Nr. 393» Z7. Jahrgang Ausgabe B Nr. SH BrzuqSpretS: L>r!«i ä!>r�. Zll.—M!. mi>na!>.10.— 3RL frei in« sious. oormt»«chldar. Ofiun ünonatlid-, 10.— ält.«tfL Su- ilellunqsqebüdr. Um« Jireusbanö tüi i>eulid)l ganz Lemberg unter Waffen. Warschau, das ebenfalls Ruhmes- | blätter in seiner Geschichte zu verzeichnen hat, muß de« Beispiel Lemberg» folgen. Zur Verteidigung der Hauptstadt müssen alle Bürger in Reih und Glied treten. Der Tag ist gekommen. Es gibt keine Wahl. Entweder Kampf bis zum Aeußrr. st e u und damit Sirg und Freiheit,»der Sklaverei. Di« Hauptstadt wird sich nicht ergeben. Bürger, zu de» Waffen! gez. W i t v S. Trotzdem eine Londoner Konferenz? London, 6. August. Der Korrespondent oes„Eventng Stan- txrrd" erfährt, daß die englische Regierung trotz de» unbe- friedigenden Charakter s der russischen Antwort den Vor- schlag annehmen wird, wonach in London eine Konferenz abgehalten werden soll, auf der nach Beendigung der direkten Der- Handlungen zwischen Moskau und Warschau die Frage des polni- schen Friedens besprochen werden soll. Deutschland und die Ostseeländer würden wahrscheinlich auf der Konferenz vertrete» sein. Das Blatt bringt diesen Bericht mit dem Vorbehalt, daß di« volle Zustimmung Frankreichs erwartet werde, aber noch nicht erklärt worden sei. vorwärts-veriag G.m.d. H.» SW. 6$, Lindenstr. 3. Fernsprecher: Amt Morivplan. Str. 117 Sit— 54. die Wohnungsnot. Von Dri de La Porte, Direktor des städtischen Wohnungsamts, Berlin. Das fast völlige Stocken einer jaden Bautätigkeit ver- schärft die Wohnungsnot bis zur Urrerträglichkeit. Es ist tvcchvlich cm der Zeit, daß neue Wege zur Abhilfe gesucht werden. Von den aus Schritt und Tritt von ihren vorgesietzten Instanzen gsheminten�tmd gegängelten und augenblicklich mit geringer Machtkompetenz ausgestatteten Wohnung-- ä m t e r n kann man wirklich nicht das Heil erwarten. Ich will underseferden zwischen kleinen und großen Mitteln zur Abhilfe. Die ersteren können wohl Linderung der Not, aber keine Beseitigung, keine Heilung bringen. Sie gleichen den Salben und Pflästerchen aus ein Geschwür, die wohl nützlich sind, aberViLmals die letzte Krankheitsursache, dir im Gesamt- organismus liegt, beseitigen können. Zu den kleinen Mittxln gehören: Stärkeres Belegen allzugroßer Wohnungen, Unterteilung solcher Wohnungen, Erbauen von Bureauwolkenkratzern, Biirranbaracken. um dio Bureaus aus den Wohnungen herausziehen Ml können, Aus- bau von Lauben, Dachgeschossen usw. Das große und einzige Mittel aber ist erhöhte Neubautätigkeit hygienisch einwandfreier Wohnun- gen unter intensivster und rationellster Mitwirkung der Arbeiterschaft. Verhältnismäßig einfach war die Frage vor dem Kriege zu lösen, als man die starken Schäden einer unsozialen und aus diesem Gebiete schädlichen Eigentums- Ordnung und Arbeitsordnung leichter überwinden konnte und vor allem das Geld in genügendem Umfange zu Neubauten vorhanden war. Beides ist jetzt grundsätzlich anders. Uner- träglich wird es jetzt sein, wenn Mittel und Baustoffe, die den Baubedürftigen Mir Verfügung gestellt werden, zu pri- Voten Spekulationszwecken, zur Bereicherung von Erwerbs- gesellschaften usw. dienen sollen, wenn— wie früher oft die Befriedigung des Wahnbedürfnisses— nicht Selbstzweck, sondern Nebenzweck, dagegen der Unternehmer- oder Kapital- giowinn zum Hauptzweck würde. Und unmöglich wird es ebenfalls fem, aus öffentlichen Mitteln der bis an die Grenze an- gespannten Steuerkraft noch Miftel für die Neubautätigkeit zu beschaffen. Ohne solche Mittel aber läßt sich z-urzeft nicht bauen. Bei den MatenalPreisen und Löhnen würde der Miet- preis einer Kleinwohnung, die ohne Bauzuschüsse erstellt wäre, eine derartige Höhe erreichen, daß sie einfach für 76 Prdz, unseres Volkes nickst mehr erschwinglich würde. Gibt es einen Ausweg auS dies« Zwangslage? Die Frage ist mit einem glatten„Ja" zu beantworten, die Lösung erfordert eine neue Einstellung des juristischen und soziale i? Denkens. Die Ueberzengung, daß imser Bodenrecht und damit unser Realkredit sy stem veraltet ist und de.i sozialethischen Anschauungen unserer Zeit nicht mehr ent- spricht, dürfte wohl allmählich auch bis in das Bewußtsein eines hochmögenden ReichSftisti Ministeriums gedrungen sein das noch innner vorwiegend unter her einseitigen starren römisch-rechtlichen Auffassung des P r i v a t e i g e n t n m- b e g r i f f s steht.. Von den vier volkswirtschaftlichen Fak- toren der Wirtschaftsbildung: Kapitalzins, Arbeitslohn, UnterneHmevgetoinn und Gründrente, ist jedenfalls die So- zialifierung der Grundrente nicht nur die sittlich gerechtfertigtste, sondern auch volkswirtschaftlich ohne Unter- bindung der notwendigen Anreizwirkungen zur Arbeit, die ini System der Eigenwirtschaft liegen, und ohne jede Schädigt mg der Allgemeinheit am leichtesten zu erreichen. Ja, im Gegen- teil, eine Beseitigung mancher wirtschaftlicher Schäden ist neben anderen Vorteilen meiner Ansicht nach der sichere Gc- winn einer derartigen Reform des Bodenrechts, bei dem wir nur altgermaniiche Recht sbegrifte mit modernen Auffassungen zu verquicken brauchen. Geheimrat Ponfick vom Nci chs arbei tsministeriirm hat die Hauptforderungen dieser aus dem allgemeinen Programm des Bundes der Bodenreformer sich ergebenden Forderungen aus diesem Gebiete treffend in folgeirden Leitsätzen zusammen- gefaßt: 1. Kraftvolle Durchführung des leidor noch wenig bekannten RtzichSsiedelungSgesetzes einschließlich der E n S e i g» n u n g zu angemessenem Preis, 2. Planwirtschaft mit ländlichem ßtound nnd Boden durch behördliche Uoberwachung deS Verkehrs mit ländliche» Grund. stücken. 3. Einführung eines SondsrvorkaufSrechte» de« Staates(mit der Befugnis der Uebertrogung). 4. Möglichkeit der Enteignung zum Selbsteiinschätzung»- wert für die Zweck« des Gemeinwohls. 6. Einführung einer Verschuldungsgrenze. 6. Einführung einer steigendon Grundwertsteuer (um Latifundienbesitz zu verhindern)., 7. Ueberwachung der Bodennutzverträge(Pachtschutz, Pacht- einigungsämter). Dies« sieben bodenreformatorisiben Forberrmgen lassen sich kennzeichnen als Eingriffein das unbeschränkte Lerfüaunasrecht über bat Grund taä SBabea. am semen GebrauN zn Spekillaticms- und Luxu�Me'cken zu ver- hindern, den Verschuldungsmißbrauch durch Ucberbel�ihuuq und falsche Einschäbnna zu beschränken. Weitg-ehender und in ihrer Wirkung durchgreifender sind die von dem bekannten Tiedlungsreformer Heyer aufgestellten Grundsätze, die überhaupt mit dem PrivatergentumSbegriff an Grund und Boden aufräumen und dafür ein L x b n s> r c ch t'etzen, das von der öffentlichen Hand(den staatlichen und kommunalen S'ieöhrngsämtern) als vererbliches und ver- äußerliches Nutzungsrecht an Private vergeben wird. Ein weitgehendes Berfügimgsrecht über den Boden wird hier also auch eingeräunN(die Vergebung des Bodens an Dritte ge- schiebt in der Form der Bodenpacht als zeitlich begrenztes, im Rahmen der Begrenzung auch vercrbliches Recht), aber— und das ist das Wichtige und Neue an der Sache, jeder speku- lativ? Mißbrarich des Bodens zu privaten Spekulations- -.wecken, seine Beleihung, mit Ausnahme von Meliorations- darlehn, ist ausgeschlossen, Im Gegensatz zu dem Heimstättzenbegrisf des neuen Reichsgesetzes, der wirklich mit dem eigentlichen Wesen der Sache verdammt lvenig zu tun hat und nur eine kärgliche juristische Figur ohne Leben geworden ist, spielen Heimstätten und Rentengntsrecht in den Heyerschen Vorschlägen eine große Rolle. Daß die Beleihung der Gebäude nach amtlichen Schätzungen mit schnell abzutragenden Tilgimgshypotheken usw. vorgenommen wird, bedarf keiner weiteren Erörterung. Das allen Gemeinsame ist folgendes: I. Eine allgemeine Mietsteucr als Geldquelle für Neu- bauten, wie sie jetzt das Reich als Steuerquelle einzurichten ge- denkt, wird abgelehnt, da sie nur eine dauernde Erhöhung der Mieten zur Folge haben würde mit dem daraus erfolgenden Anziehen aller übrigen Löhne und Preise. 2. Die Nclubau mittel können nur aus einer Diskontierung, ent- weder der Steigerung der bereits bestehenden oder der noch zu er- stellenden Bauden bereitgestellt werden. Von der M i e t- odter W o h n st e u« r, die ja jetzt durch einen vom Reichswirtichaftsrat augencmtmenon Antrag von der Rcichsnegiernng dringlich gefordert wind, ist auch wegen der großen Schwierigkeiten ihrer technischen Durchführung und der Verteilung i Irrer Erträge auf das Reich, die Länder und Gemeinden dringend abzuraten. Sie kann höch- itens als einmalige kommunale Abgabe bis zur Organisation anderer Geldquellen in Frage kommen, um sofort die Neu- bautätigkeit in Gong zn bringen. Der fvnchtbarstc Gedanke ist aber doch wobl die Diskon- lierung der Bau werte. Wie der Kaufmann seine noch nicht bezahlte Forderung, die durch einen Wechsel verbrieft ist, so- iort bdm Bankier in Geld umsetzen kann, so sollen die tat- iäcWich gestiegenen Werte der bestehenden oder noch zu er- stellenden Bauten flüssig gemacht werden, um hiermit Neu- bauten aufführen zu können. Zunächst zur Diskontierung der Wertsteigerung der vor- handenen Bauwerke. Sowohl Heyer als auch die bedeutend- stcn Sachverständigen auf diesem Gebiete, Dr. Kampfs- meyer und Dr. Martin Wagner, lehnen interessanter- weise Staat und Gemeinden als Verwaltungsorgane �er Durchführuna des Gedankens ab und fordern neue Selbst- Verwaltungskörper, die nur mit diesen Aufgaben zu betrauen sind und im übrigen möglichst wenig bnreaukratisch orgoni- siert zu werden brauchen. Wenn der Gesetzgeber nur einen ollgemeinen Rahmen aufstellt und im übrigen die Einzel- besten der Organisation den lokalen Körpern selbst überläßt, ist hier frisches Leben durchaus möglich. Ob diese Selbst- veitvaltnngskörper, sogenannte..Heimstättsenvenbände", nach Kampfsmeyer-Wagncrschen Vorschlägen in erster Linie Träger der sozialisierten Hausverwaltung oder nach Heyerschem Vorschlage„Hausschasten", mehr öffentlich-rechtliche Ver- mittler des Realkredits sind, spielt in diesem Zusammenhang keine Rolle. Der Hauptgedanke ist immer: Durch Ausgabe von Pfandbriefen in Höhe der gestiegenen B a»werte und durch starke Vermindevung der Verwal- tungskosten, Reparaturen usw. die Mittel zur Neubautätig- . Neues von der Zrieöenstonferenz. Von Dr. Margarete Rothbarth. Als die größte Friedenskonferenz, die die Welt je gesehen hat, in Paris zusammentrat, da wurden mehr als einmal historische Er- innerungen wach an jene andere, die etwa hundert Jahre vorher nach den langen schweren napoleonischen Kriegen in Wien statt- gefunden hat. Es ist aber gewiß- nicht nur«in Quantitätsunter- schied, Ser die Heroen Kongresse unterscheidet. TaS eine Jahr- hundert bat um Profil der Menschheit unendlich viel mehr geändert als vielleicht vorher ein halbes Jahrtausend. Als man in Wien von dem Alp, der Napoleon hieß, sich befreit fühlt«, da kam die lang unterdrückte Lebenslust wieder zu ihrem Recht und das Wort vom Kongreß, der nicht ging, sondern tanzte, klingt heute_ noch nach. Wenn wir heute„hinter die Kulissen der Pariser Konferenz" sehen, so wie V e rn o n Bartlett, ein englifchcr Journalist in einem leickten und zu- weilen humoristisch gefärbten Buche es tut, so überfällt vns genau das gleiche lähmende Geiühl. das jeden, der das Ergebnis dieser Konserenz kennt, beherrscht. Man hat hart gearbeitet in Paris, das ist sicher. Aber man hat zum großen Teil leeres Stroh gedroschen, bat kostbare Zeit verloren und sich an vielen Dingen zerrieben, die .durch die Mannigfaltigkeit der Wünsche der zahlreichen Besucher, die fehlende Uevereinstimmung der Sieger und die entsetzliche Lage Europas nach dem furchtbarsten aller Kriege ergaben. Wenig ist von all dem in dte Lesfentlichkcit gedrungen. Denn obwohl Wilson in seinen vierzehn Punkten laut n-nd vernehmlich verkündet hatte, daß die Gebeimdiplomasie endgültig vorbei sei, haben die„Liq bour" l großen Vier dennoch unter einem Schleier des Geheimnisses verhandelt, der selbst durck die dort weilenden Journalisten nicht gelüftet werden konnte. Oesfentliche Sitzungen waren ganz selten, von den geheimen eriubr man nichts, da jeder Teilnehmer vorher auf Schweigen vereidich wurde. Ein strenger Dienst der Geheimpolizei umgab die großen Hotels, die Haupt- quartiere der Verhandelnden; jedes beschriebene Stückchen Papier wurde sorgfältig zerstört, die Stenotypistinnen hatten Aussichts- damen, weniger um ihre Moral zu beschützen, als um ihnen das Ausplaudern unmöglich zu machen. Jedes Mitglieo der Tele- gation mußte formell versprechen, niemanden,„der für die Zei- timgen schrieb", eine Information zu geben. Wenigstens stand dies auf' dem Papier— manche Temperamente haben sich freilich darum nicht geschert. Oberst House z. B. ließ sich nicht den Mund ver- bieten: und Lloyd George hatte die größte Mühe, um Hughes, den sehr unbequemen australischen Premier-Minister, zum Stillschweigen zu bringen. Schließlich versagte selbst die wohlorganisierte Ge- Heimpolizei zuweilen. Bartlett zitiert den Ausspruch eines englischen Bevollmächiigien, der sagte:„Nicht nur Rom, sondern Europa brennt und wir ver- tröoeln unsere Zeit hier, wie nur le Nero es getan hrt." Vi.'leicht kommt einst der Tag, an dem diejenigen, die in Paris waren, stolz tbrcn Enkeln erzählen,„daß sie date gebesen seien". Jetzt w'dmet Bartlett diesem Tvema ein ganzes Kapitel, um diejenigen zu trösten. die nicht Mitspieler oder unmittelbare Zeugen waren. Jeder hoff«« kost ohne erhMiche Steigerung der Mieten— stier liegt der Schwerpunkt der. Reformgedanken— zu gewinnen. Boden- und Mietzinsspekulationen sind auch bei Heyer ausgeschlossen. Tagegen streben Kainpffmeyer-Wagner die Sozialisiernng der Miethänser(ausgenommen sind Wostnun- gen und Betriebsgebäude der Landwirte, gelverbliche Be- triebsgcbäiide usw.) durch Uebernahme der gesamten städti- scheu Hausverwaltung durch ihre Heimstättenverbände an. Mir persönlich sagen die Heyerschen Vorschläge mehr zu, da ich durch langjährige Beamtenerfahrnng ein stsiliges Granen vor allem zu starken Anwachsen von behördlicher VerwaltiirKz habe, die selbst bei frciester Organisation in großen Verhält- nissen leicht bnreaukratisch wird. Für die Diskontierung der Neubauwerte ist mir bisber nur ein Vorschlag bekannt geworden, der in einer kleinen Broschüre„Columbuseier" unter dem Pseudonym von Ü. Lysses gemacht worden ist. Die Grundlage dieses Ge- dankens ist rein kapitalistisch, nämlich die Ausgabe eines neuen Papiergeldes, der Reichshypotl>ekenbanknoten in Höhe von 80 Proz. der zn beleihenden Nenbauwerte. Diese Reichshypothekenbanknoten sollen entsprechen» der Geldwertvermindernng nur mit% Proz. verzinst werden(14 für Verwaltung,% für Amortisation). Die Träger der ganzen Organisation sollen nach dem Vorschlage des Ver- fassers die privaten Hyvothekeirbanken sein. � Ich stimme dem Verfasser darin bei, daß eine weitere Ausgabe von zirka 7 Milliarden neuen Papiergeldos für zirka lOllstOO Wohnungen jährlich(denn darauf läuft der Vorschlag doch letzten Endes hinaus) deshalb nicht so übermäßig tragisch genom- nien zu werden braucht, weil dieses Papier doch schließlich durch reale Werte— nämlich die mit seiner Hilfe erstellten Bauten— gedeckt ist. Aber bedenklich und unübersebbar er- scheint mir die Frage, ob nickt durch dieses„gedeckte Papier- geld" unsere ungedeckten ReichSbanKnoten und Reichskassenscheine entwertet werden und ob die augenblickliche Beleihung mit 80 Proz. der Herstellungskosten nicht einen Scheinwerl schafft, da nickt abzusehen ist. daß die augenblicklichen Werte sich in dieser Höhe halten werden. Immerhin ist der Vor- schlag interessant genug, um ihn von Bankfachleuten nach- prüfen zu lassen. Schließlich bleibt hier noch erwägenswert die Einrich- hing einer Reichslotterie, deren Lose sämtlich in all- mählicher Auslosung in längeren Zeitablänfen mit Ge- Winnen, d. h. Anwartschaften ans eine Wohnung, heraus- kommen. Zur Unterstützung ist diese Benutzung des Spiel- triebes fraglos wichtig, genügende Mittel lassen sich aber einstweilen durch eine Lotterie nicht beschaffen. Diese kurzen Hinweise möge» genügen, um die am De- ginn dieses Aufsatzes vorweggenommene Bejahung der Frage nach der Möglichkeit eines Auswegs ans unserer, verzweifel- tcn Lage zu beweisen. Ich persönlich würde die Erbebung einer einmaligen Wohnstener ans rein kommunaler Grund- läge zur sosortiaen Belebung der Nenbantätigkeit für richtig halten, da die Gesetzesmaschi ne doch immer einige Zeit branckN, bis die notivcndigen grundlegenden Aenderungen des Boden- rechtes geschaffen worden sind. Für diese Aenderungen sind aber die Heverschen, Kampifmeyerschen. Ponsickschen Var- schlage zugrunde zu legen. Ein? auch nicht sozialistische Re- gierung. welche die in dieser Richtung notwendigen Rcsor- men nicht erkennt und mit aller Energie betreibt, würde da- mit beweisen, daß. sie unfälng ist. die Forderungen unserer Zeit als notwendige sozialistische Entwicklung zu begreisen. Neutralität unü Kontinentalpolitik. Das Zentralorgan der„K 0 n t i n e n t a l p 0 l i t i k e r" die„Voss. Ztg.", ist bereits seit mehr als einem Jähre mit der Haltung des Zentralorgans der Soyaldenwkratischen Partei in den Fragen der auswärtigen Politik nickt zufrieden. Wie überhaupt die Herren Bernhard und R e d I i ck in Tauerfehde nnt all denen leben, die ihre Hetze gegen England und ihren Kotau vor Frankreick nickt niitmachen wollen. von Woche zu..Woche, daß die Arbeit wütcrychen würde, ab'r immer wieder- hemmten r.eue Schwier'nreimn dm AuSfüb-ung. Mau Cais nick» vergessen, welche qroßc Rolle die Sprachenfraqe dabei spielte. Es ist ja bekannt, daß Lloyd George und Wilson nicht Französisch und Orlando nicht Englisch konnten und daß also in dem Rat der Vier immer ein Dolmetsch, der vielbeschäftigte Leutnant Mantoux. anwesend sein mußte. Manch eine Entscheidung wäre'qcändert oder gemildert worden, wenn nicht die Delegierten verärgert gewesen wären durch die Langsamkeit, mit der alles infolge der ewigen llcbcrsetzungen vor sich ging. Als die Deutschen dazu kamen, wurde die Situation unerträglich, und es ist nach Ansicht Bartlett? klar, daß eine Verbondlung mit ibnen ausgeschlossen war, da kein Bevoll- mächtigter aus Erden mit Begeisterung eine Debatte hätte anhören können, von der jedes Wort in drei verschiedenen Sprachen ge- sprachen wurde. sSpa freilich bat das Gegenteil bewiesen?) Von Orlando wird erzählt, daß er so sebr der Schatten Clernenceaus war. daß man oft gar keine Rücksicht aus seine Unkenntnis des Eng- tischen genommen babc. Freilich wird die? mir für'die erbe Zeit zutreffen, denn wie man jetzt aus den nachträglichen Veröffeailichungen viel deutlicher sieht als zurzeit der Verhandlungen selbst, hat dsi italienische sHage die Konferenz ansäuernd in Atem gehalten.„Wir standen mit ibr auf und wir gingen mit ihr zu Bett", erzählt ein anderer Bericht- crstatter. Die Feindschaft zwischen Italien und den Jugoslawen. der Kamps um Fiume. die Stellungnahme Wilsons in dieser um- strittenen Frage, die Abreise Orlandos im entscheidenden Moment. dies alles bat Wochen- und monatelang die Hauptarbeit und die Kräfte der Teilnehmer jn Anspruch genommen. D'Annunzios bom- bistische Flugblätter über die„italienischste aller Städte" t dabei shro in. ssiume die Italiener in der Minderheit« gipkew schließlich in der Behauvtuna. daß Jwlicn„da? siegreichste aller Völker"„ohne Unter- stützung gekämpft" und. trotzdem„den Sieg der Siege" erfochten hatte. Genau wie die Vertreter der kleinen und kleinsten Nationen, die alle in Paris zu Wort kommen wollten, mit Flugblätiern und Literatur Paris überschütteten, genau so fochten die Italiener und Jugoslawen ihre Kämpte miteinander auS. Der Zensor hatte schwer? Tag? damals. Die Italiener hatten verich'sdene Blätter hinter sich und benußten sie für ihre Zwecke. Ein hübsches Stückchen wird ans der Zeit berichtet, da der Krön- Prinz van Serbien, der in Pari? die Alliiericn zu n'einen Gunsten zu beeinilussen gehofft hatte, die Stadt, wieder verließ. Man sab ein« große weiße Stelle, wo der Zensor gewütet hatte, darüber als Ueberichrist„Der Skandal de? Prin-'n". und darunter der letzte Satz, der freilich tief blicken, läßt:„Glücklicherweise benahmen sich die Kellner mehr gentlemanlike als der Prinz selbst und so wurde der Friede wieder bergestellt." Auch die polnische Propaaanda war außerordentlich hektia. Der Verfasser er-ählt von einem Essen, an dem er teilnahm, wo die Ge- richte und Weine fast zu gut waren, um wirklich zu sein, wo dafür aber jeder Gast zwischen zwei langbärtige Bolen gesetzt wurde, die fast den ganzen Abend damit verbrachten, ibm die entsetzliche. Unter- drückuna durch die Deutschen, die Russen und die Tschechoilowaken auszuzählen. Ms Gewinn von wekem Abend trug er narb Hans: 1. einen sehr schönen Atla? von Polen. 2. ein wunderbares Buch mit dem Titel.Danzig-", 3. ein- Fluaschrist»Die Polen und die Frie- Unsere gestrigen Ausführungen über die cinffallende Wieden- vufrollung der sH a g g e n g e s ch 1 ch t e, die Pariser Blähet« und Agenturmeldungen über Geheimverträge zwischen Teutschland. und Sowjet-Rußland und über die ausweichende Antwort von Lloyd George im Unterl>gust bezüglich eines etwaigen Druckes der Alliierten ans die neutralen Grenz. staaten haben das Mißfallen der„Vossischen Zeitung" erregt. die uns, wenn nickt in bestimmten Ausdrücken, so dock min» destens zwischen den Zeilen vorwirft, damit Cd auf das Feuer zu gießen. Für wasckcckte Kontinentalpolitiker ist nämlich ein jeder ein„Hetzer", der nickt alle von französischer Seite nnrer« nominellen Aktionen oder eingeleiteten Manöver stillichwei» gend binnimmt. Dabei kann die„Vossische" gar nicht die Richtigkeit der Tatsachen, die wir angeführt haben, um die Situation zu kennzeichnen,- bestreiten: nämlich, daß Herr Millerand in seinen drei großen Parlomentsreden seit dem Vorfall am Pariser Platz diesen mit keiner Silbe erwähnt hat. woraus man doch schließen könnte, daß er ihm bisher keine besondere Bedeutung beigemessen hat: ferner, d-aß wichtige Pariser Organe, wie das Regierungsorgan„Temps" und der in ganz Frankreich in IV2 Millionen Auflage verbreitete „Petit Parisien" Meldungen über das Bestehen eines deutsch« russischen Geheimvertrages veröffentlichen. CDie zweifellos noch bedenklichere, von uns miterwähnte Tatsache, daß das 0 f f i z i ö s e H a v a s- B u r e a n— das französische 23TB.— eine ähnliche Behauptung verbreitet, läßt die „Vossische" in ihrer Polemik gegen uns wohlweislich unter den Tisch fallen!) Von der Erklärung Lloyd Georges im Unter« haus nicint das Ullstein-Blitt, wir hätten sie irrtümlich auf Deutschland bezogen, während sie nur die Tichecko-SIo- wakei betroffen habe. Diese„Richtigstellung" ist bezeickneud für die Oberflächlichkeit, mit der die kontinentalpoli» tischen Redakteure die wichtigsten Meldungen lesen. In dein betreffenden Rniter-Telegramm sind zwei Fragen vom Abg. Wedgewood und zwei Zlntworten von Llovd George enthalten: die erste bezieht sich auf die Möglichkeit eines Druckes ans die Tscheckw-Slowakei, in der zweiten ist ans- drücklich von der„ Ts checho- Slowakei oder an« deren G r e n z staa t en" die Rede. Und auf diese zweite slnsrage bat Lloyd George mit Bestimmtheit erklärt, er sei nicht in der Lage, irgendein Versprechen dahin abzugeben, daß „kein Druck im Sinne einer bewaffneten Intervention zu- gilnstcn Polens ausgeübt werde". Solcher Grcnzstaaten gibt es vier:- Litauen, Deutschland, die Tschecho-Slowakei und Ungarn. Wer von der„Voss." oder vom„Vorwärts" in dar Deutung dieser Antwort einen„Irrtum" begeht, mögen die Leser selbst entscheiden. Wir brauchten eigentlich nicht zu betonen, daß unsere Zlnsführilngen einzig den Zweck verfolgen, den Willen des deutschen Proletariats zur unbedingten Neutralität allen mehr oder minder deutlichen Ein- schiichtcriingsversiichen zum Trotz zn bekunden. Tie„Vossische Zeitung" erklärt zwar, daß ssa in dieser.Hinsicht vollständig mit uns übereinstimme, sie wird es aber begreifen, daß wr ihr nicht die alleinige 23ahrimg des deutschen Standpunktes Frankreich gegenüber überlassen wollen. Zumal ja das„Wirt. schaftspolitische Zusammengehen" mit Frankreich die Oiilnt- essenz des Denkens und Fühlens der deutschen Kontinental- volstiker bildet die sebr wobl imstande wären, manches und sogar ihre Entschlossenheit zur Neutralität der„Fata morgana" eines- solchen-Zlisammentvir.kenK des- französischen und des deutschen- Kapltalismns zu opfern.---- Um.es rund, heran?- zu sagen:. ein Blatt, für dessen kuschende Politik Frankreich gegenüber im-Januar d. I. die Pariser„Humanit�" keine andere Erklärung fand, als daß es von der französischen Regierung gekauft sei— ein sicherlich unbegründeter, aber dock bezeichnender und be« schämender Verdacht—, ein Blatt, das noch vor wenigen Tagen von einem Poincar ammmmmmmmmmmmmmmm wmmammmiwmmmmmmmmmmmmmmmmimmimmmmmmQ eenskvnfercnz" und außerdem noch sieben kleinere Bücher und Flug« schriften derselben Art. Ferner-eiqt der Verfosser, doß es nn Saebverstöndiven ans där Konferenz seblte und schildert die Entstebunq de? polnischen Korn- dors, den man zuerst in ganz anderem Umfange als jetzt geplant hätte, der aber unter dem Einfluß der Polen an Größe so schnell airnahin...wie eines Anglers Forelle, wenn er von ihr in seine n Klub erzählt". Ein klassisches Beispiel war'der Sachverständige fiit die lncsopotaniischc Frage, der seit über zwanzig Jahren nicht dort gewesen war und'der bervorqehölt wurde, um Zeugnis dafür ad« zulcven. daß Svricn noch nickt reif zur Selbstregierung sei. Bartlctt sagt selbst in der Einleitung, daß er ein Gegner Ele« rncnceailS sei und auf Seiten Wilsons und der vierzehn Punkie stehe. Er verurteilt den Frieden, wie er in Paris beschlossen wurde, und gießt die gan-e Schake seines Spotte? über die unzulängl-cke Arbeit, die dort geschehen ist, aus. Das Bild, das er entwirft, ilt wabrl'ch dunkel genug: Unkenntnis. Eiaennutz. Rivalitäten waren am Werk, wo in? Schicksal der Menschheit vielleicht auf Jahr» hundert? bestimmt werden sollte. Mit der Losung von dem Krieg, der die Kriege beenden tollte, waren die besten seiner Lanosleire ausgezogl-n. Nun mußten sie erleben, daß dieser Krieg genau so endete wie die vcr�-T.'ehenden. daß der Friedensschluß einen un«. würdiaen Schacher darstellte, in dessen Verlauf man die Landkarte der M-kt nach machtvosttiscken Gcsick-spunkten neu aufzeichnete uns unerlöste Gebiete schuf, nachdem vorder das Schlagwort vom Selbst« kest«"-mung-srecht überall verkündet worden war. Wer h-ntcr d'� Kulissen der Konferenz aeiehen hat, dem verstarki sich dieses Bild -noch ganz besonders. Während aber Keyn-e? in seinem bekano-'en Buch über die wirtschaftlichen Folgen des Friedensver'r-igs? Wilson -ls den Ideologen schildert, der keine realen Vortch'äae ausarbeit-'n konnte, nimmt B-arilett ihn gegen alle Angriffe in Schutz. Er be« müht sich zu zeigen, wie stark die Kräfte waren, die Wilson ent. gegenwirktcn, sowohl auf der Konserenz selbst, wie auch umer seinen republikanischen Landsleuten, die die Monrocdoklrin nicht opfern wollten. Bartlett hat sein Buch bereit? ini Juni Istist abgeschlossen. Du- - her ist es von gar» besonderem Interesse, da man sieht, wie manche der späteren Entbüllunae? uno Ereignisse dem Recht gaben, was der kluge und aufmerksame Beobachter erspäht hatte. Im Grunde müßte man ja noch viel mebr von all dem wissen. Iva? hinter den Kul'ssen der Fr-edenskonferenz vorgegangen ist. Aber wann wird die Welt wirklich erfahren, was in Pari? vorgegangen ist? Das deutsche Buch und da? Ausland. Die Einführung einer Aussubra-bgabe für alle deutschen Bücher und dm Höhe der Umrechnungskurse drohten den Ervort deutscher Bücher lahmzulegen hesonders nach den Ländern mit unterwertiqer Valuta lvor allem Oesterreich). Die Beschwerden des deutschen Buchhandels haben jetzt Erfolg aebabt. Um da? deutsche Buch im Ausland konkurrenzfähig zu erhakten, sind die durch die Veekaufsardming für Au?« landslieferungen vorgeschriebenen Umrechnungskurse neuerding« herabgesetzt worden. Auch bat der Buchhändler-Börsenverein bei den Reichsbehörden Verständnis für«ine Ermäßigung der Ausfuhr- abgäbe gefunden. hgfett seiner sogenannten Politik einen Gustave H o r vik!js,rungen ver Woche. Mi. Kleines Theater:„Kiinstkritil". Frei. Valksbükine:„Zlgeirnerliebe". Ilrauta. Sonntag: svn den Bergen Tirols. Montag. Donnerstag: Die Insel Si'gen. Dienstag, Freitag: Bon der Zng'pitzd zum Witzman». Miltwoch Sonnabend: Ober-Engadin und der Splügen. Da? Defizit der Münchener Staatstheater. Die finanzielle Lage der Münchener StaatSlbrater bat sich im letzten Soieliabr wieder erbeblich verichlcchtcrt. Die Gesamtausgaben erfordern einen Betrag von M 233 300. Der Fehlbetrag macht etwa4 200 000 M.au?. wäbrend für den letzten Zuschuß auS der Zivilliste nur ein Betrag von 750 000 M. vor- gesehen war. Bülmeuerronik. An Stelle d-S bisherigen Intendanten Zeih werden mit der Leitung der ft r a n k s u r t e r städtischen Theater Dr. Ernst Lcrt (Oper) und Obcrregisseur Weichert(Schauipiep betraut. Neue Dramen. Hugo von HosmannStbal hat ein neues Lustspiel in drei Akten„Der Schwierige'. Karl-schö-berr unier dem Titel„Kamps" eine„Tragödie der geistigen Arbeiter" beendet. Vani.Seyles Novelle„Grenzen der Menschheit", eine der schönsten Gaben des Dichters, ist soeben in Hesses Volksbücherei erschienen- Reichsadier- Wettbewerb. Der Reichskunstwart Prof. Redsloh hat unter den Zöglingen der Hoizschnitzschule Warwbrunn einen Wettbewerb ?ur Gewinnung eines Reichsadlers ausgeschrieben und hiersür 1000 M. zur Verjügung gestellt. richteten Angriffs, aber ebenso sehr gegen die Besetzung von Ge- bieten durch die Russen, die anderen Völkern gehören, wie z. B. A s e r b e i d s ch a n, dessen Unabhängigkeit anerkannt werden müsse. Der Beschluß protestiert ferner gegen die Besetzung litauischen Gebiet? durch Polen und gegen die Unter- drückung der autonomen Behörden Litauens durch die russischen Besatzungstruppen. Schließlich wird die Aufmerksamkeit aller Nationen auf die Lage Polens gelenkt, dessen Existenz bedroht ist und desien Unabhängigkeit traditionell eine der grundlegenden Forde- rungen des Prinzips der Internationale bedeutet. Die Jnter» nationale ist der Meinung, daß ein gerechter Friede die Un- abhängigkeit Polens zu garantieren habe, aber gleichzeitig prote- stiert sie energisch gegen jeden Versuch, die gegenwärtigen Ercig- Nisse als Vorwand zu benutzen, um sich in die russischen Angelegen- heiten einzumischen. Enst!cmK unö öie Neutralen. Die englische Regierung scheint noch nicht alle Hoffnung au.f° gegeben zu haben, den internatianalen Konflikt, zu dem sich der russisch-polnische Krieg auszuwachsen droht, auf dem Verhandlung?- Wege beizulegen. Sie verhandelte am Freitag von 314 Uhr nachmittags bis 9 Uhr abends mit der russischen Delegation und scheint dabei auch militärische Fragen erörtert zu haben; denn Kriegsminister Churchill und Feldmarschall Wilson nahmen an der Sitzung teil. Als Resultat der Unterhandlung gibt der Führer der russischen Delegation Kamenew die Erneuerung, der Blockade gegen' Rußland als Vergeltungsmaßnahme für'den Einmarsch der Sowjetarmee in das ethnographische Polen an. Die Spannung zwischen Rußland und England hat sich also verschärft. Die Verhandlungen jedoch sollen vorläufig fortgeführt werden. Zu diesem" Zweck wird sich England auch mit Frankreich von neuem ins Einvernehmen setzen. Lloyd George wird am Sonntag mit M i l I e r a n d in Hythe eine Unterredung haben, an der sich auch F o ch beteiligen soll. Sehr erfreulich ist es, daß sich jetzt auch die Arbeiter Frankreichs zu rühren beginnen. Nacki einer Mitteilung der „Humanste" hat die sozialistische Partei Frankreichs gemeinsam mit dem Allgametnen Arbeiterverband beschlossen, sofort Schritte zu unternehmen, um gegen jedes Unternehmen gegen Sowjetrußland zu protestieren. Mit Protesten allein kann man allerdings keine Politik machen. IS polengcfangene Deutsche sind endlich im Austausch gegen 16 deutschgefangene Polen zurückgebrocht. Es sind meist Flieger, Polizeibeamtc usw.-_ GroßGerlw Zur GrG-Serliner Magisiratswah!. Em Oberbürgermeister und ein Bürgermeister. Unter dem Vorsitz des Stadtverordnetenvorstehers Dr. Wehl fand am Freiiagabcno eine neue Sitzung des Stadtverordneten- ausschusses zur Vorbereitung der Wahl Der Magistratsmitglieder für das neue Magistrat? kollegium der Einheitsgemeinde Berlin statt. Nach längerer eingehender Beratung wurde beschlossen, dem Plenum der Versammlung die Wahl eines Oberbürger- Meisters, eines Bürgermeisters, eines Kämmerers, dreier Fachdezernenten, für das Hockzbau-, Tiefbau- und Verkehrswesen, sowie von zwei Stadtschul räten und einem Stadtsyndikus und endlich eine? Stadtmedizinal- rate? vorzuschlagen. Außerdem sollen dann noch 20 Mitglieder in Vorschlag gebracht werden. In der nächsten Sitzung sollen zu- nächst die Gehälter für die Magistratsmitglieder beraten werden, um dann zu der Frage einer Ausschreibung d e r, A e m t e r Stellung nehmen zu können. Die nächste Sitzung' findet am Frei- tag, den 13. August, im Berliner Rathause statt. Die Gartenverwaltung im neuen Berlin. Unter dem Vorsitz des Charlottenburger Gartendirektors Barth fand im Charlottenburger Rathaus eine Besprechung' der von den Gememdeverwoltungen Charlottenburg, Spandau, Wil- merSdorf, Zehlendorf, Schöneberg'-, Steglitz, Tempelhof, Neukölln und Reinickendorf entsandten Leiter der Gartenverwaliungen statt über die zweckmäßige Organisation der Gartenverwaltung der zu- künftigen Stäotgemeinde Berlin. Einstimmig empfahlen die Ver- treter die Schaffung einer. großen Zeutraldepu- tat ton, welche alle Verwaltungen vereinigt, die sich mit der An- läge und Unterhaltung bon Grünanlagen befassen. Es würden in dieser Deputation vertreten sein das Garten- und Friedhofswesen, Anlage und Verwaltung von Spiel- und Sportplätzen, Kleingarten- und Forstwesen. Es herrschte Einigkeit darüber, daß diese Ver- waltungszweige so nahe miteinander verbunden sind, und teilweise so stark ineinander übergreifen, daß eine Vereinigung derselben in einer und derselben Deputation dringend notwendig erscheint, um ein befriedigendes Arbeiten zu ermöglichen. Em Anschluß an die Tiefbaudeputation erscheint unzweckmäßig., da mit dieser nur ein nebensächlicher Zusammenhang besteht. Sollte sich unerwarteter Weise die Einrichtung einer besonderen großen Zentraldeputation' für alle.Grünanlagen nicht ermöglichen lassen, so könnte nur ein Anscbluß an die Deputation für da? S i e d l u n g s- und Wohnungswesen in Frage kommen. Die Entscheidung in der Steglitzer Luftbadfrage. Wie uns gemeldet wird, hat'das Gericht zur Räumungsfrage dar. Steglitzer Gemeindeverwaltung' gegen den Verein für Gesund h e i t s p f l e a e in Sachen des Steglitzer Luftbades statt- gegeben. Nach dieser Entscheidung muß das Luftbad abgebrochen werden. Drei Ministerien haben sich in dieser Angelegenheit auf die Seite de? Vereins gestellt und gegen die Anschauungen und Gründe der Gemeindeverwaltung Stellung genommen. Es waren die? Sie Ministerien für Volkswohlfahrt, das Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung und das Ministerium des Innern. Seitens der Gemeinde war die Räumungsklage damit begründet, daß sie den Plötz des Luftbades für die Erweiterung des Fried- Hofes nötig gebrauche. Daraufhin hat im Ministerium für Wissenschaft im Juli eine Besprechung zwischen Regierungsver- tretern, Mitgliedern der Landesveriammlnna, Vertretern der Ge- meinds und des Vereins für Gesundheitspflege unter Vorsitz des Ministers Haenisch stattgefunden. Das Ziel dieser Besprechungen sollte die Herbeiführung' einer Einigung zwischen beiden Par- teien sein. Man war sich darüber einig,'daß die Erhaltung des Luftbades, eins dringende Notwenvigkeit'und eine Schließung ein? ernste Gefährdung der öffentlichen Interessen darstellen würde. Auch der DevölkerungsaussSuß der Landesver- sammlung hatte sich mit der Frage der Luftbadbehandlung din- gehend befaßt und einen Antrag angenommen� der allen Gemeinden Preußens die Errichtung von Luftbädern zur obli- gatarischenPslicht machte. Daraufhin haben hie drei genannten Ministerien in einem Schreiben an die Gemeinde Steglitz darauf hingewiesen, daß die Rücksicht auf die allgemeine Volksgesundheit gegenüber kommunalen Gesichtspunkten ein Fortbestehen des Steglitzer Luftbades drin- g'end erfordert, und mehr, well Kommunalinteressen ernstlich nicht gefährdet sind. Das Lustbad solle ja schon im nächsten Jahre, so heißt es in dem ministeriellen Schreiben weiter, in erweitertem Umfange und vollkommener Ausgestaltung aus benachbartem Ge- lände in Schöneberg neu eröffnet wcroen. Die breite Oeffentlichkeit würde sich mit einer entgegengesetzten Haltung der Gemeinde Steg- litz schwerlich abfinden können Sollte die Schließung des Lust- bades, so betonen die Minister ausdrücklich, Tatsache werden, so würde sich das Parlament der Sache annehmen. Dqs HZMnöms öes MZröers ösck. Nachdem die Vernehmungen des Geschwisterpaares Nägler durch die Krimmalkommisiare Gennat und Bänger abgeschlossen waren, wurde gestern nachmittag' mit dem Verhör de? Hauptschuloi» gen. des Drogisten Wilhelm Bock, beg'onnen. Dieser befand sich immer nr.rft in der Meinung, daß er lediglich wagen seiner Schleich-- Handelsgeschäfte festgenommen worden se'i.� Da man in seiner Woh- nung auch noch einen Karton mit K o k a i n t a b le t t e n gefunden hatte, gab er diesen verbotenen Handel mit Heilmitteln auch zu. Er klagte sich auch selbst an, daß er es unterlassen habe, die Wert- fachen, die er am Brandenburger Tor gefunden haben wollte, nicht abgeliefert zu haben, entschuldigte dies aber damit, daß er in Ge- schäften ständig unterweas gewesen sei. Daran, daß es oie-oolsyer geraubten Sachen sein könnten,'habe er gar nicht gedacht. Immer- hin sei es unverantwortlich von ihm. daß er den Fund nicht sofort der Polizei übergeben habe, Als man ihm dann vor'hie-t, daß er durch den Besitz der Wertsachen des Ermordeten in den Verdacht stehe, an dem Verbrechen beteiligt zu sein oder doch um dieses zu wissen, wie? er dies ganz entschieden von sich. Sein sicheres und bestimmtes'Auftreten verwandelte sich aber plötzlich in größte Ver- legenheit. als Gertrud Nägler in aas Zimmer hereingeführt wurde. Es folgte eine bhchdramatische Szene. Bock sagte kein Wort, auch als das Mädchen auf ihn zutrat und ihn mit den Worten anredete:„W i l I h, sag doch o: e Wahrheit, es i st alles zu Ende", fand er oie Sprache zunächst nicht wieder. Endlich aber brach er vollständig zusammen und gab dann auch zu, die Tat mit dem Mädchen ausgeführt zu baden. Er schildert sie sodann so, wie das Geschwisterpaar sie bereits'dargestellt hatte, versucht aber, die Hauptschuld von sich abzuwälzen. Ihm wäre der Gedanke dazu nie gekommen. Wenn er schließlich dem� Ansinnen NäglerS nachgekommen sei, so habe er dies nur aus Mitleid mit dem Geschwistervaare gemackt. weil sich diese? in Geldverlegen» beit befunden habe. Ihm hätte an dem Raube nicht? gelegen. Nichtsdestoweniger hat er sich- 3000 M. als Anteil auS dem Erlös der Ringe auszahlen lassen und das Paar obendrein noch um die anderen bei ihm vorgefundenen Wertsachen betrogen. Er gibt zu, die Aetherflasche besorgt zu haben, doch wit! er sie Nägler schon vor längerer Zeit gegeben haben. Dieser habe sie sich geben lassen, um sie"einer Bardame, die er kennen gelernt habe, auszilhändigen. Diele Bardame habe Nägler darum a'beten, weil diese damit'hre Serrenbekannlschaften ei« wenig betäuben wollte, damit'diese fester schlafen und sie nicht stören sollten, wenn sie deren Brieftasche er- leichterte. Nägler habe die Flasche aber nicht weitergegeben und jetzt hätten sie sie zu dem Raubüberfall benutzt. Ein ungetreuer Hausdiener ist dieser Tage in der Person deS Radfahrers Otto Hamm von der Berliner Kriminalpolizei er» mittelt worden. H. war mtt einem Dreirade der Firma Müller und Braun, Landsberger Str. 92. mit einem Sack Kaffee zu Kunden, geschickt worden und hatte den Sack hierbei unterschlagen. Der Kaffee wurde in kleinen Posten bei einzelnen Kaufleuten, im Norden Berlins verkauft und der Erlös, den er mit zwei Helfern, dem Arbeiter S e e l i g und. einem gewiss-'» S o l t m a n n, geteilt. Den Erlös wollen die drei im Alter von 13 bis 18 Jahren stehenden Täter gemeinsam in Tegel verjubelt haben. Während der Kafsce in den Geschäften beschlagnahmt werden konnte, fehlt zur Stunde noch das wertvolle Dreirad, welches die Täter bei Reinickendorf auf freiem Felde stehen gelassen haben wollen. Der Poketverkehr mit Kiel ist infolge des dortigen Transport- arbeiterstreiks eingestellt. Im Zootogiscyen Marten lvielt nrn Sanntag von ö Nhr nackmittags alP die Kapelle der Berliner SicherheitSii'ebr unter Leitung des Mutit- direltors Brase. Eintritt 2 M., Kinder die Hälfte. DaS Ayuarium ist bis zum Beginn der Dun.'elheit geöffnet. Vorträge. Verewe unü Versammlungen. Nchnblikanifchrr Ftihrerbund. Vezirk 8 tZentrumT Versammlung am Sonntag voim. ö Ubr, Nückcrstr. 7 bei Tbiele.— Schlesierverein Nülrzabl Cl.artoitcnliurg. Sonntag Ausflug nach Pichelswerder, Wiese binter Resiauraiit Freund. Bci� schlechtem Wetter Versammlung 7 Uhr im Vereintlotal, Kaiser-Friedrich-str. 63. Sroß-Herline? partdisachrichten. Morgen, 8, August: Oberschöneweide. Gemeinsamer Ausflug, Kinder sind mitzubringen. Treffpunkt 12' l2 Uhr mittags an der Evangelischen Kirche. lußenüveranstattungen. Heute, 7. Llngust: Achtung! �bteilungsVorsitzenSe! Heute abend-Z7 Ubr im Zcniraljngeiidheim, Liudenstratze 3. S. Hof. 3 Treppen: MtettungSVsrftZnöe-Kotiferenz, zu der auch die Vertreterinnen der weiblichen Jugeud zu erscheiueu tiaben.— Aeusicrst wichtige Tagesordnung! Erscheiueu aller ist notwendig! Auswetckarte» und Wtügitedobücher mitbringe»! Charlottenburg: Augeudh., Nosincnstr. 4 lVolkshans) Nachtwanderung. Treffp. 6 Ubr im Fugeudbcim.— Gesundbriisiiie»: Nachtwauderung nach Malchow— Nonnen flieh— Schwärzesee— Eberswalde. Treffp. 6 Ubr Bahnhof Gesundbrunnen(Eing. Vorortbabnh.).— Lichtenberg: Nachtwanderung BeUiner Schweiz. Treffpunkt'',6 Uhr Batmh. Stralau— Rummclsburg.— Moabit: Nachtwauderung. Treffp.'jJ Uhr Stromftr., Ecke Turmltr.— Pankow: Nachtwanderung Schwärzefce. Treffp. 6 Upr Brettestr.. Kirche. — Tegel': Wanderung Licpnitzfce. Treffpunkt y»7 Uhr im Jugendheim.— Weste»; Nachtwauderung Bernau— Üicpnitzjee— Biesenthal. Treffp.*1,7 Uhr Hochbahnhvf Bülowstraffe. Sonntag, 8. August: Niederschönhause»: Wanderung Werlsee. Treffp. 6 Uhr Friedens- platz.— Osten(Btralaner BiertcO: Wanderung Nauen— Gr.-Behnitz. Treffp. YF Uhr Nudolfplap.— Schönhauser Vorstadt II; Wanderung Erkner— Ätöritzsee. Treffp. htzv Uhr Bahnh. Schönhauser Allee.— Tempelhot: Wanderung Pützcroordei sec. Treffp."Iß Uhr Bahnhos Tempelbof.— Wilmersdorf: Wandelung Bernau— Licpmtzfee. Treffp.'iß Uhr Bahnh. Schmargendorf. Sport. Ringkämpfe in Schütteberg. Gestern_aBenb gelanate zuerst der Entscheidungskampf Hawlitschek und De Souza zum Austrag. De Souza siegte nach 1 Stunde 17 Min. Beim nächsten Kampf siegte Landau über May nach 44 Min. Die nach übrige Zeit bis zur Polizeistuads wurde durch den Entscheidungskampf Eriksen— PI- netzki ausgefüllt. Ein Resultat wurde in dieser Zeit nicht erziÄt. Heute wird der Entscheidungskampf Naber—-Ritzler fortgesetzt, nach- dem Entscheidungskampf Hochdanen— Eriksen, außerdem ringen Reiber— Petitjean und Landau— Hawlitschek. Sport in der Sicherheitspolizei. Die Sicherheitspolizei �Gruppe Mitte! veranstaltet am Mittwoch, um 4 Uhr, aus dem B.-S.-C.-Platz am Kursürstendamm, Cicerostraße, durch 200 Meldungen ausgezeich- nete leichtathletische Wcttkämpfe. Während der Wettkämpfe spielt die Kapelle der Polizeigruppe Mitte unter Leitung des Musik- direltors Brase. Hewerkschostsbewegung Einsprüche gegen Entladungen. Einhaltung der Fristen. In letzter Zeit'' sind vor dem SchlichtungsausMuß Groß- Berlin verschiedene Beschwerden wegen ungerechtfertigter Entlassung deshalb nicht zur Verhandlung gekommen, weil seitens der Beschwerdeführer die sich aus den Paragraphen 8 4 und 86 des Betriebsrätegesetzes ergebenden Fristen für die Anbringung von Beschwerden nicht eingehalten worden sind. Dadurch wird es den Betroffenen so gut wie unmöglich gemacht, zu ihrem Rechte zu kommen. Es ist dader in erster Linie Pflicht aller Betriebsvertretun- gen, über diese Fristen genau informiert zu sein. Die Fristen sind: 1. Anrufung des Arbeiter- oder Angestelltenrates durch den betroffenen Arbci-tnebmer innerhalb 5 Arbeitstagen nach der Kündigung. 2. Anbahnung von Verhandlungen durch die Arbeit- nehmervertretung innerhalb weiterer 6 Arbeits- tage. 3. Anrufung des Schlichtungsausschusses innerhalb weiterer 5 Arbeitstage. Der letzte Termin der An- rufung des Schlichtungsausschusses ist also der 1 6. Arbeitstag nach der erfolgten Kündl- g u n g. Wenn diese Fristen versäumt sind, besteht auf Grund des Z 90 noch die Möglichkeit der Wiedereinsetzung in den vorigen Stand. Dieselbe mutz innerhalb zwei Wochen, sväte- stens jedoch innerhalb eines Monats, vom Ende der ver- säumten Frist an gerechnet, beantragt werden. Wird auch diese Frist versäumt, so besteht ksine Mög- lichkeit mehr, auf Grund des B. R. G. etwas zu unternehmen. Unabhängige GewerkschastsZerftörer. Halle o.©., 7. August.(Eigener Drahtbericht des„Vorw.") Gestern abend tagte in Halle eine Konferenz der Gewerkschafts- funktionäre, Betriebsräte sowie revolutionären Vertrauensleute und Funktionäre der Unabhängigen Partei, um über das Zu- fammengehen der Räte mit den Gewerkschaften oder über selb- ständige wirtschaftliche Räteorganlsationen zu entscheiden. Der unabhängige ReichZtagsebgeordnete Robert D i tz m a n n referierte über den Standpunkt der gewerkschaftlichen Zusammenfassung, während als Korreferent das Mitglied des ZentralverlbandeS der unabhängigen Partei, Wilhelm K o e n e n, über die selbständigen Räteorganisationen spräch. Bei den Referaten ist es zu scharfen Zusammenstößen gekommen. Ditzmann wurde mit seiner Anficht, daß die Räteorganisationen sich eng an die Gewerk- schoften anlehnen müssen, von seinen radikalen Brüdern her- untergeschrien, während mit großer Majorität dem. Bor- schlag des Korreferenten.Koenen, selbständige wirtschaftliche Räte- organisationen zu errichten, beigestimmt wurde. Auch bei den un- abhängigen Gewerkschaftsvertretern herrscht über diesen gegen die gewerkschaftlichen Lrganisatwnen gerichteten Beschluß große Er- regung. Bemerkenswert ist, daß den Vorsitz über diese geWerk- schaftliche Konferenz nicht der. Vorsitzende des Gewerkschaftskar- tells, sondern der als raidikäl bekannte unabhängige Ortsvorstand Lenck hatte. Lohnabkommen in üer MetaUmöuftrie. Wie uns aus Frankfurt a. M. gemeldet wird, haben die Metall- industriellen Hessen-Nassaus, Hessens und der an- grcnzenoen Gebiete mit dem Frankfurter Metallarbeiterverband eine Vereinbarung getroffen, und zwar folgendermaßen: Es tritt, rückwirkend vom 22. Juni 1920, eine Lohnerhöhung auf den Eesamtverdicnst als außerordentliche Zulage ein. Bei Firmen, die mit verkürzter Arbeitszeit arbeiten, soll der Ausfall der Arbeitszeit bis zu 20 Proz. des Differenzbetrages ab 1. August bezahlt werden. Der Verband machte weiter das Zugeständnis, daß er semen Mitgliedern empfiehlt, falls vorher Vereinbarungen ge- trösten worden sind, die über den Rahmen der heutigen Zugestand- nisse hinausgehen, dieselben bis zum 31. Juni gelten zu lassen. Vom 1. August sollen jedoch die genannten Vereinbarungen allge- mein Platz greifen. Ter Grost-Bcrliner Blumengeschäftstarif. Der vom Verband der �Gärtner und Gärinereiarbefter mü dem Verein aer Blumengeschöftsinhaber Groß-Berlins E. V. am 2. Mai für die gewerblichen Angestellten der Blumengeschäfte Groß-Berlins abgeschlossene Tarif ist für den Geltungsbereich_der Einheitsge- meinbe Groß-Berlin für allgemein verbindlich erklärt worden. Dre allgemeine Verbindlichkeit beginnt mit dem 12. Äuni �1220. ES haben somit alle in den oben erwähnten Betrieben beschäftigten ge- werblichen Arbeitnehmer ein klagbares Recht auf d:e festgesetzten Lohnsätze. Ein Binocr verdient nach zwenähmger Lehrzeit 82 M. und nach fünfjähriger Berufstätigkeit 140 M. pro Woche. Für Binderinnen gelten Lohnsätze von 70 M. bis 112 M. wöchentlich, Für Lernende ist im ersten Lchrjahre ein Lohnsatz von 22 M. im Monat, im zweiten Lehrjahre 100 M. im Monat festgesetzt. Be- stehend« Lehrverträge sind unter Berücksichtigung ver- vereinbarten Satze entsprechend abzuändern. Obwohl die Arbeitgeber ständig über unersättliche Forderungen der Arbeiluchmerschaft klagen, wird das Publikum aus den auge- gebenen Lohnsätzen vie Ueberzeugung gewinnen, daß die Arbeit- nehmerschaft im Bindereigewerbe sich noch mit elenden Lohnen durchschlagen muß._ Bund der technischen Nngestellten und Beamten. Mitglieder v e r i a m m I u n g e n am M o n t a a, den S. ül u g n it, Wildau- nbeuds 71/,, Uhr. im i�etcllichavsliau-Z Zeuthen.— Norden II, abends 7'/, Uhr. im Kleinen Schultheis Kastanien-Allee 23. Am Dienstag, den 10. Augn st, abends 7 Uhr, N o r d w e st 1 1 im Reitaurant Zum Schnllheiii. Anvalidcnstr. 35.— O r a n i e n b u r g im Ncslaurant Reichs- hos, Oranienburg. Bernancr Str. 38. Deutscher Werknieiitcrverband. Bezirksverein 20 �Fachgruppe VIl), am 9. August, abends 7 Uhr, im Ratsleller, Monatsvcrjammlung. Wirtschaft Die Schuld an den hohen Preisen für VolkIhekleidung. Zwischen dem Vorsitzenden des Ausschusses der Reichs- Wirtschaftsstelle für K u n st s p t n n st o f f s unid S t o f fab- falle und einem Mitglied dieses Ausschusses, einem sächsischen Fabrikdirektor, findet eine polemische Auseinandersetzung statts der wir folgende sehr interessanten Darlegungen entnehmen. Der Fabrikdirektor schreibt: „Ich habe es als einen Fehler in der Führung der Lumpen, und K u n st s p i u n st o f f w i r t s chn f t erklärt, daß man die bei Kriegsende bei uns vorhanden gewesenen- Roh- maierialien nicht zur planmäßig geordneten Herstellung der so dringend notwcnd'gcn VolkSbekleidunlg verwendete, sondern dieselben dem freien Handel zu beliebiger Ver wen- düng auslieferte. Ich habe auf die große Verteuerung der Volksbekleidung hingewiesen, vte auch zum Teil ans diesem Fehler entstanden ist. Herr M. findet nichts Unrechtes dabei, wenn der Arbeiter, wie ich es in meiner Abhandlung geschildert habe, für einen Barchent aus Kunfttbaumwolle, dessen Herstellung keiner- lei besondere Intelligenz des Fabrikanten erfordert, an- statt 3L2 M. per Meter, wie er in der Zwangswirtschaft soeben noch hergestellt werden konnte, 24 M. in der freien Wirtschast, auS den inzwischen dorthin abgegebenen Roh- matcrialbeständen hergestellt, bezahlen mußte. Ich wollte ja gerade durch die Z w a n g s b e w i r t s ch a f t u n g der Vor, rate verhüten, daß deren Preise, sich nach den Weltmarktpreisen richtend, umio höher steigen, je niedriger die Mark im Ausland sinken konnte. Weil man die Bestände dem freien Markt zuführte, so kosteten eben solche, die soeben noch mit 1 M. per Kilogramm aus der Zwangswirlschaft abgelassen wurden, bald daraus 10 mal mehr und veranlaßten bei uns Warenpreise für den Arbeiter, die denselben zu LohnerhAhumgen n ö t i g t e n. Jetzt sitzen, die Händler auf hrben Warenpreisen, zu denen sie nichts verkaufen können. Die Käufer wissen, daß z. B.- Waren aus 20 er Baumwollgarn gefertiot wurden, die bis 160 M. per Kilogramm kosteten, heute aber bis zu 47 M. herabgesetzt gehandelt werden. Dem entsprechen die herunter.- gesetzten Preise in den Geschäften noch lange nicht: Tie Käufer streiken also fort; wie lange noch, etwa bis die aus. den so verbilligten Garnen erzeugten Waren angekommen sind? Solange die Käufer, strsiken, solange fehlen den Fabri- kanten die Aufträge und. de n.A rbei t er n die Arbeit. Was sM geschehen? Diese Frage muß zwischen Vertretern der Arbeit- geber und Arbeitnehmer in den ReichswirtschaftSstelleg schnell- stens besprochen werden. Hostetltlich konstituieren sich zu dem Zweck die Reichswirtschaftsstellen-- recht rasch in paritätischer Besetzung, wie solche kür die Reichswirtschaftsstelle für Knnstfpinn- stoffe und Stoff ab fälle b e r e i t s A n f ä n g d, I. beschlossen, aber noch bis heute nicht durchgeführt wurde. Die bei der Reichs-Haöern A.-G vorhanden gewesenen Bestände in Wollumpen sind genau wie die Baumwollumpen kurz nach Aufhebung der Beschlagnahme wegen der Entwertung des Markkur'es n nd e r n ü n s tig in vie Höbe gegangen. Jetzt befinden sich die Storfe aus den teueren Wollumpen ebenfalls in den Lägern der Verkaufsgeschäfte. Inzwischen ist der Kurs der. Mark gestiegen. Jetzt müßte der Fabrikant dem Händler eigentlich den früber wegen der Markentwertung aufgeschlagenen Preis, der lediglich Konjunkturgewinn darstellt, zurückzahlen, damit die Waren auch so billig verkaust werden können, als die, welche jetzt wegen der Besserung des Markkurses billiger abgegeben werden Wenn kein Ausweg gesucht wird, daß die Händler ihre teueren Waren ohne zu.großen Verlust zu er- leiden recht bald los werden können, so entsteht in der Textil- Industrie eine ungeahnte Katastrophe." Für uns gibt es nur eine Lösung, nämlich den Zusammen- fchlutz der Teptilfabrikauten zu g e m e i n w i r t sch a f t l i ch or- ganisierten Fachgruppen. Den wirklich fachkundigen Unternehmern bleibt dabei noch genügend Spielraum für die technisch-organisa- torische Ausgestaltung des eigenen Betriebes zur Erzielun van Höckistleistungen. Di« Be'chaffung der Bekleidung ist ein« sehr wichtige Anqeleaerkhl it des Volksgesamtbeit. zum größten Teil eine technisch einfache Massenproduktion. Dem Wucher der Unter- nebmier und Schieber kann nur aui dem Wege der Organisation bei» gekommen werden. Die sich täglich vermehrende Schar der arbeits- losen Textilarbeiter dürfte bald lauter sprechen, wenn die organi- sierte Arbeitsbeschaffung nicht in aller Kürze einsetzt. Wie derdient wurde? Wir erhalten folgende Einsendung: Die. jetzige WirtschaftS krisis ist die Folge de" übergroßen Gewinnes,- welcher auf alle Waren vom K o p i: a l erzielt wurde. Die Hauptschuld daran tragen. die Fabrikanten. D'3 Herrenstoffe waren im August/September vorigen Jahres in der mittleren Preislag? von 60 M. pro Meier und dieselben. Qualitäten wurden auf einen Preis von zirka 220 M. gebracht, das beißt sb Fabrik. Zwar stieg das Material- enorm, aber in diesem Umfange doch: nicht; die messten Fabrikanten, hatten ja auch g r o ß e Lager billigeren. Materials Nebenbei hatten auch die S t o f f h ä n d l e c viel Schuld an der Teuerung, da dieselben 20-M.--weise pro Meter freiwillig mehr gaben, auf den teuersten Waren sitzest sie jetzt fest. So kam es häufig vor, daß in den Verkaufsbüchern auf ein und derselben Seite die Ware nach dem alten Abschluß von vor 4 Wochen, zu 40 M., nach n e u e r e m zu 70 M. und n e u st eM zu 110'M. stand. Der Lohn stieg aber erst im Januar, dann ab 1. April in gar keinem Verhältnis zu den Nicienausschlägen, folglich koniute sich kein Arbeiter etwas außer den Rahrungsmitt-eln kaufen, und so geht die sichtbare Verarmung des Volkes rasch vor sich. Dagegen kam es, daß die Kapitalisten zu G r o ß k a p i t a- listen wurden, da Gewinne von ungeahnter Höhe erzielt wurden. Eine Weberei mit zirka 40 Webstühlen hatte in den mittleren Preislagen bis zu 100 M. pro Meter einen Umsatz von zirka einer Million monatlich, es wurden mindestens 30 Proz daran verdient. Wenn dies so weiter gegangen wäre, hätte sich ein Jahresotwinn von 3 000 600 M. ergeben. Das wären aber immer noch die eb r- l i ch e n Fabrikanten gewesen. Die meisten von diesen Wucherern laben diese Summ« vom Oktober 1910 bis Februar 1920 verdient. Daraus erklären sich auch die Neuanschaffungen, Erneue- rungen der Gebäude und dergl., LnxuSanschaffungen in Privat, um möglichst viel Geld vor der Steuer ver- schwinden zu lassen, während der Arbeiter jede verdiente Mark für Brot mit 10 Proz. Abzug versteuern muß. Die Umstellung bei Krupp. Bei der Fr'edr. Krupp A.-G. ist die Umstellung so weit gediehen, daß der Bau von lä n d w i r t- s ch a f t l i ch e n Maschinen nach dem Fahrschcn Spstem ir> Massenfabrikation stattfindet. Die mit der Maschinen- fobrik Fahr A-G., Gottmadingen(Baden), gemeinsam gegründete Krupp- und Fahr-Erntemaschinen-Vertrieb G. in. b. H. nimmt am 1. September d. I. in Berlin ihre Tätigkeit-auf. Der Absatz im Ausland geschieht durch die Werke selbst. Gerickitszcitung. Wer andern eine Grube gräbt.-- Daß kleine Ursachen mit- unter' große und zumeist recht unangenehme Wirkungen austösen können, ha: der Kaufmann Max Winterfeld in einer sehr folgenfchweven Weise erkennen müssen.— Zwischen.der Familie des W. und den Familienmitgliedern ves.in demselben Hause wohnhe-k- ten Postsekretärs F. bestand seit längerer Zeit ein sehr gutes freund- schaftliches Verhältnis, welches in kurzer Zeit auch zu verwandt- f ch a f t l i ch e n Beziehungen führen sollte, da W. einen hmrats- sähigen Sohn und F. eine gleichalterige Tochter hatte. Zwischen den jungen Leuten kam es anläßlich einer- Wandervogeliahrt zu einer heftigen Eifersuchtsszene und die Folge war ein. Bruch zwischen beiden. Die- weitere Folae war. daß die beiden präsumtiven Schtvie» gerväter auch plötzlich stillschweigend einen Bogen machten, wenn sie sich trafen. Am schlimmsten trieben es die beiden Schwiegermüticr in spe, welche sich gegenseitig mit Gift und Galle überschütteten und dementsprechend bald den Schiedsmann und die Gerichte in Tätigkeit setzten. Als Frau F. eines Tages erklärte, daß sie froh sei, daß ihre Tochter nicht den Sobn eines„Schiebers" ge- heiratet habe, erfolgte prompt die Beleidigungsklage und ellz Antwort darauf machte Frau F. der Polizei Mitteilung: daß SSn n.t-e-r-f e l-o e in e n mm f a n a r ei che n S chl c i ch h a n deck m r t Butter. Wurst und Speck treibe und an Re- staurateure verkaufe. Eine Haussuckiung bei W.-förderte auch, etwa 20 Pfund Butter und mehrere Speckseiten zutage, welche befchla-g- nahmt wurden.-Winterseid wurde deshalb zu 2 Wochen Ge- fängnis und 1000 Mark Geldstrafe verurteilt. Gegen dieses Urteil legte er Berufung ein. nachdem er aegcn Frau F. in- zwischen Strafanzeige wegen fahrlässigen Falschcides erstattet bgit>r. Die Berusungskämmer kam zu einer Verwerfung der Be- r u f u n g:*_ Theater See Woche. Vom 8. bis IS. August. �yllsbLbne: 7:— 12. wer Kuhreigen. 18-— 15. 3igeunerNe!--— Opernhaus! Bis 28. 8. gsschloileir.— Sckilmspielhaus: Die Strohwitwe— Deritsches Theater: Bis 15. Weibsteufsl. IS Cheni. Leutnant.— Kammerspiele: Die NetbrllSe. , 18. Weihstemel.— Lefsingtheatert Das Glas der Jungfrau.— Theater i. d. ! KSnigzrätzer Straße: Das Gefländnis.— Schlll-rthrater: Der Rabenoatcr. T«>, l i>»>. Tie Tribüne: Dunbury.— Komädienhau»: Vet,-Kalner-Balle!t. — Berliner Theater! Der legte Walzer.— Kleines Schonsplelhans: Die Büchs- der Pündora.— Trianon-Theatsr: Untreu.— Nepdenztbeater: Die Rakchlioffs.— Kleines Theater! 7—10. Elise Leniing 11.— 15. Die Kunstkritik.— gsntralthcatex: Die nerschwuudene Paulwe.— Komische Oper: Die ffrau im Dunk-ln.— Lust- fpielhans! Der ungetreue ESehart.— Metropoltdeater: eini weiften BEchi.— Neues Opersttsnhaus: Prinzessin �riedl.— Tlialiatheater! Arbeit tes Tänzerin — Th-awr am Rollendorfnlah: Eule Nacht im Paradies.— Theater des TSetrens: Ehem. Leutnant— Nose-Theater: Ein Waltertramn.— Kasino-Theatrr- Ad H, Knorps sei. Witwe.— Lniseutheater: Das Seiligtum des Herzens.— Neues Bolks- thcater: Familie.— Folies Caprlce: Flimmerklärchen. Zlathmiltansuorstellungen. Bolksblibne? 7-, 8, 14.>l 15. Die Fledermaus, r- Tricmou-Theater: 8. Störenfried.— Residenz-Tbeater: 8. Der nute Ruf.— Tbcater am Noll-ndorfnlichl 8. u 15. Drei alte Sch£tchte!n.— Rose- Theater: 15. Gespenster.— Lutsen-Thaater: 8. Verbotene Liebe. 15. Ich lasse Dich nicht. NeraMwortlich für den redaktionellen Teil: S. L-pdr-. Dermsdorf: für Anzeigen: Th. Glocke, Berlin. Verlag: VorwZrts-Verlng G.m.b.H., Berlin. Druck- Vor- Wärts-Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer n. Co.. Berlin. Lludenttr. Z. Xasten-,. I�eZter�vsAen klorilllus, IVilveimsirosse ,2a. T] Wandlitz. Quadratrute B0 Mark, 100 Marl Anzahlung. hülsen, Steglitz, Vionoillcstr. ll. 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