Nr.Z«H�Z7.�ahrgaüg Ausgabe A Nr. 56 Bezugspreis; V-rt-IsShrUM.- Mk.mon-tl.io.-MI. frei ins ösus, voraus zahlbar. Post- beug- Monatlich 10,— Mb. tjfU Zu» stellungsgebühr. Unter Kraizband für Deutschland und Oesterreich 16,50 M!.. für da- übrige Ausland bei täglich einmal. Zustellung 21 50 M. Poilde- üellungen nehmen an Oesterreich. Unzarn, Tfchecho-Slowakei, Däne- Uiart, Solland, Luxemburg, Schweden und die Schweiz.— Eingetragen in die Post-�eitungs-Preisliste. Der„Vorwärts� mit der Sonvtaas- beiiage»Volt n. Zeit* etichehu Wochen- täglich zweimal. Sonniags und Montags einmal. Telegramm-Adresse- �Sozialdemokrat B cclln". Morgen AnsgaKe Bciiincc VolKsblelti ( 30 Pfennig� Anzeigenpreis: Die achtgespaltene Nonvateille?ei!» ko-ieiI.— illi�Teucrungszuschiag 50«/» .Aleins ülazrlgo«--, das'int- gedruckte Wort 1,— M.(zulfitfig zwei iettgedruckte Worts), iedes urirere Wort 60 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellestanzeigen das erste War- Sö Pfg. iedes weitere Dort 40 Psst. 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Die polnischen Delegierten kehre» nach Warschau zurück, um von ihrer Regierung die Ermächtigung zur Unterzeichnung nicht nur des Waffenstillstandsvertrages, sondern auch der g r u n d- legenden Friedcnsbedingungen, die die Sowjet- rcgicrung aufgestellt hat, zu erlangen., Ostenbar will Rußland damit jeden Mißbrauch des Waffen- slillslands zu neuer Kriegshetze und-rüstung oerhindern. Eigen- artig paßt aber zu der bolschewistischen Gegnerschaft gegen die Gebeimdiplomatie die Warschauer Meldung, wonach die polnische Regierung bei der Sowjetregierung beantragt habe, zu den Waffen- slillstandsverhandlungen Zeitungsberichterstatter zuzu- lasten, die Sowjetregierung aber ablehnend geantwortet hätte. Bolschewistischer Siegesbericht. Pari?,& August. Havas veröffentlicht folgenden Bericht der Solschen) isten vom 2. d. M.: In der Gegend von Lom- s H a wurden die Uf.'r des B o b r und des Narcw überschrit- t c n. Tie Offensive wird energisch fortgesetzt, �m Westen von V ialy stock wurde die Siadt Bolsl besetzt, ebenso die Sta- tion Balmasche w. Bier Geschütze wurden erbeutet. Im Nor- den von K o b r i n haben die bolschewistischen Truppen den Wider- stand des Feindes gebrochen und nenes Gebiet erobert. Ernc feindliche Batterie wurde erstürmt. Rusfisch-finnische Differenzen. Amsterdam, 3. August.(W.T.B.) Di» finnisch-russischen Frieden?» Verhandlungen, die am 27. Juli in Dorpat wieder aufgenommen worden waren, mußten wegen entstandener Schwierigkeiten wieder ausgesetzt werden. Der Sowjetdelegierte erklärte, daß, wenn Finn- land seine Ansprüche auf P e t s ch e n g a und O st k a r e l i e n aufrecht erhalte, die Russen genötigt sein würden, als E n t- s ch ä d i g u n g die Landenge von Karelien und die Alandsinsleln zu beanspruchen. Es wurde beschlossen, die Frage des finnischen Golfes einem Ausschuß sür Gebielc-fragen und die wirlschastlichen Fragen einem Wirlschaftsausichuß zu überweisen. Laffont aus Rustlant» ausgewiesen! Rom, 3. August.(WTB.) Ein Funkspruch aus Rußland vom 3. August meldet, daß der franzöfischc sozialistische Abgeordnete Ernest Laffont und Gemahlin auf Befehl T r o tz k i s aufge- fordert wurden, Rußland zu p-erlasfen. Genf über Versailles. Genf, 3. August.(WTB.) Der Internationale Sozia- listcnkongreß setzte beute varmittag seine Arbeiten fort. In d-'r Besprechung der von der Kommission eingebrachten Resolution über die Stellung der Internationalen zum Bölkerbund, er- klärte F ngb er g(Schweden), daß der Bölkerbund zwar sehr der Verbesserung bedürfe, daß der heutigr Zustand Europas aber doch nicht so beunruhigend sei, wie vor dem Jahre 1vl4. T r o c l st r a(Holland) kritisierte die Resolution als zu wenig scharf gefaßt. Er tadelte vor allem, daß Sowjetrußland vom Bölkerbund aus- geschaltet sei und bekämpfte insbesondere die Bestimmung, daß nur diejenigen Nationen zugelassen werden, die ihre» Bcrsprcchun- gen nachkommen. Dieser Passus habe sich im Jahre lütg auf Deutschland bezogen, jetzt könne er sich nur noch auf Rußland be- ziehen. S t a u n i n g(Dänemark) übtescharfcKritikandemBertragvonBersaillcs und am Bölkerbund und erklärte, daß die Uncinigkest der ?!ationen heute größer sei denn je. Aufgabe des Sozialistenkon- grcsses sei es, auf diese Tatsache hinzuweisen und dagegen Stellung zu nehmen. Bernstein(Deutschland) erklärte, daß der Vertrag von Versailles für die Deutschen eine große Enttäuschung bedeute, weil die Alliierten gegen die deutsche Republik dieselbe Stellung einnehmen wie früher gegen das kaiserliche Deutschland. Die deutsche Revolution sei aber durchaus ernst zu nehmen und sei nicht etwa ein Versuch gewesen, sich der Verantwortung zu entziehen. Durch die Revolution sei in Teutschland der politische Schwerpunkt voll- s-ändig verschoben worden. Ter Vertrag von Versailles versetze dem S e l b st b e st i m m u n g s r r ch t der Völker einen sehr schweren Schlag. Versailles hat die deutsche Reaktion wieder gestärkt, die deutsche Revolution hat das Selbstbcstimmungsrccht proklamiert. Versailles hat sich an diesem Selbstbestimmungsrccht versündigt, dadurch sin-d Stimmungen entstanden, vor denen man Furcht hat und daS stärkt den neuen Militarismus. Man hat Pariavölker geschaffen, daS deutsche Volk eine Bcrbrechcrnation genannt. Der Deutsche ist aber in seiner Masse so gutartig wie jeder andere. Tie Behandlung als Paria muß Berbittcrniig wecken. Deutschland ist wehrlos, es will keinen Krieg. Wenn jetzt ein Einmarsch von Ost oder West erfolgt, k a n n e s s i ch n i ch t w e h r e n. Die Re- gelung van Versailles ist widersinnig. Es gibt keinen Bölk'rbund, nur einen Bund von Staaten. Wir schließen uns Troelstra an, die Massen müssen handeln. In England haben sich Arbeiter gegen diesen Frieden erhoben. Wir appellieren an die Demokratie der Mas- sen, dir die Revision und den dauernden Friede« bringen wird.(Starker Beifall.) Der Kongreß beschließt daraufhin eine neue Kommissions- bcratung._ Die Sozialisierung ües Sergbaus. Genf, 3. August.(WTB.) In der Dienstagsitzung des Jnter- nationalen Bergarbeiterkongresses, in der Sachse- Teutschland den Vorsitz führte, wurde ein Antrag der Engländer über die Ratio- nalisirrung der Bergwerke erörtert. Generalsekretär Hodge be- gründete ihn und erklärte, daß die englisch« Forderung aus Ratio- nalisierung der Bergwerk« ildentrsch sei mit den Wünschen der Deut- schen aus Sozialisierung der Bergwerke. Beide bezweckten die Be- seitigung der Macht des Kapiialismiis und der Bureaukratie im Bergbau und deten Uebergang in die Verioallung einer Körper- schaft, in der Vertreter der Arbeiter, der Verbraucher und des Staates vorhanden seien.-Tie Itotionalisicrung allein könne ans der Weltkohlennot herausführen. In den letzten sechs Jahren sei die Erzeugung, um 4lX1 Millionen Tonnen zurückgegangen. Einzig Amerika weise eine bescheidene Steigerung der Erzeugung auf. Tic Lage in Europa sei geradezu trostlos. Man könne nur mit ernster.Sorge in die Zu- kunft blicken. Der Internationale Kohlenrat, wie ihn die Deutschen vorschlügen, würde nur dann c'nen Zweck haben, wenn die Nationalisierung durchgeführt wäre. Ter Jnter- nationale Koblcnrat werde die Erzeugung zu regeln, die Preise festzusetzen und die Verteilung vorzunehmen haben. Wenn Devtich- '.and den S e ch s st ii n d e n t a g für notwendig halte, so sei er für Belgien und'Frankreich ebenso notwcVidig.(Beifall.) I m b u s ch(Deutschland), vom Christl. Bergarbeiterverband, der, wie tags zuvor H u e, von der englischen Delegation I e b- hast begrüßt wurde, erklärte, daß der Vorschlag der Engländer auf Natiouaüsierung der Bergwerke bei den deutschen Delegierten großen Beifall gefunden habe. Deutschland-wünsche dringend, daß die Frage einer Lösung entgegengeführt werde. Er gab einen Ueberbliik über die Verhältnisse im deutschen Bergbau und sagte, daß in Teutschland auch Staatsbetriebe vorhanden seien, daß diese aber nicht sehr ergiebig seien, weil sie zu b u r c a u k r a t i s ch verwaltet würden. Notwendig sei die Herbeiführung einer mög- lichst hohen Erzeugung mit möglickfft geringen Kräften. Bei der Sozialisierung müsse die Einseitigkeit der Bourgeoisie und die Fiskalisierung ausgeschaltet werden durch Beleiligung der Arbeitr an der Leitung und der Vermal- tung, wodurch allein die Arbeitslust und damit die Produktion ge- steigert werden könne. Die D e u ts ch e n hätten Aussicht, dieses Ziel bald zu erreichen. Sie wünschten, daß die Bergarbeiter der anderen Länder ihnen auf diesem Gebiete energisch folgten. (Starker Beifall.) Bartuil(Frankreich): Notwendig ist, daß der Kongreß nicht nur Resolutionen faßt, sondern daß die Bergarbeiter zu einer praktischen Llktion übergehen. Der o in e r i k a n i s ch e Delegierte A v a g e erklärte, die Er- fahrungen in Amerika während des Krieges seien durchaus nicht günstig und ermutigen nicht zur Nationalisierung. Man müsse sehr vorsichtig sein, damit die vorgeschlagene Reform nicht statt einer Verbesserung eine Verschlechterung der Lage der Bergarbeitcrschaft und Kohlenproduktion bringe.— Lombard (Belgien) betonte, daß mit der Forderung aus Sozialisierung er- klärt werden muß, daß die Bergwerke nur gegen eine Entschädigung in den Besitz der Allgemeinheit übergehen könnten. S m i l l i e warnte davor, schon jetzt ein bestimmtes Aktion?- Programm zu beschließen, da die englischen Delegierten ihre Zu- stimmung dazu nicht geben könnten, bevor nicht die Frage der Nationalisierung geregelt sei. Auch Hue vertrat einen ähnlichen Standpunkt. Schließlich gelangte die folgende, von der englischen Delegation vorgeschlagene Resolution einstimmig zur Annahme!»Der Kongreß beschließt, daß alle Länder endgültig für die Nationalisierung oder Sozialisierung der Bergwerke eintreten, ebenso für die Beseitigung der kapitali- stischen Besitzerrechte und die Durchführung der Kontrolle und Verwaltung der Bcrgbauindustrie durch Vertreter der Staaten der beteiligten Arbeiter und der Konsumenten. Der Sekretär jeder angeschlossenen Organisation wird dem Jnternalional-n Bureau in jedem Vierteljahr über die Fortschritte, die in jedem Land zur Erreichung dieses Zieles gemacht werden, Bericht er» statten. Wenn sie geschlossen vorgehen, so stellen sie heute die stärkste wirtschaftliche Macht der Welt dar.-(Beifall.) öegrabener Streit! Von Victor Sch iff. Mit einem Gefühl der Erleichterung hätte der allergrößte Teil der deutschen Sozkaldemokratie die Kunde vernommen, daß unsere Delegation in Genf die Resolution über die Schuld- frage als gänzlich unannehmbar glatt abgelehnt hätte. Und so sehr wir den Widerstand begrüßen, den sie bei ihrem Eintreffen am Konferenzort gegen die ursprüngliche Fassung geleistet hat, so sehr fühlen wir uns verpflichtet, auszusprechen, daß auch in ihrer abgeänderten Form die Reso- lutton ein höchst bedauerliches Schriftstück ist. . Es niuß zwar bei einer solchen Erörterung vorausgesetzt werden, daß die Genossen, die an Ort und Stelle unseren Standpunkt zu vertreten hatten, besser in der Lage gewesen sein müssen als wir, festzustellen,>vas zum Zeitpunkt ihres Eintreffens überhaupt- noch zu retten war. Es ist offensickit- lich, daß das Gros der Delegation bei seiner Ankunft in Genf sich beinahe vor eine vollendete Tatsache gestellt sah, und daß es sich sür sie nur noch darum handeln konnte, einen gänzlich verfahrenen Karren in ein verhältnismäßig günstiges Gleis zu lenken, illnr so ist ihre Zustimmung zu einem Schriftstücke zu erklären, das zwar einige nicht unive- sentliche?lendcrnngen enthält, dessen Geist aber dem ur- sprünglichen in ihrer Abwesenheit redigierten Text so ähnelt, daß es unsererseits eine Unaufrichtigkeit wäre, in dieser Be- zichung Unterschiede herausklügeln zu wollen- Der Karren war Versahren. und zwar von jenem Augen- blick an. wo man sich widerspruchslos darauf eingelassen hatte, über Schuldfragen mit denjenigen Leuten zu debattieren, die nach Gens ohne jede moralische und materielle Berechti- gung als Vertreter des französischen Sozialismus gekommen waren.' Wer sind denn die R o z i e r. A n b r i o t, B r u n e t usw., wer sind denn diese französischen„Dissidenten", die in Genf vom ersten Tage an das große Wort in. der Schuld- frage gcstihrt haben? Ein Häuflein von lleberpatrioten, die vom ersten Tage de� Krieges an der Gustave H e r v ö- schen Politik des Krieges Bis-ans-Ende am nächsten gc- standen, die die Kriegskleditc nicht ettva mir während des Krieges, sondern auch nach dem Waffenstillstand bewilligt und die in ihren Organen„France Libre", „Pvlitiqne" und„Hcure" den traurigen Mut gefunden haben, während der Friedensverhandlung das Versailler Diktat nicht allein zu rechtfertigen, sondern auch noch zum Teil- als zu milde zu bezeichnen! Mehr noch: Als diese Leute wegen ihrer nationalistischen Exzesse- und. wie auS ziemlich klaren Andeutungen der sozialistischen Blätter hervor- geht, wegen nicht ganz sauberer mit dieser BiS-ans-Ende- Politik verbundenen Geschäfte— von ihren Organisationen nicht wieder aufgestellt wurden, da fielen sie mitte« im Wahlkampf ihrer Partei in den Rücken und kamen ans bürg er- lichen Listen und nijt vorlviegend bürgerlichen Stimmen teilweise durch. Diese Männer, hinter denen sicherlich keine 2000, vielleicht auch keine 200 ehemaligen eingeschriebenen Sozialisten stehen, sind es, die nach Genf als»Vertreter des französischen Sozialismus" fahren, um dort die„Scheide- männcr" anzuklagen, wie sie es mit viel Tamtam in der � bürgerlich narkonalistischen Presse verkünden ließen. Hatten sie ja selbst eine Anklageschrift verfaßt und iwr- breitet, in der von der„niederträchtigen Politik derdeut schen Sozialdemokraten" und dergl. die Rcdcl war. Man mußte geradezu den Eindruck gewinnen, daß diese Herren überhaupt nur nach Genf gefahren waren, um parteipolitische Geschäfte zu machen und um sich später als diejenigen vor ihren Wählern hinstellen z» können, die»mit Scheidcmann abgerechnet" hätten, im Gegensatz zur wirklichen Sozialistenpartei, die in der Tat längst nicht mehr daran denkt, mit Schulddcbatten die Geschäfte der Nationalisten zu besorgen, und die, wenn sie uns zwar heute besehdet. es aus ganz anderen, nämlich revolutionär-taktischen Gründen tut. Schrieb doch der„ P o p u I a i r e" vor wenigen Tagen über die Absicht der»Dissidenten", daß bei allem, was er gegen Scheidemann auszusetzen habe, dieser im Vergleich zu einem Rozier der reinste S o z i a l i st sei. Und ein Pariser Genosse, mit dem ich mich schon vor Monaten über diese Herrschaften unterhielt, wehrte den Hin- weis aus deren Haltung während der Versailler Wochen mit den Worten ab:„Mais ces gens-la, nous les avons vomis 1"(Aber diese Leute haben wir auZgespien!) Ein Ausdruck, den er, der sich sonst nicht in Kraftausdrücken ge- fällt und kein Linksradikaler ist, zweimal iviederholte. Daß der Genfer Kongreß ihre Zulassung beschloß, ist ge- rade vom Standpunkt der Zukunft der Zweiten In- ternationale ein schwerer Fehler, weil damit die Möglichkeit ihrer Wiedervereinigung mit den wahren Soziali st en Frankreichs wesent- lich erschwert worden ist. Wenn die.deutschen Vertreter, um den Anschein zu vor- meiden, als wären sie zugleich Nichter und Partei, sich bei der Frage der Zulassung der„Dissidenten" der Stimme ent- halten haben, sind sie'damit nur Opfer einer übertriebenen Anständigkeit gewesen. Aber»enug damit und kommen wir zur Resolution selbst. Was darin. namentlich im ursprünglichen Text, besonders empörend war, das war das will- kürliche Herausgreifen von jenen vier oder fünf Sätzen aus den sechzehn Seiten der deutschen Denkschrift, welche dann, aus dem Zusammenhang heraus- gerissen, als eine Selb st anklage erscheinen mußten. In Wirklichkeit ist der Sinn der Denkschrift, daß die Sozial- dcinokratie während des Krieges im ganzen gar nicht anders handeln konnte, als sie es getan hat. und daß sie sich diese Haltung, als Ganzes genommen, nicht zum Vorwurf machen kann und will. Ja, wäre wenigstens diese ausdrückliche Feststellung in die Resolution hineingenonimen worden, dann könnte nian alles andere zur Not noch hingehen lassen. Denn worum handelte es sich denn eigentlich bei dieser Debatte über die Verantwort- lichkeitssragc? Sollte eine Schuld der Machthaber festgestellt ivcrden oder eine Schuld der Sozialdcmo- k r a t i e? Würde es sich nur um das erster? gedreht haben, so hätte eigentlich kein anderes Interesse, als das Interesse zur historischen Wahrheit uns zu Einwendungen veranlaßt. Selbst wenn die Schuld der deutschen und österreichischen Machthaber nur halb so groß wäre, dann würden sie eS dennoch tausendmal verdi ncn.„dem Abscheu der Völker preis- gegeben" zu werden. Wir selbst haben sie dem Abscheu des deutschen Volkes prcisgfgebrn, als ivir nach der Revo- lution infolge der verschiedenen Archiveverösfentlichungcn idie ersten greifbaren Beweise ihrer Schult in die Hände bekamen. Aber was wir nicht wollen, das ist, daß die Poincarß, Barthou, Iswolsky, Pasitsch, D-clcassa, Northeliffe reingewaschen werden— und das ist es, was Herrn Rozier mit dieser einseitigen Resolution bei- i'. a h e r e st l o s geglückt ist. Und zwar in einem Augen- blicke, in dem die wirklichen Sozialisten in Frankreich sich immer gründlicher mit der Frage des Anteils ihrer Staats- männcr am Kriegsausbruch befassen und in dem die sran- zösische„Liga der Menschenrechte", der nicht nur Sozialisten angehören, eine ernste Prüfung dieses Themas mit Referenten nnd Korreferenten organisiert hat. Ganz ollgemein wird nur das kapitalistische System angeklagt und unmittelbar'? Sckuld wird„nicht ausschließlich" Teutschland zugc- schoben— sonst aber erklärt die Internationale, daß die Weltgeschichte er st mit den Tagen nach Sera- jevo anfängt: dies obendrein bei ausschließlicher Kennt- nis der Archive der besiegten Länder. Aber die GogenseHe hat es in Genf sehr geschickt ver- standen, in diesem einen Schriftstück die Frage der Schuld der Machtlwber mit der Frage einer Schuld der deutschen Sozialdemokratie zu verquicken. Als hättcn wir allein uns über unsere Haltung zu verantworten. In der„Huma- uitü." vom 23. Juli liest man einen scharf polemischen Ar- tikel von Victor M�ric gegen die Zweite Internationale, in dem cm die Stuttgarter Resolution<1937) erinnert wird durch die sich-die Sozialist� verpflichten, falls der Krieg einmal ausgebrochen wäre, sich dafür einzusetzen, d a ß e r r a s ch est e n s z u E n d e g e h e. Ja. wer hat denn von der ersten Stunde an alles versucht, um den Kontakt mit den ausländischen Sozialisten wieder zu gewinnen und um den Frieden wieder herzustellen und wer hat bis zu- letzt jeden Kontakt, jede Friedensbe-sprech- u n g. einschließlich die Stockhol. in erKonserc nz, Tffl r o f f abgelehnt? M�ric beantwortet die letzte Frage 'selbst: Es waren die Franzosen nnd die Belgier. i" u Davon und von vielen anderen ähnlichen Dingen sagt die Genfer Resolution nichts. Dagegen entliälr sie eine drei- fache Erklärung des deutschen Vertreters in der Unter- kommission,' gegen die an sich nur wenig einzuwenden wäre. wenn man nicht dahinter Absichten von französischer Seite erblickte, gegen die ganz entschieden protestiert werden muß. Die erste Erklärung betreffend Gefährdung des Welt- friedens durch den Frankfurter Frieden enthält an sich; nichts Neues. Um zu wissen, daß Marx und Engels die ge- Knut yamsuns Lob. Der norwegische Tichler. dessen lchöpsensche Slgenart unsere Leser jetzt am vollen Wiirs seines.«egenS der Erde'«rsahren, wird beut« St�Hallre alt. Vir setzen aus diesem Anlatz au» der meislerbailcn Ckarn'Iciisl'k �am.sii"». mit der Waller v Molo seine Sind wa dl von vamiun» ErzAhlimgen(Verlag Albert Langen, München) eingeüilet dat. einige Tatze her: HamfunS Barten ist vom schützenden GlaShanS dcZ Welt- gnnzen beschirmt, sein Dsch ist der Himmel, seine Wände sind die Unendlichkeit, fein HumuS ist seine, ohne jeden Verlust, unablässig Energie der Schönheit ausstrahlende Seele voll göttlicher Kraft, nus der seine GlaShauSlufi, das ist der ibm von Gott verliehene beiße Atem der Schöpsungstagc, ivcht. Nicht Schönheit ästhetischer Zirkel, nickst festgesetzt«, piinzicrte Schönheit gibt er, er kennt nur die Schönheit der Kraft des Lebensspiels! Schönheit ist ihm das gewaltige, bruwle, unausi'chöpfliche. unendlich weise und gütige, faszinierende Rats«! des Wcllenalls, das die Erde in allen- Poren durchdringt und beherrscht» das den Menschen spielen und dabei lernen und leiden heißt, das ihn. ist er für hier zu weis« geworden, durchahnt er die, für ein endliches Zjel. zivecklose Arbeit seines Seins, gnädig an die Brust schließt, was sterbe« heißt, um ihn neu, in anderer Form wieder zu erwecken, damit er mit' neuer©in» faltSkraft am endlosen Linnen der Ewigkeit wieder mitzuspinnen vermag! Diesem Ziele schiebt sich Hamsun, so sehr er auch be- müht ist, nicht zu„grübeln", unentwegt, in unbewußt selbstmörde- ri scher Sehnsucht gierig, zu. Er„denkt" nicyt. er gestaltet, aber seine S'ele, die„anzuschauen" fähig ist. wi« wenige, hat dt« Per» nilwft und die Weißcheit des ANS! Wie ein Pag« der Schöpfung steht Hamsun unter seine« Mitmenschen; höchlichst verwundert über sich selbst, doch gehorsam am Werk, dem ehernen Gebote sol- gend, da! aus ihm tönt. Er„weiß" nichts, er will nichts wissen. doch das Gefühl weiß alle»; dieses Gefübl ist in ihm. Hamsun» Können durchläuft alle Tonleitern des vorhandenen Geschehens; es ist Klang, entstehend durch das träumerische Gleiten der Hand des Wunder? über alle Saiten der Weltenharfe. Hamsun erzählt oft im Ich-Ton. doch ist cS nickt sein Ich, daS redet,<•» ist die CS jektivität der Welt, die er ist. da? Saitenspiel der Ewigkeit. Er muh dicksten. Hamsun ist kochst einfach, wie der Mensch im Para- dicS. er ist raffiniert �okett. derb nnd aniS höchste graziös und ge- fchmackvoll. Das Verruchteste wirs unter seinen furchtlos und un» bekümmert formenden Seelenhänden adelig schön. Er ist der be- weglichste Feuillcwnist, der eleganteste, sarkastischste Plauderer. der fabelhafteste Reiscichrldercr. der Schriftsteller voll Handwerker- stolz er ist stets Dichter? Er ist tiefernst und grotesk komisch, Meister der Galanierie, Beherrscher rührender Hilklosßlkeiten und Tölpeleien, voll Witz uwd Humor, voll Verschlagenheit und verblüf- fender Offenheit, voll Naivität und Scharfsinn, voll Gefühl und waltsame Annexion Elsaß-LokhringenS getadelt haben, brauchte man um so weniger eine besondere Resolution im Jahre 1923 in Genf, als ja Bebel und Wilhelm Liebknecht bereits sin Jahre 1871 rm Deutschen Reichstag namens de? deutschen Sozialdemokratie dagegen protestiert hatten. Aber ich erblicke in dem Wunsch der Gegenseite, daß diese Erklärung Adolf Brauns in der Resolution stehe, den Versuch, die ganze Revanchepolitik des amtlichen Frankreichs in den letzten 53Jahren zu rechtfertigen. Und was den Satz anbelangt, daß es für Teutschland keine elsaß-loth- ringischc Frage mehr geben darf, so ist er eine Selbstverständ� lichkeit, wenn er den Verzicht auf eine Revanche durch das Schwert zum Ausdruck bringen soll. Ich hätte persönlich sol- gcnde Fassung vorgezogen:„Für die deutsche Sozialdemokratie gibt es ebensowenig eine elsälsische Frage, als es eine solche vor dem Kriege für die französischen Sozialisten gegeben ha t." Und den Franzosen hätte ich sehen wollen, der gegen diese Fassung Einspruch er- hoben hätte!... Gegen die zweite Erklärung(Verbrechen an Belgien und Mißhandlung der Bevölkerung in den besetzten Gebieten) ist natürlich inn so weniger etwas einzuwenden, als ja die Gegenseite entsprechend» Erklärungen bezüglich der deutschen besetzten(£ebietc abgegeben hat. Aber die dritte Erklärung über die Verpflickstirng. die das republikanische Deutschland selbst anerkennt, die Folgen wiedergutzumachen, die da? kaiserliche Deutschland durch seinen Angriff„ausgelöst" Hot, erscheint mir d?S> halb höchst bedenklich, weil sie in anderen Worten so- zusagen dasselbe erklärt, was der berüchtigte Artikel 231 des Versailler Friedensver- t r a g e s, der moralische Gnrndvseiler des ganzen Versailler Mordinstrumentes, bezweckte: Deutschland hat den Krieg„ausgelö st", folglich muß e s. d i c Folgen wiedergutmachen. Und die jüngstem Artikel des Herrn Aubriot kurz vor dem Genfer Kongretz bekräftigen mich nur in der Ansicht, daß er gerade dieses Ziel der Auer- kennung der deutschen Schuld und der deutschen Pflicht zur Wiedergutmachung verfolgte. Mit dieser Resolution soll nun der Versailler Frieden in seiner größten Ungerechtigkeit. der Aufbürdung sämtlicher Lasten auf die Schustern der Deutschen, durch die Internationale geheiligt werben. Was der Genfer Kongreß inzwischen gegen das Versailler Diktat beschließt, wird Herrn Aubriot und feinen Freunden daneben gänzlich gleichgültig sein. Wenn unsere Genossen in Genf dieser Resolution schließ- lich, wenn auch sicherlich schweren Herzens, zugestimmt haben im dem Glauben, daß nunmehr der Streit endgültig b'.- graben sem wird, so.zeigt schon die lebhafte Erregung. die diese Resolution in Deutschland auch in den Kreisen der Partei hervorruft, daß sie sich hierin getäuscht haben. Es fragt sich besonders, ob das Opfer, das sie gebracht haben. wirklich der Mühe wert war. Hätten sie dem Kongreß ge- sagt:„Ihr habt die Wabl zwischen uns. der deutschen Mil- lionenpartei. oder dem Häuflein von aus ihrer Partei hin- ausgeworfenen Franzosen", dann glaube ich bestimmt, daß diel? ganz überflüssige, ein''ritige und schädliche Resolution un>d?rblieben wäre. Die„Dissidenten" wären nach Paris zurückgefahren. Damit wäre der Zweiten Internationale aber ,tjur gedient, und der leid'gc Streit.zwischen Sozialisten über die„Schuld" wirklich und endgültig begraben ge- Wesen. deutscblanö und öer Bolschewismus. Man sckreistt im?; Ulster die sein Titel veröffeiitlickste Wladimir Burtzeff kürzlich einen Aufsatz in einem Berliner Blatt. Wer Durtzeif ist. weiß man, Er Kaste sich als bürgerlicher gdealog«, wie so viele andere sein«»» gleichen unter dem persönlichen Aegnne, unter die Sozialstem Geist, voll Unsinn und Vernunft, e? ist die menschliche Tragikomödie an sich, die er genußsückt'». als göttlicher Tamzmeister, zu ewig neuem Reigen gruppiert. E? ist durch und durch SrlebniSmensch voll der feinsten Ncrve»>ens!Ksli!ät. er jst unersättlich durch Er- lebni Seinfälle, di« feinen Schöpfungen die brausende Sinfonie der Fülle geöcn, die sein Werk, das über der Mode steht, erhält. Er dampst von Trstlnähigkeit und inner« Spann»na. die er in seine Bückxr gießt, die durch diesen mitreißenden SpannunoSreichtum Ibutwarm sind wie ein lebender Körper. Dir Mainlinie de» Rauchers Kennt ihr die Gcschickue pon dem rui suchen Posten, der zweihundert Jahre lang an ein und der- selben Stelle steht, obne Zweck, ohne Sinn? E? war die Stelle an der die russische Kaiserin mit besonderer Vorlieb« Blumen pflückte. Und damit ibr niemand die Blumen wcapflnckte. bat sie ihren Adjutanten, einen Posten binzustcllen. Der Posten wurde hingestellt und abgelöst. Als man nach 200 Jahren nachforscht«, warum eigentlich an dieser Stelle ein Posten stehe, erfuhr man die Geschickte von de» Blumen der Kaiserin. Die Geschichte hat ein Analogon. Vor dreißig Jahren war das Rauchen im Speisewagen des Zuge» Berlin— München streng ver- boten. Doch nur für den preußischen Teil der Sirecke. Sowie man die Grenze übeifuhr. konnte man rauchen. Fuhr man umgekehrt, von München nach Berlin, dann erschienen in Saalfeld Kellner, Auf- sichtsdeamte, Zugführer und sahen nach, ob alle« die Zigarre bei- seit« gelegt hatte: Bayern war vorbei, da» Stauche« war vorbei. Tausendmal wurde gefragt: Warum? Die Kellner znckten die Achseln, die Sussichtebeamleii zuckten die Achseln, ebenso daS Zugpersonal. Warum? Borichrtst l Da gib« es-kein Warum. ES kam der Krieg. An allen Vorschriften wurde gerüttelt. Aber an den Rauchverboten und Raucherlaubnrsten in den Speis«» wagen wurde nicht gerührt. Es lam we Revolution. Wieder wurden tausend neue Ver- ordnimqen erlan'en, tviedcr wurden tausend alle in den Papierkorb geworfen. Aber an da» Rauchverbot im Speisewagen wagte sich niemand. lind nun kam endlich die llcbernabme der gesamten deutschen Eisenbahnen aus da» Reich. Aber das Rauchverbot blieb. Fährst du von München nach Berlin und fitzest im Speisewagen, so darfst du ronchen, solange d» dich auf bayerischem Boden befindest. So- wie aber der Zug die vreußrscke Grenze passiert, stürzen sich Kellner, AusticktSbeamie nnd Zugpersonal onk dich lol und verbieten dir mit aller Strenge, auch nur einen weiteren Zug aus deiner Zigarre zu tun. Das Publikum wehrt sich gegen alle veralteten Vorschriften. ALcS hier war aber vergeben». Da konnte kein Krieg, keine Revo» lution. keine verreichlichung helfen. Wann wird da» Rauchen auch auf preußischem Boden erlaubt sein? M. F. Tie Wage als GesundheitSbarometer. DaS neue Schuljahr hat be- gönnen, und da man ja jetzt auch der körperlichen Entwicklung der Kinder di« größte Aufmerksamkeit widmet, so werden die Insassen der neuen Klaffen auch gewogen. Aber mit der Feststellung de« Ge- verirrt uwd da zu seiner Spezialität int Aufdeckung dem Loch« spitzeln gemacht. So hat er auch Azew als Lockspitzel entlarvt. Dann kam der Krieg und B-urtzeff wurde ein begeisterter An- Hänger des Zarismais, was dieser ihm freilich schlecht dankte. Burtzeff fuhr fort zu enthüllen. Da der Kriegsbegeisterte aber nicht mehr gut zaristische Soldknechte entlarven konnte, ver» -legte er sich auf die Entlarvung deutscher Lockspitzel. Wer durch den Krieg nicht zum Zarenperteidiger geworden war. der war „von Deutschland gekauft". DaS Rezept war einfach und wirkungsvoll und scheint in Frankreich auch heute noch seineu Mann"zu ernähren. Trotzki, Lemm. Sinowjew, Kamenest usw. haben nicht etwa politische U Überzeugungen, die zu verdammen sind, die für Rußland sowohl wi« für die übrige Welt Verhängnis» voll sein müssen. New. Radek, Joffe. Lenw usw. find deu t sche Lockspitzel. Di« ganze russische Revolution ist von Deutsch. land bezahlt, tnscke in Gerrnany Diese Theorie entwickelt Burtzeff auf der ersten und zweiten Seite der—.vossischen Zeitung". Und die findet kein Wort der Erwiderung! Dann kann Burtzeff sich hinstellen und verkünden: Die Deutschen haben es selbst emgestanden, daß sie die Lenin. Trotzki, Bucha rin uiw. bezahlen, denn eines ihrer führenden Blät- ter hat es selbst veröffentlicht. In der französischen Press« kann man jetzt wieder di« bekannten Enten lesen über das Zusa-nmenarbeiten der Bolsche- Witten und Deutschland. In der Nummer vom 28. Juli der- selben regierungstreuen„victorie". an der Burtzeff mitarbeitet. kann man nicki weniger als vier solcher auS HelimgforS, Berlin» Riga und London datierter, jn Paris fabmzierter Depeschen lesen. Sogar der verstorbene von Äluck feiert da seine fröhliche Auf- erste hung und sitzt in Moskau, an der Ausarbkätung der milu tänfchen Pläne beschäftigt! Der Zweck der Uebung ist klar. Tie französischen General. stäbler bereiten sich für all« Fälle die nötigen„Beweise" vor. daß Deutschland di« Neutroltität zugunsten Sowjetrußlands verletzt hat. Rußland KriegShilfe geleistet hat. Weiß da? di«.Vosfische Zeitung" nicht, sie. die doch offenbar Beziehungen in Frankreich hat? Und wenn sie es weiß— und sie kann«s unmöglich nicht wissen— welchen Zweck hat dann die Peröffentlickung de» Artikels von Burtzeff, der doch äugen. scheinlich ein Agent Franjreichs ist? Siemsen bleibt im Eine Erklärung des Ministers Haenisch. Wie die P. P. R. erfahren, hat Kultusminister Haenffch am 33. Jnli dem Verband sozialistischer Lehrer und Lehre- rinnen auf die von uns bereits mitgeteilte Eingabe folgende Antwort gcsaijdt: „Ihre Zuschrift vom 24. d. M. habe ich erhalten. Gleich Ihnen bedauere ich lebhaft das harte gegen den Oberlehr« Dr. Siemsen gfällt« Urteil des Essener Landgericht», wenn'ch selbstverständlich mir auch in meiner Stellung al» Minffter in der Bewertung dieses Urteil» die äußerst« Zurückhaltung auferlegen muß. und wenn ich mir auch natürlich nicht den geringsten Zweifel daran erlauben darf, daß dieses Urteil nach bestem Wissen der be» teiligten Richter gefällt worden ist. Die Verurteilung des Lber« lehrerS Dr. Siemsen vermag in keiner Weise meine Wert» schätzung seiner hohen menschlichen und pädagogischen Oualitäten zu ändern. E» versteht sich, daß auch die weitere Berwendon« des Herrn Dr. Siomsen im preußischen Schuldienst durch seine Ber- ukteilung in keiner Weise berührt wird." Inzwischen wird das Amnestregcsetz ja auch diesen Ver- teidiger der Republik vor dem Gefängnis der Republik be- rvahrn._ Pcrsonalnachrichtcn au» der preußischen Verwaltung. Die „P. P. N." erfahren von zuständiger Stelle: Oberpräsidialrat Hansen vom Oberpräsidium in Kiel ist zum RegierungSpräsi, 'denten m Schleswig ernannt worden. RegierungSrat Freibere von M ü n chha u s e n, bisher im Mtnisteriumr des Jrinsrn be- schäsrigt, ist kommissarffch mit der Verwalhing des Land ratsam:» in Stolzenau beauftragt worden. tmm Mickitc» ist e» nicht getan; man muß daraus auch die notwendigen Schlüsse für di« Gesundheit der Jugend ziehen und mehr als bisher die Bedeutung erkennen, die das Körpergewicht für Medizin und Hygiene besitzt. Auf die Wichtigkeit der Wage al»„Gesundheit»- barometer" weift ein englischer Arzt hin und stellt die Forderung auf, daß nicht nur die Babvs in den ersten Monaten regelmäßig gewogen werden sollen, sondern daß auch jeder Erwachsene sein Gewicht allmonatlich, noch besser allwöchentlich feststellen müsse. Den Kindern soll man beibringen, daß das„Sichwiegen" ebenso not- wendig und unumgänglich sei wie da» Zähneputzen und der Besuch beim Zahnarzt. Die Acrzt« stimmen darin überein. daß ein« Drag. nose bei Krankheiten in vielen Fällen dadurch außerordentlich er- leichtert werden würde, wenn man einen längeren und genauen lleberblick über die Gewichtszunahme uno-abnähme de» Patienten haben würbe. Das Gewicht ist der Barometer der Gesundheit. Wenn ci'.in bemerkt, daß daS Normalgewicht nach unten oder nach oben übe: schritten wird, so soll-man den Gründen nachgeben, durch die dies« Erscheinung bedingt ist, und man wird berauSfinden, daß' irgeudelwa» in unserem Organismus„nicht mit rechten Dingen zugebt. Die Gewichtsbestimmungen, die beute in den Schulen borge- nommen werden, find nicht genügend häufig und werden nicht ge- nügend ausgenutzt. Man kann aber ans ihnen schon recht rnter- essante Tatsachen entnehmen. Da» Gewicht schwankt bei Kindern sehr viel mehr al» bei Erwachsenen. Viele Kinder nehmen regel-- mäßig während der Schulzeit ab und während der Ferien zu, während bei anderen da» gerade Gegenteil der Fall ist. Bei Mäd- chen bat man öfter al? bei Knaben ein« Zunahme des Gewichts während der Schulzeit festgestellt. Bei normalen Menschen ist da» Gewicht im Sommer und im Winter verschieden. Während des Sommer« soll der Mensch weniger wiegen als während des Win- terS. Wenn da» Gegenteil der Fall ist, so ist die Ernährung uicht richtig und muß danach abgeändert werden. Leo Bleib» Overelt«„Die Strohwitwe' wird im Schauspielhau» nur noch bi« lt. Augu't gegeben. Tic Fostenralh Stiftung in KSln. die sich die Förderung lsterarlscher Talent« zum Ziel grsctzt hat— eS wurden ncuerding» auch Arbeilerdiidter mit Ehrengadcn bedacht—, nimmt neue Bewerbungen bi» zum 1. Oktober entgegen. Sahungen sind kostenlo» vom Oberbürgermeistiraint Köln zu beziehen. Hilf« für di««kademien. Bros. Sreliger. der Präsident der Nünchcner Akademie der Dissen ich asten, sprach die Hcifnuaa au», dag da» Reich zwanzig Millionen zu wisicnichaltlichcn Zwecken im allgemeinen be- willige Damit könnten die Akademien ihre bereits eingestellten oder bedrohten Arbeiten sartiühren. So ist z. B. jest auch dos Erscheinen der „Astronomischen Rachrichten'(Kiel), deren Besitzer der preußische Staat ist, gefährdet. Tie Äozial-Hvgicnische Akademie in Bresla». Do» Ministerium für Voliswodlsabrt hat die Städte Breslau, llharlotlenburg und Düffeldorf zur Errichtung von sozial-hhgienllche» Akademien ausirseben. um den Be. dürfniffen nach einer stach ausbildiing der Medizinalbeamten und sonstigen im öffentlichen Dienst stehenden Aerzte zu entipreche«. Die Vorarbeiten sür die Errichtung der Sozial-Hygientschen Akademie Breslau sind nunmehr abgeschloffen, der erste Kursus wird im Oktober beginn«. Mit der Leitung der Akademie ist Pros. Karl Prausuitz betraut. ffc. 386 ❖ 37. Fahrgakz Seilaae öes Vorwärts Mittwoch, 4.Mgust 142» Umgestaltung>°-Kettungswesens Zu diesem TTe-ma sirrd uns noch eine ganze Reihe von Zu- fchriften zugegangen, die abzudrucken zu weit führen würde. Wir lassen hier noch einen Arzt seine Meinung sagen: Im„Vorwärts" vom 16. Juli 1326 befasst sich ein Artikel mit der geplanten Umgestaltung des Berliner Rettungswesens und ver- langt als Ausgabe der Zukunft, den ärztlichen Dienst in den 3! ettnngs stellen so auszubauen, dag er nicht ausschließlich B e r e i t s ch a f t s d i e n st sei, sondern auch Gelegenheit biete, sich soweit als möglich praktisch zu betätigen. Em Eingesandt vom 22. Juli 1920 nimmt diesen Gedanken auf und äußert den Wunsch, die Rettungsstellen so zu gestalten, daß sie neben ihrem eigentlichen Zweck, erste Hilfe bei Unfällen und Plötzlich auftretenden Krankheiten zu leisten, im großen Maßstabe für die�K a s se n p ra x i s nutzbar gemacht werden können. Es sollen Sprechstunden aus den Wachen eingerichtet, Kassenpatienten fortlaufend behandelt und Besuche gemacht werden. Mit anderen Worten, es soll von Amts wegen und zum Vorteile des Stadtsäckcls die Nachbehandlung wieder eingeführt werden, wie sie schon früher bei den Unfallstationen bestand oder stillschweigend geduldet wurde. Abgesehen davon, daß die Indienststellung der Stationen als Organe der Krankenkassen sicherlich ans den schärfsten Widerstand der Kassenärzte swßem wird, ist zu erwarten, daß ein der- artiger poliklinischer Betrieb wohl eine zahlreiche Klientel in die Rettungsstellen locken wird, daß diese selbst aber ihrer eigent- I i ch e n Bestimmung entzogen werden. Will man>das erstrebte Ziel erreichen, die öffentliche Gesundheitspflege fördern, ohne dabei die Finanzen der Stadt allzusehr zu belasten, so muß man daran denken, einen Plan zu verwirklichen, dessen Zweck- Mäßigkeit schon oft in dem Kreise der Rettungsärzte diskutiert wurde. Ich meine den Plan, die Retungsärzte hauptamtlich anzustellen und ihnen gleichzeitig die Obliegenheiten der Armen- und Schulärzte zu übertragen. Gerade der jetzige Zeitabschnitt, in dem die Bildung der Gemeinde Größ-Berlin sich vollzieht, scheint mir zur Durchführung dieser Maßregel beson- derS geeignet zu sein. Daß der Rettungsarzt sich zum Armenarzt eignet, darf ohne weiteres angenmnipen werden. Seine Tätigkeit als Armen- a r z t wird sich folgendermaßen gestalten: Von ö— 9 Uhr morgens wird auf der Rettungsstelle eine Sprechstunde für kranke Stodtarme abgehalten. Der diensttuende Arzt behandelt und fertigt ab. Die in der Spreck- stunde gemeldeten Krankenbesuche, deren Zatfl erfahrungsgemäß nur gering ist, werden vormittags von der Wache aus gemacht. Arme zu besuchen, die abends oder nachts erkrankten, war von jeher schon Aufgabe des Rettungsarztes. Der Sprechstundenort der Armenärzte ist von Armenpaticnten kaum überfüllt, also werden es auch nicht die Rettungsstellen! sein,-und der Rettungsarzt kann jederzeit vorkommenden Falles notwendig« erste Hilfe leisten. Auch die Eignung als Schularzt kann dem Rettungsarzte von niemanden versagt werden. Er bringt für sein neues Amt genau dieselbe Erfahrung und dieselben Kenntnisse mit wie der prakt. Arzt. Kenntnisse, die ihm etwa fehlen sollten, wird er sich in Kursen usw. leicht erwerben können. In einem wesentlichen Punkte vevdient der hauptamtlich angestellte Rettungsarzt sogar den Vorzug vor dem jetzigen Schularzte, der sein Amt nwr nebenamtlich versieht. Bisher wurde der Schularzt fast auSscbließlich aus den Reihen der m e i st b e s ch ä f t i g st e n Acrzte und Kassenärzte gewählt. Ge- werksärzte waren besonders beliebt. Eine i>er letzten Wahlen traf sogar einen Arzt, der gleichzeitig Kassenlöwe, Bahn- und Armen- arzt ist. Bei dieser Auslese darf man wohl neugierig sein und fragen, woher diese vielbeschäftigten Herren die Zeit nehmen, ihre sehulärztlichen Pflichten sachgemäß zu erfüllen. Diese Zeit wird dem RettungSarzte reichlich zur Verfügung stehen. Er wird aus der Wache während deS Bereitsschastsdienstes die Unter, suckungen der Schulkinde: vornehmen. Wenn er dienstfrei ist, wird er sich die Kinder in der Schule selbst vorstellen lassen. Also man sieht, daß kein Hindernd besteht, dem RettungSarzte gleichzeitig die Obliegenheiten des Armen- und Schularztes zu übertragen. Wird diese Neuregelung im obigen Sinne beschlossen, so ist bereits ein Teil der Aufgaben gelöst, die der Gemeinde Groß-Bcrlin, soweit die soziale Fürsorge und Htzgieue in Frage kommt, gestellt sind. Infolge Aussalles der besonderen Ausgaben für Armen- und Schularzte findet eine übermäßige Belastung des Etats nicht statt, wenn auch die hauptamtlich angestellten Rettungs- ärzte in eine Gehaltsklasse eingeordnet werden müssen, die sie jeder materiellen Sorge, auch für die Zukunft, enthebt und ihre Arbeitsfreudigkeit fördert. A. G. Wir beabsichtigen nunmehr die Diskussion über die Frage der zweckmäßigen Einrichtung des RetiungswesenS vorläufig zu schließen und wollen einmal abwarteu, was in dieser Be- ziehung von den zuständigen Behörden in Aussicht genommen wird, zu denen wir das Vertrauen haben, daß sie Wege finden, durch die keinerlei Interessen verletzt werden. Wir sind allerdings auch der Ansicht, daß bei dem Stande der Finanzen auch auf dem Gebiete öffentlicher Wohlfahrtspflege weisest« Sparsamkeit walten muß. Es will uns daher bedünken, daß der Leerlauf, der offenbar in den Rettungsstellen herrscht, auf irgendeine Weise vermieden werden müßte; und dafür erscheint sowohl der Vor- schlag, die Rettungsstellen mit Krankenhäusern zu verbinden, bzw. in Krankenhäusern besondere Rettungseinrichtungen zu treffen, erwägenswert, als auch der Gedanke, den in den Rettungsstellen tätigen Aerzten noch andere kommunalärztliche Beschäftigung zu- zuteilen, beachtenswert. Es erscheint tatsächlich nicht ganz prak- ti�ch, daß die Gemeinde in den Nettu�igs stellen eine große Zahl verhältnismäßig gut besoldeter Aerzte u-n t ä t i g herumsitzen läßt, während sie anderen Aerzten für Leistungen; die von den Rettungs- ärzten während ihrer Dienstzeit sehr gut mit übernommen werden könnten, hohe Beträge zahlt. Ganz besonders denken wir in dieser Beziehung an die bisherige Tätigkeit der Armenärzte, die wenigstens bezüglich der Sprechswndenbehandlung ausgezeichnet auf die Rettungsärzte abgewälzt werden könnte. Die Redaktion. Staötrerorönetenversammlung. Annahme des Schiedsspruchs über den Arbeiterlohutarif. Die(alte) Berliner Stadtverordnetenversammlung mußte gestern in ihre» Ferien zu einer außerordentlichen Sitzung zu- sammentreten, um Über den neue st en Lohntarif der Ge- meindearbeiter zu beschließen. Der Magistrat beantragte, dem von der Großen Deputation als EinigungSamt gefällten Schiedsspruch vom 22. Juli zuzustimmen. Im Laufe der Sitzung lieferte er zu seiner Vorlage einen Nachtrag, der den Wünschen der Elektrizitätsarbeiter entgegenkam. Mit dieser Aenderung wurde dann die Vorlage ohne ein Wort der Er- örterung angenommen. * Die nur mäßig besuchte Sitzung wird kurz nach 5 Uhr vom Vorsteher Dr. Wehl eröffnet. Die Vorlage betr. Uebernahme der für den Kriegsbetrieb eingerichteten Anlagen zur Herstellung von Schlackenbetonsteinen in den Friedensbetrieb wird angenommen. Die Vorlage wegen Bewilligung von 266 666 M. für die AuS» führung von Vorarbeiten zur Feststellung des Grundwasser- Vorkommens im Osten von Berlin wird von John(U. Soz.) bekämpft und von der Mehrheit abgelchnt. Bei den G ü t e r e t a t s und beim Etat der Herrschaft Lanke sind 1919 tteberschrritungen in Höhe von 16� Millionen Mark eingetreten. Zur Prüfung der Gründe dieser von den Rednern aller Parteien alS auffallend hoch bemängelten Ueberschrei- tungen wird ein Ausschuß eingesetzt. Der Antrag der Sozialdemokraten wegen Fortführung des Baues der Schnellbahn Nord-Süd wird für heute zurückgezogen. Die Bibliothek des verstorbenen Stadw. B a s n e r soll für 50 660 M. von der Stadt Berlin erworben werden. Nachdem Bürgermeister Dr. R e i ck e unter besonderem Hinweis aus die Eigenartigkeit dieser sozialwissenschaftlich und parteipolitisch höchst %erttaollen Bücher-, Broschüren- und Nugblätterfammlung den Erwerb warm empfohlen hat, auch Wenge ls(U. Soz.) und Ritter(Soz.) lebhast dafür eingetreten sind, wird der Antrag de® Deutschnationalen Liebig, die Vorlage wegen des einseitig parteipolitischen Charakters der Bibliothek zu verwerfen, abgelehnt und die Erwerbung für die Stadtbibliothek beschlossen. Ein Antrag der U. Soz., die Entschädigung für die Beisitzer der Mieteinigungsämter den Zeitverhält- nissen entsprechend zu erhöhen, geht an einen Ausschuß. Zur Vorlage über Annahme des Schiedsspruchs über den Arbeiterlohntarij wird eine Erörterung nicht mehr beliebt. Der Magistrat empfiehlt die Zustimmung zu dem Schiedsspruch mit der Maßgabe, daß die- jenigeu Arbeiter der Elektrizitätswerke, welche bisher einen Lohnzuschlag von 8 Prozent bezogen, folgende Bergütnngs- sätze als Ausgleich für diesen Lohnzuschlag für die Zeit vom I.April bis 36. Juni 1926 erhalten: Für ungelernte Arbeiter 266 M., für angelernte Arbeiter 216 M., für Handwerker 226 M. Di« Per- sammlung stimmt zu. Dem�„Deutschen Schutzbund für die Grenz- und Auslands- deutschen" werden für seine„Grenzspeude", und zwar für die Ar- beit in den ober schle fischen Gebieten weitere 56 660 M. aus stÄdtiscken Mitteln bewilligt. Die vom Magistrat am 80. Juni d. I. vorgelegte Statistik über das religiöse Bekenntnis der Lehrpersonen an den städtischen höheren Lehranstalten und Mittelschulen für Mädchen gibt dem Dr. Lammerich(Z.) erneute Gelegenheit, über die Zurücksetzung des katholischen Elements bei der Be- setzung freier Stellen Klage zu führen. Dem schwer krank darniederliegenden Stadtv. Ehrenbürger Cassel wird von der Versammlung einmutig die Teilnahme be- kündet und der Wunsch baldiger Genesung und Wiederherstellung ausgesprochen. Schluß: �8 ITHr. Groß-Serlm Er kommt. Die Hitze brütet. Auf einer Berliner Hochbah.nhcrltestelle ist die Luft so heiß» daß man Pfannkuchen und Eierkuchen in ihr backen kann und all das andere Schöne, das man nur bekommt. wenn man Umgang mit Schiebergrößen hat. Die Luft ist so dick. daß man tatsächlich versuchen möchte, in diesen Dunst einen Nagel einzuschlagen, um an ihm sämtliche lästige Kleidungsstücke, mithin so ziemlich alles aufzuhängen. Von den Wartenden döst, Hitze- benommen, ein jeder auf seine Weise. Da ruft ein Arbeiter:„Er kommt!" Damit meint er den Mann mit der Gießkanne. Der zieht ruhig seines Weges und spendet aus der Kanne dem Fußsteig das kühlende, die Menschen erfrischend«, den Staub aufsaugende Naß. Nun kommt die in solchen Fragen Übliche Bewegung in di« Menge. Ein kleines Schreibmaschinensräulein, eine Tochter aus gut bürgerlichem Hause(was bei jeder Gelegenheit scharf betont wird), trippelt ängstlich zur Seite. Ihre Stieselsohlen können näm- lich kein Wasser vertragen. Aber, ach. Gottchen, in einem himm. löschen Film trug ein Kinostern genau solche Schuhe und daher mußte die Tochter aus gut bürgerlichem Hause(wenn es auch lächerlich unpraktisch war) sich die gleichen anschaffen. Ete und sie, ein elegantes Pärchen, Fahrgäste der Polsterklasse, treten erregt von einem Fuß aus den andern und geraten ein klein wenig in Verdrießlichkeit. Eine Berührung mit der Arbeit ist ihnen immer widerlich. Auf einer Bank aber sitzt ein echter Teut scher. Er ist in ein Manuskript vertieft, denn er will für rassereine Germanen einen belehrenden Vortrag halten. Seine Schlagwörter prägt er sich noch mal besonders ein.„Die Revolution hat die Tatkraft des einst so arbeitsamen Volkes getötet. Aber es muß anders kom- men. Das Volk wird, wenn es aus dem verblendeten Wahn der Demokratie aufwacht, sich wieder zur Arbeit aufraffen; denn am deutschen Wesen soll noch mal die Welt genesen." Auf der Straße ziehen demonstrierend Arbeitslose vorbei. Sie tragen Schilder:„Wir wollen keine Almosen, sondern Arbeit." Jedoch der echte Teutsche achtet nicht darauf. Er schilt in seinem Vortrag auf die Arbeitslosenunterstützung, durch die das Volk noch Mehr verlottert. Er berauscht sich selbst an seinen schü. nen Worten und als er gerade dabei angelangt ist:„Wo Deut- sche zusammen sind, d a klingt die Seele der Welt", 98) Segen öer Eröe. Roman von Knut Hamsun. Da kommt Inger dahergegangen.„Du mußt jetzt zum Essen kommen, Isaf," sagt sie ganz lieb und freundlich.-- „Ja," gibt er zur Antwort, er will nicht, daß sie naher herankommt, und er will kein Gerede. Ach, diese Inger, sie inerkte gar nichts, sie kam näher.„Was hast du dir jetzt wieder ausgedacht?" fragt sie, denn sie möchte ihm damit schmeicheln, daß er sich fast jeden Tag eftvas Neues und Großartiges ausdenkt.— Aber Jsak ist sehr grimmig, fürch- terlich grimmig ist er, er erwidert:„Das weiß ich nicht." Und Inger ihrerseits ist sehr töricht, sie fragt und plaudert ihm noch allerlei vor und geht nicht.—„Da du es nun doch einmal gesehen hast, ich will diesen Stein herausheben." sagt er.—„So, du willst ihn herausheben?" fragt sie.—„Ja." —„Ich kann dir wohl nicht helfen?"— Jsak schüttelt d n Kopf. Aber es war doch ein hübscher Zug von Inger, daß sie ihm helfen wollte, und er konnte sie nicht länger zurück- weisen.„Wenn du ein klein wenig warten willst," sagt er und läuft nach Haus«, um den Schmiedehammer und einen Meißel zu holen. Wenn er den Stein an der richtigen Stelle etwas un- eben machte, indem er einen Splitter abschlug, so bekam die Hebesiange einen besseren Halt. Inger hält den Meißel, und Jsak schlägt zu. Ja. es gelingt, ein Splitter fährt ab.—„Ich danke dir für die Hilfe," sagt Jsak.„Und du. darfst vorerst mit dem Essen nicht auf mich warten, ich will erst diesen Stein heraushaben." Allein Inger geht nicht, und im Grunde genommen ist es Jsak auch lieb, daß sie stehen bleibt und ihm bei seiner Arbeit zuschaut, dos hatt er schon in jungen Tagen gern ge- habt. Und siehe da, er findet einen prächtigen Halt für die Hobestange und hebt— der Stein bewegt sich!—„Er bewegt sich!" sagt Inger—„Du willst mich doch nicht foppen?" fragt Jsak.—„Ich foppen! Er bewegt sich!" Soweit war er gekommen, wahrhaftig der Stein bewegte sich, er hatte den Stein für die Sache gewonnen, jetzt ist es nur ein Kinderspiel zwischen ihnen beiden. Jsak hebt und wiegt die Stange hin und her, und der Stein bewegt sich ein wenig, aber nicht mehr. Jsak macht ein« Weile fo weiter, allein es führt zu nichts. Plötzlich sieht er ein, daß es sich nicht nur darum handelt, ob sein Körpergewicht zureicht, er hat nicht mehr die alte Kraft, das ist die Sache, er hat die zälie Biegsamkeit des Körpers eingebüßt. Körpergewicht? Es wäre ja gar nichts gewesen, sich über die schwere Stange zu legen und sie abzubrechen. Aber er hatte an Kraft ver- loren, so sah es ans. Das erfüllte den duldsamen Mann mit Bitterkeit; wenn nur wenigstens nicht Inger dabei gestanden und zugeschaut hätte! Plötzlich läßt er die Stange fahren und ergreift den Schmiedehammer. Der Zorn hatte ihn erfaßt, er.war in der Stimmung, Gewalt zu gebrauchen. Seht, er hat immer noch die Mütze auf dem Ohre sitzen und sieht räubermäßig aus, jetzt läuft er mit gewaltigen Schritten rund um den Stein herum, als ob er sich selbst dem Stein gegenüber in das richtige Licht setzen wollte, ho, es sah aus, als ob er jetzt diesen Stein als eine Ruine hinter sich zurücklassen wollte. Warum sollte er das nicht tun? Einen<Äem, den man tödlich �haßt, zu zerschmettern, das ist nur Formsache. Und wenn der Stein Widerstand leistete, wenn er sich nicht zerschmettern ließ? O es würde sich schon zeigen, wer von ihnen beiden der Ueber- lobende war! Aber jetzt redet Inger ein wenig ängstlich, denn sie merkt wohl, was in dem Manne gärt, sie sagt:„Wie war s, wenn wir uns beide auf den Stecken da legten?" und mit dem Stecken meinte sie die Kebestange.—„Nein!" rief Jsak rasend. Aber nach einem Augenblick des Nachdenkens sagt er: „Ja, wenn du doch schon einmal da bist, aber ich begreife nicht, warum du nicht nach Hause gehst. Wir wollen's«in- mal versuchen!" Und nun gelingt es ihnen, den Stein auf die Kante zu drehen. Es glückt.„Puh!" sagt Jsak. Allein nun offenbart sich vor ihren Augen etwas Uner- wartetes: die Unterseite des Steines ist eine Fläche, eine große schöne Fläche, ehen, glatt wie der Fußboden. Der Stein ist also nur die Hälfte eines Steins, die andere Hälfte muß irgendwo in der Nähe liegen. Jsak wußte wohl, daß die beiden Hälften eines Steines sehr gut eine verschiedene Lage in der Erde haben konnten, es war wohl der Frost ge- >v?fen, der sie im Laufe langer Zeiträume voneinander ent- fernt batte. Aber dieser ganze Fund freut ihn außerordent- lich. O, dieser Stein ist brauchbar, et gibt eine prächtige Türschwelle. Selbst eine größere Geldsumme würde das Herz des Oedlandbewohners nicht mit solcher Befriedigung erfüllt haben.„Das ist eine sseine Türschwelle," sagt er stolz. und Inger bricht im guten Glauben in die Worte aus: ,�ch begreife nur nicht, wie du das hast wissen können!"—„Hm!" sagt Jsak.„Meinst du, ich hätte fiir nichts hier in der Erde gegraben?" Sie gehen zusammen nach Hause, Jsak hat sich eine un- verdiente Bewunderung erschlichen; die schmeckt aber nicht viel, anders als die verdiente. Er setzt auseinander, daß er die ganze Zeit über auf der Jagd nach einer ordentlichen Türschwelle gewesen sei, jetzt habe er eine gefunden. Bon jetzt an war es auch nicht mehr verdächtig, wenn er auf dem Bauplatz arbeitete, er konnte dort unter dem Vorwand, nach der zweiten' Hälfte der Türschwelle zu suchen, roden, soviel er wollte. Als Sivert nach Hause kam, ließ sich Jsak aber doch von dem Sohne helfen. Aber wenn es so weit gekommen war, daß er nicht mehr allein hingehen und einen Stein aus der Erde brechen konnte, dann hatte sich viel verändert, dann sah es gefährlich aus, dann eilte es mit dem Bauplatz. Das Alter hatte Jsak ein- geholt, er fing an, für die Ausdingstube reif zu«erden. Der Triumph, den er sich angeeignet hatte, als er die Türfchwelle fand, verglühte im Laufe der Tage, er war unecht und un- dauerhaft gewesen. Jsak fing an etwas gebeugt zu gehen. War er denn nicht einstmals in seinem Leben aufmerk- sam und hellhörig geworden, sobald nur jemand„Stein" oder„Graben" zu ihm gesagt'hatte? Das war noch gar nicht lange her, nur einige Jahre. Und damals mußte sich ja einer, der ein trockengelegten Moor nur mit einem schiefen Blick ansah, vor ihm in acht nehmen. Jetzt sing er so lang- sam und allmählich an. derartiges mit mehr Ruhe aufzu- fassen, ach ja, Herrgott im Himmel! Nichts war mehr so wie früher, das ganze Oedland hatte sich verändert, dieser breite Telegraphenweg durch den Wald war früher nicht da, die Berge droben am Wasser waren früher nicht gesprengt und duchwühlt gewesen. Und die Menschen? Sagten sie noch „Grüß Gott!" wenn sie kamen und„Behüt dich Gott!" wenn sie gingen? Sie nickten nur, und oft das nicht einmal. Aber früher hatte es auch kein Sellanraa gegeben, nur eine Torfgamme; aber was war es jetzt? Und dann war auch früher kein Markgraf dagewesen. fällt ein dicker Wafsertrspscn au? der Gießkanne auf fein Manu. fkript. Da springt der echte Deutsche empört aus.„Nein, solche Frechheit, die ist auch nur m einem Staate möglich, wo der Arbeiter der Herr im Hause ist." Es ist aber doch wirtlich sonderbar:„Die Arbeit ist die Quelle aller Werte", das Wort tcnnen die echten Deutschen au§- wendig i daß man aber, damit dieses Wort innere Wahrheit be- kommt, den Arbeiter, auch wenn er die einfach st e Arbeit der- richtet» als gleichberechtigtes Mitglied in die ganze Gc- sellschaftSordnung unbedingt einreihen mutz, daran denken sie gar nicht. llt. B. die Verfehlungen ües Jugenöamt-Znfpektors. Beabsichtigte Milchschiebung? Vor einiger Zeit wurde in der Presse von Verfehlungen des Inspektors des Jugendamts berichtet. � Sofort erschien dessen Rechtsanwalt auf dem Plan und stellte Herrn E b e r t als das Opfer einer Täuschung hin. Zu dieser Berichtigung versendet der Betriebsrat des Lebensmittelverbandes Groh-Berlin eine Schilde- rung der Verfehlungen, der wir folgendes entnehmen: „Herrn CS. wurden als Inspektor des Städtischen Jugend- amtes von Zeit zu Zeit hochwertige Lebensmittel überwiesen, die zur Verbesserung der Verpflegung armer Berliner Groß- stadtkinder. die das Städtische Jugendamt verschickt hatte, ver- wendet werden sollten. U. a. wurden zuletzt 10 000 Büchsen kondensierte Milch zum Preise von 2.20 Mk. pro Stück genanntem Amt zugeführt. Von diesem Posten sind den Kindern durch Herrn Ebert nur 418 Stück zugeteilt worden, während er 5 0 0 0 Stück seinem Stiefbruder zum Verkauf über- gab. Tiefer bot der Gemeinde F r ied r i ch s fe l d e die Milch zum Preise von 7,50 Mk., also mit einem Verdien st von 5,30 Mk, pro B ü cki s e an. Bei der Verladung der Ware nach der Wohnung des Stiefbruders des Herrn E. wurde dieselbe durch die Kriminalpolizei wieder der Beschlagnahmeabteilung, die einerzeit die Milch geliefert hatte, zugeführt. Herr E, hat bereits in den Vorverhandlungen eingestan- »e n, daß ihn sein Bruder an dem Verdien st beteiligen vürde, dre Höhe der ihm zufallenden Verdienstsumme war ihm allerdings noch nicht bekannt." Nach dieser Tarstellung fällt es schwer, an„das Opfer einer Täuschung" zu glauben, man gewinnt vielmehr den Eindruck, daß dort etwas nicht stimmt. Schleunigste Aufklärung erscheint uns dringend geboten. Schwedisches Geschenk an die Berliner Polizeibeamten. Die Polizeibeamten und Wachorgane Schwedens, die im schwedischen Polizeiverband(SvenSka Polisiörbundel) oraanisierr sind, baben 8300 Kronen geiammelr und dem Polizeipräsidenten lltichter zur Verfügung gestellt, der sie unter die noileidenden P o l i z e i b e a m? e n Berlins verleiten loll. Polizeipräsiden» Nichter hat dem schwedischen Verband ein herzliches Dankschreiben gesandt. Die Briketts werden-- billiger l Die vom Neichstoblenrat beicklosiene Preisermähigung für Braunkohlenbriketrs gibt der Kohlenstelle Grosz-Berlin die erfreu- I'.che Möglichkeit, die Preise für Braunlohlenbrilens ab Millwoch, den 4, Ä.iguit d. I. um 1.20 M. je Ztr zu er n, ätzen. Der Preis kür Küchen- und Ofenbiand beträgt ab 4. August 20 demnach iür we StaMfreiie Bertin Cbailolicnburg, Neukölln, Bln.- Schöneberg. Bln.-Lichtenberg. Bln.-Wilmcrsdor fow'e in den Landkreisen Teliow und Niederbarnim bei Selbstabholiing ab Laaer 13,90 M. je Ztr.. bei Lieferung frei Erdgeschoß oder Keller 14.90 M. je Ztr, Bei Lieferungen an das Kleingewerbe sowie für Zentral- beizungS« und Warmwasserbereitungkanlagen in Fubren nicht unter 30 Ztr.: bei Selbstabholung ab Lager 13.90 M. je Ztr., bei Liefe- rung frei Erdgeschoß oder Keller 14.83 M. je Ztr. Die Kohlenstelle Groß-Berlin erwartet, daß diesem bescheidenen Anfang, die für den größten Teil der Bevölkerung unerträglich ge- stiegenen Kohlenpreise zu senken, baldig st weitere Preis- Herabsetzungen folgen werden. Dogegen erfordert die in dem kommenden Wmier erdöhle Knappheit an Brennstoffen die dringende Notwendigkeit einer sparsamsten Verwen- dung und weitestgehender Aufbewahrung der Kohlen für den Be- darf der Wintermonate. vie Verbesserung öes Ringbahnverkehrs. Wie bereits kurz mitgeteilt, wird vom nächsten Montag eine umfangreiche Fahrplanänderung in Kraft treten, um der U e b e r» Ja, und was war der Markgraf jetzt! Nichts als ein trauriger und vertrockneter alter Mann. Warum essen und dem Magen eine Güte antun, wenn das keine Krast mehr gab? Jetzt war es Sivert, der Kräfte hatte, und gottlob, datz er sie hatte! Wozu sollte es gut sein, daß sein Rad anfing sich langsamer zu drehen? Er hatte geschafft wie ein rechter Mann, sein Rücken hatte die Lasten eines Lasttiers getragen. jetzt mußte sich dieser Rücken mit der Ruhe, die dem alten Karrengaul zuteil wird, abfinden. Jsak ist mißvergnügt, Jsak ist schwermütig. Da liegt ein alter Südwester auf dem Hügel und ver« modert. Der Sturm hat ihn hierher an den Waldessaum gewsht, oder vielleicht haben es auch die Kinder getan, als sie noch klein waren. Da liegt er nun ein Jahr ums andere und vermodert immer mehr, und er war doch einmal ein neuer Südwester gewesen, ein schöner gelber Südwester. Jsak erinnert sich noch, wie er damit vom Kaufmann nach Hause kam, und wie Inger sagte, das sei ein schöner Süd- wester. Ein paar Jahre später ging er damit zum Maler ins Dorf hinunter und ließ ihn glänzend schlnarz lackieren und den Schirm daran grün malen. Als er damit nach Hause kam, sagte Inger, er sei jetzt schöner als je. Inger gefiel immer alles ausgezeichnet, ach, das war eine schöne Zeit, er ichlug Klafterholz und Inger sah ihm zu, das war seine beste Zeit im Leben gewesen. Und wenn der März und April kam. -dann wurden er und Inger verliebt, gerade wie die Vögel und Tiere des Waldes, und wenn der Mai kam, dann säte er Korn und legte Kartoffeln und arbeitete Tag und Nacht. Es gab Schlaf und Arbeit, Liebe und Träumerei, er war wie sein erster großer Stier, und der war ein Wundertier gewesen, groß und glänzend wie ein König, wenn er in seiner Vracht einherschrftt. Aber einen solchen Mai bringen die Jahre jetzt nicht mehr, dos gibt es nickst mehr. Einige Tage lang war Jsak niedergeschlagen. Das waren dunkle Tage. Er fühlte weder Lust noch Kraft in sich, mit dem Aufschlagen des Futterbodens zu beginnen. Das wird einmal Siverts Sache sein, jetzt gaft es, das Ausdinghäus- chen fertigzustellen. Auf die Dauer konnte er es nicht vor Sivert verborgen halten, daß es ein Bauplatz war, den er hier am Waldrand rodete, und eines Tages offenbarte er die Sache:„Das da ist ein guter Stein, wenn wir einmal wieder etwas mauern wollen," sagte er.„Und das da ist auch ein guter Stern," sagte er.(Forts, folgst.) k f ü l l u n g, die auf den Heiden Ninghahnstrccken zu seder?a- g e S st u n d e sich bemerkbar macht, Herr werden zu können. Wie I bereits erwähnt, bringt die Fahrplanändcrung eine c r h e b k i Ä e Vermehrung der Züge mit sich, die nur dadurch mögtich geworden ist, daß einerseits Züge von Westend nach dem PotS- damer Ringbahnhaf usw. durchgeführt wurden und andererseits, daß einige neue Wagenzüge eingelegt worden sind. Folgende Ringbabnzüge, die bisher nur bis Westend verkehrten, werden bis Potsdamer Bahnhof geführt, von wo aus sie dann anck wieder abfahren: Ab Westend 6.31, 7,01, 7.31, 8.01, 8.41, 9.11, 9.41, ebenso auch in den Nachmittagsstunden, die Züge ab Westend: 2.32, 3.01, 3.31, 4.01 nackmittags und 8.41 abends. Neben diesen verlängerten Zügen beginnen eine Reihe von Ring- bahnzügcn auch ihre Fahrt scbon bei einer früheren Station, so daß nunmehr auch in den Morgenstunden vier Züge über die Ringbahn verkehren, und zwar ab Potsdamer Ringbahnhof 4.07, 4.57, 5.07 und 5.27 früh. In den Hauptverkehrszeiten sowie in den Vormittagsstunden sind eine Reihe neuer Züge eingelegt worden, die in Pois- damer Ringbahnhof um 8.47, 8.57, 9.27, 9.57, 10.27, 10.57 vormit- tags, 1.02 und 1.32 nachmittags abfahren und über Hermannstratze, Stralau-Rummelsburg nach Westend und Potsdamer Bahnhof ge- leitet werden. Auch der Abend- und Spätverkehr ist er» wettert worden, so daß nunmehr Pollringzüge ab Potsdamer Rinpbahnbof bis um 10.37 viermal in der Stunde ver- kehren. Der letzte Bollringzug in dieser Richtung trifft um 12.26 nachts aus dem Potsdamer Ringbahnhof ein. Auch Spötzüge sind erheblich verlängert worden. Der Zno der bisher ab Potsdamer Bahnhof 12.37 über Stralau-Rummels- bürg nach dem Schlesifchen Bahnhof geführt wurde, hat einen Vor- zua erhalten, der um 1.06 nachts auf dem Schlesifchen Bahnhof eintrifft. Endlich wird auch noch vor dem letzten Zuge auf der Ringbahn, der nur noch zwischen Potsdamer Babnhof und.Hermanustraße verkehrt, ein Zug eingelegt, der vom Potsdamer Bahnhof um 12.57 nacht? abfährt, um 1.16 in Hermannstraße eintrifft. In der Ge- genrickitung hat eine entsprechende Zugvermchrung durch Verlan- gern der Zugstrecken stattgefunden. Auch hier hat der Spätverkehr sowie die Zeiten, die außerhalb des Berufsverkehrs liegen, Fahrblanverbcsierungen erfahren, so daß von fer nächsten Woebe ab eine durchgreifende Besserung der Ver- kehrsverhältnisse zu erwarten ist. Explosion in Königswusterhousen. Gestern vormittag explodierte ans dem Schießplatz Königs- Wusterhausen der Munitionsschuppen 25, der ein großes Äunitions- lager enthielt. Unmittelbar nach der Explosion stand der Schuppen in hellen Flammen. Glücklicherweise sind Menschen bei dem Un- glück nicht zu Schaden gekommen. Tank der intensiven Arbeit der Feuerwehren gelang c?, den Brand aus einen Munitionsschuppen und ein Wohnhaus, das � aller- dings durch die Sprengkörper stark beschädigt ist, zu beschränken. Bis jetzt war es noch nichtfmögiich festzustellen, w o d u r ch die Er- plosion entstanden ist. Die Sprengkörper. Granatzünder für kleinere Geschosie, waren entsprechend den Vorschriften feuersicher eingelagert und es läßt sich nur annehmen, daß durch Kurz- s ch l u ß in der elektrischen Leitung ein Brand in der Baracke ent- stand, der dann die Sprengkapseln zur Entzündung brachte� Am heutigen Mittwoch wird eine Kommission des Spandauer Feuer- werker-Laboratoriums das Lager besichtigen, um festzustellen, ob ein Verschulden der Firma Schieber u. Bruchsaler, die den Schup- Pen gepachtet hatte, vorliegt und ob Vorkehrungen getroffen sind, um weitere Erplosionen zu verhüten. Die Entente-Automobile entwicksln sich ollmählich zum Schrecken der Fußgänger. Es vergeht kein« Woche, in der nicht be- richtet werden muß, daß ein Auto der Entcntemissionen iüfolge der wahnsinnigen Raserei einen Menschen überfahren hat. Alle Ermahnungen durch die Presse haben keinen Erfolg gehabt. Man rast Weiterl So wurde am Dienstag gegen mittag am Knie ein Radfahrer von einem von der Cbarlotienburgcc Brücke kommen- den Ententsauto überfahren, Werl das Auto wegen seiner rasenden Fahrt nicht eher bremsen konnte, bis es auf dem Bürgersteig stand. Selbstmord oder Unglücksfall? Auf dem Untergrundbahnhof Wittenbergplatz stürzte sich Dienstag mittag ein Mann in dem Augenblick auf die Schienen, als ein Zug in die Halle einfuhr. Die Feuerwehr befreite den Verunglückten aus seiner Lage. Ein Arzt konnte nur noch den Tod des Mannes konstatieren. ES handelt sich um den Rentier Fritz H o f f m a njr, Schöneberg, Winterseldtstraße 45. Ob es sich um einen Selbstmord oder Un- glücksfall handelte, konnte nicht festgestellt werden. In feiner Wohnung tot aufgefunden wurde am Dienstag der 57jährige, aus Eier de Rivier gebürtige ftanzösischc Sprachlehrer Gahriet P u y- F o u r n i e r. Er saß tot an seiner Schreibmaschine, auf der er einen Brief an seinen Sohn zu schreiben begonnen hatte. Nach der Auffassung der Polizatz die wegen eines„Morde?" alarmiert wurde, ist der Tote, der sehr herz leidend war, einem Herzschlag erlogen. Tie Räume der Kriegsbeschädigtcufürsorge in der Poststr. 5 müssen für Gesuchsteller bis auf weiteres geschlossen werden. Sämtliche Anträge sind durch die Post einzusenden oder in den in der Poststr. 5 befindlichen Magistratsbriefkasten zu wer- sen. Es wird in weitestem Umfange dafür Sorge getragen werden, daß durch den veränderten Gesckxäftsgang die sachliebe Erledigung der Anträge nicht l e i o e t. Etwaigen Unterstiitzungsgesueheir sind zur schnelleren Erledigung beizufiigen: a) nn Falle einer Be- schäftignng: Bescheinigung des Arlieitgebers über Dauer der Beschäftigung und Höhe der Bezüge? b) im Falle einer Beschäftigung?- losigkeit: eine Bescheinigung der Ecwerbslosenfürsorgc, patz und in welcher Höhe oder warum keine Erwerbslosenunterstützung gezahlt wird; c) bei schwebenden Rentenverfahren: eine Bescheinigung der hiesigen Versorgungsstelle, daß Rentenvorschüsse zurzeit nicht mehr gezahlt werden können. Die nächste» zeftn Städtischen Volkskonzerte de? Pftilbarmo- Nischen Orchesters unter Leitung von Richard Hagel finden am Montag, oen 16, 23 und 30. August, in der Philharmonic, Bernburger Straße 22-23, Dienstag, den 17.. 24. und 31. August, in oer Brauerei Happoldt, Hasenheioe 32— 38, Mittwoch. den 18. und 25. August und am Freitag, den 20. und 27. August, in oer Philharmonie statt. Beginn der Konzerte 8 Uhr. Vorverkauf in der Zentralstelle für Voltswohlfahrt. AugSburger Straße 61, in der Berliner GewcrkschafiSkommission. Engelnfer 15, im Zigarrengeschäft von Horsch und in den betreffenden Konzert- sälen. Der Eintrittspreis beträgt 1 Mark. KassenecöffnUng sieben Uhr. Mit Leuchtgas vergiftet. Die 61 Jahre alte Näherin Elisabeth I l g e n f r i tz aus der Landsberger Straß- 36 ist am Montag morgen mit Leuchtgas vergiftet tot in der Küche ihrer Wohnung aufgefunden worden. Erst gestern nachmittag erhielt die Kriminal- volizci durch den 21 Jahre alten Sohn Johann, der bei ihr wohnte, Nachricht von ihrem Ableben. Diese und andere Beglettumstände ließen darauf schließen, daß die bettkranke Mutter sich nickt selbst vergiftet hat. sondern der Sohn den Tod herbeigeführt habe. Die Mordkommission unter Leitung des Kriminalkommissars Dr. L i e m a n n und des BezirksoberwachtmeisterS Gahmig stellte jedoch durch Zeugenvernehmungen bald fest, daß der Verdacht wahrscheinlich unbegründet ist. Tie Leiche wurde daraufhin dem Schouhause überwiesen. Die Mörder des Teppichhändlers Reißer und des Kaufmanns Wolfner sollten nach der Meldung eines hiesigen Abendblatte» gestern ergriffen worden fei». Diese Nachricht trifft»cht zu. Die Ermittelungen der Kriminalpolizei zur Ausklärung der beiden'»Ka- pitalverbrcchen sehen noch weiter, doch haben sie bisher zu cinpin pitalvcrbrechen gehen noch weiter, doch haben sie bisher zu cincau Lichtenberg. Keine Durchstechereien im Wohnungsamt. Tie! Durchstechereien und Schiebungen in einem Teil der dem B c r- liner Wohnungsamt unterstellten 10 Inspektionen haben die Er- reg im g uirier den Wohnu n gsuchendcn gesteigert und andererseits Genugtuung über die Aufdeckung hervorgerufen. Schon längst war Eingeweihten bekannt, daß cS in den ein- zelnen Inspektionen nicht mit rechten Tingen zuging. Nur Herr Dr. Laporte Kalle anscheinend feine Ahnung. Hätte der Berliner. Bureaukratismus nicht immer auf dcm väpstlichcn Unfehlbarkeits st and punkte gestanden, so hätte man von den Verwaltungen der Wohnu'.i�sänller in Nachbar- gemeinden, wenn auch„nur Vorortsgemeinden', sehr gut lernen können, falls man überhaupt Lehren annehmen wollte. Die hin und wieder vorgenommenen Reorganisationsversuche blieben ver- einzell. Warum übernahm man nicht einfach bewährte Systeme anderer Gemeinden, etwa das Lichtenbergs, dem man auch noch heute Vertrauen entgegenbringen kann? Die Wohnungsnot ist groß. Alle Wohnungsuchenden möchten die lange Wartezeit verkürzt wissen und die meisten wollen bevorzugt werden. Wem die Schiebermoral ge- läufig ist, versucht es dann von„hintenrum". Im Lichtenberger Wohnungsamt ist bei den ersten Versuchen dieser Art mit eisernem Besen ausgeräumt worden. Eingelieferte Bestechung?- g e l d e r wurden der Armenkasse überwiesen und in der OrtSpresse unter Namhaftmach-ung und Zweckangabe ihres Ur- sprungS öffentlich quittiert. Tiefe Methode verfehlte nicht ihre Wir- kung. Die Wohnungszuweisungen finden nicht durch A n g c- stellte des Wohnungsamtes, sondern durch Kommissionen statt, die aus Stadtverordneten und Bürgerdepu- Herten bestehen. Tie Angestellten unseres Wohnungs- amtes haben somit keinen Einfluß bei der Zuweisung und einseitige Bevorzugung durch Bestechung usw. ist ausgeschlossen. Auf Grund der Berliner Vortvinmnisse spielen Verdächti» gungen in der Neuzeit natürlich ihre Rolle, aber wir sind Wer» zeugt, daß sich daS bald wieder legen wird, in Anbetracht der ge- ordneten Wohnungszuweisung im Lichtenberger Wohnungsamt. Sroß-Serlkner Parteinachrichten. Heute, 4. August: 7. Slbt. 71/, Uhr bei Geuntbal, Urbanstraße 187, Funttionärfitzmig. S'/, Uhr Vorstand? litzung. Junqsoztalistische Bereinigung, ß Ubr Sitzung des Arbeitsausschusses, 7 Uhr Gruppenleiter im Vorwärtsgebäude. Morgen, 5. August: Neukölln. S.-P.-D.- Elternbeiräte aller Schulen. Versammlung ?>/, Uhr in Wolffs Gelellschastssaal, Ktrchhosstr. 41. Jugenüveranftaltungen. Heute Va® Uhr: Cöpenick i Fugendbcim Bahernhof, Rudower Straß«, veseabendi „Das Hakcntreufl".— Erkner: Jugendheim Adlcrstraße CSchutbauS). Vortrag:.Die Urgeschichte der Mark'.— Frtedrtchshagen: Jugendheim Scharnweberstr. tOSa: Mitgliederversammlung.— Grunewald: Jugendheim Gemeindeschute Delbrückslr. 20: Mitgliederveisammiung.— KaulS- dork: Jugendheim Adolfstraß-, Gcmeindeschm« i Mitgliederversammlung. — Lichtenberg: Jugendheim Parkauc lO: Mitgliederversammlung. Mablvorf: Jugendheim Gcmcindelchule Waldcrseestrage: Mitglieder- Versammlung.— Martendorf: Jugendheim, GelangSsaal des Lyzeum? in derRinzslraße: Mitgliederversammlung.— Osten, Petersburger Viertel: Jugendheim Strahmannstr. 20: Mädchenabend.— Prenzlauer Borstadt: Jugendheim Mädchenschule Sene'eideislr. 6/7. TiSkusstoiiSabend:„DaS Tayiorsystem'.— Rosenthal: Jugendhelm Gemeindeschule Kastanienallee: Mitgliederversammlung.— Rosenthaler Borstadt: Jugendheim Gemewde- schulc Bergsir. 5ö. Vortrag:„Sport und Arbeiterjugend".— Südosten, Reichenberger und Cöpcnicker Viertel: Jugendheim Glogauer Sliasze>2— 16(Schule): Milgtiederversammtung.— Deuipelhof: Jugendheim Lyzeum, Geimanlastr. K/7(Kinderhort): Mitgtiedervcrsammlung.— Westen: Jugendheim Baugewerklchule, Kursürstenstr. 14t: Mitglieder- Versammlung.— Wilmersdorf: Jugendheim(Gesanzsaal) Oberreatschulc, Secpart: Mitgliederversammlung. Gerichtszeitung. Scheckfälschungen bei der Deutschen Bank hatten Dienstag ein Nachspiel vor der 4. Strafkammer de» Land- gsrichts I. Wegen schwerer U rckunberrfÄfchung und Betruges waren der Dekorateur Hermann Markus und die Bankange- stellte Ella Schräder angeklagt. Die Angestellte Schräder lernte vor einiger Zeit den Angeklagten Markus kennen. Wie sie be- lmipiete, verschwieg er dem jungen Mädchen, daß er verheiratet war und mit seiner Frau in Scheidung lebte und Verlobte sich mit der Schräder. In der Folgezeit kam Marius häufig mit Klagen, daß cs ihm schlecht gclbe, verschwieg aber, daß er ständiger Gast in einem inzwischen aufgehobenen S p i e l k l u b in der Kantstraße war, wo er sein Einkommen verspielte._ Nach Behauptung der Schräder trat er eines Tages mit dem Ersuchen an sie heran, sich durch gefälschte Schecks Geld zu verschaf- fen. Er legte sich bei der Dcpositenkasse G. in der Kömgstvcrße, bei der die Schräder beschäftigt war, mi>t falschen Ausweispapieren ein Konto an, um ein Scheckbuch zu erlangen. Beide fälschten gemein- schaftlich drei Schecks über zusammen 30000 M., welch- die Schräder mft dem Kcm trollvermerk versah, so daß sie zur Auszählung gelangten. Mit Ausnahme von etwa 4000 M„ welche die Schräder erhielt, verspielte Marku» di« ganze Summe in dem Spielklub. Zu der Verhandlung war auf Antrag des Rechtsanwalts Vehr der Gerichtsarzt Dr. Hirsch geladen, welcher Markus als einen geistig erheblich minderwertigen Men- f ch e n bezeichnete. Für die unbescholtene Schvader erbat Rechts- anwaft Dr. Frey die bedingte Begnadigung, da sie offenbar durch den Mitangeklagten auf die schiefe Ebene gebracht worden sei. Der Staatsanwalt l>eantragte je Jahre Gefängnis, das Gericht erkannte aus je 9 Monate Gefängnis und erklärte bei der Schräder die bedingte Begnadigung für zulässig. Sport. Dte Große Preis von Europa. Das klassischste aller Dauer- rennen kommt am Sonntag. 8)4 Uhr, auf der Olympiabahn zum Äusi rag und hat eine seinem Namen entsprechende Besetzung er- halten. ES ist das erstemal nach dem Kriege, daß internatio- n a l e Klasse in Deutschland am Start erscheint. Als Starter gelten: Weltmeister Piet Dickentmann, Willi AppelhanS, Paul Thomas, Walter Sawall und der holländische Meisterfahrer Charles Blekomolen(Amsterdam). Das Rennen führt über 1 Stunde. Außerdem treffen die fünf Genannten vorher im Robl-Preis über 25 Kilometer zusammen. Auch die Fliegerrennen haben erst- klassige Besetzung erhalten. Im Sperber-PreiS(.Hauptfahren) starten Lorenz, Arenh, Ostermeter u. a. Ein lO-Kilometer-Prä- mienfahren(25 Runden), sowie ein Zweisitzer-Haupft'ahren ver- sprechen ebenfalls scharfe Kämpfe. WetterauSsichte« für da« mittlere Norddeutfchland bis DonverStag mittag. Warm und ziemlich schwül. Ueberwiegend bcwöttl. im Westen und längst der Küste öfter» wiederHoll«, im östliche» Lümeu- laude vereinzelt« Xtgenjälls. Das Enttvaf Der Reichstag lchiitc am Dienstag den sozialdetnokra- tt|i?a»nncl,'prnng mit 16i gegen 12ö Stiinmen ab. . Regievungsvoelage wird darauf in allen drei Lesungen einstimmig angenommon. Ohne Besprechung devabschiedet wird das Geseh über die Eni- eignnng von Grundeigentum und über die Bewragsicistung bei der Sieefar— Main, und Donau-Kanalisierung. Zweite Lesung öes Cntwaffnungsgesetzes. Der Ausschust bat die Bestimmung«ingefügt, daß für die Ab- kichevung rechtmäßig mworbener Waffen Entschädigung zu leisten ist- � Tie Reichswehr soll vom Entwafsiiungsloinmissar zur HKfeieistung nur dann herangezogen werden, toenm die P o I i- zeilichen tvtasznabinen zur Durchsührung der Waffenablieferung nicht ausreichen. Die Vcrlvendung der Reichsnxthr bedarf der Zustimmung der Rcichsregierung.— Das Gesetz soll mit dem Tag« seiner Verkündig rnng in Kraft und miit dem L März 1921 außer Kraft tre t en. Abg. Lübbring(Soz.): Regierung und Reichstag stehen bei diesem Gesetz unter dem Diktat der Entente. Es ist im Interesse des Landes, wenn das Ge- setz bald erledigt wird. Wir wollen daran praktisch mitarbeiten» müssen aber die Gewähr haben, daß das Gesetz unter keinen Um- ständen zu einein?lusnahmegesetze gegen die Arbeiterklasse wird. sTehr richtig! links.) Ich Pin der festen Ueberzeugung, daß es deswegen zu keinem Ausnahmegesetze gegen die Arbeirer führen kann, weil die Arbeiterklasse wenig oder keine Waffen hat, wie ich von Ostpreußen aus eigener Erfahvung beweisen kamr. Aber Tat- fache ist. daß die Gegenrcvolutiiinäre bis an die Zähne bewaffnet sind,. Alle die Märchen von sich bildenden Roten Armeen haben ihren Endzweck darin, die Aufmerksamkeit von sich auf andere gm lenken. s«cbr richig!) Tie versassungsmntreuen Elemente lauern nur auf die Gelegenheit, von Ostpreußen auS den Kreuzzng gegen die Republik beginnen zu können.(Wibetipruch und Zurufe rechts.) Wenn die Märztage in Ostpreußen so ruhig verlaufen r{oii>,_ so deshalb, weil die Arbeiterschaft nicht im Besitze von Waffen war. sWidersrmich.) Auch rm andern Teil Deutschlands ist dies der Fall, und der Widerstand der Rechten gegen das Enttvaffrmngsgesetz ist darum durchaus verständlich.(Sehr richtig!) Wann das Gesetz seiiK/i Zweck erreichen soll, dann muß unbedingt auch die Einwohnerwehr entwaffnet werden, gleichgültig, unter welefer Maske sie auftritt. Nur unter dieser Voraussetzung können wir dem Gesetz zustimmen.(Sehr richtig!) Nur wenn die'e Entiraffnung durchgssühnt wird, wird die Arbeiterschaft mit diesem Gesetze einverstanden sein. In unserem Airtrag haben wir aus- drücklich betörst, daß nur Reichswehr und Berufs Polizei im Be- sitz von Waffen sein dürfen. Tie Fassung der KoalftirmSparteien überläßt es dem Enttnaffnungskommiffar, auch die Einwohner im Besitz von Waffen zu belassen. Das darf unter keinen Umständen geschehen. Di« Regierung muß aucb endlich energisch auftreten gegen die eigenmächtigen Handlungen der WebrkreiSkommandoS, damit es nicht vorkommt, daß z. B. die Rcicbswcbrbrigade Dassel die Kriegervereine mit Gewohren alten MoWllS versieht.(Lebhafter Beifall links.) Abg. Dr. Rosenfeld dt. Soz.): Das Abkommen von Spa der- pffichtot die Regierung lediglieb zu einer Bekanntmachung, die die Waffenablieferung verlangt, nicht aber zu einem solchen Gesetz. Die angeblichen Waffenlager der Arbeiter haben sich ent- weder als tolle Lügen herausgestellt oder der Staat hat wie in Adlershof ferne eigenen Waffenlager beschlagnahmt.(Heiter- keit.) Wer soll dcim der neue Diktator sein? Etlva Lüttwitz oder der Oberprändent trn Hannover? Der Kaiser war ivenigstens noch an die Gesetze gebunden, dieser Dikta- tor aber kann gegen die Arbeiter vorgeben, wie er will. Deshalb ist uns die Stellungnahme der Rectitssozialisteu unverständlich Jedes Tclephongcspräch kann der Rcichskommissar belauschen lassen. t.Hört! Hört! links.) Die Reichswebr wird wieder keine Grenzen kennen, wenn sie erst einmal losgelassen ist. Tie Arbeiterschaft ist scbon mit schlimimerem fertig geworden, sie Wied auch die Fessel dieses Gesetzes abstreifen.(Beifall bei dem U. Soz.) Reichsminister des Innern Dr. Koch: Für den Zeitpunkt der Einbrimgumg des Gesetzes ist lediglich das Verlangen der Entente mißgebend gewesen; daran kann weder� ich noch der Vorredner etwas ändern. Waffe» sind auf beiden Seiten vorhanden. Zittau ist ja auch nicht ohne Waffen erobert worden. Di« Reichs>regi«runig hatte bisher feine Befugnisse zum Eingreifen gegen die Waffenbesitzer, sondern nur die Länder. Die R e i ch s regierung ist aber der Entente dafür verantwortlich. Wir wollen die Entwaffnung nicht mit dem Ausnahmezustand durchführen und haben deshalb nur die Maßnahmen vorgeschlagen, die unbedingt notwendig sind. Wenn der sozialdemokratische Antrag aingcnoimnen wird, ist das Gesetz gerade im Gegensatz zu den Wünschen der Sozialdemokraten ver- schlechtert. Es ist nicht beabsichtigt, Zeitfreiwillige zur Durchführung de» Gesetzes heranzuziehen.(Widerspruch bei den II. Soz.) Wir entsprechen gern dem sozialdemokvatischen Wunsch, all« BevölkerungSkreis« da- bei mitwirke n zu lassen, aber diese Organisition wird dann bc- Waffnet sein müssen. Bei einer guten Propaganda wird sich ein Eingreifen der Reichswehr vermeiden lassen. Abg. Hofmann-LudwigShafcn(Ztr.): Wer den Weltsrieden er- strebt, muß zunächst für den Landfrieden sorgen.(Betfall.) Wir werden das Gesetz unverändert annehmen. Abg. v. Galt nutz(Dnat. Vp.); Gewiß find Waffen auf beiden Seiten vorhanden, wir glauben, daß links mehr zu finden sind. (Widerspruch links.) Rosenfeld gibt ja direkt zu, daß seine Leute Waffen haben, wie sollten sie sonst die Fessel abstreifen können? (Beifall rechts, Widerspruch links.) Wir glauben nicht, daß die Waffen der Roten Armee vom März aus den Händen der sogenannten Arbeiterschaft völlig verschwun- den sind.(Lachen links.) DaS Gesetz ktrnunt einem dringenden BÄwrfnis entgegen. Abg. Dr. EurtiuS(Dnat. Vp.): Unverantwortlich ist es, daß die Unabhängigen immer wieder die Brandfackel in das Volk wer- sen.(Große Unruh« bei den U. Soz.) Den parlamentarischen Beirat für den Reichs komrmssar lehnen wir unter allen Um. ständen ab. Abg. Fischer-Köln(Dem.): Das Gesetz ist kein Ausnahme- gesetz gegen die Arbeiter. Die Sozialdemokratie soll sich deshalb ihr Ultimatum an die Reaiernng noch eimnal überlegen. Abg. Frau Zetkin(k/P. D): Das Abkommen von Spa rchbt- fertigt den bösartigen Charakter dieses Gesetzes nicht. Das Ge- setz müßte heißen: Gesetz zur Niederhaltung des Proletariats. Der Mehrheitssozialist Lübbring ist eine politische Unschuld vom Lande, wenn er glaubt, daß die Negieru-ng das Gesetz gleichmäßig gegen rechts und links anwenden wird. Die Reaktion täuscht sich, wenn sie meint, die Arbeiterklasse durch Wegnahme von ein paar Gewehren unschädlich zu machen. Die Arbeiterklasse hat noch ganz andere Mittel, sie hat die Bedeutung im Wirtschaftsleben, st« hot den Generalstreik.(Sehr rtckitiy!) Die Gesellschaft des Kapitalismus greift aus' innerer Schwäche zu diesem letzten Mittel, um sich am Ruder zu halten. Ts wird ibr nichts chel sen, die Idee des Kommunismus wird siegen.(Beifall bei den v.«-84 Abg. Lipinski(U. Soz.): Ueber Zittau scheint der Minister«cht ungenau informiert zu sein. Die Vor- gänge dort sind durch die kolossale Lebensmittelteuerung zu er- kläre», die bedeutend höher ist als selbst in Berlin. An dem Märchen von der Roten Armee in Leipzig ist kein Wort wahr. (Hört! Hört!) Auch ist amtlich festgestellt, daß in keinem einzigen Fall die Arbeiter von den Waffen Gebrauch gemacht haben. Trotz- dem wird dies öffentlich immer noch behauptet. Wer hat ein In- tcrcssc an solchen«Schwindelnachrichten?! Dagegen bestehen eine Menge Geheimorganisationen der Reaktionäre, so z. B. ein Ossi- ziersbund, der in Leipzig und Tüpeldorf im Parteibureau der Teutschnationalcn Partei Besprechungen und Sitzungen libhält. H i c r muß die Regierung beim Entwaffnungsgesetz durchgreifen, hier findet sie ein dankbares Feld!(Beifall bei den U. Soz.) Reichsniinister des Innern Dr. Koch: Die Darstellung des Abg. Lepinsfi über die Vorgänge in Zittau widersprechen meinen Ausführungen nicht. Die Masse i st bcwaff- net gewesen, das steht fest. Das ttefbegründete Mißtrauen zivischen rechts und links ist vollkommen unbegründet. Die Herren hän- gen sich nicht selbst, sondern immer dem Gegner ein Löwenfcll um und fürchten sich dann davor.(Heiterkeit.) Tie Regierung wird im der Entwaffnungssrage vollkommen gerecht vorgehen. Abg. Sauerbrey(II. Soz.): Es können sich höchstens im Ruhr- revier noch aus den Kapp-Tagen her einige Waffen in der Bevölkerung befinden. Die RechtSsoziestisteu erkennen endlich, daß die Ein» wohnerwehren vollkommen reaktionär sind. Die Durchführung der Entwaffnung muß hn Verein mit den Arbeiterorganisationen erfolgen, um gerecht zu werden.(Betfall.) Abg. Remmele(II. Soz.): Ter Marburger Mordgetst herrscht in gleicher Stärke an«allen Hochschulen.(Widerspruch rechts. Unruhe.) Der Regierung kommt es nnr daraus an, die Arbeiter niederzuhalten. Die Regierung will die Abrüstung nur vortäuschen. (Große Unruhe.) Die Postzcnsur durch den Reichskommissar be- deute: zugleich eine Pressezcnsur. Di« Ententebesetzung setzt für die Nichtadlieferumg von Waffen nur zwei Jahre Gefängnis, die deutsche Regierung aber ll> Jahre Zuchthaus aus.(Hört! Hört! links.) Die Einivohnerwehren, Zettfreiwilligen und anderen Henkrrorganisationcn sollen bestehen bleiben. Das hat sich aus den Komnrissionsverhandlungen ergeben.(Widerspruch bei der Mehrheit.) Das internationale Proletariat wird in der Stunde der Gefahr treu an unserer Seite stehen, zum Kampf gegen den weißen Terror. Wir rufen das französische Proletariat auf(die letzten Worte des Rodners gehen in lauten ironischen Hochrufen der Rechten unter). Damit schlteßt die allgemeine Aussprache. Ter sozialdemokratische Antrag, daß nur Militär und Polizei Waffen besitzen dürfen, wird gegen die Stimmen der beiden sozia- ltstischcn Fraktionen abgelehnt, die M 1 bis 5 mit derselben Mehrheit angenommen. Eingefügt wi/rd die Bestimmung, daß der Rcichsk.unmtssar festsetzt, welche militärischen und politischem Or- ganisationen von der Ablie ferungspflicht ausgenommen sind. Verschiedene Anträge fordern einen parlamentarischen Beirat beim Reichskonrmissar. Abg. Hildenbrand(Soz.): Wenn der Zweck erreicht werden soll, ist die unparteiische Handhabung notwendig. Den Reichs- kommissar kennen wir nicht; wir können doru/tn nur dann dem Gesetz zustimmen, wenn dem Rcichskommissar ein parlamentarischer Beirat beigegeben wird, der besonders die Aussührungsbestim- nrungcn mit prüft und miterläßt. Unser dahingehender Antrag bietet eine Garantie für unparteiische Handhabung des Gesetzes.(Beifall bei den Soz.) Abg. Kopkch(Dem.): Der Reichs kommissar soll möglichst un- behindert sein. Angesichts es Mißtrauens gegen dieses Gesetz sollte aber eine Einigung über die Form und die Befugnisse des Betrits möglich sein.(Beifall bei den Dem.) Ein Antrag Curtius(Dt. Vp.) und Kopsch(Dem.) wird angenommen, wonach dem Reicks kommissar ein parlamentarischer Beirat von IS Personen beigegeben wird. Das Einverständnis des Beirats ist zu grundlegenden Ausführungsbestimmungen einzuholen. In dringlichen Fällen selbständig erlassen« grundlegende AuKsührungsbestimmungen hat der Retchskonrmissar dem Beirat alsbald vorzulegen. Im 8? wird die Beschränkung des Post, und Telcgrophengehcimnisses einstimmig gestrichen. Abg. Radbruch(Soz.: Wir wünschen nicht, daß Einwohner- wehren und ähnliche Organisiiivnen bei der En tiva ffniun gsaktio n herangezogen werden, denn wir haben damit schlechte Erfahrungen gemacht. Bei der dritten Lesung müßte noch eine Bestimmung eingesügi werden, wonach die Eidesverweigerung bestraft wird. Reichsminister des Innern Koch: Eine Organisation ans allen Kreisen der Bevölkerung, wie sie dr Vorrdner forderte, müßte be- waffnet sein, wenn sie Bewafst.eten gegenübertreten soll. Die Einwohnerwehr tvollen wir bei der Entwaffnung nicht benutzen. Abg. Ilnterleitncr(U. Soz.): Wir fürchten, daß das Gesetz dennoch zu einer neuen Bewaffnung der Einwohnerwehren führt; deshalb werden wir die.Zlrbeiter zum Protest gegen dieses Ge- setz ausrufen.(Anhaltende H uhurufe rechte.) Abg. Kopsch(Tem.i: So aufgeregt wie hier haben sich die Unabhängigen in der Kommission nicht geberdet.(Hört! Hört!) Abg. Dr. Roscnfeld(11. Soz.): Im Ausschuß haben wir die- selben Ausführungen gemacht wie hier. Abg. Schövflin(Soz.): Dir heutigen Ausführungen der Nn- abhängigen im Plenum stehen im strikten Gegensatz zu ihrem«er- halten im Ausschuß.. Nach wetteren Ausführungen verschiedener Redner dazu ,agt Abg. Remmele(II. Soz.): Schöpflin hat im Ausschuß zeitweilig geschlafen. kSckallende Heiterkeit.) Abg. Schöpflin(Soz.): Es war kein Wunder, daß ich im Ans- schuß bei den sanftmütigen Reden der Unabhängigen ein- geschlafen brn.(Erneute schallende Heiterkeit.) Nach weiteren Ausführungen Dr. R o s e n f e l o S und Hofmann s- Ludwigsbafen(Zir.j, der die Angaben Schöpf lins auf Grund seines Stenogramms unterstützt, wird ein Antrag auf Schluß der Aussprache angenominen. Beschlossen wird, daß die Organisationen des ReichskommtssareS sich aus allen Schichten der Bevölkerung zusammensetze» sollen. Bei der Gesomtabstimmnng über den§ ö, der dem Entwassnungskom- missar gestartet, besondere Organisationen bei der Entwaffnung zu- zuziehen, wird dieser dann gegen die beiden sozialdemokratischen Gruppen und die Deutschnationalcn abgelehnt. Der Rest des Gesetzes wird in zweiter Lesung angenommen. ES folgt die dritte Lesung des Not-Haushalts. Abg. Rosenfeld(U. Soz.) wendet sich gegen eine Enischließung, die eine eventuelle Internierung eingewanderter Ostjudcn verlangt. Durch die Matznahmen gegen die Ostjudcn sind gerade Großschieber nicht betroffen worden. Man sollte nicht vergessen, daß Deutschland«inen Test der Schuld an der Ostjuden. katastropsse trägt, weil seine militärischen Machthaber die polnische Industrie zerstört haben und dadurch viele Ostjudcn zur Au?- wanveruug zwangen. Minister des Innern Sluch: In der Lstjudeiifrage muß die Regierung sich auf den Boden der Resolution stellen. Dabei betrachtet sie oie Frage nickt vom Parteistan.dpunkt. Wir müssen daran denken, daß wir für unser Volk starken Mangel an Nahrung und Wohnungen haben und daß eine ungeheure Gefahr der Seuchenverbreitung durch oie Ost- juden besteht. Wir können nur Leute über die Ostgrenze lassen, die eine Existenz nachweisen können und die mit einem gültigen Paß verschen sind. Das von dem Abg. Runkel(D. Vp.) geforderte Reichsschulamt ivärc ein Rückschritt. Tie Rcichsschnlkonferenz bat nützliche Arbeit geleistet. Wir werden ein Reichskulturparlament aufbauen, wenn wir erst wieder einmal ruhige Zeiten in Deutschland haben. Abg. Mumm(T. Rat.): Abg. Rosenfcld hat Pech. Tic Judenresolution ist gestern schon angenommen Ivorden, ohne daß einer der 89 Herren Unabhängigen dazu das Wort genommen halte. Vizepräsident Dr. Bell: Tie Unabhängigen habe» wahrscheinlich bei der Unruhe im Hause gestern überhört, daß der Haus halt des Ministeriums des Innern aufgerufen und angenommen wurde. Abg. Brcitscheid(U. Soz.): Die Resolution richtet sich ganz ein- seitig gegen jüoische Einwanderer, gegen baltische Einwanderer rich- iet sie sich nicht.(Abg. Bruns(Dnatl. Vp.s: Sehr richtig!) Und doch haben gerade die baltischen Barone an hervorragender Stelle gegen Deutschland gekämpft. Ich erinnere nur an den General R c n- n c n k a m p f.(Andauernder Lärm und Zuruf« rechts.) Nach weiterer unwesentlicher Aussprache wird die Aussprache über den Haushalt des Reichsministerinms des Innern geschlossen. Eine Anfrage über steuerliche Erleichterungen für die heim- kehrenden Kriegsgefangenen aus Rußland wird dahin„beantwortet", daß Erwägungen darüber schweben. Mittwoch 1 Ubr: Interpellationen über Arbeitslosigkeit, Not- Haushalt. Tie dritte Lesung des Entwafsnnngsgcsetzes wird auf Einspruch der Unabhängigen von der Tagesordnung abgesetzt. Schluß 8V1 Uhr._ 25?ahre Naturfreunöe. In Salzburg bat der Arbeiter-Touviftenverein„Die Na- ttlrfreunde" nach jahrelanger Unterbrechung wieder seine Haoiptver- sammlung abgehalten, die erste seit seinem Entstehen vor einem Vierteljahrhundert. Im Jahre 1895 luden einige Wiener Parteigenossen, Alois R o h r a u e r, Oberlehrer S ch m i e d l, Anton Kreutzer, der damalige Stirdcnt Karl R e n n-e r und H a p p i s ch zur Gründung eines Arbeiter-TouristenvereinS ein, damit der Arbeiter seine Wanderungen in die Berge mit gleichgesinnten und denkenden Gefährten unternehmen könne. Der Aufruf hatte großen Erfolg. Im Ansang wurde diese Arbeiter-Touristenvereinigung von den bürgerlichen alpinen Vcreinigiingen viel belacht und bespöttelt. Das konnte die Naturfreunde nicht hindern, ruhig und zielbewußt ihrer Aufgabe nachzugehen, in den breiten Schichten der Arbeiter- schaff Liebe und Verständnis für die Natur und ihre Schönheilen zu wecken und sie dem Wirtshaus zu entziehen. 1914 zählte der Verein 39 372 Mitglieder. Da kam der Krieg, und der Mitglieder- stand sank im Jahre 1916 auf 18 846. Nach dem Umsturz 1918 waren es 28 617, und nun gang es sprunghaft in die Höbe. 1919 zählte man bereits 47 534 und Ende Jrnti 1920 73 000 Mitglieder. Der Rahmen, den sich der Verein gesteckt hatte, wurde bald zu eng und die 550 Ortsgruppen, die der Verein zählt, verteilen sich auf Deutschösterretch, Deutschland, die Tschecho-SIowakei(wo man die Reichenberger Ortsgruppe unterdrückt hat), Jugoslawien- Ungarn, Säureiz, Norwegen, Dänemark, Frankreich(Elsaß), Italien und bis nach Amerika. Diese wahrhaft prolcta-rische Ar- beiterintcrnationaie hcttc sich auch in dem Kriege bewährt. Zu den Zeiten, als wir vom Ausland hermetisch abgeschlossen waren. ist es durch die Hilfe der Ortsgruppe Kristiania gelungen, den in den Kriegsgefangenenlagern in England und Frankreich fest- gehaltenen Oesterreichern, die Mitglieder der Naturfreunde waren, die Zeitsckrist„Naturfreund" regelmäßig zuzusenden. Und kaum war der Krieg vorüber, kamen aus Amerika die ersten besorgten Anfragen:„Wie geht es Euch? Wie habt Ibr den Krieg über- standen?" Es wurden auch in den amerikantsäien Ortsgruppen Sammlungen eingeleitet und für die notleidenden Wiener Mitglieder große Beträge geschickt. Auch die deutschen Ortsgruppen lei« tcten unter dem Motto„Bergesnot" Sammlungen ein, und viele Zehntausend« Mark kamen den Wienern zu. Die Naturfreunde haben auch auf dem Gebiet der Weger- schl'eß ung und des Markierungs Weyens gmz Er. sprießlickes geleistet, eine f tätliche Reihe von S ch u tz h ä n s c r n und Hütten in den Alpen des deutschen Sprachgebiets trag'n stolz das Wappen der Naturfreunde. Der Wiener Ortsgrm'pe wurde im vorigen Jahre der ehemalige kaiserliche Tiergarten hei Wien als Treuhänder übergeben, und es ist da? Bestreben dieser Ortsgruppe, diesen Tiergarten der Wiener Bevölkerung als Natur- schutzpark zu erhalten._ ftue aller Welt. Die Ermordung de? italienische» Sergeanten in Lvck. Als Schuldiger an dem Tod des italienischen Sergeanten Orasi bar sich nunmehr der Eisenbahner Jekwig bekannt. Nach den bisherigen Ermittelungen stellt sich die Tat nicht als überlegter Mord, sondern als Notwehr dar. Ovasi hatte dem JeSwig abends bei einem Dienstgang aufgelauert, weil Jeswig den Vater eines Mädchens gegen ihn aufgehetzt hatte. Der Angreifer ist Orafi gewesen. Englische Wiedergutmachung. Seinerzeit hatte ein englisches Gericht die Beschlagnahme des auf der Bank von England unter- gebrachten Vermögens des ehemaligen Zaren Ferdinand von Bulgarien i400 000 Pfund Sterling) ausgesprochen. Auf die von Ferdinand eingelegte Berufung hat jetzt der Kassation? des entschiede>?, daß dieses Vcirmögen nicht bulgarisches Kronvermägen. sondern reines P r iv a t vermögen gewesen sei. das er von seiner Mutter her vom französischen König Louis-Phtlippe erevbt habe. Die Beschlagnahme sei demgemäß zu kassieren.— Ja so ein tnternattonvler Konig hats halt gut! Die erste bolschewistische Olympiade hat laut Moskauer Fmik- spruch am 1. Augnst in O rel begonnen. E? cheteiliaten sich nach Moskauer Behauptung über 200 Sportverbände, Klubs, Pfad- finder und Turnabteilungen. Sriefkasten üer Reöaktioa. W. F. 1«. Ja, am 1. August ISA.— Genosse 12. Sie sind zur Abgabe der SteuererNSrung verpflichtet, womit ober nicht gesagt ist, daß Tie die Steuer zu zablen baben.— K. 1. 1. Wenden Sie sich an da« Jugendsekretariat Groß- Berlin, In den Zelten 23. 2. Darüber wird die Handwerkskammer in Berlin, Teltower-, Eck« Belle-Allianee-Str., Auskunft geben.— R.«S. New: nur für da? ReichSnotopser.— L. L. I». 1. VerficherungSamt, Berlin, Klofterstr. SS. Die Höhe des Krankengeldes ergibt sich auS den Satzungen. 2. Ja; 10 Pro,, vom Lohn; der Abzug bat jedoch zu unterbleiben für 30 M.. die sich str jede zum Haushalt g«. hörende Person um je weitere 10 M. erhöben. 3. Rur die Entlohnuna er- tolgt nach dem Veamtenbetoldungsgesetz. 4. Rem.— F. 8. 38. 1. Rein. 2. In zwei Jabren, wenn der Schiedsspruch darüber nicht? enthält. 3. Zimmerstr. 90/91.— H. 118. Solange Besreiung nicht ersolgt. können Sie in Tvüschland die Ebe nicht eingehe».— Betriebsrat W. Sv. Sofort, lausende Verträge aber werde» von ihr»icht derührt.— 8. Ziern. Die gute Massary-Zigarette Urteilsfähige Raucher wissen, weshalb sich die Massary- Zigaretten so großer Beliebtheit erfreuen. Versuchen auch Sie unsere Spezialmarken Classe 30 Pfg., Caid 40 Pfq. Urteilen Sie selbst! «■ayvR«».«.»an i.ß Txm».K WJIJLMUUOU�B' K» t.> r TEteater.Lichtsp&ele etc. ---------------------■ Staatl. Schauspielhaus. (Operetten-Gastspiel) Allabendl. nja 7'/t ühr:"'c Musik von Leo Blech. GroBes Schauspieiiiaus. V/j: Ljsistrata(45. Abt., 4. A.) Do. 7: Jul. Ciisar(33.Abt., S.A.) Deotsclies Theater. Ermäß. Preise. s ut.r: Weibstenfel. Kammerspiele. Ermäß. Preise. s uhr; ßie Notbrücke Kleines Schauspielhaus. Fasanenstr. 1(Nähe Bhf.Zoo). Ermäß. Preise. 8 uhr Büchse der Paniiora. Theater desWestens Hans Waßmann: s ühr: Der ehem. Leutnant Schüler-Theater. Gisela Werbezirk: s u.: Rabenvater Theater 1. d« KünigpätzerStrafie VaS Uhr: Geständnis. KomödienhaDS 8 Uhr; PetZ'Kalncr'Balleit. Berliner Theater "'aS Uhr; Der letzte Walzer Central-Thenter Die Tribüne 8 Uhr: Friedr.-WlUielm.t.Th. 8 uhr: Marzipan. Kleines Theater. '■/.uhr; Elise Lensino Komische Oper u'hr; Die Frau Im Dunkeln. JLu�tspielhaas utfr Derungetrene Eckehart Ketropol-Theacer. l'!': Im weißen ROss'l Neues CentraUThcatcr u!' Die Dame im Frack. Neues Opcrettenhnns Volksbühne Theater am Bülowplatz. �v.uhrJerEiihreiBen Lessing-Tlieater. Sommerspiel zeit Allabendlich 8 Uhr: Legpolielgnstasi in D.Glas d.Jungirau Sommerprelse 1,80 bis 25 M. Deutsches Künstler-Theater Allabendlich 8 U'hr: Clubleute mit Max Adalbert. Circus Busch' Gebäude. läßlich 71/. Uhr: Gr. Spezialitit.-Vorst. 7 Perlas?_ a Theater a.Kotlbu». Tor V Tel.; Moritzolatz 14814. Äk Täglich 7'/s Uhr: 1lÄ.Elite-Säager. Vollständig PflRcig neues Programm. i I r*/ BIOthgen-Konzert, II IV Beginn 7 Uhr. �" Vorvk. II-!■/,, 4-6 U. | Hervorragendes | ErötTDungs-Programm Personen- u. Frachtdanipferverhindnng von und nach den Mordseebädern n.Flsbjerg Abfahrt von Hamburg(St. Pauli Landungsbrückej/ vm Täglich nach Cuxhaven, Helgoland, Sylt im. Anschluß nach Amrutn. Wyfc/FShru Südstrand, Fähr. Nach Esbjerg(Dänemark) am 7., II., 14, 18, 21, 25. und 28. August, I, 4. und 8. Sept. Nach Norderney jed. Freitag u. Sonnabend mit unseren Dampfern, Jed. Dienstag u. Donnerstag mit den Damnlern d Nordd. Lloyd, in direktem Anschluß an die von Hamburg u. Sylt kommenden Dampfer (am 17, ZI., 8 und 2.0. kein dir. Anschluß in Helgoland) Jeden Sonntag 700 vm. Tagesfahrlen nach Cuxhaven und Helgoland Werktags Tage» fahrten nach Cuxhaven (laut Fahrplan). Fahrpläne u. Fahrkarten: unie,buroddi"Zb�gDAcu"chke< Verkehrsbüro i. Potsd Bhf, Verthelm, Tietz, Kaufh.d. 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In seiner Rede vom Sonnabend hat Genosse Lübb- ring die Bestrebungen der reaktionären Kreise enthüllt, die sich besonders um den Namen des Hauptmanns Escherich knüpfen. Dieser bekannte Organisator der bayerischen Ein- wohnerwehren ist nämlich daran, eine Zentral'organi« s a t i o n für alle angeblich aufgelösten Zeitsreiw?ligensorma. tionen und Einwohnerwehren im ganzen Reich zu schaffen� Ein günstiger Wind hat uns wertvolle Unterlagen über seine Pläne und über die Form ihrer Gestaltung auf den Redoktionstisch geweht. In einer Sitzung her Organi- sation Escherich(Telegrammadresse Orgesch München), die am 12. Juni192g(nach den Wahlen) in Berlin stattfand, wuyden nämlich folgende Richtlinien festgelegt: I. Durch Besprechung mit Vertretern einer Regierung s- stell« ist folgendes erreicht und zugestanden: 1. Orgesch ist eine legale Organisation. 2. Die Geldfrage ist vom Staate zu lösen. Der bekannte Zuchthauiparagraph ist durch diese An- erkennung seitens der Regierung auf Angehörige der Orgesch nicht snwendiar. II. Der Aufruf der Orgesch erfolgt durch E sch e r i ch im De- Nehme« mit der Regierung. Bei Aufruf der Orgesch erklärt die Regierung gleichzeitig de» AuSnahmeznstaad. Die Orgesch unterstellt sich den militärischen Ober- befehlShabern, filang« diese«mf dem Bode« der Gahunge« vo» Orgesch stehen. Im Falle lokaler Unruhen wird Orgesch aufgeboten s) durch die Provinzialleiter oder d) durch die Gesamtlei- t u n g E s ch e r i ch. lDer Bericht unterscheidet drei Phasen von Unruhen, und zwar: Lokale Unruhen, große lokal« Unruhen, großer Brand.) III. Die Mittel, welche für Orgesch«rsorderlich sind, werden nach Aufruf don Orgesch vom Staat, und zwar von den LandeSfinanzämteru, angewiesen. Bis dahin, für die Gesamtvor- liereitungen und während ruhiger Zeiten, werden die Mittel für Orgesch aus Privottammlungen aufgebracht. IV. Aufgaben der Orgesch. 1. Freimachen der Reichswehrtruppen bzw. von Sipo durch Zuführung ziviler Kräfte(lokale Organisationen). (Anmerkung d. Red.: Es handelt sich hier um die Aufbietung dar stationären Formationen, welche bisher unter den- Namen Einwohnerwehren, Stadtwehren usw. bestehen, deren Auflösung und Entwaffnung bislang bekanntlich nicht erfolgte. Diese sollen in ihren Heimatorten bzw. deren Umgebung garni- saniert« Reichswehr oder Sipo für ander« Aufgaben freimachen bzw. sie im Notfalle verstärken.) 2. Aufstellung beweglicher Formationen. (Anmerkung d. Red.: ES handelt sich hier um die Neufor- m i e r u n g der bisher bestehenden Zeitfreiwilligenfor- mationen, deren offizielle Auflösung zwar verfügt ist, die sich abr im Besitze don Waffen und Ausrüstungen nach wie- bor befinden. Sie sind, wie wir schon mehrfach dargestelli haben, in Sportklubs usw. zusammengefaßt, und ihre mili- tSrisch« Uebung ermöglicht ihre jederzeitige Verwendung als schlagkräftig« Truppe. Irgendeine Kontrolle über die Loyalität dieser Verbände besitzt die Regierung nicht, im Gegenteil sind diese ihrer Beaufsichtigung völlig entzogen und niemand als der Herr Escherich' bürgt dafür, auf welche Seite sich diese Truppen im gegebenen Augenblick stellen.) V. Gliederung der Orgesch. 1. Die Gesamtleitung liegt beim Stabe Escherich iBerlin-Miinchen), welcher die gesamten Vorarbeiten, VerHand- lungen und den Aufbau der Orgesch zu leiten hat. 2. Provinz ialleitungen. Die Provinzialleitungen werden geführt von je einem Zivil- und einem militari- scheu Leiter. Di« Zivilleiter sind von Esch er ich durch Hand- schlag vereidigt, Die militärische Leftung gliedert sich in vier Befehlsstellen. weilche angelehnt sind an die Reichswehrgruppenkommandos, und zwar: 1. Befehlsstelle Nord-West(Hannover): Admiral Hein- rich»— Graf v. Lampsdorf. Z. Befehlsstelle Nord-Ost(Berlin-Hamburg): v. d. Osten —- Graf Goltz(!)— je 1 Vertreter von Handel und Industrie. (Anmerkung d. Red.: Offenbar als Garanten der Geldgeber.) S. Befehlsstelle Hessen(Marburg): Fregattenkapitän v. Selchow. 4. Befehlsstelle Süd(München): Hauptmann Esch er ich. Der Schwerpunkt liegt in der Landesorganisation, der entsprechend zu erfolgen hat. (Anmerkung d. Red.: Die Leiter der Orgesch stehen den Krei- sen nahe, welche die ländlichen Bezirke von den Jndustriebczirken abspalten wollen, um so eine Isolierung der„roten Gefahr' zu erreichen. Es wäre zu prüfen, wie weit vle Vertreter don Orgesch mit den Landbewaffnungen in Verbindung stehen, zum mindesten arbeiten sich diese Bestrebungen in die Hände.) Man hat eS hier mit einer Zusammenfassung aller bestehenden legalen uns illegalen bürgerlichen Geheim bewaffnungen zu tun. Da durch die militärischen Bedingungen von Spa in weiten Kreisen der Finanz und Industrie die Neigung wachsen wird, eine solche Organisation zu fördern und sich ihrer zu bedienen, erhöht sich die Gefahr, daß Orgesch als Borkämpfer einer bestimmten wirtschaftlichen und politisches Jnteressentengruppe lediglich eine bewaffnete Or- ganisation der Reaktion wird und auf eigene Faust Politik macht. Die Beteiligung der Regierung an diesem Unternehmen ist ebenso befremdend wie verwerflich. Es muß festgestellt werden, welche Regierungsstelle Escherich die Zusage der Legalisierung und Finanzierung im Fall« des Aufrufes geyracht hat. Denn abgesehen von allen inperpolitischen Gesichtspunkten ist absolut unver- ständlich, wie eine Regierung, die in Spa unterzeichnet hat. zur Legalisierung einer Organisation die Hand bieten kann, die einen glatten Bruch des Abkommens bedeutet. Rätselhafter Waffenraub. Stettin» 3. August.(WTB.) I» der Nacht zum Sonntag griff eine«t«a 70 M a n« starte Bande die Wachtposten de« Kriegsgefangenenlagers A l t d a m« an, bemächtigte sich ihrer G e- »ehr» und»rang in das Lager ein. an« deffeu Waffcnkammer»och » r i t r» e 20 Gewehr« mitgenommen wurde». Di« Haüptwache de« gatttl ttignttt M Jener nn» Metrie» die Eindringlinge, die die Gewehre fortwarfe« und entflohen. Nur die 15 Gewehre der Wachtposten wurden von ihnen«itgenommrn. Ob es sich hier um Banditen oder um Leute handelte, die zu .politischen" Zwecken Waffen brauchten, wird aufzuklären sein. Da» gegen ist schon klar, daß die Wachtposten sich leicht haben über» rumpeln lassen. Reichswehr nach Zittau. Dresden, Z. August.(TU.) Der nach Zittau entsandte Sonderberichterstatter der Telegraphen Union" drahtet: Die Reichs- wehr war bis 7 Uhr abends in ZUtau noch nicht eingerückt, dagegen ist das staatliche Elektrizitätswerk Hirschfelde, das de« gan. zen Bezirk der sächsischen Oberlausitz mit Strom versorgt, mittags von Reichswehrtruppen besetzt worden, ohne daß eS zu ernsten Zusammenstöße« gekommen ist. In die Umgebung vo« Zittau sind während der letzte« Rächt mehrere Züge Reichswehr und Sicherheitstruppen, ausgerüstet mit alle« Kampfmitteln, aus verschiedene« Linien hingeleittt worden. In der Stadt ist seit heute früh eine wesentliche Entspaa- n u n g eingetreten. BormittagS 11 Uhr fand auf der Tchietzwiefe eine von 6000 Perfone« besuchte Versammlung statt. Die Führer des ISer-AuSschuffes, der sich auS Unabhängigen und Kommunisten zusammensetzt, Frenze! und Müller, erstatteten Bericht über die Maßnahmen der sächsischen Regierung. Ei» Berliner Redner er- mahnte eindringlich zur Besonnenheit. Di« Bersammlung beschloß mit überwältigender Majorttät, morgen, Mittwoch, in alle« Be- triebe« Zittaus und der Umgebung über die Fortsetzung deS G«- neralstreiks eine Urabstimmung vornehmen zu lasten. Boraussesung für die Wiederaufnahme der Arbeit soll allerdings die vorherige Aufhebung des Belagerungszustandes sein. Die mit roten Armbinden und Revolvern ausgerüsteten Posten wurden heute von den Straßen zurückgezogen. Die öffentliche Gewalt ist der Polizei wieder übergeben worden. Kunügebung republikanischer Gffiziere. Die Offiziersvereinigung der Deutschen Republik wendet sich mit folgender Kundgebung an das In- und Ausland: .Heute, wo sich zum sechsten Male der Tag jährt, an dem der Krieg ausbrach, wenden wir uns an die Kameraden, die im Krieg« den Krieg verabscheuen gelernt haben. Wir bitten sie, ihre ganze Kraft einzusetzen an der Mitarbeit bei der Ausrottung dieser menschenunwürdigen Einrichtung, und wir bitten sie weiter, auf die- jenigen Kameraden einzuwirken, die noch nicht eingesehen haben. daß nicht Revanche, sondern nur Revision des Bersailler Vertrage? auf dem Wege der Verständigung erstrebt werden darf und muß. An unsere ReichStazSabgeordneten ergeht die Bitte, alles zu tun. daß den beklagenswerten Opfern des Krieges, den Invaliden und Schwerbeschädigten, den Witwen und Waisen,«ehr als bisher geholfen werde trotz aller unserer Finanznot durch grötzle Spar- samkeit an geeigneten Stellen. Die OfsizierSvereinigung der Deutschen Republik vertritt ehrlich die Ueberzeugung, daß die Richtlinien für die deutsche Innen- und Außenpolitik Aufrichtigkeit und Versöhnlichkeit heißen müffen. Daraus glauben wir das Recht entnehmen zu dürfen, an alle Offizier« aller Länder, mtt denen wir Krieg führten, die kameradschaftliche Bitte zu richten, auch ihrerseits in ihren Kreisen darauf einzuwirken, daß unterem Volk«, da« in seiner überwiegenden Mehrheit den Krieg nicht gewünscht ha», Ver- st ä n d n i s und Hilfe entgegengebracht werde und jede» un- begründete Mißtrauen erspart bleibe.". Diese Kundgebung wurde den Berliner Vertretern der hauptsächlichsten Großstaaten, mit denen wir Krieg führten, mit der Bitte überreicht, diese Kundgebung in ihren Ländern zur Kenntnis des Offizierskorps zu bringen. Racheschulz im Rheinlanü. R?tchswehrminister Gehler bedroht die Kohlenförderung. Duisburg, 3. August.(Eigener Drahtbericht des„Vorwärts".) Unser hiesiges Parteibtoitt schreibt: Unter unserem gegen- wärtigen Reichslvehrmnnster scheint tatsächlich alles möglich zu sein. Auf der einen Seite wind die republikanische Rhein- hardtbrigad« aufgelöst, auf der anderen Seite tranS- portiert man einen allbekannten Major Schulz in das wich- tigste Wirtschaftsgebiet des Deutschen Reiches. Nackchem erst im April dieses Jahres das ÄorpS des MajorS Schulz auf Grund seiner Rutlüfternen Tätigkeit während der Putschtage aus dem Ruhrgebiet abbefördect wurde, um aufgelöst zu werden und Major Schulz zwecks Entlassung vorläufig beurlaubt wurde, besitzt das Rcichswehrministerium heute den Mut, uns dieselbe Garde ins Land zu schicken, die bei dem größten Teil der Bevölkerung verhaßt ist. Gegen ein derartiges Ansinnen wird seitens der Arbeiterschaft im Ruhrrevier der schärfst: Protest ein- gelegt. Diesem Reichswehrminister scheint für die Wirtschaft- liche Lage Deutschlands jedes Bcrständnis abzugehen, denn sonst würde er nicht neuen Aufvuhrstoff durch die Stationierung eines Korps, besten Name allein die Reaktion verkör. pert, liefern._ Cin wertvolles Zeugnis. Die Deutsche Boltspartei beim Kappverbreche«. Wenn Zwei sich streiten, so erfährt die Mitwelt bekannt- lich die Wahrheit. Am meisten gilt das. wenn zwei Mit- schuldige eines Verbrechens sich hinterher in die Haare ge- raten. Die Deutschnationale und die Deutsche Volkspartei haben bekanntlich, solange sie in Opposition zur Regierung standen, solidarisch ihre Beteiligung am Kapp- Putsch standhaft abgeleugnet.� Nun aber ist die Volkspartei in der Regierung, die Deutschnattonalen sind draußen, da- durch hat sich die Verbrechersolidarität gelockert und man er- fährt allerhand. Die„Deutsche Tageszeitung" ist sehr empört, weil von der am Montag im Reichstag beschlossenen Amnestie die Führer und Anstifter des Kapp-Unternchmens ausgeschlossen sind. Ihr Hauptärger richtet sich gegen die Deutsche Volkspartei, weil diese für das Amnesticgesetz in seiner jetzigen Fassung gestimmt hat. Vorwurfsvoll schreibt das deutschnationale Organ: Das ist besonders bemerkenswert, soweit die Deuische Volks» Partei in Frage kommt, di« nicht nur in aller Oeffentlichkeit ihren Führer desavouiert, sondern die sich auch in ihrer Gesamtheit selbst desavouiert angesichts ihrer Haltung zum Kapp-Unternehmen im März. War hoch die Stellung der BolkSpartei zur Kapp- Regierung sehr viel ermunternder al» die der Teutschnationalcn. Dieses Geständnis ist wertvoll genug, um nicht vergessen zu werden. die brennendste Entwaffnung. Die nächtliche Ansplüicherung des deutschösterreichi-schen Staatstvaffen logers Fürstenfeld durch sine unga- rifche Militärmacht rm Räubergowande und unter brutaler Vergewaltigung der Bürger und Gendarmen ist eine Tat von weittragender Bedeutung. An der alten ungarischen Grenze sind sehr starke Hotthy-Truppen konzentriert, obwohl dieses Gebiet nach den in Kraft getretenen Friedensdiktaten von St. Germain und Neully langst zu Deutschösterreich gehörte— Horthy-Ungarn denkt gar nicht daran, dieses deutsche Land, das die Ernährung Wiens und der übrigen Industriestädte verbessern könnte, zu räumen. Während Deutsch- österreich auf ein Söldnerheer von ZlllKX) Mann beschränkt wird, bleibt Ungarn gegenüber das Abrüstungsdiktat außer Kraft, die Horthy-Armee mobilistert darauf los und ist heute schon über IllV VtXZ Mann stark. Sie soll der Entente als Polenersatz gegen Rußland dienen, ihr selbst aber ist die Wiederherstellung des alten Völkerknechtnngsstaates Ungarn als klerikaljunkerliche Militärmonvrchie das Ziel. Ein starker Antrieb dazu ist natürlich die Abreißüng kern- madjarischer Gebiete und der wichtigsten Produktionsstätten imd Rohstofflager durch das Diktat. Zur Erreichung dieses Ziels müßten aber die Tschechoslowakei und Südslawien zur Räumung der ihnen zugefallenen Gebiete Alt-Ungarns ge- zwungen werden, und bei dem Kampf gegen die mittel- europäische Demokratie soll zunächst Deutschösterreich, vor ollem das rote Wien samt den Jndusttiestädten Wiener- Neustadt, Graz, dem obersteirischen Eisenrevier usw. gekne- belt und der österreichischen Reaktion zur Wiederau irichlung Oesterreich-Ungarns ausgeliefert werden. Haben doch die christlichsozialen Heimatwehrleute in der Steiermark syste- mattsch den Wiener Befehl zur Räumung der Grenzwaffen- lager sabotiert und so den rrn garischen Raub direkt begünstigt. Da nun hie sozialistische Arbeiterschaft der Träger des An- schlußgedankens an Deutschland und der Republik ist. begreift man, daß auch diese Seite des Horthy-Mivttarismus die Sympathie Frankreichs besitzt, die sich, nach der Wiener „Arbeiterzeitung", mehr und mehr von der Tschechoslowakei ab- und Horthy-Ungarn zuwendet. Eine französische„Han- dels" Mission unter dem Grafen Saint-Saud eur(„der heiligie Retter") arbeitet eben jetzt in Wien und Budapest. Englands Beherrscher aber werden wie immer der Zer- fleischung Europas mit Entrüsttmg, doch befriedigt zusehen. fn Zala-Egerszeg wird eine eigene„ö st e r- . i s ch e Legion" aufgestellt, die aus übergelaufenen Offizieren und aus eingefangenen und betrogenen Mann, schaften besteht. Man erkennt unschwer das Muster der Fremdenlegion und schließlich auch der im Krieg von der Entente aus Kriegsgefangenen und Ueberläufern gebildeten Legionen. Hier ist i>er offen eingestandene Zweck der Ueberfall auf das eigene Vaterland unter dem Titel seiner„Befreiung vom roten Terror". Nim ist in Wien von solchem Terror gar keine Rede, und selbst die Schandtaten iter Budapester„Rätri'herrschaft sind längst ins Wesenlos« verblaßt vor den Greueln der christlich-notionalen Offiziersbestten Horthy-Ungarns. Die Entente duldet all diese Vorbereitungen auS Angst vor einem Zusammenschluß Deutschlands mtt Sowfetrußland, aus Angst also, sich im eigenen Netz zu fangen. Wenn jemand Vorbedsngungen dafür geschaffen hat, so sind es die Macher und Vollstrecker der Völkerknechtungen von Versailles, St. Germain, Spa usw. Uns Deutschen kann das Schicksal unseres Deittschösterreich niemals gleichgültig sein. Fällt � Wien, so triumphieren auch in Deutschland die Gebeimcmneen des von Ungarn aus leitenden Majors Bischoff, und die Gefahr des entsetzlichen Bürgerkrieges und des unseligen. aber unausbleiblichen Wechsels von weißen: und rotem Terror wächst ins Unheimlichste. Es liegt an der Entente, die von der Wiener Regierung angerufen worden ist. ob sie die halbwegs unblutige demokratische Entwicklung in Mitteleuropa sichern will. Die drin- gendste Bedingung dafür ist heute die Entwaffnung Horthy-Ungarns. Hilferuf der Gewerkschaften. Wie«, 3. August.(Eigeuer Drahtbericht de«„«orwärt«".) Dir Deutschösterreichisch: Gewerkschaftskommission ruft in einer nach Amsterdam grrichtetrn Depesche die Gewerk- schaften der Welt grge» Ungarn auf. ES heißt i« dieser Depesche: Die ungarisch« Rrbellio« steht nicht nur im eigenen Lande, sondern sie bedroht auch das wehrlose Deutsch. ö st e r r e i ch. Ungarisch« Truppen rücke» in stet« stärkerem Maße der Grenze zu und haben vor einigen Tagen eiue« räuberischen Einfallet» Fürstenfeld vollführt. Die bewaffnete« Soldaten habe» die B:oöNerung drangsaliert und östrrreichisches Staatseigentum geraubt. Tie österreichische Arbeiterschaft befürchtet weitere Einfälle und hält die Errungenschaft.» der jnng»<* Republik für gefährdet, wen« nicht den ungarischen Re- bellen von de« Ententeregierungen Einhalt getan wird. Wir ap- pellleren dringend an Me Gewerkschaften Englands, Frankreichs und Italiens, dem österreichischen Boll in der äußerst schwierigen Lage beizustehe u. gez. Hueber. Domes. Maßregelung eines belgischen Kammermitgliedes. Daö Kam- mermitglied M a e s, daS anläßlich de» Eindringens domo,,- strierenoer Kriegsteilnehmer in das Kommergebäude diesen zugejubelt hatte, wurde einer scharten Untersuchung unter- zogen. MaeS wurde schließlich als Mitglied der Volksvertretung vorübergehend gestrichen und hat sofort den Sitzungssaal ver- lassen. Das Gebäude der Kammer wurde von 200 Gendarmen zu Fuß und zu Pferde bewacht. Auch im Sitzungssaal waren streng« militärische Maßnahmen getroffen. Keine Klippschule für ReichSteamte. Durch die TageSpreffe ging kürzlich«ine Mitteilung, der frühere ReickSarbeitSminifter Schlicke habe im ReichSarbeitSministerium eine Reihe von Beamten ein- gestellt, für di« das Ministerium Kurse im Diktat und im K o v f»/ rechnen habe einrichlen müssen. Die Anstellung solcher Person- lichkeiten als Ministerialbeamt« sei solange erfolgt, bis das Kabinett eingegriffen habe. Lehnliche« ist auch im Reichstage gesagt worven. Diese Angaben sind, wie uns aus dem Reichs- arbeitSministerium mitgeteilt wird, vollkommen vnzutteffend. Im ReichSarbeitSministerium sind seit seiner Begründung im Oktober ISIS nur Beamte eingestellt worden, die die nötige Borbildung sür eine Tätigkeit in einem Reichsministerium besaßen. Lehrgänge in den Elementarfächern haben im ReichSarbeitSministerium selbst- verständlich niemals staltgefunden. Anscheinend hat zu der .irrigen" Mitteilung die Tatsache Beranlasiung gegeben, daß bei den Versorgungsbehörden, die dem Reichsarbeitsministe- rium nachgeordnet find, Lehrgänge für Kriegsbeschädigte in Aussicht genommen werden. Die Kriegsbeschädigten besitzen zwar die notwendigen Fachkenntnisse, ibre Allgemeinbildung bedarf aber in manchen Fällen noch der Vertiefung, damit sie allen An- f«de»mge» genüg«, die an Beamte gestellt werde« müssen. OewerMsstsbewegung Die Setriebsräteorganifation. inziz nur naa: bioloäljch. Ler- , iahten dni» ttulilbrona neuer. dem naluelicken.Houiieu>nnH reiwandtee Jeltsuddan,»Ret, chei'l tomozeiiemLectibtNdant, nährltod'. b r e m e„Olana". I Erfolge über Erwarten. Dose i M. B— und 14.50. Cito Keitfjcl. Bln.43. SO.Ollenbostnslt.d. Kupfer. Rotguß. Messing Zink... 4,20 2,20 Fritz Behrens, gBÄ Telephon» Könlgsiadi(34CO). GMoivslr. 5. yes Kupfer bis s,Z0?. Kilo Messing„4,75.. Zink. 2,00.. ®rbr. ftlql. Setiin C, Lintenstr. 46. 181/1 Z Nutzeisen jeder Art: Rund-, Mach-, Quadrat-«. Bandeisen, Gatz-Sicde-Rohre, t-Trägeru.ti-Eisen, s?eldschmieden und Ambosse sofort ab Lager lieferbar keüxKodk. Berlin C. 25, Dircksenstr. 12, Moritzplatz 12072.■ Ecke Boltaireftrasse. Moritzpla» 12073.