzosen einmarschieren? Werden dann die •2 Millionen Tonnen geliefert oder nicht? Die Antwort lautete, sie werden geliefert werden. Die Altermativo sah somit anders aus. Sie hatte den Sinn: Entweder Lieferung mit oder ohne Okkupation. Ziehen wir von diesen beiden Alternativen die Lieferung ab,. so bleibt übrig die Okkupation. Man hatte sich abzufinden damit, ohne einen entscheidenden wirtschaftlichen Vor- teil zu erzielen. Es war zweifellos, daß die Okkupanten sich nicht begnügen würden mit 2 Millionen, vielmehr trat im Augenblick nnscrer Weigerung die Lieferungspflicht nach htm Friedensvertrag in Kraft. Nun hat Herr Stinnes gesagt, den Franzosen wäre es nicht möglich gewesen, das Mehrquantum abzutransportieren. Unbestreitbar wäre es aber gewesen, so halte ich dem entgegen, daß sie auf dieses Quantum die Hand legen konnten, es als Eigentum behandeln konnten. Vielleicht hatten sie es uns zu Weltmarktpreisen angcboten. Das hätte eine Differenz von etwa 8 Milliarden Papiermark bedeutet. Unblutig, stillschwei- gcnd und ohne mit der Wimper zu zucken, konnte so der größte Teil der Reparationsfrage mit erledigt werden. Diese Alternative Ivo r eins der gefährlichsten, die eintreten konnte. In dem Augenblick, wo die Frage der falschen Mtermativstellung entkleidet itxic, war es den Sachverständigen nicht mehr möglich, sie vom rein wirtschaftlichen Standpimkt zu betrachten, sie waren vielmehr der- pflichtet, gleichviel, ob sie mit oder ohne politisches Mandat nach Spa gegangen waren, die Konsequenzen im ganzen Umfange ins Auge zu fassen,(»cfw richtig!) Hierhin gehört auch die Frage des Grubenholzes. Ich möchte wissen, ob man demjenigen O ktupantcn ein Material verweigern kann, der das Material in der Hand hat, das unser Leben und unseren Tod bedeutet. (Zustimmung.) Es wäre außerdem noch ein günstiger Fall ge- wesen, wenn sich die Franzosen mit der Lieserungsfovderung des Friedensvertrages begnügt hätten. Wir wissen ja, wieviel Un- reckt geschieht und goscheben ist. Was wäre die Lage von Frank- reicb infolge der Okknpäticm gewesen? Neben seiner wirtschaftlichen, politischen und militärischen Hegemonie hätte es noch die industrielle Hegemonie in Europa in die Hand bekommen. Preußen mutzte sich sagen:: Zunächst wird Frankreich abtransportieren, was es kann. Danach wird man uns ein Quant um zum Kauf anbieten, und� man wird Süddeutschland sehr stark beliefern. In demselben Zeitraum, in dem diese Verhandlungen schwebten, ist ja ein französischer Ge- sandter in München eingesetzt worden. Die Bevorzugung Süd- deutschlands hätte voraussichtlich Gefühle erzeugt, die im Jnter- esse der Rcichseiiiheit kaum wünschenswert waren. Die Folge wäre vielleicht gewesen, daß ein französisches Protektorat nicht un- gern gesehen wäre und unter einem solchen eine bosfindere Industrie sich entwickelt hätte. Ich möchte die Unterstellung abweisen, daß Arbeitgeber und?lrbettnehmor inner- und außerhalb von L-pa die durch die Okkupation voraussichtlich herbeigeführton Zustände gewünscht oder gewollt haben könnten. Das hindert nicht, klar ins Auge zu fassen, daß. abgesehen von den schweren Lasten der Okkupation, die rein wirtschaftlichen Zustände des Rheinlandes noch die günstigsten im Reiche gewesen wären. Die Frau- zosen hätten zweisollos aus eine gute Belieferung der dortigen Industrie gedrängt und alle möglichen Maßnahmen getroffen, um soziale tllengestaltungen zu verhindern und direkt auf die Absperrung des Landes hingearbeitet durch finanzielle oder steuerliche Erleichterungen. Etwas Schlim- meres hätte uns nicht geschehen können. Es wäcr die schwerste Er- schütterung der deutschen Einheit gewesen. Ich bedauere die Unter- slellungen gegen diejenigen, welche für das Abkommen gcrocssn sind. Besonders bedauernswert ist der Vorwurf einer fremd- läudischcn Gesinnung, der erhoben worden ist. Zweifel- los ist der Gedanke nicht unrichtig, daß in jedem Augenblick der Gedanke der Okkupation neu ausgeworfen werden würde. Gegen diese Gefahr gab es eben kein Mittel. Demgegenüber ist aber festzustellen: Spa hat die Gnstigkeit der Länder vorwärts gebracht. Wetm früher im feindlichen Ausland die äußerste Nervosität� sich geltend machte bei jedem Gedanken eines Rührens an dem Fric- densvertrage, so scheint doch jetzt der Gedanke durchgedrungen zu fein, daß die Durchführbarkeit erst geschaffen werden muß. Zufrieden können wir niemals sein mit einem solchen Ergeb- nis. wie wir es in Spa erreicht haben. Aber ins Land hinaus darf nicht der Gedanke getragen werden, das Verfehlungen, Tor- hciten, Verrätercien begaiigen worden sind, sondern der Gedanke, daß man sich einer schweren Nottokndigkeit aus zwingen- den Gründe» gefügt hat.(Beifall.) Roichsminister des Aeußeren Dr. Simons: Ich habe es von Anfang au für richtig gehalten, daß dieses Gremium hier zuerst mit der Begutachtung betraut wurde, weil sonst nach dem Reichstage das Gutachten zu spät gekommen wäre. Ich kann aber dem Reichswirtschastsrat nicht das Recht zugestehen, von mir zu verlangen, daß ich mich verantworte, weil ich meinen Namen unter das Kohlenabkommen gesetzt habe. Dieses Recht steht nur dem Reichstag zu, den: ich am Montag Rede stehen werde. Hier kann es sich nur um die Frage handeln, ob und wieweit das Kohlenabkommen durchgeführt werden kann. Meine Ausführungen in der Pressekonferenz sind, wie hier gesagt wurde, hier und dort übel aufgenommen worden, weil ich als meine Gründe u. a. angegeben hätte, daß die Kohlenschiebungcn nicht genügend berücksichtigt wovdcn seien, und iveil ich von einer anderen Verteil« ugsorganifat ton und der Braunkohlen- frage Besserung erhofft habe. Niemals ist es mir eingefallen zu erklären, daß der Unterschied zwischen dem deutschen Angebot und der endgültigen Zahl im Abkommen durch die erwähnten kleinen Mittel abgegolten werden könnte. Die Frage der Kohlen- Verteilung ist bereits zum Gegenstand eingehender Erörterungen gemacht worden. Eine Verteilung dieser Art erscheint niemals ganz ohne Schiebungen möglich. Ich frage jeden ehr- iichen Mann hier im Hause: Sind Sie nicht der Meinung, daß viel mehr geschoben wird, als man im allgemeinen hört?(Heiter- keit und Zustimmung.) Ich denke dabei besonders an die Kohlen, die über die Grenze verschoben werden. Geheimrat Hilger hat bemängelt, dag wir nicht in der Kommission über die Ver- teilung der" oberschlösischen Kohlen sein werden, sondern nur bei der Kommission. Das ist dem Wortlaut nach richtig, der sich aus der in Spa üblich gewesenen Phraseologie ergibt. Wir find eben immer noch anders als die andern(.Heiterkeit), solange wir nicht dem Völkerbund angehören. Wesentlich für die obcrsö-�'ische Koblenverteilung ist, daß Lloyd George bei den Verhandlungen darüber zum Ausdruck gebracht hat, daß in einer solchen Kom- Mission über die Verteilung nicht durch Majoritätsbeschlüsse entschiede,, werden können, sondern daß Leute in ihr sitzen müßten, die gerecht und billig denken. Daraus ist zu schließen, daß er für die Vertreter in der Kommission entsprechend Instruktionen erlassen wird. Ich stelle fest, daß auch die scharfen Gegner des Kohlen- abkommens, die hier zu Worie gekommen sind, es nach seiner Un- terzeichnung als die Pflicht aller bezeichnet haben, es so gut zu erfüllen wienurirgend möglich. Das war ja das trau- rige an unserer Lage, daß man uns nicht geglaubt hat, daß wir den Friedensvertrag mit bestem Willen und mit allen Kräften zu erfüllen getrachtet haben. Ich hoffe, daß dieses Vorurteil seil Spa geschwunden ist. Ems müssen die Gegner sich klar machen: Das Kohlrnabkommen und der Friede können«icht gegen Deutschland, sondern nnr mit Teutschland, nicht gegen unseren Wille«, son- der» nur mit unserem Willen durchgeführt werde».(Lebhafter Bei- fall.) Freiherr v. Schorlemer: Auch die deuffche Landwirtschaft teilt die Befürchiungeo über die Durchführbarkeit des Kohlenabkommens. Aber auch wir Land- Wirte sind der Meinung, daß wir die Verpflichtung haben, der Regierung einmütig den Rücken zu decken und auch unserer- seits für die Erfüllung des Abkommens von Spa einzutreten. Wir haben schon im Kriege mit Erfolg das Bestreben gezeigt, die Er- nährung des deuffchen Volkes auftcchtzuerhalten. Aber wir Land- Wirte sind dazu nur in der Lage, wenn endlich unsere Forderungen erfüllt werden. Auch wir Landwirte müssen vorzugsweise mit Kohle be- liefert werden. Dann kommt die Schwierigkeit bei der Beschaffung künstlicher Düngemittel. Ihr Preis hat sich für Kaimt etwa verzehnfacht, für Thomasmehl verzwanzigfacht. Auch muß aus eine Verbilligimg der Frachtsätze hingewirkt werden. Ashnlich liegen die Zustände auf dem Gebiete der Futtermittel. ES loäre besser, die Amerikaner stellten uns statt der Kühe Futter- mittel zur Verfügung, um hier im Lande die Milchviehzucht wieder auf die Höhe zu bringen. Die erste Aufgabe des neu eingesetzten Ernähriwgsausschusses wich, glaube ich, der Abbau der Zwangswirtschaft sein. Die öffentlüche Betvirischaftung dos Brotgetreides werden wir ja auch im nächsten Jahre noch nicht entbchren können, aber mit der öffentlichen Bewirtschaftung der Kartoffel und des Fleisches muß endlich Schluß gemacht werden.(Beifall.) Mit den kleinlichen Be st rasungen von Landwirten mutz end- lich aufgeräumt werden. Reichswirtschaftsminist?r a. D. Wiffell: Die Ausführungen Dr. Raihenaus werden wohl auch der großen Masse endlich die Augen darüber öffnen, daß wir mit dem Krieg auch die wirtschaftliche Freiheit verloren haben. Ilm die Lage so erträglich zu gestalten wie nur irgend möglich, müssen wir neue Mittel anwenden. Afir dürfen die Wirtschaft nicht mehr dem Gutdünken des Einzeluen überlassen, sondern alle die- jenigcn, welche dazu bereit sind, müssen in planmäßiger Ordnung der Wirffchast mitwirken.(Beifall.) Unsere Aufgaben sind erstens Steige- r u n g der Kohlenförderung, zweitens Besserung der Kohlen- befördcrung, drittens eine unter Berücksichtigung aller Interessen vopzunehniende.Kohlenverte ilung, viertens Ersparnis an Kohle. Im ausgesprochenen Gegensatz zu mehreren Vorrednern unterstütze ich das Verlangen der Bergarveiter nach Sozialisierung des Kohlenbergbaues. Die Sozialisicrung wird in der Arbeiterschaft alle schaff enden Kräfte entfesseln und damit die Versorgung der Bevölkerung verbessern. Die schlechte Ernährung ist nicht eine Folge der Zwangs- Wirtschaft, sondern eine Folge dec schlechten Verteilung. Wenn Herr Stinnes aber meint, daß nur eine Sozialisierung der Verteilung notwendig sei, so muß ich dem gegenüberhalten, daß uns gerade eine Sozialisierung der Produktion, und zwar der Urft off e, nottut. Ich freue mich, daß der Wirt- schaftsininister das Tarifabkommen mit den Bergarbeiter» auf- rechterhalten will. Im Artikel 427 des Versailler Vertrages wird besoilderse btont, daß das körperliche, sittliche und gefftige Wohl- ergehen der Lohnarbeiter gerade vom internationalen Standpunkt besonders imchtig ist, und in Genua ist der Acht- itundentag auch für die internationale Schiffahrt gefordert worden. In Spa aber hat die Enteute Forderungen gestellt, die eine Er- h ö h u n g der Arbeitszeit für die deutschen Bergarbeiter bringen ivcrden. Man hätte den Herren in Spa am grünen Tisch sagen müssen, daß sie doch auch auf die von ihnen selbst gebilligten Grundsätze Rücksicht zu nehuien hätten.' Es herrscht noch eine Kohlenvergeudung schlimmster Art. Ein Teil des Volksvermögens wird immer noch zum Schornstein hinaus- gejagt. Alle Betriebe, die heiztechnisch nicht auf der Höhe sind und die Kohlen fressen, müssen geschlossen werden. Di« Geschäfte müssen ebenfalls viel früher Schluß machen. Wenn die Regierung Bildung eines Kohlendirekioriums schreitet, muß dieses sich immer vor Augen halten, daß das Gesamtinteresse über das des Einzelnen geht.(Beifall.) Darauf wird die Sitzung bis 4 Uhr unierbrochen. Der wirtschaftspolitische Ausschuß beantragte inzwischen folgende Enffchlteffang: „Der Reichswirtschaftsrat erblickt in dem Kohlenobkommen von Spa, das unter der von den Ententevertretern angedrohten Besetzung des Ruhrreviers angenommen werden mußte, eine B e- l a st u n g des deutschen Wirtschaftslebens, deren Folgen unabsehbar sind. Wenn die durch daS Abkommen bedingte verschärfte Kohlen- knappheit nicht zu einer Katastrophe für Land und Volk führen soll, so muß sofort eine ungewöhnlich starke Steigerung dw Kohkenproduktion eintreten. Sie hat eine Kraftan strengung der Bergarbeiter zur Voraus- setzung, die bei den derzeitigen Ernalrungsverhältnissen nicht g e X e i st e t werden kann. Das erforderlich hohe Maß an Arbeitskraft, Arbeitsfreude und Arbeitsintensität macht die genaue Kenntnis der Wirtschaft- lichen Verhältnisse des Kohlenbergbaues zur dringenden Notwendigkeit, damit die Bergarbeiter und Angestellten mehr als bisher zur klaren Einsicht der Verhältnisse im Bergbau gelangen und zu ntzi tv er antw ortli che n Trägern der nach gemeinwirt- schastlichen Gesichtspunkten zu ordnenden Kohlenwirtschaft> verde». Der Reichswirtschastsrat wird zur Art und Form der Soziali- si.'rung des 5kohlenl>crqbaues umgehend Stellung nehmen, sobald der Bericht der So z i a Ii s i eru n g s k o m m i s si o n, der spätestens 1. September 1020 erwartet wird, vorliegt. Zur Durchführung. der eingegangenen Lieftrungsverpflichtun- gen sind die nachstehenden Matznahmen erforderlich: Die Mehr ab- gäbe von rund 000 000 Tonnen Kohlen monatlich kann nnr durch erhöhte Förderung erzielt werden. Vorübergehend wird lieber- arbeit der Bergleute unvermeidbar sein. Sie ist im Ein- Verständnis mit den Bergarbeiterorganisationen zu regeln. Die Lebenshaltung der Bergarbeiter ist mit allen Mitteln: zu heben. Die Erzeugungsfähigkeit der heimischen Landwirt- schaft ist, namentlich auch durch bessere Versorgung mit Dünge- Mitteln, zu steigern. Die Ansiedlung im den Bergrevieren ist unter Zurück- stellung aller sonstigen nicht unbedingt notwendigen Bauten in vc r st ä r k t e m Matze zu betreiben mit dem Endzweck, daß in. kürzester Frist das Verfahren von Ueberschichten im Bergbau ganz oder teilweise aufhören kann. In jedem Kohlenrevier wird eine Kommission aus drei Arbeit- grber» und drei Arbeitnehmern zur Prüfung der betriebstech- nischen und bergtechnischen Verhältnisse eingesetzt. Insbesondere soll auch ihre Aufgabe fein, auf eine möglichst gute Beschaf- ienheit der Kohle hinzuwirken. Die Kommission kann sich für Sondevaufgaben und zum Studium der Neuerungen im auslän- dffchen Bergbau vergrößern. Eine soforttge gründliche Durcharbeitung der Köhl« nv er teilung nach volkswirtschaftlichen und derkehrstechnischen Gesichtspunkten und schärfste Maßnahmen zur Sicherung ihr«: Durchführungen sind erforderlich. Insbesondere ist die Answer, tung der Kohlen in der Gas-, Wasser- und Elektrizitätswirtschaft durch einheitliche Maßnahmen zu regeln. Vorbedingung hierzu ist die Gliederung des Reichsgebietes in Wirtschafts- gebiete, die lediglich nach wirtschaftlichen und verkehrspolitischen Gesichtspunkten vorzunehmen ist. Die weitgehendste Verwendung von Braunkohle ist durchzuführen. Die Betriebe müssen, wo angängig, hiernach umgestellt werden. Die weitere Ausnützung der Wasserkräfte ist unverzüglich in Angriff zu nehmen. Die Verkehrseinrichtungen zu Wasser und zu Lande find der erhöhten Köhlenförderung anzupassen. Die Wärme w i r t s ch a f t ist in allen Betrieben gewerbliche� und industrieller Art mit allen Mittelm zu fördern und zu heben. Die Industrien werden angehalten, auf dem Wege der Selbste Verwaltung geeignete Einrichtungen zu schaffen. Zur Erfüllung der in Spa übernommenen Verpflichtung ist die während der Vorverhandlungen in Spa in Aussicht gestellte zureichende Belieferung der. deutschen Wirffchaftsgebiete mit ober- schlesischer Kohle zu sichern. Es wird Aufgabe der kommenden Verhandlungen im Genf ssin, deren Vorarbeiten und Durchführung in enger Gemeinschaft mit dem Reichswirtschaftsrat geschehen müssen, die allgemeinen WiedergutmachungÄeistungen Deutschlands in die natrlich gege- benem Bezieh ungem zu ider deuifchen Kohleiicrzeugnng zu bringe«» Der Reichswirtschastsrat ruft alle Kreise des deutschen Volkes auf, an der.Erfüllung des von Deutschland unterzeichnetom Abkommens von Spa.tatkr äftig mitzuwirken."« Nachmittagssitzung. Die Aussprache über das Kohlenahkommen wird sortgesetzt. Baestlei»(Vertreter der Konfumvereinel: Das Kohlenab» kommen wird sehr wahrscheinlich auch für den Hausbrand neu« Einschränkungen erfordern. v. Siemens: Die verarbeitende Industrie wird die Han p tl eidtra-- gende des Kohlen abkam mens fein. Durch den Kohlenmangel sind uns nicht nur schwere wirtschaftliche Nachteile infolge der A r- beitslosigkeit erwachsen, sondern wegen der niedrig gehal- tenen Erzeugung von Waren haben sich zwangsläufig auch uner- trägliche Preiserhöhungen ergeben. Der Preissturz war der Anfang eines Rcinigungsprozcsses, der zu normalen Bedingungen zu führen schien. Die Arbettsein- stellungen waren an Zahl geringer geworden; das ist sehr wesent- lich, denn durch Streiks sind uns im Lause dieses Jahres ollein über 20 Prozent der Arbeitszeit verloren gegangen. Es gab wieder genügend Material in den Werkstätten. Die Stücklohnarbeiter er- reichten ersreulichreweise schon fast wieder die Stundenleistung vor dem Kriege. Nun ist alles umgestoßen. Die Kalkulation ist von neuem unmöglich geworden, und der Abbau der Preise und die Wieder-- belebung des Marktes kann nicht erfolgen. Die Kohlensachver- ständigen haben als Erfordernis für die Steigerung der Kohlen- erzeugung niit großem Nachdruck eine rege Bautätigkeit gefordert, um niehr Arbeiter in den Bergrevieren ansiedeln zu können. Woher solle» mir aber die Baustoffe nehmen, wenn die Kohlen für die Baustoffindustrie fehlen? Die Rettung Deutschlands liegt jetzt in der Hand des Bergarbeiters. Er mutz aber auch in die Log: versetzt werden, senie Pflicht voll zu erfüllen. Ich billige durchaus die Haltung der Sachverständigen, die sich gegen die Unterzeichnung des Spaer Abkommens ausgesprochen haben. Nach- dem die Regierung ihre Zusage gemacht hat, muß dafür gesorgt werden, daß sie auch gehalten wird.(Beifall.) Röhr(Gewerkschaft Deutscher Eisenbahner): Von einem Er- folg kann man nicht sprechen. Wir wollen liefern, was möglich ist. Ententeoffiziere haben sich über die Licht- und Kraft, Verschwendung in Berlin aufgehalten. Professor Dr. Herkner.: Leider wird die Statistik des Waren- verkehrsmit dem Auslande immer noch als ein Staats» geheimnis gehütet, obwohl das Loch im Westen längst verstopft ist. Diese Heimlichtuerei macht auch auf das Ausland einen sehr schlechten Eindruck. Oberbürgermeister Mitzloff stimmte der Entschließung des Aus« schusses bei. Chefredakteur Georg Beruhard: Der Reichswirtschastsrat muß auch die politischen Tatsachen kennen lernen, die die Regierung bei ihrer Politik bestimmen. Ich richte an die Regierung die Frage, ob das Kohlcnabkommen zwischen Deutichland und Holland ein wirtschaftliches oder politisches gewesen ist. Die Information des Reichswirtschaftsrates ist eben böchst mangelhaft. Die Sozialisierung muß deshalb in Formen gegossen werden, die die Initiative nicht töten, sondern beleben. Ein Schlußantrag wird. angenommen, Die Abstimmung über die vorliegende Resolution erfolgt auf Antrag W i s s e l l nicht nach Gruppen, sondern nach Köpfen und ergibt ihre Annahme mit graßer Mehrheit. Damit ist diese Angelegenheit erledigt. Die nächste Vollsitzung wird wahrscheinlich Ende August statt- finde«. GewerMastsbewegung Der Seirat öes Deutschen Textilarbeiterverbanöes hielt kürzlich in Barmen eine wichtige Tagung ab. Der 50 Mitglieder zählende, in seiner Mehrheit auS unbesoldeten Ber« bandSmitgliedern zusammengesetzte Beirat faßte wichtige Beschlüsse in Sachen der künftigen Organisation der Betriebsräte und der von den Unternehmern geplanten Verlängerung der Arbeitszeit. Nachstehend veröffentlichen wir die Beschlüsse dieser für die ge- samte Gewerkschaftsbewegung beachtenswerten Tagung: .Der Beirat des Deutschen Textilarbeiterverbandes macht seine Mitglieder aufmerksam auf das von den Unternehmerverbänden er- lassene Nundschreiben betreffend Durchsetzung der um 2 Stunden verlängerten Arbeitswoche im Herb st 1920. Er erblickt darin eine Kampfansage an die Ar- beiterschaft und fordert alle Ortsverwaltungen und Verbands- filnktionäre auf, in ihren Dispositionen und Vorbereitungen hierauf Rücksicht zu nehmen. Vor der Oeffentlichkeit stellt der Beirat des Deutschen Textil- arbeilerverbandeZ fest, daß jede Verlängerung der normalen 46 stündtgen Arbeitswoche eine schwere gesundheitliche Schädigung der ohnehin sehr geschwächten Texlilarbeiterschaft herbeiführen muß und daß die Kampfansage der Unternehmer in eine Zeit fällt, in welcher Hunderttausende Maschinen still st ehen, sowie Zehn tausende Arbeiter und Arbeiterinnen arbeitslos sind und andere Zehntausende nur 8—20 Stunden pro Woche beschäftigt werden. Der Forderung der Unternehmer nach Verlängerung der Ar- beitSzeit stellt der Deutsche Textilarbeiterverband folgende Forderung entgegen: 1. Durchorganisierung der Textilindustrie im Sinne unseres Verbandsstatuts. 2. Beseitigung jeder in taufenden Betrieben noch vorhandenen veralteten Betriebsorganisation, Durchführung einer auf wissenschaftlicher Grundlage be- ruhenden Betriebsführung. 3. Ersetzung der nach vielen Tausenden zählenden noch immer in Gang befindlichen, technisch schon seit Jahrzehnten überholten rückständigen Maschine». Der Beirat des Deutschen TextilarbeiterverbandeS lehnt alle auf LoSlösung der Betriebsräte v o n den Ge- werkichaften und Bildung einer absolut selbständigen Räte- organisation mit eigener BcitragSleistung und selbständiger Ver- waltung»bzieienden Bestrebungen ab. Jede besondere Beitragsleistung für die Zentralstelle der Betriebsräte sowie jede Beteiligung an den von dieser Zentrale veranstalteten Sammlungen und die Beteiligung an dem von jener Seile in Aussicht genom- menen Betriebsrätekongreß ist von den Mitglie« dern des Deutschen T e x ti l a r b e i t e r v e r b a n d e S abzulehnen.__ Der �ohntarif öer städtischen Arbeiter öerlins. In der ordentlichen Generalversammlung des Verbandes der Gemeinde- und Staatsarbeiter(Ortsverwaltung Berlin), die am Freitag unter sehr starker Beteiligung im Gewerkschaftshaus statt- fand, nahm man zunächst den Bericht über den Stand der Tarif- bewegung von Polen ske entgegen. Redner betonte: Bei den Verhandlungen kam seitens der Vertreter der Stadt der Wunsch zum Ausdruck, eine Einheitlichkeit der Bezahlung der städtischen Arbeiter mit der der Magistrats-Hilfskräfte und unteren Beam- ten zu schaffen. In Vorverhandlungen wurde festgelegt, daß die Bertragsdauer für die zu schaffenden neuen Lohnsätze nicht, wie beantragt, die Monate Juli bis Ende September, fondern bis Ende Oktober, also 4 Monate umfassen solle. Maßgebend war dafür, daß am 1. Oktober das neue Berlin ins Leben tritt. Der Schiedsspruch der Großen Deputation, der am DonnerS- tag gefällt wurde, geht von der Einheitlichkeit der Entlohnung der städtischen Arbeiter und der Magistrats-Hilfskräfte aus, indem er ausspricht, daß den städtischen Arbeitern die Sätze für die Hilss- kräfte nach dem Schiedsspruch vom 8. Mai 1920 a b 1. A p r i l zu- gesprochen werden. Dies Zurückgreifen auf den 1. April war not- wendig, um für die vier Vertragsmonate Juli bis Ende Oktober einen höheren Durchschnitt der bewilligten Beträge durch Ver- rechnung zu erzielen. Die bewilligten Zulagen pro Stunde sind folgende: Ungelernte Arbeiter 31 Pf., was bei Umrechnung auf die vier Vertragsmonate Juli bis Oktober S4V» Pf. pro Stunde ausmacht. Ge f o r d e r t waren 70 Pf. A n g e le r n t e Arbeiter 40 Pf., umgerechnet auf die Vertragsmonate 70 Pf. G e- fordert waren 80 Pf. Handwerker 50 Pf., umgerechnet 87� Pf. Gefordert waren nur 80 Pf., bewilligt ist hier also ein Mehr, wie bei den folgenden Positionen sich auch Mehrbeträge ergeben. Jugendliche 80 Pf., umgerechnet 1,40 M. G e- fordert waren 70 Pf. Mehrbewilligt also 70 Pf. pro Stunde. Weibliche Ungelernte Kräfte 64 Pf., umgerechnet 1,12 M. Geforders waren M, meffrdewMgt akfo 4L Pf. Angekernte Arbeiterinnen 74 Pf., umgerechnet 1,19)4 M. Gefordert waren 70 Pf., mehrbewilligt also 49fj Pf. Qualifizierte Arbeite- rinnen 84 Pf., umgerechnet 1,47 M. Gefordert waren 90 Pf., mehrbewilligt also 57 Pf. Jugendliche Arbeiterinnen 38 Pf., um- gerechnet 66)4 Pf. Gefordert waren 20 Pf., mehrbewilligt also 46)4 Pf. Für die mindererwerbsfähigen Arbeiterinnen wurde neu der Stundenlohnsatz auf 2 M., für mindererwerbsfähige Ar- bester auf 2,20 M. festgesetzt. Diese Neueinrichtung gilt ab 1. Juli, ebenso ein 8proz«ntiger Aufschlag, der bei regelmäßiger Nacht- arbeit von 10 Uhr abends bis 6 Uhr früh eintritt. Die Kinder- zulage wurde um 10 M. auf 60 M. monatlich erhöht. Sie giit für alle noch zu versorgenden Kinder unter 18 Jahren. Für SonntagSarbeit gelten die bisherigen Bestimmungen, ebenso für die Einreihung. Soweit Frauen vollwertige Männer- arbeit leisten, erholten sie den gleichen Lohn. Die Versammlung diskusterte lebhaft über diesen Schieds- spruch, wobei namentlich stark kritisiert wurde, daß die ungelern- ten Arbeiter so schlecht abgeschnitten haben. Unter Berücksichtigung aller Umstände stimmten aber die Ver- sammelten mit übergroßer Mehrheit dem Schieds- spruch zu. Dann wurde ein kurzer Bericht von den noch schwe- benden Verhandlungen über die Löhne der StaatSarbeiter ge- geben. Den Geschäftsbericht des Vorstandes gab P o l e n S Z e. Nach dem Kassenbericht für die Monat« April und Mai verblieb in der Lokalkasse am Schluß der Berichtszeit ein Bestand von 300 157,50 Mark. Mitglieder waren 46 397 vorhanden. Die Zunahme betrug 2 0 00 in den zwei Monaten. Von den Sammlungen für die Opfer des Kapp-Putsches konnten bisher 76 750 M. abgeliefert werden. Die noch ausstehenden Listen sind abzurechnen. Polenske, Scharlau und LagodschinSki wurden nach einer darauf bezüglichen Debatte mit großer Mehrheit zu Bevollmächtigten mit gleichen Rechten bestätigt. AIS Sekretär wurde Gürne angestellt. Angestellte des Berliner ZeihtngSgewerbeS. In einer am 23. Juli stattgefundenen Besprechung der Tarif- Vertragsparteien wurde folgender Beschluß gefaßt: .Die Parteien sind sich darüber einig, daß beide Seiten ihre Forderungen zurückziehen und einigen sich dahin, daß der jetzt gültige Gehaltstarif unverändert' bis zum 31. August 1920 fortbe- stehen soll und von diesem Zeitpunkte ab jeweils nach Ablauf von 2 Monaten auf Wunsch einer Partei in eine Verhandlung über Fortbestehen oder Abänderung der Gehaltssätze eingetreten werden soll, erstmalig, salls es von einer Partei gewünscht werden sollte, also Anfang September 1920. Für den Arbeitgeberverband für das Berliner ZeitungSgewerbe. gez. Dr. M. Carbe. gez. Tfchermak. gez. Scheuer. Für den Zentralverband ver Für den Angestelltenverband des Angestellten. Buchhandels, Buih- und ZeitungS- gez. MettheS. gewerbes. _ gez. Guiard. Achtung! Steinsetzer und Berufsg en offen! (Tarifbezirk Groft-Berlin). Da in der letzten Zeit wiederholt länger als acht Stunden ge- arbeitet und Alkordarbeit geleistet wurde, so weisen wir nochmals daraus hin, daß beides streng untersagt ist. Sollte auf einzelnen Baustellen hiergegen verstoßen werden, so ist sofort an den Kollegen I. Sibura, Berlin, Brunnenstraße 161, Meldung zu machen. In Anbetracht der großen Arbeitslosigkeit ist«s Pflicht eines jeden arbeitenden Kollegen, streng auf die Anweisungen zu achten. Am DienStag. den 27. Juli, abends 7 Uhr, findet im Lokale von Potzeba, Schönhauser Allee 134 d, für sämtliche Betriebsräte, Obmänner, Vertrauensleute und Funktionäre des Verbandes eine wichtige Sitzung statt. Für den Aufbau des Leipziger VolkSvauseS wurden durch unsere Kollegen bei genannten Firmen iolgende Summen gesammelt: A. N Brekow 12 M., P. Brehme 10 M., A. Brehme 52 M., B. Brekow 12 M., O. Bau- mann 53,50 M., Butt u. Co. 453 M.. Dittmann 33 M., B. Hübner 27,50 SR., W. Kuhlbrod 70 M.. Nitze jun. 16.50 M.. Rohling 3 M, Riedel 103,50 SR., Baustelle Grog-Schönebeck 33,50 M., Tarifbezirt Groß-Berlin 500 M. Gleichzeitig ersuchen wir, die Listen, welche noch im Umlauf sind, mög- lichst bald an den Gauleiter abzullesern. I. A.: I. Sibura. Holland! Achtung, Stockarbeiter! Die Anerkennung des vom Allgemeinen Niederländischen Bund der Möbelmacher vorgelegten Kolleklivkontraktes ist von den Unter- nehmern fast restlos erfolgt. Außer der 45-St»nden-ArbeitSwoche, deren Einführung jedoch in greifbare Nähe gerückt ist, sind sämtliche Borteile des Kollektivkontraktes, wie 48-Stunden-ArbeitSwoche, Ferientage, Unterstützung bei Krankheit<70 Proz. vom Lohn) sowie der tariflich festgelegte Lohn und verschiedenes mehr, unter Mit- Wirkung der Organisation erreicht worden. Dieser Erfolg war nur dadurch möglich, daß die Kollegen au» Deutschland, speziell auS Berlin, mit AuS- nähme eines Kollegen, der sofort wieder abgeschoben werden konnte, die Sperre streng befolgt haben. Di- Sperre ist somit für Oldenzaal aufgehoben. Die Ver- mittlung von Arbeitskräften nach Holland hat nur durch den Arbeitsnachweis der Zentralkommisfion der Stock-, Schirm- und Pestschenarbeiter Deutschland« zu erfolgen. Jedes Arbeitsangebot an die Arbeitgeber ist zu unterlassen. Mit koll. Gruß Wilhelm Glaser, Oldenzaal(Holland), Langecampstraat 19. Musikinftrumentenarbeiter! Am Montag, den 26. Juli, w der Königsbank, Große Frankfurter Str. 117: Branchenversamm- l u n g. Vortrag über Steuersragen. Referent: Prager. Branchen- angelegenhetten. Buchbinderverband. Thromo- und photographische Betriebe. Man- tag. 26. Juli, abends 7 Uhr, bei Wegener, Seydelstr. 30: Sitzung der Bc- triebsräte und Vcrtrauenspersonen. Tagesordnung: Stellungnahme zur Tariskündigung. Graphische Industrie, Gruppe 6. Die Räteversammlung findet am Montag nicht statt. Nähere Mitteilung erfolgt in diesen Tagen. Zentralvcrband der Nngestelltcn. Fachgruppe le.(Ange- stellte der Versorgungsbehörden.) Mitgliederversammlung 26. 7., 3'/, Uhr nachm., Bockbrauerei, Fidicinstr. 2,3.(Bericht zum ReichStaril.)— Fach- gruppe 11. Funktionäre- und Betriebsläteversammlung 26. 7., 7»/, Uhr, Verbandslokal, Bellc-Alliancestr. 7—10.— Fachgruppe 12.(Kohlen.) Ocssentliche Versammlung der Angestellten des Kohlengroßhandels 26. 7., 7l/4 Uhr, Schultheißausschank, Neue Jakobstr. 25.(Die Regelung der Ge- hailsfrage.)— Fachgruppe 14 a.(Feinmechanik.) Mitgliederversammlung 27. 7., 2 Uhr, Verbandslokal, Belle-Alliancestr. 7— 10. Delegierte des Ortskartrlls Grost-Berlin der Afa. Die dies- monatliche Asa-Delegiertenversammlung findet Montag, den 26. Juli, abends 6 Uhr, im roten Saal des Zentralverbandes der Angestellten, Belle-Alliancestr. 7—10, III, statt. Wirtschaft Eine Stvdiengesellschaft zur Materialbeschaffung. Anläßlich der Tagung der wirtschaftlichen Vereint- gung der Eisenhändler Deutschlands in Dresden traten die Mitglieder des Verbandes Deutscher Weißblech- und Oualiiäts-Feinblech-Großhändler E. V., Berlin, zu ihrer Mitgliederversammlung zukommen. Dabei wurde zum Studium der zweckmäßigen Beschaffung von Weißblech für die dein Verband angeschlossenen freien Großhändler eine Studien- gesellschaft zur Beschaffung für den Großhandel G.m.b.H. mit dem Sitz in Berlin gegründet. Diese Gründung ist eine Folge der KonzentrationSbe st re düngen innerhalb der Weiß- blechindustrie._ Zur Jnternationalificrung der Industrie. Die erst vor kurzem in eine Luxemburgische Gesellschaft um« getaufte Firma Julius Siesel u. Co. in Luxemburg und Esch a. d. Alzette mit dem früheren Gesellschaftssitz in Mainz wird eine neue Aenderung vornehmen. Wie die Tcklegraphen-Union meldet, weisen die Spuren nicht nach Belgien, sondern nach der Schweiz, so daß die Gesellschaft jetzt auf eine Jnternatio« u a l i s i e r u n g lossteuert. In Luzern ist neulich eine Aktien- gesellschaft für Jndustriewerte mit 2 Millionen Grund- kapital gegründet worden, der neben schweizerischen, belgi« schen und englischen Persönlichkeiten auch die Julius Siesel u. Co., Kommanditgesellschaft in Mainz, sehr nahe stehr. Es besteht die Absicht, die Werte und Beteiligung der Mainzer Firma vollständig in die Luzerner Gesellslbast einzubringen. Siesel würde damit zu einer reinen Holding Company für Aktien einer schweizerischen Gesellschaft werden und diese selbst wieder in weit- gehendstem Maße Holding Company für Jndustriewerte ver« s ch i e d e n e r Länder. Man hat sich schon die Aktienmehr- heit der Aktiengesellschaft für Berzinkerei und Eisenkonstruktion vornials Hilgers in Kleinbrohl gesichert. Das Kapital dieser Ge- sellschaft wird sofort von 2,3 auf 5 Millionen erhöht. Der Siesel- Konzern erhält immerhin ein internationales Gepräge; das scheint nickt nur für das Betätigungsfeld, sondern auch silr die Aktionäre zu gelten, weil nach Realisierung der vorerwähnten Operation nur noch ein Viertel der Aktien in deutschen Händen bleibt. Verantw. für den redakt. Teil: Dr. Werner Veisee, Charlottenbura: für«meig-n: Td. Glicke, Berlin. Berlag: Borwärls-Berlog G.m.b.H., Berlin. Druck: Bor- WSrtS-Buchdruckerei u. Lerlogsanstalt Paul Singer u. Sq.. Berlin, Linbenstr. 8. Hierzu 2 Beilagen. z ahne 4 n. 7 Jflh. mit Triedenskantsehnk 5 Jahre schriftl. Garantie. Zahnziehen mit Betäubung bei Bestellung von Gebissen gratis. Kronen v. 30 Mk. an. Spez.: Zähne ohne Gaumen. Keine Luxuspreise. atm-Praxis Katvani, flanziger Strajle 1. IComum-Genosfentchaft Berlin u. Umgegend Hanufakturwarenlager: Brunnenstr. 188-190, 1 Treppe(am Rösenthaler Platzt e. G- m. b. H. Das Geschäft ist von 9 bis 9 Ahr geöffnet Besonders vorteilhaste Angebote: Verkauf« n r an _ Mitglieder!— Damen-Kragen........... 4°" 7 50 Seiden-Band in vielen Farben. 5 cm breit, Mtr. 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