Nr. 235 Erscheint täglich außer Montags. Preis pränumerando: Vierteljährlich 3,30 Mart, monatlich 1,10 Mt., wöchentlich 28 Pfg. fret in's Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags: Nummer mit tlluftr. Sonntags- Betlage ,, Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 8,30mt. pro Quartal. Unter Kreuzband: Deutschland u. Defterreich Ungarn 2 Mt., für das übrige Ausland 3 Mt.pr.Monat. Eingetr. in der Post- Zeitungs- Preisliste für 1894 unter Nr. 6919. Vorwärts 11. Jahrg. Infertions- Gebühr beträgt für die fünfgespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pfg., für Vereins- und Versammlungs- Anzeigen 20 Pfg. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr Nachmittags in ber Expedition abgegeben werden. Die Erpedition ist an Wochens tagen bis 7 Uhr Abends, an Sonna und Festtagen bis 9 Uhr Vor mittags geöffnet. Fernsprecher: Amt 1, Nr. 1508. Telegramm- Adresse: Sezialdemokrat Berlin Berliner Bolksblatt. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: SW. 19, Beuth- Straße 2. Dienstag, den 9. Oktober 1894. Expedition: SW. 19, 33euth- Straße 3. Arbeiter! Parteigenossen! Trinkt kein boykottirtes Bier! Zum Attentat auf die deutschen Landarbeiter, herigen landesgefeßlichen Gesindeordnungen fernerhin anzuwenden sind, und in wie weit das neugeplante Reichsgesetz Blat greift. Das Wesen eines jeden Gesindeverhältnisses ist darin das wir vor Kurzem( in Nr. 228) im Anschluß an einen diesbezüglichen Aufsatz des Genossen Dr. Quard im„ Sozial- gefunden worden, daß einmal das Gesinde seine Dienste diesbezüglichen Aufsatz des Genossen Dr. Quarck im Sozial- einem bestimmten Hauswesen widmet, und daß weiterhin politischen Zentralblatt" besprochen haben, erhalten wir ber Gesindevertrag die volle Arbeitskraft des Gefindes für jetzt eine Berichtigung" des Rechtsanwalts Suchsland in die Herrschaft in Anspruch nimmt. Halle a. S. Dieser Herr wurde bereits vom Genossen 4. Unrichtig ist, daß in der Begründung, wie der Artikel Dr. Quard als Urheber des fraglichen Gesezentwurfes, der behauptet, stände, formelle Bedenten hätten obgewaltet, bekanntlich mit einer Empfehlung des Deutschen Land- als man die Gesinde- Ordnung in die Regelung herüber wirthschaftsraths jetzt beim Bundesrath liegt, genannt. Wir fügten, wie es scheint irrthümlich, hinzu, daß Rechts- genommen habe." Vielmehr steht darüber wörtlich Folgendes anwalt Suchsland mit dem Vorsitzenden des Bundes in der Begründung des Geseßentwurfs: Der vorliegende Gesezentwurf soll lediglich ein Spezialder Landwirthe identisch ist. Dies scheint nicht gesetz sein. Ebenso wie die Gewerbe- Ordnung die speziellen richtig zu sein. Von anderer Seite uns Verhältnisse der Industrie zusammenfaßt, soll durch dieses geschrieben, daß Herr Suchsland wahrscheinlich mit dem Gesetz eine einheitliche Regelung für das Deutsche Reich, durch die Chikanirung von Sozialisten und Prozeßsucht für das Arbeiterrecht der Landwirthschaft ins Auge gefaßt be- rühmten ehemaligen Wurzener Gemeindebeamten Suchs- werden. land identisch sein soll. Wir mögen uns nun in der Person des Herrn Suchsland geirrt haben, aber in der Kritik seines Gefeßentwurfes behalten wir Recht, trotz der langen Be richtigung die uns zugeht, und die wir hier zum Abdruck bringen: bestimmt. Hieraus folgt, daß die alten Gesinde- Ordnungen völlig in Kraft bleiben sollen. 6. Unrichtig ist, daß nach dem fraglichen Gesezentwurf die Ortsbehörden unter einander die Angaben über ab- und anziehende Landarbeiter austauschen sollen, wie sie die Strafregister über Verurtheilte führen. Vielmehr lauten die Bestimmungen des Gesetzentwurfes wörtlich folgendermaßen: Die Ortsbehörden sind verpflichtet, die Anfragen über den Anfenthalt von Personen innerhalb ihres Gemeindebezirks mit möglichster Bestimmtheit eventuell nach stattgehabter Nachfrage, spätestens binnen drei Tagen zu beantworten, sofern der Grund der Anfrage angegeben ist. Die Behörden, welche die Listen der Krankenkassen führen, müssen der Ortsbehörde darüber Auskunft geben, wo und bei wem der Arbeiter in Arbeit steht. Kommt der Arbeiter aus einem anderen Landbezirk, so muß die Ortsbehörde des neuen Arbeitsverhältnisses von Amtswegen der Ortsbehörde des früheren Arbeitsverhält nisses vom jezigen Aufenthalte des Arbeiters Nachricht sichtlich außer Betracht. Einmal würde dies den Umfang Die Regelung der Gesindeverhältnisse bleibt dabei ab- geben. der Arbeit erheblich vermehren und die Schwierigkeiten, die wie der Artikel behauptet, vorgeschrieben werde, daß das 7. Unrichtig ist, daß in dem fraglichen Gesezentwurf, dem Gesetz sich bei seiner Verwirklichung in den Weg Arbeitsbuch die Personalien und den Lebenslauf stellen werden, in völlig unnöthiger Weise, vielleicht sogar des Arbeiters lückenlos verzeichne. Vielmehr soll das ,, 1. Unrichtig ist die Behauptung, daß den fraglichen von an sich befreundeter Seite, vergrößern. Zwar ergiebt Arbeitsbuch lediglich enthalten, einen zeitlichen Vers Gesezentwurf, welchen- der gedachte Artikel bespricht, der sich ein näheres Studium der mannigfaltigen Gefindejetige Direktor des Bundes der Landwirthe aus- Ordnungen, wie sie im Deutschen Reiche bestehen, daß gearbeitet habe. Der Verfasser des angegriffenen der Inhalt derselben in den wesentlichen Punkten überGesetzentwurfs ist vielmehr der Einsender dieser Berich- einstimmt und deshalb eine einheitliche gesetzliche Regelung, igung. die ein einheitliches formelles Recht auch auf diesem Ge2. Unrichtig ist, daß der angegriffene Gesetzentwurf biete schaffen würde, keineswegs unmöglich ist. Nichtsdestojorgfältig geheim gehalten worden sei. Vielmehr ist der weniger würden vermuthlich bei dieser Materie partitufelbe im Buchhandel bereits erschienen, und können Sie den laristische Anschauungen mit Zähigkeit festgehalten werden. selben von der Verlagsbuchhandlung F. Telge, Berlin SW. 61, Deshalb erscheint es richtiger, diese Rechtsmaterie im Einin beliebiger Anzahl beziehen. zelnen außer Betracht zu lassen. 3. Unrichtig ist die Behauptung, daß in dem Gesetzentwurf verlangt werde, daß der ganze Körper" des Gefindes jederzeit zur ausschließlichen Verfügung" der Herr schaft stehe. Dies ist ein Verlangen, das der Artikelschreiber aus seiner eigenen Phantasie geschöpft hat. Viel mehr steht wörtlich in dem fraglichen Gesezentwurf Folgendes: mert über den Eintritt in das Arbeitsverhältniß, einen zeitlichen Vermerk über den Abschluß des Vertrages, über den Austritt aus dem Arbeitsverhältniß und einen Vermerk der Behörden über die zeitliche Auflösung des Arbeitsverhältnisses. Der Rechtsanwalt. Suchsland." Ein seltsames Gemisch von Scham vor der eigenen, so unvermuthet an die Deffentlichkeit gezogenen That, die 5. Unrichtig ist, daß der mehrgenannte Gesezentwurf sich in nutzlosen Bemäntelungsversuchen äußert und advo anstrebe, mehr von dem Gesinde zu verlangen als die bis- tatorische Wortklauberei, die beim Volke nur komisch wirken herigen Gesinde Ordnungen, insbesondere daß die Be- kann! Eine Anwandlung von Scham hat zunächst die ftimmungen der 1844er Gesinde- Ordnung für die Rhein- Ziffer 3 diktirt. Hier zitirt unser neuer Herr Mitarbeiter provinz gelindere Bestimmungen enthalte, als der fragliche wohl die, Begründung", wohlweislich nicht den Wortlaut seines Gesetzentwurf. Gesetzes. In letzterem heißt es aber ausdrücklich, daß das Bielmehr steht in dem fraglichen Gesezentwurf wörtlich Gesinde seine ganze Arbeitskraft der Dienstherrschaft z u Der§ 9 enthält die Begriffsbestimmung des Gesindes. folgendes: jeber Beit... zur ausschließlichen Verfügung Da das Gesinde nicht unter das geplante Gesetz fallen soll, Der nähere Ausbau dieses Rechtsverhältnisses( nämlich stellen" soll. Es ist ja recht erfreulich, daß man auf jener so ist es nöthig eine feste Begriffsbestimmung aufzustellen, des Gesindeverhältnisses) wird im übrigen durch den besonderen Seite diese Ungeheuerlichkeit als dasjenige erkennt, was sie Damit Klarheit besteht, auf welche Personen die bis- Inhalt einer jeden einzelnen landesgeseßlichen Gesindeordnung ist; aber unser Sch I uß aus jener Gesetzesstelle, daß damit Feuilleton. " auf die schmählichste Weise durch eine jener unsauberen Hand schenkt, anstatt einer strengen Bestrafung des An Manifestationen, welche man Zivilbegräbnisse nennt, be- geklagten, seine Freilassung bewirken kann. Also wie 7 schimpft. Der Mensch, welchen man auf solche Weise in man auch die Sache wendet, alles geht gut und ich werde die Erde scharrte, wie einen Hund, war, wie unsere Leser Gesandtschafts- Attaché." Erinnerungen eines Kommunarden. erraten werben, ein aus dem Bagno entſprungener ReWeißt Du, daß das eine glückliche Eingebung war, die dieser Journalist da gehabt hat?" " Man hat ihm ganz leise geholfen," warf Lucien mit einem Anflug von Dünkel ein. " Wie, mein Sohn, Du wärst es, welcher--?" " Ich wollte es Ihnen verbergen Mama; aber Ihre Scharfsicht hat meine Bescheidenheit durchschaut und es bleibt mir nichts übrig, als es einzugestehen." " Mein Sohn, Du wirst ein Talleyrand sein!" " Liebe Mutter," erwiderte der Baron, sich in die Brust publikaner, welcher direkt aus Cayenne tam, wie man verAus dem Französischen von Jakob Audorf.. fichert. Die aufrührerischen Reden, der Ruf zu den Waffen, Die Mutter eines Diplomaten. Drohungen, alles mit Blut und Feuer zu verwüsten, wurden Welcher Standal! Welche Schande für unsere Familie, nicht gespart. Ein junges Mädchen, welches anwesend war, wenn Du nicht da gewesen wärest, ihren Ruf zu retten! man weiß nicht, weshalb, fiel bei Anhörung dieser Reden Und gezwungen zu sein, eine solche Fluth von Schmähreden in Ohnmacht, Reden, welche allen ehrbaren Leuten die Haare anhören und einer solchen Aufwiegelei beiwohnen zu müssen? zu Berge steigen machten. Es geschah gewiß auch nur für Dich, Lucien, und um Man erzählt, daß ein junger Mann aus guter Familie, Deinen Traum des Glückes nicht ganz unmöglich zu machen. verführt durch Freunde und Bekannte, sich ernstlich komO, diefer Jacques! Hat man jemals dergleichen erlebt?! promittirt hat. Er war, so sagt man, betrunken. So werfend, ich erinnere mich immer des tiefsinnigen Wortes, Ich glaube das Kind ist durch die Amme ver wenigstens schüßen die Bekannten vor, welche troftlos über welches Pascal über die Jesuiten ausgesprochen hat:" Sie tauscht worden. Ich erkenne mein Blut nicht wieder, einen solchen Standal find. Aber man wird Mühe haben, sprechen wenig, schreiben nicht und intriguiren viel." das Blut der Meylan, welche niemals etwas zu thun das Auge der Gerechtigkeit zu täuschen, welches immer um in jetziger Beit sich vorwärts zu bringen, darf hatten mit dem Aufruhr, der Anarchie, Plünderung, Mord." wachsam die Feinde der Gesellschaft bedroht" man sich nicht blosstellen, weder in Worten noch in Mäßigen Sie sich, theure Mama," unterbrach Achtung, das Ende ist ausgezeichnet, mein Ehrenwort! Thaten; man muß nur die mehr oder weniger vers falbungsvoll der Baron den Redeſtrom der Empörten, es„ Einige Verhaftungen ohne Bedeutung wurden vor- borgenen Triebfedern kennen, mit denen man die ist noch nicht alles so hoffnungslos und vielleicht können genommen." Menschen in Bewegung sett. Um Erfolge zu erringen, wir noch vieles wieder gut machen." Ah! diese Redakteure, das find Leute," rief meine heißt es nicht mehr mit Dante: Nur Kühnheit! Wohl Wie das, mein Sohn?" stieß Madame Meylan leb- Mutter aus, welcher Schwung, welche gerechte Ent- aber: Verstellung, noch einmal Verstellung und immer Verhaft hervor, vor Begierde sich aus ihrem Sessel, in dem sie rüstung!" stellung!" lang ausgestreckt lag, emporrichtend. Begreifen Sie jetzt, daß wir gerettet sind und das Mit diesem Schlußeffekt verließ der Baron seine würdige Der Baron holte aus seiner Tasche eines der Blätter, Kapitol ersteigen werden?" Mutter, welche ganz geblendet, stolz ihrem geliebten Sohne Aber wie das?" welche Leute von Ehre höchstens mit einer Zange anfassen, nachschaute, eines der Journale, welche ihr Dasein durch ihre geistige" Sehr einfach. Infolge dieses Artikels wird Jacques Prostitution fristen. Er entfaltete das Blatt langsam und verfolgt und verurtheilt werden. Dann bin ich eines Nebenmit einer Wichtigkeit, als wenn er ein Gebetbuch öffuete, buhlers entledigt." begann er: Aber Sylvia liebt Jacques?" " " Am nächsten Tage, als unsere Aufregung etwas gelegt und ich Sylvia nach einem kurzen Spaziergange wieder in ihr Hotel begleitet hatte, fand ich es für nöthig, eine ernste Unterredung mit meiner Mutter zu halten und lenkte meine " Ergößen Sie sich, liebe Mama, indem Sie diese" Sylvia ist noch ein Kind und die Liebe junger Schritte in die Rue Turenne au Marais, in welchem ausgezeichnete Stelle anhören und Sie werden mir Mädchen beruht hauptsächlich auf hingebende Aufopferung. ernſten ſchweigsamen Viertel meine nächsten Verwandten", fagen, ob der Inhalt nicht gediegen ist. Die Echos von So wird sie auch den Gegenstand ihrer Liebe opfern, wenn wie man sagt, eine ihren Verhältnissen nach fein einBaris" schreiben:" Heute wurde das Gewissen des Publikums man ihr zu verstehen giebt, daß ich, wenn sie mir ihre gerichtete Wohnung inne hatten. In der Straße begegnete " auch das jus primae noctis der Herren Gutsbesitzer beim Gesinde gedeckt sei, enthüllt doch nur die ausschweifenden „Phantasien" gewisser Agrariergehirne, nichts weiter. In Ziffer 4 halt der juristische Helfershelfer der Agrarier darauf, unsere Aeußerung über die formellen Schwierig- leiten, die angeblich einer einheitlichen Revision der Gesinde- Ordnungen entgegenstehen, durch«in ausführliches Zitat ans seiner Begründung zu bestätigen; dagegen haben wir natürlich nichts einzuwenden. Ziffer ö zeigt, daß Herr Suchsland unseren Artikel in Nr. 223 nicht recht verstanden hat. Wir schrieben, daß die in K 3 des agrarischen Gefetzentwurfes enthaltene Definition des Gesindes, deren sich ja Herr Suchsland auch jetzt schämt, da er vermeidet, sie zu zitiren, noch weiter gehe, als z. B. die rheinische Gesinde-Ordnung von 1844, die noch Rücksicht auf die Körperkräfte des Gesindes nimmt. Da Herr Suchsland diesen Hinweis nicht verstanden zu haben scheint, so trifft seine Bemerkung die Sache nicht.'Was Ziffer 6 betrifft, so setzen wir einfach eine Prämie für Denjenigen aus, der zwischen der Führung der Strafregister über Verurtheilte durch die Gemeindebehörde und dem von Herrn Snchsland jetzt selbst ausführlich geschilderten Vorschlag seines � Gesetzentwurfes im Effekt einen Unterschied nachweist. Ziffer 7 erklärt sich wohl daraus, daß Herr Suchsland zu wenig Kenntniß von den praktischen Arbetterverhältniffen hat. Da das Leben des Arbeiters eben im ruhelosen Wandern von einer Arbeitsstelle zur anderen besteht, so bedeutet die regelmäßige Verzeichnung dieser Arbeitsstellen die lückenlose Aufzeichnung dcS Lebenslaufes des Arbeiters. Manche Genoffen wollten bisher gar nicht glauben, daß die Agrarier indem bis vor kurzem so unbekannt gebliebenen Gesetzentwurf sich so offen ausgedrückt hätten. Wir freuen uns deshalb über jdie Bestätigung durch Herrn Suchsland. Hoffentlich ist die Drnckausgabe des Gesetzes, die so lange noch nicht vorliegen kann, recht billig. Dann empfehlen wir sie nochmals als beste Agitationsschrift für das Land. Armer Casimir! Paris, 5. Oktober 1Sg4. Casimir Perier ist in diesem Augenblick der geärgertste Bourgeois von Frankreich. Er soll Thränen vergossen haben, als er seine Ernennung zum Präsidenten erfuhr. Boshafte Spötter behauptete», er habe über das traurige Ende Carnot's geweint. Welcher Schwindel! Ist es glaublich, daß in dieser Welt des Kapitalismus sich ein Erbe findet, der den Verstorbenen bedauert, welcher das Geld ver- zehrte oder das Amt besetzt hielt, das er selber, seit zum Vernunft- aller gekommen, für sich ersehnte? Easimir Perier war ein zu guter Kapitalist, um sich über einen Todesfall zu grämen, der für ihn ein Glücksfall war. Er begleitete den Leichnam seines Vor- gängers gewissenhast bis auf den Kirchhof, um sich su überzeugen, daß er auch wirklich unter die Erde kam und nicht als Banko verkleidet wieder zurückkommen und bei dem Bankelt des Elise«*) einen Platz beanspruchen könnte. Der Anfang ist bekanntlich die schönste Zeit für die Neu- vermählten; er scheint es auch für die Präsidenten, Könige und Kaiser zu sein. Während der Flitterwochen seiner Präsident- schaft schwamm Casimir in einem Meer von Wonne, das ihn die einfachsten Vorsichtsmaßregeln vergessen ließ, welche nöthig waren, um Frankreich seine kostbare Persönlichkeit zu erhalten. Er ging zu Fuß aus seiner Privatwohnung in das Elusie, und er wagte sich in einen Krämerladen, wo er für das Töchterchcn eines Gärtners eine Schreipuppe kaufte. Es ist wahr, er annte das Sprichwort:— no bis In iäern— zweimal geschieht nicht das Gleiche; und er war überzeugt, daß ihm die Auarchisten «ine Galgensrist gewähren würden, eheste wieder einem Präsidenten zu Leibe gingen. Aber die Zeitungen des Elysee waren begeistert und standen wie verzückt da vor soviel Muth und Einfachheit. Die Bewunderung war so mittheilsam, daß sie einen alten Oberst mit Namen Casimir aus seiner dunklen Zurückgezogenheil hervor- treten ließ, der seine Ernennung zum Präsidenten der Republik erwartete, um der Welt zu verkünden, daß er der Tapferste der Tapferen im Krieg von 1870/71 gewesen.") Das Lobeslonzert ') Elysöe— das Elysinm: Name des Palastes, in dem die Präsidenten der französischen Republik wohnen. ") Casimir diente einige Wochen im Krieg 1870/71; daraus wurde eine ganze Legende gemacht. war allgemein. Casimir war der Ritter ohne Furcht und Tadel. der St. Georg des Kapitalismus; er war ein Adonis. an Schönheit; die Damen fanden ihn liebens- würdig, die Untergebenen leutselig; er hatte die Beredt- samkeit Mirabeau's, die politische Tiefe Macchiavelli's, die unerschütterlich« Thatkrast seines Großvaters u. s. w. Und er war Erz-Millionär— wohlgemerkt! denn das ist die Haupt« fache, Erz-Millionär! Casimir war der Phönix von einem Präsidenten! In ihm war der ermordet« Prästdent wieder aufgelebt, verjüngt, ver- schönt, hundertfach stärker. Wohl brachten die Sozialisten häßliche Mißtöne in dieses schöne Konzert der Anbetung, aber sie haben nichts zu bedeuten, und man müßte verrückt sein, wollte man sich um ihr Gelnurre kümmern. Casimir war berau,cht� er dünkte sich König und Kaiser, und sprach davon, an seinem Hofe nur echte Adelige und bankfähige Millionäre zu empfangen. Er war so groß, daß nichts mehr für ihn paßt: er ließ den Bahnhof in Pont-snr-Seine erweitern, wo er seine Tuilerien hat: es wurde ein besonderer Eingang für Seine Majestät hergerichtet; und wenn Er sich in sein Schloß begab, wurden Ihm Teppiche gelegt, damit Seine majestätischen Füße nicht mit dcm plebejischen Straßenschmutz, in dem Arbeiterschiveiß steckt, in Berührung kämen. Casimir bildete sich ein, dieses paradiesische Glück werde ewig dauern. Aber die Flitterwochen waren bald vorüber. Der Mensch hat leider nur wenige der edlen Eigenschaften des Hundes, dafür hat er desto mehr Eigenschaften des Schweins: er liebt es im Schmutze herumzuwühlen. Mit einem Eiier, der gegen jeden Ekel gefeit machte, ging man daran, den Misthaufen der Familie Perier umzuwendcu und zu durchsuchen; man zog das Andenken eines Bruders von Casimir aus der Vergessenheit hervor— eines lüderlichen Offiziers, der das Geld zum Fenster hinauswarf, und dessen die Familie sich entledigte, indem sie ihn nach Südamerika schickte, um am gelben Fieber zu sterben.— dessen Schulde» zu bezahle» sie jedoch hartnäckig ver- weigerte, damit die Familien-Millionen nicht angegriffen würden. Vom Sohne kletterte man hinauf bis zum Großvater: dem „berühmten Mann" der Dynastie Casimir— und man entkleidete ihn der Poesie. Die Legende erzählte, er hätte sich den Tod beim Besuch von Cholerakranken geholt.�) Die Wahrheit ist festgestellt worden: aus Angst hat Casimir der Erste die Cholera bekommen, die den braven Äürgerkönig Louis Philippe von seinem unausstehlichen Minister befreite. Er war das hervorragendste Mitglied der „Schwarzen Bande"(bamle noire) gewesen— einer Diebes- gesellschaft, ivelche die Adligen ihrer Landgüter beraubte, Wucher im Großen trieb und wahrend der Kontinentalsperre Schmuggel im Großen. So hatte der Gründer der Castmir-Dynastie seine Reichthümer zufammengestohlen und als Minister der Orleans- Monarchie hatte er sich der Annexion von Belgien widersetzt, damit die Steinkohlengniben von Möns und Charleroi(Belgien) nicht den Steinkohlengruben von Anzin, deren Hauplaktionär er war, Konkurrenz machten. Die farblose und nichtssagende politische Vergangenheit unseres Casimir konnte keine so glänzenden Entdeckungen bieten. Jndeß vernahm man doch, daß er zur Bande der Panamisten gehört und als Zeuge mit seiner Ehrenhaftigkeit Baihaut gedeckt Gatte, der von einem Journalisten beschuldigt worden war, seine öffentliche Stellung zu Schachergeschäften zu benutzen. Der Schriftsteller, von so ehrenwerthen Leuten wie Perier denunzirt, wurde vom Tribunal wegen Verleumdung eines Ministers auf drei Monate ins Gefängniß geschickt. Zwei Jahre später waren die Gerichte gezwungen, denselben Baihaut zu verurthcilen, weil er 300 000 Fr. Panamagelder eingesteckt hatte. Andere Zeile», andere Urtheile. Wenn das Sprüchwort Recht hat, das sagt: Gleich und Gleich gesellt sich gern, so muß Casimir mit all' den edlen Eigenschaften seines Großvaters geziert sein. Die Karrikatur bemächtigte sich des pomadisirten und ge- ölten Präsidentenkopfs, der auf einen langen bis zum Brustbein entblößte» Hals gepflanzt ist. Ein Journalist folgte dem Casimir in seine Garderobe, wie JaqneS Clement, der Heinrich III. von Frankreich auf seinem Nachtsiuhl ermordete, und' schlug ihn mit demBeinamen: der Hartleib. DieserDolchstjchwarso schmerzhaft, daß Casimir den unglücklichen Geschichtsschreiber setner Gedärme zu einem Monat Gefängniß und 1000 Fr. Buße verurtheilen ließ. Nach- dem man so in die Gehennnisse seines innersten Lebens eingedrungen war, schien es ganz angezeigt, daß man sich auch mit de» LebenS- gewohuheiten der Frau Präsidentin ein wenig beschäftigte, die, eine würdige Enkelin des Juden Moselmann, mit grausam un- erbitllichcr"Sparsamkeit wirthschaftet. Man erzählt sich, daß sie jeden Abend Punkt zehn Uhr höchsteigenhändig das Gas in den ') Casimir Perier, der berüchtigte Minister LouiZ Philipp«'?, starb an der Cholera. Küchen auslöscht. Sie schont ihren Wein so, daß sie dreihundert und einigen Bürgermeistern und anderen einflußreichen Personen, die ihr Mann in Pont-sur-Seine zur Förderung der Kandidatur seines Schützlings Robert eingeladen hatte, nur 30 Flaschen Cham- pagner vorsetzte. Bevor man sich für Casimir's Gedärme interessirte, hatte man sich mit seinem Herzen beschäftigt; und man versicherte, daß sein Muth der ersten Tage dahingeschmolzen sei, wie der Schnee vor dem Südwind. Er geh« nur inmitten eines Schwarmes von Polizei- Agenten aus und habe Pont-sur-Seine mit Spitzeln bevölkert— zur großen Entrüstung der Einwohner, die nicht an den Umgang mit solch unsauberen Individuen gewöhnt seien. Bei der letzten Revue hat er sich aus Furcht vor einem Zwischenfall in einer hochrädrigen, von Kürassieren dicht umschlossenen Kalesche un- sichtbar gehalten; und erst dann hat er eingewilligt, Chateaudun zu betreten, nachdem man die Straßen von Menschen geräumt und mit Polizisten angefüllt hatte. Man wirft ihm bitter vor, daß er die Bergleute von Anzin, die ihm Millionen verdienen, nicht mit der gleichen Sorg- samkeit gegen die nur zu wirklichen schlagenden Wetter schützt, wie er sich selber gegen eingebildete Gefahren schützt, denen die Stirn zu bieten die Ehre seiner Stellung erheischte. Casimir der Phönix-Präsident ist ein mißachteter, lächer- licher Präsident geworden, den die Pariser ausgepfiffen haben. Die braven Wähler von Nogent-sur-Seine haben eS auf sich genommen, ihn mit der öffentlichen Meinung bekannt zu machen. Er trat offen für den Kandidaten Robert ein; er glaubte, daß er dlos seinen Wunsch zu äußern brauche und selbst eine Vogelscheuche würde in diesem„seinem" Wahl- kreis, der ihn mehrmals mit überwältigender Mehrheit gewählt hatte, zum Abgeordneten gewählt. Robert fiel schmählich durch, iveil er der Kandidat Casimir Perier's war, und das trotz der Unbedeutendheit seines Gegners. Vor der Stichwahl suchte der Unglückliche, da er den Glauben an die Unterstützung Perier's verloren halte, die Sozialisten durch Zugeständnisse zu gewinnen, die bei diesen aber kein geneigtes Ohr fanden und bei der Reaktionspresse Entrüstung erregten. Robert brachte es fertig, aller Welt zu mißsallen. Der Friede, der in der Umgebung Casimir's herrschte, ist zu Ende. Casimir liegt sich mit Dnpuy in den Haaren, der die Niederlage Robert'? unter der Hand hatte herbeiführen helfen. Er will den fetten Dickhäuter fliegen lassen und an seine Stelle Waldcck-Nousseau setzen, den früheren Minister Gambetta's und jetzigen Panamistenvertheidiger. Die Lage bietet jedoch so wenig Verlockendes dar, daß Waldeck lange zögerte, ehe er an« nahm— für die Zukunft. Casimir, der nothgedrungen Dupuy noch ertragen muß, kann sich nicht einmal seines Sekretärs Lafargue entledigen, der ihn dadurch so sehr kompromittirt hat, daß er, in seiner Schwatz- hafttgkcit, Casimir's Plan von der Deportation der Sozialisten enthüllte, und der sich außerdem die Offiziere des Militär« kabinets zu bitteren Feinden gemacht hat. Casimir hatte ihm unbegrenzten Urlaub gegeben; aber der Jude Raynal und Bur- deau, das Werkzeug Rothschild's. habe» ihn zur Rückberusung dieses Lafargue gezwungen, des Vertrauensmannes der Panamisten, deren Gefangener Casimir ist. Die republikanischen und demokratischen Zeitungen lassen Casimir keine Ruhe und überschütten ihn täglich mit schweren Angriffen und beißenden Spöttereien; einzelne Zeitungen habe» ihm eine stehende Rubrik gewidmet; der„Jntransigeant" betitelt diese Rubrik: Mi mi r.(Castmi— m i— m i r I) Sie werfen ihm seinen Großvater vor, seine orleanistische Vergangenheit, seine Millionen von Anzin und wer weiß, was sonst noch; sie machen ihn verantivortlich für alles, was sich ereignet, sogar für den Regen, der unaufhörlich fällt. Die Regierungsblätter sind in Heller Verzweif- lung, sie schreien aus vollerKehle: Casimirist der beste derRepublikaner, er ist der edelherzigst« der Millionäre. Der„TempS" wendet sich gegen die Angriffe auf Casimir im Namen de? konstitutionellen Regierungsprinzips; er erklärt: Casimir ist eine politische Null, die für nichts verantwortlich ist, und er bittet flehentlichst die Republikaner, den guten Casimir doch in Ruhe zu lassen und sich mit ihren Angriffen an die Minister halten. Man muß die Franzosen sehr"wenig kennen, wenn man sich in der Ein- bildung wiegt, durch derartige Beschwörungen die Angriffe und Spöttereien zum Aufhören zu bringen. Und da denke man: dieser Casimir wurde für«inen Nemäischen Herkules gehalten, der mit einem Hieb die Köpfe der sozialistischen Hydra abhauenk sollte! Einfache Nadelstiche haben hingereicht, diesen Erretter der kapitalistischen Gesellschaft wie einen Luftballon in sich zusammenklappen zu lassen. Arme Bourgeoisie I Gallus. poUftmie MebevsttM. Berlin, den 8. Oktober. Nach offiziösen Anslaffunaen liegen„Entwürfe" von Gesetzen zur Bekämpfung der Umsturzparteicn vor, und soll das Staatsministerium„Ende der Woche" über diese „Entwürfe" sich schlüssig machen. Also sin e h r e r e Ent- würfe. Nun wir werden ja sehen, welche Stilübungen die Trott von Solz und Genossen fertig gebracht haben.— Tie internationalen Lügenpeter des Kapitalismus haben die Nachricht, daß der nächste Parteitag der deutschen Sozialdemokratie zu einer furchtbaren Musterung und am Ende natürlich zu der famosen Spaltung führen werde, in aller Herren Länder hinausgesandt. Je nach den ver- schiedenen Ländern hat die Nachricht eine verschiedene Form. um Beispiel in den französischen Bourgeoisblättern, die ollmar einstmalen für den Radikalsten der Radikalen hielten, wird der»versumpften" Parteileitung, dem lästig gewordenen»Triumvirat Singer, Bebel, Liebknecht", von den„bayerischen Jntransigenten" der Standpunkt klar gemacht und das Lebenslicht ausgeblasen. Wenn diese Sozialistentödter nur wenigstens einmal das Lügen ordent- lich lernten. Am guten Willen fehlt es doch wahrhastig nicht.— Ter neue Tavakstenergesetz- Entwurf soll„so ziemlich fertig sein". Vielleicht finden sich in demselben einige Erleichterungen für die Fabrikanten, so in bezng auf die peinlichen Kontrollmaßregeln. Für die Arbeiter dürfte bei der Umarbeitung keine Besserung der Aussichten erfolgt sein, denn die infolge des Gesetzes unausbleibliche Vertheuerung der Produkte wird Verminderung deS Konsums und dementsprechend gesteigerte Arbeitslosigkeit zur Folge haben.— Süchsischcs. Soeben erhalten wir folgende Privat« Depesche: Das Landgericht Zwickau verurtheilte heute den Vorsitzenden deS Berg- und Hüttenarbeiter-Verbandes Hermann Sachse wegen Beleidigung, begangen in einem Flugblatt gegen die Urheber der bekannten Ergebenheitsadreffe königstreuer Bergarbeiter an das Ministerium deS Innern zu einem Jahre Gefängniß. Sachse wurde sogleich in Haft genommen. Ein Jahr Gefängniß und sofortige Verhaftung wegen einer obendrein, so viel wir uns erinnern, sehr maß- vollen Kritik der bekannten von sächsischen Behörden in Szene gesetzten„Bergarbeiter"-Kundgebung! Das ist un- erhört. Ein solches Urtheil bedeutet thatsächlich das Ver- bot der Kritik an Handlungen nicht blos der Be- mir der Baron Meylan, den Kopf stolz im Nacken, schritt er siegcsgewiß an mir vorüber, mich absichtlich vielleicht nicht beachtend. Ich läutete und die Pforte öffnete sich. Als ich dieselbe wieder schloß, fühlte ich eine kleine weib- liche Hand die meinige drücken. „Guten Tag, Louise," begrüßte ich ein großes, hübsches Mädchen, ihr die vollen rosigen Wangen küssend. »Guten Tag, Jacques," erwiderte sie meinen Gruß mit leiser Stimme.„Gehe nicht hinauf-- höre," fuhr sie «rröthend fort,„ich thue etwas für Dich, was ich für Nie- wand und für nichts auf der Welt sonst thäte. Deine Mutter und Dein Bruder sind gestern ganz außer sich nach Hause gekommen. Ich war im Salon, ich weiß nicht mehr, was ich dort that, als sie kamen. Die Baronin befahl mir, hinauszugehen, und ich hörte an ihrem Tone, daß etwas Wichtiges vorgefallen sein mußte und hatte eine Ahnung, daß man von Dir sprechen würde. Ich wollte es wissen und horchte an der Thür, ich habe Alles gehört." »Nun erzähle mir, was Du vernommen." Louise, die ein ebenso feines Ohr als gutes Gedächtniß hatte, erzählte mir Wort für Wort die Unterredung, welche stattgefunden. „So, das ist Alles," schloß sie ihren Bericht. »Ich danke Dir, meine gute Louise, aber daS verhindert mich nicht, meiner Mutter meine Aufwartung zu machen. Gehe, bitte, hinauf und melde mich." Louise war meine Milchschwester. Wir hatten unS als Kinder geliebt, mit einander gespielt und trotzdem wir jung getrennt wurden, erinnerte ich mich ihrer sehr ivohl, als ich nach so langen Jahren zurückkehrte. Während meiner Abwesenheit waren ihre Eltern gestorben und meine Mutter rechnete es sich hoch an, daß sie die Waise als Kammerzofe zu sich nahm. Bei meiner Rückkehr hatte ich sie wie eine Schwester behandelt, sie geduzt und von ihr verlangt mich gleichfalls als Bruder zu betrachten. Doch die Frau Baronin Meylan, meine Mutter, fand ein solches Betragen im höchsten Grade unschicklich, warf mir meinen plebejischen Geschniack vor und verbot Louisen bei Strafe sofortiger Entlaffnng jede Art familiärer Ber- traulichkeit gegen mich. Das arme Mädchen weinte, nannte mich hinfort im Beisein der Anderen„Sie" und»junger Herr", aber sie trug es meiner Mutter nach und liebte mich um so mehr. Auf solche Weise war sie mein guter Geist in dem mir sonst so feindlichen Hanse meiner Angehörigen. Als ich zu meiner Mutter ins Zimmer trat, über- schüttete sie mich mit dem ganzen Ausbruche ihres Zornes: „Ah, Monsieur, da bist Du! Wie, nachdem Tu uns gestern niit Schande bedeckt hast, wagst Tu nach dem Skandal hier noch zu erscheinen? Da, Monsieur, lies, ivas die Zeitungen über Dich denken und sagen. Tu wirst in der That bald die traurige Berühmtheit eines Herostratcs haben." Ich hatte zuerst den Gedanken zu scherzen und meine Mutter zu bitten, mir die Geschichte Hcrostrates mitzu- theilen; doch indem ich einen Blick in das mir dargebotene Journal warf, kamen mir andere Gedanken. »Ich verhehle Ihnen nicht, Mama," sprach ich, mich zur Ruhe zwingend, nachdem ich den betreffenden Artikel ge- lesen,„daß mich ein unüberwindlicher Ekel anwandelt, wenn ich in dieses Blatt blicke, welches von Polizeispionen und lüderlichen Subjekten sabrizirt wird, welche die Leicht- gläubigkeit der Einen und die Laster der Anderen ans- beuten, um die Kosten ihrer eigenen Ausschweifungen da- durch zu decken. Ich bin überzeugt, daß Jeder das Recht hat sich beerdigen zu lassen, wie er es wünscht, und ich bin glücklich, daß ganz im Sinne des letzten Willens meines hochverehrten Oheims gehandelt wurde. Was die feige und scheinheilige Denunziation angetrifft, welche dieses„Unter- Halts"-Blatt enthält, so verachte ich sie. Was Sie anbe- trifft, Mama, so seien Sie versichert, daß ich Sie mehr be- klage, als Sie im stände sind, mich zn beleidigen. Aber ich bin nicht gekommen, Vorwürfe zu hören, ich konime von Sylvia, um sie zu entschuldigen, daß sie leider nicht selber kommen kann, Ihnen dafür zu danken, daß Sie der Be- erdigung ihres Vaters beigewohnt haben. „Ich habe überdies Ihnen Mitthcilnng zu machen in betreff eines Projektes, dessen Ausführung der innigste Wunsch Ihres Bruders war, und dem er bestimmten Ausdruck in seinem Testamente verlieh. Sein letzter Wille war, daß ich Sylvia heirathe, und unter dieser Be- dingung hat er uns sein Vermögen hinterlassen. Ich liebe Sylvia und sie erwidert meine Liebe. Zugleich hat mein Oheim uns übertragen, über das Unternehmen, welches er in Morne Rouge gegründet hat, zu wachen; er knüpfte daran eine große Bedeutung für die Zukunft. Wir haben die Absicht, uns zu Heirathen, sobald alle gesetzlichen Formeln erfüllt sind, und ich hoffe, daß Sie nichts gegen die Begründung des Glückes Ihrer Kinder einzuwenden haben werden."(Fortsetzung folgt.) die Neue hörden, sondern auch der von den Behörden für ordnungs.| Pestalozzt ist der Bahnbrecher gewesen, der uns auch heute noch beste Gebeihen! Wenn von reaktionären Blättern behauptet parteilich gehaltenen Privatpersonen. Aehnliches ist in den ben rechten Weg weist. Die Mehrzahl unserer Lehrer ahnt das wird, die Lehrer an der freien Universität seien„ Anarchisten", schlimmsten Zeiten der Reaktion nach 1849 in Deutschland auch. Möchte es nur gelingen, ihnen endlich so ist das eine denunziatorische Verleumdung. Der Einzige, bas allernothwendigste Dom nicht vorgekommen. Wie wurden seinerzeit unter Man- unächst teuffel die Männer des Loyalitätsfracks" verspottet, ohne baß in unserem Bolte ein so großes Kapital von unverwüßt: dessen„ Anarchismus" aber so ideal- platonischer Natur iſt, leiblichen Brot su fichern! Es ist ja sehr tröstlich, auf den die Bezeichnung passen würde, ist Elysée Reclus, daß es Jemand einfiel einen Prozeß zu machen. Und der lichem echten Idealismus echten dealismus enthalten ist. Aber wenn daß er auch in Berlin gelehrt werden könnte. In einer be so schwer verurtheilte sächsische Bergmann hat auch nicht man mit blinden Augen und tauben Ohren sonderen Zeitschrift: L'Université Nouvelle" annähernd so beißend gespottet. Der Reichstag wird sich dahinein wüstet, so tömmt schließlich auch das größte Kapital Universität verfechten die Gründer der freien Universität mit dieser Art Rechtsprechung beschäftigen. in Gefahr. Darum bin ich so dankbar für jede Mithilfe, diesen deren Biele und Interessen. Schah religiös, fittlich, pädagogisch und materiell zu pflegen. In ausgezeichneter Verehrung Italien. Das Defizit präsentirt sich wieder. Ein Boffe. Telegramm besagt: Herr Bosse ist Jurist, man kann es ihm daher trot Rom, 8. Oktober. Die von der Regierung eingesetzte feiner Stellung als preußischer Kultusminister nicht ver- Rommission aktiver Generäle, welche mit der Prüfung der Vorübeln, wenn er nicht weiß, daß Pestalozzi heute zu den schläge von etwaigen Ersparnissen in der Heeresverwaltung beauftragt war, verneint in ihrem Bericht an den Kriegs Sozialisten jedenfalls eher gehören würde, wie zu den christ- beauftragt war, verneint in ihrem Bericht an den Kriegsminister die Möglichkeit, an dem Heeresetat era lichen Vertheidigern von Ordnung und Besitz. Uebrigens bebliche Ersparnisse zu machen und beschränkt Verwelche er in dem Briefe äußert. Er müßte, um die in waltung. Der Bericht der Kommission, welche 32 Sigungen seinem Briefe zum Ausdruck kommende Ansicht energisch abgehalten hat, wird demnächst im Druck erscheinen. zu vertreten, mit dem Landtage in scharfe Konflikte kommen, Daß Generale für Ersparnisse am Militäretat sein sich zur konservativen Partei in schärfsten Gegensatz setzen, tönnten, hat sicherlich Niemand geglaubt. Der Moloch frißt Davon hat man aber noch nichts gehört. also weiter bis nichts mehr zu fressen da ist. Vereinfachung der Verwaltung" heißt Ersparniß" an den Gehältern der ungenügend bezahlten und überbürdeten kleinen Beamten. Wir kennen das. Die neue Berufs- und Gewerbezählung, deren Vornahme im Jahre 1895 der Bundesrath zugestimmt hat, soll dem Hamb. Korr." zufolge am 14. Juni n. J. erfolgen. Eine Vereinigung der Volkszählung mit der Gewerbezählung scheine nicht beabsichtigt, da für erstere sich der Sommer mit feiner größeren örtlichen Bewegung nicht eigne; dagegen frage fich, ob nicht die Volkszählung, die sonst im Dezember nächsten Jahres erfolgen müßte, um ein Jahr verschoben hat Herr Bosse als Minister dringendere Sorgen, wie die, sich auf Vorschau machen und beschränkt werden könnte. Wir würden die Verschiebung der Volkszählung als einen großen Fehler betrachten, da die Vergleichbarkeit mit anderen Ländern, welche im Jahre 1895 ihre Volkszählung vornehmen, dadurch sehr erschwert würde. Gegen den Rößler'schen Diktatur Vorschlag erhebt die Kreuz Zeitung" u. a. folgendes Bedenken: " Die Einigung der Antisemiten hat stattgefunden, vorausgesetzt, daß der jezt in Blößenfee verhaftete Ahlwardt es sich gefallen läßt, als Parteigenosse zweiter Güte in die Fraktion einzutreten. Eine Privatdepesche des in Sachen bes Antisemitismus freilich über das bei demselben übliche Maß unzuverlässigen Berliner Tageblatt" aus Eisenach lautet: Crispi an der Arbeit. Aus Nom wird unterm geftrigen Tage( 7. Oktober) telegraphirt: Die heutigen Abendblätter melden aus Mailand: Auf der Holzverkleidung eines Fensters der Polizeidirettion wurde ein Explosivkörper mit brennender Lunte gefunden. Mehrere Personen wurden verhaftet. Warum blos ein Explosivkörper? Das Geld wird doch für mehrere gereicht haben. dem nichts mit bem Sozialismus zu thun Herr Rößler scheint zu glauben, daß sich das Reich gegen alle Parteien regieren ließe, die es gegenwärtig aufweist; das bilbet er fich boch aber nur ein. Der Form nach tönnte das vielleicht eine Zeit lang geschehen; darauf allein tommt es ihm aber doch wohl nicht an. Goll sich die fernere Entwickelung so harmonisch und fruchtbar gestalten, als er wünscht, so muß sie zum mindesten von einer organisirten Auf dem Eisenacher Parteitage der Antisemiten kam eine Minderheit der Tüchtigsten getragen werden. Mit einer Einigung ber verschiedenen Gruppen nach achtstündiger stürmischer bloßen Rundgebung von Notabeln", wie er sie sich denkt, ist es da Debatte der Delegirten zu ftande. Die Partei hat den Namen aber doch in keinem Falle gethan. Die Zustimmung ganzer Parteien Deutsch soziale Reformpartei" erhalten. Ahlwardt wird als gehört dazu, mögen diese, wie gesagt, nicht in der äußeren Mehr- Hospitant derfelben zugelassen. Crispi's trockene Guillotine befindet sich nicht blos heit sich befinden. Bom Standpunkte unserer inneren Befreundet sich aber auch Herr Ahlwardt mit der auf einer entlegenen Insel, sondern auch in Italien selbst. Zustände betrachtet, wird diese Zustimmung in ausreichendem Aschenbrödelstellung eines Hospitanten in der neuen In Volterra, wo einige der bekanntesten Opfer bes Maße nur dann erreicht werden können, wie uns scheint, wenn Fraktion, so wird die Einigkeit in dieser Partei nicht von italienischen Bismard lebendig begraben sind, ist der unDie Sozialdemokratie und die mit ihr im Saß gegen unfere langer Dauer sein, da die Elemente in derselben viel mehr glückliche De Felice so schwer erkrankt, daß das nationale Entwickelung einigen Gruppen im Reichstage, die zum Auseinandergehen, als zum einträchtlichen Zusammen Schlimmste zu befürchten ist. Die Mutter und die Tochter Mehrheit erlangten, und die nöthigen„ Nerven" befäßen, um die Zusammen- Schlimmste arbeiten streben, und viel gu viele persönliche des Unglücklichen sind nach Rom geeilt, um wenigstens zu gesammte Gefeßgebung, insoweit sie ihren besonderen Zwecken die weit eher in einer An- erwirken, daß er in ein gefunderes Gefängniß übergeführt nicht entspricht, zum Stillstande zu bringen. Daß unsere Revo- Interessen vorwalten, lutionäre im Schlaftock und Pantoffeln so viel Schneibigkeit" zahl fleiner Parteichen, als in einer gefchloffenen wird. Bis jetzt ohne Erfolg. befizen sollten, trauen wir ihnen bis auf weiteres aber nicht Partei befriedigt werden können. Wir halten es übrigens einmal zu, glauben vielmehr, daß sie, wenn ihnen bei Ver- schon aus psychologischen Gründen für unmöglich, daß die Ueber das italienische Anarchistengeset urtheilt weigerung des Militäretats die Verantwortung für die Herren Liebermann von Sonnenberg und Böckel lange ein- der rheinische Korrespondent der Frankfurter Btg.": Erhaltung des Weltfriedens zufiele, zu Kreuze triechen" würden, trächtiglich zusammen wirken können, wir wissen auch nicht, Rom, 2. Oftober. Als die Regierung im Juli das soals echte Kleinphilister, die sie, bei aller Großmäuligkeit, im ob die hessischen Reichstags Abgeordneten ihren Fehdebrief genannte Anarchistengesetz vorlegte, welches die persönliche FreiGrunde sind. heit aller im Geruche des Sozialismus stehenden Bürger polizeiEtwas dunkel ist der Rede Sinn. Unter Revolutionären an Böckel schon vollständig vergessen haben. Jeder genaue licher Willkür überantwortete, ist von vielen Seiten darauf aufEtwas bunkel ist der Rebe Sinn. Unter Revolutionären Beobachter der antisemitischen Bewegung wird wahrschein merksam gemacht worden, daß das neue Gesetz zur in Schlafrock und Pantoffeln" pflegte man die Fortschrittslich der Ueberzeugung sein, daß die Einigkeit der Partei Befriedigung persönlichen Gaffes ober zur Befreiung Philister zu verstehen, und diese denken jetzt nicht mehr nichts mehr als eine kurze Episode in ihrer Geschichte ist. von unbequemen politischen Gegnern, auch wenn diese daran, den Militäretat zu verweigern oder die gesammte Anarchismus oder auch nur mit Auch die norddeutschen Demokraten haben nun Gesetzgebung zum Stillstand zu bringen". Die Sozialhaben, mißbraucht würde. demokraten aber, wenn sie einmal in der Lage wären, ihren Parteitag abgehalten. 32 Delegirte vertraten achtzehn Diese Prophezeiung hat sich leider ganz erfüllt und in dies thun zu können, würden sicherlich keine Philister Wahlkreise. Leider ist nicht auch bemerkt worden, wie viele Blättern, die nicht gerade zärtlich mit den Sozialisten umzubedenken haben. Weshalb denn auch? Sind wir einmal Wähler vertreten waren. Da 18 Delegirte auf Berlin ent- gehen pflegen, wimmelt es von Protesten gegen die Willkürakte, so weit, bann sind wir auch weit genug, alle Hinder- fielen und diese Zahl so ziemlich der Bahl der demokratischen welche zum Schaden ganz einwandfreier Persönlichkeiten mit uiffe zu überwinden. Stimmen bei der Reichstagswahl und der Zahl der Besucher Hilfe des neuen Gesetzes begangen werden, welches sich, je länger Uebrigens möchten wir Herrn Rößler( in seinem demokratischer Versammlungen in unserer Stadt entspricht, ie mehr, als ein Mittel zur Züchtung von An= eigenen Intereffe ersuchen, etwas vorsichtig zu sein. Es so ist vielleicht der Rückschluß erlaubt, daß die Bahl der archisten und nicht zu beren Bekämpfung erweist. Balb zerstört die Polizei die wirthschaftliche Existenz einer Familie, indem giebt Gefeßesparagraphen, die sich gegen die Bor- Bertreter der Stärke der Partei im wesentlichen entsprechen fie deren Haupt nach dem Geburtsort, wo es keine Arbeit findet, bereitung des Hochverraths richten. Und be- würde. Demnach ist dieser Versammlung keine Bedeutung zurückschickt, bald wendet sie gegen vermeintliche Anarchisten das deutet die Diktatur, welche er predigt, etwa nicht den beizulegen, doch sei ihr Beschluß hier mitgetheilt: Umsturg" der Reichsverfassung? Das ist das wunderbar Im Hinblick auf die Aschaffenburger Berhandlungen und schärfere Mittel der Verschickung ins Zwangsdomizil an. Da es Romische ber jetzigen Situation und so recht bezeichnend für die" badurch bestärkte Erwartung, daß die deutsche Bolts gegen die Heimsendung kein Rechtsmittel giebt, so eignet sie sich ganz besonders zu politischer Wiltür. Ganz, wie wir es vorausgesagt haben. die herrschende Rechts- und Begriffsverwirrung, daß die partei auf der Grundlage des neuen Programms zu einer lautesten Schreier gegen die Umsturzparteien selber die sozialen Reformpartei sich gestalten werde, beauftragt der Parteitag der demokratischen Partei den Parteiausschuß, nach Fest Portugal. Die portugiesische Regierung muß große ärgsten Umstürzler sind und sich mit den wildesten Umsturz- ftellung jenes Programme und der Bereitwilligkeit der Partei Angst haben. Wir erhalten folgendes Telegramm: gedanken tragen. leitung die demokratische Agitation auch in Norddeutschland Bockmelker so nennt man in Süddeutschland die energisch zu unterstützen, den Anschluß der Demokraten Nord sonderbaren Leute, welche sich nnmögliche Aufgaben gestellt deutschlands an die deutsche Volkspartei zur Abstimmung unter haben und damit herumquälen, sind jetzt auf politischem den Mitgliedern in den einzelnen Wahlfreifen zu bringen." Gebiete sehr stark an der Arbeit: sie wollen die Umsturz- die einzige Vertretung demokratischer Grundsätze in der Es ist ja selbstverständlich, daß jeder wahre Demokrat parteien" mit Polizeimaßregeln und Strafgesetz- Paragraphen vernichten. Unter den zahllosen, mehr oder weniger geist. Sozialdemokratie findet, daß sonach neben dieser für eine Anarchie in Griechenland. Die uniformirten Banvollen und sämmtlich gleichkomischen Angstgeburten, welche bürgerlich- demokratische Partei kein Platz sein kann. die Bockmelkerei bis dato in Deutschland zu Tage gefördert Die österreichische Wahlreform. Ein Wiener biten, die neulich, als Offiziere verkleidet, in eine Beitungshat, befindet sich u. a. auch die, den§ 130 des Reichs- Morgenblatt meldet, wie wir einer Depesche der„ Vossischen redaktion einbrachen und sich in echter Banditenweise an Strafgesetzbuchs in echt mittelalterlichem Inquisitionsgeift Beitung" entnehmen, daß das Ministerium Windischgrät Personen und Eigenthum vergriffen, sind von der Justiz zur Herenfalle für die bösen Umstürzler zu machen. Der sich endlich über den Inhalt der dem Parlamente vorzu- freigesprochen worden. Vermuthlich bekommen fie Paragraph lautet jetzt: legenden Wahlreform- Vorlage geeinigt hat. Die Vorlage fuße noch einen Orden. auf dem Antrag Baernreither's, wonach jeder Arbeiter, der Der Zar soll dem Tod noch nicht so nah sein, als in einer Krankenkasse angehört, das Wahlrecht erhält. Die Ar- den letzten Tagen geglaubt ward. Jedenfalls ist er dauernd beiter sollen 44 Mandate erhalten, die auf die einzelnen am Regieren verhindert, und es befestigt sich deshalb das Provinzen entsprechend vertheilt werden. Da sollen nun die 2 Worte zu Gewaltthätigkeiten" Niederösterreichs würden demzufolge 5 Abgeordnete wählen. Die Arbeiter Gerücht, daß eine Regentschaft eingesetzt werden soll. entfernt werden. Sehr pfiffig, ohne Zweifel. Und so Die Arbeiter Desterreichs werden sich kaum mit diesem wirksam, daß es in ganz Deutschland nicht einen ginsengerichte zufriedenstellen, sie werden dagegen protestiren, einzigen Staatsbürger und sonstigen Menschen daß nicht das gleiche Wahlrecht gegeben wurde, daß die giebt, der vermittelst dieser finnreichen Herenfalle nicht ins Landarbeiter von dem wichtigsten politischen Rechte weiter Barteibureau anmelden oder bereits angemeldet haben, diene zur Zum Parteitag. Den Delegirten, welche ihre Wahl beim Gefängniß spedirt und um etliche hundert Mark erleichtert ausgeschlossen bleiben sollen und daß die wichtigsten Industrie stotis, daß ihnen die Drucksachen für den Parteitag bis zum werden kann. Es kommt nur darauf an, wer auf der Richterbank sizt, und die Kanize und Mirbache, die Stöcker, bezirke, weil sie gleichzeitig die Zentralpunkte der sozial- Mittwoch, den 17. Oktober, zugehen werden. Ebenso werden Richterbank sizt, und die Kanige und Mirbache, die Stöcker, demokratischen Bewegung sind, gegen andere Bezirke in der der Parteipresse in der Provinz die Berichte des Parteivorstandes und Schorlemer- Alst, die Hammacher- Böttcher, und Richter: Bahl der Vertreter zurückgesetzt sind. und der Fraktion so rechtzeitig zugehen, daß sie die VeröffentBarthe werden mit derselben Leichtigkeit und Eleganz verdonnert wie die verhärtetften Sozialdemokraten. Das ungarische Magnatenhaus erfüllt getreu die lichung gleichzeitig mit dem Borwärts" vornehmen können. Das Lokalkomitee für Frankfurt a. M., Adresse: Fr. Brühne, Und wohlgemerkt, das ist noch eines der gefcheidteften für alle freiheitlichen Gesetze zu sein. Das demselben fett und Quartierausschuß vom Morgen bes 20. Ottober ununterhistorische Aufgabe aller Herrenhäuser, ein Hemmschuh Liebfrauenberg 26, macht bekannt, daß der EmpfangsProjekte, die unsere Bockmelter ausgeheckt haben. Von allen übrigen Plänen, die auf Verschärfung" des vorliegende konfessionelle Gesetz über die Reception der brochen in dem Restaurant Stein, Gr. Eschenheimergasse 23 Breßgesetzes hinauslaufen und sie sind zahllos wie der Juden lehnte es ab. Die Regierung beabsichtigt, die vom( nicht 18, wie in der ersten Bekanntmachung irrthümlich anSand am Meer ist beiläufig dasselbe zu sagen: sie Magnatenhaus abgelehnten Borlagen binnen fürzester Frift, gegeben ist), tagen wird. Zum Empfang der Delegirten werden Oktober, abermals vor das am 20. und 21. Oktober während des ganzen Tages Genossen können von jeder Partei gegen jede Partei angewandt wenn möglich noch im Oktober, werden. Und zwar ohne Rechtsbeugung". Den n Magnatenhaus zu bringen, in der Erwartung, daß das am Bahnhofe anwesend sein, welche durch rothe Schleifen er= Kautschuk wird nicht gebeugter paßt sich von selbst Haus gegenüber dem standhaften Willen der Bolts- fenntlich gemacht sind. Die Delegirten tönnen mit der Pferdebahn bis zur Hauptwache fahren, wo sich in nächster Nähe das allen Formen an. vertretung nicht bei der Ablehnung verharren werde, Restaurant Stein befindet. Delegirte, welche in bezug auf Quartier oder sonstwie Auskunft wünschen, mögen sich an Genoffe Fr. Brühne, Liebfrauenberg 26, wenden. Wer in einer den öffentlichen Frieden gefährdenden Weise verschiedene Klassen der Bevölkerung zu Gewaltthätig teiten gegen einander öffentlich aufreizt, wird mit Geldstrafe bis zu 600 M. oder Gefängniß bis zu zwei Jahren bestraft." " Das Beste wäre, die sämmtlichen politischen" Gesetzes paragraphen mit einem Federstrich zu streichen, und sie alle durch einen einzigen Paragraph zu ersetzen: " Wer sich umstürzlerischer Gesinnung schuldig oder ver dächtig macht, wird, je nach dem Ermessen des Richters, mit Geldstrafe bis zu 100 000 M. und mit Gefängnißstrafe bis zu 20 Jahren verurtheilt." Dann würde keiner entwischen! Herr Boffe als Briefschreiber. Der Kultusminister Dr. Bosse hat an Herrn Pastor prim. Senffarth auf bie Uebersendung des Werkes Pestalozzi in Preußen" folgendes Schreiben gerichtet: Karlsruhe, 30. Juli 1894. " Cafimir Perier läßt in die Welt telegraphiren, daß er gestern ohne Eskorte" ausgefahren ist. Welcher Heldens muth! Nachdem ihn vorgestern das Pariser Publikum ausgepfiffen hatte, bereitete ihm die männliche und weibliche Demi- Monde des Rennplates, den er besuchte, eine Ovation. Welche Ehre! Und verdient! Lissabon, 7. Oktober. Der spanische Parteiführer Salmeron wurde von der portugiesischen Polizei festgenommen und nach zweistündiger Haft aus Portugal ausgewiesen wegen eines Banketts, welches hiesige Republikaner ihm zu Ehren an Bord eines auf der Rhebe liegenden Schiffes veranstaltet hatten. Salmeron ist ungefähr so gefährlich wie Herr Rickert oder Barth. Parteinachrichten. # Die gesammte Parteipresse wird ersucht, von vorstehenden Mittheilungen Notiz zu nehmen. Delegirte zum Parteitage. In Augsburg wurde in einer am 6. d. stattgehabten öffentlichen Parteiversammlung Gen. Die Lüge, daß die Führer der belgischen Breder als Delegirter zum Parteitage für den Wahlkreis Sozialisten mit der tleritalen Regierung Augsburg- Wartingen gewählt. wird von unferer national. zusammenspielten, Die Kreiskonferenz des dritten weimarischen Wahlliberalen Presse noch immer verbreitet. Die soziastreifes Jena- Neustadt findet am 14. Ottober in Neustadt a. D. liftischen Führer" sind eine Person, und zwar ein gewiffer ftatt. Die vorläufige Tagesordnung ist: 1. Bericht der Zentrale Herr Art, der niemals Sozialdemokrat war, nebst Raffenbericht. 2. Betheiligung an Landtags- und Gemeindegeschweige denn sozialistischer Führer". Das ist den wahlen. 3. Beschickung des Parteitages zu Frankfurt a. M. liberalen Lügenpetern schon gesagt worden, aber sie 4. Agitation und Preffe. 5. Stellungnahme zur Thüringer lügen fort. Agitationskommission in Erfurt. 6. Neuwahl der Zentrale. 7. Anträge aus der Mitte der Konferenz und bei vor. Punkten nicht Erledigtes. Hochverehrter Herr Oberpfarrer! Empfangen Sie meinen herzlichsten Dank für die neue schöne Gabe Ihres unermüdlichen Fleißes Pestalozzi in Die freie Universität von Brüssel wird am Preußen". Ich brauche Ihnen nicht zu sagen, welches leb hafte Intereffe ich an diesen Ihren Pestalozzi Arbeiten nehme. 23. dieses Monats eröffnet. Wir wünschen der Anstalt das " Zehn Protestv-rsammlmigeu gegen daS beabsichtigte Attentat wider das Leipziger Kommunalwahl-System sind seitens der Leipziger Parteigenossen auf heute(Dienstag) Abend in Leipzig und den Vororten einberufen worden. *» DaS Lalideskomitee der sozialdemokratischen Partei des Großherzogthums Hessen, dessen Sitz durch den Beschluß der Landeskonferenz von Darmstadt nach Mainz verlegt worden ist, hat sich jetzt konstituirt. Vorsitzender ist Schreiner Steck, Schriflführer Redakteur Sprenger und Kafsirer Stadt- verordneter Tiefet. Das Komitee macht bekannt, daß das in Offenbach beschlossene Organisationsstatut in Kürze zur Vev sendung gelangt. Zusendungen für das Komitee sind an die „Mainzer Volkszeitung" zu richten. »« Alle Zuseildul, gen an den LandeSvorstand de württembergischen Sozialdemokratie sind nicht, wie in Nr. 228 unseres Blattes fälschlicher Weise angegeben war. an Leickhardt, sondern an Karl Sporka, Tannen straße 12 in Stuttgart, zu richten. »« Eine„Lokalfrage" besteht für die Parteigenossen fast eines jeden Ortes dank des Druckes der Behörden und der Feigheit der Wirthe. Bei einer allgemeinen Umfrage bei den Gastwirthen von A r n st a d t erhielten unsere dortigen Parleigenossen fast nur ab schlägige Antworten, so daß ihnen nur drei kleine Lokale zur Ver> fügung bleiben. Die Genossen beantworten diese SIbsage mit der Verhängung der Lokalsperre. * m Zu den Schwärmern für ein neue? Sozialistengesetz ge hören auch die„Jtzehoer Nachrichten". Sie sind erbost über die sozialdemokratische„Schlesw.-Holst. Volksztg." in Kiel, welche von den„Jtzehoer Nachrichten" als von der„nationalmiserablen Jtzehoer Tante" geschrieben hat. Das hat die„Tante" so in Harnisch gebracht, daß sie laut nach einem neuen Sozialisten gesetz schreit. Sie schreibt nämlich in bezug auf die Aus lassungen unseres Partei- Organs:„Leider fehlt heut zutage der Polizei das alte Sozialistengesetz, um gewissen sozmldemokratischen Agitatoren und Blättern wie Blättchen durch Zwangsmaßregeln, wenn sie es gar zu arg treiben, beizubringen, daß Ordnung und Gesittung von jedem Bürger und jeder Zeitung im Deutschen Reich anerkannt werden sollen." Ihr Fläschchen, Frau Nachbarin! Der„Hochverrathsprozeß" gegen die Mannheimer „Volksstimme" wird Freitag, den 19. Oktober, vor dem Schwur gericht zu Mannheim verhandelt werden. Merkwürdiger Weise lautet die den Angeklagten zugestellte Ladung nur wegen Ver> brechen bezw. Vergehen nach ß 8S, 82, 812 R.-St.-G. und 20 Preßgesetzes, während in der Anklageschrift außerdem noch die §§ 130, 73 und 47 St.-G.-B. angeführt sind. Der Ruhm der Leipziger Bürgerrechts-Ver- w e i g e r e r läßt die Falkensteiner Stadtväter nicht schlafen Sie verlangen, wie die„Leipziger Volkszeitung" mittheilt, eben falls ein Klassenwahlsystem. Der klassengenössische Stadtralh hat auch dem Plane der Verschlechterung des Wahlrechts seine Zu stimmung ertheilt, und es bleibt nur noch abzuwarten, was das Stadtverordneten-Kollegium dazu sagt. DaS alkgemeine Wahlrecht in Oesterreich. Von Lemberg wird berichtet: Eine am Sonntag hier abgehaltene sozialdemokratische Arbeiterversammlung nahm eine Resolution zu Gunsten des allgemeinen Wahlrechtes an. Am Nachmittag durchzogen die Arbeiter die Stadt unter Hochrufen auf das all gemeine Wahlrecht. Die Beschlüsse der Dekegirtenversammlnng deS schwei zerischen Grütlivereins— so schreibt man uns aus der Schweiz— finden in der Presse lebhafte Besprechung und sie sind, ebenso wie die darüber gepflogenen Verhandlungen selbst, von gewisser Bedeutung. Zurückgreifend auf diese sei bemerkt. daß es geradezu erfrischend und wie gewitterreinigend wirkte, als Genosse Wullschleger von Basel die von einer gewissen Richtung in der Züricher Arbeiterbewegung geübte Seklirerei mit fanatischer und terroristischer Verfolgung anderer Meinungen brandmarkte und unter energischem Protest gegen diese unsozialdemokratische Taktik den vollständigen Bruch mit derselben forderte. Leider wird dieser unseres Erachtens nicht so schnell erfolgen, als es im Interesse der Züricher und der ganzen schweizerischen Arbeiterbewegung wünschenswerth wäre. Die Ursache davon ist in der Verpflanzung der„Unab hängigen" nach Zürich zu suchen, gegen die sich Wullschleger ebenfalls energisch in Baden wandte und erklärte, daß der Streit der deutschen Sozialdemokratie mit den Unabhängigen die schweizerische Arbeiterbewegung nichts Weise hat man sich aber seiner Zweifel richtigen Standpunkt in Würde man auch hier den Streit demokraten und den paar in ihre deutschen Unabhängigen überlassen haben, anging. Bedauerlicher Zeit auf diesen ohne Zürich nicht gestellt. den deutschen Sozial Reihen verschlagenen so wäre er ohne viel Geräusch und in kurzer Zeit geschlichtet gewesen oder er wäre doch bei längerer Fortdauer auf diese Kreise beschränkt geblieben; allein die„Unabhängigen" hatten in der Züricher Arbeiter bewegung vor allem in den Gewerkschaften die gesuchte Hilfe gefunden und das Resultat war zwar nicht die Vernichtung der „Fraktionellen" durch die„Unabhängigen", wohl aber die In- fizirung der Züricher Bewegung mit„unabhängigem" Geist; will man nun jene, wie sie Jahren gestaltete, verstehen und man diesen als einen wichtigen ziehen müssen. Man wird dann aber Seklirerei und der Terrorismus gegen sich in den letzten beurtheilen, so wird Faktor in Betracht auch einsehen, daß die abweichende Meinungen über Fragen und Vorgänge in der Arbeiterbewegung nicht so schnell verschwinden werden. Unseres Erachtens waren die scharfen Worte, welche Wull- schleger gegen das vielfach taktlose Auftreten der Ausländer in der Schweiz richtete, in erster Linie auf � die vordrängende Arroganz der„Unabhängigen" und Anarchisten gemünzt. Nach unseren Erfahrungen stehen wir aber nicht an, zu erklären, daß sie mit Recht gegen einen großen Theil der Ausländer überhaupt zutreffend sind. Wullschleger sagte, es sei eine Frechheit und keine Jnternationalitüt, wenn Aus- länder, welche die schweizerischen Verhältnisse nicht kennen und sich auch �ar nicht bemühen, sie kennen zu lernen, über die- selben rasch fertig mit dem Urtheil sind, während die Schweizer selbst erst jahrelanger Studien bedürfen, um sich«in Urtheil zu bilden. Wenn Leute aus Deutschland, Oesterreich, Italien:c., welche die Verhältnisse des eigenen Heimathlandes nicht einmal kennen, in die Schweiz kommen und hier großmäulig über alle Fragen in der Arbeiterbewegung und in der schweizerischen Politik über- Haupt nicht blos mitsprechen, sondern nicht selten das große Wort sühren wollen, so ist dies in der That, wie Wullschleger sagt, nicht Bethätigung von Jnternationalilät, sondern Frechheit. Diese scharfen, aber berechtigten Worte sollten insbesondere von allen Genossen, welche in die Schweiz gehen oder schon da sind, beherzigt und befolgt werden. Die schweizer Verhältnisse sind — das sollte sich jeder merken— so grundverschieden von denen in feudal- polizeilich- bureaukratischen Monarchien, daß auf sie weder die hier angewandte Taktik, noch der Ton der Agitation, noch daS Urtheil einfach übertragen werden können. Ge- schießt es dennoch von Ausländern, so schaden sie der schweizerischen Arbeiterbewegung mehr, als sie rn ihrem Eiser ihr zu nützen glauben. � ,,,,,,. v m Was die Besprechung der Badem Beschlüsse tn der Presse be- »rifft, so wird die Bedeutung anerkannt, welche m der mit allen gegen fünf Stimmen beschlossenen Zurückweisung der Angriffe auf das schweizerische Arbeitersekretariat und in dem ertheilten Vertrauens votum an dasselbe liegt. Diese Kundgebung war aber auch noth wendig, weniger gegenüber Angriffen von Leuten wie Hans Müller, als vielmehr solchen, welche auS den eigenen Reihen erfolgten und die nun als über das Maß berechtigter sachlicher Kritik hinaus- gehend desavouirt sind. »» « Polizeiliches, Gerichtliches re. — Die Polizei hat mit den Sozialdemokraten ihre liebe Roth. Ter vor einiger Zeit in der Umgegend von Heiligenhafen verbreitete„Norddeutsche Volkskalender" ist in dem Gute Löhr storf und der Dorsschaft Großenbrode vom Polizisten der Guts obrigkeit Löhrstorf wieder eingesammelt worden. Grund: Die Verbreiter haben keine Erlaubniß vom Amtsvorsteher und Land- rath dazu gehabt, den Kalender abzugeben. — Wahlverein aufgelöst. Als kürzlich der Vor> sitzende die Versammlung des Wahlvereins in Kirchberg(Sachs.) eröffnet und dem Referenten das Wort erlheilt hatte, erklärte der anwesende Machtmeister, daß die Versammlung nicht stattfinden dürfe, da der Verein bereits aufgelöst sei. Grund: Betheiligung am Crimmitschauer— Sängerfest. — Zwei Volksversammlungen in P e n i g, in welchen über: „Der Reichstag und die Parteien gesprochen werden sollte, wurden vom dortigen Stadtrath verboten. Köstlich ist die Begründung, welche anführt, daß die Wirksamkeit des Gewerbe- gerichts in Penig zur Genüge ergeben habe, daß zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern das beste Einvernehmen herrsche, daß die Versammlung aber geeignet erscheine. dies„gute Einvernehmen" zu stören. Soziale Lteverstrizk. DaS städtische Slrbeitsamt in Erfurt hat seit dem 1. Oktober eine Erweiterung dahin gefunden, daß nun auch eine Dienstbotenvermittelung damit verbunden ist. Die Abtheilung für Frauen und Mädchen wird von einem weiblichen Beamten verwallet. DaS städtische Arbeitsamt in Mainz soll einer Depu- tation unter Zuziehung von Beisitzern zum Gewerbegericht unter- stellt werden. Die gesammten Kosten soll die Stadt übernehmen. Geplant ist auch die Einbeziehung der Dienstboten in die Arbeits- Vermittlung ein sehr wichtiger Punkt—, denn gerade die Dienstboten werden von den Stellenbureaus am meisten geschröpft. Für diesen Zweig der Verwaltung wird eine Frau den Verkehr vermitteln. Weibliche Beamte sollen nunmehr, wie wir der„Münch. Post" entnehmen, auch in B a y e r n zur Verwendung kommen. Es ist beabsichtigt, Frauen vorerst mit der Bedienung des Tele- phous zu betrauen. Auch im Eisenbahndienste, in der Haupt- Güterexpedition sollen solche probeweise angestellt werden. Daß sich die Frauen für genannte Dienste eignen, unterliegt wohl keinem Zweifel, ebenso ist von ihnen Pünktlichkeit sicher zu erwarten. Nachforschungen dieser Art, hauptsächlich in der Schweiz, welche seit Jahren weibliche Beamte sowohl bei der Post als auch der Eisenbahn beschäftigt, lieferten die denkbar besten Resultate. Den Frauen, so bemerkt unser Münchener Parteiorgan, ist die Eröffnung dieses Erwerbes nur zu wünschen, doch hat bekanntlich jedes Ding auch seine Schattenseiten. Voraus sichtlich werden die weiblichen Angestellten für dieselben Arbeiten, welche bisher von Männern versehen wurden, niedriger bezahlt als letztere und würden sie dann nebst gefährlichen Konkurrenten als Lohndrücker funktioniren. Die letztere Befürchtung ist nur ,u berechtigt; es ist leider eine all bekannte Thatsache, daß im Lande der sozialen Reform auch in Staatsbetrieben die Frau geringer entlohnt wird, als der Mann. GeiverKlsilhafllirtrev. An die Arbeiter in Berlin nnd Umgegend. Genossen Seit langer Zeit geben sich die Händler und Händlerinnen die denkbar größte Mühe, um für die Lokal- und Straßenhändler und-Händlerinnen eine aus dem Boden der modernen Arbeiter bewegung stehende Organisation zu bilden; dies ist nun zum Theil gelungen. Eine Freie Vereinigung der Händler und Händ- lerinnen ist vor kurzem gegründet. Zwar ist das Häuflein klein, aber durch die Hilfe der Arbeiter kann es sehr bald größer werden. Die Freie Vereinigung hat sich zur Aufgabe gestellt, durch gute Vorträge seine Mitglieder zu klassenbewußten Pro- letariern heranzubilden, sie hat sich bereit erklärt, bei Lohin kämpfen diejenigen Maaren zum Vertriebe zu verweigern, welche aus Werlstätten oder Fabriken stammen, wo sich die Arbeiter im Lohnkampf befinden. Arbeiter, Genossen! An Euch ist es, nun ür unsere Vereinigung einzutreten, unterstützt uns in dem Kamps gegen den Jndisserentismus unserer Nollegen und Kolle- ginnen. An die Zimmerer von Gr.-Lichterfelde, Lankwitz, Teltow, Steglitz und Marienfelde! Am Sonntag, den 14. Oktober. Vormittags 10'/- Uhr. findet im Lokale des Herrn Eberl, Bcrlinerstraße, Rosenthal'sches Terrain, die erste Mit- !zliederversammlung des neugegründeten Lokalverbandes statt. Wir ersuchen alle Kameraden recht zahlreich zu er- cheinen und tüchtig für unsere neue Organisation zu agitiren. Der provisorische Vorstand. Achtung, Glacee-Handschuhmacher l Am Sonnabend, den 13. Oktober,' findet im Vereinslokal, Gipsstr. 3, ein Vergnügen zum Besten der ausgesperrten Brauerei-Arbeiter statt. Kollegen! Zeigt auch hier Eure Solidarität mit den ausgesperrten Arbeitern nnd erscheint an diesem Abend zahlreich mit Freunden und Be- kannten. Der Delegirle: H. Hinz. Als eine Folge des Güstrower Streiks ist eine Anklage j u betrachten, die am 3. Oktober vor dem Schöffengericht rn Güstrow stattgefunden. G r a p e n t i n. der Führer der Streik- bewegung. war angeklagt wegen Körperverletzung, die er be- angen haben sollte an einem Arbeiter B u b l i tz, welcher als treikbrecher in der Fabrik weiter arbeitete. Von den beiden Zeuge», Bublitz und Grise, giebt der erstere an, daß er mit letzterem zusammen von der Arbeit auf dem Heimweg begriffen gewesen sei, in der Nähe des Bahnüberganges Grapentin be- ! egnete und von diesem zweimal auf den Kopf geschlagen wurde. Grise bezeugt dem entgegen, daß er nicht mit Bublitz zusammen gegangen fei und sich auch nichts mit diesem unterwegs erzählt habe, daß Bublitz vielmehr kurz vor dem Bahnübergang plötzlich etliche Schritte zurückgeblieben sei, zu welchem Zwecke, wisse er nicht, auch will er nicht gesehen haben, daß Grapentin geschlagen hat. Letzterer behauptete, daß Bublitz Lump zu ihm gesagt habe, und er denselben darauf von hinten wohl ergriffen, nicht aber geschlagen habe. Das Urtheil lautet auf acht Tage Gefängniß und Tragung der Kosten; dasselbe wird gestützt nicht auf die widersprechenden Aussagen der Zeugen, andern auf die Aussage des Bublitz. Auch der§ 185 des Straf- gesetzbuches, thätliche Beleidigung, und§ 1S3 der Gewerbe-Ordnung, Nölhignng, wurde angezogen, da in bezug auf den letzteren angenommen werden müsse, daß Grapentin sich als Streikender des Vergehens gegen Bublitz schuldig gemacht habe, um seiner Rache dafür, daß derselbe weiter arbeile, Ausdruck zu geben. Wegen Mangel an Beschäftigung wurden vorige Woche von der Holzhandlung von Havemann und Sohn in Lübeck 70 Arbeiter entlassen. Beim Seidenweberstreik in Bielefeld zeigt sich in recht erfreulicher Weise, was Arbeitersolidarität vermag. Seit sechs Wochen streiken die Arbeiter und bereit? über 7000 Mark hat trotz der gegenwärtig gewiß nicht glänzenden Geschäftslage die Arbeiterschaft ausgebracht, um die Opfer rücksichtsloser Fabrikanien- willkür widerstandsfähig zu erhalten. Einige hundert Arbeiter eines dortigen Etablisiements haben den Beschluß gefaßt, an jedem Lohntage pro Mann eine Mark sür die Streikenden ab- zustoßen. Internationaler Eisenbahnarbeiter- Kongreß. Man schreibt uns aus Paris unterm 6. Oktober: Der erste Punkt, mit dem der Kongreß seine Berathungen wieder aufnahm, betraf die Einberufung von Meetings unter freiem Himmel, die an einem und demselben Tage in allen Ländern behufs Diskussion der vom jetzigen Kongresse angenommenen Beschlüsse stattzufinden hätten. Auf Einwendung verschiedener, namentlich italienischer und österreichischer Delegirten hin, die auf die gesetzlichen Hinder- nisse hinwiesen, die in ihrem Lande dem entgegenstünden, wurde dieser Punkt, der von den Holländern ausgegangen war, von diesen selbst zurückgezogen, hingegen aber dem Wunsche allgemein Ausdruck gegeben, daß die Eisenbahnarbeiter sich überall an der Mai- Manifestation betheiligen sollen. Der folgende Punkt: Achtstundentag, wurde mit dem zweitnächsten: Wöchenllicher Ruhelag, zusammengefaßt und nach längerer Diskussion, in der u. a. auf den Zusammenhang zwischen der Ueberarbeit der Eisenbahnbedienstelen und den Eisenbahnunsällen hingewiesen wurde, ein Antrag angenommen, wonach der Arbeits« tag höchstens zehn Stunden betragen dürfe, ohne daß indeß die wöchentliche Arbeitszeit 43 Stunden übersteige, und hat all- wöchentlich eine ununterbrochene Ruhepause von 36 Stunden einzutreten. Der Punkt, betreffend die Abschaffung der Fracht- züge an Sonntagen, wurde mit dem Zusatz angenommen, daß die Beförderung von Nahrungsmitteln hiervon auszunehmen ist. In bezug auf die Frage des Minimallohns wurde beschlossen, dieselbe dem nächsten Kongreß zu überweisen. Inzwischen soll dos internationale Studienkomitee lohnstatistische Daten sammeln. Was hingegen den nächstfolgenden Punkt, die Gedinge- bezw. Stückarbeit anbelangt, hat der Kongreß mit dem Hin- weis darauf, daß diese Art von Arbeit nur zur Lohndrückerei führe, einstimmig ihre Abschaffung votirt. Desgleichen wurde die Abschaffung der Prämien verlangt, die nur zur AbHetzerei der Bediensteten benützt werden und eine» integrirenden Bestandtheil der Löhne bilden. An Stelle der Prämien soll ein der Arbeit entsprechender auskömmlicher Lohn fixirt werden. Bei Behandlung des folgenden Punktes der Tages- ordnung, der die Abschaffung der verschiedenen Dienstklassen und an deren Stelle eine Beförderung nach dem Dienstalter mit einer von 5 zu 5 Jahren steigenden Lohnerhöhung verlangt, wurde darauf hingewiesen, daß eine Beförderung nach dem Dienst- alter keine Abschaffung, sondern vielmehr einer Vermehrung der Dienstesklaffen gleschkomme und daß weniger gegen diese Verschiedenheit der Dienstesklassen als gegen das Protektions- wesen anzukämpfen sei. Schließlich einigte man sich denn auch dahin, daß von den Eisenbahnverwaltungen gewisse Garantien gegen die Protektionswirthschaft zu verlangen seien, doch würde es jeder Nationalität überlassen, die Wege und Mittel zu wählen, die ihr hierfür zweckentsprechend erscheinen. Was den Ruhegehalt anbelangt, verlangt der Kongreß, daß jeder Eisenbahnbcdienstet« nach 20jähriger Dienstzeit und nicht erst, wenn er schon mit einem Fuße im Grabe stehe, eine Pension erhalte. daß diese mindestens zwei Drittel seines früheren Lohnes betrage und daß die Eisenbahn- Gesellschaften bezw. der Staat, fern dieser im Besitze der Eisenbahnen ist. sür Pensiousfonds allein aufzukommen haben. Bezüglich weiteren Punktes, der die Vorlage eines Gesetzes verlangt. die Diensterfordernisse mit dem Rechte der Eisenbahnbediensteten, zur Wahlurne zu schreiten, in Einklang bringt, sprach sich der Kongreß dahin aus, daß er die Nolhwendigkeit anerkennt, allen Eisenbahuarbeitern und Angestellten die Erfüllung ihrer bürger- lichen Pflicht als Wähler zu ermöglichen, daß er es aber den Organisationen der einzelnen Länder überlasse, ihren gesetz- gebenden Körperschaften diesbezügliche Gesetze vorzuschlagen. Der sozialistische Geist des Kongresses trat besonders bei Berathung des darauf folgenden Punktes, der von dem Rechte der Eisenbahn- bedienstetenaufdasEigenthumdcrEisenbahnen spricht, hervor. Der Kongreß wies nämlich auf das Unlogische dieser Forderung hin und erklärte, daß die Vergesellschaftung der Eisenbahnen gleich der aller Produktionsmittel anzustreben sei. Damit war die Tages- ordnung erschöpft und auch die eigentlichen Arbeiten des Kon- gresses erledigt. Der nächstjährige Kongreß wird auf Antrag der italienischen Delegation in Mailand tagen. Heute Abend findet den Delegirten zu Ehren ein Bankett mit darauffolgendem Konzert und Vall statt, während für morgen Nachmittag eine große Volksversammlung mit der Tagesordnung:„Der inter- nationale Eisenbahnarbeiter- Kongreß und die öffentliche Sicher- heit" angesagt ist. In dieser Versammlung soll auf die häufigen durch die Ueberarbeit hervorgerufenen Eisenbahnkatastrophen hin- gewiesen und damit gleichzeitig dokumenlirt werden, daß. wenn die Eisenbahnbediensteten gegen die Ueberarbeit Front machen, sie zugleich die Sache des großen Publikums vertreten. so- den des das VepcsUien.