Nr. ZH2•» 37. Jahrgang Ausgabe A Nr. 59 \ Bezugspreis: « 2tteiiäI)tU30,—®L,monatl.lO,-3JK. frei txs Haus, voraus zahlbar. Pak» oezuir Monatlich 10,— Mt. e;N. Zustellung szebühr. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich lk.'O für das übrige Ausland bei täglich einmal. Zustellung 21 SO M. Vostbe- llellungen nehmen an Oesterreich, Ungarn, Tschecho■ Gloroatc:, Däne» mar!, Holland, uuremdurg, Zchmeden und die Schweiz.— Eingetragen m die PoN-.Zeitungs Dreislilte. Der.Vorwärts� mit der Sonntag»- beilage.Voll u. Zeit� ericheint wachen- täglich zweimal. Sonntags und Mon- tags einmal. Telegramm-Adreisei .Sozialdemokrat vor»,,-. Morgen Ausgabe berliner Volksblsti (30 Pfennig� Anzeigenpreis: Sie achtgefpoltene Nonpareillezeile toste. S— Di., Teuerungszuschlag 60%. .Sleine tinzeigen**, da» lettgedruckte Wort 1,— M.(zulässig zwei rttgedruckte Wortes, iedes weitere Wort 00 Pfg. Stellengesuche und Echlasftellenanzeigen»as erste Wort Sä Pfg. ,edes wettere Wort 10 Psg. 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Das klingt ja, als ob der Schwindel vom deutschrnssischen Geheimvertraa""faebmticht werden sollte. Rußlanüs Antwort. London, K. August. sW.T.B.) Die Antwort der Sowjetregierung ist hier eingetroffen. In der Antwort- note wird, wie verlautet, gesagt, die Bolschewisten könnten im Augenblick ihre Operationen gegen Polen nicht auf- geben. Sie seien der Anficht, dast sowohl ans militärische« als auch rechtlichen Gründen der Bormarsch gerecht- fertigt sei. Sie erklärten sich bereit, die Verhandlungen über einen Waffenstillstand und den Friedensvertrag aufzunehmen, sobald polnische Delegierte in Minsk ein- getroffen seien und sobald sie den Beweis dafür hätten, daß diese Delegation die erforderlichen Vollmachten besitze, um über den Frieden zu verhandeln. Die Sowjetregierung erklärt sich außerdem bereit, die volle Unabhängigkeit Polens zn garantieren und Polen günstige Grenzen zu gewähren. Die Sowjetregierung wolle mit Polen über einen S e v a r a t fri ed e n verhandeln. Die Sowjetregierung er- klärt ferner, daß K r a s s i n«nd K a m e n e w Vollmachte» hätten, den Friede«(mit der Entente offenbar! Red.j abzu- schließen. Die Sowjetregierung weigert sich jedoch, den Ver- tretern der Randstaaten Zutritt zu den FriedenSverhand- langen zu gestatten. Hiernach macht die Sowjetregierung n i ch t. das polnische Volk unter seiner neuen Regierung für deren imperialistische Vorgängerin verantwortlich und auch die Ankündigung der Unabhängigkeit und günstiger Grenzen unterscheidet sich einigermaßen von dem Tun der Sieger über die einstigen Mittelmächte— nicht wahr? Man wird ja sehen, ob die En- tente angesichts dieser hochanständigen Erklärung Tschitscherins die Gelegenheit zum Friedensschluß, die sie durch die Anwesenheit der Bevollmächtigten Krassin und Ka- menew in London hat, wahrnehmen— oder ob Lloyd George so verblendet sein wird, die beiden Delegierten hinauszu- schmeißen, die neue Blockadedrohung�gegen Rußlands halb- verhungerte Städtebewohner wahrzumachen und überhaupt Europa in völligen Ruin zu stürzen. Die polnische Abordnung dürfte bereits in Minsk sein. Der polnische Botschafter in Washington hat um Hilse gebeten— Horthy- Ungarn natürlich hat solche angeboten. Wenn es überhaupt Truppen gibt, denen wir die Verstrickung in die Niederlage gönnen, dann sind es wahr- lich diese: nur werden die Herren„königlich ungarischen" Mordoffiziere wohl vorziehen, über unbewaffnete Arbeiter und Juden daheim weiterzusiegen. Die Polen melb-m zwar örtlich erfolgreiche Gegenangriffe, müssen aber auch weitere Rückzüge zugeben. General Malcolm, der englische Militärresident in Berlin, berichtet jetzt in London über seine polnischen Eindrücke. Sowjetrußland hat inzwischen weitere Entlastung er- fahren: Ostsibirien ist von den Japanern geräumt und in Mesopotamien wurden etwa drei britische Kompagnien vernichtet. Wenn England Truppen übrig hat, wird es sie wobl für Asien brauchen. Die Nachricht von einem französischen Truppentransport- befehl an die Kattowitzer Eisenbahndirektion wir� durch W. T. B. dementiert. Wir haben schon gestern kühle Ruhe empfohlen. Italien branümarkt üas ßrieöensöiktat. Und schluckt eS. Rom, 6.. August.(Stefani.) Die Kammer wird die Be- sprechung des Vertrages von St. Germain beginnen. Der Bericht des Ausschusses fordert die Kammer auf, den Vertrag zu rati- fizieren, denn eine Verzögerung oder/gar eine Nichtannahme würde die Erfüllung und Anerkennung der gerechten-italienischen Bestrebungen hinausschieben. Die Kommission glaube nicht, daß der Vertrag von St. Germain,-der übrigens ein Abbild des Bcrsailler Vertrages sei, die Ursachen zukünftiger Zwiste oder den Anlaß zu zukünsfigen Kriegen beseitige, denn dieser Frieden gebe der Welt nicht die Ruhe, die Europa notwendig sei, um zu fruchtbarer Arbeit zurückzukeh- reu und die Wunden des Krieges zu beilen. Der Bericht hebt her- vor, daß die Bedingungen,-welche Leuten eine Strafe auferlegen, d'e nur den Gesetzen ihrer Nation gehorchten, eine Strafe, die durch keinerlei Gesetz vorgesehen ist, nur dazu dienen können, den Haß zu nähren. Hinsichtlich der Wiedergutmachungen und der stnan- ziellen und wirtschaftlichen Bedingungen betont'der Bericht, daß vor Aufstellung dieser Bedingungen die Möglichkeit ihrer Aussüh- run.g durch Oesterreich hätte geprüft werden sollen. Der Bericht sälert fort- Jetzt sind alle einig in oer Erkenntnis, daß e? Deutsch- Oesterreich unmöglich ist, überbaupt irgend etwas zu bezahlen, und Italien müßt« sogar mit vorbildlicher großartiger Hochherzigkeit für die Ernährung der österreichischen Bevölkerung sorgen. Der Ausschuß betont dann die Ungerechtigkeit dcS Artikels 88 'de.; Vertrages, welcher Oesterreich verbietet, sich mit Deutschland zu vereinigen. Dieses Verbot sei eine Gefahr und ein Schaden für die italienischen Interessen und eine offenkundige llngerechtig- keit. Der Ausschuß weist ferner auf die außerordentliche Tatsache bin, daß der Vertrag als vertragsabschließende Partei die aus der Auflösung Oesterveich-Ungarns hervorgeaan-geneii Staaten betrach- tot, die so ganz anders bebandelt würden als Deutsch-Oesterreich, als wenn sie an dem Kriege nicht in demselben Maße wie letzteres teilgenommen hätten, tvähvend andere Staaten wie Montenegro gar nicht zur Konferenz zugelassen wurden. Ter Bericht weist darauf hin, daß der Vertrag einen beträchtlichen Teil der italio- nischen Grenze noch unbestimmt läßt, und betont außerdem den Gegensatz zwischen den Grundsätzen, die durch feierliche Erklärungen bekräftigt wurden, welche die Grundlage des Friedens bilden sollten einerseits, und den wirklichen Vertragsbedingungen andorerseits. T«r Bericht preist die Mitaufnahme des Völkerbund- Vertrages und des grundlegenden Teils der internationalen Ar- beitSorganisation. Der. Bericht erklärt, der Ausschuß habe den Vertrag nicht im einzelnen prüfen wollen, denn es sei doch kern« Abänderung mehr möglich, aber er hasse, daß seine Bemerkungen und die von den Volksvertretern feierlich bekundet« Meinung die Negierung in ihren weiteren Beziehungen mit den Verbündeten und mit den Besiegten bezüglich der Anwendung des Vertrages leiten könnten. Graf Sforza erklärte, die italienische Bevölkerung an der oberen Etsch und im Trentino würde endlich alle Rechte und Pflichten ihrer Zugehörigkeit Lum- Königreich übernehmen; die deutsche Bevölkerung, die im Laufe der Jahrhunderte die Alpen überstiegen hätte, würde ihre Sprache, ihre Ansichten und ihre be- sonderen Interessen völlig gewährleistet sehen. Zur russisch-polnischen Frage berichte!«"Graf Sforza, er habe in Spa den'Polen zum Frieden mit Rußland geraten. Der Vorstoß Polens gegen Kiew sei ein Irrtum gewesen.-Trotz des Ausdehnungsdranges Rußlands, der die StaatSumwälzung über- lebt habe, müsse man hoffen, daß die Sowjetregierung ihr eigene! Interesse an einem ehrenvollen Frieden mit Polen einsehen werde. Italien wünsche einen baldigen Friedensschluß und die gc- sichert« Unabhängigkeit Polens, dessen Wiederauferstehen einer der Lichtpunkte des Versailler Vertrages sei. Hinsichtlich der neuen Gebiete, die annektiert werden sollen lTirol bis zum Brenner usw. Red.), schlägt der Ausschuß zwei Tagesordnungen vor: die e«in« fordert die Regierung auf, baldigst Wahlen in diesen Gebieten vorzunehmen, damit die gesetzmäßigen Vertreter ihrer Bevölkerungen mit der Regierung zusamnien dar- an arbeiten können, die örtliche Gesetzgebung mit der des König- reiches in llebereinstimmung zu bringen; die zweite Tagesordnung schlägt Ainnestien vor, entsprechend den im Königreich verkündet«!. fluch öelgien kein Landsknecht. Paris, 6. August. lWTB.) Vandervelde erklärte einem Vertreter des„Echo de Paris" in Genf, er sei mit den Mitgliedern der belgischen Regierung über die Notwendigkeit eines Abkommen? zwischen Belgien und Frankreich und, wenn möglich, auch England einig. Aber im Einverständnis mit der belgischen Arbeiterpartei sei er jeder Allianz feindlich gesinnt, die Belgien niederdrückende militärische Lasten auferlege, die nur die imperialistische und nationalistische Politik begünstigen könne und der Wiederherstellung des wirklichen Friedens in Europa Hindernisse bereite. Camille Huysmans erklärte. Frankreich sei in diesem Augenbl'ck z« reaktionär, als daß es wünschenswert erscheine, daß das soziali- stische und demokratische Belgien sich mit ihm alliiere, und außerdem wolle er nicht, daß sein Larko dem linken Flügel des Marschall F o ch als Glacis diene. Da wird sich ja der ,Echo-de-Paris"-M den schwarzen ZiladeLp» deil Arbeit entlang. Ewig rauchverhüllte Horizonte, und der Aublick dieser rauch- und feuerspeiendeil Erde ist nocy prächtiger und trost- loser als der des schwerindustriellen Westfalens. Unermüdlich surren ungezählte Seilräder über den Höllenlratern, in denen Zehntausende den Schweiß in Strömen vergießen und gegen deren fürchterliche Hitze die Sonnenschwere de» JulitageS wohl wie ein Mailüftlein ist. Auf riesigen Halden, in endlosen Waggonreihen lagert der schwarze Reichtum, um dessen Erhaltung Deutschland erst noch zu kämpfen hat und von dem man versteht, das er den Polen in die llugrn sticht. L. Zickler. der Strrrtfra« beteiligten Staaten nicht Mitglied des Völker- brmdeS ist. Wir haben der französischen Regierung erklärt, daß Deutschland bereit ist, die Bestimmungen der Artilel 12 bis 16 der Völkerbundsatzung anzuerkennen. Ich will nicht untersuchen, ob die französische Regierung nicht als Dliiglied deS Völkerbundes sogar die Pflicht hat, den Streit- fall im gegenwärtigen Stadium dem Völkerbund zu unterbreiten; jedenfalls bietet ihr Artikel 11, Absatz 2, auch die formelle Möglich- keit, auf unseren Vorschlag einzugehen. Die Völkerlmndsatzung ist aber ein Teil des Friedensvertrages. Sie wissen, daß ich dessen Jnnebaltung als eine Aufgabe meiner Politik betrachte. Der Friedensvertrag_iit' wesentlich gekennzeichnet dadurch, daß er Deutschland eine Füll«� schmerer Ver- pflichlllngen einseitig cnss erlegt: um so mebr muß die detfi'che Politik darauf bedacht sein, daß er auch in den leider sehr mcnig zahlreichen Punkten peinlich sseobacktet wird, wo er Drutschlanb Rechte liiht oder wo se'ne Vorschriften internationale Verv Richtungen bedeuten, denen alle vertragschließenden Teile gleichmäßig unterworfen sind. Wir htben bk Volke rbund satzung, ohne Mitglied werden zu können, unterzeichne:! und die Wirksamkeit de? Völkerbundes praktisch an- erennen müssen in all den Fällen, wo er gamäß dem Friedens- vertrag Aufgaben uns gegenüber Überrommen hat: als Treu- händer des SaargebieteS. als Schützer der Freien Stadt Dan'- ig hat ex schon e r« für nnZ schmerzlich« Bedeutung gewon- nen. In anderen Fällen ist feine Wirksamkeit bisher binter den Aufgoden zurückgeblieben die ihm durch den FriedenSberchag ge- setzt sind. Ich erinnere nur an die Frage der deutschen K o I o» n i e n. Ilm so grösseres Interesse haben nicht nur wir, sondern alle Signatarmächte des Friedensvertrages daran, daß dt« guten Grundlagen, ans denchi der Gedanke de? Völkerbundes ruht, sich bewähren können. Die festeste Grundlage muß sein das Prinzip der Schiedsgerichtsbarkeit. E? zur Anwendung zu bringen, bietet sich hier dem Bunde eins Gelegenheit; mit dem Prinzip kann er zugleich sich selbst tmrck- setzen und fern moralische? Ansehen wieder stärken, das die Er- eignisse im Osten bedenklich erschüttert hoben. Den FriedeuSvertrag in all ssstnen Teilen haben die Verfasser bitter ernst gemeint, und wir haben allen Grund, ibn ebenso bitter ernst z» nehmen. Be'anders für d'e alliierten Mäckte bedeutet er den Versuch, das Ergebnis deS Krieges als ihren Erfolg zu reali- sieren, und das gebt nur crtck unser« Kosten. Die Völkevbnndsetzung aber bedeutet dän Versuch, die furchtbaren Erfahrungen des Welt- Weges zugunsten des friedlichen Verkehrs aller Völker zu der- wertem Tie Gedanken, die diessm Versuch zugrunde liegen, haben sich in den letzten Iabren in der gan-en Welt verbreitet; sie sind zu teuer erkauft, äls daß die Menschheit sie jemals w'eder sabren lassen könnte. Jeder ernst gemeinte Vorschlag, den Völkerbund mit der Lö'img internationaler Spannungen zu be'rauen. bringt die Gesamtheit einen kleinen Schritt näher an das hohe Ziels Der Entwaffnungskommissar. Berlin, 6. Angust. Der Staatssekretär z. D. Dr. PeterS ist vom Reichspräsidenten zum RcichSkommisiar für Entwaffnung ernannt worden. Zufrkeöenheit über Fußtritte. Die Unabhängigen in Moskau. Die„Freiheit" veröffentlicht fortgesetzt Berichte vom Kongreß der dritten Internationale, aus denen hervorgeht, daß die Unabhängigen dort von den waschechten Kommu- nisten sehr unsanft gezaust werden, nichtsdestoweniger muß sich die„Freiheit" so stellen, als fei sie mit dem Verlauf der Tagung sehr zufrieden.> Ueber die Sitzung vom 1. August wird gemeldet, daß Dittmann eine große Rechtfertigungsrede hielt, um das Verhalten der U. S. P. gegenüber Svwjetrußland ins rich- tige Licht zu setzen. Mit all seinem Pastoralen Pathos wird aber Dittmann die Tatsache nicht aus der Welt schaffen, daß er während der ganzen Dauer seiner Tätigkeit als Volks- beauftragter von November bis Dezember 1918 s ä m t- lichen K abinett b es chlüssen zugestimmt hat, die das Bündnisangebct Sowsetrußlands ablehnten und sich gegen die Aufnahme der Beziehungen zu Svwjetrußlanö aussprachen. Ebenso hat Dittmann der Aufstellung Ein amerikanischer So?kalistsnroman. Wer das Niveau amerikanilchcr Romane kennt, wird mit recht geringem Vertrauen an die Lektüre dieser Romane eines Ameri- kanarS herangeben. Aber siebe da: tiefer..Iimmi« H i g g i n S" von U p t c> n Sinclair(bei Gustav Kiepenener in Potsdam) entpuppt sich als ein ganz eiaenwüchsiges Buch, als«in Buch, daS Bekenntnis zugleick und Kunstwerk darstellt und in die Sphäre bin- einragt, in der nur noch Werke der Weltliteratur genannt werden. Upton Sinclair hat den Roman deS amerikanischen SozialiS- muS und seines Sckicksal» während des Weltkrieges geschrieben. Iimnrie Higgin? ist der amerikaniscbe Arbeiter mit sozialistischer Gesinnung. Der TvpuS dieses Proletariers, aber dob so lebendig erfaßt und gestc'tet, so unmittelbar aus dem Leben herauSaenom- men, daß er jenseits aller Theorie und Konstruktion steht. J'mmie HigginS hat keine ordentliche Schule besuchen können, er hat nicht? als seinen kie'ncn gesunden Menschenverstand, das große EhroS Weit zu versieben, und eine ausovferungSfreud-ige Begeisterung für die Sack,« des SoziaissmuS, der leinen Kindern einrn.l ein besseres und menschlicheres Dasein zu schenken verspricht, seinen K'-idern, di» ihm eine EinWanderin g" schenkt hat. die mit Angst und Bangen dem Parteitreiben ihre? gutmütigen Iimmie zuschaut. Der Krieg bricht au?. Iimmie erlebt lerne erste grosse Ent- täusckning. als die deutschen Sozialisten für ihr Vaterland die Waffen ergrei-en. Erst allmählich lernt er erkennen, dah diese Handlungsweise nicht einlach„Verrat" ist, sonvern, wie alle mensch- lichen Handlungen, ibre Ge'ühlSgrüi de hat. Di« zwei gültige Be- urteilung dieser Tatsache trägt in die Partei des kleinen Städt- ckenS, in dem Iimmie arbeitet, den ersten Zwiespalt: es bilden sich zwei Parteien, eine radikale, die sedlm.Krieg und jeder Kriegs- mittelprvdukHon abschwört, und eine andere, die für den Krieg ist und die kriegSwirtschaktliche ilntersiützung der Alliierten, um den verbassten...Kaiser", der da drüben als die urböse Verkörperung der Machtide« im Gegensatz zur Rechtsidee gilt, erst einmal aus der Welt zu schaffen, um dann erneut an die international« Arbeit zu gehen. Iimmie leuchtet dieser Wen als zweckmässig ein, aber an- ihrerseits sieht er, daß er bei praktischer Ausübung dieser Meinung nur dem verfluchten und gehatzten GrohkavitaliSmius neue Millio- n?n und damit Machtmittel gegen sich selbst und die sozialistische Sache in die Hand arbeitet. In dieser ideelichen Zwickmühle, die sein Denken lähmt, aehi Iimmie zuarund« Er wird MunitionZ- arbeiter, amtiert dabei aber weiter kür den DaziariSmuS, wird eingesperrt, maltätiert und läuit innerlich wie äußerlich alle die Mar- te.rn durch, die ein ebrlich füblendcr und ehrlich wollender Sozialist in dem Durche-nander de? KrieaeS durchmachen mußte. Eine Er- plosian vernichtet sein kleines Hänichen und mit ihm Frau und Kinder Iimmie steht vor dem Nichts Da läßt er sich, er weiss eigentlich selbst nicht recht wie. al? Automobilmonteur für die Front anwerben. Er will den„Kaiser" vernichten helfen, will aber, wie er sich vortäuscht, nicht Soldat werden und Menschen töten Wäbrend einer grossen Offensive gerät er jedoch mitten in die Schlacht hinein und packt— er isi ein stet? hilfsbereiter nnd gut- mutiger Geselle— bei einem Maschinen aewehr mit an, schießt auch aus einem Revolver, als er fürchterlich verzerrte Gesichter aus der Eisernen Division gegen die Bolschewistenheere zugestimmt usw., usw. Die Genossen Polau o, Mayer, Weinkop wandten sich entschieden gegen die Anglieberung der Unabhängigen Partei an die dritte Internationale. Der Genosse Lorsowski erklärt, daß die Angliederung von politischen Organisationen, die ihr Pro- gramm nicht offen erklären, und nicht klar zum Ausdruck bringen, mit wem sie sich verständigen wollen, keinesfalls geduldet werden dürfe. Tarauf erhielt Erifpien das Wort. Und wa? sagte er? Er stellte— laut Bericht der„Freiheit"— nach dieser Serie von Fußtritten„mit Genugtuung fest, daß die Mitglieder der dritten Internationole augenscheinlich nun- mehr ausreichend über die Vorgänge n Deutschland unterrichtet seien." Das ist selbst der geduldigen„Freiheit" zuviel und sie stöhnt über offenbare Verstümmelungen des Berichts. So arg kann es aber nicht sein. Wilhelm Herzog nämlich, der sich in Moskau erfolgreich einer bolschewistischen Bekehrungskur unterzogen hat, funkt von dort Berichte an das Hamburger Parteiorgan der Unabhängigen, offenbar mit offizieller Unterstützung der Sowjetregierung, aber sehr zum Aer�er der„Freiheit", die sich über die„Unzweckmäßigkeit" dieser Berichterstattung entrüstet. R a d e k wandte sich, so heißt es in dem Bericht Herzogs,„mit äußerst scharfen Worten gegen dl« Taktik des Zentralkomitees der U. S. P. D. „Während Engländer, Italiener, Franzosen. Amerikaner. Inder, Chinesen, Koreaner seit Wochen und Monaten den Weg nach Moskau gefunden hätten, glänzten allein die Deut- scheu durch Abwesenheit. Tie Lächerlichkeit ihrer AuZreden sei undiskutabel. So sprechen Händler, schlechte häufle vi e, jedenfalls keine Rc- volutionäre. Entweder wollen sie den Anschluß an die dritte Internationale oder sie wellen ihn nicht. Aber unwürdig ist eS einer revolutionären Partei, die Phrasen der bürger- lichen Diplomatie im Verkehr mit dem Exekutivkomitee der dritten Internationale zu verwenden(Papiermangel, keine Zeit vor den Wahlen und ähnliche?)." Ueber die Behandlung der Unabhängigen in Moskau läßt Gerzog seinen Freund Radek folgendes sagen: Irgendeine Neigung zu langen Redensarten besteht bei uns nicht. Wenn sie glauben, daß sie uns durch die fünf Millionen Wähler imponieren können, so antworten wir ihnen mit der „Deutschen Tageszeitung": Die Millionen werden mit den Kam- munisten gehen in jedem praktischen Kampf, nicht mit den Füh- rern, die.sie ietrügeu wollen." Hierzu versichert die„Freiheit",«? werde durchaus nicht so schlimm mit den Unabhängigen in Moskau verfahren, wie ja aus ihren Berichten hervorgehe. Nach dem obigen Zitat aus dem ,�r«ihe!t"-Bericht kann sich aber jeder ein Bild machen, ob in Moskau mit den Unabhängigen nach Radeks Rezept verfahren wird oder nicht. Der Kampf aeaen ü!e ftusfuhrabgabe. Eine Eingabe der Unternehmer. Verlin. 6. August. Der HauptauSfchuß deS R e i ch S v e r- bandeS der deutschen Industrie beschloß, von Regierung' und Reichstag dl« schleunige Aufhebung der sogenannten sozia- len Ausfuhrabgabe zu fordern. Die Voraussetzungen, unter denen sie seinerzeit von der ZentralarbeitSgemeinschaftz be- schlössen worden sei, seien bereits im Zeitpunkt des Inkrafttretens der Abgäbe nicht mehr vorhanden gewesen, im Gegenteil hätte be- veitS damals die stockende Aussnhr.s?) jede solche Hem- mung verbieten müssen. Die Wirkung dieser Abgab« sei im hoch- sten Maße unsozial, da sie deusschen Erzeugnissen den Aus-V landSmarkt erschwere und weitevgreifende Arbeitslosigkeit mit sich bringe. Der Telephonverkchr mit Saarbrücken ist seit Freitag früh von den Franzosen gesperrt. Vermutlich haben sich die Post- beamten der AuSstandSbcwegung aller Beamten gegen ihre Ent- rechtung angeschlossen. irgendeiner Richtung unter tierischem Geheul auf sich losstürzen sieht. Er wird verwundet, kommt ins Lazarett und schließlich w'e- der al? Monteur nach Nordrußland. Dort lernt er den neuen öst- lichen Sozialismus kennen, begeistert sich ansS neue und treibt bei seiner Truppe revolutionär« Propaganda. Da er harmlos ist, wird die Sache nach wenigen Tagen entdeckt. Er wird furchtbaren Foltergualen'unterworfen, damit er seine russischen Genossen ver- raten solle; er tut e? nicht, er wehrt sich bis der Wahnsinn ihn von den entsetzlichen Folterqualen in? lütige Nichts tieraften Le- bens erlöst.»Er gehört nicht mehr zu jenen, die �in Vergangen- beit und Zukunft blicken" und sich nach dem sehnen, was nicht ist. Doch ist er ein»gutes Hündchen", streichelt man ihm d-n Kopf, so reibt er sich an der sreundbichen Hand und winselt zärtlich". So endet dieses ehrliche Kämpferleben und zerbricht an dem Wah:l- sinn de? Militarismus. S'lche gwbe Inhaltsangabe vermag kaum einen Schatten von der Fülle de? Leben? zu geben, da? in die?«? Buch von einem grossen Könner eingefangen ist Trotz dem furchtbaren Schlüsse und trotz dem Siege der rohen Macht nimmt man doch crnS dem Buche den Trost mft, dass mich jenseits deS Ozeans die große soziale Rc- Volut en unaiufhaltsam sich vorbereitet. Otto Ernst Hesse. „S'vo". Dies« schöne und logar amtliche Abkür-ung für „Sicherheitspolizei" hilft«weffelloS einem dringenden Bedürfnis aib. Nur wird der Nichteingenxnhte, wenn er da« liest, aanz gewiß zunächst an„Syvhon" denken, zumal in dieser Hitze. Wenn man die ZungenschonungSmetbode schon für unerläßlich hält, so sollte man doch auch etwa? auf dm: Sinn achten.»Sichpol" z. B. wäre schon eber zu durch'chauen. Aber nur weiter— wir haben ja jetzt Müsse, da der R e i k a Fsbrenbach ebenso wie der A u m i Simon? in Ferien gegangen sind und der W e h m i r Gehler inzwischen die Republik bewacht_ S�übnenchronik. ssferd. Mar Kurth, bekannt van seiner früheren künliler scheu Tätiakeit an Berliner Theatern, wurde an da»»Neue Volt»- theater« al» Darsteller verpflichtet. „Tie verschwundene Panline� geht am Sonnabend im Zentral- theater zum 100. Male in Szene. TaS Institut für Kultnrforfchuiig blickt ans da» erbe Fabr seiner Arbeit zurück. ES ist eine freie AibeitSgeweinichall zur Erforschung tultm ever Fragen aller Völler. LI» geeignetile« verbreitunaSmittel wurde der Film berangezogen. Eine Sammel- und Aiislmistdktell« über alle», wa» Wissenichait und Resormfilm angino, wurde eingerichtet. Zu den aratzen kulturellen Problemen wurde im Bnschlufi an di« Frieden»- bedingungcn durch Heriielluna von larjograpdisch slatiilischen Trickfilmen Stellung genommen(z. B.»Da» Deutichtum im Oiien',»Koblennoi und Friedensvertrag-) Ein weitere? Gebiet find die kiinllwisfenichaitlichen Filme, in denen über ßv Stulptmen au» den Berliner Mellen verfilmt find Ein« Miichuna von wisfenschaitlichem und künilleilschem Film stellt der Keblra»- film»Szenen au» den Alpen- dar. Rein tünsllerische und ein« Art von Märchenfilmen ilellen die Silboiiettenfilme dar. Mit einem A-i0 M.. für flwei neue Pavillon? zu den früheren 3'/» Millionen weitere 2 Millionen. Pauarbeilen auf dem neu ontulegenden Friedhof au Rudow erfordern zu den früher bewilligten 1?/« Millionen weitere 5 Millionen, die ou? einer neuen Anleihe gedeckt werden sollen. Stadlrat Conrad erläuterte den Plan dieser Begräbnis- statte, die noch Art»ineS Pari- und Waldfriedhofes aeftaltet werden soll. G ü ttl.er lSoall brachte bei dieier Gelegenheit aur Sprache, dah aus dem alten«dricdbof am Mariendorfer Weg qe- schmackloS pomphafte Denkmäler errichtet worden find. Cfr hob hervor, dag der FiiedhofSdeaernent Stadtrot Conrad bemüht ist. solchen Geschmacklosigkeiten entrcgenzutreten. Unler Redner forderte auch, dah man die Unterschiede der Beerdig ungs- kla sken sich weniger schroff bemerkbar machen lasien soll, so lange nicht die wünschenswerte EinheitSklaise erreicht sei. AuS dem weiteren Verlauf der Sitzung ist au erwähnen, das; die Stadt- d ru ckeret aur Betriebserweiterung einen Vörschuk von t 30 000 M. bewilligt erhielt. Das Mitbestimmungsrecht der Arbeiter und Hilfskräfte wurde nach dem Muster Berlins genehmigt. Angenommen wurde der Berliner M a n t e l t a r i f der Gemeindearbeiter." Das Fernheizwerk der Stadt Neukölln. In der Kaifer-Friedrich». Elbe- und �chönfledtstrahe in Neukölln sind seit einigen Monaten die Arbeiten aur.Herstellung eine? grosten FernheizkanakS in der Ausführung begriffen. Die Speisung deS Kanals erfolgt durch maschinelle Anlagen im städtischen ElektriaiiälSwerk. deren Kon« struklion derart bemessen ist, dast eine AuSnntzungsmöglichkeit zur Versorgung eine? Bodenareals in fünffachcr Grone de? neuen SiedelungSgeländeS Köllnische Heide gegeben ist. Zunächst sollen von den städtischen Gebäuden da? RatbauS, die Sparknkie. da? Realgymnastum, die Gemeindeschule Hertzbergplatz, die Mädchen- Mittelschule Donaustroste und die WohnbauSbauleu in der Getzger- straste an das Fernheizwerk angeschlossen werden. Ueber den An- ichlutz einer Anrahl fiskalischer und privater Bauten sind bereits Verhandlungen eingeleitet. Trevtow- Baumschulenweg. Die Feriensvielr, die vom"Ort?- eliermar der sechs Gemeindeichulen ins Leben gerufen und von der Gemeinde finanaiert werden, gehen mit Ablans dieser Woche ihrem Ende entgegen. Die Beteiligung war eine recht zahlreiche; nahmen doch täglich 600 bis 700 Kinder an den Ferien- spielen teil. Da die Elternbeiräte der unpolitischen Ptmei eine Mitarbeit im ArbcitSkomitee und in der Stellung von HilsS« kräilen ablehnten, wurde die Ausführung der Ferienspiele nur von den Mitgliedern der U.. S. P. D. und S. B. D. übernommen und mit vieler Mühe und Anstrengung im besten gegenseitsgen Eindernehmen gewisienhost durchgeführt. Um den Ferienspielen einen guten Abschlust au geben, findet am Sonntag. den 8. August auf dem Turnplatz Fichte in Treptow-Baumschulen- weg ein Ferienspielfest stait, an dem auch die Eltern teil». nehmen können. Abmarsch nachmiitaa? 2 Uhr, in Treptow vom WirtschaflSbof, Graetzstr.. Ecke Wildenbrnchsir., und in Baum'chulen- weg vom Lttaeum. Zur Deckung der Unkosten wird von den Er- wachsenen ein Eintrittsgeld von SO Pf. erhoben. Groß-Serliner parteinachrichten. i Heute, 7. August: SS. Abteilung. 7>/, Uhr vünkllilh Sitzung der ffimkt'onär«, Be- triebSverlrauenSIcute und Elternbeiräte bei Schiemann. Zwinglillr. 11. Morgen, 8. August: 31). Abt. Familienausflug nach Stiönow bei Zebdenick. Abfahrt <>.4'> Uhr moraen» vom Babnbol Gesundbrunnen bi» Z-hdenick, für Nachzügler 11.16 Uhr mittag! bi? Zehdenich « B.». 4. Abt. Am Donnerstag wurde eine sunglozwliM'che Grutzv« Süd-Welt geg-ündet. Anmeldungen und AuSkunst beim Genossen Aisred Fritsche. Tulmstratze SS._ Vorträge, vereine und Versammlungen. Aentralverband der ArbeitSinvalidrn. OrtSgruvve Groh-Berlln. AuherordenIIlche Generakvere Interalliierte Kommission wird ersucht, sofort die Auflösung B«S Kreistages«n- zuordnen. Der Führ?» de? tchlessfchen LandwchrkorpS im Kriege. Feld- Marschall v. W o v c s ch, ist gestorben. Tie polizeiliche Untersuchung über den süngstkn Pogrom in Budapest hat festgestellt, daß die blutigen Ausschreitungen durch die V. BezirkSgruppe de? Vereins der„Erwachenden Madjaren" veranstaltet wurde Die Untersuchung bot aueb festgestellt, daß der Mörder de? BankdirektorS Vereböltz Georg R i g 6 tz k o Mitglied de- berüchtigten O ,'t« n b» r g- TetachementS. der Mörder des Advokaten G6za Varsänv Rechercheur des P r<ä n a h, DetatemcniS ist. Mehrere Zeugen bölundct«n, daß sie zurzeit des Pogroms mehrere' O f f i z i e r e dieses beiden DeiachenventS in der Nähe des Cafe Club stehen saben. Nack der Aussage eines der Zeugen trieb Oberleutnant Georg Sefcsik. der an dem Mord« gegen den Redakieur des„Mpsaava" Gen. Bela Somogyi bete'ligt war, die..Erwachenden Madjaren" an, gegen die Juden loszugehen. Die Führer der V. BszirkSgrupps hielten am Tag« des Pogroms in der FerdinandSkaserne. dem Standort des Prörrav-DctackementS, ein« Besprechung, in der die Einzelheiten deS Pogroms fest. gestellt wurden. Der Mörder deS Advokaten Vars»nv. LadiS- laus Jlln flüchtete atn Tage nach der Tat. wurde aber m der Provinz verhaftet. Sowohl er als auch der Mörder Rigotzky gestanden ein. daß si« auch an den früheren blutigen Ausschreitungen werk- tätigen Anteil hatten. Unter den verhafteten Personen befindet sich auch das Stubenmädchen de? Hotels Berlin, wo der Mörder Jlly wohnte und wo vorbereitende Besprechungen zum Pogrom stattfan- den. Jllv übergab unmittelbar nach der Tat dem Stubenmädchen feiwe blutbeAeckte Reithose. Das Stubenmädchen verbarg dieses Kleidungsstück und gab es erst den recherchierenden Detektivs. VulkanavSbruch ans Java. Nach einer Melouna aus Welte- Vreden zeigt der Vulkan M e r a v i«in« stark erböbt« Tätigkeit. Dichte Rauchwolken steigen auS den Kratern, ein Strom von Lava imd glühendem Schutt wälzt sich vorwärts, über beinah« ganz M i t t e l j a v a fällt Aschenregen. Ter letzt« große Ausbruch deS Vulkans erfolgte im. Jahre 1872. Srlefkasten der Redaktion. Neter wr tzen Brlefkallcn teMmmten Anfrea« fllll» man einen BuAstatze» und eine Nummer bei. Brieflicki» Anskunff wird niitzt erteilt. Slllde An- lrase» kraae man in der Iurilliliben Svrechllund». Linden itr. S. 1. Lok var» terre links, vor. SlbristNLck« und Bertrilae llnd mitaubrinaen. C. 4>. II. Fragen Sie in der Zentralstelle sür Auswanderer. Berlin, Am Karlsbad 10, an.— Sb- Svq. I. PIrlleickit nimmt da» Zentralamt der KriegSgelangcnen, Berlin 8�k. 88. Lindenstr. SS, Ihre Sache in die Hand. H. H. 33. Bernbard-Rose-Tbcater, Kroße Frankfurter Straß« 132. Herl n�sdorf See- u. Solbad Der ▼on der Natur mit Hoohrrald am meisten bevorzugte Badeort der Ostsee.— Kurmasik. 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Die gute Massary-Zigarette Wer sie noch nicht geraucht hat, sollte sie probieren! Wer sie kennt, wird zum überzeugten Anhänger unserer Fabrikate. Urteilen Sie selbst] Der neue AuS Senf wird uns gedrahtet: In den späten Abendstunden des Donnerstag ist der erst« Kongreß d er zweiten Internationale zu Ende gegangen, der Kongreß der Wiederherstellung und ldes neuen Anfangs. Um diese�Wiederherstellung herbeizuführen, war es notwendig, auf die im Krieg entstan- dene Gesinnungsrichtung vieler Delegierter Rücksicht zu neh- men. Die Resolution über die..Verantwortlichkeiten" hat die Atmosphäre gereinigt und die Balm freigemacht. Das konnte sie. obwohl ste in weiteren Ausschußberatungen eine wesent- lich andere ftorm angenommen hatte, als jene erste, die in Teutschland begreiflicherweise; Kopfschütteln erregt hatte. Die deutsche Delegation verläßt diesen Kongreß mit dem Gefühl tieferBesriedigung und mit dem Bewußtsein, daß er für das arbeitende Volk und ganz besonders auch für das Pro- letariat Deutschlands Gutes geleistet hat. Würden die Gesinnungen, die ihn beherrschten, allgemein gut sein, so bräche damit ein neues Zeitalter der Menschheil an. Einstweilen aber ist es schon eine großer Erfolg, daß eine breite Bresche geschlagen ist in die moralische Blockade und daß die dauernde Verbindung zwischen den Arbeitern der Tiegerländer und denen der besiegten Staaten wiederhergd- stellt ist. Der Kongreß erreichte seinen dramatischen Hök�punkt, als Donnerstag morgen Ramsay Macdonald die Rcso- lution. die eine Hilfsaktion für Zentrale uropa beantragt, begründete, Marie Juchacz gm Namen der Deutschen ihm dankte und der Belgier de Brouckdre, in einer Rede. die geradezu Weihestimmung hervorrief, dem Antrag der Eng- länder beitrat. In dieser Debatte lebte der Geist einer Mensch- heit, die sich durch die Kraft der Solidarität aus ihrem Elend erhebt. Es war viel mehr, als daß man sich gegenseitig an seinen guten Absichtön begeisterte. Es war echter W l l l e z u r Tat!/ Die folgenden Auseinandersetzungen über Sozialisierung und Staatsform zeigten, daß die auftauchenden Probleme der neuen Zeit auch in der zweiten Internationale lebendig sind. Namentlich die englische Arbeiterpartei weist auf ihrem linken /Vligel Zeichen scharfer Radikalisierung auf. Im all- gemeinen ober herrschte doch die Ueberzeugung, daß es heute weniger darauf ankommt, Endziele zu formulieren als einen praktischen Anfang zu machen. Daß dies nicht an- ders möglich ist als auf Wegen der Demokratie, auch darüber .herrscht volle Uebereinstimmung. wenn auch niemand die De- mokratie, wie sie heute ist, als der Weisheit letzten Schluß zu betrachten geneigt ist. Nach den starken� rhetorischen Wirkungen, die Vander- Veldes Verteidigung derDemokratie erzielte, war es der Bericht deS Vorsitzenden des englischen Textilarbeiter- Verbandes Tom Shaw über die Ergebnisse der englischen U n- tersuchungSreise durch Rußland, der den aller- stärksten Eindruck machte. Eine Darstellung, die auf unmittel- barer Erfahrung beruht, bestärkt den Kongreß in seiner klaren Entscheidung. TaS Proletariat WcsteurovaS wird sich die Methoden seines Kampfes nicht von Rußland vorschreiben lassen. Die Resolution über dos politisch« System, die gegen die eine Stimme Macleans angenommen wurde, wird in Einzelheiten Diskussionsgegenstond bleiben, zeigt aber im ganzen, daß die zweite Internationale die deutsche Methode. die p o l i t i s ch e Demokratie mit der W i r t s ch a s t s d e m o- kratie zu verbinden, akzeptiert. Auch hier zeigt sich scharf der Unterschied zwischen Ost und West, zwischen dem autokrati- schen Staatssozialismus und dem Sozialismus der Wirtschaft- sichen Selbstverwaltung, der die Wirtschaftsform der Zukunft bildet. Alles in allem war man in Grens nichtweniger ent- schlössen als in Moskau, man war nu randers entschlossen. nämlich für Weltfrieden, Wiederaufbau, methodischen Kampf aegen den Kapitalismus, für planmäßige Reorganisation der Wirtschaft. Diese Stellungnahme konnte auch nicht obne Ein- iluß auf die auswärtige Politik deS Kongresses bleiben, der für das Recht der russischen Randstaaten auf Selbstbe- fti m m u n g nachdrücklich eintrat. Auch die deutsche Sozial- demvkrotie konnte gegenüber einer Zerschmetterung Polens durch die Sowjetmacht nicht gleichgültig bleiben. Der Geist der Zivilisation und der Freiheit hat die Genfer Tagung be- herrscht, und dies ist auch der echte Geist der Arbeiterklasse und deS Sozialismus. Die Einladung VanderveldeS, den nächsten Kongreß in zwei Jahren in Brüssel abzuhalten, wurde mit lauter Zu- stimmung angenommen, und wieder erhob sich stürmischer Beifall, als der greise Vonkämpfer der sozialistischen Arbeiter- Internationale. Genosse Eduard B e r n st e i n, die S ch l u ß- rede hielt, die von einer Stimmung starker Ziwersicht ge- tragen war. So kommen wir deutschen Sozialdemokraten aus Genf anders nach Hause als die Unabhängigen auS Moskau. Die Schlußsitzung. Gcnf, S. August- lE!gener Trahtbcricht des..Vorwärts". i Die Schlußdepatten auf dem. Kongreß brachten vor allem den Bericht Mfang. der politischen Kommission. Vandervelde feierte Bern- stein und Kautskp als Vorkämpfer des europäischen SozialtS- muS im Gegensatz zu der Säbcldiktatur, die Lenin soeben in Moskau besonder? drastisch unterstrichen hat. Scheideman betonte, daß unsere Demokratie keineswegs parlamentarischer Kre- tintSmus sei, sondern eine dauernde Mitarbeit der Arbeiterschaft. Wir suche» nicht die Weltrevolutian der Gewalt, sondern die Frie- densarbeit, und die internationale Sozialdemokratie bereite den Weg zur soziaKstischen GesellichastSarbeit. Der englische Eine spänner Mac Lea» forderte Konzessionen an den Bol- schewismuS, erielt jedoch eine scharfe Antwort des englischen Eisenbahners Thomas, der betonte, die Interessen der Arbeiter feien gegen jedem Krieg, also auch gegen einen bolschewistiichen. Shaw berichtete darauf über seine Erfahrungen anläßlich seiner Rutzlaudreise; die Herrschaft des Bolschewismus zeige keine Prole- tarierberrschaft, sondern«ine. M i l i t ä r d i k t a t u r. Die An- träge MacLeans zum Bericht der politischen Kommission wurden darauf gegen wenige Stimmen, teilweise nur gegen die Stimme des Antragstellers, abgelehnt. Die Fragen der kleinen Ratio- nen wurden dem Exekutivkomitee überwiesen. Nachdem noch sin Pole und ein Litauer zu Wort gekommen waren, sprach Alters- Präsident Ed. Bernstein, der mit großem, allgemeinem Beifall empfangen wurde, daS Schlußwort. Bernstein betonte, daß er seit 1872 Mitglied Per Internationale sei und die erste Spalwng der deutschen Sozialdemokratie und der Internationale erlebt abe. Trotzdem damals zeitweise der völlige Untergang der. Organisation gedroht habe, sei die Spaltung überwunden worden, und dies müsse auch heute wiederum möglich sein. Wenn auch manche Län- >der diesmal ausgeblieben feien, mit dem festen, einheitlichen Wil- len müsse auch jetzt wieder die Interna Annale hergestellt werden. Hinter uns stehen viele Millionen Arbeiter, und es ist kein enger Sektengeist, der auf dieser Tagung zum Ausdruck gekommen ist. Der gemeinsame freiheitliche Geist und die einheitliche Grundlage des wissenschaftlichen Marxismus führen zur Demokratie, die erfahrungsgemäß der sicherste Weg zum Sozialismus sei. Der Kongreß habe gute Arbeit geleistet. Mit einem Hoch auf die Aweite Internationale, in das die Versammlung begeistert ein- stimmt, schloß Bernstein. Vandervelde lud zum nächsten Kongreß, der im Jabre 1322 stattfindet, nack» Brüssel sin/ Nach erner kurzen, herzlichen Aussprache des Präsidenten Shaw gingen die Delegierten aus» einander. Genf, 6. August.(T. 11.) Freitag vormittag trat hier das Exekuiivkomiie« der Aweiten Internationale zu seiner ersten Sitzung zusammen. An dieser nahm von deuscker Seite Abg. Wels teil. Auf der Tagesordnung standen die nächsten politischen Aktionen. Die Beschlüsse sind vertraulich. DaS Komitee besteht aus den Genossen: Henderfon. Vorsitzen- der; I. H. Thomas, England, Schatzmeister: Wels für Deutsch- land: Branting für Schweden: Stauning für Dänemark: Troeletra für Holland; Vandervelde bzw. de Brouckere für Belgien; Mircdonald für England; der neunte Platz wird für Frankreich offen gehalten. Schluß ües öeruarbelterkonyresses. Genf, 6. August.(WTB.) Der interalliierte Bergarbeiter- konqreß hielt Freitag bormitiaq fein« letzte Sitzung ab. Auf Vor- schlag der englischen Delegation Wurde die Errichtung eines per, m a n c n t e n internationalen Generalsekretariats beschlossen. H u e iDeutslbland) begründete eine Resolution, die die Verteilung der Koble und anderer Robstoffe auf internationalem Wege regeln und mit dieser Aufgabe das internationale Arbeitsamt be> austragen will. Die internationale Kohlennot sei nicht nur eine Folge der geringeren Kohlenförderung, sondern auch der schlechten. Verteilung. Dies sei nicht nur oei der Kohle so. sondern auch auf jedem anderen wichtigen Rohstoffgebiet. Eine gerechte inter- nationale Ueberwei'ung könne vieles ausgleichen. Der Leiter des internationalen Arbeitsamtes Thomas dankte für das Vertrauen des Kongresses und sprach die Hoffnung aus, daß die in Frage kommenden Regierungen sich nicht der Nützlichkeit dieses Vorschlages verschließen werden. Tie Resolution Hue auf Einricktung eines internationalen Kohlenbureaus wurde dem inter- nationalen Komitee™ entsprechender Weitergabe überwiesen. Der Kongreß faßte eine Entschließung über die Ernah- r u n g der Kinder) die der vom Sozialistenkongreß be'cblossenen entfvricht. Weite? drückte der Kongreß in einer Entschließung die Ansicht aus, daß zur Erreichimg der Nationalisierung bzw. Soztali- flernng der Bergwerke alle Mittel angewendet werden müßten, des. gleicben zur Verbesserung des Arbeitseinkommens. Als zum letzten Mittel bekannt« sich der Kongreß zum internationalen Generalstreik, dessen Grundlagen vor der Verkündung durch einen inter- nationalen BeraarbeiterauSschuß zu prüfen seien. Zur KriegSfrage äußerte der Kongreß die gleich« Allsichch wie der international« Sozialistenkongreß, nämlich, daß die Wiederlebr eine? Verbrechen?' wie de? großen Weltkrieges, der ein« Schmach der Men-schheit darstelle, mit allen Mitteln zu verhindern sei, vor. nehmlich durck» einen internationalen Streik. Tie Annahm« der letzten Entschließung erfolgte einstimmig unter langandauerndem Beifall. Tie Versammlung erbob sich mit dem Rufe: „Nftder mit dem Krieg!" und stimmt« die Internationale an. Nachdem ein neuer Erekutiv- aus'chuß bestellt worden war. dem zwei Franzosen, vier Snaländer, drei Teutßbe(Hue, Wißmann und Imbusch), zwei Belgier, se ein Oesierveicher. ein Ungar, ein Pole, ein Luxemburger sowie zwei Tschecben und vier Amerikaner angehören, schloß Präsident Smillie den Kongreß. Anklage unü parteihetze. Frankfurt a. M., 6. August.(Eigener Drahtbericht des„Vor- wärtS".) Der„Frankfurter Zeitung" wird aus Stockholm ge- meldet: Der sich zurzeit in Deutschland aushaltenoe schwedische Linkssozialist Lindhagen verlangt in einem Schreiben an die schwedische Regierung eine Untersuchung über die Art der Auswahl der nach den nordischen Länoern gesandten deutschen Kinder, da die Gefahr einer einseitigen parteiischen Auslese vorliege. Nicht ohne Grund habe die norwegische sozialdemoktatische(bolsche- wistischel Red.) Partei daraus bestanden, daß die norwegischen Ar- heiter nur Kinder aus Familien aufnehmen sollten, die der deutschen unabhängigen oder kommunistischen Partei angehörten. Herr Lind- Hägen emvfiehlt, in Zukunft den Kindern bedürftiger Arbeiter eine Vorzugsstellung einzuräumen. Ein« sofortige Klarstellung durch die Auswahlstellen ist unerläß- lich. zumal LindHagen ein ehrenhafter Mann in gesetzten Jahren und lein Fanatiker ist. Aber die Schwedenkinder nach dem Väter- lichen ParteiylitglltdSbuch auszusuchen, wäre eine wahr« Schande!_ Der bekannte Pazifist Knrt von Tepver-LaSki, der Begründer de? Bundes Neues Vaterland, begeht am 8. August seinen 73 Ge- �'itag. Schon im April 1313 provbezeit« Teover-Laski, daß ein rfuet«aropässcher Krieg den„Erfolg" des sojährigen Krieges für Europa haben würde. Die Geschichte hat ihm Recht gegeben. �eimkehrmSylichkeiten aus Sibirien. Kopenhagen, S. August.(T, II.) Der dänilcki« Konsul Möller« Holst au» Irkutsk äußerte sich der.BerHnSke Tidende" gegenüber über die TranSportmöglitbkeiten der Kriegsgefangenen km asiatiscben Rußland. Die Gefangenen önlich de« BaikalseeS— eS handelt sich etwa»m IS 003, brnipiiächlich Oestcrreicher und Ungarn— müßten in östlicher Richtung über Wladiwo stock transportiert werden. Der Babnverkehr nach Wladiwostock sei im Gange, Schiffsraum ist Vorbonden. Nur wegen der Kosten bietet der Heimiransport Schwierigkeilen. Alle sibirischeu Getangenen West« lich de« BaikalseeS— etwa 100 000 Mann— müßien in westlicher Richtung befördert werben. Der schlechte Zustand des BabnmaterialS bereite hier die größten Schwierigkeiten. Möller-Holst glanbr nicht, daß alle Gefangenen noch in diesem Jahre in die Heimat transportiert werden können. Amerika verbietet britische Kabellegimg. London, 6. August. Die britische Gesandtschast in Washington verständigte den mir der Legung eine» Kabels zwischen Barbados und Miami beauftragten britische« Osfisier, die Arbeit einzustellen, bis er weitere Instruktionen erholte. Wilson hat fünf Zerstörer nach Miami entsandt, die da» Legen der Kabellager verhindern sollen. weil die Western Union Cable Company nicht die staatliche Kon- zession besitzt. Unnötige Aufregung. Keine Räterepublik in Chemnitz. Chemnitz, 6. August.(Eigener Drahtbcricht des„Vorwärts".) Tie„Ehemniver Neuesten Rachrichten", ein bürgerliche» Organ, verbreiteten heute früh die Nachricht, daß im Laufe des Freitag nachmittag die Räterepublik in Chemnitz ausgerufen wer. den sollte. Und zwar sollt? dies geschehen im Verlaufe einer k o m- muni st Ischen Protestdemonstration gegen die Ent- waisnung, die auf 5 Ilhr nach dem Königsplatz berufen war. An- laß zu dem Gerücht gab folgende amtliche Meldung: In der Nacht vom 5. zum 8. August gelang es der Landes- Sichrrhritspolizei auf der Strecke Eberobach— Zwickau ein Auto mit 1? bewessneten Insassen anzuhalten und diese fest- zunehmen Tas Auto führte große Plakate mit, welche die Auf- schrift hatten; Nieder mit der Regierung, Ve>vaffniing deS Prrle- tariats, Ausrufung der Räterepublik! Die Unterschrift lautete: Der Vollzugsrat. Die Demonstration der Kommunisten hat stattgefunden, ste ist aber vollkommen ruhig verlaufen. ES kamen keinerlei Ausschreitungen vor, geschweige denn, daß die Räterepublik ausgerufen wurde. öraunsckweiger Etatssckwiengkeiten. Vrannschweig, 6. AuMst. Wie die„Bvcmnschwelgischen Neue- sten Nachrichten" melden, hoben die Beratungen de? FinanzauS- schusses deS Landtages, der seit drei SSochen mit der EÄtberatung beschäftigt ist, ohne daß eS'der Regierung gelungen wäre, einen abgeschlossenen Etat vorzulegen oder über die Deckung des Defizit von ca. 23 Millionen Mark irgendwelche Vorschläge zu machen, heute ihren Abschluß gesunden. D:e bürgerlichen Parteien haben die Erklärung abgegeben, daß sie ihr« Mitarbeit im Ausschuß einstellen, bis eS der Regierung gelungen sei, einen g e o r d- neten Etat vorzulegen. Wirtschaft Sabotage in Neichsbetriebcn. Wir haben uns mit dem Verhältnis der R e i ch s p o st zu den Kraftverkehrsgesellschaften wiederholt beschäftigt, und müssen e» nnlbmal» tun, weil nichts geschieht, um diesem un- erhörten Zustand, daß Reichs betriebe gegeneinander kämpien, ein Ende zu machen. Die KraftwagenverkehrSgeiell- » ch a f t e n arbeiten mit Reichs- und Provinsialgcldern in Höbe von 33 Millionen und erhalten außerdem npch garantierte Zilscdüsse. Wenn die Reichspost den Uebeilatzdautomobilverkebr aufnehmen will, so iit dagegen gewiß nicht? einzuwenden, wenngleich von fach- männischer Seite nachgewiesen wird, daß dieser Verkehr als Per» sonenverkehr obne ansgebonten Lastentransport der Poit große Verluste verursachen wird. Wir haben bier nicht die technische Seite der Angelegenheit zu bebandeln. sondern die Oeffentlichkeit daraus hinzuweisen, daß dank einer Geheim- ratspolitik im Postministerium die Mittel de» Reiches und der Steuerzahler in unwirtschaftlichster Weite verschwendet werden. Da« Kabinett muß bier endlich eingreifen und dafür sorgeii, daß in irgendeiner Form eine Verständiaung zwischen den konkurrierenden Rcichsbetnebeii herbeiaeführt wird, denn die Not de» Reiche» ist wahrlich z» groß, al» daß hier für ehrgeizige Beamte besondere VeläliaungSgebiete reserviert werden können. Charakteristisch für den Geist im ReichSvostministeri um ist ja auch die van un» erwähnte Taiiache, daß zwischen Reich»- V o st und den Reichswerken(Deutsche Werke A, ein Zu- sammennrbeiien bisher nicht hergostellt weiden konnte, obgleich sich die Reichsbetriebe alle Mühe gegeben hoben, von der Post Auf- träge zu erhalten. Bcdarfsdrckunffswirtschnft und Konsumvereine. ' Wir erhalten folgende Zuschrift: In Nr, 313 des„Vorwärts" tritt Dr. A. Strieme? mit Wärme für eine geregelteBedorfSdeckungSwi itj ch a f t ein, c>ie in ihrer Wirkung zu einer Verbilligunq der VermauchSgüter füh- reu müsse; er verweist dabei auf die K o n i u m ge n o s se n- schaften als geeignete Organisationen zur Durck.fübruug einer die Erzeugung und den Verbrauch regelnden Wirtschaftsform. Dies« Darlegungen verdienen weitgehendste Beachtung und sind um io mehr zu begrüßen, weil bei einem großen Teil der sozialistischen Presse die Konsumvereinsbewegung bisher nicht die wünschenS» werte Würdigung fand. Ein'oe Punkte der Ausführungen in jenem Artikel verraten jedoch Gedankengänge, die als ab.vegig bezeichnet werden müssen. Wenn u; a. eine das Bestehen mehrerer Genossenschaften am gleichen Orte voraussetzende Konkurrenz der Konsum- vereine da? Wort geredet wird, so muß dieser Auffassung von jedem genossenschaftlichen Praktiker entschieden Widers vrochen>ner- den. Die Konsumverein« können ihren großen wirtschaftlichen Ani- gahen nur dann eierecht werden, wenn sie möglichst alle Kreise der einer geregelten BedarsSdechrnaswirtschaft zustrebenden Ver- braucherschaft einhe-tlich umfassen. Jede Trennung in meh- rcre gleichartig- Organisationen bedeutet Zersplitterung der Kräfte, Erschwerung deS Ausbaues deS einzelnen Vereins, Lähmung der so dringend erforderlichen EigenkapitalSbikdung und letzten Endes Verteuerung der BedarfSversorgung— mit einSin Worte: Sa- b o t a a e der gr.undlsgendcn Zwecke und Ziele de? Genossenschaft?» gedankens. Für klein« und mittlere Orte würde das Bestehen mehrerer Konsumvereine geradezu die Unterbindung einer wirk- sv m e n KonsumvereinStät'gkeit, in v'clen Fällen den Ruin der Vereine zur Folo« haben. D'« Geschichte der KwisumvereinSbewe» giing erbringt hierfür dudendfache Beweise. Aber auch für die Großstädte ist der Gedanke de» Konkurrierens der Konsumverein« gegeneinander durchaus unannebimbar. Friedrich Güttlcr. * Zu der Frage„Konkurrenz unter den Konsumver- einen" ist zu bemerken, daß es auch' einen planmäßigen Wettbewerb gibt, der durchaus nicht unwirtschaftlich zu sein braucht, vielmehr e'nen Ansporn zu höchsten Anstrengungen und Leistungen bedeuten soll Die Leistungen der großen Kon- sumvereine befriedigen ihre Mitglieder in vieler Hinsicht nicht und stehen oft weit hinter denen des Privathandels. Die Beg.etste- r u n g für die großen sozialen und ethischen Ziele der Konsum- genossenschaft s l a u t a b, wenn die Konswmgenosienschast nicht we- nigstenS der« gleiche knetet als die Konkurwenz de? Einzelhandel?. Niemand wird bestreiten können, daß z. B ein zweiter Arbeiter- Konsumverein ir, Groß-Berlin imstande wävei vielleicht mehr zn bieten als es der bestehende tut, weil seine Geschäftsiührer n; ch rühriger, uniernebim nder und ideenreicher sind als d's de? alten Konsums. UnwirtschastVich wäre die Konkurrenz nur dann, wenn die V-rkmifssteller» in den Ahsntzkreisen dichter angelegt werden als der Absatzmägkßlreit entsvricht. Darin würde eben der plan- mäßige Wettbewerb bestehen, daß sie Jicb über nächtige wirtschaftliche Fragen verständigen, bei Einkäufen, soweit eS möglich ist, gemeinfam vorgehen usw. Die Kon sumbew egnng umfaßt heute erst einen ganz kleinen Teil der LebenSnnterhaltsmiiiel und Bedarssärtikel und ist außer. ordentlich auSbauungSfähig. Der Arbeiterschaft geht die- ser Ausbau viel zu langsam. Den hunderttausend Einzeige- schäften in Groß-Berlin stehen hundert Konsumverkaufsstellen ge- genüber Wer im Konsum mit diesem oder-senem Artikel nicht zu-- frieden ist, geÄ beute inS KleinhandelSgeschäft oder W a- r e n h a u S. weil eben eine andere Konsnmorganisatian fehlt. Daher brauchen wir auch im Konsum einen umfassenden Weit. bewerb, der vlanmgßig miteinander arbeitet in der Richtung auf daS große Ziel der genossenschaftlichen Bedarfs- d e ck» n g S w i r t s ch a f t. OewerMastsbewegung öetriebsrätegesetz und Virtfthastsfrieöen. Durch daS Betriebsrätegesetz sinb die Forderungen der Arbeit nehmer auf ein wirtliches Mitbestimmungsrecht in keiner Weise erfüllt worden, aber auch die durchaus nicht weitgehenden und über aus auslegungsfähigen Paragraphen des B.R.G. werden von den Unternehmern durch schikanöse Einwände vollkommen wirkungslos gemacht und die Schltchtungsausschüsse bemühen sich anscheinend, die Bestrebungen der Unternehmer zu unterstützen. So fällte der Schlich tu ngZausschu st Altona bezüglich des 8 30 deS B.R.G., über Abhaltung von Sitzungen der Betriebsvertretungen innerhalb der Arbeitszeit, folgenden Spruch: „Die Betriebsvertretungen sind, nach 8 30 des B.R.G. nur dann berechtigt, innerhalb der Arbeitszeit Sitzungen abzuhalten, wenn die Verhandlung des Gegenstandes nicht bis zum Schlust der Arbeitszeit hinausgeschoben werden kann. Ist der Vorsitzende der Bctriebsvertretung der Ansicht, dast die Verhandlung des Gegenstandes nicht bis zum Schlust der Arbeitszeit hinauSge schoben werden kann, so hat er der Firma mindestens eine volle Stunde vor Beginn, unter Mitteilung der Tagesordnung, schriftlich Anzeige zu erstatten. Widerspricht die Firma, so bleibt es zunächst� in das Pflichtgemäste Ermessen des Vorsitzenden ge stellt, ob er die Sitzung dennoch abhalten will oder nicht. Hält er sie ab und ruft die Firma den SchlichtungsauSschust an, so entscheidet dieser über die Dringlichkeit der Sitzung. War sie nicht dringlich, so haben die Mitglieder der Betriebsvertretung keinen Anspruch auf Bezahlung der durch die Teilnahme an der. Sitzung versäumten Arbeits. zeit. Werden fortgesetzt ohne Dringlichkeit während der Ar- beitszeit Sitzungen abgehalten,>o kann darin unter Umständen eine gröbliche Verletzung der gesetzlichen Pflicht durch den Vor» sitzenden und auch die übrigen Mitglieder der Betriebsvertre- jungen liegen, die eine Auflösung derselben.gemäst 8 41 B.R.G. rechtfertigt." Die Unternehmer machtzn sich jedoch die Regelung dieser Frage erheblich leichter, indem sie einfach bei Sitzungen während der Ar- beitSzcit Gehalt und Lohn kürzen, ohne Äücksicht darauf, ob die Dringlichkeit anerkannt ist oder nicht. Bei manchen Firmen schweben bereits Hunderte von Klagen und die Betriebsvertre- tungen haben ihre liebe Not. diese Klagen zu bearbeiten. Noch auffälliger ist ein vom SchlichtungsauSschust Grost-Berlin gefällter.Schiedsspruch über die Gegenzeichnung von Nachträgen zur Arbeitsordnung auf Grund des 8 80 B.R.G.: „Die Anordnung der Geschäftsleitung w�gen Aenderung der Kontrolle bedarf nicht der Unterschrift deS Betriebsrates. Begründung: Die Arbeitsordnung vom 16. Juli IZOS sieht im 8 14 Abs. 3 «ine Kontrolle vor, die bei Eintritt in das Geschäft und beim Verlassen zu passieren ist. Sie enthält keine Vorschriften dar- über, in welcher Weise diese Kontrolle auszuüben ist. Die Ge- schäftSleitung bat sich also die Bestimmung über die Art und Weise der Konirolle vorbehalten. Mithin liegt keine Aenderung der Arbeitsordnung vor, wenn sie während der Geltung der Ar- beitsordnung jn der Art und Weife der Kontrolle wechselt." Nach dieser Beweisführung braucht die Arbeitsordnung nur belanglose Redensarten zu. enthalten. Wenn dann die wirkliche Regelung der Ordnung durch Nachträge erfolgt, so soll gerade da, wo eS auf die Wahrnehmung der Interessen der Belegschaft an- kommt, die Betriebsvertretung nicht mitzusprechen haben. Bei dieser Gelegenheit sei noch hervorgehoben,' dost von den Unter. ncfmern die Festsetzung von Strafen so aufgeiatzt wird, dast generell die Sätze gemeinsam mit der Betriebsvertrctung festgesetzt werden, im einzelnen Falle jedoch die Bestrafung durch den Unter- nchmer selbständig erfolgen soll. Der Schlichtungsausschuß Grost-Berlin fällte in diesen Tagen in einer Streitsache über Festsetzung von Sprechstunden während der Arbeitszeit folgenden bemerkenswerten Schiedsspruch: „Der Anspruch der Beschwerdeführer auf Verlegung der Sprechstunde des Betriebsrates innerhalb der Arbeitszeit wird zurückgewiesen. Gründe: 8 76 B.R.G. sieht für die Sprechstunde— wie 8 30 für die Sitzungen des Betriebsrates als Regel die Zeit außer- halb der Arbeitszeit an. Zu Ausnahmen ist nach 8 76 Satz 2 die Zustimmung des Arbeitgebers erforderlich. Ein Anspruch des Betriebsrates und der Arbeitnehmerschaft auf eine Sprech- stunde innerhalb der Arbeitszeit ohne die hier fehlende Zu- stimmung des Arbeitgebers besteht nach dem B.R.G. nicht. Der SchlichtungSausschust ist aber nach 8 20 V. O. vom 23. Dezember 1913 bei Streitigkeiten, bei denen die Arbeit. nehmerschaft oder ihre gesetzliche Vertretung beteiligt ist, allge mein befugt, Schiedssprüche zu fällen, und diese Befugnis ist durch das B.R.G., wie 8 66 Ziffer 3 ergibt, nicht ausgehoben. Vgl. auch die Ausführung des Demobilmachungskommissarz im Mitteilungsblatt des SchlichtungsausschusseS Grost-Berlin vom IS. April 1920 Seite 238. Seine Entscheidung unterliegt aber der Nachprüfung deS DemobilmachungSkommissarS. Sachlich hält aber die Kammer den Anspruch im vorliegen- den Falle durch die Sachlage nicht gerechtfertigt. Die Ansicht der Volksvertreter, wie sie im B.R.G. zum Niederschlag ge kommen ist, sieht, wie oben erwähnt, die Sprechstunde außer- halb der Arbeitszeit als Regel an. Eine Ausnahme müßte also durch wichtige Gründe gerechtfertigt sein. Von dem Vorliegen solcher hat sich die.Kammer im vorliegenden Falle nicht überzeugen können. Die jetzt eingerichtet« Sprechstunde um 4% Uhr für Arbeiter und um 5 Uhr für Angritellie liegt für einen Teil der Arbeitnehmer bereits innerhalb der Arbeitszeit, nämlich für die von 1 Uhr nachmittags bis 9 Ubr abenidS be schüft igten etwa 300 Arbeiter im ZeitungSkerstellungsgewerbe, ferner für einen Teil deS in den Filialen beschäftigten kauf- männischen Personals und zwar etwa 80; den Wünschen der Ärbcitnehmerschaft ist alsg bereits bis zu einem gewissen Grade Rechnung getragen. Die Inanspruchnahme der Sprechstunde durch«inen größeren Teil oder gar durch die gesamte Arbeit- nehmerschaft innerhalb der Arbeitszeit müßte zu Störungen in der Produktion und Disziplin führen. Auf der anderen Seite kann den Arbeitnehmern zugemutet werden, außerhalb der Arbeitszeit die Sprech st unde aufzusuchen, zu- mal dies für den einzelnen ja nur in längeren Zeiträumen not- wendig wird und die jetzige Sprechstunde sich für den weitaus größten Teil der Arbeitnehmerschaft unmittelbar an die Arbeits- zeit anschließt, soweit sie nicht überhaupt innerhalb derselben liegt. Die Mitglieder des Betriebsrates endlich können sich bei Abhaltung der Sprechstunde abwechseln und müssen diese Mehr- belastung als Folg« des ihnen übertragenen Ehren- amteshinnehmen." Die Betriebsräte haben die Pflicht, in Gemeinschaft mit den Gewerkschaften den Zusammenschluß der Betriebsvertretungen schnellstens vorzunehmen, um die Mittel und Wege zu finden, dieser Sabotage des BetriehSrätegesetzcS ein Ende zu machen. Die Unternehmer sowohl als auch die SchlichtungSauSschüsse sollten eS sich gesagt sein lassen, dast durch derartige Praktiken die Betriebe mit Hilfe der Betriebsvertretungen nicht vor Erschütte. rungen bewahrt werden können, sondern dast die Unruhe in den Betrieben täglich zunimmt. Ob dies der Zweck und Sinn des DetriebSrätegesetze? war, sei dahingestellt. Keine Mufterarbeitsordnung für Angestellte. Am 28. Juli fand vor dem RcichSaribeitSministerium die Be. ratung über den Entwurf einer MusteratzbeitSordnung gemäß 8 80 B.R.G. statt. Der Vertreter der Arbeitsgemeinschaft freier An- gestelltenvevbände erklärt«, dast seine Organisation grundsätzlich für den Ausbau des kollektiven Arbeitsvertrags und den Ausbau deS Be- triebSrätegesetzeS�eintrete, dagegen die Arbeitsordnung überhaupt aiblehne. Wo dieselben gesetzlich vorgefchr-eben seien, fällen sich die Betriebsvertretungen auf die Mustvorfchriften der G.O. be- schränken, unter keinen Umständen aber Strafbesiimmungen gut- heißen, da die Ordnung im Betriebe durch freiwillige Arbeitsdiszi- plin aufrecht zu erhalten sei. Die AvbeitSgemeinschaft freier An- gestelltenverbände lehnte es Furunkulose, Blut- arinut, Rachitis, Herzleiden. Magen-, Darm- und Leberleiden, Hämorrhoiden, Katarrhen des RachenS pp.. Frauenleiden, Fettsucht usw. Ueberall zu haben. Verlangen Sie Prospekt von der Propaganda-Abteilung der Bad Neu-Ragoczy-A.-G. in Halle, Barfüßerstr. 7, Tel. 4268, oder von Gerhard H. O. Iwan, Berlin-Karlshorst. Prinz-Heinrich-Str. 1l, Tel. 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