Nr. 390•> Z7. Jahrgang Msgabe A Nr. öS Bezugspreis: D ert«IIlihri.M,— Mr.,monatl.l<>.— Mi. frei ms Haus, voraus zahlbar. Poll- bezug: Monatlich 10,— Mi» e;fL Ru. stelluuzsgeoühr. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich 1S�0 Mi., für das übrige Ausland bei täglich einmal. Zustellung 2150 M. Postde» stellungen nehmen an Oesterreich. Ungarv, Tfchccha- Elowaiei. Däne» mar!, Holland, ruzemburg, Schweden und die Schweiz.— Eingetragen in die Boft-ZeitungS'Preisliste. Der.Vorwärts" mit der Sonntags- bellage.Voll u. Zeit" erscheint wachen- täglich zweimal. Sonntags und Mon- tags einmal Telegramm-Adreffei »SozialOemoiral Berlin'. Morgen Ansgabe Devlinev Volksblstt ( 20 Pfennig) Anzeigenpreis: Die achtgefpaltene Nonoareillezeile tosteiS.— M., Teuerungszuschlag 50°/» .»leine Anzeige«', das tett- gedruckte Wort 1,— M. lzuläfsig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 60 Pfg. Stellengesuche und Echlafstellenanzeigen das erste Wo« 65 Pfg. fedes weitere Wort 40 Pfg. 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Einen Vcsitz durften sie nicht behalten, sondern muhten ihn ihren Gläubigern abgeben. Dieses unsittliche Tdstem ist durch die öffent- liche Meinung weggefegt worden. Mittele u rova kann seine Kinder nicht aus eigenen Mitteln ernähren. Den Stolz und die Selbst- echtung seiner Völker kann dieses System nicht ertragen, sonst wären sie unwürdig. Wir find bereit, die Liebesgaben zu vermehren, aber die-. ses Svstcm genügt nicht. Aus eigenem musi Mitteleuropa seine Kindcp ernähren, aus eigenem seine Kräfte wieder hoch- bringen können. Wir wünschen den Warenaustausch, wünschen, das; die deritschc Landwirtschaft nicht Mangel an Düngemittel« und Viehfutter lei- det, während Großbritannien genug Phosphate habe. Wir wiin- fchc», da st diese Driitsstiland gegeben werden, damit dort ge- nügendr Ernten erzielt vu'rdcn. Wenn man das unterläßt, ist es ein Verbrechen. Nicht Liebesgaben, nicht GrostmUt verlangen wir, sondern gesunden Menschenverstand. Mo» rüstet ein Heer gegen den V o l s ch c w i s m u s. Webt lieber den Völkern die. Existenzmittel, und ihr könnt über die Trau- mcr lachen, die blutige Revolutionen machen und nur Elend brin- gen. Es i st nicht wahr, daß die Transportmittel fehlen, um Waren ans Amerika zu bringen. Nur dc r gute Wille fehlt. Gebt Hossnung, statt Verzweiflung und Unsicher- heit, dann ist der st/riede sicher. /Stürmischer Beifall ertönte wäh- rcnd und nach dieser Rede.) Genossin u ch a c z dankte Macdonald, der dir Badürfnisie, ober auch die Gefühle Mitteleuropas erkannt habe. Aach sie legke ollen Nachdriich auf die Ermöglichnng einer Wicdcraiifrjch- tnng durch dir eigene Kraft. Sie dankic auch Däne- wart, das im Verhältnis zu keiner Gröste U ngrhcurres für die deutschen und die» st c r r c i ch i f ch e n Kinder getan bat. Die dänische orgonisierle Arbeiterschaft ist Träger dieser Ar- bcit. Tic ist erfüllt vom Grift der modernen Arbeits- solidnrität. Es wird hoffentlich viel von diesem Geiste blci- ben bis zu der Zeit, wo der Deutsche nicht nur der Empfangende, sondern auch eine volle Gegenseitigkeit wieder möglich sein werde. lBcifall.) Dc V r o u c k c r e(Velaren/ sprach gleichfalls in warmem Ton für dcn Antrag Mardonalds. Noch dem Vcschliffi über die Vergangenheit wollen die belgischen Sozialisten ebrlich per- suchen, die Gegensätze per Vergangenheit zu vergessen. Wir wer- den mit aller Energie im Sinne der Resolution für Mitteleuropa eintreten. Wenn in dcn nächsten Tagen der erste Zug mit Wie- n c r K i n d e r n die belgische Grenze passiert, dann werden wir sie mit grosser ssrende begriisten. De Broneköre schlägt eine Kommission vor zur Durchfllbrung der A'isdchgung der Hilfsaktion auf Ter- bien.(Lebhafter Bciinll bei den Deutschen.) Es wird vom Vor- sibenden Shaw vorgeschlagen, eine Kommission, die mit Exekutiv- mittel» versehen wird, cinzusrften.(Zustimmung.) Die Resolution wurde einstimmig unter allgemeinem Beifall angenommen. Genf. 5. August.(Eigener Trohtbericht des„Vorwärts".) Der Sozialistenkongreß beschloß einstimmig die Annahme folgender Entschließung: Im Hinblick auf die wirtschaftliche Verwirrung Europas, auf die Hungersnot und die Leiden, die dort herrschen, verlangen wir dringend von dcn in Frage kommende» Regierungen, daß sie die nötigen Maßregeln ergreifen, um die Industrie neu zu beleben und ihre Entwicklnifg m den durch den Krieg heimgesuchten Ländern zu fördern. Im weiteren Hinblick aus den dringende» Bedarf Zentralenropas an D ii ii g e m i t t e l'n und V i e h f n t t c r, besonders an Oelknchen, von welchen Großbritannien große Mengen besitzt, verlangt der Kongreß, daß die englische Regierung dir nötigen Maßnahmen ergreift, um den ausgehungerten Landern diese Produkte zu verschaffen, so daß die landwirtschaftliche Produktion gehoben und für die kommenden Jabre der unnötige Verlust weiterer Menschenleben durch ungenügende Ernten vermieden werde.— Fm weiteren Hinblick darauf, daß Amerika 100000 M i I ch k« h e mit dcn zu ihrer Ernährung nötigen Futtermitteln an Deutschland geschenkt hat, daß aber deren Transport durch dcn Mangel an Schiffsraum unmöglich gemacht wird, verlangt der Kongreß von der englischen Regierung E r l e i ch t e- r u n g e n für die Durchführung dieses Transportes, der bestimmt ist. das Leben von Kindern zu retten, die sonst im nächsten Winter unfehlbar dem Tode verfallen- die Statuten üer öergarbeiterinternationale Genf, S. August. Der Jirtcrnotioimle Bergarbeiter- k o n g r c tz setzte heute vormittag seine Beratungen mit der Be- Handlung des belgischen Statutenentwurfes fort. Nach dem Entwurf setzt sich der„Internationale Bergaribeitewbund", wie cr genannt werden soll, zum Ziele, die gewerkschaftlichen Rechte der Bergarbeiter zu verteidigen und Matz- nahmen zu veranlassen, die für einen wirksamen Schutz der Bundesmitglieder geeignet sind. Der Bund hat insbesondere den Zweck, die wirtschaftlichen und sozialen Verhältniffe der Bergarbeiter zu verbessern und die Beseitigung des Kapita- liSmns durch S o z i a l i s i c r u n g oder Nationalisierung der Bergwerke zu erstreben. Falls der Internationale Kon- grctz zur Durchsetzung feiner Forderungen den Generalstreik anordnen sollte, so ist dieser nur dann durchzuführen, wenn sich eine Zweidrittelmehrheit dafür ausspricht. Alle natio- nalen Sektionen haben sich einem solchen Beschlüsse zu fügen. All- jährlich soll ein internationaler Kongrctz einberufen werden, doch kann das Internat ionale Komitee in autzorovdentlichcn Fällen einen autzcrordentlichcn Kongretz einberufen. In einer längeren Debatte konnte man sich jedoch über die Ausgestaltung des internatio- nalen Sekretariats nicht eint gen, weshalb dio Aus- spräche hierüber auf morgen vormittag vertagt wurde. Zur Frage der Arbeitszeit begründete Rose(Deutschland) die Notwendigkeit der Einführung der S e ch s st u n d e n f ch i ch t m Deutschland, wo schon jetzt die Stcibettstundenfchicht durchgeführt sei. Durch die langen Kricgsjabre sei der Ge s n ndh e i t s z u- stand der Bergarbeiter ganz besonders stark heruntcrgc- kommen. Nach 21 jähriger Tätigkeit trete bereits Invalidität ein. Das Durchschnittsalter der ständig unter Tage arbeitende» Bergleute betrage nur 37 bis 38 Jahre. Die Lungen schwind- sucht hätte nahezu um 300 Proz. zugenommen. Bei der Sechs- stundenfchicht mutzten übrigens drei Schichten zur Förde- r u n g und eine Sechs st undenfchi cht zu Reparatur- arbeiten gefalm-n werden, was gegenüber den jetzigen drei Siebonstundeaschichten ein Mehr von vier Stunden, mithin eine Steigerung der Produktion bedeute. �rbeitswieöeraufnahme in Zittau. Baldige Zurückziehung der Truppen. Dresden, 3. August. Aus der Siaatskanzlei wird uns mitge- keilt: In Zittau hat die Arbeiterschaft nach Verhandlungen niil dem von der Regierung ernannten RegicrungSkommiÜar beschlossen' beute die Arbeit wieder aufzunehmen. Ter Be. ginn der Arbeitsauinahme richtet sich nur danach, wann die Strom- liefcrung des Kraftwerke« Hirtchielde wieder einsetzen kann. Eine Besetzung dieses Werkes hatte sich e r ü b r i g t. ES genügte der blotze Anmarsch der Truppen, um die Terroristen noch recht- zeitig zur Besinnung bringen und die angedroht« Zer- störung deS Werkes unauSgesübrt zu lassen. Der RegierungS- kommissar Hat mit dem Militärbefehlsbaber vereinbart, daß s o schnell w i e möglich mit der Zurückziehung der Truppen b e g o n n e n werde, Uebcr den Bezirk Löbau ist der Ausnahmezustand bereits aufgehoben worden. Ueber die Aushebung auch im Bezirk Zittau sind die Erwägungen noch nicht abge« schlössen. Rote-Armee-Phantasien. Wie von amtlicher Seite festgestellt wurde, sind die ZeitungS- Meldungen über eine wohlorganisierte Rote Armee in Sachsen Phantasieprodukte. So sind z. B. bei wiederholten über- raschenden Untersuchungen in Dresden in Arbeiterwohnungen niemals Waffen gefunden worden. In Z i t t a u hat sich ergeben, daß während der Unruhen von 5 000 bis 10000 Arbeitern der Stadt höchstens 200 bis 300 mit brauchbaren Waffen, darunter Jagdgewehre und Pistolen ausgerüstet waren. Die so- genannten Ue Hungen in Dresden haben sich als eine lächerliche Spielerei herausgestellt, die 13— 20 jährige Knaben und Mädchen unter Führung von Studenten vorgenommen haben._ Vorpommern ohne Licht unü Kraft. Swinrmünde, 5. August.(W. T. B.) Der Aus st and der Beamten und Arbeiterschaft der Ueberlandzentrale Stralsund und der Betriebswerke Swinemünde dauert nach wie vor in vollem U m f a n g e an. so datz ganz Vorpommern obne Licht und Krait ist. Ter Aussichtsrat der Ueber- landzenirale hat in den bisherigen Verhandlungen die Gehalts- und Lohnerhöhungen, die angesichts des günstigen Ab- schlufleS bei der Generalversammlung gefordert wurden, ab- gelehnt. Die Badeorte haben unter dem Streik iebr zu leiden; die Zeitungen können noch immer nicht erscheinen. Die Arbeiter der Wasserwerke Slvinemünde streiken nicht. Der Betrieb wird durch die Dampsanlage aufrechterhalten, so datz Swinemünde wieder Wasser bat, dagegen sind die Nachbar- orte Heringsdorf usw. ohne Wasser. Im allgemeinen ist die Lage ruhig. Nur in Swinemünde fanden gestern Lebens- mitte lunruhen statt, in deren Verlaus die Demonstranten in die hiesigen Konditoreien eindrangen und Kuchen zu niedrigeren Preisen verkauften. Ernste Zwischenfälle haben sich nicht ereignet. vorwärtS'verlas G.tn.b. h.» SV. 08. Lindenstr. 3. Fernsprecher: Amt Mvrittplau, Nr. 117 33—31. deutschlanö und Rußland. F. K. Mit welchen politischen Zielen die Bolschewik! ihren augenblicklichen erfolgreichen Kampf gegen Polen fiih- ren, ist noch im höchsten Matze unklar. Während manche ihnen die Absicht nachsagen, Polen niederzuwerfen� und es als poli- tische und militärische Macht durch drakonische Waffenstill- ftands- und Friedensbedinguiigen völlig zu erledigen, be- baupten andere, datz die Bolschswiki als wahrhafte, aufrichtige Friedensfreunde an ben Verhandlungstisch treten würden. Unzweifelhaft geht aber die Absicht der Russen dabin, sich eine in ö g l i ch st überlegene militärische Position den Polen gegenüber zu schaffen, um auf diese Weise mit star- kein Nachdruck bei den Verhandlungen für die Durchsetzung ihrer eventuellen Forderungen eintreten zu können. Dabei dürfte der Kontrahent, gegen den sich die Forderungen der Bolschewiki richten, weniger Polen als vielmehr die E n- t e n t c sein. Es kommt Rutzland Darauf an, nicht nur poli- tisch anerkannt zu werden, sondern auch wirtschaftlich? B e w e g u n g s- u n' d Handelsfreiheit den anderen Staaten und insbesondere Deutschland gegenüber zu er- halten, weil diese Freiheit zum Wiederaufbau Rutzlands un- bedingt notwendig ist. Tie Bolschetviki werden also sicher nickt nur darauf dringen, datz ihnen ohne Rücksicht darauf, ob sie eine direkte Grenze mit Teutschland erlfalten oder nicht, der wirtschaftliche Verkehr in i t Deutschland u n t e r a l l e n Umständen eröffnet und dieser Weg gesichert wird. Wirksame Handelsbeziehungen zwischen Rutzland und Deutschland setzen aber voraus, datz auch der freie Weg durch den w c st p r e u tz i s ch- p o l n i s ch e n Korridor für Deutschland gesichert wird. Ter bisherige Zustand. datz Polen, unter frecher Mitzachtuug der Bestimmungen des Friedensvertrages, dem Verkehr durch den Korridor die gröhten Sckiwierigkeiten in den Weg legt, wjrd von Tag zu Tag unerträglicher. Die russisch-polnischen FriedenSvcrh'andlungen berühren also die Interessen Deuts ch l a n d s in hohem Matze. Das kommt auck zum Ausdruck in einem Artikel der min- schen Zeitung„Golos Rossii" vom 30. Juli d. I.. die in Ber- lin erscheint und auf demokratischem Boden steht. Es heiht dort unter anderem: „In London sck»ei nt man die Zeichen der Zeit besser begriffen zu baben als bei uns. In den letzten Tagen schlugen einige sran- zösischc Negierungsblätter Alarm, indem sie daraus hinwiesen, datz in Londoner NegierungSkreisen der Gedanke erivogcn w>ri>, Deutsckland zur bevor st ehe u den Konferenz mit den S o w j e t v e r t r e l e r n u n d den R a>i d st a a t c n in London zuzuziehen. Eines dieser Blätter weist sogar zn erzählen, Lloyd George habe in Spa bei den polniscken Delegierten. wegen einer Amben mg der Bestimmungen des Bersailler Vcr- träges betreffend Oberschlesien und Danzig angefragt. Tie Warn- sigmale der französischen RegierungSpresse mehren sich, lind Zci-- tungen wie..Temps" und„Maiin" scheuen neckt davor zurück, den Moskauern gewaliige Kompliment« zu machen und sie vor der eng- lischen Umgarnung zu warnen. Da aber verschwenden die Blätter ihre Tinte umsonst. Die Sowjetleute, denen rS die Gerechtigkeit gebietet, es zuzugeben, datz es ihnen um den Wicderausbau Rutzlands n u n m e h r ernst ist. wissen zu genau, datz ein solcher Aufbau ohne Teutschlands Mit- Wirkung nicht gut möglich ist. Kein noch so intensiver Warenaus- famsch mit den westeuropäischen Ländern(und wie soll sich denn ein solcher Austausch intensiv gestalten können?) kann Rutzland irgendwie hochbringen, wenn die innere Aufbauarbeit sehlt, die aber doch nur Deutschland mit seinen lebendigen Kräfte Überschüssen sör» dern könne. Die Sowjetregierung mutzte im eigen st e n.I n- teresse Rutzlands darauf bestehen, datz die Ost- frage i in Beisein D e u t s ch l a n d s g e l ö st werde. Frei- lich würden sie es vorziel-ey, mit Deutschland g e s v n d e r t zu sprechen, allein das an den Bersailler Vertrag geschmiedete Deutsch- land würde in diesem Falle nicht die nötige Handels- freihcit mibbringen können. Ferner handelt es sich um terri- toriale Fragen, die ohne Mitwirkung der Entente nicht gut gelöst werden können. Soll der russisch-dentsche Handelsverkehr nnbe- lästtgt von statten gehen, so müßte die Frage des polnischen Korridors sine entsprechend« Lösung erfahren: dieses Korri- dors, der wie ein Pfahl im Fleische des deutschen Volkes steckt, aber auch das Blut Polens aussaugt. Liegt es denn nicht auch im Interesse des zukünstigen auf seine ethnographischen Grenzen zurückgeschraubten Polen, mit dem dentschen Nachbar endlich in ein erträgliches Verhältnis zu kommen? Die Frau- zofen tragen viel Schuld am bisberigen Unglück Polens. Sie lassen am besten in Zukunft ihre Hände davon. Die bevorstehende Lösung der Ostfragen bietet nu» die beste vielleicht nicht so bald wiederkehrende Gelegeiiheit, die Fehler von Versailles einigermaßen gut zu machen, indem die Be:- trster des deutschen Volkes, das trotz verlorenen Krieges und bln- tiger Revolutionen den Adut und den Drang nach Aufwärts nicht verloren unv staunenswerte Proben einer Auibauwirtschaft abge- legt hat, als gleichberechtigt an dem Konferenztisch zu lassen. Noch scheint man, vor allem in Frankreich, nicht so weit zu sein. Zu Boulogne hat sick Herr Millerand wieder einmal vernünftigen Erwägungen in den Weg gestellt und den mehr vor- ausscheueren Slcckd zum« elastls�cn Umbiegen bestimmt. Stoei, verursacht der«Äedante einer sei es auch nur friedlkbcn deutsch-russischen Verständigung in dem Kopse jedes französischen Politikers Delirien der Ängst und er langt nach, dem Per- saillcr Vertrag als wie nach einem schürenden Amulette. Wird dieser Vann denn niemals weichen?. Wann wird man in Paris erkennen, daß die Sache des Ausbaues Rußkmds nicht nur die Sache der BolscheUisten. sondern der russischen Tcmakratic und des gefilmten rilssischeu Volkes ist und daß jeder Russe, welche po- litische Besinnung er hegen mag, die gcivaltsame Trennung von Dentschkand, wodurch seine Heimat der imrtschaftlichen Souveräni- tät verlustig geht, nun und mmmer sich gefallen lassen wird? Liegt es denn den Franzosen srbon gar reicht mehr an russischen Sym- pathien, auch jetzt nicht, da der Traum von Grotz-Polen für immer ausgeträumt ist? Dieser Hinweis der deuffchfrenndlichen russischen Zeitung. die das wirtschaftliche Zusammenarbeiten Deutschlands ei ird Rußlands andauernd propagiert, erscheint äußerst oeacht- lich. Und es muß unbedingt gefordert werden, daß auf der allgemeinen Friedenskonferenz, die nicht nur Frieden zwischen Polen und Rußland herstellen, sondern nach>den Wünschen der Entente die Ostfrage überhaupt regeln soll, Deutsch- I a n d a m V e r h a n d l n n g s t i s ch e n i ch t fehlt. Tann wird auch mit allein Nachdruck die Frage des Selbstbestim- mungsrechts der Deutschen in Posen»wd Westpreußen erneut aufzuwerfen sein, um unter voller Sicherung der polnischen Wirtschastssreiheit und seiner wirtschaftlichen Lebensnotwen- digkeiten doch Millionen von Deutschen vor polnisch-natio- naler Unterjochung zu retten. Das Entwaffnungsgesetz. Unabhängige Agitation und sozialdemokratische Tat. Kein Zweifel, daß in den nächsten Tagen der ganze un- abhängige Blätterwald widerhallen wind von wildem Geschrei gegen die Sozialdemokraten, die diesem„Ansnahmegeietz", dieser„Zitchthaiisporlag?" ihre Zustimmung gegeben habenl Uns will dieses Gebaren nicht' eben klug er- scheinen. Denn es erweckt den Anschein, als befänden sich Waffen vorwiegend in den Händen der Arbeiterschaft. Wo sich in Wahrheit die Waffen befinden, zeigt das Verhalten der T e u t s ch n a t i o n a l c n, die in der Kommission einen ver- zweifelten Kamps führten gegen den Zivang zn e i d e s st a t t- lichen Versicherungen über Waffenbesitz, die nicht ruhten, bis diese Bestimmung stark beschnitten wurde und noch dieser fast völlig entkräfteten Bestimmung wegen dem ganzen Gesetz großenteils die Zustimmung versagten. In Arbeiterhänden mögen ja hier und da Gewehre und Hand- granaten sein, aber das grobe Geschütz, die Masch i- n e n g e w e h r e. die Flammenwerfer und die Mi- »e n wer fe r, die sind nicht in Arbeiterhänden, die sind im Besitz p o m m c r s ch e r Rittergutsbesitzer und na- tionalbolschewistischer Offiziere. Das Enlwaffnungsgesetz kämpft also mit zwei Fron- t e n. gegen links und gegen recksts, und um so mehr gegen rechts, je stärker der Feind auf der Rechten ist. Tarin freilich haben die Unabhängign durchaus recht, daß das Gesetz, -wenn es auch kein Ausnahmegesetz ist, durch seine Anw« n- d u n g zu einem Ansnahmegeietz werden könnte. Aber sie haben nichts gegen diese Gefahr getan, vielmehr hier, wie sonst, sich auf. die., a g i t a t o r i s ch c G e st e der Ab- lehnung des Gesetzes nur deshalb beschränken können, weil die sozialdemokratische Fraktion inzwischen dafür ge- sorgt hatte, den: der Zustimmung einer Mehrheit sicherem Gesetz eine weniger gefährliche Fassung zu geben. Nur durch die h a r t u ä ck i g e n B e m Übungen d e r S o- z i a l d e m o k r a t e n erhielt die Bestimmung eine Mehrheit, daß der Reichsentwaffnnngskommissar, den der Entwurf sich als einen Diktator gedacht hatte, für seine Äusführungsver- ordnungen an die Zustimmung eines Rcichstagsaus- Die Geheimniffe üer Materie. Von Hans Dominik. Wer den cheniisckien Geschehnissen ohne eine feste Theorie ent- gegenirilt, der ertrinkt in einer Flut von Einzelerscheinungen. Der sieht die wundersamsten Dinge. Er beobachlet, wie dieselben Stoffe sich da? eine Mal zu nützlichen Genußmitleln und daS andere Mal zn absolut tödlichen Giften verbinden. Er beobachtet, wie leichte unsichtbare Gase sich zu schweren Körpern vereinigen und wie um- gekehrt schwere Körper in ihrer Verbindung leichte Flüssigkeiten oder Gase ergeben. Er sieht eine millionenfache Mannigfaltigkeit, aber er wird die Erscheinungen nie in irgend ein Shstem'einordnen oder auch nur behalten können. Es war daher ein gewaltiger Fortschritt, als die chemische Wissenschaft zum Beginn des 19. Jahrhunderts zu einer gefestigten Aiomtbeorie gelangte. Diese Theorie baut« sich aus der nach- siedenden Schlußfolgerung auf. Wenn man irgendeinen Stoff, z. B. Kochsalz mit den physikalischen Muteln in immer kleinere Portionen zerlegt, so wird man eine ganze Zeit hindurch zwar immer wieder Kochsalz bekommen. Aehnlich etwa, wie man immer wieder Sol» # baten erhält, wenn man etwa ein Regiment in Bataillon«, Kom- vagnien, Korporalschaslen usw. teilt. Aber dieje Teilung geht nichr bis in die Unendlichkeit weiter. Vielmehr erreich! man schließlich nnd plötzlich einen Punkt, an welchem die physikalischen Teilungs- initlel versagen. Man steht dann vor dem vhysilalilchen Individuum. dem Molekül, ebenso wie man bei der Teilung der Korporalschafl schließlich zu dem einzelnen Soldaie» gelangt, der sich durch ein» . fache Kommandoworte auch nicht weiter zerlegen läßt. Aber . eS ist wohl bekannt, daß das stärkere Mittel deS Granat« i Volltreffers den Soldaten in weitere kleinere Teile zerreißen kann. - die nun alle unter sich verschieden sind und mit dem bisherigen lebendigen Individuum nur noch sehr geringe Aebnlichkeit besitzen. In ähnlicher Weise entwickeln sich die Dinge beim physikalischen Individuum, dem Molekül, wenn wir auch hier zu den stärkeren gewissermaßen explosiv wirkenden chemiichen Trennmitteln übergehen. Dann spaltet sich das weiße Kochialz plötzlich in ein silber- glänzendes Melall und ein grünes Gas. dann zerfällt der weiße Zucker in schwarzen Kohlenstoff und die beiden Gase Sauerstoff und Wasserstoff, dann löst sich das blaue Kupfervitriol in rot- glänzendes Kupfermetall, gelben Schwefel und gasförmigen Sauer- sloff ans. Also folgerte die Alomthcorie weiter: Jeder zusammengesetzte Stoff bestehr aus den vhysikalischen Individuen, den Molekülen. Ein solches Molekül aber ist wiederum ein kunstvolles, aus den kleinen Bausteinen der Schöpfung, den Atomen, znsammengesetztes Gebilde. Diese zunächst rein qualitative Anschauung erhielt sehr bald auch quantitativen Inhalt. Da Moleküle und Atome niemals sichtbar wurden, nahm man an, daß sie so klein sein müßten, daß ihre Masse nicht mehr genüge, umLichiwellen ablenken zn können. Dies« Anichauung führte notwendigerweise dazu, die Größe der Alome nnd Moleküle jedenfalls unterhalb eineS zehntausendstel Millimeters anzunehmen. Nachdem die Atomtheorie einmal anerkannt worden war, be- gann ein rundes Jahrhundert eifriger und ungemein fruchtbarer Arbeit. Der synthetischen Chemie gelang es. jede voilommende Ver- s cks ii ss es gebunden ist, in dem alle Parteien ihrer Größe entsprechend vertreten sein werden. Nur dem miausgesetzteu Drängen Äer S o z i a l d e m o k r« t e n ist es zu danken, daß durch die Reichstagsmehrheit der im Entwurf ausgesprochene Gedanke aufgegeben wurde, neben Reichswehr und SicherheitspoliKei noch besondercwasfentragen e I r c i w i I l i g e n o r g a n i s a t i o n c u für die Turchsüh- rung der Entwaffnung zu bilden, die den Einwohnerwehwn, Zeitfreiwilligen- oder Escherich-Organisationen zweifellos recht ähnlich gesehen und bedeutet hätten, daß die Entwaff- rnrng sich zu einem Bürgerkriege bewaffneter Devölve- rungßtcile gegen andere bewaffnete Bcwölserungsteile aus- wachsen würde: nach ausdrücklicher B e st i m m u. g desGesetzesbebältaußerderReichswehrund derBerufspolizeiniemandseineWaffen. Die lozialdemolkratischen Erklärungen über diese unsere Haupt- forderungen sahen zeitweise einem Ultimatum verzweifelt ähnlich. Nur dadurch, daß die Sozialdemokraten den Innen- minister Koch und die Regierungsparteien unzweideutig vor die Entscheidung stellten, bei Ablehnung unserer Forderungen das Gefetz durch eine rein bürgerliche Mehrheit gegen die gesamte Arbeiterschaft beschließen zu lassen, konnten wir die Regierungsparteien nötigen, sich nnscre Forde- rungen, großenteils wörtlich, zu eigen zu machen. Gegen das so verbesserte Gesetz Einspruch zu erheben. hatten wir keinen Anlaß mehr. Denn eine nach rechts undlinksunparteiliche Entwaffnung ist eine drin- g e n d e Notwendigkeit für jeden, der die Periode e- voliitionärer oder gcgenrevolutionärcr Gewalttat an unserem schwer genug geprüften Volke endlich beendet wünscht, für jeden, der die in Versailles und Spa übernommenen PfUchten nickst für einen Fetzen Papier hält. » Der R e i ch s r a t siimmie in seiner öffentlichen Sitzung am Donnerstag den zuletzt vom Reichstag angenommenen Gesetzen in der Fassung des Reichstages zu. darunter insbesondere dem Not- etat und dem Entwaffnungsgcsetz. Im Notciat hat der Reichstag einen großen Teil der vom Reichsrat gestrichenen Beam- tenstellen wieder hergestellt. Zum Entwaffnungsgesetz wurde"on einigen Seiten der Wunsch geäußert, daß auch der Reichsrat in dem neugeschaffenen parlamentarischen Beirat für den Rcichskommissar vertreten sein sollte. Vom Ministerium des Innern konnte hierzu keine Erklärung abgegeben werden. Der Reichsrat gab sich schließlich damit zufrieden, daß ihm bei der Aus- sübrung des Gesetzes eine verfassungsmäßige Mitwirkung ge- währleistet ist. Die preußische Regierung gegen„(drgesch*. Von zuständiger Stelle erfahren wir folgendes: Dem preußischen Ministerium des Innern sind die Bemühun- gen des bayerischen Fvrstrates Tr. Esckicrich, auch in Preußen Sclbstschuyorganisatioucn nach seinem bayerischen Muster zu schaffen, seit langer Zeit bekannt. Sofort als der Minister des Innern Kenntnis davon erhielt, hat er nicht nur jede Unterstützung der Pläne Escherichs untersagt, sondern auch ihre strikte Bekämpfung angeordnet. In der Konferenz der Ober- Präsidenten, die am 14. Juli beim preußischen Minister des Innern stattfand, wurde unter Hinweis ans Ostvreußen d>e Bestrebung Escherichs ausführlich geschildert. Ans Grund der Richtlinien, die damals den Oberpräsidentcn erteilt wnrdc, ist der jetzige Erlaß des Hannoverschen Obrrprnsidciiten Roste gegen den„Selbstschutz, System Escherich" ergangen. Das Dc-mentieifeuenverk ist also rasch verpufft. Ärn übrigen ist im Hinblick aus die Endsassung des Entwaff- nungsgesetzes, wonach nur noch Reichswehr »nd bewaffnete Bcamtcnsckiaft van der Wasten- abgabe befreit sind, sowieso kein Rechtsboden mehr für die Forteristenz von„Orgesch" gegeben. * Zu den verschiedenen, von uns veröffentlichten Dementis schreibt imfer Gewährsmann:„Wenn Herr Escherich sich aus die bindung restlos auf die Grundstoffe zurückzuführen. Dabei machie man die Entdeckung, daß manche äußerlich reckt velschiedeucn Stoffe aus genau den gleichen Mengen gleicher Grundstoffe bestanden, d. h. also, daß auch aus gleichen Atomenmengen sehr verschiedene Mole- knie anfgebaut seien. Nur kurze Zeit erregte diese Ent- deckung Vekwirrung. Dann setzte die Strukturchemie ein, welche lehrte, datz'daS Wesen eines zusammengesetzten Körpers nicht mir durch die Zahl und Art seiner Atome, sondern auch durch die Weise ihrer Anordnung, eben durch ihre Struktur, bedingt sei. Auck die Hypothesen der Strukturchemie sind äußerst fruchtbar gewesen. Die ganze Ebemie der Färb- und Duststoffe baut sich auf dieser Lehre aus. Ja, die liefsinnigen und werlvollen Arbeilen eines Paul Ehrlich basieren letzten Endes auf einer plastischen räumlichen Anschauung von der Struklur der Materie, von der Anordnung der einzelnen Atome und Atomgruppen im größeren Gebäude deS Moleküls. Nur eine gewisse Schwäche besaß diese ganze Weltanschauung. Sie operierte stels mit den sogenannten chemischen Grundstoffen, den Elementen, deren Zahl gegen Ende des 19. Jahrhundert» eiwa achtzig betrug. Der Chemiker mußie sich naturgemäß an die be« obachleten exakten Tatsachen halten und einen Stoff, der sich auch mit den siarksien bekannten Mitteln nicht weiter zerlegen ließ. alS einsacken Stoff, als Element ansehen. Dem Philosophen aber wollie es nie recht eingehen, daß irgend eine schövserische Kraft nun zunächst einmal rund achzig wesensverschiedene Arien der Materie hervorgebracht haben solle, aus denen sich dann alles andere aus- baut. Ihm laa von Ansang an der Gedanke viel näher, daß es nur eine oder höchstens zwei Arten von Materie geben könne. anS deren verschiedenartiger Gruppierung die unendliche Mannigfaltig» keit der sichtbaren Welt entsteht. In der Naturphilosophie die freilich mit der exakten Forschung wenig zn tun hat, treiben daher die unitarische und die dualistische Theorie schon seit langem ihr Weien. Nun aber ereignete sich um die Jahrhundertwende ein Vor- kommnis, welches wenigstens vorübergehend die ganze Aromtheorie ins Wanken brachte. Man eindeckte die rodioaknvcn Substanzen und Ilellie fest, daß ein bis dahin für ein Element gehaltener Stoff, nämlich das Uran, sich im Laufe der Jahrmilliarden unier ständiger Abgabe unerhört großer Energiemengen in gewöhnliches Blei und ein leichtes GaS. das Helium, verwandelt. Es war alio sicher, daß das Uranatom wiederum ein komplizier>es System sein müsse, be- stehend aus einem Blei- und diversen Heliumatomen. Aber den- noch konnte man nun das Uran nicht etwa kurzer Hand als einen zusammengeietzten Stoff ansehen. Denn weder vermögen wir mit den schärfsten uns zur Verfügung stehenden Mitteln ein solches Atom selbst in Blei und Helium auszulösen, noch können wir miSBlei und Helium wiederum Uran zusammensetzen. Wir könneu nur tatenlos zusehen, wie daS Uran langsam freiwillig und unendlich langsam zerfällt und können feststellen, daß sich auf dem langen EntwicklnngS« Wege vom Uran zum Blei etwa zwanzig verschiedene, bis dahin unbekannte Grundstoffe bilden und im weiteren Verlaus der Dinge wieder zerfallen. Das Radium selbst ist ein solcher Zwischenstoff. ES ist im Verhältnis zum Uran ziemlich kurzlebig, da von einer vorhandenen Radürmmenge rund die Hälfte schon in AKX) Jahren zerfallen»nd verschwunden ist. Aber während dieses seines Lebens vn? sehr wobkbekannken vier Leitsätze beruft, so müssen wir rbm entgegnen, daß diese vier Glaubenssätze nach den Erfcrhrungeir des Kapp-Putsches wirklich nicht mehr als Garantie be- wertet werden können. Wenn diese unsere Meinung durch irgend etwas illustriert werden kann, dann durch das Namensverzeichnis, von dem Herr Escherich nur den Gvaftm Golv als unrichtig de- zeichnet. Denn wohl niemand— und die Verfayung unseres Staates ist doch die einer Rcpublrk— wird den aus der Mar- burger Mordaffäre bcrüchtiigtcn Fregattenkapitän von Selchow als überzeugten Republikaner bezeichnen. Wir sind in der Lage, heule weitere Ergänzungen im Persanenverzeichnis zu machen. So fand z. B. tn den c r it e n Tagen des Juli wiederum eine Sitzung der„Orgesch" in der Defsauer Straße in Berlin statt, an der von uns bekannli gewordenen Herren neu ein Major Mackensen aus Hamburg teilnahm, dessen republikanische Gesinnung ebenfalls begründete nr Zweifel unterliegt. Auch in dieser Sitzung waren Regicrunge- stellen vertreten, alle oftiziellcn und halboffizielleii Ableugnungs- versuche täuschen ülber die Tatsache nicht hinweg. Auch hat Herr Haupfmann Escherich in keiner seiner Veröffentlichungen den Versuch gewagt, unsere genau? Behauptung zu entkräften, daß die Geldfrage vom Staate gelöstt wird. Tie Tatsache dieser Julibesprcchung ist umso interessanter. als in der Mittwochsitzung des Reichstages der Innenminister Koch garwohl die Möglichkeit zugegeben hat, daß vor Spa in Rcgie- rungskreisen Kenntnis(!!k der„Orgesch" vorbanden war, umsomebr aber betont bat, daß infolge Spa natürlich jede derartige Or- gonisativn unzulässig sei. Wir fragen Herrn Koch: Ist Herrn Hauptmann Escherich und all seinen Mitarbeitern, lvovnnier sich eine erkleckliche Anzahl aktiver Offiziere und d i e n st- tuender Staatsbeamte befindet, die jetzige Unzulösfigkeit entsprechend klargemacht werden? Die eifrige Werbearbeit und die Ausdehnung der Organisation nach Tirol und Teutschöstcr- reich(?) läßt mit Recht daran zweifeln." Jüterbog— ein Escherich-Jund. Zu unserer Meldung über die Waffenfunde in Jüterbog ver» breitet eine hiesige Korrespondenz eine Darstellung, die offenbar bestimmt ist, die Sache in militärischem Licht erscheinen zu lasten. In Wirklichkeit verhält es sich gerade umgekehrt. Von u n t c r, richteter Seite wird uns folgrndes mitgeteilt: Anläßlich einer Haussuchung auf der Geschäftsstelle der Ar- bcltsgcmrinschaft des Brandcnburgi scheu Landbundcs wurden bei einem Major Pläne von Escherich gefunden, wobei ganz Vrandenburg bereits im Escherichschcw S i» n e e i n g e t e i l t ist. Die in Jüterbog aufgefundenen Waffe« sollen in erster Linie der Reaktion dienen. AuS den aufgefundenen Liften geht hervor, daß fast sämtliche au» der Sicherheitspolizei wegen Nnzuverlässigkcit ent- fernten Offiziere sich Escherich zur Verfügung gestellt haben und schon von ihm ciiigeteiltwordcn sind. Tiefer Umstand illustriert wohl am besten die Behauptung Eschcrichs, daß seine Organisation aus dem Boden der Bcrsassung stehe. „Vorwärts" und„Orgcsch". Nack der Bebairplung der„Freiheit" soll die Berliner S e I b st s ch u tz o r g a n i s a t i o n. der„Orgesch", zu ihrem Pn- blikationsorgan außer den„Lokal-Anzeiger" den„V o r w ö r t s" bestimmt haben. Von dieser hohen Ehre haben wir erst durch die „Freiheit" Kenntnis crbalten. Selbstverständlich handelt es sich hier um eine Schutzmaske der„Orgesch", um nach außen bin die Organisation unverdächtig erscheinen zu lassen. Das Gleickw gilt, wenn Herr Eschrich behauptet, daß führende Sozialdemokraten in der Leitung seiner Organisation säßen. Herr Eschrich möge doch einmal mit den Namen herausrücken, vorher wird er mit seinen Angaben bei niemandem Glauben finden, außer natürlich bei der„Freiheit", die berufsmäßig alles glaubt, tvas gegen die Sozialdemokratie geht. Im übrigen wird man uns.zugestehen, daß wir auch ohne Kenntnis des Auftrags unser Amt a l S P u b l i k a t i o n s- o r g an der„L rgesckr sehr gut durchgeführt haben. Wir haben die allerintimsten Dinge über die? Unternehmen publiziert, Ivobei unsere Publikationstäligkeit allerdings nicht den Beifall des Herrn Esckrich gefunden lyu. Aber als Publikations- organ konnten wir hall nicht anders! verhält eS sich durchaus wie ein chemisches Element und bildet mit anderen scheinbar unsterblichen Elementen, wie beispielsweise Brom und Chlor, die typischen chemischen Verbindungen Radiumbromid und Radiumchlorid. Das Lehrgebäude der Alomtbeorie überwand den Stoß, den die Entdeckung der radioaktiven Geschehniffe ihm versetzte und stand danach sogar fester und besser begründet denn je da. Nur hatte eS sich eine Erweiterung gefallen lasi'cm müssen. Die Anschauung, als ob da« Alom nun wirklich der kleinste und verhältnismäßig einfache Grundbaustein der??at!lr wäre, etwa nichts anderes als ein unciid- lich kleiner elastischer Billardball, mußte fallen gelassen werden. Wenn ein Fingerhut voll Uran während der zehn Milliarden Jahre ieines halben Zerfalls eine Energiemenge auszusenden vermag, die etwa derjenigen entspricht, die man durch die Verbrennung der Kohle eines hilndertachsigen Güterzuges zu gewinnen vermag, dann muß eben in diesen kleinsten Teilchen doch noch allerlei los sein, dann müssen es selbst wieder Systeme von bisher ungeahnter Spannkrast, Energiequellen von gewalliger Ergiebigkeit sein. Als die Dinge soweit gediehen waren, ereignete sich zweierlei. Einmal gelang dem Züricher Physiker M. Laue, was bisher für un- möglich galt, nämlich die Photographie der einzelnen Atome. Laue operierte mit Röntgenstrahlen, deren Wellenlänge ungefähr SOOOnml geringer ist als die der kurzwelligsten violctien Strahlen. Nun kann ein kleines aus Rinde geschnitztes Kinderbool zwar die 109 Meter langen Ozeanwellen nicht ablenken, aber es vermag recht loobl die:! Zentimeter langen Wellcken auf einer Badewanne zu beeinstuffen. So konnien auch die Aiome und Molelüle dieie Röntgenstrahlen ablenken mid Laue erhielt Photogramme, welche uiiter anderem die Anordnung der Atome im kristallisierten Kohlen- stoff. dem Diamanten recht gut erkennen ließen. Die Existenz des AtomeS als eines kompakten Individuums, einer Zusammenballung von Materie im Räume war dadurch auch für das Auge greifbar erwiesen. Zur gleichen Zeil aber ging der dem Auge vorauseilende Geist schon wieder diesem Atom zu Leibe, um da? bis dahin als unzerschneid- bar angesehene weiter zu zerteilen und aufzulösen. Wohl bemerkt, nur geistig, denn bis jetzt wenigstens fehlen uns alle maieriellen Mittel, um ein Atom wirklich zu verändern. Borläufig stehen wir dem freiwilligen radio-akiiven Zerfall der Atome genau so macht- loS gegenüber, wie etwa der Urmensch einem Vulkanausbruch oder Waldbrand. Wir können nur hoffen, daß es nnS eines Tages auch gelingen wird, diese atomistischcn Erscheinungen zu meistern, ebenio wie die Menschheit es im Laufe der Jahrtausende erlernte, Ver- brennungsvorgäuge pach Belieben einzuleiten und zu unierbrcchen. Im Geiste aber haben wir das einzelne Alom bereits in ein kunstvolles System von elektro-pofitiven und elektro-iiegativen Ladungen von Elektronen zerlegt. Um einen positiven Zentral- körper sehen wir die winzigen negativen Elektronen zu einzelnen Ringen angeordnet ihre Bahn ziehen, wie etwa Monde nnd Rings um den Salurn kreisen. Die größere oder geringere Rotations- geschwindigteit der einzelnen Ringe stellt den' Energiespeicher für die beim gersall eines Llomes fter werdende ÄibeilSmenge dar. Die Zahl der Elelironen in den einzelnen Ringen und die Zahl der Ringe selbst bedingen den Charakter des betreffend«« chemischen Elementes und da« Vorkommen bestimmter Ringe er- klärt zwanglos die Stellung des betreffenden Elementes im chemi- Nr. ZHd 4 37. Jahrgang SZilage öes Vorwärts 5reZtag, S.Mguft 1�2» Reichstagspause bis Mitte Oktober. Nachdem am Donnerstag nachmittag Auxenministcr Dr. Simons dem Aelleftenrat halbwegs beruhigende Erklärungen gegeben harte. ist der Neichslag nach Erledigung der NrbeitSlosigkeitsdebatte in die Ferien gegangen— übrigens auch Dr. Simons. Unter Zustimmung sämtlicher Parteien hat sich ein interfraktioneller Ostausschuft gebildet, der sich aus Osiparlamentariern zusammensetzt, die in Berlin wohnen und— salls dies die Verhältnisse erfordern sollten — jederzeir zu Beratungen zusammentreten können. Dem Ausschuß gehören folgende Abgeordneten an: Behrens sDnat. Vp.), Dr. Eber- king lD. Vp.), Dr. Fleischer(Ztr.), Weinhausen(Dem.), K o tz u r (Soz.), Dr. Löwenstein(U. Soz.). Der Ausschuß hat sich der Reichsregierung für die BeHand- lung brennender Ostsragen zur Verfügung gestellt. Sie wird dadurch in die Lage versetzt, austauchende Schwierigkeiten mit Ab- geordneten, denen die östlichen Verbältnisse vertraut sind, zu erörtern, und dementsprcchende Maßnahmen schnell zu treffen. Tie Bevölkerung jenseits des polnischen Korridors mag aus der Bildung dieses Ausschusses erneut die Gewißheit entnehmen, daß der gesamte Reichstag den i n n i g st e n A n t e i I am Geschick Ost- Preußens nimmt und auch während der Sommerferien dafür Sorge getragen hat, daß ein parlamentarisches Organ vorhanden ist, um rn ernster Stunde die Interessen der abgeschnittenen Provinz wirksam wahrzunehmen. * In der Reichstagsdebatte am Donnerstag über die Arbeitslosigkeit sprach weiter Abg. Lambach(Dnatl.): Wir sind zum Arbeitnchmcrvolk gegenüber den Rrbeitgebervölkern der Entente geworden. Es ist nicht wahr, daß alle, die Erwerbslosenuntcrstützung beziehen, Faulenzer sind. Viele wissen sich sehr geschickt zu betätigen und nebenbei die Unterstützung zu bezichen. Wir fordern scharfe Kontrolle. Durch unberechtigte Streiks sind in den letzten Jahren unerhörte wirtschaftliche Werte vergeudet worden. Wir fordern Grenzschutz auch gegen überflüssige Menschen. Schieber haben wir selbst genug. Die Auswanderung darf nicht gehindert werden. Die Sozialisierung halten wir für kein Mittel der Steigerung der Produktion. Wir stimmen mit der„Roten Fahne" übercin, daß die Arbeitslosenunterstützung kein Mittel zur Behebung der Krise sei, we>l sie die Produktion nicht steigern nnd die Proletarier von der Arbeit entfremden wird. sVeifoll rechts.) Vizepräsident Dr. Bell: Es sind noch 12 Redner gemeldet. (Große Unruhe.) Arbeitsminister Brauns: Zahllose Beamte und Akademiker siehe» sich im Vergleich mit den Arbeitern viel schlechter als jemals. Die Karenzzeil soll für die Kurzaibeiier fortan wegsallen. Der Sozialisierung gehen wir durchaus nicht aus dem Wege. Ich habe die Erklärung abzugeben, daß die Reichsregierung zu dem Beschluß des ReichswirtschaftSrats doin 2t. Juli auf Einführung der Gemeinwirtschnft im Bergbau unter Hinzuziehung der Arbeiter steht. Der WirlschaftSminister hat ferner den Auftrag erhalten, auch auf Grundlage der demnächst berauskommenden Beschlüsse der Sozialisierungskommtssion weiter zu arbeiten. Wir werden uns für die Form der Sozialisierung entscheiden, von der wir uns die größte Wirlschafllichkeit ver- sprechen.(Lebhafter Beifall.) Die Sozialisierung allein ist aber ebensowenig wie die Eiwerbslosenunterslützung das Mittel, die gegenwärtige wirtschaftliche Notlage von heute auf morgen zu ändern. Durch den Druck von Papiergeld lassen sich keine Werte schaffen und die Eittweriung des Geldes wird dadurch nur immer größer. Die endgültige Lösung der wirtschaftlichen Krisis kann nur durch Vermehrung der Produktion kommen.(Beifall.) Abg. Dr. Moldrnhaucr(D. Vp.): Äautsky hat selbst gesagt, daß man tn dieser Not der Zeit sich nicht auf die Sozialisierung � versteifen dürfe. Alle Arbeitsgelegenheit hängt letzten Endes von dem Ausfall der Ernte ab. Unsere Produktion leidet sehr unter der schwankenden Valuta. Vor wahlloser Arbeitsloseiiunterslützung muß man sich aber hüten. Es ist soweit gelommen. daß Witzblätter einem jungen Mann zu seinem Mädchen sogen lassen: Marie, jetzt können wir heiraten, ich werde arbeitslos und bekomme Unter- stützung.(Erregte Zurufe links.) Betriebe legt man nur in der alleräußersien Not still. In der staatlichen Unter- stützung bedrohter Privatbetriebe sehen wir eine schwere Gefahr. Auch darf nicht auf dem Umwege der produktiven Arbeitslosenfürsorge die Sozialisierung eingeführt werden. Die Einrichtung der Kurzarbeiter ist durchaus zu empfehlen und nach Möglichkeit zu erleichtern. Die Arbeitslosenfürsorge läßt sich nur durchführen, wenn unsere Feinde zur Einsicht kommen, daß uns die Arbeilsmöglichkeil gegeben wird. Vor allem darf von der Sußeisien Linken die Ruhe und Ordnung im Lande nicht gestört werden.(Beifall rechts.) Abg. Erkelenz(Dem.): Nach dem schweren Schlag für unsere Wirtschaft durch den Friedensveltrag, werden viele Millionen durch unproduktive Arbeit beschäftigt. Gleichzeitig werden aber immer noch ungeheuere Gewinne erzielt. Dieser Zustand muß beseitigt werden. Konventionen und Ringe sträuben sich mit aller Macht gegen die Herabsetzung der Preise. Sehr viel versäumt worden ist hinsichtlich einer gesteigerten Sicdlungstätigkeit auf dem Lande. Es wird zu prüfen sein, ob ein Teil der Erwerbslosenuuterstlltzung nicht in Naturalien geleistet werden kann. Abg. Kaiftr(Soz.): Die Klaffengegensätze lassen sich nicht überbrücken, auch nicht in Deutschland. Ich gebore dem Reichstag erst seil den letzten Wahlen an. Vorher habe ich es nicht für möglich gehalten, daß hier.Witze" wie die des Herrn Moldenhauer vorgebracht werden, die eine unerhörte Provokation der Erwerbslose» bedeuten.(Lebhafte Zustimmung links.) Die hunderttausende Arbeitslosen und Millionen Kurzarbeiterkönnen wir nicht durch Notarbeiten befriedigen. Man kann nicht alle er- wetbslosen ledigen Arbeiterinnen zwingen, in Dienst zu gehen, denn viele von ihnen haben noch einen kranken Vater daheim oder andere Pflichten. Die Industrie hat keine Kohle, keine Aufträge, und doch verlangt man eine Verlängerung der Arbeitszeit. Bei kürzerer Arbeitszeit ist zudem die Arbeilsintenstvität viel größer. Das Wichtigste ist die Arbeits b e s ch a f f u n a, Unterstützung gehört erst an den zweiten Platz. Die gegenwärtige Krise dauert schon Jahre und wird auf Jahre hinaus das Normale sein. Da muß die produktive Erwcrbsloscufürsorgc ausgebaut werden. Tie Wurzeln unserer wirtschaftlichen Kraft lieden in der U r Produktion. Für sie muß man Wohnungen schaffen. Wir müssen mit der Melioration des Landes eine großzügige Siedlungsorganisation verbinden, namentlich für die Kriegsbeschädigten. Wenn die Re- gierung rigorose Betriebsstillegungen verhindern will, dann muß sie das mit gesetzgeberischen Maßnahmen tun. nicht mit einem Appell an die Valerlandsltebe.(Sehr richtig! links.) Tie Bauern schimpfen über die Faulheit der Arbeitslosen, aber keiner erklärte sich bereit, einen Arbeitslosen als Knecht einzustellen, wenn ich dazu aufforderte.(Hört! hört! links)) Von den 260 Milliarden Schulden fallen nur � Milliarden auf die Erwcrbslosensürsorge. Den Kurzarbeitern sollten a/4 des entgangenen Verdienstes gewährt, die Karenzzeit ollgemein abgeschafft werden. Wir müssen allmählich von der Unterstützung zur Arbeitslosenversicherung, zur Ren�e übergehen. Die Sozialdemokratie arbeitet nicht, uni den Kapitalismus neu zu verankern, sondern um die neue soziale Wirt- schaft vorzubereiten.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Frau Zetkin(K. P. D.): Die Erwerbslosenfürsorge darf nicht in Form einer enobrüstigen Armensürsorge gehalten werden. Sie muß für Männer und Frauen gleich sein, denn bei beiden ist die Notlage gleich groß. Das Anschwelle» der Prostitutiion tpricht eine tragische Sprache. Besonderes Augenmerk muß auch aus die große Zahl von arbeitslosen Intellektuellen gerichtet werden. Das beutige Heer der Arbeitslosen ist nicht die Reservearmee des KapitalisinnS, sondern sein Totengräber. Abg. Malzahn(U. Soz.): Die Betriebsiätc müssen die Produktion überwachen und alle Betriebselitstelluiigen verhindern. Dia Verträge der Vetriebsstoffiitdustrie mit dem Wirtschastsministerium sollten veröffentlicht und zu ihrer Prüfung die Betriebsräte� der Auiomobilindustrie herangezogen werden. In der deutschen Waffen- und Munitionsfabrik sind siir Hunderte von Millionen Maschinen. die mit einer Mark zu Buch stehen.(Hört! hört!) Da wird die Enteignung nicht schwer sein. Dort könnten sehr put Lokomotiven hergestellt und 6000 Ar- beiter beschäftigt werden. Sowjetrußland hat in Skandinavien erst jüngst Tausende vonLokomoiiven bestellt.(Hörl! hört!) In Spandan ist die Leitung entweder unfähig, oder man will die Reichsbetriebe, die Musterbetriebe sein sollien. sabotieren. Die kapitalistiicke Pro- duktionswirtschaft muß abgelösj werden von der sozialistischen Be- darfswirtschaft.(Beifall bei den U. Soz.) Arbeitsminister Brauns; Die Regierung ist bemüht, die Erwerbslosenuitterstützung der Krise anzupassen. Sie hat beschlossen, 35 Millionen Mark den Ländern zur Versüaung zu stellen für besondere Untersintzung der langfristig Erwerbslosen. Die Länder und Gemeinden sollten Zuschüsse gewähren, so daß für diesen Zweck insgesamt etwa 60 Millionen zu Verfügung stehen. Alls Antrag des Abg. Erkelenz(Dem.) wird die Debatte gegen die Stimmen der Deutschnationalen und der Unabhängigen ge- schlössen. Der unabhängige Antrag wird dem volkswirtschaftlichen Aus« schuß überwiesen. Damit ist die Tagesordnung erschöpft. Präsident Löbe: Wir stehen am Ende unserer gegenwärtigen Tagung, und ich bitte Sie, mir die Festsetzung der nächsten Sitzung und Tages- ordnung zu überlasten. Ich gebe der Hoffnung Ausdruck, daß mich Ereignisse jenseits der Grenze, die Verhandlungen in Genf oder andere außenpolitische Zwischenfälle nicht zwingen. Sie früher ein- zuberufen, als es nach dem normalen GeichästSgang nötig sein würde. Ich hoffe, daß sich auch die Arbeits- und ErnährnngS- Verhältnisse in unserem Lande so gestalten, daß wir nicht früher zusammenzutreten brauchen und wünsche Ihnen gute Erholung. (Lebhafter Beifall.) Schluß Uhr.__ GroMerllN Die Waffenschiebung in öer paffauer Straße. Ueber das Ergebnis der Untersuchung gegen den Hauptwacht« meister Sommerkorn von der Technischen Hundertschaft Neu« kölln liegt immer noch kein amtlicher Bericht vor. In etner Meldung der.Sipo" wird nur gesagt:„Es ist in Anbetracht der schwebenden Untersuchung nicht möglich, einzelne Sachen aus dem Zusammenhang herauszugreifen. Die Untersuchung wird ohne Rücksicht auf die Person mit aller Strenge geführt." Wir haben zu dem Leiter der Sicherheitswehr, Herrn Kaupisch, der auch die Untersuchung leitet, das feste Vertrauen, daß er rück- s i ch t S l o S durchgreift und vor allen Dingen jede Vertuschung in dieser skandalösen Angelegenheit verhindert. Die Entwaffnungs- aktion, die auf ein Geheiß der Entente jetzt begiiiltt, darf durch keinerlei Seitensprünge irgendeines Bürgers, und sei er selbst Hauptwachtmeistcr der Sicherheitspolizei, beeinträchtigt werden, wenn dem Reiche nicht neuen Schaden zugefügt werden soll. Der Hauptwachtmeister Sommerkorn selbst ist uns kein Un- bekannter. Schon wahrend der Kapp-Tage spielte er in der Gruppe Süd der Sicherheitspolizei eine verdärbtige Rolle. Am Sonntag, den t4. März, wurde auf dem Wohlfahrtshause eine schwarz-weiß-roie Fahne gehißt, die Sommerkorn aus seiner Wohnung geholt halte, da sich in der Augustakasern« eine solche nicht befand. Auch sonst hat er sich so benommen, daß wir schon des öfteren Gelegenheit hatten, die zuständigen Stellen vor ihm zu warnen. Auf Grund dieser Tatsachen erscheint uns die in der gestrigen Abendausgabe wiedergegebene Meldung der„B. Z. am Mittag", in der gesagt wird,„daß keinesfalls unlautere 160) Segen öer Eröe. Roman von Knut Hamsun. Es verging auch eine recht lange Zeit, che sie entdeckt tnurden. Barbro war keineswegs so leichtsinnig, dasi� ihr an der Stirne geschrieben gewesen wäre, an ihr sei nichts mehr zu verderben? � Verderben? Sie widerstand soviel wie nötig war. Wenn ein Bursche sie zum Weihnachtstonz ein- lud, so sagte sie das erstemal nein, das zwcitemal auch, ober das drittcmal sagte sie:„Ich will sehen, ob ich von zwei bis sechs Uhr kommen kann." Seht, so antwortet ein anständiges Mädchen und macht sich nicht schlechter, als sie ist, und läßt keine Frechheit sehen. Sie war ein Dienstmädchen nnd diente die ganze Zeit und rannte kein anderes Vergnügen als Aus- gelassenheit. Das war auch alles, was sie begehrte. Die Frau Schultheiß hielt ihr lange Reden und borgte ihr Bücher. die Närrin! Barbro bildende Bücher leihen, die in Bergen gewesen war, Zeitungen gelesen und das Theater besucht hatte! Sie war doch kein Gottes Wort vom Lande! Aber die Frau Schultheiß mußte dach Verdacht geschöpft haben. Eines Morgens um drei Uhr steht sie vor der Mägde- kammer und ruft:„Barbro!"—„Ja," antwortet die Köchin. —„Ist Barbro nicht da? Mach auf!"— Tie Köchin schließt auf und gibt die zuvor vereinbarte Erklärung. Barbro habe ganz notwendig auf der Stelle nach.Hause laufen müssen.— „Nach Hause, auf der Stelle? Es ist drei Uhr in der Nacht," sagt Frau Heyerdahl und hält mit ihrer Verwunderung dar- über nicht zurück. Am anderen Morgen gab es ein großes Verbör: Brede wurde gerilfcn. und die Frau Schultheiß fragte „Ist Barbro heute nacbt nm drei Uhr bei euch gewesen?"— Brede war nicht vorbwitet, aber er sagt sofort sa.—„Jawohl um drei Uhr in der Nacht. Wir waren sogar so lange aufge- blieben, weil wir etwas Wichtiges zu besprechen hatten." ant- wertete Barvros Vater.— Tarauf verkündet die Frau Schult- heiß feierlich:„Barbro gebt bei Nacht nicht mehr aus!"~ „Nein, gewiß nicht," erwidert Brede.—„Solange sie in meinem Hause ist wenigstens nicht."—„Nein. Hörst du, Barbro! Ja. da hörst du's, ich Hab es dir ja gleich gesagt!" spricht der Vater.—„Tu kannst zuweilen vormittags zu deinen Eltern gehen," bestimmt die Frau Schultheiß. Aber die wachsame Frau Schultheiß hat darum ihren Verdacht doch nicht ganz aufgegeben: sie läßt eine Woche�ver- streichen, dann macht sie. um vier Ubr morgens eine Stich- lprobe.„Barbro!" rief sie. O, aber diesmal war die Köchin aus, Barbro war daheim, nnd die Mägdekammer glänzte in Unschuld. Die Frau mußte schnell einen Vorwand erfinden. „Hast du die Wäsche gestern abend hereingeholt?"—„Ja!" —„Tos ist gut, denn es fängt an zu stürmen. Gute Nacht." ES war übrigens recht lästig für Frau Heyerdahl. sich von ihrem Mann in der Nacht wecken zu lassen und selbst zu den Mädchen hinüber zu tappen, um nachzusehen, ob sie zu Hause seien. Geschehe, was da wolle, sie tat es nicht mehr. Und wenn nun das Glück sie nicht im Stich gelassen hätte, so hätte es Barbro auf diese Weise das Jahr durch mit ihrer Herrin aushalten können. Aber vor einigen Tagen hotte es einen Krach zwischen ihnen gegeben. Es war frühmorgens in der Küche. Zuerst hatte sich Barbro ein wenig mit der Köchin gezankt, ja, nicht nur so ganz wenig, sie sprachen lauter und lauter nnd vergaßen, daß Frau Heyerdahl kommen könnte. Die Köchin hatte sich schlecht Hsnommen und hatte sich außer der Reihe fortgssÄlichen, weil es eoonntagsnacht gewesen war. Und womit entschuldigte sie sich? Sagte sie, sie habe fort müssen, um sich von einer teuren Schwester zu verabschieden, die nach Amerika reise? Keine Spur, sie entschuldigte sich gar nicht, sondern behauptete, sie habe diese Sonntagsnacht gut gehabt.—„Daß du auch gar keine Ehre und Wahrhaftigkeit im Leibe hast, du Kanaille!" rief Barbro. Da stand Frau Heyerdahl unter der Türe. Sie hatte sich vielleicht ursprünglich nur eine Erklärung für dieses laute Geschrei ausbitten wollen, erwiderte auch noch den Mädchen auf ihren Morgengruß, aber dann sah sie Plötz- lich Barbro scharf an, sah Barbros Brusttuch an. beugte sich vor und sab now näher z». Das sing an unheimlich zu wer- den. Und Plötzlich stößt Frau Heyerdahl einen Schrei aus nttzd deutet auf die Türe. Was in aller Welt ist das? denkt Barbro und. schaut an sich herunter. Lieber Gott, nichts als eine Laus! Barbro muß ein wenig lächeln, und da es ihr niclsi ungewohnt ist, auch in außerordentlichen Umständen zu wissen, lvas sie zu tun bat. knipst sie die Laus weg.—„Was. aus heu Fußboden!" schreit die Frau Schultbeiß.„Bist du verrückt! Gleich nimm dos Tier auf!"— Ja, Barbro beginnt zu suchen und ist wieder rasch gefaßt, sie tut, als ob sie die Laus gefunden hätte, und wirft sie großartig ins Küchen- fcuer. „Wo hast du die her?" fragt die Frau erregt.—„Wo ich die her habe?" antwortet Barbro.—.Ja, ich will wissen, wo du gewesen bist und sie dir geholt hast. Antworte!"— Nun machte Barbro den großen Fehler, daß sie nicht sagte:„Im Kaufladen!" Das wäre das einzig richtige gewesen. Nein, sie wußte nicht, wo sie die Laus aufgelesen hoben könnte, aber sie deutete an, sie habe sie vielleicht durch die Köchin be- kommen.'Da fuhr die Köchin plötzlich hoch aus:„Tu von mir! Du bringst es für dich allein fertig, dir Läuse zu holen!" —„Aber du bist doch heute nacht ausgewesen!" Abermals ein großer Fehler, das hätte sie niemals sagen sollen. Nun hatte die Köchin auch keinen Grund mehr zu schweigen, und alles von den unglückseligen Nächten außer dem Hause kam gn den Tag. Frau.Heyerda hl ist in höchster Erregung: von der Köchin will sie nichts, ibrc Erregung gilt Barbro. dem Mädchen, für das sie eingestanden ist. Und den- noch hätte vielleicht auch jetzt noch alles gerettet werden kön- neu, wenn Barbro ihr Haupt gebeugt hätte wie ein Schilfrohr, und zu Boden gesunken wäre und sich hoch und teuer ver- schworen Hätte, es in Zukunft nie mehr zu tun. Aber nein, Frau Heyerdahl mußte schließlich ihr Kindermädchen daran erinnern, was sie alles für sie getan hatte, und da gab Barbro wahrhaftig Antwort, sie trumpfte auf. so dumm war sie. Ja. oder vielleicht war sie auch so klug, vielleicht wollte sie die Sache auf die Spitze treiben, um von da wegzukommen. Frau Hcyevdahl sagte:„Ich habe dich aus den Klauen des Löwen gerissen."—-„Was das betrifft," erwiderte Barbro,„so wäre es mir ebenso lieb, wenn Sie es nicht getan hätten."—„Ist das der ganze Tank, den ich bekomme?" rief Frau Heyerdaht. —„Ach, was soll das Gerede!" sagte Barbro.„Vielleicht wäre ich verurteilt worden, aber mehr als ein paar Monate hätte man mir jedenfalls nicht gegeben, und dann rvärc ich die Geschichte los!"— Frau Heyerdahl ist einen Augenblick sprach- los. ja eine Weile steht sie nur da, öffnet den Mund und schließt ihn wieder. Das erste Wort, das sie herausbringt, ist die Kündigung.„Wie Sie wollen," ist alles, was Barbro er- widert. Während der Tage, die seither verflossen sind. Hat sich Barbro bei ibren Eltern anfgehalten. Aber dort konnte sie nicht immer bleiben. O, es ging ihnen schlecht, die Mutter trieb setzt einen Kaffeehandel, und es kamen immer viele Leute ins.Haus: aber davon konnte Barbro nicht leben, und sie konnte ja auch andere gute Gründe haben, warum sie wie- der in eine feste Stellung kommen wollte. So nahm sie also heute eilten Sack mit Kleidern auf den Rücken und wanderte das Oedland hinauf. Nun kam es darauf an, ob Axel Strom sie wieder aufnehmen würde! Aber sie hatte auf totzten Sonntag schon das Aufgebot mit ihm bestellt gehobt. Eorts. folgt) Motive dem WassentranSPort zugrunde lägen', nicht den Tat- sacken zu entsprechen, zumindest sehr gewagt zu sein. Obwohl wir keineswegs die Schwierigkeiten verkennen, die der Ilnlersuchung im Wege stehen, so müssen wir doch die die Untersuchung leitenden Persönlichkeilen dringend ersuchen, nicht nur rücksichtslos, sondern sehr beschleunigt nach dem Rechten zu sehen und ebenso schnell Ausklärung zu schaffen, um jede unnötige Ben»« ruhigung der Bevölkerung zu vermeiden und jedes etwa einstehende Diißtrauen der Entente Missionen, daZ gerade in der momentanen außenpolitischen Situation sehr gesährlich werden kann, zu beseitigen.____ Rentenempfänger und Erwerbslosenunterstiitznng. ES besteht bei vielen Rentenempfängern die Meinung, daß alle Rentenemp'änger berechtigt sind, Erwerbslosen- u n t c r st ü tz u n g zu bezieben. Nach dem bestehenden Gesetz können Inda lidenrentner keinen Anspruch auf Erwerbslosenunterstützung erheben, weil sie nach dem Gesetz der Invalidenversicherung erst dann Rente be- kommen, wenn sie Proz. arbeitsunfähig sind. Das Gesetz über ErwerbSlosensürsorge sieht vor, daß nur ErwerbSlosenuiirerstützuug gezahlt werden darf an arbeitsfähige Personen, welche ar- beitSloS sind, die also noch eine Arbeitsfähigkeit von über 33'/, Proz. »ochiveisen. Anträge auf Erhöhung der Invalidenrente liegen bereits bei der Regierung vor. sind aber noch»lickt ent- schieden. Die Geschäftsstellen der ErwerbSloienfüriorge werden aber angewiesen, die Akten der Jnvalideurentenempsänger, soweit sie ichon E.-U. bezogen haben, dein zuständigen Armen vor st eher sofort nach Ablehnung der E.-U. zu überweisen. Krankenrenienbeziehcr können ebenfalls nach dem Gesetz keinen Antrag auf E.-U. stellen, da sie nicht ertverbs- fähig im Sinne der E.-U. sind. Soweit sie schon E.-U. be- zogen haben und während dieser Zeit Krankenrcnre zuge- sprochen erhalten, ruht vom Tage der Bewilligung an die Zahlung der U-E. bis die Krankheit behoben ist. Familien- zusck läge werden aber während der Zeit deSBe- zugcs von Krankenrente gezahlt. Unfall- und Altersrentner dagegen haben Anspruch auf ErwerbSlosenunterstützung, wenn sie durch ärztliches Gutachten nachweisen, das; sie weniger w i c 6 6-/„ P r o z. Arbeitsunfähigkeit besitzen. Das ärztliche Attest kann durch den Kreisarzt erfolgen. Bei Unbemittelten übernimmt der Armenvor- sicher auf Antrag die Kosten._ Warnung vor„Wohlfahrts"organisatio«cn. Von zuständiger Stelle wird uns mitgeteilt: Tic i'luidcckung der Schiebungen bei der A u s ö a u z e n t r a I e, dem Zweckverband Lbcrschlcsien uno ähnlichen Wohl- fehrtSorganisntionen bat wiederum gezeigt, daß der beste Nährboden für den Erfolg ocr Schwindler die Gutgläubigkeit der O c k f e n t l i ch k e i t ist, die nur zu schnell bereit ist, sich durch Namen von Klang über die wahren Ziele der an sie herantretenden Organisationen täuschen zu lassen. Ta es ersahrungsgemäss immer dieselben Kreise sind, die dankenswerterweise Wohlfahrtseinrich- hingen unterstützen, liegt eS in ihrem eigenen Interesse, wenn fic sich vor Unterstützung an sie Herantietender unbekannter Fürsorge- nrganiscttioncn an zuständiger Stelle zuverlässige Auskunst ein- holen. Als solche Stellen konimen in Frage: Für das Gebiet der engeren WohlfahrtSpslege und Wohltätigkeit: das Archiv der WohlfahrtSeinrichtungen, Berlin W. Flottivellstraße 3. Für das Gebiet des Grenzschutzes, der Abstimmungsfragen und ähn- Ucher nationaler Angelegenheiten: der Schutzbund iur die Grenz- und Ausländsdeutschen. Berlin W,?Notzstcassc llll. Für das Gebiet der Sicdelung und Wanderung, Berlin W 35. Am Karlsbad 23 II. Fm übrigen wird den Kreisen aus Handel und Industrie empfohlen, sich erfordeclichenfalls auch an ihre Interessenvertretung zu wenden, während die Arbeitnehmer die erforderliche Aus- kunft t'ielsach auch von ihren Gewerkschaften erhalten. Würde sich die Oeffentlichkeit daran gewöhnen, nur bekannte Unternehmungen zu unterstützen und gegenüber unbekannten Zu- i ttckbaltung zu wahren, so würde es nicht vorkommen können, wie es sich kürzlich ereignet hat, daß einem schwindelhafien Unternehmen von einer bochaii>geseheneii wirtschaftlichen Zentralstelle bare 100 000 Mark zur Verfügung gestellt wurden, die, wie sich inzwischen heraus- gestellt hat, restlos in unbekannte Taschen vcr- sch wunden sind._ Tie unvollkommene Rächstenliebc. Am Dienstag abend berickteten wir unier der Ueberschrift .Christliche Nächstenliebe', daß das Hedwig-KrankenhauS die Aufnahme eines fckwerverletzten Mädchens verweigerte, da die Verletzungen infolge eines Selbstmordversuches entstanden waren. Diese Notiz veranlasst das Hedwig-Krankenbous, der .Germania' eine Erklärung zu senden, der wir folgendes entnehmen: »Die Anstalt nimmt Selbstmörder nur auf, wenn ste lebensgefährlich verletzt sind. Bei Leicktverletzien besteht die Wahl'cheinlickkeit, dass sie den Selbstmordversuch wieder- holen; die An st alt bat nun keine Einrichtungen, die solche Versuche unmöglich machen fbesonderS gebaute Zellen), deshalb werden solche Selbstmörder ebensowenig aufgenommen, wie Leute, die in polizeilichem Gewahrsam sind.' Wir wollen auf diese an den Haaren herbeigezogene Ent- ickuldigung nicht weiter eingehen, freuen uns aber darüber, dass selbst die„Germania' der Verwaltung des Hedwig-Krankenhauses anheimstellt,.baldmöglichst auck einen Raum herzurichten, in dem derartige Leichtverletzte sofort Aufnahnie finden'. Auck uns erscheint rS notwendig, den unvollkommenen Apparat der Nächstenliebe bald- möglichst zu vervollkommnen. Ter Magistrat im Kampfe gegen die Arbeitslosigkeit. Der Magistrat hat sämtliche Dienststellen darauf hingewiesen, dass Arbeiten, die in Angriff genommen werden können. raschesten» vergeben werden. Hierbei ist darauf zu achten, dass, soweit die Arbeiten an private llnterilebmer vergeben werden, in die Vertragsbedingungen die Bestimmung aufgenommen wird, dass die Unternehmer die Arbeitskräfte nur durck Vermitt- liing de« Städtischen Arbeitsnachweise» beziehen dürfen. Jiiöbesondere sind die Direktionen der Krankenhäuser der- anlaht, notwendige neue Ausstattungen mit Bekleidung und Wäsche schon jetzt in Angriff zu nehmen. Auch sämtlichen städtischen Dienststellen ist erneut zur Pflicht gemacht, die Arbeitnehmer nur durch Vermittlung des Städtischen Arbeitsnachweises anzunehmen, da nur auf diese Weise eine Konirolle möglich sei, dass auch insbesondere die nur zu blossen Gelegenheitsarbeiten verwandten Personen auS der ErwerbSlosenunterstützung ausgeschieden werden können. Grostfeuer auf dem Lehrter Güterbahnhof. Grohieuer kam am Donnerstag vormittag, vermutlich durch Funkenflun aus einer Lokomotive oder Fohrläisigkeit, auf dem alten Lehrter Güterbahnhof an der Lüneburger Strasse, gegenüber der Paulstrosse, zum Ausbruch. Dort standen auf eisenbabn- fiskalischem Gelände, wo es schon einige Mal« gebrannt hatte, e i n grosser Holzschuppen, sowie eine hoch mit Heu be- iadene Lore und andere« in Flammen. Diese gefährdeten andere Eisenbahnwagen und Kohlen» bzw. Holzlagerplätze. Die 4. Kompagnie war zum Glück schnell zur Stelle. Oberbrandinspektor Taubner liess sofort mit mehreren B« und O-Rohren wirksam angreifen, die angrenzenden Plätze schützen und unausgesetzt tüchtig Wasser geben. Dadurch gelang eö, eine weitere Ausdehnung des gefährlichen Brandes zu verhüten und schliesslich seiner Herr zu werden. Der Alorü im �Nünchener Hof" aufgeklärt. Bcrhaftung der Täter. Ter Raubmord an dem 33 Jahre alten ftfllufmann Paul W o l s n e r aus der Prinzenstratze 89 in dem Hotel.Münchener Hof" hat jetzt restlos aufgeklärt werden können. Ter Berliner Ddordbereftsehastsdienst hatte festgestellt, dass der ermordete Kaufmann Wolftier seit geraumer Zeit ein ständiger Gast eine» Kaffeehauses ri» Westen Nor. Er erschien dort immer allein. Rur ztncimal iwir er in Begleitung eines un bekannten Mannes dort gewesen. Es gelang, festzustellen, daß es ein 26 Jahre alter Kaufmann Ernst N ä g l« r war, der in der Ilblandstrasse 54 mit seiner 21 Jahre alten Schwester Gertrud wohnte. Beide waren seit dem Mordtage verreist. Inzwischen war die amtliche Bekanntmachnng mit der Ab- Bildung der geraubten Ringe versandt worden. In Leipzig teilte ein Golvirarenbändler der Kriminalolizei mit. daß er glaube, im Besitz des kostbaren Bvillantringcs zu sein. Es gelang, fest- zustellen, dass dieser mit den beiden anderen in Berlin geraubten Ringen am Tage nach dem Morde in einem Kaffeehause verkaust worden war. Der Verkäufer war in Begleitung einer Dame aus Berlin koinmcnd in einem Hotel in der Nähe des Bahnhofes abgestiegen. Beide hatten sich unter dem Namen Ernst Nägler und Frau in das Fremdenbuch eingeschrieben und waren schon am nächsten Tage wieder ausgezogen. Nach diesen Feststelliingen unierlag es keinem Zweifel mehr, dass das Geschwisierpaar Nägler für das Vetbvechei.-e Fragt kam. Die Kriniinnikominissare Gennat und Bmxgler und Kriminal» oberNKtchtmeister Stall aus Berlin fuhren jetzt nach Braun» schweig, weil festgestellt worden war, dass das Geschwisterpaar in Braunschweig Angehörige besitzt. ES gelang den Beamten, dort auch Nägler festzunehmen. Angesichts des gegen ihn zusammen- getragenen Belastungsmaterials gestand er dann auch ein, an dem Verbrechen beteiligt aewescn zu sein. Die Schwester Wunde in einem Badeort im Harz fest genommen. T a S Mädchen legte ein umfassendes Geständnis ab und gab zu, dass sie in Gemeinschaft mit ihrem Vetter, dem 2 5 Jahre alten Drogisten Wilhelm Bock d-e Tat begangen ugd ihr Bruder diese ver- anlaßt hätte. Bock, der sich noch in Berlin aufhielt, nrnode in seiner Woh- nmig am Luisenhof 32 zu Reinickendorf festgenommen. Er setzte den Be amten best igen Widerstand entgegen, so daß er gefesselt abgeführt werden mußte. Aui dem Berliner Polizeipräsidium sand inan in seinem Besitz die ausser den Ringen geraubte goldene Uhr, das silberne Zigarettenetui und die schwarz- lederne Brieftasche des ermordeten Kaufmannes Wol stier. Nachdem die Geschwister Nägler nach Berlin überführt worden waren, wurden sie einem kurzen Verhör unterzogen- Hierbei stellte sich heraus, dass der Plan. Wolsner zu berauben, tatsächlich von Nägler ausgegangen war. Zunächst war beabsichtigt, dass Bock und Gertrud Nägler Wolsner auflauern sollten, wenn er abends aus dem Kaffee in seine Wohnung zurückkehrte. Nun Imrrdc der neue Plan geschmiedet, der auch ausgeführt wurde. Ten Aether hatte Bock sich als Vertreter pharmazeutischer Fabriken leicht besorgen können. Während er mit Gertrud Nägler in dem Hotel als Ehe- paar abstieg und mit ihr das Verbrechen ausführte, wartete deren Bruder in einem Kaffeehause in der Nähe, um dort nach der Tat die geraubten Ringe in E-nipsang zu nehmen. Lustmord an der eigenen Tochter? Die seit dem 16. v. M. vermißte 15 Jahre alte Tochter Mar- garete des Justizwachtmeister« Elfe aus der Bahnhofstrasse 6 zu Lindow r. d. M. ist, wie wir mitteilten, als Leiche in cinem Korn- felde aufgeiunden worden. Die von der Beiliner Kriminalpolizei entsandten Beamten haben sofort die Ermitielungen aufgenomnien, die Donnerstag zur Festnahme deS 43 Jahre allen Vaters der Er- mordeten führten. Dieser steht unter dem dringenden Verdacht. d i e e i g e n e T o ch r e r nach voraufgegangenen schwe« ren sittlichen Verfehlungen umS Leben gebracht zu haben. Es konnte festgestellt werden, dass Margarete Elfe Freun- binnen gegenüber angedeutet harte, dass ihr Vater seit Januar d. I. einen sträflichen Verkehr mit ihr ausgeübt habe. Der Bater habe sie wiederholt gedroht, davon nicht zu sprechen, da sonst etwas passieren werde. Für die Täterschaf» des Vaters sprechen noch ver» schiedene andere Umstände. So hat er sich bei der Suche nach dem vermißten Mädchen, an der er sich beteiligte, geäussert, eine Ab« suchung des Kornfeldes, in dem die Leiche später gesunden wurde, sei ganz zwecklos, denn da sei sie doch nicht drin. Am Tatort wurde sodann die Schnalle eines Hosenträgers ge- funden, die von der Reithose deS Verhafteten stammen soll. Der Riemen, mit dem das Mädchen erdroffelt worden ist, ist. wie fest- gestellt iverden konnte, in Küstrin von einem Manne gekauft worden. Die Lederhändlerssrou kann aber nicht mehr sagen, ob cS Elfe oder ein anderer Mann war._ Ter„Baltenfreund" als Rechtsanwalt. Vor dem Schöffen- gcricht Berlin-Schöneberg produzierte sich dieser Tage der Berliner Rechtsanwalt Dr. Eiswaldt, Bellealliance-Platz 12, als echter Sozia listenfrcsser. Als Verteidiger des Privatbeklagten erlaubte er sich die Bemerkung, dass das gehässige und beleidigende Verhalten des Privatklägcrs„selbst das Niveau eines.Vorwärts' überbietet". Bei einer anderen Gelegenheit in derselben Prozesssache versucht/ er die Ein- Wendung der Verjährung der Widerklage damit abzutun, dass er erklärte, ein solches Verfahren können man.nur von.Vor- wärts". und U.S.P.- R e d a k te ur en", aber nicht von Ver- lagsbuchhändlern erwarten. Diese AnremPeleieii des Herrn Rechts- anmalt lassen uns völlig kalt, um so mehr als er, wie er selbst bemerkte, D e u t s ch na t i o n a l e r rpnd Balten freund ist. Wahrscheinlich hat er in dieser Eigenschaft des öfteren Umgang mit den Baltikumern gehabt, und darum verwundert uns sein Ton keinesivegs. Seifenpulver ohne Marken! Der Reichswirtschaftsminister hat durch Bekanntmachung vom 28. Juli bestimmt, daß der Karten» zwang nunmebr auch für Seifenpulver mit Wirkung vom 1. August ab iv e g s ä I l t. Bestehen bleit?en sollen aber gleicbwobl die Ausweise, welche die Abteilung für Seifenversorgung des Magistrats den Waschanstalten und technischen Betrieben mit weniger als 10 Arbeitern für den Bezug von Seifen pulver auf Antrag ausstellt. Tie Planschwicfc im Schillerpark ist. wie uns aus unserem Leserkreis mitgeteilt wird, seit einiger Zeit wieder frei- gegeben. Die Voltsfürsorge, KriegSvers, cherungskafle, fordert di« Inhaber der Anteilsscheinc für diejenigen Versicherten, die infolge des Krieges gestorben sind, aus. diese Anteilsscheine s o s o r t an die Rechi.ungSstellc Berlin, Engelufer 18, einzusenden. Die Emp- fangsberechtigtcn möchten ihre genaue Adresse angeben, damit die Auszahlung sobald wie möglich erfolgen kau». Das zur Auszahlung gelangende Geld pro Anteilsschein beträgt 43 M. und wird durch den Vorstand der Volkssürsorge, Hamburg V, direkt an den Emp» fangsberechtigtcn ausgezahlt. Tie schwarze Pest. Die.Frankfurter Zeitung' schreibt: Erst kürzlich wieder ist uns ein dickes Aktenstück zugegangen, in dem amt- liches Material über beinahe vier Dutzend Gewaltraten an Frauen und Kindern im besetzten Gebiete wiedergegeben wird. In etwa 39 Fällen, die da ausgebreitet sind, konnte der Akt der Vergewaltigung noch verhindert tvcrden, teils durch den Widerstand deS Opfers, teils durch das Dazwischenkommen anderer Leute. Auch in diesen Fällen ist es vielfach zu unsittlichen Handlungen ge- kommen, in der Regel auch zu schweren Mißhandlungen der Opfer, die häufig dazu auch noch ausgeplündert wurden. In 16 Fällen ist das Verbrechen der Vergewaltigung vollendet worden. Vier der Opfer sind Schulknaben. Das Dokument besteht teilweise aus amt- kichen Polizcibcrichien, teilweise aus amtlich protokollierten Au?» sagen der Betroffenen. Nur von cinem der wiedergegebenen Fälle ist der„Frankfurter Zeitung" bekannt, daß die Anzeige in Mainz zur Bestrafung des Täters geführt hat, sonst hat man die Bestien»och in Schutz genommen und entschuldigt. las nächste städtische �tolkstonzert dcS PhilKarnionischen OrcheiterS »»(ei Leitung von Richard Hagel findet heute 8 Uhr in der Philharmonie, Bcinbiirgcr vstr. 22/23, statt Vorverkauf in der Zentralstelle für Volks- wobljabN, Augsburger Str. 6t. in der Berliner GcwcrkschastSkommiision, Engcluier IS, im Zigarrengcjchäjt von Harsch, und m dem bctresfendcn Konzei tsaal. Britz. Tos Gemeindc-Jugcndamt bat die Absicht, am 16. August einen weiteren Transport von 36 Knaben in die Ferienkolonie nach II eckeritz an der Ostsee abgehen zu lassen.� Die Knaben dürfen nicht unter 11 Jahre alt sein. Meldungen sind bis späte- stens Mittwoch, den 11. August beim Gcmeindc-Jugendamt cinzu- reichen. Das Fahrgeld betragt 46 M. Volkshochschule Neukölln. Die Fortsetzung der englischen Svrach- kurse(Frl. Roscnon» erfolgt am 26. August, tz'/i bzw. 81/, in der Knabeli- miltelschul«, Tonaustr. 126._ Groh-Berliner Lebensmittel. Beelkn. Ab henie auf die'/z-Liter-Krankenkartcn Liter Dollmilch. Die übrige Lieferung bleibt unverändert. Groß-Serliner parteinachrichten. Morgen, 7. August: 13.— 14. Abt. 3 Uhr, gemütliches Kaffcekochen bei ZSilke, Sebastianstrasse 39. Gäste willkommen. 23. Abt.(Lötzoiv-Viertel). 7'/, Uhr, Sitzung der Bezirksfübrer, De- triebsvertrauenZIeute und Elternbeiräte bei Gott, Kniprode-, Ecke Barde- lebenitrasse. 24. Abt. 7 Uhr bei RöSner, Jnimanuellirchnrasse 25, Funktionärsitzling._ Wirtschaft Zahlung der Kapitalertragssteuer. Die Kapitalertrags st euer» sind an die für den Schuldner zuständige städtische Stcuertasse— uiid nicht, wie es so häufig geschieht, an die Finanzkasse Berlin, Jüdeustr. 58,66— abzuführen._ Tie Frühdruschprämie. Die Ablieferungen an die Reichsgetreide stelle haben in Tonnen betragen: 1913 biS>5. August.. 415 07? 1918. 15. September 1 566 540 1918. 15. Ollober.2 232 488 1919. 15. August.. 28 271 1917, 15. September 1 396 244 1919, 15. September 239 596 1917. 15. Oktober.. 1868 147 1919. 15. Oktober.. 923 599 Zur Erläuterung schreibt uns die Reichsgetreidestelle, dass 1916 keine Frühdruschprämie gezahlt wurde; für 1919 wurde sie zuerst von der Nationalversammlung abgelehnt, und e r st später wurden unter dem Druck�sckwacher Ablieferungen besondere Lreferungs- zuschlage vom 1. September ab eingeführt. Durch die Frühdruschprämie wird die neue Ernte früher, aber auch in grösserem Umiange erfaßt. Wenn diele Maßregel Erfolg hat und nur 266 666 bis 366 666 Tonnen mehr in die Speicher der Reichsgetreidestelle kommen, so braucht entsprechend weniger AuslondSgetreide eingeführt zu werde». DaS bedeutet bei dem jetzigen Valutastand eine Ersparnis von 1 bis l'/j Milliarden, denen nach Schätzung der Reichsgetreidestelle etwa vierhundert Millionen Mark Kosten für die Prämie gegenüberstehen. Diese Mehraufwendungen sollen wie im Vorjahr vom Reiche getragen werden. Der BrotprerS wirb dadurch nicht erhöht. 1916 bis 15. August 1916 1916 1917 26 207 15. September 373 316 15. Oktober.. 885 984 >5. August.. 421 116 15. September 1 396 244 15. Oktober.. 1868 147 SitdlunflöheiituulNfltn durch das Laildwirtschaftsilinilstcrium. .Herr R. W.. Lüneburg, bemängelt in der„Deutschen Tageszeitung"(Nr. 371 vom 4. August d. I.) die ungenügende Abgabe von Siedlerstellen aus der Domäne K ö n i g s h o r st bei Wustrow und unterstellt dem Lm>dwir!schaftsministerium, es wirke siedlungShemmend. Dazu wird den.P. P. N." von zuständiger Stelle mitgeteilt: � Die Ausführungen des Herrn W. beruhen aus irrigen Voraus- setziingen, Tie Doniäne mit dem Vorwerk ist bis zum 1. Juli 1921 an die Reichs-Rcmontevcrwalluiig verpachtet. Demgemäß kann das preußische LandwirtschastSministcrium bis zu diesem Ter- min über di« Domäne überhaupt nicht verfügen. Die Gemeinde hat di« von ihr beanspruchten 126 Morgen Sand vor längerer Zeit erhalten. Ausserdem wird beabsichtigt, nach Ablauf der Pacht im ganzsn rund 1266 Morgen vom Gelände der Domäne an die l a n d b c d ü r s t i g e n Einwohner der au. liegenden Gemeinden zu Siedlungszwecken abzugeben. Heber die Verwendung deS Restes ist noch keine Entscheidung getroffen. Möglicherweiie wird die Bildung von zwei Restgütern zweckmässig erscheinen, da im Kreise Lüchow nur 7,6 Prozent der Icrndwirt. schaftlich genutzten Flächen zum Großgrundbesitz(über 166 Hektar) gehören. Dem Bedürfnis der benachbarten Gemeinde» nach Sied- lungsland ist im weitgebcndstzen Mäße Rechnung getragen und ausserdem die wirtschaftlichen Anforderungen jener Gegend bezüglich der Bodenverteilung nach Möglichkeit berücksichtigt worden. Der Lebensmittellsitndcl im Postscheckamt. Beim Postscheckamt besteht ein LcbenSmittelaw.llchuss, der M i l l i o n e n u ni s ä tz e wacht, Zucker. Zigarren, selbst Holz bandelt, aber eine sehr schlechte Buchführung haben soll, so dass die aus Reichsmittelu für diesen Handel gewährten Vorschüsse gefährdet zu sein scheinen. Da nach dem Betriebsräte- gesetz der Betriebsrat die Leitung der WoblfahrtSeinrich- tungen zu übernehmen hat, er sich aber weigert, die Verant- w o r t u u g für die verwickelten geschäftlichen Unternehmungen de? bisherigen Lebensmitickausschusses zu übernehmen, so hat er sich an den Minister gewandt, um eine Revision zu veranlassen. Mit dem Lebens mittelhandcl bei der Reichspoi't haben wir uns wiederholt beschäftigt und auf daS Bedenkliche hingewiesen, dass Laien Geschäfte so grossen Umsangez mit ReichSmitteln machen und sich der Gefahr aussetzen, in Schiebergeschäfte vex- wickelt zu werden. Wiederholt haben wir den Standpunkt ver- treten, dass die Beamten sich der Konsumgenossenschaft anschließen sollten, die bei den einzelnen Behörden, wenn es er- forderlich ist, Zweiggeschäfte einrichten kann. Es dürste recht zweckmässig sofft, die Beamtenschaft für die wirtschaftlichen, sozialen und ethischen Ziele der Konsumgenossenschaft leb- hafter durch geeignete Propaganda zu tnteressieren. �ur Aushebung der Zementwirtschaft. Ein« Besserung der Verhältnisse am Zementmarkt wird sich nach Aufhebung der Zwangswirtschaft so leicht nicht anbahnen. Es ist zu bedenken, daß der Bedarf nur nach und nach herauskommen wird, denn die zum Bauen erforder- lichcn Vorbereitungen nehmen einige Zeit rn Anspruch, ehe das Baumaterial angeforderi wird. Wie die ,T. B. Z." erfährt, fft damit zu rechnen, dass in diesen Tagen eine Preisermäßigung für Zement in Kraft treten wird. Die Zemenl-wcrke haben sich in den Verhandlung« mit der Regierung bereit erNnrt, ein'Opfer zu bringen und in eine z e b n- prozentige Preis s enkung einzuwilligen. Der H ö ch st- preis für Zement okne Verpackung beträgt beute 4061 M. für 10 000 Kilogramm Zement ab Beckum. Die Regierung be- steht auf einer fünszehnprozentigen Preisherabsetzung. Die Entscheidung über diese Frage dürste in aller Kürze fallen. Ter Torf als Hausbrandmittel. Von Ingenieur F. D a m r o w, Berlin-Schlachtensec. Durch den Krieg und die sich ergebende B r e n n st o f f- knappheit gelangt der Torf wieder zu Ansehen. Gewissenlose Wucherer und Schieber bemächtigen sich seiner, und es ge- langen vielfach Torfsorten auf den Markt, welche eher den Namen F c u e r I ö s ch m i t t e l verdienten, abgesehen von den für dieses schlechte Material geforderten hohen Preisen. Durch die neuerlichen, schweren Bedingungen, welche uns das Abkommen von Spa auferlegt, werden wir ohne Torf als Brennstoff speziell für Hausbrandzwecke bestimmt nicht auskommen, da die Kohle der Industrie reserviert bleiben mutz. Für den Privatmann, der Torf heizen will, enrpfiehlt es sich, nicht blindlings darauf loszukaufen, sondern, da es sehr v e r s ch i e- d e n e äDualitäien von Torf gibt, die selbst der Fachmann dem Aeutzeren nach nur schwr auf ihre Güte hin beurteilen kann, eine B r c n n p r o b e im kleinen, im Ofen bzw. Herd zu machen. Erst von diesem Ergebnis, dem man leicht einen Vergleich mit Pretz- kohle zugrunde legen kann, sollte inan den Ankauf größerer Men- gen Heiztorfs abhängig machen. Man verlaitge ausdrück�.h tmt- trockenen Maschinenpretztors, wodurch man die Gewähr hat, datz der Feuchtigkeitsgehalt 30 vom Hundert nicht überschreitet. Dieser Torf wird in festen Stücken, sogenannten Soden, in ungefährer Grötzc von Pretzkohlen gehandelt. Er ist deni Stech- torf, der leichter Feuchtigkeit aufnimmt, entschieden vorzuziehen. Der grotze Unterschied bei der Verwendung deS Heiztorfe? gegenüber der Pretzkohle liegt darin, datz der erstere bei seiner Ver- feuerung vor allem guten Zug und m ö g l i ch st 1l n t e r w i n d benötigt. Der Torf kann daher in den Herdfeuerungen ohne weiteres verwendet werden und brennt hier teilweise besser als die Pretzkohle. Be: Verfeuerung in den K a ch e l ö s e n ist der Einbau einer R o st e zu empfehlen. Diese Roste kann so angeord- net sein, daß sie jederzeit entweder herausziehbar odxr durch ein entsprechende? Eisenblech abzudecken ist, damit gegebenenfalls auch immer wieder Pretzkohle verfeuert werden kann. Der grotze Wert der Roste ist unverkennbar, da bei Vorhandensein derselben nicht nur Tors, sondern auch jeder andere Brennstoff, zum Beispiel auch Steinkohle und Koks verbrannt werden kann. Wie mancher wird nicht.geklagt haben, datz er in den vergangeneu Wintern in seinem Kachelofen nicht auch obiges Material verbrennen konnte. Eine derartige Uniänderung eines Kachelofkns läßt sich obne grotze Schwierigkeit bewerkstelligen und kann bei genügend großer Feue- rungstür sogar ohne Ausmauerung und Untersetzen einer Aschen- tür lediglich durch Ein schieben einer Roste in das vorhan- dene Feuerloch vorgenommen werden. Es wäre eine dankbare Aufgabe für die Industrie, solche Roste speziell zum Einsetzen für Berliner Kachelöfen als Massenartikel zum billigen Preise auf den Markt zu bringen. Ein gutziehender Kachelofen kann allerdings auch genau wie mit Pretzkohlen beheizt werden, indem derselbe angefeuert und das Feuerloch vollkommen mit Torf angefüllt wird. Nach einer An- Heizzeit von zirka 1 bis 1ZH Stunden, während welcher die Heiztür zwecks guter Luftzuführung einen kleinen Spalt geöffnet bleiben mutz, werden die Türen, sobald der ganze Torf in Glut ist, voll- kommen dicht verschlossen. Infolge seines vcrhälinismätzig großen Saucrstoffgehalts geht die Verbrennung des Torfes nunmehr wei- ter langsam vor sich und die Glut wird zirka 24 Stunden lang qe- halten. Mögen diese kurzen Winke jedem Haushaltungsvorstande ein Fingerzeig sein, auf welche Weise er seiner Familie im kom- menden Winter eine warme Stube schafft. Zentrale für TabaNieferungen. Die im August 1014 gegrün- dete Zentrale für Kriegslieserungen von Tabak- fabrikaten in Minden hat ungefähr 42 Millionen Mark Heber schüsse erzielt. Davon wurden im Jahre 1016 einmalig 6 Millionen Mark für Unterstützungen an erwerbslose Tabak- arbeiter in Form von Zuschüsse» an die Gemeinden gezählt. Zur Lage der deutschen Spirituvsrmndnstrie wird un« geschrieben: Die deutsche Spiriluosemabrikalion. die während der Kriegsjahre ein« derartige Einschränkung erfahren mutzte, datz sie als freier Handelszweig nicht mehr in Betracht kam, ist jetzt im Emporblühen begriffen. Trotzdem das Jahr 1010 für die Spritindustrie unter sehr ungünstigen Aussichten begann, gelang es doch, durch die zur Verteilung gelangten Heeresbestände, die Weinbrandproduktion zu ei weitern. Diese Bestände waren jedoch in kurzer Zeit verarbeitet, und die Monopolverwallung erklärte, nur noch 20 Proz. der er- forderlichen Spritmengen an die Industrie verteilen zu können. Nach dieier Erklärung sah sich der Großhandel gezwungen, seinen Bedarf an 75 Proz. aus dem Ausland zn beziehen. In- folge des seinerzeitigen Standes unserer Valuta setzte ein rapider Preisaufstieq ein. Die Nachtrage nach deutschen WeinbranMeriigiabrikaten auf dem Weltkandelsmarkt hatte zur Folge, daß der Export in kurzer Zeit den Stand des FriedensexportS erreichte. Besonders rrge war die Ausfuhr deutscher Fertigfabrikate nach Schweden, Norwegen und Dänemark. Da setzte im Mai diese« Jahre« der Preissturz ein. der mehr oder weniger alle Zweige der geiamten deutschen Jndustiie erfaßt. Der Export stockte und der Absatz im Jnlande lag ebenfalls still. Während beispielsweise die Textilindustrie eine Preissenkung von 200—300 Proz. aufzuweisen hat, beläust sich die in der Sprit- industrie auf 10 Proz. Ende des vorigen Monat« flaute der Preissturz ob und die Nachfrage vergrößerte sich zusehends, so datz der Stand des Umsatzes vor dem Preissturz bereit» überschritte» ist. Der deutsche Spritgrotzhandel ist jetzt auf dem Wege, die vor dem Kriege innegehabte Position auf dem Wellhuudelsmarkt zurück- zuerobern. Stillegung von Eisener, zgruien. Der GeorgS-Marien- Bergwerks« und Hüllenv�rein legt am 1. August seine Eisenerzgruben GotteSgabe und Morgenstern samt Nebenbetrieben bei Arlesberg lTbüringen) wegen Absatzstockung still. Die Be- legschasren, denen gekündigt ist, wollen bei der Staatsregierung und bei dem Landlag von Thüringen Schritte unternehmen, um die Schließung der Bergwerle zu verhindern. Genchtszeitung. Jetzt kommt ein preußischer Oberleutnant! Eine sehr merkwürdige Angeleiigenheil beschäftigt zurzeit in Form einer Beschwerde den OberstaaisaiNvalt beim Landgericht I und den Justizminister. Am 24. Februar d. I. befand sich'ver Wein- bändler Franz L i t f l n aus Charlottenburg in Gesellschaft de« Fabrikanten Neels und dessen Gattin in der Garderobe des«Palais !se vanse", als ein Herr auf ihn zutrat und in lautem Tone rief: „Sämtliche Juden den Hut abnehmen, jetzt kommt ein preußischer Oberleutnant.' Da Litfin nicht Jude ist. lachte er über das Benehmen des„Herrn Oberleutnants". Im nächsten Augenblick hatte ihn dieser an der Kehle gepackt und ihn über den Earderobentisch geworfen. Währeno her Angreifer auf L. «enschlug, schrie er dabei: Sie kommen hier nicht gesund raus. Ich ivürge Sie tot, wenn Sie Jude nicht den Hut abnehmen!" Ander« Leute riefen L. zu:„Nehmen Sie doch den Hut oh, wenn Sie ihre Augen und Kinnbacken ganz behalten wollen!" Die Schlägerei, bei welcher L. der Pelz zerrissen und der Schirm mutwillig zerbrochen wurde, wurde schließlich durch das Dazwischentreten des Begleiters des L. beendet. Als der sich als Oberleutnant ausgebende Rowdy merkte, daß Litfin auch von anderer Seite Hilfe erhielt, lief er schleunigst davon und der- suchte auf der Straße in einem Auto zu flüchten. Er wurde jedoch festgehalten und von einem Polizeikeamien als der seinerzeit im Hotel Esplanad« Wohnbaste Oberleutnant und Gutsbesitzer Wik- Helm Waltkinz festgestellt.("So haben wir uns einen preußischen Oberleutnant und ostclbischen Krautbaron schon immer vorgestellt.— D. Red.) Von dem Verlctzlen Ivurde bald nach dem Vorfall unter Beifügung eines ärztlichen Attestes Strafanzeige gegen den Herrn Gutsbesitzer tvegcu Belcioigung,.Körperverletzung und Sach- beschädigung erstattet. Merkwürdigerweise erfolgt: mehrere Monate nach Erstattung der Anzeige seitens der zuständigen Behörden nichts, es fand weder eine Vernebmung des Beschuldigten noch des Zeugen statt. Als sich der Rechtsvertreter nach etwa einem Vierteljahr an die StaaiSantvalischaft wandte, erfuhr er zu seinem Erstaunen, daß dort die Anzeige von der Polizei nicht eingereicht war. Wenn jemand den Herrn Oberleutnant schief anprschen hätte, träre er wahrscheinlich sofort verhaftet und als„Spartakist" ins Gefängnis geworfen worden. Ja, ja, Frau Juftitia ist wirklich blind. Nach weiteren vier Wochen, in denen wieder nichts geschah, erfuhr der Vertreter des L., datz die gesamten Akten mit der Anzeige angeblich auf dem Wege van einem Bezirksamt zn dem anderen verlorengegangen seien und man möchte eine Abschrift der Anzeige einreichen. Dies geschah. Da seitdem wieder einige Wochen ins Land geaanaen sine, obne datz etwas geschehen ist, hat nunmehr Rechtsanivalt Dr. Grotzmann unter Hinweis darauf, datz dieser«ttvas sehr eigenartige Sachverhalt unnötig Anlatz zu allerlei Vermutungen geben könnte, Beschwerde bei dem OberstaatS- antvalt erhoben, mit dem Ersuchen, die Akten auch dem Justiz- minister zu überniitteln, damit eine strenge Untersuchung eingeleitet wird.__ „Göttin, Time und Weib". Durch eine der jetzt üblichen Filmvorführungen im Gerichtssanle wurden die Verhandlungen vor der zweiten Ferienstcaskammer des Landgerichts I unterbrochen. Es handelte sich um den Else-Nootbaar. Film:„Göttin, Dirne, Weib", der wach Passieren der Zensur in Berlin, München, Magdeburg und anderen Städten u n b e- anstandet vorgeführt worden ist. nachdem die erste Vorführung seinerzeit vor einem geladenen Publikum, darunter die Vertreter der Presse, stattgesunden hatte. Der Film schildert den Traum eines Malers, der, hingerissen von dem Bilde einer von ihm vergötterten Frau, die er als Eva gemalt, in seinen Traumbildern«ine Reihe von Kulturbildern an sich vorüberziehen lätzt. Diese Szene» aus dein Altertum und der Zeit der Renaissance bebandeln in histo- r ischen Vorgängen das Thema, wie ein Weib den Mann bestrickt. Nachdem dieses„Liebesspiel durch vie Jahrtausende" loschen lang in anderen Städten gezeigt worden ist und nirgendwo eine Bcanstan- dung gefunden hatte, wurde oer Film im Dezember v. I. auf die Anzeige des Schriftstellers Dr. L e i ch hin plötzlich beschlagnahmt, und in weiterer Folge entstand eine Anklage gegen den Schöpfer des Films Ernst N o o t b a a r, dessen Ehefrau Elsa N o o i b a a r und den Operateur K r o h n wegen Verbreitung u n s i t t- l icher Bilder. Der Staatsanwalt dielt einige Szene» de? Films für a n st ö tz i g und beairtragtc Geldstrafen von 000 Mark, 300 Mark und 00 Mark.— Das Gericht kam mit den Verteidigern zu der lleberzengung, datz{'eins d er vorgeführten Bil- der unzüchtig und weder für sich allein, noch in ibrer Gesamtheit geeignet ist, das Scham- und Sittlichkeitsgefühl des nor- malen lO weh, Herr Staatsanwalt!) Menschen zn vcr- letzen. Die Angeklagten wurden daher freigesprochen und die Kosten der Staatskasse auferlegt. Es fragt sich nur noch, ob diese Belastung eines Gerichtshofes und des Staatssäckels wirklich nötig war?_ Mus aller Welt. holz als Nelchswehropfer. Wie er sich ausredet. Zur Verhinderung seiner Auslieferung nach Deutschland hat Max Hätz, wie die„Deutsche Journalpost" wissen will, ein Brich geschrieben, in dem er nach einer Schilderung seiner ärmlichen Kindheit erzählen soll, datz er auch versuchte, au der Dresdner Technischen Soehschule anzukommen und verdiente sich nebenbei als Vorführer in einem Kino wöchentlich 25 M. 1911 siedelte er nach Falkensiein i. V. über. 1013 trat er bei dem Husaren-Regiment Nr. 18 ein und rückte Oktober 1914 ins Feld, wo er an allen Fronten mitkämpfte. Vor dem Kriege und während des Kriege? habe er sich mit politische» Dingen nie besenders besaßt. Erst im weiteren Verlauf der Revolution bin ich durch Schriften von Marx und Engels, von Rosa Luxemburg u. a. sowie durch einen Kursus bei O t t o R ü h l e zu der wissenschaftlichen Erkennt- nis von der unbedingten Naturnotwendigkeit der großen sozialen Umwälzung gekommen. April 1919 war ich arbeitslos. Die Zahl der Arbeitslosen ist im Vogtland größer als sonstwo in Deutschland. Die bogtländische Spitzenindustrie bat durch den Krieg ihren Todesstoß erhalten. In Faltenstein mit 14 000 Einwohnern gab es 4000 Arbeitslose. Sie erhielter, eine wöchentliche Unterstützung von 39 M. pro Ehepaar. Ja den Arbeitslosenrat getvählt, waren wir bemüht, unsere Lage zu verbessern. Größere Dmonstration«!, fanden statt, bei denen die Arbeitslosen stets Ruhe und Besonnenheit wahrten. Und obwohl in Falkenstein nicht das geringste geschehen Ivar, so kam doch während weniger Monate dreimal Reichswehr, um angeblich Ruhe und Ordnung her- zustellen. Ich wurde steckbrieflich verfolgt weg-n„Landesfriedens. britch".(Da hatte er auch schon böchst üble Salben gemacht, die mit Politik schon gar nichts zu tun hatten. Red.) Da ich an- nehmen mutzte, daß ich mich ans die Dauer in Deutschland nicht halten konnte, gab ich einem nach Nußland fahrenden Kurier ein Schreiben o» die russischen Genossen mit wrfd bat sie um ein Asyl für mich und fünf meiner Genossen, die sich mit mir auf der Flucht besau den. Ein paar Wochen vor dem Kapp- Putsch empfing ich durch einen Kurier Nachricht, datz uns die Reise- rcr.tte vorgeschrieben sei und 250 906 Mark. Während wix bei den Vorbereitungeli zur Abreise lvaren, selten die Kämpf« in Berlin ein. Unter diesen veränderten Um- ständen hielt ich eS für meine Pflicht, nach Falkenstein zurückzu- kehren. Die Arbeiterschaft war aufs höchste erbittert, da die Reichswehr sich nicht scheute, auf ihre eigenen Volksgenossen zu schießen, nur weil eS die KaPchLüitwitzer so haben wollten. Di« Arbeiter im Ruhrrevier waren politisch und gewerkschaftlich gut organisiert. Für sie galt es. die ourch den Putsch geschaffene Situation zu benutzen und der kapitalistischen die proletarische Diktatur entgegenzusetzen, während im Vogtlande die ungeheure Wirtschaft!, ci� Notlage die Massen zu Aktionen trieb. Sie Hunger- ten und froren. Der Bürgermeister von Falkenstein lehnte in seiner grenzenlosen Engherzigkeit und Kurzsichtigkeit es ab. ihm für die Stadt aiyiebotene Lebensmittel zu kaufen... Aul An- fragen und Beschwerden über den plötzlichen Einmarsch der Trnvpen, welche die Stadtveriretungen von Plauen, Treuen und Falkenstein an die sächsische Regierung richteten, erklärte diese, fte hole de» Einmarsch nicht befohlen, sie wisse überhaupt von nichts. Das bestärkte die Arbeiterschaft nur noch mehr in der An- nähme, datz neben der eigentlichen Landesregierung noch eine Militärregierung bestehe und die Militärbefchlshaber ganz nach eigenem Ermesse» und Belieben schalteten und walteten. Uckber läuser erklärten, die Offiziere ibrer Truppe hätten wieserholt geäußert, wenn im Vogt- lande die„Ruhe" wiederhergestellt sei, würde Dentsch-Vöhmen v»n der Reichswehr beseht.(Damit will Hölz natürlich ganz besonders auf die Prager Regierung wirken! Red.) Hölz schildert dann eingehend die gegen den Bürger- meister von Falkenstein gerichtete Massenstimmung, die schließlich dazu geführt babe, datz die Fabrikanten und Klipitalisten Falken- steinS sich angesichts der Unfähigkeit des Bürgermeisters zur selb- ständigen Beschaffung von Lebensmitteln auf Hölz' Ansuchen bin bereit erklärt hätten, der Stadt einen Kredit von einer Million zu gewähren.„Ter Bürgermeister aber halt« cs vorgezogen, mit den Reichswebtruppen die Stadt zu verlassen. Wir wollten alles tun, Was menschenmöglich war um der antzerordenflich großen Not zu steuern. Wir fanden auch die freiwillig« Unterstützung-nn- ger Fabrikanten und Kapitalisten. Ich hatte schwere» Stand meinen proletarischen Genossen gegenüber. Denn wie bei allen größeren Massenbewegungen versuchien auch hier vereinzelte E l c m e n. c in, Trübe» zu fischen. Hier galt so, rücksichtslos einzugreifen." Selbst bürgerliche Zeitungen wie die„Leipz. N. Nackr." mutzte» zugeben, datz in unseren Reiben Disziplin herrschte. Nur einmi,!)ei ein Fall von Plünderung unter seinen Leuten iorgekommen, und es. stehe doch fest, datz die Reichslvebr in Halle, München usw. sehr rstrl geplündert habe. ..Als dann die Nachricht von dem Vorrücken der Truppen eintraf, stieg die Empörrmg der cniSMhvngorteu Masse ins Uferlose. Um ein Ailtv ergießen zu vermeiden, wurde beschlossen, mit de« benwif- neten Arbeitern der Reichslvebr«tiszuweichcn. Bei unserem Abmarsch aus Falkenstein sollen angeblich dort fünf Villen in Brand gesteckt worden sein. Trvp der in den Zeitungen gegen meine Person in Szcne gesetzten Hetze habe ich«euch heule noch das Bewußtsein, in alle» Dingen meine menschliche und prole- ta tische Pflicht getan zu haben. Hätte in Deutschland nicht die Reichswehr, sondern dir Rcichsrrgiernng tatsächlich die Gewalt in Händen, dann hätte n sich die Dinge unmöglich in dieser Weise enilrvickeln können. Wahrend unseres Ans- enthalts in Falkenstein besuchte uns im Schloß eine Kommission der Entente. Dabei lvaren Vertreier des„Manchester Guartnan" sowie der„Associated Preß". Sie überzeugten sich, datz in Falken» stein Ruhe und Ordnung herrscht«. Als wir ihnen unfer« Abnei- gung und unser c Matznabmeri gegen die Reichswehr erklärten, sagten sie wörtlich:„Die Reichswehr bildet nicht mir eine Gefahr für Deutschlanv, sondern f ü r ganz Europa!" Für Beschlagrnchme von Autos, Fahrrädern nnd Waffen seien rechtsgültige RequisiftvnsKhcine ausgestellt, die auch eingelöst>vor- den wären, wenn nicht die Reichswehr die Rote Armee zur Aus- lösung gezwungen hätte. Von der niederträchtigen und sinnlosen Zerstörung eines ganzen ZeitungsbetrirbeS in Planen, der„Neuen Vogtländischen Zeitung", erwähnt Hölz nichts Hölz schließt seine Darlegungen mit der Bitte, ihn nicht miszuliefcr». .. Unier den in Teutschland herrschenden Zuständen hat weder die Reichs- noch die Landesregierung die Macht, mich vor der Reichs- wehr zu schützen. Bei einer evtl. Auslieferung stände mir das- selbe Schicksal bevor wie Karl Liebknecht, Rosa Luxemburg, Je- gsches, Leutnant Dorenbach. Schmidt lRürnberg) und vieler hun- dert anderer, die angeblich bei„Fluchtversuchen" erschossen wurden. Die Mörder laufen noch heute in Deutschland frei herum. Ich bin bereit, mit meiner ganzen Person, wenn es sein mutz, auch mit meinem Leben für meine Ueberzeugung und meine Taten einzu- stehen, im offenen Kampf oder vor ordentlichen Richtern. Die Reickowehr aber würde mich wie einen Hund um die Ecke bringen nach ihren traurig bewährten Mustern und die Reichsregierung ljar nicht die Macht und die Mittel, eS zu verhindern." Die Verteidigung Hölz' für den Fall seiner Auslieferung hat Rechtsanwalt H e g e w i s ch- Celle übernommen. Natürlich ist diese Darstellung höchst ei ns.it ig, aber sie ist nicht ganz unintercffani. Amsterdam— HamburR in 2% Stunden. Flugzeug D 74 de? „Europa-Nord-West-Fluges" legte am 4. August mit Kahlow am Steuer und einem Fluggast die Strecke Amsterdam-Hai» bürg in 2% Stunden zurück. Paris erhält Zepprlinbesuch. Das ehemalige deuische Zeppe- linlufischiff„L 72", das sich zurzeit noch i» Maubeuge befindet, soll in den nächsten Tagen in den Hangar von Euer? in der Näb: von Toukon übergeführt werden. Die Fahrt nach seiner neuen Station, die am 10. August stattfinden wird, soll den Pariser» Gelegenheit geben, das Luflschiff über der Hauptstadt manöverieren zu sehen. BekämpfunR des Duells in Frankreich. Nach einem Antrag in der französische» Kammer sollen fortan für Vergehen gegen die Ehre Ehrengerichte verpflichtend sein. Wer sich diesen entzieht, wird mit Gefängnis von einem Monat bis zu einem Jahr und 100 bis 1000 Franks, wer seinen Gegner im Duell verletzt, mit Gesänguls von drei Monaten bis zn einem Jahr und 200 bis 2000 Francs, und wer seinen Gegner tötet, mit Gefängnis von einem bis zu fünf Jahren und 1000 bis 10 000 Francs bestraft«erden. Für die Sekundanten und Herausforderer sind gleichfalls Strafen vorgesehen. Attentat in Spa»ien. Ans den ehemaligen Zivilgouverneur von Barcelona, Laporte, wurde, a!o er abends»on einer Spazierfahrt heimkehrte, in einem Voi ort? von Valencia ge- schössen. Der Gouverneur und seine Gemahlin wurden schwer verletzt, seine Schwägerin wurde getötet.— Vermutlich handelt es sich um einen Racheakt für Unterdrückung von Auf- ständen. kiaderfrape beim Essen: Mnill, wie sieht dnu ein fai'cher Hase aus? Sport. Der Große Preis von Europa, das erste internationale Dauer- rennen nach dem Kriege in Deutschland, kommt am Sonntag auf der Olympiabahn zum Austrag. ES starten Weltmeister Piet Dickentmann, der Sieger des Großen Preises von Berlin Willi Appelhans, der Rekordmann Paul Thomas, der holländische Meister. fahrer Charles Blekeniolen und der von Sieg zn Sieg eilende Walter Smvall. Das Rennen führt über eine Stunde. Außer im Großen Preis von Europa treffen die fünf Genannten im R o b l- Erinnerungspreis über 20 Kilometer zusammen. Ner- sprechen die Dauerrennen schon großen Sport, so gilt dasselbe von den Fliegerrennen. Die Rennen beginnen diesmal schon um 3% Uhr. münfoand. DUJAPDIN�C* Q.mb.H. Ü0DIN6EN LAPOCtlELLE tcowAc-chmNU MAarm Die Freude des Ouaiitätsrauchers ist die wwmmmm,*** net,e M'''Wmmm nw«® denen der»orrneg«. >fi'"" 011-rient-lsichen KMW�M��MW Tada»«, welche««schließlich mmmmmmmmB.»«r Verweadvng komme«. WMWMWA««ben de« Ilatwti.Zigarretten WmMMf0m£m WmmmMwm»"»«» W"«"«»«d de« belieben reinen «.sch«--. � ihren-»rb-ld-ich KKUM�M laostlerische« Packung«« stellen fi« ei« deutsche« OuslitSt«. Rapfen f Mofa'k| Diva I Ne/fafnop Mi m as* i 304 i 404 f so�'m, Sblzmann „Grossen irfoig. .«rziel. Anzeig. VnrmSH? Wer daher etwas, jeder Art im lUrWailS kaufen od. rer-, , kaufen, wer Orimdstücke, LSden oder� ' k Geschiiftsräume pachten oder»er- „ pachten, mieten od. vermieten wül� L inseriere i�Voraärls, Jeder Versuch, lohnt! Gegründet 1890 Lampions Berlinds, Riesen» Auswahl billig! Stockloternen— Lichte data Sommer-u.Volksicstanik., Mutten. Schert-u.Verlosungsart.�pielwar. Feuerwerk~oa�: Land u. Wasser. Iteiigtal- tVner Wiederverkäufer billigste Preise. Lagerbesuch sehr lohnend! Versand nach auswgrts sofort! Seherzartik.-Fabrik A.Maas&Co. Llndenstr. Gr illustr Liste f. An die Arbeit muß das deutsche Volk. Alle! 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Vorbedingungen i Befähigung zum Richteramt oder höherem Verwaltungsdienst und praktische Bewährung in der Kommunalverwaltung. < Besoldung erfolgt nach Gruppe A 12 des staatlichen ( Beamten-Diensteinkommengesetzes vom 8. Mai 1020, Anstellungen nach den Beiimmungen der Städteordnung vom 30. Mai 1853 und Kommunalbeamten- ges'etz vom 30. Juli 1890 auf 12 Jahre. Anrechnung auswärtiger Dienstjahre nach Vereinbarung. Annahme von Nebenämtern bedarf der ausdrücklichen Genehmigung der Anstellungsbehörde. Umzugskosten werden in Höhe der baren Auslagen bis zur Höhe der Sätze litt Staatsbeamte gleichen Ranges erstattet. Bewerber wollen Meldungen mit Lebenslauf und Zeugnissen unter Angabe der Referenzen baldigst, spätestens bis zum 15. August 1920 an den Linter- zeichneten einreichen. Persönlich« Vorstellung nur auf besondere Einladung. 8520 Brandenburg, den 4. August 1920. Der Stadtverordneten-Vorsfeher. ffMMMMM WM WW>W»»MMMW Werkmeister für Schleifsteinlabrik in Schweden kam Stellung bekommen. Antwort mit An- • abe der früheren Beschäftigung, Alter, Lohnforderung, Refe enzen usw. unter„Slips- Kivor" Svenska Telegram- bvrans Annonsavdelning, Stockholm, Schweden f v b Laufbursche«, ehrlich, flink und znvtrlässig. stellt forret ein 86t!} <5. Lewiu-Jnvalidr« t 51 MWeiM.. unter 20 Sutite, m. put. üanb frstr, f Bau tn Briq saf. gel. Tartlm. Gehalt. Schrittl. Ol?. C. 724 Gerstmanns Ann..B>ireau,Zer. Im W. 9. 21/8 fg|aurep und Putzer stellt ein Otto Grote, Baugeschäft, Halle a* S. Albrechtstraße 28. Theater Folies Capriee Friedrich-, Ecke Linienstr. ?>/, Uhr: Flimmer- Kiärchen Musikaliseher Schwank. Potsdamer Str. 38 Turmstr. 12 in dem glänz. Lustspiel: Vis Trau im BoUiorhni| Friedenau, Rheinstr. 14 8 OieSanriitenUsnierES Soinnierlti.GHOSS-BERLI!i (Kliem) llasenhelde 15. Tgl. 8 Uhr— Sensation— Noyemberstürm 3 Akte von Haliupp, Verf. v.„Interrationale". Wm 3. August verstarb der Stellmacher ?sll! 8temM Beerdigung Sonnabend, den 7. August, nachmittags 2>/z Uhr, von der Leichenhalle des Georgrnstrchhofes am stönigstor. 120 3a Von der Rei-e zurück Dr. Erich Wossidio <-acharzt, Nieren-, Blasen-, Harnleiden. Am Karlsbad 1 a. Dr. med. Grötering Haut-, Harn-, Unterleibsleid h.Männ.u. Frauen, Blutunters. InvalidenstraCe 35, Ecke Chaussecstr., Stett Bhf. Spr. Wocbentagli cb 11-1, V-.»5-1;27 Spesiäfarzt Dr. Haink Leipz.Str.I03, a.d.Friedrichstr. 10-1, 3—6, Sonnt. II— I. Haut- u. Harnleiden jeder Art, Blutuntersuch� Salvarsan- kuren. Beste Medikamente. Schmerz), erprobte BehandL o. Berufsstör. Mäßiges Honorar, fast wieder Friedenspreis. Spezialarzt Zigarren Sulste noch einige Bauet. obnclimct für gigarten(feine Mgarillas) in der Preislage 420 bis 1150 pro Mille. V» ui.b 1 v,, versteuert. Probe. Paket 900 Stück sortiert. j- «0 stleinverkauf 100 Stck. 42.— 70. 100„ 54.— 80, 100, 60.— 90» 100, 65.— L—, 100, 72.— 1.20, 100, 90.- 1,50„ 100„ 105.— 1.80, 100, 130.— 2.—„ 100. 145.— Rachnahmevaket 900„ 1 783.— Iis A. ZWer. VMZS.KoSiWM Ig. Dskettioeken, 1v« Pfund» Paket franko und inklusive Nachnahme 2b ISt. n. Dirth, Apotheker. Drogerie, Jtlcöerorfchef. riheaSpiSchi�i�� GraafgO«rang ESie goldene Krone f. Hbest PoriBsFllffl äerSerls 1920 21 n. ö. glaichn. Roman«. Olga Wohibrück; Hauptdarsteller: k Henny Porken 1 Hartmann ✓ Thimig/ Vallenlin Regie: Alfred Halm Leo Peuk ert im B. B.- Schwank Der Liebessehiller Figaros Hochzeil Terra.Alonnmentalfllm mit Hella IM o j a Vera Schwarz, Jlka GrUning, Moissl, Tieischer, v. Winterstofn, Grätx Regie; Max Mack Verfasser: Han« Brennert Der Sprung Ins Dunkle Schauspiel in 5 Akten mit Stella Hart Regie: E. Reicher DoktorKlauss B. B. Lustspiel nach Adolf L'Arronge mit Konrad Dreher Theater a.Kotlbus.Tor Tel.: Moritzplatz 14814. Taglicb 7V2 Uhr: Elite-Sänger. Vollständig neues Programm. Hlüthgen-konzert, Beginn 7 Uhr. Vorvk. 11-1'/,. 4-6 U. Junge Eheleute' erhalten Prospekt überMutterschutz unentgeltlich. Fran Emma Fischer, Berlin-Wll- meridorf 139, Kaiierallee 169 DoktorKlauss ß. B. Lustepiel nach Adolf L'Arronge mit Konrad Dreher Maria Tudor Schauspiel in 5 Akten mit Ellen Bichier Regie: Adolf Gärtner OreiGFrc-iifidnFeliiBascIi im ßchansplel Menschen von heute Der KUnstler B. B. Lustspiel mit Arnold Rleck Die letzte Gala-Vorstellung des Zirkus Wolffson Trlanon-Theater. Bahnhof FrledrichstraBe. Allabendlich 8 Uhr: Untreu Komödie von Roberto Bracco Sonntagt: Der Störenfried Rose-Theater. 7% Uhr: Ein Waizertranm. Casino-Theater uofhringer Straße 37. Wiedereröffnnngf Freitag, 13. August,'I,» Uhr, mit dem neuen Volksstück: Knorp's sei. Witwe. Vorveik. ab Montag, Q.Aug. Ans1;: Konzert u.Spezialit. diloBbrauerel chonebergi: Hauptstr. 121/32. Dir.: E. Krämer. Fernsprecher; Stephan 1691. Heute Freitag, 5. Aug., ringen: Die am Dienstagweg.ungünst. Witterung ausgefallenen Sgr. Entsekidußgsksmpls; DeSouza gegen Hawlitsehek May gegen Landau. Pinetzki Admlrais-Palast 7'/, Uhr: Die lustige Puppe» wochentags ab7 ÖonntansJ Beginn 4 Winter- Garten Täglich 7.15 Ihr: Variete-Spielplan Rauchen gestattet! Staatl. Schauspielhaus. (Operetten-Gastspiel) tÄ?1' Die Slfohwiiwe. Musik von Leo Blech. 'Großes Sehauspieltiaus. 7; Julius Cäsar(34.Abt.,5.Ab.) So. V'2' Lysistrafa(1. A, 5. A.) Deatsches Theater. Preise; 1,— bis 30,— M. s uhr: Weibsteufel. Kammerspiele. Preise: 6,— bis 26,— M. s uhr: Die Notbrücke Kleines Sehauspieltiaus. Fasanenstr. 1(Nähe Bhf. Zoo). Preise; 4,— bis 25,— M. s uhr: Büchse derPaiulora. Theater des Westens Preise: 6,— bis 40,— M. Hans Waßmann: s uhr: Der etm Leutnant Schiller-Theater. Preise: 1.50 bis 10,— M. Gisela Werbezirk: « u.. Rabenvater Theater i» d» KüniggrützerStraße VaS Uhr: Geständnis. Komüdienhaus 8 Uhr: Petz.Kaiuer.Ballett. Berliner Theater >/z8 Uhr: Der letzte Walzer Vtentral-Theater Biesepsciiwuntt.Pauline. Witt Tribüne s uhr: Bunbury. Frledr.-WIlhelmst.Th. s uhr: Marzipan. Kleine«« Theater. 7v,uhr: Elise Lensing Komtsehe Oper un'r; Die Frau im takeln. läUKtMpielkaaM u'hV Der ungetreue Eckelsarl IKetropol-Theater. u!': Im weißen Röss'l Neues Ceulral>Theater u.? Die Dame im Frack. �eae« Operettenhawo 7i/s uhr: Prinzessin Frisiii. Vene» Volkntheater uhr: Die 3 Zwillinge TbaHa-Tlienter 7'/. u,. HoDeit öle Tänzerin. Th.nm XolleudoefjplatK u.; Eine Daciit im Paradies Walhalla-Theater. u-: Kasernenluft. Residenz-Theater. Stadtbahn Jannowitzbrücke. Allabendlich 8 Uhr: Der große Erfolg! Die Raschhoffs Sonntag 4:»er gute Ruf. Volksbühne Theater am Bülowplatz. 7VaUhr:DerKiihreigen Lessing-Theater. üioniniertipiolKrit Allabendlich 8 Uhr: wUm � D.Glas dJungfraa Sommerpreise 1,80 bis 25 M. Deutsches Künstler-Theater Allabendlich 8 Uhr: Clubleute mit Max Adalbert. Circus Busch' Gebäude. Täglich 7vo Uhr: Gr. Spezialität.-Vorsl. ? Perlas? I?1/, Theater r/« I [ Direkt. James Klein, j Nach Jahren wieder in Berlin! 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D ie Flaggcnsrage ist GcIcnstaild einrs Noten- Wechsels zwischen der französischen Botschaft und der deutschen Regierung. Die letztere hofft, laut 2?. T. B., Mittel und Wege zu finden, die aus der Flaggenangelcgcnhcit entstandene Spannung im Sinuc der Böltcrbundsakte �Schiedsgericht? Red.) zu erledigen. Sieülungshemmungen? Unberechtigte Angriffe auf das Landwirtschaftsministerium Herr Reinhold Werlher, Lüneburg, bemängelt in der„Deutschen Tagesztg."(9Jr. 371 vom 4. August d. Js,) die ungenügende Abgabe von Siedlerstellen aus der Domäne Kvnigshorst bei Wustrow und unterstellt dem Landwirischaftsministerium, eS wirke siedlungs- hemmend. Dazu wird den P. P. N. von zuständiger Stelle mitgeteilt: Die Ausführungen des Herrn Wertöer beruhen auf irrigen Voraussetzungen. Die Domäne KönigShorst mit dem Vorwerk Bannfick ist bis zum 1. Juli 1921 an die R e i ck s r e m o n t e- Verwaltung verpachtet. Demgemäß kann daS Preußische Land- Wirtschaftsministerium bis zu diesem Termin über die Domäne überhaupt nicht verfügen. Die Gemeinde Wustrow hat aber die von ihr beanspruchten ILO Morgen Land bereits vor längerer Zeit erhalten. Außerdem wird beabsichtigt, nach Ablauf der Pacht im ganzen rund IZOO Morgen vom Gelände der Domäne an die landbcdürftigen Einwohner der anliegenden Gemeinden zu Siedlnngsz wecken abzugeben. Aus den vom Preußischen Landwirtschaftsministcr über d'e Ver- Wendung der Domäne KönigShort getroffenen und weiterhin bc- absichtigten Entscheidungen kann also bei objektiver Beurteilung nur das eine gefolgert werden, daß dabei dem Bedürfnis der be- uachbarten Gemeinden nach Siedlungsland imweite st gehenden Maße Rechnung getragen wird. Senkung öer viehpreise. Nach Rürktrittsdrohuug des Ministers Hermes. Der 6. Ausschuß des Reichstags verhandelte am Donnerstag nachmittag über die F l e i s ch b e w i r t s ch a f t u n g. Es lag ein RegierungSantrag vor, die Viehpreise herab- zusetzen, um die mit großer Heftigkeit gestritten wurde. Nachdem Minister Hermes gedroht hatte, er werde von seinem Amt zurücktreten, wenn der Antrag abgelehnt würde, da er die hohen Bichpreise nicht mehr verantworten könne, entsprach der Ausschuß mit IS gegen 13 Stimmen der Vorlage. Für den Antrag stimmten die 7 Ausschußmitglieder der Sozialdemokratie, die 6 Un« abhängigen, und vom Zentrum 3 Kommissionsmitglieder, die im Industriegebiet gewählt sind. Die übrigen Zentrums- leute und die anderen Parteien stimmten gegen die Preissenkung. Das Pfund Fleisch soll nach den angestellten Berechnungen um 1,2O M. billiger werden. Die Viehpreise für Lebendgewicht sind antraggemäß um 40 M. herabgesetzt. Das große Mitleiü. Mit Erstaunen werden wir erst heute gewahr, wie groß das Mitleid ist, mit dem die Alldeutschen uns Sozialdemokraten bedenken. Wir lassen uns bekanntlich durch die schönsten Spitzel- und Schauergeschichten über Bolschewismus und Rote Armeen nnbt aus dem Gleichgewicht bringen, und diese unsere Seelenruhe ist nun den Herren von der.Täglichen Rundschau" dermaßen unbegreiflich, daß sie es für an der Zeit halten, mit tvarnend erhobenem Ober- lehrerfinger uns darauf hinzuweisen, welch schreckliches Los uns blüht, wenn die Bolschewisten einmal von Rußland über Teutschland fluten werden. In der großen Sorge um unser Wohl- befinden geht das alldeutsche Blatt sogar so weit, wenigstens den meisten der lozialdcmokratiichen Führer zuzubilligen, daß sie von dem Nutzen ihrer Grundsätze für die Arbeiter überzeugt seien und hofften, durch deren Anwendung die Lage des Arbeiters zu heben. fchen periodischen System. Ja auch das Speltrum, die spezifische Wärme und die elektrischen Slonstanten werden aus der Zahl und Art der Elektronsnringe überzeugend hergeleitet. Wenn beifpiels- weise die Nachricht kommt, daß wiederum ein bis dabin als Element angesehener Stoff, der Stickstoff, durch Rutherford in Helium und Wasserstoff zerlegt worden ist, so vermag auch das die Theorie nicht mehr zu erschüttern. Während der praktische Chemiker nach wie vor mit seinen rund 109 chemischen Elementen operiert, hat der Ver- treler der theoretischen Physik alle diese Elemente bereits weiter aufgelöst und entsprechend der dualistischen Wellanschanung auf Slomvinationen vosiliver und negativer Elektrizitätsmengen zurück- geführt. Die allgemeine Entwicklung geht dahin, nicht mehr die ElektrizitäiSlehre als eine Zweigwissenschaft der Physik zu betrachten, sondern Physik und Chemie als Unterabteilungen der Elektrizitäts- lehre.___ Ein staatliche Schauspielschule. Tie in London gegründete Akademie für dramatische Kunst hat die staatliche Anerkennung und Unterstützung erhalten, und so wird zum erstenmal in England die Kunst der Bühne vom Staat der Musik und den bildenden Künsten gleichgestellt. Merkwürdigerweise ist ja bisher überhaupt der Unterricht in der Schauspielerkunst vom Staa-t gegenüber der Aus- biiidung in Musik und bildender Kunst überall vernachlässigt worden. Auch bei uns stehen den Hochschulen für Musik und bildende Künste keine äbnlickscii Anstalten für Schauspielkunst zur Seite. In Eng- land aber hat der Niedergang der schauspielerischen Technik den Fachmännern zu ernsten Bedenken Anlaß gegeben, und die Grün- dung dieser staatlichen Schauspielschule erfolgte zu dem Zwecke, die Aufmerksamkeit aus die sehr wichtigen lernbaren Grundlagen der Bühnenkunst, auf Deklamation, Mimik, Ausbildung des Körpers usw. hinzulenken und ihre Bedeutung mehr als bisher zu betonen.__ Delitzsch' Rücktritt. Pros Friedrich Delitzsch, j>cr bekannte Asi'hro- löge, tritt am l, Lktober von icmcr Projes'ur für orientalilchc Philologie ort der Berliner Universität zurück Pros. Dciitzich, der im 70. Aabre sieht. ist auch über die gelehrten Kreise hinaus durch seine populären Bücher über Bibel und Babnlon bekannt geworden. Er bat darin die Abhängig- kcit der jüdischen Religion und Kultur von der altbabuloililchen schlagend nachgewiesen. Vor kurzem bat er die historische Glaubwürdigkeit der Bibel vernichtend kritisiert, nicht ohne seinen Ergebnissen eine antisemitische Spitze zu geben. Eine staatliche Ntodcschule. Die staatlichen Kunstgewerbeschulen und Akademien haben sich bisher mit der Ausbildung von Künstlern und Handwerkern sür einen der wichtigsten Teile des Kunstgewerbes im pralti- schen Leben, sür die Modeindustrie, nicht oder kaum beschästigt. Endlich ist auch sür dicies wichtige Gebiet eine staatliche Lehrstelle geschaffen worden, und zwar an der Itnt«richtsansinlt des Kunstgewerbemm'eums in Berlin. Die Leitung dieser neuen Modeschulc wurde Otto Haas-Heyc übertrage». Nach einem vorbereiienden Probescmester beginnem im kommenden Winter- semefter die regelmäßigen Kurse. Tie Auinabiiic» in die Meisterschulen für musikalische Kam- Position sür das Winterhalbjahr 1920/21 finden bei den Profetsoren Dr. Humdcrdinck Dr. Georg Schumann und Dr. Hans Pfitzner tztnsang Oktober d. Js. statt. Annieldungcn für den Besuch der akademischen H u di f ch u 1 e sür Musik in Eharlottcnbnrg sDireltor Profeffor Hans Schrcker) haben, christlich bis spätestens zum 24. September d. Js. an das Bureau der Hochschule. Fasanenstr. 1 in Charlottenburg, zu erfolgen. Die Aufiiohmcbedingungcn sind aus den Satzungen ersichtlich. Aller gerade weil wir nach seiner Meinung so ehrliche und gute Menschen sind, dürfen wir uns um keinen Preis den Ge- fahren aussetzen, die gerade besonders uns Sozialdemokraten weniger vom Bolschewismus als von den Bolschewisten drohen. Wörtlich heißt es in der„Tgl. Rdsch.": Aus dem Grunde, weil die Sowjetreqierung da. wo ihre harte Hand noch nickt zugefaßt hat, diese Maske weiter trägt, mögen die Führer der Sozialdemokratie noch immer eine gewisse Scheu haben, an das wirkliche Wden des Bolschewismus zu glauben. Und doch haben die Führer der Sozial- dc:nokratic am meisten das Heranfliiten der Welle aus dem Osten zu fürchten, denn wenn der Bolschewismus seine Herrschaft im mittleren und westlichen Europa auirichteu sollte, dann wird er gerade die Führer der Sozialdemokratie am schonungslosesten aus- rotten. Auch in Rußland haben die Führer der Sozia- listen st e r b e n müsse», als die Bolschewisten an die Macht kamen, denn gerade zu Beginn ihrer Herrschaft fürchtete die Soivjctregierung noch die sozialistischen Führer, weil sie Anhang unter den Massen halten. Man sieht, es ist das pure Mitleid, daß die alldeutschen Ge- lehrten um unser Wohlbefinden hegen, und deswegen beschwören sie uns doppelt und dreifach, doch ja recht viel Angst vor den Bolschewisten zu haben. Da wir ober nun mal abgebrühte Sünder sind, können wir von dem Mitleid keinen Gebrauch machen. Die Weltgeschichte ist ein eigen Ding. Sie geht ihren Gang, und läßt sich auch durck die schönsten Räubermärchen nicht auf die Dauer beirren, selbst wenn sie in der„Täglichen Rundschau" stehen. Nemesis. Tic„Tcutsche Volkspartei" als Knechtsseele und Hund. In der„Deutschen Zeitung" tobt sich ein teutschgezeugter Barde u. a. in folgenden Versen aus: Doch nicht genugl Was uns in Ketten schlug, Der Schreiberseelen marklos kläglich Tun Hat keine Scham und tut sich nie genug, Kuechtseligkeit läßt diese Zunft nie ruh'n! Sie gch'n nach Spa und künden vorher laut, „Daß nichts Untragbares sie zeichnen wollen." So geben Hunde, schlecht dressierte, Laut Und kuschen dann vor fremden Schnapphahns Grollen.. Das richtet sich natürlich mit in erster Linie gegen die in der Regierung sitzende„Deutsche Volkspartei". Niemand wird sie des- wegen bedauern, erhält sie doch nur dieselben„Spülklosetts" über ihren Kopf entleert, deren Inhalt sie nach Versailles so tapfer gegen die damalige Regierung zu handhaben verstand. Polens Zoe auch Europas Schicksal? Wenn man sick in Frankreich klar ist, daß Frankreich nur zusammen mit Deutschland und Europa wieder gesunden kann, so könnte in Paris gar nicht der Gedanke auftauchen, Polen- Hilfstruppen und-Kriegszeug zwangsweise oder gar auf Schleichwegen durch Deutschland schicken zu wollen. Denn nichts liegt naher, als daß dann Sowjetrußland die k>om Westen gebrochene Neutralität auch nicht mehr achtete. Die Folge wäre— die Front in Deutschland, fein und Mittel- curopas völliger Ruin. Nachdem nun B o n a r Law im englischen Unter- Hause das polnische Abenteuer auf das schärfste verurteilt und Polen für die Folgen allein haftbar gemacht bat, mag auch die Meldung richtig fein, daß das Ausbleiben französischer Hilfe auf den Mangel der e>n g l i f ch e n Z u st i m m n n g zurückzuführen fei. Plan tut darum viel- leicht gut, all die Alarmmcldungen über die Organisation eines französischen Truppentransports durch das repichlika- nische Deutschland, über bevorstehende Durchzüge Ober- schlesien— Galizicn, über daS Bereithalten französtfcher Eisen- bahner für den Weigerungsfall der deutschen, mit einiger Vorsicht und Kühle aufzunehmen. Denken wir an die Geisteshiße vor sechs Jahren, die der Welt so gräßliches eingebrockt hat! Tie Hetzprssse natürlich treibt ihr schmutziges Geschäft mit Lügen über ein d e ut s ch- r u s s i s ch e s Zusammen- wirken. So behauptet die„Times" von einem deutsch-russischen Ge- hcimvertrag gehört zu illaben, der vor der polnischen Offensiv« in Voraussicht eines bolschewistischen Angriffs gegen Palen abgc, Ichlossen worden sei. Folgendes seien die Hauptzbestimmnngen: 1. Es wird Rußland erlaubt(!)' sich ohne jede Jntervcn- tion Teutschlands aller Waisen, der Munition, des rollenden Materials und der Vorräte Polens zu bemächtigen, und 2. nach der Eroberung Polens durch Rußland eine gewisse Zahl roter Kommissare zur Kontrolle der Ausfuhr polnischer Vor- rate jeder Art nach Polen zu enffendcn. Rußland werde sodann Polen vollständig räumen zugunsten Teutschlands(!). Tic Deutschen wurden Polen als G a r a n- tic für die späteren Kredite Rußlande und für den Austausch deutscher Fabrikate besetzen. All das ist elende Lüge. Lloyd George hat, zur Enttäuschung der ftanzösischen Polenretter, K rassin, Kamenew und Miljntin empfangen, allerdings nur, um ihnen d?n Text wegen des un- verdrossenen Vormarsches der Russen zu lesen und ihnen zu sagen, daß es keine Londoner Konferenz gibt, wenn die Russen allein und sofort mit den Polen Frieden inachen wollen; aber diese Absicht beweist ja schon, daß die Russen gar keinen Wert auf eine Londoner Friedenskonferenz legen. Die Entente- Missionen in Warschau sollen vor ihrer Abreise, die Havas meldet, noch nach Hanse berichtet haben, daß ohne starke Hilfe Polen noch in dieser Woche kapitulieren müsse. Warschau drahtet nun, daß die?lbrcise— auf Ersuchen der polnischen Regierung zum Zweck der Berichterstattung über die Lage er- folgt sei! Inzwischen geht das Verhängnis seinen Lauf. Tic Russen gelangen fast widerstandslos bis vor Warschau, und nach Kopenhagens„Politiken" soll ihr Waffenstillstandsangehot lauten, daß die Entwaffnung der polnischen Heere durch die Ar- bciterorganisationen und durch Sowjets kontrolliert werde und Polen während der Verhandlungen keine Munition er- halten dürfe. Aus Karlsruhe wird uns gedrahtet, daß sich auf dem Rangicrbahnhof eine große Anzahl Waggon? mit Kriegsgut und Munition befinden, deren Abtransport nach Polen von dem Eisenbahnversonal verweigert wurde. Ebenso geht es mit großen Transporten nach Ungarn und selbst nach der Tschechoslowakei. Auf Anfrage unserer Parteigenossen in Halle bat übrigens der tschechische sozialdemokratische Parteivorsitzende Genosse Anton N j e m e c z-Prag jede Kriegs- hilse seines Landes für Polen als ausgeschlossen erklärt, was um so glaichhaftcr ist, als beide Staaten wegen T e s ch x n so gut wie nn Krieg miteinander sind und die Zuteilung Teschens an Polen die Tschechoslowakei einschließlich ihrer Deutschen ungeheuer empört. Wir haben schon auf die Bedrohung Dcntschösterreichs und der Tschechoslowakei durch Horthy-Ungarn hingewiesen. Nun verbreitet das Präger tschechoslowakische Preßbureau folgende Meldung, die auch auf polnische Treibereien hinweist, allerdings auch die inneren Gefahren des tschechischen Völkerstaates beleuchtet: In Prcßburg wurde ein Emissär des austvärtigen slowakischen Kommissariats verhaftet. Er gestand, daß er angeivorben sei, um für das Ministerium der nationalen Minderheiten zu arbeiten. Er vermittelte die Verbindung zwischen der magyarischen und der pol- Nischen Regierung und arbeitete für einen niagyarisch-polnifchcn militärischen Plan, die Eiienbahnangestellten zur Sabotage und die Sokoaten zur D e s e r t a t i o n zu verleiten, um eine polnisch- magyarische Offensive von zwei Seiten her vorzubereiten und zu unterstützen. In Sakopanc in der Slowakei sollte eine neue Negierung gebildet werden. In Moskau hat Lenin eine türkische Nationalistendepu- tation brüderlich enipfangen. Infolge schier unlösbarer Disfc- renzen zwischen Italien und Griechenland ist die Vollziehung der türkischen Halsabschneidung durch Unterzeichnung des Diktats wieder verschoben worden. Rumänien aber soll. nach„Echo de Paris", Polen eine beschränkte Hilfe zugesagt und Lloyd George, wie Padcren;ski erzählt, gegenüber dem Er- minister Grabski etwas polenfreundlicher gewesen sein als Bonar Low: trotzdem ruft Paderewski aus:„Wer hilft uns? Nur Frankreich!" In Wahrheit gibt es nur eine Hilse für Polen: So- fortiger Frieden unter Verzicht ans jede Be- herrschung nichtpolnischer Sprachgebiete! Gefängnis für Deutfchnationale. Wiesbaden, 5. August.(335293) Das Militärpolizeigericht verurteilte den Schriftsteller Semmel-Sembach aus Berlin und den Stadtverordnetenvorsteher Dr. Fresenius-Wiesbaden zu sa sechs Monaten Gesängnis und 3000 Mark Geldstrafe, weil sie in einer Versammlung der Deutichnaiionalen Volkspartei durch Aeußerungen gegen Frankreich und die BesatzungStruppen einen Versuch zur Ver- hetzung der Bevölkerung gemacht hätten. belgische Provokation. Geldern, 4. August. Der hiesige belgische Kreiskommandant erzwang mit Gewalt die Freilassung eines vom Amtsgericht Geldern wegen Jagdvergehens verhafteten H o l l ä» d e r s und ließ den deutschen Richter, der die Verhaslung angeordnet hatte, zur Ver- nehinuug vor die belgische Sicherheitspolizei führen. Der Reichs- kommissar für die belgischen Gebiete hat bei dem belgischen Obel- kommissar Verwahrung gegen die Eingriffe in die deutsche Recht« sprechung eingelegt. Koblenz. 5. August. lEigener Drahtvericht des„Vorwärts"). Nach Entscheidung der Jnleralliirten Komiision ist den aus Mainz ausgewiesenen Lehrern die Rückkehr ins besetzte Gebiet erlaubt worden. Doch dürfen sie k c i n e L e h r t ä t i g k e i t mehr ausüben. Da ihren Familien inzwischen von den Besatzungsbc- Hörden die Wohnungen beschlagnahmt worden sind, hat die ganze Verordnung leine praklifibe Bedeniung. Frankfurt a. M., 5.?l>!gust. sWTB.) Der„Frankfurter Zeitung" zufolge forderte die französische Miliiärbelsörde von der Stadt Lud- wigshasen die sofortige kostenlose Hergäbe einer 11 000 Quadrat- mcter großen Geländeftäche zur Errichtung eines Handgranaten- wursexerzicrplatzes. Deutsche Graunkohle für Italien. Basel, 5. August.(Eigener Drahtbericht des„Vorwärts".) Da die Erfüllung der in Spa festgesetzten Kohlenlieferungen nur unter Ausnutzung der Braun kohle»schätze möglich ist, schlägt Deutschland vor. daß Italien ein Drittel seines Monaisquantuins von 180 000 Tonnen in Braunkohlenbriketts annimmt, welche niit deutschem Rollmaterial in Kuistein übergeben werden, und den Rest von 120 000 Tonnen mit italienischem Rollmaterial in Oberschiesten abholt. Italien versprach, nach einem Prioattelc- graiirm der„Franks. Ztg.", Entgegenkommen. Deutsch-böhmischer Mufterungssireik. Eger, 5. August.(WTB.) In Asch finden gegenwärtig Musterungen von Wehrpflichtigen statt, zu denen außer Staats» angestellten niemand erschim. Deshalb wurden Truppen nach Zlsch beordert. Die Leute, deren man habhaft wird, werden zur Sammelftelle gebracht und dann gemustert. Im ganzen hat man bis jetzt 20 Musterungspflichtige zur Stelle gebracht. Die übrigen sind geflüchtet, und zwar teils nach Bayern, teils nach Sachsen, teils in die Wälder des Gebirges. Da mit militärischen Zwangsmaß- nahmen gegen die Stcllungspflichtigen vorgegangen wurde, i st in Asch der Generalstreik proklamiert worden. Kontrollkommz'jsionsschwinüel. Wien, 5. August. Wie die?kbendblätter erfahren, sind die Be- Hörden einem zumeist aus Italienern bestehenden.Konsortium aus die Spur gekommen, welches mit Benutzung teils echter, teils falscher Dokumente sich als Mitglieder fremdländischer Kommissionen ausgaben, um namentlich in den National- stallten große Batutakchiclmngcn durchführen zu können. Nebe» dem Valutaschmuggel befaßten sich die. Mitglieder mit dem Schmuggel von Schmuck. Die Summe der Valutaschmuggeleicn wird auf 00 Millionen Krone» beziffert. Bei HauSdurchsuchnn- gcn, die mit Wissen der fremden Kommissionen bei den betreffen, den Personen durchgeführt wurden, wurden 10 Millionen bcschlag- nahmt. Die Untersuchung nimnot ihren Fortgang. - William Wauer und die Unabhängigen. Gegen den Unabhängigen Bauer, der sich in den Kapp-Tagcn dur-bauS den Kapp und Bauer als„Arbeitervertreter" und Beroter ausdrängen irollte, war ein Ausschlußverfahren beantragt worden. Das unabhängige Schieds« gericht erkannte sedoch nur auf eine Rüge. Zu derselben Zeit war die«, als die unabhängigen Blätter gegen führende Sozial« demokraten tobten, die mit Lüitwitz verhandelt haben sollten, in Wirklichkeit aber jede Verhandlung abgelehnt ballen. Dieie Milde gegen wirkliche Kapp-Verbrecher im eigenen Lager hat nun doch solchen Anstoß erregt, daß die Funktionäre von Wilmers- dorf-Schmargendors(WanerS Wohnbezirk) einstimmig beichlossen haben. Berufung gegen diese Entscheidung des Schiedsgerichts einzulegen. Haftentlassung des KommunistenführerS Meinberg. Der Kom, munistcnführcr Adolf Meinberg, der in Dortmund in der zweiten Hälfte des März die Herrschaft an sich gerissen hatte, wurde gestern wieder freigelassen. Die Anklage gegen ihn lautete auf Anmaßung eines öffentlichen Amtes. Proteststreik gegen Stciirrabzng. Die Belegschaften eines Teils der Werke im Helmstedrer Braunkohlenrevier sind in Proteststreik gegen den Steuerabzug getreten. Die Versorgung Magdeburgs mit elektrischer Kraft ist gefährdet. GsMsrMojwbeVegung Arbeitslosigkeit und Uebersiunöenunwesen. Die rückläufige Konjunktur iin WirtsSastsleben macht sich in der seit Juni d. F. stetig anschwellenden?,ahl der Arbeitslosen be- merkbar. Wäbrend damals in Deutschland zirka 270 000 Personen Ei werbZlosenuntersiützuug bezogen, bat sich deren Zahl bis zum Aniang August auf über 3S7 000 erböbt. In diesen Zahlen aber er- schöpft sich der Niedergong unsere? Wirtschaftslebens durchaus nicht, vielen Tausenden Arbeitslosen wird aus mehr oder weniger stich- haltigen Gründen der Bezug der CrwerbSlosenunterstütznng v!n weigert, Hunderttausende von Arbeitern haben sich in opfer- williger Weise bereit erklärt, durch Verkürzung der?lrbeilSzeit I i? zu HalbiagSichichien— und damit auch des Lohnes— der weiteren Entlassung von Arbeitslollegen zu steuern. Bei dieser Sachlage müßte es Ehrenpflicht eines jeden Arbeiters fein, die Leistung von Ueberarbeit solange zuver« weigern, bis der bündige Nachweis erbracht ist, bah eine weitere Einstellung von Arbeitskräften nickt möglich ist. Wie abwegig von dietem selbstverständlichen gewerkschaftlichen Prinzip das Handeln vieler sonst vielleicht hch sehr radikal gebärdenden Arbeitsgenossen ist. zeigen uns Zustände, die im Berliner Buchdruckgewcrbe festgestellt wurden. Tie Berliner Verwaltung de-s Verbandes der Deutschen Buchdrucker zählt über 700 Arbeitslose; die Berusskollegen haben sich in solidarischster Weise neben ihrem Verbandsbeitrag eine besondere Steuer von 2 rcip. 5 2)!. wöchentlich auferlegt, um die arbeitslosen Buckdruckerkollegen über die gerade jetzt so schwere Zeit hinwegzuhelfen, und im gleichen Augenblick ist die vom gewerkschaftlichen Standpunit höchst bedauerliche Tatsache zu konstatieren, daß im Berliner Buchdruckgewerbe einzelne Be« rufSkollegen so viel Ueberstnnden machen, daß Wochcnlöhne von 748, 712, 070, 050, 035, 582, 581 und 500 M. erreicht wurde». Ter Rekord aber wurde mit 010 M. Wochcnlohn er- zielt. Recht charakteristisch ist eS. daß auch die Druckerei der „Roten Fahne" von dem Achtstundentag nicht viel zu halten scheint: auch sie befindet sich unter der Zahl derer, die ihren Ar- beitern solche Löhne gewähren, vorausgesetzt, daß die Arbeiter ihre »nochcn in langandauernder Ueberarbeit zur Beifügung stellen. Bis zu 018 Mark Wochenverdicnst bei einen tariflichen Lohn von zirka 2">0 bis 800 Mark, daS ist wahrlich die Höhe der Miß- achtung gewcrlschaftlicher Prinzipien. Dabei aber auch eine treff- liche Glossierung des privatkapitalistischen Systems, das eS als eine Selbstverständlichkeit erachtet, seine Arbeiter Tag und Nacht frohnen zu lassen, während viele hunderte Berufskollegen gern den oft ge- börien Spruch in die Wirklichkeit umsetzen möchten: Nur Arbeit kann uns retten!_ Setc'iebsschließung öer Ziema H. S. Hermann! Am Donnerstag ist dem Betriebsrat der Großbuch- druckcrei H. Q. Hermann u. Co., Berlin, Bcuthstr. 8. von dem Inhaber, Herrn Fritz Hermann, mitgeteilt worden, daß der Betrieb, der rund 1000 Personen Beschäftigt, geschlossen wird. Der Gnrnd dafür ist, daß die Geschäftsleitung lieber den Betrieb schließen will, als mit dem gesetzlichen Vertreter der Arbeiterschaft, dem Betriebsrat, zu verhandeln. Zu erwähnen ist noch, daß die Firma eine der be st beschäftigten in Berlin ist: denn sie hat in den letzten beiden Tagen noch umfangreiche Personaleinstellungen vorgenommen. Was sagt das Reichsarbeiisminifteriunt dazu, daß die größte Lohndruckcrci Teutschlands lieber den Betrieb schließt. als die gesetzliche Vertretung der Arbeiterschaft anzuerkennen? Hoffentlich werden Mittel und Wege gefunden, dem Unter- nehmer klarzumachen, daß derartige Ttillcgungcn in der jetzigen Zeit ein Verbrechen am Volksganzen sind! Die Wünsche der westdeutschen Binnenschiffer. Duisburg, ö. August.(Eigener Drahtbericht des „ Vorwärts".) Eine in Duisburg tagende Konferenz der Mit- � aliedichaft der Binnenschiffer und Flößer des Rheins, seiner Neben- flüsse und der westdeutschen Kanäle, des Deutschen Transportarbeiter- Verbandes nahm zu einem Referat dcS ReichSabieilungsleiters der Binnenschiffahrt, Tratt-portarbeitetverbands-Vorsiand Rudolph, folgende Resolution an:„Die Konferenz beschließt, den Angehörigen der 2>kttg!iedschaft zu empfehlen, auch ihrerseits alle? zu tittt, was zur Erfüllung des durch die Regierung in Spa unterzeich- neten Koblenabkommens sowie zur Ausrechterhallung und zum Wiederouibau der deutschen Volkswirtschaft notwendig ist. Die Konferenz fordert, daß die in Betracht kommenden Negicrungsstellen sofort mit den Trgaititatioiten der Schiffseigcn- liimer der Elbe und Oder in Verhandluttgen eintreten zwecks Ueberführung von Schiffsladeraum und Schlepp- k a h n a u r d i e westlichen W a i i e r st r a tz e n. Die Konferenz erwartet jedoch seitens der Regierung von der Ersüllimg der seit längerer Zeit schon erhobenen Forderungen des Schiffspersonols, daß alle durch diese lieber« und Sonntagsarbeitsleistungen erzielten Einkünfte des Personals, sowie die Valutavergütrmgen von der Besteuerung freibleiben, daß ferner eine regelmäßigere Belieferung der Biniienschiffer mit Lebensmitteln zu billigeren Preisen wie bisher an alle für die Belieferung in Frage kommenden Orte, ebenso eine bessere Belieferung mit Kleidung?- stücken und Schuhwaren erfolge. Bei dieser Voraussetzung für die Leistung von mehr Arbeit ist, daß die Regierung den Bitmenschtffern ihre jetzt im Tarif in der Arbeitszeit vorgesehene Nacht- und Sonntagsruhe auch für die Zukunft garantiert. Die Binnenschiffer erwarten von der Negiernttg, daß sie unverzüglich Mittel und Wege ergreist, um den durch die Entenietruppen an ihrer Gesundheit geschädigten Binnenschisiern. sowie den Angehörigen und Hinterbliebenen der durch die Enteuletruppen getöteten Binnen- schiffer die ihnen zustehend« Entschädigung zu gewähren. Ferner bringt die Konferenz zum Ausdruck, daß die Binnenschiffer jeden Versuch der Lösung deutscher Landcsteile vom Reich, iowie auch jede Gewalt maßnahmeder Entente zur Durchführung der dein Deutschen Reiche in Spa ankerlegten Bedingungen solidarisch kiekampsen und mit den deutschen Dergarbeiiern und Eisenbahnern durch Anwendung aller zu Gebote stehenden Mittel entgegenwirken werden." Eine lveitere Resolution, die gleichfalls einstimmig angenommen wurde, lautet:„Die Konferenz beschließt die lleberreichung nach- stehender Forderungen an die Reich-sregieriing: Gesetzliche Regelung der Nacht- und SouittagSruhe; Revision des Binnenschiffahrtsge- ietzeS; Entsendung von Arbeitnehmern als Sachverständige für die SchtffahrtsuntersuchtingZkommiisiotien zwecks Beteiligung an allen für die Schiffahrt in Frage kommenden Ausschüssen und Kommissio- neu: Schaffung von Arbeiterkontrolleuren zur Revidierung der Fahrzeuge au? volle Besatzung und der Lualifikation derielben Ausgabe von Arbeiterfahrkarten an Binnenschiffer bei ihren Reisen zur Verbringung des freien Tages in der Heimat oder zum Besuch der Familie._ Zur Lohnbewegung in den Brauereien Grost- Berlins. Am 19. Juli bat der Schlichiungsausjchuß Groß-Berlin durch Schiedsspruch die Löhne der Brauereiarbetter mit Wirkung vom 1. Juli d. IS. ab um 25 M. pro Woche erhöht, so daß der Lohn der gelernten und der diesen gleichstehenden Arbeitnehmer aus 245 M. und der der ungelernten auf 240 M. pro Woche festgesetzt werden soll. In dem gleichen Verhältnis sollen ab 1. Juli 1020 die Ueberstundensätze, die Löhne der weiblichen und jugendlichen Arbeitnehmer der Wetßbieiabteilnttg und die übrigen Bezüge der Brauereiarbeiter erhöbt werden. Die Erhöhung der Löhne gegen das Lohnabkommen vom 15. Mai 1020 soll auf Grundlohn und Teiiernngszulage in ursprünglichem Verhältnis dieser Bezüge be- rechnet werden. Tie Funktionäre der Brauereiarbeiter haben dem Schiedsspruch zugestiinmr. Durch Schreiben vom 28. Juli an den SchlichtungS- ausschuß Groß-Berlin hat die Organisation der Arbeitgeber erklärt, den am 10. Juli gefällten Schiedsspruch nicht anzunehmen. Gleichzeitig haben die Arbeilgeber den Antrag gestellt: Ter Herr DemobilmachungSkommifiar möge dem Antrage der Arbeitnehmer- organisation ans Berbindlichkeitserklärung des Schiedsspruchs seine Genehmigung vertagen. Tie Arbcitnehmerorganisationcn haben beim Demobilmachungs- kommiffar die Verbindlichkeitserklärung dcS Schiedsspruches vom 10. Juli 1920 beantragt. Sofort nach der Enticheidung des DentobiltttachtittgSkomtnisiars werden die Kollegen von dieser Ent- scheidung in Kenntnis gesetzt werden. Bund der technischen Angestellten und Beamten. OrlSvcrwallunz Schöneberg. Am 6. d. Mts., abends MonatSvctjamiyluitg und Zahlabend. Vorträge, vereine unü Versammlungen. Republik, tnilcher Führerbnud. Heule 7 Uhr öficntlichc Versammlung in der Schitlaula. Velcrsburger Str. 4(nabe frankfurter Allee).— Ortsgruppe Snd der Itfimattrcuen Lbcrschlesicr. Sonnabend tm reich erwünscht. tBcrannrorUicfi für den redaktionellen Teil: H. Lenkre.yermsdork: sür Anzeigen xti. Ciilutfe. Berlin. Verlag: VorwSrtS-Verlag G.m.b.H., Berlin. Druck: Vor, warts-BuchdruScrei u. Lerlagsanftalt Banl Singer u. Co., Berlin. Llndenftr. 3. Hierzu k Beilage. Knaben-Anzüge bedeutend herabgesetzt ! Stoff-Anzögc in guter Qualität auf tot, 250 140 230 220 210 200 100 m ISO 123 116 100 102 05» 300 290 280 270 260 250 Stoff'Anzüge 320 310 in uÄas«-215 205 105 185 125 165 155 145». Sioff-AffiZÜkie 390 375 360 345 330 315_ primaVe�rbeitangu.Stotk. �£ Jg ZW 245 230 215 200»• Wasdi-Anzüge 30 45 50 55 65 25». Kar etneVerttaufsstelle BaenSohn Keine Filialen mehr C�ayssae-Straße 29-30 Nur W» 1 1 iiwmin« ii iTTOetuHL tnroe«»» Hornfautdildnng entji'Tni mit obieluist Siccchcit Aelchels ,,Bosco". Einziges Aadilal- mifci tllr eingewürzeiis nnd ichnierzdcfte Leidcn. Ecii üdee Iö"adTen bewährt. M. 3,50 Otto FCcIchel, Gerlings (Eifcnimfmfit. 4. Preaß, Bnxnncnffr. 76.* lötzimi per '/(JITl bis 30 Mark A'.flil per Kilo BSei tauft Ziiiiiscii!iig!z3 Cassirep Schulzendorfer Str. 13. Tel.; Slorben»'>34, Eteinpl. 1102. 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