Nr.574 �Z7.�ahrgang Ausgabe A Nr. 59 Bezugspreis: 2 srtdJöljrLSO,— TOUnumntl.lO,— SBL frei ins Haus, ootaus zahlbar. Poi>- tung: Monatlich 10,— Ml» exkl.?u- srellungsgedühr. UnlerZtreuzdand mr Deutschland und Oesterreich 16�0 M!.. für dos übrige Ausland bei täglich einmal, ssusiellung 21Z0 M. Postde. siellungen nebmen an Oesterreich. Ungarn, Tscheche-Slowakei, Däne- mart, Holland, Luxemburg, Schweden und die Schweiz.— Eingetragen m die Polt- �eitungs- Preislist«. Der»Vorwärts' mit der SonMags- deilage»Doli u.-leit' erscheint wochen» tagirch zweimol Sonntags und Mon- WgS einmal. Telegranmi-Adreffet »Sozialdelnotrat v-rll»-. Morgen-Ansgabe berliner VolKsblstt �ZS Pfennig) Anzeiaenpreis: Sie achtgespaltene Sionpareillezeile kolt? � tl— M..Teuerung?Mfchlag S0°/o. .Kleine Anzeigen", das seit- gedruäte Wort 1,— M.(zulässig zwr tettgedruSte Worte), jedes weiter? Wort KV Pfg. Stellengesuche uns Schlafstellenanzeigen das erste Wort SS Vsg» jedes weitere Wort 40 Pfg, Worte über 15 Buchstaben zählen sfit twei Worte. Teuerunaszuschlag 80°/» ramilien-Anzeigen fiir Abonnenten Zeile 2,— M,, po!lri,che und oe- werischaftiiche Vereins- Anzeigen 3,- Ml die Zeile ohne Aufschlag, Anzeigen für die n b ch st e Nummer müssen bis S Ahr nachuiittags im Hauptgeschäsi, Berlin SW W, Linden- straße S, abgegeben werden. Deöffnel »on 9 Uhr früh bis S Uhr abends. Zcntrulorqan der rozialdemokratt leben Partei Deutfcblands Neöaktion und Expedition: SW. öS, Lindenltr. Z. Fernsprecher: Amt Morrnpla«, Nr.»SISO— lZI»7. Mittwoch, den Ä8. Juli 1920 vorwärts-verlag G.m.b.H., EW. öS, Lindenftr. Z. Fernsprecher: Amt Morinpla«, Nr. 117 3»— 54. Eine ganz merkw Dentschland wiri Magdeburg, 27. Juli. lWTB.) Tie-„Magdeburgnche Zeitung" meldet: In der Nacht vani 22. zum 28. Juli brachte ein Kurier ein Eremplar einer Ncbereinkumt, die in M e m e l am 17. Juli zwiichen den Abgesandten der Smvjet- regierimg Joffe, dem Vorsitzenden der IT. 3. P. T. H i I f e r d i n g und Dr. L e v i abgeschlossen war, nach Magdeburg. In dem Bericht heißt es u. a.: Nach Ueberschreitung der Grenze durch die Sowictrruppen wird sofort die bolschewistische Republik mlsgevufen, vorerst in Lböndgsberg. Tilsit, Danzig, Breslau, Stettin, Frankfurt a. O., Ratibor, Gleiwttz, Köslin, Stralsund. Diese Städte und das da- zwischen liegende Gebiet dienen als Operati�onÄmsis und Aus- mamchgelände der sich sammelnden deutsche» Moteu Armer, die unker russisches Kommando gestellt wird. Cibe-rkomrnan- dierender ist General Ianlschers., Fn diesen Gebieten treten sofort folgende Maßnahmen in Wirksamkeit. 1. Verwaltung und Polizei. Es werden alle Re- g irr un g snräi i deuten, Oberpräsidenten, Polizeipräsidenten und Landrätc, die nicht Mehrheitssozialisten sind, cht«!- Amtes entsetzt. Meh rhei tSs ozi ali stische Beamte varstebend aus- geführter Kategorien erhalten je einen Kommunisten und einen Unabhängigen als Beirat. Für die abgesetzten Beamten werden vorläufig Stellvertreter ernannt, die von dem Großen Rat, der im Sländehaus(?) zusanimcnttiti, bestätigt werden müssen. Mittlere und höhere Beamte, sosern sie aktive oder Reserveoffiziere seien, sind zu entlassen. 2. Justiz. Die RepolutionStribunalc treten als Volks- gersthie sofort in Wirksamkeit, Abg.'urte.ilt werden zuerst poli- 'tische Verbrechen. Die Richter sind sofort' auf die Sowjetregierung zu vereidigen. 3. Kommunale Behörden..In den Städten sind sofort Bürgerversammlungen einzusetzen. Die Magistrate werden sofort durch Kommissionen der in den Orten befindlichen kommu- nistischen und unabhängigen Truppen überwacht werden. 4. Wirtschaftliches. Sämtliche Jntnistriebetriebe gehen sofort ohne Gewalt in den Besitz des Maates über. Kriegsnnrt- vor öer Londoner Konferenz. MillerandS„Bedingungen". Paris, 27. Juli.(.s>avas.l Es ist anzunehmen, daß der Vorschlag der Sowjrtregierung, mit den hauptsächlichsten alliierten Mächten an einer internationalen Konferenz teilzu- nehmen, der Grund der Zusammenkunft in Boulogne ist. M i l l e r a n d hat nach Verständigung der britischen Regierung wahrscheinlich für diese Verhandlung Bedingungen gesteht. Er möchte die Verhandlungen von der Anerkennung der von der früheren russischen Regierung übernommenen Vrr- Vilich tun gen abhängig machen und von der Bestätigung der Macht der Sowjetregierung durch eine Volksabstimmung. Es ist außerdem nicht wahrscheinlich, daß Millcrand plötzlich Ge- »eral W ran gel im Stiche läßt und den Bvlschcnsistcn überliefert, die seine Unterwerfung gefordert haben. Außerdem erscheint es Frankreich wünschenswert, daß die Bereinigten Staaten ans dieser Konferenz vertreten sind, deren Widerhall die Grenzen Europas überschreiten werde. Der Ministerpräsident würde sich nicht weigern, an den Verhandlungen teilzunehmen. Dieses Havas-Telegramm trägt offensicktlich einen hock- offiziösen Charakter. Tie„Bedingungen", die Milleranb siir seine Mitwirkung an her Jriedenskonscrenz mit Sowjei- Rußland ausstellt, bedeuten ickon einen ganz erlwblicken Rückzug gegenüber seinem bist, er in der französischen Kammer eingenommenen schroff ablehnenden Standpunkt. Aber auch diese..Bedingungen" sind vie- zu vorsichtig ausgedrückt(er mochte... es ist nicht wahrscheinlich), als daß sie Millerands letztes War: bilden dürsten. In dem diplomatischen Vorspiel mit Sowjet-Rußland hat Lloyd George gegenüber seinem franzö- fischen Kollegen stets die Vorhand gehabt und er dürfte sie auch aus der Konferenz von Boulogne behalten, zumal Italien auf seinem Standpunkt steht und Frankreich? Beteiligung nicht unbedingt erforderlich ist. Tie Boulogner Zusammenkunft. PeriS, 27. Juli. Die Reise des Ministerpräsidenten Mikle- rand nach B o u l o g n e- s u r- M e r findet auf Veran- lassung von Llohd George statt. In seiner Begleitung befindet sich auch Marschall Foch und Finanzminister M a r s a l. Gestern abend fand ein Ministerrat statt, dem auch Marschall Foch beiwohnte» den man eiligst aus der Bretagne hcrLeigeruseu hatte, wo er sich zum Smnurorurlauh befand. Die Staatsmänner werde« sich m Lochogve mit der Aimahme des engüschc» Vorschlag» üröige Gerichte. Sowjetrepublik. schafttich wichtige Betriebe unterstehen den militärischen Gruppen- kommcmdoS, die sich pamtätisch aus Russen und Deutschen zu- sammensctzen. Die Zwangswirtschaft wird aufgehaben. Böcke- rrien, Fleischereien und Konsumverein: werden Sdaatsbetviebe. Lebensmlitrel jeder Art gelten als beschlagnahmt für Zivil und Militär. LebenSmittelzuschüffe werden aus der polnischen Ernte entnommen, die zu zwei Drittel nach Deutschland geschafft wird. 5. Oeffentliche Sicherheit. Den Sicherheitsdienst: übernehmen mit der Polizei kommunistische Ordnungstruppen, die aus Leuten der deutschen Bataillone der Roten Armee bestehen, die bereits in Rußland'bei der- Roten Armee gekämpft haben. Der bestehende Nachrichtendienst wird aufgehoben. Er ist neu zu erganisiercu und untersteht Regierungskommissaren. die für ihre Tätigkeit dem Großen Rat persönlich verantwortlich sind. Die russische Armee schützt das Proletariat vor Ausbvutumg durch das llnrernehmertnm und sammelt um sich all« freiheitlich gesinnten Arlbeiter. die zwangsweise zu Arbeiterbataillonen zu- sammcngestellt werden. Sie sorgt für Ruhe u.nd Ordnung und schützt das Eigentum des Proletariats. Sie schützt die Be- schlußkommissionen des Staates und der Gemeinden. Mit Waffen- grwalt rottet sie alles vor sich aus, was sich dem Proletariat ent- gegenstellt. Tic„Magdeburgische Zeitung" fügt hinzu: Diese Nach- richten sind uns von unbedingt zuverlässiger Seite zuge- gangen und wir erklären von vo'-nbercin. daß keine Ableng- mrng der beteiligten Stellen die Richtigkeit. dieser Mitteil, mg erschüttern wird. » Das Ganze ist eine richtige Hundstagsgeschichte. Auch die„Magdebiirgische Zeitung" dürfte wissen, daß Hilserding nickst Vorsitzender der U. S. P. ist und daß er dem rechten Flügel seiner Partei zugezählt wird, dessen Ausschluß die Moskauer als Vorbedingung für den Eintritt der Rgstei in die dritte Internationale fordern. Außerdem st der Inhalt des Dokuments so phantastisch und widersinnig,>daß weder Hilferding noch Levi ein Eingehen darauf znzu- muten ist. bezüglich einer Friedenskonferenz der Randstaaten in London unterhalten. Tie Zusammenkunft von Boulogne beginnt an, Mittwoch mittag. * London, 27. Juli. lWTB.) Gleichzeitig mit der Boulogner Besprechung wird ein Meinungsaustausch mit der ita- l i eni sähen Regierung erfolgen, um ihre Stellung- nähme kennen zu lernen, und eine übereinstimmende Politik zu ermöglichen._ üas Woffenftillftanü? Polnischer Rückzug an der ganzen Front! K o v e n h a z e n, 27. Hnli.(WX9.) Wie aus Warschau tele- graphiert wird, meldet der polnische Heeresbericht: Westlich dcS Zelwia-Flusses ziehen sich die Polen unter dem Druck des Feindes zurück. In der Berestetschko- Gegend müssen die Polen gleichfalls weichen. Ihre Lage ist dort sehr schwierig. Im Abschnitt Krzemience-Wolceztzsk ist die polnische Front vor den feindlichen Angriffe» zurückgegangen. Warschau, 26. Juli. Heeresbericht vom 26. Juli. Die feind- lichen Abteilungen, die längs der Chaussee Grodno— B i a li- st o k angegriffen haben, haben S o k o l k a genommen. Unsere Abteilungen wehren in schweren Kämpfen Angriffe aus der Linie Sokolsa ab. An der Eisenbahnlinie Wollowsk— Terenoha(?) hat der Feind die Siqiion Sw i slo l sch genommen. An der Jzsiolda bat di? 14. Posenex Infanteriedivision alle energische» feindlichen Angrisse in der Gegend von Kartus— Kaja— Beresa abgewehrt. In Poliesien Patrauillen-Plänkeleien. Im Süden haben unsere Abteilungen unter dem Druck des Feindes Brody ausgegeben. Nördlich davon kämpft unsere Kavallerie und Jnsan- nie bei Berestetschko mit feindlicher Kavallerie östlich von Tärnapol. In der Gegend von Zbaraz und Borki— W'.elkie leisten unsere Abteilungen gegen die nach Westen vordringenden starken ieiitdlichen Infanterie- und Kavallerie-Abteilungen erbitterten Widerstand. Am Tnjestr haben die Bolschewisten bei Jwanie Büste im Abschnitt der ukrainischen Truppen den Uebergang über den Zbrucz erzwungen und Libianke und Tscharn a Kartschma genommen. Die Kämpfe dauern fort. Aufstünde in Posen'i Meldungen der Telegraphen-Union ans Meseritz zufolge find in Posen antipolnische Ausstände ausgebrochen, zu deren Ziiedorverstmg polnisches Militär«ach Pos« beruf« wurde. Der Zall Simons. Bei Lichte: Es war keine Novität, die' gestern im Hause am Königsplatz gespielt wurde, sondern ein altbekanntes Drama, die Tragikomödie des deutschen Parlamentarismus, betitelt:„Der Vierundzwanzig st unden-. Held". Wir haben sie schon ein halb Dutzend nial an uns vorüber- gehen sehen und kennen den typischen Verlauf: Ein Minister steht auf. redet frisch von der Leber weg, wie man es sich lange gewünscht hat, bringt ein paar alte Perücken zum wackeln, sagt einige ungeschminkte Wahrheiten, und man glaubt so etwas wie einen ftischen Luftzug zu verspüren. Die einen freuen sich und jubeln dem neuen Mann zu. die andern schreien Zeter und Mordio: alles in allem wird eine Situation geschaffen, die danach aussieht, als könnte die Diplomatie ans alten vertroddelten Gleisen herausfinden und sich neue Wege bahnen. Aber nach vierundzwanzig Stunden, während derer ge- schäftig hinter den Kulissen verhandelt und gedroht, gepreßt und getreten worden ist. hat sich das Bild völlig verschoben. Der große Hans von gestern— ach wie klein!— steht reue- mutig am Rednerpult und erklärt mit stotternder Stimme, daß man ihn gestern gänzlich mißverstanden habe. Bei Leibe habe er dem Kollegen X nicht zu nahe treten wollen, und mit dem Minister Y, gegen den seine gestrige Rede wie ein Fehderuf klang, befinde er sich in vollkommener Ueber- einstimmung. Aus dem„kommenden Mann" von gestern ist ein kleines Menschlein geworden, das unter Mitleid in der Versenkung verschwindet. Wurde nicht der Fall Simons unter dem Namen K ü h l- mann vor nun gerade zwei Jahren an derselben Stelle aufgeführt 1 Damals war es auch ein Außenminisler, der den Mut zu einigen Wahrheiten fand, die den Militärs unangenehm wargn. Er endlich entraffte sich das große Geständnis— das erste dieser Art vom Regierungstisch—, daß der.Krieg durch militärische Mittel nicht mehr zu gewinnen sei. Vierundzwanzig Stunden später war aus dem Geständnis, das eine Tat bedeutete, das berühmte„Mißverständnis" geworden. Herr Külitmann aber hatte nichtsdestoweniger den Hals gebrochen. Die Militär- Partei verzieh ihn, trotz des Widerrufs seine Offenherzigkeit nicht, die Linke nicht die Schwäche, mit der er sich sofort hatte zurückdrängen lassen. Hätte Kühlmanns Schicksal nicht Herrn Dr. Simons' eine Warnung sein können? Durch die Zurücknahme seiner Worte vom?Nontag hat er die Feinde nicht besänftigt, die ihm seine erste Rede eingebracht hat. aber denen, die ihm am Montag Beifall zeugten, hat er bewiesen, daß es nicht lohnt. fiir ihn einzustehen. In Spa hat der Außenminister Simons einige Anerkennung eingeheimst, die. wie sich jetzt herausstellt, doch zu billig erworben inar. Denn Herr Simons verdankt seine Lorbeeren weniger der eigenen Tüchtigkeit, als dem Versagen seiner Nebenmänner Fehrenbach und Geßler, bei denen einem unwilltür- lich das Wort Heinrich Heines über die großen Männer ans Schwaben einfällt: ...„im Augenblicke fehlt es an Großen", sagte der Schwab, „wir haben dafür Dicke." Am Montag schien es, als würde Herr Simons den in Spa erworbenen Ruhm halten können. Aber der Dienstag hat gezeigt, daß ihm zum Staatsmann die wichtigste Voraussetzung fehlt: der feste Charakter. Juristisch« Kenntnisse, richtige Beurteilung der Situation, Unvor- eingenommenheit und sachliches Denken sind sicher schätzens- werte Eigenschaften für einen Außenminister. Aber zum Staatsmann erhebt er sich erst, wenn er sich von den Kon- sequenzen seiner Erkenntnis nicht abdrängen läßt. Herr Simons hat seinen Rückzug an der allerungeeignet- sten Stelle angetreten. Mit Recht hatte er am Montag eine grobe Ungehörigkeit der Reichswehr' getadelt. Jetzt suhlte er sich veranlaßt, sein„Unrecht" wieder gutzumachen. lind doch war alles, ivas er zur Entschuldigung des saloppen Reichswehraufzugcs vor der französischen Botschaft vorbrachte, sachliche Unwahrheit, die ihm vielleicht irgendeine Reichswehrstelle eingeblafen hat. Wir können jederzeit Herrn Dr. Simons ein Dutzend Photographien von Reichswehr Paraden vor Generälen usw. vorlegen, die klar zeigen, daß der nötige Anzug und militärische„Schmiß" nicht fehlt, wenn die Reichswehr nur will." An sich ist der Gegenstand herzlich unbedeutend. Aber seine.symbolische Bedeutung erhält er dadurch, daß wieder einmal die Kapitulation der Außenpolitik vor dem Militär in die Erscheinung trat. Bald kam der zweite, noch schlimmere Schritt. Nachdem Genosse Stampfer und der Unabhängige L r e i t s ch e i d gesprochen hatten, fuhr Herr Dr. Simons ganz nach der alten Art wilhelminischer Minister in die Höhe,, die ihre Aufgabe darin sahen, nach jedem sozial- demokratischen Redner ihren„Befähigungsnachweis" zn er- bringen. Nur, daß der Nachweis hier rein n e g a t sv ausfiel. Der Dienstag-Simons schlug den Montag-Simons-' tot. Aus dem imposanten Aufbau des Bolschewismus wurde plötzlich ein alles Verzehreudes Feuer. Herr Stinnes bekam faustdicke Komplimente, darunter die seltsame Versicherung, dah er den Montag-Simons besser nerstandeu haben würde, als Genosse Stampfer. Als Herr Dr. Simons am Schlüsse seiner Rede gar den Sozialismus als rettendes Ideal pries, um ihn dann als Arbeitsgemeinschaft zwischen Unternehmern und Arbeitern zu definieren, da mnfitc so krauses Verlegen heitsgerede bei den Zuhörern fast Mitleid erwecken. Herrn Simons Austreten war allerdings von tieferen Gründen diktiert. Nach seiner Montagrcdc hatte sich ein deutlicher und tiefer Rifi in der Regier ungs- k o a l i t i o n aufgetan, ein Risz, der freilich schon in Spa entstanden war. Herrn Simons flehentliche Bitte, man niöge nicht nachforschen, was dort im Schofle des Ministeriums vor sich gegangen sei, hat den Blick auf diesen Rifl eher hin gezogen, als von ihm abgelenkt. Aber trotz der schönen Solidaritätscrklärung der Regierung brach der Rifl nach Simons Montagsrede niit erneuter Heftigkeit auf. Er hat ihn nun— ein parlamentarischer Marcus CurtiuS— dadurch zu schließen geglaubt, dafl er selber in diesen Svalt hineinsprang. oder richtiger seinen Politischen Ruf hineinwarf. Das Opfer ist sicher, er ist ihn los, der Erfolg ist ungewifl. Die Deutschnationalen toben nach ivie vor über Simons, und die agitatorisch von ihnen abhängige Deutsche Volks- Partei wird sich auch mit der gestrigen Erklärung nicht be- ruhigen können. Das Doppelspiel der Deutschen Volkspartei, in der Koalition Versiäudigungspolitik, in der Agitation all- deutsche Phrasenpolitik zu mache», erweist sich mit jedem Tag als unmöglicher. An sich müßten die Tage dieser Koalition gezählt sein, und es' wäre nur eine Ironie des Schicksals, wenn schließlich gerade einer der so heifl begehrten„Fach- minister" der Hauptslein des Anstofles würde. Trotzdem scheint es, als solle noch eine Zeitlang fort- gewurstelt werden: Diese Galvanisierung verdantt die bürger- liche Koalition den Unabhängigen. Solange diese ihre A b sti n e n z p o l i t i k fortsetzen und jede Teilnahme an der Regierungsbildung ablehnen,»veifl man eben nicht, was an die Stelle der wacklig gewordenen Koalition der bürgerlichen Mitte treten soll. Man darf es um Himmels willen nicht ernst nehmen, wenn die Unabhängigen die Opposition als ihre heilige Pflicht erklären. Seitdem in der Regierung keine Sozialdemokraten mehr sitzen, hat ihre Oppositionslust ganz erheblich nachgelassen. Es zeigt sich jetzt, dafl ihr wütendes Anrennen gegen die frühere Regierung geschäftliches Konkurrenzmanöver war. Tie rein bürgerliche Regierung wird von ihnen viel gUinpflicher behandelt, gerade die„Freiheit" hat Herrn Simons am Dienstag morgen so dickes Lob gespendet, dafl ihr jetzt äuflerst unbehaglich zu Mute fein dürfte. Ob Herr Simons schließlich dem Fortbestand der Koalition zum Opfer füllt, oder ob sie gar mit ihm fortwursteln wird, als wäre nichts gewesen, ist eine Frage, die nach dem Um- fall des Herrn Simons nicht mehr interessiert. Aber für die Arbeiterklasse ist der Fall Simons eine neue Mahnung, dafl sie nicht durch Uneinigkeit und innere Zerfahrenheit die Stunde verpassen darf, in der sie wieder berufen sein Ivird, das Steuer des führerlos treibenden Schiffes zu ergreifen. Das Vereinigungsrecht der Reichswehrsoldaten. Aufsicht und Bespitzelung. Der Entwurf des neuen Reichswshrgesetzes nimmt in 8 32 bekanntlich den Soldaten jedes Koalitionsrecht, auch das Recht des Znsammenschlusses zu rein wirtschaftlichen usw. Verbänden. Wie es schon heute mit dem Koalitionsrecht der Soldaten aussieht, zeige der unten wiedergegebene B r i g a d e b e se h l. Er richtet sich gegen den„Reichs- wirtschaftsverband deutscher Berusssoldaten", der eine rein wirtschaftliche Interessenvertretung der MUitärange- Such und Silder. Von Willi Birnbaum. ES ist still im Haus. Strohe und Wiese liegen in Nackt. Ich habe die Fenster weil auf. Warmer Wind fängt sich in Vorhängen, bläht sie wie ein Segel. Und mir ist so jungfrisch wohl, faulenzend lieg ich auf dem Sofa und blase den Rauch meiner Zigarette zum Licht. Auf dem Tisch noch liegt das Buch, ein starkleibiger Band, dessen letztes Kapitel ich ioeben beendei, dem ich viele Abende meiner Freizeit gewidmet. Wabrlrck, es hat sich gelohnt, so viel Mühe und Muhe daranzuwenden. Es war die Arbeil eines stillen Gelehrten. Erkenntnis, neu und tiefgehend, gab er, Lichtpunkte wies er, Willen ent- fachend zu Wollen und Wirten. Kraft und stürmischer Drang reckte sich in Herz und Hirn, schrie nach Wirken, Tat! Und wie ich so lag und sann, schürzten neue Fragen sich zu Problemen, ein undurchdringlich Dickicht wuchs und ward. In mir aber lebte jungfrisch Schaffen'- lust: Ich wollte weitersuchen zu neuer Lösung, Erkenntnis, wollte mich durchwegen zu Klarheil und Schärfei Ich hätte aufjauchzen mögen... Was weih ich, worum. Und ich suchte neue Bücher aus Sckrank und Gestell. Bon Etappe zu Etappe wollt' ich wan- dern. Was war das anders denn ein Wandern im Geiste, da das Auge und Hirn immer neue Strecken weilen Lande?, der- borgencr Schönheit, stiller Winkel schaut? Soimenichrn und Sturm und, Regen. Alltag und Feierrag, Sommer und Winter— alles darinmpi verwoben! Immer Neues enthüllte sich — und svenii man hundertmal die Strecke gelaufen. Ach, was vermochten Feder und Mund von alledem zu geben, was da im Innern wirlte. lebte, toste. Man bälte jedem nachlaufen mögen und.ihn hallen, mau habe iv viel noch vcrgesiegi zu lagen, was wichtig und wert iei zu wissen. Und ich blickte die-stummen, kleinen Bilder da neben und über dem Bücherschrank an. Sprach aus ihnen nicht all das, wozu der Mensch ein so großes Wortregister bedurfte? Der nackig« Wahr- heitssucher auf. hoher Wiese am Bcvgeshang, aus hohler Hand trinkend das klare Wasser des. Quells. Was taten ihm die dunklen, breiiästigen Fichten im.Hintergrund? Licht badete auf der Berg- wiese den jung-schönen Körper.., Ueber den Büchern ein anderes Bcrgwanderfahrtidhll: Blick vom Rastpunkt durch tannenumstawdene Schlucht zu schneebedeckten Höhen! Dort hinauf trieb Sehnsucht, Verlangen, ein unstillbar Verlangen tief in der Brust, lieh Weg und Müh« nicht scheuen, bis man windumtostes, lick>tuinkostcs Ziel erklommen,. wo weit dos Auge in tiefe Lande schaute, die Menschen und Hütten Spielzeug. Flüsse und Ströhen silbergraue Bänder schienen. Tie letzte Hö?e> doch war cS nicht. Aus Felslabyrinthen hoben sick> neue Höhen- züge, tief«, steile Schluchten dazwischen. Wer tonnt' all die Höhen ersteigen? Talwärts zu voll und hörigen darstellt, aber gewiffen Leuten deswegen veflhaflt ist, weil er in den Kapptagen sich hinter die der- fasiungsmäßige Regierung stellte. Der Befehl lautet: Brigadebefehl der 2. Reichsw.(Grenzz.) Brigade IL. Der R. d. B. versucht setzt, die Mannschaften der Reichswehr in der„Fachgruppe Reichswehr" zu vereinigen. Dem Beitritt einzelner Mannschaften steht an sich n'ckts im Wege, doch liegt die Gciahr nahe, dafl sie durch die radikalen Ele- . mcnte des N. d. B. verhetzt werden. E? mnfl deshalb umgehe n.d versucht werden, das Interesse für den R. d. B dadurch a b z u schwächen, dafl in d«r Truppe nach- drücklich auf die Heeres kämm er als die berufene Interessen- vcrtreinng aller Reichswehrangehörigen hingewiesen wird,«ine Sondemrtretung durck die.Fachgruppe Reichswehr" de? R. d. B. j sei somit unnötig. Der Beitritt einzelner Offiziere zum R. d. B., Fachgruppe' Rcichswebr, kann von Nutzen sein, um über die Ab- sichten und Tätigkeit der einzelnen Fronigruppen auf dem L<»'ifc«. den gehalten zu werden. Es würde sich empfehlen, hierzu nicht zu junge Offiziere zu bestimmen, die rednerische Gewandt- heit besitzen, um evcnt. in die DiSlnssion eingreifen zu können, und die das Aiisebcn der Untergebenen in weitem Mafle genieflen.* Bei I/Art 19 war der Versuch gemacht morden, einen geschlossenen Beitritt sämtlicher Unteroffiziere und Mannschaften zm,: R. d. B. zu erreichen. Nach Ansicht des Wehrkreiskommandos ist dieser Weg nickt gangbar, da die Truppe Vertretung in der Hecrekkammer besitzt. Achnlicbc Ver- suche haben daber zu unterbleiben. Die Brigade ist über die Tätigkeit des R. d. B. und über den Beitritt der Mann- sch asten auf dem Lausenden zu halten. Tie Namen der Offiziere, d-e dem R. d B. angehören, sind zu melden. gez. Senf st v. Pils ach, Generalmajor und Brigade kam mandeur. Hier wird also eine Bespitzelung schlimmster Art über die Bcrvfsorgcinisation eingeführt. Erst erfindet man sich eine„Verhetzung", um daraus das Recht zu aller- Hand schikanösen und entwürdigenden Maßnahmen abzn- leiten. Was sagen übrigens die Offiziersbünde dazu, dafl Angehörige ihres Standes durch Brigadebefehl zu Spitzelei und Angeberei aufgefordert wer- den? Wie verträgt sich das mit der viel gerühmten Standes- würde? Waffenfunde in Mecklenburg. Freikorps Aulock als Schieber. Di«„Landcszeitung für beide Mecklenburg" veröffentlicht folgende, ihr von dem Chef bes Sicherheitswescns für Mecklenburg- 1 Stresitz zugegangene Nachricht: Seit Ansang voriger Woche be- obachtete die Staatsgendarmerie truppweises Passieren Entlassener des Freikorps Aulock durch Neustrelitz. Die Trupps begaben sich nach ihren Ausweispapieren alle in d-« Gegend P e n z l i n- Waren. Tic Aussagen der Leute ließen Verdacht auskommen, weshalb der Chef des Sicherheiiswesens alle Nachrichten über dies« Trupps an den Chef des Sicherheiiswesens von Mecklenburg- Schwerin weiterleiten ließ. Auch dieser hatte auffallende Nach. richten über den Zustrom Entlassener erhalten. Die Beobachtungen der beiden mecklenburgischen Sick?erheit»polizeien führten dazu, dafl der Chef des Sicherheitswesens von Mecklenburg-Schwerin am Montag vormittag eingriff. Bei seinem Eingreifen kam es zur Beschlagnahme eines Eisenbahnwaggons, in ! dem neben Waffen verschiedener Art zahlreickes Telrphongerit und 90 funkellnagcneue Fahrräder gefunden wurden. Di« Drahtzieher sind, soweit sie festgestellt werden konnten, zum Teil gefaßt. Es darf darauf hingewiesen werden, daß durch das rechtzeitige und energische Eingreifen der Sicherheitspolizeien die Sachlage jetzt so geklärt ist, daß zur Beunruhigung kein Anlaß mehr vorhanden ist. Schiedsspruch im mitteldeutschea Revier. Halle(Saale), 27. Juli.(MTB.) Das Schiedsgericht der Bergleute des msiteldcutschen BergarbeiterverbanocS hat folgen. den Schiedsspruch gefällt: Es wird eine Schichtlohnerhöhung von 3 Mk. gewährt, ferner 1 Mk. Kindcrzulagc und 1 Mf. Hausstands- zulage zu oen bisherigen Sätzen. Damit sind die Forderungen der Vccgarbeiter erfüllt worden. Die nächste Konferenz der Bergleute, die am Sonntag, den 1. August in Halle staitfipdet. wird über die Annabme dieses«chiebsprucbs durch die Bergleute entscheiden. Wahrscheinlich wird ee ange- nommcn werden. Eisenbahner über Spa. Der in Bertin versammelte erweiterte Vorstand des Deut-- s ck c n KifcnbahnervecbanoeS nahm folgende Entschließung einstimmig an: Ter Deutsche Eisenbahnerverband bekundet seinen ebrlichcn Willen, am Wiederaufbau des curo- päiscben Wirtschaftslebens nach Kräften mitzuwirken. Er hält aber das Ergebnis der Verhandlungen in spa für wenig geeignet, die Wicoeraufbanbestr«- bungen z u fördern. Ter Deutsche Eisenbahnerverband- wird in voller Doiidarilät mit den Bergarbeitern und den Transport- abeitern benrebr sein, vi« in Spa unrrr äußasicm Druck von den deutschen Unterhändlern eingggangcncn Verpflichtungen nach Möglichkeit zu erfüllen. Die Erfüllung der Verpflichtungen kann mir ermöglicht werden durch verständnisvolles Entgegenkommen der Ententcregicrungen, während jede Gewaltmaflnaüme 0 as Gegenteil bewirken wird. Nicht im Interesse des Wiederau?- bans des europäischen Wirischaftslebens liegen auch die Le-- lösilngsbeftrcbungcn, die in gewissen kapitalistischen Kreisen propagiert werden. Deshalb würde der Deutsche Eilen- bahncrvccband im gegebenen Falle seine ganze olpanimtor?che Macht solchen Bestrebungen entgegensetzen. Lebensmittelvorschüffe an Deutschland. Paris, 27. Juli. lHavaS.l Infolge der in Spa getroffenen Vereinbarungen, die«inc Verbesserung der Lebensmittelversorgung der deutschen Bergleute zur Erziclung einer höheren Ausbeute an Kohlen bezwecken, hoben sich die alliier- ten Regierungen von Frankreich, England, Belgien und Italien veranlaßt gesehen, gemeinsam Lrbers- mittelvorschüsse an Teutschland zu gewähren. Um Frankreich zu gestatte«, seinen Verpilichtongen nachzukommen, da es selbst in erster Linie mit Kohle« beliefert werden soll, hat d'« Regierung heute einen Gesetzentwurf«ingebracht, der de» Finanzministcr ermächtigt, an dieser Operation teilzunehmen. W-'ndclin Thomas Glück und Ende. Der Vorstand der Unabhängigen Partei Bayern» hat beschlossen, den RcickstagSabgeord- netcn Wendelin TbomoS zu veranlassen, bis zur Beendigung der von der RcichSiagsfraktion gegen ihn eingeleiteten Unter- suchung die von ibm in der Partei bekleHeien Aemtcr nicderzu- legen.— Bekanntlich wurde Tbomas durch ein Blatt der unabhängigen Partei selber, dem sein Aufstieg zum Re'ch'tagsaSgeord. netcn unbekannt geblieben war, auffälliger Beziehungen zu der Lockspitzelin Schröder-Mahni« angeschuldigi und über- führt. Sozialdemokratischer Landrat. Frankfurt a. M„ 27. Juli. kEigcner Drahtbexicht des„Vorwärts".) Der mehrbcitKsozialistsiche Stadtrat Langemach, Bezirksvorsitzender des Sozialdeüiotriü- scheu Vereins Frankfurt, wurde zum Landrat de».Kreiies Biedenkopf bestellt. Damit bat man auch in Hessen-Nasiau angefangen, Bresche in da» reaktionäre führende Beamtentum zu legen. Hoffentlich wird man aus diesem Wege fortfahren. BezirkSratSwablen in der Saarpfalz. Saarbrücken, 27. Juli. (Eigener Drvhtbericht des.Vorwärts".) Di« Bezirksrätewahlen in der Saarpfalz brachten der Zentrumspartei!2, der S. P. D. 4, den Unabhängigen 4. den Demokraten, den Liberalen, der Bürger, und Freien Bauernpartei je 1 Mandat. Leben führt wieder der Pfad, und wohl war e», zu rulben in jenem blühenden, lenzgriinen Park zur Linken auf dem Bild«. Und ich sprang auf und streckt« mich, blickend in Nacht und zu den Sternen: Jung noch war ich und willen? zu wandern II... Sozialismus und soziale Kämpfe im Aljertum. Von diesem interessanten Thema gibt Genosse M. Beer in dem ersten bisher erschienenen Bändcben seiner„Allgemeinen Geschichte de» Soziaiii- muS und der sozialen Kämpf«"(Verlag für Sozialwissenschaft) auf etwa 1lX> Seiten ein« allgemeinverständliche und dabei weitschichtiges Tatsache ninaicnal verwertende Darstellung. Die kleine Schrift, an die sich hoffentlich bald ein ähnlich kurz gefaßter Ueberblick über die sozialen Ideen und Tendenzen des Mittelalters und der neuen Zeiten ichließen w'rd, füllt ein« Lücke unserer populär-wissenschaft- lichen Parteiliteratur aus. Die Geschickte des Sozialismus, die seinerzeit vom Dietzschen Verlag« in Angriff genommen wurde, berücksichtigt die gerade in dieser Hinsicht besonders aufschlußreiche Welt deS Altertums überhaupt nickt«nd wendet sich in den von KautSkh. Bernstein, Mebring u. a. beigesteuerten Einzeldarstellungen an Kreise des LesepublikumS, die für geschichtliche Studien über mehr Zeit als die Masse der Arbeiter verfügen. Dazu kommt, daß Professor Pöhlmanns vor mehreren Jahren in zweiter Auflage erschienene ausgezeichnete:„Geschickte des antiken Sozialismus" gerade für jene frübe Epoche«ine Fülle wertvollsten Materials bei- gebrach:, da? einer kurz zusammenfassenden Beleuchtung die Arbeit sehr erleichtert. Das Büchlein beginnt mit einer Schilderung der Klassengegen. sätze im alten Israel und der religiösen.SeilSpredigt der jüdischen Propheten Hosea, Micha, IestriaS, Jeremias u. et. Der Widerspruch zwischen den Geboten der Gerechtigkeit und Barmherzigkeit, die Jehowa seinem auserwälrlten Volk verkünden ließ, und der wirk- lichen gesellschaftlichen Ordnung, die auf Unterdrückung und Aus- beutuna des Volkes hinausläuft, bewegt sie auf oaS tiefste, gibt ihnen ethisch-rel giöse Glaubenk-botsrbaft. Und diese Anklage ergänzt sick durch die unerschütierlichc lleberzeugung von der Erfüllung aller Verheißunzen in einem kommenden M.ssiaSreiche. Gott Hai sein Volk, daS er so lange unterm Joch? der Fren.idherrschaft schmachten ließ, zu der Err-ichung jene? höchsten Ziels berufen. Da wird ein Ende aller Gewalt und Unter- drückung sein, auf gleichgeteilten Landlosen wird die Bevölkerung schaffen und Friede wird herrschen, wie unter den Menstftcn, so in der Natur. Ausführlicher wird die soziale Frage und das soziale Denken in der stürmisch bewegten Geschickte der kbeinen altgricchischen Stadtstaaten, vornebmlich Athens, skizziert. Zitate au? den helle- Micken DickierN veranschaulichen da? Bild der hier miteinander ringenden Tendenzen. Die platonisckx Politeia, die erste große balbkommunistiscke Iltopie. die einen von den Eigentum», und Klasseninteresseii losgelösten Beamtenstand mit der Gesetzgebung betrauen will und Hc burleske Verspottung volksiümlick kommu- nistikcker, mit Märchen vom Schlaraffenland durchsetzier Vorstellun- gen in de» Komödien de» AristopbaneS findet eingehendere Berücksichtigung. Woran sich d-r Hinweis auf die ko bedeutsame, in abge- änderten Formen auch in her späteren historischen Entwicklung immer wieder und wieder auftauchende.Naturrecktslehre" der Stoiker und aui die kommunistischen Fabelerzählungen der dama- ligen Reiseliteratur schließt. Es folgt der Rückblick auf die Sozialgesch ichie deS aus einem kleinen bäuerlichen Gemeinwesen zum iveltbeherrichcndev Im- perium aufsteigenden Römcriums. das nach dem bekannten Worte eines seiner bedeutendsten Historiker an den Latifundien, dem Großgrundbesitz der römischen Patrizier, zugrunde ging. Di« Aus- breihing der Geldwirtschast, Hand in Hand mit der Eroberunas- Politik und dem Einströmen immer neuer Sklavenmassen führte hier wie in den griechischen Staaten zu einer hoffnungslosen Vor- elendung de? Volke?, da? die Regierung aus den Tributen der unterworfenen Völkerschaften durch Almosen: Brot und Spiele.in guter Laune zu erhalten suchte. Wie die berühmten Prachtbauten des demokratischen perikläischen Regiments in Athen nack> Pöhl» mann gleichfalls in erster Reihe dazu dienen sollten, mit Hilsc der den„Bundesgenossen" auferlegten Tribute den arbeitslosen Armen einen Gelegenheitsverdienst zu scharren. Die Agrarresormpcrsucha deS Tiberiu? und Eajiis GrachuS nach der Niederwerfung Karthagos und damit der Stabilisierung de» Weltreichs im 2. Jahrhundert vor Ebristo werden durch die Umtriebe des Patriziat? zum Sckeiicrn gebrach:/ die beiden kühnen Manner and viele ihrer Anhänger fallen unter den Knisshpeln einer bezablten Rott«. Die Wut der maßlos auSaebeuteten und geouälten Sklaven brach in Empörung sich Babn, deren eine, von Spartacp? geleitet, etwa ein halbes Jahrhundert später Rom an den Rand deS Abgrunds brachte und erst»ach langem, weckiclvollem Ringen niedergeschlagen wurde. Tie Bürgerkriea« und Mariu» und Sulla bedrohen den Staa: mit einer neuen Katastropbe. der dann nach Mm Ziisammnrbrnch der republikanischen Berfassung unter de., Zäsaren in«inen Zustand äußerer Ruh« eintritt, in dem das Elend schweigend duldet« und die Verbeitzungen des CbristentumS. da« unaufhaltsam in den Tiefen der Gesellschaft vordringt, allein noch«inen Strahl der Hosftiung speiiden. Mit der Charakteristik der ckrstlichen Ideen, die im Sozialen vielfach zu sommunistischen Konsequenzen fartgetrieben werden. schließt die Wa.vderun� die auch den Blick für die Beurteilung der Gegenwart verstärken und vertiefen kann und der man schon aus diesem Grubde zahlreiche Leser wünschen möchte, ab. _ Eonrad Schmidt. Die VerjünaungS-Sensation. Die Deutsche MeMziniscke Wock"" fchrif: wendet sick gegen die A?l. wie in der Tagespreise stb'r Stein acks bekannte Unter'Ückungen berichtet wird Sie labt die bisberigen Ergebnisse nochmals kur- zusammen und bemerkt dazu: Inwieweit Meie beschriebenen Erscheinungen andauern und sich in anderen Fällen wiederholen lassen werden, siebt dahin: zum mindesten muß man bedauern, daß durch die TageSpresse in einer von Steinach ausdrücklich g« mißbilligten Weise übertriebene Hoffnungen im Laienpublikum geweckt werden. T-beater. Im Deuktcken Tb-ater kludet MINwock die tOV Aussührung der Komödie„Tu» Selb und derHawvelmänn' statt.— Da« Trtenon-Tbeater beginnt dl« neue Zplelzeil Anlang August mit der Erst. aussüdrung der Komödi»„Untren- von Robert B r a e e o. Hanfi Arn- stöbt spielt die weiblich« Hauptrolle.— Da» Theater w der Alten Jakoch- strotz« nennt stch vom 1. August an wieder Z eutral-Thestter. Nr. 374 ♦ 37. Jahrgang Seilage öes vorwärts Mittwoch, ZS.Inlimo HroMerün 5ür den ewigen Jricden See Arbeit. Bon einem Arbciterjnngen. Schon einmal wurde mir gestattet, an teieser Si?llz ausKu- fvcechen. was die Fugeud, SMS wir Arbeiterjugend-n diesen crnsten StunÄen der Not fühlen, durfte sprechen von der Begeiste- rang und der Nnfopferung. mit der wir uns, etnaeden? des leuchtenden Vorbilds unserer Vtirer, für das Ideal ded Saziali»muS, für das Fdeal der internationalen Völkerverbrüderung einsetzen werden, wenn die Stunde zur Tat, zur wirleuden, siegenden Tat ruft. Kaum sind diese Worte verhallt, da naht auch«ckon d t e Stunde der Tat, da ruft sie alte und junge Sozialisten mit ihren Strertfanfaren auf z-ur Wachsamkeit und T a t b e- reits'chaft. Wir habe» die Forderungen von S p a gehört— und wir merken in jeder Stunde, wie der Wahnsinn im eigenen Lande auferstehen will und von neuem die Feuer des ÄriegeS schürt.... Kampfgenosse«! Wem nicht rviiger Optimismus mit Blindheit gefchilagen. der steht, wie die Militaristen und Kriegs- Hetzer von neue» schüren, wecken und werben mch Hetzen, um eine« neuen Weltbrand zu erutrachen. Sollen wir Jung« euch erst die Augen öffnen? Seht ihr nicht, wie die Well« de? Militarismus und die Welle der KriegSbegeiftetung langsam auch die Arbeiterschaft zu überschwemmen droht? Sehr ihr den« nicht, wie sie bemübt sind, die Arbeiterjugend für de» „N e v a n ch e k r i« g"' zu begeistern?— Kameraden und Kirnpf- genostenl Ks sind verlogene Ideale, die sie euch vortäuschen? Sic tagen euch, eS bandle sich um allgemeines Volkshrteresse— aber sie meinen mrr»h r e n G e l d f a ck.— Ks gil»t kein„allge- meines VolZsmterestc", daß irgendwie die Grenzen der Klassen- unterschiede verwischen könnte. Sic wollen nnr mit Hilfe des .Krieges die sozialistisch« Arbeiterbewegung zer- t r ü in m e r n, weil sie Gegner des klvstenloscn SmateS der Zu- t iinft sinis. Es find nicht unser« Ideale gewesen, für die man die Besten aus den Reihen des Proletariats hinschlachten ließ. Es find auch nicht die Ideale der Arbeiterjugend gewesen, für'die sie in den Munitionsfabriken für einen Judaslohn, oul den sie leider angewiesen war. wollte sie nicht buchstäblich vcv- bungern, ihre gesunde Jugend zu Grabe tragen ließ... Und, Arbeiterjugend, Kameraden und Kampfbrüder. es sind nicht deine Ideale, für die man von neuem jetzt auch deine.Knochen fordert. Sei wach. Arbeiterjugend, und wen» der Wahnsinn die Fahnen des Morde» erhcht. erhebe du die Purpur itandarten deines Ideals, recke sie hoch auf, damit sie die falschen Stern« der Lüge im Wehen des roten Sturms' der Empörung vom Himmel streichen!... Jungproletarier und Kampfgenossen! Wir sind aufgerufen worden, am ersten August vormittags shlO Uhr an einer Massenp rote st Versammlung gegen die Kriegs- gelüste der Reaktion, veranstaltet vom Friedensbimd der ftriegSteilneamer und von dem-Verein Arbeiterjugend G r o ß- B e r l i n", teilzunehmen. An der Stelle, a« der vor nun sechs Jahren ein Wilhelm II. die prahlenden Worte sprach. er kenn« kerne Parteien mehr, vor dem Berliner Schloß, am Denk- mal Kaiser Wilhelms I., werden wir. Junge und Alte, uns treffen, a iifstehen und Worte der Warnung lautwarocn lassen, Worte des Zorns gegen die Hetzer und blutbefleckten Schach- spiel« neuen Krieges. Wir erheben mit blutreinen Hände» die Banner der internationalen Verbrüderung! Wir predigen keinen bürgerlichen Pazifismus, aber wir rufen auf zum ewigen Frieoen der Arbeit! « Di« emzelnien Abteilungen des Vereins.Acheiierjugend' treffen sich gegen HQ Uhr vor ihren Jugendheimen, so daß sie um M 10 Uhr an Ort und Srelle sind. 92] Segen öer Erüe. Roman von Knut Hamsun. Mein so viel begriff Arel doch, daß Geißler den ganzen Tag über auf seiner Seite gestanden hatte.-Ja. ich danke � Euch vielmals/ sagte er und wollte Geißler die.Hand drücken. —„Wofür?" fragte Geißler.—„Für.— ja für alles mit- einander."—„Ich hatte gar nicht im Sinn, etwas zu tun. es war nickst der Mühe wert."— Aber Geißler hatte darum doch vielleicht nichts gegen diesen Donk einzuwenden, es war, als hätte er darauf gewartet und hätte ihn nun erlwlten. „Ich habe keine Zeit, mich gerade jetzt noch länger mit dir zu unterhalten," sagte er.„Gehst du morgen wieder nach Hause? Das ist gut. Leb wohl und auf Wiedersehen!' Geißler lief die Straße hinunter...._ Auf der Heimfahrt traf Axel auf dem Dampfichsf! den Schultheiß und seine Frau. Barbro und die zwei Madchen. die als Zeuginnen vorgeladen gewesen waren.„Nun, bist du nicht vergnügt über den Ausgang der Sache?" fragte die Frau Schultheiß.—„Doch," erwiderte Axel, er fei sehr froh, daß die Geschichte zu Ende sei. Auch der Schultheiß ergrits das Wart und sagte:„Das ist nun der zweite Kindsmord- prozeß. den ich in der Gegend gehabt habe, er erste galt Inger von Scllanraa. jetzt bin ich auch den zweiten los. Nein, man darf shlche Fälle nicht nur so hingehen lassen, dem Recht muß Genüge geschehen." Wer die Frau Schultheiß begriff wohl, daß ihr Axel wegen ihrer Aussagen gestern nicht wohlgeneigt fein konnte. jetzt wollte sie das verwischen, wollte es wieder gut machen. „Du hast doch gestern begriffen, warum ich gegen dich ge- sprachen Hobe?" sagt- sie._„Ja, f.rwohl," erwiderte Arel. —„Ja, tu hast es gewiß eingesehen. Du bäst dach sicher nicht genveint. ich wolle dir schaden? Dich habe ich jederzeit für einen prächtigen Mann gehalten, das kann ich dir wohl sagen."—„So," war olles, was Axel sagte, allein er war froh und gerührt.„Jawohl, das Hab' ich." sagt" dit Frau Schultheiß.„Aber ich war genistigt, dir einen kleinen Teil der Schuld zuzuschieben, sonst märe Barbro verurteilt war- den, und du n?it ihr. Es geschah meinerseits in der besten Abficht,"—„Jawohl, sq, und ich danke Euch bestens."— „Ich bin es gewesen und sonst niemand anders, die in der Stadt von Herodes zu Pilatus gelaufen ist und für euch Henerawersammlung öes Sozialdemokratische« Vereins Berlin. Di« Generalversammlung, die am vergangenen Freitag, nach- dem sie fünf Stunden getagt hatte, einen großen Teil ihrer Tages- Ordnung nicht mehr erledigen konnte, wurde am Dienstag fort- gesetzt. Die Erledigung der Anträge, die noch.zum Entwurf des Bezirks st atuts vorlagen, nahm längere Zeit in An- spruch. Eine Reihe anderer Anträge, welche sich aus die versclnedemten Gegenstände beziehen, wurden den für die Erleoigung derselben zuständigen Körperschaften überwiesen. Diese Anträge verlangen: llebernahm« des Vertriebes des„Vorwärts" in eigene Reg i e.— Amnestie für Uebcrrretnngen. die anläßlich der Wahlbewegnng begange» wurden,— Gründung von Sänger- chören, weil der Arbeitersängerbund seine Mitwirkung bei Ver- anstaltnngen der S- P. D. häufig versagt hat.— Ach s cha f f u n g der Fr üh d r n schp r ä m i e.— Maßnahmen gege n d.i« Kartoffeln ot,— Reöifion des Einkommensteuergesetzes.— Ausbildung von Agitationsredrrern ans Partei- kosten.— Teilnahme der Abgeordneten an den vom BezirkSvor- stand veranstalteten Volksversammlungen.— Austritt der Parteigenossen ans der Technischen Notbilfe.— Innerer Ausbau der Jungsvzialistischen Vereinigung.— Propaganda für den Berein Arbeiterjugend.— Entsendung von Diskussionsrednern in gegnerische Versammlungen.— Schleusige Erledigung des AussührungSgesetzes zum Volks- begehren und Volksentscheid.— Damit war die Tages- ordnung erledigt._ Arbeiterjugend-Waldfest. Die Arbeitsgemeinschaft Prenzlauer, Rosenthaler und Schön- bauser Vorstadt, Spandau- Staaken des Vereins. A r b e i t e r- fugend Groß-Berlin" veranstaltete am letzten Sonntag in PichclSberge ein gemeinsames Waldfest. Ein fröhliches Treiben herrschte auf dem Festplatz. Da? Sorgen- kleid deS Alltags hatte jeder weit von sich geworfen. Aus allen Gesichtern lachte Lebensfreude. Lustige Weisen errönten überall. Unser Arbeiteijugendlied.Dem Morgenro: entgegen' leitete die Feier ein. Rezitationen, gemeinsamer Gelang und Reigentänze wechselten in bunter Reibenfolge. Genosse Philippsborn als Festredner schilderte in schlichten und einfachen Worten die bedrängte Lage der arbeitenden Jugend..Für uns gibt es nur einen Kampf, und dieser gilt dem Kapitalismus, dem Ausbeuter der Jugend. Nicht eher darf die jugendliche Kampfeskrast versiegen, bis wir die Höhen des SozialkSmus erklommen haben.' Den Abschluß des Festes bildeten Kampsspiele(Staffeltenlauf. Völker- und Fußball). Die Mädchen widmeten sich vorwiegend der Kinder- belustigung. Gegen 8 Uhr rüsteten sämtliche Festteilnebmer zum gemein- samen Abmaisch nach Spandau. Vor dem Spandauer Rathause richte» der Jugendgenosse Adolf Joseph noch ernste Worte der Mahnung zur Mitarbeit an die Versammelten. Von recht und links spielt man mit den Gedanken eines Krieges. Wir Jungen haben erkannt, daß wir wiederum als Kanonenfutter uniere jungen Leiber hingeben sollen für jene, deren Pläne und Ideale nickt die u n s r i g e n find. Wir aber erwarte« alles nur von dem Völker- befreienden und menschheitsbe glückenden Sozia- l i S m u s. Wir lehnen jeden Krieg ab. Nur durch ernste, nimmer- müde Arbeit können wir den Sozialismus zur Verwirklichung bringen'. Unter Hockntfen auf de» Verein Arbeiter-Jugend und den internationalen Sozialismus löste sich der Zug auf. stcigerung hob auch die Beziehungen zu den TagcSfragen der Volks- Wirtschaft hervor, zur Frage der Steigerung des Arbeitsertrages. Generalsekretär D t e m, der über die Größe der deutschen Turn- und Sportverbände sprach, konnte mitteilen, daß der in der Kriegszett eingetretene Rückgang bereits wieder ausge- glichen ist. 1 9.1 4 wurden 1800000, dagegen 1920 schon wieder 2 226 000 Mitglieder gezählt. Im phpsiologrschen und psychologischlUt Laboratorium der Hoch- schule wurden Demonstrarionen über die Leränderunq der Herz- große durch Lsibesübung und über liebung und Ermüdung vorge- führt. Beachtung verdient, daß Sport, der im Uebermaß das Herz schwächer, bei richtigem Betrieb eine das Herz st ä r- k e n d e Wrrkmig ausüben kann. Lebhaftestes Interesse weckte der praktische Teil des Pro» gramms, die turnerischen und sportlichen Uebungen, wie Hürden» laus, Wasserspringen, schtpedische Freiübungen, Boxen. Ringen usw. Eine Lehrstätte für Körpererziehung. Die„Deutsche Hochschule für Leibesübungen', die in Berlin im Mai dieses Jahres eröffnet wurde, veranstaltete gestern eine Besichtigung ihrer Einrichtungen im Grunewald- Stadion und eine Vorführung ihres Lehr- und ForsctmngSbetriehes. Unter den Gästen, die der Rektor GSHeimrot Dr. Bier begrüßt«, waren der Reichspräsident, Vertreter der Staatsreg-fernng und der Berliner Gemeindeverwaltung. Di« neue Lehranstalt, die Berufsschule und Fon'chungSstätte ist, will— wie der Rektor rn einem einleitenden Vortrag aus- führ»— Praxis und Theorie zueinander in das Verhält- nis befruchtender Wechselwirkung bringen und die Er- fahrungen des Turnens und Sports mit wissenschaftlichem Geist erfüllen. Einen Einblick in diese Arbeit gaben gestern mehrere Dozenten in kurzen Vorträgen über ausgewählte Kapital thver Vorlesungen. Dr. Bru st manns Referat über Leistung�- Essn Ultimatum der Hausbesitzer. Die Groß-Berliner Hausbesitzer traten gestern im Stadt- hause zusammen, um zum xten Male gegen die Höchst- m ie te n v er o r du un g zu protestieren. Herr Ladendorff, seines Zeichens Äradtrat und Vorsitzender des Bundes der Berliner Grunddesitzei-Bereine. ermahnte den Berliner Hansbesitz, nicht müde und mürbe zu werden, sondern, eventuell unter A n w e n» dung der äußersten Mittel, den Kampf gegen dse Ver» ordnung des WoHIfaHrtsministers zu fübren. Dieser habe selbst erklärt, daß er sich weniger aus sachliche» Gründen als mit Rück» sicht aus die Straße gegen eine weitere Erhöhung der Höchsiwieten wenden müsse.«Eine Aeüßerung deS Ministers>n dieser Angelegenheit scheint uns sehr gckboten. D. Rod.!) Zum Schluß erklarte Herr Ladeudorsf mit großer Geste, der Berliner. HauSbesitz wolle lieber kämpfend untergehen, als sich willenlos dem Wohlfahrtsminister und dem„Mob der Straße' attSzuliefern. Der Generalsekretär des Bundes Dr. S e y f a r t wies aber- mals die Rechtsungültigtelt der Höchstmietenverordiniug nach, die auck trotz des Reichsgesetzcs vom 11. Mai noch beste: e. Dem Minister Stcgd rwald Iwiri er vor, mit dem Hrnisbesitz e i n unaufrichtiges Spiel getrieben zu haben und warnte ihn und die SlaatSregterung, da die Geduld der Berliner Hausbesitzer nunmehr zu Ende sei. Daß dem wirklich so ist, beweist eine zum Schluß angenommene Resolution, die den Minister fitr Volkswohlfahrt auffordert,„unverzüglich mit dem Bunde der Berliner Grundbesitzer-Vereine in Ver- Handlungen darüber einzutreten, in welcher Weife durch?l u f- Hebung oder Abänderung der unbaltbareu Verordnung der gegenwärtige Notstand beseitigt werden kann. Sollte das Ministerftlm sich binnen weniger Tage zur Einleitung von� derartige» Verhandlungen grundsätzlich nicht bereit er- klären, so beauftragt die Versammlung beute schon die Ge- schäftSleitung und den Vorstand des Berliner Bundes, an sämtliche Groß-Berliner Hausbesitzer und Hausbesitzerinnen die Aufforderung ergehen zu lassen, die Zahlung der öffentlich-recht- lichen A bg abeneinzu stellen, die weitereVer- teilung der Lebensmittel-, Kohlenkarten usw. abzulehnen und die- st ädti scheu Ehrenämter niederzulegen.'— Nä wenn schon! , Nur IKOO neue Wohnungen. Wähend im ahgnausenen Rechnungsjahr der Wohnungsverband insgesamt 160 Millionen Mark Bauzuschüsse zur Verteilung bringen und damit 16 öOO Wohnungen in Not- und Dauerbanten finonKieren konnte, stehen in diesem Jahr ins- gesamt nur 36 Millionen Mark für die Verteilung zur Ver- fügunp. Räch dem von.der SubveiNionieriingZkommissicm des Ver- Höndes am letzten Montag beschlossenen Verteilungsplan können da- mit in diesem Jahre nur 1200 Wohnungen in Dauer- bauten finanziert werden, von denen 9s Proz. auf die neue Stadtgemeinde Berlin und 6 Proz. auf die zum W ohnungSverba i> d gehörigen beiden Restkreise Teltow und Nisderbarnim entfallen. Auf drei- und viergeschossige Bauten entfallen etwa ein Zehntel der Zuschüsse, neun Zehntel auf das Klein- Haus mit Garten. Zu den Tauerbauten treten noch Holz- h a'u sbauten und 200 Laubenhäuschen, so daß mit der Errichtung von 1600 neuen Wohnungen in diesem Jahr gerechnet werden kann. Andererseits hat sich der Zuzug nach Groß-Berli» seit dem Vorjahre erheblich gesteigert; während 1919 der Zuzug aus Dringlichkettsichein auf 60 Familien täglich angestiegen war, beträgt jetzt der Zuzug auf Dringlichkeils- schein über 200 Familien für den Tag, worunter mehr als die Hälfte Reichs- und Staatsbeamte sind. beide gewirkt kitft. lind du host dock» wohl begriffen, daß wir olle, wie wir es vor Gericht getan haben, einen Teil Schuld auf dich laden mußten, um euch beide frei zu bekommen!— „Ja," sagte Axel.—„Und du hast doch wohl keinen Augen- blich geglaubt, daß ich gegen dich sei, nicht wahr? Ich gegen dich sein, wo ich dich doch für einen fo ausgezeichneten Mann holte!" Wie tot dcks gut noch all den Demütigungen! Arel war letzt jedenfalls so gerührt, daß er wahrhaftig der Frau Äbull- beiß etwas schenken wollte, irgend etwas, um ihr seine Donk- barkeit zu beweisen, vielleicht ein Stück Schlachtvieh im Herbst. Er hatte ein junges Tech? lein Die Frau Schultheiß Hesserdahl hielt Wort: sie nahm Barbro zu sich Auch schon hier auf dem Schiff nahm sie sich ihrer an und ließ sie weder frieren noch hungern, und sie duldet« auch nicht', daß Barbro mit dem bergenschen Steuer- mann schäkerte Als es das erstemal geschah, sagte Frau Heyerdahl nichts darüber, sie rief Barbro zu sich. Aber siebe da, bald stand Barbro wieder bei dem Steuermann und schäkerte mit ihm, sie machte«inen schiefen Kopf, sprach bergenschen Dialekt und lächelte hold; da rief Frau Heyer- dahl sie abermals zu sich und sagte:„Es will mir nicht ge- fallen, Barbro, daß du dick jetzt auf Unterhaltungen mit Mannsleuten einläßt. Denk doch daran, was du durchge- macht hast und wo du herkommst."—„Ich hohe nur gehört. baß er aus Bergen ist, und deshalb ein paar Worte mit ihm gesprochen," erwiderte Barbro. Axel sprach nicht mit ihr- Er bemerkte aber, daß ihr« Haut fein und, bloß war, und daß sie schöne Zahne hatte. Seins Mnge- trug�sie. mckck..an.dell Fmgern.,.' Und nun schreitet Axel alio wieder durchs Oedland hin- auf. Es stürmt und regnet zwar, aber ex ist sselenvergnügt. er hat die Mähmaschine und den Reolpflug an der Lände gesehen. Ach, dieser Geißler I Kein Wort hat er in der Stadt von dieser Sendung verlauten lassen. Er war ein merkwürdiger Herr. 8. Axel statte daheim keine lange Ruhezeit; mit den Herbst- stürmen begann eine persönliche Mühe und ein großer Der- druß, den er sich selbst zugezogen hatte: Der Telegraph an seiner Wand meldete, daß di? Linie in Unordnung sei. Ach. er war zu gierig noch dem boren Geld gewesen, als « diesen Posten übernommen hatte! Alles � war von An- fang an unangenehm gewesen, Brede Olsen hatte ihm gewissermaßen gedroht, als er die Telegraphensachen und das Werkzeug bei ihm abholte; er hotte gesagt;„Du denkst wobl nicht nrehr daran, daß ich dir im Winter das Leben gerettet habe?"—„Ol ine hat mir das Leben gerettet," erwiderte Axel.—„So, Hab' ich dich nicht auf meinem eigenen armen Rücken nach Haufe getragen? lind außerdem hast du im Sommer nur darauf gepaßt, mir meinen Hof abzukaufen und mich sürjden Winter heimatlos zu machen." Ja, Brede war tief gekränkt, er säurte;„Nimm du nur den Telewaphen und das ganze Zeug mit dir. Ick» und meine Familie, wir lassen uns ini Dorf nieder und fangen etwas an. was es ist, weißt du nicht, aber es ist etwas mit einem Hotel und einem Platz, wo die Leute Kaffee trinken können. O, meinst du. wir werden nickt durchkommen? Meine Frau kann alle Art von Lebensmittel verkaufen, und ich selbst kann Geschäfte mackien und viel mehr dabei verdienen als du. Aber ich will dir nur sagen, Axel, ich könnte dir allerlei Possen spielen, da ich den ganzen Telegraphen sehr gut kenne, ich könnte Stan- gen umwerfen und Drähte abreißen. Dann müßtest du mitten in der dringendsten. Arbeit hinaus. Das will ick dir nur sagen, und du kannst es dir hinter die Ohren schreiben."... Jetzt eben hätte Arel notwendig die Maschinen von der Lände herourholen sollen— ach, jede davon war so schön vergoldet und bunt bemalt wie ein Bild, er hätte heute da- nach sehen und sich genau in ihrem Gebrauch unterrichten können,— jetzt mußten sie stehen bleiben. Es war nicht gut, wenn er wegen der Telegraphenlinie wichtige Arbeit ver- säumen mußte. Aber es brachte doch Geld ein. Oben auf dem Berg trifft er Aronfen. Der Kaufmann Aronsen steht da und schaut in den Sturm hnraus, fa er stand da wie eine Erscheinung. Was wollt« er da oben? Er hatte wohl keine Ruhe mehr gehabt und war in die Berge gegangen, um selbst die Gruben zu untersuchen. Saht, das tat der Kaufmann Aronfen aus reiner Besorgnis für sich und seine Zukunft. Nun steht er da auf dem verlassenen Berg vor lauter Elend und Zerstörung: verrostete Maschinen, Handwerkszeug, Fuhrwerke, vieles davon unter freiem Himmel, alles ganz trostlos. An verschiedenen Stellen waren an den Wänden der Baracken geschriebene Zeftel angeheftet, die verboten, die Gebäude, Gerätschaften und Wagen der Ge- sellschaft zu beschädigen oder etwas davon mitzunehmen. Sortt. folgt Vcm den zahlreichen beim Wohmrn£SN«k«md eingsgangenisn Nn- triioen auf finanzielle Unterstützung von Sied- � ungsdaulsn, konnten bei den geringen Rc'ch»Kuschüst'en der- >..> niSmagig nur wenige in dem Verteilungsplan der Sub- v�HvnierungSkommission berücksichtigt werden. Ta die dieSfährigen rl nunmehr verteilt sind, fo ist es zwecklos, neue Antrage a� ten WohnungSderband zu richten. Hermann Krüger-f. Li« Berliner Parteiorganisation bat Wiedorum den Tod»ine« der ä l t« st e n Mitalteder zu beklagen. Der Maurer Hermann Krüger ist am Sonntag srüh im Alter von 72 Jahren der- siorben. Seit Ansang der siebziger Jahre bar Ktiiger die Erl- ivitftu.ig der Partei von ihren Anfängen aus mitgemacht und bi« zuletzt allen Anfeindungen zum Trotz der Partei die Treue gehalten. Bis zum letzten Jahre hat der Verstorbene sich eifrig an der »lemarbeit in der 83. Abteilung beteiligt und ist hierbei unseren I-> igeren Genossen flei? mildem besten Beispiel voran- � gangen. Seine Einäscherung findet Donnerstag, den 2«. d.M., im Krematorium Gerichtstrave statt. Schon wieder ein Mord? ?in rätleHafter Todesfall rierf Dienstag die Mordkomz«tssion ! dem Haus« Winderkeldtstv. 7. Die dort wobnchrst« 88 Jahre aire Büfettdame Else Zöfsler mürbe unter verdächtigen,, bisher rocv nicht geklärte>i Umständen to! aufgefunden. Fräulein Löffler teilte ihre aus zwei Stuben. Ammncr und d*-sie bostehcndc Wohnung mit ihrem Freunde, der nicht bei liü gemeldet war und dessen Namen auch niemand kennt. Gr ir«ede immer ,,der blasse Richard au« Breslau* oder ,.B I e i ch r ö d e r* genannt. Dieser kam gestern mittag um IL Uhr au? der Wohnung seiner„Lein" und erzählte, dah sich diese ver- oiftct babe. Während er davonlief,«ilten Freundinnen der Qösfler ' u deren Wohnung und fanden iie aus dem'Soia liegen Uever dem linken Auge batle sie ein« Verletzung, die scheinbar von r»em. Schlage herrührt. In der Äsich? war«in Gasbahn ,1 r o i r n« t und der Schlauch von der Koch-n aschine gelöst. Wieber- vo'vuivasveriiiche, di« mit der Besinnungslosen sofort angestellt wurden, blieben erfolglos. Ber ganze Befund läsik den Tob des Mädchen« rätselhaft erscheinen. Gasgeruch war nur in der Küche bemerkbar, die Tot« aber lag in»er Stube auf dem Sofa gebettet. Tie dem Mädchen gebärenden Singvögel, die sonst auch in der.Küche standen, waren edca all? nach einer anderen Stube gebracbi werden und ganz rnobii. Ein Selbstmord öes Mädchen« ist nichtunwahr schein- ! i ch. Man nimmt an, dasi ihr Freund sie verlassen wollte, Frau- lein stöffler damit aber nicht einverstanden war und beide in einen Streit gcrnten�siiib. bei dem der„blasse Richard" ihr einen Schlag versetzt hat.«ie ist dann wohl nach der Küche gelaufen, hat zu- � ächst die Vögel hinau»gebracht, dann den Gasschlauch gelöst und sich ja vergiftet. Ihr Freund wird sie dann besinnungslos ausgefunden und aus dos Sofa gelebt haben. In die Wohnung ist er wob! .'-halb nicht mehr zurückgekehrt, weil«r vielleicht au« anderen Gr lin d«« mit der Polizei in keine näheren Beziehungen treten wnllie. Tie Leiche wurde beschlagnahmt. Auf den flüchtigen Freund l'c Toten wind gefahndet. » Die Nachforschungen der Kriminalpolizei in den Mordsachen 7. i e l e m a n n und Wo I f n« r haben noch kein« neuen Resultate gehabt.' Die Vorurteile gegen die Lehmbau weise, die unberechtigterweise nrch vrelerorts bestehen, werden von interessierter Seite dadurch ge- näo-t. dast ungeprüfte Nachrichten über Mißerfolge im Lehmbau verbreitet werden. Mehrfach waren in der letzten Zeit in den Zeiiiingen Mitteilungen zu lesen über Unsälle, bie bei den Lehm- bauien in Görlitz vorgekommen sein, sollen. Wie sich jetzt auf Grund der behördlichersei:? angeordneten Untersuchungen herausgestellt bat. handelt es sich um ganz belanglose Mißerfolg«, die ihren Wrund in der mangelhaften Vorbildung der beteiligten Nnternebmer und Acbeiier und in der Ungunst der Witterimg während der Bau- zeit hallen. Zurzeit sind zwei Siedlungen in Görlitz im Bau, die in ungebranntem Lehm auSaeführt werden, und zwar di« Siedlung der gemeinnützigen Heimstäiteiigenofienschafi, die im Herbst ISIS begonnen wurde, und die Siedlung der Görlitzer Baugememichaft, deren Wohnbautrn nach Entwürfen des Magistrats in ungebranntem Mn-chinenstem ausgeführt werden. Bei den Anfangsversuchen der von der gemeinnützigen Heimstättengenostenschait im Stampsbau �-i. 11 n i Eine Lehrsammlung für Stiikunöe. Btldhaun F. Deidenstückcr unterbreitet den Hütern der iunstgewerblichen Dammlungen eine Anregung, die wir gern auf diesem Wege an ihre Adresse befördern, denn sie berührt ein all- i-vwincs Interesse. Er schreibt: Die neuerdings veröffentlichten Pläne zur Einrichtung des Schlosses als.Kunstgewerbe- museum veranlassen mich, dafür einzutreten, daß bei der Neu- aufjtellung der Sammlung dem Interesse und Bildungsbedürfnis der Besucher nach Möglichkeit Rechnung getragen wird, was von selten der MuseumSfachleute durchaus mcht immer der Fall zu sein pflegt. Eine wichtigste Frage bei der Beurteilung eines historisch-kunst- geweröliwen Erzeugmstes ist sein Stil; wetchei Kunst mag es wohl angehören? Erfahrungsgemäß ist die Mehrzahl der' Menschen krium in der Lage, die einzelnen näher zusammenhängenden Stil- cvochen. in die wir die Kunstgeschichte zergliedern, zu unterscheiden. Man kann aber einen lebhaften Trieb bei allen Bildungsbedürftigen erkennen, diesem Mangel bei sich nach Möglichkeit abzuhelfen und den Unterschied zwitwen Chinesisch und Japanisch, Griechisch und Röinitch, Renaissance und Barock, Loui« XIV, XV., XVI,. Empire und Zopf usw. kennen zu lernen. Meiner Ueberzeugung nach kann man diese« Bedürfnis am besten dadurch betriedtgen. daß man bei der Neueinrichtung de« SchtosseS eine zusammenhängende Zimmerflucht zur chronologischen Darstellung der einzelnen Slilgattungen, aus Sammlungsobjekten bestehend, benützt! in der Ausführung derart, daß man zunächst dir Räume innenarchitekioniich in den betreffenden Zeitstilen herrichte! und st- dann mit den entiprechcnden zugehörigen Türen, Kaminen, Möbeln. Vaicn. Vlosttken, Geräten, Stoffen, Tapeten, Bildern, Münzen, Waffen» und Kostümzeichnungen ausstattet ergänzt durch einen erläuternden Text und wenn möglich durch die Auslegung einschlägiger illustrierter Literatur. Man sollte annehmen, daß es auch jeden Eingeweihten' reizen müßte, sich in einer solchen Sammlung über die Unterschiede der r: schwer zu unterscheidenden, dicht hintereinander tolzenden Stile an typischen Muster'elspielen klar zu werden. Di« Vorbedingungen für«ine derartige Zusammenstellung sind gegeben. Mit Ausnahme der innenarchitcklonischen Ausgestaltung braucht elwv« Neues nicht beschafft zu werden. Es ist für den bc- abstch, igten Lehrzweck auch durchaus nicht nötig, daß e« sich b«i den Ausstellungsobjekten nur um Liriqinole bandelt, e« können viel- mehr auch Kopien und Gipsabgüsse mit gleichem vorteil verwendet werden. Viel weicntl'cher ist es dagegen, daß man in dem ein- zelnen Gegenstand jeweilig einen charakteristischen Repräsentanten teioer Gruppe erkennt..Man kann sich z B. alle Srilarten durch eine passend autgewählte Sammlung von Lasen eindeutig charakte- risiert denken. Ansätze zu solchen Lehrzusammenstellimge» sind in einzelnen Muieen schon gemacht worden, aber di« Stile sind noch nicht in der hier angeregten pädagogisch fruchtbaren Form vollzählig chrono- loaiich aneinandergereiht dargestellt. Gmrl Verheeren«„Hätz". Au» dem mteressante-n belgischen Brief, den Friedrich Markus Huebner in der«uften Nummer des ausgeführten Siedlung haben sich Schüben gezeigt, die Haupt- sächlich auf das vorzeitige Einietzen starker Schneefälle zurückzuführen sind. Durch die eindringende NSsi« wurden einzeln« Wand- teile aufgeweicht, so daß sie zum Teil umgelegt werden mußten. Bei den SiedlungSbauten de« Magistrat« haben fich Schäden b'Sher überhaupt nicht gezeigt. Die übelmeinenden Berichte in der Tages- presse, die von Verschleuderung don Kapital und Arbeit bei den Görlitzer Lehmbauten sprechen, halten genauer Prüfung nicht Stand und entsprechen in keiner Wesse der Wahrheit. Die Erfahrung zeigt allerdings, daß die Lehinbautechnik dringend sachgemäßer Ausfühtung bedarf, wenn Mißerfolge vermieden werden sollen. Um die alte Ueberlieferung zu erneuern, werden mit Förde- rung des Ministers sür VolkSwoblfahrt an verschiedenen Steven Lehr- und BersuchSstellen kür Naturbauweisen eingerichtet, in denen Handwerker und Stampfmeistcr in der alten Technik ausgebildet werden. Wieder Ausgabr von Notgeld, Tie Ausgabe von Notgeld war erst im Okiober v, I. verboten morden. Di« Knappbeir an kleinen Zahlungsmitteln wird aber auch durch die verstärk!« Aus- Prägung von SO-, 10-, und S-Pscnn ig. Stücken nicht behöben. Di« NeuauSgab« von Ersatzwemvichen für 50 Pf. und kleinere Beträge ist deshalb jetzt wieder zugela.fen worden. Auch di« Umlauf»- fr ist seS Notgelds« kann in dringenden Fällen wieder ver- 1 S n g e r i morden. Eine förmliche Genehmigung ist aber schon wegen der Münzbvbeil de« Reich? den Landesbehörden nicht möglich. Es wird deshaib lediglich erklärt, daß auf Grund der polizeilichea, Befugrsssse der Lande Sbe Hörden n'cht entgegengetreten werden wird, Et dürfen auch, keine Ichuldveifch'ressiungen auf den Jnbrber aus- gegeben werden, sondern lediglich Jnbabrwichen im Sinne von § 807 de« Bürgerlichen Gesetzbuch?« Für Notgeld au» Metall de- stehen, besondere Beschränkung««. Die gefährliche Kunstseide. Puwergewelv. oder.Kartttischbeutel- stoff ist bekanntlich als Kunstseide verkauft und zur Bekleidung verwendet worden. Nach'einem eigentlichen Verwendungszwecke verbrennt der Swff bei Entzündung, ja schon bei Erwärmung exploswnsariig. Die Polizeibehörden sind deshalb angewiesen., vor dem Ankauf und der Vcrm-ndung dieser gefährlichen Kunstseide zu warnen. Zur Probe soll ein etwa ftngerlnngc? und zwei Finger breites SüicWwn de? Skoffcs angezündet werden. Das Pulvcrge- ivobe brennt dauu fast plötzlich ab. Ter Versuch mutz aber abseits von anderen leicht bremibareu Gegenstütidsn, insonderheit von dem Stück des Gewebes angestellt werden Das Siückchen darf man dann auch nicht zwischen den Fingern hakten. Für den Besitz und Vertrieb de» Stoffes ist nach dein Sprentssteffgefetz ein Spreng- erlaubnisfchein notwendig, verstötze gegen dieses Gesetz werden mindestens mit Gefängnis von drei Monaten bestraft. Erhöhung der Entschädigung für dj« Bess'iner der Mirt«- einigungsämter. Tie Stadtverordneten Dr. Wehl und Genossen haben der alten Berliner S'.ad rverordn? ten-Ber sa mm tu ng folgen- den Änirog unterbreitet:„Die Stadkverordneteiwcrfaurmliung er« sucht den Maqisrrat. die Entschädrgung für öie Beisitzer der MietseinigungSämtcr den Zeitvevhältniss«» ent- s sprechend zu erhöben." Dieser Antrag soll in der nächsten außer- ordentlichen Sitzung der Berliner Stadtverordnetenversammlung. aui Dienstag, den si. August, zur Beratung kommen, in ibr wird auch dt? Magistratsvorlage üver die Erhöhung der Arbeiter- lohne in den st ä d r. Werken zur Beratuvg gelangen. Im Streit erschossen. Der Fuchrherr Julius Di t tscheck aus der RüderSdorfrr Straße 2L, der nebenbei auch ein Schleich. Handelsgeschäft berricb. hatte an eiAen Aroess« Haul KomoworSkj aus der Jablonztiftraße.ßb mehrere Sack Zucker verkauft, die dieser gleich wd'.wverschobeu hatte. Der eigentliche Käufer machte nun di? peinliche Entdeckung, daß die 'sacke gar einen Zucker, sondern Salz emhielton. Komoworski, der selbst glaubte, von Wittscbeck Zucker getauft zu haben, stürzte nun wutentbrannt in dessen Wobnung, um tbn zur Rede ju stellen. Zwischen beiden entspann sich ein heftiger Streit, in dessen Per- lauf Komoworski zur Schußwaffe griff und den Zuhrherrn nieder- schoß. Ter Täter wurde ermittelt und festgenommen. Da« Opfer einer Wette wurde»er.Kusscher.Karl W.. dessen Leiche am Dienstag aus dem Spreekanal bei der Halleschen Brücke gelandet wurde. Karl W. war, wie festgestellt wunde, auf Grund einer eingegangenen Wette in den Spreekanal gesprungen, um ihn eine bestimmte Strecke zu du'�bschwi mmen Daibei fand er den Tod. Die Leiche wurde ins SchauhauS gebracht. . Literarischen Echo»" veröffentlicht, erfährt man, wie es itt Wahrheit um Verharren S Deutschenhaß bestellt war. Man liest da: Dieselben Kreise sind es, die auk der nationalen Entrüstung deS toten Vcrhaerenk noch immer Münze zu schlagen suchen und für ihn, ui» seiner stolzen Kraft des Hussens willen, eine große Huldi- gungSfeier im Brüsseler Senats iaale veranstalteten. Die An- sprachen, die aui dem Munde hoher mrd höchster Würdenträger tönten, feierten eben das als verhaerens höchste Tugend, wa« den Dichter mehr zu seinem Schrecken und zu semer tiefe» Scham über. fiel; um ihn derart, sehr zu Umecht, al« einen der ihren in Beschlag zu nehmen. Die tapfer-»Art libte"(lSriifsel) nahm den toten Verhaeren gegen diese Lobpreiser und gegen des Dichter« letzt« Bücher dadurch wirksam in Schutz, daß sie ein paar Briefe Verhaeren« ver. öffentlichte, die dieser 1914 mit Romain Rolland gewechselt hat, kurze Sendschreiben voll ergreifenden menschlichru Inhalt«, Am 24. Oktober schreibt Verhaeren, er sei erfüllt von Traurig- keit und Haß...Die» letztere Gefühl, nie vorher emp'and ich eS; jetzt kenne ich's. Ich vermag«z nicht ans mir zu verbannen; obwohl ich mich immerhin für einen anständigen Menschen halte, dem der Haß ehedem eine gemeine Empfindung bedeutete. Oh, was für entsetzliche Dinge man mir erzählt hat." Und Romain Rolland antwortet: „Nein, hassen Sie nickt. Der Haß steht»sis. steht Ihnen nicht an. Verteidigen wir uns vor dem Haffe mehr al« vor unserem ärgsten Feinde." Darauf verhaeren:„Um wieviel größer und hochstehender als ich Iie sindl Und wie Sie mir als Beispiel dienen müssen!" Und dann als Antwort auf sin« der Verhaeren schon Kriegs- bücher wieder Romain Rolland:„Ick habe Ihr Buch gelesen. ... Wie Sie gelitten haben müssen, mein lieber Großer und Guter, um zu hassen! Aber ich weiß H. lieber Freund, daß Sie-« nicht lange werden tun können. Nein, Sie können e» nicht. Seelen tot« die Ihre müßten in solch einer Atmosphä e sterben... Verbünden wir unZ nicht dem blinden Verhängnis, Verhaeren. Seien wir mit den Unterdrückten, mit allen Unterdrückten. Ueberall gibt e» solches Und nun klingt ei von Verhaeren? Seite fast wehrlos, zurück, keineSfäll- als Ruf der Bravour und eines prächtigen Machtgefühl?: „Wenn ich hasse, so deswegen, weil das, was ich gefühlt, gesehen und gehört babe, sirenlich ist... Ich gesteh«, daß ich, im Brande der Trauer und der Wut, darin ich mich befind«, nicht perecht sein kann. Ich bin nickt neben der F l a m m e.sondern inmitten der Flamme, und ich leide und ich schrei«.. Derlei Bekenntnisse mögen Verhaeren vor-den bclaischen Kultur- Imperialisten vielleicht verkleinern, denn sie zeigen ihn in seiner Ohnmacht, aber gerade diese Ohnmacht reinigt und erhöht menschlich sein Erinnerungsbild. Die Schreckens sssscr» der Tbeaternot. Die in den letzte, Nochen bekannt gewordenen Defizit« der deutschen städtischen und staatlichen Bühnen geben bei ihrer Zukammenfassunp«in trost- lo'e? Bild. Die StaaiSthcctter in Berlin und München sehen sich einem T-sisst von 7 bis 0 Millionen aegenüber. Stuttgart bat 21', Millionen Defizit. Karlsruhe 2.3 MiÜionen. Dresden?/, Mill., Köln 1,088 900 2*., Leipzig 3»/, Millionen. Mannhet» etwa Z Mill.. Darmsiadt 2'/« Millionen. Krefeld 1 Million, Saarbrücken Tie ftmsttsche Sprechstunde findet heute nicht von Z bk? K Uhr, sonder» von 4!� bis 7 Uhr statt. Marge», Donnerstag, fällt die jurtsttschr Sprechstunde aus. Ei» Tamenschirm ist am 22. Juli in der Lerfaminlung der Kolonial- «arenangestellten abbanden gekommen. Der Finder wird gebeten, den- selben m unserem BerbandSbureau abzugeben. Sroß-Serltner Varteinachrichten. Heute, 28. Juli: 9.«ht, 90. Stadtdez. Zahlabend T'/.UHt bei Neumann. Mariannen- straßc 89. 21. Abt. 7'/, Uhr Zablabend in den bekannten Bezirkslv'alen. 27. Abt. 7 Uhr gemeinfchajtkicher Zahlabend aller Bezirke in der Schulanla Rubpiner Ztr. 48. SS. Ad«.. 7 Uhr Zahlabend in den bekannten Lokalen. SB. Ad».' Zablabend in den bekannten Lokalen. Erscheinen aller not- «endig •IS. Ad». 8 Uhr Zablabende: Bezirk I im Batzenhoser. Schweden- straßc IIa; Bezirk II bei Pose, Kaloniestr 15. Adlersdof. Außerordentliche Mitgliederveffammliing 7st, Uhr in der Schulaula BiSmarckttraze. Morgen, 29. Juli: C-Harlotte»bura. 14. Gruppe. KinderauSzlug. Treffpunkt 12'/, Uhr Sahnhok EbarloftenBurg. Nachzügler beim.Allen Freund", Pich-kSlerge. 42.». 1k.«dt. Sonntag, den 1. August: Großes Kaldfe» mit Musik in der Jungferndeid« unier Mitwiikung de« Metneikelchen Männer- chors. Für Geirinke und Unterbaltung ist Sorge getragen. Tlieilnebnter- karten find bei den AbteilimgSkaiiierern und bei den iSezirtsführern zu hadeu. Iugenöveranftaltungen. Heute Uhr: Sozialtstische Schülerirktio»: Zentialjugendbelm, Lindenstr 3, Dortrag mit Rezitationen kFri» Reuter).— Eharlottenburgt Rosinen- siraße 4 tBoUsdaut), Mädidenabend— Mahlsdorf: Jugendlieim. Gr. meindelchul«, Naldesseestraße. Bortrag i Zternentunde.— Prenzlauer Vorstadt i NSdchknlchule, Seneielderstr. 6/7. DiSkustian:»Unsere Gegner von rechts"— Südost— Relcheuderger Viertel: Fugendheim. Schule Glogaucr kW. 13/16. Bortrag: Berulötianiheiten.— Weste»: Jugeno- bcim, stviilinenraum der Baugewerkichule, Kursürstensti.. I4l. DiSkuision: »Die politiiche Lage".— Wilmersdorf: ltugendhelm, GefangSIaal Ober- realschule. Leepark. Bortrag: Erste HUse bei Unfällen. Mus aller Welt. Gon Sprengkapseln zerrissen. wenn spielen mit Handgranaten zündern verunglückten vier ILjährige Knabcn in Brandenburg. �aS ge- fädrliche Spielzeug hatten sie sich aus einem unbewachten Schuppen beschafft. Der 12IÄhrige Schüler Willi Altenkirch versuchte, die Aündladitng aus den stapieln mit Draht zu entfernen, wobei die- selbe explodierte. Allenkirch wurde auf der Stelle ge- t ö t« t.'ieine Spiesgeiährten erhielten ernstere Verletzungen, so daß ihre Ueberfübrung in ein Krankenhaus veranlaßt wurde. Die Aufbewahrung dieser Sprengstücke ist anscheinend nicht mit der genügenden Sorgsalt erfolgt, denn tonst hätten die Kinder nicht in den Besij von sechs K ä st« n Sprengkapseln gelangen können._ Fokgenschwer« ff xplnfian In einer« der Näbe von Rosen- heim �Bauern, belegenen SpretWioffabrtk fand heute früh«re E x p l v s t o n strn. Drei Arbeiter wurden tödlich. einer schwer verletzt. Die umfangreichen Betriebe der Werke erieidvn dadurch keine Störung. Sport. Im Große« PrüsungSprei«, Ehrenpreis trnd 80 000 M., 4000 Meter. D«oi Haupiereignis im Grunewald am DonnerSiag gelten als voraussichtliche Sfamr: Freilauf 69 Vi /Streit), Eichwald 67 Vi sJzmeuhi), Siegerin II 67 Vi iWurft), Götterknabe 66 lWeber), Mörser 60 Vi(Fribschc), Hanswurst 63 Vi(Dhhr), Marmo- lata 6ZVi /Falke), Corsar Sä /Edier), Der Sogenannte 62(Kuku- lies), Merlin 60 /BiSmark), Fuskanella 60 fLewtcki), Wardar b7Vi (X), denen sich Sic' übergor 62(Scholz) al« zweifelhafter Starter anschließt. 1 872 600 M.. Halle 1 272 000 M.. Frankfurt a. M.« Millionen Mark. Einzig das Hamburger Sladttheoter macht«ine Ausnahme, da eS in diesem Spieljahr mit 700 000 M. Zuschuß auskommt. Tie Defizite bedeuten natürlich den Auftakt und Antrieb zu Umwand- lungen deS Theaterwesen«, di«. wenn sie den Zusammenbruch be- schwören sollen, sozial und demokratisch gerichtet sein müssen. Ei» höchst mcikwürdige« Sorzeit-Niesentier, ein Dinosaurier, ist in den letzten Wochen im Frankfurter Senckenbergsschen Museum neu aufgestellt worden. Prof. Dredermann berichtet darüber in der «Frankfurter Zettung*. Auf der einen Seite blickt man in die offene Brust- und Bauchhöhle. Auf dem Rücken schmiegt fich die geschrumpfte und eingetrocknet« Haut überall dicht um das Knochen- gerüsi. Di« Haut eine» Dinoiaurter«— da» ist etwa« so Un- erhörte«, daß bisher nur zwet Museen auf der Erde ein solche« Stück aufstellen konnten, das Neuyorker und jetzt da» Sencken-. bergtsche. Das Riekenfoffil(tt handelt fich um die Gattung Tracho- don) wurde 1911 in Wyoming gefunden. 77 Zentner wogen die Felsblöcke, in denen e««ingeichlosien war. und über fünf Jahre lang arbeitet« der Präparator Chr. Strunz daran, das Gestein her- unterzumeißeln. Mit äußerster Borficht wurden die zarten Hour- falten freigelegt, wurde jeder Knochen herauSpräpariert. und gan, besonder» der prachtvolle Schädel ist hervorragend au« seinem Grabe herausgekommen. Im Gestein lag neben dem Trachodon «in Fisch, der beweist, daß der Kadaver, nachdem ihn die Wüsten- sonne zur Mumie ausgedörrt hatte, von einem Wolkenbruch fort- gerissen und in einem stillen Flußwinkel von Sand bedeckt wurde. Ab-r nickt allein dos. Aus der LeibeShöhle holte der Präparator die Reste der letzten Nahrung des Riesentiere«, zerkautes Pflanzen- Material, kodlig und tiefdunkel gefärbt, aber noch kenntlich. Lange eb« der Mensch auf der Erde erschien, lebten diese Giganten. Tie Trachodon-Mumie deS Senckenberg-Museum« gibt in Gemeinschaft mit dem ebenso guten Stück der berühmten Reuyorker Sammlung zum ersten Mal« die Möglichkeit, da« Aeußere eine« der ungeheuren Reptilien, seine Nabrung und sein« Lebensweise zu studieren und genauer, als e« bisher mozlich war, ein Tier der Vorzeit kennen zn lernen.__ Tie ehemals feldgrauen Künstler, die im vorigen Jahre die beiden großen Ausllollungen ihrer Werke und solche von gefallenen Kameraden veranstalteten, baden sich genvsiensckasUich zusammenaekchlosien. Die«r- sschtung-ineS eigenen Kuiisthcwie« ist gcplant. Vorläusige Leitung: Erich Hartwig. Berlin V HS, B lumenhos 9 III. tili» zweite Privatdozeutin an der Berliner Universität habilitiert sich jetzt in der pdlloiovbiichen FokultSt Fräulein R b o d a 2 r d m a n n für daß- Fach der Zoologie. To» Soudwirtlchoktliche itzorichungSinftitur de» Sasier.iVilhelm. JnststutS. daS früher in vrootberg arbeitet«, wird nach LandSberg an d-r Warth« verlegt. Die Vergnügungssteuer» i» Vari». Die Pariscr BehSrde» habe» nun die neuen»ergnügungSkleuern fcstgofitzt Sie betraaen tür varteiit« 10 Pro,., für dramati'che Bühnen a Pro», der Nilleitpreiie und für Kino. vvi'tclliirgen W—'Sn Proz. Tanzpaljftc und KabarcUs ulw. werden ebenfalls mit 25 Proz. bcflcueit. Tie Aottschriit de» Allgemeine» Ten eiche» Sprachvrreiu«(»«. schästSstelle Berlin V«0, Ziollendorsstr. IS/14) ist aciährdet. wen» de« Berein nicht nuS freiwilligen Spenden au»rckch«de Mirirl pffAetze«. 11.£ 1 1 u n g. Dienstag, den 27. Juli. Hm Regierungstisch: Fehrendoch, K i m o n S, Dr. Heinze, Koch. W i r t h. In der ehemaligen Hosloge hat der englische Arbdlersiihm R a m s a y Macdonald Platz genommen. Reichsminister Dr. Simons erllärr, daß die Interpellation aller Parteien betreffend die Unterstellung verschiedener Ortschatten unier die polnische Staatshoheit in der gefchäftSordnungSmäßigen Zrtst beantwortet werden wird. Vor Eintritt in die Besprechung über die Regierungserklärung erhält das Wort zur Ergänzung feiner gestrigen AuZrübrungen Reichsmimster des Auswärtigen Dr. Simon«: Gegenüber den Mihdeutungen stelle ich fest, daß meine Bemerkungen über die Ehrenbezeugung vor der französischen Fahne keine Kritik, geschweige denn einen Vorwurf gegen das Verhalten der Reichswehr enthalten sollten. Der Satz: .Ueber den Geschmack läßt sich streiten', bezog sich s e l b st« verständlich nicht aus meinen Kollegen, den Herrn Reichs- wehrminister oder die Heeresverwaltung, sondern auf die sswiichenrufe au» dem Hause.(Zurufe bei den U. Soz.: Totaler Rückzug!) Abg. Stampfer(Soz.): Die Red« des Ministers deS Aeußern, die vielfach überrascht hat, überschwenglich zu loben, überlasse» wir den Parteien, die jetzt an der Regierung sind. Man konnte ja während dieser Rede bei ihnen sehr interessante Beobachtungen machen sHeiterkeit), und als Herr Streiemann bei Schluß der Sitzung beantragte, heule erst um 8 Uhr zu beginnen, da schien eS sogar, als ob dle Deutsche Voltspartei wünschte, in Erwägungen darüber einzutreten, ob nicht die Red» des Minister« Dr. Simons al« Maueranschlag in ganz Deutschland erscheinen soll.(Erneute Heiterkeit links.) Die Ausführungen des Minister« selbst geben unS in keiner Weise Anlaß, oppositionell dagegen Stellung zn nehmen, wir könnten mit ihr in großen Zügen ein- verstanden sein. Sie geht von dem Grundsätze aus: wer große Ziel« verfolgt, dari dabei nicht kleine Rücksichten ncbiue». Leider ist Dr. Simons von diesem Grundsatz- schon wieder abgewichen. Wir glaubten seiner Rede entnehmen zu lönnen, daß die auswärttge Politik in Zukunft nicht mehr gesonnen ist, ihre Arbeit durch dir»nterxeordncten Instanzen sabotieren zu lassen. Das hat uns außerordenrlich gefreut, aber auch in dieser Beziehung haben wir heute eine Enttäuschung erlebt. Hätte Dr. Simon« in seiner gestrigen Rede olle Töpfe der aus- wältigen Politik zerschlagen, hätte er über bedeutende Politiker de« Auslände» verächtliche und beschimpiende Urteile gefällt, so wäre er des jubelnden Beifalles von gewisser Seite ficher gewesen.(Sehr richtig! links.) Daß er fich aber an einen Oberleutnant angelegt hat, das schien mir von vornherein bedenk» l i ch.(Heiterleit links.) Mein« Bedenken haben sich beut« al» g e- rechtfertigt erwiesen. Dr. Simon« hat fich genötigt gesehen, einen diplomatischen Rückzug aus diese« Gebiete anzutreten.(Sehr wahr l ltnks.) Ueber da» Versagen de» Reglement» bei der Reichswehr ließe sich ein ganze» Buch schreiben. ES hat versagt von oben di« unten, von Anfang bis zu Ende. In Spa bat sogar noch etwa» mehr ver- sagt, nämlich die Regie. In Spa ist e« der R e i ch« w« h r ge- lungen. mit einem Stoß ihrer Ellenbogen die SicherheitSwehr in»inen kleinen Winkel zu schiede«. Wir hallen da? für außerordentlich bedauerlich. Wenn daS Reglement bei der Reichswehr weiter zu versagen drohen sollte wie bisher, wenn immer wieder neue Fälle zu unseren Ohren kommen wie die, daß 2000 Mann Ehrbordt�Truppen in Cuxhaven einrangiert werden und dort Skandal in den Straßen machen, und daß in Ostpreußen mit der Ausführung de» BelogerungS- znstandes ein General beaustragt wird, gegen de« der Untersuchungsausschuß dir Beurlaubung wegen> des Sapp-PutscheS beantragt bat ihört, hört!), dann find un« 1WZ000 Mann Reichswehr immer noch viel zu viel.(Unrube und Lachen rechts, Zustimmung links. Zuruf LedebourS sU. Soz.): Die Erkenntnls kommt etwa» ipäl!) Auch sonst wird Simon« dafür zu sorgen haben, daß unlergeardnete Behörden ih« nicht in sein Ressort hineiups,, scheu. Ein solcher Fall wird jetzt von der P a ß b e h ö r d e in F l» n«« bürg ge-neldel. Sie hat von 1200 dänisch iprechenden Kindern, die neben SKX) deutschen Kindern den Segen des Landaufenthaltes in Dänemark erfahren sollten, wider Erwarten einen Paß für die Einreise nach Dänemark verlangt, während man sonst die DranS- parte ohne die geringste Behinderung passieren ließ. Die Gebühr beträgt M Mark.(Hört, hört!) AlS dann der Betrag von etwa (W OOO Mark durch Sammlungen aufgebracht worden war, erklärte die Paßbehörde, sie könne die Arbeit nicht bewältigen, die ihr dadurch auserlegt werde.(Stürmisches Hört, hört!) Auch dieses Falle« sollt« sich Dr. Simon» mit allergrößter Energie annehmen, wenn er nicht will, daß ihm durch dir Dummheit ober Bummelei der unrergeordneten Instanzen alle« verdorben wird. Zu de« gleichen Kapilel gehört die Emrichtung der Frunzosische» Gesandtschaft in Münch»» und da« Verhalten der bayerischen Regierung in diesem Fall. Wenn es wahr sein sollte, daß die bayerische Regierung in spezielle Verbandlungen mit dem französi- schen Geiandten in München eingelreten ist über die Eni- waffnung der Einwohnerwehren, so wäre auch daS eine ollerfchwerpe Schödigung deS Deutschen Reiches. Es schein:, daß die französischen Imperialisten sich vorgenommen haben, olle Dummbeiten nachzumachen, die seinerzeit von deutschen Jmmialisien in Rußland begangen worden sind. So macht die iranzöstsche Machipolitik den Versuch, in Deutschland einzumarschieren trotz de« Friedenabschlusse«, und Bayern zu okrainifiere«. Hoffentlich findet fich dort kein Mann, der den Ehrgeiz besitzt, ein bayerischer DkoropadSki zu werden. Der Minister mag sich nach dem kleinen Schwächeanfoll, den er heute zu unserem Bedauern gehabt hat(Heiterkeit links), wieder besinnen aus dt« Energie' di« er uns in seiner gestrigen Rede versprochen hat. Die deutsche Delegation in S pa konnte nicht ander» handeln, als sie gehandelt bat. Ei« hält« auch nicht anders handeln können, wenn statt Mitgliedern der Deutschen VolkSportei sich solch« der Sozialdemokratie in ihr befunden hätten. Eine Regierung mit der Deutichen Volkspartei und ohne die Sozialdemokratie kann auch keine andere auswänrge Politik treiben als eine solche mit der Sozialdeniokratte. Die Gegner der Unteizeichnung mögen un« entweder zeigen, wie e» gemach: werden soll. oder aber den Mund halten. Wenn man e« auf das Aeußerste ankommen läßt, so setzt«a» auf dio letzte Kart«, und wenn die nicht sticht, wa» dann? Wir sind damit einmal hereingefallen und müssen vorsichtig iein. Die deutsche Delegaston batte recht, ihre Unterichrist unter da» .Noblenabkoinmen zu o e r w e i g e r n da eS eine ungebeure Be- laüung der deutichen Bevölkerung war. fte hatte aber dann doch recht damit, daß sie unterschrieb unter dem äußer st en Zwaug und dem härtesten Druck. Ich tU deutscher crtd internationaler Sozialist halte e* sttr«eine Minister Simons im Kreuzfeuer. , den 27. Juli. heiltgst» Pflicht, hier Protest einzulegen gegen die M e-«ehr. Mr füvchten, daß Simons. Dr. Seinze.»ho de, nach der in Spa noch immer verhandelt will bei der Arbeiters heiligst» Pflicht, hier Protest einzulegen gegen die M e l h o d e, nach der in Spa noch immer verhandelt worden ist. iSehr richtig! bei den Gozialdemolraten.i Wenn dort Fach eine Tätigkeit ausgeübt hat die man ironisierend als .Dolmeticher-Tötigleit' bezeichnet hat, so verurteile ich sie genau io wie die gleichgertchtete Tärigkett de« Generals H o i s»i a n n in Brest-LitowSk.(Zurui LedebourS sU. Soz.): Das koinml ein bischen ipäl I) Wir haben Hofsinanns Tätigkeit in B r e st- LitowSk damals ebenso verurteilt, oerrennen Sie sich (nach links) doch nicht ganz und gar in Ihre Agitation.(Große Unruh« bei den U. Soz.! Wir wissen, daß die Gegner den Vertrag von VeriailleS ernst nehmen, aber wir verlangen von ihnen, daß sie ihn auch da ernst nehmen, loo er z u u n' e r e n G u n st e n spricht. Die Zumutung, wir sollten den Einmarsch als zu Recht erfolgend ansehen, verstößt wider das Völker- recht. Der Einmarsch wäre eine Vernichtung de« Friedens- Vertrages(lebhaste Zustimmung), eine Wiederaufnahme de« Krieges gegen ein wehrloses Land. Allerdings ist das der Krieg in seiner feigsten Form. In der Entwaffnung wie in der Kohlenfrage muß alle» getan werden, um die Bedingungen der Gegner zu erfüllen. Bei den Massen der Arbeiter werden Sie weiteste« Verständnis und Entgegegenkommen dabei finden fall« Sie diese? Entgegenkommen auch den Arbeitern gegenüber zeigen. All- Arbeit soll nur zum Nutzen und zum Wohle der Gesamtheit geleistet werden ohne Be- frtedigung des Machtstrebens einzelner. Dieie sittliche Forderung der Arbelterschaft wird heute zusammengefaßt in dem Schlagwort der S o z i a l i s i e r u n g. Es ist nur ein Schlagwort, weil man darunter die mechanische Anwendung bestimmter Grundsätze auf die lebendige Wirrschaft ver- stehen kann ohne Rückficht darauf, welchen Einfluß da» zunächst auf die Wirtschaft ausübt. Diese Art von Sozialifierung lehnen wir ab. Die andere Form bedeutet zielbewußte, überlegte An- Passung an die notwendige Entwicklung der kapitalistiichen Wirtschaft, die zum Sozialismus hinüberdrängt, eine Form der Sozialifierung, die in keinem Augenblick den ProduktionS- Prozeß stören kann. Dieser Sozialiiierung steuern w i r z u. In dieser Form betrachten wir die Sozialisiermig der Bergwerke als eine der dringenften Forderungen de« Tages gerade im Zusammenhang mit dem Kohlenabkommen. Ich habe über diese Dinge erst m den letzten Tagen mit dem englischen Arbeiterführer Ramsay Macdonald sprechen können, der mir zugestimmt hat. Wenn wir diese« Problem lösen, werde« dir Augen der Ardeiter der ganzen Welt gespannt auf das Ruhrrevier gerichtet sein. Auf diese Weise werden wir da« Ruhr- gebiet tmmunifieren. Wir werden dem französischen Prinzip des HochkopitaliZmus daS Prinzip deS Eozialimus gegen- überstellen.(Beisall links.) Simons hat m seiner gestrigen Rede der Sowjet-Re- gi« r u n g Wov» hoher Anerkennung gewidmet. Die Wirtschaft- lichen Ideen de» Sozialismus haben in Rußlarrd ein, ganz beson- der« Fdtm angenommen und eine besonder vclizioft Kraft er- halben. Aber der Weg Rußlands kann und darf nicht der Weg Demschland» sei«. Wir können und wollen nicht über Zer- störungen zu unseram Ziel schreiten. Bei ums ist schon viel zu viel zerstört worden.(Zusnummng.) Diese Auffassung da» Uwtcwtchi�ae zwischen. s pezifisch-russischem und w e st- europäisch--deutschem SggjaliSmuS reicht von uns bi» weit in die Reihen der Unabhängigen hinein. Fimon» hat mit«wer Bestimmtheit, die uns erfreut und b«- ruhigt bat, versprochen, daß Deutschland in den neuen Welt- Händeln unbedingt neutral bleibt. Es muß nicht bloß neutral bleiben wegen deS Zustandes der Ohmnacht, in welchem eS sich heute befindet, sondern auch aus sozialen Gründen, weil et weder dem Sozialismus in seiner russischen Form noch dem wesieuropäischen Hochkap«takiSmus ganz angehören kann. Deutschland ist Scheidewand oder Brücke �wffchen beiden, se nach den Umständen. Sntwetftr Scheide- wand zur Verhinderung eines zweiten Welt- kriege» oder Brücke, um die Völker wieder in friedlichen Berkehr miteinander zu bringen. Wir können nur als Neutrale und wo es sein kann, als Permtttler austreten. Ich bedauere, daß m Westeuropa noch so vielfach daS Ver- ständniS für diese Suff�be Deutschlands fehlt. DaS osteuropäische Problem kann nur gelöst werden durch einen Völkerbund, dem Deutschland al- Gleichberechtigter ange- hört. Nur so kann der jetzt durch einen neuen Weltkrieg be- drohte WeWvicden gewahrt werden. In Geiff werden wiederum Vertreter der deutschen Regierung wst Vertretern der bürgerlichen Regie»Mgen der Entente zusammentreffen. Ich will hoffen, daß die Zuversicht de« Ministers Dr. Simon» sich erfüllt.(Mrmfter Dr. Simons: Di« leise Hoffnung!) Wir gehen nach Genf zu« JNternationalen Sozialistenkongreß und zur Internationalen Bergarbeitcrkonferenz mit««r stärkeren Hoffnung. Wir hoffen, daß cS und gelingen wind, dort mstzuarbeiten an dem Neubau einer Welt, in der e» weder He rren noch Knechte in sozialer und nationaler Beziehung geben wind und in der auch Deutschland kein Pariavolk mehr sein wird. Wir gehen nach Gens, um zu werben und zu wirken für Weltfrieden und Weltfreiheit, für Demokratie und Sozialismus. (Lebhafter Beifall bei den Soz.) Abg. Dr. Nr eitscheid(U. Sdz.): *T)ex Minister Dr. Simon« sagt mit Reckr, daß der Friedens- vertrag noch gar nicht genügend nn deutschen Volke bekannt sei. Aber es hat»ch offenbar auch noch nicht einmal genügend herum- gesprochen, daß wir einen Krieg verloren und eine schwere mili- tärische Niederlage erlitten haben. Für Spa und Versailles tragen die Veoantwortung nicht die llruer zeichneten des Vertrages, sondern diejenigen, deren Politik unS notwen» dig erweise zu solchen Katastrophen füihren mußte.(Lärm rechts.) Auch wir sehen in dem VerbandlungSergebnis von Spa noch nicht den Absebluß der Dinge. Wir hoffen nickt wie Dr. Simons auf das Gericht der Weltgeschichte und nicht wie Herr Fehrenbach auf daS jstngste Gericht, sondern uns schwebst di« Revolution der Welt ver.(Lachen recht».) Mr erwarten«verng oder garnichtS von Lloyd George und Millerand. Sie bleiben immer nur die Sachverivoiter de? siegreichen Kapitalismus. Wir erwarten alles vom Erwacken der Arberterschaft.(Beittfll b. d. U.-Soz.) Der ReichSianzlcr ist in Spa leider dem guten Beispiel des Außenministers nicht gefolgt, sondern er hat nach unwidersprochenen Zeitungemeldungen den bolschewistischen Lappen euer- arsch geschwungen. Unser« Unterhändler hatten<Äs Material für die Snieeste«in GeneralstabSweri gegen die Arbeiterschaft, die Rore Armee und dee Mäoz Putsckff ein bejammernswertes Machwerk, hergestellt aus elendem Spitzelmaterial. Wir sieben dem EntcnteimperialtZmuS und Kapitalismus genau so ablehnend und feindlich gegenüber wie dem deutschen Kapitalismus.(Widerspruch recht».) Der Beweis nnrd a» liefert durch die lächerliche Perweige- rung dar Sinreifsarlaubni»»och Frankreich für meinen Freund Sedebonr. Wie wünsch« die»»Ü ständige BsfKtignn« dac Reich»- «ehr. Wir fürchten, daß man die Entwaffnung Zwar versuchen will bei der A r de i t e r s ch a f t, aber nicht auf den Pommer- sch e n und brandenburgischen Rittergütern, wo von Waffen der schäitdlichjt>/cdrauch gegen Friedensfreunde gemacht wird.(Lacken und Widerspruch recktS.) Wa» der französische Gesandte in Bayer» soll, daß weiß tveeer die Reichs- regierung noch die lxchnsche Regierung. Ich bin aber überzeugt, daß der zukünftige Hrtmann von Bayern, Herr Tr. Heim, (Hrffterkeit) uns sehr gut Auskunft g�ben könnte.(Alg. Tr. Heim erl?ebt sich und protestiert lebhaft.) Ich habe jeoeufallS zu Ihnen das unbedingte Vertrauen, daß Sie über die Absichten des franzö- fisch» Gesandten in München besser unterrichtet sind als die Reichsregierung und die bayerisch Regierung.(Sehr gut!) Wir sind mit der Neutralitätserklärung der Regierung ein. verstanden. Nicht einverstanden sind wir mit der Massierung von Truppen an der Ostgrenze unid mrt der Lerhängnng des Ausnahmezustandes an der Grenze Wir entbieten von dieser Stelle au? unfern Brüdern in Sowjet-Rußland unjern Gruß und Glückwunsch.(Lärm recht».) Das ist di« einzige Art deZ Krieges, für die wir Verständnis haben,(Lachen rechts) ein Krieg zur Verteidignung d-r revolutionären Errungenschaften.(ErneiiteS Lachen veckts.) Mr wollen, daß Deutschland baldmöglichst in die innigsten sreundschaft- lichen Bezie Hungen zu Rußland tritt. Ich hoffe aber, daß man aus den anerkenndcn Worten des Außenministers für die russischen Arbeitsmethoden nickt den Schluß ziehen wird, nun auch für Doutschland eine ÄrbeitSzeitverlängerung z u fordern. In Rußland liegen die Dinge doch ganz anders als hier. Hoffentlich ist der Minister in der Lage, seine gesunden Auffassungen über Rußland und Bei« Khun durchzusetzen, nifter seinen Kollsgen und auch gegen die Widerstände in feinem»ige- nen Ressort. Im Auswärtigen Aint gibt eS viele Persönlich- leiten, die die Ansicht des Ministers nicht teilen. Er wird stärker als sein Vorgänger sein müssen in der Anwendung de» eisernen Besens. Ich bin feit gestern um die Gesundheit deZ Ministers Simons einigerinaßen besorgt, in der„Deutschen Tages- zett-irno" und der.Deutschen Zeitung� ist seine Rede nämlich al» Katastrophe bezeichnet worden. Vielleicht unter dem Ein. druck dieser Zensur und gewisser freundlicher kollegialer Aus. einander setzungen, die ncnb meiner Kenntnis heute im Ka- binett stattgefunden baben, bat sick Herr Dr. Simons veranlaßt gesehen, beiwe einen mehr oder weniger geordneten Rückzug anzu- 'reten.(Heiterkeit.) Mr sind jetzt weniger besorgt um di« politijche Gesundheit de» Außenministers als darum, ab er in der Lag« ist, die praktischen Konsequenzen mtS seinen gestrigen Ausführungen zu ziehen. Seine heutigen Auslassungen über Stahlhelm und Pickelhaube beweisen: Der Stahlhelm schwebt unsichtbar über dieser Bank. Er ist daS Symbol auch der neuen bürgerlichen Re- gievung. Wenn auch der Minister in Spa an den Kommuneauf- stand erinnert und in unverhüllter Form die Entente aufgefordert bat, vorlommendensallS wohlwollend« Neutralität zu wahren, er ist trotz alledem ein Verräter an den heiligsten Gütern der Nation. Mit Herrn S t i n n e s bat es der Minister gründlich verdorben und ein StiuneS ist ein sehr mächtiger Mann. In dem Weihbuch sind gerade die Ste-llen aus der Stinnesrcde ausgelassen worden, di« am wichtigsten ivaren, in denen.Herr SftnneS die Entente mit voller Absicht provozierte und mit denen er die Stimmung der Franzosen und Engländer in der Kohlenfrage beträchtlich gegen uns verschlechtert hat. Wenn die Entente Vertreter trotzdem mit Herrn StinueS verhandelten, s« beweist das nur, daß die Kapffafiften bereit sind, sich über die Schützengräben hinweg auf dem Rücken der Arbeiterschaft ihrer Länder zu verständigen. Stumev trägt die Hanpwcraiiltwortunig für die schmachvolle Deportation der Belgier, für di« Zerstörung der belgischen Werke, für bis»rnze Amierionskampagne der Schwerindustrie. DaS hat man drtiben vergessen, weil man hoffte, jetzt mit Herrn StinueS gute Geschäfte zu machen. Ich möchte gern von Herrn«tinnes wissen, was«r vor Spa in WieS- baden mit Vertretern der Entente verhandelt hat. Er hat dort »ich mit Unrecht verbreitet, daß er der mächizste Mann Deutsch. land» sei. Ist es richtig, baß Herr Stinue? meitet der Entente gegenüber davon gesprochen hat, die Aicheiterschost stehe Hinter ihm? Ich möchte gern erfahren, was er in Brüssel mit Herrn Miller and verhandelt hat. Ist eS richtig, daß er bort über eine Verlängerung der Arbeitszeit der Arbeiter sich mit dem französischen Minister vcrstäiidigt hat und daß vereinbart wurde, die Ruhrbergmäuner mit Lebensmitteln zu versorgen, vor- ausgesetzt, daß Herr Stinnes da» Monopol für die Lieferung er. hält,(Hört, Hort! 6. d. U. Soz.— Lärm rechts.) Darf man weiter fragen, ob es nickt Herrn SftnneS im Grunde gleichgiiltia war. ob die Franzosen das Ruhrgöbiet besetzten oder nicht?(Pfuirufe bei'Mg. Dr. Kahl(D. Vp.). Er hat ba neulich im Reichswirt» fchastSrat erklärt, daß ihm die Bevormundung von Berlin so außerordentlich unsympathisch fei. Ich glaube, Herr StinueS hätte sich mit dem im Ruhvgeibiet kommandierenden franzö- fischen General viel besser einigen können.(Stürmische Pfuiruf« bei der Denrschon Volkspariei.— Abg. Dr. Kahl: Verleumdung!) Sie nennen das Verb.umdung. Ich halte aber meine Frage aufrecht. Lesen Sie die Reden nach, die.Herr DtmneS im ReichSwirtschaflSrat und tu Spa gehalten hat. Lesen Sie auch da» Interview, da» Herr Srinnes dem Herrn Sanierwein vom„Meftin" gewährt hat. Auf dessen Frage, ob Stimtc» wisse, daß seine.Haltung zum Abbruch der Vetchandlungen und zur Besetzung des RuhrgrbietS führen könnte, sagt« StiimcS: Das weiß ich, und ich Hab« es vorausgesehen! Wenn man so etwas vorausgesehen hat� dann zeigt sich doch, daß eS Herrn Stinncs mindestens gleichgültig war, ob dieses Stück deutschen Landes vom Feind besetzt wiick(Sehr richtig! links.) Jetzt werden die Bergarbeiter umschmeichelt und ihr Patriotismus gelobt. Man verspricht ihnew bessere Nahrung und bessere Wohnungen. Schlimm genug, daß man e r sl jetzt diese notwondigen Forderungen erfüllt, wo die gebieterische Forderung der Entente«S unbedingt notwendig macht. Herr SrinneS, der sich im Krieg durch Geschäft«, auf die wir in anderem Zusammenhang noch eingehen müssen, stark und gesund gemacht hat, hat eS jetzt leicht, sich al» Freund der Ärbsiter hinzustellen und zu verlangen, daß sie besser genährt werden sollen. Man sollt« sich jetzt i,i erster Linie nicht an die Leistung der Bergarbeiter wenden, sondern eine Verbesse- rung der Technik und der Betriebsweise im Berg- bau verlimgcn. Vor allem muß mit der Verschiebung der Kohlen ausgeräumt werden. Wir verlangen die Sozialisie. rung des.KchtlrnbsrybaueS und unterstützen praktisch di« Forde. runyen des rechtssozialistischen Redners, mit wundern wir un», daß die RechtSsozialffton nichts zur Durchsetzung dieser Forderungen getan haben, alle sie an der Macht waren.(Zuruf b. d. Soz.: Wann waren wir denn an der Macht?) Sie sollten wirklich rffcht so bescheiden sein. Sie haben die groß? Zukunft schon hinter sich. Wir glauben, daß mft der Sozialisierung auch die Leistungsfähig- keit der Bergarbeiter gesteigert wird, wenn diese wissen, daß sie ihre Mehrarbeit nicht mehr für' den � Profitz der St i ne»» Thyssen und Airdorff leisten. Sozialismus ist die vernümf- tize Organ fierung der Volkswirtschaft und die Ausschaltung de» Un'ernehmerprofitS. Der Sozialismus wind letzten Endes auch den Vertrag von Versailles revidieren und bis dahin sei tu Durch- führung erleichtern. Darin fällt unsere innere Politik zusammen mit der äußeren und darum können wir auch in diesem Augen- blick nicht der Regierung unser volle» vertrauen aussprechen. Da» Ergebnis mm Spa will ich n-icht rühmen und nicht verdammen (Schluß auf dar ll. Seite ds» HanptblattS.) f Theater.lichtspieie Staatl. Schauspielhaus. (Operetten-Gastspiel) jTüh?:1, Die Strobwitwe. Musik von Leo Blech. Graves SdiaisptelhaDS. 7Va: Lyslstrata(42. Abt., 4. A.) Do.7Va: Lysistrata(43.A, 4.A.) Dentsches Theater. Letzte 4 Auifiiiiryngen! «uhr: ffeibiHampeiinann Kammerspieie. Letzte 4 AGlliiiirunp! « uhr: Die Notbrücke Kleines Sclianspieiliäus, Fasanenstr. I(Nähe Bhf. Zoo). «uhrJiiclise depPanilora. ThsaterdesWestens Letzte 4 Paileniierg-Gastsp.! Gisela Werbezlrk: « u.: Rabenvater Ab Sonntag;Eiicni. Leutnant Schiller-Theater. Hans Wafimann: « uhr: Der ebem. Lentnant Ab Sonntag; Rabenvater. Theater 1. 4, KOmggrStzerStraße t/28 Uhr: Gcstendnls. Komidie�acs 8 Uhr: Pet�-KaineroBalüett. Berliner Theater t/>8 Ulv: Der letzte Walzer| Oie TrlbAne « wr: Bunbury. Kleines Theater. jv, uhr: Elise Leasing Komische«per i ijhr: Die Fraa im Dunkeln.! Lustspielhau� ufc Der ungetreue Eckehart1 Ketropol-Theater. uVl. Im weißen Röss'I Nene« Centrul.Theater uv? Die Dame im Prack. -\eues OpercttenkaiiN 7ü::llatural.-Pbantgst.ßaIlett Xeues Volkstheater uhr: Die 3 Zwillinge Thalia-Theater 7v. u.: Hoheit die Tänzerin. Th.amKuileudorfplutK a; Eine hebt im Paradies Theater i. d. Alt. Jakabstr. ü!': Die verschwimd, Pauline. Walhalla-Theater. 7/2 u= Kasemenlnft Residenz- Theater. Stadtbahn Jannowitzbrücke. Allabendlich 8 Uhr: Der grolle Erfolg! Die RascIMs Sonntag 4: Der gute Rnf, Trianon-fheater. Bahnhof Friedrichstraße. Allabendlich 8 Uhr; Der große Erfolg! Jülaskerade Sonntag 4 Uhr: Störenfried. Rose-Theater. 7'/. Uhr: Ein Walzertranm. Circus Busch Gebäude. Täglich 7'/2 Uhr: Gr. Spezialltät.-Vorst. Große Pantotnime. Volksbühne Theater am Bülowplatz. 7V2Uhr:Brnäer Martin Lesslng-Theater. Sommertspielaolt Allabendlich 8 Uhr: espolieKonsiaaliii D.Glas dJungtran Deutsches Kiinstier-Tbeater s uhr: Klubleute mit Max Adalbert« in Scmmertb.CßGSS-BERLiH| (Kliem) Hasenheide 15- Täglicn 8 Uhr: Prinz«.Bettlerin Schwesterstück von Krone und Fessel. An.V.: Die neuen bpezialil.| Theater am Kottbuser Tor. Sitte-Sänger Nur noch bis 31. 7. Täglich Wj ühr. »Gastspiel d. Original- Leipy.lgep Fritz- w- der- Säug er« Sonnt, ri. 1.8. Wieder- anftret d. beliebt. Elite-Säiqer. M Tieate K ReicbsbalL-Theater Täglich 7'/, Uhr: Währ. b. Serien b 6trtt. Sänger Variete-Vorst. und Burleske Ab l.s.20 wieber udnho.f-Brettl) 9lnf. e'/.U. /_6onnt�l� Harten u. Saal i Winter- Garten Tätlich 7.15 Uhr; Variete-Spielplan Rauchen gestattet! /■Kens Welt!8� "Arnold Scholz Hasenheide .Mittwoch, den 28. Juli; IV. Gr. Erntefest Kinderbelustigung.: Sackhüpfen, Topfschlag., Wettlaufen, Fackelzug, Marionetten-Theater, Großer Erntefestzug, außerdem Konz., Vorstellg. u. Ball. 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Sine vom BewerkschaftS» kartell einberufene Versammlung der VemauenSleme der Be- triebSrätekurse und Vertretern der Gewerkschaflivorstände beschäfiigte srch mit dem Thema.Betriebsrätekurse und Arbeilerakademie". SS kam zu einer AuSspracke im zustimmenden Sinne in den für den Ausbau beider DildisngSziele verlangten Grundzügen. ES wurde eine SntfchlieBong angenommen, in der unter anderem die bevorstehende Errichtung einer Arbeiterakademie alch«ine dringenoe Notwendigkeit für den geistigen Ausstieg der Ar" beiterklajse begrützt wurde. Genügen$6 proz. öer Stimmen nickt? Paris, 27. Juli.(HavaS.) Die Botschaftertonfc- re nz beschäftigt« sich gestern mit der Frage von Alle»stein und Marienwerdar, sie hat einen Ausschuß von Rechtsaelehr- ten damit beauftragt, eine- Entwurf über die Ddrhnahmen vorzu- logen, die infolge der Äbft'inmung notwendig werden. Die Ver» schiedung vou Besatzung Struppen m dieser Gegend ist e i n g e st e l l t. Wozu ein»Ausschuß von NochtSgelcbrton" noch iwiwondig sein sollte nach dem überwältigenden deutschen Zl b st> m m u n g S s i e g vom 11. Juli ist nicht recht ersichtlich. Denn das Ergebnis ein. umgekehrtes gewesen wäre, hätte die Botschasterkonferenz ihre Entscheidung zugunsten Polens schon längst getrosten, ohne viel selbst herumzudoktern oder durch.RcchrSgelohrtc" herumdoktern zu lassen. Das Schicksal öer Kolonialöeutschen. lieber die Aulassung von Deutschen und die B e» Handlung des deutschen Eigentum» in den unter eng- lischer Verwaltung stehenden Teilen der ehemaligen Schutzgebiete Dcutsch-Ostafrika. Samenin und Togo liegt jetzt, wie WTB. meldet. ein« Auskunft der englischen Regierung vor. I» O st a s r i k a sollen danach olle noch im Lande verbliebenen Deutschen üeimgeschafft mtd künstig, wenigstens für eine gewisse Zeit, keinem Deutschen die Niederlassung in dem Lande gestattet werden. Di« Bewilligung von Ausnahme», sür die der englische Administrator in Daresialam zuständig ist. soll nur in ganz besonderen Fällen erfolgen. Alle deutschen Besitztümer in Ostafrila werden liquidiert, ihr Ankauf durch Deutsche wird nicht ge st attet. In den britischen Teilen von Kamerun und Togo, in denen sich keine Deutschen mehr befinden, wirb, abgesehen von Ausnahmefällen, Deutschen«oeniall» die Erlaubnis zur Niederlassung nicht erteilt. Da« deutsche Eigentum soll enteignet und verkaust werden. Zugunsten einzelner Personen, die aus beionderen Gründen ein« besondere Bebandlung verdienen, tonnen Ausnahmen hiervon mit Genehmigung de« StaatSielretärS für die Kolonien gemacht werden. Für die AuSnahmebewilligungen ist hin- sichtlich Kamerun« der Gouverneur von Nigeria, hiujichtlich TogoS der Gouverneur der Goldlüste zuständig. Italienilck-albanisches Abkommen. Giolitti hält sein Wort. Zvailand, 27. Juli. Die.P o p o l o d'Jtalia" erfährt, ist das italienisch- al dänische Abkommen geschlosien wor- dem. DaS unterzeichnete Abkommen umfaßt folgende Punkte: Italien überläßt Valona an Albanien. Die Stadt wird unter die divekle Herrschaft der Regierung von Tirana gestellt. Italien wird sich nicht mehr i.n die Zivilverwaltung von Välona einmischen, welche einzig dem Vertvetcr der albanischen Regierung übertragen wird. Für seine militari- sch« Sicherheit erhält Italien die Insel S a s e n o, aus der es alle für seine maritime und militärische Sicherheit notwendigen Arbeiten vornehmen kann. Alkinien willigt ferner darin ein, daß Italien die Punta Linguetta und die Punta de trc Porti vor?lrte beseht und befestigt. Auf diese Weise wird Jmlien den Hasen und die Stodt Valona militärisch b«. herrschen._ Selfasts Slutbilanz. Amsterdam, 27. Juli., Ichrenbach für Simons. (Schluß aus der Beilage.) Abg. Dr. Breitscheid(U. Soz.) sortfabrewd: Die ganze An und Weise, wie man dort unsere Forderungen durch- setzen wollte, kann nicht unsere Zustimmung finden. Wir können deshalb einem etwa veabsichngwii Vertranensvotum nickt zustimmen. Wir wissen ja nicht einmal, ob die Regierung olles tun wird, um das Mißtrauen der Entente oeoen die deutsche Politik ab- zuschwächrn. Nach der heutigen Erklärung des Ministers Simon? werden wir morgen in den Pavifer Z.:itungeti lesen: Selü! Selbst dieser vernünftig evsclrciucnde Mann ist genötigt,. sich unter das Joch der Militaristen zu beugen. Nur der«ozia- l ismuS führt zum Frieden.(Lebhaster Beifall V. d. U. Soz.) teichsminister Simons: Beim Verlassen des parlamentarischen Ausschusses für aus- wärtige Ange. egenheilen sagte Herr Hu« zu mir: Nehmen Sie sich in Acht, daß Sie nickt noch einmal der Außen- minister der Unabhängigen werden. Der Abge- ordnete Brenscheid hat soeben den Trennungsstrich zwischen meinen Anschauungen und den snnigen außerordentlich scharf gezogen. Ferner Hai er einen Gegensatz zwischen dem Reichskanzler und mir wegen des Bolschewismus zu konstruieren versucht. Der Reichskanzler Hai von Bolschewismus nichi als Prinzip gesprochen. sondern nur von der W äffe n ni acht, die sich unfern Grenzen nähert. Ferner hatte Breitscheid angedeutet, daß in Spa gewisses Material über die Niederwerfiing der revolutionären Bestrebun» gen in Deutschland der Entente zur Kenntnis gegeben worden sei.(Abg. B r e i t s ch e i d: Nein, nicht zur Kenntnis ge- geb'n. sondern der Reichskanzler Hai seine Stellungnahme darauf gestützt!) Weder von mir noch vom Reichskanzler ist irgendwelche? Material der Entente zur Verfügung gestellt worden, t Zuruf: Das machen nur die Unabhängigen!— Unruhe bei den U. Soz.) Im Auswärtigen Amt tut jeder sein Bestes, um dem Vaterlande zu dienen. Wenn irgendeine Instanz eine andere Politik treiben würde, die ich nicht äür richtig balte(Zuruf Adolf H o s s m a n n s: Dann sind Sie draußen!— Große Heiterkeit), dann nehme ich dagegen Stellung, oder ich bin nicht mebr da. Ich habe mich nach meinem Amt N'cht gedrängt und hänge nicht asi ihm. Herr Breilscheid hat ferner einige Bemerkungen von mir falsch ausgelegt. Ich habe nur gesagt, daß die Frage, ob die Schwierigkeiten der Entwaffnung des Heeres innerhalb sechs Monaten noch so auf uns laste» werden wie jetzt, heute nicht beantwortet werden könne. Ferner habe ich nicht gesagt, cS werde jetzt in München mit der Entente über die Aufrechierhal- tung der Einwohnerwehr verhandelt, sondern nur, die Anwesen- heit eines französischen Gesandten werde möglicherweise in per- sönlichen Besprechungen dazu führen, die große Spannung in Süddeutschland wegen der Auflösung ver Einwohnerw-hr etwa? zu lösen. Wenn Herr Breiische'd unsere Neutralität billigt, so muß er es auch billigen, daß wir unsere Grenze berteidigen. Die Russen mögen sich hüten, Qstproussen al« Fieustpfond für unsere Neutralität zu nehmen. Sie würden eine harte Nuß zu beißen haben, wenn sie Deutschland zwingen, an der Seite der Entente in den Krieg zu ziehen. Aus die beute vor- mittag eingegangene amtlich« Bestätiglina, daß der in Mar- bürg angehaltene Zug Kriegsmaterial enthalten habe, ist ange- ordnet worden, daß der Zug» � wlebcr nach Koblenz zurückgeleitet wird.,(Beifall.) Ich habe mich nur verpsüchtet gefühlt, den Angriff gegen den ReichSwehrminlster richtig zu stellen, von einem Rückzug kann keine Rede sein. Ich habe die Mackitmittel der Entente nicht zur Niederschlagung innerer Revolten angerufen. Ich habe nur gesagt, daß die franzö- fische Regierung uns gezeigt hätte, wie man Rebellionen nieder- werfe, sie solle uns also auch die Truppen lassen, um das selbst bei uns tun zu können. Ich werde immer dafür sorgen, daß die Regierung die in ibrer Hand befindlichen Waffen zum Nieder- schlagen solcher Revolten mit aller Kraft und aller Macht an- wende:.(Lcbhasier Beifall.) Herr S t i n n c s hat vieles von den Dingen b e i s e r v e r st a n d e n als die Herren Breit- scheid und Stampfer.(Zustimmung rechts.) Ich kenne kaum einen Menschen, der von dem Geldc, das er verdient, so wenig hat wie er. Es erscheint mir nicht fair, daß man An- grissc wiedergibt, aber nicht die Verteidigung des Angegriffenen. Die Ausführungen des Herrn Breitscheid sind mir ans Herz ge- gangen. Wir wollen doch endlich aufhören, uns darüber immer wieder vor dem?kus!andc zu zanken. Es isr vi«' wichtiger, den Blick dahin zu richten, wie'' wir so schnell wie möglich au» dem � internationalen Uebeistand wieder herauskommen. Dazu wüssen i wir einig sein. Nicht der Sieg des Bolschewismus bringt das ! Heil. Er ist innerlich zum Teil schon erledigr.(Wiltrspruch t■; i den 11. Soz.) Er ist nur eine frejsend'e Flamme. k:e alles verzehrt, was sie emtchi.(Zuruf Ädols HossmannZ(11. Soi.: Sie verwechseln ihn mit dem M i l i t a r i s in u s!— Heiterten.) Das einzige, was wir ihr entgegenstellen müssen, ist(Zurufe der >soz.: Der Sozialismus!) der richtig aufgefaßte SoZiali-inus. Ick verstehe darunter die A r b e i t s g e in e i ii f ck a f I zwi'.y.>i> Arbeitern und Arbeitgebern.(Lachen links.— Beifall her Mit!«.)' Abg. Dw. Svahn(Ztr.): Cpa bildet keinen Wendepunkt in der europäischen Ge schichte, aber es zeigt uns und der ganzen Welt d» Härte des Bersailler Friedens, die wir nun zu fühlen beginne�. Die Lage Dcirtschlands ist noch verschlechtert worden um Rr» Wert der Garantien, die tzie Alliierten für den Versaille? Vertrag hinzugefügt haben. Die Delegation hat ihr möglichstes getan. Wir sind ihr zu Tank verpslichici. , Abg. Tr. Hoctzsch(Dnot. Vp.): Dr. Simons wird sick nicht wundern, wenn leine Rede von unserer Seite die schärfste Ablehnung erfährt.(Lebhaftetz Beifall rechts.) Sie bat nickt nur Entrüstung und Ernst ausgelöst� sondern- sogar Trauer und Empörung. Die Aeußerungen des W.rb» ichailsmirr srers deuten nickt auf Solidarität de» Kabinetts, fori» dem auä erhebliche Differenzen.(Sebr richtig! rechts. 1 Die amtliche Berichterstattung über Spa ist in inizzlaubtichcr Wesse! erfolgt. Die Reden von Struncs und Hue haben ganz htzstinimtl keinen Schaden anger'chtet. Das deutsche Volk sieht jeden Versuch der Entente, in das Ruhrgcbiet einzumarschieren, als Bnick deS Vötkermhis an.. Da mußte man die Uenterfchrift ver» weigern.(Ztistimmung rechts.) Wir glauben an die technische Erfüllbarkeit der EutwaisnungSbestimmungen schlechterdings nicht. Die bolschewistische Gefahr ist für ganz Europa einte schwer« Bedrohung. Das Kotstcnabkomm«, halten wir ebenfalls für uncr* füllbar. Tie Vereinigten Staaten können sich wegen der Präsi» deiitschaftschanipagiie mit der internationalen Politik nicht be- schäfsigen. Für ihre großen Humanitären Besttnimungen sind\v" Sncn Tank schuldig. Frankreich versucht die Hegemon' über Deutschland an sich zu reißen. Politische Beziehungen zur Sowjetregierung lehnen wir durchaus ab. Wir wollen einen Wiederaufbau, der einen'ta'-k-u d' tischen Machtstaat schafft.(Lei- hcrster Beifall iecht. Hnndekl.stschen auf den Tribünen) Präsiden! Liilie: Tie Tribünen dürfen sich an den Kund- gebungrn nicht beisiligem, widrigenfalls muß ich sie räumen lassen. Neichskonzler Fchrenbnch: .Der Vorredner bat gefprock'.en, als ab wir nicht den 27. Fun 1020, sondern den 27. Juli>011 hätten. Wir konnten in Spa nicht ganz einfach unseren Millen durchsetzen. Der Vorredner hat an dem Außenminister scharfe Kritik geübt. Dieter hat ganz einlach als nüchterner und ehrlicher Mann gesprochen und die Lag« so geschildert, wie sie ist.(Lebhafte Zustimmung.) Sprechen Tis 'zur Rechten 1 nicht immer vom Glauben an die Zukunft, sondern handeln Sie danach. Das Parlament muß dem Außenmin il-r dafür dankbar seine daß er alle Dinge mit gerader llngo- schminktheit zum Gegenstand der Erörterung gemacht hat. Seine Darlegungen haben seine Vertrautheit mit dem VöAerrecht und eine solide, gründliche und. nüchtern« Auffassung der«uro» päifchen Sachlage ergeben.(Lebhafte Zustimmung.) Hoetzfch haÄ uns Mangel an nationaler Würde vorgsworfm. Das sind Redensarten. ULehhafte Zustimmung.) Das gleiche g l: von seiner Wendung in„Mangel an nationaler Festigkeit". Wenu wir uns so verhalten hätte-n, wie der Vorredner wollte, dann hätten wir einfach Deutschland zugrunde gerichtet. Denn der Einmarsch in das Rirhrgebiet war keine leere Drohung. Bei gutem Willen der Gesaintbevölierung läßt sich auch die Entmaffnung in der vorgeschoutbenen Zeit ausführe". > Unsere Lage in der Kohlenfrag- ist allerdings recht kritisch. B n Anspannung aller Kräfte muß uns aber gelingen, auch das sck'e bar Unmögliche mczstich zu machon. Wir glauben die Berant-m- tugg für die Unterschrift übe cnehmen zu können. Wenn der Bot- redn.'r und seine Freunde i» Genf verhandeln würden, dr n' würde ihm die Erkenntnis kommen, daß wie nicht Angehörige eines starken Volkes sind, sondern Angehörige eines geschlagenen Volkes. Wir müssen uns damit begnügen, als Gleiche mit Gleichen verhandeln zu können.(Beifall.) Danach wird die Aussprache abgebrochen.— Der Nc'nuslimt und die Kohlensleuervorlage gehen cm den Ausschuß. Pkirstnoch 1 Uhr Weiter beraiimg. Interpellation über die polnischen lieber- Grifte. Schluß 8 Uhr. Wivtffiaft Die neuen patentamtlichen Gebühren. Mit Gültigkeit vom 23. Juni 192t) sind solgende neuen Ge- bühren in Kraft getreten: die Patentanmeldung....... das erste Pcnemjahr....... die Beschwerde gegen Zurückweisung der Parentanmetdung....... den Ntcktigkeit«- oder Zurücknahme- oder Zwangslizenzanlrag.... 7. den Einspruch.......... die Berufung.......... die GebrauchSmusteronmeldung.... das 4. bis 6. Jahr des GevrauchSmuster« die Warenzeichen- Anmeldung..... die Anmeldung eines LerbantSzetcheni. die Erneuerung deS Warenzeichens.. die Erneuerung des Verbandszeichens'. die Beschwerde gegen Zurückweisung der Anmeldung......... den Widerspruch gegen Eintragung eines Warenzeichens........ den Antrag auf Lölung eine« Warenzeichen«........... u. a. m._ Die Grosischlächtermeister. Auf daS.Eingesandt' in Nr. 352 des.Vorwärts� vom 15. Juli erhatten wir folgende Entgegnung: Tie Brohsckläckter-Genosienschasl Berlin zäblt über 300 Mit- glieder, von denen jedoch nur ztrta 200 auf dem Schlachthofe als Aufsichtspersonen bei den Schlachtungen bzw. bei der Ausfahrt de« FleiicheS und der Flerfchwaren zur Ber- sorgung der Berliner Bevölkerung tätig find. Ihre Tätigkeit ist bei den hohen Werten, um die e» sich handelt, und hei den fach- msinnischen Schlackinngen usw unbedingt erforderlich. Es kommen nämlich durchschnittlich täglich drei Millionen Mark, an Werten in Frage. Jeder Wagen bat— jc nach Größe— für 70— 8� 000 M. Ware geladen, für die der minahrtnde Meisler zunächst v e r s ö n- lt ch baklbar ist und letz'en Ende» die Benosienschast für alle ent» stehenden Verlust« zu basten bat. wie auch die Schlachthaus« ««ist«» für den Wert der vou ihn«» behaudekiea und auszugebenden Werte ebenfalls die persönliche Verantwortung tragen bzw. die Genossenschaft autzukommen bat. Bemerkenswert ist hierbei, daß ieinerzeii, als die Transpvrtlolonne eingerichler wurde, damit eine große Zahl von Arbeiknehmern mebr beschäfligi werden konnten, die Vertreter der Arbeitnebmer auf ausdrückliche Anfrage des behördlichen Vertreter», wer die Verantwortung für die Warenmengen übernehmen wolle, ibrerscils diese ablehnte«. Es mußte damals für jeden Wagen ein Meister als Aufs ich» mit voller Verantwortung einge- stellt w e r d e n. Wenn hervorgehoben wird, daß die Meister leine p r o d u k- live Arbeir leisten, io icheinen die Einsender den mit den Arbeit- nehmern vereinbarten Tnrisve.trag in diesem Falle nicht kennen zu wollen, da dessen Paragraph 0 die Aussicht führenden Meister ausdrücklich zwingt, sich jeder produk- tiven Arbeit zu entbalteu. Die Meister unserer Genossenschaft besosten keinesfalls die Konstimenten, weil ihre Tätigkeit in keiner Weise zu entbehren ist und erhalten tü: ihre Tätigkeit die, ohne die Verantwortlichkeit zu rechnen, oftmals die Leistungen der Arbeitnehmer an Zeitdauer iebr Übersteigt, genau die gleiche Entlohnung wie die Arbeit- nehnier sie erhalten. Der am Schlüsse de«.Eingesandt' den Stadt» verordneten erteilte Rat betr. des kleinen Nutzens beim großes Umsätze ist also heute schon zur Tatlache geworden. Rhelnische Metallwiiren und Maschinenfabrik A.-G.(Rheinmetall). Die außerordentliche Gencralveriär.imliing beschloß die Äapiiat?- erböhling um 18.45 Mill. M. und die Aufnahme einer Hhpolhetar- anleihe von.18 Millionen Mark. Bezüglich der Anleihe teilte die Verwaltung mit, daß man vor Abschlüssen in bedeuten- den Objekten stehe, deren Realisierung eventuell einen erheblich Höberen Wert, als die Verwaltung beanichlagt hat, in Anisirnch nehmen tvürdc. Die Versammlung beschloß, eine 4Vg Prozentige, zum Kurie von 103 zurückzuzahlende Anleihe auszugeben, lieber die Lage de» Unternebmens teilt die Verwaltung mit, daß der AuttragSbestand sebr groß sei. Bor allen Dingen babe die Abteilung für Eisenbahnmaicrialien überreiche Aufträge zu erledigen, worunter auch die Reichsregierung, sürmehrer« hundert Millionen Mark Bestellungen hätte. Die Lage tn den neuen Abteilungen seien nicht so gleich günstig. Man hoffe aber, auch diese mit der Zeit aus die gleiche Höhe zu bringen. Neu in den AufsichtSrat wurden gewählt Bankdireltor BürhauS van der Filiale der Deuticken Bank in Düsseldorf und Bankier Raigen vom Bankhaus Delbrück, Tckickler u. Co.(Die Umstellung dieses Massenbetriebes auf FriedenSeubeft scheint also erfolgreich durchgeführt worden zu sein.) GewerMastsbewegung Um 55 Pfennig! Die Vorgänge in der AngestelltenversichernugSanstalt, worüber wir wiederkolt berichteten, rufen ein Prozeßverfahren in Er- innerung. über das vor eimger Zeit die„Kölnische Zeitung* Mitteilung machte. Da in den wiederholten Abhandlungen im „Vorwärts* auch davon die Rede war, daß die Berwaltungs- organisation in der Angestelltenversicherungsanstalt an Haupt und Gliedern der Umänderung bedarf, erscheint es uns am Platze, die in dem rfieinnchen Blatt auf das Prozeßverfahren bezugnehmende veröffemlichte Zuschrift hier wiederzugeben: sie lautet:. „In Ihrem Artikel in Nr. 4SI vom 20. Mai„Beseitigung der Angeftelltenversicherung?" wird auf die fortgesetzt unverbält- nismäßig steigenden Kosten der Angestelltenversicherung hin- gewiesen. Diese Vermehrung der Unkosten ist vielleicht nicht in den sachlichen Verhältnissen selbst begründet, ich möchte vielmehr annehmen, daß Fehler m der Leitung vorliegen, die die Steige- rnng verursachen. Dafür habe ich zwei Anhaltspunkte. Ich habe einige Zeit vor dem Kriege von der Reichsversicherungsanstalt für Angestellte ein Hypothekenkapital von 48 000 M. erhallen. Die Zinsen sandte ick regelmäßig rechtzeitig ein, bald durch Postscheck tonio, bald durch eine Bank usw. Dadurch entstanden in einzelnen Fällen kleine Ueberweisungsunkosten, in anderen Fällen nicht. Einmal schrieb mir die Anstalt, ich hätte zu wenig gezahlt, in anderen Fällen, ich hätte zu viel gezahlt, dann wieder, als ich glaubte. ihrer Änweiiung entsprechend verfahren zu sein, ich hätte zu wenjg gezahlt. Die kleinen Psennigdisterenzen wollte ich dann ausschalte». Durch meine Ueberlasiung mit Arbeit im Ansang des Krieges zog sich die Prüfung hin, ob die nachgeforderten 7ö Pf., die die Anstalt später auf 56 Pi. ermäßigt«, zu Recht verlangt würden. Da setzte mir die Anstalt eine Frist und drahte, mir, indem. sie sich auf die Darlsbnsurkunde stützte, mir Fälligkeirserklärung des Kapitals. Ich versäumte die Frist und zahlte die 55 Pf. erst nach deren Ablauf ein. Die Aiistall schlug aber den angedrohte» Weg ein, forderte da? Darlehen zurück und leitete, als ich Zahlung nicht leistete, die Zwangsversteigerung meines Houies, auf dem die Hypothek lastete, ciii. Das Verfahren wurde, da ich inzwiichen ins Feld gerückt war, vom Gericht ausgesetzt, nach meiner späteren Entlassung aber von der Annalt wieder betrieben. Jr.solgedesieii war ich genötigt. Klage gegen die Zwangsversteigerung meines Hauses zu erheben. Nachdem die Anstalt in zwei Instanzen den Prozeß verloren hatte, beliikinte sie sich bei dem Ergebnis. Sie halte also wegen der zu späten Zahlung von 55 Pf. einen Prozeß hcrauibeschworen, bei dem die Konen nach einem Objekt von 48 000 M. berechnet waren. Die Kosten, die die Anstalt zu tragen halte, beliesen sich daher auf oder� über 2000 M.! Es bedarf wobl keiner Ausführung, daß auch die größte staatliche Anstalt sachlich nicht geboten verfährt. wenn sie wegen verspäteter Zahlung von Ptennigberrägen'ihrem Schuldner einen Prozeß aufnötigt, bei dem für sie das Kostenrisiko mehrere tausend Mark beträgt.* Die Forderung der Angestellten, daß in der Leitung der An- gestelltenversicherungsanstalt möglichst bald ein Wechsel eintreten möge, wird durch obige Darstellung nur gestützt. Die Tatsache, daß um 55 Pfennig ein Prozeß ongestrerzpt wird, der Tau sende Von M a r k koster, erklärt zum Teil das geradezu engstirnige und jeder Neuerung abholde Verhalten der Direktion gegenüber den Reich-versichcrungsangestelllen. Achtung, S.-p.-v.»öetriebsräte. Diese Woche finden Fraktionssitzungen statt und zwar: Mittwoch 5 Uhr: Lindenstr. 3, IL Hof, 4 Tr.. Jugendheim. Gruppe Textil- und Bekleidungsindustrie. Donnerstag 5 Uhr: Musikersäle, Kaiser-Wilh'elm-Str. 8t. Gruppe Chemische Industrie. F.re itag 5 Uhr: Musikersäle, Kaiser-Wilhelm-Stratze 31. Gruppe Kommunale und Staatsbehörden. Freitag 5 Uhr: Jugendheim, Lindenstr. 3, IL Hof, 4 Ttz. Gruppe Nahrungs- und Genußmittel-Jnduustrie. S.-P.-D.-Sekretariat, In den Zelten 23. Tel.: Hansa 1424/25. Zur Abstimmung über die F-rage des Vorsitzes für den Schlichtungsausschust Groft-Berlin. Laut Beschluß der Versammlung der gemäß ß 15 Abs. 4 der Verordnung vom 23. 12. 18 ständigen Beisitzer sämtlicher ordent« kichen Spruchkammer« de« SchlichtungsauSschusieS Groß-Serlm vom 16. Juli 1930 ist die Abstimmung über die Frage des vorfitze» auf Domierstag, den 5. August, nachmittag« 4 Uhr, im großen Saale des Hotel„Nordischer Hof*, Berlin X. 4. Jnvalidenstr. 126, vertagt worden. ES wird gebeten, an der Abstimmung persönlich teilzunehmen, im Behinderungsfalle einen Stellvertreter, der bei dem SchlichtungS- ausichuß Groß-Berlin als Beisitzer eingetragen ist, mit der Ver- tretung zu belrauen. Die an die ständigen Beisitzer gesandten Einladungen dienen als Legitimation und find bei Einzeichnung in die ausliegende Anwesenheitsliste vorzuzeigen._ Die Rechtsvcrhältnisie der Hausangestellten sollen demnächst für das Reich einheitlich neu geregelt werden. Die hierzu notwendigen Vorarbeiten des ReichSarbeitsmimsteriumS find, wie von zuständiger Stelle mitgeteilt wird, bereits wesentlich fort- geschritten. Die Vorlage eines entsprechenden Gesetzentwurfs wird nach Möglichkeit beschleunigt, lieber die wichtigsten Fragen des neuen HauSdienstrechts werden in nächster Zeit im Reichsarbeils- Ministerium Besprechungen mit den Vertretern der beteiligten Arbeitgeber- und Arbeitnehmerverbände stattfinden. Die AuSgestal- tung de« Rechtes der Hausangestellten im neuzeitlichen Geiste soll zur Hebung dieses für HauS und Familie wichtigen Standes bei- tragen und dadurch im Interesse der Arbeitgeber und Arbeitnehmer den Zugang zu diesem Berufe fördern. Zterband der Fabrikarbeiter. Donnerstag, den??. Juli, abends d'H Uhr. im Lokal von Krüger, Engebner 13: Wichtige Sitzung der Ber- träuensleute der Seiiemndwtrie. Funktionärkarte ilegitimiert.— Donnerstag, den 29. Juli, abends 5 Uhr, im GewerbchaitshauS, Enzelufer 15, Saal 11: Veriammlung aller in den Sauertohlkabriken und tSurkenemlegcreien be- ichästigten Kollegen und Kollegmnen. Tagesordnung: Unsere Tarif- benjegung zum Herbst. Zentralverband der Angestellten. Fachgruppe!«(Reiths und Staalsangestelltei: Mitgliederversammlung am 29. Juli, 7 Uhr, Dresdener Kasino, Dresdener Str. 96: Unfere Stellung zum Reichstarif.— Fachgruppe 12(Angestellte im Hoch- und Tielbau und Kohlengewerbe): Mit- gliederverfommlung am 29 Juli 7 Uhr, Schultheiß-AuStchank, Alte Jakob- straße 24/25: Der wirttchaftliche Zusammenbruch und die Entlohnung der Angestellten.— Vollvcr>ammlung der jugendlichen B ertrauenS- l e u t e am 27. Juli, 7'/, Uhr, Verbandsbureau, Belleallianccstr. 7—10. Verband der Sattler. Davezierer nud Portefeniller. Donnerstag. den 29. Juli, abends 7 Ubr: Generalversammlung im„Deulichen Hos", Luikauer Str. 15. Tagesordnung u. a.: Wahlen: b) Stichwahl zwischen Eichen und Minn als Mitglied zum Zentralvorftand, b) Wabl von vier Revisoren für die Hauptverwaltung, c) Wabl von sechs Mitgliedern zum Kuratorium des paritätischen Arbeitsnachweises.: Freitag, den 6. August, nachm. 5 Uhr, Generaloer- ammlung, Schultheiß. Reue Jakobftc. 24/25. Bund der technischen Angeftellte» und Beamte». OrtSgruvpe Wilmersdorf. Donnerstag, den 29. Juli, abends?'/, Uhr. tm Nestau- rant Küdne, WtlmerSdort, Ecke Merseburger und Mannheimer Straße (Paretzer Platz): Sitzung sämtlicher Borstandsmitglieder, BezukS- und Sc- triebSoertrauensleute. Deutscher TrqnSportarbeiter-Verband. Branche Bretter- träger: Donnerstag, den 29. Juli, abends 7 Uhr, im Königstadt-Kgsmo, Holzmarktftr. 72, Branchenoersammlung. Wichtige Tagesordnung. Verband der Buch- und Strindruchere«- Hilfsarbeiter und .arbeiteriunen. Heute 5 Uhr, Bockbrauerei, Fidicinstr. 2— 3: Mitglieder- Versammlung._, Soziales. Ei» dunkles Kapitel. 'Der Ortsausschuß der Gewerkschaften in Guben hat kürzlich eine Erhebung über die Lage der Rrutenenipsänger veranstaltet, von welcher 222 Personen erfaßt sind, und zwar 16 Unfall-, 18 Alters-, 5 Witwen- und 183 Invalidenrentner, davon 165 männ- lichen und 57 weiblichen Geschlechts. Dem Alter nach waren unter 50 Iahren 13, zwischen 50 bis 60 Jahren 13, zwischen 60 bis 70 Iahren 76, zwifchrn 70 bis 80 Fahren 101, über 80 Jahre 19. Die Renten bewegen sich in der Mehrzahl zwischen 20 bis 40 M. monatlich, wobei die eingetretenen Erhöhungen schon be- rücksichtigt sind. Bei einem kleineu Teil tritt nelben der Rente noch eine Erhöknrng des Einkommens ein durch ein« Zufatzrente. wie be, ehemaligen Eifenbakmbediensteten, in 5 Fällen ein« Kriegs- elternrent«, in 13 Fällen Beteranenbeihils«. Auffällig gering ist die Zahl der Armen-zeldempfängtt. nur in 18 Fällen erkennt die Gemeinde ihre Pflicht zur Erhaltung der Arbeitsunfähigen an. Das Gesamtsiinkommen stellt sich bei 66 Invalidenrenten- «mvsängern auf 30 bis 50 M., bei 52 auf 50 bis 80 M., bei 34 auf 80 bis 100 M.. bei 18 auf 100 bis 150 M., bei 13 auf über 150 M. pro Monat, im Durchschnitt aus 70 M. Betrachtet man die verheirateten Fnvalidenrcntner gesondert, so wird das Bild noch trüber; 101 Haushalle sollen sich nnt einem Gesamteinkommen von durchschnittlich 42 M. pro Monat und Kops, pro Tag etwa 1,40 M., behelfen. Das höhere Gesamteinkommen der oberen Stuten entsteht lediglich durch den Arbeitsverdienst der Frau, der Durchschnitt wird dadurch günstiger, als er in Wirklichkeit liegk. Da das Lesen einer. Zeitung für diese Aennfteu.ein Luxus ge- wöxden ist, mußten qllzcmem. wichtige Angslogttchetten durch Weitersagen von Mund zu Mund bekannlgegeöcn werden. Diesen Verelendeten ganz Deutschlands Mutz besser als visber geholfen werden. Hier darf es nicht heißen, es sind keine Mittel vorhanden. Die Gegenwart ist verpslichlet, die Mittel aufzubringen, um den nicht mehr arbeitsfähigen Geiellschastsgliedern das Leben zu er- möglichen. Wenn in der Kraukenverstcherung Grundlöhne und Beiträge auf entspreckeude Höhe gcbrachr werden konnten, so urüistn auch die Beiträge zur Alters- und Invalidenversicherung so weil erhöht werden, daß den Rentenempfängern wenigstens einigermaßen auspichende Renten gezahlt werden können. GerichtsZeitung. Wege» Betruges hatte sich der städtische-Steuererheber Wilhelm Schröder vor der Ferienstrafkammer des Landgerichts l zu verantworten. Der Angeklagte.war im März v. F. durch seine Tätigkeit mit dem Schubinachermeiiter Rose bekannt geworden. Als dieser ibm eines Tages erzählte, daß er seine ganzen Erspar- nisse in Kriegsanleihe..angelegt habe und er nun Befürchtungen habe, daß der Kurs dieser Oapiere immer mehr sinken würde, kam Schröder auf den Gedanken, die Kriegsanleihe durch falsche Vorspiegelungen an sich zu bringen. Einige Tage später erzählte er dem R., er habe einen Oberleulnant Köhler aus dem Kriegs- Ministerium kennengelernt, welcher die Kriegsanleihe für bestimmte Zwecke zun, Ne-nnwerie in Zahlung nehme. Ter Angeklagte ver-, stand dies so glaubhaft zu erklären, daß sich Rose verleiten ließ, ibu für 35 000 Mk. Kriegsanleihe, seine ganzen Ersparnisse, auszu- händigen.— Die Geschichte von dem„Lberleutnant Köhler" er- wies sich später als Schwindel, Rote hat keinen Pfennig von seinem Gelds wiedergesehen.— Mit Rücksicht auf das Gutachten des Sani- tälsrats Dr. Friedr. L e p p m a n n, der eine erhebliche geistige Minderwertigkeit bei dem Angeklagten festgestellt habe, erkannte das Gericht nur auf 6 Monate Gefängnis. Sriefkaften der Redaktion. getzee Ali den Briefkasten bestimmten Anfrage füge man«inen Buckstatzen und eine Nummer bei. Brieflich« Ausküiist wieb nicht erteilt. Eilige An- kragen trage man in der Juristischen Sprechstunde. Lindenstr. 3. 1. Los var- lerr, link«, vor. Echriftstlicke und Terrrage stn» mitzubringen. Neurredbin 75. 1—3. Nein. Anspruch aus Urlaub besteht nur. wenn ein solcher mit dem Arbeitgeber vereinbart ist oder der Tarifvertrag einen solchen vorsieht.— W. 47. 1. n. 2. Nein. 3. Ja. 4. Nichts.— t G. F. 1910. ISN.— D. ft. 50. Der Kurs ist Maßgebend— ».«. Die Satzungen der-Genossenschaft miisten darüber AuStunkt gehen. — Betriebsrat LS. 9«. Fa. er ist gem Udert worden. Treffen Barlohn und Raturalbezüge zusammen und übersteigt der Wert der letzteren die eriteren, so beschränkt sich der Abzug aus insgesamt 29 Proz. des Ba,- lohn«.- P. v. W. 74. BiS 31. 12. 1920.— ZOsähr. Abonnent. 1. Die Anwartschaft lebt nach Zurücklegung einer neuen Bartezeit von 299 Wochen wieder auf 2. Ja.— B. 7«. 1, Nein. 2. Ja. 3. Anhali- straße 6, Öranienitr. 83, Burgstr. 27.— P. El 13. 1. Nein. 2. Ja. 4Ö. H. 10. Richten Sie einen Antrag an das ReichSsinanzminffterinm in Berlin.— A, H. 05.. Sie baben Anspruch aus Wochenbilse. Im übrigen wollen Sie sich an den Armenkommisstonsvorsteher wenden.— R. Z-((. 1. Nein. 2. Ii. 3. Ja.— Meeresstille 45. 1. Magistrat. 2 In. 3. n. 7. Rein. 4 u. 5. Richtet sich Nach den getroffenen Verembarungen. Jß. Zunr Quartalsschluß mit sechswöchentlicher Frist. 8. Musikakademie. 9. Wenden Sie sich an den BezirkSverband Groß-Berlin, in den Zelten 23.— Schneider. Cdarlottenburg. 1. u. 2. Ja.— O. B. 17. 1. Ja. 2. New.— Erich 97. Ja.— Sch. 20. 1. AIS Empfängniszeit gilt die Zeit vom tSl. bis 392. Tage vor der Geburt des KmdeS. 2. Nein, es'ei denn, daß die Vaterschaft in einer öffentlichen Urkunde anerkannt woi den ist. WctteranSsichten für da» mittlere Rorddeutschlaud bis Donnerstag mittag. Vielfach bester und am Tage mäßig warm, aber noch veränderlich und im Norden, besonders an der Küste, verschiedentlich leichte Regenschauer. Verantw. für den redatt. T-il: Dr. Derner Pelser, Charlottenburg: für Anzeigen: Tb. Glocke, Berlin. Verlag: Vorwürts-Berlag(8. m. b. H., Berlin. Druck: Vor- wärtS-Buchdruckerei«.'VerlagSaaftalt Paul Singer u. Co., Berlin. Lindenstr. 3. $ irr in 1__ Ariieiter-fiaugeissenselialtÄilier Berlin mEb6H «eschästsstelle Bohnsdorf bei Grünau i. d. M. BvreauzeN außer Donnerstag von 9—11 Uhr vorm., Donnerstag von 15—8 Uhr nachm. Montag von Z—7 Uhr in Berlin, Lauscher Str. 25, bei Laaser. jrcitog, den 30. Zoll 1920, abends 6 Uhr. ttn Gew-rtschaff-h«»»,«ngelnfee 15; iS. oMlidie denenilDeclaniinlaiig. Tageso 1 Seschästsbericht: Borlegung Berlustrechnung. 2. Bericht der Revisoren und fl T agesordnung: der Bilanz nebst Gewinn- Genehmigung der Bilanz, sowie Uber die Berteilung des Gew'nnes oder s) des Vorstandes; d) Grsaßwahlen zum Auf- Beschlußsassung Verluste-,, ?. Ncumadirn: sichtsrat. 4. Antrage des Vorstandes: a) ErhShung des Eintrittsgeldes; d> die Verzinsung der Epareinlagen von 4% aus 3'/,«/„ herabzusetzen; c) die Haftsumme beziehungsweise den Se- ichäftsanteil auf 300 M. zu erbdhen. ö, Statutenänderung.«. Verschiedenes. Ohne Mitgliedsbuch kein Einlaß. 13918 Ver vorstand: S. Dorner. P. Schiffte. G. Pfeiffer. LsNensteinleiüenäe! Seilung ohne Operatto», schmerzlos!> tstssned ch Co� Essen, Kolstrrhansrr Str. 44. Miftintt* k Urteile bis ewschl. Freitag, den 30 Zu«, bx Tla)tltttsi. Berlm W,«örnerstr. 12 I, persönlich taste». lose Auskunst von 9 bis 7 Uhr. 3 Min.-vom Patsb. Bahnhoi, umergrundbahnhaltestelle Bülowftraße. Teleph.: Lützow 27m. In tStunde beseft. Sie unt Garant. jede K-äufe-piage u. Flöhe f. Brut(Niff.) 7>ei Menschen u. jed. 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