Nr. 377 ❖ 37. Jahrgang Mszabe K Rc.48 Be�ngSvreiS: S otteljälitLSO,— JJÜ.mDnafl 10— Mi. frei ms S>aus, ooiaus mhlbac. Poit- Of'uq Sionafliih 10.— KL. erL, pu* ftellungsgeduhr. Unter RreiwbanO Uit Deutich'.an» und OefterteiA 16/0 M!« für das übttfle Ausland bei läalich emtnaL Znlielluna 2150 flt. Psttte- stellungen nehmen an Oesterreich, Ungarn, Tscheche»Eldwalei, Dane- mari.'holland..utenidurg. Sditoeüen und die SAmets.— lEmqetranen in die TSoft- tetmnqs-�teisUfte. T'er.Vorwärts" mit der Eonmaqs» bctloge.Volt a.3e:f" encheini woAen- täglich �weimni Sonntags und Montags»mnm. Teiegramm-Adreffr .SojialOemorcal Sccfln" Abend Ausgabe Berliner Oolksbletti ( 20 Pfennig� DnzetnenpreiS: Sie achtgeipaltene Nonporeilleiei!« Softe Z.— M.. Teuerungszuschlag 50°/» »Kleina Anzeigen" das att- gedruckte Wort 1,— M.(juläjftg zwei ettgedruckte'Borte), ,edes weitete Eon 60 Vtg. Stellengesuche und Schlafltellenanzetgen das erste Wort 65 Vfg. ledes weitere Won 40 Psg. Worte über 15 Buchstaben zählen für iwet Worte. Teuerunaszuichlaa 50»/� ?amilien-An, eigen(üt Abonnenten geile Z— M. xolitiiche und ze» wertichastliche Vereins■ Anetgen 3.—-DIL die geile ohne Aufschlag. Anzeigen iür die n ä ch st e Nummer müssen bis 5 Übt nachmittags un chouvtgeschält. Berlin SW 68 Linden- Krage 3. abgegeben werden Seäisnet von 9 Uhr früh bis 5 Uhr abends. Zentralorgan der fo�ialdemokrati fehen Partei Deutrchlands Reüaktion und Expedition: EW. H8, Umdenstr.?. rtemivrecber: Amt Mornwlau. Nr. ir>i 90— 151 97. f• Sergarbeiter unö Kohlenabkommen E!ne Konferenz in Bochum. Bochum» 25. Juli. In einer von 25g Zchachtanlngen dcS Nuhrzcbiets beschickten Nuhrbergarbeiter-Konferenz bcrichlete der AbLcvrdnete und Kohlcnsachvcrständigc H u e über die Konferenz in S p a. Cr betonte» daß er mit.« t i n u c S nur in den wirtschaftlichen Fragen einer Meinung gewesen sei. Tie Regierung sei gezwungen gewesen, daS Zohlenabtommc« zu unterzeichnen» um das Reich nicht zerstückeln zu lassen, außerdem hätten außenpolitische Gründe dabei mit- gesprochen. Tic Durchführung deS KohlenabkommenI sei nahezu « u m ö g l i ch. D>e Bergleute würden sich auch von der Entente nicht um die S i c b e n st u n d c n s ch i ch t bringen lassen. Eine Besebung des Ruhrgcbiets würde für ganz Europa die sckiwer- wicgendslen Folgen haben. Hue sowohl wie alle übrige» Redner förderten die schleunige Sozialisierung des Bergbaues. In eincr einstimmig angenommenen Entschließung bil- ligte die Bcrsauimlung das Verhalten der Bergarbcitervertretcr in Dpa. Die Entschließung protestiert gegen eine Besetzung drz Ruhrgcbiets und gegen eine Versklavung der Bergleute und erklärt, daß die Bergleute sich dagegen zur Wehr setzen würden. Die Bergarbeiter seien freiwillig bereit» die Kohlenförderung so zu stigcrn, daß die von der Entente geforderten ktohlenmengen und außerdem der.Kohlenbcdarf Tcntschlonds und die laut Verträgen au Holland, die Schweiz usw. zu liefernde» Kohlenmrngcu ge- liefert werden könnten. Voraussetzung sei eine bessere Er- » ä.h r u n g der Bergleute. Solange diese nicht ersolgt, sei eine Mehrsördcrung beim beste« Willen nicht möglich. Schließlich wur. den bctricbsrcchnische Berbcsscrungen der Bergwerke,- dcS Transport- Wesens und.des Wohnungswesens und die ungesäumte Sozialisie- rung verlangt.. Ein Antrag der Radikalen auf Einstellung der tteber-« schichten und Lohnerhöhung wurde mit großer Mehrheit abgelehnt. Jom RcichSwirtschaftSministerium wohnte ein Vertreter den Bcrhandlungen bei. Er appellierte an die Bergarbeiter, daS Vaterland vor der Zerstückelung zu bewahren. Tann wurde»och ein Antrag angenommen, denjenigen LandeSteilen die Äohlenznfnhr zu sperren, in denen sich Ton, derbündelrien durchsetzen sollten. » Kohlenabkommen unö Sinnenschiffer. AuS Duisburg wird, uns geschrieben: Zu wenig beachtet worden ist bisTjer die Frage des Transportes der geförderten Kohle. ES kommen nur zwei Wege in Be- tracht, die Schienen oder der Wasserweg. Jehl, wo wir vor der Einbringung der neuen Ernte stehen und deshalb der Transport vorwärts-verlag G.m.b. H., SW. 6$, Lindenftr. 3. Fernlvrrctier: Zimt Riorinpla», Ztr. 117 53—54. Achtstundentag und öetriebs- rate in der Praxis. Uns bayerischen Gewerbraussichtsberichten. Aus München wird uns geschrieben: Die bayerischen Gewerbeaufsichtsbeamten berichten von einem starken Verfall des Arbeiterschutzes in der Kriegszeit: nur allmählich tritt wieder Besserung ein, die freilich durch die hohen Kosten jeder Neueinrichtung stark gehemmt wird. Die Revisionstätigkeit Hot sich gegenüber 1318 mehr als ver- doppelt, bleibt ober noch weit hinter den Anforderungen zurück. Die U n f a l l z i f f e r ist gesunken, wie die Be- amten betonen, infolge des Ausscheidens vieler werblichen und jugendlichen und der Rückkehr der geübteren männsichen Ar- beiter. Hn den Jüdusiriemitielpunkten habe der Krieg bei der Arbeiterschaft den Sinn für Arbeitcrschutz nicht merklich herobgedrückt, schlimmer aber stehe es in L-ondbezirken. Der Gesundheitszustand Hot sich merklich gebessert, wie die Berichte betonen, als Folge der fettreicheren Nah- rung und der kürzeren Arbeitszeit. Die Lc-benshaltung der Arbeiter wird als schwierig geschildert: besonders aus Nürn» berg-Fiirtch Mittelfranken»nd Oberfranben wird berichtet, der Lohn könne der Preissteigerung nicht folgen, er reiche zur Ernährung, nicht zur nötigen Anschaffung von Wäsche, Kleidern usw. ans, Spargelder, wo noch welche vorhanden. würden aufgebraucht. Der w'chtigste Teil der Bericht? ist dem A ch t st u n � e n- t a g und den Betriebsräten grevdmet..Zp Lan-dbe- zirken leisteten die Uniernchmer dem A ch t st u n d e n t ä g hartnäckigen W i d c r st a n d, in Oberbayern wurden sie dabei von den Ortspolizeibehörden unterstützt Bezirks- regierungen traten dafür ein, daß den für die Landwirtschaft arbeitenden-Betrieben Erleichterung gewährt werde, weil sonst die Ernährung gefährdet sei. Bankgeschäfte und Licht- spieltheater hoben' fortgesetzt das Gesetz übertreten. Für manche Arbeitergruppen, z. B. in kleinen Gastwirtschaften, Mühlen und sonstigen an Wasserkraft gebundenen Werken. Personal in Bädern usw., auch Friseure, wurde durch Tarif- vertrag der Achtstundentag durcksgesetzt. In manchen Branchen, z. B, in-der Textilveredlungsindustrie Schwabens, wurden die 48 Stunden oder 48 bis herunter zu 44 Stunden auf 5 Tage, in einem Fall sogar auf 4 Tage verteilt. Einem Teil der Arbeiter fehlt noch das Verständnis für den Achtstundentag. Es wird durchgängig berichtet, daß viele Arbeiter nach der Achtstundenarbeit noch sogenannte Pfuscharbeit leisten. In der Pfalz hatte die Arbeiterschaft, weil die BesatzungSmacht das Inkrafttreten der Gesetzesver» ovdnung verbot, den Ack'tstundentag durch Streik errungen, Hinterher aber kamen Arbeiter, die mitgestreikt hatten, und arbeiteten nach beendeter Schicht in Winkelbetrieben der Schuh- und Aigarrenindustric, die in ganz erbärmlichen Räumen untergebracht sind. In Bad Brückenau setzte das Personal der Gastwirtschaften usw. tariflich den Zehn- bis Zwölfstundentag fest,„weil es wegen der Verdienstschmäle- rung die Einstellung weiteren Personals nicht wünscht". Hantdwerkslehrlinge werden noch sehr häufig mehr als acsit Stunden beschäftigt: sie müssen gewohnheitsmäßig Auf» räumungsarbeit nach Feierabend leisten. Einige Beamte be- richten jedoch, die Gewerkschaften seien eifrig und mit Erfolg an der Ncgelling der Lehrlingssrage, den Arbeit- nehmern zur Freude, den Meistern zum Verdruß. Kohlen« mangel und Rücksicht auf zurückzulegende weite Wege der Arbeiter machten die ungeteilte Arbeitszeit wünschenswert: dabei kamen häufig Verstöße gegen die vorgeschriebenen Pausen für Jugendliche vor. In der pfälzischen Schuh- industrie wurde deswegen auf Betreiben der Gewerkschaft wvodar die geteilte Arbeitszeit eingeführt. Der oberfränkische Beamte berichtet:„Zuweilen ist die Ueber- schreitung der achtstündigen Arbeitszeit aus Verlangen der Arbeiter salbst erfolgt, welche damit einen höheren Verdienst errdcken wollten. Dies ist aiich in solchen Betrieben festzustellen gewesen, in denen nach Tarif und teilweise sogar über Tarif entlohnt worden ist." Den günstigen Einfluß des Achtstundentages auf das Familienleben heben mehrere Auffickitsbeamte hervor, besonders betont wird, daß dadurch die Arberierinncn ihren häuslicheft, Frauen- und Mutterpflichten besser nachkommen können. Ter Lcmdcsgelverberat sagt, kein einziger Fall sei be- kannt geworden, in dem durch Steigerung der Arbeitsinten- sität ein Prodnkiionsaiisfall vermieden wurde. Der Nürnberger Aufsichtsbeamte aber bemerkt dazu:„Ob durch die Einführung des Achtstundentages bzw, die Einhaltung längerer Arbeitsruhe sich die Arbeitsintensität oder der stund- liche Arbeitsertrag steigern wird und ob somit der Acht- stundcnarbcitstag auch unmittelbar wirtschaftlich segensreich wirken wird, das läßt sich heute, wo nach den vielen Kriegs- enlbehrungeu der starke Arbeitswille erst langsam w'cder zu erwachen beginnt, noch nicht übersehen." Ter oberpfälzische Beamte berichtet, die anfänglich fast allgemeinen Klagen der Arbeitgeber über wesentlich verringerte Arbeitsleistung durch Einfuhnmg 5eS AchtftunöeniagsS seien in- freit letzten Mo naten des Jahres immer mehr verstummt. Die Betriebsräte finden sich erst allmählich in ihre Auf-' gäbe. Sie wendeten zunächst'hauptsächlich und in manchen Zlutlge ZusammenstöKe in Nainz. Mainz, 25. Juli.(HabsI.) Bei Kundgebunzen gegen die teuere Lebenshaltung wurden zahlreiche Kauiläden ge- Bezirken ausschließlich Lohn- und Tarifiragen ihr Interesse plündert. Die Polizei mackle von der Waffe Gebrauch. Neun zu, weil sie dabei natürlich nicht alle Wünsche erfüllen konnten, ernteten sie in Schwaben bei ihren Wählern Mißtrauen. In München, Oberbayern-Land, Nürnberg-Fürth und Mittel- foanfen bekundeten die Betriebsräte Interesse für die GAverbeaufsicht l sie begleiteten den Jnipektor bei Besichtigungen und wirkten dabei wertvoll mit. Im großen ganzen aber legten die Betriebsräte für den Arbeiterschutz wenig oder gar kein Jnter- « s s e an d x n Tag. in O b e r f r a n k e n lehnten sie t e i I w e i s e a u s d r i: ck l i ch jede A! i t m i r k u n g ab. s N In der Pfalz haben sie den Unfallschuh nicht gefördert. In Unterfronken sind sie sich„ihrer Aufgaben und Befugnisse noch nicht recht bewußt". Am besten seaaten in Nürnberg- Fürth und Mittelfranken die Beiriehsrätz ihre Aufgabe an, der Inspektor rühmt, daß die AussichtsbeanU.m in freier und ungezwungener Aussprache, wie es früher nicht der Fall war. selbst oft tm� Beisein des Arbeitgebers erfahren, wo die Ar- beiter der Schuh drückt. Viele Mißstände konnten dadurch rasch beseitigt wenden. Allen Bstriebsgesabren wendeten die Betriebsräte ihre Aufmerksamkeit zu. Nützlich habe die MiU Wirkung von Arbeiterinnen in den Betriebsräten sich erwiesen. den Angelegenheiten der weiblichen Arbeiterschaft fei dies zweckdienlich. Aehnlich der Bericht für Mrttclsranken: Die Betriebsräte„nehmen die Anwesenheit der Beamte» sn den Betrieben� eifrig zum Anlaß, Anträge und Anliegen vorzn- bringen; sie äußerten sich auf Befragen so freimütig und ver- ständig über Aroerterangeleaenheiten aller Art— in färder- lichem Gegensatz zu der trüber so oft geübten teils vorsich- tigen, teils ängstlichen Zurückhaltung Es ist interessant, daß in Nürnberg-Fürth und Mittel- franken die Betriebsräte ihre' Aufgabe viel bester erioßt haben als in München und Lberfronken. München und Llberfranken sind die Bezirke derNäteschwärmerei, in Nürnberg-Fürth iinid Mittelfrauken wird weniger üb'r Räte geredet und besser gehandelt. Allerdings sind auch die Nürnberger noch nicht zur Belriebskontroll? und dergleichen gelangt, aber durch sachliche Arbeit schulen sie sich daiür und werben eher dahin kommen, als die Münchener und Hofer ' großen Sprüchemacher. Zusammenfassend ist zu sagen, daß der Achtstundentag und die Betriebsräteeiurichtung, die in Bayern bereits in den Anfängen der Revolution geschah. Erperimente waren: noch ist bei weitem nicht voller Erfolg erzielt, aber man. darf zuversichtlich der Entwicklung vertrauen. Kein Streik in MittelöeutschlonA! Halle(SikU), 25. Juli. Tie Konferenz der Braun» kohlende rgleute Mitteldeutschlands bat folgenden Beschluß gefaßt: 1. Es tritt sofort ein Schiedsgericht untsr d«n Vorsitz eines LeriveterS des Reichsarbeitsministeriums zu- sammeu. Diesem Schiedsgericht werden die Forderunge« der Lergarieitar«nterbriitet. 2. Nach Fällung des Schiebsfpruches findet eine»eitere Konferenz statt, wm über das Ergebnl» zu beraten uad den Belegschaften eine» Vorschlag zu unterbreite«. Z. Ueüer diesen Beschluß wirb dann unter den organisierten Belag- schafteu geheim abgestimmt werden. * Berlin, 26. Juli. Wie ß'iS dem Reichsarbeitsministerium mitgeteilt wirb, tritt heute nachmittag in Halt« zur Beilegung der Streitigkeien im mietdeutsche» Braunkshlcngebiet ein Dchlichtungs. auSschuß zusammen, in dem ein Referent des ReichsarbcitSmim» steriumS den Borsitz fiihrt. Tic Lussichten für eine Einigung sind günstig. Die Griechen in Adrianryel.„Times" meldet, daß die g r i e, ch i s ch e n Truppen cm 25. Juli in Adrianopel eingerückt sind. Polizisten und sechs Manifestanten wurden verletzt. Dreißig V e Haftungen wurden vorgenommen. Tie französischen Tropven stellten d:e Ordnung wieder her und zerstreuten die Menge. D'e Gemeindebehörden haben Ansammlungen unter Androhung stren- ger Bestrafung verboten. Seseittgung öes Chinesentüms. Im„Reichsanzeiger" ist am 23. Juli das von der Lande?ver- sammlung bsschlostcne Gesetz über oie„Aushebung der« t a n d t s, «Vorrechte fc?S Adels und d'e Auslosung der Hausver- mögen" veröiicnilicht worden. Danach werden u. a. aufgehoben, . das Recht, aus die Prädikate Königliche Hobeit,. Hoheit. Durchlaucht und oergl. und auf besondere Ehrungen l Landestrauer, Ehrenwachen uiw.s, serner das Recht. Titel und Auszeichnungen zu verleihen,„die den Anschein staackicher Titel oder Auszeichnungen zu erwecken geeignet sind", das Recht he- sonderer Vertretung in Körvcrschaiten des ösfenilichien RecktS. Sir Befreiung von öffentlich-rcchtlichen Pflichten, Lasten und Abgaben. das Recht besonderen TtrafjchutzeS und die Befreiung von Arrest, Verhaftung und sonstigen Beschränkui'gcn der persönlichen Freiheit. Ferner bestimmt vaS Gesetz, daß die in Preußen befindlichen Hau»vermögen bis zum l. April lS23 von den beteiligten Familien aufzulösen sind. Unabhängige unü Regierungsbilöung- Kritik an den Slbstinenzlern. Am Sonntag, fren 18. Juli fand in Buer eine Kreis» konserenz des Wahlkreises Recklinghaussn-Borken der U. S. P. statt. Der Abgeordnete des Kreises. Joief E r n st, sprach über die politische Lage und die Aufgaben der Partei. Folgende Resolution wurde einstimmig angenommen: „Die am Z?. Juli ftaiigesundcne Generalversammlung der 11. S. B. des Kreise» Recklinghausen-Borken erklärt: Der Brief des P a r t e i v o r>t a n d e s in der Frage der Regier ungs- b i l d u n g wird der Sachlage nicht vollkommen gerecht. Wenn auch anerkannt werde« muß, daß zurzeit eine Ncgierungs- bildvng mit bürgerlichen Parteien unmöglich ist, da dieselbe nur die Fortsetzung der alten arbeiterfeindlichen Koalitionsregierung bedeutet, so wäre die Bildung eines rein sozialistischen Ministe- riumS stets zu bejahen, um dadurch zu bcwcifm, daß wir zur vrak- tischen Durchführung uoserrr volkswirtschaftlichen Ziele bereit sind. Die schroffe Haltung des Brieses E r i s p i« n s gibt den Rechts- s o z i a I i st e n erwünschte Gelegenheit, die Wähicrmasien vom Kern der Sache abzulenken. Schon aus rein taltischen Erwägun» 1 gen heraus hätte die Antwort d«S ParteioorstondeS anders lauten müssen, obfchon durch das Geheimzirkular der RechtSsozialiiten vom 9. Juni erwiesen ist, daß dieselben an eine Zufammenarbeli mit der U. D. P. nicht dachten und nur aus rein agitatorischen Gründen die Anfrage an Crispien richteten. Tie Generalversammlung erwartet, daß in Zukunft bei solch wichtigen Anlässen die gesamte Reichs tagsfrakti.on zu- gezogen und die Entscheidung nicht durch den Parteivorstand ge- troffen wird." Die Resolution verbürgt nur müHsam die s cb a r f e Mißbilligung, die der Haltung der U. S. P. in der Frage der Regierungsbildung entgegengebracht wird. Auch die unwahre Behauptung, daß wir an eine ge- meinsame Regierungsbildung mit der 11. 5. P. nicht gedacht hätten— die schon durch den in äußerst freundschaftlicher Weis« gehaltenen Brief des damaligen Reichskanzlers Ge- nassen Müller an Crispien widerlegt wird— schwächt die Schimm des Vorwurfs nicht ab. Wir glauben, daß dies- Re- lolution nicht die einzige ist, die das Werbalten der U. S. V. verurteilt. Je länger die Regierung des bürgerlichen Blocks dauert, um so mehr wird die gesamte Arbeiterschaft Deutschlands einsehen mos sie den unab- hängigen Abstinenzlern zu danken hat. Nußlonö zum§??eöen bs�it. Lrnbon, 25, Juli. Einem Nficbmtelegraaim Moskau zufolge wind die pol«! f che Zte g:e r u n g Vertreter, f. Wird alles noch gut? Ich schwimme ja in Glückseligkeit. D'ch, Liebste, habe ich gefunden! Jetzt weiß ich«in Ziel, einen Wog muß mir mein Wille schanen. Was schavet'S, w-nn wir noch Jahre wzrten müssen aufeinander: es muß doch endlich einmal besser werden' Hier in Jena kann ich mich doch einmal, einmal als »rcier Student fühlen. Hier ist's eine Lust zu arbeiten mitten in Sonne und?'oscn, und dann die Feierabende bei Dir, Liebste! A e r l> n. 20 August Ivlsi. Silberhochzeit ist vorbei: fast war es eine kleine Feier w.c im Frieden, nur daß aus dem sonst üblichen> Festfressen cin�bcsche'- denes Abendbrot wurde. Aber das schadet nichts. Dar Sommer draußen hat alle wieder frisch gemacht, und ick sehe die Zukunft im hellsten Licht meines fröhlichen Lvtim'smnS. Nur ein Miß- ton, haB im Unterbewußtsein: Karl bat aar keine Notiz genom- men. Er l-ätte dach wirklich eine Kleinigkeit schenken können; er weiß dock', wie sich Mama darüber freut. Oktober llllll. Jauchzet, ihr(sböre, ich darf bis Weihnachten wieder nach Jena! TaS hast Tu gemacht, liebe Broui! Jena. 21. Dezember IlllS. Im Winter ist'? hier doch reckst mieS. Wenn ich heizen will, muß ieb mir erst Holz zurecht machen, und dann ist es st, naß. daß es die ganze Bude verqualmt. Aber 12 Mark kann ich dock wirtlich nicht bezahlen für einen Zentner. Na, und das Essen ist auf d'.e Dauer dock: recht eintönig: Kartoffeln mir Kraut, Krau: mit Kartoffeln. Ich freue mich, wen» ich alle S Wecken bei.meiner Braut am gedeckten T' fck essen kann. Aber immerhin, ich habe es ja sehr billig bei meinen Leuten und für die paar Mark kann ich kaum mehr verlangen. Studieren sollte ckgertlich nur der. der j finanziell so gestellt ist, daß er von allen kleinen Nebenlorgon bc- fteit ist. sonst ist ma« ja dach nur Knecht aus Broter'.v?rb. Berlin. Januar IstlN. Da? Rennen hat begonnen. Mein Gut»,'st das ein Hasten und Trängen kier an der Universität. Aber iür mich igst alles ruhen: klar will ich meinen Weg lveitcr gehen» zunächst»um Staotseramen, vielleicht reicht? nachher auco noch zum Doktor. Wie web es mir tut. wenn ich sehe, mit welcher Leidensmiene Ma-.na die l'O Mark Kolleggelder hercusrücke. Es ist ja auch un- erhört: jeder Lümmel von 20 Jatren verdien' mehr als Papa mit seinen M Amtssabren. Und dann triegt er''ein Gehalt oder die Zulagen nur so tropfenweise und wie e:n Gnadengeschen!.... Karl ist n»« auch zurück: endlich klug geworden, aber ein Esser mehr zu Hause. Und wird er wirklich so v'el Energie onfbritioen, eine ernsthaste Tätigkeit anzufangen? B's k?» sieht'S nicht so aus. 12. Februar 1020. Ich habe doch zechte Freude an meiner Arbeit, und wenn tch Gey, genug hätte, wollte ich wohl ein Gelahrter werden; so ge. tzöre ich leider zur Schill? rjcken Klasse der Lrotgelchrten..... Wie kann ich Geld schassen? Tie 50 Mark Taschengeld wollen nicht hin und„scht b-r reichen. Privatstunde«? Wie oft habe ich'S überlegt? Ja, als ich in der Penne ivar und eben rsuskam, war dos jüne Kleinigkeit, setz: müßte ich iür die Vorbereitung aus den Stoff, ivenn ich nur einigermaßen gut bezahlte Stunden übernehmen wollte, so viel Zeit opfern, wie ich an Geld nie ein- bringen kann..... Allmählich kommt mir zum Bewußtsein. wie wir wirtschaftlich hecebgesunken sind. Jedes Stück Wäsche und jeden Strumpf muß Mutter tausendmal ilicken, und wenn wirklich etwas neu angeschafft werden muß. dann gibt« ein paar Tage saure Gesichter. Mit Mutter ,st überhaupt kaum noch ein AuS. kommest— sehr zu verstehen bei ihrer Uebcroürdung mit Arbeit. Nuß bat ibr auch d'e A>!iivart-'»ran noch gekünd'at und die war sehr billig: die neue will die Stunde 2.50 Marl und Frühstück. Ja. iwüwr nehmen und nickt ileblen? Sollen Wir schon ansver- laufen, wie in Rußland? Was hal Papa nun von seiner ganzen Lebensarbeit? Nickis, lein-n sicheren Lebensabend,-wer erwach- sene Jungens auf dem Halse. Dazu die enge Wobnung und so viel karte Kopie Wir müssen unS ja aneinander stoßen. Soll ich rongeben? Wieder nach T, aus Kosten meines Schwiegervaters, tdort leben, aur Puuiv? Re-n. 1000 mal nein, lieber Straßen- kehrer werden und ehrlich fein Brot verdienen! Doch ich muß nicht immer so düster sebrn. 4. Mörz 1030. So gehtö nicht weiter Heber jede Kleinigkeit kommt» zu Sor.f und Streit. Uno waS ist letzten Endes der Grund? Der Ie>. idine Geldmangel und ein Rest Kleinbürgerstolz, der sich um Gott«»- roillen nicht osscii als Prelemrier bekennen will. Ich hätte»'cht wieder onsanp�n sollen zu studieren, aber ich -war damals nicht stark genug nein zu sagen. Und betteln um mild» Gaben da« kriege:« nicht sortia. Nebenbeschäftigung? Wie jere 3.Ko mmilitonen, die nebeirüei A u i od ro schke nfti brer sind. Dazu bin ich nicht Kraftmensch genug. Auf der Bank schreiben? Nein, dann will ich lieber mein Studium aufgeben. Ich hänge mit Leib und Seele an meinen Fächern, un-d wenn ich etwas mache, will ich'» ganz machen oder gar nicht. ö. März 1320. Jetzt ist'» aus: Gestern ha:'« gewaltigen Krach gegeben, weil Karl immer noch keine Stelle hat. Und beule kommt ein Glau- biger von Bapa und prä'entiert eine Forderung, von der w'-r all« n ck:S wissen, ei iv Summe, die Papa heimlich aufgenommen kor. damit wir.fiandeSmäßig" leben können. Jetzt darf ich den Alten nickt weiter auf die Talche liegen. Ich muß neu anfangen. Aber mit Kopfarbeit werde ich nicht frei von Hau'e. TaS aber muß ich. das bin ich den Alten schuldig, daß sie wenigstens nicht mehr für «inen erirachsenen. kräftigen Menschen zu sorgen brauchen, wie ich es bin. Darum fort! Wohin? Wo c» Arbeit gibt. Meine 300 Mark aus der Sparkasse müssen mir über'» Erste weghelfen. Nun zum Schluß noch ein«» unvollendeten Brief, de» wir bei Heinzens Sachen fanden. I Die tzeeresangehorißen Zum Entwurf öes Reichswehrsssfetzes. Uebkr�Taussnd Vertreter der deutschen Wetirmochi waren am gestrigen Sonnlag in Berlin zusammengetommen, um in einer vom Lteich�wirtichatlsvervand deutscher derzeitiger und eh« mal: gQ Berufssoldaten einberufenen Kund- Peking zu d:n atiucllcn Kragen der Heeredverminderunz und dem Rotchswehrgesck Stellung zu nehmen. Nach dem einleitenden Referat de? Schriftstellers P. A. M e r- b a ch. der in arrrnei, Zügen einen Ueberblick über die deutschen Revolutionen der letzten vier Jahrhunderte gab. sftrach d:r erste Borsitzende der Krckvzruvve Reichswehr dc§ B- D. B.. Osfizierstell- Vertreter Mosbach über Tag a§ fragen der Reichswehr. In fach- l'cher und ruhiger Weise begründet? er den Wunsch aller Re- ssrvsängehörigcn, baldmöglichst ein? feste Gewißheit darüber zu er- langen, wer in der Reich: webr verbleiben und wer zur Entlassung kommen werde. XctS Reich möac auS den vorautgegangenen großen Entlassungen lernen und d:: bisher begangenen Fehler in der Bekleidung»- und Trsuprämienfraye vermeiden. ktber auch die Angehörigen de? stehenden Heere? hätten mancherlei Wünsch«. Die Lmeldung müsse nach Dienstgraden durchgeführt werden. Die Abzüge, welche für Unterkunst und Essen ge- macht würden, seien viel zu bockn(Zuruf:„Wucher- gesch äste"') Bei der geringen Bezahlung de? Soldaten müsse man verlangen, daß auch d-er Frau und den Kiikdern de? Reichs- Wehrsoldaten kostenlose ärztliche Behandlung zuteil werde. Lebhaste Klage werde allerorten darüber geführt, daß feder Soldat nur e:n. ev Anzug besitze, den er zu seter Gelegenheit tragen müsse. Ju dieser Beziehung habe das Reick für die Sicher- beiispolizei wei> besser gesorgt Tie au? dein llnteroffizieröstande bervorgcgar-Axnoil Offiziere litten d-eruntcr, daß ihr? vom Reick?- Wehrministerium sckon längst zugesagte Borpat-ntiernng noch immer n:ckt emsigt sei. Der R. T. B. werde versncken, für Abhilfe aller dimsr üebeiständ? zu forgxu. solange er noch bestehe.(Zuruf:„Aha! Will man den Teut scheu Ossizierbund auch auflösen? Wir sollen cing-miltelt werden!"! Der z 82 de? Ne'chswehrgesetzek.''ei von den Behörden erklügelt. weichender Ansicht ieicii, daß die Tätiaieit der Verbände aus dm Angehörigen der ReickSwebr politisch verhetzend wirle. (Zuruf:„Blödsinn!"! N'cki die Schuld de? Re'chSbundeS sei es gewesen, daß im März d. I. Mißtrauen und Zwiespalt in die Reich?- wehr(ss'nlaß fanden Der R/D. A. erstrebe vielnmhr im Heere e in« straffe? i s z i p I i n. gegenseitiges Vertrauen wund kameradschaftlichen Geist Deshalb habe man auch zusammen mit dem Deutschen Ossizierbund eine Arbeit?- lpemeinschast begründet. Wir rickten. schloß der Redner, die. drin- gonde Warnung an die Regierung: H ä n d e w c g v g n u n s e r.e m wirtschaftlichen K o a l i! i o n S r e ck t!(Langanbaltender Beifall.) Uebrr Abrüstung und Wiederautba» svrack Ber- bandsshndikus Dr. Kolshorn, der die Möglichkeit eine? Unter- bringung entlassener.Heere!ang«höriger im Wiei'chastSlcben er- örwrie. Bei der Einfügung der hunderttausend Soldaten, die jetzt verabschiede! werden müssen, müsse man aus die Uebersüllung der Berufe und dw trostlose Lage der Industrie Rücksick: nehmen. Ber- k«br»mi:lsster G r ö n er habe erklärt, daß.er anck nicht einen Mann pn Eisenbahnbetrieb unterbringen könne, da da? Verkehrswesen sei- r?en Zusammenbruch den viel zu Vielen verdanke, die über da? er- sorderlicke Maß eingestellt seien und nickt arbeiten wollen. Die Landwirtschaft dagegen brauck« lüchtige Leute. Nach Möpsickleit sollen die Landarbeiler und Bauernsöbne der jetzt z» Entlassenden d'rausgezogen und angesiedelt werden. Auch können HeekeSanaebörige im Kohlenbergbau unterkommen. T«S ReichSwirtschastSminisserium- bereite, jetzt eine Umfrage vor., wer von den Soldaten im SteinkMen- oder Brgunkoblenbergwerk et« besten will. Der Verband unterstütze dieses Bestreben, verlange ober, daß ähnlich wie beim Sckmudescken System jeder, der ?ur Bergarbeit überpi.be. durch seine Arbeit sichHanSundGar» t e. n erarbeiten könne. Tieselbe Fovderung stelle man für die» jenigen, wekchc in die Torfgewinnungszentralen gehen. Der Redner machte dann Mitteilungen über sten„gemein- nützigen Werkstättenpkan", durch welchen vielen Tau- senden von Soldaten dauernde Beschäftigung ermöglicht werde. ?(ngestchts der bitteren Not de? Vaterlandes müsse jeder Soldat sich für d'e Arbeit entscheiden, für die er Vorkenntnisse mitbringt. E? wurde eine Entschließung im Sinne der. obigen AuSfiih- rungen angenommen und' besonder? gefordert, daß den im Heere ver.Blelbcn.den Ssidaten die wirtschaftliche K o a l i t i o n S- freibcit erhallen blestst. H.. den 10. Juli ILA. Meine liebe Braut! Für Dick und die Welt war ick einige Zeit in der Versenkung verschwunden. Jetzt hast Du die Lösung: -ick bm Bergarbriwr geworden. Nun tri' jt Du begreifen», weshalb lich mich damals von allen Fesseln frei macken mußte, um meine -neue Bahn betreten zu können. Ihr alle, Du. meine und Deine Eltern hättet mich nicht verstaiidci! und mit allen Mitteln versucht, wich zurüstzukalten oder mich in die verhaßte Stellung eine? prole- ltarischen Geistesarbeiter? hineinzulotsen"Denn Ihr alle begreift nicht, daß ich so„berabstejaen" kann..Ihr seid eben aile in dem bürgerlichen Wabn befangen, daß Ihr es für eine Entwürdigung Eure? Standes haltet, wenn einer von Euch Har.darbcster offen Brolelnricr wird. Aber ist e? so nicht viel besser, v:el ehrlicher. Bi? jetzt war ich wahrhaftig ebenso Proletarier, lebte von der Hand in den Mund. Ja schirm- mer war'?, nicht ich verdiente da?, wovon ich lebte, sondern mein Vaier. Ich zehrte eigentlich von dem, was ich einmäl verdienen wollte. Und wie unsicher war die Ausstchj, meine Schuld jemals abtragen zu können. Wenn ich genug verdiente, wäre mein Vater «in alrer, gebrochener Mann, und es ist doch sehr fraglich, ob ich ihm jemals noch bei seilten Lebzeiten das hätte vergelten können, was er für mich getan. Darum machte ich Schluß und fing ganz von vorne g'.t, auf- bauend auf der gesunden Kraftz mein«? Körper?. Tu kannst mir es glauben, daß ick seelisch oft schwer gelitten habe in der uwgc- wohnten Umaebung, bei der ungewohnten Arbeit. Aber jetzt habe ich mick durchgerungen, setzt sehe ich�eincn Weg, der auswärt? fübrt. Verständlich, daß ich nun ganz Sozialist geworden bin. Dp wirst Dir auch denken können, daß meine geistig- Schulung doch nicht ganz ohne Erfolg geblieben ist. A-llmählich wird man auf mich aufmerksam im Betriebe, Auch ein anfängliche? Mißtrauen meiner Kollegen glaube ich beseitiat zu hoben, weil ich eben auch nicht? andere? sein will als nur?(tbci!sr. Als solcher aber nehme ich mir daS Recht, auch meine geistigen Fähigkeiten auszunutzen und zu enrwicheln. Sohosse ick allmählich vorwärts zu kommen im ehrlichen .K!«:d de? Proletariers und nicht mehr im fadenscheinigen, beuck- lerischen Rock heS Stcbkra-tenp-.o'otarierS, Ick mi'ß jetzt zur Schstht. Morgen noch«in paar Zeilen über unser Verhältnis, e-o lange lebe wob!! Dieier Brie? wurde nicht abgeschickt. Die Schicht, die daS Schreiben ntcht kcrrig werden ließ, wurde dem jungen Men'chen. der sick'"'fer zum richtigsten Wege entschlossen ba:'?. zur Tode?. schicht. Erich S t i e l o w. jjiivwig Ganghoser, der Onäbler jmd Tramolificrer obcrd-meriicker Neschichten ai:Z dem votte. ssi 65 tz.ndr att r.m Soni'abcrd in Zk?erii!c- g e it o r b e n. Er n urdc viel gednnkt, n-el pelelcn. ott aelpittt. aber tein Heimatdichten hat m nichts Seile gejijasfen. die ihn an Anzenaruber? und »sietl»rs s-ue tiUn ta i ,ie»._<$■; vre beim birger! tchen Durch- schnitt Mode, tnurde heSbatb twal üch betond-rS auch während de? kbriegeS zeigtet von oben ber gel'.äischelt und einsprach pesällia den Erwartungen, dir nu, leine steter gesetzt wuiden. Seine optimiiusche Art war ober- Pächlich. Im GuiNSe war er eine männiiche Kiarlitt in gamSlederuen Hofe». OtrtsHQK Preisüberwachung nach Abbau der Zwangsbewirtschaftung. Ter Leiter deS LandcSpolizeiamtes Dr. C. F a l ck hat im Ver- läge von Earl Hevmann, Berlin, über„Preisüberwachung nach Abbau der Zwangsbewirtschaftung" eine Ab- Handlung veröffentlicht, in der er sagt: „Tie staatlichen und mehr rock die gemeindlichen Behörden zeigten sich ihrer Ausgabe nicht ausreichend gewachsen, ja ern vielen Stellen sehlie sogar der ehrliche Will«, die ge meinwirt- schastlichen Vorschriften gegen jedermann ohne Rücksicht puf seine gesellschaftliche Stellung und seinen politischen Macht- einfluß zur Anwendung zu bringen. Tie.Gewinnsucht der meisten Handel- und Gewerbetreibenden wuchs immer mehr, und sie machte sich diese Zustände zunutze. Ebenso taten cS alle diejeni- gen Verbraucher, die sich kein Gewissen daraus machten, mit Hilfe ihres Geldbeutel? sich alle? zu beschaßsen, dessen sie habhaft wer- den konnten." So stand schließlich fast der gesamte notwirlschaft- liche Plan nur auf dem Papier. Tie Verordnungen gegen Preistreiberei konnten nur wirksam sein, wenn sie eine möglichst w e i ig e b e n d e Auslegung erfuhren, wie es unseren wirtschaftlichen Verhältnissen entsprach. Die Ge- richte legten sie aber möglickst eng aus infolge ihrer geringen 'Kenntnis aller wirtschaftlichen Verhältnisse. Die Preisüber- wachiing muß sich im wesentlichen auf den geschäftlichen Auf- z e i ch n u n g e n des einzelnen Gewerbetreibenden aufbauen. Der unehrliche Handel hat es aber schon lange unterlassen, über seine Geschäfte Auszeichnungen zu machen, insbesondere über seine vielfachen im Schleichhandel vorgenommenen Ankäufe schriftliche Belege aufzubewahren. Die großen Schieber und gefährlich- sten Kettenhändler besitzen kaum Aufzeichnungen in Merkbüchern. Den ja an sich strafbaren Sckieberhandel kann man auch unmöglich durch weitere Strafvorschriften zur Buchführung zwingen. Daher müßte nach dem Vorbilde einer Bekanntmachung der bayerischen FleischversorgurgSstelle vom 28. Januar 1820 der Ankauf von Waren von unbekannten Leuten schleckrhin verboten werden. Mit allem Nackdruck weist der Versosscr daraus hin, daß die Vor- waltungSbebörden zu einer ganz anderen Handhabung der Vor- scknster über die H a n d e l s e r l a u b n! S und Ha n d c l S- u n t e r s a g u v g übergeben müssen und zeigt, wie die Vermal- tungSbehörden in dieser Hinsickt nphe.zu völlig versagt haben. fo daß infolgedessen die Zahl der zum Großhandel sowie zum Kleinhonbel zugelassenen Leute weil über das volkswir'- schaftliche Bedürfnis hinaus vermehrt worden sei. Diese s ch r a n- k c n l»s c Vermehrung der Hänl'cr bat eine schier endlose Ver- ieuerung der Ware zur Folge. Denn der Wettbewerb wirke nur dann einer Preissteigerung enigegen, wenn die Nachfrage das Angebot übersteige. Obgleich es die-hier erwähnte» Perord- nungen dvn Handelserlaubnis stell e'n ermöglichen, auch einem Kleinhändler die Eröffnung oder die Fortführung feines Betriebes zi- verbieten, wenn für diesen ein volkswirtschaftliches Bedürfnis nickt vorliege, sei nick cinei; von dem LondeSpolizeif' amt veranlaßten Rundfrage an die preußischen Handelserlaubnis- stellen und die der größten oiißerpreußisckeii Städte von dieser Be- stimmung nickt ein einziges Mal Gebrauck gemacht war- den. Falck fordert, daß von Reichs wbgen die Zabl der Klein- Handelsbetriebe im Verhältnis zu der Bevölkerung bin- d e n d festgelegt werde. GroßGerlÄ fisege« die neuen Höchstmietcn. ' D«? M'«ierverbänd Groß- Verl in Ixitte'eine Mit- plieder zu einer am gestrigen Sonntag im Lustgarten abgehaltenen Protestkundgebung gegen die. bewilligte Mietssteige. r ü n g geladen. Die Redner wiesen darauf hin,, daß die neue MietSerhohung nur durch den Wort b'ruch des WohlfahrtS- m i n i st e r S Möglich geworden sei. Es sei daher' Pflicht aller Mit- plieder. sich zusammenzuschließen, um zur Selbsthilfe zu grei- fen. Energische Maßnahmen seien erforderlich, um den Mietern auch zu ihrem Recht zu verHelsen. Dieses bei den Behörden zu suchen, sei vergeblich« Mühe. Es müsse'daher von der gesamten Mieterschaft die Sozialisieruug des Wohnnngs- wesen? gefordert werden. Die Forderung der Hausbesitzer auf 20— 30 Proz. MietSstcigerung sei in keiner Meie gerechtfertigt da diele in den letzten Jahren fest feine Reparaturen haben vornehmen lassen. Es wurde folgend« Resolution einstimmig angenommen: „Die int Mieterverband Gros-Berlin organisierten Mfetee er- heben schärfsten E nsprnch gegen die neue Bekanntmachung des Wdhnungsveroandes Groß-Berl'n und der Regierung, nach welcher die H ö chst miete um 10 Proz. gesteigert werden darf. Sie'heilt von diesem Milliardcngeschenk an die Hausbesitzer mit Entrüstung Kenntnis genommen. Sie verurteilt aufs schärfste das diktatorische Verhalten der neuen Regierung, die derartige Be- stimmungen, ohne die Mieterschaft anzuhören, erläßt. Tie Mieterschaft wird nickt davor zurückschrecken, zu dem Kampfmittel des ihr ausgezwiingenen M i e t e r st r e i k s zu greifen. Raubmord an der BJitlvc Thielcmann. Die Erm'ttluna«» der Kriminalkommissar« Tr. Schuppe und Werneburg zur Aufklärung des Raubmordes an der 71 Jahre arten Witwe Thiele mann haben zu einer Verhaftung geführt. Wie wir berichteten, kam atlßcr dem Schlosser Otto Riedel, der früher bei der Witwe Thiel« mann gewohnt hatte, als Mittäter oder wenigsten? Mitwisser ein zweiter Schlafbursche in Frage, der wenige Tage vorher zugezogen und seit dem Verbrechen eben-falls verschwunden war. Dieser Schlafbursche ist jetzt in der Person des 23 Jabre alten Friseurs Franz Heinrich ermittelt und dingfest gemacht worden.� Kriminalkommissar Wern.eburg. der mit seinen Bcan.rten eine Streife in der Koppenstraße machte, wo sich der Gesuchte aushalten sollte, traf diesen gestern abend auch dort an und ließ ihn auf offener Straß« festnehmen. Er wurde sofort nach dem Polizeipräsidium gebracht, wo er über das Verbrechen solgende Angaben machte: An dem fraglichen Abend sei er gegen 8 Ilbr nach Hause ge- '/ Am andern Monge« habe er sich gewundert, daß die Wirtin ihm kein Frühstück bringe. Erst jetzt habe er bemerkt, daß Frau Thiekrnonn immer noch so dalag, wie am Abend. Nun habe er das-Kopfkissen hochgehoben und gesehen, daß ihre Hände ge- fesselt waren. Er betbe die Fesselung zunächst gelöst� und dann, als er das Kissen weiter entfernte, gesehen, was der Fremde an- gerichtet hatle. Er habe nun seine Sachen genommen und sich entfernt.____ Aushebung eines Spielklnb'?. In der letzten Nackt wurde in der Heilhrouner Straße ein großer Spielklub auSge- hoben, in dem die Beamten gestern überraschend einfielen. Die Spieler wurden bei vckller Tätigkeit beirofftn, das so pi« l g c rät und das Spielgeld beschlagnahmt. Gegen den Woh- nu'.'gkinhaber und die llnurnehmer wurde'ein S-trafver- sp.hrcn eingeleitet.__ Gros:-Verliuer LebrnSinittel. Jobann. fsfbnl. 250 gftomm Kunsthonig(6511, 2 Stöif e uvven- irürül 1655.1. 25» gframm Haierflvcken(33> tzu der Gemeindeverkanisl'elle für werdende Mütter 250 Gramm braunen stand!? Für Krieg�betchädlgte 2 Pinnd Histteniiuchtniebl und 2 Psund Haferflocken(8).' Für alte Leute 250(Siairw! Teigwaren I(-1.„ Wilmeredorf. 125 Gramm �erltenprüfle(35V 125 Gramm lote Haierflockeii(36> ,?ür werdende Mütter 1 Pinnd Nädriiiittel.'I, Pinnd stakao, 50— 200 Gramm Trockenganzei. 1 Dote Malzerttakt, 8 Dofen Kondensmilch(mir im 4. bi? einichllekltch 6. Monat). Für stillende Mutter 2 Pfiind Röhrmittel, ll, Psimd Kakao, 50— 200 Giamm Trockenganzei, 1 Doie Malzextrakt.. ,, Reintckenvorf.'/, Pjund Kunsthonig(2>51, Abichnilte bi? Dienstag bei den Händlern obgeti-n. Für tchwerbeichädigte KriegSteilnebmer je eni Plund Pnchweizemnefil, Linie». Hatei flocken, Maccaroni, Kunsthonig. Auf AlterSkarte ab Mittwoch in den amtlichen VertanfSsteflen l Pfund Buch- weizellmebl.____ GroF-Serliner Partemachrichten. Heute, Jnli: Jungfozialiftifche Bereinigung. 6 Uhr Arbeitsausschuß. Sitzung. 7 llbr Konterenz ini Saal der Juriftitchen Sprechstunde..Vorwärt?"- Gebäude, Lindenstr. 3.— Ortsgruppe Reuküll«. 8 Uhr Turnen. in der Turnhalle, Etbestratze. Morgen, kZ7. Juli: Sk__ lfck. Bbt. 7 Uhr Berfaimilliuig jämllicher Parteifunktionär« bei Plestin, Stai garber Str. 3. Karow. 8 lllw Mitaliederveriammliino. Doifstraße 4l bei Bcrndt. Tagcsordnnnz: f. stoficnbericht, 2. 3icoision?bericht, 3. Parteiangelegenheilcn. �ugenüveranstaltungen. Heute Uhr: Zrntraljugendlietm: Lindenstraße 3. Mädchcnabend.— Tüdott (Eöpenicker Ötertel) tztuacndbeim:©rangclflr. 123, Schule. Vortrag: Vir Nskrankheiten.— Stcgliv-ftzriedeuau: Jugendheim, Eemetndeschule C ijercknchcr Straze. Mädchenabend. Sport. Nadrcunen ans der Olyinviababn. Presse der sttiidilflrie.„(Bar* bätif-PreiS. Haupttahien über 1200 Meter: 1. Bader 2 Min. 28 Sek.. 2. Wegenee. 3. 8!nde!, 4. Packelbuich, 5. Stolz.— Göricke-Preis» Zweisitzeiprämieniahrer über 4000 Meter: 4. Techmer-Rudel 5 Min. 5 Sek., 2. Münzner-Schröder, 3. HäuSler-Tiep. 4. Amorl-Sckiöllner, 5. Hispel-PcU'i. — Brenliabor- Preis, Dauer! ennen über 100 Zbilomcter in zwei Lönien. t Laut, 40 stilometer: 1. Weist 32 Mir». 46 Sek., 2 Sawell 90, 3. Wittig t80. 4. Avpelhaiis 1830. 5. Bauer 1920 Meter zurück. 2. Laus. 60 Kilometer: I. Appetban? 49 Min. 7 Sek., 2. Sawall 50. 3. Weist 440, 4. Wütig 290, 5. Bauer 9080 Meter zurück. Mesamillaisenient: 1. Sawall 99,«80 Kilometer. 2. Weist»9,860 Stijorneier, 3. Wittig 99,330 stilometer. 4. AP selb, ans 98,170 Kilometer, 5. Bauer 89.Kilometer.— Vorgabe« i a b r e i,. 1600 Meter: 1. Techmer 2 Mm. 4 Sek.(30), 2. SfiSUrtcf(100), 3. Schröder(25), 4. Hiepel(80), 5. Behrend(90 Meter Vorgabe). Rennen zu Grunewald. 1.31.: 1. Styr(O. Müller), 2. Erika (Schichte). 3. Kätlst(Korb). Tot.: 52: 10, PL: 18, 20, 23: 10, Uiipl.: Pirol, Mensing, Landsmann. Margarete. 2. R.: 1. NIadnr(Bäsch), 2. Ginet(Preisler). 3. Vollmacht(Shurgotd). Tot.: 13:10, PL: 18, 21, 2t: 10. Uiipl.: Mei fur, Strymon, Figaro, Monitor. Sterna, Moritz, CiardaS-Fürltiii, Felmyr. 3. N.: t. Gras Feny(O. Schmidt), 2. König Miüa?(Rastenberg er), 3. Favorita(Korb). Tot.: 31: 10, PL: 13. 12: 10. llnpl.: Prälat, Taniitönig. 1. Zi.: 1. Tüchtig(.Kaiper), 2. Obenetdhcrr �.lrbettArechl anck r.es Gärtnere.periona.,» m den �awd- to« aver daraus teharrt hacken. Einlaß zu bekommen. NM sich schlafen .'e.ien zu können. Als er dann gegen die Tür gedrückt habe, back« diei« rachgegeben, doch-sei die Kette vorgelegt gewesen. Nun habe er rersuckt, diese von außen zu löser. Endtick sei dann auch aufgemacht worden und vor ihm babe ein fremder Mann gestanden. der ans Strumv-en umkerging. At? dicker, daß er von dem ftüteren i tv'.e in den HauSwirlschafkSbetriebe» auf dieselbe zeitgemäß frei- heitlich« Grundlage emporgehoben. Die in der vor'.evolutionäreir Zeit ae stell:? Forderung, das gärtnerische Arbeiisrecki im Rchmctt der Gewerbeordnung zu regeln, ist durch die revolutionären Er- cign'ssc al? überholt" zü betrachten. Unsere noeh verbleibender !? er'hn zur Rede stellte, saz:e! Sonderforderungsn könmn im Rahmen des in der Verfassung zu- Mieter beauftragt worden sei.\ gesicherten cinhe-llichen AibeilSreckiS geltend gemrcht. werden. In dessen. Sachen, die Frau Thielemann zurückbehalten habe, ab zu-! der Uebergangszeit ist jede Zurückdrüngung der gegenwärtig gel- holen. Dabei sah Heinrich, daß d'« Frau aus dem Sofa lag und tenden Neckte, möglichenfalls dnrck eine Notverorhnung. zu ver- «in Kopf? i sse» über dem Kopf halte. Er glaubte, wie er! hindern. Einc ösfentlich-rechtlicke Beriretung(Gartenbaukammrrn; iait. daß die Fron fett schlafe. Aus Bitten de? Manves, ihn nickt festnehmen zu lassen und auch auf die Drohung hin, daß er übrigens gar kein« Angst vor ihm habe, ließ Heinrich nach seiner Darslellung den Fremden auf die Straß« hinaus. Er selbst ging dann wieder in die Wohnung zurück und legte sich schlascu. oder dergleichen) ist ein allgemeines Bedürfnis. Alle Diskussionsredner bekämpften den vom Referenten ver- treiencn Standpunkt mit großer sachlicher Tckiävft. Sie wollen nichts davon wissen, daß sich die Gärtner und Gartenarbeiter mit der neuen Landarbeitsordnung abs inten und verlangen, daß des r- hanzs Gärtnere? unter die Gewerbeordnung gestellt werbe� Ter wrt diesem Ziel seit 20 Jahren geführte Kampf dürfe jetzt, wo man am Ziel sei, nicht aufgegeben werden, um so weniger, als man auf das in der Verfassung verheißene einheitliche Arbeiter- recht noch lange warten könne. In Bayern— sagte ein Redner aus München— sei man auf dem besten Wege, die ganze Gärl- nerei unter die Gewerbeordnung zu stellen. Da die Diskussion keinen Zweifel darüber ließ, daß die von A l b r e ch t vorgelegte Erklärung nicht angenommen wird, wurde ein« Kommission mit der Ausarbeitung einer neuen Resolution beauftragt. guten Gründe fanden kein geneigtes Ohr. Auch in den anderen Punkten war nichts Positives zu erreichen. Unter anderem wurde von den Vertretern der Verwaltung gesagt, daß der gewünschten fvreimachirng von Dienststellen für angeblich Ueberflüssige durch Entlassung sPcnsionierung) der über 63 Jahre alten Beamten nicht zugestimmt werden könnte, weil die Rechte dicker Beamten ! in der Reichsverfassung festgeiegt seien und hierin eine Aenderung nur eintreten könnte, wenn ein neues Reichsgesetz die zwangsweise Pensionierung anordnen würde. Im übrigen wollte man erst von ! den Oberpostdirektionen Berichte einfordern. Auf sehr energische ■ Einwendungen der Verbandsvertreter wurde eine schleunige Jnter- Hierauf wurden einige beim Vorstandsbericht zurückgesiellte pellation des ReichSpostministerS � zugesagt. Die � Jolgen waren Anträge erledigt. Angenommen wurde ein Antrag, der besagt, dann neue Verhandlungen im Plenum des Reichshaushaltsous- daß die Verbandszeitung nicht nur ein Mitteilungsblatt, sondern s schusses unter Teilnahme des Reichspostministers, deren Resultat ein Organ für gewerkschaftliche Aufklärung sein soll, in dem auch die Opposition— soweit sie rein gewerkschaftlicher Natur ist—• zum Wort kommen soll. Parteipolitisch soll die Zeitung neutral bleiben. Die Frage dcS Anschlusses an den Landarbeitervwband behandelte Busch als Referent. Er verwies auf die EnNvick- lung der Gewerkschaften zu zentralen Berufs-- und Jndustriever- bänden, auf die Berufsverwandtfchasi zwischen Gärtnerei und Land- Wirtschaft, auf die stärkere Leistungsfähigkeit eines großen Per- bau des und empfahl aus diesen Gründen den Anschluß an den Landarbeirerverband. Es werde der Zeitpunkr kommen, wo der Gärtnerverband als selbständige Organisation nicht mehr bestehen kann; darum sollte die Verschmelzung bald vollzogen werden, denn in der größeren Organisation würden die Interessen der Berufs- ongehöriaen mit mehr Erfolg als im kleineren Perband vertreten werden können. Ter Korreferent Lehmann verkannte nicht, daß schwer- wiegende Gründe für den Anschluß vorgebracht worden seien. Grundsätzlich sei die Verschmelzung anzustreben; aber vorerst hätten die Gärtner wichtige bewndcre Aufaäbsn zu erfüllen, die nur durch eine selbständige Pcrussorganisalion gelöst werden könnten, Die Diskussion ließ erkennen, daß über die Anschlußfrage so- Wohl im Vorstand wie in Mitgliederkreiien Meinungsverschiedenheiten'herrschen. Di« meisten Diskussionsredner sprachen gegen den Anschluß. Einzelne meinten, der Landarbeiterverband arbeite in seinem Interesse auf den Anschluß hin, um den gewerkschafl- liehen Avparat des GärtnerverbandeS in seinen Dienst zu stellen. Dieser Ansicht widersprachen namens des Landarbeite everbandes K w a S n i k und Georg Schmidt, der betonte, der Land- arbeiterverband verfüge selbst über«inen gut funktionierenden Apparat; er stehe der Anschlußfrage durchaus objektiv gegenüber. Werde der Anschluß beschlossen, dann würden die Gärtner dem Landarbeiterverband natürlich willkommen sein. Wollen.sie sich nicht anschließen, dann werde man sich damit abfinden. Wenn nicht eine weitgehende Ilebereinstimmung in der Anschlußsrage herrsch«, dann sei es besser, die Dinge noch lausen zu lassen. Das sei auch der Standpunkt des Allgemeinen Deutschen Gewerkschafts- Hundes. Nach Schluß der mehrstündigen Diskussion wurde mit 30 argen S Stimmen beschlossen: Die Frage des Anscblusses an den Land- arbeiterverband wird zurückgestellt. VcrbandSvorstand und'Bei- rat werden ermächtigt, zu gegebener Zeit die Mitglieder durch Urabstimmung entscheiden zu lassen. Ose Nlsfföncntlassungen in öer Posivsrrssitnng beschäftigten am Sonntag nachmittag Line außerordentlich zahlreich besuchte Sektionsversammlung des Post- und Tele- graphenpersonals, das im Deutschen. Transportarboitcr- verband organisiert ist. J«nß berichtet: eingehend über die wegen der Massencntlassungcn erfolgten Verhandlungen mit verschiedenen Instanzen, namentlich mit dem Rcickspostministerium. Zugrunde liegen den Verhandlungen die Beschlüsse der Versammlung vom 7. Juni. Die ersten Verhandlungen mit Vertretern des Reichs- Postministeriums hatten keinerlei Resultat. Di« Vertreter der Post- Verwaltung stellteii sich gegenüber den Messoneiitlaffungen auf den Standpunkt, daß überflüssige Kräfte nicht behasien werden könnten, andererseits billigten sie eiber sonderbarer Weise die Anwerbung Auswärtiger als Postillione für Berlin. Angeblich sollen die Ar- beitskräste vom Lande der beste Postillionersatz für Berlin sein. .Alle von d?n Vertretern des Verbandes dagegen geltend gemachten folgende Verfügung des Reichspostministers war: „Der Rcichspostminifter. VI. II. Berlin 23.66. den 2. Juli 1020. Aus Grund der in Verfolg des gesl. Schreibens vom 11. Juni stattgehabten Besprechung zwischen Vertretern des Reichspost- Ministeriums und des Tranöportarbeiterverbandes wird angeord� net werden, daß in den größeren Städten, in denen eine er- hebliche Arbeitslosigkeit Herrschi, einstweilen von weiteren Kündigungen aus Anlaß der Berkehrsabnabme abgesehen wird und Entlassungen— außer bei Pslichtwidrigkeiton oder Untauylichkcit des Arbeituebuiers— bis am weiteres stur noch im Rahmen des§ 3 der Veroednung über die Freimachung von Arbeitsstellen vom 23. April 1920 erfolgen dürfen. Auf die seit dem 1. April d. I. eingestellten Hilfskräfte be- zieht sich die vorstehende Einschränkung nicht. Bei den bereits ausgeivrochenen Kündigungen behält es, unbeschadet der gesetzlichen Rechte der Arbeitnehmer, fem Bewenden. Unter Beteiligung der Oberposödirektion wird geprüft wer- den, in welcher Weis« und in welchem Umfange sich durch Ar- beitsstreckung(Aussall>der Beschäftigung und demgemäß auch der Lohnzahlung cm einzelnen Wochentagen, Einschiebung von Frei- wachen oder in ähnlicher Weise) die Entlassung von Hilfskräften tunlichst einschränken läßt. Dabei müssen sich die Arbeitnehmer dazu verstehen und bereit sein,'daß sie auch anderen Dienststellen an demselben oder einem angrenzend Ort zur Beschäftigung über- wiesen werden. Bei Zlblehnung einer zugewiesenen Beschästi- gung, die dem l'lrbeitnchmer billigerweise zugemutet werden kann, erfolgt Entlassung. Nach Abschluß der alsbald einzuleitenden Erbebungen über die Möglichkeit der Arbeitsstreckung wird die Reichs-Poswerwal- lung erneut zu der Frage der Entlassung von Posthilsskrästen Stellung nebmcn. E? wird anheimgestellt, die Gauleitungcn von Verstehendem zu verständigen." Ob Das war das einzige Resultat, demzuiolge am 13. Juli die crpostdirektion Berlin«ine daraus bezüglich« Anordnung ergehen Menden Umstände durch den Redner entspann sich eine scbr lange und unaetröhnlich lebbaste Diskussion, sin der verschiedene der Red- ner heftig dagegen protestierten, daß die Streckung der?!rbe:t o bn e Bezahlung der vorgesehenen freien Tag« erfolgen solle. Schließ- lich wurde nach vierstündiger Verhandlung namen? der Sektions- leitung gegen eine erheblich« Mtndcrbeit eine längere Resolution angenommen, die eine scharfe Kritik und Verurteilung der Maß- nahmen der Oberpostdirektion«ntbält. Insbesondere wird dagegen protesiiert, daß trotz der Verfügung vom 13. Juni das Reichspost- minkstrium noch Einstellungen vorgenommen werden und der Verwaltung genehm« Personen. Dopelexistengen und Auswäruge aus sogenannten technischen Gründen gehalten und von Amt z'4 Amt versetzt werden. Endlich fordert die Entschließung von der Reichsvegierung ent- schicdene Maßnahmen, die verzweifelte Lage der Arberinebmerschast durch schnellste Aufnahme der Produktion in den stillgelegten Be- trieben zu beheben._ Zur Bewegung der Angestellten der Reichs« v crficherung sanstalt. geht unS vom Zentralverband der Angestellten eine beachtenswerte Zuschrift zu, auS welcher wir folgendes wiedergeben wollen: Nach den bisherigen Veröffentlichungen konnte allgemein die Auffassung Platz greifen, daß eS sich bei den bei der Reichsversicherungsanstalt �Beschäftigten" um„Beamte des Staates" handelt, um io mehr, als bei der Regelung der Gehalisverbältnisse auf die Beamten- besoldungsordnung verwiesen und die GehaltSvegelung nach deren Sätzen durch die Beschäftigten als Mitglieder einer Untepargani- sation des Deutschen Beamtenbundes fördert bei diesen die irrige Auffassung, sie seien Beamte und müßten nun auch nach den Stützen ' der Besoldungsordnung entlohnt werden. Dem ist aber anders, denn die dort Beschäftigten sind Angestellte aus Privat-Dienstveft? trag und erwerben nach fünfjähriger Beschäftigung lebenslängliche Anstellung mit Anspruch aus Ruhegehalt.(§ 8 der Dienstordnung, ohne ober Beamte des Reiches zu werden. Auch der Umstand, daß die Dienstordnung von Beamten spricht und in bezug aus Tisz:- plinarveriahren und sonstigen aus das ReichS-Btzamtengesetz Bezug ! nimmt, ändert nichts an der Tatsache, daß sie deswegen noch nickt ! Beamte im Sinne des Reichs-Beamtengesetzes sind. Die Angestell- �:cn verkennen voll und ganz, daß sie als Angestellte auf Privat- Dienstvertrag weit freiere Menschen als die Reichsbeamten sind, und es bedürste nur ibrer eigenen Geschlossenheit und der getsi- i newn Führung innerhalb einer freien Gewerkschaft, um die teil- � weise nachteiligen Bestimmungen ihrer Dienstordnung zu beseiti- ; gen. Es ist Ihnen dielerhalb dringend zu empfehlen, Anschluß an eine Organisation zu suchen, die ihnen zweifellos durch Abschluß eines Tarifvertrages wesentlich größere Vorteile bieten würde. Es ! rann auch, nach all den gemachten Ersahrungen, bei einer Mit- ! gliedschaft beim Dszitschen Beamtenbund nicht von einr«Gewert- schaff" gesprochen werden. Ausgabe einer Gewerkschaft wäre es, gegenüber einem reaktionären Direktorium ganze Arbeit zu leisten, damit die Kollegenschaft nicht der Maßregelung ausgeliefert wird. Den dort beschäftigten Kollegen kann nur zugerukan werden: Weg mit der Forderung nacb Beamteneigenschaft und Anlehnung an hie . Besoldungsordnung; schleunigste Herbeiführung des Anschlusses ch.'im Zentralverband der Angestellten, Fachgruppe 4. ' Durch diese wird dem reaktionären Direktorium das Handwerk in -Kürze gelegt sein. Mit der Verordnung zum Beamtenrätegesetz beschäftigte sich ! eine vom Bezirksverein Berlj» im Reichsverbande Deutscher Post- , und Telegraphenbeamten einberufen« Versammlung. Die Per- � sa mm lung faßte einstimmig iolgende Entschließung:" „Tie in den Sophiensälen versammelten Vertreter der im i Reichsverband: Dent'cher Post- und Telographenbeamten im Be- izirke Berlin organisierten nahezu 23 000"Mitglieder erheben den schärfsten Prowst gegen die Verordnung zum Beamtenrätegesetz und fordern deren sofortige Zurückziehung. Tie Versammlung bekundet, daß im Wege der Verordnung de: Beamtenschaft der Klassen ll— IV und Diätaren an den ihr ge- stellten Aufgaben mitzuarbeiten unmöglich ist, da die Verordnung jeglicher demokratischer Grundlage und eines Rechtsstandpunktes entbehrt. Es wird hierbei nur aus das dreiklassig«'Wahlsystem hingewiesen. Die Versammlung erklärt ierner, daß die Vertreter der Be- amtenschafi der Klassen II— IV und Tiätare im allgemeinen In- teresse die Parole zur Wablentbaltung ausgeben werden; um der Beamtenschaft ober nicht jede Vertretung zu nehmen, erklären die jetzigen Ort?- und Ausschußmitglieder auf ihrem Posten so lange zu verbleiben-, bis ein Beamtcnrätegesetz vorliegt, in dem den Beamten. räten auch ein Mitbestimmungsrecht eingeräumt worden ist." Zur Arbeitslosigkeit im Buchdruckgcwerbc nahm eine Vor- sammlung arbeitsloser Buchdrucker in den„Soplsiensälen" Stcl- lung. Nach einem Referat von König gelangte eine Resolution zur Annahme, wonach der Arbcitslosenrat ersucbt wird, mit den Bc- triebsrä-ien aller Groß- und Mitteldruckereien in Berhondlungen zu treten, um Maßnahmen zur Unterbringung der Arbeitslosen zu treffen. Wenn es sich darum handelt, die Arbeitszeit der jetzt noch in Arbxit befindlichen Kostegezi zu verkurzen, so wäre das eine Frage, die' nur nach Verständigung der Betriebsräte mit der Organisation zu lösen wäre. Die Versammelten glauben anscheinend, die Or- ganisaffon dabei ausschalten zu sollen; sie gestatte rhr lediglich die durch notwendig werdende Versammlungen und Inserate entstehenden Unkosteij begleichen zu können. So wäre wohl diese für die?lrbeitslosen lehr ernste und aus schnellst« Abhilfe drängende Frage nicht gerade am besten gelöst. ?eranNv. für den redakt. Teil: Dr. Wrrncr Peiscr, Cbarwttenburg: für Anietnen:- Tb. Glocke. Derlin. Verlag: VorlrSrts-Verlaa(5. m. 6. H., Vcciin. Druck- V.r- i irärts-Buchdruckerei u. VerlagZanstalt Vau! Singer u. Co.. Bertin. Lindenttr. 3. Die von der Ir.Ober-| iiebarnmeanoeree-| hurtstiilflich. Klinik der Charite, Berlin, Frau Anna Hein,| tausendf. erprobien Aiens'.ruai-Tropfen I dürfen keiner Frau fehlen. Flasche M.f), Pulver M. 5. 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